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Luckau

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Einzelverรถffentlichungen des Kreisarchivs Dahme-Spreewald Band 5 Einzelverรถffentlichungen der Brandenburgischen Historischen Kommission Band XIX

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Helga TucĚŒek ¡ Thomas Mietk (Hg.)

Luckau Von der Hauptstadt der Niederlausitz zur Gartenstadt der Moderne

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Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar. Alle Rechte vorbehalten. Dieses Werk, einschließlich aller seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen, Verfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung auf DVDs, CD-ROMs, CDs, Videos, in weiteren elektronischen Systemen sowie für Internet-Plattformen. © be.bra wissenschaft verlag GmbH Berlin-Brandenburg, 2018 KulturBrauerei Haus 2 Schönhauser Allee 37, 10435 Berlin post@bebra-wissenschaft.de Lektorat: Matthias Zimmermann, Berlin Umschlag und Satz: typegerecht, Berlin Schrift: FoundrySans 10/15 pt Druck und Bindung: Finidr, Český Těšín ISBN 978 -3 -95410 -224 -2 www.bebra-wissenschaft.de

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Inhalt

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Dietmar Woidke, Ministerpräsident des Landes Brandenburg Grußwort

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Gerald Lehmann, Bürgermeister der Stadt Luckau Grußwort

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Stephan Loge, Landrat des Landkreises Dahme-Spreewald Grußwort

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Kerstin Kirsch | Eberhard Kirsch Der Raum um Luckau in ur- und frühgeschichtlicher sowie slawischer Zeit

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Gertraud Eva Schrage Von der Kaufmannssiedlung zur Stadt

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Vinzenz Czech Vom ausgehenden Mittelalter bis zum Beginn des Dreißigjährigen Krieges

86

Helga Tuček Mit Schlüssel und Siegel – Luckaus Bürgermeister zwischen 1500 und 1815

114

Frank Göse Unter sächsischer Herrschaft von 1635 bis 1815

142

Kristina Hübener Luckau in der Provinz Brandenburg 1815 bis 1945

228

Thomas Mietk Roter Stern über Luckau 1945 bis 1989/90

274

Steffen Alisch Aufbruch und Herausforderung – Luckau seit 1990

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Mathias Koch Stadt als Denkmal – Die erfolgreiche Revitalisierung Luckaus

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Abbildungsnachweis Autorenverzeichnis Dank

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Grußwort des ­Minister­präsidenten des Landes Brandenburg

Liebe Leserinnen und Leser, Luckau ist eine Stadt mit Zukunft und Wurzeln, die bis tief in die Anfänge der Niederlausitz reichen. Glanz und Wehen früherer Tage kann man hier leicht entdecken. Schon ein kurzer Gang durch die wunderschön restaurierte Altstadt reicht, um zu erahnen, dass es ein langer Weg von der markgräflichen Hauptstadt zur modernen Gartenstadt war. Schlicht oder prunkvoll, mal nüchtern, mal bunt – die Geschichte dieser Lausitzer Perle ist so facettenreich wie die Giebel der Häuser am Markt. Wenden, Dominikaner, Preußen und Sachsen haben diese Brandenburger Gegend lange Jahre geprägt. Seit jeher verkehrsgünstig gelegen, umgeben von einzigartiger Natur, hat die einstige Kaufmanns- und spätere Kreisstadt viele Blütezeiten, aber auch einige Rückschläge erlebt. Beim Blick zurück stößt man auch auf ganz große Namen, wie August den Starken, Napoleon oder Karl Liebknecht. Äußerlich weit voneinander entfernt, sind sie doch eng verbunden durch das unsichtbare Band der Historie. Allein der Hausmannsturm könnte vieles berichten, über Höhen und Tiefen und kulturellen Wandel bis in die heutige Zeit. An seinem Beispiel kann jeder schon von Weitem erkennen, wie wichtig das Gestern auch heute und morgen noch ist. Das spürt man auch in jedem an-

Grußwort

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deren Teil dieser Stadt, denn nicht nur seit der Landesgartenschau im Jahr 2000 blüht das Interesse an der eigenen Geschichte in Luckau wieder überall. Zu verdanken ist das auch der emsigen Arbeit vieler Forscher, dem Niederlausitz-Museum Luckau und dem Kreisarchiv Dahme-Spreewald. Stück für Stück haben sie Details aus dem Alltag längst vergangener Tage, Traditionen und Bräuche, vor dem Vergessen bewahrt. Das stiftet Identität und es baut Brücken zwischen Generationen, zwischen Nachbarn, zwischen neuen und alten Bewohnern der Stadt. Mit Hilfe der Brandenburgischen Historischen Kommission e. V. ist nun alles in einem Werk vereint. Dafür bedanke ich mich und wünsche Ihnen viel Spaß und viele neue Erkenntnisse auf der Reise durch die Geschichte einer bemerkenswerten Stadt. Ich bin sicher, dieses tolle Buch wird einen Beitrag dazu leisten, dass das wundervolle Luckau noch bekannter in Brandenburg und darüber hinaus wird.

Dr. Dietmar Woidke Ministerpräsident des Landes Brandenburg

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Grußwort des ­Bürger­meisters der Stadt Luckau Liebe Luckauerinnen und Luckauer, liebe Leserinnen und Leser der Luckauer Stadtgeschichte, vor fast 750 Jahren wurde Luckau zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Seitdem blickt unsere Stadt auf eine bewegte und wechselvolle Geschichte zurück: Von einer einst kleinen dörflichen Siedlung am Fuße des Schlossbergs entwickelte sich Luckau zu einer beschaulichen Stadt. Bürgerstolz gepaart mit kaufmännischem Geschick, kluge und weitsichtige Entscheidungen geleitet von bodenständiger Identität haben Luckau zu dem werden lassen, was es ist – eine liebenswerte Kleinstadt in der Niederlausitz, in der sich viele Generationen zu Hause fühlten und fühlen. Schon vor über 100 Jahren begann eine Tradition, die Geschichte Luckaus aufzuarbeiten und darzustellen. Zu nennen ist vor allem die 1871 von Julius Vetter erarbeitet »Chronik der Stadt Luckau im Markgraftum Niederlausitz«, die Adolf Petersen 1904 in ergänzter und fortgesetzter Auflage neu veröffentlichte. Weitere stadt- und heimatgeschichtliche Beiträge erschienen zwischen 1911 und 1941 im »Heimatkalender des Kreises Luckau« sowie seit 1968 bis heute in den zahlreich veröffentlichten Beiträgen der 50 Jahrgänge des Luckauer Heimatkalenders. Gerade letztere Schriftenreihe widmete sich immer wieder mit Fachbeiträgen dem Werden und Wachsen unserer Stadt; ihn kann man wohl zu Recht als Pate der vorliegenden Publikation betrachten. Unsere Zeit ist von der Digitalisierung sämtlicher Lebensbereiche gekennzeichnet. Vieles gerät dabei schnell in Vergessenheit. Beruhigend hingegen ist dieses analoge Werk. Die vorliegende Publikation orientiert sich an Quellen und an den noch sichtbaren Zeugnissen unserer Stadt. Erstmalig liegt somit eine zusammenfassende Darstellung der Geschichte der Stadt Luckau von der ur- und 8

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frühgeschichtlichen sowie slawischen Zeit bis in die Gegenwart vor. Das trägt einerseits dazu bei, die Heimatliebe zu vertiefen, andererseits aber auch dazu, die Züge der modernen Stadtentwicklung besser zu verstehen. Mit Stolz blickt Luckau auf fast 750 Jahre zurück. Danken möchte ich Helga Tuček, Leiterin der Niederlausitz-Museums Luckau i.R., und Thomas Mietk, Leiter des Kreisarchivs Dahme-Spreewald, die gemeinsam die Herausgabe des vorliegenden Bandes übernommen haben. Ihnen gelang es in Zusammenarbeit mit der Brandenburgischen Historischen Kommission e. V., ein Autorenteam mit acht weiteren Fachkolleginnen und -kollegen für die Mitarbeit am vorliegenden Band zu gewinnen. Ein besonderer Dank geht zudem an alle Luckauer und mit Luckau verbundenen Mitbürger, die über Jahre zur Sammlung des Niederlausitz-Museums beigetragen haben bzw. an diejenigen, die ihren privaten Foto- und Bilderschatz zur Verfügung gestellt haben. Daraus schöpfend ist eine einzigartige Bebilderung des Buches gelungen. Ohne eine grundsätzliche Finanzierung durch den Landkreis und die Mittelbrandenburgische Sparkasse Potsdam und weiteren zahlreichen Spenden wäre es nur schwer gelungen, den erarbeiteten Band zu drucken. Mit der Publikation liegt ein wissenschaftlich fundiertes, dennoch lebendiges und für Jedermann lesbares Buch vor, das nicht nur eine geschichtsinteressierte Leserschaft begeistern wird.

