FĂźr Gundela
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Helmut Suter
Honeckers l etzter Hirsch Jagd und Macht in der DDR
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Forschungsberichte aus dem Schorfheide-Museum
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abruf bar. Alle Rechte vorbehalten. Dieses Werk, einschließlich aller seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Verlages unzulässig und straf bar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen, Verfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung auf DVDs, CD-ROMs, CDs, Videos, in weiteren elektronischen Systemen sowie für Internet-Plattformen. © be.bra verlag GmbH Berlin-Brandenburg, 2018 KulturBrauerei Haus 2 Schönhauser Allee 37, 10435 Berlin post@bebraverlag.de Lektorat: Matthias Zimmermann, Berlin Umschlag: hawemannundmosch, Berlin Satz: typegerecht, Berlin Schrift: DTL Documenta 9/13,5 pt Druck und Bindung: Friedrich Pustet, Regensburg ISBN 978 -3- 89809 -146 - 6 www.bebraverlag.de
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Inhalt
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Einleitung
Der Zusammenbruch und die gesetzlose Zeit 11 Einmarsch 15 Problem der alten Jagdpachtverträge 17 Flugplatz Dölln 20 Illegale Waffen 21 Wildschäden und Wilderei 27 Erste Sonderjagdreviere 35 »Freunde« und andere wildern
Die Jagd gehört dem Volke – bis auf die Sonderjagdgebiete 43 Das Jagdgesetz von 1953 48 Staatssicherheit und die Jäger 53 Problem der Jagdwaffen 55 Die »Führenden Repräsentanten« und ihre Sonderjagdgebiete 59 Freizeitobjekt »Born« 60 Wildforschungs- und Staatsjagdgebiet »Rothemühl« 61 Naturschutzstation Serrahn 64 Das Jagdgebiet »Eixen« und die Gewerkschaft 64 Objekt »Döllnsee« 75 Das Staatsjagdgebiet »Nossentiner Heide« 79 Das Staatsjagdgebiet »Ostufer der Müritz« mit dem Objekt »Birkenheide« 82 Wildbestandsanalyse für das Staatsjagdgebiet »Ostufer der Müritz«
Die Jagd- und Forstwirtschaft im Visier des Geheimdienstes
83 Der Fall »Iltis« 91 Erich Mielke und sein Jagdgebiet »Neuhaus-Wolletz« 101 Der Forstbetrieb und seine Förster
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108 Wild und Schäden 110 Versuch der Elcheinbürgerung 111 Über 1.000 Rothirsche 114 Damwild 115 Invasion des Schwarzwildes 116 Muffelwild 117 Rehwildbestand 117 Fasane 118 Kosten
Das Staatsjagdgebiet »Schorfheide« 121 Erich Honecker und seine Schorfheide 133 Elchwärterhaus – »Wildfang« 142 Mielke beschafft und kümmert sich um alles 146 Hubertusstock – Zentrum für die große und kleine Diplomatie 159 Jagd des Repräsentanten Honecker – Kommando 10 165 Vorkommnisse in der Schorfheide 169 Carinhall und das Bernsteinzimmer 172 Die Funkabwehrschule »Bruno Beater« 173 Waldzustand 180 Wildstand 185 Wildschäden zum Ende der DDR
Das Ende einer Vision 187 Der Staatsforstbetrieb »Neuhaus« wird aufgelöst 193 Erich Honeckers letzte Jagdtage 199 Die Staatsjagdgebiete werden aufgelöst 201 Der Vorhang senkt sich
Anhang
205 212 213 220 221 221
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Übersichten Abkürzungen (Auswahl) Anmerkungen Nachbemerkung und Dank Abbildungsnachweis Der Autor
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Einleitung
Im Verlauf der letzten 1.000 Jahre hat sich das Bild der Jagd grundlegend verändert: Was ursprünglich schlicht der Nahrungsbeschaffung diente, entwickelte sich zu einem Standesprivileg und später zu einem Freizeitvergnügen, dem vor allem die Vermögenden und Mächtigen frönten. An europäischen Fürstenhöfen waren Jagdspektakel über Jahrhunderte hinweg Teil des Strebens nach Prachtentfaltung und zugleich ein Mittel zur Inszenierung der herrschaftlichen Macht. Doch die
Jagd präsentierte diese Macht nicht nur, sie diente ihr auch. Denn auf der Pirsch, der Fährte oder der Kanzel wurden seit jeher vertrauliche Gespräche geführt, Geschäfte gemacht und politische Entscheidungen gefällt. Vermutlich besser als irgendwo sonst lässt sich die politische Dimension der Jagd an der Geschichte der Schorfheide im Nordosten Berlins ablesen. Das Adelsgeschlecht der Askanier begründete dort im 12 . Jahrhundert eine Tradition der Jagd der Mächtigen, die sich Luftbildaufnahme vom Werbellinsee und der Schorfheide, 1. Juni 2010.
Einleitung
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Links: Fuchsprellen am Hofe der Hohen zollern in Berlin. Gemälde vom Anfang des 18. Jahrhunderts. Rechts: Kaiser Wilhelm II. nach einer eingestellten Jagd bei Oranienburg, um 1912.
letztlich bis zum SED-Generalsekretär Erich Honecker nachverfolgen lässt, der noch 1989 in den letzten Tagen seiner Herrschaft hier auf die Pirsch ging. In der Zeit dazwischen jagten in der Schorfheide nicht nur die führenden Würdenträger der Monarchie, der Weimarer Republik und des Nationalsozialismus, sondern auch Gäste aus aller Welt: Könige und Kaiser, Präsidenten und Diktatoren, Militärs und Diplomaten. Abseits der großen politischen Bühne fanden sie hier Gelegenheit zum Gespräch und Gedankenaustausch. Mancher Vertragsabschluss und zahlreiche politische Entscheidungen sind eng mit dem Jagderfolg, gemeinsamen Waldspaziergängen, Ausritten, Kutschfahrten oder Kamingesprächen in der Schorfheide verbunden. Ein Meister dieser Art von Diplomatie war etwa Hermann Göring, dessen pompöse Jagdresidenz »Carinhall« bis heute die Wahrnehmung der Geschichte der Schorfheide maßgeblich prägt. Jäger beantworten die Frage nach der Faszination der Jagd meist unbestimmt und ausweichend. Dabei ist die Jagdleidenschaft der Fürsten und Vornehmen eng mit dieser grundlegenden Frage verbunden. Wenn sich Herrschende und Beherrschte in der Vergangenheit gegenüberstanden, dann ging es »immer auch darum, wer jagen darf und wer nicht. Und kaum ein anderes
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Vorrecht ist unerbittlicher durchgesetzt, kaum eines so hartnäckig verteidigt worden«.1 In der DDR – dem Staat der Arbeiter und Bauern, in dem alle gleich sein sollten – gab es mehrere zehntausend Jäger. Doch es verwundert kaum, dass auch unter ihnen manche, die letztlich gleicher als andere zu sein glaubten, das Privileg der besten Jagd für sich beanspruchten – in Form von eigens für sie reservierten Revieren, luxuriösen Quartieren, den besten Waffen und Heerscharen von eigens herangezüchteten Trophäenhirschen. Dass sie sich damit in die Tradition nicht nur einstiger Könige und Kaiser, sondern auch jagdvernarrter NS-Größen stellten, nahmen sie in Kauf. Dieses Buch unternimmt erstmals den Versuch, die Geschehnisse, die nach 1945 zur Bildung der sozialistischen Jägerschaft, der Staatsjagdgebiete (StJG) und dem damit verbundenen Einfluss und Handeln des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) in der DDR führten, wiederzugeben. Als besonderes Beispiel wird hierzu die Entwicklung der Sonderjagdgebiete (SJG) von Erich Honecker 2 , Erich Mielke 3 und Willi Stoph4 beleuchtet. Das Ende der SED-Herrschaft besiegelte 1989 das Schicksal ihrer Jagdleidenschaft, ihrer Freizeitobjekte und zugleich der Jagdbetriebe, deren Beschäftigte lange an ihre »Repräsentanten« geglaubt hatten.
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Links: Göring im Bei sein des diplomatischen Corps und der Reichs regierung bei der Eröff nung des Wisentgehe ges, 10. Juni 1934. Rechts: Leonid Bresch new mit Erich Hone cker auf dem Weg zur Jagd, Oktober 1964.
