Skip to main content

Dolo_SS_Zu_Besuch_in_Innichen_08_10_26

Page 1

16

Donnerstag, 8. Oktober 2026 -

Das Wappen von Innichen wurde im Jahr 1303 vom römisch-deutschen König Albrecht I. verliehen. Es zeigt auf rotem Grund ein silberfarbenes Kastell, das auf grünem Rasen steht. Über dem Tor findet sich das Wappen des Hochstiftes Freising, dem Innichen bis zum Jahr 1803 gehörte. ©

Zwischen Tradition und Zukunft INNICHEN: Bürgermeister Klaus Rainer über Lebensqualität, Wirtschaft und Gemeinschaft in der Gemeinde ON M ARTIN S CHMIDT .V................................................. .

B

erg und Tal, Landwirtschaft und Tourismus, Tradition und Innovation – Innichen ist eine sehr vielfältige Gemeinde. Was die Ortschaft im Hochpustertal und ihre Fraktionen auszeichnet, welche Themen besonders relevant sind und was er sich für die Zukunft Innichens wünscht, erklärt Bürgermeister Klaus Rainer. „Dolomiten“: Was motiviert Sie, sich für Innichen einzusetzen? Klaus Rainer: Innichen ist eine lebenswerte und besondere Gemeinde, in der wir große Verantwortung für die Menschen und für die zukünftige Entwicklung unseres Ortes tragen. Eine gute Gemeindepolitik muss dafür sorgen, dass die notwendigen Angebote für alle Generationen vorhanden sind. Gleichzeitig müssen wir darauf achten, dass unsere Fraktionen Vierschach und Winnebach ebenso berücksichtigt werden und sich alle Ortsteile als Teil einer gemeinsamen Gemeinde verstehen. Als Bürgermeister sehe ich meine Aufgabe darin, zuzuhören, unterschiedliche Interessen zusammenzuführen und gemeinsam mit der Gemeindeverwaltung Lösungen zu entwickeln. Es geht nicht darum, immer für jede Herausforderung eine schnelle Antwort zu haben, sondern darum, Verantwortung zu übernehmen, Entscheidungen zu treffen und Projekte konsequent umzusetzen. „D“: Was sind für Sie die Stärken der Gemeinde? Rainer: Innichen ist eine Gemeinde, die auf besondere Weise

Geschichte, Lebensqualität und eine funktionierende Infrastruktur miteinander verbindet. Unser historischer Ortskern verleiht Innichen seinen unverwechselbaren Charakter. Eine große Stärke der Gemeinde ist die außergewöhnlich umfassende Infrastruktur. Von Gastronomie- und Handelsbetrieben über Lebensmittelgeschäfte und zahlreiche Dienstleistungsunternehmen bis hin zu Banken, Versicherungen und verschiedenen Handwerks- und Gewerbebetrieben findet man in Innichen vieles, was man für das tägliche Leben benötigt. Gleichzeitig bietet unsere Gemeinde ein breites Angebot für alle Generationen: eine Kindertagesstätte, Grund- und Mittelschule, eine Oberschule, den Sozialsprengel, das Seniorenwohnheim und unser Krankenhaus. Dazu kommen vielfältige Vereine, Sport- und Freizeitangebote sowie eine aktive Kultur- und Veranstaltungsszene. Besonders schätze ich die kurzen Wege. Wer im Hauptort lebt, kann einen großen Teil der täglichen Erledigungen zu Fuß oder mit dem Fahrrad bewältigen. Und nicht zuletzt sind es die Menschen, die unsere Gemeinde besonders machen. Innichen ist deshalb nicht nur ein attraktiver Tourismusort, sondern vor allem eine Gemeinde, in der Menschen leben, arbeiten, Familien gründen und alt werden können. „D“: Wie attraktiv ist Innichen als Wirtschaftsstandort? Rainer: Eine wichtige Säule unserer Wirtschaft ist natürlich der Tourismus, von dem nicht nur die Beherbergungs- und Gastronomiebetriebe profitieren. Viele weitere Wirtschaftszweige, vom Handel über das Handwerk bis hin zu verschiedenen Dienstleistungen, sind direkt oder indirekt

