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aspekt

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01 ISSN 2190-4464

WIRTSCHAFT IM OSTEN

Daheim statt Heim – Pflege in Not

2024 € 3,50

01 · 2024

WIRTSCHAFTSMAGAZIN AUS UND ÜBER SACHSEN-ANHALT


BILDNACHRICHT

Fast fertig

Foto: aspekt/Schmidt

Dieser Blick von der Westseite der Königin-Editha-Brücke über die Kaiser-Otto-Brücke in Richtung Ostteil der Landeshauptstadt entstand wenige Stunden vor dem Start der ersten Straßenbahn, die vom Magdeburger Heumarkt über den neuen Brückenschlag Alte Elbe, Zollelbe und Stromelbe bis ins Stadtzentrum fuhr. Der Autoverkehr folgt 2024.

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EDITORIAL

Anstrengender Optimismus Das neue Jahr ist noch jung, da wird man schon wieder an das krisengeschüttelte Vorjahr erinnert. Als ich kurz nach Neujahr einem Bekannten ein „Frohes neues Jahr“ wünsche, antwortete der nur kurz: „Na, schlimmer als das alte kann es ja nicht werden.“ Bekanntlich meinen Ökonomen, 50 Prozent positiver Wirtschaftsentwicklung seien Psychologie. Das trifft vielleicht auf die Börse zu. In der Realwirtschaft, in den kleinen Betrieben, die Material brauchen, Energie und pünktliche Lieferungen, geht es nicht um Vertrauen und Hoffnung, sondern um Fakten. Und das wird 2024 nicht anders sein. Bei allem Optimismus: die Voraussetzungen sind nicht die besten. Die Inflation hat sich zwar deutlich abgeschwächt, aber jetzt steigen wieder die Energiepreise für Strom und Gas, das Tanken wird deutlich teurer, die Lebensmittelpreise geben nicht nach, im Gegenteil. Das alles dürfte der Inflation neuen Schwung geben. Der Ukraine-Krieg wird noch lange dauern, die Migration dürfte angesichts der Kriegsereignisse in der Welt zunehmen und über allem steht der Klimawandel als Bedrohung ungeahnten Ausmaßes. Trotzdem den Optimismus nicht zu verlieren, das bedarf schon einiger Anstrengung. Aber was wäre die Alternative? In Depressionen zu verfallen? Das nützt niemandem. Lösungen müssen her, auch wenn sie vielleicht schwerfallen. hat schon mehrfach danach gefragt, wo die Philosophen dieser Welt

als gesellschaftliche Vordenker sind. Ihre Aufgabe ist es, Visionen für die Veränderung der Gesellschaften zu entwickeln, wenn diese in der Falle stecken. Und das ist der Fall, denn unbegrenztes weiteres Wirtschaftswachstum hat unsere Erde schon jetzt weit überfordert. Die Degrowth-Theorie, zu Deutsch so viel wie Nichtwachstum, wird derzeit unter Philosophen intensiv diskutiert. Es geht um wissenschaftliche Wachstumskritik, die allerdings auch das Ende des Kapitalismus bedeutet. wird sich bereits in einer der nächsten Ausgaben mit einer Serie auf der Basis des japanischen Philosophen Kohei Saito in die Diskussion einmischen. Anstatt in Lethargie zu verfallen, geht es darum, die Gesellschaft umzugestalten. Das setzt neue Kräfte frei, die wir dringend brauchen. 2024 wird ein aufregendes Jahr, da ist ganz sicher. Und wir wollen unseren Beitrag dazu leisten, indem wir am Puls der Entwicklungen recherchieren, unseren Lesern nicht nur Neues aus Sachsen-Anhalt berichten, sondern auch Hintergründe nahebringen, die so woanders nicht zu lesen sind. Kurz: Wir wollen nach Möglichkeit immer einen Schritt voraus sein. Ein hoher Anspruch an uns selbst, für den wir die ganze Kraft für unsere Leser einsetzen werden.

Rolf-Dietmar Schmidt Chefredakteur und Herausgeber Aboservice: Tel. 0391 25 85 75 11 abo@aspekt-magazin.de Redaktion: Tel. 0391 25 85 75 11 redaktion@aspekt-magazin.de ist eine Publikation des Herausgebers Rolf-Dietmar Schmidt

Viel Spaß beim Lesen wünscht ...

Rolf-Dietmar Schmidt Chefredakteur und Herausgeber

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INHALT

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Foto des Monats

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Leitungen und Bäume

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Adelheid-Preis für Frank Friedrich

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193 Mediziner

Pflegebegutachtung per Telefon


Ausgabe 01/2024 Daheim statt Heim – Pflege in Not

Editorial . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .3 Leserbriefe/Sonstiges . . . . . . . . . . . . . . .6 Kolumne: Schönheit kommt von innen . . . . 7

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„…innen sind wir arme Teufel“

SACHSEN-ANHALT AKTUELL

WISSENSCHAFT

Wie sich Bäume und Leitungen vertragen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8

Körpervermessung . . . . . . . . . . . . . . . 30

Neubau Kunst für Giebichenstein geht weiter . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8 Adelheid-Preis 2023 . . . . . . . . . . . . . . . . 8 Über drei Brücken . . . . . . . . . . . . . . . . . .9 TITELTHEMA

GESUNDHEIT

Daheim statt Heim . . . . . . . . . . . . . . . . . 10

Helden frühkindlicher Immunabwehr . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 34

Beruf der unbegrenzten Möglichkeiten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 14

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E-Nasen erkennen Bakterien . . . . . . . . . . 32 Schönheitswettbewerb der Elektronen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 33

Interview mit Jens Hennicke: Pflegebegutachtung per Telefon . . . . . . . . 11

Das talentierte Schwein

Studiengang für Künstliche Intelligenz . . . . . . . . . . . . . . 31

Schlauer Laser statt Knochensäge . . . . . . . . . . . . . . . . 36 Herzambulanz eröffnet . . . . . . . . . . . . . . 37

WIRTSCHAFT

GANZSEITENFOTO

nc Maler GmbH: So wollen wir miteinander umgehen . . . . . . . . . . . . . . 16

Fast fertig . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2

Taxi aus Schleberoda . . . . . . . . . . . . . . . 18

Schweigender Klimakiller . . . . . . . . . . . . 26

Synthesegas als Koksersatz . . . . . . . . . . 20

„…innen sind wir arme Teufel“ . . . . . . . . . . 38

Digital-Ideen für Verwaltung gesucht . . . . . . . . . . . . . . . 21

Irrtum Überlebenschance . . . . . . . . . . . 40

Chemie zum Anfassen . . . . . . . . . . . . . . 22 NATUR UND UMWELT Kleiderwechsel bei Sternengeburt . . . . . . 24 HARTE FAKTEN Der schweigende Klimakiller . . . . . . . . . . 26

Daheim statt Heim . . . . . . . . . . . . . . . . 10

KULTUR „…innen sind wir arme Teufel“ . . . . . . . . . . 38 Irrtum Überlebenschance . . . . . . . . . . . 40 AUSLAND Dollar-Herrschaft soll gebrochen werden . . . . . . . . . . . . . . . 44

ENERGIE

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Dollar-Herrschaft soll gebrochen werden

Wasserstoffgemisch . . . . . . . . . . . . . . . 28 Ofenführerschein . . . . . . . . . . . . . . . . . 29 LENA-Tipp . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 29

IMPRESSUM . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 46 ASPEKT-VORSCHAU

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LESERBRIEFE / VERMISCHTES

Leserbriefe aspekt 12–2023, Seite 7

Legasthenische Digitalisierung

Kein Buch im Haus Der Text ist mir aus dem Herzen gesprochen. Als Lehrer beobachte ich seit Jahren, wie die Grundfertigkeiten von meinen Schülern trotz aller Bemühungen schwinden. Bei einigen Problemfällen habe ich sogar Hausbesuche gemacht, um die Eltern zu motivieren, ihre Kinder zu unterstützen. Wenn ich dann aber sehe, dass die gesamte Familie jeweils ein Handy vor der Nase hat, sich nirgends ein Buch findet und die gegenseitige Kommunikation nur aus wenigen Worten besteht, dann ist mir klar, dass da kaum was zu reparieren ist. Kerstin Sommerfeld, Magdeburg

Mathe-Ressourcen blockiert Offenbar ist der Autor der Zeilen einer der „alten weißen Männer“, die sich mit Händen und Füßen gegen alles Neue sträuben, weil es ihre erstrebte Ruhe stört. Unterricht sollte am besten wie vor 100 Jahren sein, aber inzwischen ist viel Zeit vergangen und die Methoden von gestern funktionieren heute nicht mehr. Die Schülerinnen und Schüler haben ganz andere Anforderungen. Damals musste das „Kleine Einmaleins“ noch auswendig gelernt werden. Wozu, fragt man sich, denn das blockiert doch nur die Ressourcen, die man für die Lösung komplexer mathematischer Fragen heute braucht. Die Künstliche Intelligenz bietet Möglichkeiten, Wissen auf eine ganz andere Art zu vermitteln. Mario Wiesner, Köthen aspekt 12–2023, Seite 10

Öffentlich-rechtlicher Social-MediaKanal empfohlen

Digitalisierung ist kein Selbstzweck Selbst der Ethikrat hält es für nötig, elf Handlungsempfehlungen den Lehrern an die Hand 6

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FOTO DES MONATS Dieses Foto von der Brockenbahn hat einen weiten Weg hinter sich. Riley Anderson aus Canberra in Australien hat es geschickt. Es ist seine schönste Erinnerung an seinen Urlaub im Harz im letzten Jahr, schreibt er. zu geben, um die Kontrolle über die Künstliche Intelligenz an den Schulen zu bewahren. Digitalisierung ist kein Selbstzweck, sondern nur ein Hilfsmittel. Nicht mehr und nicht weniger. Vor diesem Hintergrund ist es völlig absurd vom Magdeburger Bildungsministerium, mit ChatGPT an den Schulen Sachsen-Anhalts voranzupreschen. Die jüngste PISA-Studie hat doch gezeigt, wohin das führt. Caroline Peters, Stendal

Das aktuelle System nennt sich fälschlicherweise Bildungssystem. Es hat aber nur die Aufgabe, jungen Menschen zielgerichtet das Wissen zu vermitteln, das sie für die Industriearbeit benötigen. Das kann auf Sicht nicht gutgehen. Dr. Bernhard Friesecke, Soziologe, München

Beschränkte Bildung

So erwartet

Unabhängig vom Einfluss der Digitalisierung auf den Wissensstand von Schülern, wie in Ihrem Beitrag beschrieben, stoße ich immer wieder auf die Vermischung der Begriffe Wissensvermittlung und Bildung. Das sind inhaltlich zwei verschiedene Dinge. Nicht jeder, der eine große Menge Wissen anhäuft, ist auch gebildet. Zur Bildung gehört auch soziale Kompetenz, Reflexionsfähigkeit, Streitkultur und vieles andere mehr, was eine gebildete Persönlichkeit auszeichnet.