Dass die Existenz von Sonderjagdgebieten nicht mit den eigenen sozialistischen Ansprüchen in Einklang stand, zeigen nicht zuletzt die vielfältigen Bemühungen, die Zustände zu verschleiern. Der letzte Minister für Land- und Forstwirtschaft der DDR, Bruno Lietz 5 , berichtete vor dem Untersuchungsausschuss der Volkskammer am 15. Dezember 1989: »Die Staatsjagd war als Sonderstab dem Ministerium unterstellt und wurde von dem Oberlandforstmeister geleitet. […] Es gab, was nicht dem Ministerium unterstand, in der Staatsjagd zwei Kategorien, eine Kategorie, die den führenden Herren der Partei- und Staatsführung zugeordnet war, eine zweite Kategorie waren die normalen Staatsjagdgebiete, die es in den verschiedensten Bezirken gab.« 6 Daneben gab es, so Lietz, auch Jagdgebiete, die nicht seinem Ministerium unterstanden, sondern der Nationalen Volksarmee, dem Ministerium für Staatssicherheit oder dem Ministerium des Innern. Nach dem Jagdgesetz war dem Ministerium für Land- und Forstwirtschaft ein Jagdbeirat zugeordnet, der sich aus land- und forstwirtschaftlichen Betriebsdirektoren, Naturschützern, Jägern und Wissenschaftlern zusammensetzte und der ein- bis zweimal im Jahr zusammenkam. Auf die Frage des Untersuchungsaus-
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schusses, ob es aus diesem Beirat kritische Fragen zur Existenz von Sonderjagdgebieten gegeben habe, antwortete der letzte Generalforstmeister Rudolf Rüth nick: »Es gab keine.« Angesprochen auf gesetzliche Grundlagen für die Sonderjagdgebiete auf Bezirks- und Kreisebene, fügte er hinzu: »[F]ür diese – ich möchte einmal sagen: wilden Sonderjagdgebiete gab es [das] grundsätzlich nicht. […] [A]uch in den Kreisen, sind […] absolut illegal [Jagdgebiete entstanden], so dass es reiner Amts- oder Machtmissbrauch von führenden [Funktionären] war, ganz gleich, ob im Kreis oder im Bezirk.«7 Zwar liefen alle finanziellen Belange über die Staatliche Plankommission und wurden, im Fall der Schorfheide, dem Verteidigungsministerium zugeordnet, doch wurden sie dort bereits verschleiert. Denn die Schorfheide war weder ein Grenzgebiet noch verteidigungspolitisch interessant. Die Armee erhielt zwar die materiellen und finanziellen Fonds, aber genutzt wurden sie von anderen – für rein jagdliche Zwecke. Im Volkskammeruntersuchungsausschuss wurde im Dezember 1989 resümiert: »Wir haben den Eindruck, dass die Sonderjagdgebiete der NVA in der Schorfheide ausgesprochen so eingerichtet wurden, um sie der letzten Kontrolle zu entziehen.« Dies bestätigte auch der
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Links: Das Jagdschloss Hubertusstock.
Rechts: Das Jagdhaus von Erich Honecker »Wildfang«, Herbst 2010.
letzte Land- und Forstwirtschaftsminister Lietz: »Das ist mein Eindruck, dazu stehe ich.« 8 In den Archiven ist die Jagd der Mächtigen in der DDR gut dokumentiert. Das liegt zum einen daran, dass das Ministerium für Staatssicherheit so ziemlich alles überwachte, mitschnitt und dokumentierte, was bedeutsam zu sein versprach. Vor allem aber war das MfS dank der Jagdleidenschaft seines langjährigen Chefs Erich Mielke selbst stark in die Schaffung, Verwaltung, Sicherung, aber auch Nutzung der Sonderjagdgebiete involviert. Daher wundert es kaum, dass die Akten in der Behörde des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen (BStU) tief blicken lassen in das
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jagdliche Treiben und alles, was in den privaten Jagdzirkeln der Staatselite noch geschah. Im Folgenden stehen nicht nur die einzigartigen Wald- und Jagdgebiete im Fokus, sondern natürlich auch immer wieder die Jagdhütten, Ferienanlagen und Rückzugsorte, die die SED-Oberen sich mithilfe von Millionen aus dem Staatshaushalt in idyllischen Forsten errichteten. Und natürlich die Jagd selbst, der vor allem der Führungszirkel um Erich Honecker mit größtem Eifer und Leidenschaft – sowie ohne Rücksicht auf den Wald, die Tiere, die ausgesperrten Kollektivjäger oder die Kosten – nachging. Bis zum letzten Hirsch.
Einleitung
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Der Zusammenbruch und die gesetzlose Zeit
Einmarsch Mit dem Ende des Krieges 1945 war es für jeden Deutschen verboten, zu jagen oder auch nur Jagdwaffen zu besitzen. Dies galt nicht nur in dem von sowjetischen Truppen besetzten Teil Deutschlands, sondern auch in den anderen Besatzungszonen. Die noch vorhandenen Jagdwaffen mussten in der sowjetischen Besatzungszone konsequent abgeliefert werden, andernfalls drohten schwere Strafen. Doch einige Exemplare fanden auf Böden, gut verpackt unter Dielen, im Erdreich oder anderswo ein Versteck, in dem sie teilweise bis zur Wiedervereinigung überlebten und auch später – erstaunlich gut erhalten – wiedergefunden wurden.
Einmarsch
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In der Schorf heide endete die althergebrachte Jagdausübung am 28 . April 1945, als die Rote Armee das Gebiet in Besitz nahm. Reichsjägermeister Hermann Göring hatte sein Anwesen Carinhall bereits vorher sprengen lassen. Nur einzelne Kunstgegenstände blieben erhalten. 1990 konnten Bronzefiguren von Arno Breker aus dem Großen Döllnsee geborgen werden. Ein Nachguss der »Nymphe von Fontainebleau«, die in Paris von Alexis Rudier angefertigt wurde, gelangte auf die Oberförsterei Reiersdorf, von wo sie erst 1952 mit weiteren 52 Tonnen Steinzeug nach Dresden in die Staatliche Skulpturen-Sammlung kam.
Links: Nymphe von Fontainebleau, 1946. Rechts: Portal Carinhall, um 1947.
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Verwaltungsgebäude der Stiftung Schorf heide in Groß Schöne beck, 1937.
Die Verwaltung der Stiftung Schorfheide mit Sitz in Groß Schönebeck blieb dagegen mit ihrem gesamten Archiv unversehrt. Allerdings wurde das Schriftgut in den darauffolgenden Jahren nicht archiviert und schließlich Mitte der 1960 er Jahre – teilweise in Unkenntnis – vernichtet oder umgelagert. Nur ein geringer Teil befindet sich heute im Brandenburgischen Landeshauptarchiv (BLHA), ein anderer im Archiv der Landesforstverwaltung Brandenburg und ein Rest gelangte in Privatbesitz. Der Wald der Schorfheide war durch die Übernutzung während des Krieges und später durch die zu leistenden Reparationsleistungen erheblich gelichtet worden und hatte sich grundlegend geändert. Die für die Schorfheide typischen und weit über die Grenzen bekannten über 140 -jährigen Altholzbestände waren
entstanden gewaltige Kahlflächen. Der Wald der Reviere Rehluch und Lotzin wurde teilweise gerodet und bis Anfang der 1960 er Jahre als Truppenübungsplatz genutzt. Durch massive Aufforstungen, vor allem mit Kiefer, entstanden später große, zusammenhängende, gleichaltrige und teilweise eintönige Abschnitte. Deshalb entstand nach der Gründung des StJG »Schorfheide« die Forderung, besonders reizvolle Waldbilder zu erhalten.1 Damit erinnerte man sich an die forstlichen Schutzmaßnahmen aus der Zeit der Monarchie und der Stiftung Schorfheide. Der noch vorhandene Wildbestand wurde in den ersten Nachkriegsjahren stark dezimiert und wanderte in die Feldküchen der Besatzungstruppen oder fiel Wilderern zum Opfer. Erst nach 1960 kehrte sich der
bis auf wenige Reste verschwunden, aber auch jüngere Baumbestände hatten gelitten. In deren Folge
Trend um und der Bestand erholte sich langsam wieder.
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Der Zusammenbruch und die gesetzlose Zeit
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Sowjetische Militär karte für das Gebiet der Schorfheide, Eingren zung des Jagdgebietes, 1945.
Jagdgebiet der Sowjetischen Militär administration in Deutschland bei Johannismühle, 1966.
Einmarsch
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Zwei sowjetische Offiziere bei der Wasserjagd in der Sowjetischen Besat zungszone, Juli 1945.
