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25 Jahre Universität Potsdam Rückblicke und Perspektiven Herausgegeben von Manfred Görtemaker
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Bibliografische Informationen der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar. Alle Rechte vorbehalten. Dieses Werk, einschließlich aller seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen, Verfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung auf DVDs, CD-ROMs, CDs, Videos, in weiteren elektronischen Systemen sowie für Internet-Plattformen. © be.bra wissenschaft verlag GmbH Berlin-Brandenburg, 2016 KulturBrauerei Haus 2 Schönhauser Allee 37, 10435 Berlin post@bebra-wissenschaft.de Lektorat: Leonie Kayser & Matthias Zimmermann, Berlin Umschlag und Satz: typegerecht, Berlin Schrift: Scala Sans 9,5/13 pt Druck und Bindung: Finidr, Cˇeský Teˇšín ISBN 978-3-95410-071-2 www.bebra-wissenschaft.de
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Inhalt
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Einleitung Rolf Mitzner
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Neubeginn an historischem Ort Ulrich Herrmann
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Lernprozesse im Gründungssenat Rolf Grawert
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Jurisprudenz in Potsdam – eine Gründungsgeschichte Manfred Görtemaker
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Das Problem der personellen Kontinuität: Belastung oder Chance? Irina Stange
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Die »Juristische Hochschule Potsdam« des Ministeriums für Staatssicherheit in Golm Ingo Sommer
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Die Architektur der Universität Potsdam. Von Schlössern, Kasernen und NS-Gebäuden Oliver Günther
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25 Jahre Universität Potsdam. Wo stehen wir – und wo wollen wir hin?
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Die Autoren Abbildungsnachweis
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Einleitung
Als vor 15 Jahren die Festschrift zum zehnjährigen Bestehen der Universität Potsdam erschien, lautete einer der ersten Sätze: »Wenn es die Universität Potsdam nicht gäbe, man müsste sie erfinden.« An dieser Feststellung hat sich bis heute nichts geändert. Aber damals war die Zukunft der Universität noch ungewiss. Die schwierige finanzielle Lage des Landes ließ eine angemessene Ausstattung nicht zu. Und die Diskussion über eine Fusion der Bundesländer Berlin und Brandenburg war noch in vollem Gang. Zwar hatten die Brandenburger in einem Referendum 1996 eine Vereinigung mit Berlin mehrheitlich abgelehnt. Doch der Plan war nicht vom Tisch. Wäre er verwirklicht worden, würde es die Universität Potsdam in ihrer heutigen Form wohl nicht mehr geben. Eine Verschmelzung der Brandenburger Wissenschaftseinrichtungen mit ihren Berliner Partnerinstitutionen hätte vermutlich zur Zusammenlegung der Universität Potsdam mit der nahe gelegenen Freien Universität im Südwesten Berlins geführt, um, wie es gerne heißt, »Doppelstrukturen zu vermeiden und Synergieeffekte zu erzielen«. Heute spricht davon niemand mehr. Die Universität Potsdam hat sich in der deutschen und internationalen Wissenschaftslandschaft etabliert und ist daraus nicht mehr wegzudenken. Das ist vor allem ein Ergebnis erfolgreicher Arbeit in Lehre und Forschung und des beharrlichen Engagements von Universitätsleitung und -verwaltung. Im bundesweiten Ranking der Lehre belegt die Universität Potsdam regelmäßig
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einen Spitzenplatz. In der Forschung hat das Zusammenspiel zwischen Universität und mehr als 40 außeruniversitären Einrichtungen Maßstäbe gesetzt. Schwerpunkte der Forschung sind unter anderem die Erdwissenschaften, die Funktionelle Ökologie und Evolutionsforschung, die Kognitionswissenschaften sowie die Pflanzengenomforschung und Systembiologie. Aber auch mit der School of Jewish Theology und der Beteiligung am Zentrum Jüdische Studien BerlinBrandenburg macht Potsdam weit über die Grenzen Brandenburgs hinaus von sich reden. Das Jubiläum des 25-jährigen Bestehens der Universität ist allerdings noch kein Anlass, ihre »Geschichte« zu schreiben. Dazu sind der Zeitraum, der behandelt werden müsste, zu kurz, und der historische Abstand, der nötig ist, um Entwicklungen beurteilen und einordnen zu können, zu gering. Der vorliegende Band erhebt deshalb nicht den Anspruch, ein umfassendes Bild zu zeichnen, sondern nimmt in den Blick, was besonders aktuell und wichtig erscheint. Der erste Schwerpunkt ergibt sich aus Diskussionen über ein Thema, das häufig angesprochen, aber nie wirklich umfassend erörtert wurde und über das manche bis heute lieber den Mantel des Schweigens decken würden: die Vergangenheit der Universität. Immer wieder wurde dabei in der Öffentlichkeit der Vorwurf laut, die Universität verweigere sich angesichts ihrer problematischen Vorgängereinrichtungen – der Pädagogischen Hochschule »Karl Liebknecht« am Neuen Palais, der Akademie für Staats- und Rechts-
Blick durch die Kolonnade auf das Südcommun, 2015.
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wissenschaft der DDR in Babelsberg-Griebnitzsee und der sogenannten »Juristischen Hochschule Potsdam« des Ministeriums für Staatssicherheit in Golm – einer Beschäftigung mit ihrer eigenen Geschichte. Gleich mehrere Beiträge dieses Bandes befassen sich deshalb mit diesem Thema: Der Gründungsrektor Rolf Mitzner beschreibt den »Neubeginn an historischem Ort« und geht dabei vor allem auf die Entwicklung von der Brandenburgischen Landeshochschule zur Universität ein. Ulrich Herrmann, seinerzeit Professor für Allgemeine und Historische Pädagogik an der Universität Tübingen und Mitglied des Gründungssenats der Universität Potsdam, beschäftigt sich danach mit den »Lernprozessen«, die sich aus dem Aufeinandertreffen von Kolleginnen und Kollegen aus Ost und West nach der Wiedervereinigung Deutschlands ergaben. Der Gründungsdekan der Juristischen Fakultät, Rolf Grawert, damals Lehrstuhlinhaber für Öffentliches Recht an der Ruhr-Universität Bochum, erinnert an die Einrichtung der »Jurisprudenz in Potsdam«. Irina Stange, Mitarbeiterin des Instituts für Zeitgeschichte in München-Berlin, zeichnet die Geschichte der sogenannten »Juristischen Hochschule« des Ministeriums für Staatssicherheit, also der Stasi-Hochschule in Golm, nach. Ich selbst untersuche das Problem der »personellen Kontinuität« von den Vorgängereinrichtungen zur Universität und frage, inwieweit diese Kontinuität als »Belastung oder Chance« wirkte. Der zweite Schwerpunkt des Bandes betrifft die Architektur der Universität. Ingo Sommer, der nach einem Architektur- und Stadtbaustudium an der Technischen Universität Berlin in verschiedenen Berliner Architekturbüros und Baubehörden tätig war, ehe er 1973 zum Leiter des Hochbauamtes Wilhelmshaven ernannt wurde, ist nach Promotion und Habilitation heute Honorarprofessor für Architekturgeschichte an der Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg. In seinem Beitrag entwirft er ein Porträt der drei Standorte der Universität in Golm, Griebnitzsee und am Neuen Palais. Er beschreibt die Architektur der wichtigsten Gebäude und bettet diese sowohl in 8
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die allgemeine Geschichte als auch in die Architekturgeschichte ein. Der dritte Schwerpunkt gilt schließlich der weiteren Entwicklung der Universität und ihren Chancen, Aufgaben und Herausforderungen in der Zukunft. Ihr gegenwärtiger Präsident, Oliver Günther, begründet in seinem Beitrag zunächst den Nutzen, den Universitäten für die Gesellschaft und die Kultur, aber auch für die Zukunftsfähigkeit eines Landes, deren Wirtschaft und Wohlstand, besitzen. Für die Universität Potsdam folgen daraus sowohl kritische Bemerkungen zum Problem der chronischen Unterfinanzierung als auch Überlegungen zu möglichen Perspektiven in Forschung und Lehre bis zum Jahr 2030. Wie wird diese Zukunft aussehen? Mit etwa 20 000 Studierenden und einem breiten Fächerspektrum soll die Universität auch zukünftig ein intellektueller Kristallisationspunkt und ein Ort des geistigen und kulturellen Austausches sein. Um die Lehr- und Studienbedingungen zu verbessern, sind räumliche Veränderungen und Erweiterungen vorgesehen: eine Umstrukturierung des Campus Am Neuen Palais und weitere Baumaßnahmen in Golm, am Griebnitzsee und in Potsdam-Rehbrücke. Die Universität soll – in enger Zusammenarbeit mit den außeruniversitären Zentren – weithin sichtbare Spitzenforschung betreiben und mit einer »Internationalisierungsstrategie« noch stärker als bisher in der internationalen Wissenschaftslandschaft verankert werden, um weiter an Attraktivität zu gewinnen. Angesichts der schwierigen finanziellen Rahmenbedingungen in Brandenburg wird jedoch auch die Option einer Umwandlung in eine Stiftungsuniversität geprüft, um eine bessere finanzielle Ausstattung und einen Zuwachs an Hochschulautonomie zu erreichen. Das Programm, das sich die Universität für die kommenden Jahrzehnte vorgenommen hat, ist also nicht weniger ambitioniert als das, was in den vergangenen 25 Jahren bereits geleistet wurde. Damit bestätigt sich einmal mehr, dass die Errichtung einer Universität nicht im Laufe einer Generation bewäl-
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Die beiden Communs am Neuen Palais, 2015.
