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impuls

Armut beschreiben und bekämpfen

Einmal arm, wieder arm: Armut in der Schweiz ist oft wiederkehrend und sie zu reduzieren, ist bisher nicht gelungen. Dies zeigt ein neuer Bericht des Bundes, entstanden unter Beteiligung der BFH. Unser Armutsexperte und die Projektleiterin des Bundes ordnen ein. ‣ 20

Oliver Slappnig Serkan Demirel/ANF

durch kommen

Keystone

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Magazin des Departements Soziale Arbeit

Sicherheit im Dialog Die Polizei und die Quartierarbeit arbeiten in Bümpliz zusammen für mehr Sicherheit. Das eröffnet neue Möglichkeiten. ‣ 30


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Inhalt 14

Chrisian Pfander

Adobe Stock | Mojahid Mottakin

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Handlungsoptionen Sozialer Arbeit erkunden: Prekäre Arbeit wirkt sich auf die Gesundheit Betroffener aus

Aufwändige Falldokumentation: Wie Fachkräfte KI rechtskonform und im Sinne der Klientel nutzen können

Foyer

Aula

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8 Notizen – neue Mitarbeitende 10 «Ethik zeigt sich dort, wo notwendige Entscheidungen schwerfallen» – Gespräch mit Simone Münger, KESB Biel/ Bienne 13 eingetaucht | aufgetaucht von Melodie Burri: Kindern und Eltern in Erwerbsarmut eine Stimme geben

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Neue Arbeitsformen und deren Auswirkungen auf die Gesundheit Soziale Arbeit ist … Gastbeitrag von Simon Baumann, Regisseur Abo-Service: -arbeit/impuls bfh.ch/soziale

Forschungsstätte 14 Aktennotizen in der Sozialen Arbeit: Zwischen Dokumen- tationspflicht und digitaler Realität 16 Turn to Affect: Die vergessenen Emotionen der Beratenden 19 Skizzen

«Individuelle Merkmale, wie Bildung oder Herkunft, können Armut allein nicht erklären. Wir müssen auch die Rahmenbedingungen im Blick behalten.» ▶ Anna Koukal, Verantwortliche Armutsmonitoring beim Bund, Seite 21

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3 Editorial

Liebe Leser*innen

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Beim Lesen dieser ImpulsAusgabe steigen Erinnerungen Prof. Dr. Martin Wild, auf – vielleicht, weil ich nicht Co-Leiter Abteilung Forschung martin.wild@bfh.ch mehr der Jüngste bin. Mein Leben zeigt, wie positiv sich das Sozialwesen in den letzten Jahrzehnten verändert hat.

Oliver Slappnig

Meine Mutter wuchs mit ihrer Schwester im Kinderheim auf, nachdem sich ihre Eltern getrennt hatten. Vermutlich spielten Armut und familiäre Schwierigkeiten eine Rolle. Heute bietet der Kindesschutz vielfältige Unterstützung, damit Kinder möglichst in ihren Familien bleiben können. Das Heim ist zur Ausnahme geworden.

Sicherheit im Quartier: Wie Polizei und Quartierarbeit in Bümpliz zusammenarbeiten und voneinander lernen

Werkstatt 20 Armut beobachten mittels eines nationalen Armutsmonitorings – Gespräch mit Projektleiterin Anna Koukal und BFH-Armutsexperte Oliver Hümbelin 24 Integrierte Versorgung am Beispiel zweier bernischer Pilotprojekte 27 Nah dran und wirksam: Schulsozialarbeit in ländli- chen Berner Gemeinden

Netz 30 Dialog leben. Zusammen für mehr Sicherheit im Quartier – Gespräch mit Brigitte Schletti, Quartier- arbeiterin, und Hans-Peter Mäusli, Polizist

Kalender 34 Tagungen, Events, Infoveranstaltungen 35 Impressum

Kurz nach meiner Geburt in den 1960er-Jahren trennte sich meine Mutter von meinem Vater. Sie zog mich allein auf, er konnte keine Alimente zahlen. Erst ab den 1980er-Jahren wurde die Alimentenbevorschussung eingeführt. Heute ist das Recht des Kindes auf Unterhalt selbstverständlich. Da meine Mutter uns allein versorgte, wuchs ich bei wechselnden Pflegeeltern auf. Neben guten Erinnerungen gab es auch schwierige Erfahrungen: Einige der Pflegeeltern waren überfordert, einige nutzten das Pflegeverhältnis auch aus. Seit 1978 sorgt die Pflegekinderverordnung für eine bessere Aufsicht, Standards und eine professionelle Begleitung. Heute bin ich Mitglied der Sozialhilfekommission der Stadt Bern und sehe, wie Menschen mit geringem Einkommen unterstützt werden. Oft ist Sozialhilfe zeitlich begrenzt, manchmal ist sie dauerhaft nötig. Aber sicher ist sie eine wichtige Errungenschaft einer solidarischen Gesellschaft. Dass ich ab 2026 eine Rente beziehen kann, ist keine Selbstverständlichkeit: Die AHV besteht seit 1948, die berufliche Vorsorge ist erst seit 1978 obligatorisch. Ich gehöre zur zweiten Generation, die von dieser Sicherheit im Alter profitiert. Und wie fällt der Blick nach vorne aus? Der Artikel «Dialog leben. Zusammen für mehr Sicherheit im Quartier» (ab S. 30) stimmt mich zuversichtlich, dass sich das Sozialwesen auch künftig weiterentwickelt – zum Wohl der Menschen.

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Neue Arbeitsformen

und deren Auswirkung auf die Gesundheit Die Arbeitswelt umfasst zunehmend Tätigkeiten, die als prekär gelten und Betroffene herausfordern. Im Folgenden zeigen wir, wie sich prekäre Arbeit auf den sozialen Schutz und den Gesundheitszustand derer auswirkt, die diese Arbeit leisten. Der Suche nach Handlungsmöglichkeiten der Sozialen Arbeit und anderer Akteur*innen widmet sich im Juni 2026 eine Tagung. Dr. Carolin Fischer

In den ersten drei Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg war Lohnarbeit in Ländern des Globalen Nordens ein wichtiges Standbein gesellschaftlicher und individueller Prosperität. Dieses goldene Zeitalter des Kapitalismus, mit dem damit verbundenen fordistischen Produktionsmodell, prägte sowohl den Begriff als auch den Umstand des «Normalarbeitsverhältnisses» (Anm. d. Red.: ein unbefristetes, sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis). Es begünstigte ein stabiles Einkommen und die Planbarkeit des (Familien-)Lebens. Oftmals bildete es zudem eine Grundlage für den sozialen Aufstieg (Kleemann et al., 2019). Allerdings war das «Normal»-Arbeitsverhältnis vornehmlich der weissen, männlichen Arbeitnehmerschaft der Mittelklasse vorbehalten. Atypische, unsichere und wenig planbare Beschäftigungen gehörten auch damals, etwa für Frauen oder Saisonarbeiter*innen, zum Alltag (Mümken & Kieselbach, 2009).

Folgen der Profitabilitätskrise und der Digitalisierung

Das fordistische Wirtschaftsmodell steht ab den 1970er-Jahren verstärkt unter Druck. Einerseits wurde es von sozialen Bewegungen fundamental in Frage gestellt, andererseits geriet die mit ihm verbundene Produktionsweise in eine Profitabilitätskrise. In Reaktion darauf veränderte sich Arbeit: Seit den 1980er- und 1990er-Jahren hat sich eine marktorientierte Produktionsweise durchgesetzt. Diese ging mit einem Trend hin zur Entsicherung und Flexibilisierung von Beschäftigung einher (Vogel, 2015). Hierzu zählen etwa die Verlagerung der Produktion ins Ausland, Massenentlassungen, Lohnsenkungen, die Schwächung von Gewerkschaften und Möglichkeiten der Mitbestimmung Arbeitnehmender (Tompa et al., 2007). Hinzu kommt die Erschliessung neuer Anlagemöglichkeiten für das Kapital durch Deregulierung, Liberalisierung und Privatisierung (Demirovic & Sablowski, 2012). Weiterhin haben die Globalisierung, der demografische Wandel und weltweit wirksame Ereignisse, wie die Corona-Pandemie, den Wandel der Arbeit zusätzlich verstärkt (Vogel, 2015). Feste Arbeitszeiten sind Optionen des mobilen Arbeitens gewichen. Zugleich begünstigt die Digita-

lisierung neue Arbeitsformen, etwa remote work oder auch die Plattformarbeit. Generell weitet sich die Kluft zwischen einfacher und qualifizierter Arbeit sowie zwischen formeller und informeller Arbeit kontinuierlich. Dies führt für einige zu neuen Freiheiten, bedingt vor allem aber auch neue Formen der Prekarität (Krings, 2023). Der Begriff der Prekarität wird oft dazu verwendet, eine Lebenslage zu charakterisieren, die mit der Beschäftigung verknüpft ist. Als prekär kann Arbeit dann bezeichnet werden, wenn sie unsicher und instabil ist, wenn die Verantwortung für Risiken bei den Arbeitenden und nicht bei den Arbeitgebenden liegt und wenn mit der Arbeit keine Sozialleistungen und rechtlichen Ansprüche verbunden sind. Es existieren unterschiedliche Formen prekärer Arbeit: Beispiele sind befristete Verträge, Leiharbeit und Gelegenheitsarbeiten, wie etwa im Rahmen der sogenannten gig economy (Anm. d. Red.: Aufträge werden kurzfristig an freie Mitarbeitende vergeben). Auch selbständige Tätigkeiten können prekär sein, besonders dann, wenn es sich um eine abhängige Selbständigkeit handelt (Weston & McMunn, 2023). Aus

6. Nationale Tagung Gesundheit & Armut Prekäre Arbeit, prekäre Gesundheit: Wege aus neuen Formen sozialer Unsicherheit Wann: 18. Juni 2026, 9.15 bis 16.30 Uhr Wo: Berner Fachhochschule BFH, Brückenstrasse 73, 3005 Bern Expert*innen aus Wissenschaft, Politik, Praxis und BetroffenenSelbstorganisationen beleuchten Fragen und Folgen der Prekarität aus verschiedenen Perspektiven und zeigen Wege aus neuen Formen sozialer Unsicherheit auf. Die Tagung wird zweisprachig (Deutsch/Französisch) durchgeführt. Informationen und Anmeldung: bfh.ch/soziale-arbeit/gesundheit bfh.ch/travail-social/sante

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Wer trägt die Risiken? Mitarbeitende von Kurierdiensten sind in der Schweiz nicht immer festangestellt.

Ergebnissen empirischer Forschung geht hervor, dass die prekäre Arbeit eng mit sozialen Ungleichheiten und der Marginalisierung bestimmter Gruppen, wie Frauen, Jugendliche, Migrant*innen, ältere Personen, Angehörige ethnischer Minderheiten und Personen mit Beeinträchtigung, verknüpft ist. Sie betrifft diese Personengruppen besonders und verstärkt herausfordernde Lebenslagen zusätzlich (Shin et al., 2023).

Arbeitsformen gehen ausserdem häufig mit anderen Zwangslagen einher, wie Armut, fehlenden Bildungsabschlüssen und Qualifikationen oder einem temporären oder fehlenden Aufenthaltsstatus. Solche Lebenslagen machen prekär Beschäftigte zusätzlich verletzlich, auch mit Blick auf ihre Gesundheit und den Zugang zur Gesundheitsversorgung (Suerbaum, 2023).

Die Auswirkungen auf Individuum und Gesellschaft

Die prekäre Arbeit ist ein wichtiger Einflussfaktor für die Gesundheit (Hajat et al., 2024). Batacharya und Ray (2021) betonen die negativen Folgen für die Gesundheit der Betroffenen. Bereits 1986 hob die Weltgesundheitsorganisation mit der Ottawa-Charta hervor, dass Arbeit, Arbeitsbedingungen und Möglichkeiten zu deren Mitgestaltung von Bedeutung für die Gesundheit sind. Wortwörtlich heisst es in der Charta, dass «Menschen […] ihr Gesundheitspotenzial nur dann weitestgehend entfalten [können], wenn sie auf die Faktoren, die ihre Gesundheit beeinflussen, auch Einfluss nehmen können» (WHO, 1986). Letzteres ist prekär Beschäftigten vielfach und aus unterschiedlichen Gründen nur begrenzt oder gar nicht möglich. In einem Überblicksartikel identifizieren Jaydarifard et al. (2023) drei grundlegende Zusammenhänge zwischen prekären Arbeitsformen, dem gesundheitlichen und dem sozialen Wohlergehen. Erstens färben prekäre Arbeitsverhältnisse auf den psychischen Zustand betroffener Personen ab, indem sie Stress, Unsicherheit und Ohnmachtsgefühle gegenüber einer unfairen Behandlung auslösen. Eine weitere Ursache psychischer Schäden kann darin bestehen, dass prekäre Arbeitsbedingungen die individuelle Kontrolle über die Zukunft der eigenen Beschäftigung, des individuellen Lebensverlaufs und des Lebensverlaufs abhängiger Angehöriger einschränken. Weston und McMunn (2023) heben wei- ▶

Das Normalarbeitsverhältnis bot und bietet vielen Menschen nicht nur materielle Sicherheit, sondern auch die soziale Integration. Sein Rückgang und die Entstehung neuer, oft unsicherer Arbeitsformen führen zu Risiken wie befristeten Arbeitsverhältnissen und drohender Arbeitslosigkeit, Leiharbeit, geringem Einkommen und sozialem Abstieg. Vielfach fehlen rechtliche, institutionelle und tarifliche Schutzmechanismen, die früher eine gewisse Sicherheit bezüglich Arbeitsplatz, Einkommen und Zugang zu adäquater Gesundheitsversorgung schufen. Personen in prekären Arbeitsverhältnissen erleben dadurch nicht nur finanzielle Unsicherheit, sondern auch soziale Ausgrenzung, da ihre ökonomische Unsicherheit ihnen die gesellschaftliche und politische Teilhabe erschwert. Eine prekäre Beschäftigung ist somit weit mehr als «nur» ein materielles Problem (Kleemann et al., 2019). Für Betroffene gehen Alltagskoordination und Lebensplanung mit grossen Herausforderungen einher und die Prekarität, so Kleemann et al. (2019), «bezieht die Gesamtheit unsicherer Lebensverhältnisse ein». Feministische Autorinnen merken hierzu kritisch an, dass Frauen überwiegend aus dem männlich dominierten Normalarbeitsverhältnis ausgeschlossen waren und sind, die Folgen der Erosion dieser Erwerbsform aber erst problematisiert werden, seitdem sie zunehmend Männer betreffen (z. B. Aulenbacher, 2009). Prekäre

Der Einfluss auf die Gesundheit

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▶ terhin Zusammenhänge zwischen prekären Arbeitsfor-

men, Stress und Schlaflosigkeit hervor, die sich negativ auf die mentale Gesundheit Beschäftigter auswirken. Zweitens können prekäre Arbeitsverhältnisse zu einer sozialen und materiellen Benachteiligung führen. Geringes Einkommen bedeutet oft weniger sozialen Schutz, schlechte Wohnbedingungen, einen eingeschränkten Zugang zu Gesundheitsversorgung und einen ungesunden Lebensstil, wie Mangelernährung, Schlaf- und Bewegungsmangel. Solche Bedingungen schwächen auch soziale Kontakte, das Selbstwertgefühl und damit die Integration der Betroffenen. Unter den Folgen leidet meist nicht nur die arbeitende Person selbst, sondern auch ihre Familie. Drittens gehen prekäre Arbeitsverhältnisse oft mit physisch und psychisch herausfordernden Arbeitsbedingungen und höheren Berufsrisiken einher (Hajat et al., 2024). Prekär Beschäftigte sind häufiger berufsbedingten Gefahren ausgesetzt (Berufsunfälle oder -verletzungen) als nicht prekär arbeitende Personen.

Gesellschaftliche Folgen

Prekäre Arbeitsbedingungen herrschen in zahlreichen Berufssparten (Shin et al., 2023), insbesondere in unterschiedlichen Fürsorgetätigkeiten. Hieraus ergibt sich ein weiterer Zusammenhang zwischen prekären Arbeitsbedingungen und Gesundheit: Nicht nur die arbeitende Person ist betroffen, sondern auch jene, die von ihr Fürsorge erhält. In wissenschaftlichen, aktivistischen, gewerkschaftlichen und politischen Kreisen werden seit geraumer Zeit rege Debatten darüber geführt, wie den negativen Auswirkungen prekärer Beschäftigung zu begegnen sei. Auch wenn zahlreiche Beispiele auf lokalen und kommunalen Ebenen zeigen, dass Interventionsmöglichkeiten bestehen (Vogel, 2015), setzen sie dem generellen Trend zur Prekarisierung von Arbeitsformen und Lebenslagen bestenfalls punktuell etwas entgegen. Aus diesem Grund ist es wichtig, das Bewusstsein für und das Verständnis der prekären Arbeit, ihrer Grundlagen und ihrer Auswirkungen zu erweitern und zu stärken. Dabei geht es nicht nur um die Situation derjenigen, die unmittelbar von prekärer Arbeit betroffen sind, sondern auch um die gesellschaftlichen Auswirkungen, die sich kurz-, mittel-, und langfristig aus prekärer Arbeit und prekären Lebenslagen ergeben.

