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Post und Postgeschichte(n) (Leseprobe)

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Einzelverรถffentlichungen des Kreisarchivs Dahme-Spreewald Band 4 Herausgegeben von Thomas Mietk

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Wolfgang Pinkow

Post und Postgeschichte(n) aus dem Landkreis Dahme-Spreewald Vom Mittelalter bis in die jĂźngste Vergangenheit

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Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar. Alle Rechte vorbehalten. Dieses Werk, einschließlich aller seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen, Verfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung auf DVDs, CD-ROMs, CDs, Videos, in weiteren elektronischen Systemen sowie für Internet-Plattformen. be.bra wissenschaft verlag GmbH Berlin-Brandenburg, 2018 KulturBrauerei Haus 2 Schönhauser Allee 37, 10435 Berlin Umschlag und Satz: typegerecht, Berlin Schrift: Stempel Garamond 9,5/13 pt Druck und Bindung: Finidr, Český Těšín ISBN 978 -3 -95410 -094 -1 www.bebra-wissenschaft.de

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Inhaltsverzeichnis

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Vorwort

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Die Anfänge der Post und die postgeschichtliche Entwicklung auf dem brandenburgischen und sächsischen Territorium bis 1815

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Zur Entwicklung der Königlich Preußischen Post in den brandenburgischen Kreisen Luckau, Lübben und Teltow zwischen Wiener Kongress 1815 und Reichsgründung 1871

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Die Post im Kaiserreich, in der Weimarer Republik und im Nationalsozialismus

73

Neuanfang: Die Deutsche Post in der Sowjetischen Besatzungszone und in der DDR in den Kreisen Luckau, Lübben und Teltow/Königs Wusterhausen

119

Die Übernahme der Deutschen Post durch die Bundespost und Gründung der Deutschen Post AG – Entwicklungslinien zwischen 1990 und 1993 sowie im neu geschaffenen Landkreis Dahme-Spreewald

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Alphabetische Chronologie der Postorte im Landkreis Dahme-Spreewald

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Anmerkungen

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Abbildungsnachweis

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Dank

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Der Autor

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Die Anfänge der Post bis 1815

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Vorwort Beginnend im Mittelalter, als die Kaufmannsboten auf ihren Wegen zwischen den einzelnen Handelsstädten Briefe und Nachrichten mitnahmen, entwickelte sich die Post zum Global-Player, der sie heute ist. Kommunikation ist Teil der kulturgeschichtlichen Entwicklung und eine wesentliche Grundlage unserer modernen Informationsgesellschaft. Sich ihrer Aufgabe und ihrer Möglichkeiten bewusst, versuchten die jeweiligen Machthaber und Herrscher über Jahrhunderte hinweg, die Post für ihre eigenen Zwecke zu nutzen. So erkannte schon der brandenburgische Kurfürst Friedrich Wilhelm nach seinem Regierungsantritt 1640, dass eine funktionierende Post Grundlage eines modernen und wirtschaftlich starken Staates ist. Die Zeugnisse dieser jahrhundertealten Posttradition sind im Landkreis noch allgegenwärtig. So geben die alten Postgebäude von Luckau, Mittenwalde und Königs Wusterhausen ein Bild davon, mit welcher Pracht und welchem Stolz der Staat sein Postwesen unterhielt. Nicht zu vergessen sind die Postmeilensäulen, die sich in einigen Orten des Kreises finden lassen. Insbesondere die sächsischen Postmeilensäulen von Lübben und Lieberose zeigen den Glanz der Post aus früheren Zeiten. Nicht immer stand jedoch das Wohl der Kunden im Vordergrund. Allein das staatliche Eingreifen des SED-Staates, insbesondere durch die Staatssicherheit, im Post- und Fernmeldebereich gehört zu den dunklen Kapiteln der jüngeren Postgeschichte. Dennoch schaffte es die Post, ein hohes Maß an Anerkennung in der Bevölkerung zu gewinnen. Dies verdankt sie häufig den ehrbaren Leistungen ihrer Mitarbeiter. Als Postangestellter (»Postler«) war man stolz, dort seine Tätigkeit gefunden zu haben. Nicht zuletzt mit ihren eigenen Uniformen genossen die Postboten hohes Ansehen. Waren sie doch direkte Repräsentanten des Staates. Obwohl die Postgeschichte ein überaus ertragreiches Feld darstellt, sind Veröffentlichungen dazu bisher rar. Eine über die Anfänge bis in die Gegenwart reichende Aufarbeitung fehlte bisher. Wolfgang Pinkow, der bereits an einer Vielzahl von Ausarbeitungen zur regionalen Postgeschichte maßgeblich beteiligt war, hat sich dieses Themas angenommen. Als Band 4 der Reihe Einzelveröffentlichungen des Kreisarchivs Dahme-Spreewald liegt nunmehr seine regionale Postgeschichte vor. Ziel des Bandes ist es, die Postgeschichte im Landkreis Dahme-Spreewald und seiner Vorgängerkreise Lübben, Luckau, Königs Wusterhausen und Teltow in ihrer Entwicklung darzustellen. Sein Buch richtet sich dabei ganz bewusst nicht nur an Angehörige der Post und an die Philatelisten. Mit dem reichhaltigen und wunderbaren Abbildungsmaterial ist es dem Autor auch visuell gelungen, über 500 Jahre der Postentwicklung und ihrer wechselvollen Geschichte im heutigen Landkreis aufzuarbeiten. Thomas Mietk, Leiter des Kreisarchivs

Vorwort

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Die Anfänge der Post und die postgeschichtliche Entwicklung auf dem brandenburgischen und sächsischen Territorium bis 1815

Die Anfänge der Post auf dem Gebiet des heutigen Landkreises Dahme-Spreewald lassen sich bis in das Mittelalter zurückverfolgen. Mit zunehmendem Handel erlangten in dieser Zeit die Städte Lübben, Luckau und Mittenwalde sowie einzelne Herrschaften, wie z. B. Teupitz mit den Schenken von Landsberg, größere Bedeutung. Allein nach und durch Luckau führten bereits im Mittelalter sieben Handelsstraßen, von denen drei als Durchgangsstraßen besonders wichtig waren. So führten u. a. eine Straße von Polen und Schlesien kommend über Cottbus und Luckau weiter nach Magdeburg bzw. über Torgau nach Leipzig, außerdem die »Messestraße« von Leipzig über Luckau und Lübben nach Frankfurt (Oder) sowie eine Straße von Luckau über Baruth und Mittenwalde nach Berlin. Zwischen den Orten entstanden damit die ersten schriftlichen Kontakte. Es ist davon auszugehen, dass diese Nachrichten mithilfe von Boten übermittelt wurden, die somit als erste Postboten gelten können. Die Landesfürsten hatten ihre eigenen Kuriere.1 Später gingen aus diesem Botensystem die städtischen Botenanstalten hervor. Aus der Zeit des sächsischen Kurfürsten Friedrich II.2 ist bekannt, dass die kurfürstlich-sächsische Post staatliche Schreiben bereits in Büchsen beförderte und durch Landesboten zustellen ließ. In anderen Ländern verwendete man üblicherweise Ledertaschen, sogenannte Felleisen. Der mit großer Wahrscheinlichkeit erste Nachweis einer kurfürstlichen Botenpost ist Streitigkeiten zwischen dem sächsischen und dem brandenburgischen Kurfürsten zuzuschreiben. Die Zugehörigkeit der Lausitz gab den Anlass. Der sächsische Kurfürst ernannte Reinprecht von Ebersdorf zum Gesandten für Brandenburg und für die Lausitz. In einem Schreiben aus Luckau, datiert vom 9. Februar 1449, teilt dieser seinem Kurfürsten mit, dass er wegen der »ungünstigen Stimmung« gegenüber Sachsen besorgt darüber sei, dass die mit dem Kurfürsten wechselnden Briefschaften in fremde Hände fallen könnten bzw. die Boten selbst gefährdet wären. Bereits jetzt könne ein sächsischer Bote Berlin nicht erreichen. Zu Rate gezogen wurde mit Nickeln von Polenczk3 der frühere Landvogt des Markgrafentums der Niederlausitz, denn es sollte versuchsweise ein Geleit für den Boten gestellt werden. Und schließlich zog er, damit der kur-