Bürgermeister Klaus Rainer

damit verbunden. Gleichzeitig zeichnet sich Innichen durch eine erfreulich breite Streuung der Arbeitsplätze aus, unter anderem durch die öffentlichen und sozialen Einrichtungen. Auch die Landwirtschaft ist ein wichtiger Bestandteil unseres Wirtschaftsund Lebensraumes. Unsere Bäuerinnen und Bauern leisten mit der Bewirtschaftung und Pflege der Landschaft einen unverzichtbaren Beitrag zum Erscheinungsbild der Gemeinde und produzieren gleichzeitig hochwertige regionale Lebensmittel. Unser Ziel muss es sein, diese Vielfalt zu erhalten, bestehenden Betrieben Entwicklungsmöglichkeiten zu geben und gleichzeitig Raum für neue Ideen und Unternehmen zu schaffen. Denn ein attraktiver Wirtschaftsstandort bedeutet letztlich auch sichere Arbeitsplätze, Wertschöpfung vor Ort und eine hohe Lebensqualität für die Bevölkerung. „D“: Welche Themen sind in Innichen von besonderer Relevanz? Rainer: Ein Thema, das die Gemeindeverwaltung besonders beschäftigt und in den kommenden Jahren eine der größten Herausforderungen sein wird, ist die Schaffung von leistbarem Wohnraum. Derzeit gibt es nur wenige

Mietwohnungen, und diese sind vielfach zu teuer. Auch die Preise für den Ankauf von konventionierten Wohnungen haben mittlerweile ein Niveau erreicht, das für viele Einheimische und insbesondere für junge Menschen nur schwer leistbar ist. Wir haben deshalb einen wichtigen Schritt gesetzt und eine relativ große neue Wohnbauzone im Bauleitplan ausgewiesen. Unser Ziel ist es, damit vor allem den Bedarf der einheimischen Bevölkerung abzudecken. Gleichzeitig hoffen wir, durch ein größeres Angebot auch einen gewissen Einfluss auf die Preisentwicklung nehmen zu können. Ein zweites wichtiges Thema ist die Weiterentwicklung der Freizeit-, Sport- und Erholungsinfrastruktur. Einige Sportstätten sind in die Jahre gekommen und befinden sich an Standorten, die den heutigen Anforderungen nicht mehr optimal entsprechen. Deshalb beschäftigen wir uns mit der Schaffung einer neuen, zeitgemäßen Freizeitund Erholungszone, die unterschiedliche Bedürfnisse zusammenführen und einen Mehrwert für die gesamte Bevölkerung schaffen soll. Darüber hinaus werden uns Themen wie Mobilität, nachhaltige Gemeindeentwicklung, die Stärkung des Ortszentrums, die Sicherung der Dienstleistungen und die Lebensqualität für alle Generationen weiterhin begleiten. „D“: Wie motivieren Sie junge Leute, in Innichen zu bleiben? Rainer: Viele junge Leute, vor allem Studentinnen und Studenten, gehen zunächst ins Ausland. Manchmal hat man dabei fast den Eindruck, dass es überall besser ist als in Südtirol. Aber wenn wir leistbaren Wohnraum, interessante Arbeitsplätze, gute


- Donnerstag, 8. Oktober 2026

Fahrrad durch die Gemeinde zu fahren, am besten mit offenen Augen für die vielen kleinen Besonderheiten entlang des Weges. „D“: Welcher ist Ihr Lieblingsort für eine Auszeit? Rainer: Das ist eigentlich ganz einfach: zu Fuß im Wald, mit dem Fahrrad unterwegs und bei der Familie.

Innichen liegt am Fuß des Haunold (rechts) und damit der Dolomiten.

Tourismusverein Innichen/Manuel Kottersteger

und leistbare Mahlzeit anzubieten. Eine solche Einrichtung könnte vor allem auch ein sozialer Treffpunkt sein. Für mich bedeutet eine seniorenfreundliche Gemeinde mehr als nur gute Betreuung. Ältere Menschen sollen möglichst lange selbstständig leben können, sich sicher fühlen und aktiv am gesellschaftlichen Leben teilnehmen. Unser Ziel muss es sein, dass Innichen für alle Generationen ein attraktiver Lebensort bleibt, auch für jene Menschen, die hier ihr ganzes Leben verbracht haben und unsere Gemeinde wesentlich mit aufgebaut und geprägt haben.

Bereiche des gesellschaftlichen Lebens abdecken. Dazu gehören unter anderem drei Musikkapellen, drei Feuerwehren, zahlreiche Sportvereine sowie Kultur-, Sozial- und religiöse Vereine. Als Gemeindeverwaltung sind wir sehr stolz auf dieses aktive Vereinsleben und vor allem auf die vielen Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren. Die Vereine leisten einen unschätzbaren Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt, zur Integration und dazu, dass Menschen unterschiedlicher Generationen zusammenkommen.

