12
Bezirk Affoltern
Dienstag, 25. November 2025
Volksaufstand in Knonau und Wädenswil Denkmäler im Bezirk Affoltern (2): Das Freiheitsdenkmal ein Übergreifen der Unruhen auf ihre Landschaft befürchtete, entsandte sie Truppen in die Zürcher Herrschaft, die auch Frauen und Kinder angriffen, um die Landleute zu demoralisieren. Diese Übergriffe verfehlten ihre Wirkung nicht: 49 Gemeinden liessen sich entwaffnen, darunter Aeugst, Affoltern, Bonstetten, Knonau, Mettmenstetten, Ottenbach und Rifferswil. Der Gerichtspräsident Jakob Schneebeli und Heinrich Häberling aus Knonau wurden zusammen mit Jakob Willi und Jakob Kleinert aus der Herrschaft Wädenswil in einem Schnellverfahren zum Tod verurteilt und umgehend hingerichtet.
Bernhard Schneider Auf dem Bahnhofplatz Affoltern steht zwischen dem Gasthof Löwen und der Zürcher Kantonalbank ein Obelisk: das Freiheitsdenkmal von 1876, das an die geköpften Anführer des Bockenkriegs von 1804 erinnern soll. Der blutig unterdrückte Aufstand war zwar erfolglos und dennoch ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Gleichstellung der Bevölkerung von Stadt und Land. Drei Jahrzehnte nach ihrer Hinrichtung wurden sie als Märtyrer geehrt.
Vorgeschichte des Bockenkriegs Das Gedankengut der Französischen Revolution fand in den 1790er-Jahren auch Anhänger in der Landschaft, namentlich in den Landvogteien Knonau und Wädenswil sowie in der Obervogtei Stäfa, vor allem bei wohlhabenden Bauern, Müllern und Wirten. In der 1793 gegründeten Lesegesellschaft zum See in Stäfa trafen sich Männer der ländlichen Oberschicht, um in einem Memorial die Gleichstellung von Stadt und Landschaft zu fordern. Die städtische Obrigkeit bekam Wind davon und entsandte im Sommer 1795 ein 1400 Mann starkes Heer nach Stäfa, das die Gemeinde besetzte und die mutmasslichen Anführer verhaftete. Der fragliche Entwurf des sogenannten Stäfner Memorials war zwar auch in der Landvogtei Knonau zirkuliert, doch der hiesige Landvogt war auf Ausgleich mit der Bevölkerung bedacht. Deshalb empfahl er der Freiamtsgemeinde gleich
Von Tätern zu Helden
Ironie des Schicksals: Die Zehntablösung, die zum Bockenkrieg geführt hatte, zog einen enormen Geldbedarf der Grundbesitzer nach sich und trug damit wesentlich zum Aufbau der Banken bei. Das Freiheitsdenkmal steht zwischen der Kantonalbank und dem Bahnhof. (Bilder Bernhard Schneider) selbst, das höchste Amt, das ein Mann aus der Bevölkerung innehaben konnte, dasjenige des Freiamtshauptmanns, mit Johannes Näf, einem moderaten Oppositionellen, zu besetzen. Näf wurde ge-
wählt und die Landvogtei Knonau blieb ruhig. 1798 marschierten französische Truppen in Zürich ein. Um sich mit den Franzosen gut zu stellen, entliess Zürich die verhafteten Stäfner umgehend in die Freiheit, worauf diese in einem Triumphmarsch nach Hause zurückkehrten. Doch die Franzosen lösten ihre Versprechungen nicht ein. Insbesondere setzten sie weder die Aufhebung der Zehnten noch die Gleichstellung von Stadt und Land in der Herrschaft Zürich durch. Um die eroberten Gebiete zu befrieden und mehr Truppen für seine weiteren Feldzüge einsetzen zu können, arrangierte sich Napoleon mit den alten Führungsfamilien und erliess 1803 die Mediationsverfassung, die formell die frühneuzeitlichen Verhältnisse wiederherstellte.
Zehntablösung und Krieg
Alles ist eine Frage der Optik. 1804 wurden Willi, Schneebeli, Häberling und Kleinert als Täter hingerichtet, 1875 als Helden geehrt: «Die Patrioten von 1804 kämpften für Freiheit und Recht», lautet eine der vier Inschriften auf dem Denkmal.