Die Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten ist weder abgeschlossen, noch gelungen. Es wird noch Generationen brauchen, bis sich die Unterschiede abgeschliffen haben. Wichtig ist allerdings, darüber zu reden, sachlich, ruhig und auf Augenhöhe. Das Buch von Oschmann ist da genau im richtigen Moment eine Diskussionsgrundlage. Schön, dass aspekt an dieser Auseinandersetzung beteiligt ist. Das habe ich auch so erwartet. Jens Kapischke, Halle/Saale

aspekt 12–2023, Seite 43

Die äußere und die innere Wiedervereinigung


KOLUMNE

Schönheit kommt von innen Mit dem neuen Jahr sind wie immer auch die guten alten Vorsätze wieder neu. Aber sollte man sich dadurch wirklich buchstäblich in ein Handlungskorsett quetschen lassen? Nur um mit irgendeinem Schönheitsideal zu konkurrieren?

Mit der Schönheit ist es wie mit dem guten Geschmack. Es ist sinnlos darüber zu streiten, wer oder was schön ist, denn die Ansichten darüber sind so verschieden wie die Menschen. Im Gegensatz zum guten Geschmack kann man bei der Schönheit allerdings etwas tun, um sich dem angestrebten Ideal weitestgehend zu nähern. Entweder man quält sich selbst beim Joggen im Park, um die erschlafften Muskeln in den Waden wieder aufzubauen und zu stählen, oder man traktiert diverse, an Folterinstrumente erinnernde Gerätschaften in Fitness-Studios, um mit viel Schweiß und neidvollen Blicken auf die Bilderbuchbäuche der Trainingspartner dem etwas aus der Form geratenen Körper wieder dort Konturen zu verleihen, wo sie angeblich hingehören. Allerdings gibt es durchaus noch andere, wenn auch nicht gerade preiswerte Methoden. Die sind meist nicht ganz unblutig und bedienen sich des Skalpells oder der Spritzen der Schönheitschirurgen, deren Zunft übrigens derzeit in Deutschland wie überall in Westeuropa oder Amerika eine ungeheure Konjunktur erlebt. Es ist faszinierend, wie eine kleine Gruppe von Menschen, meist Schauspieler, Sänger, Sportler, Prominente oder die Werbewirtschaft, den Maßstab für Attraktivität festlegen. Dieser Maßstab, der sich meist auch noch von Zeit zu Zeit ändert, dem gilt es möglichst nahe zu kommen. Dafür werden jede Menge Zeit, jede Menge Geld, schmerzliche Entbehrungen und ungeheure Energien in Kauf genommen. Und selbst so gut gemeinte Worte der Angetrauten, wie „Ich liebe jede kleine Speckfalte an dir“, sorgen selten für Trost, sondern hinterlassen allenfalls

einen faden Beigeschmack. Wir sind alle viel eitler, als wir uns eingestehen. Längst sind die Zeiten vorbei, wo man mit leicht süffisantem Lächeln über die Eitelkeit von in die Jahre gekommenen Damen Witze machen konnte. Heute sind es die Herren der Schöpfung, die die Zahl der Schönheitssüchtigen in den Wartezimmern der Reparaturchirurgen in die Höhe treiben. „Bitte einmal Fett absaugen“, oder „Das Doppelkinn straffen“ gehören zu den Standardaufträgen der Männer jeden Alters. Fast kommt es einem vor, als wollten sie ganz still und leise durch die Wartezimmertüren der medizinischen Schöpfungskorrektoren den Boden wieder gutmachen, den sie in den Chefetagen oder auf dem Fußballrasen verloren haben. Dabei ist es nicht eindeutig zu klären, wo die Motivationen liegen. Geht es aus männlicher Sicht darum, sich selbst nach der Morgendusche im Spiegel zu gefallen, oder der Angetrauten, oder allen anderen Frauen? Oder geht es vielleicht nur darum, die männliche Konkurrenz auszustechen? Und sind es bei Frauen nicht ebensolche Gedanken? Und während man noch über die Gefahren diskutiert, die von Lebensmitteln ausgehen, deren Mindesthaltbarkeitsdatum sich dem Ende zuneigt, nimmt man mit einem tiefen Griff in die Geldbörse in Kauf, sich mit Botox eines der gefährlichsten Gifte unter die Haut zu spritzen. Im Volksmund heißt es, wahre Schönheit käme von innen. Vielleicht sollte man daran erinnern, dass dieser Satz nicht wörtlich, sondern im übertragenen Sinn gemeint war.

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SACHSEN-ANHALT AKTUELL

Eine Baumpflanzung der besonderen Art, für die hier Magdeburgs Oberbürgermeisterin Simone Boris in den Goethe-Anlagen der Landeshauptstadt zum Spaten greift. Ein alter Baum musste gefällt werden, aber tief unter seinen Wurzeln verlaufen wichtige Leitungen der Infrastruktur. Normalerweise durfte hier dann kein neuer Baum gepflanzt werden. Dank einer Vereinbarung der Stadt mit den Städtischen Werken Magdeburg SWM und dem Eigenbetrieb Stadtgarten und Friedhöfe Magdeburg gilt das nicht generell. Jetzt haben sie gemeinsam an einer Stelle einen Baum gepflanzt, wo sonst kein Baum wieder gewachsen wäre.

Foto: LH MD

Damit sich Leitungen und Bäume vertragen

Die zentralen Punkte der Vereinbarung sehen einen Mindestraum von 12 Kubikmetern, die Möglichkeit von Nachpflanzungen mit entsprechendem Wurzelschutz sowie die Prüfung von Standorten durch Suchschachtungen

vor. Die Versorgungsträger erklären sich bereit, nach Möglichkeit Versorgungsleitungen so zu bauen oder zu verlegen, dass die Pflanzräume und damit auch die Bäume von Wartungsarbeiten unberührt bleiben.

Entwurf: Burger Rudacs Architekten, München

In den vergangenen Wochen musste die Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle befürchten, dass der prämierte Wettbewerbsentwurf ihres Neubaus Kunst aus Kostengründen aufgegeben wird. Diese Sorge ist vorerst vom Tisch. Das Ministerium der Finanzen und die Kunsthochschule sind sich einig geworden, gemeinsam am bestehenden Entwurf weiterzuarbeiten.

Foto: LH MD

Frank Friedrich erhält den Adelheid-Preis 2023

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Der langjährige Leiter des Ökozentrums in Magdeburg, Frank Friedrich, wird für sein unermüdliches und außergewöhnliches Engagement mit dem AdelheidPreis des Jahres 2023 ausgezeichnet. Die feierliche Preisverleihung ist am 23. Februar 2024 im Kulturhistorischen Museum. „Das Engagement Frank Friedrichs kennt keinen Feierabend. Mit seiner vielfältigen Arbeit bei den kulturellen und ökologischen Projekten

mit Kindern, der Integration von Langzeitarbeitslosen und psychisch kranken Menschen oder der Bildung für Umwelt und Naturschutz geht Frank Friedrich seit Jahren seinem wichtigsten Anliegen nach: Menschen zu helfen, sie zu fördern und zusammenzubringen. Er bereichert damit in höchster Anerkennung das städtische Leben Magdeburgs“, so der Sozialbeigeordnete Dr. Ingo Gottschalk.


Ein bedeutender Abschnitt endete für insgesamt 193 Studenten mit dem Abschluss ihres Medizinstudiums an der Medizinischen Fakultät der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg im Jahr 2023. Am 15. Dezember wurden erneut 164 Absolventen bei einer Festveranstaltung im AMO-Kulturhaus Magdeburg feierlich ins Berufsleben entlassen.

Foto: UMMD/Kossmann

Bereits im Frühjahr hatten 29 Medizinstudenten erfolgreich ihr Studium der Humanmedizin abgeschlossen.

Foto: Kerstin Schomburg

Jan Friedrich debütierte in der vergangenen Spielzeit mit seinem toll gemachten ungewöhnlichen Zugriff auf Büchners „Woyzeck“ am Theater Magdeburg und wurde mit der Inszenierung zum Festival „Radikal jung“ nach München eingeladen. Jetzt bringt er mit seinem Team den mit dem Deutschen und dem Schweizer Buchpreis ausgezeichneten Roman „Blutbuch“ von Kim de l’Horizon in einer eigenen Fassung auf die Bühne im Magdeburger Schauspielhaus. Das dürfte eine spannende Premiere am Sonnabend, 27. Januar, 19.30 Uhr, sein.