Handlungsspielräume Sozialer Arbeit finden

Das Wissen um die Bedingungen, das Ausmass und die Folgen prekärer Arbeitsformen sind für die Soziale Arbeit essenziell. Wichtig scheint dabei besonders, individuelle Situationen in weitere Zusammenhänge einzubetten und auf dieser Grundlage Interventionen zu erschliessen, die die Situation verbessern. Hier besteht eine wesentliche Herausforderung darin, dass die Ursachen von Problemlagen, die durch prekäre Arbeit erzeugt oder verstetigt werden, systemisch sind. Der Fokus der Sozialen Arbeit, richtet sich hingegen primär auf das Individuum und sein Umfeld und kann den Ursachen nur begrenzt etwas entgegensetzen. Welche Handlungsräume dennoch möglich sind und welche Formen inter-

professioneller und transdisziplinärer Zusammenarbeit dem Umstand und den Folgen prekärer Arbeit wirksam begegnen können, ermitteln wir am 18. Juni 2026 im Rahmen der 6. Nationalen Tagung Gesundheit & Armut an der Berner Fachhochschule (vgl. Kasten S. 4). ▪ Literatur: – Aulenbacher, B. (2009). Die soziale Frage neu gestellt – Gesellschaftsanalysen der Prekarisierungs- und Geschlechterforschung. In K. Dörre & R. Castel (Hrsg.), Prekarität, Abstieg, Ausgrenzung. Die soziale Frage am Beginn des 21. Jahrhunderts (S. 65–77). Frankfurt a. M./New York: Campus. – Bhattacharya, A., & Ray, T. (2021). Precarious work, job stress, and health-related quality of life. American Journal of Industrial Medicine, 64(4), 310–319. https://doi.org/10.1002/ajim.23223 – Demirovic, A., & Sablowski, T. (2012). Finanzdominierte Akkumulation und die Krise in Europa. PROKLA. Zeitschrift für kritische Sozialwissenschaft, 42(166), 77–106. https://doi.org/10.32387/ prokla.v42i166.19 – Hajat, A., Andrea, S. B., Oddo, V. M., Winkler, M. R., & Ahonen, E. Q. (2024). Ramifications of Precarious Employment for Health and Health Inequity: Emerging Trends from the Americas. Annual Review of Public Health, 45(Volume 45, 2024), 235–251. https:// doi.org/10.1146/annurev-publhealth-071321-042437 – Jaydarifard, S., Smith, S. S., Mann, D., Rossa, K. R., Nikooharf Salehi, E., Gnani Srinivasan, A., & Shekari Soleimanloo, S. (2023). Precarious employment and associated health and social consequences; a systematic review. Australian and New Zealand Journal of Public Health, 47(4), 100074. https://doi.org/10.1016/j. anzjph.2023.100074 – Kleemann, F., Westerheide, J., & Matuschek, I. (2019). Arbeit und Sozialintegration: Verunsicherung durch Prekarisierung. In F. Kleemann, J. Westerheide, & I. Matuschek (Hrsg.), Arbeit und Subjekt: Aktuelle Debatten der Arbeitssoziologie (S. 107–133). Springer Fachmedien. https://doi.org/10.1007/978-3-65823260-3_5 – Krings, B.-J. (2023). New Work und die Zukunft der Arbeit. Bundeszentrale für politische Bildung. https://www.bpb.de/shop/ zeitschriften/apuz/new-work-2023/542500/new-work-und-diezukunft-der-arbeit/ – Mümken, S., & Kieselbach, T. (2009). Prekäre Arbeit und Gesundheit in unsicheren Zeiten/ Precarious work and health in insecure times. Arbeit, 18(4), 313–326. https://doi.org/10.1515/ arbeit-2009-0406 – Shin, K.-Y., Kalleberg, A. L., & Hewison, K. (2023). Precarious work: A global perspective. Sociology Compass, 17(12), e13136. https://doi.org/10.1111/soc4.13136 – Suerbaum, M. (2023). Embodying legal precarity: Living with ongoing short-term protection in Germany. International Migration, 61(3), 25–38. https://doi.org/10.1111/imig.12903 – Tompa, E., Scott-Marshall, H., Dolinschi, R., Trevithick, S., & Bhattacharyya, S. (2007). Precarious employment experiences and their health consequences: Towards a theoretical framework. WORK, 28(3), 209–224. https://doi.org/10.3233/WOR-200700611 – Vogel, S. (2015). Jenseits der Prekarität. Matrialien für politische Bildung und linke Politik. Rosa-Luxemburg-Stiftung. https://www. rosalux.de/fileadmin/rls_uploads/pdfs/sonst_publikationen/Prekariat_Bros_RLS_01.pdf – Weston, G., & McMunn, A. (2023). Precarious Work and Health. In Handbook of Life Course Occupational Health (S. 319–341). Cham: Springer. https://doi.org/10.1007/978-3-031-30492-7_15 – WHO. (1986). Ottawa-Charta zur Gesundheitsförderung. WHOEuropa. WHO-autorisierte Übersetzung. file:///C:/Users/fhc3/ Downloads/Ottawa_Charta.pdf Dr. Carolin Fischer, Leiterin Themenfeld Caring Society BFH carolin.fischer@bfh.ch … wird die 6. Nationale Tagung Gesundheit & Armut vom Juni 2026 mit einem Referat eröffnen. Sie hat in Berlin, Bielefeld und Oxford studiert und ist Expertin für eine sorgende Gesellschaft. Die BFH sieht darin eines der drängenden Themen unserer Zeit. Sie unterstützt Projekte, die Lösungen für einen verantwortungsvollen Wandel aufzeigen.

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7 Gastbeitrag

Soziale Arbeit ist … Locarno Film Festival

von Simon Baumann

Simon Baumann erkundet in seinen Dokumentarfilmen gesellschaftspolitische Themen aus einer persönlichen Perspektive. Sein neuester Film «Wir Erben» gewann den Schweizer Filmpreis 2025 und wurde im Dezember 2025 auf SRF ausgestrahlt.

Vor ein paar Tagen beschlich mich mal wieder die Angst. Sie besucht mich unregelmässig, gerne vor dem Einschlafen, und sie hat viele Gesichter: Mal erscheint sie mit der «Werde-ich-einen-nächsten-Film-finanzieren-können-Visage», mal mit der «Mache-ich-als-Vateralles-falsch-Grimasse» und in letzter Zeit öfters auch mit der «Wovon-leben-wir-wenn-die-KI-alles-übernimmtFratze». In meinem Bauch entsteht ein Klumpen, das Herz beginnt zu rasen und an Schlaf ist nicht zu denken. Stattdessen wechselt mein Hirn gerne in den SelbstmitleidModus: Warum diese Ängste? Warum ich? Bin ich zu schwach? Gefolgt von dem Verdacht, dass nicht ich das Problem bin, sondern alle anderen. Gefolgt von der Vermutung, dass vielleicht doch ich das Problem bin. Gefolgt von der Erkenntnis, dass wir alle das Problem sind. So war es jedenfalls auch vor ein paar Tagen. Während alle anderen schliefen, rasten meine Gedanken: «Wie kann es sein, dass ich Existenzängste habe, obwohl ich ein Haus geerbt habe? Wie falsch muss unser Zusammenleben organisiert sein, wenn sogar die Privilegierteren unter uns in steter Unsicherheit leben müssen? Ich sollte längst schlafen, aber wir haben doch alle nur ein Leben auf diesem Planeten. Warum bauen wir uns nicht ein System, das uns alle in Sicherheit leben lässt? Es wäre ja längst genug für alle da. Wir Menschen können nur in solidarischer Gemeinschaft existieren. Das wissen wir doch schon seit der Altsteinzeit, als der Ausschluss aus der Gruppe einem Todesurteil gleichkam. Die Angst davor steckt uns noch immer tief in den Knochen und verfolgt mich jetzt mit anderem Antlitz zu Unzeiten. Wir müssen dringend zu einer sozialeren Form des Zusammenlebens finden. Es kann nicht sein, dass

Die Kolumne bietet Menschen, die uns aufgefallen sind, Fachfremden sowie Vertreter*innen der Sozialen Arbeit, eine Carte blanche und öffnet den Blick für das, was sie mit So­ zialer Arbeit verbinden oder was an ihrer Arbeit sozial ist.

wir ständig gegeneinander konkurrieren müssen. Wettbewerb treibt mich nicht an. Er blockiert mich. Gemeinschaft, Fürsorge und Liebe befähigen uns, geben uns Kraft. System change now!» Das aufreibende Gedankenfeuerwerk machte mich immer wacher und wurde jetzt auch noch unterbrochen von einer inneren Aufgabenliste, die mich am nächsten Tag erwarten und ohne Schlaf zur Tortur werden würden: Kinder für die Schule bereit machen, zwei dringende Telefonate, eine Sitzung am Nachmittag und dazwischen einen Text schreiben für das Magazin «impuls» der Berner Fachhochschule zum Thema Soziale Arbeit. Die Gedanken galoppierten wieder davon: «Soziale Arbeit? Eigentlich sollte es doch diesen Begriff gar nicht geben müssen? Sollte nicht jede Arbeit sozial sein? Gibt es auch asoziale Arbeit? Ja! Leider! Und wir bewerten sie sogar höher als soziale Arbeit. Es ist, als würden wir uns ins eigene Fleisch schneiden! Warum lassen wir zu, dass die Arbeit für eine ausbeuterische Rohstofffirma, eine rücksichtslose Grossbank oder einen demokratieschwächenden Techkonzern viel besser entlöhnt wird als die Arbeit in einer KiTa, einem Pflegeheim oder einer Schule? Schlaf würde mir jetzt sehr gut tun – aber immer mehr Fragen prasseln auf mich ein: Warum sind vor allem Frauen in den sogenannten sozialen Berufen? Sind wir Männer dazu nicht in der Lage? Wollen wir Männer nicht sozial arbeiten? Einspruch! Ich glaube, wir Männer sind genauso interessiert an einem fürsorglichen Zusammenleben. Es ist einfach leider immer noch so, dass wir für kompetitives, aggressives Verhalten mehr Wertschätzung erhalten als fürs Zuhören, Nähe-Zulassen oder Verletzlichkeit-Aushalten. Jetzt besser nicht auf die Uhr schauen. Wie geht schon wieder die Atemübung, die beim Einschlafen helfen soll? Wir Menschen waren schon immer hochsoziale Herdentiere. Wir überlebten, weil wir teilten, nicht weil wir jagten. Wir wurden stark, weil wir uns verbanden und füreinander sorgten. Wir zogen Kinder gross, die nicht unsere eigenen waren, pflegten unsere Kranken, erfanden Sprache, erzählten uns Geschichten. Alles, was uns menschlich macht, beginnt in der Gemeinschaft. Alles, was uns blockiert, ebenso: Wir alle, Frauen und Männer, leiden gemeinsam unter veralteten, falschen Erzählungen, Werten und Systemen. Aber es ist noch nicht zu spät. Wir können neue Erzählungen erfinden, neue Werte installieren, neue Systeme einführen. Als Filmemacher will ich dazu beitragen. Gleich morgen früh! Jetzt muss ich wirklich schlafen. Tief einatmen. Loslassen. Loslassen. ▪

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8 Notizen

Neue Mitarbeitende Sarah Schneitter Was ich mag: Berge, Sonne, Bewegung, Kaffee und Geschichten Was ich nicht mag: alleine kochen, Nörgeleien und Pogen

Patrizia Moser Was ich mag: wandern in den Bergen, ein gemeinsames Abendessen mit Freunden, Snowboarden, Windsurfen Was ich nicht mag: Kaffee, Lakritz, Ungerechtigkeit

Sarah Schneitter arbeitet seit August 2025 als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Studiengang Bachelor in der Abteilung Professionsentwicklung. Nach dem Abschluss in Sozialer Arbeit im Jahr 2018 absolvierte sie den Masterstudiengang Internationale Entwicklung an der Universität Wien. Zurück in der Schweiz war sie in mehreren NGOs im Kanton Bern tätig, unter anderem als Sozialarbeiterin und Projektleiterin.

Patrizia Moser ist seit August 2025 Doktorandin im SNF-Projekt «Peer-Arbeit für armutsbetroffene Personen». Sie studierte an der Universität Fribourg Sozialarbeit, Sozialpolitik und Soziologie. Zunächst arbeitete sie als Sozialarbeiterin mit Asylsuchenden und Geflüchteten beim Schweizerischen Roten Kreuz und war anschliessend in der Abteilung Behinderung, Familie und Opferhilfe beim Amt für Integration und Soziales des Kantons Bern tätig.

Debora Turuani Was ich mag: wandern, neue Berghütten entdecken, malen und Dokumentarfilme ansehen Was ich nicht mag: Gnocchi

Mila Witschi Was ich mag: unerwartete Begegnungen, Sommerabende, Wasser in allen Formen, Menschen mit Humor Was ich nicht mag: Regen im Winter, Menschen mit (zu) grossen Egos, nicht funktionierende Drucker

Seit August 2025 ist Debora Turuani Doktorandin am Institut für Kindheit, Jugend und Familie und arbeitet im SNF- Projekt «Peer-Arbeit für armutsbetroffene Personen». Sie studierte Soziologie und Anthropologie in Neuchâtel sowie Internationale Entwicklung in Bristol und sammelte Berufserfahrung bei NGOs und beim Eidg. Departement für auswärtige Angelegenheiten in der Schweiz, in Serbien, Griechenland und Peru.

Mila Witschi arbeitet seit August 2025 als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut Kindheit, Jugend und Familie mit Schwerpunkt Schulsozialarbeit. Sie absolvierte den Bachelor in Soziologie (Universität Bern) und den Master Soziale Arbeit an der BFH. Danach war sie in verschiedenen Feldern der Kinder-, Jugend- und Familienhilfe tätig. Zuletzt beriet und begleitete sie in einem Motivationssemester Jugendliche und junge Erwachsene beim Übertritt in die Sekundarstufe II.

erin? Ihre Arbeitgeb r te Die BFH – bald un e Si n de bs fin Interessante Jo re ie bfh.ch/karr

Alumni Werden Sie Mitglied im Verein Alumni BFH Soziale Arbeit! Wir laden Sie zu interessanten Veranstaltungen ein. alumni-sozialearbeit.bfh.ch

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9 Notizen

Ruzica Basaric Was ich mag: Meer, Sonne, am Lagerfeuer sitzen mit einem guten Buch Was ich nicht mag: Zwiebeln, Respektlosigkeit, Winter ohne Schnee

Sven Kette Was ich mag: schnorcheln, Schach spielen, Schokolade Was ich nicht mag: Regen, Randen, Rumpelstilzchen-Tage

Ruzica «Ruschi» Basaric arbeitet sein Anfang Oktober 2025 als Studienorganisatorin im Departement Soziale Arbeit in der Weiterbildung. Nach ihrer KV-Ausbildung und ihrer ersten Anstelllung bei einer Bank arbeitete sie zuerst in der Weiterbildung des Departements Wirtschaft BFH. Vor acht Jahren zog sie weiter und sammelte Erfahrungen in der Landwirtschafts- und Medienbranche. Nun ist sie wieder «nach Hause» an die BFH zurückgekehrt.

Sven Kette arbeitet seit November 2025 als Dozent am Institut Organisation und Sozialmanagement. Als Soziologe lehrte und forschte er an den Universitäten Bielefeld und Luzern zu organisationssoziologischen Fragestellungen. Zuletzt war er als Senior Consultant in der Organisationsberatung tätig. In dieser Funktion hat er Unternehmen, die Verwaltung, Hochschulen und Stiftungen in Projekten der Reorganisation, der Strategieentwicklung und der Kulturarbeit begleitet.

Rispa Stephen Was ich mag: in der Natur sein, mit Freunden zusammen sein, Vögel, gutes Essen, Musik Was ich nicht mag: Intoleranz, Ungerechtigkeit, Kutteln, graue, verregnete Stadtwinter

Delia Sciullo Was ich mag: kalten Kaffee, Formel 1, True-Crime-Podcasts in 1,5-facher Geschwindigkeit hören Was ich nicht mag: Mücken und Gorgonzola

Seit September 2025 arbeitet Rispa Stephen als wissenschaftliche Assistentin am Institut für soziale und kulturelle Vielfalt. Sie absolvierte den Bachelor Soziale Arbeit an der Hochschule Luzern und studiert derzeit im Master Soziale Arbeit. Sie war in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit tätig und arbeitete in den letzten sechs Jahren in der Quartierarbeit. Ehrenamtlich engagierte sie sich im Vorstand eines Frauenhauses sowie im Schwarzfeministischen Netzwerk Bla*Sh. Sie ist Mitgründerin des Black Film Festivals Zurich.

Seit November 2025 ist Delia Sciullo als Doktorandin im SNF-Projekt «Strafen, schützen, erziehen? Perspektiven auf die Jugendstrafuntersuchung» tätig. Zuvor arbeitete sie als Sozialarbeiterin in der kommunalen Sozialhilfe. Sie absolvierte den Bachelor in Sozialpolitik, Sozialarbeit und Sozialanthropologie (Uni Fribourg) und den Master of Science in Humanitarian Action an der SOAS University of London. Seit rund einem Jahr absolviert sie ihren Bachelor in Rechtswissenschaften.

Bibliothek Soziale Arbeit

Edition Soziothek

Die Bibliothek am Departement Soziale Arbeit ist eine wissenschaftliche Spezialbibliothek. Das Angebot umfasst Bücher, DVDs, Zeitschriften, Datenbanken, E-Journals und E-Books. Die Bibliothek ist öffentlich.

Die Edition Soziothek publiziert sozialwissenschaftliche Studien, Forschungsarbeiten sowie Bachelor- und Master-Thesen, die als «sehr gut» oder «hervorragend» beurteilt wurden. Die meisten Publikationen stehen zum kosten­losen Download zur Verfügung. www.soziothek.ch

Öffnungszeiten: Montag bis Freitag, 9.00 bis 17.30 Uhr Hallerstrasse 8, 3012 Bern bfh.ch/soziale-arbeit/bibliothek

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10 Aula

«Ethik zeigt sich dort,

wo notwendige Entscheidungen schwerfallen»

Simone Münger ist Behördenmitglied auf der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) Biel/ Bienne und begleitet als Praxisausbildnerin Studierende der Sozialen Arbeit der BFH. Sie ist Sozialarbeiterin und Juristin.

Professionsethische Kompetenz entsteht im Dialog: Simone Münger, Praxisausbildnerin und KESB-Behördenmitglied in Biel/Bienne, berichtet, wie Studierende durch interdisziplinäre Fallbesprechungen, Reflexion und kritisches Hinterfragen lernen, ethisch fundierte Entscheidungen zu treffen – und dabei auch die Praxis bereichern.

Luca Widmer führte das Interview im September 2025.