Gerald Lehmann Bürgermeister der Stadt Luckau Grußwort

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Grußwort des Landrates im Landkreis Dahme-Spreewald Sehr geehrte Leserinnen und Leser, der fünfte Band der »Einzelveröffentlichungen des Kreisarchivs Dahme-Spreewald« widmet sich einer charmanten Stadt, der einstigen Hauptstadt der Niederlausitz: Luckau. Auf ganz harmonische Weise sind hier Landschaft und Gartenkunst, italienisch beeinflusste Architektur und geschichtliches Flair mit Kunst und Kultur vereint. Um ehrlich zu sein, war und ist gerade diese Verbindung auch meine heimliche Hoffnung für Luckau und unser 2011 eröffnetes Kreisarchiv gewesen. Hier in der Stadt Luckau sollte sich gemeinsam mit dem Niederlausitz-Museum, der Stiftungsbibliothek und dem Cartoonmuseum ein kulturelles Zentrum entwickeln. Das wünschte ich uns allen. Ein »Kulturviertel« bildet diese Kombination heute auf jeden Fall. Die Stadt Luckau hat dabei einen ganz besonderen Wandel vollzogen. Einst war sie neben Lübben und Königs Wusterhausen einer der drei großen Verwaltungs­ standorte und Sitz der Kreisverwaltung des gleichnamigen Kreises Luckau. Über 175 Jahre prägte das Beamtentum das beschauliche Leben in der Stadt. Große Industrie fand dagegen nie ihren Weg nach Luckau. Aus heutiger Sicht mag dies ein Glücksfall sein – wie hätte sich sonst das historische Stadtbild verändert? Aus diesem Grund war der Verlust der Kreisstadtfunktion kurz nach der politischen Wiedervereinigung 1993 ein schwerer Schlag für diese traditionsreiche Stadt. Obwohl neben dem Landkreis auch das Land Brandenburg die Stadt in den Folgejahren vielfältig unterstützte, schmerzte der Abzug von vielen Arbeitsplätzen deutlich. Dennoch bewahrten die Luckauer ihren Stolz und ihre Innovationskraft. Ein Höhepunkt war dabei nicht zuletzt die Austragung der ersten brandenburgischen LanGrußwort

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desgartenschau im Jahr 2000. Hervorzuheben ist zudem die immer wichtiger werdende Rolle des Tourismus und der Kultur für die Stadt und ihre Ortsteile. Denken wir an die jährlich stattfindenden Brandenburgischen Sommerkonzerte und die im zweijährigen Turnus stattfindende Kunstausstellung SPEKTRALE, so hat sich Luckau bereits jetzt einen Namen abseits der großen Tourismusorte im Spreewald gemacht. Insgesamt präsentiert sich die Stadt heute als lebendiges Mittelzentrum in unserem Landkreis mit einer der niedrigsten Arbeitslosenquoten im ganzen Land Brandenburg. Die Herausgabe des Buches »Luckau – Von der Hauptstadt der Niederlausitz zur Gartenstadt der Moderne« möchten Helga Tuček und Thomas Mietk einen Beitrag zur Vorbereitung auf die 750 -Jahrfeier Luckaus im Jahr 2026 leisten und zum 10 -jährigen Geburtstag des Niederlausitz Museum am neuen Standort in diesem Jahr gratulieren. Die fortgeführte Zusammenarbeit mit der Brandenburgischen Historischen Kommission e. V. hat sich weiter bewährt. Es freut mich sehr, dass unser Kreisarchiv als eine Art regionales Gedächtnis in Luckau ansässig ist und wir zur umfassenden Aufarbeitung der Stadtgeschichte beitragen konnten.

Stephan Loge Landrat im Landkreis Dahme-Spreewald 9

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Luckau, um 1860.

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GruĂ&#x;wort

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Slawische Gefäße aus den Gräbern 1 und 2 von Gehren.

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Eberhard Kirsch | Kerstin Kirsch

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Der Raum um Luckau in ur- und f­ rühgeschichtlicher sowie slawischer Zeit1 Eberhard Kirsch | Kerstin Kirsch

Forschungsgeschichte Obwohl in den vergangenen Jahrhunderten die Bewohner der Region um Luckau zweifellos wiederholt im Boden auf die Spuren ihrer Vorgänger gestoßen waren, setzt die intellektuelle Auseinandersetzung mit diesen Altertümern nachweislich erst spät, im 18. Jahrhundert ein.2 Für andere Regionen der Niederlausitz – namentlich Lübben, Guben und Cottbus – liegen schriftliche Erwähnungen von Urnen für das 16. und 17. Jahrhundert vor, die zu dieser Zeit vorzugsweise zur Zierde fürstlicher Raritätenkabinette dienten. Bereits zu Beginn des 18. Jahrhunderts berichteten Amtmann Balduin und Rektor Hecht aus Luckau von archäologischen Funden.3 Die wichtigsten Akteure der noch jungen Disziplin der Altertumsforschung in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, der Arzt Friedrich August Wagner (1773 –1856) in Schlieben und der Apotheker Carl Rudolf Schumann (1804 – 1872)4 in Golßen, tangierten mit ihren Aktivitäten den Luckauer Raum nur am Rand. Doch erstreckte sich die Sammel- und Grabungstätigkeit des Golßener Apothekers bis in die Gemarkung Gießmannsdorf. Er war außerdem der Erstentdecker zahlreicher Feuersteingeräte der ausklingenden Alt- und Mittelsteinzeit auf der Gehmlitz bei Golßen.5 Vom ernsthaft wissenschaftlichen Interesse der beiden zeugen mehrere Publikationen – Monografien wie Artikel im Neuen Lausitzischen Magazin, die heute noch eine Ansprache des Fundmaterials erlauben. Etwa zur gleichen Zeit betätigte sich der Luckauer Stadtrichter Der Raum um Luckau in ur- und frühgeschichtlicher sowie slawischer Zeit

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C. S. G. Gallus über mehrere Jahre ebenfalls als Ausgräber in der Stadt selbst und auf verschiedenen Burgwällen der Umgebung, u. a. auf dem Freesdorfer und dem Riedebecker Borchelt. Über seine Unternehmungen berichtete er zwischen 1824 und 1835 an das Provinzialmuseum in Halle. Mit welch unerwarteten Hindernissen in jener Zeit die Altertumsforscher rechnen mussten, berichtete Karl Benjamin Preusker (1786 –1871) aus Großenhain 1829. Bei Ausgrabungen in der Niederlausitz verweigerten Anwohner des Öfteren ihre Teilnahme, »um nach ihrer Meinung die ludki nicht zu stören, von denen sie zumal die heidnischen Grabhügel bewohnt und die Näpfe darin benutzt glaubten«.6 Diese Luttchensage ist in der Niederlausitz weit verbreitet und meist an Urnenfelder geknüpft. Etwa ein halbes Jahrhundert später berichtete Robert Behla7 vom oft seltsam anmutenden Umgang der Landbevölkerung mit den im Boden entdeckten Altertümern. Nicht selten wurden bronzezeitliche Gefäße ganz profan als Blumen-, Farb- oder Milchtopf benutzt, als Behälter für Eier und Getreide oder als Kinderspielzeug. Häufig spielten aber auch abergläubische Vorstellungen dabei eine Rolle, etwa dass die in ihnen aufbewahrte Milch eine bessere Butter ergäbe, das in ihnen bereitgestellte Trinkwasser für Hühnerkücken heilsam wäre oder das aus ihnen ausgesäte Getreide besonders gut wüchse. Nur vereinzelt beobachtete er, dass man noch immer den entdeckten Urnen mit Furcht begegnete. Die zielgerichtete Erforschung der Umgebung Luckaus nach Bodenfunden fällt erst ins letzte Viertel des 19. Jahrhunderts und 13

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ist vor allem mit den Namen von Robert Behla und Hugo Jentsch verbunden. Doch muss zunächst auf Rudolf Virchow (1821– 1902), den berühmten Pathologen und Anthropologen, verwiesen werden, der 1869 maßgeblichen Anteil an der Gründung der »Berliner Gesellschaft für Anthropologie, Ethologie und Urgeschichte« hatte. Er war einer jener vielseitig interessierten Forscher, deren Arbeiten dazu führten, dass sich die Altertumsforschung zu einer eigenständigen Wissenschaft entwickelte. Regelmäßige Exkursionen von Mitgliedern der Gesellschaft ins Berliner Umland8 regten zahlreiche Heimatforscher zu eigenen Untersuchungen an. Die Archäologie der Niederlausitz verdankt Virchow außerdem den Begriff der »Lausitzer Kultur« bezüglich der zahlreichen Urnengräberfelder mit ihrer formschönen, technisch ausgereiften Keramik. Als erster brachte er die jüngere Keramik einiger Burgwälle mit der slawischen Vorbesiedlung in Verbindung. Robert Behla (1850 –1921) stammte aus Luckau. Nach Abschluss seines Medizinstudiums kehrte er 1875 als praktizierender Arzt in seine Heimatstadt zurück, wo er sich bald, angeregt durch Virchows Vorbild, archäologischen Forschungen widmete. Dabei pflegte er enge Kontakte zur genannten Berliner Gesellschaft und zum noch jungen Märkischen Provinzial-Museum, dem er auch etliche seiner Erwerbungen aus der Umgebung Luckaus übergab. Ein noch heute wichtiges Ergebnis seiner Grabungstätigkeit und Studien sind zwei Monografien, in denen er den Wissensstand seiner Zeit zusammenfasste: »Die Urnenfriedhöfe mit Thongefäßen des Lausitzer Typus« von 1882 9 und »Die vorgeschichtlichen Rundwälle im östlichen Deutschland« von 1888.10 Wie die Titel schon besagen, interessierte sich die Forschung damals vorwiegend für die gefäßreichen Urnenfelder und oft noch imposanten frühgeschichtlichen Befestigungsanlagen. Das methodische Rüstzeug zur Erkennung und Ausgrabung von Siedlungen wurde erst Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelt. Auch Hugo Jentsch (1840 –1916), der ab 1868 am Gymnasium in Guben wirkte und sich zum bedeutendsten Urgeschichtsforscher der Niederlausitz um die Jahrhundertwende entwickelte, hatte seine Wurzeln in Luckau. Er war der Sohn eines Pfarrers und besuchte, ebenso wie Behla, das städtische Gymnasium. Zeitle14

