CH Regionalmedien AG I Anzeiger aus dem Bezirk Affoltern I Obere Bahnhofstrasse 5 I 8910 Affoltern am Albis I Telefon 058 200 5700 I www.affolteranzeiger.ch I Auflage 27 155 I AZ 8910 Affoltern a. A. I Post CH AG
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AUS DEM BEZIRK AFFOLTERN I Nr. 53 I 177. Jahrgang I Freitag, 14. Juli 2023
Landabtausch
Der Gemüseproduzent Roland Moser tauscht für Ausgleichsmassnahmen Land ab. > Seite 5
Rücktritt
Der Wettswiler Gemeinderat Traugott Trachsler hat seine Demission eingereicht. > Seite 9
Nachruf
Jean Gut-Binzegger hatte sich über Jahre in Knonau für Gemeinde und Vereine eingesetzt. > Seite 10
24 Stunden
Die Bezirks-Jugendfeuerwehr war für eine grosse Übung am Tag und in der Nacht im Einsatz. > Seite 11
Stadt-Personal soll weniger arbeiten für denselben Lohn Trotz Finanzausgleich: Stadtrat Affoltern plant für seine Angestellten die 38-Stunden-Woche Ab dem 1. April 2024 soll für rund 350 Mitarbeitende die 38-Stunden-Woche gelten. Der Schritt kostet die Stadt 2,3 Millionen Franken im Jahr. Kann sie sich das leisten?
Als Arbeitgeberin attraktiver werden Die Stadt begründet diesen Schritt mit fehlenden Fachkräften: «Der Personalmangel ist phasenweise sehr akut», erklärt Stadtpräsidentin Eveline Fenner auf Anfrage. Gerade in der Pflege und in der Verwaltung hat die Stadt zunehmend Mühe, Mitarbeitende zu rekrutieren. Selbst Springerfirmen fehle passendes Personal. Qualifizierte Fachleute würden indes benötigt, mit Blick auf die Digitalisierung, das erwartete Bevölkerungswachstum und das immer komplexer werdende öffentliche Recht. Durch die attraktiveren Arbeitsbedingungen erhofft sich die Stadt, dass die Fluktuation sinkt, indem die Mitarbeitenden ihrer Arbeitgeberin länger die Treue halten. Weiter erhofft man sich, mit der besseren Work-Life-Balance auch die jüngere Generation anzusprechen und Vakanzen schneller
Trotz 400 Wurstsorten in der Schweiz bleiben Bratwurst und Cervelat die Favoriten. > Seite 13
Medaillensegen für die LV Albis Insgesamt 25 Medaillen hat der Ämtler LeichtathletikNachwuchs an regionalen und kantonalen Meisterschaften erkämpft. Der Nachwuchs der LV Albis gehört zu den Besten im Kanton, allen voran Steve Mbeng Nji. Er wurde in der ersten Saisonhälfte Regionalmeister Ostschweiz im Weitsprung und über 600 Meter, im Kugelstossen gewann er Silber. An den Kantonalen Einkampfmeisterschaften ging er in fünf Disziplinen an den Start und konnte sich jedes Mal eine Medaille umhängen lassen: Gold holte er im 60m Sprint, im Weitsprung und über 600m, Silber über die 60m Hürden und Bronze im Kugelstossen. Je einen kompletten Medaillensatz erkämpften sich auch Ciara Wicki und Larissa Utzinger. Hinter diesen drei Leistungsträgern hat sich eine Breite gebildet, die auf kantonaler Ebene an der Spitze mithalten kann – und für die Zukunft einiges erhoffen lässt. Nun steht aber erst mal die Sommerpause an. (red.)
von livia häberling Bis anhin galt für das Personal der Stadt Affoltern eine 42-Stunden-Woche. Das soll sich bald ändern: Wie die Stadt in einer Mitteilung schreibt, plant der Stadtrat, die Arbeitszeit seines Personals um vier Wochenstunden zu senken. Das heisst: Angestellte sollen neu nur noch 38 Stunden arbeiten müssen – für denselben Lohn. Die Einführung ist per 1. April 2024 geplant. Von den zirka 500 Mitarbeitenden werden 350 Personen von den neuen Arbeitsbedingungen profitieren; darunter Mitarbeitende des Pflegeheims und der Spitex Seewadel, des Werkhofs, der Bibliothek oder der Stadtpolizei. Ausgenommen sind die rund 150 Lehrpersonen der Primarschule, die nicht dem kommunalen Personalrecht, sondern dem kantonalen Lehrpersonalrecht unterstehen.
Es geht um die Wurst
> Bericht auf Seite 21 «Arbeitgeberattraktivität hat ein Preisschild», sagt Stadtpräsidentin Eveline Fenner. (Bild Livia Häberling) besetzen zu können. Die Senkung der Wochenarbeitszeit sei allerdings nur ein Teil von einem «Strauss an Massnahmen», den die Stadt beschlossen habe, um in Zukunft die passenden Mitarbeitenden finden und halten zu können, so Fenner.