Wer den Bachelor in Sozialer Arbeit absolviert, ist nach Abschluss des Studiums in zwölf professionellen Handlungskompetenzen fit – eine davon ist die professionsethische Kompetenz: Wer den Bachelor absolviert, kann institutionelle, professionale und gesellschaftliche Normen und Werte identifizieren und darüber reflektieren. Simone Münger zeigt, welche Bedeutung diese Kompetenz in ihrem Arbeitsalltag bei der KESB hat und wie sie diese im Rahmen der Praxisausbildung thematisiert. Die KESB hat den gesetzlichen Auftrag, den Schutz gefährdeter Kinder und Erwachsener sicherzustellen. Welches sind die Hauptaufgaben Sozialarbeitender? Simone Münger: Diese Frage ist gar nicht so einfach zu beantworten. Grundsätzlich klären wir Situationen ab, treffen Entscheidungen und können Schutzmassnahmen anordnen. Ich selbst arbeite als Behördenmitglied bei der KESB. Die Studierenden der Sozialen Arbeit sind, wie auch die anderen Praktizierenden, dem Sozialjuristischen Dienst (SJD) angegliedert. Sowohl in der Behörde als auch beim SJD arbeiten Sozialarbeitende und Personen mit juristischem Hintergrund. Alle haben den gleichen Auftrag: Wir führen Anhörungen aufgrund von Gefährdungsmeldungen durch und protokollieren diese. Auch die Fallführung, die Abfassung von Abklärungsaufträgen und Entscheidungen gehören zu unseren Aufgaben. Es ist interessant, dass unterschiedliche Berufsgruppen die gleichen Aufgaben übernehmen. Bei der Arbeit merkt man teilweise kleine Unterschiede in der Ausführung. Während bei Sozialarbeitenden eher der systemische Blick und das methodische Vorgehen im Vordergrund stehen, fokussiert sich eine Person mit einem juristischen Hintergrund mehr auf das prozedurale Vorgehen, damit rechtlich alles korrekt abgehandelt wird. Welche Bedeutung hat die professionsethische Kompetenz einer Fachperson der Sozialen Arbeit auf der KESB?

Sie ist sicher eine wichtige Kompetenz in unserem beruflichen Alltag. Dies hat damit zu tun, dass schwierige Entscheidungen für Personen getroffen werden müssen, die zum Teil schwerwiegende Eingriffe in das persönliche Leben darstellen. Es ist immer wichtig, sich zu hinterfragen, ob die geplanten Massnahmen in diesem konkreten Fall angemessen oder zu weitreichend sind oder ob zusätzliche Massnahmen ergriffen werden müssen. Das bedeutet manchmal auch, einen Schritt zurückzugehen und den gesamten Fall aus der Vogelperspek­ tive zu betrachten. In diesem Zusammenhang sind für mich die Behördensitzungen von essenzieller Bedeutung. Dort werden herausfordernde Fälle, bei denen man unsicher ist, gemeinsam besprochen. Dieser interdisziplinäre Austausch ist extrem wichtig, um ethisch fundierte Entscheidungen zu treffen. Er bietet die Möglichkeit, miteinander zu diskutieren, gemeinsam Lösungswege durchzudenken und verschiedene Perspektiven und Haltungen zu berücksichtigen. Dadurch kommt man meiner Meinung nach zu besseren und tragfähigeren Entscheidungen. Sie erwähnen herausfordernde Fälle. Welche davon empfinden Sie aus professionsethischer Perspektive am schwierigsten? Im Bereich des Erwachsenenschutzes betrifft dies oftmals Entscheidungen rund um das Thema der fürsorgerischen Unterbringung (FU). Eine FU ist eine Massnahme des Zivilrechts und kommt einem Freiheitsentzug gleich. Sie erlaubt es, eine Person gegen ihren Willen in eine geeignete Einrichtung einzuweisen. Gerade im Erwachsenenschutz wird dem Selbstbestimmungsrecht jedoch ein hoher Stellenwert beigemessen, was im Zusammenhang mit einer FU ein grosses Spannungsfeld eröffnet. Es muss immer abgewogen werden, inwiefern ein vielleicht unkonventionell erscheinendes Leben als Ausleben des Selbstbestimmungsrechts gewertet werden kann und wo die Grenze zur Selbstgefährdung verläuft. Gerade bei Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen sind das komplexe Entscheidungen, bei ­­ denen beurteilt werden muss, inwiefern beispielsweise ▶

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«Auch im Kindesschutz kommen ethisch herausfordernde Fragestellungen auf, insbesondere wenn das Thema Fremdplatzierung im Raum steht.» Simone Münger BFH impuls 1/2026


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Aula

Corinne Stuber befindet sich im achten Semester ihres Bachelor-Studiums. Sie hat im August 2025 ihr einjähriges Praxismodul beim Sozialjuristischen Dienst der KESB Biel/Bienne begonnen. Sie hat sich für ein Praxismodul bei der KESB entschieden, da sie es interessant findet, sich mit komplexen Fällen auseinanderzusetzen. Nach ihrem ersten Monat im Praktikum sagt sie: «Ich wusste vorher wenig über die konkrete Arbeitsweise bei der KESB, war aber positiv überrascht, wie systemisch und interdisziplinär gearbeitet wird. Besonders beeindruckt hat mich der Austausch zwischen den verschiedenen Fachpersonen mit je unterschiedlichen Perspektiven. Entscheidungen werden gemeinsam getroffen, was auf mich sehr sozialarbeiterisch wirkt. Gerade im interdisziplinären Austausch beginnt für mich die ethische Auseinandersetzung, denn dort treffen unterschiedliche Menschenbilder aufeinander. Hier ist ein Dialog nötig, um gemeinsam verantwortungsvolle Entscheidungen zu treffen.» Im Rahmen ihrer Kompetenzarbeit wird sie sich mit der professionsethischen Kompetenz auseinandersetzen. Dafür möchte sie sich unter anderem mit dem Berufskodex der Sozialen Arbeit von Avenir Social beschäftigen und wird im Rahmen der Ausbildungssupervision einen Fall einbringen, der ethische Spannungsfelder thematisiert.

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▶ die Urteilsfähigkeit der betroffenen Person noch vorhan-

den ist. Auch im Kindesschutz kommen ethisch herausfordernde Fragestellungen auf, insbesondere wenn das Thema Fremdplatzierung im Raum steht. Grundsätzlich sollen Kinder, wenn immer möglich, in ihrer Herkunftsfamilie aufwachsen, weshalb wir bestrebt sind, mit den Erziehungsberechtigten zusammenzuarbeiten, um gemeinsame Lösungen zu finden. Letztlich sind wir als Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde jedoch dem Kindeswohl verpflichtet und müssen im Extremfall die Entscheidung treffen, ein Kind fremdzuplatzieren. Sie sind nicht nur Behördenmitglied bei der KESB in Biel, sondern begleiten auch Studierende der Sozialen Arbeit als Praxisausbildnerin. Wie thematisieren und vermitteln Sie die professionsethische Kompetenz in der Ausbildung der angehenden Sozialarbeitenden? Das Wichtigste ist, dass man im Gespräch ist und sich über konkrete Fälle austauschen kann. Aktuell führe ich gemeinsam mit Corinne Stuber einen sehr komplexen

Fall im Bereich des Kindesschutzes, bei dem eine Fremdplatzierung im Raum steht. Wir tauschen uns regelmässig aus, bringen uns auf den neuesten Stand und diskutieren die Handlungsmöglichkeiten. In diesem Rahmen können wir auch Haltungsfragen sowie gesellschaftliche und institutionelle Normen und Wertvorstellungen reflektieren. Leider ist es im Arbeitsalltag aus zeitlichen Gründen nicht immer möglich, die ethischen Aspekte theoriegeleitet im Detail zu analysieren. Daher ist es auch für mich als Fachperson eine Bereicherung, wenn sich Studierende bewusst mit der professionsethischen Kompetenz auseinandersetzen. So können wir uns mit ethischen Entschei­dungsfindungsmodellen oder den professions­ ethischen Standards, beispielsweise dem Berufskodex von Avenir Social, vertiefter auseinandersetzen. Das ist ein schönes Beispiel dafür, dass nicht nur die Studierenden von uns lernen, sondern dass auch wir von der KESB durch den Input der Studierenden Impulse erhalten. Mir ist es zudem wichtig, dass die Studierenden die Arbeitsweisen der Praxis kritisch einordnen und mit dem, was sie in der Theorie gelernt haben, abgleichen und reflektieren können. Welche Voraussetzungen sollten Studierende mitbringen, die ein Praktikum bei der KESB machen möchten? Es ist wichtig zu wissen, dass das Praktikum im rechtlichen Kontext stattfindet und wir hauptsächlich rechtliche Verfahren abhandeln. Natürlich haben wir methodisch gewisse Freiheiten, wir bewegen uns aber dennoch in einem rechtlichen Verfahren, in dem gewisse Grundsätze gelten. Insofern ist eine gewisse Identifikation mit dem rechtlichen Kontext von Vorteil. Man sollte sich auch bewusst sein, dass wir eher weniger die Gesprächssituation üben. Viele Arbeiten im SJD sind administrativer Natur, wie die Protokollierung von Sitzungen oder die Abfassung von Entscheiden. Dafür ist ein gewisses administratives Flair erforderlich. Als weitere wichtige Voraussetzung erscheint mir, dass man sich nicht davor scheuen darf, auch unpopuläre Entscheidungen zu treffen. Das ist vielleicht ein Unterschied zu vielen anderen Handlungsfeldern der Sozialen Arbeit, in denen man eher anwaltschaftlich arbeitet. Schliesslich sollte man grundsätzlich gerne mit Menschen arbeiten. Es ist wichtig, davon überzeugt zu sein, letztlich im Interesse der betroffenen Personen zu handeln. Dies gilt auch, wenn man an einem Ort arbeitet, an dem die Entscheidungen nicht immer auf Zustimmung stossen. Man sollte das Beste für die Betroffenen erreichen wollen, auch wenn die eigene Vorstellung davon nicht immer mit der Vorstellung der Betroffenen übereinstimmt. Das kann herausfordernd sein, womit wir wieder bei den ethischen Fragen angelangt sind. Deshalb ist auch ein Interesse an berufsethischen Fragen und Entscheidungsprozessen relevant. ▪ Luca Widmer, Wissenschaftlicher Mitarbeiter Studiengang Bachelor luca.widmer@bfh.ch … ist stellvertretender Leiter Praxisausbildung im Bachelor-Studiengang. Er ist Co-Modulverantwortlicher des Praxismoduls und der Praxisvorbereitung.

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Kindern und Eltern in Erwerbsarmut eine Stimme geben Melodie Burri, Master of Arts European Global Studies Universität Basel

eingetaucht – aufgetaucht Wer forscht zu welchem Thema am Departement? Ob Dissertation, Nationalfonds oder Masterthesis: Jenseits von Fachbegriffen schreiben in dieser Reihe Nachwuchs und Lehrpersonen, was am eigenen Projekt bewegt, ins Stolpern oder einen Schritt weiterbringt. Melodie Burri arbeitet seit Mai 2024 als Doktorandin im Department Soziale Arbeit. Parallel dazu doziert sie an der Pädagogischen Hochschule Bern im Bereich Erziehungs- und Sozialwissenschaften. Davor studierte sie Sozialanthropologie und European Global Studies in Bern und in Basel.

tief in den Alltag und das Aufwachsen von Kindern hinein. «Ich bin wie eine Kakerlake, ich sterbe nie, … aber das ist kein Leben. […] Geld ist für mich zu einer Obsession geworden. […] Ich würde gerne in Würde leben können, das ist klar, aber ich lebe in Angst und frage mich, wie ich diesen Monat meine Rechnungen bezahlen soll.» So beschreibt ein Vater seinen Alltag: den Überlebensmodus als Dauerzustand. Im laufenden Forschungsprojekt wollen wir die Perspektiven von Kindern und Eltern sichtbar machen. Ihre Erzählungen zeigen, wie sie angesichts strukturellen Begrenzungen Handlungsspielräume aushandeln, Widerstand leisten und ihren Alltag trotz widriger Bedingungen gestalten. ▪ Literatur: – Becker-Schmidt, Regina. (2007). Geschlechter- und Arbeitsverhältnisse in Bewegung. In Brigitte Aulenbacher, Maria Funder, Heike Jacobsen & Susanne Völker (Hrsg.), Arbeit und Geschlecht im Umbruch der modernen Gesellschaft (S. 250–268). Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften. – Bundesamt für Statistik (BFS). (2025). Armut. Armut der Erwerbstätigen. https://www.bfs.admin.ch/ bfs/de/home/statistiken/ wirtschaftliche-soziale-situationbevoelkerung/soziale-situation-wohlbefindenund-armut/armut-deprivation/armut.html – Kalleberg, Arne L. (2018). Precarious lives: Job insecurity and well-being in rich democracies. bridge: Polity Press.

«Die (Un)Vereinbarkeit von Erwerbsarbeit und Sorge erschöpft und wirkt tief in den Alltag und das Aufwachsen von Kindern hinein.» BFH impuls 1/2026

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«Nur weil wir arm sind, sind wir nicht dumm.» Dieser Satz eines Vaters aus einem Interview hallt nach – voller Widerstand. Er erinnert daran: Armut ist keine Frage von Intelligenz oder Willenskraft, sondern Ausdruck gesellschaftlicher Strukturen, aufgrund derer Chancen ungleich verteilt werden. Wie soziale Ungleichheiten (re)produziert werden und warum ihre Ursachen oft beim Individuum gesucht werden, beschäftigt mich und führte mich zum Nationalfonds-Projekt «Familien(er)leben in Erwerbsarmut. Perspektiven von Kindern und Eltern» unter der Leitung von Margot Vogel Campanello. Unser Forschungsteam untersucht, wie Kinder und Eltern ihren Alltag zwischen Erwerbsarbeit und Fürsorge unter prekären finanziellen Bedingungen gestalten und (er)leben. Über 170 000 Menschen in der Schweiz haben trotz Erwerbsarbeit einen Lohn, der sie unter der Armutsgrenze leben lässt. Bei Einbezug der Armutsgefährdung verdoppelt sich die Zahl auf über 330 000 (BfS, 2025). Diese Zahlen zeigen ein grossflächiges und gesellschaftliches Problem. Trotzdem leben viele dieser Familien im Verborgenen – sie erfahren Stigmatisierung und erleben oft auch Scham. Veränderungen des Arbeitsmarkts – zum Beispiel die Erosion des Normalarbeitsverhältnisses (Anm. d. Red.: ein unbefristetes, abhängiges Beschäftigungsverhältnis mit einem sozialversicherungspflichtigen Arbeitsvertrag) – sind in der Forschung breit dokumentiert (z. B. Kalleberg, 2018). Erwerbsarbeit wird im gesellschaftlichen Diskurs häufig gedacht, ohne die dafür notwendige Sorgearbeit zu berücksichtigen – ein Widerspruch, der sich im Alltag vieler Familien schmerzhaft bemerkbar macht. Die Grenzgänge zwischen Beruf und Familie (Becker-Schmidt, 2007) bedeuten für Familien in Erwerbsarmut, dass sie vor dem Dilemma stehen, Existenzsicherung und Sorge-Verantwortung gegeneinander abzuwägen. Familien bewegen sich dabei nicht nur in einem Spannungsfeld zwischen Verantwortlichkeiten, sondern auch zu Ideal­bildern dieser. Auf diese täglichen Grenzgänge und Balance­ akte fokussiere ich in meiner Dissertation. Unsere ersten Zwischenerkenntnisse zeigen unterschiedliche Familienkonstellationen, Ausbildungsniveaus, Anstellungsbedingungen, Aufenthaltsstatus und mehr, aber ein Faktor verbindet diese Familien: Arbeit schützt sie nicht vor Armut. Die (Un)Vereinbarkeit von Erwerbsarbeit und Sorge erschöpft und wirkt


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Aktennotizen in der Sozialen Arbeit:

Zwischen Dokumentationspflicht und digitaler Realität

Prof. Dr. Christina Plafky

Die Falldokumentation ist zentral in der Sozialen Arbeit – und aufwändig. Nicht selten greifen Fachkräfte dabei auf inoffizielle KI-Tools oder Apps zurück. Dies birgt einige Risiken, etwa beim Datenschutz. Welche Aspekte und Fragen müssen Fachkräfte und Organisationen klären, um von KI zu profitieren und gleichzeitig rechtskonform und im Sinne der Adressat*innen unterwegs zu sein?

In der Sozialen Arbeit nehmen Dokumentationsaufgaben immer mehr Raum ein. Fachkräfte verbringen einen erheblichen Teil ihrer Arbeitszeit mit der Abfassung von Aktennotizen, Berichten und der Falldokumentation. Diese Aufgaben sind nicht nur zeitintensiv, sondern auch rechtlich und fachlich von grosser Bedeutung. Sie dienen der Qualitätssicherung, der professionellen Kommunikation und der Rechenschaftspflicht gegenüber Adressat*innen sowie anderen Institutionen (Plafky et al., eingereicht; Lillis et al., 2020; Pascoe et al., 2024; MacAlister, 2024). Allerdings zeichnet sich eine besorgniserregende Entwicklung ab: Immer mehr Fachkräfte greifen auf nicht autorisierte technische Lösungen zurück, um ihre Dokumentationsaufgaben zu bewältigen. Sie nutzen kommerzielle KI-Tools wie ChatGPT oder Diktier-Apps auf privaten Geräten – eine Praxis, die als «Shadow IT» bezeichnet wird (Plafky et al., 2025). Dies ist aus mehreren Gründen problematisch: Die Nutzung kommerzieller KI-Tools verstösst gegen zentrale Datenschutzbestimmungen, und zwar gegen die Verordnung zum Schweizer Datenschutzgesetz und gegen kantonale Regelungen. Selbst bei Prompts, die mit anonymisierten Anfragen verschickt werden, besteht dieses Risiko, da vertrauliche Informationen durch kommerzielle Anbieter gespeichert und weiterverarbeitet werden können. Ohne etablierte Kon­troll- und Sicherheitsstandards drohen den Einrichtungen und Fachkräften dabei nicht nur datenschutzrechtliche, sondern auch arbeitsrechtliche Konsequenzen.