Entwicklung des Wildbestandes in der Schorfheide 1940–1964 Wildart
1940
1960
1962
1964
Rotwild
1. 587
31
61
119
Damwild
2 .028
98
134
415
–
23
38
48
Muffelwild Schwarzwild Rehwild
509
20
114
174
–
206
461
780 2
Schon am 2 . Oktober 1945 bestimmte die Sowjetische Militäradministration in Deutschland (SMAD), dass das ehemalige Revier von Göring allein der SMAD vorbehalten bleiben sollte – und schuf damit das erste Sonderjagdgebiet auf dem späteren Areal der DDR, weitere sollten folgen. Im März 1946 befahl Armeegeneral Sokolowsij, den Landsitz der Familie des bis 1937 amtierenden Reichswirtschaftsministers
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Horace Greeley Hjalmar Schacht (1877–1970) in ein Erholungsheim umzuwandeln und erklärte ein Waldund Seengebiet im Umkreis von Alt Ruppin, Dollgow, Herzberg, Lindow, Meseberg, Regelin, Walitz, Wulkow und Zootzen zum Naturschutzgebiet. Jagen durften dort ausschließlich die Nutzer des Erholungsheimes. Ein weiteres Jagdrevier entstand südlich von Berlin in der Johannesmühler Heide, das dem früheren Fürsten von Solms Baruth gehörte. Um ausreichend Wildbret schießen zu können, ordnete »Die Militärische Jagdgesellschaft aller Waffengattungen der Gruppe der Sowjetischen Besatzungstruppe in Deutschland« mit Sitz in Potsdam Babelsberg im April 1946 an, Wild, das nicht älter als ein Jahr war, für die Errichtung eines Wildparks einzufangen. Darunter befanden sich fast alle jagdbaren Wildarten vom Fasan bis zum Rothirsch. Dafür sollten z. B. für einen Fasan 5 bis 10 und für männliches
Der Zusammenbruch und die gesetzlose Zeit
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Telegramm vom 20. Mai 1950 zu Schäden durch Schwarzwild.
Rotwild 100 bis 200 RM Prämie gezahlt werden. Für die Umsetzung der Fangaktionen war das neue Landesforstamt der Provinz Brandenburg verantwortlich. Im selben Jahr teilte der Landesforstmeister für die Mark Brandenburg Marquard in einem Rundschreiben mit, dass »im Einvernehmen mit der Militärischen Jagd-Gesellschaft aller Waffengattungen des Stabes der Sowjetischen Besatzungstruppen in Deutschland […] ab 10. Mai bis zum 1. August die Jagd auf alle Arten des Wildes verboten ist« 3 . Nur männliches Schwarzwild war, nach vorheriger schriftlicher Genehmigung, davon ausgenommen. Der Befehl des absoluten Jagdwaffenverbotes für Deutsche nach dem Krieg führte zu einem dramatischen Einbruch im Jagdwesen. Zwar blieben die Jagdpachtverträge aus der Zeit von vor 1945 in Kraft und die Eigenjagden zulässig. Doch ohne Waffen war es praktisch nicht möglich, auch tatsächlich zu jagen. In
Problem der alten J agdpachtvertr äge
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der Folge wuchs vor allem die Schwarzwildpopulation, was wiederum massive Proteste aus der Landwirtschaft nach sich zog. Die noch privaten Landwirte hatten unter hohen Sollabgaben zu leiden und sahen in der Vermehrung des Schwarzwildes eine Gefährdung der Nachkriegsernten und ihres Einkommens.
Problem der alten J agdpachtverträge In dieser fast gesetzlosen Zeit versuchten einzelne Gemeinden, aus Mangel an Vorschriften die Jagd selbst zu regeln. So fragte der Landrat von Angermünde an, wie er sich verhalten solle, da Personen die Ausstellung eines Jagdscheines wünschten – »mit der Behauptung, dass sie auch ohne im Besitz einer Jagdwaffe zu sein, Jagd auf Schwarz- und Raubwild machen könnten« 4 ,
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etwa mit Hieb- und Stichwaffen. Das Landesforstamt teilte daraufhin mit, dass auch solche Waffen vom Alliierten Kontrollrat verboten worden seien. Um Anfragen dieser Art beantworten zu können, wurde von der Landesregierung in Potsdam mit der Verfügung vom 20. September 1947 mitgeteilt, »dass das Reichsjagdgesetz vom 7. Juli 1934 vom Alliierten Kontrollrat nicht abgeschafft worden ist und seine Grundprinzipien weiterhin in Sachen des Jagdrechts für die deutsche Bevölkerung Anwendung findet« 5 . Demzufolge stand es weiterhin kommunalen Einrichtungen frei, ihre Jagdgenossenschaftsflächen an Interessierte zu verpachten, wobei ehemalige Mitglieder der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) oder ihrer Gliederungen ausgenommen waren. Mit der Einführung verschiedener Währungen in den westlichen und östlichen Besatzungszonen ent-
stand, besonders in den Randkreisen zu Berlin, ein neues Problem. Jäger, die in den Westsektoren von Berlin wohnten, traten zunehmend als Pächter auf, um zu gegebener Zeit, wenn Jagdwaffen wieder freigegeben würden, sich eine günstige Jagdmöglichkeit zu sichern. Einige der Gemeinden in der sowjetischen Zone sahen es nicht ungern, wenn sie für die Jagdverpachtung eine »Harte Währung« oder durch den Umtauschsatz von West-Mark in Ost-Mark – damals im Verhältnis von etwa 1:5 bis 1:7 – mehr Geld in ihre Kassen bekamen. Diese Pachtverträge hätten jedoch dem Landesforstamt und dem zuständigen Ministerium zur Genehmigung vorgelegt werden müssen, was teilweise nicht geschah. Noch 1950 vertrat das Brandenburger Wirtschaftsministerium den Standpunkt, dass eine Rückabwicklung von Pachtverträgen mit »Westberlinern« sinnvoll
Entwicklung des Gesamtjagdwaffenbestandes nach Unterlagen des MfS von 1966 bis 1970 Bezirk
Waffen 1966 pers. Waffen
Freigaben 1967
Berlin
197
5
15
60
217
Cottbus
477
4
10
1.043
491
Stand 1970 volkseigene pers. Waffen
Dresden
570
4
5
894
579
Erfurt
498
5
5
1.039
508
Frankfurt
297
5
25
858
327
Gera
373
3
10
877
386
Halle
484
5
10
1.119
479
K.-M.-Stadt
375
10
25
1.145
410
Leipzig
251
4
15
673
270
Magdeburg
591
5
20
1.468
616
Neubrandbg.