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bens unterhielt er enge private Verbindungen zu seiner Heimatstadt, was sich auch in seinen Forschungen niederschlug. Hugo Jentsch und Robert Behla gehörten zu den Gründungsmitgliedern der 1884 ins Leben gerufenen Niederlausitzer Gesellschaft für Urgeschichte. In deren »Mitteilungen« berichteten die Heimatforscher der Region über archäologische Funde und neue wissenschaftliche Erkenntnisse. Zu den heimatgeschichtlich engagierten Persönlichkeiten Luckaus gehörte auch Robert Scharnweber (1872–1954), der hier in den 1890 er Jahren an der Knabenschule unterrichtete. Bekannt wurde er vor allem durch seine zusammen mit Otto Jungrichter 1933 vorgelegte Sagensammlung des Kreises Luckau. In seinen frühen Jahren betätigte er sich aber auch als Ausgräber, u. a. 1893 auf dem Urnengräberfeld bei Zaacko. Ein Teil seiner Fundsachen gelangte ins Märkische Museum in Berlin. Die Altertumsforschung des 20. Jahrhunderts ruhte nicht mehr auf den Schultern passionierter Hobbyarchäologen, sondern wurde nun von akademisch geschulten Prähistorikern, wie in der Vorkriegszeit z. B. von Karl Heinrich Marschalleck (1904 –1981), in Verbindung mit vor Ort wirkenden ehrenamtlichen Bodendenkmalpflegern auf Grundlage gesetzlicher Bestimmungen betrieben. Seit Gründung des Heimatmuseums 1912 bestand nun in Luckau selbst die Möglichkeit, archäologische Funde der Region zu sammeln und in Ausstellungen der interessierten Bevölkerung vorzustellen. Mehrere zusammenfassende Darstellungen zur Urund Frühgeschichte der Niederlausitz oder von Teilen derselben sind bisher erschienen. Einen detaillierten Überblick bietet bis heute die 1944 publizierte »Urgeschichte des Kreises Luckau« des Berliner Prähistorikers Karl Heinrich Marschalleck11, während Ernst Muckes Werk »Bausteine zur Heimat-Kunde des Kreises Luckau«12 einen nur sehr allgemein gehaltenen Abriss enthält. Zwei Gesamtdarstellungen zur prähistorischen Entwicklung in den Lausitzen verdanken wir interessanterweise Archäologen unserer Nachbarländer, dem polnischen Forscher Lech Leciejewicz (1982)13 und dem Tschechen Jiří Neustupný (1951).14 Diese Arbeiten unterstreichen, dass die Bewohner in den Lausitzen während der letzten Jahrtausende enge Beziehungen zu den östlich angrenzenden Territorien unterhielten. Die erste jüngere Gesamtdarstellung ist Günter Wetzels Bildheft Eberhard Kirsch | Kerstin Kirsch

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über archäologische Funde des Bezirks Cottbus.15 Kurze Überblicke zur Archäologie im Umfeld Luckaus vermitteln Aufsätze von Eberhard Kirsch16 und Günter Wetzel.17 Die 2012 erschienene Übersicht zur Archäologie in der Niederlausitz basiert vor allem auf in den letzten Jahrzehnten in der Braunkohlenregion gewonnenen Erkenntnissen und gibt den gegenwärtigen Forschungsstand wider.18 Dagegen fasst ein 2017 von der Bodendenkmalpflege der Länder Brandenburg und Berlin gemeinsam herausgegebener Band die neuesten Ergebnisse der archäologischen Forschung im größeren Rahmen populär zusammen.19 Einen aktuellen Überblick zur urgeschicht­ lichen Entwicklung im Landkreis Dahme-Spreewald wiederum bietet Joachim Wacker.20

Geomorphologie Die heutige Oberflächengestalt der Luckauer Region geht auf die Einwirkungen der letzten zwei Eiszeiten – der Saale- und der Weichseleiszeit – zurück. Das LuckauCalauer Becken gehört zum Altmoränengebiet des Lausitzer Becken- und Heidelandes. Es erstreckt sich vom Fläming im Westen bis zur Linie Cottbus-Senftenberg und wird im Norden vom Baruther Urstromtal sowie im Süden vom Lausitzer Landrücken eingefasst. Im Zusammenhang mit dem Rückschmelzgeschehen des Warthestadials der Saalekaltzeit ist ein Zungenbecken entstanden, in dem überwiegend Sande, teilweise auch Schluffe abgelagert wurden. Diese Altmoränenlandschaft wurde durch jüngerglaziäre Prozesse der Weichselkaltzeit überformt. Heut weist das Becken ein flachwelliges Relief auf mit Höhen zwischen 60 und 100 Metern. Es ist durch kleinere Hochflächen und Talungen gegliedert. Heutige Bach- und Flussläufe haben nach Abzug des Eises die Beckenlandschaft entwässert. Auf den Hochflächen, wie z. B. der Kurzen Heide nordwestlich von Luckau, überwiegen Sande sowie Geschiebelehme und Mergel. Der hohe Grundwasserstand führte in den Niederungsgebieten zu Vernässungen und Vermoorungen.21 Die teilweise gute Qualität der Böden auf den Hochflächenresten ließ eine frühe landwirtschaftliche Nutzung zu, hier finden sich die frühesten Nachweise menschlicher Besiedlung im Luckauer Raum. Der Raum um Luckau in ur- und frühgeschichtlicher sowie slawischer Zeit

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Spätpaläolithikum/jüngste Altsteinzeit In den 14 Jahrtausenden nach Ende der letzten Eiszeit war die Niederlausitz weitestgehend durchgehend von Menschen besiedelt, was jedoch begrenzte regionale wie zeitliche Lücken nicht ausschließt. Der Boden birgt die Spuren von deren Anwesenheit noch heute in Form des hinterlassenen »Kulturmülls«, ihrer Gräber und Siedlungsreste. Insbesondere auf den von der Landwirtschaft genutzten Flächen wurde im Laufe der letzten 150 Jahre eine Vielzahl archäologischer Fundstellen entdeckt. Vom Aufenthalt des Neandertalers in der Niederlausitz schon in der mittleren Altsteinzeit während der EemWarmzeit zeugen Spuren, die vor kurzem im Braunkohlentagebau Jänschwalde unter hohen Decksanden gemacht wurden.22 Eine Wiederinbesitznahme des Territoriums durch den Menschen erfolgte gegen Ende der letzten Eiszeit. Auch wenn der Eispanzer der WeichselEiszeit unser Gebiet nur am Rande berührt hatte, bot dessen unwirtliche Nähe eiszeitlichen Jägergruppen keinerlei Existenzgrundlagen.23 Die um 11950 v. Chr. einsetzende Alleröd-Warmzeit mit einer erheblichen Klimaerwärmung bewirkte gravierende Veränderungen in Flora und Fauna. Laubwälder breiteten sich aus, in welchen Gruppen spezialisierter Waldjäger des Spätpaläolithikums dem Standwild auflauerten. In deren Begleitung befand sich bereits der Hund. Als Jagdwaffe benutzten sie Bogen und Pfeil. Letztere bewehrten sie entlang der Seiten mit winzigen aus Feuerstein gefertigten Rückenspitzen, sogenannten Federmessern, die dieser Jägerkultur auch den Namen gaben. Im Süden des Landes Brandenburg konzentrieren sich die Fundplätze der spätpaläolithischen Federmesser auf die Region um Herzberg an der Schwarzen Elster sowie die Braunkohlenregion im Osten der Niederlausitz. Dazwischen, also auch für die Region um Luckau, fehlen bislang Fundnachweise. Das nächste, schon frühzeitig entdeckte Vorkommen befindet sich auf der »Gehmlitz«, einer Talsandinsel nördlich Golßen. Hier sammelte bereits um 1840 der Apotheker Carl Rudolf Schumann zahlreiche Artefakte aus Feuerstein, worunter sich auch typische Rückenspitzen befinden.24 Man kann davon ausgehen, dass die gesamte Niederlausitz wie auch große Teile Mitteleuropas zum Lebensraum und Jagdgebiet der Waldjäger der Federmesserkultur gehörten. Um 10750 v. Chr. setzt 15

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mit einem abrupten Klimarückschlag die jüngere DryasZeit, eine lang andauernde Kälteperiode ein, die abermals zu erheblichen Veränderungen der Umwelt führte. Die nunmehr arktische Tierwelt führte zu einer bevorzugten Jagd auf das Ren. Jägergruppen folgten den Herden auf ihren weiten jahreszeitlichen Wanderungen, gingen aber auch dem Fisch- und Robbenfang nach. Das charakteristische Artefakt dieser jüngeren Jägergemeinschaften ist die Stielspitze aus Feuerstein, mit der die Pfeile mittig bewehrt wurden. Auch für diese jüngste spätpaläolithische Ahrensburger Gruppe, benannt nach einem Fundplatz bei Hamburg, liegen aus der Umgebung Luckaus noch keine Belege vor. Doch suchten auch die Rentierjäger das offenbar günstig gelegene Gelände der »Gehmlitz« bei Golßen auf.25

tend ist, so werden aus der näheren Umgebung Luckaus mikrolithische Geräte bisher nur für Egsdorf und Garrenchen erwähnt. Dieses ist zweifellos einem unbefriedigenden Forschungsstand geschuldet. In die Endphase dieser Epoche gehören so genannte Walzenbeile, aus Felsgestein gepickte Beilklingen mit rundem Querschnitt. Unter den rund 20 für die Niederlausitz bezeugten Walzenbeilen befindet sich auch ein Exemplar aus Luckau selbst. In dieselbe Übergangphase gehören außerdem verschiedene, offenbar von den benachbarten Ackerbauern übernommene Steingeräte wie eine Querhaue von Cahnsdorf oder eine so genannte Kreuzhacke mit schiefem Nacken von Luckau.

