CH Regionalmedien AG I Anzeiger aus dem Bezirk Affoltern I Obere Bahnhofstrasse 5 I 8910 Affoltern am Albis I Telefon 058 200 5700 I www.affolteranzeiger.ch I Auflage 27 155 I AZ 8910 Affoltern a. A. I Post CH AG
AUS DEM BEZIRK AFFOLTERN I Nr. 47 I 177. Jahrgang I Freitag, 23. Juni 2023
Energieregion auf Kurs Junge Forscher
Ein Drittel des Ämtler Strom- und Wärmebedarfs kommt aus hiesigen erneuerbaren Quellen. > Seite 7
Zwei Naturwissenschafts-Talente aus dem Säuliamt wurden ausgezeichnet. > Seite 8
Zahnfee im Paradies
Daniela Frey arbeitet in Affoltern und hilft Kindern in der Karibik beim Zähneputzen. > Seite 9
Metal-Volkslied
Die Ämtler Metalband Wazzara hat das bekannte «Guggisberglied» neu interpretiert. > Seite 10
Ehemaliger FCA-Trainer kassiert Sperre wegen verbaler Belästigung Disziplinarkammer des Schweizer Sports sanktioniert Ex-Trainer der FC-Affoltern-Frauen Fussballtrainer A. darf wegen verbaler sexueller Belästigung für mindestens zwei Jahre keine Frauenteams mehr trainieren. Eine Ex-Spielerin zeigt sich über das Urteil zufrieden. Derweil bangt A. um seinen Ruf. von livia häberling und luc müller Die Geschichte hatte im Februar 2022 medial für Wirbel gesorgt: Der damals 64-Jährige A. trainierte in Affoltern die erste Mannschaft der Frauen. Sportlich gab es Erfolge zu feiern, gemeinsam meisterte man den Aufstieg in die erste Liga. Doch zwischenmenschlich haperte es: A. hatte offenbar andere Vorstellungen davon, was in einer professionellen Trainer-Spielerinnen-Beziehung angemessen ist. Mehrfach äusserte er sich verbal und in Chatnachrichten in einer Art und Weise, die für seine Fussballerinnen deutlich zu weit ging: Einer Spielerin schrieb A., dass er oft an sie denke und von ihr träume. Einer zweiten bot er an, ihren Bluterguss auszumassieren. Einer dritten schickte er animierte TierPiktogramme mit Herzchen-Augen und schrieb hinterher, da sei er «aber so was (von) auf die falsche Taste gekommen». Und einer vierten bot er an, ihn kostenlos nach Las Vegas zu begleiten – und mit ihm das Zimmer zu teilen. Mehrere Spielerinnen fühlten sich dadurch sexuell belästigt, er dagegen wollte seine Sprüche nicht als Avancen verstanden wissen. Er tat sie als «Spässe» ab. Die Kapitänin ermahnte ihn mehrfach, dann wandte sie sich an den Vereinsvorstand. Dieser meldete die Vorkommnisse schliesslich bei Swiss Sport Integrity (SSI), die Ethikverstösse im
Sport ahndet und sanktioniert. Ob angemessen und genügend zeitnah gehandelt wurde, darüber waren sich der Vorstand und die Frauen nicht einig. Und weil es bereits in der Vergangenheit Differenzen gegeben hatte, trat die grosse Mehrheit des 1.-Liga-Frauenteams aus dem FC Affoltern aus.