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Felleisen für die reitende Post, 19. Jahrhundert.

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Botenpost im Mittel­ alter. Übergabe eines Briefes aus dem Felleisen (Leder­tasche).

sächsische Bote nicht offen zu erkennen war, die mit dem sächsischen Wappen versehene Postbüchse ein und ließ »den Boten als seinen eigenen gehen«.4 Allgemein ist auch von der Mark Brandenburg und den weiteren Nachbarländern aus jener Zeit bekannt, dass Nachrichten, also Briefe, sowie Frachten und Geld durch Botenposten befördert wurden. Im Zuge der Übernahme der brandenburgischen Kurfürstenwürde durch Albrecht Achilles im Jahr 1470 , nunmehr Kurfürst Albrecht III., wurde zwischen seiner Residenz in Ansbach und dem zeitweiligen Aufenthaltsort des kurfürstlichen Statthalters (hierzu hatte er seinen Sohn Johann ernannt) in Küstrin ein erster Botenzug eingerichtet. Es entwickelte sich zwischen den beiden ein reger und lebhafter Briefverkehr. 5 Für die 68 Meilen lange Strecke, die von Küstrin über Frankfurt (Oder), Lübben und Torgau nach Leipzig und weiter über Weißenfels nach Ansbach führte, wurden 24 Tage, einschließlich vier Ruhetagen, benötigt.6 Diese Boten können zweifelsohne als Vorläufer der späteren Reit- und Fahrposten gelten und hatten die Aufgabe, die ihnen anvertrauten Sendungen sicher an den Empfänger zu bringen. In Brandenburg richteten die jeweiligen Kurfürsten zeitlich versetzt nach diesem Vorbild ihre Botenanstalten ein. Diese beförderten anfänglich auch nur die Korrespondenz des Hofes bzw. der Behörden. Die Geburtsstunde der eigentlichen Post in Deutschland ist auf das Jahr 1490 datiert. Im Auftrag Kaiser Maximilians I. richtete Franz von Taxis eine feste Postverbindung zwischen den Residenzen Innsbruck und Mechelen bei Brüssel ein. Für die darauffolgenden mehr als 350 Jahre blieb die deutsche Postgeschichte eng mit dem Namen Taxis, ab 1649/50 Thurn und Taxis, verbunden. Nach diesem Vorbild entstanden auch für Brandenburg die kurfürstlichen Botenanstalten als erste staatliche Posteinrichtungen.7

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Links: Briefbote, um 1486. Rechts: Postreiter, um 1500.

Mit dem weiter zunehmenden Handel zwischen den bedeutenden Messeplätzen, zu denen im Kurfürstentum Brandenburg insbesondere die Stadt Frankfurt (Oder) zählte, verstärkte sich nunmehr auch der private Nachrichtenverkehr.8 Durchreisende Handels- und Kaufleute besuchten die immer wiederkehrenden Messen und beförderten auf ihren Reisen von Stadt zu Stadt häufig schriftliche Mitteilungen, die sie am Bestimmungsort übergaben. So bildeten sich nach und nach erstmalig Kaufmannsboten heraus, die die privaten bzw. geschäftlichen Interessen bedienten.9 Später wurden sie in die städtischen Botenanstalten eingegliedert. Bereits im 15. und 16. Jahrhundert überzog ein weit verzweigtes Netz städtischer Botenkurse die Länder Mitteleuropas. Diese Ausweitungen erforderten staatliche Regelungen. Eine erste Botenordnung – zunächst nur für die Stadt Berlin – wurde im Auftrag des Kurfürsten Johann Georg im Jahr 1580 entworfen. Sie legte in 30 Artikeln fest, wie die Boten sich zu verhalten hatten. 1604 wurde sie erweitert und auf die Beförderung aller Mitteilungen und Schreiben an den Hof ausgedehnt.10 Die Boten nahmen jetzt erstmals auch private Briefe mit. Als Kurfürst Johann Sigismund 1611 mit dem Herzogtum Preußen belehnt wurde und wenige Jahre später in den Besitz von Jülich, Kleve sowie weiteren sehr entfernt gelegenen Gebieten kam, wurde eine schnellere und vor allem sicherere Postbeförderung notwendig. Die Grundlage dafür bildete die am 20. Juni 1614 erlassene »Brandenburgische Post- und Boten-Ordnung«. Sie regelte die Beförderung aller Nachrichten. Für den Transport von Staats- und Privatbriefen stellte der Kurfürst extra 24 Boten, drei silberne und 21 Kanzleiboten, ein. Die silbernen Boten erhielten ihre Benennung nach den für die Aufbewahrung der Post vorgesehenen silbernen Büchsen, anstelle der Botenränzel oder Felleisen. Sie hatten ausschließlich die kurfürstliche Post »treulich abzugeben«. Die Kanzleiboten dagegen mussten die Korrespondenz in zinnernen Büchsen verwahren und die Staats- und bürgerlichen (Privat-)Briefe sowohl in der Mark als auch außerhalb des Landes bestellen sowie schnell und »wahrhaft« sein.11 Mit äußerster Strenge achteten die brandenburgischen Kurfürsten, ab 1701 die preußischen Könige, auf die Zuverlässigkeit ihres Postsystems.12 Da die im

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Links: Porträt von Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg (1620 –1688); auf den Rändern der Sonderbriefmarke der brandenburgische Adler und das Monogramm des Kurfürsten, 1995. Rechts: Branden­ burgischer Postreiter um 1700, Briefmarke von 1956.