Neolithikum/Jungsteinzeit Mesolithikum/Mittelsteinzeit Um 9600 v. Chr. beginnen mit einer abermaligen, nun aber beständigen Warmphase das Präboreal und die Mittelsteinzeit. Jene stellt mit rund 5.500 Jahren Zeitdauer den längsten Abschnitt der Kulturgeschichte Brandenburgs dar und erstreckt sich über die Klimaperioden Präboreal und Boreal.26 Menschengruppen durchstreiften abermals die nun wieder bewaldete Landschaft auf der Jagd, fischten in den zahlreichen Gewässern und sammelten Früchte. Ein Charakteristikum ihrer hinterlassenen Feuersteingeräte ist deren Kleinteiligkeit. Diese winzigen Mikrolithen wurden in Arbeitsgeräte und Waffen aus Holz, Knochen und Horn eingesetzt. Der Lebensraum dieser Gruppen umfasste jeweils ein größeres Gebiet. Man hielt sich nur kurzeitig auf den Lager- oder Werkplätzen auf. Gegen Ende dieser lang andauernden Periode machten sich kulturelle Einflüsse aus den südlich und östlich angrenzenden Regionen bemerkbar, wo sich bereits früher der Übergang zur neolithischen Lebensweise mit Ackerbau und Viehzucht und all den damit verbundenen technischen Neuerungen vollzogen hatte. Die Übernahme von Steingeräten der frühen Ackerbauern und anderen technischen Neuerungen bewirkten einen allmählichen, sich über Jahrhunderte hinziehenden kulturellen Wandel. Wenn auch die Anzahl der mesolithischen Fundplätze in der Niederlausitz inzwischen recht bedeu16

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Klimatische Verhältnisse bestimmtem während der Urgeschichte das Leben der Menschen in einem weit umfassenderen Maß als heute. Die direkt von der Temperaturentwicklung abhängende Pflanzen- und Tierwelt lieferte Nahrung, Material für den Hausbau und die Geräteherstellung. Das Angebot an Wasser gab die Lage des Siedlungsstandorts und der Äcker vor. Die »neolithische Revolution«, der folgenreichste Umbruch in der Geschichte der Menschheit, vollzog sich in der Niederlausitz allmählich, gestreckt über mindestens ein Jahrtausend. Die Existenzgrundlage bildeten von nun an Ackerbau und Viehzucht, was die Menschen erstmals befähigte, die Hauptnahrungsmittel selbst zu erzeugen. Sesshaftigkeit, die Entstehung von Siedlungen und der Bau fester Häuser waren eine Folge dieser Entwicklung. Hinzu kamen zahlreiche technische Neuerungen wie die Herstellung von Tongefäßen oder die Anwendung der Schleif- und Bohrtechnik bei der Steinbearbeitung. Seit dem Beginn der Jungsteinzeit27 stehen der archäologischen Forschung zahlreiche Fundplätze und mit der Keramik eine Fundgattung zur Verfügung, die zeitlich unbegrenzt im Boden überdauern kann – wenn auch meist in Form von Scherben – und ihr aufgrund dessen die Funktion eines Leitfossils für die folgenden Jahrtausende zukommt. Die für den primitiven Ackerbau der Steinzeit kaum geeigneten Sandböden der Niederlausitz besaßen nur eine geringe Anziehungskraft für die sich auf LandsuEberhard Kirsch | Kerstin Kirsch

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Verbreitungskarte der archäologischen Funde der Stein-, Bronze- und vorrömischen Eisenzeit in der Umgebung von Luckau.

che begebenden frühneolithischen Gruppen der Linienbandkeramik aus dem mitteldeutschen Raum oder den Gebieten östlich der Oder. Zwei 1934 auf einem Acker südwestlich Zöllmersdorf zufällig entdeckte Gefäße, die ins Luckauer Heimatmuseum gelangten, gehören der Stichreihenkeramik (4800 – 4400 v. Chr.) an und bilden wahrscheinlich die Ausstattung eines nicht erkannten Grabes. Die Knochen des Toten dürften im Sandboden restlos vergangen sein. Charakteristisch für die jüngere Phase der aus dem Donauraum nach Mitteldeutschland und Polen eingewanderten Bandkeramik sind aus zahllosen Einstichen gebildete Verzierungsbänder, wie wir Der Raum um Luckau in ur- und frühgeschichtlicher sowie slawischer Zeit

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sie auch auf den Zöllmersdorfer Gefäßen finden. Offensichtlich gab es in der lang andauernden Übergangsphase wiederholte Kolonisationsversuche, die zu inselartigen, landwirtschaftlich genutzten Freiflächen innerhalb der von späten Jägergruppen durchstreiften Wälder führten. Die frühen Bauern hielten neben dem Hund als Haustiere Rinder, Schweine und Schafe bzw. Ziegen. Diese waren bereits im Ursprungsgebiet der neolithischen Entwicklung im Vorderen Orient einige Jahrtausende zuvor aus dort heimischen Wildformen gezüchtet worden. Das gilt auch für die verschiedenen angebauten Getreidearten wie Weizen und Gerste. 17

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Gefäße der Stichbandkeramik von Zöllmersdorf.

Eine allgemeine dauerhafte Umstellung der Lebensweise der Bevölkerungsgruppen in der Niederlausitz erfolgte erst im 4. Jahrtausend v. Chr. mit der Ausbreitung der Trichterbecherkultur. Die Träger dieser Kultur waren wohl im Kern Nachfahren der inzwischen neolithisierten einheimischen Jäger und besser an die örtlichen Verhältnisse angepasst. Benannt wurde diese Steinzeitkultur nach einem für sie typischen Tongefäß, einem Becher mit trichterförmigem Oberteil. In dieses kulturelle Umfeld gehört ein 1930 auf einem Acker nördlich Freesdorf gemachter Fundkomplex mit einer sogenannten Kragenflasche und dem Unterteil eines Kruges. Die in 0,7 Metern Tiefe dicht beieinander entdeckten Gefäße dürften wie bei Zöllmersdorf Beigaben eines nicht erkannten Grabes sein, das in die Mitte des 4. Jahrtausends v. Chr. gehört. Auch in diesem Fall waren die Knochen restlos vergangen. Dem gleichen Zeithorizont dürften auch Scherben, die bereits vor 1900 bei Freesdorf und Cahnsdorf aufgelesen wurden, angehören, und die am ehesten auf Ansiedlungen hindeuten. Bedauerlich ist, dass in der Niederlau18

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sitz bisher keine Siedlung dieser Zeitstellung untersucht wurde und wir daher über das Aussehen der Häuser nicht unterrichtet sind. Kennzeichnend für die Trichterbecherkultur sind weiterhin trapezförmige Pfeilspitzen aus Feuerstein, die quer den Pfeilschäften aufgesetzt waren, und bestimmte steinerne Axtformen, die aber bislang in unserem Untersuchungsgebiet noch fehlen. Eine konkrete kulturelle Zuordnung der zahlreichen einzeln aufgelesenen Steingeräte, insbesondere der Feuersteinabschläge und -trümmer, ist meist nicht möglich. Hierzu zählen Beilklingen aus Fels- bzw. Feuerstein von Frankendorf, Garrenchen und Luckau sowie durchbohrte Steinäxte von Frankendorf, Görlsdorf, Goßmar, Luckau, Wierigsdorf und Langengrassau sowie ein durchbohrter Keulenkopf von sieben Zentimetern Durchmesser von Freesdorf. Die Jahrhunderte zwischen 3000 und 2600 v. Chr. beherrschten Gruppen der so genannten Kugelamphorenkultur weite Teile Mitteleuropas wie auch der Niederlausitz. Aus dem Süden Brandenburgs sind verschiedene Grabkomplexe mit Gefäßbeigaben, darunter den Namen Eberhard Kirsch | Kerstin Kirsch

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Verzierte Amphoren aus Gräbern der Schnurkeramik von Karche, Luckau und Waltersdorf.

gebenden Kugelamphoren, bekannt28. Doch fehlen aus der Umgebung Luckaus bisher sichere Nachweise. Von einer Anhöhe bei Zützen, von der auch Urnengräber herrühren, übernahm das Landesmuseum Halle bereits 1883 eine unverzierte Kugelamphore. Die Fundumstände sind jedoch nicht überliefert.29 Mit bogenförmigen Einstichen versehene Scherben von Zöllmersdorf und eine so genannte Kalottenschale, die 2013 bei Ausgrabungen an der Erdgastrasse OPAL nahe Riedebeck entdeckt wurde, bezeugen die Anwesenheit der Träger dieser Kultur auch in unserer Region. In diesen Zusammenhang gehört auch eine vollständig überschliffene Beilklinge aus Feuerstein von Luckau. Das Ende der Jungsteinzeit im 3. Jahrtausend v. Chr. bestimmt die europaweit verbreitete und in verschiedene Regionalgruppen gegliederte Schnurkeramik (2700 –2000 v. Chr.). Die die gesamte Niederlausitz erfassende schnurkeramische Besiedlung ist im östlichen Teil eng mit jener der Oberlausitz verbunden, während sich für den Süden und Westen eher Beziehungen zur Saale-Schnurkeramik Mitteldeutschlands abzeichnen. Der Raum um Luckau in ur- und frühgeschichtlicher sowie slawischer Zeit