Zwei Jahre Sperre und ein psychologisches Verhaltenstraining Im Dezember 2022 fand in Anwesenheit des beschuldigten Trainers und von Swiss Sport Integrity die mündliche Verhandlung statt. Zuvor hatte es zahlreiche Befragungen der Spielerinnen gegeben, zudem waren Dokumente gesichtet worden. Am Dienstag nun veröffentlichte Swiss Sport Integrity das Urteil der Disziplinarkammer (DK): Darin wird der Trainer der «Verletzung der sexuellen Integrität» schuldig gesprochen. Gemeint sind damit die erwähnten mündlichen Anzüglichkeiten. Gemäss Ethik-Statut ist die sexuelle Integrität beispielsweise verletzt, wenn Bemerkungen über körperliche Vorzüge gemacht oder obszöne, sexistische Redensweisen gebraucht werden Für A. heisst das: Er muss zu einem psychologischen Verhaltenscoaching antraben, um den angemessenen Umgang mit Athletinnen zu üben. Bis er die 20 Lektionen absolviert hat, darf er nicht mehr als Mädchen- oder Frauentrainer arbeiten. Hat er den Nachweis vollbracht, wird seine Sperre im Dezember 2024 aufgehoben. Zudem wurde A. dazu verknurrt, die Verfahrenskosten und eine Parteientschädigung von insgesamt 2250 Franken zu berappen. Eine Ex-Spielerin der betroffenen Mannschaft zeigt sich gegenüber dem «Anzeiger» erleichtert über das Urteil:
«Der Entscheid bestätigt uns, dass es richtig war, die Vorkommnisse zu melden. Nur so können andere Frauen und Mädchen vor ähnlichen Erfahrungen bewahrt werden.» Die Spielerin sagt, im ersten Moment sei ihr die zweijährige Sperre als etwas milde erschienen. Von den Frauen, die anlässlich des Verfahrens befragt worden waren, hatte sie bereits im Frühling vom Urteil erfahren. Mit etwas zeitlichem Abstand erscheinen ihr die Sanktionen heute als angemessen. «Gerade, wenn man bedenkt, dass es im Bereich sexueller Belästigung noch weitaus schlimmere Fälle gibt.»
Trainer: «Habe falsche Dinge gesagt, aber bin kein Sex-Grüsel» Nicht so versöhnlich mit dem Entscheid der Disziplinarkammer zeigt sich Trainer A. Nach den Vorfällen im Februar 2022 hatte er sich nach eigenen Angaben in psychiatrische Behandlung begeben müssen. Nun sieht er sich in dieser Angelegenheit erneut komplett missverstanden. Zwar räumt er am Telefon Fehler ein: «Was ich zu den Spielerinnen gesagt habe, hätte ich nicht sagen sollen», allerdings fühlt er sich für diese verbalen Entgleisungen deutlich zu hart bestraft. Zu knabbern hat er insbesondere damit, dass die untersuchungsführende Swiss Sport Integrity eigentlich ein eher mildes Urteil für ihn vorgesehen hatte; das die Disziplinarkammer anlässlich der Verhandlung im Dezember 2022 dann deutlich verschärfte. Sie erhöhte die Anzahl der Coaching-Stunden von 10 auf 20 und brummte ihm eine fixe zweijährige Sperre auf. Mit den Sanktionen der SSI hätte er bereits nach Absolvieren des Coachings wieder trainieren dürfen. Momentan habe er zwar kein Bedürfnis, die Trainer-
tätigkeit wieder aufzunehmen, doch durch die Sperre fühlt er sich übermässig stigmatisiert: «Wer hört, dass ich wegen Verletzung der sexuellen Integrität schuldig gesprochen wurde, weiss nicht, was das genau bedeutet. Ja, ich habe falsche Dinge gesagt, doch deshalb bin ich noch längst kein Sex-Grüsel.»
FC Affoltern: «Ethik-Verstösse umgehend melden» Swiss Sport Integrity untersuchte im Zusammenhang mit den Verstössen des ExTrainers auch die Strukturen und Prozesse innerhalb des Vereins und prüfte, ob die Meldepflicht bezüglich der Missstände eingehalten wurde. Im Januar 2023 gab SSI bekannt, dass dieses Verfahren eingestellt wurde. Der Vorstand des FC Affoltern war somit entlastet: Er hatte nicht gegen die Meldepflicht verstossen. Welches Fazit zieht der FCA nach Abschluss des Falls? «Gerne hätten wir schon in der Vergangenheit für unser AktivFrauenteam eine Trainerin engagiert. Die Realität zeigt aber, dass es schlichtweg noch nicht genügend Frauen gibt, die sich auf Stufe Breitensport als Trainerinnen für den Frauenfussball zur Verfügung stellen», sagt Michael Romer, Co-Leiter Finanzen FCA. Zudem ruft er Sportvereine dazu auf, erkannte Ethik-Verstösse umgehend Swiss Sport Integrity zu melden, wie dies der FCA getan habe. Das würde helfen, dank dieser offiziellen Stelle keine fehlbaren Coaches zu engagieren. Auf die Saison 2023/24 wird der FCA wieder ein Frauen-Team in der Kategorie Aktive anmelden, das in der 4. Liga startet. Das Team wird von Spielerinnen der Juniorinnen A+ gestellt, das seit Jahren von einer Trainerin betreut wird, die im letzten Jahr eine Frau als Assistentin erhalten hat.
