Nr. 23
9. Juni 2022 Fr. 5.50
schweizerfamilie.ch
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GANZ
UND GAR UNSER GROSSES GRILL-EXTRA WIDMET SICH GROSSEN STÜCKEN SEITE 34
SCHWINDEL
WAS IHN AUSLÖST UND WAS HILFT SEITE 60
ALFRED WALDIS
ER BRACHTE DAS VERKEHRSHAUS ZUM FLIEGEN SEITE 24
MENSCHEN
Conny Hartmann fotografiert Klein Mauro, die Eltern Dominique und Lukas Emmenegger schauen zu.
MENSCHEN
Die Fotografin legt Baby Mauro auf ein weiches Kissen.
Als träumten sie sich in die Welt hinein: Fotos von Neugeborenen.
EIN BILD VON
EINEM MENSCHLEIN Kommt ihr Kind auf die Welt, ist das für Eltern ein besonderer Moment. Die Fotografinnen der Firma Baby Cute halten diesen fest – mit entzückenden Babyfotos und viel Gefühl für die Neuankömmlinge. — Text René Staubli
S
ie weiss mit Babys umzugehen, das sieht man auf den ersten Blick. Ruhig und entspannt schält die Fotografin Conny Hartmann den kleinen Mauro aus seinem Strampler. Dann wickelt sie das Neugeborene ziemlich straff in ein farbiges Tuch, so, wie es bei Naturvölkern üblich ist. Mauro mag es, gepuckt zu sein, weil es ihn an die Enge im Mutterleib erinnert.
10 S C H W E I Z E R F A M I L I E 2 3 / 2 0 2 2
Fotos Esther Michel
«Man bringt das Baby zum Fotostudio auf dem Spitalflur, kurz darauf sind die Bilder schon gemacht.» Dominique Emmenegger, Mutter
Sie legt ihn vorsichtig auf der Wolke ab, einem Nest aus weichem Fell. Das Baby schläft mit geballten Fäustchen selig weiter, während die Fotografin zur Kamera greift und aus verschiedenen Perspektiven ihre Fotos schiesst. Die frischgebackenen Eltern Dominique und Lukas Emmenegger aus Rothenburg LU stehen daneben, zeigen ihre Fotos: Baby Cute
→ SCHWEIZER FAMILIE 23/2022
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MENSCHEN
Conny Hartmann fotografiert Klein Mauro, die Eltern Dominique und Lukas Emmenegger schauen zu.
MENSCHEN
Die Fotografin legt Baby Mauro auf ein weiches Kissen.
Als träumten sie sich in die Welt hinein: Fotos von Neugeborenen.
EIN BILD VON
EINEM MENSCHLEIN Kommt ihr Kind auf die Welt, ist das für Eltern ein besonderer Moment. Die Fotografinnen der Firma Baby Cute halten diesen fest – mit entzückenden Babyfotos und viel Gefühl für die Neuankömmlinge. — Text René Staubli
S
ie weiss mit Babys umzugehen, das sieht man auf den ersten Blick. Ruhig und entspannt schält die Fotografin Conny Hartmann den kleinen Mauro aus seinem Strampler. Dann wickelt sie das Neugeborene ziemlich straff in ein farbiges Tuch, so, wie es bei Naturvölkern üblich ist. Mauro mag es, gepuckt zu sein, weil es ihn an die Enge im Mutterleib erinnert.
10 S C H W E I Z E R F A M I L I E 2 3 / 2 0 2 2
Fotos Esther Michel
«Man bringt das Baby zum Fotostudio auf dem Spitalflur, kurz darauf sind die Bilder schon gemacht.» Dominique Emmenegger, Mutter
Sie legt ihn vorsichtig auf der Wolke ab, einem Nest aus weichem Fell. Das Baby schläft mit geballten Fäustchen selig weiter, während die Fotografin zur Kamera greift und aus verschiedenen Perspektiven ihre Fotos schiesst. Die frischgebackenen Eltern Dominique und Lukas Emmenegger aus Rothenburg LU stehen daneben, zeigen ihre Fotos: Baby Cute
→ SCHWEIZER FAMILIE 23/2022
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MENSCHEN
MENSCHEN
Alois Kaufmann beschäftigt bei Baby Cute einzig Frauen als Fotografinnen.
