ISBN 978-3-95410-243-3
9 783954 102433
Lübben_1960-1989_Umschlag.indd Alle Seiten
26,– € [D]
Die Kleinstadt in der Niederlausitz wirkt dabei wie ein Brennglas, in dem sich die politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen der DDR-Zeit ablesen lassen.
BROILER · SCHWALBE · PLATTENBAU
Lübben in Bildern 1960 –1989
Junker, Mietk, Orphal (Hrsg.)
Dieser Band vermittelt ein lebendiges Bild von Lübben in den Jahren 1960 bis 1989. Über 370 zum Teil bislang unveröffentlichte Fotografien bieten Einblick in alle Lebensbereiche – von Kindheit und Schulzeit bis zum Alltag in den Betrieben, von Sport und Freizeit bis zum Wandel im Stadtbild, vom Konsum bis zur Inszenierung sozialistischer Vorstellungen.
BROILER – SCHWALBE – PLATTENBAU
Corinna Junker Thomas Mietk Christina Orphal (Hrsg.)
www.bebra-wissenschaft.de
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Corinna Junker · Thomas Mietk · Christina Orphal (Hrsg.)
BROILER – SCHWALBE – PLATTENBAU Lübben in Bildern 1960 –1989
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Einzelveröffentlichungen des Kreisarchivs Dahme-Spreewald, Band 6 Beiträge aus dem Schloss Lübben, Band 2
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar. Alle Rechte vorbehalten. Dieses Werk, einschließlich aller seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen, Verfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung auf DVDs, CD-ROMs, CDs, Videos, in weiteren elektronischen Systemen sowie für Internet-Plattformen. © be.bra wissenschaft verlag GmbH Berlin-Brandenburg, 2019 KulturBrauerei Haus 2 Schönhauser Allee 37, 10435 Berlin post@bebraverlag.de Lektorat: Katrin Endres, Berlin Umschlag und Satz: typegerecht, Berlin (Foto: Willi Reinke) Schrift: Compatil Pro Druck und Bindung: Finidr, Český Těšín ISBN 978-3-95410-243-3 www.bebra-wissenschaft.de
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INHALT
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GRUSSWORT
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BILDER AUS DER DDR – LÜBBEN 1960 BIS 1989
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»Vorwärts immer – Rückwärts nimmer« WANDEL IM STADTBILD
69
»Für Frieden und Sozialismus – seid bereit!« K INDHEIT UND SCHULZEIT
97
»Nimm ein Ei mehr« KONSUM, HO UND CO.
121
»Meine Hand für mein Produkt« BETR IEBE
157
»Jedermann an jedem Ort, einmal in der Woche Sport!« SPORT, FR EIZEIT UND FESTE
185
»Den Sozialismus in seinem Lauf hält weder Ochs noch Esel auf« AUF DEM LANDE
205
»Die Partei hat immer recht« SOZIALISMUS ALLGEGEN WÄRTIG
227
»Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben« AUFBRUCH IN DER SPR EEWALDSTADT
239
ABBILDUNGSNACHWEIS
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DANKSAGUNG
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GRUSSWORT
»Eine Chronik schreibt nur derjenige, dem die Gegenwart wichtig ist.« – Dieser Sinnspruch Johann Wolfgang von Goethes bringt die Motivation dieses Bandes prägnant auf den Punkt. Denn der in diesem Buch unternommene Blick zurück in die Zeit vor der Wende von 1989 soll dazu beitragen, uns der Gegenwart bewusst zu werden. Woran erinnern wir uns, wenn wir an die DDR zurückdenken? An gestreifte Fleischerhemden und Stoffbeutel mit Fransen, genannt »Assi-Beutel« … an das Konsum-Kontakt ring Einrichtungshaus … an die erste Neubauwohnung … an Schichten im Trikotagenwerk, in der Konserven- oder der Pappenfabrik … an Spreewaldfeste und an bergeweise Obst aus dem Schrebergarten … Oder sind unsere Erinnerungen eher geprägt von bitteren Erfahrungen mit wirtschaftlicher Stagnation und politischer Repression? Wer hat die Kreisdienststelle der Staatssicherheit in Lübben kennengelernt? Und waren die Veranstaltungen der Parteien und Massenorganisationen nicht lästige Pflicht? Die Antworten auf diese Fragen werden dazu beitragen, die gefühlte und gedachte Chronik unserer Stadt weiterzuschreiben. Wir brauchen dazu unsere Erinnerungen und wir brauchen die historische Aufarbeitung. Denn manchmal lassen uns unsere Erinnerungen im Stich – sie blenden Negatives aus und überhöhen Positives. Daraus ergeben sich unterschiedliche Sichtweisen für die Gegenwart. Und wenn ich auf diese Gegenwart hier in Lübben schaue, bin ich sehr dankbar dafür, dass wir mit diesem