tigt werden kann, sondern auf lange Frist angelegt ist. Die Gründergeneration der Universität Potsdam tritt jetzt ab oder hat die Universität bereits verlassen. Die Strukturen, die von ihr erst geschaffen werden mussten, gelten inzwischen als selbstverständlich. Die Aufgaben, die auf die neue Generation warten, sind deshalb nicht geringer zu bewerten oder weniger bedeutend – nur anders. Dass es gelingen möge, die Chancen zu nutzen, die sich in der Wissenschaftslandschaft Berlin-Potsdam heute bieten, um die Zukunft in bestem Sinne zu gestalten, ist der Wunsch, der sicherlich alle Mitglieder der Universität eint. * Mein Dank für ihre Unterstützung bei der Herausgabe dieses Bandes gilt in erster Linie den Mitarbeiterinnen an meiner Professur für Neuere Geschichte, Dr. Kris-
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tina Hübener und Leonie Kayser. Sie haben umsichtig und kompetent die Texte redigiert und für die Druckfassung vorbereitet. Ferner danke ich Karla Fritze und Matthias Zimmermann vom Referat für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit für ihre Hilfe bei der Bildbeschaffung und bei der redaktionellen Betreuung des Bandes. Herzlich gedankt sei ebenfalls den Autoren des Bandes, die sich bei der Überarbeitung ihrer Beiträge, auch bei notwendigen Kürzungen und Änderungen, überaus konstruktiv und hilfsbereit zeigten. Mein Dank gilt schließlich der Universität Potsdam, vertreten durch ihren Präsidenten Oliver Günther, für die großzügige ideelle und finanzielle Förderung, ohne die dieser Band nicht hätte erscheinen können.
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Neubeginn an historischem Ort
Am 15. Juli 1991 wurde die Universität Potsdam gegründet. Gründungsrektor und Gründungssenat wurden auf der Grundlage des Brandenburgischen Hochschulgesetzes vom 24. Juni 1991 durch Verordnung des Ministers für Wissenschaft, Forschung und Kultur, Hinrich Enderlein, mit Wirkung vom 4. Juli 1991 bestellt. Allerdings war es keine Neugründung auf der »grünen Wiese«, sondern ein Neubeginn an historischem Ort – in historischen Gebäuden und mit Vorgängereinrichtungen, die zumindest teilweise in die neuen Strukturen der Universität integriert werden mussten. Formal ging die Universität Potsdam aus der Brandenburgischen Landeshochschule (BLH) hervor, die seit 1948 hier bestanden hatte. Sie war 1951 in Pädagogische Hochschule umbenannt worden und führte seit Oktober 1990 wieder ihren ursprünglichen Namen. Tatsächlich jedoch gab es ein kompliziertes Geflecht mehrerer Vorgängerinstitutionen, von denen – in unterschiedlichem Maße – Gebäude, wissenschaftliches und nichtwissenschaftliches Personal sowie technische Ausstattung, aber auch bestimmte Milieus, die sich in den vorangegangenen Jahrzehnten hier gebildet hatten, übernommen wurden. Zu den Einrichtungen, die in die Universität Potsdam überführt wurden, zählte in erster Linie die Pädagogische Hochschule am Neuen Palais. Sie hatte 1971 den Namen »Karl Liebknecht« erhalten und ging nun mit fast 900 Beschäftigten, darunter 39 Professoren und 22 Dozenten sowie 420 wissenschaftliche
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Mitarbeiter, Assistenten und Oberassistenten, in der Universität Potsdam auf. Liegenschaften, Personal und technische Ausstattung der neuen Universität kamen jedoch auch aus der abgewickelten »Juristischen Hochschule Potsdam« des Ministeriums für Staatssicherheit in Golm sowie aus der Babelsberger Akademie für Staats- und Rechtswissenschaft der DDR, die bis 1971 den Namen »Walter Ulbricht« getragen hatte und 1990 in »Hochschule für Recht und Verwaltung« umbenannt worden war. Aus der »Sektion Rechtswissenschaft« dieser Hochschule, die am 1. Januar 1991 in die Landeshochschule überführt wurde, ging die Juristische Fakultät der Universität Potsdam hervor. Standorte, Struktur und Aufgaben der Universität Potsdam wurden somit durch komplexe Faktoren bestimmt, von denen einige einen Vorteil und sogar ein bedeutendes »Startkapital« für die Neugründung darstellten, während andere die notwendige Erneuerung – besonders im personellen Bereich – erschwerten. Die politischen Rahmenbedingungen wurden vor allem durch den Zusammenbruch der DDR geprägt. Die Ablösung des sozialistischen Systems bedeutete nicht nur den Übergang von einer Diktatur zu einer liberalen politischen Ordnung sowie zur Marktwirtschaft, sondern auch die Befreiung der Kultur und Wissenschaft von parteipolitischer Bevormundung und Kontrolle. Dieser Umbruch schuf Bedingungen, die auch von der neuen Universität und den in ihr vertretenen Fächern nicht ignoriert werden konnten.
Pädagogische Hochschule Potsdam, 1960er Jahre.
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Links: Kriegszerstörungen am Südcommun, um 1950. Rechts: Studierende bei Enttrümmerungsarbeiten, um 1950.
Niemand kann einfach aus der eigenen Geschichte aussteigen. Dies galt auch für die neue Potsdamer Universität in ihrem historischen Umfeld.
Die Brandenburgische Landeshochschule
Prof. Dr. Arthur Baum garten, 1948–51 erster Rektor der Brandenburgi schen Landeshochschule.