Entzückender Anblick: Frisch geborene Wonneproppen. Vom Glück der Eltern mit ihrem Neugeborenen: Auch Mutter und Vater werden mit Mauro, ihrem ersten Kind, fotografiert. Conny Hartmann schiebt das rollende Fotostudio an den gewünschten Ort.
Freude und liebkosen ihr Baby zwischendurch. Sie ist Marketing-Projektmanagerin, er Projektleiter Holzbau. Mauro ist ihr erstes Kind. «Wir haben das Angebot für ein professionelles Fotoshooting gerne angenommen», sagt die junge Mutter. «Es ist so praktisch und bequem, man liegt im Wochenbett, stillt das Baby, bringt es die paar Meter zum Fotostudio auf dem Flur, und nach einer halben Stunde sind die Bilder schon gemacht.»
Rücksicht nehmen ist wichtig
Die Emmeneggers sind nicht die einzigen jungen Eltern, die ihr Baby von einer Profi-Fotografin der Luzerner Firma Baby Cute ablichten lassen. Letztes Jahr wurden rund 17 000 Neugeborene fotografiert, zwölf Kliniken hat Baby Cute unter Vertrag, die Hirslanden-Gruppe mit fünf ihrer Spitäler ist die grösste Kundin. In der Luzerner Hirslanden-Klinik St. Anna hat Baby Mauro sein Shooting verschlafen – die Handgriffe der Fotografin weckten den Kleinen bis zum Schluss nicht auf. Das freut die Stationsleiterin Erika Schindler, 60. Früher sei bei Fototerminen nicht alles so geordnet abgelaufen, erzählt sie. «Private Fotografen gingen täglich von Zimmer zu Zimmer und brachten Unruhe in den Betrieb.» Ihr ist vor allem wichtig, dass Rücksicht auf die 12 S C H W E I Z E R F A M I L I E 2 3 / 2 0 2 2
«Private Fotografen brachten Unruhe in den Betrieb. Heute läuft es geordnet ab.» Erika Schindler, Stationsleiterin Spital Hirslanden
Wöchnerinnen genommen wird, denn die Zeit direkt nach der Geburt gehört zu der prägendsten im Leben der Neugeborenen und Eltern. Deshalb musste eine andere Lösung her. Und diese hiess Alois Kaufmann, ein in Luzern allseits bekannter, erfahrener Fotograf, dessen Firma damals noch Fotovision hiess. Seit 25 Jahren führte er Auf-
träge aller Art aus: Hochzeiten, Gesellschaftsanlässe, Industriefotografie. Sein Spezialgebiet waren die Luzerner Spitäler, für die er Operationen, Gebäude, Manager und ganze Teams ablichtete – und gelegentlich auch Fotografinnen wie Conny Hartmann aufbot, um Neugeborene zu fotografieren. Der Einzige war er nicht, der das Geschäft mit der Babyfotografie gewittert hatte. Doch im Unterschied zu vielen anderen Anbietern stellt er bis heute ausschliesslich Frauen ein und bezahlt die Fotografinnen nicht pro abgelichtetes Neugeborenes, sondern im Monatslohn. Damit entfällt das aufdringliche Werben um die jungen Mütter. Inzwischen hat sich Kaufmann auf die Babyfotografie spezialisiert, 2021 änderte er seinen Firmen namen in Baby Cute AG, wobei «cute» auf Deutsch niedlich bedeutet. «Meine Motivation war es, eine grössere Firma auf zubauen», sagt der 56-Jährige. «Ich bin Unternehmer, ich sah die Marktlücke und packte die Chance.»