südlichen Grenzgebiet zu Sachsen liegende Stadt Mittenwalde und die Herrschaft Teupitz zu jener Zeit eine herausragende Bedeutung in der Region hatten, muss davon ausgegangen werden, dass die Kanzleiboten des Kurfürsten auch die Städte Mittenwalde und Teupitz erreichten. Inhalt von Nachrichten waren damals meist Mitteilungen über kirchliche und Verwaltungsangelegenheiten. Während des Dreißigjährigen Krieges in den Jahren zwischen 1618 und 1648 kam das sich gerade langsam entwickelnde allgemeine Postwesen wieder zum Erliegen. Befördert wurden jetzt nur noch Informationen und Befehle der Landesherren. Außerdem benutzten die schwedischen Truppen einige Verbindungen, um den Kontakt mit ihrem Königreich zu halten. Verbessert wurden diese Zustände erst ab 1640 mit dem Regierungsantritt des brandenburgischen Kurfürsten Friedrich Wilhelm. Der Große Kurfürst wollte Brandenburg-Preußen zu einem modernen wirtschaftlichen Staat entwickeln und richtete dazu 1646 einen festen Botenkurs zwischen Königsberg, Berlin und Kleve ein. Drei Jahre später – 1649 – gründete er die brandenburgische Staatspost und schuf in der Folge eine Postverwaltung. Ihre Hauptaufgaben bestanden zum einen darin, die weitere Ausdehnung der Postkurse in alle wichtigen Landesteile zu organisieren. Zum anderen war ihr Wirken auf die Steigerung der finanziellen Erträge ausgerichtet. Seine Staatspost diente dem »allgemeinen Besten«. Insbesondere Kaufleute konnten nun ihren Schriftverkehr durch die offizielle Postbehörde befördern lassen.13 Die nach dem langen Krieg verarmte Region des Teltow wurde in der Regierungszeit des Großen Kurfürsten durch eine staatliche Postroute kaum berührt. Heinrich Stephan führt in seinem 1859 veröffentlichten Werk zur preußischen Postgeschichte aus, dass die brandenburgische Postverwaltung bereits im Jahr 1653 eine Reitpost von Berlin über Zossen, Dahme nach Dresden angelegt

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Einstellung der Landkutschen, 1712.

hatte. Diese erhielt in Dresden einen Anschluss nach Prag und Regensburg, dem Tagungsort der Reichstage. Sie war zu dieser Zeit die schnellste Verbindung zu den bedeutenden Städten.14 Ob diese Reitpost über Mittenwalde führte bzw. von Zossen aus eine Abzweigung nach Mittenwalde hatte, ist nicht bekannt. Ebenso ist nicht überliefert, wann die Reitpost wieder aufgegeben wurde. Ein Verzeichnis der abgehenden und ankommenden Posten von Berlin vom 24. Oktober 1685 führt keine Posten nach Dresden mehr auf, sodass davon auszugehen ist, dass diese wieder geschlossen wurden.15 Für Mittenwalde wurde schon im Jahr 1653, also gleich nach Beendigung des Dreißigjährigen Krieges, ein Postamt erwähnt, dem das Postwärteramt Zossen unterstellt war.16 Aus den dort vorhandenen Unterlagen konnte entnommen werden, dass sich das Postamt einschließlich Posthof ab 1670 in der Yorkstraße 30 befand. Um 1720 wird ein Postmeister Möller aufgeführt. In der Yorkstraße, ehemals Große Straße/Postgasse, blieb der Hof bis in die 1840er-Jahre.17 Anzunehmen ist, dass sich etwa ab 1690 die sogenannten Landkutschen von Sachsen nach Berlin durch das Gebiet, und hier durch Lübben, Baruth und Mittenwalde, fuhren. Belegt sind ab 1695 eine wöchentlich verkehrende Landkutsche zwischen dem sächsischen Lübben und Berlin sowie eine 14 -tägig fahrende Landkutsche über Baruth und Zossen nach Berlin.18 Diese Landkutschen waren teilweise den fahrenden Posten gleichgestellt, wurden aber von einem Schaffner – einem privaten Eigentümer – geführt. Diese mussten jeweils Nachtquartier nehmen und hatten nur ihre eigenen Pferde zur Verfügung. Der Gebrauch von Postprivilegien wie dem Posthorn blieb den Landkutschen jedoch untersagt, auch gab es für sie keine Befreiung von Geleitgeld und Brückenzoll.19

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Trotzdem schmälerten sie die fiskalischen Einnahmen der Postverwaltung und wurden deshalb im Laufe der Zeit immer mehr eingeschränkt. Unter Kurfürst Friedrich III., ab 1701 König Friedrich I., wurden in Brandenburg-Preußen Anstrengungen unternommen, das staatliche Postwesen weiterzuentwickeln und die brandenburgisch-preußischen Postkurse – »Post-Coursen« – in alle Landesteile sowie in die angrenzenden Länder, z. B. Sachsen, auszudehnen. Damit ging die Eröffnung neuer Postämter und Postwärterämter einher. Schließlich mussten alle drei bis vier Meilen die Pferde gewechselt werden. Die Zusammenstellung (Auszug) nach Matthias20, veranschaulicht die dargelegte Entwicklung der Post: 1698

1710

Postämter

79

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Postwärterämter

11

51

Postschreiber

9

18

Postmeister

1

2

Briefträger

1

13

271

358

Fahrende u. reitende Postillione

In diesem Zeitraum wurden, ausgehend von Berlin, die nach Süden in Richtung Sachsen führenden Postkurse angelegt, die nun das Gebiet des Teltow und der Niederlausitz durchquerten bzw. streiften und für die Orte Wusterhausen und Mittenwalde einen gewissen Aufschwung brachten. Zum einen war das ab 1698 der Cottbuser Kurs21 von Berlin über Waltersdorf, Wusterhausen, Senzig, Bindow, Wolzig, Storkow, Beeskow, durch das kursächsische Lieberose in die preußische Enklave Peitz/Cottbus. Zum anderen führte ab 1712 der Dresdener Postkurs22 von Berlin über Großziethen, vorbei an Waßmannsdorf, durch Selchow, Brusendorf, Mittenwalde, Motzen und vorbei an Töpchin ins sächsische Baruth und weiter über Golßen, Zützen, Rüdingsdorf, Gießmannsdorf, Wierigsdorf, Luckau, Elsterwerda nach Dresden. Bis es zu einer Vereinbarung zum grenzüberschreitenden Postverkehr zwischen Preußen und Sachsen hinsichtlich der kürzesten Verbindung zwischen Berlin und Dresden kam, vergingen allerdings Jahre. So gab es schon seit 1699 Verhandlungen zur Herstellung einer direkten Verbindung zwischen Berlin und Dresden. Bereits in dieser Zeit pendelten die landesherrlichen Postreiter auf kürzestem Wege zwischen den Residenzstädten Berlin und Dresden hin und her und überbrachten die »Diplomatenpost«. Von Sachsen aus wurde dann vier Jahre später – 1703 – ein erneuter Versuch für eine Verbindung gestartet, der aber ohne Erfolg blieb und abgebrochen werden musste. Keine Seite wollte ihre Souveränitätsrechte eingeschränkt sehen und beispielsweise der anderen Seite nicht gestatten, bis zur ersten Grenzstation mit den Hoheitszeichen des »Ausländers« zu fahren. Schließlich konnte man sich darauf verständigen, dass