Foto: IngNA

Über drei Brücken musst du geh´n Mit einer dieser historischen Straßenbahnen fuhren am 22. Dezember höchst vorsichtig Magdeburgs Oberbürgermeisterin Simone Borris zusammen mit der Infrastrukturministerin Dr. Lydia Hüskens sowie Birgit Münster-Rendel, Geschäftsführerin der MVB, und Uwe Heiland als Vertreter der Bau-ARGE (Hochtief, SEH und Kemna) über die neuen und sanierten Brücken vom Heumarkt aus direkt ins Stadtzentrum. Die Vorsicht war unbegründet – die Brücken hielten. Damit war die Teilfreigabe zumindest für die Straßen-

bahn geschafft. Bis wann auch die Autos über die Brücke rollen, steht noch nicht ganz fest. Es ist noch eine Menge Arbeit, bis auch der letzte Stein gesetzt ist. Die Kosten? Geplant waren mal 189 Millionen, derzeit rechnet man mit 207 Millionen Euro. Reichen wird das auch noch nicht. Allerdings muss man den Bauleuten zugestehen, dass die Termine fast eingehalten wurden, dass es sehr ordentlich auf der Baustelle zuging und letztlich ein Nachtrag von zehn bis 12 Prozent angesichts anderer Baustellen keine Frage ist.

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TITEL

Daheim statt Heim Sachsen-Anhalt ist das Bundesland mit den meisten alten Menschen in Deutschland. Das bedeutet, dass auch die Zahl der Pflegebedürftigen höher ist, als irgendwo anders. Das zu bewältigen ist nicht nur eine Aufgabe der Politik, sondern der gesamten Gesellschaft, denn die Pflege zu Hause, von Angehörigen, Freunden oder Menschen, denen es einfach ein Bedürfnis ist, bildet das Rückgrat des gesamten Pflegesystems. Hinzu kommen ambulante Pflegedienste und schließlich die Betreuung in Pflegeheimen. Einige der Akteure, die mit ihren Anstrengungen dafür sorgen, dass möglichst niemand Angst vor dem Altwerden zu haben braucht, stellen wir auf den Folgeseiten vor.

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Pflegebegutachtung per Telefon hat sich bewährt Der Medizinische Dienst Sachsen-Anhalt steht häufig nicht im Scheinwerferlicht, wenn es um die Gestaltung der gesundheitlichen Versorgung und der Pflege geht, aber er nimmt wichtige Funktionen im Interesse der Solidargemeinschaft wahr. Wer krank oder gebrechlich ist, hat oft nicht die Kraft, um seine Interessen zu kämpfen. Das übernimmt der Medizinische Dienst mit seinen fachlichen Kompetenzen gegenüber Krankenkassen, ärztlichen Verbänden, Krankenhäusern oder Pflegeeinrichtungen. Über mit Jens Hennicke, Vorstandsvorsitzender neue Aufgaben und Änderungen sprach des Medizinischen Dienstes Sachsen-Anhalt.

Für den Laien: Warum ist der Schritt zu klein ausgefallen, und was bedeutet das für die besondere Situation Sachsen-Anhalts, sprich Demografie, besondere Krankheitsschwerpunkte, wie Herz/KreislaufErkrankungen, besonderer Pflegebedarf ?

Jens Hennicke: Als ältestes Bundesland in ganz Deutschland mit einer immer steigenden Zahl an Pflegebedürftigen ist es für uns besonders wichtig, mit den Pflegekräften in unserem Land verantwortungsvoll umzugehen. Der Fachkräftemangel belastet alle – Pflegebedürftige und ihre Angehörigen, die Pflegeeinrichtungen

und eben vor allem die Pflegekräfte, die das fehlende Personal ausgleichen müssen. Daher ist es für uns so wichtig, nicht mehr Pflegekräfte als nötig im Medizinischen Dienst zu beschäftigen, damit sie da sein können, wo man sie so dringend braucht – bei den Pflegebedürftigen. Das kann nur gelingen, wenn wir Begutachtungsformen wie

Foto: Medizinischer Dienst Sachsen-Anhalt

Was zu Corona-Zeiten bereits möglich war, ist seit Jahresbeginn in einen Gesetzestext gegossen: Pflegebegutachtung per Telefon oder geeigneten elektronischen Mitteln. Was bedeutet das konkret? Jens Hennicke: Mit dem Pflegeunterstützungs- und -entlastungsgesetz (PUEG) war die Feststellung der Pflegebedürftigkeit per Telefoninterview im ersten Schritt für gewisse Fallkonstellationen ermöglicht worden. Für genau diese limitierten Fälle soll laut DigiG nun auch die Videotelefonie zum Einsatz kommen. Wir begrüßen die neue Möglichkeit als weiteren Schritt zur Flexibilisierung der Begutachtungsformate, auch wenn dieser zu klein ausgefallen ist.

Jens Hennicke

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TITEL

die Videotelefonie als feste Alternative zum Hausbesuch und nicht nur in Ausnahmefällen ermöglichen. Telemedizin darf nicht halt machen vor den Türen der Medizinischen Dienste. Wir sind ebenso gefordert, neue Wege zu gehen, die sich noch dazu schon während der Pandemie als gut erwiesen haben. Ist am Telefon oder auch am Videotelefon eine objektive Beurteilung der Pflegebedürftigkeit möglich? Gibt es noch eine Zweitmeinung? Jens Hennicke: Das kann ich ganz klar mit Ja beantworten. In verschiedenen wissenschaftlichen Studien haben sich Telefoninterviews als qualitativ ebenso hochwertig erwiesen wie Hausbesuche. Jedes Jahr befragen wir die Pflegebedürftigen und ihre Angehörigen außerdem zur Zufriedenheit mit unseren Begutachtungen. Auch hier zeigte sich, dass hohe Zufriedenheit mit beiden Begutachtungsformen herrscht. Das liegt vor allem daran, dass unsere Pflegefachkräfte langjährige Erfahrung in der Pflege haben. Mit den richtigen Befunden und gezielten Nachfragen können sie sich gut auch ohne einen Besuch ein Bild vom Pflegebedarf der Menschen machen. Wobei der Wunsch des Versicherten nach einem Hausbesuch natürlich immer Berücksichtigung findet. Es gibt aber eben auch einige Fälle, in denen ein Hausbesuch nicht notwendig ist und eher eine Belastung für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen darstellt. Stellen sie sich beispielsweise Menschen in der Palliativpflege kurz vor Ihrem Lebensende vor. Da sind unsere Pflegekräfte gut in der Lage, einen Pflegegrad mit Hilfe von Befunden zu ermöglichen, ohne die Betroffenen und ihre Familien in der ohnehin schweren Lebenssituation in ihrem ganz privaten Umfeld zu stören. Reichen die Befunde nicht aus, kann in solchen Fällen ein Videoanruf helfen. Das gleiche gilt auch für be-

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sonders gefährdete Personengruppen, wie schwer krebserkrankte Menschen oder Säuglinge – ein Telefonanruf oder eben noch besser eine Videobegutachtung sind hier besonders wegen des Infektionsschutzes angebracht. Wer im Pflegeheim betreut wird, hat den Schritt der Begutachtung bereits hinter sich. Wie wirkt der Medizinische Dienst auf Qualitätsstandards in Pflegeheimen und bei der Ambulanten Pflege? Jens Hennicke: Unsere Qualitätsprüfungen sind seit Jahren ein etabliertes Mittel. Dabei wollen wir nicht nur dem gesetzlichen Prüfauftrag nachkommen, sondern vor allem beratend zur Seite stehen. Einrichtungen können und sollen sich gern auch außerhalb der Prüfungen an uns wenden, wenn es zum Beispiel um die Umsetzung neuer Standards geht. Am wichtigsten ist für uns wie für die Pflegeeinrichtungen, dass die Menschen gut versorgt werden und sich wohl fühlen. Deswegen prüfen wir nicht nur die Dokumentation, sondern schauen eben auch unter die Bettdecke der Pflegebedürftigen. Pflege bedeutet nicht nur Essen und Waschen. Hat der Medizinische Dienst auch Einfluss auf die Lebensbedingen, wie Kultur oder Freizeitaktivitäten? Jens Hennicke: Ja. Und das ist uns auch besonders wichtig. Ein Augenmerk haben wir dazu auf die Pflegeplanung, die eben auch ganz persönliche Bedürfnisse der gepflegten Menschen berücksichtigen soll. Wer früher gern Fußball geschaut hat, soll es auch in der Einrichtung unbedingt immer noch dürfen. Das muss dann aber bekannt und für alle zugänglich aufgeschrieben sein, damit jede Pflegekraft weiß, wer was braucht und möchte. Da wiederum spielt Dokumentation dann eine wichtige Rolle. Sie ist das Sprach-

rohr derer, die sich nicht mehr selbst äußern können. Translationsregion für digitale Gesundheitsversorgung. Was genau bedeutet das? Jens Hennicke: Sachsen-Anhalt ist eines der Bundesländer, das angesichts der demografischen Entwicklung in der medizinischen wie pflegerischen Versorgung vor sehr großen Herausforderungen steht. Um hierfür frühzeitig Strategien und Lösungen zu entwickeln, entstand die Translationsregion für digitalisierte Gesundheitsversorgung, kurz TDG. Die TDG ist ein Bündnis aus Wissenschaft, Wirtschaft und Versorgung und umfasst im südlichen Sachsen-Anhalt und den angrenzenden Bundesländern Sachsen und Thüringen eine etwa 3200 Quadratkilometer große Region, die hinsichtlich wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Entwicklungs- wie Versorgungsfragen vor ähnlichen bis annähernd gleichen Herausforderungen steht. Als Medizinscher Dienst Sachsen-Anhalt sind wir im Beirat der TDG aktiv, um mit zu beraten, welche Projekte der TDG für eine bessere Versorgung im Land in die Umsetzung gebracht werden. Einige ärztliche Standesverbände befürchten wegen des Durchschnittsalters der Praxisinhaber einen erheblichen Abfall des Versorgungsniveaus. Nimmt der Medizinische Dienst auch auf solche Probleme Einfluss? Jens Hennicke: Für die Sicherstellung der ärztlichen und zahnärztlichen Versorgung sind die Kassen(zahn) ärztlichen Vereinigungen verantwortlich. Hier haben wir keinen direkten Einfluss und können maximal Impulsgeber an der Schnittstelle zu anderen Versorgungszweigen sein.