Am 19. März 1948 wurde durch den Befehl Nr. 45 der Sowjetischen Militäradministration (SMAD) die »Brandenburgische Landeshochschule« gegründet. Damit wurde dem Umstand Rechnung getragen, dass Brandenburg bis dahin als einziges ostdeutsches Land noch nicht über eine universitäre Einrichtung zur Ausbildung von Lehrern und Wissenschaftlern verfügte. Die traditionellen preußischen Universitäten – Königsberg, Breslau, Halle, Bonn und Göttingen – lagen nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges und der folgenden Neustrukturierung Deutschlands außerhalb der Landesgrenzen Brandenburgs. Berlin besaß einen besonderen politischen Status. Außerdem reichten die Kapazitäten dort nicht aus, um eine zusätzliche Lehrerausbildung für Brandenburg über12
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nehmen zu können. Schon seit Anfang 1946 hatte es daher Überlegungen gegeben, in Potsdam eine neue Hochschule zu errichten, deren Schwerpunkt die Ausbildung zum Lehramt sein sollte. Die ersten Schritte zur Einrichtung der Brandenburgischen Landeshochschule, die zunächst weder über geeignete Gebäude noch über Räume verfügte, wurden bis zum Oktober 1948 unter der Leitung von Prof. P. S. Oreschkow in den Räumen der Communs des Neuen Palais unternommen. Oreschkow gehörte der »Verwaltung der SMAD für die Provinz/das Land Brandenburg« an und leitete dort – im Rang eines Majors – die Abteilung Volksbildung. Kurz zuvor war von ihm im Ost-Berliner Verlag Volk und Wissen das Buch Die Grundlagen der sowjetischen Didaktik erschienen – ein schmales Bändchen von 40 Seiten, in dem er darlegte, wie an den neuen Bildungseinrichtungen der Sowjetischen Besatzungszone unterrichtet werden sollte. Zum ersten Rektor der Brandenburgischen Landeshochschule wurde der aus dem Exil zurückgekehrte Prof. Dr. Arthur Baumgarten ernannt. Die Festveranstaltung zur Eröffnung der neuen Hoch-
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schule und zur Feier der ersten Immatrikulationen fand am 20. Oktober 1948 im Kleinen Theater (heute Schlosstheater) des Neuen Palais statt, nachdem das erste Studienjahr schon Anfang September mit 159 Studierenden begonnen hatte. Die meisten Studenten wurden, wie es der Aufgabenschwerpunkt der Hochschule verlangte, für eine spätere Tätigkeit als Lehrer ausgebildet. In den naturwissenschaftlichen Fächern Physik, Chemie, Biologie, Geografie und Mathematik sowie in einigen geisteswissenschaftlichen Disziplinen war aber auch ein Diplomabschluss möglich. Die Professoren, die den Aufbau der Lehre organisierten, besaßen häufig einen antifaschistischen Hintergrund, der oft mit kommunistischen Neigungen aus den 1930er Jahren einherging. Ihre fachliche Qualifikation und Erfahrung waren unterschiedlich; ein Mindestniveau wurde in der Regel jedoch nicht unterschritten. Neben den Communs diente der Kaiserliche Marstall als Seminar- und Vorlesungsgebäude; in seiner Reithalle wurde eigens eine Zwischendecke eingebaut, um sie als Auditorium maximum nutzen zu können. Später kamen noch ei-
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nige Häuser im Park Sanssouci hinzu, vor allem die Villa Liegnitz nahe dem Parkeingang »Am Grünen Gitter« und die Gebäude am Botanischen Garten, in denen sich die Biologie etablierte. Bis 1951 waren die notwendigsten Voraussetzungen für ein Hochschulstudium geschaffen. Weitere Professoren wurden berufen, der wissenschaftliche und technische Mitarbeiterstab erweitert. Hörsäle, Bibliotheken und Praktikumsräume wurden ausgebaut oder neu errichtet. Das erste große Bauvorhaben war der Wiederaufbau des Südcommun, der 1945 vollständig ausgebrannt war. Danach wurden hier die Institute für Chemie und Physik untergebracht. Auch das Botanische Institut in der Maulbeerallee erhielt einen Neubau.
Links: Studierende bei einer Feuerlöschübung, 1950er Jahre. Rechts: Gewächshaus und Gebäude am Botanischen Garten, 1960er Jahre.
Umbenennung in »Pädagogische Hochschule« Das Jahr 1951 war an den Hochschulen der DDR durch eine Verstärkung des Einflusses der SED gekennzeichnet. Für alle Studierenden wurde als Folge der auf 13
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Lehramtsstudierende an der Pädagogischen Hochschule.
dem III. Parteitag der SED beschlossenen »Generallinie zur Kulturrevolution« das obligatorische Grundstudium des Marxismus-Leninismus eingeführt. Zugleich wurde die Brandenburgische Landeshochschule in »Pädagogische Hochschule Potsdam« (PH Potsdam) umbenannt und erhielt mit Prof. Dr. Arno Müller einen neuen Rektor. Die Umbenennung sollte den Lehrauftrag verdeutlichen und, wie es in der Präambel des Statuts der PH Potsdam vom 1. Oktober 1953 hieß, »hochqualifizierte Lehrer für die Oberstufe der allgemeinbildenden Schulen« ausbilden, »die die Methoden der fortgeschrittenen Wissenschaft beherrschen, umfassende Fachkenntnisse besitzen, der Sache des Aufbaus der sozialistischen Gesellschaft treu ergeben und bereit sind, unermüdlich für ein einheitliches, unabhängiges demokratisches Deutschland zu kämpfen«. Nicht zuletzt sollte dadurch auch der häufige Wechsel vom Lehramts- zum Diplomstudium eingeschränkt werden. Die Pädagogische Hochschule behielt zwar das Recht, Diplomabschlüsse zu ver14
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leihen, die Zahl der Diplomstudenten wurde jedoch durch administrative Maßnahmen erheblich gesenkt. In gewisser Weise war diese Zeit aber auch eine Konsolidierungsphase für die Hochschule. Ihr wurde das allgemeine Promotions- und Habilitationsrecht verliehen, und es wurden Fakultätsräte gebildet, die für die weitere Entwicklung eine wichtige Rolle übernehmen sollten. Die Pädagogische Hochschule Potsdam entwickelte sich nun zur größten Lehrerbildungseinrichtung der DDR, die gegenüber den kleineren Pädagogischen Hochschulen eine Leitfunktion einnahm und auch bei der Ausarbeitung der Lehrpläne für den Unterricht an den Schulen mitwirkte. Das Professorenkollegium und der Mitarbeiterstamm wurden ausgebaut, und durch den Neubau weiterer Institutsgebäude für die Physik, Teile der Chemie, der Sportwissenschaft sowie der Botanik gelang es, die räumliche Situation erheblich zu verbessern. Der Bau der Berliner Mauer am 13. August 1961 führte dann zu wesentlichen Einschnitten in die wis-
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senschaftliche Arbeit und zu einer drastischen Verschlechterung des Klimas innerhalb der Hochschule. Die endgültige Schließung der Sektorengrenze beendete nicht nur die noch bestehenden Kontakte zu Kollegen in der Bundesrepublik, sondern erhöhte auch den Einfluss der Partei und den politischen Druck auf die Lehranstalt. Diese Veränderungen wurden schließlich in der 3. Hochschulreform fixiert, deren Kernpunkt die Einrichtung sogenannter »Sektionen« war, die von ernannten Direktoren geleitet wurden und das Ende der oft noch bestehenden kollegialen Leitung der Institute bedeutete. Die Rolle der Fakultätsräte wurde nun auf die Durchführung der Qualifizierungsverfahren eingeengt, bei denen die Wahrung der Qualität immer wieder gegen politische Vorgaben verteidigt werden musste. Trotz aller politischen Bevormundung, die es auch hier gab, gehörten die Fakultätsräte, in denen alle Hochschullehrer vertreten waren, zu den wenigen Stätten, in denen noch ein relativ freimütiger Ge-
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dankenaustausch stattfinden konnte. Erst durch den Studenten- und Dozentenaustausch, der seit 1962 durch den Abschluss von Kooperationsverträgen mit ausländischen Hochschulen ermöglicht wurde, ergaben sich neue Möglichkeiten für den Austausch und die Diskussion fachlicher Belange über die engen DDR-Grenzen hinweg. Zwar bezogen sich die Kooperationen nur auf Hochschulen innerhalb des sozialistischen Lagers, wie Leningrad, Minsk, Prag, Zielona Gora oder Hanoi. Aber sie wurden über die Jahre hinweg gepflegt und verbessert und erweiterten den Horizont der beteiligten Fächer und Personen in erheblichem Maße. Von 1953 bis 1979 wurde von der Pädagogischen Hochschule Potsdam ebenfalls ein Fernstudium für Lehrer konzipiert und durchgeführt. In Potsdam und einigen Außenstellen wurden in Konsultationen mithilfe von Lehrbriefen und in Ferienkursen auf der Grundlage der Studienpläne für das Präsenzstudium Lehrer für ihren Beruf qualifiziert. Mehr als 12 000
Umzug von Mitarbeitern der Pädagogischen Hochschule, 1960er Jahre.
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Studierende auf dem Hoch schulcampus, 1960er Jahre.