Dem findigen Geschäftsmann und zweifachen Vater war schnell klar, dass ein Babyfoto in klinischer Spitalumgebung nicht den Kundenwünschen entspricht. Deshalb entwickelte er die rollenden Fotostudios. Auf einer Art Kommode mit Rädern sind links und rechts grosse, bewegliche Blitzlampen angebracht und oben ein Wärmestrahler für die Babys. Die Rückwand lässt sich auswechseln, sodass zwei verschiedene Hintergrundmuster zur Verfügung stehen. In den Schubladen liegen Utensilien wie Wickelhöschen, Puck-Tücher, Plüschtiere und Stirnbänder bereit. Für das Baby gibt es weiche Unterlagen wie die Wolke aus Fell oder eine ausgepolsterte Holzschale. Die kleinen Studios haben einen festen Standort auf dem Flur, einzig die Zürcher Hirslanden-Klinik hat ein eigenes Fotostudio eingerichtet. «So oder so wird der Klinikbetrieb in den Zimmern nicht gestört», sagt Alois Kaufmann. Er selbst stattet «seinen» Kliniken bloss noch gelegentlich Besuche ab. Denn längst Fotos: Baby Cute
«Die Eltern verlangen moderne Babyfotografie, die Emotionen auslöst.» Alois Kaufmann, Baby-Cute-Besitzer
hat sich dort der Ablauf eingespielt: Vor dem Eintritt erhalten die werdenden Mütter einen Flyer von Baby Cute, der ihnen nach der Geburt ein kostenloses Neugeborenen-Fotoshooting anbietet. Sagen die Eltern zu, bekommen sie danach wiederum gratis ein Foto auf Papier im Format 10 × 15 cm sowie einen Code, mit dem sie sich bei Baby Cute einloggen und die rund 30 Fotos ihres Kindes anschauen und – falls sie Gefallen daran finden – für 229 Franken herunterladen können. Mit Einverständnis der Eltern lädt Baby Cute ein Foto in die Babygalerie der Klinik
hoch. Kaufmanns Firma bietet zudem eine ganze Palette von Produkten an: Fotobücher, auf Leinwand gedruckte Bilder im Grossformat, Jahreskalender oder Geburtstagskarten, die allerdings extra kosten. Die Eltern haben drei Monate Zeit, um sich zu entscheiden, dann werden die Fotos vom Server gelöscht.
Die Trends beobachten
«Die Mütter wissen in der Regel genau, was sie für Bilder wollen», sagt Alois Kaufmann. Früher hätten die Hebammen nach der Geburt ein Polaroid-Foto gemacht und den Eltern mitgegeben. Später sei das klassische Bild im Spitalzimmer zum Standard geworden: Vater und Mutter auf dem Bett mit dem Baby im Arm. Das reiche heute nicht mehr: «Die Eltern verlangen moderne Babyfotografie, die Emotionen auslöst.» Die Trends kommen oft aus den USA, wo man von «newborn pictures» redet. Baby Cute beschäftigt einen Projektleiter, der von Spanien aus SCHWEIZER FAMILIE 23/2022
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Alois Kaufmann beschäftigt bei Baby Cute einzig Frauen als Fotografinnen.
Entzückender Anblick: Frisch geborene Wonneproppen. Vom Glück der Eltern mit ihrem Neugeborenen: Auch Mutter und Vater werden mit Mauro, ihrem ersten Kind, fotografiert. Conny Hartmann schiebt das rollende Fotostudio an den gewünschten Ort.
Freude und liebkosen ihr Baby zwischendurch. Sie ist Marketing-Projektmanagerin, er Projektleiter Holzbau. Mauro ist ihr erstes Kind. «Wir haben das Angebot für ein professionelles Fotoshooting gerne angenommen», sagt die junge Mutter. «Es ist so praktisch und bequem, man liegt im Wochenbett, stillt das Baby, bringt es die paar Meter zum Fotostudio auf dem Flur, und nach einer halben Stunde sind die Bilder schon gemacht.»