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Obwohl die Kulturgruppe in der Vergangenheit mangels sicherer Siedlungsnachweise sich fast ausschließlich über ihre Grabfunde definierte, konnten in den letzten Jahren bei Flächengrabungen im Lausitzer Braunkohlenrevier wiederholt Siedlungsplätze nachgewiesen werden. Da die wohl eingetieften Häuser der Schnurkeramiker keine tiefgehende Pfosten benötigten, lassen sich die Wohnplätze nur bei Anwendung einer sehr akribischen Grabungstechnik feststellen. Sie sind durch eine intensive Streuung kleinster Scherben und Feuersteinsabschlägen kenntlich.30 In deren Nähe befanden sich die Bestattungsplätze, die aus von Gräbchen umgebenen Hügeln, aber auch Flachgräbern bestanden.31 Den auf der Seite liegenden, in Hockstellung beigesetzten Toten wurden schnurverzierte Gefäße und Steinäxte beigegeben, darunter die aus schiefrigem Gestein sauber geschliffenen Facettenäxte. Etwa 25 Exemplare dieser prächtigen, wohl mehrheitlich aus dem mitteldeutschen Raum importierten steinernen Waffen sind für die Niederlausitz belegt.32 Sie waren in der mittleren Phase der Schurkeramischen 19

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Kultur Mode. Erst das Spätneolithikum erbrachte für den Raum Luckau erstmals eine ganze Reihe von Fundplätzen mit zeittypischem Material.33 Dazu zählen die schnurverzierten Amphoren von Karche, Luckau und Waltersdorf aus mutmaßlichen Gräbern sowie zwei Becher, die dicht östlich unseres Kartenausschnitts am Tagebaurand bei Görlsdorf entdeckt wurden.34 Skelettreste hatten sich bei keinem der genannten Beispiele erhalten. Hinzu kommen bei Garrenchen und Gießmannsdorf aufgelesene schnurverzierte Scherben. Die erwähnten Facettenäxte sind für unser Untersuchungsgebiet durch Einzelfunde von Garrenchen, Luckau und Wittmannsdorf belegt. Diesen können weitere spätneolithische Äxte von Gießmannsdorf, Görlsdorf und Waltersdorf angeschlossen werden. Den Übergang zur nachfolgenden frühen Bronzezeit markieren die sorgfältig aus Feuerstein herausgearbeiteten lanzettförmigen Dolche von Cahnsdorf und Freesdorf bzw. Luckau. Es fehlen in unserer Region aber Keramikfunde, die eine durchgehende Besiedlung bis zum Einsetzen der nachfolgenden Lausitzer Kultur belegen.35

Bronzezeit Im Luckau-Calauer Becken zeichnet sich eine dünne Fundkonzentration von Metallobjekten der jüngeren Aunjetitzer Kultur ab, zu der neben einem Flachbeil aus Bronze von Frankendorf die östlich unserer Kartierungsgrenze gelegenen Fundorte Niewitz, Stöbritz, Stoßdorf, Tornow und Presehnchen gehören.36 Im Osten der Niederlausitz entlang der Neiße ist dagegen die frühbronzezeitliche Aunjetitzer Kultur zwischen dem Ende des 3. und dem ersten Drittel des 2. Jahrtausends v. Chr. mit zahlreichen Grab- und Metallfunden gut belegt.37 Die begrenzte Verwendung von importierten Geräten und Schmuckobjekten aus Bronze führte noch nicht zu einer Veränderung der traditionellen Lebensweise. Auch die Bestattungsart, die Beisetzung der Toten als Hocker, änderte sich nicht. Erst die um 1500 v. Chr. einsetzende Lausitzer Kultur brachte einen spürbaren Wandel, insbesondere durch den Übergang zur Brandbestattung mit der damit verbundenen Anlage großer Urnengräberfelder sowie durch die nun umfassendere Nutzung der Bronze. 20

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Die Bronzezeit fällt in eine Zeit optimaler klimatischer Voraussetzungen, die nach Aussage der Fundplatzdichte und der Größe der Gräberfelder eine deutliche Bevölkerungszunahme begünstigten, wie auf der Verbreitungskarte der archäologischen Funde zu sehen ist. Die Lausitzer Kultur bestimmte über ein Jahrtausend die kulturelle und gesellschaftliche Entwicklung in der Niederlausitz.38 Da es an Fundbelegen für die erste Hälfte des 2. Jahrtausends v. Chr. mangelt, muss für unser Untersuchungsgebiet mit einem Rückgang der noch unter steinzeitlichen Verhältnissen lebenden Bevölkerung gerechnet werden. Einen Hauptanteil an dem bronzezeitlichen Fundreichtum haben die Urnenfelder, die ein Kennzeichen des während der Bronzezeit ausgeübten Bestattungsbrauchs sind. Die mit zahllosen Beigefäßen ausgestatteten Urnengräber waren im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts das Ziel von Sammlern und Museen, die in Konkurrenz zueinander die Fundstätten plünderten, vor allem auf der Suche nach wohl erhaltenen Gefäßen. Die überdurchschnittliche Qualität der auf den Lausitzer Gräberfeldern geborgenen Gefäße in künstlerischer und technischer Hinsicht wurde frühzeitig von Forschern erkannt und als Besonderheit herausgestellt. Zu jenen, die geradezu euphorisch diese Keramik beschrieben, gehörte auch Ernst Friedel, der Direktor des Märkischen Provinzial-Museums: »Hier ist wohl das Vorzüglichste in der edlen Kunst der Keramik geleistet, was das nordeuropäische Heidenthum von Irland, Wales und Bretagne ab bis in die fernsten Gegenden Nordrußlands zu schaffen vermocht hat, Feinheit des Geschmacks, geschickte Verarbeitung des Rohstoffs und Vollendung der Form treffen zusammen.«39 Ähnlich begeistert äußerte sich Karl Heinrich Marschalleck in seiner Urgeschichte des Kreises Luckau.40 Auch nach heutigen Maßstäben übertrifft die Keramik der Lausitzer Kultur durch technische Qualität und formvollendeten Stil das Gebrauchsgeschirr anderer urgeschichtlichen Kulturen, weshalb an eine spezialisierte Gefäßherstellung zu denken ist. Viele der älteren Gräber waren überhügelt und bildeten oft größere Gruppen. Die meisten dieser Erdaufschüttungen sind heute verschwunden. Sie wurden abgetragen oder flach gepflügt. Schon Robert Behla verwies darauf, dass in viele der seinerzeit ausgebeuteten Urnenfelder auch Hügel integriert waren. Er beobachtete, dass mitunter Urnenfelder auf Äckern an Grabhügelgruppen Eberhard Kirsch | Kerstin Kirsch

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Grabgefäße der jüngsten Lausitzer Kultur der Bronzezeit von Zieckau.

in Wäldern grenzten. Bisweilen konnte sich die Dorfbevölkerung noch an die Einebnung derselben erinnern.41 Dies wird durch Luftaufnahmen bestätigt, die auf Feldern bei Egsdorf, Garrenchen, Langengrassau und Waltersdorf Reste bislang unbekannter Hügelgräber in Form kreisförmiger Verfärbungen zeigen. Die Bestattungsplätze in der Nähe der Ansiedlungen liegen vorzugsweise auf erhöhtem, sandigem Gelände. Intensität wie auch Andauer der Lausitzer Kultur bezeugen zahlreiche Urnenfelder in der Umgebung Luckaus. Für unser Untersuchungsgebiet lassen sich 23 Urnengräberfelder lokalisieren. Hinzu kommen elf weitere, deren genaue Lage heute nicht mehr bekannt ist. Nicht selten befinden sich zwei, drei oder gar fünf Bestattungsplätze in einer Gemarkung.42 Im Luckauer Raum fanden moderne Ausgrabungen auf Urnengräberfeldern kaum statt, z. B. 2011 auf einem Fundplatz der jüngsten Bronze-/frühen Eisenzeit bei Goßmar, wo 59 Bestattungen der Billendorfer Stufe freigelegt wurden.43 Bei Zaacko konnten 2002 aus derselben Zeitspanne 90 Bestattungen geborgen werden,44 darunter ein Grab mit mindestens 42 unterschiedlichen Gefäßen. Zudem stießen die Ausgräber bei der Untersuchung des Friedhofs Der Raum um Luckau in ur- und frühgeschichtlicher sowie slawischer Zeit

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auf zahlreiche Spuren älterer Raubgrabungen. Robert Behla erinnerte sich später gern an dieses Dorf im Norden Luckaus, da er hier in der Zaackoer Heide um 1880 seinen ersten erfolgreichen Grabungsversuch unternahm.45 Nach Ausweis der Funde wurden diese Plätze häufig über mehrere Jahrhunderte belegt, teilweise bis in die nachfolgende Billendorfer Stufe hinein. Bei der Datierung der Gräber kommt der Keramik eine bestimmende Rolle zu, da Beigaben aus Bronze verhältnismäßig selten und meist nur in Bruchstücken vorkommen. Während der mehrhundertjährigen Entwicklung der Lausitzer Kultur veränderten sich die Formen und Verzierungen der Gefäße, von der älteren Buckel- zur späten Riefenkeramik hin. Parallel dazu zeichnen sich Wandlungen im Grabbau ab. Eine Besonderheit der jüngsten Bronzezeit stellen hölzerne Kammergräber in Art von Grabhäusern mit äußerst reicher Keramikausstattung dar, die rituell abgebrannt wurden.46 Man kann davon ausgehend, dass bei langzeitig genutzten Friedhöfen das zugehörige Dorf mit seinen Bewohnern mehrfach den Standort wechseln musste – weil die Äcker erschöpft oder die hölzernen Wohnstätten verrottet und abgebrannt waren. Die Bewohner ver21