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Vorlesung, 1950er Jahre.
nicht oder nur teilausgebildete Lehrer durchliefen diese Ausbildungsform. Da ab 1969 eine ausreichende Zahl an Lehrern zur Verfügung stand, wurde das Fernstudium allmählich zu einem obligatorischen Kurssystem zur Weiterbildung umgestaltet. 1979 wurde das Fernstudienkonzept schließlich ganz eingestellt und durch das Weiterbildungsprogramm ersetzt. Seit 1982 wurde der Status der Hochschule durch ein um ein Jahr verlängertes, fünfjähriges Lehramtsstudium bestimmt, wobei die Verlängerung auf einen Beschluss des X. Parteitages der SED von 1981 zurückging, für eine intensivere praxisorientierte Ausbildung zu sorgen. Die Studenten wurden nun in ihrem fünften Studienjahr bereits in ihre späteren Wirkungsstätten eingeführt und konnten somit vor Ort erste Erfahrungen sammeln. Eine positive Nebenwirkung der Erweiterung war die Gleichstellung des Lehramtsstudiums mit den Diplomstudiengängen, die aufgrund der darin enthaltenen Praktika schon immer praxis orientiert gewesen waren.
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Im Laufe der Jahre setzte sich dadurch an der Pädagogischen Hochschule eine »universitätsähnliche Struktur« durch, die ihre Ursprünge schon in der Gründungszeit hatte. Neben der Lehramtsausbildung gab es noch die Diplomstudiengänge für die Forschung und die Wirtschaft, sodass es in den Fakultäten in den wichtigsten Fachrichtungen immer wieder zu Fachdiplomabschlüssen kam. Die einzelnen Fakultäten setzten sich aus den jeweiligen Fachbereichen und den dazugehörigen Bereichen für Methodik und Didaktik zusammen. Ergänzt wurde dieser strukturelle Aufbau durch die selbstständigen Bereiche des Instituts für Pädagogik und des Instituts für Marxismus-Leninismus, die zwar obligatorische Ausbildungsabschnitte darstellten, aber die jeweilige Ausbildung nur ergänzten. Ein Abschluss war in diesen beiden Fächern somit nicht möglich. Die Tatsache, dass diese »universitäre« Struktur erhalten blieb, ist in erster Linie dem jahrelangen Bemühen der an die Brandenburgische Landeshoch17
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schule berufenen Professoren zu verdanken. So verwundert es auch nicht, dass der größte Teil der Diplomarbeiten, Dissertationen und Habilitationen, die in der Verantwortung der entsprechenden Fakultäten lagen, einen fachwissenschaftlichen Charakter trug. Den Rahmen dafür bildete die Teilnahme der einzelnen Fachbereiche und Institute an der zentral organisierten Forschung. Da diese in »Hauptforschungsrichtungen« gegliedert war, konnte hier in enger Kooperation mit den Universitäten, den Instituten der Akademie der Wissenschaften und fachspezifisch auch mit der Industrie geforscht werden. Vor allem mit den Akademie-Instituten im Potsdamer Raum bestand dabei eine gute und enge Zusammenarbeit, die sich in der Beteiligung an der Lehre, der Durchführung von Qualifizierungsverfahren und der Einstellung von Absolventen niederschlug.
Der Umbruch 1989 Trotz der zahlreichen Baumaßnahmen, die seit Ende der 1940er Jahre für die Brandenburgische Landeshochschule und die Pädagogische Hochschule durchgeführt worden waren, herrschte auch in den 1980er Jahren immer noch Raummangel. Die Bedingungen der Lehre an der Pädagogischen Hochschule wurden zusätzlich durch Versorgungsengpässe mit Lehrmaterialien und technischem Gerät erschwert. Die vorhandene technische Ausstattung war zumeist veraltet; international anerkannte Technik zu erhalten, war so gut wie unmöglich. Gerade die Kooperation mit der Industrie ließ erkennen, in welchem Maße es an Investitionen mangelte. Hier wurde der immense Widerspruch zwischen den offiziellen Verlautbarungen und dem tatsächlichen Zustand besonders deutlich. Diese Kluft wurde mit Beginn des Computerzeitalters noch größer, da die ökonomischen Missstände an der Hochschule eine ausreichende Versorgung mit Rechnern nicht zuließen. Die durch Gorbatschow in der Sowjetunion und anderen sozialistischen Ländern
Lehrpraktikum Elektro technik (oben) und Chemie (unten), Dezember 1974.
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Blick auf den Campus, 1980er Jahre.
initiierten Veränderungen ermöglichten zwar Diskussionen über eine eventuelle Reform der DDR, ihres Hochschulwesens und die Zukunft der Pädagogischen Hochschule. An den bestehenden Zuständen änderte sich dadurch jedoch nichts. Erst nach der Wende im Herbst 1989 wurden die gröbsten Auswirkungen der parteipolitischen Einmischung in die Lehre beendet. Darüber hinaus wurde versucht, die administrativen Hindernisse zu beseitigen, welche die Lehre und Ausbildung an der Hochschule erschwert hatten. Am positivsten wirkten dabei die Auflösung der Einrichtungen für die Lehre des Marxismus-Leninismus, die Abschaffung der Sektionen und die neue Möglichkeit, Fachrichtungsleiter zu wählen. Im Zuge dieser Tätigkeiten wurden auch die alten Kontakte zu westdeutschen Wissenschaftlern an Instituten und Hochschulen wieder reaktiviert. Es gab vereinzelt Partnerschaften mit Instituten und Gruppen an der Freien Universität Berlin und der Technischen Universität Berlin, die in zunehmendem Maße
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Besuche und Gastvorlesungen von Kollegen aus den alten Bundesländern nach sich zogen. Um Qualitätsverluste bei Ernennungen und Berufungen zu verhindern, die oft noch schnell durchgeführt wurden, um bestimmte Personen vor dem allgemeinen Umschwung in letzter Minute in Positionen zu hieven, achteten die Fakultätsräte besonders bei den Qualifizierungsverfahren auf solides Wissen und Können. In der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät, wo der Anteil an nicht parteigebundenen Professoren besonders hoch war, bildete sich eigens eine Initiativgruppe, die eigenverantwortlich in den Verlauf der Entwicklung eingreifen sollte, um eventuell auftretende Missstände frühzeitig zu beseitigen und die Glaubwürdigkeit des Veränderungsprozesses zu stärken. Die Gruppe wurde bald durch Angehörige anderer Fakultäten ergänzt und von dem Mathematiker Prof. Hans Kaiser geleitet. Dank ihrer ideologischen Unvoreingenommenheit gewann sie rasch das Vertrauen der Mehrheit der Hochschulan19
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Der von der »Juristischen Hochschule Potsdam« des Ministeriums für Staats sicherheit übernommene Standort in Golm, Juni 1993.
gehörigen und trug maßgeblich dazu bei, konstruk tive Kontakte zu Institutionen der Wissenschaft, Wirtschaft und Politik in den alten Bundesländern zu knüpfen sowie eine Grundlage für eine öffentliche Diskussion zu schaffen. Innerhalb der Hochschule wirkte sich der Zerfall des SED- Staates dahingehend aus, dass leitende Funktionäre zwar nicht von ihren Ämtern, aber partiell von deren Wahrnehmung zurücktraten und so Wirkungsfelder für die Initiativgruppe freimachten. Dies galt auch für das Rektorat, das in dieser Phase durchaus den Versuch unternahm, Probleme der Pädagogischen Hochschule Potsdam zu regeln und sich den veränderten Bedingungen anzupassen. Als besonders wertvoll erwies sich in diesem Zusammenhang die Tatsache, dass es gelang, die Zuweisung des Areals der abgewickelten »Juristischen Hochschule« des Ministeriums für Staatssicherheit zu erhalten. Durch die neu hinzugekommenen Gebäude konnte die Raumknappheit der Hochschule nun endlich 20
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beseitigt werden. Auch der Antrag – dem im Herbst 1990 schließlich entsprochen wurde –, die Pädagogische Hochschule wieder zurück in »Brandenburgische Landeshochschule« umzubenennen, wurde vom Rektorat gestellt. Die Grenzen der Wirksamkeit des alten Rektorats zeigten sich allerdings darin, dass es nicht in der Lage war, die Hochschule glaubwürdig nach außen zu vertreten. Hinzu kam, dass es sich nicht von politisch besonders belasteten Funktionären an der Hochschule trennen wollte. Somit lief alles auf die Wahl eines neuen Rektorats und eines neuen Senats hinaus. In einer für die Pädagogische Hochschule denkwürdigen Sitzung des Rates der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät im September 1990 wurde in langen Diskussionen der Weg zum Rücktritt des Rektorats – von Teilen des Rektorats selbst unterstützt – freigemacht. Die Initiativgruppe konnte nun Vorbereitungen für Neuwahlen treffen, für die mit Zustimmung des Ministers für Bildung und Wissenschaft im Kabinett von Lothar de
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Maizière, Prof. Hans-Joachim Meyer, und dem Beauftragten für Bildung im Bezirk Potsdam, Dr. Herbert Knoblich, eigens ein Konzil mit 400 Delegierten gebildet wurde. Als Kandidaten für das Amt des Rektors wurden die Chemiker Prof. Rolf Mitzner und Prof. Dr. Gerhard Kempter aufgestellt, die bei ihrer Vorstellung erklärten, in programmatischer Hinsicht nicht gegeneinander kandidieren zu wollen. Prof. Mitzner gewann die Wahl mit deutlicher Mehrheit, Prof. Kempter wurde sein Stellvertreter und somit 1. Prorektor. Als weitere Prorektoren wurden der Biologe Dr. Klaus-Peter Berndt und der Sportmediziner Prof. Gernot Badtke gewählt. Mit dieser Wahl und dem wenige Tage später erfolgten Beitritt der ostdeutschen Länder zum Geltungsbereich des Grundgesetzes – also der Wiedervereinigung Deutschlands – erlosch zugleich das Mandat der Initiativgruppe. Eine der letzten Amtshandlungen des Ministers Prof. Meyer war die Bestätigung der Wahl und die Rückbenennung der Einrichtung in »Brandenburgische Landeshochschule Potsdam«.