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im jährlichen Wechsel der sächsische bzw. der preußische Postillion einschließlich Hoheitszeichen die Grenze überqueren durfte. Im ersten Jahr ab 1712 fuhr so der sächsische Postillion mit seiner sächsischen Postkutsche ins preußische Mittenwalde ein, im darauffolgenden Jahr dann der preußische Postillion mit seiner preußischen Postkutsche ins sächsische Baruth.23 Die Orte waren demzufolge Grenzpostämter. Auf beiden Postkursen wurden nun regelmäßig nach Fahrplan Personen, Post, Frachten und Geld befördert. Mit der Eröffnung dieser wichtigen Verbindung nach Sachsen waren die Voraussetzungen für einen geordneten Postverkehr gegeben, sodass in der Folge von dem »Königl. Preuß. General Post-Ambt« angeordnet wurde, dass »die Land-Kutschen /welche bis daher von Baruth und Lübben hieher gefahren / eingestellet werden solten«.24 Einem Postreisebuch von 1724 sowie einem Berliner Verzeichnis der »ordinairen fahrenden Posten« von 1798 ist zu entnehmen, dass die Dresdener Post von Berlin aus regelmäßig immer an den gleichen Tagen Dienstag und Sonnabend in Mittenwalde ankam und am nächsten Tag abends um 6 Uhr die Residenzstadt Dresden erreichte. 1724 wurde allerdings darauf verwiesen, dass sie mituner »auch wol des andren Tages früh« eintreffen konnte. Durch die überaus schlechten Wegeverhältnisse konnten die Postillione die Fahrzeiten nicht immer einhalten und kamen besonders bei ungünstigen Wetterverhältnissen häufig verspätet an.25 Trotzdem entwickelte sich auf diesem Postkurs zunehmend ein überaus reger Reiseverkehr, der nicht nur den Posthäusern in Mittenwalde, Baruth und Luckau höhere Einnahmen verschaffte, sondern auch bei den Einwohnern für zusätzliche Einkünfte sorgte. Nicht selten mussten für Extra-Posten weitere Pferde bereitgestellt werden, wovon die Bauern profitierten. Zahlreiche Durchreisende nach Berlin, Dresden, Prag, Wien und Karlsbad machten zudem in den Posthäusern Rast und mussten verköstigt werden. Der zweite Postkurs, der sich durch den heutigen Landkreis zog, war ab dem Jahr 1698 der bereits erwähnte Cottbuser Postkurs. Ähnlich dem Dresdener Kurs machten sich auch hier die Probleme eines grenzüberschreitenden Postverkehrs bemerkbar. Als es von sächsischer Seite gegen den Willen der preußischen Oberpostbehörde nicht möglich war, eine Verbindung zwischen Lübben und Frankfurt (Oder) einzurichten, verlangte der sächsische Oberpostmeister im Jahr 1707 vom Lieberoser Postmeister, die preußische Bestallung aufzugeben. Nach langwierigen und zähen Verhandlungen gelang erst 1718 die Einigung. Sie zielte auf die bereits vorher bestehenden Postverhältnisse im preußischen Cottbus und sächsischen Lieberose ab.26 Die sächsische Post durfte nun in Cottbus einfahren, wohingegen die preußische Post das Recht erhielt, auf ihren nach Cottbus führenden Strecken Station in Lieberose zu machen. Die Beziehungen wurden jedoch noch über Jahre hinweg von Misstrauen begleitet.27 Noch in den 1740 er-Jahren kam es zu einer Konfliktsituation, als der sächsische Postillion bei seiner Extra-Postfahrt von

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Links: Der Cottbuser »Post-Cours« 1698 und 1710. Rechts: Postkurs von Berlin nach Dresden, 1795.

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Lieberose nach Müllrose bei Groß Briesen über die Felder der Bauern fuhr. Für den ergangenen Schaden pfändeten die Bauern kurzerhand ein Pferd der Postkutsche. Der sächsische Hof legte daraufhin Beschwerde beim preußischen Generalpostamt in Berlin ein – ohne jedoch jemals ein Ergebnis zu erzielen.28 In einem weiteren Postvertrag von 1767 zwischen Sachsen und Preußen wurden umfangreiche Regelungen zum Fahrpostverkehr getroffen. Diese hatten wiederum Folgen für den Postort Lieberose. Die Posten zwischen Frankfurt (Oder) und Lieberose sollten so eingerichtet werden, dass in Lieberose ein Anschluss an die Cottbus-Dresdener sowie die Lübben-Leipziger Post gewährleistet wurde.29 1712 erschien in Preußen die »Allgemeine Preußische Postordnung«, in der in zwölf Kapiteln auf 60 Seiten die gesetzlichen Bestimmungen und Grundlagen über das Preußische Postwesen aufgeführt waren und alle Rechte und Pflichten der Postbeamten sowie der Reisenden geregelt wurden.30 Im Großen und Ganzen waren es jedoch keine neuen Verordnungen, sondern es handelte sich um die erstmalige Zusammenfassung von früheren Reglements und Edikten in einem Schriftstück. Mehrfach wurde darin auf das Postregal hingewiesen. Es umfasste das Recht zur Einrichtung und zum Betrieb von Postanstalten sowie Postkursen und stand allein dem König zu. Zudem enthielt es den Hinweis, dass zu diesem Zeitpunkt (1712) immer noch private Fuhrunternehmer unterwegs waren. Im Kapitel XI der Postordnung wurde deshalb das Schließen der Neben-Post-Häuser und Neben-Posten angeordnet. Desgleichen wurden die Postgebühren, die sogenannten Posttaxen, überarbeitet und ergänzt. Wie »die Königlich-Preußischen Post-Taxen zu Mittenwalde und Wusterhausen« aus dem Jahr 1712 belegen, existierten zu diesem Zeitpunkt in der Region nur diese zwei Posthäuser. In Wusterhausen, auch Wendisch Wusterhausen, ab ca. 1718 auch Königs Wusterhausen31, bewirtschaftete Matthias Fähse (auch Fehse oder Vehse) ab 1685 in einem »von Grund auf neu erbauten« Gebäude einen Krug und war »von Diensten, Zinsen, Zehenden und Pächten gänzlich befreit«.32 Später übernahm er die Versorgung der Landposten und richtete ab 1698 in seinem Krug

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Links: Lageskizze mit ­Posthof von Mittenwalde, um 1800. Rechts: Titelblatt zur Postordnung in Preußen, 1712.