Wie auch schon in den letzten Jahren sind die Versicherten mit der Pflegebegutachtung des Medizinischen Dienstes Sachsen-Anhalt sehr zufrieden. Dabei kommt die telefonische Begutachtung ebenso gut an, wie die persönliche Begutachtung im Hausbesuch. Das zeigen die Ergebnisse einer repräsentativen Versichertenbefragung, für die eine unabhängige wissenschaftliche Stelle für das Jahr 2022 rund 1200 anonymisierte Rückmeldungen aus Sachsen-Anhalt ausgewertet hat. Während der Corona-Pandemie konnte der Medizinische Dienst Sachsen-Anhalt aus Gründen des Infektionsschutzes den Pflegebedarf überwiegend nur telefonisch ermitteln. Der Bericht aus dem April des Vorjahres bestätigt nun erneut, dass auch das alternative Begutachtungsformat per Telefon als sehr positiv empfunden wird. 89,4 Prozent der Befragten waren mit der telefonischen Begutachtung absolut zufrieden. Damit lag die Zufriedenheit hier unverändert hoch. Teilweise zufrieden waren 7,9 Prozent und 2,7 Prozent gaben an, unzufrieden gewesen zu sein. Insgesamt schnitt die telefonische Begutachtung annähernd so gut ab, wie die persönliche Begutachtung im Hausbesuch, mit der 93,3 Prozent zufrieden waren, 4,5 Prozent teilweise zufrieden und 2,2 Prozent unzufrieden. In den Rückmeldungen zur telefonischen Begutachtung zeigte sich im

Grafik: Medizinischer Dienst Sachsen-Anhalt

Hohe Zufriedenheit bei Pflegebegutachtung

Detail: Mit den Informationen über die Pflegebegutachtung waren 89,1 Prozent zufrieden. Mit der Kontaktaufnahme und dem Eingehen auf die individuelle Situation waren 92,9 Prozent zufrieden. 91,6 Prozent waren mit der Gesprächsführung zufrieden, zu der auch das Einfühlungsvermögen und die Kompetenz der Gutachterinnen und Gutachter gehören.

Begutachtungszahlen werden weiter steigen Die Zahl der Begutachtungen ist bei den Medizinischen Diensten bundesweit in den vergangenen Jahren erheblich gestiegen – von 1,8 Millionen Begutachtungen 2016 auf 2,6 Millionen im Jahr 2022. Wegen des demografischen Wandels ist in den kommenden Jahren mit weiter höheren Zahlen zu rechnen. Sachsen-Anhalt ist davon besonders betroffen. Im Bundesvergleich hat die Bevölkerung in unserem Bundesland nur einen mäßigen Gesundheitszustand und das höchste Durch-

schnittsalter. Der Anteil der Menschen, die älter als 65 Jahre sind, ist bei uns am höchsten. Um die steigenden Begutachtungszahlen bewältigen zu können und schnell einen Zugang zu den Leistungen zu ermöglichen, sind alternative Begutachtungsformen ein wichtiger Bestandteil.

Hohe Beteiligung an der Versichertenbefragung Im Jahr 2022 wurden für die Versichertenbefragung des Medizinischen Dienstes Sachsen-Anhalt rund 2800 Fragebögen an die Versicherten versandt, für die telefonisch oder persönlich ein Pflegebedarf ermittelt wurde. Fast jeder zweite Fragebogen wurde von den Pflegebedürftigen oder ihren An- und Zugehörigen ausgefüllt an die unabhängige Auswertungsstelle geschickt. Die gute Resonanz zeigt das Interesse am Thema Pflegebegutachtung und die große Bereitschaft, Feedback zur Arbeit des Medizinischen Dienstes zu geben. 01/2024

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TITEL

Ein Beruf der unbegrenzten Möglichkeiten

Stolz zeigt sie, wie die derzeit 368 Auszubildenden, die für alle Settings der generalistischen Pflegeberufe in 15 Klassen ihren Beruf erlernen, die Fachräume kreativ und gleichzeitig berufsverbindend ausgestaltet haben. Künftig sollen es 450 bis 500 Auszubildende sein, die am Bildungszentrum ihre theoretische Ausbildung absolvieren, denn die Nachfrage nach qualifizierten Pflegekräften ist auf Sicht nur schwer zu erfüllen. Kaum jemand weiß das besser als Christina Heinze, denn sie engagiert sich auch bundesweit für die Themen Gesundheit und Pflege bei der Beratung der Politik. Seit mehr als zehn Jahren ist sie im Bundesverband Lehrende Gesundheits- und Sozialberufe e.V. Mitglied, seit 2012 als Vorsitzende des Landesverbandes Sachsen-Anhalt und seit 2021 als stellvertretende Bundesvorsitzende. Der BLGS e.V., so die Abkürzung für den Bundesverband, hat 1600 Mitglieder in Deutschland, das Magdeburger Bildungszentrum für Gesundheitsberufe gGmbH Magdeburg ist als Schule Institutionsmitglied. Im Vorjahr war Christina Heinze darüber hinaus auch Teilnehmerin beim Deutschen Pflegetag in Berlin. Dieser jährliche Kongress wird als einzige nationale Veranstaltung direkt von Vertretern der Pflege für alle beruflich Pflegenden organisiert. Dort nahm sie als Vertreterin die Interessen der Pflegeschulen in SachsenAnhalt und in Deutschland wahr. Das neue Gebäude in den Neustädter Höfen mit seinen großzügigen Möglichkei-

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ten für den Unterricht in den Gesundheitsund Pflegeberufen wurde erst im Vorjahr eröffnet. Zuvor war das Bildungszentrum auf dem Gelände der Magdeburger Pfeifferschen Stiftungen zu Hause. Das Klinikum Magdeburg und die Pfeifferschen Stiftungen Magdeburg als Gesellschafter, sind Träger der praktischen Ausbildung für die unterschiedlichen Pflegebereiche. Darüber hinaus gibt es zahlreiche weitere Kooperationspartner im Bereich der Akut- und Langzeitpflege in und um Magdeburg, in denen die Auszubildenden ihr erworbenes theoretisches Wissen in der Praxis anwenden können und praktisch ausgebildet werden. Allerdings ist das nur ein Bereich des umfangreichen Angebotes von Bildung und Weiterbildung in Gesundheitsberufen im Norden Magdeburgs. Hinzu kommen vielfältige Möglichkeiten der Fort- und Weiterbildung. Auf der Basis des Pflegeberufs zusätzliche Qualifikationen zu erwerben, um auf der Karriereleiter voranzukommen, oder aber die eigenen Fähigkeiten und Kenntnisse zu vervollkommnen, dafür ist das Bildungszentrum ebenfalls bestens gerüstet. Christina Heinze kennt den Pflegeberuf von der Pike auf. Als gelernte Kinderkrankenschwester hat sie 1988 den ersten Wechsel als Fachschullehrerin für die Praxis in der Kinderkrankenpflege vollzogen. Dann folgte ein Studium in der Studienrichtung Diplom Medizin-Pädagogik in Halle/Saale. Einen solchen Studiengang gab es nur in der DDR, und die umtriebige heutige Schulleiterin für Ge-

Christina Heinze

Foto: aspekt/Gleich

Man muss sich schon sputen, wenn man Christina Heinze, Pädagogische Geschäftsführerin und Schulleiterin des Bildungszentrums für Gesundheitsberufe, durch die langen Flure des neuen Domizils der gemeinnützigen GmbH in den Magdeburger Neustädter Höfen folgen will.

sundheitsberufe weiß sehr gut, weshalb dieser Studiengang so wertvoll für die Nachwuchsausbildung war. Umso bedauerlicher, dass es offenbar nach der Wende vorerst keinen Bedarf mehr dafür gab. Heute könne man einen solchen Studiengang in Sachsen-Anhalt dringend gebrauchen, um den pflegepädagogischen Nachwuchs zu sichern. 2010 kam das Angebot, die Evangelische Krankenpflegeschule, ein Bestandteil der Pfeifferschen Stiftungen Magdeburg, als Schulleiterin zu übernehmen. „Zusammen mit der Kooperation der Krankenpflegeschule des Klinikum Magdeburg war das der Nukleus für die Gründung des Bildungszentrums für Gesundheitsberufe gGmbH Magdeburg. Zum 1. September 2014 erfolgte diese, so dass wir in diesem Jahr unser zehnjähriges Jubiläum feiern können, und das in größeren, neuen Räumen mit deutlich besseren Arbeitsmöglichkeiten.“ Damit hätten sich die Bedingungen, Auszubildenden die Fachkenntnisse für einen der besten Berufe, den man sich denken könne zu vermitteln, deutlich verbessert, resümiert die Schulleiterin und fährt fort:


„Gesundheitsberufe werden von der Geburt bis zum Tod immer gebraucht. Man muss keine Sorge haben, von Maschinen ersetzt zu werden, oder dass es keinen Bedarf mehr an den Leistungen gibt. Hinzu kommt, dass Helfen auch Sinnstiftung mit sich bringt, dass man Freude und Dankbarkeit zurückbekommt.“ Christina Heinze unterstreicht, dass der Pflegeberuf alle Möglichkeiten zur Weiterbildung, zum Studium, für die Selbständigkeit oder für die Lehre bietet. Die erfahrene Ausbildungsleiterin kennt natürlich auch die Probleme, die in Pflegeheimen oder Krankenhäusern auftreten, weil das Personal überlastet ist, zu wenige Pflegekräfte zu viele Patienten betreuen müssen. Das hat dazu geführt, dass der Beruf hier und da in Misskredit gekommen ist. Dagegen wehrt sie sich mit dem Hinweis auf die vielen Mitar-

beiter in den Gesundheitsberufen, die oft weit über das Normale hinaus sich für die anvertrauten Patienten einsetzen. „Es ist nicht das Geld, wenn Pflegefachpersonen nicht mehr können oder wollen, sondern in erster Linie die Rahmenbedingungen.“ Christina Heinze legt Wert darauf, dass die Berufsehre, der Stolz darauf, für andere Menschen da zu sein, sehr viel stärker wachsen muss. Das muss aus der Berufsgruppe heraus selbst kommen, ist sie sich sicher, denn Beifall vom Balkon in Krisensituationen sei schnell verklungen. Wünschen würde sich die engagierte Leiterin des Bildungszentrums für Gesundheitsberufe, dass der Berufsstand ähnlich wie das Handwerk oder Gewerbebetriebe durch Kammern oder Verbände berufspolitisch vertreten würde. Sie denkt nach dem Beispiel der Hand-

werkskammern an Pflegekammern. Ganz neu ist der Gedanke nicht, denn in Niedersachsen gab es in dieser Hinsicht schon mal einen Vorstoß zur Bildung einer berufspolitischen Standesvertretung und in Bundesländern wie RheinlandPfalz ist die Landespflegekammer bereits seit einigen Jahren aktiv. Vielleicht kann sie für die Idee auf dem 24. Pflegetag am 7. und 8. November 2024 in Berlin werben, an dem sie zusammen mit Vertretern der Berufsgruppe aus Sachsen-Anhalt und ganz Deutschland für die Interessen von tausenden Mitarbeitern in den Gesundheitsberufen eintreten will. So engagiert und durchsetzungsfähig, wie sie die Fäden im Magdeburger Bildungszentrum für Gesundheitsberufe in den Händen hält, dürfte das Vorhaben auch gelingen.

Die beste Pflege ist immer noch die von den lieben Nächsten Wussten Sie, dass ... • ... über 80 Prozent aller Pflegebedürftigen von ihren Familienangehörigen versorgt werden, die dafür durchschnittlich 63 Stunden in der Woche auf den Beinen sind

Werden Sie Mitglied oder helfen Sie mit einer Spende, dass wir eine starke Solidargemeinschaft werden!

• ... pflegende Angehörige nicht nur aus der Familie kommen müssen, sondern auch Zugehörige, Partner, Nachbarn und Freunde sein können

Was leisten wir für Sie:

• ... die Motive neben dem familiären Zusammenhalt häufig auch Partnerschaft, Freundschaft, Zuneigung oder schlichtweg moralische Verpflichtung sind?

• unabhängige Pflegegutachten für Widerspruchsund Gerichtsverfahren oder Erbauseinandersetzungen wichtig sind.

Wir wollen die Stimme der Pflegenden Angehörigen

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in Sachsen-Anhalt sein. Wir sind gemeinnützig und wollen Sie bei dieser wichtigen Aufgabe unterstützen.

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• Bekommen Sie, was Ihnen zusteht? Wir helfen und unterstützen Sie dabei mit Rat und Tat. • Alles zur Pflegeversicherung. Information und Beratung zu Pflegegraden und Pflegehilfsmitteln. Was steht Ihnen zu, passender Wohnraum und Widerspruchsmöglichkeiten.

Vorstand: Traudel Gemmer . Mobil 0172 7451943 | Katja Peters . Mobil 0176 64853507 . info@familie-pflegt.de . www.familie-pflegt.de

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WIRTSCHAFT

So wollen wir miteinander umgehen Im wörtlichen wie im übertragenen Sinn hat Nils Ciechowski in seinem Leben schon viele Farbtupfer hinterlassen. Der Malermeister aus Leidenschaft setzt aber darüber hinaus auch besondere Akzente bei der Führung seines Unternehmens, der „nc Maler GmbH“ im Südosten Magdeburgs. besuchte ihn in seinem modernen Firmengebäude im Gewerbegebiet am Werner-von-Siemens-Ring.

Besondere Akzente durch die Arbeit leuchtet ein. Besondere Akzente bei der Unternehmensleitung – das macht neugierig. Was machen sie anders als andere? Nils Ciechowski: Da muss man ein wenig ausholen. Ich habe noch zu DDR-Zeiten in einer Produktionsgenossenschaft des Handwerks, genauer der PGH Maler Nord, gelernt, war dann im Vorstand und habe einige Zeit nach der Wende die Genossenschaft übernommen. Aus vielerlei Gründen einer bewegten Zeit ging die allerdings in die Insolvenz. Das waren schwierige Entscheidungen, aus denen ich aber viele Erfahrungen gewonnen habe. 2007 gründete ich dann die „nc Maler GmbH“, die sehr schnell wuchs. Da gab es allerdings nochmal eine Delle in der Firmenentwicklung, die mich dazu brachte, den noch immer vorhandenen genossenschaftlichen Gedanken mit den Methoden moderner Unternehmensführung zu verbinden. Ein Coach und Unternehmensberater hat mich dabei unterstützt, und das war ein entscheidender Erfolgsfaktor.

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Was hat sich verändert? Nils Ciechowski: Sehr viel. Die entscheidende Frage war, was wir gemeinsam, das sind heute 28 Mitarbeiter, erreichen wollen. Welche Ideen, Wünsche, Vorstellungen hat jeder Einzelne, die er einbringen möchte. Wir haben uns also zusammengesetzt und das alles sozusagen auf den Tisch gelegt. Daraus wurde ein Leitbild entwickelt und ein Verhaltenscodex eingeführt. Da ist genau fixiert: „So wollen wir miteinander und mit unseren Kunden umgehen.“ Wie muss man sich das genau vorstellen? Nils Ciechowski: Es geht nicht in erster Linie um Geld, sondern um den Faktor Mensch. Das Motto lautet „Miteinander statt Gegeneinander“. Dazu gehört ein respektvoller Umgang auf allen Ebenen. Ehrlich und direkt alles anzusprechen, sich gegenseitig zuzuhören, loyal und zuverlässig zueinander zu sein, darum geht es. Wir sind ein Team, in dem jeder Mitspracherecht hat. Das reicht vom Umgang mit den Kunden, über die Art und Weise der Arbeitsorganisation bis

hin zu unserer Außenwirkung, ja sogar bis zum Rauchen. Bis zum Rauchen? Nils Ciechowski: Natürlich. Wie beurteilt ein Kunde die Arbeit, wenn die Baustelle mit Zigarettenkippen übersät ist? Wir haben uns über solche Fragen unterhalten und gemeinsam festgelegt, wie damit verfahren werden soll. Das Handwerk stöhnt allerorten über Fachkräftemangel. Viele versuchen das über Lohnzahlungen zu lösen. Sie nicht? Nils Ciechowski: Die Tatsache, dass bei uns der Mensch im Vordergrund steht, bedeutet nicht, dass gute Arbeit nicht auch gut bezahlt wird. Die Frage ist vielmehr, wie man das organisiert. Bei uns gibt es eine Beteiligung bei jedem Projekt. Viele haben anfangs gedacht, das würde nicht funktionieren. Aber es ist genau umgekehrt. Jeder Beteiligte an dem Projekt ist daran interessiert, dass alles klappt, dass nichts vergeudet oder verschleudert wird, dass die Organisation der Arbeit und die Qualität stimmen.


Foto: Gleich

Funktioniert alles, so zahlt sich das in barer Münze aus. Daran ist jeder interessiert. Natürlich gibt es auf größeren Baustellen auch mal Hindernisse, für die unsere Mitarbeiter nichts können. Aber bei Dreiviertel aller Projekte geht der Plan auf.

aber sie sind oft bei filigranen Arbeiten, beim Tapezieren oder dem Lackieren komplizierter Objekte besser als ihre männlichen Kollegen. Außerdem verändert der höhere Frauenanteil auch die Art und Weise, wie man im Team miteinander umgeht.

Also kennen sie kein Fachkräfteproblem? Nils Ciechowski: Wir haben ein Team mit einem sehr familiären Arbeitsklima. Dort, wo man sich wohlfühlt, wo man Wertschätzung erfährt und gehört wird, dort wirft man nicht so schnell alles hin. Das ist ein Teil der Antwort. Darüber hinaus engagieren wir uns auch sehr bei der Lehrlingsausbildung und bei der Eingliederung von ausländischen Fachkräften.

Und wie klappt die Eingliederung der jungen Migranten? Nils Ciechowski: Genauso gut. Wir haben nur die besten Erfahrungen gemacht. Bei uns malern ein syrischer und ein afghanischer Mitarbeiter. Beide sind überaus schnell ein Teil des Teams geworden, haben in für mich erstaunlich kurzer Zeit gut Deutsch gelernt und geben sich große Mühe, gute Arbeit abzuliefern. Heute höre ich schon häufig, dass die Projektverantwortlichen sich für ihr Vorhaben den einen oder anderen der Beiden wünschen. Das sagt eigentlich alles.

