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Das Potsdamer Stadtschloss (Leseprobe)

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Jörg Kirschstein

Das Potsdamer Stadtschloss Vom Fürstensitz zum Landtagsschloss

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Bibliografische Information Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar. Alle Rechte vorbehalten. Dieses Werk, einschließlich aller seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen, Verfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung auf DVDs, CD-ROMs, CDs, Videos, in weiteren elektronischen Systemen sowie für Internet-Plattformen.

© be.bra verlag GmbH Berlin-Brandenburg, 2014 KulturBrauerei Haus 2 Schönhauser Allee 37, 10435 Berlin post@bebraverlag.de Lektorat: Matthias Zimmermann, Berlin Umschlaggestaltung: Ansichtssache, Berlin Satz und Layout: typegerecht, Berlin Schrift: DTL Dorian, 9,5/13,5 pt Druck und Bindung: TPC ISBN 978-3-86124-677-0 www.bebraverlag.de

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Inhaltsverzeichnis

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Vorwort

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Von den Anfängen bis zum Schloss des Soldatenkönigs

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Das Burgschloss des Kurfürsten Joachim I. von Brandenburg (1484–1535) Das Schloss als Wohnsitz des ­G roßen Kurfürsten (1620–1688) Kurfürst Friedrich III. (1657–1713), seit 1701 König Friedrich I. in Preußen Friedrich Wilhelm I. (1688–1740), der Soldatenkönig

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Die Winterresidenz Friedrichs des Großen und die Nutzung durch seine Nachfolger

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König Friedrich der Große (1712–1786) König Friedrich Wilhelm II. (1744–1797) König Friedrich Wilhelm III. (1770–1840) König Friedrich Wilhelm IV. (1795–1861)

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Das Stadtschloss in der ­K aiserzeit von 1871 bis 1918

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Das Stadtschloss während der Weimarer Republik und des »Dritten Reiches«

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Die Ruine des Schlosses und ein »Neuanfang« als Sitz des brandenburgischen Landtags

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Die Stadtschlossruine von 1945 bis 1960 Das Landtagsschloss

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Grundrisse mit Raumnutzungen seit Friedrich dem Großen von 1745 bis 1945 Literaturverzeichnis Quellennachweis Abbildungsnachweis Dank

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Inhaltsverzeichnis

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Vorwort Der vollendete Wiederaufbau des Potsdamer Stadtschlosses als Sitz des brandenburgischen Landtags war der Anlass, die Epochen seiner Nutzungsgeschichte zu erforschen. Das Buch erzählt davon, welche brandenburgischen Kurfürsten, preußischen Könige und Mitglieder der kaiserlichen Familie im Stadtschloss wohnten, wo genau ihre Appartements lagen. Dabei wird auch die bisher unbeachtet gebliebene Epoche von 1860 bis 1945 vorgestellt. Vor allem nach dem Ende der Monarchie im Jahr 1918 vollzog sich hier ein grundlegender Wandel: Das einstige königliche Schloss wurde Sitz der Potsdamer Stadtverwaltung und der Stadtverordnetenversammlung. In diesem Buch werden viele der 160 Abbildungen erstmals veröffentlicht. Sie dokumentieren nicht nur die herausragenden Raumschöpfungen des friderizianischen Rokokos, sondern zeigen zugleich, in welch hohem Maße das Stadtschloss ein fester Bestandteil des städtischen Lebens der einstigen Residenzstadt Potsdam war. Das Potsdamer Stadtschloss nahm innerhalb der preußischen Schlösserlandschaft einen herausragenden Platz ein, da es über Jahrzehnte die Winterresidenz Friedrichs des Großen war. Der bedeutendste preußische König ließ den bereits vorhandenen Schlossbau in der Mitte des 18. Jahrhunderts durch den Architekten Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff grundlegend umgestalten. Das königliche Gebäude erhielt sein stadtbildprägendes Aussehen, das sich bis zu jener Bombennacht des 14. April 1945 erhielt und bis zum Abriss der wiederaufbaufähigen Ruine 1959/60 noch erlebbar war. In seiner 300-jährigen Geschichte war das Potsdamer Stadtschloss mit seinem vorgelagerten Paradeplatz regelmäßig Schauplatz von Staatsempfängen und mili-

tärischen Ereignissen. Zahlreiche Mitglieder des preußischen Königshauses wurden im Schloss geboren und auch getauft. Zwei der bedeutendsten brandenburgischpreußischen Herrscher, der Große Kurfürst und sein Enkel, der Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I., starben hier. Stellvertretend für die einst kostbare Ausstattung der Appartements wird aus den einstigen Wohnungen der preußischen Könige eine Auswahl von Kunstwerken vorgestellt, die den Bombenhagel des Jahres 1945 überstanden haben. Ihr historischer Wert war so bedeutend, dass sie bereits 1942 aus Sicherheitsgründen ausgelagert wurden. Zu den ältesten Einrichtungsgegenständen gehören ein Paar Guéridons (Tische für Kerzenleuchter), die um 1700 für die Wohnung Friedrichs III./I. angefertigt wurden und sich heute im Schloss Caputh befinden. Erhalten ist auch der originale Schreibtisch Friedrichs des Großen, der 1756 von Melchior Kambly für das Schreibzimmer des Königs hergestellt wurde. Aus der Wohnung des Prinzen Joachim, der als letztes Mitglied des preußischen Königshaues bis 1918 im Stadtschloss wohnte, ist eine gerahmte Grafik mit der Ansicht des Schlosses erhalten geblieben. Als neuer Sitz des brandenburgischen Landtags steht das ehemalige Potsdamer Stadtschloss nun wieder im Mittelpunkt des politischen Tagesgeschehens. Unzählige Menschen passieren täglich den imposanten Gebäudekomplex inmitten des Stadtzentrums, ohne wissen zu können, wer im Schloss wohnte und wie es einst genutzt wurde. Das Buch soll dabei helfen, die einstige historische Bedeutung des Stadtschlosses besser zu verstehen. Luftaufnahme des Zen­ trums mit dem Potsdamer Stadtschloss, um 1930

Jörg Kirschstein Potsdam, im Januar 2014

Vorwort

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Vorwort

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Von den Anfängen bis zum Schloss des Soldatenkönigs Das Burgschloss des Kurfürsten Joachim I. von Brandenburg (1484–1535) An der Stelle des friderizianischen Stadtschlosses, das bis zu seiner Zerstörung den Mittelpunkt des historischen Stadtkerns Potsdams bildete, befanden sich um das Jahr 1200 entlang einer Straße Grundstücke für Bürger, die zu einer mittelalterlichen Stadt gehörten. Bisher ging man davon aus, dass hier im Mittelalter eine Burg mit einem steinernen Turm lag. Archäologische Untersuchungen für den Neubau des brandenburgischen Landtags widerlegten diese These. Direkt am Havelufer wurde bei den Grabungen eine bisher nicht bekannte Befestigungsanlage aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts gefunden. Ein Wassergraben und ein Teil eines hölzernen Gebäudes deuten auf eine kleine Wasserburg mit Turmhügel hin. Genaueres über deren Gestalt und Funktion ist noch nicht bekannt. Im Jahr 1412 belehnte König Sigismund den Burggrafen Friedrich VI. von Nürnberg aus dem Haus Hohenzollern mit der Mark Brandenburg. Burggraf Friedrich VI. nahm die Huldigung der Stadt Potsdam im September 1412 persönlich entgegen. Seit seiner Ernennung zum Kurfürsten von Brandenburg im Jahr 1415 führte der Hohenzoller den Namen Friedrich I. Damit war der Grundstein für die dauerhaften Beziehungen zwischen Potsdam und den Hohenzollern gelegt. Der Urenkel des Kurfürsten, Joachim I., war der erste Spross der Dynastie, der für längere Zeit das Schloss bewohnte. Er hatte um 1528 ein Burgschloss vom Typ des festen Hauses errichten lassen. Alle Zuschreibungen von steinernen Bauresten im Schlossareal zu einer mittelalterlichen Burg haben sich durch die neusten archäologischen Untersuchungen

als falsch erwiesen. Zur Burg Joachims I. gehörte eine Ringmauer mit vier runden und einem annährend quadratischen Turm. Innerhalb der Befestigung standen zwei Gebäude. Neben dem frei auf dem Burghof stehenden Wohnhaus könnte das Fundament eines kleinen Gebäudes mit einem oktogonalen Grundriss vielleicht zu einer Kapelle gehört haben. Kurfürst Joachim I. überschrieb das Haus schließlich seiner Gemahlin, der dänischen Prinzessin Elisabeth, als Witwensitz. Gut 50 Jahre später, im Jahr 1598, übergab der Kurfürst seiner Gemahlin Katharina das Amt Potsdam. Die Gebäude wurden vollständig abgebrochen und an gleicher Stelle durch einen neuen Schlossbau, den später so genannten Katharinenbau, ersetzt. Das Haus bestand aus drei Etagen mit insgesamt 38 Zimmern. Im zweiten Obergeschoss lagen ein großer Saal mit acht Fenstern sowie die Gemächer des Kurfürstenpaares. Allerdings scheint die Auftraggeberin der kostbaren Einrichtung nicht mehr Kurfürstin Katharina gewesen zu sein, die bereits 1602 verstorben war, sondern die zweite Gemahlin Joachim Friedrichs I., Kurfürstin Eleonore. Da sie ebenfalls nach nur vier Jahren Ehe starb, wurde das Potsdamer Schloss nicht genutzt. Reparaturen blieben aus, sodass das stattliche Gebäude mehr und mehr verfiel. Der Kurfürst verpfändete das Schloss schließlich 1606 für 14.000 Taler an Wolf Dietrich von Hake. Dieser nutzte das Haus jedoch nicht sachgemäß. Mit Ausnahme der kurfürstlichen Wohnräume dienten die Zimmer als Lager sowie als Schafstall. Die Verwüstungen des Dreißigjährigen Krieges zogen den Bau zusätzlich stark in Mitleidenschaft.