Rücksicht nehmen ist wichtig
Die Emmeneggers sind nicht die einzigen jungen Eltern, die ihr Baby von einer Profi-Fotografin der Luzerner Firma Baby Cute ablichten lassen. Letztes Jahr wurden rund 17 000 Neugeborene fotografiert, zwölf Kliniken hat Baby Cute unter Vertrag, die Hirslanden-Gruppe mit fünf ihrer Spitäler ist die grösste Kundin. In der Luzerner Hirslanden-Klinik St. Anna hat Baby Mauro sein Shooting verschlafen – die Handgriffe der Fotografin weckten den Kleinen bis zum Schluss nicht auf. Das freut die Stationsleiterin Erika Schindler, 60. Früher sei bei Fototerminen nicht alles so geordnet abgelaufen, erzählt sie. «Private Fotografen gingen täglich von Zimmer zu Zimmer und brachten Unruhe in den Betrieb.» Ihr ist vor allem wichtig, dass Rücksicht auf die 12 S C H W E I Z E R F A M I L I E 2 3 / 2 0 2 2
«Private Fotografen brachten Unruhe in den Betrieb. Heute läuft es geordnet ab.» Erika Schindler, Stationsleiterin Spital Hirslanden
Wöchnerinnen genommen wird, denn die Zeit direkt nach der Geburt gehört zu der prägendsten im Leben der Neugeborenen und Eltern. Deshalb musste eine andere Lösung her. Und diese hiess Alois Kaufmann, ein in Luzern allseits bekannter, erfahrener Fotograf, dessen Firma damals noch Fotovision hiess. Seit 25 Jahren führte er Auf-
träge aller Art aus: Hochzeiten, Gesellschaftsanlässe, Industriefotografie. Sein Spezialgebiet waren die Luzerner Spitäler, für die er Operationen, Gebäude, Manager und ganze Teams ablichtete – und gelegentlich auch Fotografinnen wie Conny Hartmann aufbot, um Neugeborene zu fotografieren. Der Einzige war er nicht, der das Geschäft mit der Babyfotografie gewittert hatte. Doch im Unterschied zu vielen anderen Anbietern stellt er bis heute ausschliesslich Frauen ein und bezahlt die Fotografinnen nicht pro abgelichtetes Neugeborenes, sondern im Monatslohn. Damit entfällt das aufdringliche Werben um die jungen Mütter. Inzwischen hat sich Kaufmann auf die Babyfotografie spezialisiert, 2021 änderte er seinen Firmen namen in Baby Cute AG, wobei «cute» auf Deutsch niedlich bedeutet. «Meine Motivation war es, eine grössere Firma auf zubauen», sagt der 56-Jährige. «Ich bin Unternehmer, ich sah die Marktlücke und packte die Chance.»
Dem findigen Geschäftsmann und zweifachen Vater war schnell klar, dass ein Babyfoto in klinischer Spitalumgebung nicht den Kundenwünschen entspricht. Deshalb entwickelte er die rollenden Fotostudios. Auf einer Art Kommode mit Rädern sind links und rechts grosse, bewegliche Blitzlampen angebracht und oben ein Wärmestrahler für die Babys. Die Rückwand lässt sich auswechseln, sodass zwei verschiedene Hintergrundmuster zur Verfügung stehen. In den Schubladen liegen Utensilien wie Wickelhöschen, Puck-Tücher, Plüschtiere und Stirnbänder bereit. Für das Baby gibt es weiche Unterlagen wie die Wolke aus Fell oder eine ausgepolsterte Holzschale. Die kleinen Studios haben einen festen Standort auf dem Flur, einzig die Zürcher Hirslanden-Klinik hat ein eigenes Fotostudio eingerichtet. «So oder so wird der Klinikbetrieb in den Zimmern nicht gestört», sagt Alois Kaufmann. Er selbst stattet «seinen» Kliniken bloss noch gelegentlich Besuche ab. Denn längst Fotos: Baby Cute
«Die Eltern verlangen moderne Babyfotografie, die Emotionen auslöst.» Alois Kaufmann, Baby-Cute-Besitzer
hat sich dort der Ablauf eingespielt: Vor dem Eintritt erhalten die werdenden Mütter einen Flyer von Baby Cute, der ihnen nach der Geburt ein kostenloses Neugeborenen-Fotoshooting anbietet. Sagen die Eltern zu, bekommen sie danach wiederum gratis ein Foto auf Papier im Format 10 × 15 cm sowie einen Code, mit dem sie sich bei Baby Cute einloggen und die rund 30 Fotos ihres Kindes anschauen und – falls sie Gefallen daran finden – für 229 Franken herunterladen können. Mit Einverständnis der Eltern lädt Baby Cute ein Foto in die Babygalerie der Klinik
hoch. Kaufmanns Firma bietet zudem eine ganze Palette von Produkten an: Fotobücher, auf Leinwand gedruckte Bilder im Grossformat, Jahreskalender oder Geburtstagskarten, die allerdings extra kosten. Die Eltern haben drei Monate Zeit, um sich zu entscheiden, dann werden die Fotos vom Server gelöscht.