563
4
12
1.188
579
Potsdam
449
10
30
1. 522
489
Rostock
508
4
8
855
520
Schwerin
480
4
8
674
492
Suhl Gesamt
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Freigaben 1968 –1970
377
2
8
900
387
6.470
74
206
14.315
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Der Zusammenbruch und die gesetzlose Zeit
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wäre. Immerhin seien diese ja in Ostmark abgeschlos-
Flugplatz Dölln
sen worden und von »einer Einführung der Westmark in die Ostzone« 6 könne keine Rede sein. Im Kreis Luckau hatte etwa ein in Westberlin angestellter Kriminalbeamter in der Gemeinde Jetzsch eine Jagd für 1.065 Ost-Mark gepachtet, die ihn tatsächlich nur 162 West-Mark jährlich kosten würde. 7 Da dies zu Unmut bei einheimischen Jägern führen konnte, sollte dergleichen in Zukunft unterbunden werden. Als die Stadt Gransee am 19. Juli 1950 geplante Verpachtungen ankündigte, reagierte die Regierung gereizt. Durch die Hauptabteilung IV des Ministeriums für Land- und Forstwirtschaft der DDR der Landesregierung Brandenburg ließ sie am 29. Juli 1950 mitteilen, dass bis zum Inkrafttreten einer neuen Regelung und Einführung eines eigenen Jagdgesetzes »keine Bestätigungen zu erteilen sind« 8 . Anschließend wurde mit dem Runderlass Nr. 16/50 des Ministers für Wirtschaft eine Überprüfung von Verträgen angeordnet. Alle nichtbestätigten Verträge, deren Pächter ihren Wohnsitz nicht in der DDR hatten, waren sofort zu kündigen. Dies bedeutete die Trennung zwischen Ost und West im Jagdwesen. Der von vielen – auch Regierungsvertretern der DDR – gehegte Wunsch, es könne noch zu einem neuen, einheitlichen und sektorenübergreifenden Jagdgesetz kommen, zerschlug sich endgültig. Dies lag nicht zuletzt an der SMAD, die keine Jagdwaffen in deutschen Händen wünschte. Gleichwohl glaubte sie politisch immer noch, ein einheitliches deutsches Jagdgesetz – unter maßgeblich sowjetischem Einfluss – im Kontrollrat durchsetzen zu können. Doch die Interessen gingen, auch im Punkt Jagdrecht, zu dieser Zeit schon weit auseinander. In der sowjetischen Besatzungszone führten die unüberhörbaren Klagen der Landwirte, die die Nichterfüllung ihrer Pflichtabgaben mit der Schwarzwildplage begründeten, indes recht bald zu einem Umdenken und die SMAD genehmigte 100 Jagdflinten für das
Im nördlichen Teil der Schorfheide, in der Nähe der Orte Dölln und Bebersee, begannen bereits zu Beginn des Jahres 1950 die Planungen für den Bau des größten sowjetischen Militärflugplatzes in der DDR. Im Zuge dessen wurden fast 1.000 Hektar Wald gerodet und mit Landebahnen, Versorgungsgebäuden und Kasernen bebaut. Hier landeten während der Kuba-Krise 1962 sowjetische Transportmaschinen und brachten die ersten Atomraketen in die DDR. Im Winter 1951 begannen die umfangreichen Rodungsarbeiten für die große Militärgarnison in den Forstabteilungen 225 bis 227 und 239 bis 242 . Informationen über das Ausmaß und den Verlauf der Arbeiten sind vor allem aus den Archiven westlicher Geheimdienste überliefert, die versuchten, mehr über die Vorgänge zu erfahren, die sich in diesem Teil der Schorfheide abspielte. Vor allem die von den USA ins Leben gerufene Vorgängerorganisation des Bundesnachrichtendienstes (BND), die »Organisation Gehlen«,10 fand unter der heimischen Bevölkerung Informanten, die sich ein Ende des Sozialismus wünschten und bereitwillig Auskunft gaben. Doch auch von den Arbeitern, die auf der Baustelle beschäftigt waren, gab es immer wieder etwas zu erfahren, so z. B. 1952: »Bauarbeiter der Bau-Union berichten, dass westl. des Bahnhofs Vogelsang massive Kasernen errichtet werden sollen und dazu 2 .500 Arbeiter abgestellt werden, Transport von 2 . Mill. Ziegel hat begonnen, weitere 5.000 Arbeiter sollen Kasernen im Lager Kannenberg, westl. Hammelspring errichten […].«11 1955 wurde berichtet, dass neue sowjetische Truppen aus Österreich angekommen seien und bis 1960 bauliche Erweiterungen für 20.000 Soldaten geplant seien. 1956 hieß es, Panzer, die im Raum Schwedt an der polnischen Grenze stationiert waren, sollten zurückkehren und andere Truppen nach Un-
gesamte Besatzungsgebiet.
F lugplatz Dölln
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garn verlegt werden.12 Über die vermutete Lagerung von atomaren Sprengstoffen gaben Informanten an:
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Links: Flugzeugbunker auf dem ehemaligen Großflugplatz, Herbst 2010. Rechts: Die Landebahn wurde in den 1980er Jahren auf vier Kilome ter verlängert und war 80 Meter breit. Die Dicke der Landebahn betrug 1,5 Meter, Herbst 2010.
»21.07.1958 , Bauarbeiten werden durch sowj. Soldaten durchgeführt, wahrscheinlich sollen Bunker gebaut werden.« Und: »11. 08 .1958 , die Aufschrift ›Atom‹ wurde nicht mehr festgestellt.« Im November 1958 gingen Informationen ein, dass zwischen den Gemeinden Vogelsang und Groß Dölln unterirdische Flugzeughallen und im Dreieck Vogelsang, Templin und Groß Dölln eine Raketenabschussbasis errichtet werde.13 Im Zuge des militärischen Konfliktes zwischen den USA und der UdSSR über die Aufstellung von Mittelund Langstreckenraketen, die mit atomaren Sprengköpfen bestückt werden konnten, wurde der Flugplatz weiter ausgebaut. 1959 wurde berichtet: »Gerücht, dass im Waldgelände Groß Dölln Abschussbasen gebaut werden, verdichtet sich, jeder spricht es heimlich aus. Der Oberförster von Kappe äußerte sich, dass die Försterei Wesendorf geräumt werden muss, weil große
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Teile dieses Waldes durch das Amt für Nationale Verteidigung beschlagnahmt worden wäre.«14 Zeitgleich liefen Maßnahmen des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) an, um das Objekt geheimdienstlich abzusichern und ausländische Spione abzuwehren. Im MfS war von einem Flugplatz die Rede, auf dem die modernste Flugtechnik stationiert war, die für Sondermaßnahmen der Aktion »Sprung« in Reserve gehalten wurde. Damit war u. a. der An- und Abtransport von jährlich 50.000 bis 60.000 sowjetischen Militärangehörigen gemeint. Daneben diente der Flugplatz für Besuche der Führungsspitze der sowjetischen Partei- und Militärspitze in die DDR.15 Doch es ging nicht nur um die Abwehr von Spionen, sondern auch darum, Verbindungen zur eigenen Bevölkerung zu kontrollieren. Der Ort Groß Dölln etwa grenzte an den Flugplatz und war für sowjetische Offiziere ein erster Anlaufpunkt, um mit Deutschen
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in Kontakt zu kommen oder in eine der zwei gastronomischen Einrichtungen einzukehren. Da Offiziere der Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland (GSSD) in der DDR kaum über DDR-Mark verfügten, mit denen sie in Geschäften frei einkaufen konnten, suchten sie nach Gelegenheiten, um an zusätzliche finanzielle Mittel zu gelangen. Dafür boten Gaststätten eine bevorzugte Möglichkeit. Bereits das VolkspolizeiKreisamt Templin berichtete in einer Einschätzung, dass »die Angehörigen der sowjetischen Armee hier sitzen bzw. hinkommen und Schnaps kaufen«16 . Hier trafen sich Einwohner und schnell kam man mit den »Freunden«, wie die sowjetischen Soldaten und Offiziere allgemein genannt wurden, ins Gespräch. Vieles, was in der DDR als Mangelware galt, war von den Offizieren zu bekommen. So konnten sie Benzin zum Literpreis von 1 Mark anbieten, der an den Tankstellen der DDR für 1,50 Mark zu haben war.
F lugplatz Dölln
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Diese inoffiziellen Handelsbeziehungen blieben auch der Staatssicherheit nicht verborgen und sie begann, inoffizielle Mitarbeitern anzuwerben, um dagegen vorzugehen. So berichtete ab 1962 ein Mann aus Groß Dölln, zu dessen Aufgaben die »Absicherung der Gemeinde, besonders der Gaststätte, wo ständig Angehörige der sowj. Armee des Objektes Groß-Dölln verkehren«, gehörte. Unter dem Decknahmen »Kassette« berichtete er 1968 aber auch über Einwohner, die zur Wahl die Wahlkabine aufsuchten.17 Doch auch in anderen Gemeinden rund um den Flugplatz wurde fortlaufend nach geeigneten Mitarbeitern gesucht. In der Gemeinde Vietmannsdorf wurde 1985 »zur Gewährsleistung der konspirativen Treffdurchführung« eine Wohnung gesucht, in der »3 IMS und 1 GMS aus der Anliegergemeinde zum Schwerpunkt Flugplatz« mit ihren Führungsoffizieren sprechen konnten. Der seit 1974 tätige Inoffizielle Mitarbeiter (IM) »Frank«
Links: Soldat der GSSD in der DDR bei einer Zigarettenpause wäh rend einer Übung, 20. Februar 1965. Rechts: Startstellung einer auch in der DDR im Frühjahr 1959 eingesetzten sowjeti schen R-5M in Kapus tin Jar in Kasachstan, um 1957.
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1966 kam es in der DDR zu 15 Verfahren, in denen 28 Bürger beschuldigt wurden im Besitz von illegalen
Amerikanischer Mili tärkarabiner von 1917, der zu Wildererzwe cken genutzt, während der DDR-Zeit versteckt, und erst 2011 wieder
bot dafür die Voraussetzung, da er im Ortsteil Basdorf ein Zimmer zu konspirativen Treffen absicherte.18 Bis zum Ende der DDR zog sich über das gesamte Land ein Netz von konspirativen Treffpunkten, die für Gespräche oder Übergabe von Unterlagen genutzt wurden.
entdeckt wurde.