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Hortfunde der Bronzezeit von Kreblitz.

blieben jedoch im engeren Umkreis, sodass sie ihren traditionellen Bestattungsplatz, der zweifellos auch in ihren religiösen Vorstellungen eine wichtige Rolle spielte, weiterhin nutzen konnten. Die im Unterschied zu den Urnenfeldern meist in der Nähe von Niederungen oder Gewässern gelegenen Dörfer rückten erst spät in den Fokus der Forschung. Da hier kaum gut erhaltene Gefäße zu erwarten waren, erregten diese Plätze nicht das Interesse der frühen Sammler. Für den Ausgräber sind zylindrische Speichergruben, die oft in großer Zahl am Rande dieser Ansiedlungen auftreten, ein charakteristischer Hinweis, wohingegen über die Form der Häuser lange Zeit kaum etwas bekannt war. Erst die großflächigen Abdeckungen im Lausitzer Braunkohlengebiet führten zur Aufdeckung mehrerer bronzezeitlicher Hausgrundrisse.47 Sie zeigen, dass unterschiedliche Konstruktionsformen nebeneinander bestanden. Es gab bis zu 28 Meter große, zweischiffige Langhäuser mit Stützpfosten oder Wandgräbchen sowie kleinere, rechteckige Gebäude mit Steinfundament wie z. B. von Rüdingsdorf48, auf dem 22

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einst der Schwellrahmen ruhte. Letztere dürften in ihrer Bauweise den Blockhäusern im Spreewald geähnelt haben. Zu den wichtigen Bauelementen einer Siedlung gehören auch die der Wasserversorgung von Mensch und Tier dienenden hölzernen Brunnen. In der Bronze- und Eisenzeit bestanden sie üblicherweise aus ausgehöhlten Eichenstämmen, die bis in die Wasser führenden Schichten eingetieft waren. Eine solche Brunnenröhre, deren unterer Teil noch erhalten war, wurde bei Ausgrabungen zu Beginn unseres Jahrtausends am Ortsrand von Zaacko freigelegt. Über dem Brunnen hatte man einen von sechs Pfosten getragenen Schutzbau errichtet.49 Ein ähnlicher, doch jüngerer Röhrenbrunnen wurde bereits vor einigen Jahrzehnten bei Freesdorf entdeckt.50 Einen Großteil der zahlreichen Scherbenfundstellen können wir als Siedlungshinweis interpretieren. Die Bronze, die der Zeitperiode den Namen gab, wie auch die Kenntnis der Bronzeverarbeitung selbst gelangten über Zwischenstationen erst spät in die Niederlausitz. Bereits im Neolithikum begegnen uns vereinzelt imporEberhard Kirsch | Kerstin Kirsch

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tierte Schmucke und Waffen aus Kupfer. Da im gesamten norddeutschen Raum verwertbare Erzvorkommen fehlen, waren die Träger der Lausitzer Kultur auf Importe aus dem Süden in Form von Barren oder fertigem Gerät angewiesen. Die eigenständige Verarbeitung der Bronze vor Ort, wozu man Altmetall einschmolz, wird durch Gussformen bezeugt.51 Für den Luckauer Raum sind Einzelfunde von Bronzen selten belegt und stammen meist aus der Vorkriegszeit. Dazu zählen zwei Lappenbeile von Luckau und Zieckau, ein Armringbruchstück von Luckau, zwei Lanzenspitzen von Goßmar und Zieckau und ein Messer von Karche. Die für die Bronzezeit bezeichnenden Hortoder Verwahrfunde vermitteln uns einen umfassenderen Überblick über aus Bronze gefertigte Geräte und Schmucke, als dies bei Grabfunden der Fall ist. Leider ist uns aus der näheren Umgebung Luckaus kein Hortfund überliefert. Die nächstgelegenen stammen von Kreblitz, welcher hauptsächlich aus Armringen, Äxten und Sicheln sowie einer Armspirale besteht, und von einem im Sumpf gelegenen Sandberg zwischen Schlabendorf und Fürstlich Drehna mit verzierten Armringen. Beide Metallschätze hatte man in Tongefäßen vergraben. Die Deutung solcher Sammelfunde ist kompliziert, da mehrere Szenarien denkbar sind. Für Zeiten der Gefahr gilt allgemein, dass man auf diese Weise wertvollen Besitz zu retten versuchte. Mitunter kann es sich auch um Depots von Händlern oder Bronzegießern handeln, letzteres insbesondere dann, wenn der Fund hauptsächlich aus zerbrochenem Gerät besteht. Die Mehrzahl der Hortfunde wird jedoch als Opfer an die Götterwelt interpretiert.52 Neben Bronze kam dem Stein für die Geräteherstellung weiterhin eine wichtige Bedeutung zu, wie zahlreiche durchbohrte Steinhämmer zeigen. Gegen Ende der Bronzezeit entstanden im Verbreitungsgebiet der Lausitzer Kultur einzelne größere mit Holz-Erde-Wällen befestigte Zentralorte bzw. Burgen, die bis in die nachfolgende, bereits eisenzeitliche Billendorfer Stufe fortbestanden.53 Sie sind ein Spiegelbild der gesellschaftlichen Entwicklung und zentraler Macht. Ob interne Verteilungskämpfe, ausgelöst durch eine Verschlechterung des Klimas, oder eine Bedrohung durch äußere Feinde, wie dem im Norden des Schwarzen Meers beheimateten Reitervolk der Skythen, für die Errichtung ursächlich verantwortlich waren, lässt sich heute nicht sicher feststellen. Sie entstanden, Der Raum um Luckau in ur- und frühgeschichtlicher sowie slawischer Zeit

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als die Lausitzer Kultur bereits ihren Zenit überschritten hatte und es wahrscheinlich in Folge eingetretener Klimaverschlechterungen zu Verteilungskämpfen um knapper werdende Ressourcen kam. Die bereits bestehenden Umweltprobleme wurden durch den riesigen Holzeinschlag zur Errichtung der Burgen eher noch verstärkt. Die eisenzeitliche Burganlage von Senftenberg, die vor ihrer Überbaggerung 1931–33 vom Berliner Archäologen Alfred Götze vollständig ausgegraben wurde, zeigt eine dichte, durch ein Straßenraster gegliederte Bebauung innerhalb der Erdwälle. Sie bot Platz für mehrere Hundert Menschen, worunter sich auch Handwerker befanden.54 Einen guten Eindruck von Aussehen und Größe bronzezeitlicher Burgen vermittelt das Freilichtmuseum Biskupin bei Poznań in Polen, wo man am Originalstandort Teile der Bebauung rekonstruierte. Die größte, auch heute noch beeindruckende Burganlage dieser Zeit in der Niederlausitz ist der Schlossberg bei Burg im Spreewald. Zu diesen einst befestigten Siedlungen zählen auch der »Borchelt« nordöstlich Goßmar, eine flache Erhebung in mooriger Niederung, auf der schon um 1880 Robert Behla erste Nachgrabungen unternahm, und der ebenfalls überpflügte »Horstberg« bei Zützen, von dem Scherben der jüngsten Bronze- und Eisenzeit stammen. Die runden bis ovalen Niederungsburgen in der Niederlausitz besaßen Grundflächen von knapp einem Hektar. Nur der Burger Schlossberg übertraf diese um das Fünffache.55

Vorrömische Eisenzeit Die kulturelle Entwicklung in der vorrömischen Eisenzeit der Niederlausitz wird von der Billendorfer Gruppe zwischen dem 7. und 4. Jahrhundert v. Chr. geprägt.56 Sie stellt die jüngste Stufe der Lausitzer Kultur dar, was vor allem im Stil ihrer Keramik zum Ausdruck kommt. Bedingt durch komplizierter werdende Umweltbedingungen dünnte die Besiedlung allmählich aus, doch wurden die gleichen Gebiete bewohnt. Ein Indiz dafür ist, dass spätbronzezeitliche Gräberfelder wie bei Egsdorf, Goßmar und Zaacko weiterhin belegt wurden und die in der Bronzezeit errichteten Burgen nun ihre Blüte erlebten. Für den Bestattungsbrauch der Billendorfer Gruppe ist die Mitgabe zahlreiche Miniaturgefäße, auch kleinforma23