eine Poststation ein. In einer Übersicht zum preußischen Postpersonal aus dem Jahr 1709 wird Matthias Fähse als Postwärter zu Wendisch Wusterhausen geführt.33 Als Postwärter hatte er die Aufgabe, den Postfuhrbetrieb zu regeln und insbesondere dafür zu sorgen, dass immer frische Pferde für die Weiterfahrt zur Verfügung standen. Geeignete Postillione mussten angestellt und bezahlt werden. Daneben wurden Briefe angenommen, weiterbefördert und die ankommende Post ausgegeben. Für die Reisenden war eine Passagierstube vorhanden, in der eine Gebührentabelle (Post-Taxe) aushing. Auf ihr war angegeben »an welche Oerther Briefe bestellet werden können / und was dafür an Porto gegeben werden muß. Im gleichen was von denen Passagieren / welche, sich der fahrenden Post bedienen / an Meilen und Postilion-Geld für ihre Person / für ihre Pagage, auch sonsten für die / auf denen Königl. Posten gehende Pacquete und Sachen / bezahlet werden soll«.34 Die Kirchenbücher von Königs Wusterhausen und Deutsch Wusterhausen führen im Zeitraum von 1695 bis 1760 mehrere Postillionfamilien auf, die über mehrere Generationen hinweg den Fahrverkehr mit den Postkutschen ausübten. Genannt werden die Namen Rengel, Gutke und Dommisch. Nachfahren dieser Familien leben noch heute im Königs Wusterhausener Raum.35 Der alte Gasthof von Matthias Fähse stand an der heutigen Kreuzung Berliner/Ecke Potsdamer Straße und wurde erst in den 1980er-Jahre abgerissen. Auch nach dem Erwerb der Herrschaft Teupitz durch König Friedrich Wilhelm I. im Jahr 171736 und der Einrichtung von königlichen Ämtern änderte sich hinsichtlich des postalischen Verkehrs in der Region nichts. Die Briefpost – vorwiegend Verwaltungs-, Gerichts- und Kirchenschreiben – wurde von Boten in unregelmäßigen Abständen befördert. Häufig nahmen auch Amtsper-

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Links: Friedrich ­Wilhelm I. (1688 –1740). Rechts: Posthausschild einer Preußischen Posthalterei.

sonen oder Reisende wie Handelsleute und Handwerker die Post mit. Hierbei ist zu bedenken, dass in dieser Zeit nur eine überschaubare Anzahl Menschen des Lesens und Schreibens kundig war und private Post relativ selten war. Märkisch Buchholz und Teupitz sind auf den Posttaxen nicht vermerkt. Für Königs Wusterhausen erscheint es aufgrund des Aufenthalts der königlichen Familie als sehr wahrscheinlich, dass eine Botenpost in die Residenzstadt Berlin eingerichtet war. Friedrich Wilhelm I., der Soldatenkönig, residierte häufig zur Herbstzeit im Königs Wusterhausener Jagdschloss und führte in dieser Zeit von hier aus seine politischen Geschäfte. Aus dem Jahr 1730 wird berichtet, dass im Zusammenhang mit dem Fluchtversuch des jungen Kronprinzen Friedrich und der Verurteilung seines Freundes Hans Hermann von Katte eine Flut von Post in Königs Wusterhausen eintraf.37 Der sparsame König erkannte den Wert einer gut funktionierenden Post und kümmerte sich um die mit Überschüssen arbeitende Postbehörde. Von ihm stammt der Ausspruch: »sollen die Posten anlegen in Preußen von Ort zu Ort ich will haben ein landt das kultiviret sein soll höret Post dazu.«38 Unter der Prämisse »Man soll in meinem Lande von einer Stadt zur anderen mit den Posten kommen können«,39 achtete er darauf, dass alle Landesteile mit der Post zu erreichen waren. Im weiteren Verlauf des 18. Jahrhunderts änderte sich hinsichtlich der Postbeförderung in der Region wenig. Beide Postkurse blieben über viele Jahrzehnte stabil erhalten, sieht man von einigen Unterbrechungen bzw. Unregelmäßigkeiten in Kriegszeiten (Schlesische Kriege) ab. Im Jahr 1800 wurden der Dresdener und der Cottbuser Postkurs auf Anweisung des preußischen General-Postmeisters Friedrich Wilhelm Graf von

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Linke Seite: Posttaxe von Königs Wusterhausen aus dem Jahr 1712.

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Postwege durch den Teltow, 1778 .

der Schulenburg-Kehnert, der zwischen 1800 und 1807 amtierte, vermessen. Nach Cottbus erfolgte dies durch die Feldmesser oder »Conducteurs« Wallner und Ahlert, nach Dresden bis zum sächsischen Grenzort Baruth durch den Feldmesser Langerhans. Die Feldmesser legten mit ihren Helfern die Wege zu Fuß zurück. Ihr Hilfsmittel war ein als Schubkarren konstruierter Wegemesser. Ortskundige Postillione begleiteten die Vermesser und machten auf Besonderheiten in der Wegführung bzw. Landschaft aufmerksam. Die erhalten gebliebenen handschriftlichen Bereisungsprotokolle belegen eine sehr exakte Wegbeschreibung durch und außerhalb von Ortschaften sowie das Markieren der Entfernungen mit ¼-, ½-, ¾- und 1-Meilen Holzpfählen (1 preußische Meile entspricht 7,532 Kilometern).40 Diese Markierungen sollten zudem die Grundlage für eine Meilensteinsetzung bilden. Allgemein wurden nach der Vermessung im Auftrag der Postverwaltung preußische Postmeilensteine aus Sandstein gesetzt. Grundsätzlich kamen dafür Ganzmeilensteine (großer Obelisk auf einem Würfel), Halbmeilensteine (kleiner Obelisk auf Würfel) und Viertel- bzw. Dreiviertelmeilensteine (Würfel) zur Ausführung. Sie waren schlicht und meist ohne Verzierungen. Zudem übernahm der preußische Staat selbst die Finanzierung der Meilenstein-

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Postmeilenstein (Sockel) von Waßmannsdorf nach einer Zeichnung von Reichner, 1916.

setzung. Er verlangte dies nicht vom Eigentümer, auf dessen Grund und Boden die Postmeilensäulen aufzustellen waren.41 Während an dem Cottbuser Postweg die Meilensteinsetzung ausblieb, wurden auf der Dresdener Poststraße nach der Vermessung im Auftrage der Postverwaltung große preußische Postmeilensteine aus Sandstein im Meilenabstand gesetzt. Von diesen sind drei bis heute erhalten geblieben, die zwischen 1801 und 1806 aufgestellt wurden. Mit Bezug auf die Entfernung nach Berlin (Cottbuser Tor) stehen sie bei Waßmannsdorf (zwei Meilen), bei Brusendorf (drei Meilen) und in Motzen (fünf Meilen). Ob auch Viertel- und Halbmeilensteine aufgestellt wurden – davon ist auszugehen –, ist nicht nachweisbar. Auf dem Urmesstischblatt von 1839 sind an der Poststraße entsprechende Zeichen (¼ M.St., ¾ M.S. und M.St) vermerkt. Wie eine Skizze von Wilhelm Reichner zeigt, stand der Waßmannsdorfer Meilenstein lange Zeit ohne Obeliskteil da. Erst in den 1970er-Jahren fand sich der obere Teil wieder an. Die Setzung der Postmeilensäule bei Brusendorf wurde in einem Vermessungsprotokoll vom 16 . Dezember 1800 offiziell festgelegt und mit einem hölzernen Meilenanzeiger gekennzeichnet. Im Protokoll heißt es: »Den Pfahl um die Weide, die am Ende der 3. Meile mit 3 bezeichnet ist, sieht man links auf Brusendorfschen Acker, 190 Ruthen hinter einem links sich befindenden Fichtengebüsch, und 143 Ruthen vor dem Anfange des Dorfes Brusendorf.«42 Bedingt durch Straßenbauarbeiten, Verwitterung und andere Beschädigungen musste die Säule bereits im weiteren Verlauf des 19. Jahrhunderts mehrmals instandgesetzt werden. Teilweise nutzten die Brusendorfer Bauern die aus feinkörnigem Sandstein bestehende Säule zum Schleifen ihrer Sensen und Sicheln. Aus diesen Gründen erfolgte 1880/81 eine größere Restaurierung. Gleichzeitig kam es zur Anbringung der Inschrift: »Alte Berlin-Dresdener Straße. Neuerbaut im Jahre 1881.« Diese ist heute jedoch nicht mehr lesbar. Gut 100 Jahre lang erfolgten keine Erhaltungsmaßnahmen. Die Säule verfiel zusehends und