Illegale Waffen Seit jeher spielen Waffen für die Jagdausübung eine besondere Rolle. Doch in keiner Epoche wurde illegaler Waffenbesitz so konsequent, intensiv und nachhaltig verfolgt wie in der Zeit von 1945 bis zum Ende der DDR. Jeder Verdacht, und war es auch nur der geringste, hatte eine Untersuchung und teilweise auch eine Hausdurchsuchung zur Folge. Wurde eine illegale Waffe gefunden, die nachweislich nicht benutzt und nicht unverzüglich gemeldet worden war, kam der Eigentümer noch mit einer Verwarnung oder Rüge davon. Konnte jedoch nachgewiesen werden, dass die Waffe benutzt worden war, und war es nur, um die Funktion auszuprobieren, war eine Gerichtsverhandlung unvermeidlich und eine Haftstrafe möglich.
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Waffen und Munition gewesen zu sein. Unter den sichergestellten Waffen befanden sich zwölf Jagdwaffen, fünf Karabiner, acht Pistolen, zwölf Kleinkalibergewehre und 1.500 Schuss Munition. Als Motiv konnte in fast allen Fällen ein Hang zur Wilderei nachgewiesen werden. In drei weiteren Fällen ging es um Diebstähle von Jagdwaffen. Sogar Munition zu horten, war während der gesamten Zeit des Bestehens der DDR verboten. Alle Jäger mussten für jeden Schuss Munition unterschreiben und sogar Fehlschüsse angeben. In anderen Fällen wurde die Rückgabe der Hülsen gefordert, um einen realistischen Nachweis führen zu können. Wurde Schwarzmunition gefunden, galt das als ein Vergehen und konnte geahndet werden. Eine landesweite Überprüfung im Jahr 1967 ergab, dass die Abrechnung verbrauchter Munition fast ausnahmslos auf Vertrauensbasis erfolgte. Dabei konnte im Bezirk Rostock nachgewiesen werden, dass einige Jäger bereits bei der Ausgabe Angaben über verschossene Munition ins Nachweisbuch eintrugen. Ein Jagdleiter, zuständig für Altentreptow, konnte keine exakte Übersicht über die Ein- und Ausgänge der Jagdmunition vorweisen. Da man bei ihm außerdem einen Überbestand an Munition feststellte, wurde er abgesetzt und der Waffenstützpunkt aufgelöst. Das MfS verwies zusätzlich daraufhin, dass unmittelbar in der Nähe des Jagdgebietes die Ölpipeline von Schwedt nach Rostock verlief und die laxe Waffenführung eine Bedrohung darstelle. Beim Jagdleiter in Mittenwalde wiederum ergab die Überprüfung einen Munitionsbestand von zehn Kugelpatronen und 99 Schuss Flintenmunition, für die er keinen Eingangsnachweis erbringen konnte. In weiteren Fällen stellte die Staatssicherheit fest, dass Jäger »[…] eine negative politische Einstellung haben. Sie empfangen das Westfernsehen und hörten Westsender.« Wie erwähnt, waren Jagdwaffen in der DDR zu allen Zeiten Mangelware. In den Verkaufsstätten der
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sowjetischen Armee wiederum gehörten sie ganz selbstverständlich zum Sortiment. Der Kauf derartiger Waffen, hierbei handelte es sich immer um Jagdflinten, war für sowjetische Offiziere legitim und bedurfte keinerlei vorheriger Genehmigung. Da diese Läden auch für DDR-Bürger frei zugänglich waren, nutzten etliche die Gelegenheit, um an eine Jagdwaffe zu gelangen. Beispielsweise wandten sich 1966 vier Jäger einer Jagdgesellschaft aus dem Kreis Werdau an sowjetische Offiziere und kauften von ihnen entsprechende Flinten. Anschließend versuchten sie diese durch eine Anmeldung bei ihrem zuständigen Volkspolizeikreisamt (VPKA) zu legimitieren. Doch das misslang, die Waffen wurden sofort eingezogen und ein Strafverfahren eingeleitet. Ein anderer Jäger aus dem Kreis Bad Langensalza kaufte sich ebenfalls auf diesem Weg eine Waffe, behielt diese illegal und ging damit auf die Jagd. Als dies entdeckt wurde, nahm ihn die Volkspolizei sofort in Untersuchungshaft und eröffnete ein Verfahren. Ähnliche Fälle gab es in fast allen Teilen des Landes, vor allem in Gebieten, in denen sich Garnisonen der sowjetischen Truppen befanden, z. B. aus Eberswalde, Königs Wusterhausen, Neustrelitz, Prenzlau, oder Schwerin. Als Begründung gaben die Betroffenen an, »dass in der DDR die Sicherheitsbestimmungen überspitzt angewendet würden, während sich in der CˇSSR und in der VR Polen jeder Bürger eine Jagdwaffe kaufen könne«19 . Da in der UdSSR der Erwerb von Jagdflinten genehmigungsfrei war, versuchten Jäger aus der DDR, über Freunde oder Bekannte dort Waffen zu erwerben. Zwei Jäger brachten von einer Reise aus der Sowjetunion je eine Jagdwaffe im Koffer mit und legten bei der Einreise auf dem Flughafen Schönefeld Schenkungsbelege vor. Zwei weitere Jäger ließen sich in der CˇSSR Waffen schenken und präsentierten der Zollstelle an der Grenze eine entsprechende Schenkungsurkunde. Einer der beiden gab an, die Waffe bei einem Preisschießen gewonnen zu haben, der andere habe seine Waffe wegen »vorbildliche[r] Arbeit bei der Durchführung eines
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Forschungsauftrages« geschenkt bekommen. Erfolg hatten diese Tricks nicht: In allen Fällen wurden die Waffen eingezogen und ein Verfahren gegen die Jäger eingeleitet. Die Staatssicherheit stellte dann auch fest: »Offensichtlich wird in Fragen des Erwerbs persönlicher Eigentumswaffen auf dieser Basis in den einzelnen Bezirken noch eine ungleiche Praxis ausgeübt.« Als sich bei den Ämtern für Erlaubniswesen der Polizei die Anfragen häuften, von sowjetischen Freunden Jagdwaffen erwerben zu dürfen, erging nochmals ein Rundschreiben an alle Jagdkollektive, das klarstellte: Der Erwerb von Waffen, egal ob als Geschenk oder als Kauf, werde strafrechtlich verfolgt.
Wildschäden und Wilderei Unmittelbar mit dem Beginn der Besatzungszeit und dem Waffenverbot verstärkte sich in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) die Wilderei. Da die sowjetischen Truppen selbst unter Versorgungsschwierigkeiten litten, nutzten sie jede Gelegenheit, um in der Nähe ihrer Garnisonen auf ungesetzlichen Fischfang oder auf die Jagd zu gehen. Dabei handelte es sich ausschließlich um Offiziere und ihnen untergebene Soldaten, die als Hilfskräfte missbraucht wurden. Bis in die 1960 er Jahre scheuten sie sich nicht davor, mit Handgranaten in Gewässern zu fischen, setzten neben Jagdflinten auch Maschinenpistolen ein und erwiesen sich im Legen von Schlingen als überaus geschickt. Während die Besatzungstruppen nach 1945 die Jagd wahllos und unabhängig von Schonzeiten mit ihren Waffen ausübten, beschränkte sich die Forstverwaltung notgedrungen auf Bemühungen, mit Saufängen der Schwarzwildplage Herr zu werden. Die sowjetischen Truppen nutzten diesen rechtsfreien Raum und etablierten einen regen Handel mit Wildbret, um sich selbst mit Geld und zusätzlichen Lebensmitteln versorgen zu können.
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Forderung nach Jagdgewehren, 1948.