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Buch auf die DDR als etwas Vergangenes blicken. Denn die Zeit nach der Wende war und ist eine Zeit, die wir alle aktiv mitgestalten konnten und können; eine Zeit, in der sich diese Stadt zu einem pulsierenden Kleinod im Spreewald entwickelt hat. Nach 1989 haben die Menschen, die in der DDR aufgewachsen sind, vieles ertragen müssen, was sie sich nicht hätten träumen lassen. Aber sie durften auch vieles erleben, woran vorher nicht zu denken war. So stellt dieser Band mit seinen vielen Fotografien unser Erinnerungsvermögen auf die Probe: Wie war es wirklich? Was war die Kehrseite der DDR? Und er vermittelt allen, die die DDR nicht miterlebt haben, unsere Zerrissenheit, wenn wir an das Land denken, in dem wir unsere Heimat hatten. Ich danke der Museumsleiterin Corinna Junker und ihren Mitarbeitern sowie Christina Orphal und dem Kreisarchivar Thomas Mietk sehr dafür, dass sie dieses Buch realisiert haben. Ich danke außerdem allen, die sich mit ihren persönlichen Fotos selbst eingebracht haben. Gewinnen Sie eine neue Perspektive auf die uns vermeintlich so bekannten Jahrzehnte! Und vor allem: Vermitteln Sie Ihre vielfältigen Sichtweisen all jenen, die diese Zeit nicht aus eigenem Erleben kennen!
Ihr Lars Kolan Bürgermeister der Stadt Lübben (Spreewald)
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BILDER AUS DER DDR LÜBBEN 1960 BIS 1989 Als vor gut 30 Jahren mit dem Fall der Berliner Mauer die deutsche Wiedervereinigung vollzogen wurde, bedeutete dies für die Bewohner Lübbens eine tiefe Zäsur in ihrem bisherigen Leben. Es zeigte sich, dass es der DDR-Führung nicht gelungen war, ihre Bürger vom hehren Ziel der Schaffung einer sozialistischen Gesellschaft zu überzeugen. Es bröckelte an allen Ecken und Enden im Staat und in der Stadt. Obwohl die Wirtschaft für den Weltmarkt produzierte, war sie weder den gegenwärtigen noch den zukünftigen Herausforderungen gewachsen. Weitaus schlimmer wog allerdings das Misstrauen der eigenen Bevölkerung gegenüber fast allen staatlichen Organen. Das Politbüro versuchte sprichwörtlich in letzter Minute, Reformen im eigenen Land durchzuführen und Vertrauen zu gewinnen. Die politische Führung erkannte die Zeichen der Zeit viel zu spät. Ein einfaches »Weiter so!« mit ein paar Korrekturen hier und dort reichte der Bevölkerung nicht mehr. Landesweit formierte sich der Protest auf der Straße und führte am 9. November 1989 zum Fall der Mauer. Nicht einmal ein Jahr später verschwand die DDR von der Weltkarte. Ein Staat hatte aufgehört zu existieren. Damals, in der Euphorie der Wendejahre, trauerten wohl nur die wenigsten diesem alten Staat nach, der über 40 Jahre lang ihr Leben geprägt hatte. Mit Beginn der 1990er Jahre blickten die Lübbener zunächst nach vorn. Sie wollten ankommen in der Bundesrepublik, trotz aller Herausforderungen und Probleme, die nun auf sie warteten. Die Versäumnisse der vergangenen Jahrzehnte sollten beseitigt und aus der grauen Stadt im Spreewald ein lebendiger Ort werden. Doch mit der Zeit wuchs das Bedürfnis nach einem Rückblick – auf die eigene Biografie, auf die Geschichte der Umgebung und deren unauflösliche Verbindung. Heute, fast 30 Jahre nach der Wende, fragen nicht nur die Kinder – zum Teil auch schon Enkelkinder –, wie es denn eigentlich hier aus-