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tiger Nachbildungen häuslichen Geräts – wie z. B. Ofenmodelle – typisch. Die einsetzende Verwendung von Eisen zur Herstellung von Schmuck und Arbeitsgeräten ging auf den Einfluss technisch fortgeschrittenerer Kulturen im Süden zurück. Die Bronze spielte aber als Rohstoff weiterhin eine wichtige Rolle. Unsere Kenntnis zum Umfang der Eisenverwendung bei der Billendorfer Kultur basiert vornehmlich auf den in den Gräbern überlieferten Schmuckbeigaben. Eine deutliche Einschränkung des Bronzezustroms aus dem Süden bereits Ende der Bronzezeit führte zu einer Renaissance von Steingeräten, wofür die Steinäxte mit fünfeckigem Grundriss von Luckau, Goßmar, Görlsdorf und Kaden beispielhaft stehen.57 Ob die einheimische Billendorfer Bevölkerung es bereits verstand, den in den feuchten Niederungen der Niederlausitz häufig vorkommenden Raseneisenstein zu Roheisen zu verarbeiten, ist bislang nicht belegt. Die Weiterverarbeitung zu Schmuck und Arbeitsgerät erfolgte jedoch im Verbreitungsgebiet der Billendorfer Gruppe selbst. Während der vorrömischen Eisenzeit zur Zeit der jüngeren Billendorfer Entwicklungsstufe im 6./5. Jahrhundert v. Chr. drang die im Norden Deutschlands beheimatete elbgermanische Jastorf-Kultur bis in die Niederlausitz vor und bildete im Luckau-Calauer Becken eine Exklave.58 Die einwandernden frühgermanischen Siedler aus dem Gebiet der Mittelmark orientierten sich dabei am Lauf der Dahme und Berste. Im unmittelbaren Umfeld Luckaus werden mehrere kleine Gräberfelder wie bei Garrenchen, Gießmannsdorf, Zaacko und Zöllmersdorf sowie Siedlungen wie bei Luckau und Riedebeck dieser Kulturgruppe zugeordnet.59 Die Fundplätze liegen vorwiegend westlich der Berste, während im Osten jene der Billendorfer Gruppe dominieren.60 Auch wenn die zeitlichen Schwerpunkte beider Kulturen unterschiedlich lagen, muss es dennoch direkte Kontakte gegeben haben, was sich im Fundmaterial einiger Siedlungen in der Vermischung der Keramikstile und im Austausch von Metallformen zeigt. Im Unterschied zu den Billendorfern beherrschten die Jastorf-Leute bereits die Technologie einer eigenständigen Roheisenproduktion.61 Dies wird durch die Auffindung charakteristischer Eisenschlacken in einer 2009 im Verlauf der OPAL-Trasse teiluntersuchten eisenzeitlichen Siedlung bei Riedebeck und einer solchen am Rande des Tagebaus Schlabendorf-Süd bei Görlsdorf bestätigt.62 Be24

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reits 1937 war man in einem Waldstück bei Waltersdorf beim Rigolen auf die Reste eines eisenzeitlichen Schmelzofens gestoßen.63 Diese Befunde belegen, dass seit dem 5. Jahrhundert v. Chr. im Luckau-Calauer Becken Angehörige der frühgermanischen Jastorfkultur eine eigenständige Eisenproduktion auf der Grundlage heimischer Erzvorkommen betrieben. In der materiellen Kultur, insbesondere der Keramik und im Schmuck, wie auch in der Bestattungssitte unterschieden sich die Zugewanderten deutlich von den Ortsansässigen. Im Gegensatz zum Gefäßreichtum der Billendorfer Gräber statteten sie ihre Toten kaum mit Beigefäßen fürs Jenseits aus. Auch ihre gesellschaftlichen Strukturen waren deutlich anders. Den Germanen blieb seit ihrer Frühzeit der Burgenbau fremd. Das Ende der Billendorfer Gruppe kündigt sich ab Mitte des 1. Jahrtausends v. Chr. durch einen drastischen Rückgang der Fundplätze und eine Verarmung der materiellen Kultur an. Das endgültige Verschwinden derselben während des 4. Jahrhunderts v. Chr. ohne Nachfolgekultur ist ein nach wie vor ungelöstes Rätsel der Archäologie. Nur im Bereich der Jastorf-Exklave lässt sich eine Restbevölkerung bis ins 1. Jahrhundert v. Chr. archäologisch nachweisen. Große Teile der Niederlausitz blieben nun, von dichten Wäldern bedeckt, bis ins 2. Jahrhundert weitgehend menschenleer.

Römische Kaiserzeit und ­Völkerwanderungszeit Während der nachfolgenden römischen Kaiserzeit, die etwa mit dem Regierungsantritt von Kaiser Augustus in Rom begann, lebten germanische Stammesgruppen in der Niederlausitz. Die archäologischen Nachweise setzen jedoch erst in der zweiten Hälfte des 2. Jahrhunderts ein.64 Aus einer bei Gehren untersuchten germanischen Siedlung stammen mit Rollrädchenornamenten verzierte Gefäßreste, die Beziehungen zum elbgermanischen Kulturkreis des 2. Jahrhunderts nahelegen. Erst Ende des 2., Anfang des 3. Jahrhunderts erfolgte eine weitgehende Wiederbesiedlung der Niederlausitz durch verschiedene, vorwiegend aus dem Osten stammende Gruppen. Obwohl von antiken Schriftstellern die Namen zahlreicher germanischer Stämme überliefert sind, hält sich die geEberhard Kirsch | Kerstin Kirsch

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genwärtige Forschung mit der konkreten Benennung der germanischen Kulturgruppen zurück und begnügt sich mit neutralen Bezeichnungen nach wichtigen Fundplätzen in Polen.65 Trotz einer verhältnismäßig kurzen Zeitspanne von nur etwa 300 Jahren können in der Umgebung Luckaus 37 Fundstellen der germanischen Zeitperiode zugewiesen werden. Zum Großteil handelt es sich um Scherbenstellen, die meist auf Ansiedlungen hinweisen. Die germanischen Dörfer in der Niederlausitz wurden von zweischiffigen Wohnstallhäusern geprägt, in denen die Menschen gemeinsam mit ihrem Vieh lebten.66 Die Lebensgrundlage bildete bei den Germanen der römischen Kaiserzeit wie schon bei ihren Vorgängern die Landwirtschaft mit dem Getreideanbau von Roggen, Gerste und Emmer sowie die Haltung von Nutzvieh wie Rindern, Schweinen, Schafen und Ziegen sowie Pferden. Daneben war das Handwerk weit entwickelt und spezialisiert. Für zahlreiche germanische Siedlungen ist eine lokale Eisenproduktion durch Schlackenfunde und Schmelzofenreste belegt. Bei der archäologischen Begleitung der westlich Luckau mehrere Gemarkungen querenden Ferngasleitungen OPAL und EUGAL konnten in den letzten Jahren mehrere germanische Siedlungen bei Waltersdorf und Zöllmersdorf teiluntersucht werden. Außer der zeittypischen Keramik wurden Reste von Pfostenbauten, eingetiefte Grubenhäuser, Kalkbrennöfen und ein Eisenverhüttungsplatz festgestellt. In der im Osten der Niederlausitz gelegenen Braunkohleregion wurden in den vergangenen Jahrzehnten mehrere germanische Siedlungen mit typischen zweischiffigen Lang- und Grubenhäusern, Speichern und technischen Anlagen großflächig untersucht.67 Eine Besonderheit stellt das in der Umgebung von Wolkenberg südlich Cottbus archäologisch untersuchte vorindustrielle Zentrum zur Eisengewinnung dar, in dem Hunderte von Rennöfen und Holzkohlemeiler zur Produktion von großen Mengen Roheisen im 4. Jahrhundert betrieben wurden.68 Auch wenn die Niederlausitz fern der Grenzen des Römischen Reiches lag, lassen sich im Fundmaterial Kontakte zum provinzialrömischen Raum feststellen, etwa im Vorkommen antiker Münzen, von Bronzegefäßen und Bestandteilen der Tracht. Diese können durch Tausch und direkten Handel, aber auch durch heimkehrende germanische Söldner oder Raubzüge bis in unsere Region gelangt sein. Auch der Wandel im Bestattungsbrauch zum Der Raum um Luckau in ur- und frühgeschichtlicher sowie slawischer Zeit

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Glasperlenketten vom germanischen Gräberfeld der Völkerwanderungszeit bei Gießmannsdorf.

Ende der germanischen Periode von der Brand- zur Körperbestattung basierte zweifellos auch auf einem solchen Kulturstrom. Bis dahin herrschte die Brandbestattung vor. Auf den siedlungsnah gelegenen Gräberfeldern können zeitlich und regional unterschiedliche Beisetzungsarten beobachtet werden – in Urnen, als Leichenbrandschüttung oder Brandgrubengrab und an der Neiße sogar unter einem Grabhügel. Von der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts an kommen zunehmend Körperbestattungen auf.69 Im Unterschied zu den relativ häufigen Siedlungsnachweisen sind aus der Umgebung Luckaus nur wenige germanische Gräber bekannt, darunter die im Luckauer Heimatmuseum erhaltenen Altfunde von Wittmannsdorf und Zaacko70 mit Fibeln aus Bronze, Bernsteinanhängern und einer eisernen Schere. Eine Besonderheit stellt ein 1903 auf einem Urnenfeld der Bronze- und Eisenzeit nördlich Riedebeck entdecktes Brandschüttungsgrab des 4. Jahrhunderts dar. In den Brandresten enthielt es eines der seltenen Drehscheibengefäße sowie eine Fibel, zwei Sporen, eine Pfeilspitze, Teile eines Eimerhenkels und ein Messerbruchstück aus Eisen sowie einen tönernen Spinnwirtel und vom Feuer zerschmolzene Glas- und Bronzereste.71 Wegen der unbefriedigenden Befunddokumentation der Altfunde kommt den von Ingrid Wetzel 1987 vorgelegten Grabfunden vom Weinberg bei Gießmannsdorf eine besondere Bedeutung im Hinblick auf den Bestattungsbrauch der hier ansässigen Germanen zu.72 Hier wur25

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den 1981 am Rande einer Kiesgrube die Überreste von Brandbestattungen und – auf einem angrenzenden Terrain – Körpergräber sichergestellt. Aus dem Bereich der weitgehend zerstörten Brandgräber stammen neben charakteristischen Gefäßresten – darunter wiederum solche, die auf der Drehscheibe gefertigt wurden – zahlreiche Grabbeigaben aus dem persönlichen Besitz der Toten wie Fibeln, Knochenkämme, Hakenschlüssel, Messer, Schnallen und Feuerstähle aus Metall, Knochen oder Glas. Die 13 nord-süd-orientierten Körpergräber bildeten dagegen eine separate Gruppe. Den in ihrer Kleidung beigesetzten Toten hatte man wiederum Teile des Hausrats wie Messer und Spinnwirtel, aber auch Waffen, Kleidungszubehör sowie Fibeln und prächtige Glasperlenketten mitgegeben. Während die Brandbestattungen nach Aussage des Fundmaterials dem 3. Jahrhundert angehören, sprechen bei den Körpergräbern der inzwischen vollzogene Wandel der Bestattungsform sowie der beigegebene Fibelschmuck für eine Datierung ins späte 4. bzw. schon beginnende 5. Jahrhundert. Damit befinden wir uns bereits in der Völkerwanderungszeit, die durch den Aufbruch des asiatischen Reitervolks der Hunnen Richtung Westen und den Niedergang des römischen Weltreichs ausgelöst wurde und zu weitreichenden Völkerverschiebungen in ganz Europa führte. Im Zuge dieser Entwicklung gaben auch die germanischen Siedler ihre angestammten Wohnplätze in der Niederlausitz auf und schlossen sich dem allgemeinen Zug in Richtung auf die römischen Provinzen an.