Ein innovativer Lösungsansatz aus der Forschung

In unserem Projekt «Datenschutzkonforme automatisierte Aktennotizerstellung» mit der OST Ostschweizer Fachhochschule, haben wir eine datenschutzkonforme Alternative entwickelt. In einem Projekt wurde eine KIAnwendung konzipiert, die speziell auf die Bedürfnisse der Sozialen Arbeit zugeschnitten ist (Plafky et al., 2025): Die entwickelte KI-Anwendung kombiniert Speech-to-Text und Large-Language-Model-Technologien in einer vollständig lokalen Installation. Weil die KI-

Anwendung auf Dienstrechnern ohne externe Serverund Cloud-Anbindung integriert ist, sind die Daten maximal gesichert. Die Fachperson kann eine Spracheingabe nutzen, die KI wandelt sie in Text um und strukturiert die Inhalte. Die Fachkraft hat abschliessend die Möglichkeit, den Entwurf zu kontrollieren. Das bringt einige Vorteile: Die Texte lassen sich automatisch nach fachlichen Standards strukturieren. Ein einheitliches Format bringt eine Qualitätssicherung mit sich, unter anderem weil so alle wichtigen Aspekte einer guten Aktennotiz festgehalten werden (beispielsweise die Unterscheidung zwischen Beobachtung, Interpretation, Hypothesen etc.). Ausserdem könnte es zu einer mentalen Entlastung beitragen, wenn die KI die Formulierung übernimmt. Die Dokumentationsroutine wird dadurch vereinfacht und die Fachkraft behält die volle Kontrolle über sensible Daten. Die durchgeführten Usability-Tests (Dumas & Reddish, 1992; Barnum, 2019) mit Fachkräften aus einer Schweizer Einrichtung erhielten überwiegend positive Rückmeldungen. Das Tool ist intuitiv zu bedienen und ermöglicht eine schnelle Einarbeitung, wobei die hohe Qualität der generierten Aktennotizen eine effektive (mentale) Arbeitserleichterung für die Fachkräfte bedeuten könnte. Die strukturierte Ausgabe wurde besonders im Kontext der Qualitätssicherung der Aktennotizen hervorgehoben. Gleichzeitig gibt es auch bei diesem Prototypen KIgenerierte «Halluzinationen». Diese falschen oder erfundenen Informationen gibt ein KI-System so heraus, als ob sie überprüfte Fakten wären. Das passiert, wenn die KI etwas «dazudichtet», statt nur auf bekannte Daten zurückzugreifen. Dies ist ein grundsätzliches Problem bei Textverarbeitungs-KIs, das sich derzeit nur reduzieren, aber nicht vollständig verhindern lässt. Bei diesem Prototypen entstehen die Halluzinationen besonders dann, wenn der eingesprochene Text zu kurz ist (Plafky et al., 2025). Zukünftig werden noch weitere Varianten der Akten­notizstruktur in die KI eingearbeitet, sodass bei wenig eingesprochenem Text die Halluzinationen reduziert werden.

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Hier wird sichtbar, dass Fachkräfte die Endkontrolle durchführen müssen, wie dies auch in der KI-Verordnung der EU (Voigt & Hullen, 2024) und vermutlich in einer zukünftigen Regulierung in der Schweiz (Bundesamt für Justiz, 12.2.2025) sowie aus ethischen Überlegungen notwendig ist (siehe auch Plafky & Badertscher, 2025). Es gibt auch technische Überlegungen, damit dies sichergestellt werden kann (Plafky et al., eingereicht): Unsere Forschung hat gezeigt, dass die Fachkräfte nach einem Vertrauensaufbau gegenüber der Anwendung den Schritt der Überprüfung und damit der Verantwortungsübernahme überspringen. Das bedeutet, dass Fehler und potenzielle Halluzinationen nicht bemerkt werden könnten. Weil Fachkräfte die KI-gestützten Dokumentationen zwingend überprüfen müssen, ist der Effizienzgewinn zumindest zeitlich nicht gross, doch werden sie immerhin mental entlastet von Aufgaben, die sie zum Teil als unangenehm und stressreich empfinden. Gleichzeitig ist es in diesem Kontext unerlässlich, über die Perspektive der Adressat*innen nachzudenken, denn die ethische und rechtliche Frage, wie Daten von Klient*innen in einer KI verarbeitet werden dürfen oder sollen, ist noch nicht geklärt. Die Nutzung einer KI wird sich durch einfache Einverständniserklärungen ethisch nicht rechtfertigen lassen. Die Frage nach der Transparenz des KI-Einsatzes muss hier ebenfalls mitgedacht und geregelt werden. Schlussendlich können diese Punkte einen Einfluss auf die Beziehungsarbeit haben (Plafky & Badertscher, 2025). Auf der anderen Seite verändern sich durch den Einsatz einer KI-gestützten Dokumentation auch organisatorische Prozesse und womöglich die Organisationskultur. Beispielsweise könnten Fachkräfte einen erhöhten Bedarf nach einer Supervision haben, wenn Reflexionsprozesse ersetzt werden müssen. Hierzu gibt es noch keine Forschungsdaten (Plafky et al., eingereicht).

Implikationen für die Praxis

Die Studie verdeutlicht: Für Organisationen zeigt sich ein dringender Handlungsbedarf bei der Digitalisierung von Dokumentationsprozessen. Dieser Handlungsbedarf bringt die Notwendigkeit datenschutzkonformer KI-Lösungen mit sich. Dabei ist es ebenso wichtig, Fachkräfte in Entwicklungsprozesse einzubinden wie auch klare Richtlinien für den Einsatz, die Weiterentwicklung und Überwachung digitaler Tools zu etablieren. Dies erfordert gezielte Investitionen in eine sichere technische Infrastruktur. Für die Fachkräfte ergeben sich ebenfalls wichtige Implikationen: Sie müssen sich stärker mit Datenschutzrisiken bei kommerziellen KI-Tools befassen und zugleich die Chancen geprüfter KI-Anwendungen zur Qualitätsverbesserung nutzen. Dafür brauchen sie eine kontinuierliche digitale Weiterbildung. Fachkräfte sollten sich nicht nur als Anwender*innen verstehen, sondern als aktive Mitgestalter*innen der digitalen Transformation (Plafky & Badertscher, 2025).

Ausblick und Handlungsbedarf

Die entwickelte KI-Lösung zeigt beispielhaft, wie der Spagat zwischen effizienter Dokumentation und Datenschutz gelingen kann. Dennoch bleibt noch viel zu tun. Es gilt, integrierte Lösungen für verschiedene Fallführungssysteme zu entwickeln und klare Qualitätsstandards für KI-Anwendungen in der Sozialen Arbeit festzulegen. Dies muss Hand in Hand gehen mit einer umfassenden Schulung und Weiterbildung der Fach- und Leistungskräfte. Die Auswirkungen in der Praxis sollten kontinuierlich evaluiert, und neue technische Möglichkeiten sollten geprüft werden. Besondere Aufmerksamkeit verdient dabei die systematische Erforschung der langfristigen Folgen für die Fallarbeit. Dass viele Fachkräfte inzwischen nicht genehmigte kommerzielle KITools nutzen, zeigt deutlich, wie gross der Modernisierungsdruck in der Sozialen Arbeit ist. Statt diese Entwicklung zu ignorieren, sollten Organisationen proaktiv datenschutzkonforme Alternativen bereitstellen. Nur so kann die digitale Transformation der Dokumentationspraxis gelingen, ohne dabei fundamentale Prinzipien des Datenschutzes und der professionellen Qualität zu gefährden (Plafky et al., 2025). ▪ Literatur: – Bundesamt für Justiz (12.2.2025). Künstliche Intelligenz. https:// www.bj.admin.ch/bj/de/home/staat/gesetzgebung/kuenstlicheintelligenz.html – Lillis, T., Leedham, M., & Twiner, A. (2020). Time, the written record, and professional practice: The case of contemporary social work. Written Communication, 37(4), 431–486. – Lillis, T., Twiner, A., Barklow, M., Lucas, G., Smith, M., & Leedham, M. (2023). Reflections on the procedural and practical ethics in researching professional social work writing. Journal of Applied Linguistics and Professional Practice. – MacAlister, J. (2022). The independent review of children’s social care – Final report (pp. 178–187). – Mösch Payot, P. & Pärli, K. (2022). Datenschutz in der Sozialen Arbeit. Eine Praxishilfe zum Umgang mit sensiblen Personendaten. Bern: AvenirSocial. – Pascoe, K. M., Waterhouse-Bradley, B., & McGinn, T. (2023). Social workers’ experiences of bureaucracy: A systematic synthesis of qualitative studies. The British Journal of Social Work, 53(1), 513–533. https://doi.org/10.1093/bjsw/bcac106 – Plafky, C.S. & Badertscher, H. (2025). Transformation der Sozialen Arbeit durch Künstliche Intelligenz. Möglichkeiten, Grenzen und professionsethische Überlegungen. Springer VS. https://doi. org/10.1007/978-3-658-49009-6 – Plafky, C.S.; Purandare, M.; Plattner, B. & Hrytsai, S. (2025). Aktennotizerstellung in der Sozialen Arbeit durch Künstliche Intelligenz – Erkenntnisse aus einem Mixed-Method – Forschungsprojekt. Gesa A. Linnemann, Julian Löhe & Beate Rottkemper (Hrsg.), Künstliche Intelligenz in der Sozialen Arbeit: Grundlagen für Theorie und Praxis. Weinheim: Beltz Verlag (open-access). – Plafky, C.S.; Purandare, M.; Plattner, B. & Hrytsai, S. (eingereicht) AI-Supported Case Documentation in Social Work: Potentials and Challenges for Professional Practice. – Voigt, P., & Hullen, N. (2024). Handbuch KI-Verordnung: FAQ zum EU AI Act. Berlin/Heidelberg: Springer-Verlag.

Prof. Dr. Christina Plafky, Dozentin Institut Fachdidaktik, Professionsentwicklung und Digitalisierung christina.plafky@bfh.ch … forscht rund um das Thema künstliche Intelligenz und virtuelle Realität in der Sozialen Arbeit.

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Turn to Affect:

Die vergessenen Emotionen der Beratenden Die Emotionen von Berater*innen wurden in der Forschung und in der Ausbildung lange übersehen. Eine aktuelle Studie zeigt, wie Fachleute ihre eigenen Gefühle in schwierigen Beratungssituationen wahrnehmen, darüber sprechen und sie nutzen – und was dies für die Ausbildung junger, resilienter Fachkräfte bedeutet. Prof. Dr. Anja Ostendorp

Erst seit der Jahrtausendwende rücken Emotionen und körperorientierte Ansätze zunehmend ins Blickfeld. Mit dem Fokus auf Emotionen und Körper lässt sich eine Wende erkennen, die auch als «Turn to Affect» beschrieben wurde (Wetherell, 2015). Das neugewonnene Verständnis der «Emotionen als Ressourcen» (Glasl, 2025) und der «Intelligenz des Unbewussten» (Gigerenzer, 2021) verändert den Blick auf Beratung tiefgreifend. Während es zunächst vor allem den Emotionen der Klient*innen verpflichtet war, rücken seit wenigen Jahren auch die Emotionen der Fachpersonen selbst sowie entsprechende Wechselwirkungen in den Blick. Gleichzeitig gewann das Thema mentale Gesundheit für Fachpersonen der Sozialen Arbeit an Relevanz. So wurde aufgezeigt, inwiefern diese von erhöhten Arbeitsbelastungen sowie von psychischen und emotionalen Erschöpfungszuständen betroffen sind (Beer et al., 2021). Berufs­an­fän­ger*innen und Studierende der Sozialen Arbeit erweisen sich sogar als überdurchschnittlich stark von Überlastungssymptomen betroffen: Klient*in­nen brechen in Tränen aus, reagieren mit ungebremster Wut, äussern Suizidgedanken oder verfallen ins Schweigen. Derartige emotional herausfordernde Situationen treten häufig plötzlich und mächtig auf. Sie

Methodisches Vorgehen

Den Ausgangspunkt der Studie bildeten eine umfangreiche Literaturrecherche zur Relevanz von Emotionen in Beratungsprozessen sowie protokollierte Gespräche mit Fachpersonen aus den Bereichen Beratung und Supervision. Auf dieser Grund­ lage wurde ein Fragebogen erstellt und an 145 Beratungslernende (Studierende mit erster Praxiserfahrung) adressiert. Flankierend wurden mit Personen, die dazu an Hochschulen unterrichten, fünf einstündige Expertise-Interviews geführt. Die gewonnenen Daten wurden in der Tradition der sozialwissenschaftlichen Diskursforschung (Keller, 2011; Ostendorp, 2009) ausgewertet.

können gerade bei Berufsanfänger*innen das Gefühl der Überforderung erheblich verstärken (Ostendorp, 2025). Nicht zuletzt wird als Folge davon gar eine zunehmende Mitgefühlsmüdigkeit dokumentiert (Ondrejková & Halamová, 2022). Um Folgen wie diesen entgegenwirken zu können, wird gezielte affektorientierte Forschung zur Stärkung der Resilienz von Sozialarbeiter*innen gefordert (Crowder & Sears, 2017, S. 19) und die Notwendigkeit von Selbstfürsorgestrategien für Fachpersonen der Sozialen Arbeit betont (Griffiths et al., 2019). Daneben scheint es gerade im Kontext von Aus- und Weiterbildung ebenso unerlässlich, Emotionen von Fachpersonen im Beratungsprozess systematisch zu berücksichtigen.

Der Blick auf die eigenen Emotionen als Berater*in

Unsere Untersuchung ging unter anderem folgender Frage nach: Welche Bedeutung kommt den Emotionen der Beratenden selbst zu? Wie nehmen sie ihre Gestaltungsspielräume in emotional herausfordernden Beratungssituationen wahr? Wie lässt sich der «Turn to Affect» in der Aus- und Weiterbildung für Beratungslernende nutzen (Ostendorp, im Druck)? Die Ergebnisse zeigen vier Lesarten oder «Repertoires», auf die sich die Befragten beziehen:

Das «Gschpürsch-mi»-Repertoire – Beratende sind unverwundbar Potenziell kritische Situationen werden als kaum oder höchstens minimal herausfordernd bezeichnet, darunter selbst extreme Ereignisse wie Suizidgedanken, Aggression oder Traumata seitens der Klient*in­nen. Teilweise wird explizit betont, dass noch keine Situation als herausfordernd erlebt wurde. Wenn Herausforderungen genannt werden, dann werden diese eher vage oder lediglich hypothetisch dargestellt: «(N)icht ernst genommen werden – das stelle ich mir mühsam vor.» Dabei wird maximal die eigene Ungeduld, wenn Klient*in­nen nicht zügig genug «vorwärtskommen», als herausfordernd beschrieben. Hier finden sich für Beratungs­personen entsprechend wenige, äusserst knappe Hinweise auf «Ruhe»

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und «Distanz» zum Geschehen. Damit zeigt sich ein Deutungsmuster, in dem eine verletzliche Beratungsperson mit eigenen Emotionen keinen Platz hat.

Das Klient*innen-Repertoire – Emotionen gehören dem Gegenüber Hier bezeichnen Berater*innen jene Situationen als herausfordernd, in denen sich besonders starke negative Emotionen bei Klient*innen zeigen. Es sind unvorhersehbare Situationen, in denen das erlernte Beratungswissen rasch abgerufen werden muss, so insbesondere bei Traumata oder Suizidgedanken, aber auch bei Schweigephasen, Tränen oder Antrieblosigkeit. Mit ausschliesslichem Blick auf das Gegenüber stehen hier als Lösungsansatz Gesprächstechniken sowie strukturierende Tools im Vordergrund, so beispielsweise: «Methode anwenden, um vom Problemdenken loszukommen.» Diese Strategien sind gerade für Berufs­an­fän­ ger*in­nen mit hohem Sicherheitsbedürfnis äusserst plausibel und gerade das Erlernen von Gesprächstechniken ist unbestritten zentral. Das emotionale Erleben der Situation findet jedoch auch hier keinen Platz. In Reinform angewandt, kann das zweite Repertoire daher nahtlos mit dem ersten kombiniert werden. Die beiden bilden zwei Seiten einer Medaille: Hier die starke Fachperson, dort die geschwächte Klientel.

Das affektorientierte Repertoire – an eigenen Emotionen lässt sich arbeiten Genau wie im dritten Repertoire schätzen auch hier die Befragten spezifische Situationen als stark herausfordernd ein. Als Strategien im Umgang mit der jeweiligen Situation werden jedoch die eigene «Reflexion», der «Austausch» mit geeigneten Personen sowie «Coaching» und «Supervision» aufgeführt. Im vierten Repertoire ist damit erstmals eine pro-aktive Arbeit an und mit den eigenen Emotionen erkennbar. Zusammengehalten wird das vierte Repertoire sinngemäss von der Annahme: «Emotionen sind auf beiden Seiten wichtig, Beratende dürfen und müssen auch an eigenen Emotionen arbeiten.» Dabei erscheint der Zugang zu Lösungsstrategien jedoch eher kognitiv. Affektorientierte Zugänge und Techniken werden auffallend wenig und rudimentär genannt («bewusst atmen», «Körperübungen»).

«Wenn ich nur wüsste, wie …»

Mit Repertoire I und II wird das Bild des starken Beratenden und der schwachen Klientel reproduziert und die Erwartung an die eigene emotionale Unverwundbarkeit bedient. Das «Problem» der eigenen Emotion wird­ als ▶

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Das Support-Repertoire – Beratende brauchen Rückendeckung Im dritten Repertoire gehen die Befragten auf Emotionen ein und benennen die unterschiedlichsten emotionalen Herausforderungen in Beratungssituationen. So werden explizit auch Szenarien als stark herausfordernd bezeichnet, die sich auf das eigene Erleben beziehen, wie etwa «Antipathie gegenüber Klient*innen», «persönliche Beleidigungen», «Vorwürfe», «Entwertungen»,

«Flirtverhalten» oder kritische Problemlagen, die an eigene Erfahrungen erinnern. Als Strategien im Umgang mit der jeweiligen Situation werden konkrete Hilfestellung durch erfahrene Dritte in der Situation selbst sowie der emotionale Support im Anschluss an die Situation genannt (bspw. «Rückendeckung einholen», «Ausbildner hinzuziehen»). Wenngleich hier eigene Emotionen erstmals deutlich zum Ausdruck gebracht werden, so werden dennoch keine Lernoptionen zum selbstwirksamen Umgang mit herausfordernden eigenen Emotionen genannt. Die «rettende» Lösung kommt von aussen – von der hinzugezogenen Person.

«Emotional herausfordernde Situationen treten plötzlich und mächtig auf. Sie können gerade bei Berufsanfänger*innen das Gefühl der Überforderung verstärken.»