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sah, damals, in der nun fernen DDR? Und vielfach stellt jeder Einzelne fest, dass die Erinnerungen verblasst sind, teilweise auch verklärt und einer Auffrischung benötigen. Aber auch historische Neugier und die anhaltenden Debatten zur DDR animieren dazu, sich mit diesem Staat, dem Alltag und der Gesellschaft immer wieder neu auseinanderzusetzen. Genau diesen Bedürfnissen und Interessen kamen in der Vergangenheit zwei Ausstellungen des Stadt- und Regionalmuseums Lübben nach. Nachdem im Jahr 2009 die Ausstellung »Rote Lippen soll man küssen!« ihren Fokus auf die 1960er Jahre gelegt hat, konzentrierte sich die Ausstellung »Zwischen Schrebergärten und Arbeitsbrigade« im Jahr 2018/19 auf die beiden letzten Jahrzehnte der DDR. Erstmalig wurden dabei in Zusammenarbeit mit dem Kreisarchiv Dahme-Spreewald Fotografien, Dokumente und Gegenstände der Alltagskultur der Öffentlichkeit präsentiert. Durch die Zusammenarbeit entstand die Idee, einen Bildband zu veröffentlichen, der den Wandel im Stadtbild Lübbens zeigt, aber auch das alltägliche Leben in der DDR. Die unzähligen Fotografien aus den Beständen des Stadt- und Regionalmuseums, des Kreisarchivs Dahme-Spreewald, aber auch der vielen privaten Leihgeber sollen dabei einen Einblick in die Strukturen, Besonderheiten und Alltäglichkeiten geben. Diese erscheinen heute mitunter kaum noch nachvollziehbar – spielen aber nach wie vor in der Öffentlichkeit eine enorme Rolle. In der Kleinstadt Lübben lassen sich die sozialistischen Vorstellungen und großen politischen Umbrüche der DDR-Zeit wie in einem Brennglas ablesen. Denn die Bilder spiegeln auch immer das Lebensgefühl ihrer Zeit wider. Dies regt zum Nachdenken, aber auch zum Schmunzeln an. Die vorliegende Dokumentation setzt mit den 1960er Jahren ein, dem Jahrzehnt, welches mit einem großen politischen Paukenschlag begann: dem Bau der Berliner Mauer im Jahr 1961. Nach den turbulenten Ereignissen des 17. Juni
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1953 und den anhaltend hohen Fluchtzahlen der Bevölkerung in Richtung Westen brachte sie für die SED die gewünschte innenpolitische Stabilität. Für die Lübbener bedeutete dies in erster Linie, dass alle Kontakte in den Westen abgebrochen waren. Für die, die hier blieben, hieß es nun, sich im Staat einzurichten – denn sofern nicht mit dem Gedanken der Flucht gespielt wurde, blieb nichts anderes übrig, als sich mit diesem Staat zu arrangieren. Interessant sind dabei die Bilder, die so typisch für den Alltag in der DDR waren und ihn bis zum Schluss prägten. Dazu gehören berufstätige Frauen, für die es selbstverständlich – aber auch unausweichlich – war, Berufstätigkeit mit Haushalt und Familie zu verbinden. Zwar war dies auf der einen Seite eine doppelte Belastung, auf der anderen Seite brachte es aber eine große Selbstbestimmung und Unabhängigkeit vom Ehemann mit sich. Ab den 1970er Jahren trat dann eine Generation in das Erwachsenenalter ein, die gar keinen anderen Heimatstaat als die DDR kannte. Die DDR war »ihr« Staat, in dem man geboren wurde, den Kindergarten und die Schule besuchte, eine Arbeit und Freunde fand und nicht zuletzt auch das private Glück. Durch die politische Propaganda war man sich noch sicher, im »besseren Teil« Deutschlands zu wohnen. Und viele sahen nicht zuletzt im »Experiment« der Schaffung einer sozialistischen Gesellschaft eine positive Form des Zusammenlebens. Nach einer scheinbaren politisch-kulturellen Öffnung in den 1970er Jahren und dem Grundgefühl eines Aufwärtstrends wurden sich die Lübbener nur ein Jahrzehnt später der politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse sowie der voranschreitenden Resignation im ganzen Land bewusst. Die Menschen arrangierten sich trotz alledem mit den Verhältnissen. Partei- und Massenorganisation prägten wie überall in der DDR das gesellschaftliche Leben. Auch die Staatssicherheit hatte ihre Kreisdienststelle in Lübben.
