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Erik Lorenz · Robert Rauh

Fontanes Fünf Schlösser Alte und neue Geschichten aus der Mark Brandenburg

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Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abruf bar. Alle Rechte vorbehalten. Dieses Werk, einschließlich aller seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Verlages unzulässig und straf bar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikro­verfilmungen, Verfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung auf DVDs, CD-ROMs, CDs, Videos, in weiteren elektronischen Systemen sowie für Internet-Plattformen. © edition q im be.bra verlag GmbH, 2017 KulturBrauerei Haus 2 Schönhauser Allee 37, 10435 Berlin post@bebraverlag.de Lektorat: Gabriele Dietz, Berlin Umschlag: hawemannundmosch, Berlin Satz: typegerecht, Berlin Schrift: Dante MT 10,5/13,6 pt Druck und Bindung: GGP Media, Pößneck ISBN 978-3-86124-701-2 www.bebraverlag.de

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Inhalt

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Vorwort

Hoppenrade Das zauberhafte Schloss 13

»Niemand aber kam, uns zu begrüßen« Empfang in Hoppenrade

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Drei Hochzeiten und ein Duell Die fabelhafte Krautentochter

30

»Die Russen kommen!« Das Gedächtnis von Hoppenrade

42

Konsum, Kneipe, Klub und Künstler Das Schloss als Volkseigentum

51

Filme, Feste und Herr Fehsenfeld Die Rettung des Schlosses

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Partyraum oder Patronatskirche? Die Zukunft der Schlosskapelle

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Liebenberg Das mondäne Schloss 71

»Hinter uns ist noch ein Schloss« Ein Argentinier in Liebenberg

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Hier jagten Kaiser, Göring und Ulbricht Wildbeobachtung mit einem Olympioniken

87

»Fatale Dinge« Fontane und Philipp zu Eulenburg

95

Fürstendämmerung Der Kaiser und die »Eulenburg-Affäre«

108

»Deutschlands Sein oder Nichtsein« Verstrickung und Widerstand

116

Von blaublütigen Fürsten zu roten Genossen Liebenberg als »Volksgut«

125

Irrwege und Leuchtfeuer Der Liebenberger Weg

Plaue Das morbide Schloss 132

»Fontane war Dichter, kein Historiker« Der Schloss-Experte

144

»Unter Plaues ewig blauem Himmel« Fontane bei Wiesike

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Kein Zaun, nirgends Der Schlosspark sind wir

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Nicht nur Rauputz und Russisch Zwischen Enteignung und Versteigerung

171

Kapital und Kunst Keuchels Schlosskonzept

Quitzöbel Das verfallene Schloss 180

Umschau halten Fontanes Kirchturm

191

»Das gegenwärtige Schloss Quitzöwel« War Fontane im Haus?

202

Freibier, Feuerwerk und ein Vortrag Dorffest in Quitzöbel

207

Am Schreibtisch der Gräfin Schüler und Lehrlinge im Schloss

214

Die unverwirklichte Vorstellung Der Schlossherr

Dreilinden Das verschwundene Schloss 227

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Ein geheimnisvoller Gedenkstein Kisos Revier

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»Lobposaunung und Liebedienerei« Die märchenhafte Tafelrunde

253

Die Geschichte eines angekündigten Unglücks Der »Rote Prinz« und seine »Soldatenfrau«

258

Was vom Schlosse übrig blieb Die Abrissakte

268

Epilog

Anhang 276

Die fünf Schlösser – eine Übersicht

278

K arte

279

A nmerkungen

285

Literatur und Quellen

287

Abbildungsnachweis

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Danksagung

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Vorwort

»Natürlich ist es eine Art ­Fortsetzung zu den ›­Wanderungen‹, aber doch etwas anders, und will seinen e ­ ignen Weg gehn.« Theodor Fontane, 1888

Fontane ist Kult. Wo der Dichter in Brandenburg einst Station machte, wird er heute stolz zitiert: in Ortschroniken, Reiseführern, Hotelprospekten und auf diversen Internetportalen. Die Begeisterung und Bewunderung der Brandenburger und ihrer Besucher für die Wanderungen durch die Mark Brandenburg resultiert aus der Gabe Fontanes, Geschichte in Geschichten zu erzählen. Mit seinem Buch Fünf Schlösser, erschienen 1889, hat er den Schloss-Orten Liebenberg, Hoppenrade, Plaue an der Havel, Quitzöbel und Dreilinden ein literaturhistorisches Denkmal gesetzt. Wenn wir aber mit den Fans des Dichters sprechen, erfahren wir: Die wenigsten haben die Wanderungen vollständig gelesen, vom Band Fünf Schlösser ganz zu schweigen. So ist auch kaum bekannt, dass die Schlösser gar nicht im Mittelpunkt des Buches stehen. Sie sind »nur« der topografische Zugriff für Fontanes alte und neue Geschichte(n) der Mark Brandenburg, die er anhand der Adelsfamilien erzählt, die in den Herrensitzen residierten. Diesem Zugang folgt auch die Auswahl der fünf Schlösser. Die Geschichten ihrer Besitzer sind die Marksteine für eine genau durch fünf Jahrhunderte hin fortlaufende Geschichte Brandenburgs, die mit der berühmten Quitzowfamilie im 14. Jahrhundert beginnt und mit dem Tod des preußischen Prinzen Friedrich Karl, des legendären »Roten Prinzen«, im Jahr 1885 schließt. Schon vor der Veröffentlichung wies Fontane auf die Sonderstellung von Fünf Schlösser hin. Seinem Sohn Theodor schrieb er im Mai 1888, einen Tag nachdem er Zeitplan und Titel dem Verlag vorgestellt hatte, der Band sei natürlich eine Art Fortsetzung zu den ›Wanderungen‹, aber doch etwas anders, und will seinen eignen Weg gehn. Im Vorwort des Bandes betont er die Unterschiede: Das Buch einfach als Fortsetzungen Vorwort