Gemäss Mediationsverfassung mussten die Zehnten, welche die Landbevölkerung seit Jahrhunderten ohne Gegenleistung abzuliefern hatte, mit dem Fünfundzwanzigfachen der durchschnittlichen Abgabe abgelöst werden. Faktisch musste jede Parzelle somit ein
zweites Mal erworben werden. Die städtische Obrigkeit wies praktisch alle Bittschriften auch um kleinste Erleichterungen ab. Ein Brandanschlag am 24. März 1804 auf das leer stehende Landvogteischloss Wädenswil gab das Signal zum
«Vier Männer wurden in einem Schnell verfahren zum Tod verurteilt und umgehend hingerichtet.» Aufstand. Als drei Tage später zwei Stadtzürcher Offiziere in der Affoltemer «Krone» auftauchten, um Freiwillige für die Regierungstruppen zu rekrutieren, liess sie der Gerichtspräsident Jakob Schneebeli kurzerhand verhaften und unter Arrest stellen. Ein Zürcher Dragonertrupp befreite sie tags darauf, während die städtischen Truppen gleichentags beim Bocken oberhalb von Horgen eine Niederlage gegen die aufständischen Landleute erlitten. Da die ebenfalls aristokratisch geführte Stadt Bern
Im Jahr 1875 publizierte der Ämtlerverein in Zürich eine Schrift über «den sogenannten Bockenkrieg» zum Andenken an «die als Märtyrer gefallenen» vier 1804 geköpften Männer. Das erste Anliegen bestand darin, ihre Gebeine von der gemeinen Richtstätte in geweihte Erde zu überführen. Ohne die Kenntnis von DNA-Analysen dürfte es schwierig gewesen sein, die richtigen Knochen zu finden, doch zumindest symbolisch wurden sie am 25. April 1875, anlässlich ihres 71. Todestags, in Aussersihl «auf dem Friedhofe St. Jakob in feierlicher Weise» beerdigt. Der Verkauf der Schrift wurde eingesetzt für die Errichtung eines Denkmals, «dessen Ausführung einem bewährten Künstler übergeben werden soll». Ergänzt wurde die Summe durch eine Geldsammlung und einen Beitrag des Kantons Zürich von 500 Franken. Insgesamt kamen so 2200 Franken zusammen. Wer das Denkmal gestaltete und was aus dem Ämtlerverein anschliessend wurde, ist unbekannt. Die einzige Erwähnung des Vereins, die über die Broschüre zum Bockenkrieg und die Stiftung des Obelisken hinausgeht, ist ein Hinweis in der «Neuen Zürcher Zeitung» vom 28. Juli 1872, der Ämtlerverein sei am kantonalen Sängertag in Aussersihl aufgetreten. Das Denkmal wurde am 1. Oktober 1876 eingeweiht und steht bis heute an prominenter Lage in Affoltern.
In dieser Serie stellt der «Anzeiger» Denkmäler aus der Region vor und erklärt ihre Bedeutung. (red)
BUCH-TIPP
Update aus Knonau
«Stromlinien» Katrin tandler, BiBliotheK hauSen Die Autorin Rebekka Frank wurde 1988 in Kassel geboren und wuchs auf dem Land zwischen Wiesen und Wäldern auf. Nach ihrem Studium der Theaterwissenschaft und Ger- Kathrin Tandler. manistik zog sie in die Grossstadt, doch die Natur blieb ihre wichtigste Inspirationsquelle. Heute lebt sie mit ihrer Familie in Nordhessen und thematisiert in ihren Büchern die Verbindung zwischen Mensch und Natur sowie die Geheimnisse, die unser Leben prägen. Im Roman «Stromlinien» wohnen die 17-jährigen Zwillinge Enna und Jale bei ihrer Oma Ehmi in den Elbmarschen. Schon lange zählen die Teenager die Tage
herunter, bis ihre Mutter aus dem Gefängnis entlassen wird. Warum sie dort seit vielen Jahren einsitzt, wissen die beiden nicht. Doch am Tag der Entlassung kommt alles anders als gedacht: Jale ist verschwunden und Enna erfährt, dass ihre Mutter schon seit zwei Wochen auf freiem Fuss ist. Enna macht sich auf die Suche nach Jale und will herausfinden, warum ihre Mutter so lange im Gefängnis war. Allerdings stösst sie je länger je mehr auf Widerstände. Ihre Oma mit ihrem sehr eigenen, sparsamen Wortgebrauch ist kaum eine Hilfe. Unerwartet erhält sie Unterstützung von Luca, dem sie jedoch anfangs auch kaum über den Weg traut. Dieser ist aber ein begeisterter Tiktoker und erreicht damit mehr, als sich Enna vorstellen konnte. Immer wieder flüchtet sie mit ihrem Boot «Sturmhöhe» auf den Fluss, treibt zwischen einsamen Elbinseln und dem stark befahrenen Elbkanal herum. Dort geben ihr die Vögel dieser Naturparadiese die Ruhe zurück, die
sie braucht, um all die Fragen und Ungereimtheiten zu sortieren und zu verarbeiten. «Stromlinien» ist weit mehr als ein Roman über ein Familiengeheimnis – es ist eine tiefgründige Geschichte über Verantwortung, Zugehörigkeit, die Auswirkungen unserer Entscheidungen und Schuld, die über Generationen noch auf der Familie lasten. Ich selbst habe den Roman zuerst wegen des Covers in die Hand genommen – die Stromlinien darauf haben mich fasziniert. Bald schon konnte ich das Buch kaum mehr aus den Händen legen. Obwohl ich eigentlich nicht Fan von genauen Naturbeschreibungen bin, meinte ich oft, den Duft von Schlamm und Fluss zu riechen. Auch die Bezeichnung «Altes Land» hat mich interessiert. Ich wusste vorher nicht, dass damit eine Landfläche an der Elbe gemeint ist, welche schon seit dem Mittelalter zur Landgewinnung entwässert wurde. Heute ist es ein riesiges Obstanbaugebiet.
«Stromlinien» von Rebekka Frank. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2025. (Bilder zvg)
Folgende Entwicklungen haben sich im Projekt «Neue Sporthalle und Tagesstrukturen Knonau» ergeben: Gemeinsam mit den Nutzervertretern aus unseren Sportvereinen, der Schule und der Tagesbetreuung wurden Workshops durchgeführt, um die einzelnen Räume betreffend Ausstattung und Einrichtungen zu prüfen. Die wertvollen Inputs wurden in die Raumbücher der Sporthalle und der Tagesstrukturen integriert. Ausserdem traf sich die Jury zur Bewertung der Bewerbungen der Präqualifikation. Einstimmig entschied sie sich für die besten sechs Bewerbungen und sagte diesen für die nächste Stufe zu. Die sechs Dienstleister erarbeiten nun ihre Vorschläge bis zum 2. Februar 2026, welche die Jury am 26. Februar bewertet und die drei besten für die finale Stufe auswählt. Der Prozess erfolgt anonym. Gemeinderat Knonau