Slawisches Mittelalter Nach einer Lücke von 100 bis 200 Jahren begann erst mit der Zuwanderung slawischer Siedler im 7./ 8. Jahrhundert die bis heute währende Besiedlungskontinuität. Ob die eingewanderten Slawen auf noch vorhandene germanische Siedlungen trafen, ist archäologisch schwer belegbar. Die aus den Gebieten zwischen Oder und Weichsel bzw. aus Böhmen kommenden Einwanderer nahmen zumindest Gefilde in Besitz, die zuvor von Germanen besiedelt waren. Die Slawen fanden eine Landschaft vor, die überwiegend mit Wald bedeckt war. Für die Anlage von Siedlungen und Ackerflächen musste gerodet werden. 26

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Die Niederlausitz war im Vergleich zu anderen westslawischen Gebieten in früher slawischer Zeit sehr dünn besiedelt. Die ersten Wohnplätze fanden sich am ehesten im Westen und Osten. Die zentralen Areale der Niederlausitz wurden etwas später aufgesiedelt.73 Eine forschungsgeschichtlich bedeutende Untersuchung fand 1972 bei Görlsdorf statt. Hier wurden auf einer Siedlung der ersten slawischen Einwanderer zwei Kastenbrunnen untersucht. Einen wesentlichen chronologischen Fixpunkt für die Ansiedlung lieferte das Holz mit einer Datierung um 785+/-.74 Damit gibt es einen zeitlichen Richtwert für den Beginn der slawischen Einwanderung im hier betrachteten Gebiet, die in der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts erfolgte. Die Siedlungen wurden von kleinen Gruppen errichtet. Zunächst bestanden Wohnplätze auf Rodungsinseln inmitten großer Waldgebiete. Aus diesen frühen Ansätzen entwickelten sich Siedlungskammern, die durch Waldgebiete voneinander getrennt waren. Mit zunehmender Bevölkerungsdichte – auch durch weitere Zuwanderungen gespeist – erfolgte die Erweiterung der von den Siedlern geschaffenen Kulturlandschaft. Gute Bedingungen für die Anlage von Dörfern fanden die Slawen an den Wasserläufen wie der Berste und ihren Nebenflüsschen. Die von ihnen errichteten Blockhäuser hinterließen kaum Spuren im Boden. In der Regel ist es die handgemachte, teilweise nur spärlich verzierte Keramik, die einen frühslawischen Fundplatz anzeigt. Das Leben der Slawen war durch Ackerbau und Viehzucht geprägt. Die Siedlungsplätze legte man dort an, wo für Landbau und Tierhaltung günstige Bedingungen bestanden. Knochenfunde von Rind und Schwein sowie Schaf und Ziege belegen eine intensive Tierhaltung, die durch Jagd und Fischfang ergänzt wurde. Neben dem Roggen baute man Gerste, Weizen, Hafer und Hirse an. Für die Feldbearbeitung setzten die Slawen den hölzernen Hakenpflug ein, wie das bei Langengrassau im Zusammenhang mit Meliorationsarbeiten gefundene Exemplar belegt. Von den Geschichtsschreibern wurden die slawischen Gebiete als fruchtbar und ertragreich beschrieben. Seit dem 9. Jahrhundert nahm die Anzahl der Siedlungen zu. Jetzt lassen sich Konzentrationen erkennen, die auch mit dem sich entwickelnden Burgenbau zusamEberhard Kirsch | Kerstin Kirsch

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Verbreitungskarte der archäologischen Funde der ­römischen Kaiserzeit (Germanen), der Slawenzeit und des hohen Mittelalters in der ­Umgebung von Luckau.

menhängen. Die überwiegend kleinen Niederungsburgen werden dem Stamm der Lusizi zugeschrieben. Sie werden als Wohnsitze der Stammeselite interpretiert und haben in Gefahrenzeiten der Bevölkerung als Rückzugsorte gedient. Die frühmittelalterliche Burgenlandschaft der Niederlausitz wurde in den vergangenen Jahrzehnten intensiv untersucht. Größere Ausgrabungen aber auch Sondagen belegen einheitliche Typen und Bauweisen. Es handelt sich in der Regel um einteilige, kleine Ringwälle, die in Holz-Erde-Konstruktion ausgeführt sind. Inzwischen ermöglichen dendrochronologisch ermittelte Daten der Der Raum um Luckau in ur- und frühgeschichtlicher sowie slawischer Zeit

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Der hölzerne Hakenpflug von Langengrassau.

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Der Freesdorfer Borchelt.

Holzreste aus den Wällen und Gräben genauere Angaben zur Baugeschichte der Burgen. In der Umgebung Luckaus wurden auf den Burgen von Langengrassau, Riedebeck, Gießmannsdorf, Zieckau, Kasel-Golzig, Beesdau und Duben kleinere Untersuchungen durchgeführt. Diese geben Auskunft über Zerstörungen, Ausbesserungen und den Wiederaufbau der Anlagen zwischen dem letzten Drittel des 9. und dem ausgehenden 10. Jahrhundert.75 Die Mittelslawisches Gefäß vom Freesdorfer Borchelt.

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Ursachen für den verstärkten Burgenbau stehen mit den Auseinandersetzungen um die Herrschaft in der Niederlausitz im 10. Jahrhundert in Verbindung. Seit dem 9. Jahrhundert betrieb das ostfränkisch-sächsische Reich eine aktive Eroberungspolitik gegenüber den westslawischen Stämmen. Nachdem die Lausitz um 932 durch Heinrich I. unterworfen worden war, führten die schweren Kämpfe und Zerstörungen von 963 unter Markgraf Gero zur Herausbildung einer stabilen deutschen Herrschaft, die wohl auch mit dem Wiederaufbau einzelner bei den Kämpfen zerstörter Burgen wie z. B. Presenchen einherging.76 Die Masse der kleinen Burgen wurde zerstört. Zusätzlich dezimierte Geros grausames Vorgehen die slawische Elite. Die Slawen hatten ihre Burgen an strategisch günstigen Positionen errichtet. So auch der noch auf der Luckauer Gemarkung gelegene Freesdorfer Borchelt, der sich auf einem Geländesporn am Übergang über die Bersteniederung befindet. Es handelt sich um eine Ringwallanlage mit ausgedehnter, umwallter Vorburg.77 Dieser Komplex wurde aufgrund seiner Größe, Konstruktion und Struktur als außergewöhnlich innerhalb der Niederlausitzer Burgenlandschaft angesehen. Aus diesem Grund wurde er als Hauptburg der Lunsici mit der zweimal durch Thietmar von Merseburg erwähnten slaEberhard Kirsch | Kerstin Kirsch

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Die mittelslawische Burg bei Riedebeck.

wischen Burg »Liubusua« identifiziert. Allerdings lassen sich die von Thietmar gemachten Aussagen zu Lage und historischem Zusammenhang nicht in dieser Befestigung wiederfinden. Inzwischen geht die historische Forschung davon aus, dass diese bedeutende Anlage an der Elbe nördlich von Meißen bei Löbsal zu finden ist.78 Eine weitere wichtige Burg, der sogenannte Borchelt, auch als Alte Schanze bezeichnet, befand sich bei Riedebeck. Es handelt sich um einen Ringwall in der Bersteniederung mit einem Innendurchmesser von 30 bis 35 Metern. Eine unbefestigte Siedlung gab es im Westen der Anlage. Mit einem Dendrodaten um 950 gehört die Burg in den Horizont der vor den militärischen Aktionen Geros errichteten Verteidigungsanlagen.79 Dort, wo die sumpfige Talaue der Berste gut durchquert werden konnte, war eine weitere Befestigung Der Raum um Luckau in ur- und frühgeschichtlicher sowie slawischer Zeit

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entstanden. Diese günstige Lage war sicher ausschlaggebend für die Errichtung der mittelslawischen Burg im Norden der späteren Luckauer Altstadt. Der Luckauer Schlossberg gehört zu den typischen Niederlausitzer Rundwällen, auch wenn das heute nicht mehr erkennbar ist. Unter meterhohen Auffüllungen befindet sich eine ursprünglich mittelslawische Befestigung, die in mittelalterlicher und nachmittelalterlicher Zeit stark verändert wurde. Beim Einbau eines Regenwasserschachtes wurden in 3 Metern Tiefe Reste der hölzernen Wallkonstruktion angetroffen.80 Die zugehörige Vorburgsiedlung wird nordwestlich des Walles vermutet und befindet sich eher nicht unter der Altstadt. Aufgrund der im Mittelalter und danach erfolgten dichten Bebauung sind Reste der slawischen Vorbesiedlung kaum zu erwarten. Ältere Siedlungsreste wurden 29

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