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meiner »Wanderungen« zu bezeichnen oder gar in diese einzureihen ist mit allem Vorbedacht von mir vermieden worden, da, trotz leicht erkennbarer Verwandtschaft, doch auch erhebliche Verschiedenheiten zutage treten. Die Wanderungen-Bände seien eher Plaudereien oder Feuilletons, das Buch Fünf Schlösser dagegen enthalte viele historische Spezialarbeiten, Essays – und sei keine Wanderung nach Lust und Laune. Obwohl die zeitgenössische Kritik auf Fünf Schlösser wohlwollend reagierte, wurde der Band zu Fontanes Lebzeiten nur einmal aufgelegt – was den Autor nicht beirrte. Er hielt das Buch für reifer und besser als die Bände der »Wanderungen«, und dass das Publikum anders zu urteilen scheint, schrieb er 1893 an seinen Freund Georg Friedlaender, kann mich nicht umstimmen. 130 Jahre später möchten wir Sie einladen – zu einer Spurensuche in die Geschichte und Gegenwart von Fontanes fünf Schlössern. Wir erzählen, was Fontane damals gesehen hat, und beschreiben, was heute zu entdecken ist. Natürlich haben wir es um vieles leichter als der Dichter im 19. Jahrhundert. Er reiste mit Kutsche und Karte, wir mit Auto und Navi. Er notierte alles im Notizbuch, wir im Laptop. Er zeichnete mit Bleistift Gebäude und Grundrisse, wir fotografieren mit dem Smartphone. Er musste in Bibliotheken und Familienarchiven lange nach Papieren suchen, wir recherchieren mit modernen Suchmaschinen in den Landesarchiven. Und wir sind zu zweit. Geblieben ist das Prozedere der Anfrage bei den Eigentümern. Wie Fontane hoffen wir, dass man uns ein Gespräch und Einlass ins Schloss gewährt. Wir haben Glück. Die Schlossbesitzer zeigen nicht nur Interesse, sondern öffnen ihre Türen und gestatten uns exklusive Einblicke. Begleiten Sie uns auf unserer Reise nach Hoppenrade, Liebenberg, Plaue, Quitzöbel und Dreilinden, beim Rundgang durch morsche Gemäuer und liebevoll herausgeputzte Märchenschlösser. Folgen Sie den Geschichten über legendäre Schlossbesitzer und unseren Gesprächen mit den heutigen Eigentümern sowie Bürgern, die sich für den Erhalt und die Nutzung der einstigen Adelssitze engagieren. Dabei begegnen wir den alten und neuen Märkern des 21. Jahrhunderts mit kritischer Neugierde und dem großen märkischen Chronisten des 19. Jahrhunderts mit freundlicher Skepsis. Wir schreiben, was Fontane in seinen Fünf Schlössern nicht berichten wollte – oder konnte. Und schließen Lü10

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Vorwort

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cken in der wechselvollen Geschichtsschreibung der Häuser und ihrer Bewohner. Auf unserer Entdeckungsreise werden wir Zeuge der Güte und der Grausamkeit der Zeit, die auf ganz unterschiedliche Weise mit Fontanes Schlössern umgegangen ist, sich manchen gnädig gezeigt und andere in unterschiedlichen Stadien des Verfalls zurückgelassen hat. Schloss Hoppenrade gleicht mit seinem gepflegten, in Stille liegenden Landschaftspark noch immer einem verwunschenen Schlosse, das nichts von seinem Zauber verloren hat. Schloss Liebenberg, durch dessen Gänge jedes Jahr die Schritte tausender Gäste hallen, steht heute mehr denn je in Blüte und verbindet als Hotel und Tagungsort Kultiviertheit mit Gemütlichkeit. Tapfer dem nagenden Zahn der Zeit entgegen stellt sich das an der Havel thronende Schloss Plaue, das anstelle seiner ursprünglichen Perfektion nun von einer ganz anderen, morbiden Eleganz erfüllt ist. Das verfallende Schloss Quitzöbel, einst Rückzugsort gefürchteter Raubritter, scheint wie ein alter, zahnloser Tiger in einer Welt erstarrt zu sein, die sich um es herum in einer unbegreiflichen Geschwindigkeit dreht und sich nicht dafür interessiert, welche Geheimnisse sich hinter bröckelnden, von Dickicht beinahe verhüllten Gemäuern verbergen mögen. Vom Schloss Dreilinden schließlich bleiben nichts als der Name, die Erinnerung und ein paar Hinweise vor Ort auf eine faszinierende Vergangenheit mit einem Märchenprinzen, der in seinem Jagdhaus illustre Tafelrunden zu zelebrieren verstand. Die fünf Schlösser sind eine Parabel für die Vergänglichkeit der Dinge – eine Parabel ohne Melancholie, denn die Orte, die wir besuchen, haben nichts von ihrer magischen Anziehungskraft verloren. Mit ihrer spannungsreichen Geschichte faszinieren sie auch heute noch – durch morbiden Charme oder neuen Glanz.

Vorwort

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Hoppenrade Das zauberhafte Schloss

»Niemand aber kam, uns zu begrüßen« Empfang in Hoppenrade Wird es uns wie Fontane ergehen? Als der Dichter nicht ohne Neugier und Erregung das erste Mal nach Hoppenrade kam, betrat er ein menschenleeres Schloss. Fontane hatte sich im Frühjahr 1861 zusammen mit einem Freund, der das Schloss schon oberflächlich kannte und für jenen Tag die Führung übernommen hatte, auf den Weg in das kleine Dorf zwischen Löwenberg und Gransee gemacht. Die beiden Wanderer waren unterwegs mit einer hin- und herschwankenden und noch altmodisch in C-Federn hängenden Halbchaise, einer offenen Kutsche ohne Türen, Seiten- und Vorderwände. Als sie in Hoppenrade die große Rüsterallee hinauffuhren, hielt Fontane nach dem ›verwunschenen Schlosse‹ Ausschau. Aber der Gegenstand unserer Neugier verbarg sich bis zuletzt und wurd erst sichtbar, als wir unmittelbar vor ihm hielten. Auch uns bleibt das Schloss lange verborgen, als wir an einem Abend im August die gleiche Allee hinauflaufen. Im Dorf nennt man sie auch Jungfernallee, ein Straßenschild gibt es nicht. Prächtige, uralte Linden zu beiden Seiten verdecken wie vor 150 Jahren noch immer die Sicht. Wir haben gut wandern, weil wir in Hoppenrade Quartier bezogen haben: im »Apfelhof« der Familie Wähnert. Die Allee mündet in eine romantische Klinkersteinbrücke, die um 1890, also nachdem Fontane das erste Mal hier war, erbaut wurde und auf der wir kurz innehalten. Sie überspannt mittig wie eine Spiegelachse den von dunkelgrünen Algen durchzogenen Amtteich vor dem Schlosspark. Auch vor uns ist alles symmetrisch ausgerichtet. Hinter der Brücke bilden zwei dunkle, gusseiserne Blumenständer mit Hortensien, links Das zauberhafte Schloss