Wie sind ihre Erfahrungen dabei? Nils Ciechowski: Bei Lehrlingen gibt es eine interessante Veränderung. Es bewerben sich zunehmend Mädchen, um den Malerberuf zu erlernen. Das hat einige Veränderungen in der Arbeitsorganisation gebracht, denn die weiblichen Lehrlinge können natürlich nicht die schweren Farbeimer tragen,

Das klingt, als ob auch viele Erfahrungen genossenschaftlicher Arbeit in die Führung ihres Unternehmens eingeflossen sind? Nils Ciechowski: Ganz sicher. Für mich ist die Betriebsform einer Genossenschaft das Modell der Zukunft, weil

es viele Möglichkeit gibt, die Interessen der Mitarbeiter mit den Erfolgen des Unternehmens zu verbinden. Gerade die jüngeren Mitarbeiter haben eine andere Arbeits- und Lebenseinstellung, als die älteren Kollegen. In Genossenschaften wird das Risiko und der Erfolg des Unternehmens auf mehrere Schultern verteilt. Die Mitgestaltung des Unternehmens und der direkte Einfluss ist größer, als bei inhabergeführten Firmen. Themenwechsel: Sie haben als Unternehmen reichlich sichtbare Verschönerungsspuren in Magdeburg und anderswo hinterlassen. Welche sind das? Nils Ciechowski: Da könnte man viele nennen. Die jüngsten sind wohl das Luisen-Carré mit der höchsten Wohnung der Elbestadt und natürlich das Opernhaus des Theaters Magdeburg, das eine besondere Herausforderung darstellt. Im Luisen-Carré haben wir nur die Innenarbeiten, also Maler- und Bodenbelagsarbeiten ausgeführt. Am Theaterbau ist das anders, dort verschönern wir die gesamte Fassade. aspekt: Warum? Nils Ciechowski: Weil nach dem Großbrand mit dem teilweisen Neubau und der Sanierung, die immerhin auch schon etwa 30 Jahre zurückliegen, nicht alles fach- und sachgerecht ausgeführt wurde. Da sind wir mit einer Reihe unterschiedlicher Arbeiten, mit denen ursprünglich gar nicht gerechnet wurde, für das Projekt insgesamt verantwortlich. Trotzdem werden wir versuchen, den kalkulierten Kostenrahmen bei aller Vorsicht einzuhalten.

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WIRTSCHAFT

Taxi aus Schleberoda Der Bus kommt zwei Mal am Tag. In den Schulferien sogar nur einmal. Der Ort Schleberoda im Burgenlandkreis ist ein typisches Beispiel, was der ÖPNV im ländlichen Raum derzeit leistet. Schleberoda hat 160 Einwohner, gehört zu Freyburg. Es gibt keinen Supermarkt, keinen Arzt, keinen Friseur. Aber dafür gibt es Menschen wie Christian Haase und Jörg Sichting. Sie wollen, dass Schleberoda ein europäisches Vorbild für Mobilität auf dem Land wird.

Das Ziel von Christian Haase und Jörg Sichting klingt utopisch und fern: Sie wollen autonom fahrende Autos für den Öffentlichen Nahverkehr in Schleberoda. Technisch ist das allerdings keineswegs völlig abwegig: Selbstfahrende Fahrzeuge sind bereits unterwegs. Auch in Sachsen-Anhalt gab es bereits Testversuche mit Minibussen und selbstfahrenden Lastenfahrrädern. Noch ein weiterer Grund für den Verein, auf selbstfahrende Autos zu setzen: „Wir werden immer älter, jeder hat ein, zwei Autos. Aber irgendwann kommt der Punkt, an dem man nicht mehr selbst fahren kann“, sagt Christian Haase. So hat das Ziel der Schleberodaer auch eine soziale Komponente: Alte Menschen müssen ihre gewohnte Umgebung nicht verlassen, nur weil sie kein Auto mehr fahren können – sie können einfach ein selbst fahrendes Auto herbeirufen. Weil komplett selbstfahrende Autos in Deutschland allerdings nicht zugelassen sind, machen sich Sichting und Haase mit ihrem Verein „Saale-Unstrut-Mobilität“ anders auf den Weg: Sie kaufen zwei „normale“ Elektroautos für den Ort. „Wir haben einen KompaktPkw besorgt und die Ausschreibung für

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einen Siebensitzer läuft gerade“, sagt Sichting. Damit soll der Betrieb gestartet werden – um herauszufinden, wie die Autos genutzt werden, wie sich das Angebot verbessern lässt, welche Strecken am häufigsten gefahren werden, und ob das irgendwann auch selbstfahrende Autos übernehmen können. Das größte Problem derzeit allerdings: die Lieferschwierigkeiten der Automobilhersteller. Genaue Kosten für Nutzer sind noch unklar. Fahren dürfen die Elektro-Autos dann alle Vereinsmitglieder – gegen Bezahlung. Wie genau die aussieht, ob es einen Monatsbeitrag, eine Tages-, Stunden- oder Kilometerpauschale geben wird, das ist noch nicht klar. „Aber wir hatten schon ältere Bewohner, die uns gesagt haben, wenn das Fahrzeug kommt, dann schaffen sie ihren privaten Pkw ab und sparen die Kosten dafür“, sagt Haase. Und geht es nach den derzeitigen Planungen, können Vereinsmitglieder den Siebensitzer auch für längere Zeit nutzen, zum Beispiel für Urlaubsfahrten. Noch günstiger soll es werden, wenn Menschen aus Schleberoda Wege gemeinsam erledigen: „Die Grundidee ist ja, dass man Fahrgemeinschaften bildet und zum Beispiel ältere Leute zum Arzt oder Kinder zum

Sport mitnehmen kann“, sagt Sichting. Denn auch einen Sportverein gibt es in dem kleinen Dorf nicht – alle Eltern fahren bislang ihre Kinder zu Vereinen nach Freyburg. On-Demand-Carsharing, Ride-Sharing oder Ride-Pooling– so könnten Fachleute vermutlich die Idee aus Schleberoda nennen.

Viele praktische und technische Herausforderungen Wer ein Elektro-Auto fährt, muss es auch laden können. Dazu lassen die Schleberodaer gerade eine Ladesäule installieren. „Der Versorger hat erst einmal geprüft, ob an der Leitung ins Dorf überhaupt so viel Strom zur Verfügung steht. Wir sprechen ja von 50 Kilovolt“, sagt Sichting. Für die Zukunft ist sogar angedacht, dass an der Ladesäule jeder sein Auto laden kann. Ein Infrastrukturproblem wird also gleich mit gelöst. Zwischenzeitlich gab es auch ein Ringen mit der Bürokratie in Stadt, Landkreis und Land. Angeschafft werden die Autos letztendlich von der Stadt Freyburg, die die nächsten drei Jahre auch Eigentümerin der App und der Fahrzeuge ist, der Verein übernimmt die komplette Organisation. Finanziert hat das Vorhaben das „Netzwerk


Stadt-Land“ beim Wirtschaftsministerium Sachsen-Anhalt. Aber wenn die Schleberodaer mit ihren Autos Fahrgemeinschaften bilden sollen, stellen sich weitere praktische Fragen: Trauen Eltern ihren Kindern anderen Dorfbewohnern an? Will wirklich jeder bei jedem mitfahren? Es geht um Vertrauen – aber auch darum, gültige Führerscheine vorzuweisen. An all diesen Fragen arbeiten die Schleberodaer schon seit mehreren Jahren und haben einen Verein gegründet. Der besteht derzeit zwar nur aus den sechs Leuten des Vorstands. „Aber wir möchten noch warten, bis wir unseren Mitgliedern sagen können, was das Carsharing wirklich kostet“, sagt Haase.

Foto: Wikimedia

Neues Konzept auch für App Außerdem ist die App noch nicht fertig, über die Buchung, die Vermittlung einer Fahrgemeinschaft und die Bezahlung abgewickelt werden soll. Das soll im März so weit sein. Programmiert hat sie Felix Langer von Nexcube aus Hinsdorf im Landkreis Anhalt-Bitterfeld. Der kniffligste Teil an der App

ist es, die Menschen für gemeinsame Fahrten zusammenzubringen, sagt Felix Langer: „Man muss auch bei den Parametern schauen: Welcher Umweg ist zum Beispiel für jemanden tragbar, ohne dass er das Gefühl hat, er ist Taxifahrer?“ Beim Programmieren hat Langer bei Null angefangen: „Wir bauen das Konzept, dass sich die Dorfbewohner mitgebracht haben. Es gibt zwar Carsharing-Apps, aber noch nicht für den ländlichen Raum.“ Manche Dörfer nutzen auch bereits eigene CarsharingAutos, aber da müsse man sich vorher mitunter beim Bürgermeister anmelden. Langer sagt auch, es gäbe Apps, die Fahrgemeinschaften bilden, aber nur mit dem eigenen Auto. Auch Nutzer ohne Führerschein einzubinden, ist ungewöhnlich. „Alles zusammen ist das hier ein komplett neuer Ansatz“, sagt Programmierer Langer. Jeder Nutzer könne beim Buchen entscheiden, ob es eine öffentliche oder eine private Fahrt sei. „Es gibt ja auch Situationen, wo man keinen Beifahrer haben möchte“, sagt Felix Langer. In

Langers Heimatort Hinsdorf wohnen etwa 500 Menschen – auch dort könnte das Konzept aus Schleberoda infrage kommen. „Ich glaube, ich würde es sogar machen. Mich reizt es schon, mal ein Elektrofahrzeug zu fahren. Und bei den Benzinpreisen ist auch die Preisfrage des Ganzen nicht uninteressant.“

Schleberoda will beweisen: Andere Mobilität ist möglich Genau das wollen die Einwohner von Schleberoda beweisen. Dass ihre Idee auch in anderen ländlichen Regionen funktioniert. Ländliche Regionen aus Finnland und Spanien hätten sich das Konzept bereits erklären lassen und Interesse gezeigt. Zuhause müssen wohl noch einige Skeptiker überzeugt werden. „Das macht man nicht mit drei Sätzen. Man muss seinen Worten auch Taten folgen lassen. Und wenn jetzt die Elektrosäule steht und das erste Fahrzeug da ist, lassen sich sicherlich mehr Skeptiker überzeugen.“

Der Dorfplatz von Schleberoda mit dem Bauernstein. Auch hier sollen irgendwann die elektrischen Taxis fahren.