Die Trends beobachten
«Die Mütter wissen in der Regel genau, was sie für Bilder wollen», sagt Alois Kaufmann. Früher hätten die Hebammen nach der Geburt ein Polaroid-Foto gemacht und den Eltern mitgegeben. Später sei das klassische Bild im Spitalzimmer zum Standard geworden: Vater und Mutter auf dem Bett mit dem Baby im Arm. Das reiche heute nicht mehr: «Die Eltern verlangen moderne Babyfotografie, die Emotionen auslöst.» Die Trends kommen oft aus den USA, wo man von «newborn pictures» redet. Baby Cute beschäftigt einen Projektleiter, der von Spanien aus SCHWEIZER FAMILIE 23/2022
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MENSCHEN
MENSCHEN
Conny Hartmann schult ihre Kolleginnen mit der Plastikpuppe Franz-Josef.
Im Büro in Schenkon werden die Bilder bearbeitet.
Selig schlummert ein Baby auf dem Fell.
Alois Kaufmann mit seiner Frau Mägi. Sie ist eine der 32 Mitarbeitenden bei Baby Cute.
«Babys zu fotografieren, ist in hohem Mass eine Gefühlsarbeit. Deshalb liebe ich meinen Job.» Conny Hartmann, Fotografin
die internationalen Entwicklungen verfolgt und die leitende Fotografin Conny Hartmann über neue Trends informiert – dass beispielsweise Babys auf dem Bauch liegend fotografiert werden, die Händchen verschränkt unter dem Kinn auf einem Kissen, eine Art Denkerpose.
Übermächtige Gefühle
Die Fotografin geht sichtlich in ihrem Job auf: Conny Hartmann mit Mauro.
Wenn Conny Hartmann eine Trendmeldung erhält, nimmt sie Franz-Josef zur Hand, eine Plastik-Babypuppe mit Metallgelenken. Sie stellt mit ihm die Pose nach und studiert die Bewegungen ein, um später die richtigen Babys schnell und sicher in Position bringen zu können. Zwei bis drei Tage pro Monat ist sie mit Franz-Josef in der ganzen Deutschschweiz unterwegs, um die 22 Fotografinnen von Baby Cute zu schulen. Sie zeigt ihnen etwa, wie man ein Baby richtig hält, wie man es anzieht Foto: Baby Cute
und umkleidet. Und nicht zuletzt, wie man mit den Eltern umgeht. «Besonders die Mütter müssen wir dort abholen, wo sie kurz nach der Geburt gerade sind, und das hängt stark mit der hormonellen Verfassung zusammen.» Es gebe Mamis, die auf der Stelle losweinen, wenn sie ihr niedlich drapiertes Baby anschauen. Zuweilen sei es nötig, ein Shooting zu unterbrechen, wenn die Gefühle übermächtig würden. Aber auch die Babys seien nicht immer ruhig. Da helfe es meistens, wenn die Mutter sie noch einmal stille oder man das Smartphone unter ihr Kissen lege und die Herzschlag-App starte. Das Baby höre dann dasselbe Geräusch wie vor Tagen im Mutterleib und beruhige sich in aller Regel schnell. «Am wichtigsten aber», sagt Conny Hartmann, «ist die innere Ruhe der Fotografin, die auf alle Beteiligten an-
steckend wirkt.» Babys zu fotografieren, erfordere nicht nur handwerkliches Können, sondern sei in hohem Mass eine Gefühlsarbeit. «Deshalb liebe ich meinen Job, ich lebe das.» Ihr Chef Alois Kaufmann hofft, mit seinem Team in fünf Jahren in 25 Schweizer Spitälern gegen 40 000 Babys fotografieren zu können. Inzwischen beschäftigt Baby Cute 32 Mitarbeitende – nebst den Fotografinnen 10 Vollzeitangestellte in der Zentrale in Schenkon LU, alle weiblich, darunter auch Kaufmanns Ehefrau. In der Zentrale werden die Bücher oder Kalender gelayoutet, Babyfotos auf den Server geladen, Bilder auf Leinwand gedruckt und Produkte verpackt. Derweil liegt Franz-Josef als zweites männliches Mitglied des Teams in einem Kistchen und wartet auf neue Trendmeldungen in der ■ Babyfotografie. SCHWEIZER FAMILIE 23/2022
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MENSCHEN
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Conny Hartmann schult ihre Kolleginnen mit der Plastikpuppe Franz-Josef.