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und rechts in Verlängerung der Geländer platziert, den Rahmen für das Bild, das sich uns eröffnet: gepflegter, frisch gemähter Rasen, in den Halbschatten der Bäume des Schlossparks getaucht. Das Blätterdach der Linden, Kastanien und Eiben lichtet sich, das grüne Dickicht mit weit ausladenden und tief herabhängenden Ästen gibt den Blick frei auf unser Ziel. Vor uns liegt der Ehrenhof des Schlosses, eingerahmt von einer spätbarocken, klassizistischen Dreiflügelanlage. Die Eingangsstufen sind schon in Schatten getaucht. Die frisch beigefarben gestrichene Fassade des symmetrisch angelegten Schlosses mit den beiden Seitenflügeln strahlt im Licht der untergehenden Sonne. Links und rechts des Eingangsportals mit ionischem Säulenvorbau und Balkon rankt sich Efeu über die Fassade. Die Dachschindeln leuchten wie ein frisch gewaschener roter Hut. Das Haus hat eine zauberhafte Leichtigkeit, es wirkt heiter und einladend. Wie ein märkisches Märchenschloss. Über uns segelt ein Storch. Unser Blick folgt seinem Flug. Plötzlich blitzt es hinter dem Schloss. Von Osten zieht ein Gewitter auf. Verwunschen? »He Holla!«, rief Fontanes Kutscher und knipste begleitend mit der Peitsche. Der Dichter stieg aus der Kutsche und lief zum Eingang. Wie sich ihm das Schloss von außen präsentierte, beschreibt er nicht. Nur: Es lag da wie herrenloses Eigentum. Und er stellt nüchtern fest: Niemand aber kam, uns zu begrüßen, freilich auch niemand, uns den Zutritt zu wehren, und so halfen wir uns denn schließlich selbst, öffneten die nur angelegte Tür. Was Fontane zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste: Das Schloss hatte einen Herrn. Theodor Ernst Helmuth von Heyden-Linden (1801– 1872), aus einer Nebenlinie des pommerschen Adelsgeschlechts von Heyden stammend, hatte den märkischen Besitz erst ein Jahr zuvor erworben, hielt sich jedoch nur selten in Hoppenrade auf. Fontane lernte Helmuth von Heyden-Linden, der das Gut bis zu seinem Tod im Jahr 1872 besaß, auch später nicht kennen. Dem Dichter war das menschenleere Schloss ohnehin lieber, wie er seiner Schwester Elise Anfang 1873 verriet: Sein Hauptzauber lag in seiner Unbewohntheit. Ist jetzt ein beliebiger weiß oder schwarz gestempelter Erdenbürger dort eingezogen, ist der Charme dahin.1 Heute gehört das Schloss Donata und Julian von Hardenberg. Das junge Ehepaar hat das Anwesen 2012 gekauft und es durch eine erneute 14

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Hoppenrade

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Schloss Hoppenrade, 2015

umfassende Sanierung in neuem Glanz erstrahlen lassen. Inzwischen haben sie ihren Wohnsitz in Berlin aufgegeben und sind ganz nach Hoppenrade gezogen. Die von Hardenbergs nutzen das Schloss bisher ausschließlich privat. Der Ehrenhof und der Großteil des Schlossparks sind für die Öffentlichkeit jedoch frei zugänglich. »Wärt ihr vor fünf Jahren gekommen, dann hättet ihr wie Fontane einfach ins Schloss spazieren können«, hat uns ein alter Mann erklärt, den wir am Dorfeingang getroffen haben. »Oder hättet gleich den janzen Kasten für ein Wochenende mieten können, um Party zu machen. Das jeht jetzt nich’ mehr mit den neuen Besitzern.« Auf sein Fahrrad gelehnt, ergänzte er: »Die sind in Ordnung. Aber aus einer anderen Welt.« »Wie meinen Sie das?«, wollten wir wissen. »Na, wer braucht denn so viele Zimmer für eine Familie mit nur einem Kind? Stube, Küche, Schuppen und Stall – dit war mein Zuhause. Und wir waren zu fünft.« Mit seiner Luftpumpe zeigt er ins Dorf. »Vielleicht wird die Familie ja noch größer«, argumentierten wir. Das zauberhafte Schloss

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»Kann schon sein«, murmelte der Alte. Dann, entschieden: »Aber die sind in Ordnung! Zu Silvester ist der Graf im Smoking zu uns runter auf den Dorfplatz, wo wir jeknallt haben. Mit zig Gläsern Schnaps. Hat mit uns auf das neue Jahr anjestoßen. Soll so ein Hausschnaps jewesen sein. Na ja, davon hab ick keene Ahnung. Schnaps ist Schnaps, nich’? Ick muss.« Grinsend hob er seine Luftpumpe zum Gruß und fuhr weiter. Auch unsere Vermieterin vom »Apfelhof« meinte, die Hardenbergs seien in Ordnung. Wir sind also optimistisch, was auch einem Vorteil gegenüber Fontane geschuldet ist: Wir sind verabredet. Ganz Schlossherr alter Schule, schrieb uns Julian von Hardenberg: »Ich könnte Sie ab 19 Uhr empfangen.« Auf den Reichtum und den guten Geschmack Wir lassen die Brücke hinter uns, überqueren den Rasen und gelangen auf einen kurzen Schotterweg: die Einfahrt, die hier in einem kleinen Rasenrondell endet. In dessen Mitte hockt ein schwarzes Metallwildschwein, das Wappentier des neuen Schlossherrn. Das untere Geschoss des Mittelbaus ist hell erleuchtet. Überall brennen kleine Lampen. Wir gehen die Steinstufen hinauf und bemerken, dass die Schlosstür nur angelehnt ist. Während der eine höflich klingelt, drückt der andere langsam die Tür auf. Fontane gelangte ins Foyer und stieg sogleich die breite, flachstufige Treppe hinauf, deren schöngeschnitztes und noch wohlerhaltenes Geländer uns auf den Reichtum hinwies, der dies alles einst ins Leben gerufen. Auf den Reichtum und den guten Geschmack. Zögernd betreten wir die Eingangshalle, die durch eine Doppelarkade unterteilt wird. Dahinter befindet sich die berühmte Treppe, die ins Obergeschoss führt. Geradezu, am Ende der Halle, liegt der große Gartensaal, aus dem uns nun Julian von Hardenberg entgegeneilt. »Kommen Sie herein!«, ruft er und streckt uns die Hand zur Begrüßung entgegen. »Willkommen!« Von Hardenberg, um die vierzig, ist groß und blond, trägt Jeans und ein weißes Hemd mit goldenen Manschettenknöpfen, darüber ein schwarzes Jackett, gefüttert mit schimmernd roter Seide. Er strahlt uns an wie sein Schloss und wirkt keineswegs gestresst, obwohl er erst vor wenigen Minuten von der Arbeit aus Berlin 16