Über die damaligen Verhältnisse schrieb 1948 der Forstmeister von Liebenwalde an das Landesforstamt in Potsdam: »Seit dem Jahre 1945 wurde dem Wild ohne Rücksicht auf Schonzeiten während des ganzen Jahres durch Angehörige der Besatzungsmacht nachgestellt, sodass jetzt nur noch einzelne Exemplare der Wildarten vorhanden sind, die als Naturseltenheiten anzusehen sind.« 20 Doch nicht nur die Besatzungsmacht wilderte, auch unter den Deutschen nahm die Wilddieberei ungeahnte Formen an. Mit versteckten Militärgewehren, nicht abgegebenen Jagdwaffen oder Drahtschlingen wurde in den Wildstand eingegriffen. So berichtete das Forstamt Bad Freienwalde 1947, dass »im Revier Sonnenburg […] eine Wilddiebsbande mit Motorrädern die Förstereien unsicher macht und Schlingen stellt. Ein solches Motorrad verlor, auf dem Fluchtweg eine Drahtschlinge, die in Art und Material einigen hundert bereits gefundenen Schlingen entspricht. Anscheinend ist die Zentrale der Wilddiebe in Eberswalde in einem Betrieb, der landwirtschaftliche Maschinen herstellt.« 21 In Groß Schönebeck kam es 1952 zu einer aufsehenerregenden Verhaftung von mehreren Einwoh-
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nern, denen Wilddieberei und Hehlerei vorgeworfen wurde. Wegen des hohen Schwarzwildbestandes waren in der Nacht Feldhüter unterwegs, um das Wild von den Äckern fernzuhalten. Dabei bedienten sie sich nicht selten mit Militärwaffen aus dem vergangenen Krieg. Im vorliegenden Fall traf der Fleischermeister Suter 1949 bei der Bewirtschaftung seines Feldes den Feldhüter Maaß, der einen Karabiner mit sich führte. Im Gespräch teilte dieser ihm mit, dass er ein Wildschwein erlegt habe und bot es seinem Gegenüber zum Kauf an. Da in dieser Zeit die Versorgung mit Fleisch noch sehr mangelhaft war, übernahm der Fleischermeister das Stück für etwa 50 Mark und verkaufte es teilweise in seinem Geschäft als Rindfleisch. In den folgenden Jahren wiederholten sich die Ankäufe, ohne dass sich jemand daran störte. Die Bevölkerung nahm das zusätzliche Fleischangebot – auch von Rotwild – gern an, war er doch sogar ohne Fleischmarken möglich. Erst als die Waffe aus einer Strohmiete, in der sie versteckt lagerte, auf unerklärliche Weise verschwand, wurde die Wilderei der Polizei bekannt. Daraufhin wurden insgesamt drei Einwohner festgenommen und Suter zu 3 Jahren und 8 Monaten Gefängnis verurteilt.
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Obwohl sich öffentliche Institutionen und Einwohner in Briefen für den Angeklagten einsetzten, wurde ihm das weitere Betreiben seines Geschäftes untersagt und es musste am 7. Februar 1953 geschlossen werden. 22 Die Wilddieberei muss damals ein derartiges Ausmaß angenommen haben, dass sich die Landesregierung Brandenburg veranlasst sah, die Einrichtung einer Forstpolizei vorzubereiten, die mit Schusswaffen ausgerüstet werden sollte. Dazu sollten alle Forstämter geeignete Personen vorschlagen, die politisch unbelastet, also keine Mitglieder der NSDAP gewesen waren. Der Leiter des Einheitsforstamtes Eberswalde Oberforstmeister Ostwald begründete seinen Vorschlag damit, es würden sich Bandengruppen von drei bis vier Männern bilden, die selbst vor Drohungen gegenüber Forstbeamten nicht zurückschreckten, wie der Mord an einem Passanten am 5. November 1947 beweisen würde. Zur »Verhinderung einer barbarischen Ausrottung seltener Tierarten« in Mecklenburg-Vorpommern ordnete der zuständige Chef der SMAD mit dem Befehl Nr. 15 an: »Die Jagd auf Haar- und Federwild […] wird nur Militärjagdkollektiven und Jägern der Allrussischen Militärjagdgesellschaft, welche einen Jagdschein bei sich haben, gestattet.« 23 Dazu wurden verbindliche Jagdzeiten für jede Wildart festgelegt. Schwarzwild durfte danach nur vom 1. April bis 1. September und von »Jägerkommandos mit Erlaubnis des Verwaltungsrates« der SMAD erlegt werden. Der Abschuss von Elch- und Damwild war lediglich auf ausgewiesenen Flächen gestattet. Gleichzeitig war die Jagdausübung mit Kriegswaffen, wozu auch automatische Waffen inklusive Beutewaffen zählten, strikt verboten. Bis zum Ende der DDR wurde dieses Verbot immer wieder gebrochen. Erstmals wurden in diesem Befehl die Forstämter Dobberzin, Jabel, Jasnitz, Leussow und Sandkrug genannt, in denen ohne Sondergenehmigung die Jagd auf alles Haar- und Federwild verboten war. In den Forstämtern Darß, Rowan, Speck, Strelitz, Steinförde und Werder sowie in den Revieren Base-
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dow im Kreis Malchin und in der Rostocker Heide bis nach Ribnitz war die Jagd auf Rot- und Damwild bis auf Weiteres ganzjährig verboten. 24 Für das Land Brandenburg galt die entsprechende Veröffentlichung in dem Organ »Die Rote Armee« der sowjetischen Besatzungstruppen vom 13. Mai 1947: »Zur Kenntnis der Jäger. Mit dem 5. Mai ist die Jagd auf alle Arten von Wild und Federwild verboten. Vom 1. Juni bis zum 1. September ist die Jagd nur auf Schwarzwild – aus Gründen der Bekämpfung von Wildschäden – den militärischen Jagdkommandos mit schriftlicher Genehmigung« 25 gestattet. Private deutsche Jäger blieben demnach außen vor. Derweil meldete das Forstamt Luckenwalde wegen der wilden Jagden sowjetischer Offiziere an das Landesforstamt: »[…] es ist sogar schon etwas alltägliches, dass Wild, in der Hauptsache Schwarzwild und Hase, bei der Zivilbevölkerung zum Kauf angeboten wird. […] Der geforderte Preis bewegt sich bei Schwarzwild zwischen 20 –25 DM je ½ kg, […] Auch in Lokalen wird Wildbraten sogar auf die Speisekarte gesetzt. Selbst auf dem Forstamte, als Gipfel der Ironie, wurde hiermit schon hausiert.« 26 Um die Schwarzwildplage zu mindern, erhielten deutsche Landwirte die Erlaubnis, auf ihren eigenen Grundstücken Saufänge anzulegen, während Tellereisen grundsätzlich verboten blieben. Das dabei erlegte Schwarzwild war zur Hälfte an Krankenhäuser, Kinderheime oder andere Sozialstationen abzugeben. 27 In der Zwischenzeit sah sich die SMAD durch die zunehmenden Beschwerden der deutschen Verwaltung gezwungen, im Befehl Nr. 98 vom 1. Juni 1948, Jagdkommandos zu genehmigen. In Abstimmung mit der Deutschen Verwaltung des Innern (DVI) und der Deutschen Wirtschaftskommission (DWK) waren diese nur aus Zivilpersonen, politisch einwandfreien, geprüften deutschen Forstangestellten zu bilden. Doch erst zwei Jahre später, im Juni 1949, kam es zur Bildung von Jagdkommandos durch die deutsche Bereitschaftspolizei, die in die Bekämpfung des Schwarz
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Zeichnung für eine Fanganlage für Schwarzwild, 1946.