Das Burgschloss des Kurfürsten Joachim I. von Brandenburg (1484–1535)

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Potsdam mit dem Schloss der Kurfürstin Katharina, Ausschnitt aus dem Gemälde von August Kopisch, 1851 Das Schloss hatte eine Länge von 60 Metern und eine Breite von etwa 14 Metern. Durch seine zwölf Erker erhielt der langge­ streckte, dreigeschossige Bau sein markantes Aus­ sehen. Der Schlossbau wurde von einer Mauer und Türmen aus der Mitte des 14. Jahrhunderts umgeben. Bei der Darstellung Kopischs handelt es sich lediglich um den Versuch einer Rekonstruktion der Schloss- und Stadtansicht.

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Das Schloss als Wohnsitz des G­ roßen Kurfürsten (1620–1688) Nachdem es dem Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg im Sommer 1660 gelungen war, die Herrschaft Potsdam mit dem Schloss aus dem Besitz der Familie von Hake auszulösen, ließ er die Kosten einer Wiederherstellung prüfen. Da sich diese als wesentlich höher herausstellten als angenommen, entschied sich der Große Kurfürst für einen Neubau. Die wald- und seenreiche Umgebung erinnerte Friedrich Wilhelm an die Niederlande, wo er am Hof des Statthalters Friedrich Heinrich von Oranien-Nassau aufgewachsen war und seine Studienjahre an der Universität Leiden verbracht hatte. Die Niederlande gehörten im ausgehenden 17. Jahrhundert zu den führenden Wirtschaftsmächten Europas. In dem kulturell hoch entwickelten Land hatte er auch seine spätere Gemahlin, Louise Henriette von Oranien, kennengelernt, die er 1646 heiratete. Seit 1660 widmete sich der Kurfürst der Neugestaltung der Insel Potsdam. Er kaufte dazu die um Potsdam liegenden Ämter Bornim, Nedlitz, Grube, Eiche, Golm, Bornstedt, Caputh und später auch Glienicke. In Bornim, Caputh und Glienicke ließ er barocke Lustschlösser errichten, die der Verschönerung der Umgebung Potsdams dienten. Diese Schlösser waren durch Alleen und Sichtachsen miteinander verbunden, in deren Zentrum das Potsdamer Stadtschloss lag. Der väterliche Freund des Kurfürsten, der Niederländer Johann Moritz von Nassau-Siegen, unterstützte den Hohenzoller maßgeblich bei der Umsetzung seiner Pläne. Der Bau des neuen Schlosses, der um 1660 begann, wurde der größte und wichtigste Schlossbau des Großen Kurfürsten. Es dauerte mehr als zwei Jahrzehnte, bis das Gebäude endgültig fertiggestellt war. Als Direktor der kurfürstlichen Schlösser war Philipp de Chièze für das Bauvorhaben verantwortlich. Den gesteigerten Wohnbedürfnissen eines barocken Fürsten entsprechend ließ der Architekt Johann Gregor Memhardt einen dreigeschossigen Hauptbau mit zwei jeweils zweigeschossigen

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Seitenflügeln errichten, die durch einen Querbau mit Tor verbunden waren. Vermutlich aus Kostengründen wurde der Vorgängerbau, das Katharinenschloss, in den Neubau integriert. Daher konnte die Hauptachse nur in Ost-West-Richtung angelegt werden. Sie verlief nicht wie im Barock üblich auf die Mittelachse des Corps de Logis zu, sondern auf den Süd-West-Pavillon, in dem sich die Wohnräume des Kurfürsten befanden. Entlang dieser Hauptachse entwickelte sich später die Breite Straße. Diese Tatsache wurde später, in der Regierungszeit Friedrich Wilhelms I., entscheidend für die Stadterweiterungen. Der Große Kurfürst sah noch davon ab, das durch den Dreißigjährigen Krieg völlig verwüstete Potsdam niederzureißen und nach barockem Vorbild neu aufzubauen. Bei dem im Auftrag des Kurfürsten errichteten Gebäude handelte es sich um einen einfachen Putzbau mit hohen Ziegeldächern. Die Fassade des Hauptbaus hatte in der Mitte einen vorspringenden Risalit, um dem Festsaal genügend Platz zu geben. Das Dach über dem Saal wurde von einem belvedereartigen Turm bekrönt; auf den seitlichen Pavillons befanden sich ebenfalls kleinere Turmaufsätze. In der Gestaltung des Schlosses war der Einfluss des holländischen Klassizismus unverkennbar. Unter Memhardts Verantwortung wurde der östliche – zur Havelseite liegende – Flügel des Schlosses bis 1679 um etwa das Doppelte verlängert. Dem Architekten Matthias Michel Smids oblag die Ausführung des westlichen Schlossflügels, der drei Jahre später fertiggestellt wurde. In dessen Kopfbau wurde die Schlosskapelle eingefügt, deren Innenwände mit weißem Stuckmarmor und schwarz-weiß geäderten Pilastern bekleidet waren. Im gegenüberliegenden östlichen Pavillon wurde die Schlossküche untergebracht. Beide Flügel wurden durch eine konvex geführte Mauer, die mit einem Portal versehen war, zum Markt abgeschlossen. Dabei blieb der ehemalige niedrige Querflügel erhalten, der den Schlosshof in nunmehr zwei Höfe teilte.

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Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg, der Große Kurfürst, Gemälde von Gedeon Romandon, um 1686

Kurfürstin Dorothea von Brandenburg, Gemälde von Jan de Bean, 1675

Für die Verlängerung der Seitenflügel des Schlosses in Richtung Stadt mussten 39 Bürgerhäuser am Markt, die der Erweiterung im Wege standen, abgerissen werden. Allerdings durften sich die Bürger dafür auf der »Kurfürstlichen Freiheit«, der heutigen Breiten Straße, und der parallel dazu verlaufenden Priesterstraße (heutige Henning-von-Tresckow-Straße) und einem Teil der Schlossstraße, neue Wohnhäuser erbauen. Hier entstanden auch lang gestreckte Gebäude für die Hofverwaltung. Der Innenausbau des Schlosses scheint aufgrund der knappen finanziellen Mittel nur langsam vorangeschritten zu sein. Erst neun Jahre nach dem Baubeginn war die Ausstattung des Inneren vollendet, nur am Festsaal wurde noch länger gearbeitet. Dass die gesamte Schlossanlage von einem Wassergraben umgeben gewesen sein soll, konnte durch die jüngsten archäologischen Grabungen widerlegt werden. Ab etwa 1670 nutzte die kurfürstliche Familie den Bau als Land- und Jagdschloss. Die Wohnung des Kurfürsten lang im westlichen Teil des Hauptbaus, die der

Kurfürstin im östlichen. Beide Appartements wurden durch den imposanten Festsaal, der eine Grundfläche von fast 300 Quadratmetern umfasste, miteinander verbunden. Da die erste Gemahlin des Kurfürsten, Louise Henriette, bereits 1667 gestorben war, prägte vor allem die zweite Frau des Hohenzollernfürsten, Prinzessin Dorothea von Holstein-Glücksburg, den neuen Schlossbau. Die Kurfürstin galt als geistreich, erfahren und außergewöhnlich geschäftstüchtig. Die neue Frau an der Seite Friedrich Wilhelms begleitete ihren Mann nicht nur auf der Jagd, sondern auch auf seinen Inspektionsreisen und Feldzügen. Im September 1671 schenkte Friedrich Wilhelm seiner Gemahlin das unweit von Potsdam gelegene Lustschloss Caputh. Der Barockbau wurde erweitert und im Inneren kostbar ausgestattet. So wurde Caputh zum bevorzugten Sommeraufenthalt Dorotheas. Aus dem Tagebuch des kurfürstlichen Reisemarschalls Dietrich Sigismund von Buch lassen sich einige Rückschlüsse auf den Aufenthalt des Kurfürsten in seiner Potsdamer Residenz ziehen. Demnach konnte das

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Das neue Schloss des G­ roßen Kurfürsten. Ansicht der Gartenseite, Radierung von Pieter Schenk, 1702 Ab 1660 ließ Kurfürst Fried­ rich Wilhelm durch seinen Architekten Johann Gregor Memhardt in Potsdam einen neuen Schlossbau errichten und wählte Pots­ dam neben Berlin zur zwei­ ten Residenz. Die Wohn­ räume des Kurfürsten lagen im westlichen Teil des Schlosses (hier links), wäh­ rend sich das Appartement seiner Gemahlin im ­östlichen Flügel (hier rechts) befand.