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Hoppenrade

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zurückgekommen ist. Dass wir Wein mitgebracht haben, passt perfekt, von Hardenberg hat schon ein Tablett mit Wein- und Wassergläsern vorbereitet. Während er uns in den Gartensaal geleitet, teilt er uns im leichten Hamburger Dialekt bedauernd mit, dass seine schwangere Frau gern bei dem Treffen dabei gewesen wäre; sie sei jedoch zurzeit im Urlaub. Wir folgen ihm durch die Eingangshalle und spüren, dass sich unsere Wege von Fontanes trennen, auf dessen Spuren wir uns bis zur Schlosstür in forschender Neutralität gewähnt hatten. Der Graf ist ein sympathischer Gastgeber – locker und modern und doch traditionell-kultiviert im Auftreten. Wir sind beeindruckt vom Gartensaal, einem Raum von etwa neunzig Quadratmetern. In den Fenstern brennen Kerzen, die Lampen an den Wänden sind alten Kerzenhaltern nachempfunden. Keine Spur von Glas, Stahl und Beton, alles ist hell und freundlich, historisch angehaucht und modern zugleich, die Möbel sind antik, ohne muffig zu wirken. Gegenüber den hohen Fenstern und der Gartentür befinden sich zwei große Kamine, davor riesige Körbe aus geflochtenen Weidenzweigen, gefüllt mit großen Brennholzscheiten. Dass dieser Saal keine seelenlose Protzhalle ist, sondern ein imposanter Raum mit Charakter, liegt vor allem an den Wänden. Sie sind im unteren Fünftel holzvertäfelt und weiß gestrichen, darüber ist eine handbemalte Seidentapete angebracht, die ein Jahrhunderte altes chinesisches Motiv zeigt: Zweige mit weißrosafarbenen Blättern und Blüten, zwischen denen Vögel mit buntem Gefieder umherfliegen. Sie stammen aus der englischen Manufaktur de Gournay. Die Bordüre zur Tapete haben die Hardenbergs bei einer Frankfurter Manufaktur drucken lassen. Eine englische Tapete mit chinesischen Motiven und Frankfurter Bordüre im Gartensaal eines alten Brandenburger Adelssitzes – man wüsste zu gern, was der stilbewusste Fontane zu diesem internationalen Design sagen würde. Wahrscheinlich das, was er über Hoppenrade schon einmal geschrieben hat: Es zeugt von Reichtum. Und gutem Geschmack. Graf von Hardenberg bittet uns, ihn zunächst in den Garten zu begleiten. Über eine Sandsteintreppe steigen wir in den »PleasureGround« hinab. Selbst der berühmte Landschaftskünstler Fürst Pückler fand keinen passenden deutschen Ausdruck für ein solches »an das Das zauberhafte Schloss

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Haus stoßende, geschmückte und eingezäunte Terrain«, gewissermaßen ein Mittelding zwischen Garten und Park. »Wenn der Park eine zusammengezogene idealisierte Natur ist, so ist der Garten eine ausgedehntere Wohnung.« Die Gartenarchitekten setzten so »die Reihe der Gemächer in vergrößertem Maßstab unter freiem Himmel fort«.2 Es blitzt wieder. Am Himmel über dem Dorf, das hinter den dichten Hecken und Bäumen nicht zu sehen ist, zieht bedrohlich eine blaue Wand auf. Wir laufen über ein Stück Wiese, über die, hervorgelockt durch den in der frühen Abendstunde feucht werdenden Boden, braune Nacktschnecken kriechen, zu einer kleinen Holzveranda mit eleganten Korbstühlen und -liegen. Der Graf ignoriert den Donner. Kein Smalltalk über das Wetter; er zündet sich eine Zigarette an und kommt gleich zur Sache: »Sie sind also wegen Fontane hier.« Wir nicken und erzählen von unserem Projekt, berichten von unserem Eindruck, dass die meisten Brandenburger und ihre Besucher Fontane kennen, sich stolz mit seinen Zitaten schmücken und genau wissen, wo und wann der Dichter vorbeischaute, aber kaum jemand die Wanderungen durch die Mark Brandenburg vollständig gelesen hat. Vorsichtig fragen wir unseren Gastgeber: »Haben Sie denn die Fünf Schlösser gelesen?« Von Hardenberg nimmt einen tiefen Zug. Der Tabak glüht auf. »Ich würde mich schämen, Ihnen sagen zu müssen, es nicht getan zu haben.« Er habe den Band mehrfach gelesen, zunächst im altdeutschen Original, in dem ihm noch manches entgangen sei, später dann in der »übersetzten« Fassung. Gleichwohl gibt er zu, erst auf das Buch gestoßen zu sein, als seine Frau und er Interesse am Schloss entwickelten. Vorher habe er Fontane vor allem durch seinen Großvater gekannt: »einen gebürtigen Deutschlehrer«, der sich intensiv mit dem Autor beschäftigt habe. »›Es geht nicht darum, was ich von Fontane weiß‹«, zitiert er den Großvater, »›es geht darum, was ich von Fontane nicht kenne.‹ Als ich ihn dann fragte, was kennst du denn nicht, sagte er bedeutungsschwer: ›Nichts!‹« Von Hardenberg lacht. Sein Großvater habe gerade seinen hundertfünften Geburtstag gefeiert. »Er sieht nichts mehr und war auch nie hier. Aber er weiß sehr genau, wie es hier aussieht – von Fontanes Schilderungen, die er noch immer aus dem Gedächtnis wiedergeben kann.« 18

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Der Gartensaal von Schloss Hoppenrade, 2016

Es blitzt wieder. Unmittelbar darauf ertönt ein bedrohliches Grollen und die ersten Tropfen fallen. Also wieder ins Schloss, der Graf geht voran. Zurück im Gartensaal, wollen wir wissen, was dem jungen Hardenberg aus dem Hoppenrade-Kapitel der Fünf Schlösser in besonderer Erinnerung geblieben sei. »Ganz klar«, antwortet er ohne Zögern, »die Geschichte von der Krautentochter.« Er breitet die Arme aus. »Und hier hat sie getanzt.«

Drei Hochzeiten und ein Duell Die fabelhafte Krautentochter Fontane hat sie lange nach ihrem Tod berühmt gemacht: Luise Henriette Charlotte von Kraut (1762 –1819), die legendäre Schlossherrin von Hoppenrade. Berüchtigt war die schöne Brandenburgerin schon zu Lebzeiten. Und umstritten. Eine preußische Femme fatale, die den Das zauberhafte Schloss

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Männern den Kopf verdrehte und zugleich unter ihnen gelitten hat, weil sie der jungen Frau mit ihrer Liebe die Luft abschnürten. Eine Erbtochter, der ein großes Vermögen in den Schoß gefallen war, die als Gutsherrin aber ihre Güter und Erträge zu vermehren wusste. Eine lebenslustige Frau, die in ihrem Schloss zu feiern verstand, und zugleich eine Großherzige, die in Notzeiten ihre Untergebenen nicht hungern ließ. Bewunderer und Kritiker waren sich in einem Punkt einig: Die »Krautentochter« verzauberte durch ihre Schönheit, ihren Esprit und Charme. Zweifellos hat ihre Geschichte das Zeug für eine Seifenoper. Es verwundert, dass Fontane diesen Stoff nicht für einen Roman verwendet hat. Dass die Geschichte Potenzial hat, ahnte wohl auch Frau Stägemann. Fontane traf das alte Mütterchen 1861 bei seinem ersten Besuch in Hoppenrade, als er nach einem kurzen Rundgang das Schloss verlassen hatte und es ihn verlangte, mehr zu wissen. Er wollte erfahren, wer das alles gebaut und bewohnt habe. Dem Dichter wurde die Achtzigjährige empfohlen, weil sie bei der Krautentochter im Schloss als Kindermädchen gearbeitet hatte. Fontane traf sie hinter ihrem dicht von Kürbis umwachsenen Haus, als sie gerade vor einem Beet kniete und Zwiebeln einsammelte. Als sie verständigt worden war, um was wir gekommen, erhob sie sich zu Gruß und freundlicher Anrede. Dass sie erst erzählte, nachdem er ihr einen Taler gezahlt hatte, der mir noch auf der Seele brennt3, erwähnt Fontane in Fünf Schlösser nicht. Portionsweise verriet Stägemann dem Neugierigen die wichtigsten Ereignisse aus dem Leben der Krautentochter: drei Ehen, ein Duell und dann noch eine Entführung. Fontane schien von der Geschichte der berühmtesten Schlossherrin wie elek­ trisiert. Er verließ Hoppenrade fest entschlossen, das Dunkel nach Möglichkeit zu lichten. Aber das wollte ihm zunächst nicht gelingen. Und weil er in den Memoiren aus jener Zeit nichts fand, schaffte es Hoppenrade auch nicht in die Überarbeitung des ersten Bandes der Wanderungen durch die Mark Brandenburg.4 Dabei bat Fontane 1873 sogar seine Schwester Elise um Mithilfe bei der Recherche. Es fehlte ihm noch der Schlüssel, der zu den Geheimnissen schließt.5 Wenige Tage später beklagte er in einem weiteren Brief an Elise: In der Mark war man lüderlich ohne Beihülfe von Steno- und Photographen; nichts wurde festgehalten.6 20