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WIRTSCHAFT

Synthesegas als Koksersatz Mehrere hundert Millionen Tonnen CO2 pro Jahr in der weltweiten Stahlproduktion einsparen – das wollen Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie und der Industriepartner SMS group mit einem neuen Verfahren vorantreiben.

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CO2 aus dem Hochofengas mit Kokereigas, um ein Synthesegas mit hohem Wasserstoffanteil zu produzieren, das als Koksersatz im Hochofen genutzt werden kann.“ Um eine bestehende Anlage nachzurüsten, müssen vorhandene Heißwinderzeuger, auch Cowper genannt, modifiziert werden. In diesen Cowpern werden dann Methan und CO2 aus dem Kokereigas zusammen mit CO2 aus dem Hochofengas zu Synthesegas, einem Gemisch aus Wasserstoff und Kohlenmonoxid, umgesetzt. Dieser Prozess, die sogenannte Trockenreformierung, erfordert eine hohe Temperatur, die zum großen Teil aus der Prozesswärme des Hochofens gewonnen wird. Das Synthesegas wird anschließend in den Hochofen eingeblasen und unterstützt dort die Reduktion des Eisenoxids. „Pro Tonne erzeugtem Stahl können so signifikante Mengen an

Koks eingespart werden, was wiederum die spezifischen CO2-Emissionen um bis zu zwölf Prozent senkt“, so Blanck. Demonstration und Validierung des Verfahrens erfolgten bei der Aktien-Gesellschaft der Dillinger Hüttenwerke (Dillinger) im Saarland. Der Transfer wurde auch durch die Zusammenarbeit mit der omegadot software & consulting GmbH, einer Ausgründung aus dem KIT, ermöglicht. Das auf Industriesoftware spezialisierte Start-up entwickelt eine Software, die eine präzise Simulation und Visualisierung des Verfahrens ermöglicht und das Scale-up hin zu einer Industrieanlage maßgeblich unterstützt. Die Pilotanlage wird von SMS group gemeinsam mit den Partnern Dillinger und Saarstahl, die Stahl mit weniger CO2Emissionen produzieren wollen, in Dillingen betrieben.

Darstellung: SMS group

Rund acht Prozent der weltweiten CO2Emissionen gehen auf das Konto der Stahlindustrie. „Das muss sich ändern – und zwar schnell“, sagt Professor Olaf Deutschmann vom Institut für Technische Chemie und Polymerchemie (ITCP) des KIT. Langfristig gebe es dank neuer Wasserstofftechnologien zwar eine klimaneutrale Perspektive, doch bis dahin vergingen noch einige Jahre. Schnell einen deutlichen Effekt auch in konventionellen Anlagen erzielen ließe sich mit einem neuen Verfahren, das seine Forschungsgruppe gemeinsam mit dem Industriepartner SMS group mit Paul Wurth Entwicklungen und dem Start-up omegadot aus dem KIT demonstriert hat. „Das Potenzial ist enorm. Wir erwarten, dass sich durch die Nachrüstung bestehender Hochöfen bei moderaten Investitionskosten etwa zwei bis vier Prozent der weltweiten direkten CO2-Emissionen einsparen lassen“, so Deutschmann. Das neue Verfahren setzt beim Rohstoff Eisen an, den die Stahlwerke meist direkt aus Bergbauerzen gewinnen, in denen er in oxidierter Form vorliegt. Üblicherweise erfolgt die Reduktion, also das Entfernen des Sauerstoffs, mithilfe von Koks im Hochofen. Dieser liefert nicht nur als Brennstoff die notwendige Energie für die Schmelze, sondern dient gleichzeitig auch als Reduktionsmittel für die chemische Reaktion. „Koks wird speziell für diesen Zweck in einem energieintensiven Prozess aus fossiler Kohle gewonnen“, sagt Philipp Blanck vom ITCP, der eng mit SMS group an der im Stahlwerk integrierten Pilotanlage zusammengearbeitet hat. „In unserem Verfahren recyceln wir


Digitalisierungsideen für öffentliche Verwaltung gesucht Das Land Sachsen-Anhalt hat zu einem Wettbewerb um Ideen für neuartige Technologien sowie innovative Konzepte und Modelle für das breite Handlungsfeld der öffentlichen Verwaltung aufgerufen. „Mit dem erstmalig stattfindenden Innovationswettbewerb beschreitet das Ministerium für Infrastruktur und Digitales neue Wege für die bedarfsorientierte Identifizierung und Einführung von digitalen und technologischen Innovationen in unseren Aufgabengebieten“, erklärte Ministerin Dr. Lydia Hüskens, in Magdeburg. Die Personalsituation in der Landesverwaltung werde sich in den nächsten Jahren weiter verschärfen, ergänzte Digitalstaatssekretär und Sachsen-Anhalts CIO Bernd Schlömer. Der CIO (Chief Information Officer )ist dafür verantwortlich, die IKT-Strategie (Informations- und Kommunikationstechnologie) zu entwickeln und umzusetzen, um die Geschäftsziele des Unternehmens zu unterstützen. Bis zum Ende des Jahrzehnts würden vie-

le Beschäftigte aus Altersgründen nicht mehr zur Verfügung stehen. Zudem konkurriere die Landesverwaltung mit der Wirtschaft und anderen Bereichen des öffentlichen Dienstes um immer weniger junge Menschen, fügte er hinzu. Deshalb werden vor allem Ideen für neue Technologien sowie innovative Konzepte und Modelle für das Handlungsfeld der öffentlichen Verwaltung gesucht. Aufgerufen sind Einzelpersonen, vor allem aber auch Teams von Hochschulen, Universitäten und anderen Forschungseinrichtungen sowie Start-ups, Unternehmen, Verbände und Vereine, die an vergleichbaren Fragestellungen arbeiten und frische Ideen einbringen möchten. Unter den eingereichten Ideen, Konzepten oder Modellen werden die zehn besten prämiert.

1. Preis dotiert mit 25 000 Euro 2. Preis dotiert mit 25 000 Euro 3. Preis dotiert mit 25 000 Euro 4. bis 10. Preis dotiert mit jeweils 1 000 Euro Mit dem ausgelobten Preisgeld – für den Erstplatzierten in Form eines Entwicklungsauftrages – soll die Entwicklung innovativer Ideen, Demonstratoren und Prototypen unterstützt werden. Gefragt seien vor allem neue Lösungsansätze für die Automation und die Anwendung von KI (Künstlicher Intelligenz), aber auch innovative kommunale Lösungen, wie beispielsweise Elemente eines virtuellen Leit-Amtes, erklärte Lydia Hüskens abschließend.

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WIRTSCHAFT

Ein Labor voller „Chemie zum Anfassen“ Ein Labor unter dem Motto „Chemie zum Anfassen“ der Hochschule Merseburg wird von Schülern in Schkopau und Umgebung rege genutzt. Für eine neue Ausstattung mit spannenden Chemieexperimenten spendeten gemeinsam mit Synthos, Hersteller von Synthesekautschuk am Standort Schkopau, die Nordostchemie-Verbände für die Aktion „Pro Chemieunterricht“ 4 000 Euro an das Schülerlabor der Hochschule Merseburg

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dass praxisorientierte Experimente diese Faszination am besten vermitteln.“ Die Projektleiterin des Schülerlabors, Dr. Eileen Bette: „Von Schülerpraktika über Arbeitsgemeinschaften, Begabtenförderung, Feriencamps bis zu Wettbewerben oder Berufsorientierungspraktika – solche Angebote sind in dieser Form nur durch Spenden und Aktionen wie ‚Pro Chemieunterricht‘ realisierbar.“ Wenn Mitgliedsunternehmen der Nordostchemie-Verbände eine Schule bei der Aktion „Pro Chemieunterricht“ finanziell unterstützen, stocken die Verbände diese Summe um den gleichen

Foto: Vincent Grätsch

Yves Eibeck, Standortleiter von Synthos in Schkopau, setzt darauf, heute schon die Mitarbeiter von morgen zu inspirieren: „Chemie lässt sich am besten praxisorientiert mit Experimenten vermitteln. Uns als Chemieunternehmen ist es daher wichtig, dass möglichst viele Schülerinnen und Schüler bereits früh erfahren, welche umfassende Bedeutung die Chemie in jedem Bereich unseres Lebens hat. Gleichzeitig leistet das Schülerlabor auch für die Berufs- und Studienorientierung einen wichtigen Beitrag und kann uns dabei helfen, auch zukünftig neue Kolleginnen und Kollegen zu gewinnen.“ Das Schülerlabor „Chemie zum Anfassen“ bietet vielfältige Möglichkeiten, um den Forscherdrang sowie die Begeisterung für Chemie zu wecken und zu fördern. Kinder und Jugendliche können ihr Wissen aus dem Chemieunterricht praktisch anwenden und vertiefen, während Lehrende Unterstützung bei der Gestaltung eines alltagsbezogenen Unterrichts erhalten. „Mit unserer Spende möchten wir das Schülerlabor dabei unterstützen, ansprechende Veranstaltungsformate zu gestalten“, erklärt Fabian Hoppe, Geschäftsführer und Leiter Kommunikation, Bildung und Nachhaltigkeit der Nordostchemie-Verbände. „Chemie ist faszinierend, und wir sind überzeugt,