Ansicht des Schlosses von der Stadtseite, Radierung von Pieter Schenk, 1702 Der dreigeschossige Bau hatte eine klare rhythmi­ sche Gliederung. Zentraler Blickpunkt war der oktogo­ nale Turm über dem Mittel­ risalit mit einer umlaufen­ den Galerie. Auch die fünfachsigen Seitenrisalite trugen belvedereartige Aufbauten. In einem dieser Seitentürme befand sich ein Wasserreservoir, aus dem die Fontänen im Lust­ garten gespeist wurden.

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Grundriss des ersten Ober­ geschosses des Potsdamer Stadtschlosses, 1672

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1 Treppenhaus 2 Galerie 3 Großer Saal Wohnung des Kurfürsten (Raum 4 bis 10) 4 Anderes Vorgemach des Kurfürsten 5 Audienzgemach des Kurfürsten 6 Schlafgemach des Kurfürsten 7 Vorgemach des Kurfürsten, wo der Mund­ schenk zu stehen pflegte 8 Tafelsaal/Roter Saal 9 Kabinett des Kurfürsten 10 Treppe

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Wohnung der Kurfürstin (Raum 11 bis 18) 11 Vorgemach der Kurfürstin 12 Audienzgemach der Kurfürstin 13 Anderes Vorgemach der Kurfürstin 14 Schlafgemach der Kurfürstin 15 Garderobe und Treppe 16 Kabinett der Kurfürstin 17 Alkovengemach der Kurfürstin 18 Alkoven 19 Schlafgemach der Markgräfin Marie Amalia 20 Audienzgemach der Markgräfin Marie Amalia 21 Vorgemach des Kurprinzen Friedrich 22 Audienzgemach des Kurprinzen 23 Schlafgemach des Kurprinzen

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Flur Der Geheimen Räte Kammer keine Benennung der Zimmer erfolgt Markgraf Philipp Wilhelms Kabinett Markgraf Philip Wilhelms Gemach Schlafgemach Markgraf Ludwigs Gemach Erstes Gemach nach dem Lustgarten Markgraf Albrecht Friedrichs Schlafgemach Vorgemach Kabinett Garderobe Kleiner Saal Marschalls Gemach

Das Schloss als Wohnsitz des Großen Kurfürsten (1620–1688)

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Die Raumnutzung unter dem Großen Kurfürsten von 1675 bis 1688 Die Wohnung des Großen Kurfürsten lag im westli­ chen, zum Lustgarten aus­ gerichteten Teil des Haupt­ baus. Die Räume seiner Gemahlin Dorothea im gegenüberliegenden östli­ chen Havelflügel. An die Wohnung der Kurfürstin schlossen sich die Wohn­ räume ihrer ältesten Toch­ ter Marie Amalia sowie die des Kurprinzen (ab 1688 Kurfürst Friedrich III.) an. Im nordwestlichen Schloss­ flügel logierten die Mark­ grafen von Brandenburg­ Schwedt, die Söhne aus der zweiten Ehe des Kurfürsten mit Dorothea von Holstein­ Glücksburg. Die Zuordnung der Raumfunktion unter dem Großen Kurfürsten geht auf eine Rekonstruk­ tion aus dem 19. Jahrhun­ dert zurück.

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»Perspektivische Aus­ führung des ChurFürst­ lichen Schlosses zu Pots­ dam nebst dem Lustgarten und dessen Luststücken«, Blatt 4, um 1672

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Schloss ganzjährig bewohnt werden. Für das Jahr 1671 ist beispielsweise ein Aufenthalt von März bis Oktober nachweisbar. Eine dauerhafte Bewohnung wurde immer wieder durch Feldzüge oder andere Reisen verhindert. 1673 nutze der Kurfürst seine Residenz im Frühjahr und Herbst jeweils für vier Wochen. Als er im Dezember 1676 nach Potsdam kam, erkrankte er schwer an einer eitrigen Halsentzündung. Nachdem sich Friedrich Wilhelm erholt hatte, traf er im Januar 1677 im Stadtschloss seinen Neffen Wilhelm III. von Oranien, Statthalter der Niederlande, zu einem Diner. Mit zunehmendem Alter verschlechterte sich der Gesundheitszustand des Kurfürsten zusehends. Gichtanfälle, eine häufige Erbkrankheit im Haus Hohenzollern, plagten ihn schwer. Gesundheitlich geschwächt, kam er am 23. März 1678 wieder in Potsdam an. Am 13. April begab er sich gemeinsam mit seiner jüngeren Schwester, der Landgräfin Hedwig von Hessen-Kassel, zu einer Jagd nach Lehnin. Nach einem

kurzen Zwischenstopp in Potsdam bewirtete die Kurfürstin die Reisegesellschaft im Schloss Caputh.

Die Hochzeit des Kurprinzen Friedrich 1679 Am 13. August 1679 heiratete Kurprinz Friedrich (III./I.) die 17-jährige Prinzessin Elisabeth Henriette von Hessen-Kassel. Es war das erste Hoffest, das im Potsdamer Stadtschloss gefeiert wurde. Doch anders als bei einem Thronerben zu erwarten war, fand die Vermählung ohne Pomp und größeren Aufwand statt. Dietrich Sigismund von Buch vermerkte dazu: »S.K.D. [Seine Kurfürstliche Durchlaucht] lag mit der Frau Kurfürstin noch im Bette, als er ihr sagt, er sei jetzt ganz entschlossen, heut noch die Hochzeit des Kurprinzen auszurichten, was die Frau Kurfürstin sofort durch ein kleines Billet der Frau Landgräfin [der Mutter der Braut] meldet, die sich dessen

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außerordentlich freut; gegen Mittag teilte man es dem ganzen Hofe mit. Am Abend fand sich S.K.D. mit allen anderen hohen Personen (…) ein, nahm die Prinzeß von Hessen an die Rechte, den Kurprinzen an die Linke, und führte beide in den kleinen Saal, wo man für gewöhnlich speist; dahin hatte man einen kleinen mit einem Teppich behangenen Tisch gestellt, und vor denselben eine Bank, um zu knieen.« Bei dem erwähnten »kleinen Saal«, in dem die Trauung stattfand, handelte es sich um den »Rothen Saal«, den größten Raum der kurfürstlichen Wohnung. Obwohl es aus heutiger Sicht den Eindruck macht, die Hochzeit sei überstürzt vollzogen worden, war die eheliche Verbindung schon lange geplant. Der Ehevertrag, der die Rechte und die finanzielle Versorgung der Prinzessin regelte, lag unterschriftsbereit vor. Das kurprinzliche Paar residierte nach seiner Hochzeit im Schloss Köpenick. Aus der überaus glücklichen Verbindung ging 1680 als einziges Kind ihre Tochter Luise hervor. Die Kurprinzessin starb jedoch bereits vier Jahre nach der Eheschließung an einer damals unheilbaren Krankheit, den Pocken. Seitdem der Kurfürst Potsdam zu seinem bevorzugten Aufenthaltsort gewählt hatte, besuchten zahlreiche Fürstlichkeiten die kleine Stadt an der Havel. Ganz bewusst empfing der Kurfürst seine Gäste immer zuerst in Potsdam, bevor Berlin aufgesucht wurde. Das Stadtschloss, als Zweitresidenz neben dem Berliner Schloss, war der wichtigste Bau Friedrich Wilhelms, dem er seine ganz persönliche Note und Formensprache gegeben hatte. Am 11. Oktober 1680 traf Wilhelm III. von Oranien zu einem weiteren Besuch in Potsdam ein. Beide Familien waren miteinander eng verwandt. Wilhelm III. war über Kurfürstin Louise Henriette ein Neffe des Großen Kurfürsten. Der hohe Gast wurde vom Kurprinzen und allen anwesenden Fürstlichkeiten persönlich zu Pferde am Eingang der Stadt begrüßt. Anschließend fuhr der Prinz gemeinsam mit dem Kurfürsten in einer vergoldeten Kutsche zum Schloss, wo zwei Kompanien der kurfürstlichen Leibgarde den fürstlichen Besuch erwarteten. Zum Empfang waren neben dem Kurprinzen seine