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Links: Meilenstein bei ­Brusendorf, 1970 er-Jahre. Rechts: ­Motzener Orts­wappen mit Meilenstein.

der obere Teil stürzte 1993 vom Sockel. Nach ihrer Restaurierung wurde die Säule im Jahr 1998 wieder aufgestellt. 43 Der vierte Ganzmeilenobelisk stand am Galgenberg von Mittenwalde und wurde im Zuge des erweiterten Sandabbaus im 19. Jahrhundert entfernt. Er gilt als verschollen. Der fünfte und letzte Meilenstein auf preußischem Gebiet steht auch heute noch am Ortsausgang von Motzen in Richtung Töpchin und ist von allen am besten erhalten. Motzen hat sogar seinen Meilenstein im Ortswappen verewigt. Auch wenn die Vermessungsarbeiten um 1800 für die preußische Post eine bedeutende Weiterentwicklung darstellten, bewirkten sie keinerlei Verbesserung der Reisequalität. Häufig gab es schlechte, tief sandige und nach Regen unpassierbare Landstraßen, unhöfliche Postillione und in den Poststationen nur Notversorgungen. Vielfach konnten die Postillione die vorgegebenen Fahrzeiten nicht einhalten. Das Vermessungsprotokoll nach Baruth gibt einen guten Einblick in die Wegeverhältnisse der damaligen Zeit. Ganz in der Nähe des Dorfes Motzen sowie nur wenige Ruthen vom Fünfmeilenpfahl entfernt wird auf eine gefährliche Stelle hingewiesen: »30 Ruthen vor V (V. Pfahl) befindet sich rechts neben dem Wege ein vom Wasser ausgerissenes steil herabgehendes Loch, das den Reisenden im Finstern und bei tiefem Schnee sehr gefährlich werden kann.«44 Über die Unterhaltskosten für die Meilensteine kam es bereits in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu Unstimmigkeiten zwischen den einzelnen Behörden. In einem Brief des Generalpostamtes an die Regierung in Potsdam vom 25. Juli 1833 heißt es: »Das General-Post-Amt kann dem geehrten Schreiben

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Links: Tafel am alten Posthaus von Lieberose. Rechts: Grabstein des Postmeisters Carl Gotthold Christian Trierenberg.

Erbbegräbnisstätte der Familie Trierenberg.

vom 10.d.M., auf Ueberweisung der Kosten für die zu bewirkende Herstellung der zwischen Berlin und Mittenwalde auf der Poststraße beschädigten Post-Meilenanzeiger, nicht willfahren, einmal, weil die Postverwaltung zu der gleichen Ausgaben kein Fond besitzt und dann, weil die Aufstellung und Instandhaltung der Meilensteine eine Landes-Polizei und nicht eine Post-Sache ist.«45 Im Übrigen ist auch heute noch der Landesbetrieb für Straßenwesen für die Unterhaltung der Meilensteine verantwortlich.

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Links: Ausschnitt aus der Sotzmannkarte von 1802 zwischen Berlin und Cottbus. Rechts: Ausschnitt einer Postillionkarte zwischen Mitten­ walde und Töpchin.

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Auch auf dem Cottbuser Postweg waren die Straßenverhältnisse zur Zeit der ersten Vermessung nicht besser. Über den Zustand der Poststraße bei Lieberose heißt es: »Hinter der Liberoseschen Grenze geht ein langer Damm durch den Liberoseschen Luch, der bey nasser Witterung an einigen Stellen morastig ist. Hinter diesem Damm wird der Boden wiederum tief sandig bis zum Anfang des von der Stadt gelegten Knüppeldammes. Das jetzige Posthaus von Lieberose liegt beym Anfang der Vorstadt und die Poststraße geht durch die Stadt neben dem Markte. Das Straßenpflaster ist mittelmäßig.«46 Hier wird auf die Lage des Posthauses hingewiesen. Der Kurfürstlich-Sächsische Postmeister Karl Gotthold Christian Trierenberg (1748 –1808) hatte 1800 das Grundstück in der Vorstadt erworben und es in eine Posthalterei umgebaut. An dem 1802 vollendeten Postgebäude befindet sich noch heute eine Gedenktafel mit dem Buchstaben »T« und der Jahreszahl 1802. In der Folge haben die Trierenbergs anfangs als sächsische, später als preußische Postmeister über 100 Jahre lang das Postgeschehen in Lieberose mitgestaltet. Auf der Erbbegräbnisstätte des Lieberoser Friedhofs sind alle Postmeister beigesetzt.47 Die beschriebenen Vermessungsunterlagen bildeten ab 1840 die Grundlage für die Herstellung weiterer Postrouten und der sogenannten Postillionkarten, nach denen sich die Postillione in ihrer Streckenführung zu richten hatten.

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Zu Beginn des 19. Jahrhunderts verbesserte sich die postalische Versorgung der Bevölkerung erneut. Der Anfang einer regelmäßigen Postverbindung mit den Städten Märkisch Buchholz und Teupitz sowie die Einrichtung von Postwärterämtern in den Städten lassen sich auf das Jahr 1812 datieren.48 Ein reitender Bote beförderte nun nach Ankunft der Personenpost aus Berlin jeweils dienstags und sonnabends die Post von Königs Wusterhausen aus ins Schenkenländchen. Er verteilte auch in den am Wege liegenden Orten (Großbesten, Pätz, Groß Köris) je nach Bedarf die Postsendungen und kam »daselbst« Mittwoch- und Sonntagnachmittag zurück nach Königs Wusterhausen.49 Die Botenpost wurde nach kurzer Zeit durch eine fahrende Post abgelöst, die neben Postsendungen auch Personen beförderte. Bis 1815 waren die Postämter Mittenwalde und Königs Wusterhausen zentrale Verkehrspunkte in der Region. Besonders die Station in Mittenwalde musste neben dem planmäßigen Postkursverkehr ständig für Extra-Posten, Depeschen und Estafetten genügend Pferde vorhalten. 1812 gingen folgende Postkurse durch Mittenwalde: ein fahrender Kurs von Berlin nach Dresden (Personenverkehr), reitende Kurse von Berlin nach Dresden und Leipzig, eine Botenpost von Mittenwalde nach Zossen sowie eine Karriolpost von Mittenwalde über Teupitz nach Buchholz.50 Durch Königs Wusterhausen führten: ein fahrender Kurs von Berlin nach Cottbus (Personenverkehr) und eine reitende Post von Königs Wusterhausen über Teupitz nach Buchholz.51 Im Kurfürstentum Sachsen, zu dessen albertinischer Nebenlinie SachsenMerseburg die Niederlausitz von 1657 bis 1738 gehörte, machten die rasche wirtschaftliche Entwicklung und der erforderliche Ausbau der Verwaltung im 16 . Jahrhundert eine Verbesserung der Nachrichtenübermittlung notwendig. Kurfürst August von Sachsen (reg. 1553 –1586) erweiterte seine Hofpost mit fest angestellten, uniformierten »Postbereitern«, die regelmäßig auf festgelegten Strecken alle wichtigen Verwaltungszentren Kursachsens bereisten. Daneben gab es auch hier, ähnlich wie in Brandenburg, städtische Botenanstalten.52 Auch wenn die Hofpost nach dem Tode von Kurfürst August wieder eingeschränkt wurde, ist doch sehr wahrscheinlich, dass die reitenden Kuriere die Niederlausitz mit ihren Städten und Herrschaften weiterhin ansteuerten. Parallel dazu blühte in den Städten das Botenwesen auf. Besonders von der größten und bedeutendsten Handelsstadt Leipzig ausgehend, waren zahlreiche