Interne Vernehmlassung läuft Das Personalreglement, das die Änderung möglich macht, befindet sich zur Zeit in der internen Vernehmlassung. Weil Änderungen in der Kompetenz des Stadtrats liegen, erhält die Stimmbevölkerung kein Mitspracherecht. Sobald es definitiv beschlossen ist, will die Stadt mit der Umsetzung beginnen. Sie geht davon aus, dass Teilzeitmitarbeitende ihr Pensum erhöhen und die gleiche Anzahl Stunden arbeiten werden wie bisher. «Andererseits wird aber auch zusätzliches Personal angestellt werden müssen», heisst es in der Mitteilung. Als dritte Flexibilisierungsmassnahme werde man Vollzeitbeschäftigten anbieten, ihr Pensum zwischen 38 und 42 Stunden zu wählen. Ihren
heutigen Lohn erhalten sie bei 38 Stunden; arbeiten sie mehr, werden die Zusatzstunden extra vergütet. Gleichzeitig zur Reduktion der Arbeitszeit hat der Stadtrat die Teilrevision der Personalverordnung beschlossen. Dort seien «kleinere Anpassungen» geplant, sagt Eveline Fenner. So sollen Mitarbeitende neu zum Fünf-JahresJubiläum ein Dienstaltersgeschenk erhalten. Die überarbeitete Personalverordnung wird am 22. Oktober an der Urne dem Stimmvolk vorgelegt.
Mehrkosten nicht im Detail bezifferbar Die Einführung der 38-Stunden-Woche bei gleichem Lohn wird die Personalkosten der Stadt Affoltern voraussichtlich um 9,5 Prozent ansteigen lassen. Die Stadt rechnet mit zusätzlichen, jährlich wiederkehrenden Brutto-Kosten von rund 2,3 Millionen Franken. Einen Teil dieser Ausgaben – Fenner spricht von mehreren hunderttausend Franken – will die Stadt durch eine höhere Arbeitgeber-Attraktivität wieder einsparen: einerseits durch weniger
Fluktuation und Folgekosten, anderseits durch weniger Springer-Personal. Diese temporären Arbeitskräfte hätten allein im Jahr 2022 Kosten von rund 1,2 Millionen Franken verursacht. Wie hoch die Mehrkosten durch die Senkung der Arbeitszeit unter dem Strich ausfallen, könne man aktuell noch nicht seriös beziffern, so Fenner. Im kantonalen Finanzausgleich zählt die Stadt Affoltern zu den Topzehn der Nehmergemeinden. Im kommenden Jahr wird sie voraussichtlich knapp 20 Millionen erhalten (fünf Millionen mehr als 2023). Kann sie sich derartige Mehrkosten im Personalaufwand leisten? Eveline Fenner sagt, der Stadtrat sei sich der angespannten Finanzlage bewusst, «doch Arbeitgeberattraktivität hat ihren Preis und diesen deklarieren wir jetzt». Letztlich sei es jeder Gemeinde selber überlassen, welche Ziele sie mit den vorhandenen Mitteln umsetze. Solange man Gelder erhalte, werde man diese möglichst sinnvoll einsetzen. «Der Schritt ist eine Investition in die Menschen, die für uns arbeiten.»
Asylzentrum mit 40 Personen belegt
Pfarrerin kehrt nach Schweden zurück
Wegen der Erhöhung der Asyl-Aufnahmequote im Juni im Kanton Zürich haben die Gemeinden Obfelden, Ottenbach, Hausen und Mettmenstetten eine gemeinsame Lösung zur Unterbringung von Flüchtlingen gesucht. Mit der Zivilschutzanlage Brunnmatt in Obfelden ist seit Anfang Mai eine temporäre Lösung in Betrieb. Aktuell sind 40 Männer aus Afghanistan in der Anlage untergebracht. Es wird selbst gekocht und auch für Ordnung muss selbst gesorgt werden. Die
Nach gut fünf Jahren als Pfarrerin von Obfelden und darüber hinaus drei Jahren als Dekanin kehrt Eva Eiderbrant dem Säuliamt den Rücken. Das Amt als Dekanin hat sie bereits im Mai an Matthias Ruff, Pfarrer in Wettswil, übergeben. Ihre Nachfolge in Obfelden tritt ab August Jochenina van Ek an, vorübergehend und ebenfalls in einem 80-Prozent-Pensum, so Kirchgemeindepräsidentin Samantha Böhlen. Dies im Rahmen einer Stellvertretung, bis die definitive Nachfolge bestimmt ist.
Flüchtlinge beschäftigen sich intensiv mit dem Deutschlernen. Fünf Mal pro Woche wird ein Sprachkurs besucht. Die viele freie Zeit wird auch zum Sporttreiben genutzt. Neben freiwilligen Betreuungspersonen aus der Bevölkerung werden die 20- bis 40-jährigen Männer auch von der Jugendarbeit O2 unterstützt. Betriebsleiter Primus Kaiser ist aktuell zufrieden wie es läuft. Grössere Probleme sind ihm keine bekannt. (dst)
> Bericht auf Seite 3
Am Sonntagmorgen feiert nun also Eva Eiderbrant ihren Abschiedsgottesdienst mit viel Musik. Und nach einem Apéro wird sie noch gleichentags nach Schweden abreisen, wo ihr Mann bereits seit April arbeitet, wie sie im «Anzeiger»Interview verrät. An Obfelden habe sie geschätzt, wie man mit engagierten Leuten unbürokratisch etwas auf die Beine stellen kann. «Das werde ich sicher vermissen.» (tst.)
> Interview auf Seite 9
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