wildes eingreifen sollte. Die Gruppen sollten aus vier der besten Schützen, nach Möglichkeit Offizieren, gebildet werden. Jedes Kommando sollte über vier Gewehre verfügen und die Anzahl der Treiber sollte 20 Mann nicht übersteigen. Die Umsetzung dieses Vorhabens verzögerte sich jedoch, da die vom Ministerium für Land- und Forstwirtschaft vorgeschlagenen Jäger den Anforderungen der Überprüfung durch die Landespolizeibehörden nicht entsprachen. Nach einer Aufstellung vom 1. Juni 1948 belief sich die Anzahl des im Land Brandenburg vorhandenen Schwarzwildes auf circa 3. 500 Stück. Der Kreis Lübben schätzte seinen Bestand auf 200, die Kreise Beeskow und Lebus auf je 330, die Kreise Prenzlau, Templin und Ruppin auf je 250, der Kreis Ostprignitz
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meldete den höchsten Bestand von 520, die Kreise Ober- und Niederbarnim auf je 100 und der Kreis Westhavelland lediglich auf 100 Stück 28 ein. Die tatsächlichen Schäden durch Schwarzwild waren für die damaligen Verhältnisse übersichtlich. Nach einer Auflistung für das Land Brandenburg vom Juni 1952 betrug die geschädigte Gesamtanbaufläche von Kartoffeln 115.106 Hektar, davon waren 1.572 (1,36 Prozent) Hektar durch Schwarzwild neu befallen und 3.068 Hektar (2 ,99 Prozent) befallene Flächen in den Vormonaten gemeldet worden. Auf eine Anfrage an den Minister des Innern Bechler, wann mit der Auslieferung von Jagdwaffen zu rechnen wäre, ließ dieser im Juni 1948 antworten, dass die SMAD eine Zuteilung in Aussicht gestellt habe. Mit besagtem Befehl Nr. 98 genehmigte der Stellvertreter der SMAD Generalleutnant Dratwin auch 100 glattläufige Jagdgewehre zur Schwarzwildbekämpfung für die gesamte Sowjetische Besatzungszone – also von der Ostsee bis zum Thüringer Wald. Für das Land Brandenburg standen am 21. Juli 1948 15 Jagdgewehre zur Verfügung. Drei davon wurden gleich für Angehörige der Landesregierung abgezweigt. Zu den glücklichen Empfängern zählte der Leiter des Landesforstamtes Otto Klubach, dessen Stellvertreter Ernst Schlickum und der Referent für Jagdwesen Johann Moltschanowsky. Mit sechs Gewehren sollten ein Jagdkommando im Kreis Perleberg und ein zweites im Kreis Ostprignitz ausgestattet werden. Die restlichen Waffen gingen an ein Jagdkommando, das für die Kreise Lübben und Guben zuständig war. 29 Zu den ersten Forstangestellten, die eine Waffe führen konnten und das Jagdkommando I für den Kreis West- und Ostprignitz bildeten, gehörten u. a. Forstmeister Glaga, Hilfsförster Schicketanz, Förster Rehberg, Oberförster Franke, Revierförster Pagel und Förster Heidmann. Sie alle waren Mitglieder der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) und wurden einer eingehenden Prüfung unterzogen. Munition erhielten sie umständlich von der russischen
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Jagdgesellschaft mit Sitz in Potsdam-Babelsberg. Allerdings durfte sie nicht von den Jägern direkt, sondern musste vom Landesforstamt angekauft werden. 1952 setzte sich die Einsicht durch, dass die Jagdkommandos der Volkspolizei allein nicht in der Lage waren, den Bestand an Schwarzwild zu regulieren, und die 1952 gegründeten 104 staatlichen Forstwirtschaftsbetriebe stärker eingebunden werden müssten. Politisch zuverlässige und jagdlich erfahrene Forstangestellte sollten nun mit Jagdberechtigungsscheinen ausgestattet und in die Tätigkeit der polizeilichen Jagdkommandos eingebunden werden. Gleichzeitig wurde darauf hingewiesen, dass »die unter den Forstangestellten teilweise noch bestehenden Hemmungen hinsichtlich des Abschusses von tragenden und führenden Bachen […] endlich überwunden werden müssen« 30 . Vom totalen Abschuss ausgenommen waren Fasane, Rebhühner und Wachteln, weil diese als nützlich zur Bekämpfung der Kartoffelkäferplage galten. Eine Ausnahme wurde auch bei der Einzeljagdausübung gemacht. Wenn die Jagd auf Schwarzwild aussichtsreich war, konnte der Jäger mit Erlaubnis des Leiters des jeweiligen Jagdkommandos eine alleinige Ansitzjagd durchführen. Zur Eindämmung der Schwarzwildplage fand am 28 . Dezember 1949 die wahrscheinlich erste Regierungsjagd der Landesregierung Brandenburg in Schwenow Kreis Beeskow-Storkow statt. Treffpunkt war die Revierförsterei Ragow. Eingeladen hatte der neue Ministerpräsident Rudolf Jahn, der jedoch selbst an der Jagd nicht teilnahm. Unter den 16 Teilnehmern waren u. a. der Minister für Planung der DDR Heinrich Rau, der Minister für Industrie der DDR Fritz Selbmann, der Präsident des brandenburgischen Landtages Otto Meier, der Chefinspektor der Volkspolizei Fritz Eikemeyer sowie Paul Görbing vom Zentralvorstand der SED. Diese Jagd entsprach noch nicht der einer späteren Staatsjagd, sondern der einer ganz normalen Gesellschaftsjagd, in einem landeseigenen Revier. Über die Jagdstrecke sind leider keine Angaben in den eingesehenen Unterlagen gemacht worden.
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Karikatur in der Zeitschrift »Eulen spiege«l zum Jagd verbot für Förster, 1956.
Mit der Gründung der Staatsforstbetriebe (StFB) waren diese auch für die Beschaffung, Kontrolle und Verwaltung der volkseigenen Waffen verantwortlich. Über die Ausgabe, Abgang und Eingang hatten diese mit ihren Jagdleitern schriftliche Nachweisbücher zu führen. Jäger, die sich eine Waffe ausliehen, mussten diese innerhalb von 24 Stunden wieder abgeben. Gerade diese Frist wurde in allen Bezirken regelmäßig überschritten. In einigen Fällen kam es zu Ausleihen bis zu 14 Tagen. In einem Waffenstützpunkt, den der StFB »Belzig« zu kontrollieren hatte, lag sogar die letzte Prüfung acht Jahre zurück. Schon damals waren Waffen und Munition strikt getrennt voneinander aufzubewahren. Jeder Jagdleiter musste bei einer Lagerung von mehr als fünf Waf-
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fen im Vorfeld einen Stahlblech- oder Panzerschrank nachweisen, der von der Polizei abgenommen wurde. Einzelwaffen konnten noch in anderen fest verschließbaren Schränken gelagert werden. Ein Jagdleiter aus dem Kreis Gadebusch hinterlegte den Schlüssel für den Waffenschrank so, dass er während seiner Abwesenheit von jedem Mitglied der Jagdgesellschaft geholt und eine Waffe ausgeliehen werden konnte. Ein anderer Jagdleiter aus dem Kreis Hainichen hinterlegte gleich Waffen und Munition in der Wohnung eines Vertrauten, der jedoch über keinen entsprechenden Schrank verfügte. Ähnliche Missstände fanden sich bei Inhabern von persönlichen Eigentumswaffen, die bei unangemeldeten Überprüfungen etwa in Kleiderschränken, an Garderobenständern oder gleich neben der Eingangstür vorgefunden wurden. Ein Jäger aus dem Kreis Kamenz hatte seine Waffe am Bett hängen, als die Prüfer an der Haustür klingelten. Ein Jäger aus Menzlin bewahrte seine Waffe in seinem unverschlossenen Kleiderschrank auf. Ein anderer hatte sie – ebenfalls unverschlossen – in seiner Küche hängen und der Vorsitzende einer Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (LPG) beauftragte seinen 14 -jährigen Sohn, seine Waffe offen dem Jagdleiter zu überbringen. Ein Jäger aus Klempenow hatte sich vorschriftsmäßig eine Jagdwaffe von seinem Jagdleiter ausgeliehen und bewahrte diese am Tag in seinem Büro auf, um nach Dienstschluss gleich auf die Jagd gehen zu können. Doch überraschend wurde er auf dem Weg ins Revier von einem Kollegen zu einem Umtrunk eingeladen. Also ging er nicht mehr zur Jagd und hing er seine Waffe an den Gartenzaun, 31 wo sie später von Spaziergängern gefunden wurde. Derartige Vorfälle hatten fast immer den Entzug der Jagderlaubnis, mindestens jedoch eine zeitlich begrenzte Jagdsperre zur Folge. In allen Bezirken stieß man auf Fälle von nicht ordnungsgemäßem Umgang mit Jagdwaffen. Am häufigsten spielte Alkoholgenuss dabei eine nicht unwesentliche Rolle. Ein Jäger der Jagdgemeinschaft Altenpleen
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im Kreis Stralsund ließ seine Waffe in einer gastronomischen Einrichtung stehen und holte sie erst vier Tage später von dem Gastwirt wieder ab. Ein anderer aus dem Kreis Halberstadt verlor seine Waffe auf dem Weg von der Kneipe nach Hause. Er bemerkte den Verlust erst, nachdem er seinen Rausch im Wald ausgeschlafen hatte. Nach seiner Anzeige bei der Polizei begann eine Suchaktion, bei der die Waffe wieder aufgefunden werden konnte. Im Kreis Auerbach wollte ein Jäger sich im Wald mit anderen treffen, um ihnen die Jagdwaffen zu übergeben. Dort angekommen, stellte er zu seinem größten Entsetzen fest, dass sich in seinem Motorrad mit Seitenwagen nur noch zwei der drei Waffen befanden. Eine war ihm auf der Fahrt aus dem Seitenwagen gefallen ohne dass er es bemerkt hatte. Alles Nachsuchen half nichts, die Waffe war verschwunden. Doch er hatte Glück, ein Spaziergänger fand die Jagdwaffe und gab sie bei der Polizei ab. Aus den Bezirken Erfurt und Suhl kam die Meldung, dass Jäger im Sommer, bevor sie zur Jagd gehen wollten, an einem See erst baden gingen und ihre Waffen in einem Zelt zeitweise unterstellten. Ebenso ist es zu Fällen gekommen, bei denen Jäger ihre Waffen sogar »westdeutschen Besuchern zur Verwahrung übergaben« 32 , so ein Jagdleiter aus dem Kreis Schmalkalden. In Rübeland, im Kreis Wernigerode, fühlte sich ein Jäger in seiner Ruhe gestört als Jugendliche laut durch die Gegend zogen. Um sie zu Ruhe und Ordnung zu ermahnen, schoss er einen Warnschuss in die Luft. Daraufhin fühlten sich die Jugendlichen bedroht, entwaffneten kurzerhand den Jäger und gaben die Waffe bei der Polizei ab. Doch es gab ebenso Fälle, wo Jäger ihre Waffe gegen sich selbst richteten und Suizid begingen. Im Bezirk Magdeburg konnten zwei Fälle nachgewiesen werden. Republikweit wurden 14 Jagdunfälle allein im Jahr 1965 gemeldet, von denen zwei tödlich endeten. Zum überwiegenden Teil handelte es sich dabei um das ungewollte Lösen von Schüssen oder das Schießen in die Treiberkette. Im Kreis Glauchau verletzte ein Jäger
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einen anderen am Kopf durch eine Schrotladung. Im anderen Fall war ein Jäger im Wald eingeschlafen und sein rotblondes Haar hielt ein weiterer Jäger für das Fell von einem Fuchs und schoss. 33 Doch auch aus den Reihen der »Freunde«, dem sowjetischen Jagdklub, wurden Verstöße bekannt. In vielen Fällen handelte sich dabei um die Nichteinhaltung von Schonzeiten. Aus der Jagdgesellschaft Estedt im Kreis Gardelegen wurde gemeldet, dass sowjetische Jäger wahllos schossen und dadurch die Wildbestände stark reduziert würden, ohne dass sie sich erholen könnten. So fand sich in diesen Gebieten häufig verludertes Wild. Und auch Fasane, die ausgewildert werden sollten, wurden rigoros beschossen. Im Jagdgebiet Calau schossen sowjetische Jäger das Wild direkt an Winterfütterungen, die deutsche Jäger gebaut hatten. Ebenso war das Jagen mit Scheinwerfern kein unbekanntes Vorgehen. So im Bezirk Dresden, wo später krankgeschossenes Rehwild aufgefunden werden konnte. Um all diese Dinge einzudämmen und vor allem unter Kontrolle halten zu können, schätzte das MfS die »Erhöhung der Einflussnahme des MfS, insbes. auf die politische-ideologische Erziehung der Jagdteilnehmer mittels IM« als dringend notwendig ein. Zudem müsse die »Allseitige Ausnutzung des vorhandenen inoffiziellen Netzes durch konkrete Auftragserteilung und Instruierung in Richtung der operativen Absicherung der Jagdgesellschaften« umgesetzt und die »vertraulichen Helfer der VP (nach Befehl 2/66 des MdI) zur operativen Absicherung der Jagdgesellschaften« 34 verstärkt eingesetzt werden. Die Jagd war eröffnet.