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Im Frühjahr 1874 reiste er, begleitet von Herrn Berr, Rittergutsbesitzer in Löwenberg, zur Recherche erneut nach Hoppenrade und ermittelte, dass die Krautentochter tatsächlich drei Ehen geführt und dass sich der erste Ehemann mit dem späteren zweiten duelliert hatte. Aber die genauen Umstände blieben weiterhin im Dunklen. Im Jahr 1875 ersuchte Fontane seine Vertraute Mathilde von Rohr um Unterstützung, denn all diese Dinge, die ihm die alte Frau Stägemann in Hoppenrade erzählt hatte, und die im wesentlichen gewiss richtig sind, laufen doch wie Kraut und Rüben durcheinander und bedürfen der Sichtung und chronologischen Anordnung.7 Alle weiteren Nachforschungen verliefen ergebnislos. Fontane gab schließlich auf und hatte seinen ersten Besuch in Hoppenrade fast schon vergessen, als ein glücklicher Zufall ihn von einer Chronik der Familie Knyphausen in Ostfriesland erfahren ließ. Aus dieser Familie stammte der zweite Ehemann der Krautentochter. Fontane sah sich nun für alles Warten und alle Mühe reichlich belohnt. Wem er dieses Glück verdankte, verrät er in Fünf Schlösser nicht: Philipp Graf zu Eulenburg, Schlossherr vom Nachbargut Liebenberg.8 Eulenburg, der ihm den Kontakt zur F­ amilie Knyphausen vermittelte, erhielt einen detaillierten Fragen­ katalog des Dichters, für den ein Aufgeben nun keine Option mehr war: Der Moment ist da, wo in das Kraut- und Rübentum der »Krautentochter« Klarheit gebracht werden muss. Im Sommer 1880 reiste Fontane nach Ostfriesland und fand in der Knyphausenschen Familienchronik auf Schloss Lütetsburg in Lützburg wahre Schätze.9 Seiner Frau prognostizierte er, dass der Hoppenrade-Teil dank des wunderschönen Stoffs einer der brillantesten werden müsse.10 Gemeint war das Leben der Krautentochter, mit der Fontane immerhin zwölf von vierzehn HoppenradeKapiteln füllte. Erstes Drama Dass Luise Charlotte Henriette von Kraut, die Heldin unserer Geschichte, Schlossherrin von Hoppenrade wurde, hatte sie einem häuslichen Unglück der Familie von Bredow zu verdanken. Die Bredows besaßen Hoppenrade seit 1460 und bauten es zu einem Rittergut aus. Bauherr des heutigen Schlosses Hoppenrade war Johann Heinrich von Bredow (1676 –1739). Der Domprobst zu Havelberg ließ laut Kirchenbuch zuDas zauberhafte Schloss

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nächst das alte Gutshaus abreißen und 1723 –25 eine eingeschossige, barocke Dreifügelanlage mit integrierter Kapelle errichten. Das Vermögen seiner Frau, Konstanze Amalie Sophie von Kraut (1699 –1745), machte es möglich. Doch die Bredows ereilte das Unglück: Ihre zwei Söhne waren geisteskrank und blieben ohne Nachkommen. Daher legte nach dem Tod von Johann Heinrich von Bredow seine Witwe testamentarisch fest, dass die Verwaltung der gesamten Bredow-Güter im Löwenberger Land ein Vormund übernehmen sollte. Hierfür bestimmte sie ihren Bruder Karl Friedrich von Kraut (1703 –1767), Hofmarschall beim Prinzen Heinrich. So wechselten mit dem Tod von Konstanze Amalie Sophie von Bredow, geborene von Kraut, 1745 im Schloss Hoppenrade nach knapp 300 Jahren die Besitzer. Neue Eigentümer wurden die Krauts, deren Familie erst 1703 in den Adelsstand erhoben worden war. Die Tochter des Vormunds war die 1762 geborene Luise Charlotte Henriette von Kraut – die »Krautentochter«. Den Namen soll ihr aufgrund der zu erwartenden Erbschaft die Berliner Gesellschaft verliehen haben. Charlotte trat das »Krautenerbe« – eigentlich ja das Bredow-Erbe – erst im Jahr 1788 an. Zu diesem Zeitpunkt hatte die 26-Jährige schon zwei Ehen hinter sich. Weil Charlottes Vater früh verstorben war, hatte ihre Mutter die Erziehung der Tochter übernommen. Und es war die Mutter, die im folgenden Familiendrama eine Hauptrolle spielte. Die Fontane zufolge wunderschöne Else Sophie von Platen, spätere von Kraut (1731–1795), polarisierte am preußischen Hof: Dabei reicht die Palette zur Charakterisierung der neu verheirateten und wieder verwitweten Mutter von aufrichtig, ernst und überlegend bis eitel, dumm und abscheulich. Letzteres behauptete ihr späterer Schwiegersohn Baron von Knyphausen, der noch ergänzte: Diese Dame sei rundheraus »un monstre«. Von Tochter Charlotte sind keine Äußerungen überliefert. Noch bevor die Krautentochter ins heiratsfähige Alter kam, begann die Suche nach einem geeigneten Ehemann. Die Wahl der Mutter fiel auf den britischen Gesandten in Berlin, Hugh Elliot (1752 –1830), ein Schwiegersohn nach ihrem Sinne! Fontane ergreift Partei und unterstellt ihr eiskaltes Kalkül: Ein Gesandter sei erstens eine vornehme Partie und zweitens böte er die Garantie, irgendwann an einen vielleicht weit ent22