Akademischer Neubeginn in Potsdam Die Leitung der Brandenburgischen Landeshochschule bestand nun aus einem gewählten Rektorat, einem gewählten Senat und der Versammlung der gewählten Fachrichtungsleiter. Durch die Wiederherstellung des Landes Brandenburg wurde die weitere Entwicklung der Hochschule von dem neuen Minister für Wissenschaft, Forschung und Kultur, Hinrich Enderlein, unterstützt. Grundlagen der Arbeit waren die Bestimmungen des Einigungsvertrages und das von Minister Prof. Meyer novellierte Hochschulgesetz. Natürlich musste man sich auch in den Grenzen des Hochschulrahmengesetzes und der entsprechenden Landesgesetze bewegen. Hierbei wurde vor allem auf die Hochschulgesetze Nordrhein-Westfalens und Berlins zurückgegriffen, die als vorbildlich empfunden wurden.
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Prof. Dr. Rolf Mitzner, Gründungsrektor der Univer sität Potsdam, und Hinrich Enderlein, 1990 bis 1994 Minister für Wissenschaft, Forschung und Kultur in Brandenburg.
Eine der ersten Maßnahmen war die Entfernung von Hochschulmitarbeitern, die in besonderem Maße das ehemalige politische System an der Hochschule geprägt hatten, wie der Verantwortliche für Auslandsbeziehungen, der Wehrbeauftragte des Rektors und der Leiter der Kaderabteilung. Durch Senatsbeschluss wurden in den einzelnen Fachrichtungen Kommissionen aus Mitarbeitern, Studenten und Professoren gebildet, die durch stimmberechtigte Hochschullehrer aus den alten Bundesländern ergänzt wurden. Diese Kommissionen hatten die Aufgabe, festzustellen, ob die Professoren der Brandenburgischen Landeshochschule aufgrund von Leistungen in Lehre und Forschung oder einzig aus parteipolitischen Gründen berufen worden waren. Außerdem sollte geprüft werden, ob das vertretene Lehr- und/oder Forschungsgebiet noch gebraucht würde. Der größte Teil der personellen »Problemfälle« hatte sich durch die von der Regierung de Maizière angeordnete Auflösung der Sektionen für Marxismus-Leninismus allerdings 21
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Links: Demonstration von Studierenden gegen Mieterhöhungen am 27. Dezember 1991. Rechts: Diskussion über die Zukunft der Hochschule im Januar 1991. Am Rednerpult: Dr. Fred Albrecht.
bereits weitgehend erledigt – von Versuchen, kleinere Folgeeinrichtungen unter Etiketten wie »Ethik« oder »Philosophie« zu etablieren, einmal abgesehen. Solche Versuche gab es in Potsdam wie auch anderswo; sie waren jedoch nur selten von Erfolg gekrönt. Als Ergebnis ihrer Arbeit legten die Kommissionen dem Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur die Entlassungsempfehlung für zehn Professoren vor. Einige Professoren stimmten Aufhebungsverträgen zu, da sie sich einer Überprüfung nicht stellen wollten. Anfang 1991 wurde die Überprüfung aller Hochschulangehörigen durch die Gauck-Behörde eingeleitet, die sich allerdings noch jahrelang hinziehen sollte. Im Frühjahr 1991 erschien auch die erste Kommission des Wissenschaftsrates zur Evaluierung der bisherigen Pädagogischen Hochschule als Lehrerbildungsstätte. Dabei zeigte sich, dass die Struktur der Pädagogischen Hochschule Potsdam sich von der in Schleswig-Holstein oder Baden-Württemberg wesentlich unterschied. Im Ergebnis wurde die Brandenburgische Landeshochschule als Lehrerbildungseinrichtung jedoch insgesamt positiv evaluiert, wobei ihre Stärken in der fachlichen Ausbildung hervorstachen, während der allgemein-pädagogische Teil mit Auflagen zu inhaltlichen Veränderungen versehen wurde. Solche Änderungen waren inzwischen allerdings praktisch in allen Fächern im Gange, um die Abschlüsse von
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Tausenden von Studenten kompatibel und anerkennungsfähig zu machen. So wurden auf der Grundlage der in den Kultusministerkonferenzen und auf Fakultätentagen beschlossenen Rahmenstudienpläne oder vorhandener Vorlesungsverzeichnisse anderer Universitäten vorläufige Studienpläne geschaffen, zu deren Umsetzung in einigen Fächern Gastprofessoren und Lehrbeauftragte aus Berlin und anderen Bundesländern herangezogen wurden. Zugleich ging die Zahl der Lehramtsstudenten drastisch zurück, während die Diplomstudiengänge populärer wurden. Vorschläge zur Realisierung von Diplomstudiengängen in Fächern, die bisher an der Brandenburgischen Landeshochschule gar nicht oder nur wenig vertreten waren, wie Informatik, Musikerziehung, Sportwissenschaft und Psychologie, kamen von sogenannten »Gemischten Kommissionen«, die sich mithilfe prominenter Professoren aus den alten Bundesländern und der Schweiz gebildet hatten. Stellvertretend seien hier Professoren de Marèes, Montada, Hotz und Gundlach genannt. Auf Wunsch des Landes Brandenburg wurde der Aufbau eines Faches »Sonderpädagogik« betrieben, obwohl es dazu in Potsdam weder Erfahrungen noch Kapazitäten gab, sodass man auf den erfolgreichen Dauereinsatz von Prof. Kanter aus Köln angewiesen war. Des Weiteren mussten trotz voraussehbarer Schwierigkeiten Vorbereitungen für die universitäre
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Ausbildung von Grundschullehrern getroffen werden, die in der DDR an Instituten für Lehrerbildung stattgefunden und dort nach Abschluss der 10. Klasse in drei Jahren zum Examen geführt hatte. Auch war Potsdam vorgeprägt, denn das größte Institut für Lehrerbildung Brandenburgs hatte hier seinen Standort.