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Links: Dienstbrief von (Königs) Wuster­ hausen »An den Prinzl: Oberförster Kahl zu Klein Wasserburg« vom 14. November 1780. Rechts: Postschein von Mittenwalde nach Berlin vom 19. Juni 1803.

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Links: Ein Findling in den Krausnicker Bergen erinnert an die ehemalige Grenze zwischen Sachsen und Preußen. Rechts: Poststraßen von Berlin aus in südliche Richtung, 1815.

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Boten auf festen Strecken bzw. je nach Bedarf in alle Richtungen unterwegs. Es ist wahrscheinlich, dass diese städtischen Boten in unregelmäßigen Abständen die Städte Lübben und Luckau erreichten.53 Andererseits verfügten auch die Niederlausitzer Städte bereits über Boten (Rats-, Gerichtsboten), die aber vorwiegend die nähere Umgebung mit Post, meist Dienstpost, versorgten. Die eigentliche Entwicklung des Postwesens in Kursachsen begann nach dem Dreißigjährigen Krieg. Als Geburtsstunde der sächsischen Post wird der Erlass der ersten Postordnung am 30. April 1661 angesehen. Das Postwesen wurde nun zum landesherrlichen Regal erklärt und ein staatliches Postamt geschaffen. Durch diesen Erlass erhielt die Post den Vorrang vor allen anderen Verkehrsmitteln. Die Postfahrten wurden von Geleit-, Brücken- und Fährabgaben befreit. Daneben bekam die Post das alleinige Recht auf Gebrauch des Posthorns.54 Die Handelsstadt Leipzig wurde Sitz des Oberpostamtes, dem die gesamten sächsischen Postanstalten unterstanden.55 Oberpostmeister Christoph Mühlbach, der dieses Amt wie seine Nachfolger bis 1712 zur Pacht bezog, richtete bereits in den 1650er-Jahren in seiner Funktion als Leipziger Postmeister Postkurse nach Hamburg, Frankfurt am Main und über Dresden nach Prag ein. Die dünn besiedelte Niederlausitz, die vom Kurstaat abgetrennt war, blieb davon ausgeschlossen. Bis 1690 gab es hier weder Postämter noch Postkurse.56 Selbst in der »Post- und Tax-Ordnung des Churf. Johann Georg des IV. zu Sachsen« vom 19. Mai 1693 finden keine Orte der Niederlausitz Erwähnung.57 Immerhin hatte doch der reformfreudige Merseburger Herzog Christian I. bereits in diesem Jahr durch die Oberamtsregierung von Lübben veranlasst, zur weiteren Entwicklung der Niederlausitz eine erste herzogliche Landkutschenlinie von Lübben nach Leipzig einzurichten. Schon am 9. September 1689 teilte

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er der Oberamtsregierung mit, dass die Einrichtung einer fahrenden Post von Lübben über Calau, Doberlug, Torgau und Eilenburg nach Leipzig notwendig sei. Dort habe die Landkutsche Anschluss zur Residenzstadt Merseburg. Gleichzeitig sollte die Oberamtsregierung mit den Ständen und der Landeshauptmannschaft über die spätere Weiterführung nach Frankfurt (Oder) und durch Schlesien nach Breslau beraten. Zur Unterstützung der Linie – besonders in der Anfangszeit – bat der Herzog um eine finanzielle Beteiligung der Stände an dem Projekt. Diese hielten sich allerdings vorerst mit Zusagen zurück und wollten abwarten, wie der Postkurs eingerichtet würde und auf welche Summe sich letztendlich die tatsächlichen Unkosten beliefen. Da sich der Herzog der Zwecklosigkeit weiterer Verhandlungen mit den Ständen bewusst war, verfügte er schließlich im September 1690 die Einrichtung einer Landkutschenverbindung.58 Sie sollte wöchentlich Montagfrüh von Lübben abgehen und Mittwoch gegen Mittag in Leipzig eintreffen. Das erste Mal verkehrte sie zur Michaelismesse in Leipzig, am 29. September.59 Die Aufgaben zur Beförderung der Landkutsche und zugleich des Postmeisters übertrug der Herzog dem Lübbener Johann Seltenreich. Finanzielle Unterstützung erhielt er vom Amt Lübben, das sich mit einer Beihilfe von 100 Gulden jährlich an den Unterhaltungskosten der Linie beteiligte. Zudem gewährte ihm das Amt 50 Scheffel Hafer. Verbunden mit der Genehmigung zur Einrichtung der Landkutsche erhielt Seltenreich die Aufgabe, die amtlichen Schreiben unentgeltlich zu befördern.60 Regierungsbzw. Verwaltungsstellen und privaten Personen blieb es allerdings selbst überlassen, ihre Post durch eigene Boten zustellen zu lassen.61 Tarife Johann Seltenreichs zur Beförderung von Personen und Briefen von Lübben nach Leipzig62 Personengeld: 1 Taler und 2 Groschen Trinkgeld für den Kutscher Brief: 1 Groschen Supplikation63: 2 Groschen Remedio Supplicationis (wenn ein Oberamtsbericht beigefügt ist)64: 4 Groschen Kleines Paket Akten: 3 Groschen Größeres Paket Akten: 4 Groschen Großes Paket Akten: 5 bis 6 Groschen Die Stände für eine finanzielle Beteiligung an der Landkutschenverbindung zu gewinnen, gestaltete sich weiterhin schwierig. Auf ihrem Landtag im Januar 1691 berieten sie über den Wunsch des Herzogs, sich mit etwa 60 Talern jährlich zu beteiligen. Allerdings sahen gerade die Ständevertreter aus Guben oder Pförten keinen Vorteil für ihr Gebiet durch diese Verbindung. Sie schlugen einen Zuschuss von höchstens 50 Talern vor. Gegen den Willen des Herzogs forderten sie den Betrieb einer eigenen Strecke von Sagan über Sorau, Guben