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Wer wollte, konnte ein gutes Leben im Privaten führen. Es entstand die sprichwörtliche »Idylle in Grau«, in der man sich trotz allem den staatlichen Zumutungen entziehen konnte. Ähnlich der Entwicklung in Westdeutschland – die es ja zu übertrumpfen galt – erhielt der Freizeitbereich auch in Lübben in den 1970er und 1980er Jahren einen immer größer werdenden Raum. Man fuhr in den Urlaub, machte Ausflüge mit Betrieben oder mit der Familie, zeigte sich in den verschiedenen Gesellschaften, Klubs oder Vereinigungen aktiv oder genoss einfach den Feierabend im eigenen Kleingarten, in dem man sich mit Nachbarn traf und ausgelassene Feste feierte. Auch wurde nach dem Motto »Jeder hilft jedem« versucht, den allgegenwärtigen Material- und Handwerkermangel zu umgehen. Und wer ganz viel Glück hatte, besaß einen Bungalow an einem See in der Umgebung. Auch Goyatz am Schwielochsee konnte – wenn vielleicht schon nicht die weite Welt – doch wenigstens einen Tapetenwechsel vom Arbeitsalltag bedeuten. Was der Bildband ebenfalls deutlich zeigt, ist die optische Veränderung in der Stadt. Wie im gesamten Land sollte Lübben das Gepräge einer sozialistischen Stadt erhalten. So baute man lange Wohnblöcke in der Lübbener Neustadt zwischen Lindenstraße und Geschwister-Scholl-Straße. Nach dem Ende der DDR standen gerade diese Blöcke exemplarisch für die Tristheit und Trostlosigkeit des ganzen Landes. Dennoch darf nicht vergessen werden, dass es erst mit dem Bau von Wohnblöcken gelang, die Wohnungsnot etwas abzumildern. Außerdem bot gerade eine Vollkomfort-Wohnung im Plattenbau ein höchst erstrebenswertes Ziel für den Lübbener. Es gab Fernwärmeheizung, Bad mit Toilette, Einbauküche und »Warmwasser aus der Wand«. Zu den heruntergekommenen Altbauwohnungen boten die Blöcke eine willkommene Alternative. Gepaart mit Ironie und spitzer Zunge fanden die Lübbener für die neuen sozialistischen Bauten bald ihre eigenen
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Namen: bei den Begriffen »Baumgasse« oder »Neumannsche Straße« müssen viele erst überlegen, doch wo das »Ghetto« ist, weiß jeder in Lübben. Einen großen Eingriff in die städtische Topografie stellten die Begradigung der Spree einschließlich der damit verbundenen Beseitigung des zweiten Flussarmes und der Spreeinsel – auch Pfaueninsel genannt – zwischen 1974 und 1976 dar. Mit dieser verschwand gleichzeitig die Klavierbrücke und die Brücke zwischen Wassergasse und der Insel der Jugend. Was die denkmalpflegerische Betrachtung der übrigen Altstadt anbetraf, so war es letztendlich nur dem Materialmangel geschuldet, dass größere Umgestaltungen und Abbrüche in den 1970er und 1980er Jahren ausblieben. Wie hätte Lübben heute wohl ausgesehen, wenn am Brückenplatz das geplante Verwaltungshochhaus entstanden wäre? Der Erhalt der letzten historischen Bausubstanz erstreckte sich lediglich auf einzelne Bauten. So wurde zumindest ab 1980 der Fokus auch auf die Restaurierung historisch wichtiger Gebäude gelegt. Das unumstrittene Highlight bei der Rekonstruktion von historischer Bausubstanz war die Sanierung des Kirchturms in den Jahren von 1986 bis 1988. Die allgemeinen Krisensymptome waren dennoch in der Stadt unübersehbar. Die politisch Verantwortlichen im Rathaus ließen sich bis Mitte 1989 trotzdem nicht von ihrem Kurs beirren. Aber auch ihnen blieb – entgegen allen öffentlichen Bekundungen – die ganze Dramatik der wirtschaftlichen und finanziellen Situation ihrer Stadt nicht verborgen. Im Prinzip blieb ihnen nichts anderes übrig, als den allgemeinen Mangel zu verwalten. Mit den Kommunalwahlen am 7. Mai 1989 – eigentlich ein propagierter Höhepunkt im 40. Jahr der DDR – begann im