Im Büro in Schenkon werden die Bilder bearbeitet.
Selig schlummert ein Baby auf dem Fell.
Alois Kaufmann mit seiner Frau Mägi. Sie ist eine der 32 Mitarbeitenden bei Baby Cute.
«Babys zu fotografieren, ist in hohem Mass eine Gefühlsarbeit. Deshalb liebe ich meinen Job.» Conny Hartmann, Fotografin
die internationalen Entwicklungen verfolgt und die leitende Fotografin Conny Hartmann über neue Trends informiert – dass beispielsweise Babys auf dem Bauch liegend fotografiert werden, die Händchen verschränkt unter dem Kinn auf einem Kissen, eine Art Denkerpose.
Übermächtige Gefühle
Die Fotografin geht sichtlich in ihrem Job auf: Conny Hartmann mit Mauro.
Wenn Conny Hartmann eine Trendmeldung erhält, nimmt sie Franz-Josef zur Hand, eine Plastik-Babypuppe mit Metallgelenken. Sie stellt mit ihm die Pose nach und studiert die Bewegungen ein, um später die richtigen Babys schnell und sicher in Position bringen zu können. Zwei bis drei Tage pro Monat ist sie mit Franz-Josef in der ganzen Deutschschweiz unterwegs, um die 22 Fotografinnen von Baby Cute zu schulen. Sie zeigt ihnen etwa, wie man ein Baby richtig hält, wie man es anzieht Foto: Baby Cute
und umkleidet. Und nicht zuletzt, wie man mit den Eltern umgeht. «Besonders die Mütter müssen wir dort abholen, wo sie kurz nach der Geburt gerade sind, und das hängt stark mit der hormonellen Verfassung zusammen.» Es gebe Mamis, die auf der Stelle losweinen, wenn sie ihr niedlich drapiertes Baby anschauen. Zuweilen sei es nötig, ein Shooting zu unterbrechen, wenn die Gefühle übermächtig würden. Aber auch die Babys seien nicht immer ruhig. Da helfe es meistens, wenn die Mutter sie noch einmal stille oder man das Smartphone unter ihr Kissen lege und die Herzschlag-App starte. Das Baby höre dann dasselbe Geräusch wie vor Tagen im Mutterleib und beruhige sich in aller Regel schnell. «Am wichtigsten aber», sagt Conny Hartmann, «ist die innere Ruhe der Fotografin, die auf alle Beteiligten an-
steckend wirkt.» Babys zu fotografieren, erfordere nicht nur handwerkliches Können, sondern sei in hohem Mass eine Gefühlsarbeit. «Deshalb liebe ich meinen Job, ich lebe das.» Ihr Chef Alois Kaufmann hofft, mit seinem Team in fünf Jahren in 25 Schweizer Spitälern gegen 40 000 Babys fotografieren zu können. Inzwischen beschäftigt Baby Cute 32 Mitarbeitende – nebst den Fotografinnen 10 Vollzeitangestellte in der Zentrale in Schenkon LU, alle weiblich, darunter auch Kaufmanns Ehefrau. In der Zentrale werden die Bücher oder Kalender gelayoutet, Babyfotos auf den Server geladen, Bilder auf Leinwand gedruckt und Produkte verpackt. Derweil liegt Franz-Josef als zweites männliches Mitglied des Teams in einem Kistchen und wartet auf neue Trendmeldungen in der ■ Babyfotografie. SCHWEIZER FAMILIE 23/2022
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