Brüder, die Markgrafen Christian Ludwig und Philipp Wilhelm, der Fürst Johann Georg II. von Anhalt-Dessau, der Landgraf Friedrich II. von Hessen-Homburg sowie der Prinz von Kurland anwesend. Das ganze Hoflager begab sich am 12. Oktober nach Berlin, kehrte aber schon am Nachmittag nach Potsdam zurück. Zum Abschluss des Aufenthaltes des oranischen Prinzen wurde zu seinen Ehren eine Jagd veranstaltet. Der Kurfürst blieb mit seiner Gemahlin Dorothea bis Jahresende 1680 in Potsdam. Nach Berlin begab er sich nur, um dort am 16. Februar 1681 seinen 61. Geburtstag zu feiern. Nach dem Ende der Feierlichkeiten reiste er zurück nach Potsdam. Hier liefen die Vorbereitungen für einen weiteren fürstlichen Empfang bereits auf Hochtouren. Der sächsische Kurfürst Johann Georg III. von Sachsen und seine Gemahlin Anna Sophie wurden am 19. Februar 1681 zu ihrem Antrittsbesuch am brandenburgischen Hof erwartet. Die Eltern August des Starken hatten erst im Jahr zuvor den Thron der Wettiner bestiegen. Das Gefolge des kurfürstlichen Paares bestand aus 240 Personen und »noch mehr Pferden«. Erst nach einem dreitägigen Aufenthalt in Potsdam erfolgte der Einzug in Berlin. Das Potsdamer Stadtschloss war immer auch ein Ort wichtiger politischer Ereignisse. Von herausragender Bedeutung für die Entwicklung Brandenburgs war das sogenannte »Edikt von Potsdam«, das der Große Kurfürst am 8. November 1685 im Schloss erließ. Friedrich Wilhelm bot den in Frankreich wegen ihrer Religion verfolgten protestantischen Glaubensgenossen, den Hugenotten, freie Niederlassung in Brandenburg. Den Flüchtlingen wurden großzügige Privilegien gewährt; nahezu 20.000 Menschen folgten dem Angebot. Das Edikt trug maßgeblich dazu bei, die Wirtschaft des im Dreißigjährigen Krieg stark zerstörten Brandenburgs zu beleben. Schließlich legte der Kurfürst damit den Grundstein für die Erstarkung seines Landes. Bei allen politischen Erfolgen blieb der Kurfürst von familiären Schicksalsschlägen nicht verschont. Im Frühjahr 1687 starb im Alter von 20 Jahren sein Sohn, der Markgraf Ludwig von Brandenburg. Der jüngere Sohn

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Der Schlosskastellan Zum ersten Kastellan des kurfürstlichen Schlosses ernannte Friedrich Wilhelm im Oktober 1660 Franz Wilhelmßen. In der überlieferten Bestallung waren seine Aufgaben festgelegt. Demnach trug er die Verantwortung für alle »Mobilien und Geräthe«, er musste darauf achten, dass »davon nichts verrückt, zerschmissen oder sonst verdorben werde«. Wilhelmßen und ab 1662 sein Nachfolger Georg Nuglisch waren für das ganze Gebäude zuständig, sie mussten dafür Sorge tragen, dass vom »Winde und Wetter nichts beschädigt werde«. Als Besoldung standen den kurfürstlichen Kastellanen jährlich 200 Taler sowie freie Wohnung und Brennholz zu. Nach dem Tod Nuglischs im Jahre 1680 trat auf Empfehlung des holländischen Gesandten van Amerongken im Jahr 1685 Charles Girard seine Stellung an.

des Großen Kurfürsten aus der Ehe mit Louise Henriette war am Morgen des 7. April nach einem Hofball im Potsdamer Stadtschloss verstorben. Nachdem zuerst von einer Vergiftung als Todesursache die Rede war, konnte schließlich Fleckfieber von den Ärzten diagnostiziert werden. Der Leichnam wurde in das Gewölbe unter dem Großen Saal gebracht. Dort zog man ihm einen scharlachroten Rock an. Seinem Rang als Mitglied des Kurhauses entsprechend legte man ihm an die Seite einen markgräflichen Fürstenhut sowie seinen Leibdegen. In dem Gewölbe, das mit schwarzem Tuch ausgeschlagen war, wurde der Leichnam auf einem Paradebett für drei Wochen öffentlich aufgebahrt. Erst am 27. April erfolgte die Überführung des Leichnams nach Berlin, wo er im Dom beigesetzt wurde. Nur drei Monate später, am 8. August 1687, wurde in den Räumen des Schlosses eine weitere fürstliche Hochzeit gefeiert. Markgräfin Maria Amalia von Brandenburg-Schwedt vermählte sich mit dem Erbprinzen Karl von Mecklenburg-Güstow. Die Feierlichkeiten der ältesten Tochter des Großen Kurfürsten aus seiner Ehe mit Dorothea wurden jedoch wegen des Todes ihres Bruders auf ein Mindestmaß beschränkt. Schließlich wurde die Potsdamer Residenz auch der Ort, an dem der Große Kurfürst seine letzten Stunden verbrachte. Seit Beginn des Jahres 1688 hatte Fried-

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rich Wilhelm das Schloss nicht mehr verlassen, da sein schlechter Gesundheitszustand dies nicht zuließ. Am Morgen des 9. Mai starb er. Zeitgenössischen Berichten zufolge war sein Sterbezimmer »vom Festsaal aus der dritte Raum im westlichen Flügel«. Noch am Abend des Sterbetages wurde der Verstorbene in das »große Trauergewölbe« unter dem Festsaal gebracht. Der Leichnam wurde fürstlich angekleidet und in einen mit schwarzem Samt bezogenen Sarg gelegt. Die Trauerwache hielten Geheime Räte, Generäle und Kammerherren. Die Wände aller Wohnräume waren mit schwarzem Samt bezogen. Am 18. Mai wurde die Leiche in das Berliner Schloss überführt, um dort öffentlich auf einem Paradebett bis zum 23. Mai aufgebahrt zu werden. Das Begräbnis im Dom erfolgte erst im September 1688. Nach dem Tod ihres Mannes zog sich Kurfürstin Dorothea nach Potsdam zurück. In seinem Testament aus dem Jahr 1676 hatte der Kurfürst seiner Frau das Amt Potsdam zugesprochen. Später wurde die Bestimmung dahin gehend erweitert, dass die Kurfürstenwitwe alle Möbel und das gesamte Silber, das sich in Potsdam befand, behalten und benutzen durfte. Im Februar 1689 bezog Dorothea das Potsdamer Stadtschloss, das ihr komplett als Wohnsitz zustand. Durch das Testament ihres Mannes war die 52-jährige Witwe finanziell gut ausgestattet, doch war ihre gesundheit­

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liche Verfassung zum damaligen Zeitpunkt bereits stark eingeschränkt. Neben den Geburten von sieben Kindern in acht Ehejahren hatten ihr die ständigen Reisen und die anstrengenden Feldzüge die Kräfte geraubt. Schon 1683 hatte sie einen ersten Schlaganfall erlitten, weitere folgten und schwächten ihre Konstitution zunehmend, sodass nach dem Tod ihres Mannes mit einem baldigen Ableben der Kurfürstenwitwe gerechnet wurde. Während eines Kuraufenthaltes in Karlsbad verstarb Dorothea dann schließlich am 6. August 1689 an den Folgen eines weiteren Schlaganfalls. Bevor der

Sarg an der Seite des Kurfürsten in den Berliner Dom überführt und dort beigesetzt werden konnte, erfolgte seine Reise nach Potsdam. Friedrich III. hatte verfügt, dass seine Stiefmutter wie schon zuvor sein Vater im Gewölbe des Schlosses aufgebahrt werden sollte. Wieder war das Gewölbe mit schwarzem Tuch verhangen, jedoch wurde der Leichnam nicht öffentlich aufgestellt, sondern im geschlossenen Sarg aufbewahrt. Am 12. September, demselben Tag, an dem der Kurfürst ein Jahr zuvor in Berlin beigesetzt worden war, erfolgte die Überführung nach Berlin.

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Kurfürst Friedrich III. (1657–1713), seit 1701 König Friedrich I. in Preußen Kurfürst Friedrich III. erwarb das Schloss von den Erben seiner 1689 verstorbenen Stiefmutter Dorothea für 160.000 Taler. Wie schon sein Vater hegte auch der Sohn eine besondere Vorliebe für Potsdam. Am 7. Juni 1690 übernahm der Kurfürst das Amt mit dem Schloss Potsdam, das Amt Langerwisch sowie das Schloss Caputh. In der Regierungszeit Friedrichs III./I. fanden umfangreiche Baumaßnahmen statt, die zur wesentlichen Vergrößerung der Schlossanlage beitrugen. Ähnlich wie beim Ausbau der von Friedrich bevorzugten Schlösser Berlin und Oranienburg sollte auch beim Potsdamer Stadtschloss die angestrebte Rangerhöhung zum preußischen König in der Erweitung der Schlossanlagen ihren Ausdruck finden. Mit der Bauausführung wurde der Architekt Johann Arnold Nering beauftragt, nach dessen Tod im Jahr 1695 leitete Martin Grünberg die Bauausführung. Grundgedanke der Umgestaltung war, dem holländisch geprägten Bau einen stärker französischen Charakter zu geben. Als erstes wurde der zweigeschossige Turm über dem Großen Saal beseitigt; wenig später entfernte man die Aufbauten auf den Eckpavillons. Zentral vor den Mittelrisalit wurde 1698 eine doppelläufige Rampe gestellt, um den im ersten Geschoss liegenden Festsaal von der Lustgartenseite betreten zu können. Dieser Aufgang erhielt die Bezeichnung »Grüne Treppe«. Dass die Bezeichnung von Orangenbäumen herrührt, die hier in den Sommermonaten aufgestellt waren, lässt sich nicht belegen. Vielmehr ließ Friedrich III. die Rampe mit Rasen belegen. Der große Schlosshof war noch immer in zwei Höfe geteilt. Der quer über den Hof ragende Flügel blieb auch nach dem Regierungsantritt Friedrichs III. bestehen. Erst mit der Aussicht auf die Königskrönung ließ der Kurfürst den Querbau beseitigen. Eine weitere Veränderung wurde nun in Angriff genommen. Die zum Markt liegenden halbrunden Flügel waren bereits vom Großen Kurfürsten durch einen Portalbau abgeschlossen worden. Als Friedrich III. im Dezember 1700 Jean