Der Fachbereich Rechtswissenschaft Seit Anfang 1990 bestanden vielfältige Beziehungen zwischen Potsdam und der Universität Bochum. So wurde die Brandenburgische Landeshochschule auf Vorschlag der Bochumer Universität einstimmig in die Hochschulrektorenkonferenz aufgenommen. Die in Potsdam-Babelsberg befindliche Akademie für Staats- und Rechtswissenschaft der DDR hatte sich nach der Wende in »Hochschule für Recht und Verwaltung« umgewandelt und damit den von ihr eingeleiteten personellen und strukturellen Änderungen
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entsprochen. Dennoch wurde die Einrichtung durch eine Organisationsentscheidung des Ministers für Wissenschaft, Forschung und Kultur aufgelöst. Nach langwierigen Diskussionen mit dem Rektorat der Brandenburgischen Landeshochschule verfügte Minister Enderlein schließlich mit Wirkung vom 1. Januar 1991, den »Fachbereich Rechtswissenschaft« zu bilden und diesen mit allen Gebäuden der Hochschule für Recht und Verwaltung in die BLH einzugliedern. Das nichtwissenschaftliche Personal und die Sachmittel der überführten juristischen Sektionen 1 (»Theoretische Grundlagen und Öffentliches Recht«) und 2 (»Privatrecht«) einschließlich der Hochschulbibliothek der bisherigen Hochschule für Recht und Verwaltung wurden dem Fachbereich Rechtswissenschaft zugeordnet. Zugleich wurde Prof. Grawert aus Bochum zum Gründungsdekan und Leiter einer Gründungskommission für die Dauer von zwei Jahren ernannt. Die Entscheidung sollte richtungweisende Bedeutung haben. Die Diskussion über die Gründung einer
Das Hauptgebäude der ehemaligen Akademie für Staats- und Rechtswissen schaft der DDR – Sitz der neuen Juristischen Fakultät, Juni 1992.
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Universität in Potsdam, die aufgrund der hier bereits vorhandenen strukturellen, personellen und räumlichen Voraussetzungen schon in vollem Gange war, erhielt dadurch weiteren Auftrieb. Inzwischen hatten der Wissenschaftsrat, aber auch die Max-Planck-Gesellschaft und die Fraunhofer-Gesellschaft die Institute der Akademie der Wissenschaften und der Akademie der Landwirtschaftswissenschaften der DDR evaluiert und waren im Potsdamer Raum zu recht positiven Resultaten gekommen. Die sich abzeichnenden neuen Max-Planck-, Fraunhofer- und Blaue-Liste-Institute boten sich für eine enge Zusammenarbeit in Lehre und Forschung an. Darüber hinaus ergab der Zuschnitt der neuen Institute, dass einige der positiv bewerteten Gruppen und Wissenschaftler zur Überführung an Universitäten vorgeschlagen wurden. Der wissenschaftliche Personalbestand der Brandenburgischen Landeshochschule setzte sich Mitte 1991 aus etwa 50 ordentlichen Professoren, 50 außerordentlichen Professoren und Dozenten sowie etwa 500 wissenschaftlichen Mitarbeitern zusammen, von denen die Hälfte vornehmlich Lehraufgaben erfüllte. Die räumlichen Voraussetzungen waren durch die Zuweisung der Gebäude in Golm und Babelsberg zwar quantitativ ausreichend, doch der Sanierungsbedarf war enorm, sodass Neubauten vielfach günstiger schienen. Die Zahl der Studenten lag nach der Wende zwischen 4 000 und 5 000. Durch Fachrichtungswechsel, Verlängerung der Studienzeiten und viele neu entstandene Aufbaustudiengänge ist eine genauere Angabe nicht möglich. Schätzungen der Hochschulinformation System GmbH Hannover (HIS) gaben für eine Universität in Potsdam ein Ausbauziel von 15 000 bis 20 000 an.
Gründung der Universität Durch die Annahme des Brandenburgischen Hochschulgesetzes vom 24. Juni 1991 wurde nach dem 1. Juli 1991 die Universität Potsdam gegründet. Der 24
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allgemeine Gründungsauftrag empfahl eine inhaltliche Konzeption für Forschung und Lehre, die die akademische Grundversorgung im Land Brandenburg sicherstellte. Voraussetzung dafür waren und sind die Bereiche Natur-, Geistes- und Erziehungswissenschaften sowie Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. Drei Tage später wurden durch Entscheidung vom 4. Juli der Gründungsrektor und der Gründungssenat bestellt. Dem Gründungssenat gehörten an:
■■ Prof. Rolf Mitzner, Universität Potsdam
(Gründungsrektor) ■■ Stud. rer. soc. Stefanie Demmler, Universität Potsdam (ab 7. Juli 1992) ■■ Prof. Wolfgang Edelstein, Max-Planck-Institut für Bildungsforschung Berlin ■■ Stud. phil. Anke Fraatz, Universität Potsdam (bis 13. Juni 1992) ■■ Prof. Rolf Grawert, Universität Bochum ■■ Prof. Ulrich Herrmann, Universität Tübingen (bis 7. Februar 1992) ■■ Prof. Gert Kaiser, Universität Düsseldorf ■■ Prof. Gerhard Kempter, Universität Potsdam ■■ Dr. Monika Kramme, Ministerium für Wissenschaft und Forschung des Landes NordrheinWestfalen, Düsseldorf ■■ Dr. Brigitte Krüger, Universität Potsdam ■■ Prof. Manfred Kujawa, Fraunhofer-Institut Potsdam-Rehbrücke ■■ Prof. Johannes Kunisch, Universität Köln (ab 20. März 1992) ■■ Stud. rer. nat. Wolfram Meyerhöfer, Universität Potsdam (ab 14. September 1992) ■■ Prof. Josef Molsberger, Universität Tübingen ■■ Prof. Gisa Rauh, Universität-Gesamthochschule Wuppertal ■■ Dr. Hartmut Schmidt, Universität Potsdam (ab 17. Oktober 1992) ■■ Prof. Julius H. Schoeps, Universität-Gesamt hochschule Duisburg
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Das Konzept für die Universität Potsdam konnte nur in Zusammenarbeit mit der Landeskommission für Hochschulen und Forschungseinrichtungen unter Leitung von Prof. Friedrich Buttler erarbeitet werden und hatte die vom Wissenschaftsrat auch für die Brandenburgische Landeshochschule empfohlene Erstausstattung mit Professoren für die Rechts-, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften zu berücksichtigen. Die Herausbildung des Profils der einzelnen Fächer wurde durch die vom Gründungssenat und dem Minister berufenen Strukturkommissionen vorgegeben, in denen viele Mitglieder schon die Entwicklung an der Brandenburgischen Landeshochschule ab dem Herbst 1990 begleitet hatten. Die Zusammensetzung des Gründungssenats garantierte, dass viele Erfahrungen aus den alten und neuen Bundesländern sowie den verschiedenen wissenschaftlichen Einrichtungen und Fachbereichen in die Arbeit einflossen. Positive Entwicklungen an der Brandenburgischen Landeshochschule, etwa in der Zusammenarbeit mit den
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außeruniversitären Instituten, und der Gedankenaustausch im Rahmen der Hochschulrektorenkonferenz waren zu berücksichtigen. Durch die schon erfolgte Gründung des Fachbereichs Rechtswissenschaft und die Benennung des Gründungsdekans Prof. Grawert, der Mitglied des Gründungssenats wurde, waren Vorgaben vorhanden, die in das allgemeine Konzept eingehen sollten. In einer Denkschrift wurden die komplizierten Verhältnisse wie folgt zusammengefasst: »Die Universität Potsdam ist eine Neugründung, aber sie ist keine Gründung auf der grünen Wiese. Ihr Standort, ihre Struktur und ihre Aufgaben sind durch eine Vielzahl von Rahmenbedingungen bestimmt worden. Einige dieser Rahmenbedingungen stellen Vorteile, ja ein Startkapital, für die Neugründung dar. Andere Rahmenbedingungen engen die Struktur der Universität und die Gestaltungsmöglichkeiten des Gründungssenates ein. Die politischen Rahmenbedingungen sind vor allem durch die Auflösung der DDR geprägt worden.« Tatsächlich ging es darum, die an der Brandenburgischen Landeshochschule entwickelten und mit vielen externen Kollegen, Gastprofessoren und Ministerialbeamten diskutierten Vorstellungen im Gründungssenat zu prüfen, zu modifizieren oder zu verwerfen. Für ganze Fachbereiche entstanden erst im Gründungssenat tragfähige Konzepte, wobei einzelne Mitglieder des Gründungssenats, die von diesem beauftragt wurden, sich mit speziellen Bereichen näher zu beschäftigen, faktisch als »Gründungsdekane« fungierten. Neben Prof. Grawert seien hier vor allem Prof. Molsberger für die Wirtschaftswissenschaften, Prof. Schoeps für die Geschichte, Prof. Edelstein für die Erziehungswissenschaften und Prof. Rauh für die Sprachwissenschaften genannt. Eine ähnliche Rolle spielten Prof. Harth aus Saarbrücken für die Romanistik, Prof. Rohe aus Essen für die Politikwissenschaft und Prof. Montada für die Psychologie, die vorübergehend aus den alten Bundesländern nach Potsdam abgeordnet waren oder hier eine Gastprofessur wahrnahmen.