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fernten Hofe versetzt zu werden. Sie wäre dann Herrin aller Güter, viel, viel mehr als die Tochter. Als Charlotte 1778 den britischen Diplomaten heiratete, war sie gerade sechzehn Jahre alt. Elliot, zehn Jahre älter, war von jugendlichem Aussehen und wirkte in seiner Bartlosigkeit und halb knabenhafter Figur absolut unfertig und nicht viel besser als ein von einer steten Unruhe geplagter Springinsfeld. Immerhin gesteht ihm Fontane zu: Er liebte sie wirklich, soweit er einer wirklichen Liebe fähig war, und hatte seine Wahl aus Sinn und Herz und nicht aus Rücksichten auf das Krautenerbe getroffen, das nach englischen Vorstellungen überhaupt nicht bedeutend war. Charlotte Elliot, geborene von Kraut, war nun Teil der Berliner Hofund Gesandtschaftskreise und verkehrte wie ihre Mutter am Rheinsberger Hof, wo sich Hugh Elliot, wie Fontane süffisant anmerkt, ganz besonders einer gewissen Vorliebe von seiten des Prinzen Heinrich erfreute. Ein Jahr nach der Hochzeit wurde Tochter Luise Isabelle geboren. Aber: die Ehe des jungen Paares war keine glückliche. Und die Liebe Elliots doch eine tyrannisch-launenhafte. Von krankhafter Eifersucht getrieben, soll er seine Frau eines Nachts zur Rede gestellt haben und anschließend in nur halb vollendeter Toilette durch die Stadt gelaufen sein, um den ahnungslosen holländischen Gesandten, den er als Charlottes angeblichen Liebhaber ausgemacht hatte, wecken zu lassen und ihn mit dem Vorwurf zu konfrontieren. Nach diesem Vorfall wurde die zu Unrecht Beschuldigte zusehends von der Berliner Gesellschaft gemieden. Es war der ideale Zeitpunkt für den Auftritt von Baron Georg von Knyphausen (1744 –1789), Ehemann Nummer zwei. Charlotte traf ihn am Rheinsberger Hof, wo er Kammerherr war und alsbald der Vertraute der unsagbar unglücklichen Frau wurde. Sie sahen sich oft, berieten und planten und unterhielten zwischen Rheinsberg und Berlin wie Hoppenrade eine lebhafte Korrespondenz. Was sie genau planten, blieb vorerst ihr Geheimnis. Inzwischen jedoch schien sich ein anderer Plan zu verwirklichen: Elliot wurde im Januar 1783 tatsächlich versetzt – an den Kopenhagener Hof. Aber Charlotte, die ihm im Sommer folgen sollte, blieb, auch auf Anraten von Baron Knyphausen, mit der inzwischen vierjährigen Tochter in Preußen. Zum Ärger ihrer Mutter, die ihre Tochter bei Elliot wissen wollte, um sich derweilen ihres Vermögens bemächtigen zu können. Das zauberhafte Schloss

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Luise Henriette Charlotte von Kraut, die »Krautentochter«, Gemälde um 1800

Georg von Knyphausen sah es als seine Aufgabe, das zu hindern, schrieb er Anfang Juli 1783 an seinen Vater in Ostfriesland. Aus dem Berater wurde nun auch der Beschützer. Charlottes Mutter informierte ihren Schwiegersohn in Kopenhagen über die fortgesetzten, abwechselnd persönlichen und brieflichen Beziehungen ihrer Tochter zu Baron Knyphausen. Daraufhin forderte der Gesandte den Baron zu einem Duell in der Nähe von Kopenhagen. Knyphausen nahm seinen Widersacher nicht ernst, worauf Elliot den Fall öffentlich machte und kurzerhand nach Preußen zurückkehrte. Er reiste zunächst nach Rheinsberg, wo er vom Prinzen Heinrich nicht mehr empfangen wurde, dann nach Hoppenrade, um seine Schwiegermutter zu sprechen, und schließlich nach Fürstenberg in Mecklenburg, wo Knyphausen sich aufhielt. Der hatte inzwischen den Fehdehandschuh aufgenommen und das Grenzstädtchen für das Duell gewählt, um möglichst nicht mit den preußischen Behörden in Konflikt zu geraten. Wütend soll Elliot in das Zimmer gestürmt sein und sich auf Knyphausen gestürzt haben. Es war ein regelrechter, von drei Komplicen unterstützter Mordanfall, berichtet Georg seinem Vater. Er warf den Angreifer zu 24

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Boden und würd ihn erwürgt haben, wenn nicht ein Begleiter Elliots die Rivalen auseinandergebracht hätte. Das Duell, das in den nächsten Tagen mehrfach angesetzt wurde, fand schließlich Mitte Juli 1783 statt. Elliot wurde in der dritten Runde durch einen Pistolenschuss an der Hüfte verletzt. Und gab auf. Er erklärte noch vor Ort, sich nun von Charlotte scheiden zu lassen. Zwar konnte Knyphausen aufgrund seiner diplomatischen Immunität ungehindert nach Berlin reisen, wurde dort aber nach einer waghalsigen Flucht verhaftet und vor Gericht gestellt. Die Ehe zwischen Charlotte und Hugh wurde am 30. Juni 1783 geschieden, aber das erste Ehe-Drama war für die Krautentochter damit noch nicht vorbei. Von der alten Frau Stägemann erfuhr Fontane bei seinem ersten Besuch in Hoppenrade, was sich kurz nach der Scheidung ereignete. Am helllichten Tage tauchte Elliot in einer feinen Kutsche überraschend in Hoppenrade auf. Er fuhr aber nicht vor, sondern bloß immer um den Park herum. Als Elliot erblickte, was er suchte, sprang er aus der Kutsche, ergriff die gemeinsame Tochter und das umherliegende Spielzeug und eilte wie der Blitz wieder in seine Kutsche hinein und heidi vorwärts über den Sturzacker und die Stoppelfelder, immer gradaus bis England. Zweites Drama Wie Charlotte auf die Entführung ihrer Tochter reagierte, die nie wieder nach Hoppenrade zurückkehrte, ist nicht bekannt. Aber sie fasste den Entschluss, sich erneut zu trauen. Am 1. Oktober 1783 heiratete sie Georg von Knyphausen in Sachsen – heimlich und, so schreibt Georg im Frühjahr 1784 rückblickend an seinen Vater, was am verwunderlichsten erscheinen mag, auf Probe. Zwar hatten Frau von Elliot und er viel miteinander verhandelt, aber sie kannten sich eigentlich wenig. Georg blieb in Zweifel, obwohl Charlotte ihm eine große Neigung und Anhänglichkeit zeigte. Dem Vater konnte er nun aber versichern, die fünf Monate andauernde Probezeit habe ihn in seiner Liebe bestärkt und als endliches Resultat ergeben, ihn um Zustimmung und Segen zu bitten. Obwohl Georg seinem Vater suggerierte, Sie werden mit Ihrer Schwiegertochter zufrieden sein, konnte der prinzipientreue Patriarch angesichts dieser öffentlich ausgetragenen Familienkabale alles andere als glücklich sein. UngeDas zauberhafte Schloss