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de Bodt die Oberaufsicht über das Potsdamer Schloss übertrug, hatte der Architekt vermutlich schon umfangreiche Umbaupläne vorgelegt. So plante er, die Seitenflügel auf eine einheitliche Höhe von zwei Etagen zu bringen. Einzig umgesetzt wurde schließlich der Neubau des Eingangsportals zum Schlosshof. Hier müssen die Arbeiten schnell vorangegangen sein, denn bereits im Dezember 1700 berichtete de Bodt, dass die »Erbauung des Glocken-Stuhls und Dachs bey dem neu ausgelegten Pottsdamischen Thurm« bereits »geschehen« sei. De Bodt hatte ein Portal mit einem massiven Unterbau geschaffen, der von einer säulengetragenen Kuppel bekrönt war. Das bildhauerische Programm des Portals war auf die Gewinnung der Königswürde ausgerichtet. Auf der halbrunden Kuppel balancierte die vergoldete Skulptur der Fortuna. Sie stand für das Glück des brandenburgischen Kurfürsten, dem es gelungen war, die preußische Königswürde zu erlangen. Der prächtige Portalbau bildete von nun an den zentralen Eingang zum Schlosshof. Die Glocken unter der Kuppel dienten der im Eckpavillon des Westflügels liegenden Schlosskapelle als Geläut. Spätestens mit dem Ausbau der Kapelle im Jahr 1752 verloren die Glocken ihre Bedeutung und wurden entfernt. Der Schlossbau wurde nicht nur im äußeren Erscheinungsbild verändert, sondern auch im Inneren prächtig ausgestattet. Am eindrucksvollsten waren sicher die neuen Dekorationen im Großen Saal. Andreas Schlüter schuf über der Mitteltür, an der Längsseite, den Schmalseiten und an den vier Ecken Allegorien, die den Ruhm des Großen Kurfürsten versinnbildlichten. Vier großformatige Gemälde waren an drei Raumseiten angebracht. Unklar bleibt, um welche Darstellungen es sich genau handelte. Hier sind die Überlieferungen widersprüchlich. Das Inventar nennt für diesen Raum lediglich »Schildereyen«, ohne den Künstler oder gar den Titel der Gemälde zu erwähnen. Vermutlich waren es aber die 1945 zerstörten Gemälde.

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Links: König Friedrich I. in ­Preußen, Gemälde von Friedrich Wilhelm ­Weidemann, um 1710 Mitte: Königin Sophie ­Charlotte in Preußen, Gemälde von Friedrich Wilhelm Weidemann, um 1702 bis 1705 Rechts: Königin Sophie Luise in Preußen, Gemälde von Friedrich Wilhelm ­Weidemann, um 1710

Friedrich I. ließ die ehemalige Wohnung seiner Eltern, die er nun selbst mit seiner zweiten Gemahlin, Prinzessin Sophie Charlotte von Hannover, bewohnte, kostbar einrichten. Diese Informationen entnehmen wir dem Inventar aus dem Jahr 1713. Demnach lag die Wohnung des Königs wie die seines Vaters im ersten Obergeschoss des westlichen Flügels zur Lustgartenseite. Das aus acht Räumen bestehende Appartement begann mit dem Vorgemach. Dessen Wände waren mit acht Tapisserien bekleidet; an den freien Wandflächen waren außerdem acht Gemälde sowie ein Spiegel platziert. Zur weiteren Ausstattung des Raumes gehörten ein dutzend Armlehnstühle, wovon zwölf mit blauem und einer mit rotem Samt bezogen waren. Dem Vorgemach folgte das Audienzgemach, dessen Wände mit vier flämischen Tapisserien, den Darstellungen der vier Jahreszeiten, geschmückt waren. Auf dem Boden lag ein türkischer Seidenteppich. Die Bezüge der Sitzmöbel waren aus rotem Samt, bestickt mit goldenen Tressen. Ein Brettspiel »aus wohlrichendem Holz« sowie zwei goldlackierte Kabinettschränke mit vergoldeten und emaillierten Metallbeschlägen gehörten ebenfalls zur Einrichtung. Die größte Pracht entfaltete sich allerdings im königlichen Schlafgemach. Eine Serie von sieben Tapisserien mit den Darstellungen der Metamorphosen des

Ovid sowie von sechs Gemälden war an den Wänden zu finden. Die Vorhänge bestanden aus rotem Damast. Das Hauptmöbel war das Paradebett. Es war mit blauem Samt bespannt und die Innenseiten mit rotem Atlas gefüttert. Ebenso wie das Bett waren auch die Armlehnstühle, Stühle, Tabourets (Hocker), die zwei Tische und sonstigen Polstermöbel mit blauem Samt bezogen, an denen Gold- und Silberfransen hingen. Der in dem Zimmer stehende englische Schreibtisch war aus Nussbaumholz. Ein weiterer, schwarz und gold lackierter Schreibtisch, dessen Schreibplatte mit rotem Samt bezogen war, hatte 13 Schübe. Unter den weiteren Möbeln waren Tee- und Nachttische sowie eine englische Repetieruhr zu finden. Das Gehäuse der Uhr war mit Elfenbein besetzt sowie mit einem geschnitzten Aufsatz und drei vergoldeten Kugeln bekrönt. Im folgenden kleinen Raum befand sich eine Treppe. Diese führte in das im zweiten Obergeschoss gelegene Appartement der Königin Sophie Luise. Die dritte Gemahlin Friedrichs I. logierte seit ihrer Eheschließung im Jahr 1708 über der Wohnung des Königs. Die Wände dieses winzigen Zimmers waren mit einer roten Ledertapete dekoriert, auf denen neben goldenen Ranken auch das Monogramm des Kurfürsten sowie der Kurhut aufgebracht waren. Außer der Treppe war hier ein Aufzug installiert, mit dem der König in die Wohnung

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Links: Grundriss und Auf­ sicht des Schlosses, Skizzen von Christoph Pitzler, 1695 Der Architekt Pitzler zeich­ nete den Grundriss nach der 1679 erfolgten Verlän­ gerung der Seitenflügel. Der Querbau, der den Hof teilte, blieb zunächst beste­ hen. Erst mit der Errichtung des Fortunaportals wurde der Riegel beseitigt. Neben dem dreigeschossigen Corps de Logis skizzierte er den eingeschossigen östli­ chen Seitenflügel. Rechts: Aufriss des ­Fortunaportals, Zeichnung aus dem Umkreis von Jean de Bodt, um 1700 Das Portal wurde aus Anlass der Krönung Fried­ richs III. zum König in Preu­ ßen anstelle eines seit 1680 bestehenden Eingangstores errichtet.

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seiner Gemahlin gelangen konnte. Der Sessel des Aufzugs, der eine rote Samtbespannung und einen Besatz aus g ­ oldenen Tressen hatte, war umgeben von einem roten Vorhang. Zusätzlich wurde er von einem Thronhimmel bekrönt. Die schmale Treppe führte auch in das Erdgeschoss. Hier lag das Badekabinett des Königs. Zum ersten Mal erwähnt wurde es im Jahr 1695. Die Wände des Raumes waren mit holländischen Fliesen bekleidet. Zwei Fenster gingen zum Lustgarten hinaus, ein weiteres zur Breiten Straße. Dieses Fenster wurde bereits vor 1695 zugemauert. An seine Stelle trat eine halbrunde, mit Fliesen versehene Nische, auf deren unteren Teil ein Delphin aus Sandstein platziert war. Der König verfügte über fließend warmes Wasser, da bereits in den späten 1670er Jahren eine Wasserleitung ins Schloss verlegt worden war. Zur Ausstattung des Raumes gehörte um 1700 ein Bett mit einem gelb geblümten Damastbezug und zwei ovalen Spiegelblakern (Wandleuchtern) mit je einer Tülle für die Beleuchtung. Zuletzt nutzte bis zum Jahr 1740 Friedrich Wilhelm I. das Badekabinett. Nach-

dem die in diesem Bereich des Erdgeschosses liegende Silberkammer zu Beginn des 19. Jahrhunderts erweitert worden war, wurde das ehemalige Bad als Kupfer- und später als Lampendepot genutzt. Der Raum verschwand erst 1941, als geplant wurde, an dieser Stelle eine Mietwohnung einzubauen. Ein Kostenvoranschlag dokumentiert die Aufnahme des Marmorfußbodens, der Wandfliesen und deren Transport zum Bauhofdepot. Danach verliert sich jede Spur. Kehren wir zurück zum Inventar der Wohnung Friedrichs I. Vom Audienzzimmer im ersten Obergeschoss gelangte man in das Schreibzimmer des Königs. Die Wände des Raumes waren ebenfalls mit Ledertapeten versehen. Das Zimmer enthielt ein mit rotem Samt bespanntes Ruhebett und sechs mit türkischem Goldstoff bezogene Taburets. Der Schreibtisch, der mit Nussbaum mit »allerhand feinem Holz fourniert« war, wurde von einem Aufsatz bekrönt, in dem sich sechs Schubladen befanden. Es folgte nun der Rote Saal, der mit fünf Fenstern zum Lustgarten neben dem Festsaal