Prof. Dr. Rolf Mitzner. Links: Nach der Gründung der Universität Potsdam am 1. Juli 1991 werden neue Schilder angebracht.
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Die Arbeit des Gründungssenats Der Gründungssenat traf sich monatlich zu einer in der Regel zweitägigen Vollversammlung, um die inzwischen erarbeiteten Konzepte und Vorschläge zu diskutieren und darüber Beschlüsse zu fassen. Dies bedeutete für alle Beteiligten eine große zusätzliche Belastung, da für die meisten Gründungssenatoren die Arbeit in ihren eigenen Einrichtungen normal weiterlief. Außerdem hatte der Gründungssenat den Betrieb der neuen Universität Potsdam mit immerhin bereits 7 000 Studierenden und 1 100 Mitarbeitern zu sichern und zu lenken, wobei gerade in der Aufbauphase viele Personal- und Sachentscheidungen mit weitreichenden Auswirkungen mitzutragen waren. Dem Gründungsrektor stand hier nur der Gründungssenat als beratendes und beschließendes Gremium zur Verfügung. Die Diskussionen im Gründungssenat waren durch Leidenschaft und Hartnäckigkeit, aber auch durch Fairness gekennzeichnet und führten zu Beschlüssen, die danach stets von allen Mitgliedern respektiert wurden. Gegensätzliche Auffassungen gab es nicht nur zwischen Vertretern aus den alten und neuen Bundesländern, sondern auch zwischen den verschiedenen Repräsentanten der alten Länder untereinander sowie zwischen den Disziplinen. In der Denkschrift heißt es dazu: »Die mit (dieser Arbeit) einhergehenden Lernprozesse haben den Senat über die Dynamik der mit dem Einigungsprozess verbundenen Probleme nicht immer konfliktfrei und sicher unter großem Zeitaufwand, doch für die Institutionsentwicklung konstruktiv aufgeklärt. Vielleicht ist die intensive Kooperation von Wissenschaftlern aus den alten Bundesländern und aus Brandenburg […] selbst ein positives Ergebnis der Universitätsgründung.« Dem Gründungsauftrag entsprechend, wurde relativ schnell die Grundstruktur der Universität mit fünf Fakultäten und kollegialer Rektoratsverfassung vorgeschlagen. In Übereinstimmung mit dem Brandenburgischen Hochschulgesetz und mit Zustim26
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mung des Ministers für Wissenschaft, Forschung und Kultur konnte so die Grundlage für die Überleitung des vorhandenen Personals und vor allem die Ausschreibung von neuen Professorenstellen vorgenommen werden. Bei der Festlegung der Fakultäten und der Fachgebiete setzte sich die Auffassung durch, wegen der in Berlin bestehenden großen Kapazitäten keine medizinischen, technischen, landwirtschaftlichen und theologischen Fachbereiche zu gründen, obwohl von interessierter Seite durchaus entsprechende Anregungen vorgebracht wurden. Die Struktur und Zahl der geplanten Professuren ergab sich aus den Materialien des Wissenschaftsrates und der Fakultätentage, oft aber auch aus den persönlichen Erfahrungen der Mitglieder des Gründungssenats, die dabei die Verhältnisse an ihren Heimatuniversitäten zugrunde legten. Für die Besetzung der Stellen kamen die aus den Vorgängereinrichtungen der Universität Potsdam – also der Brandenburgischen Landeshochschule und der Hochschule für Recht und Verwaltung – übergeleiteten Professoren und in großem Umfang Neuberufungen infrage. Zum Zeitpunkt der Universitätsgründung im Juli 1991 waren noch 73 ordentliche und außerordentliche Professoren an der Brandenburgischen Landeshochschule tätig. Durch verschiedene Maßnahmen des Kabinetts unter Ministerpräsident Lothar de Maizière, der Brandenburgischen Landeshochschule und des am 1. Januar 1991 gegründeten Fachbereichs Rechtswissenschaft war diese Zahl verhältnismäßig klein, verglichen mit dem Bestand der beiden Vorgängereinrichtungen im Jahr 1989.
Personalübernahmen und Neuausschreibungen Das Brandenburgische Hochschulgesetz bestimmte in Paragraph 106, dass hauptberuflich tätige Angehörige des wissenschaftlichen und künstlerischen Personals, mit denen kein Dienstverhältnis neuer Art als Professor, Dozent, Oberassistent, Assistent oder
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Lehrkraft für besondere Aufgaben begründet wurde, auf Antrag in dem Arbeitsverhältnis verblieben, das vor dem Inkrafttreten des Gesetzes bestanden hatte. Erst Ende 1992 präzisierte eine Änderung des Hochschulgesetzes (§ 106 a BbgHG) diese Feststellung dahingehend, dass eine Übernahme in Rechtsverhältnisse neuer Art nur nach Prüfung von Eignung, Bedarf und Haushaltslage möglich war. In Abstimmung mit dem Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur wurde danach vom Gründungssenat beschlossen, zunächst die Übernahme der bereits übergeleiteten Professoren nochmals durch eine Organisationsund Überleitungskommission prüfen zu lassen. Der Kommission sollten vier Mitglieder des Gründungssenats sowie weitere fachspezifische »Ergänzungsmitglieder« angehören. Zum Vorsitzenden wurde der zum Richteramt befähigte Prof. Grawert bestimmt. Die Eignungsfeststellung für eine der im Strukturplan vorgesehenen Professorenstellen wurde aufgrund von zwei von der Kommission bestellten Fachgutachten sowie einer Anhörung mit Diskussion durchgeführt. Dieses Verfahren entsprach somit im Wesentlichen einem ohne Ausschreibung durchgeführten Berufungsverfahren. 45 Professoren hatten sich um eine Überleitung beworben. Mit nur wenigen Ausnahmen wurde die fachliche Eignung und Passfähigkeit bestätigt. Gleichzeitig hielt der Gründungssenat daran fest, dass alle im Strukturplan vorgesehenen C 4-Professuren bundesweit ausgeschrieben und im Wege ordentlicher Berufungsverfahren besetzt werden sollten. Auf diese Weise sollten der Universität sowohl die beste Fachkompetenz in den einzelnen Fächern zugeführt als auch die vom Wissenschaftsrat empfohlene »Durchmischung« von Professoren aus den neuen und alten Bundesländern – bzw. auch aus dem Ausland – erreicht werden. Zudem sollte dieses Verfahren Bedenken zerstreuen, dass an der Universität Potsdam einflussreiche Kräfte aus DDR-Zeiten als Hochschullehrer bevorzugt würden. Tatsächlich wurde der größte Teil der Strukturstellen nun öffentlich
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ausgeschrieben, wobei die Reihenfolge sich nach der Dringlichkeit des Bedarfs und den Haushaltsmöglichkeiten richtete. Bis Mitte 1993 waren auf diese Weise 133 Stellen ausgeschrieben und 70 Rufe durch den Minister erteilt. Das Ergebnis der Ausschreibung war in der Regel quantitativ und qualitativ sehr befriedigend, sodass die Berufungskommissionen dem Gründungssenat gut begründete Dreier-Listen zur Bestätigung vorlegen konnten. Als günstig und sinnvoll erwies sich auch die Tatsache, dass den Berufungskommissionen auswärtige stimmberechtigte Mitglieder, Vertreter des Mittelbaus und der Studenten sowie ausgewählte Fachvertreter aus Potsdam angehörten. Ein Mitglied des Gründungssenats achtete jeweils auf vergleichbare Maßstäbe. Ausschlaggebend für die Platzierung nach der Anhörung waren Lehrerfahrung und Forschungsprofil. Bei gleicher Qualifikation wurden Bewerberinnen und Bewerber aus den neuen Bundesländern bevorzugt, die als Zielhochschule die Universität Potsdam angegeben hatten. Für die Angehörigen des akademischen Mittelbaus wurden im Laufe des Jahres 1992 die Qualifikationen für die bisher innegehabten Stellen überprüft. Diese Notwendigkeit ergab sich unter anderem aus der Übernahme des Instituts für Lehrerbildung für die Ausbildung von Grundschullehrern. Zur Durchführung der Zuordnung für die neuen Stellen wurde wiederum eine zentrale Kommission gebildet, die als Koordinierungsorgan die Arbeit der Fachkommissionen überwachte, der alle übergeleiteten und neuberufenen Hochschullehrer sowie Vertreter des Mittelbaus und der Studenten angehörten. Bei den Überlegungen zur Gründung einer Universität in Potsdam spielte zudem stets die Beteiligung der Mitarbeiter der ehemaligen Akademie-Institute in Potsdam und Berlin eine Rolle. Bei der Evaluierung dieser Einrichtungen wurde für viele Mitarbeiter eine Überführung an Universitäten und Hochschulen vorgeschlagen, um deren Forschungskapazität zu stärken und die großen ehemaligen Zentralinstitute der DDR auf realistische Größen zu begrenzen. Im Rah27
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men des Wissenschaftler-Integrations-Programms (WIP) erhielten auf diese Weise 103 Forschungsprojekte mit 285 Mitarbeitern, die als Zielhochschule die Universität Potsdam angegeben hatten, eine bis Ende 1993 befristete Förderung, die bei erfolgter Integration bis 1996 weitergeführt werden sollte. Die Bedingungen für ihre Übernahme waren in Potsdam relativ günstig, da eine Zusammenarbeit schon seit langem praktiziert wurde und in zahlreichen Fächern noch ein Mangel an Mitarbeitern bestand. Die Zahl der im Strukturplan vorgeschlagenen Professuren lag in vielen Fällen unterhalb der vom Wissenschaftsrat festgelegten Mindestzahlen. Dies galt besonders für die wichtigsten Naturwissenschaften. Der Gründungssenat ging aber davon aus, dass die enge Kooperation mit den außeruniversitären Instituten durch gemeinsame Berufungen, Honorarprofessuren und eventuelle Lehraufträge die Abdeckung der Lehre auf sinnvolle Weise ermöglichen werde. Tatsächlich gab es bis Mitte 1993 bereits vier gemeinsame Berufungen; eine größere Zahl weiterer Berufungen befand sich im Verwaltungsgang, sodass die Rechnung des Gründungssenats in dieser Hinsicht ebenfalls aufzugehen versprach.