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▶ persönlich schwächend erlebt und muss – so die Annah-

me – deshalb im Privaten gelöst werden. Dagegen werden eigene Emotionen im dritten und vierten Repertoire explizit mitgedacht. Entsprechende Äusserungen bleiben dennoch häufig auf der Ebene des Benennen-Könnens stehen. Hier lässt sich ein TheoriePraxis-Dilemma erkennen: Zwar werden die eigenen Gefühle empfunden und ernst genommen, zum Teil sogar als stark überfordernd eingeschätzt. Möglichkeiten, mit ihnen umzugehen, bleiben jedoch meist vage, im Sinne eines «Ich weiss es ja, aber ich kann es nicht ändern». Zudem zeigen Sotoudeh, Studer und Abplanalp (2023, S. 164 f.) hinsichtlich Studierender der Sozialen Arbeit, dass das «differenzierte und vertiefte Reflektieren der eigenen Persönlichkeitsentwicklung (…) öfters von Unsicherheit und Demotivation begleitet ist». Wie ein adäquater Umgang mit Emotionen im Beratungsprozess gelingen kann, erscheint somit als gravierende Ausbildungslücke. Dieses Thema wurde in unseren Expertise-Interviews nach wie vor als «Black Box im Beratungslernen» bezeichnet.

Raus aus der Privatheit: Fazit und Ausblick

Im Beratungslernen muss der Umgang mit Emotionen aus der Privatheit befreit und anforderungsbegründet in die Ausbildungsinhalte aufgenommen werden. Dabei ist die häufig unterschätzte Dimension von Scham und Verletzlichkeit zu berücksichtigen, die von allen Beteiligten erlebt werden kann (Ostendorp, im Druck), denn sie führt als vermeintlicher Ausweg ins erste Repertoire und befeuert die Mitgefühlsmüdigkeit als Schutzreaktion. Der Fokus auf Emotionen der Beratenden im Beratungsprozess sollte demnach weder rein individuellen Interessen noch einer ins Private verlegten Selbstoptimierung Vorschub leisten (vgl. Maurer & Löbmann, 2019, S. 265). Vielmehr sollten in psychosozialen Berufen «Achtsamkeit und (Selbst-)Fürsorge Prinzipien [sein], die immer auch institutionell verankert sein müssen und keinesfalls als primäre oder [als] alleinige Aufgabe der Mitarbeitenden verstanden werden dürfen» (Heidenreich et al., 2021, S. 39). Um uns schliesslich bewusst vom Bild der unverwundbaren Beratungsperson und damit auch vom Privatisierungsdilemma verabschieden zu können, müssen wir Katalysatoren der Verletzlichkeit sowie der Mitgefühlsmüdigkeit erkennen, den Umgang mit Unsicherheiten adressieren, neurowissenschaftliches Wissen anforderungsbezogen integrieren sowie organisationale Rahmungen, einschliesslich Gefässe wie Intervision und Ausbildungssupervisionen, entsprechend gestalten. Gleichzeitig bedarf es weiterer Lehr-Lern-Forschung, auch unter Einbezug eines schauspielgestützen sowie VR-basierten Trainingsmaterials (Abplanalp & Bachmann, 2019; Ostendorp, 2023; Weinhardt, 2023). Dabei geht es klassisch systemisch und jenseits privater Selbstoptimierung um die nachhaltige Förderung des Wechselspiels zwischen Beratungspersonen, Klient*innen und Organisationen – und damit nicht zuletzt um das Wohl der Gesellschaft. ▪

Literatur: – Abplanalp, Esther & Bachmann, Manuel. (2019). Immersive Virtual Reality und Persönlichkeitsentwicklung in Hochschulausbildungen. In: Judith Studer, Esther Abplanalp & Stephanie Disler (Hrsg.), Persönlichkeitsentwicklung in Hochschulausbildungen fördern (S. 146–161). Bern: Hep. – Beer, Oliver W. J., Phillips, Rebecca & Quinn, Camille R. (2021). Exploring stress, coping, and health outcomes among social workers. European Journal of Social Work, 24(2), 317–330. – Crowder, Rachael & Sears, Alexandra. (2017). Building Resilience in Social Workers: An Exploratory Study on the Impacts of a Mindfulness-based Intervention. Australian Social Work, 70(1), 17–29. – Gigerenzer, Gerd. (2021). Bauchentscheidungen. Die Intelligenz des Unbewussten und die Macht der Intuition. München: Pantheon. – Glasl, Friedrich. (2025). Konflikt, Krise, Katharsis. Emotionen als Ressourcen nutzen (Keynote). 4. Berner Beratungstagung (04.+05.09.2025). Berner Fachhochschule. – Griffiths, Austin, Royse, David D., Murphy, April L., & Starks, Saundra. (2019). Self-care practice in social work education: A systematic review of interventions, Journal of Social Work Education, 55(1), 102–114. – Heidenreich, Thomas, Nething, Emily & Michalak, Johannes. (2021). (Selbst-)Fürsorge und Achtsamkeit als Burnoutprävention in psychosozialen Berufen. Forum Sozialarbeit + Gesundheit, 26(3), S. 39–42. – Keller, Reiner. (2011). Diskursforschung. Eine Einführung für Sozial­wissenschaftlerInnen (4. Aufl.). Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften. – Maurer, Julien & Löbmann, Rebecca. (2019). Emotionsregulation als Beratungsansatz in der Sozialen Arbeit. Soziale Arbeit, 68(7), S. 257–266. – Ondrejková, Nátalia & Halamová, Julia. (2022). Prevalence of compassion fatigue among helping professions and relationship to compassion for others, self-compassion and self-criticism. Health & social care in the community, 30(5), S. 1680–1694. – Ostendorp, Anja. (2009). Konsistenz und Variabilität beim Reden über «Diversity». Eine empirische Untersuchung diskursiver Spielräume in Organisationen. Forum Qualitative Sozialforschung, 10 (2), Art. 1. – Ostendorp, Anja. (2023). Eintauchen in virtuelle Realitäten. 3. Berner Beratungstagung (13.–14. Januar 2023). Berner Fachhochschule. – Ostendorp, Anja. (2025). Supervisionsprozesse sind Wundertüten!. am puls. Weiterbildungsmagazin des Departements Soziale Arbeit (Vol. 1, Issue 1). – Ostendorp, Anja. (im Druck). Zwischen Sprachlosigkeit und riskanter Exponiertheit: Eine diskursanalytische Annäherung an den Umgang mit Emotionen im Beratungslernen. Forum Supervision. Onlinezeitschrift für Beratungswissenschaft und Supervision. – Sotoudeh, Shirin, Studer, Judith & Abplanalp, Esther. (2023). Beim Eintauchen wird man nass! Ein Reflexionsmodell zur Unterstützung der persönlichen Entwicklung einer professionellen Identität. In Judith Studer, Shirin Sotoudeh & Esther Abplanalp (Hrsg.), Persönlichkeitsentwicklung in Hochschulausbildungen fördern (S. 164–189). Bern: Hep. – Weinhardt, Marc. (2023). Beratung lehren mit Schauspielenden. 3. Berner Beratungstagung (13.–14.01.2023). Berner Fachhochschule. – Wetherell, Margaret. (2015). Trends in the Turn to Affect: A Social Psychological Critique. Body & Society, 21(2), S. 139–166.

Prof. Dr. Anja Ostendorp, Leiterin Institut Beratung, Mediation, Supervision anja.ostendorp@bfh.ch … hat in Angewandter Psychologie promoviert und die einschlägigen Aus- und Weiterbildungen absolviert. Sie leitet den MAS Systemische Supervision und Systemisches Coaching und beschäftigt sich in Forschung, Aus- und Weiterbildung mit den Themen Systemisches Coaching, Supervision, Mediation, Diskursanalyse und Organisationsentwicklung.

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Forschung

Publikation

Eine inklusive Kultur für queere Senior*innen in Heimen

Künstliche Intelligenz in der Sozialen Arbeit

Die Mitarbeitenden von Alters- und Pflegeheimen für die Lebenswelten queerer älterer Menschen zu sensibilisieren und entsprechend zu befähigen, ist das Ziel des Projekts «queer key». Nach einer Bestandesaufnahme bei den Bewohnenden soll durch verschiedene Massnahmen und Veränderungen in den Heimen ein diskriminierungsfreies und inklusives Umfeld für queere Personen geschaffen werden. Die BFH begleitet und evaluiert diese Kompetenz- und Strukturentwicklung. Sie arbeitet dabei mit dem Verein «queer Altern Bern» zusammen. Gefördert wird das Projekt von der Age-Stiftung und der Stadt Bern. Die Erkenntnisse und Materialien des bis August 2027 laufenden Projekts werden digital aufbereitet und frei zugänglich gemacht. Kontakt: Prof. Dr. Sabina Misoch, Dozentin Institut Alter bfh.ch/de/sabina-misoch

KI verändert die Soziale Arbeit grundlegend. Das neue Buch von BFHDozentin Prof. Dr. Christina Plaf­ky und Hannes Badertscher zeigt, wie KI-Technologien in verschiedenen Handlungsfeldern eingesetzt werden können, welche Chancen sie etwa für bessere Dienstleistungen bieten und welche fachlichen sowie ethischen Risiken damit verbunden sind. Im Mittelpunkt stehen professionsethische Fragen und die Auswirkungen auf Fachkräfte und Adres­sat*in­nen. Theoretische Grundlagen und praxisnahe Beispiele vermitteln auch technisch weniger Versierten verständliches Wissen und regen zur kritischen Reflexion über die zukünftige Rolle der Sozialen Arbeit in der digitalisierten Gesellschaft an. Plafky, Christina S. & Badertscher, Hannes. (2025). Künstliche Intelligenz in der Sozialen Arbeit. Potenziale, Herausforderungen und Ethik im digitalen Zeitalter. Wiesbaden: Springer VS.

Veranstaltung iStock | Deagreez

Berner Mediationstag 2026

Der Berner Mediationstag 2026 steht im Zeichen der systemischen Bearbeitung von Konflikten und der Kunst der Verbindung. Zusammen erkunden wir, wie es gelingt, Beziehungen bewusst zu gestalten – zu sich selbst, zu anderen und zur Umwelt. Welche systemischen Zugänge eröffnen dabei hilfreiche Perspektiven und Handlungsspielräume? Der Berner Mediationstag findet am 2. September 2026 in Bern und online statt. Er bringt Fachpersonen und Interessierte zusammen, die systemisches Denken und die Kunst der Verbindung in der Konfliktbearbeitung vertiefen und weiterentwickeln möchten.

Wie Führungskräfte Mitarbeitende mit ADHS stärken

Viele Menschen mit ADHS stehen erfolgreich im Berufsleben, trotz oder gerade wegen ihrer Neurodiversität. Was können Sie als Führungskraft tun, um Mitarbeitende mit ADHS optimal einzubinden? Sie könnten zum Beispiel dafür sorgen, dass Ablenkungen reduziert werden. Dies erleichtert Betroffenen unter Umständen konzentriertes Arbeiten. Dies ist nur eine der Empfehlungen, die unsere Führungsexpertin Dalia Schipper in einem neuen Film der BFH erwähnt. Gemeinsam mit dem Film haben die beiden Co-Studienleiterinnen des Bereichs Integrative Führung für Sie interessantes Hintergrundmaterial zusammengestellt.

Sie finden den Film und zwei Hintergrundartikel unter: bfh.ch/fuehrung-adhs Kontakt: Dr. Dalia Schipper, Dozentin Institut Organisation und Sozialmanagement bfh.ch/de/dalia-schipper

Mehr Informationen: bfh.ch/mediationstag

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Armut beobachten

mittels eines nationalen Armutsmonitorings

Dr. Anna Koukal, BSV-Projektleiterin Nationales Armutsmonitoring, und Prof. Dr. Oliver Hümbelin, Leiter mehrerer BFH-Projekte im Bereich Armutsforschung, im Gespräch.

Wie kann Armut gemessen werden? Welche Massnahmen erzeugen Wirkung? Antworten auf solche Fragen liefert das Ende 2025 veröffentlichte nationale Armutsmonitoring. Die BFH erstellte hierfür mehrere Studien. Im Gespräch geben Anna Koukal, Projektleiterin des Bundesamts für Sozialversicherung (BSV), und unser Armutsexperte Oliver Hümbelin einen Einblick.

Das Interview führte Martin Alder im Oktober 2025.

Koukal: Im Monitoring sehen wir, dass die Armutsphasen in der Schweiz zwar selten dauerhaft sind, dafür aber häufig wiederkehren. Das heisst, die meisten Menschen können sich aus der Armut befreien, innerhalb von fünf Jahren kehrt die Hälfte von ihnen aber wieder in die Armut zurück. Das nationale Armutsmonitoring kam Ende letzten Jahres heraus – wie kam es dazu? Koukal: Ausgangspunkt war eine Motion, die den Bundesrat beauftragte, ein nationales Armutsmonitoring einzurichten. Das BSV beschäftigt sich schon länger mit dem Thema Armut – etwa mit dem nationalen Programm und der danach lancierten Plattform gegen Armut. Mit der Armutsstatistik präsentierte das BFS beSimon Boschi

Das erste Armutsmonitoring des BSV enthält unter anderem Portraits von Menschen mit Armutserfahrung. Gibt es ein Gesicht der Armut, das für Sie bezeichnend ist? Anna Koukal: Das typische Gesicht der Armut gibt es nicht – Armut ist sehr vielfältig. Häufiger von ihr betroffen sind Nichterwerbstätige, Alleinerziehende, kinderreiche Familien oder Alleinlebende. Häufig spielen Lebensereignisse wie Trennung, Krankheit oder Stellenverlust eine Rolle. Das sind Situationen, die viele Menschen einmal erleben. Armut ist uns also näher, als wir denken. Trotzdem sind nicht alle Menschen gleichermassen davon betroffen. Oliver Hümbelin: Dass dieses Gesicht der Armut ein bisschen verschwommen ist, passt zu einem wohlhabenden Land. Mit dem Thema verbindet man vielleicht erstmal Obdachlosigkeit oder Hunger, aber Armut geht weiter. Wenn ich ein Gesicht benennen müsste, das mich besonders beschäftigt, wäre es das eines Kindes. Wenn man die Sozialhilfe-Statistik anschaut, dann tragen Kinder über alle Altersgruppen der Gesellschaft hinweg das höchste Sozialhilfe-Risiko. Da besteht Handlungsbedarf. Gut acht Prozent der Bevölkerung sind in der Schweiz von Armut betroffen. Was steht hinter dieser Zahl? Koukal: Dieser Anteil entspringt der etablierten Armutsdefinition des Bundesamts für Statistik (BFS), die wir auch im Nationalen Armutsmonitoring verwenden. Laut ihr ist eine Person arm, wenn das Einkommen ihres Haushalts (inklusive Sozialleistungen etc.) unter dem sozialen Existenzminimum liegt. Hümbelin: Hier stellt sich die Frage nach den Risikogruppen: Leute mit niedrigen Ausbildungsabschlüssen, ohne Berufsabschluss oder mit Migrationshintergrund haben es auf dem Arbeitsmarkt schwerer. Aber auch Alleinerziehende mit Betreuungsaufgaben oder Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen können rascher in schwierige Situationen geraten.

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«Individuelle Merkmale, wie Bildung oder Herkunft, können Armut allein nicht erklären. Wir müssen auch die Rahmenbedingungen im Blick behalten.» Anna Koukal ▶ reits jährlich wichtige Kennzahlen. Das unter der Federführung des BSV erarbeitete Armutsmonitoring beobachtet die Situation in der Schweiz nun systematisch, arbeitet den Forschungsstand auf und beschreibt Akteure und Massnahmen zur Armutsbekämpfung. Die Motion forderte auch kantonale Vergleiche. Das nächste Monitoring kommt hier in fünf Jahren hoffentlich einen Schritt weiter. Die dazu benötigten nationalen Steuerdaten liegen aktuell noch nicht vor.

Welche Haupterkenntnisse ziehen Sie aus dem Bericht? Koukal: Der Schweiz ist es erstens nicht gelungen, die Armutsquote zu reduzieren. Dies, obwohl sie sich im Rahmen der Agenda 2030 dazu verpflichtet hat und wirtschaftlich eigentlich sehr gut dasteht. Zweitens

«Was ich am nationalen Armutsmonitoring sehr wertvoll finde, ist das multidimensionale Verständnis von Armut. Dies hilft, Problemfelder und – darauf abgestimmt – Handlungsmöglichkeiten zu beschreiben.» ◂ Oliver Hümbelin

geht es bei der Armut nicht nur um Geld. So stehen achtzig Prozent der einkommensarmen Personen in mindestens einem der im Monitoring beleuchteten Dimensionen nicht gut da. Im Bericht können wir diese Multidimensionalität von Armut aufzeigen. Drittens spricht man beim Thema Armut häufig über individuelle Merkmale, wie Bildung oder Herkunft. Diese allein können Armut aber nicht erklären. So sind beispielsweise Personen ohne nachobligatorischen Berufsabschluss häufiger einkommensarm. Das könnte dazu verleiten, zu sagen, sie hätten eben weniger Kompetenzen und seien nicht so motiviert, aber das greift zu kurz,

Simon Boschi

Was ist das Besondere am nationalen Armutsmonitoring? Hümbelin: Was ich am nationalen Armutsmonitoring sehr wertvoll finde, ist das multidimensionale Verständnis von Armut. Dies hilft, die Problemfelder – und darauf abgestimmt – die Handlungsmöglichkeiten zu beschreiben. In diesem Verständnis bilden finanzielle Verhältnisse einen Kern der Armut. Es geht aber nicht nur um Geld. Es wird auf sechs weitere Lebensbereiche hingewiesen. Koukal: Genau. Im ersten Bericht sind dies die Erwerbsarbeit, die Bildung und die materielle Existenzsicherung. Schwerpunkte, die in späteren Berichten vertieft werden sollen, sind die Wohnsituation, die Gesundheit sowie die politische und soziale Teilhabe.

denn das Schulsystem kann Einfluss darauf haben, wer welche Kompetenzen erarbeiten kann. Zum Beispiel sind der Selektionszeitpunkt in der Schule, die Zusammensetzung der Klassen oder die Erwartungen von Lehrpersonen sehr wichtige Faktoren. Daraus folgt: Wir müssen auch die Rahmenbedingungen im Blick behalten, um Armut besser zu verstehen. Wie sind Sie beim Bericht vorgegangen? Koukal: Wir haben von Anfang an Vertreter*innen aller drei Staatsebenen, der Wissenschaft und der Zivilgesellschaft in die Arbeiten eingebunden. Zudem haben wir mit externen Partner*innen, wie der BFH, vertiefende Analysen zur Armut in der Schweiz erarbeitet. Wo es Wissenslücken gibt, versuchten wir, diese zu schliessen. Wir wissen beispielsweise am meisten über Einkommensarmut, dabei wäre es wichtig, auch die Vemögen in der Armutsbetrachtung zu berücksichtigen – gerade bei Menschen im Rentenalter. Mittels einer begleitenden Studie wurde deshalb eine Methodik zum Einbezug ­des ▶