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der größte Raum des Schlosses war. Dieser lichtdurchflutete Raum hatte Tapeten »von gestaubt Leder mit rothem Grunde und goldenen Blumenkörben«. Zu seiner Einrichtung gehörten ein Billardtisch, drei große ovale Spiegel mit vergoldeten Rahmen, 14 Wandleuchter mit Löwenköpfen und mehrere lackierte Tische mit dazugehörigen Guéridons (Tische für Kerzenleuchter). Von dort betrat man ein kleines Vorgemach, in dem die königliche Wohnung endete. Eine dort eingebaute Treppe war der Dienerschaft vorbehalten. Die Wohnung der Königin lag im gegenüberliegenden östlichen Flügel. Nach dem Tod Sophie Charlottes im Jahr 1705 blieb ihr Appartement unbewohnt. Friedrich I. wollte damit seiner Verehrung für die hoch gebildete Gemahlin Ausdruck verleihen. Auf eine detaillierte Beschreibung der sechs Räume soll an dieser Stelle verzichtet werden, deren Einrichtung war ähnlich prunkvoll wie die der Räume des Königs. Auffallend hoch ist die Anzahl von 22 Tapisserien in der Wohnung des Königs sowie 23 Tapisserien im Ap-

partement der Königin. Die Teppiche waren nicht nur ein besonderer Ausdruck der fürstlichen Repräsentation, sie hatten auch praktische Aufgaben zu erfüllen. Sie dienten der Wärmedämmung und verbesserten die Akustik in den großen und hohen Schlossräumen. Die Räume der dritten Gemahlin des Königs waren noch reicher ausgestattet als die Wohnräume der verstorbenen Königin. Auch hier war das Hauptstück des Mobiliars das Paradebett im Schlafzimmer. Dieses war, genau wie die sechs Armlehnstühle, mit einer sogenannten Petitpoint-Stickerei versehen. Diese mit Hand gestickten farbigen Muster gehörten zu den edelsten Stoffen des Barock und Rokoko. Ein Kanapee und zwei Fauteuils dieses Raumes waren mit einem ganz besonderen Stoff bezogen. Der pfirsichfarbene Atlas war aus dem Brautmantel des Großen Kurfürsten gewonnen worden. Auch in dieser Wohnung gehörten etwa 20 kostbare Tapisserien zur Ausstattung. Somit befanden sich in der Regierungszeit Friedrichs I. mehr als 80 Wandteppiche im Schloss. Diese besonders prunkvolle Einrichtung der

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Das Kurfürstliche Schloss mit Pommeranzenhaus (Orangerie) und Lustgarten, Radierung von Samuel Blesendorf, um 1695 Das Schloss mit dem Lust­ garten entspricht auf der Ansicht wohl dem Zustand nach dem Tod des Großen Kurfürsten. Gut sichtbar ist der kleine, frei stehende Pavillon am Westflügel des Schlosses, den der Kurfürst 1677 als Sommerspeisesaal errichtet hatte. Friedrich Wilhelm I. nutzte das Kabi­ nett für sein Tabakskolle­ gium. Um 1735 wurde der kleine Bau abgetragen.

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Ein Paar Guéridons aus der Wohnung Friedrichs I., um 1700 Die beiden reich ge­schnitzten und ver­ goldeten Guéridons ­gehören zu den ältesten Einrichtungsgegenständen des Potsdamer Schlosses. Sie dienten als Tische für Kerzenleuchter. Dem Inven­ tar des Jahres 1713 zufolge gehörten die Guéridons zur Einrichtung der Wohnung des Königs, die im Lust­ gartenflügel lag. Heute befinden sich die Guéridons im Schloss Caputh

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Schlossräume ist ein Indiz dafür, welch hohen Stellenwert das Stadtschloss um 1700 in der brandenburgischpreußischen Schlösserlandschaft einnahm. Über der Wohnung der Königin Sophie Charlotte befand sich ein weiteres, reich ausgestattetes Appar­ tement. Diese Räume waren für die königlichen Geschwister und für fürstliche Gäste reserviert. Im in Richtung Havel gelegenen östlichen Seitenflügel wohnte in den 1690er Jahren die einzige Tochter Friedrichs I., Prinzessin Luise, gemeinsam mit ihrer Oberhofmeisterin. Wie sein Vater so nutzte auch Friedrich I. das Schloss während seiner 25-jährigen Regierungszeit ganzjährig als Wohnsitz. Die Frühjahrs- und Herbstmonate wurden von ihm als Aufenthaltszeiträume im Schloss bevorzugt. Friedrich besuchte dann die umliegenden Lustschlösser, veranstaltete Spazierfahrten oder nahm an der Jagd teil. Hier bot die waldreiche Umgegend genügend Möglichkeiten. Potsdam war eine feste Größe in Bezug auf die Zeremonialkultur des brandenburgisch-preußischen Hofes. Es wurden nicht nur Gesandte aus Bayreuth oder Kursachsen empfangen, sondern auch aus europäischen Dynastien wie Russland und England. Das Hohenzollernschloss übernahm somit eine auch maßgebliche ­außenpolitische Funktion.

Das Dreikönigstreffen 1709 Im Juli 1709 trafen sich im Potsdamer Schloss König Friedrich I. in Preußen, König Friedrich IV. von Dänemark und Friedrich August I. von Sachsen, genannt August der Starke. Ziel dieser Zusammenkunft war die Bildung einer Allianz gegen den schwedischen König im sogenannten Großen Nordischen Krieg. Die Besonderheit des Königstreffens, das in Europa für Aufsehen sorgte, lag darin, dass sich noch nie zuvor drei Monarchen an einem Ort aufgehalten hatten. Die Feierlichkeiten, die an jenen Julitagen stattfanden, bewegten sich im Rahmen dessen, was von einem Barockfürsten zu erwarten war. Auf Wunsch der Mon-

archen sollte das Treffen ohne größere Zeremonien stattfinden. Dennoch waren von preußischer Seite einige Vorkehrungen getroffen worden, die den Besuch zu einem herausragenden Fürstentreffen werden ließen. So waren bereits am 11. Juni aus dem Berliner Zeughaus 24 zwölf- und neunpfündige Kanonen per Schiff nach Potsdam überführt worden, um den Königen einen standesgemäßen Empfang zu bereiten. Das Schloss wurde zusätzlich mit zahlreichen kostbaren Möbeln, Silber, Betten etc. aus der Berliner Residenz ausgestattet. Auch Lebensmittel, Wein und Bier wurden in die Havelstadt gebracht.

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Allianzbild anlässlich des Dreikönigstreffens, Gemälde von Samuel ­Theodor Gericke, 1709 Links und rechts neben König Friedrich I. in Preu­ ßen stehen August der Starke, Kurfürst von Sach­ sen (links) sowie König Christian IV. von Dänemark.

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Dieser Fürstenbesuch gehört damit zu den glanzvollsten Hoffesten, die im Stadtschloss gefeiert wurden. Vor Antritt der Reise wurden die Rangverhältnisse beider Monarchen geklärt. Das Los entschied, welcher König am ersten Tag Vorrang vor dem anderen haben sollte. Tageweise wurde dann der Vorrang gewechselt. Am 2. Juli 1709 empfing man Friedrich IV. und August den Starken an der brandenburgischen Grenze bei Kloster Zinna von einer kleinen Suite unter Führung des Hofmarschalls Sigmund von Erlach. Der König von Dänemark kam in Begleitung von 69 Personen, zur Suite Augusts des Starken gehörten hingegen 96 Personen. Das Gefolge bestand aus Ministern, Hofmarschällen, Kammerherren etc. Als die königlichen Gäste nur noch eine halbe Meile von Potsdam entfernt waren, schickte Friedrich I. seine drei Halbbrüder, die Markgrafen ­Philipp Wilhelm, Albrecht Friedrich und Christian Ludwig von Brandenburg-Schwedt, die den beiden Monarchen entgegenritten. Gegen sieben Uhr abends erfolgte der Einzug in Potsdam. Als sich die königliche Kutsche der Langen Brücke näherte, wurde die erste Salve aus den Kanonen abgefeuert; eine zweite Salve folgte, als die Gäste die Brücke passierten. Der preußische König erwartete seine Gäste im Hof des Schlosses. Beim Aussteigen aus der Kutsche folgte dann die dritte Kanonensalve. Friedrich I. führte seine Gäste in die für sie bestimmten Fürstenquartiere. Der dänische König, dem die ranghöchste Wohnung zustand, logierte im Appartement des preußischen Königs. August der Starke wurde in den ehemaligen Wohnräumen der Königin Sophie Charlotte einquartiert. Friedrich I. bewohnte in dieser Zeit Räume, die genau über der Suite seiner verstorbenen Gemahlin Sophie Charlotte im zweiten Obergeschoss lagen und sonst für die Aufnahme von fürstlichen Gästen reserviert waren. Die preußische Königin bewohnte ihre eigenen Räume, die über der Wohnung Augusts des Starken lagen. Die Hofchargen und das Gefolge, die nicht zum engsten Hofstaat gehörten, wurden in der Stadt untergebracht. Nachdem sich die Monarchen umgekleidet hatten, folgte ein Besuch im Appartement der Königin, die