Post Affoltern eröffnet im Oktober neu Was Kundinnen und Kunden zur umgebauten Filiale am Bezirkshauptort wissen müssen
«Fluechbach»
In der Serie «Ortsnamen» geht es diesmal um Bezeichnungen nach Gestein und Boden. > Seite 11
Lilienberg in Festlaune Mangelnde Betreuung und verlotterte Infrastruktur – letztes Jahr musste sich die Asyl-Organisation Zürich (AOZ) schwerwiegende Vorwürfe anhören zur Art und Weise, wie sie das Zentrum für unbegleitete minderjährige Asylsuchende in Affoltern betreibt. Zu Recht, wie Regula Ruflin, Verwaltungsratspräsidentin der AOZ am Samstag unumwunden zugab. Noch nicht gelungen ist die angestrebte Senkung der Belegungszahlen. Doch sonst hat sich in der Zwischenzeit einiges getan. Der Personalbestand wurde aufgestockt, die Räumlichkeiten mit dem grössten Bedarf saniert. Dass sich der «Lilienberg» nun wieder vorzeigbar präsentiert, davon konnten sich Interessierte am öffentlichen Fest vom Samstag selbst ein Bild machen. (tst.)
> Bericht auf Seite 5
Kappel braucht mehr Schulraum Entgegen den Vorgaben des Kantons wächst die Gemeinde Kappel überdurchschnittlich. Mit den heutigen Bauzonen könnte sie sich von aktuell 1321 auf 3200 Personen erweitern. Für die Schule, die acht Klassen zählt, würde dies eine Ausweitung auf 18 bis 19 Klassen bedeuten. Allerdings ist der Schulraum bereits heute derart knapp, dass mit erheblichem personellen Aufwand improvisiert werden muss. Die Schulpflege hat daher bei den Architekten Thomas Frick und Mike Weber eine Studie in Auftrag gegeben, um das Problem langfristig anzugehen. Am Dienstag stellte die Schulpflege ihre Strategie vor. (red.)
> Bericht auf Seite 7 ANZEIGEN
4. Juli Affoltern am Albis
«PaarSession» Jetzt anmelden: paarimpuls.ch
Ein Angebot der Paarberatung & Mediation im Kanton Zürich
In den vergangenen Jahren hat die Schweizerische Post ihr Filialnetz Stück für Stück ausgedünnt. Der Bezirk Affoltern blieb davon nicht ausgenommen: Bis Anfang 2010 hatte jede Gemeinde ausser Maschwanden ihre eigene Poststelle. Heute gibt es im Säuliamt noch zwei Postfilialen: in Affoltern und in Mettmenstetten. Nun wird der Standort am Bahnhofplatz in Affoltern seit Mitte März umgebaut. Aber was heisst das genau? Wo befindet sich die neue Filiale, müssen Kundinnen und Kunden einen Leistungsabbau hinnehmen? Und weshalb vermietet die Schweizerische Post im selben Gebäude neustens Gewerbeflächen? Der «Anzeiger» hat nachgefragt. (lhä)
> Fragen und Antworten auf Seite 13
50025 Am Ende dieser Einfahrt befindet sich das Provisorium. Nebenan (nicht im Bild) entsteht die neue Filialfläche. (Bild lhä)
9 771661 391004