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­­

▶ Vermögens erarbeitet. Zudem konnten wir für die Erfas-

sung der subjektiven Wahrnehmung von Armut ein zusätzliches Modul in die SILC-Erhebung einspeisen, in der das BFS jeweils rund 18 000 Personen zu verschiedenen Themen befragt. Im Zusatzmodul geht es auch um den allfälligen Nichtbezug von Sozialhilfe und Ergänzungsleistungen. Die BFH hatte den Auftrag, dieses Zusatzmodul auszuwerten. Hümbelin: Das war ein richtiges Highlight für mich. Wir konnten hier nach sozialen Gruppen unterscheiden, wer im Bedarfsfall eher staatliche Leistungen in Anspruch nehmen würde und wer Hemmungen hätte. Personen mit einem guten Status, mit viel Geld und hoher Bildung würde dies im hypothetischen Fall offenbar deutlich leichter fallen. Die eigentlichen Risikogruppen hingegen äussern hier viel mehr Bedenken. Wie war die BFH sonst noch am Monitoring beteiligt? Hümbelin: Wir führten beispielsweise ein Projekt zur Erwerbstätigkeit durch: zur atypisch prekären Beschäftigung. Dabei ging es unter anderem um Unterbeschäftigung, also um Fälle, wo Menschen gerne mehr arbeiten würden, es ihre Situation aber nicht zulässt. Dieses Phänomen betrifft Frauen häufiger, und zwar sowohl Alleinerziehende als auch Frauen, die in Paarhaushalten leben. Das hat auch langfristige Folgen, da es für sie schwieriger ist, ein Vorsorgevermögen aufzubauen. Koukal: Gerade bei den empirischen Auswertungen war die BFH eine wertvolle Partnerin, etwa bei den Analysen zum Gender Paradox. Zu diesem Thema wollten wir eine ausländische Studie für die Schweiz reproduzieren. Dabei geht es darum, dass Frauen häufiger tiefere Löhne und tiefere Pensen haben und häufiger atypisch beschäftigt sind. Entsprechend müssten Frauen eigentlich stärker von Erwerbsarmut betroffen sein als Männer. In den Daten findet sich aber kein signifikanter Unterschied. Hümbelin: Der Grund dafür ist, dass Armut auf der Haushaltsebene gemessen wird, da man sich innerhalb eines Haushalts gegenseitig absichert. Somit ist die Erwerbstätigkeit der einzelnen Personen in dieser Statistik nicht ersichtlich. Mit den richtigen Daten und Methoden lassen sich die Situationen der Einzelperson aber separat anschauen. Koukal: Mit diesem statistischen Experiment wird sichtbar, dass Frauen, individuell betrachtet, nach einer hypothetischen Trennung schlechter abgesichert und häufiger arm sind. Generell lässt sich sagen, dass Einzelhaushalte viel häufiger von Armut betroffen sind, da die gegenseitige Absicherung wegfällt.

Nationales Armutsmonitoring

Der erste Bericht des nationalen Armutsmonitorings wurde im November 2025 veröffentlicht. Das Monitoring stellt dem Bund, den Kantonen und den Gemeinden Steuerungswissen zur Verfügung, um Armut in der Schweiz wirksam zu verhindern und zu bekämpfen. Es ist abrufbar unter armutsmonitoring.ch

Gab es noch weitere Projekte? Hümbelin: Zusammen mit dem BFS beschäftigten wir uns in einer Arbeitsgruppe mit der Weiterentwicklung der statistischen Grundlagen. Dabei ging es um die Verwendung der kantonalen Steuerdaten und der geplanten nationalen Steuerdatenstatistik. Die Verwendung dieser Daten würde es erlauben, die Armutsbeobachtung in der Schweiz nochmal zu verbessern. Da wir schon in mehreren Nationalfonds-Projekten mit dieser Datenbasis arbeiten, war das für uns sehr spannend, und wir konnten auch viel Erfahrung einbringen. Neben dem Armutsmonitoring arbeiten Sie auch in anderen Projekten zusammen. So waren Sie, Frau Koukal, Teil der Begleitgruppe des Projekts «Armut und Soziale Sicherheit während der Covid-19-Pandemie», das die BFH im Rahmen des Nationalen Forschungsprogramms durchführt. Was war dort Ihre Rolle? Koukal: Wir als Bundesamt sind an praxisrelevantem Wissen interessiert. Während der Pandemie wurden viele staatliche Massnahmen ergriffen, und wir möchten gerne erfahren, wie sie gewirkt haben. Es gab widersprüchliche Beobachtungen: Man sah zum Beispiel lange Schlangen vor Essensausgaben. Auf der anderen Seite hat sich die Lage in der Sozialhilfe eher entspannt. In der Begleitgruppe konnten wir eingeben, was für uns besonders wichtig ist. Hümbelin: Gerade als Fachhochschule sind wir natürlich ebenfalls an anwendungsorientierten Ergebnissen interessiert, die in die Politik einfliessen können. Die Zusammenarbeit mit den staatlichen Stellen begann quasi schon vor der Projekteingabe. Da wir miteinander im Austausch stehen, wissen wir, was die Behörden und die Praxis beschäftigt. Das Projekt läuft noch und im Jahr 2026 werden wir gemeinsam überlegen, wie das Krisenmanagement einer nächsten Pandemie auf der Basis der Ergebnisse verbessert werden kann. Krisen sind Ausnahmezustände und einzigartige Ereignisse. Wie kann man sich darauf vorbereiten? Hümbelin: Wir haben zum Beispiel mit den Daten von NGOs gearbeitet, die bei der Armutsbekämpfung in der Schweiz eine Rolle übernehmen. Hier schauen wir, wie man die vorhandenen Informationen für eine schnellere Armutsbeobachtung nutzen kann, um während einer Krise besser abzuschätzen, was eigentlich im Alltag von Armutsbetroffenen passiert. Die reguläre Armutsstatistik kann nur in beschränktem Mass Anhaltspunkte für politische Entscheide liefern, da ihre Erstellung zwei bis drei Jahre benötigt. Das ist in einer Krise mit schnellen Veränderungen viel zu langsam. Die Umsatzdaten von Caritas-Märkten beispielsweise oder die veränderte Nachfrage von Beratungen können da gewisse Hinweise liefern. Jedoch werden diese noch nicht standardisiert für wissenschaftliche Zwecke erhoben. Die beiden Projekte sind Beispiele dafür, wie Staat und Forschung beim Thema Armut erfolgreich zusammenarbeiten. Was ist Ihrer Ansicht nach der wichtigste Hebel, den der Bund hier zur Verfügung hat?

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«Als Fachhochschule sind wir an anwendungsorientierten Ergebnissen interessiert, die in die Politik einfliessen können. (…) Da wir miteinander im Austausch stehen, wissen wir, was Behörden und Praxis beschäftigt.» Oliver Hümbelin Hümbelin: Die Hauptverantwortung bei der Armutsbekämpfung liegt bei den Kantonen und den Gemeinden. Doch der Bund hat eine ganz wichtige Rolle: Er kann einen Überblick über die Grundlagen schaffen, Daten erheben und mit Konzepten aufzeigen, was in unserem «Experimentalföderalismus» gut gelingt – und was weniger gut. Koukal: Zudem haben wir eine Koordinationsfunktion. Wir bringen die verantwortlichen Expert*innen aus der Forschung, den Gemeinden, den Kantonen an einen Tisch, entwickeln mit ihnen ein gemeinsames Verständnis über Armut und schaffen Rahmenbedingungen, um zentrale Fragen zusammen anzugehen. Worin besteht der Beitrag der Forschung? Koukal: Die Forschung hat – im Gegensatz zu uns – die Ressourcen, komplexen Fragestellungen nachzugehen. Sie entwickelt zum Beispiel statistische Methoden weiter und identifiziert kausale Zusammenhänge. Sie kann auch mit weniger offensichtlichen Fragestellungen experimentieren und unterschiedliche Systeme miteinander

vergleichen. Bei Innovationsfragen ist sie uns meist einen Schritt voraus, während wir uns auf die politische Steuerung und die konkreten Umsetzungen fokussieren. Zusammen führt dies meist zu vielversprechenden Ergebnissen. Wie geht es nun mit dem Armutsmonitoring weiter? Koukal: Zurzeit freuen wir uns auf die Reaktionen zum Bericht und werden danach überlegen, wie wir das Monitoring für den nächsten Bericht, der für 2030 geplant ist, weiter stärken können. Dazu gehören sicher die kantonalen Vergleiche, und wir freuen uns darauf, die erwähnten neuen Schwerpunkte in Angriff zu nehmen. Hümbelin: Ob die BFH beim nächsten Bericht wieder mit an Bord sein wird, wissen wir noch nicht. Unabhängig davon sind wir aktuell daran, die Armutsbeobachtung verschiedener Kantone zu verbessern. Es würde sich anbieten, das auch überregional zu machen – allenfalls in Abstimmung mit dem Bund. Koukal: Zudem haben wir in den letzten drei Jahren in begleitenden Forschungsberichten viel Material erarbeitet. Das hatte nicht alles Platz im Bericht. Diese Analysen sollen ebenfalls veröffentlicht werden. ▪ Martin Alder, Kommunikation martin.alder@bfh.ch … kümmert sich seit über zehn Jahren um die verständliche Kommunikation der Forschungsresultate im Bereich Soziale Sicherheit und Soziale Arbeit.

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Integrierte Versorgung

am Beispiel zweier bernischer Pilotprojekte

Dr. René Rüegg

Der Kanton Bern organisiert die Gesundheitsversorgung teilweise neu und verfolgt eine integrierte Versorgung. Dabei sollen der Sozialund der Gesundheitsbereich zum Nutzen der Patient*in­nen zusammenrücken. Ein erster Pilot ist im Aufbau. Unsere Experten haben bei den beiden Projektleitenden nachgefragt und ordnen ein.

Prof. Dr. Christian Eissler

Die Bevölkerung wird immer älter. Chronische Erkrankungen nehmen zu. Diese Entwicklung trifft auf komplexe und fragmentierte Versorgungsstrukturen und den Fachkräftemangel. Vor diesen Herausforderungen steht auch das Gesundheitswesen des Kantons Bern. Mit der Teilstrategie Integrierte Versorgung (GSI, 2024) wird die sektorenübergreifende Zusammenarbeit gefördert, werden Expertisen besser genutzt und für die Patient*innen besser zugänglich gemacht. Dieser Anspruch erfordert neue Organisationsformen, Berufsrollen und digitale Lösungen. Eine neue Berufsrolle ist die der gesundheitsbezogenen Sozialen Arbeit.

Wie der Kanton Bern vorgeht

Umgesetzt wird die Strategie in vier(+) Versorgungsregionen: Biel-Seeland-Berner Jura, Bern-Mittelland, Berner Oberland und Emmental-Oberaargau. Darin sollen sich die Leistungserbringenden zu Gesundheitsnetzwerken zusammenschliessen. Der Kanton Bern verzichtet bewusst auf verbindliche Vorgaben und wünscht sich ihren Aufbau «bottom-up», also von den jeweiligen Akteur*innen selbst. Der Kanton unterstützt diese finanziell, insbesondere beim Aufbau von Netzwerken und sozialmedizinischen Koordinationsstellen und bei innovativen Pilotprojekten.

Die Pilotprojekte

Die Spitalregionen Emmental und Oberaargau erhalten eine finanzielle Unterstützung für den Netzwerkaufbau und die Einführung sozialmedizinischer Koordinationsstellen (SoMeKo) mit Fachkräften der Sozialen Arbeit. Für die Umsetzung konnten Nicola Aebi in der Region Emmental und Peter Bodziak in Langental-Oberaargau gewonnen werden. Beide sind seit Anfang 2025 in dieser Funktion. René Rüegg hat sie im Oktober 2025 befragt, wenige Wochen vor der Einführung der SoMeKo in Langental-Oberaargau und während der Planung im Emmental.

Weshalb braucht es aus Ihrer Sicht eine Strategie für die integrierte Versorgung? Peter Bodziak: Heute sind die Leistungserbringenden unterschiedlich finanziert und rechnen selbständig ab. Es gäbe aber Versicherungsmodelle, die den Patient*in­ nenpfad (Begriff, vgl. Kasten) ganzheitlich finanzieren. In diese Richtung gehen integrierte Versorgungssysteme. Der Vorteil: Die Anbieter*innen einer Leistung halten ihre Patient*innen möglichst fit. Sie schliessen Löcher im Patient*innenenpfad, wodurch Patient*innen schneller genesen. Mit der EFAS wird der Kanton auch ein Interesse daran haben, die Kosten der ambulanten Versorgung tief zu halten (Begriff, vgl. Kasten). Was beschäftigt Sie aktuell bei der Umsetzung? Bodziak: In der Region Oberaargau muss ich viele In­ sti­tutionen überzeugen, sich dem Netzwerk anzuschliessen. Ich zeige auf, dass sie in Zukunft davon profitieren können. Nicola Aebi: In der Region Emmental bestehen bereits starke Netzwerke. Nun müssen die Schnittstellen genau angeschaut werden: Welche sind wichtig? Was läuft bereits gut? Was stellen sich die einzelnen Partner vor? Die SoMeKo soll im Frühjahr 2026 in Betrieb gehen. Was waren die Herausforderungen? Bodziak: Die Hausärzt*innen – zunächst fassten sie unser Bestreben so auf, dass die SoMeKo insbesondere die medizinische Koordination übernehmen wolle, und sahen in ihnen ein konkurrenzierendes Angebot. Meine

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Dr. phil. Nicola Aebi, Projektleiterin Gesundheitsnetz Emmental

Erfahrung: Wenn die Hausärzt*innen den Begriff «Pati­ ent*in­­nen­pfad» hören, fühlen sie sich sofort in der Behandlungsfreiheit und Koordinationsfunktion bevormundet. Danach hatten wir einen Workshop und legten den Fokus auf die sozialen Themen der Patient*innen. So holten wir vor allem jüngere Hausärzt*innen an Bord. Ohne sie hätten wir das Projekt abgebrochen. Die integrierte Versorgung ohne Hausärzt*innen funktioniert nicht – in keinem Land! Aebi: Die Einbindung der Hausärzt*innen in das Netzwerk ist zwingend, damit das Vorhaben gelingt. In wichtigen Gremien konnten einzelne Hausärzt*innen für die Mitarbeit gewonnen werden. Der Mehrwert einer SoMeKo konnte dargestellt und Ängste konnten abgebaut werden. Wir sind aber noch nicht am Ziel angelangt. Was können die SoMeKo leisten? Aebi: Sie werden zu einem regionalen Dienstleistungs-

Wichtige Begriffe kurz erklärt:

Ein Patient*innenpfad ist ein idealtypischer Weg, den ein Mensch durch die Versorgungslandschaft des Gesundheits-, Sozial- und Gemeinwesens geht. Er umfasst unter anderem Prävention, Vorsorge, Diagnose, Behandlung und Nachsorge. EFAS steht für die einheitliche Finanzierung ambulanter und stationärer Leistungen. Diese Reform wurde am 24. November 2024 per Volksabstimmung schweizweit beschlossen. Eine Folge davon: Die Kantone übernehmen bald auch einen Anteil der Kosten ambulanter Leistungen. REAS ist ein Unterstützungskonzept mit regionalen Anlaufstellen für Menschen mit chronischen Erkrankungen und psycho­ sozialen Problemen. In der Fallführung wird mit Betroffenen, Fachleuten und dem persönlichen Netzwerk ein individueller Massnahmenplan erstellt.

angebot für Gesundheitsdienstleistende und für die Bevölkerung. Bei diesen Stellen kommt das fachspezifische Wissen zusammen, wer in der Region freie Kapazitäten hat und wer worauf spezialisiert ist. So findet die SoMeKo das passende Angebot für jede individuelle Situation. Durch die Koordinationsfunktion werden wir stark auf bestehende Beratungsstellen der Region angewiesen sein. Bodziak: Im Oberaargau sprechen wir zwei Gruppen von Patient*innen an: Als erste Gruppe adressiert die SoMeKo die junge, arbeitende Bevölkerung, die oft mit psychischen Erkrankungen kämpft. Für diese Gruppe sind Gesundheitsförderung und Prävention wichtig. Zur zweiten Patientengruppe gehören chronisch kranke oder an Demenz erkrankte Menschen. Dabei spielt Einsamkeit oft eine wichtige Rolle. Prävention ist uns sehr wichtig, weshalb wir auch ein aufsuchendes Angebot mit Hausbesuchen haben. Wie werden die Stellen arbeiten? Bodziak: Der Kanton finanziert uns mit bis zu 200 Stellenprozenten für die Sozialberatung auf drei verschiedenen Stufen. Auf der niedrigsten Beratungsstufe wird mit oder ohne Termin eine Zuweisung zum richtigen Hilfsangebot gemacht. Die mittlere Stufe wird darin bestehen, Klient*innen bei zwei bis drei Terminen zu begleiten, bis eine gute Versorgung aufgegleist ist. Die dritte Stufe umfasst eine intensive Abstimmung zwischen dem Gesundheits- und dem Sozialwesen. Dafür werden wir die Therapien und Angebote terminlich koordinieren und die erkrankte Person langfristig begleiten, bis sie wieder selbstständig für sich sorgen kann. Zusammen mit der Spitex werden wir auch Klient*innen zuhause besuchen. Durch dieses aufsuchende Angebot werden die Hürden, mit uns in Kontakt zu kommen, sehr tief sein. Aebi: Nebst der Sozialanamnese und der Abklärung des Bedarfs und der Bedürfnisse ist der Auftrag der SoMeKo ­­ die Vernetzung und die Triage. Die Nähe zu den Klient*in­ ▶

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ren schon gut kennen. Sie müssen offen sein, empathisch mit Personen in komplexen Lebenssituationen umgehen und gerne Neues aufbauen und mitgestalten. Aebi: Im Emmental müssen sie Gesprächsführungskompetenzen und Kenntnisse über sozialrechtliche Strukturen sowie regionale Angebote haben. Innovative Personen mit Durchhaltevermögen sind für den Aufbau der SoMeKo zentral.