Erste Sonder jagdreviere Nachdem 1953 das erste Jagdgesetz der DDR in Kraft getreten war, wurde intensiv daran gearbeitet, inte ressante Jagdgebiete den Jagdkollektiven zu entziehen und für die Politbüromitglieder der SED zu sichern.
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Vorrangig galt es, die Jagdinteressen der SMAD zu berücksichtigen und strikt einzuhalten. Einen Spielraum hatte die junge Republik damals noch nicht. Am 8 . Juli 1954 gab der damalige Innenminister Stoph den als »Vertrauliche Verschlusssache« definierten Befehl Nr. 25/54 heraus. Danach hatte die Polizei die ihr übergebenen Waldgebiete in eigene Jagdgebiete einzuteilen und bis zum 10. August eine Liste mit deren genauen Bezeichnungen einzureichen. Gleichzeitig hatten die »Chefs der Zweige der Volkspolizei und der Staatssekretär für Staatssicherheit Vorschläge für die Schaffung von Sonderjagdgebieten für ihren Zweig in entsprechenden Waldungen« 35 vorzulegen. Bereits im Vorfeld waren alle StFB in der Republik aufgefordert worden, mögliche Sonderjagdgebiete auszuweisen und zu melden. So erhielt der Direktor des StFB »Mün cheberg« am 31. März 1954 folgendes Schreiben: »Sie werden hiermit beauftragt, 5 Sonderjagdgebiete im Zusammenhang in den Revierförstereien Tiefensee und Blumenthal zu bilden.« 36 Für das Geschehen in der Schorfheide war in dieser Zeit Walter Ulbricht verantwortlich. Er lud den Direktor des StFB »Bernau« mit Sitz in Groß Schönebeck, Horst Naß, zu sich und beauftragte ihn damit, aus der Schorfheide einen Volkswald zu machen, in dem die Bürger und Bürgerinnen sich erholen sollten. Bisher hätten Kaiser und Nazis über die Schorfheide bestimmt, damit sei jetzt Schluss, so Ulbricht. 37 Freilich hatte diese Vorgabe nicht lange Bestand. Im November 1954 stand fest, welche Areale zu Sonderjagdgebieten vorgesehen werden sollten. Federführend dabei war das Ministerium des Innern. Schon im folgenden Jahr gab es republikweit 129 Sonderjagdgebiete, in denen vorwiegend hohe Funktionäre der SED, Minister, Betriebsleiter, Professoren ungestört jagen durften. 38 Hinzu kamen weitere rund 170 Jagdgebiete, die für die sowjetische Armee reserviert waren. Im Bezirk Rostock befanden sich z. B. 16 Gebiete mit einer Fläche von insgesamt 51. 283 Hektar. Potsdam stellte 35 Gebiete mit 79.149 Hektar Jagdfläche und
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Karte des Kreises Bernau mit den Son derjagdgebieten in der Schorfheide. Nr. 28, 32 und 36 waren Jagdge biete des Ministeriums des Innern und Nr. 34 und 35 Truppen übungsplatz der Kaser nierten Volkspolizei.
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war damit einer der am stärksten betroffenen Bezirke. Wie gering der Wildstand in diesen Gebieten zu dieser Zeit war, verdeutlicht der vorgesehene Abschussplan für das Jahr 1954. An Schwarzwild konnten 171 Stück und an Rotwild nur zehn Stück erlegt werden. 39 Über den Abschuss von Wild in den von der Roten Armee bejagten Gebieten gab es bis zum Abzug der Truppen 1991 keine überprüfbaren Angaben. Einige Sonderjagdgebiete wurden für das Diplo matische Corps gesichert. In fünf StFB waren für diese Gruppe Reviere reserviert. In der Schorfheide betraf das die Reviere Döllnsee mit 1.165 Hektar und R arangsee mit 1.084 Hektar. Der Wildstand wurde dort mit 25 Stück Rot-, zwölf Stück Dam-, zehn Stück Muffel-, 16 Stück Schwarz- und sieben Stück Rehwild angegeben. 40 Das »Sonderjagdgebiet des MdI Schorfheide« wurde laut Protokoll am 21. Januar 1955 gegründet. Es umfasste die Reviere Hubertusstock (Revierleiter: Adamik), Eichheide (Rabsch), Wildfang (Peter), Kienhorst (Meyer), Miechen (Linz) und Lindhorst (Bandau). 41 Forstwirtschaftlich unterstanden die Reviere 1, 4, 5 und 6 dem StFB »Schorfheide« mit Sitz in Joachimsthal und die Reviere 2 sowie 3 dem StFB »Bernau« mit Sitz in Groß Schönebeck. Als Jagdverantwortliche waren Adamik für die Reviere 1 bis 3 und Meier für die Reviere 4 bis 6 eingesetzt worden. Die Revierleiter wurden ausdrücklich darauf hingewiesen, dass sie »nicht verpflichtet und weiterhin nicht berechtigt sind, ihren vorgesetzten Dienststellen geforderte Berichte über die durchgeführten und vorgesehene Maßnahmen im Sonderjagdgebiet zu geben« 42 . Damit war bereits hier der Grundstein für die spätere Ausgliederung der Reviere und Gründung des Militärforstbetriebes »Schorfheide« gelegt. Dies war auch den Revierleitern bewusst, die anmerkten, dass »ihnen von Seiten der Staatl. Forstwirtschaftsbetriebe erhebliche Schwierigkeiten bereitet werden und [sie] erklärten weiterhin, dass auch für die Zukunft Zwistigkeiten betr. Zuständigkeiten auftreten werden«.
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Nur ein Jahr später trat das Ministerium des Innern das Sonderjagdgebiet »Schorfheide« an das Ministe-
Protokoll über die
rium für Nationale Verteidigung ab. Neuer »Bevollmächtigter für Jagdfragen im Raum Joachimsthal« wurde Hauptmann Förster mit Sitz in Hubertusstock.
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Sonderjagdgebiete des in der Schorfheide, 1955.
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Geheime Arbeitskarte des MfS mit 27 aus gewiesenen Sonder jagdgebieten in der DDR ohne Schorfheide und Wolletz.
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