Eine Grundkonzeption für die neue Universität Aus dem Gründungsauftrag und der Arbeit des Gründungssenats ergab sich folgende Grundkonzeption für die Universität Potsdam: ■■ Die Universität Potsdam ist eine traditionell gegliederte Einrichtung mit fünf Fakultäten. ■■ Die einzelnen Fächer haben zwei, höchstens drei Schwerpunkte, die im Hauptstudium und in der Forschung durch entsprechende Berufungen gestützt werden. ■■ Die Zusammenarbeit mit den außeruniversitären Forschungsinstituten in Forschung und Lehre ist ein wesentliches Charakteristikum der neuen Universität. 28
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■■ Die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen
den Fächern wird auf der Grundlage der klassischen fachlichen Grundausbildung durch entsprechende Studiengänge – wie Ernährungswissenschaften, Verwaltungswissenschaften, Allgemeine Sprachwissenschaften oder Jüdische Studien – realisiert. ■■ Für besonders bedeutsame interdisziplinäre Teilgebiete werden Zentren auf Zeit oder Dauer gebildet, wie für Nichtlineare Dynamik, Kognitive Studien, Kommunalwissenschaft und »Dünne Schichten«. ■■ Die Ausbildung der Studierenden aller Fächer in Sprachen und Informationstechniken wird durch den Aufbau personell gut ausgestatteter Dienstleistungszentren gewährleistet. ■■ Die Nähe zu Berlin erfordert eine geschickte Wahl der Schwerpunkte der einzelnen Fächer, die Abgrenzung und Zusammenarbeit ermöglichen. Dazu gehört auch der Verzicht auf Medizin, Technik, Theologie und Landwirtschaft. ■■ Entsprechend den Forderungen der Hochschulrektorenkonferenz, der Landesstrukturkommission und der Kultusministerkonferenz wird großer Wert auf die Einhaltung der Regelstudienzeit gelegt. Dabei kann auf die Erfahrungen mit studienbegleitenden Prüfungen, Studienabfolgeplänen und kontinuierlicher Betreuung von Übungs- und Praktikumsgruppen zurückgegriffen werden. Als Profilschwerpunkte der Universität für die nächsten Jahre wurden vom Gründungssenat vor allem vier Bereiche benannt: ■■ die Naturwissenschaften (mit ihrer engen Verflechtung und Kooperation mit den außeruniversitären Forschungsinstituten); ■■ die Lehrerbildung (ausgehend von der Tatsache, dass die Universität die einzige Lehrerbildungseinrichtung in Brandenburg war und auf Jahre hinaus neben dem grundständigen Studium umfangreiche Weiterbildungs-, Zusatz- und Aufbaustudien
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nötig sein würden, wurde dabei das »Potsdamer Modell der Lehrerbildung« initiiert, das ein professionsorientiertes Studium ermöglichen sollte, um eine bessere psychologische, sozial- und erziehungswissenschaftliche Grundlage der beruflichen Handlungskompetenz zu erreichen); ■■ Allgemeine Sprachwissenschaft (um von der Sprachtheorie bis zur Computerlinguistik ein Defizit in der deutschen Universitätslandschaft zu mildern); ■■ Geschichtswissenschaften mit dem Schwerpunkt Neuere Geschichte, wobei in Kooperation mit dem Moses-Mendelssohn-Zentrum und den geisteswissenschaftlichen Zentren besonderes Gewicht auf die brandenburgische und preußische Geschichte sowie auf die Geschichte des Judentums in Deutschland gelegt werden sollte. Auf der Basis der Strukturdaten, gestützt durch ein Gutachten der Hochschulinformation System GmbH Hannover (HIS), errechnete der Gründungssenat insgesamt einen Stellenbedarf von 263 Professoren und 632 wissenschaftlichen Mitarbeitern für eine Studentenzahl zwischen 13 000 (im Jahre 2000) bzw. 16 000 (im Jahre 2008). Die drei Standorte Neues Palais, Babelsberg und Golm sollten erhalten bleiben. Dabei sollten die Naturwissenschaften in Golm und die Geisteswissenschaften – zumindest überwiegend – am Neuen Palais untergebracht werden. Babelsberg war für die Juristische Fakultät sowie für
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die Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät reserviert. Die Umsetzung dieses Konzepts erforderte Neubauten an allen drei Standorten, vor allem jedoch in Golm (im Umfang von 74 000 Quadratmetern) sowie am Neuen Palais (in einer Größenordnung von 20 000 Quadratmetern). Bei erfolgreicher Drittmitteleinwerbung, so zeichnete sich damals bereits ab, würde auch diese – auf den ersten Blick großzügige – Raumplanung schon bald nicht mehr ausreichen. Die Berechnungen stellten somit einen Wert im unteren Bereich des voraussichtlichen Bedarfs dar. Als dringend erforderlich wurde auch die Sanierung bzw. der Aufbau von drei Bereichsbibliotheken an den drei Standorten angesehen. Mitte 1993 war die Arbeit des Gründungssenats beendet. Das Ergebnis seiner Überlegungen und Beschlüsse wurde in der »Denkschrift« zum Aufbau und zur Entwicklung der Universität Potsdam niedergelegt. Der Einsatz und die Kompetenz der Beteiligten hatte zur Erstellung einer Konzeption geführt, durch welche die Innovationsmöglichkeiten eines Neuanfangs wenigstens teilweise ausgeschöpft worden waren. Dieses Ziel wäre ohne die vorbehaltlose Unterstützung des Ministers und des Vorsitzenden der Landesstrukturkommission nicht erreichbar gewesen. Wie damit im weiteren Verlauf der Entwicklung verfahren und wie insbesondere die Chance des Neuanfangs genutzt – oder vielleicht vertan – wurde, lag nicht mehr in der Macht des Gründungssenats und seiner Mitglieder. Darüber hatten nun andere zu bestimmen.
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