Peter Bodziak, Projektleiter Spitalregion Oberaargau

­­

▶ nen wird zentral sein. Partizipativ werden die Strukturen und Abläufe so optimiert, dass der Mehraufwand für die Leistungserbringenden möglichst gering ist.

Wird es auch Anlaufstellen an einer festen Adresse geben? Bodziak: Ja, es wird eine stationäre Anlaufstelle geben. Wo sie sein wird, ist noch in der Diskussion. Ich wünschte mir, dass sie in einer Arztpraxis getestet werden kann. Klar ist, dass die SoMeKo der Region Langenthal-Oberaargau nicht dem Spital angegliedert wird. Aebi: In der Region Emmental wird die Anlaufstelle vorerst im Spital sein. Wichtig ist, dass die SoMeKo eine neutrale Akteurin in der integrierten Versorgung bleibt. Es muss aber später auch Stellen geben, die näher bei den Klient*innen sind. Die Region ist gross und hat viele Täler. Wie kommen die Klient*innen zu Ihnen? Aebi: Sie können selbst vorbeikommen, eine E-Mail schreiben oder anrufen. Auch Angehörige oder Fachpersonen aus dem Gesundheits- oder Sozialbereich können sich melden. Welche Anforderungen müssen Sozialarbeitende erfüllen, wenn sie bei Ihnen arbeiten wollen? Bodziak: Neben der Vernetzung werden sie die Einzelfallhilfe steuern. Sie arbeiten eng mit Pflegekräften zusammen und übernehmen gemeinsam Verantwortung. Idealerweise sind sie aus der Region, damit sie die Leistungserbringenden, die Menschen und die Struktu-

Welche Wirkungen erwarten Sie? Bodziak: Für längere Beratungen werden wir mit dem Case-Management nach REAS arbeiten (siehe die Erklärung im Kasten). Mit der dazugehörigen Software können Veränderungen bei der Klientel ausgewertet werden. Ich plane auch eine Begleitstudie, die untersucht, welche Effekte die neuen Strukturen auf die Gesundheitskosten haben. Bei den jungen Menschen können über die Zeit viele Kosten gespart werden. Aebi: Wir wollen die Betreuung der Patienten und Patientinnen optimieren – das ist uns ein zentrales Anliegen. Die Emmentaler*innen sollen eine verlässliche, koordinative Unterstützung in Gesundheits- und Sozialfragen erhalten: als Fachpersonen und als Patient*in­ nen. Wir erwarten, dass der Pa­tient*in­nenpfad durch die Zusammenarbeit und das bessere Prozessmanagement effektiver und effizienter wird. Administrative Belastungen sollen minimiert und Doppelspurigkeiten vermieden werden.

Das sagt die Forschung

Eine niederschwellige und lokal vernetzte gesundheitsbezogene Soziale Arbeit greift nicht nur bei komplexen Problemlagen, sondern auch bei kleineren, alltäglicheren Sorgen. Die Forschung zeigt: Bei den Patient*in­ nen kann diese die Lebenslage stabilisieren und die psychische Gesundheit stärken. Das entlastet einerseits stationäre Einrichtungen wie Spitäler und Notfalleinrichtungen und andererseits – wie die Ergebnisse eines BFH-Projekts zeigen – auch die Ärzt*innen in ambulanten Praxen (Rüegg et al., 2022). Fazit: Die Bemühungen im Oberaargau und Emmental sind zu begrüssen. ▪ Literatur: – Gesundheits-, Sozial- und Integrationsdirektion GSI. (2024). Teilstrategie Integrierte Versorgung. – Rüegg, René, Eiler, Katharina, Schüpbach, Fabienne & Gehrlach, Christoph. (2022). Soziale Arbeit in der Arztpraxis: Forschungs­ bericht. Dr. René Rüegg, wissenschaftlicher Mitarbeiter Institut Organisation und Sozialmanagement rene.rueegg@bfh.ch … forscht im Bereich gesundheitsbezogene Soziale Arbeit und begleitet Pilotprojekte integrierter Sozialarbeit in Hausarztpraxen, Kinderarztpraxen und onkologischen Praxen in den Kantonen beider Basel fachlich und wissenschaftlich. Prof. Dr. Christian Eissler, Studiengangsleiter Master of Science in Pflege christian.eissler@bfh.ch … beschäftigt sich am Departement Gesundheit BFH mit der Rollen- und Kompetenzentwicklung im Pflegebereich, insbesondere mit der Rollenfindung und -integration von Advanced Practice Nurses in der schweizerischen Gesundheitsversorgung.

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Nah dran und wirksam:

Schulsozialarbeit in ländlichen Berner Gemeinden

Vanda Wrubel

Mila Witschi

Prof. Dr. Emanuela Chiapparini

Immer mehr ländliche Gemeinden im Kanton Bern setzen auf die Schulsozial­ arbeit. Sie reagiert flexibel auf lokale Bedürfnisse, entlastet Schulen und unterstützt Familien. Was sind die Erfolgsfaktoren, damit sich die Angebote etablieren und zukunftsorientiert weiterentwickeln? An Schulen zeigt sich, wie sich unsere Gesellschaft verändert – oft früher als anderswo. Wenn der Schulerfolg einzelner Kinder gefährdet ist oder das Miteinander im Klassenzimmer ins Wanken gerät, kommt die Schulsozialarbeit ins Spiel. Sie bietet schnelle Hilfe, entlastet Lehrpersonen und stärkt Familien. Ihr Ziel ist es, an den Schnittstellen zwischen Schule sowie Kinder- und Jugendhilfe Bedingungen zu schaffen, damit sich junge Menschen bestmöglich entwickeln und ihr Leben bewältigen können. Im Kanton Bern entscheiden die Gemeinden über die Schulsozialarbeit in den Volksschulen, unterstützen diese finanziell und gestalten ihre Angebote. Zusätzlich beteiligt sich der Kanton finanziell. Einige Gemeinden setzen bereits seit über 15 Jahren auf die Schulsozialarbeit. In den letzten zehn Jahren hat sie besonders in ländlichen Regionen an Bedeutung gewonnen (Bildungs- und Kulturdirektion Kanton Bern, 2025). Aktuell beschäftigen die Berner Schulsozialarbeit vielfältige Themen, die die BFH fachlich begleitet: Bestehende Strukturen werden evaluiert und weiterentwickelt, Ressourcen überprüft sowie Angebote auf weitere Gemeinden oder auf die Sekundarstufe II ausgeweitet. Hier unterstützt die BFH die Gemeinden und den Kanton dabei, Lösungen zu entwickeln, die lokal verankert sind und sich zugleich an methodisch und wissenschaftlich fundierten Qualitätskriterien orientieren.

Massgeschneiderte Lösungen für vielfältige Bedürfnisse

Ein besonderes Merkmal der Schulsozialarbeit ist ihre Präsenz im unmittelbaren Lebensumfeld der Schüler*innen: im Schulhaus. Fachpersonen der Sozialen Arbeit bieten den Kindern und Jugendlichen niederschwellig Beratungen und Kriseninterventionen an, re-

alisieren Präventionsprojekte, arbeiten mit Gruppen, sind die schulische Anlaufstelle rund um Fragen des Kindesschutzes und stehen dem schulischen Personal wie auch dem familiären Umfeld als fachliche*r Partner*in mit einer ergänzenden Perspektive zur Seite. Sie wirken an sozialen und pädagogischen Fragen der Schulentwicklung mit, unterstützen Eltern und Schule zeitnah in erzieherischen Fragen und vernetzen ihre Anspruchsgruppen mit anderen Dienstleistungsanbietern im Sozialraum (Avenir Social, 2024). Da Bedingungen und Bedarfe je nach Region variieren, haben sich schweizweit unterschiedliche Praxisformen entwickelt. Im Kanton Bern haben heute rund neunzig Prozent der Primar- und Sekundarschüler*innen Zugang zur Schulsozialarbeit. Eine aktuelle Darstellung (vgl. Abbildung S. 28) verdeutlicht die hohe Dichte bereits etablierter Angebote. Die BFH begleitet zurzeit einige der noch nicht erschlossenen Gemeinden, um passende Praxisformen zu entwickeln. Ein Beispiel hierfür sind die Lütschinentäler: In einem partizipativen Prozess wurde ein Konzept entwickelt. Auf dieser Basis konnte in diesem Schuljahr in fünf weiteren Gemeinden die Schulsozialarbeit starten. Weiter unterstützt die BFH Gemeinden, um ihr An­­ ▶

«Die Zusammenarbeit der beteiligten Gemeinderät*innen unter der Begleitung der BFH war für mich eine der wichtigsten und positivsten Erfahrungen in der Abklärungs- und Einführungsphase der Schul­ sozialarbeit.» Katharina Romang, Vize-Gemeindepräsidentin Lauterbrunnen

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Schulsozialarbeit im Kanton Bern Schulsozialarbeit eingeführt Schulsozialarbeit in Projektform keine Schulsozialarbeit

Öffentliche Volksschulen © Amt für Kindergarten, Volksschule und Beratung, 2025

­­

▶ gebot noch besser auf die lokalen Bedürfnisse und die

der Anspruchsgruppen abzustimmen. Die föderalen Strukturen und die kommunale Autonomie bedingen vielfältige konzeptionelle und organisatorische Modelle der Schweizer Schulsozialarbeit, die sich an ihren regionalen Besonderheiten orientieren. Dies betrifft die organisatorische Anbindung, die Personalressourcen, die räumliche Verankerung, die ergänzenden Versorgungssysteme oder die Kooperationsformen mit Schnittstelleninstitutionen (Hostettler et al., 2020). Einflussfaktoren sind etwa die demografische Zusammensetzung der Bevölkerung, die finanziellen und politischen Bedingungen in den Gemeinden sowie andere spezifische Themen und Problemlagen. Die unterschiedlichen Gegebenheiten fordern heraus, ermöglichen aber auch massgeschneiderte Lösungen. Die Gemeinden setzen sich oft jahrelang mit den vielfältigen Aspekten der Schulsozialarbeit auseinander. Unterschiedliche Akteur*innen verhandeln Fragen nach Bedarf, Mehrwert und Ressourcen. Angestossen wird dieser Diskurs meist durch neue bildungspolitische Herausforderungen: veränderte Familienstrukturen, wachsende soziale Ungleichheiten, zunehmende Heterogenität in den Klassen sowie der Mangel an qualifizierten Lehrpersonen – ein Problem, das ländliche Regionen besonders stark betrifft. In der Praxis zeigt sich, dass Schulsozialarbeit in dem Punkt einen wesentlichen Beitrag leisten kann: Sie verbessert die Arbeitsbedingungen für Lehrpersonen, entlastet Schulleitungen bei sozialen Problemstellungen und bietet Schüler*innen einen verlässlichen, neutralen Ankerpunkt im Schulalltag.

«Immer öfter kommen Schüler*innen mit sich selbst und ihrem Umfeld nicht klar, was einen geordneten Unterricht verunmöglicht. Der Ruf nach einem professionellen Hilfsangebot direkt in der Schule wurde somit in unseren Gemeinden immer lauter.» Beatrice Rubi-Sutter, Vize-Gemeindepräsidentin Grindelwald, Ressort Bildung

Neben strukturellen Fragen sind Themen rund um die gesunde Entwicklung der Kinder und Jugendlichen wichtige Anliegen der Gemeinden. Wie können diese mit Stress und Krisen umgehen, Medien sinnvoll nutzen und ihre Resilienz aufbauen? Da es im ländlichen Raum an lokal verankerten Angeboten der Kinder- und Jugendhilfe, wie der Offenen Kinder- und Jugendarbeit, der Erziehungsberatung, den Kinder- und Jugendpsychiatrischen Diensten oder der Suchtberatung, mangelt, sind die präventiv wirkenden und alltagsnahen Angebote der Schulsozialarbeit mit ihrem lebensweltorientierten Ansatz besonders wichtig. Die Arbeit der Fachpersonen bewegt sich dabei in einem Spannungsverhältnis zwischen lokal uneinheitlichen Rahmenbedingungen, vielfältigen Erwartungen und den professionellen Qualitätsansprüchen des Handlungsfeldes. Für die Gemeinden wie auch für die Praxis der Schulsozialarbeit bedeutet dies, dass ein reflektierter Umgang mit der Kluft zwischen Auftrag, Potenzial und praktischer Umsetzung entwickelt wer-

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«Wir haben in den letzten zwei Jahren den Fokus auf die Zusammenarbeit bei der Früherkennung und -intervention gelegt, um die Schulsozialarbeit bei den Lehrpersonen bekannt zu machen. Das ist gelungen – heute wird sie zum Beispiel bei Schulabsentismus viel früher beigezogen und als echte Unterstützung erlebt.» Reto Lang, Co-Schulleiter, Schule Sternenberg, Niederscherli im Interview für ein Evaluationsprojekt

den muss. Gleichzeitig ist es nötig, das eigene Berufsprofil kontinuierlich qualitativ zu schärfen (Berndt et al., 2023).

Was eine erfolgreiche Schulsozialarbeit ausmacht

Die bisherigen Erfahrungen zeigen deutlich: Die Schulsozialarbeit in ländlichen Gemeinden ist nicht standardisierbar, sondern lebt von der Anpassung an lokale Voraussetzungen und Bedarfe. Gleichzeitig wird sichtbar, dass sich über die Vielfalt hinweg folgende Faktoren für eine erfolgreiche Einführung und eine nachhaltige Umsetzung herauskristallisieren. Sie helfen, nachhaltige Strukturen zu schaffen und gleichzeitig auf gesellschaftliche Veränderungen flexibel zu reagieren.

Frühe und breite Partizipation Die relevanten Ziel- und Anspruchsgruppen sind bereits in der Planungsphase einzubeziehen, um die Legitimation und die Akzeptanz der Schulsozialarbeit zu stärken. Insbesondere Gemeinderatsmitglieder nehmen eine Schlüsselrolle ein: Als politische Entschei­dungs­trä­ ger*in­­nen entscheiden sie über Ressourcen und tr­agen entscheidend dazu bei, die Schulsozialarbeit langfristig in den kommunalen Strukturen zu verankern. Bedarfsorientierte Angebote und ausreichende Ressourcen Massgeschneiderte Angebote der Schulsozialarbeit entstehen auf der Basis systematischer Bedarfserhebungen und der Analyse lokaler Gegebenheiten (z. B. demografische Entwicklung, vorhandene Versorgungsstrukturen, spezifische Problemlagen). Ist der Bedarf bestimmt, braucht die wirksame Schulsozialarbeit für das Setting genügend zeitliche, personelle und räumliche Ressourcen. Eine angemessene Stellenpräsenz pro Schule oder Schulstandort ist erforderlich, um den Leistungskatalog niederschwellig umsetzen zu können. Klare Rollendefinition und Mandatierung Ein präzises Aufgabenprofil mit eindeutig geregelten Schnittstellen zwischen Schule und Sozialer Arbeit verhindert Rollenkonflikte und stärkt die Professionalität. Entscheidend ist eine Struktur, die die fachliche Verantwortung der Schulsozialarbeit bei qualifizierten Fachpersonen verankert und zugleich die Rolle der Schulleitung als zentrale Partnerin anerkennt. So kann sich die

Schulsozialarbeit vor Ort als eigenständiges Handlungsfeld nachhaltig etablieren.

Regelmässige Evaluation und Qualitätsentwicklung Die kontinuierliche Reflexion und die systematische Überprüfung des Angebots ermöglichen es, auf neue Bedarfe zu reagieren und die Qualität langfristig zu sichern. Klare Qualitätsstandards, transparente Indikatoren und Rückmeldungen der Schule, der Eltern sowie der Kinder und Jugendlichen sichern sowohl die Qualität als auch die lokale Passung. Wichtig ist zudem, die Ergebnisse systematisch zu nutzen, um die Angebote weiterzuentwickeln. Politische und schulische Ent­schei­ dungsträger*innen sind regelmässig über die Wirkung und den Nutzen der Ressourcen, die der Schulsozial­ arbeit zukommen, zu informieren. Die Schulsozialarbeit ist komplex – und genau das macht sie spannend. Mit wissenschaftlicher Unterstützung können Gemeinden ihre Angebote so gestalten, dass sie wirken, wo sie gebraucht werden: direkt im Alltag der Kinder und Jugendlichen. ▪ Literatur: – Avenir Social. (2024). Leitbild Schulsozialarbeit. https://avenirsocial.ch/wp-content/uploads/2025/06/Leitbild-AG-Schulsozialarbeit-DE.pdf – Berndt, C., Reimann-Bernhardt, B., Gruhlke, H.; Jevlasch, K. & Müller, W. (2023). Schulsozialarbeit in der Krise. Zentrale Spannungsverhältnisse des Handlungsfeldes. In Zipperle, M. & Baur, K. (Hrsg.), Empirische Facetten der Schulsozialarbeit. (S. 317–328). Weinheim: Beltz Juventa. – Bildungs- und Kulturdirektion Kanton Bern. (2025). Schulsozialarbeit. https://www.bkd.be.ch/de/start/themen/bildung-im-kantonbern/kindergarten-und-volksschule/schulergaenzende-angebote/ schulsozialarbeit.html – Hostettler, U., Pfiffner, R., Ambord, S. & Brunner, M. (2020). Schulsozialarbeit in der Schweiz (E-Book): Angebots-, Kooperations- und Nutzungsformen. Bern: Hep Verlag. http://ebookcentral.proquest.com/lib/bfh/detail.action?docID=6723540. – SSA Lütschinentäler. (2024). Schulsozialarbeit Lütschinentäler. Rahmenkonzept für die Gemeinden Grindelwald, Gündlischwand, Lauterbrunnen, Lütschental und Wilderswil. https://www.schulegrindelwald.ch/wp-content/uploads/sites/2/2025/05/250310Konzept-SSA-Luetschinentaeler.pdf

Vanda Wrubel, Wissenschaftliche Mitarbeiterin Institut Kindheit, Jugend und Familie vanda.wrubel@bfh.ch … lehrt und forscht zu den folgenden Themen: Fachliche Grundlagen für Angebote der Schulsozialarbeit, Kinder-, Jugendund Familienhilfe, Partizipation in der Mandatsführung des Kindesschutzes, Pflegekinder, Platzierungen in Pflegefamilien und Platzierungsprozesse. Mila Witschi, Wissenschaftliche Mitarbeiterin Institut Kindheit, Jugend und Familie mila.witschi@bfh.ch … beschäftigt sich mit den Themen Schulsozialarbeit, Kindesschutz, Frühförderung, berufliche Integration von Jugendlichen und jungen Erwachsenen und Offene Kinder- und Jugendarbeit. Prof. Dr. Emanuela Chiapparini, Leiterin Institut Kindheit, Jugend und Familie emanuela.chiapparini@bfh.ch … forscht und lehrt zu Partizipation in der Armutspolitik, sozialen Aspekten der Digitalisierung, zu schulergänzender Betreuung, Kindesschutz und Elternbildung.