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fragt versuchte sein Sohn gleich noch dem Vorwurf zu begegnen, mit dem die Parteigänger seiner neuen Schwiegermutter den Berliner Hof versorgten: Törichterweise werde behauptet, dass Baron von Knyphausen mehr an dem Besitz einer großen Erbschaft als an dem Besitz einer schönen und liebenswürdigen Frau gelegen sei.11 Nachdem Vater und auch König Friedrich II. der Ehe zugestimmt hatten, konnte am 25. April 1784 die öffentliche Trauung vollzogen werden. Es war Eile geboten, denn einige Wochen später kam schon ein Sohn zur Welt. Unsere Krautentochter war nun also Baronin Knyphausen. Und Hoppenrade bekam einen neuen Schlossherrn. Charlotte hielt sich mit ihrem zweiten Ehemann abwechselnd in Hoppenrade und Berlin auf. In der Hauptstadt wurde im Herbst 1785 auch eine Tochter geboren. Es klingt nach einem Happy End. Fontane meldet aber sogleich Zweifel an: Die gegenseitige Neigung habe sie zwar zusammengeführt, nebenher aber lief eine große Sinnes- und Charakterverschiedenheit: Er war reserviert, mit einem Anflug von Nüchternheit, sie sanguinisch, mit einem Anflug von Gefallsucht. Während sie das Leben bei Hofe anziehend fand, widerte es ihn an. Ungeachtet dieser Differenzen, vermutet Fontane, wäre es wohl zu Verständnis und Ausgleich gekommen, wenn nicht ein neues Drama der jungen Familie jede Lust und Freudigkeit genommen hätte. 1788 starb vierjährig der gemeinsame Sohn. Und bereits ein Jahr zuvor war der Baron schwer erkrankt. Die Ärzte verordneten ihm eine Reise in den Süden, die Georg nicht unternahm, weil Charlotte endlich – nach dem Tod des letzten Löwenberger Bredow im Jahr 1788 – das Krautenerbe antrat. Als alle Gutsübernahmen geregelt waren, hätte sich der jetzt im Besitz einer großen Doppelherrschaft, einer ostfriesischen und einer märkischen, stehende Baron von Knyphausen folglich auf der Höhe des Lebens fühlen müssen. Aber er stand nun angesichts des Todes. Der Bruder des Barons, der den Kranken im Sommer 1789 in Hoppenrade besuchte, berichtete erschüttert nach Hause, er habe wenig Hoffnung auf dessen Wiederherstellung. Die Ärzte schienen machtlos: erst Taubheit und heftige Ohrenschmerzen, dann Versagen der Sprachorgane und ständige Schmerzen im Kopf, die Opium erforderten, schließlich Knochenfraß und Drüsenverhärtung. Am 25. Dezember 1789 starb Georg von Knyphausen in Berlin. Das Kirchenbuch in Hoppenrade, das als Sterbedatum den 1. Januar 1790 26

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angibt, vermerkt: Er war ein vernünftiger und menschenfreundlicher Herr. Wenn Gott ihm das Leben und Gesundheit geschenkt hätte, würd er viel Gutes auf den hiesigen Gütern gestiftet haben.12 Und Charlotte? Fontane fragt: Trauerte sie? Vielleicht. Aber wenn sie trauerte, so geschah es, weil sie traurig war; nicht aus Schmerz um ein hingeschiedenes Glück. Knyphausens Tod war für sie kein Unglück, sondern Befreiung, denn durch die Krankheit des Barons war in den letzten zwei Jahren die Liebe geschwunden, geblieben waren Leid und Last. Der Dichter lässt seine Krautentochter aus dem Fenster in die Schneelandschaft schauen. Sie sah hinauf in den Abendstern, der eben durch die Dämmerung blitzte, blass und zitternd, und sie frug ihn nach ihrem Glück. Und siehe, da war es, als ob er plötzlich heller aufleuchtete. Zeit für Ehemann Nummer drei. Drittes Drama Um welche Zeit unsere »Krautentochter«, nunmehrige verwitwete Baronin von Knyphausen, ihr einsames Hoppenrade verließ, um wenigstens zeitweise wieder die Rheinsberger Luft zu schnappen, ist nicht überliefert. Das Trauerjahr wartete sie jedenfalls nicht ab. Am 16. Dezember 1790 heiratete die inzwischen 28-jährige Charlotte wieder: Rittmeister Karl Heinrich von Arnstedt (1766 –1847). Arnstedt gehörte zum Hof des Prinzen Heinrich, der den beiden eine rauschende Hochzeit ausrichtete. Frau Baronin von Knyphausen war nun also Frau Rittmeister von Arnstedt. Die Krautentochter wagte einen Neuanfang. Die ersten Jahre ihrer dritten Ehe waren die glücklichsten ihres an Wechselfällen so reichen Lebens. Der Rittmeister war hübsch und heiter, nicht besonders schlau, aber immer geneigt, einen Scherz zu machen und sich über das Morgen nicht zu grämen, solange nur das Heute noch allenfalls erträglich erschien. Das entsprach ihrer Natur. Vor allem war er weder Schotte noch Ostfriese, sondern ein allermärkischster Märker. Allerdings merkt Fontane an, dass dem Rittmeister feiern, reiten und spielen wichtiger waren als Literatur und Kunst. Offenbar sah Charlotte darüber hinweg. Nun gab es doch wieder Ausgelassenheit. Und sie lachte so gern. Und warum nicht? War sie doch noch jung. Drei Kinder wurden geboren, deren man sich erfreuen konnte, weil sie hübsch waren und gediehen und der Eitelkeit der Eltern immer neue Nahrung gaben. Die Erträge aus den Gütern stiegen. Und es wurden rauschende Das zauberhafte Schloss

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Feste gefeiert. Höhepunkt der berühmt-berüchtigten Feiern im Schloss Hoppenrade war der Besuch des Prinzen Heinrich. Einmal lockte man Monseigneur im Abenddämmer in den Harenzackenwald südlich von Hoppenrade und überraschte ihn mit einem Lampionfest. Alles was laufen und eine Kerze entzünden konnte, war von den umliegenden Gütern verpflichtet worden, um in einem einzigen Moment eine Beleuchtung der Waldwiese mit buntfarbigen Lampen in Szene setzen zu können. Der Prinz war gerührt, küsste der schönen Frau die Hand und erklärte sich für besiegt, und eine Woche lang zehrte man von diesem gnädigen Wort und fühlte sich gehoben in der Idee, nicht umsonst gelebt zu haben. Alles war Lust und das Leben ein Feiertag. Eines erwähnt Fontane aus dieser Glanzzeit des märkischen Adels jedoch nicht. Die Krautentochter mag zu lieben und zu feiern gewusst haben, aber sie wirkte in Hoppenrade auch als Bauherrin. Schloss Hoppenrade erhielt unter ihrer Ägide ein neues Gewand – und damit sein jetziges Aussehen. Um 1800 wurde der Hauptflügel des ursprünglich eingeschossigen Gebäudes aufgestockt und die Fassade klassizistisch überformt. Auf der Hofseite entstand der ionische Säulenvorbau mit Balkon und Attika, der noch immer den Ehrenhof ziert. Der Architekt des Umbaus ist, wie schon bei der Errichtung der dreiflügligen Schlossanlage 1723 –25, nicht bekannt. Überliefert ist jedoch, wie es mit der Krautentochter weiterging. Um es vorwegzunehmen: Ihre Geschichte endete nicht wie im Märchen. 1802 starb Prinz Heinrich. Und im Herzen Charlottes von Arnstedt, geborene Kraut, regte sich die Vorstellung, dass ein Wendepunkt für sie gekommen sei, bald vielleicht, und dass eine Reihe böser Tage vor der Türe stehe. Zwar gewann sie 1809 den von den Bredows seit 1791 angestrebten ersten Prozess um das »Krautenerbe«13, aber über ihrem Eheleben zogen sich erneut dunkle Wolken zusammen. Während sie vorher jahrelang in einer gewissen Verdrossenheit zu dem ostfriesischen Baron, ihrem zweiten Mann, hinaufgeblickt hatte, so sah sie jetzt auf diesen dritten herab. Und auch das wollte ihr nicht gefallen. Sie hätte es wohl ausgehalten, aber aus dem lustigen Rat und liebenswürdigen Gesellschafter, der wohl unter seiner Unbedeutenheit und Schwäche litt, war ein Trinker und Spieler geworden, ein nur noch Halbzurechnungsfähiger. Mit dem Tod des Prinzen Heinrich, der bis zuletzt einen gewissen Kontrolleinfluss auf den Rittmeister hatte, 28