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beim Empfang im Schlosshof nicht zugegen gewesen war. Das Abendessen fand im Großen Saal statt. Auf Wunsch der drei Herrscher wurde nicht an einer Tafel, sondern an einem ovalen Tisch gespeist, der lediglich für zwölf Personen Platz bot. Es nahmen neben den Monarchen auch der dänische Minister Graf Christian Detlev von Reventlow sowie der sächsische Oberhofmarschall August Ferdinand von Pflugk und der Gouverneur von Dresden Jakob Heinrich Graf von Flemmig an dem Diner teil. Die Monarchen saßen gemeinsam mit der preußischen Königin nebeneinander auf einer Seite; die drei Markgrafen von Brandenburg-Schwedt hatten mit ihren Gemahlinnen an den Seiten Platz genommen. Während für die Majestäten Polsterstühle mit Armlehnen zur Verfügung standen, saßen die Markgrafen und ihre Gemahlinnen auf Stühlen ohne Armlehnen, auch hier war die Rangfolge entscheidend. Der Tisch wurde von einem Baldachin bekrönt, was von den beiden auswärtigen Monarchen kritisiert wurde, da dies bei einem Diner ohne Zeremoniell nicht üblich war. Da das Essen in den Abendstunden stattfand, war der Saal mit zahlreichen Wachslichtern illuminiert. An einer Seite des Saals war ein großes Schaubuffet aufgestellt. Auf ihm wurden zahlreiche Gold- und Silbergegenstände sowie kostbare Gläser präsentiert. Die feierliche Atmosphäre des Abends wurde überhöht, indem bei dem damals üblichen Zu- oder Gesundheitstrinken eine Kanonensalve nach der anderen im Lustgarten abgefeuert wurde. Tranken die Könige auf die Gesundheit des anderen Monarchen, wurden sechs Kanonen gelöst; waren die Brüder des Königs involviert, waren es lediglich drei Kanonen. Auf Wunsch der Monarchen wurde in den folgenden Tagen auf das Salutschießen verzichtet. Am nächsten Tag, dem 3. Juli, hatte August der Starke den Vorrang vor dem König von Dänemark. An der Tafel nahm er den ranghöchsten Platz ein, zuerst wurde auf seine Gesundheit angestoßen. Aus dem Bericht eines Mitglieds des sächsischen Gefolges sind wir über die Kleidung informiert, die bei dieser Gelegenheit getragen wurde. Demnach waren die Mitglieder des preußischen Königshauses alle kostbar gekleidet,

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Oben: »Palais Royal de Potzdam du côté du jardin«. Idealisierte Gartenfassade des ­Potsdamer Stadtschlosses, Radierung von Jean Baptiste Broebes, 1733 Das Schloss veränderte sein Aussehen wesentlich. Die Belvedere-Aufbauten auf dem Dach wurden 1698 beseitigt. Vor dem Mittelrisalit entstand eine Rampe, die in den im ersten Geschoss liegenden Großen Saal führte.

Unten: »Profil du Palais Royal de Potzdam«. Schnitt durch das Corps de Logis und der Ansicht des westlichen Schlossflügels, Radierung von Jean Baptiste Broebes, 1733 Der idealisierte Schnitt durch das Corps de Logis ermöglicht eine Vorstellung vom Aussehen des Großen Saals. Der darunterliegende, durch Pfeiler geteilte Raum bot bei hohen Temperaturen ein entsprechend kühles Raumklima, sodass er im Sommer gelegentlich als Speisesaal genutzt wurde. Dort fand auch die Paradeaufstellung des Sarges des Großen Kurfürsten im Jahr 1688 statt.

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»der König hatte auff einen weißen Sommer Kleide eine unschätzbare garnitur von Diamanten ing: die Königin und Markgräffinen, der König von Dennemark hatte ein roth sammet mit Gold gestücktes Kleid, König Augustus aber ein schlecht Coleur de Chair (fleischfarben) Sommer Kleid (…), alle 3. Könige, hatten das blaue ordens Band ümb.« Vermutlich handelte es sich hierbei um den polnischen Weißen Adler-Orden, der ein hellblaues Ordensband hatte. Im Anschluss an das Essen fand in der neben dem Schloss gelegenen Orangerie (dem späteren Marstall und heutigen Filmmuseum) eine Theateraufführung statt. Markgraf Albrecht Friedrich hatte das Stück in Auftrag gegeben, das eine Huldigung an die drei Könige darstellte. Nach der Komödie spazierten die Gäste durch den Lustgarten und besichtigten die Lustjacht »Fridericus«, die an der Havel lag. Der Große Saal war auch am Abend des 4. Juli Schauplatz eines festlichen Diners. Dazu hatte der König etwa 100 Personen geladen. Man saß an Tafeln, die in Form eines Halbmondes aufgestellt waren. Die Platzierung wurde ausgelost, so wie es damals bei Hoffesten durchaus üblich war. Nach dem Essen wurde in der Wohnung der Königin ein Ball veranstaltet. Am Vormittag des nächsten Tages fand im Tiergarten gegenüber der Havel eine Jagd statt. Der König ließ sich mit den Markgrafen in einem Jagdwagen kutschieren, während die beiden anderen Monarchen jeder in einer mit acht Pferden bespannten Equipage zur Jagd gefahren wurden.

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August der Starke soll dabei eine Wildsau eigenhändig mit einem Fangeisen erlegt haben. In den nächsten Tagen folgten Besuche der drei Monarchen in Caputh, Oranienburg, Charlottenburg und schließlich in Berlin. Das Dreikönigstreffen bewirkte politisch weit weniger, als dies beabsichtigt war. In Potsdam fanden offenbar keinerlei politische Gespräche statt. Erst in Caputh und in Oranienburg wurde über ein mögliches Bündnis mit Schweden gesprochen. Die beiden Monarchen erwarteten von Friedrich I. den Abschluss eines Angriffs- und Verteidigungsbündnisses gegen Schweden. Der preußische König zog aber schließlich seine bereits erteilte Zusage wieder zurück. Am Ende blieben die Verhandlungen ohne Ergebnis, da die Niederlage der Schweden gegen die russische Armee die Situation grundlegend verändert hatte. Bei dem großen Hoffest anlässlich des Dreikönigstreffens handelte es sich um die letzten Feierlichkeiten im Potsdamer Schloss in der Regierungszeit Friedrichs I. Mit der gesundheitlichen Verfassung des Monarchen stand es nie zum Besten: Durch eine körperliche Missbildung am Rücken litt er zeit seines Lebens an Atembeschwerden. Friedrich I. plante jedoch ohne Rücksicht auf seine Gesundheit die Erweiterung seiner Residenz. So schrieb er im Februar 1710 an die Kurfürstin von Hannover, dass er vorhabe, Potsdam völlig umzubauen. Dazu kam es jedoch nicht mehr. Friedrich I. starb am 25. Februar 1713 im Berliner Schloss im Alter von 54 Jahren.

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Friedrich Wilhelm I. (1688–1740), der Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. änderte den bisherigen Regierungsstil seines Vaters grundlegend. Von den mehr als 20 Schlössern behielt der junge König lediglich sechs, dazu gehörten das Schloss Wusterhausen sowie als Lebensmittelpunkt das Potsdamer Stadtschloss. Alle anderen Häuser wurden verpachtet oder verkauft. Nur ein Schloss baute er selbst: Der leidenschaftliche Jäger legte ab 1725 im Südosten von Potsdam die Parforceheide an, hier entstand ab 1730 das kleine Jagdhaus Stern. Die prunkvolle Lebensweise seines Vaters lehnte der neue König ab, Friedrich Wilhelm I. setzte neue Akzente. Er hatte nichts übrig für das bisher geführte verschwenderische Hofleben. So verschenkte er in den kommenden Jahren die kostbare Ausstattung des Schlosses an hohe Generäle der preußischen Armee. Friedrich Wilhelm I. übergab das prunkvolle Paradebett aus dem Schlafzimmer seines Vaters an den Obristleutnant Gotthelf Christian von Kleist, den sechsteiligen Vasensatz an Generalleutnant Friedrich von Derfflinger, den kostbaren Schreibtisch mit 13 Schüben an General Christoph Friedrich von Gersdorff und die Repetieruhr an das im Schloss Glienicke befindliche Lazarett. Der zur Ausstattung des Schreibzimmers gehörende Schreibtisch ging an General Kurt Hildebrand von Loeben. Aus der Wohnung seiner Mutter Sophie Charlotte verschenkte der König einen sogenannten L’hombre-Tisch, der zum Kartenspielen diente, an General Adrian Bernhard von Borcke. Friedrich von Derfflinger erhielt 1718 noch einmal eine Anzahl von weiß-blauen Vasen, dieses Mal aus dem Schlafzimmer der Königin. Die anderen Einrichtungsgegenstände wurden zum überwiegenden Teil in das Berliner Schloss gebracht. Der prachtvolle Lustgarten am Stadtschloss wurde 1714 verkleinert und in einen kargen Exzerzierplatz umgestaltet. Prunkvolle Hofkleidung wurde größtenteils abgeschafft, dafür traten schlichte Uniformen an ihre Stelle. Friedrich Wilhelm I. gab dem Staat Preußen eine stark militärische Prägung, das brachte ihm bereits zu