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Dialog leben.

Zusammen für mehr Sicherheit im Quartier

Brigitte Schletti ist Sozialwissenschaftlerin und arbeitet seit zehn Jahren bei der Berner Gemeinwesenarbeit. Sie hat den Standort Bümpliz mit aufgebaut. Als Quartierarbeiterin im Kleefeld fördert sie den gesellschaftlichen Zusammenhalt durch niederschwellige Informations- sowie Teilhabemöglichkeiten und unterstützt verschiedene Initiativen der Bewohner*in­ nen. Zu ihrem Auftrag gehört auch die Netzwerkarbeit, unter anderem mit der lokalen Polizei.

Im Dezember führte die BFH die Tagung «Sicherheit im Dialog» durch. Berner*innen diskutierten mit Fachpersonen aus der Sozialen Arbeit, der Polizei, der Informationstechnologie und der Architektur über Sicherheit. BFH-Dozentin Simone Brauchli sprach mit einer Quartierarbeiterin und einem Polizisten über Möglichkeiten der Zusammenarbeit.

Hans-Peter Mäusli ist seit 25 Jahren Polizist in der Stadt Bern und seit elf Jahren Bezirkschef der Kan­­tonspolizei in Bümpliz, wo er rund 25 Polizist*in­nen führt. Neben dem Alltagsgeschäft ist er mit verschiedenen Institutionen, beispielsweise Schulen, im Austausch, um Probleme präventiv zu bearbeiten. Um die Nähe zur «Strasse» zu behalten, ist er weiterhin als Einsatzleiter und im Streifendienst tätig. Das Interview führte Prof. Dr. Simone Brauchli im Oktober 2025.

Was verstehen Sie unter «Sicherheit im öffentlichen Raum»? Schletti: Für mich bedeutet es, dass ich mich in meinem Wohnumfeld wohlfühle und mich frei und ohne Angst bewegen kann. Es hat mit Vertrauen und Vertraulichkeit zu tun. Mäusli: Da stimme ich zu. Die Kantonspolizei Bern soll für «Ruhe und Ordnung» sorgen, und die Bewohner*in­ nen sollen sich sicher fühlen. Können Sie ein Beispiel aus Ihrem Berufsalltag schildern, das illustriert, wie Ihnen das Thema Sicherheit begegnet? Schletti: Wenn wir Räume gestalten, in denen wir Begegnungen ermöglichen, leisten wir einen grossen Beitrag zum Sicherheitsgefühl. Entstehen Kontakte zwischen den Generationen, werden Ängste abgebaut. Gerade in grossen Quartieren ohne offensichtliche Gemeinsamkeiten gehört der andere dann nicht mehr zu einer anonymen Masse, sondern erhält ein Gesicht. Mäusli: Wir arbeiten sehr auf eine bürger*innennahe Polizei hin. Wir ermutigen unsere Polizist*innen, zu Fuss oder mit dem Velo unterwegs zu sein. Die Poli­ zist*in­nen werden auch eher angesprochen, wenn sie

allein unterwegs sind. Es hilft, den Kaffee im Quartier zu trinken. Die Uniform kann abschrecken, doch ich versuche zu zeigen: Hinter der Uniform steckt ein Mensch. So versuche ich, Brückenbauer zu sein. Unsere Schwerpunktgruppe «Jugend» ist dagegen zivil unterwegs. Das sind Polizist*innen, die die Jugendlichen kennen. Ohne Uniform kommen sie sehr viel schneller ins Gespräch, weil niemand an der Strassenecke denkt, der Jugend­ liche habe mit der Polizei zu tun. Das ist für uns ein Beispiel für präventive Jugendarbeit und damit auch Sicherheitsarbeit. Wir vermitteln niederschwellige Hilfs­ angebote wie Suchtberatungen oder geben manchmal einfach einen praktischen Rat. Schletti: Das ist bei uns ähnlich. Wir gehen auch möglichst viel raus, um Begegnungen zu ermöglichen. Für uns ist das jedoch oft schwieriger, weil wir keine Uniform tragen und die Bevölkerung uns nicht sofort erkennt. Was macht es herausfordernd, im öffentlichen Raum Sicherheit zu gewährleisten? Mäusli: Ich sehe die Integration als herausfordernd. In Bümpliz leben Menschen aus so vielen Ländern, dass ein Zusammenleben nach dem Gesetz oft schwierig ist. Schletti: Für mich hängt das mit den verschiedenen Formen von Diskriminierung zusammen. Die grosse Heterogenität erfordert heute mehr Akzeptanz von der Bevölkerung. Dass diese Vielfalt auch positive Seiten hat, ist die Herausforderung, die wir als Quartier­arbeiter*in­ nen annehmen, indem wir Begegnungen schaffen und Vorurteile abbauen. Dem steht jedoch die Tendenz zur Gentrifizierung entgegen, die sozial durchmischte Quartiere seltener macht. Mäusli: In manchen Quartieren beobachten wir eine zunehmende Armut und damit oft auch eine wachsende Perspektivlosigkeit – das kann zu einem Sicherheitsproblem werden. Die Immobilienverwaltungen sollten meiner Meinung nach sozialverträglich sanieren, damit Wohnraum bezahlbar bleibt. Sie sollten soziale Aspekte

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«Die Uniform kann abschrecken, doch ich versuche zu zeigen: Hinter der Uniform steckt ein Mensch. So versuche ich, Brückenbauer zu sein.» Hans-Peter Mäusli

der Stadtentwicklung stärker berücksichtigen, denn egal aus welchem Lager die Akteur*innen kommen: Nur gemeinsam kommen wir weiter. Welche Rolle spielen Quartierbewohner*innen in Sicherheitsfragen? Schletti: Ich möchte dies mit einem Beispiel verdeutlichen. In einer der ärmsten Strassenzüge Berns wohnen viele marginalisierte Anwohner*innen. Gleichzeitig gibt es dort recht viele Grünflächen. Seit 2018 haben wir verschiedene Massnahmen zur Aufwertung verwirklicht, etwa Hochbeete, Aussenmöblierung. Ein längerfristiges Projekt war, an einem der Häuser im Besitz der

Stadt Bern ein Wandbild zu realisieren. Die Künstler*in­ nen entwickelten gemeinsam mit Bewohner*innen ein Motiv und setzten es gemeinsam um. Das hat unglaublich viel ausgelöst: Es gab zahlreiche Begegnungen und die Nachbarschaft hat sich besser kennengelernt. Gleichzeitig sind Investitionen der Gebäudeverwaltungen nötig. Nach anfänglicher Skepsis entstehen nun Pilotprojekte, beispielsweise Gärten, mit enormem Gewinn für das Zusammenleben. Konflikte können aber entstehen, wenn privater und öffentlicher Raum ineinander übergehen. So beschweren sich Bewohner*innen zum Teil über zu lange dauernde Feste oder Grilladen. ­­ Hier gilt es, miteinander ins Gespräch zu kommen. ▶

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«Ich sehe Situationen nun weniger schwarz-weiss. Als Polizist war ich gewohnt, sofort nach Lösungen zu suchen. Polizeiinterne Weiterbildungen und die Soziokultur haben mir aufgezeigt, wie ich mit Dialog weiterkomme.» Hans-Peter Mäusli ­­

▶ Mäusli: Wo der Dialog verloren geht, wird oft die Poli-

zei gerufen. Oft steckt dahinter die Angst vor Aggression oder Kriminalität. Aber ein Gespräch unter Nach­ bar*in­­nen in einem normalen Ton hilft meist schon, und die Polizei wäre gar nicht notwendig. In welchen sicherheitsrelevanten Situationen begegnen sich Polizei und Sozialarbeit im beruflichen Alltag konkret? Mäusli: Im Stadtteil 6 gibt es monatlich eine Sitzung zwischen verschiedenen Akteur*innen der Soziokultur und der Kantonspolizei Bern, um Beschwerden, die die Bevölkerung eingibt, zeitnah zu deeskalieren und Lösungen für die Konflikte zu finden. Dort entscheiden wir, ob wir die Situation niederschwellig gemeinsam mit der Sozialarbeit lösen oder repressiv vorgehen müssen. Das ist einzigartig in der Stadt Bern. Wie hat dies die Zusammenarbeit zwischen der Sozialen Arbeit und der Polizei verändert? Mäusli: Ich sehe Situationen nun weniger schwarzweiss. Als Polizist war ich gewohnt, sofort nach Lösungen zu suchen. Polizeiinterne Weiterbildungen und die

Soziokultur haben mir aufgezeigt, wie ich im Dialog weiterkomme. Anfangs musste ich mich daran gewöhnen. Inzwischen sehe ich darin einen Gewinn, weil wir mehr Handlungsoptionen haben. Das Quartier-Netzwerk ist hier wichtig, um gute Kompromisse zu finden. Schletti: Wir von der Sozialarbeit konnten unsere Vorurteile gegenüber der Polizei abbauen. Früher sahen wir uns eher als Kontrahent*innen – Repression gegen Prävention. Inzwischen haben wir gelernt, auch die Perspektive der Polizei zu verstehen. Jede*r bleibt in der eigenen Rolle, aber gemeinsam suchen und finden wir Lösungen. Es ist wichtig, diese Vorurteile auch in der Bevölkerung abzubauen; die Polizei sollte sich bewusst sein, dass sie bei bestimmten Personen Unsicherheit auslöst. Mäusli: Deshalb versuchen wir, deeskalierend vorzugehen, indem wir zum Beispiel im Ordnungsdienst ohne Helm, im Uniformdienst mit dem Velo oder zu Fuss ins Quartier kommen. Da haben wir grosse Fortschritte gemacht. Was bräuchte es aus Ihrer Sicht noch in der interprofessionellen Kooperation? Mäusli: Bei den meisten runden Tischen, die ich besuche, geht es um die gleichen Probleme – meist Nutzungskonflikte. Meiner Ansicht nach könnten wir mehr Synergien zwischen den Institutionen der Soziokultur nutzen, um konkret Lösungen zu finden. Warum soll das BeschwerdeManagement von Bümpliz nicht auch in anderen Quartieren funktionieren? Warum fordert die Stadt nicht auch andere Stadtteile dazu auf, dies auszuprobieren?

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Schletti: Auch bei Schulen oder Immobilienfirmen fehlt bisher die ausreichende Zusammenarbeit. Die Überzeugungsarbeit beginnt dort jeweils bei null, denn wir sind auf diese Entscheidungsträger angewiesen. Allerdings ist für die Soziale Arbeit die Kleinräumigkeit ein Vorteil. Wir sind dadurch sehr nah bei den Leuten und können zeitnah handeln.

«Früher sahen wir uns eher als Kontrahent*innen – Repression gegen Prävention. Inzwischen haben wir gelernt, auch die Perspektive der Polizei zu verstehen. Jede*r bleibt in der eigenen Rolle, aber gemeinsam suchen und finden wir Lösungen.» Brigitte Schletti

Wohin könnte sich die Zusammenarbeit in Zukunft entwickeln? Schletti: Ich würde mich freuen, wenn die Arbeit in Zukunft weiterbesteht und die Polizei die Bürger*innen­ nähe noch stärker lebt. Gesellschaftliche Probleme wie Ungleichheit oder Gentrifizierung sind dagegen eine politische Aufgabe und müssen auf dieser Ebene angegangen werden. Mäusli: Bürger*innennähe ist unser Ziel. Wir werden so ausgebildet, dass der Mensch im Fokus unseres Handelns steht. In meinem Führungsumfeld zeige ich den Nutzen meiner Herangehensweise wann immer möglich auf. Gleichzeitig stehen die Teilnahme an den Sitzungen und soziales Engagement nicht in meinem Pflichtenheft, ich finde dies aber sinnvoll. Schletti: Da arbeitest du wie wir niederschwellig. Das braucht Zeit. Das ist ein echter Kulturwandel.

zialen Arbeit zum Beispiel nutzen könnten, um die Kom­petenzen der Polizeischüler*innen im Umgang mit Jugendlichen weiter zu stärken.

Gibt es etwas, das die BFH dazu beitragen kann, damit die Zusammenarbeit zwischen der Sozialen Arbeit und der Polizei weiter gestärkt wird? Mäusli: Es wäre doch eine gute Idee, wenn es an Polizeischulen auch Gefässe gäbe, die Ausbildende der So-

Wenn Sie einen Wunsch frei hätten: Was müsste sich ändern, damit die Polizei, die Soziale Arbeit und die Bürger*innen gemeinsam zu einem sicheren öffentlichen Raum beitragen können? Schletti: Die Gesellschaft sollte daran arbeiten, diversitätssensibel zu werden. Wir sollten Armut anders begegnen und Menschen, die in Armut leben, Würde geben. Wichtig ist, die Bevölkerung immer mitzunehmen. Mäusli: Schwieriges Thema. Gegenseitige Akzeptanz ist wichtig. Man muss den Problemen aber auch unverstellt ins Auge sehen. ▪ Prof. Dr. Simone Brauchli, Dozentin Institut Kindheit, Jugend und Familie simone.brauchli@bfh.ch … forscht und lehrt zu den Themen Kindesschutz, Soziale Arbeit in der Jugendstrafrechtspflege sowie Elternschaft, Familie und Vulnerabilität. Sie organisierte zusammen mit Prof. Dr. Emanuela Chiapparini die Tagung «Sicherheit im Dialog».

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iStock | opolja

Alexander Jaquemet

Kalender

19.–23. Januar 2026 26. Januar 2026

10. März 2026

Abschlusskonferenz Bachelor Soziale Arbeit

Abendveranstaltung angeordnete Konfliktklärung im Kindesschutz

Abendveranstaltung Embodiment – Einbezug des Körpers in Beratungen

Die Abschlusskonferenz bildet für die Studierenden das letzte obligatorische Element auf dem Weg zum Diplom. Sie stellen ihre zentralen Erkenntnisse aus dem Studium und der Abschlussarbeit der Fachöffentlichkeit und weiteren Interessierten vor. Fachpersonen erhalten dadurch einen besonderen Einblick in den Bachelor-Studiengang.

Trennungen und Scheidungen führen oft zu langanhaltenden elterlichen Konflikten, die das Wohlbefinden der Kinder beeinträchtigen. Die BFH präsentiert Forschungsergebnisse zu angeord­neter Mediation und Beratung – zwei Ansätze, die Eltern unterstützen, Konflikte zu entschärfen und tragfähige Lösungen für ihre Kinder zu finden.

Wie lässt sich Veränderung wirksam begleiten, wenn Worte allein nicht genügen? Der Abend zeigt, wie Embodiment den Körper als wertvolle Ressource in Beratungsprozessen nutzt. Durch körperliche Wahrnehmung können Ziele stimmiger formuliert, Lösungen nachhaltiger entwickelt und Beratungen wirksamer vertieft werden.

Weitere Informationen und Anmeldung: bfh.ch/abschlusskonferenz-soziale-arbeit

Weitere Informationen und Anmeldung: bfh.ch/soziale-arbeit/event-kindesschutz

Weitere Informationen und Anmeldung: bfh.ch/soziale-arbeit/event-embodiment

Master in Sozialer Arbeit Qualifizieren Sie sich für anspruchsvolle Aufgaben in Praxis, Forschung und Lehre. Der Master in Sozialer Arbeit bietet neue Perspektiven für Fachleute der Sozialen Arbeit. Besuchen Sie unsere Infoveranstaltung am: – Dienstag, 24. Februar 2026 – Dienstag, 31. März 2026 – Montag, 11. Mai 2026 – Montag, 15. Juni 2026 – Dienstag, 7. Juli 2026 Alle Termine finden jeweils von 12.15 bis 13.15 Uhr und von 18.15 bis 19.15 Uhr ausschliesslich online via MS Teams statt. Anmeldung und weitere Informationen: masterinsozialerarbeit.ch

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Informationen zu unseren Infoveranstaltungen für den Bachelor in Sozialer Arbeit: bfh.ch/soziale-arbeit/ infoveranstaltungen-studium Unsere Infoveranstaltungen für Weiterbildungsangebote: bfh.ch/soziale-arbeit/ infoveranstaltungen-wb


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Impressum impuls 1/2026 Herausgeberin: Berner Fachhochschule BFH, Departement Soziale Arbeit Erscheinungsweise: 3-mal jährlich Auflage: 8000 Exemplare Redaktion: Martin Alder, Beatrice Schild, Denise Sidler, Oliver Slappnig, Katalin Szabó, Alexandra von Allmen Fotos: Keystone (Titelseite gross); Oliver Slappnig (Titelseite klein, 3, 10–12, 13, 24–26, 30–33, 34 rechts); Christian Pfander (2 links, 5); Locarno Film Festival (7); Simon Boschi (20–23); Amt für Kindergarten, Volksschule und Beratung (28); Alexander Jaquemet (34 links); Adobe Stock (2 rechts, 14, 17), iStock (19, 34 mitte). Restliche: zVg

Layout: Oliver Slappnig Korrektorat: Anne-Kathrin Lombeck, satzbausatz Druck: Vögeli AG, Langnau Abonnement: bfh.ch/soziale-arbeit/impuls ISSN 1661-9412 (print) ISSN 2624-666X (online) Die Texte dieses Werkes sind lizenziert unter einer «Creative Commons Namensnennung 4.0 International»-Lizenz. Bei Infografiken und Bildern liegt das Urheberrecht bei der in der Bildquelle angegebenen Person/Firma. Eine weitere Veröffentlichung muss direkt mit den Urheber*innen vereinbart werden. Diese Richtlinie betrifft Artikel ab der Publikation 1/2026.


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Telefon +41 31 848 36 00 soziale-arbeit@bfh.ch bfh.ch/soziale-arbeit


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