Kinderbetreuung, funktionierende Infrastrukturen und eine hohe Lebensqualität miteinander verbinden, haben wir gute Voraussetzungen dafür, dass sich junge Leute bewusst für Innichen als Lebensmittelpunkt entscheiden. „D“: Was macht die Gemeinde für ihre älteren Mitbürger? Rainer: Zum Glück haben wir in Innichen viele gut funktionierende Vereine, die sich auch um unsere älteren Mitbürgerinnen und Mitbürger kümmern. Auch bei den Betreuungs- und Sozialeinrichtungen sind wir gut aufgestellt. Ein großer Vorteil unserer Gemeinde sind dabei wiederum die kurzen Wege. Trotzdem dürfen wir uns auf dem Erreichten nicht ausruhen. Ein Projekt, das wir gerne noch verwirklichen möchten, ist eine Seniorenmensa. Dabei geht es nicht nur darum, älteren Menschen eine gute

„D“: Wie steht es um das Vereinsleben in Innichen? Rainer: Das Vereinsleben in der Gemeinde ist ein wesentlicher Bestandteil unserer Dorfgemeinschaft. Wir haben eine große Zahl an Vereinen, die praktisch alle

„D“: Was sollte man in Innichen unbedingt gesehen haben? Rainer: Eigentlich müsste man sagen: alles – von West nach Ost! Denn Innichen ist auf relativ kleinem Raum unglaublich vielfältig. Besucher sollten sich die Zeit nehmen, zu Fuß oder mit dem

„D“: Wo sehen Sie Innichen im Jahr 2050? Rainer: Für 2050 wünsche ich mir eine Gemeinde, die ihre hohe Lebensqualität bewahrt und gleichzeitig mutig neue Wege gegangen ist. Ich wünsche mir ein weitgehend autofreies Innichen, das hervorragend an das öffentliche Verkehrsnetz angebunden ist. Straßen und Parkplätze sollen dort, wo es möglich ist, wieder stärker den Menschen gehören – Kindern und Jugendlichen, Fußgängern und all jenen, die sich mit dem Fahrrad fortbewegen. Der öffentliche Raum soll wieder mehr zum Lebensraum werden: zum Begegnen, Verweilen und für ein lebendiges Miteinander. Gleichzeitig wünsche ich mir, dass Innichen auch 2050 über all jene wichtigen Infrastrukturen und Angebote verfügt, die eine Gemeinde lebenswert machen. Und trotz aller Veränderungen wünsche ich mir, dass Innichen seinen Charakter bewahrt: den historischen Ortskern, die Fraktionen Vierschach und Winnebach, die Natur- und Kulturlandschaft und vor allem das Gemeinschaftsleben. Meine Vision für 2050 ist deshalb eigentlich ganz einfach: ein modernes, nachhaltiges und lebendiges Innichen, in dem die Menschen im Mittelpunkt stehen. Eine Gemeinde, in der man gerne lebt, arbeitet, alt wird und seine Kinder großzieht. © Alle Rechte vorbehalten

Zu Besuch in Innichen 17

Sport, Kultur & Co. ENTDECKEN & ERLEBEN: Innichen hat viel zu bieten

Der historische Ortskern von Innichen lädt zum Flanieren ein und beherbergt im Jahresverlauf zahlreiche Veranstaltungen. Flotion

INNICHEN. Viel zu erleben gibt es in der Gemeinde Innichen und ihren Fraktionen. Der historische Ortskern verleiht Innichen einen unverwechselbaren Charakter. Dazu gehören die pulsierende Fußgängerzone, der Hauptplatz mit der romanischen Stiftskirche und der barocken Pfarrkirche St. Michael, das Außerkirchl, das MIK – Museum im Kapitel und das Franziskanerkloster mit seinem Garten, der derzeit allerdings umgebaut wird. Auch Sportbegeisterte kom-

Kurz vor Weihnachten wird Innichen jedes Jahr zum Treffpunkt der Skicross-Elite. Harald Wisthaler

men in Innichen voll auf ihre Kosten. Für Wanderfreudige zum Beispiel kommen das Wandergebiet 3 Zinnen oder das Innerfeldtal in Frage. Im Winter hat Innichen ein kleines, aber feines Skigebiet direkt im Ort. Dieses gehört zum Skigebiet 3 Zinnen Dolomites, zu dessen zentralem Teil überdies Zugang in der Fraktion Vierschach besteht. Dazu kommen Langlaufloipen und Radwege, Tennisplätze, Minigolf, Fußballplätze und ein Hallenbad. Im Laufe des Jahres lädt die Gemeinde zudem zu verschiedensten Veranstaltungen – darunter im Winter der DolomitenWeihnachtsmarkt und der Skicross-Weltcup, im Frühling die größte Ostereiersuche der Dolomiten und das Frühling Apero Shopping, im Sommer das Alta Pusteria International Choir Festival, die Innichner Dorfplatzfreuden, das internationale Straßentheaterfestival Olala und das historische Radrennen Eroica Dolomiti, im Herbst das Dolomiti Gourmet Festival und der traditionelle Handwerks- und Bauernmarkt mit Heugabelfest sowie im Jahresverlauf zahlreiche Konzerte, beispielsweise von Musikkapellen oder in Kirchen. ©


Turn static files into dynamic content formats.

Create a flipbook
Dolo_SS_Zu_Besuch_in_Innichen_08_10_26 by athesiamedien - Issuu