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und Lieberose nach Lübben. Letztendlich konnten in dieser Frage beide Parteien einen Kompromiss finden: Als Gegenleistung für eine jährliche Zahlung von 50 Talern durch die Stände verpflichtete sich der Herzog, zukünftig die Landkutsche durch das ganze Markgraftum Niederlausitz fahren zu lassen.65 Knapp ein Jahr nach Einführung der Verbindung Leipzig-Lübben zeigten sich erste wirtschaftliche Probleme. Bereits im Herbst 1691 erklärte Johann Seltenreich, dass er die vorhandene Strecke Lübben-Leipzig nicht länger behalten könne.66 Deshalb bat Herzog Christian I. das Leipziger Oberpostamt um eine finanzielle Beteiligung an der Teilstrecke von Torgau nach Leipzig. Nach Ansicht des Oberpostamtes war jedoch eine rentable Betreibung der Postlinien in der Niederlausitz nicht möglich. Infolgedessen gab Johann Seltenreich sein Unternehmen auf.67 Herzog Christian I. verstarb währenddessen im Oktober 1691. Um einen geeigneten Nachfolger für Seltenreich zu finden, erhöhten die Stände im Jahr 1692 ihre Kostenbeteiligung und bewilligten Herzog Christian II. schließlich 100 Taler jährlich. In diesem Zusammenhang nahm die geforderte Landkutsche Lübben-Sorau ihre Verbindung auf.68 Sie führte über Radensdorf, Caminchen, Waldow, Lamsfeld, Lieberose und Guben. Der Herzberger Seifensieder Johann Lichtenberger übernahm Anfang des Jahres 1692 die Landkutschenverbindung. Allerdings liefen schon nach kurzer Zeit viele Beschwerden ein. So soll Lichtenberger die Taxe nicht eingehalten, Briefe liegengelassen oder Reisende beschimpft haben. Am 3. August 1694 erging schließlich vom Herzog aus Merseburg die Anweisung, die Landkutschenverbindung George Nitzschner aus Kirchhain zu übertragen. Doch dieser trat von seinem Angebot zurück. Nicht belegt ist, wer die Verbindung dann übernahm. Vielfach ist von einem unbekannten Doberluger Gastwirt die Rede.69 Nachdem kurz nacheinander im Jahr 1691 Herzog Christian I. und im Jahr 1694 sein Sohn, Herzog Christian II., verstarben, erhielt der sächsische Kurfürst Friedrich August I. die Vormundschaft über die unmündigen Söhne von Christian II.70 Im Zuge dessen verlor Merseburg seinen Status als Residenz. Die Landkutschenverbindung LübbenLeipzig, von wo aus ein Anschluss nach Merseburg bestand, wurde hinfällig und eingestellt.71 Zugunsten Dresdens, der Residenz August des Starken, wurde ab dem 10. Mai 1695 die Landkutschenverbindung von Dresden über Großenhain, Elsterwerda, Sonnewalde und Luckau nach Lübben geschaffen. Sie führte im Jahr 1698 von Lübben weiter über die sächsisch-brandenburgische Grenze nach Berlin über Groß Lubolz, Märkisch Buchholz, Königs Wusterhausen und Waltersdorf.72 Der Großenhainer Johann Michael Finger übernahm hier die Aufgabe des Postmeisters. Auch er wurde von den Ständen der Niederlausitz finanziell unterstützt. Sprachen sie ihm jedoch anfangs noch einen jährlichen Zuschuss von 120 Talern zu, so verringerte sich diese Unterstützung im Jahr 1707 auf nur noch 80 Taler.73 Wann die Landkutschenverbindung von Dresden nach Lübben aufgegeben wurde, ist nicht mehr nachweisbar.74 Da diese Strecke in direkter Konkurrenz zu der im Jahr 1702 eingerichteten staatlichen Fahrpost

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Sächsische Karte mit Poststraßen, um 1704.

stand, war sie schon bald nicht mehr rentabel. Für die Zeit nach 1710 finden sich keine Nachweise mehr über die Nutzung der Verbindung Dresden–Lübben. Obwohl die vorhandenen Landkutschenverbindungen erste verbesserte Möglichkeiten zur Postbeförderung boten, konnten sie die Rückständigkeit des Postwesens in der Niederlausitz gegenüber den übrigen kursächsischen Gebieten nicht beseitigen. Erst mit Beginn des 18. Jahrhunderts sollten sich die Verhältnisse ändern. Nachdem unter den Oberpostmeistern Johann Jacob Kees Vater und Sohn im Zeitraum von 1691 bis 1712 zahlreiche vorwiegend inländische Postverbindungen geschaffen worden waren, erreichten diese nun auch die Niederlausitz.75 Zeigte sich das Leipziger Oberpostamt anfänglich noch ablehnend gegenüber dem Herzog von Sachsen-Merseburg über die Einrichtung einer fahrenden Post von Leipzig in die Niederlausitz, so änderte sich diese Meinung schon bald. Trotz anfänglicher Schwierigkeiten bewiesen die

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Links: ­Sächsiche Post­uniform. Rechts: Preußische Post­uniform.

bereits bestehenden Landkutschenverbindungen, dass ein wirtschaftlicher und gewinnbringender Betrieb durchaus möglich war.76 Mit der Übernahme der Vormundschaft über die sachsen-merseburgischen Prinzen war auch die Zeit zur Übernahme der Postgeschäfte günstig.77 Ausgehend von Leipzig führte ein erster offizieller Postkurs ab dem 10. November 1700 über Eilenburg, Torgau, Herzberg, Hohenbucko, Luckau, Lübben, Lieberose, Guben, Pförten bis Sorau. In den Städten mussten dafür die Voraussetzungen geschaffen werden. So waren Postämter einschließlich Stationen für den Pferdewechsel einzurichten.78 Das Leipziger Oberpostamt veranlasste in Luckau die Einrichtung eines kurfürstlichen Postamtes und ernannte den Luckauer Bürger Johann Georg Müller zum Postmeister.79 In Lübben wurde die Post am Markt angesiedelt und Christian Seltenreich, Sohn des Johann Seltenreich, als kurfürstlicher Postmeister angestellt.80 Da durch das sächsische Lieberose bereits ab 1698 der brandenburgische Postkurs von Berlin nach Cottbus führte, gab es dort schon zu diesem Zeitpunkt eine Poststation. Sie wurde anfangs vom Posthalter Johann Lehmann geführt und diente später (ab 1705) unter dem sächsischen und preußischen Postmeister George Junge als Grenzpostamt.81 Nachdem diese wöchentlich zweimal verkehrende »geschwinde Post« von Leipzig aus durch das sächsische Oberpostamt eingerichtet worden war, protestierte die Niederlausitzer Ständeversammlung dagegen. Sie forderte, ähnlich wie es den Ständen der Oberlausitz mit der Einrichtung eines selbstständigen Oberpostamtes in Bautzen gelungen war, die Schaffung einer eigenen Post-

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