Lebzeiten den Namen »Soldatenkönig« ein. Der König baute das stehende Heer seines Vaters von 40.000 Mann auf das Doppelte aus, damit wurde Preußen eine der führenden Militärmächte Europas. Das tägliche Leben der Bevölkerung wurde auf die Bedürfnisse des Staates und auf die Armee ausgerichtet. In der 27 Jahre dauernden Regierungszeit König Friedrich Wilhelms I. wurde das Potsdamer Stadtschloss architektonisch nicht verändert. Die Wohnung seines Vaters blieb unbewohnt. Als Kurprinz hatte der König ein kleines, im ersten Obergeschoss des östlichen Flügels liegendes Appartement bewohnt. Es bestand aus einem Vor-, Audienz- und Schlafgemach. Mit seinem Regierungsantritt 1713 siedelte er in den gegenüberliegenden westlichen Flügel über. Möglicherweise hatte die dadurch ermöglichte Aussicht auf den Exerzierplatz auf die Wahl der Lage seiner Wohnräume einen nicht unbedeutenden Einfluss. Die persönlichen Bedürfnisse des Soldatenkönigs waren bescheiden, dies wurde auch bei der Einrichtung seiner Wohnung deutlich. Auf Wandbespannungen oder kostbare Tapeten wurde gänzlich verzichtet. Die Wände waren mit einer Holzvertäfelung versehen, die Decken weiß geputzt. Der Fußboden bestand aus einfacher Eichendielung, was den Räumen einen geradezu bürgerlichen Charakter verlieh. Die Sitzmöbel waren mehr auf Praktikabilität als auf Bequemlichkeit ausgerichtet. Im Anschluss an den Eckpavillon lag ein separates Treppenhaus, über das der König seine Wohnung vom Exerzierplatz aus betrat. Der erste Raum, die Fahnenkammer, diente zur Aufbewahrung der Regimentsfahnen und Standarten. Es folgten ein kleiner Puderraum sowie die Garderobe. Das Tabakskollegium war der nächste und mit vier Fensterachsen auch größte Raum der Wohnung. An den Wänden hingen 48 Gemälde. Eine präzise Beschreibung der Bildnisse fehlt allerdings. Zur weiteren Ausstattung gehörten ein großer Spiegel mit einem geschliffenen Glasrahmen sowie zwei ovale Tische, die

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Links: König Friedrich ­Wilhelm I. in Preußen, Gemälde von Antoine Pesne, 1737 Rechts: Königin Sophie Dorothea in Preußen, Gemälde von Antoine Pesne-Werkstatt, um 1725

mit Schildpatt, Elfenbein und Ebenholz furniert waren und auf jeder Ecke einen Vogel mit einer Blume sowie in der Mitte einen Stern trugen. Jeder Tisch war von vier schwarzen Säulen getragen und mit rotem Tuch belegt. Daran schloss sich das nur eine Fensterachse breite Schlafzimmer an. Zur Ausstattung gehörten eine weiße und grüne Fenstergardine, ein großer Spiegel mit einem schwarzen Rahmen, ein Feldbett mit einer Matratze von rot und grün gestreiftem Camelott (ein dichter Stoff aus Kamel- oder Ziegenhaaren) und einem ebensolchen ­Tabouret sowie 15 Gemälde der Offiziere des Königs und ein zinnernes Waschbecken. Es folgte das Wohnzimmer mit Vorhängen aus weißer Leinwand, einem Spiegel mit vergoldetem Rahmen und acht Wandgemälden. Am Ende der Wohnung lag das Kabinett. Zur Einrichtung dieses Zimmers gehörten ebenfalls ein weißer Vorhang, drei Gemälde und einige Holzstühle. Königin Sophie Dorothea bewohnte in der ersten Etage des östlichen Flügels die ehemalige Wohnung ihrer Schwiegermutter Sophie Charlotte. Im Gegensatz

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zur spartanisch eingerichteten Wohnung ihres Mannes muss ihr Appartement erlesen ausgestattet gewesen sein. Sophie Dorothea, Tochter des späteren britischen Königs Georg I., förderte in Preußen maßgeblich die Entwicklung der französischen Hofkultur. Das machte sich besonders in ihrer Sommerresidenz Schloss Monbijou in Berlin bemerkbar. Beschreibungen ihrer Potsdamer Wohnung sind dagegen nicht überliefert. Für die sechs Töchter des Königspaares standen in der ersten und zweiten Etage des östlichen Seitenflügels jeweils drei Wohnungen zur Verfügung. Die Wohnungen bestanden aus einem Schlaf- und Audienzgemach sowie aus einem Raum für die Gouvernante. Die älteste Tochter Wilhelmine bewohnte zeitweise einige Räume im Erdgeschoss des westlichen Pavillons mit Blick in den Lustgarten. Eine ganz besondere Leidenschaft setzte der König auf die Anwerbung von lang gewachsenen jungen Männern für sein Königsregiment Nr. 6 – den sogenannten »Langen Kerls«. Hierzu gab es allerdings einen durchaus

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Wohnung Friedrich Wilhelms I., Wohnzimmer, Aufnahme 1911/12 (Raum 205) Das Wohnzimmer gehört zu der aus sechs Räumen bestehenden Wohnung, die der Soldatenkönig im westlichen Flügel bewohnte. Der einfache Dielenboden, die blaue Wandvertäfelung und der schlichte Deckenstuck verliehen dem Raum einen geradezu bürgerlichen Charakter. Vom Fenster aus konnte der König auf sein geliebtes Paradefeld schauen.

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Die Jacht »Fridericus« im Bassin des Potsdamer Lust­ gartens, vermutlich von August Kopisch, um 1850

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praktischen Grund: Das Vorderladergewehr erzielte die beste Wirkung, wenn es entsprechend lang war. Daher war es nur für groß gewachsene Soldaten leicht zu handhaben. Bereits als Kronprinz warb der König in ganz Europa Männer, die die Körpergröße von mindestens 1,88 Metern hatten. Der sonst sparsame Monarch war bereit, dafür große Summen auszugeben. Das Regiment war bereits 1675 unter dem Namen »Regiment Kurprinz« gegründet worden. Mit seiner Thronbesteigung 1713 hatte der Soldatenkönig seine Truppen aus Wusterhausen nach Potsdam verlegt. Friedrich Wilhelm I. erkannte sehr schnell, dass mit der Anwerbung neuer Soldaten und der Vergrößerung der Armee auch der Ausbau Potsdams in Angriff genommen werden musste. In mehreren Etappen wurde die Stadt erweitert. 1720 begann die erste Erweiterung nach Norden, 1732 folgte die zweite mit dem Bau des Holländischen Viertels. Ein Einquartierungssystem schrieb für jedes Haus die Aufnahme von zwei Soldaten vor. Der Hauseigentümer war für die Verpflegung des

Militärs verantwortlich. Der Größe seines Hauses entsprechend nahm der König selbst zwölf Grenadiere im Schloss auf. Die Stadt Potsdam vergrößerte sich in der Regierungszeit des Soldatenkönigs erheblich. Von 220 Häusern im Jahr 1713 stieg die Zahl auf 1.154 Häuser im Jahr 1740 an. Im Dezember 1717 besuchte Zar Peter I. von Russland den König in Potsdam. Stolz führte Friedrich Wilhelm I. ihm seine Riesengarde auf dem Exerzierplatz vor. Nur einen Steinwurf entfernt, im Bassin des Lustgartens, lag ungenutzt das Lustschiff »Fridericus«. Durch die fehlende Instandhaltung der letzten Jahre war die einst prächtige Jacht in einen beklagenswerten Zustand geraten. Dennoch zeigte der Zar Interesse an dem Schiff, mit dem er selbst bei seinem Besuch in Berlin 1712 eine Fahrt nach Charlottenburg unternommen hatte. So kam es zu einem Tauschhandel. Der Zar erhielt das Schiff und im Gegenzug bekam der preußische König 250 groß gewachsene Gardisten aus Russland. Die ausgeprägte Vorliebe des Königs für das Militär beeinflusste die Gemäldesammlung des Schlosses nachhaltig. Auf Wunsch Friedrich Wilhelms musste sich jeder neu ernannte General des Leibregiments malen lassen. Das Porträt überreichte er anschließend dem Monarchen. Das Bildnis kam in dessen Schlafzimmer oder in den »Großen Saal«, und komplettierte die sogenannte »Chefgalerie«. Sobald aber der General verstorben war, wurde das Bild abgenommen und kam in einen dunklen Raum, die »Totenkammer«. Den frei gewordenen Platz nahm nun sein Nachfolger ein. Während seiner mehr als 20 Jahre dauernden Regierungszeit sammelten sich über 100 Gemälde an. Die Bildnisse wurden in den langen Fluren beider Schlossflügel platziert. In der ersten Etage des westlichen Flügels, vor der Wohnung des Soldatenkönigs, hingen 15 Porträts. Bei den Dargestellten handelte es sich unter anderem um den Fürsten Johann Georg II. von Anhalt und Georg von Derfflinger. Im zweiten Obergeschoss dieses Flügels waren noch einmal 41 Bildnisse zu finden. Dazu gehörten zwei Bilder der Halb­brüder König Friedrichs I., der Markgrafen Albrecht Friedrich und Christian Ludwig

Von den Anfängen bis zum Schloss des Soldatenkönigs

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Das Potsdamer Stadtschloss (Leseprobe) by BeBra Verlag - Issuu