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gesamten Land eine Bewegung, deren rasantes Tempo bald nicht mehr aufzuhalten war. Angetrieben von den Ereignissen rund um die »Perestroika« in der Sowjetunion schöpften die Lübbener die Hoffnung auf baldige Reformen und eine Verbesserung der Lebensverhältnisse in ihrer Stadt. Dass zum Ende des Jahres 1989 dann gleich der ganze Staat untergehen sollte, daran dachte im Frühjahr 1989 noch niemand. Der Lübbener Fotograf Willi Reinke, aus dessen Nachlass der Großteil der Bilder stammt, schaffte es, das Leben seiner Stadt auf einzigartige Weise einzufangen. Ein großes Dankeschön gilt außerdem den Fotografen und Leihgebern, die ebenfalls zur Gestaltung dieses Bildbandes beigetragen haben. Die Auswahl der in diesem Bildband publizierten Fotos kann nur Einblicke geben und nicht jede Erinnerung verbildlichen. Wir haben uns ganz bewusst dafür entschieden, die Fotografien in den Mittelpunkt zu stellen und nicht mit Texten zu überfrachten. Es ist dennoch wünschenswert, dass das Buch Anregungen zur weiteren Geschichtsforschung und Auseinandersetzung mit der eigenen Biografie gibt. Und ja: Auch wenn auf den Bildern fast überall ein Hauch von Armut und Mangel zu spüren ist und sich niemand mehr die damaligen Verhältnisse zurückwünscht, wird man diese Welt nicht ohne eine gewisse Melancholie betrachten können. Die in den Fotografien porträtierte vergangene Welt ist ein Teil der Stadtgeschichte und prägt die Identität der Bewohner Lübbens. Heute, wo Hektik und Betriebsamkeit den Alltag bestimmen, wirkt das Lübben der DDR-Jahre wie eine Idylle, in der es an vielem mangelte, aber Zeit, das heute so kostbar geschätzte Gut, im Überfluss zu geben schien. Und gehört es nicht zum Wesen der Idylle, nicht wirklich zu existieren, sondern lediglich der Sehnsucht einen Ort zu bieten?
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Stadtwirtschaftliche Dienstleistungen am Markt / Paul-Gerhardt-Kirche, 1974
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»Vorwärts immer – Rückwärts nimmer« WANDEL IM STADTBILD
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14 Wandel im Stadtbild
Blick vom Kirchturm zum Marktplatz, …
… zur Katholischen Kirche …
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Wandel im Stadtbild 15
… und auf die Kirchstraße, 1960er Jahre
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16 Wandel im Stadtbild
Telefonzelle an der Hauptstraße und Paul-Gerhardt-Kirche, 1960er Jahre
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Wandel im Stadtbild 17
Blick vom Kirchturm zur Gerichtsstraße und …
… zur Hauptstraße mit der Delphinen-Apotheke, dem Modehaus Werner Lehmann und dem Hotel »Goldener Löwe«, 1960er Jahre
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18 Wandel im Stadtbild
Hauptstraße, Ende der 1960er Jahre
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Wandel im Stadtbild 19
Geschwister-Scholl-Straße, Ende der 1960er Jahre
Bau des Wohnblocks in der Hauptstraße, 1960er Jahre
Rat der Stadt Lübben in der Bahnhofstraße, um 1960
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20 Wandel im Stadtbild
Poststraße mit Kino und Kontakt-Kaufhaus, 1970er Jahre
Stadtwirtschaftliche Dienstleistungen am Markt, 1975
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Wandel im Stadtbild 21
Hauptstraße, 1960er Jahre
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Schloss und Schlossturm, Ende der 1960er Jahre
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Wandel im Stadtbild 2 3
Blick über den Marktplatz zum Kino, 1960er Jahre
Kino und Bank für Handwerk und Gewerbe, 1960er Jahre
Berliner Straße, 1965
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24 Wandel im Stadtbild
Bau des Kontakt-Kaufhauses, A nfang der 1970er Jahre
Brückenplatz mit der Gasse Hinter der Mauer und dem HO-Kaufhaus »Nanett« (Abriss Januar 1974)
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Wandel im Stadtbild 25
Kontakt-Kaufhaus am Brückenplatz, 1970er Jahre
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Brückenplatz, 1960er Jahre
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Wandel im Stadtbild 27
Insel der Jugend, 1960er Jahre
Stadtmauer mit Trutzer, 1960er Jahre
Hinter der Mauer, 1960er Jahre
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28 Wandel im Stadtbild
Blick von der Spree zum Brückenplatz, 1960er Jahre
Blick von der Spree zum Hexenturm und sogenannten Brauhaus, 1960er Jahre
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Wandel im Stadtbild 29
Kahnfahrt auf der Spree, 1960er Jahre
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Hauptstraße in Richtung Brückenplatz. Auf dem Brückenplatz setzen Angehörige der sowjetischen Streitkräfte ein amerikanisches Militärfahrzeug fest, 1970er Jahre
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Wandel im Stadtbild  31
Beseitigung der Pfaueninsel im Zuge der Spreeregulierung, 1974
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