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verschlimmerte sich dessen Zustand. Es zeigten sich Geistesstörungen, die Charlotte nicht mehr bereit war zu ertragen. Sie ließ sich scheiden. Es fehlt ein genauer Nachweis über das Datum, nur eine Taufpatenaufzeichnung vom September 1809, die Fontane zitiert, verzeichnet bereits eine geschiedene von Arnstedt. Damit war für Charlotte das Problem noch nicht aus der Welt geschafft. In Hoppenrade konnte der geistesgestörte Rittmeister nicht bleiben. Die Schlossherrin entschied nach 1813, ihn nicht in eine öffentliche Irrenanstalt zu geben, sondern – gegen eine hohe Zahlung – bei einem Pastor in Pension unterzubringen, wo Karl Heinrich von Arnstedt 34 Jahre später verstarb. In Hoppenrade atmete man inzwischen auf, aber nur eine kurze Weile. Die Napoleonischen Kriege ließen auch das Löwenberger Land nicht verschont. Kriegsbedingte Truppendurchmärsche, Plünderungen und Brände, insbesondere nach Napoleons Russlandfeldzug 1812, sogen aufs Neue das Land aus. Wie viele Gutsbesitzer in dieser Zeit verschuldete sich auch Charlotte von Arnstedt. Um zu retten, was offenbar nicht mehr zu retten war, ließ sie gleich nach dem Kriege den Wald roden. Und so wurden die schönen Stämme verschleudert, merkt Fontane kritisch an, um einigermaßen Mittel für ein auch jetzt noch auf vornehmem Fuße geführtes Leben herbeizuschaffen. Unterstützt wurde sie dabei von ihrem Förster Görwitz, einem Lebemann, frank und frei, der aller Welt gefiel, vor allem auch seiner Herrin. Was da sonst noch lief, lässt sich nur erahnen. Sie erwirkte für ihn einen höheren Titel und er half Charlotte ohne Skrupel und Schwerfälligkeiten über den Tag hinweg. Und ›après nous le déluge‹. Als die Sündflut kam, war die lebenslustige Dame, die nicht sparen und auch nicht entbehren oder gar entsagen gelernt hatte, tot. Am 13. September 1819 starb sie mit 57 Jahren in Berlin und hinterließ eine beträchtliche Last persönlicher Schulden. Fontane findet jedoch einen versöhnlichen Abschluss, indem er die Frage, ob das reiche und bewegte Leben der Krautentochter auch ein glückliches gewesen sei, mit ja beantwortet. Sie verstand die Kunst, den Augenblick zu genießen und sich das, was die Stunde bot, durch Zukunftsbetrachtungen oder gar durch Zukunftsbefürchtungen nicht allzu sehr trüben zu lassen. Vorsichtig hinzugefügt: Bredow-Erbe und Hoppenrade sei Dank.

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»Die Russen kommen!« Das Gedächtnis von Hoppenrade »Wenn Fontane nicht die alte Stägemann getroffen hätte, dann wäre die spannende Geschichte der Krautentochter im ostfriesischen Archiv geblieben«, sagt Julian von Hardenberg, als wir zurück im Gartensaal sind. Wir stimmen ihm zu. »Ja, und Hoppenrade wäre nicht eines der Fünf Schlösser geworden.« »Auf Fontane!« Wir prosten uns zu. Während von Hardenberg uns einlädt, auf den zwei sich gegenüberstehenden Couches Platz zu nehmen, lässt er sich in einem tiefen Sessel an der Stirnseite eines niedrigen, rechteckigen Tisches nieder, ohne das weiß-grün gestreifte Kissen an der Rückenlehne zu berühren. Von Hardenberg nimmt ein iPad und sucht einen Song aus. Dezente Clubmusik erklingt. Draußen bricht nun endgültig das Gewitter los. Das Grollen ist mittlerweile in wütendes Donnern gemündet und übertönt gelegentlich die Musik. Wir wollen wissen, wie das ist, aus der (West-)Berliner Metropole in die ostdeutsche Provinz zu kommen und auch zu bleiben. »Dieses Dorf«, setzt von Hardenberg an, »erfüllte keines unserer Klischees. Wir trafen hier keine Kampfhunde und keine DDR-Nostalgiker. Das war nicht nur erfreulich, sondern auch beruhigend.« Und er erzählt von seiner ersten offiziellen Begegnung mit der Dorf bevölkerung im Jahr 2012. Die Hoppenrader organisierten ihr »Oktoberfest«, bei dem traditionell Eisbein gegessen wird. Fünfzig Cent für das Bier und zwei Euro für das Essen. Das Fest fand im Schloss statt, das die von Hardenbergs gerade von Klaus Fehsenfeld gekauft hatten. Der vorherige Schlossbesitzer hatte es den Dorfbewohnern seit den 1990er Jahren ermöglicht, im Gartensaal ihre Feste zu feiern. Das Oktoberfest 2012 sollte die letzte Dorfparty auf Schloss Hoppenrade werden, weil die Hardenbergs das Haus renovieren und dann privat nutzen wollten. Das Fest begann um 19 Uhr. Eine Dreiviertelstunde vorher saßen schon zwanzig Menschen schweigend im Saal. Donata von Hardenberg begrüßte die Besucher freundlich. Einige nickten nur stumm. Sie habe in dem Moment »ein wenig Muffensausen« bekommen. 30

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Fontanes fünf Schlösser  

In seinem Buch »Fünf Schlösser« setzte Theodor Fontane den brandenburgischen Adelssitzen Hoppenrade, Liebenberg, Plaue, Quitzöbel und Dreili...

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