Betrag bis maximal 2 500 Euro auf. Im Juni 2004 starteten die NordostchemieVerbände die Aktion „Pro Chemieunterricht“. Insgesamt beteiligten sich seit Beginn der Spendenaktion im Jahr 2004 rund 70 Chemieunternehmen in den ostdeutschen Bundesländern. Dabei wurden mehr als 150 Bildungsinstitutionen mit insgesamt über 700 000 Euro unterstützt. Eines davon ist Synthos als weltweit führendes Chemieunternehmen, das synthetischen Kautschuk, Styrolkunststoffe, Pflanzenschutzmittel und -dispersionen, Latex und Klebstoffe herstellt. Das Unternehmen ist der größte Hersteller von synthetischem Kautschuk in Europa mit einem breiten Portfolio an synthetischen Kautschukprodukten und einer starken globalen Präsenz. Das differenzierte Produktportfolio und die stark auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Technologie-Roadmap umfassen LösungsStyrol-Butadien-Kautschuk (S-SBR), Emulsions-Styrol-Butadien-Kautschuk (E-SBR), High- und Low-cis-Polybutadien-Kautschuk (NdBR, NiBR und

Übergabe der Spende an das Schülerlabor „Chemie zum Anfassen“.


LiBR) sowie recyceltes Kautschukpulver. Die Hochschule Merseburg, die das Schülerlabor betreibt, ist das Zentrum für anwendungsorientierte Lehre und Forschung im Süden Sachsen-Anhalts und bietet hervorragende, interdisziplinäre Lern- und Forschungsbedingungen. Rund 3000 Studenten lernen hier auf einem grünen Campus mit kurzen Wegen zwischen Hörsälen, Laboren, Mensa und Bibliothek. In einer breiten Palette von Studienangeboten aus Informatik und Technik, Wirtschaft und Sozialem sowie Medien und Kultur werden international anerkannte Bildungsinhalte vermittelt und Hochschulabschlüsse vergeben. Als Hochschule für angewandte Wissenschaften ist das Studium praxisnah aufgebaut und ermöglicht den Studenten schon während des Studiums, Kontakt zu regionalen Unternehmen zu knüpfen und das theoretisch angeeignete Wissen in die Praxis zu übertragen. Das Selbstverständnis der Hochschule bewegt sich im Spannungsfeld zwischen Ökonomie und Ökologie sowie zwischen Technik und Kultur. Durch ihr Engagement in Initiativen, Kooperationen und Netzwerken werden Ressourcen gebündelt und Synergien genutzt. Mit Partnern aus Politik, Wirtschaft, Verwaltung und Kultur wird die Entwicklung in der Region vorangetrieben. Die Chemie- und Pharmabranche in Ostdeutschland zählt rund 55 000 Beschäftigte. Die Nordostchemie-Verbändegemeinschaft vertritt die wirtschafts- und sozialpolitischen Interessen seiner über 350 Mitgliedsunternehmen. Zu den Nordostchemie-Verbänden gehören neben dem Verband der Chemischen Industrie e.V., Landesverband Nordost und seinen Fachverbänden der Arbeitgeberverband Nordostchemie e.V. (AGV Nordostchemie) sowie der Allgemeine Arbeitgeberverband Nordostchemie e.V. (AAGV).

Die beliebtesten Studiengänge an deutschen Universitäten sind heute andere als noch vor 40 Jahren. Die Top-3 des Wintersemesters 1980/81 waren demnach Rechtswissenschaft, Allgemein-Medizin und Germanistik. 40 Jahre später hingegen liegt das Fach Betriebswirtschaftslehre mit deutlichem Abstand an der Spitze, gefolgt von Informatik und Rechtswissenschaft. Auffällig ist zudem, dass es heute insgesamt deutlich mehr Studenten gibt als noch vor 40 Jahren. Ihre Zahl in Deutschland ist zuletzt zwischen 2006 und 2011 kontinuierlich gestiegen. Im Wintersemester 2022/2023 lag die Zahl der Studenten im ersten Hochschulsemester bei rund 400 000.

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NATUR UND UMWELT

Kleiderwechsel bei der Sternengeburt Manche Sterne sterben nicht einfach ab. Sie explodieren in einem stellaren Knall, der ganze Galaxien überstrahlen kann. Supernovae – Sternenexplosionen, die so hell sind wie eine ganze Galaxie – faszinieren uns seit jeher. Dennoch kommen wasserstoffarme Supernovae häufiger vor, als Astrophysiker erklären können. Nun hat eine neue Assistenzprofessorin am Institute of Science and Technology Austria (ISTA) eine entscheidende Rolle bei der Identifizierung der fehlenden Vorläufersternpopulation gespielt.

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Nun haben Götberg und Drout ihre Kompetenzen in der theoretischen Modellierung und Beobachtung kombiniert, um die fehlenden Sterne aufzuspüren. Ihre Suche ist erfolgreich: Sie dokumentieren eine neuartige Sternpopulation, die endlich eine große Wissenslücke schließt und Licht auf den Ursprung wasserstoffarmer Supernovae wirft.

Doppelsterne und Massentransfer Die Sterne, nach denen Götberg und Drout suchen, kommen paarweise vor: jeder Stern ist mit einem Begleitstern in einem Doppelsternsystem verzahnt. Einige Doppelsternsysteme sind uns Erdbewohnern gut bekannt: Dazu gehören der hellste Stern an unserem Nachthimmel, Sirius A, und sein schwacher Begleitstern Sirius B. Das Sirius-Binärsystem ist nur 8,6 Lichtjahre von der Erde entfernt – ein Katzensprung in kosmischer Hinsicht. Dies erklärt die beobach-

tete Helligkeit von Sirius A an unserem Nachthimmel. Astrophysiker gehen davon aus, dass die fehlenden Sterne ursprünglich aus massereichen Doppelsternsystemen entstanden sind. In einem Doppelsternsystem kreisen die Sterne umeinander, bis sich die dicke, wasserstoffreiche Hülle des massereicheren Sterns ausdehnt. Schließlich wird die expandierende Hülle stärker an den Begleitstern angezogen als auf den eigenen Kern. Dadurch setzt ein Massentransfer ein, der schließlich dazu führt, dass die gesamte wasserstoffreiche Hülle abgestreift wird und der heiße und kompakte Heliumkern freiliegt – mehr als zehnmal so heiß wie die Sonnenoberfläche. Dies ist genau die Art von Sternen, nach denen Götberg und Drout suchen. „Wissenschaftler ahnten bereits, dass Heliumsterne mittlerer Masse, die durch binäre Wechselwirkung entstanden sind, eine wichtige Rolle in der Astrophysik

Visualisierung eines Doppelsterns, der einen Massentransfer erlebt.

Foto: Ylva Götberg

Mit den galaktischen Stoßwellen, die sie ausbreiten, komprimieren Supernovae Gaswolken und können neue Sterne erzeugen. Anders gesagt: Supernovae formen unser Universum. Jedoch haben wasserstoffarme Supernovae von explodierenden massereichen Sternen Astrophysiker lange Zeit vor ein Rätsel gestellt. Der Grund: Die Wissenschaftler waren nicht in der Lage, ihre Vorläufersterne zu identifizieren. Es ist fast so, als wären diese Supernovae aus dem Nichts aufgetaucht. „Es gibt viel mehr wasserstoffarme Supernovae, als unsere derzeitigen Modelle erklären können. Entweder können wir die Sterne, die sich auf diesem Weg entwickeln, nicht entdecken, oder wir müssen alle unsere Modelle überarbeiten“, sagt ISTA-Assistenzprofessorin Ylva Götberg. Sie leistete zusammen mit Maria Drout, einer assoziierten Assistenzprofessorin des Dunlap Institute for Astronomy & Astrophysics an der Universität Toronto, Kanada, Pionierarbeit bei dieser Untersuchung. „Einzelne Sterne explodieren normalerweise als wasserstoffreiche Supernovae. Dass sie wasserstoffarm sind, bedeutet, dass der Vorläuferstern seine dicke, wasserstoffreiche Hülle verloren haben muss. Dies geschieht bei einem Drittel aller massereichen Sterne auf natürliche Weise durch Abstreifen der Hülle durch einen Doppelstern“, sagt Götberg.


Nicht nur eine Nadel im Heuhaufen Vor der Studie von Götberg und Drout wurde nur ein Stern gefunden, der die erwarteten Kriterien für Masse und Zusammensetzung erfüllte. Dadurch, dass er an Wolf-Rayet-Sterne erinnerte, wurde er „Quasi-WR“ benannt. „Doch die Sterne, die sich auf diesem Weg entwickeln, haben eine so lange Lebensdauer, dass viele von ihnen über das gesamte beobachtbare Universum verstreut sein müssen“, sagt Götberg. Haben die Wissenschaftler sie einfach nicht „gesehen“? So nutzten Götberg und Drout ihr komplementäres Fachwissen. Mit Hilfe von UV-Photometrie und optischer Spektroskopie identifizierten sie eine Population von 25 Sternen, die mit den Erwartungen für Heliumsterne mittlerer Masse übereinstimmen. Die Sterne befinden sich in zwei gut untersuchten benachbarten Galaxien, der Großen und der Kleinen Magellanschen Wolke. „Wir haben gezeigt, dass diese Sterne blauer sind als die Sternen-Geburtslinie, die blaueste Phase im Leben eines einzelnen Sterns. Einzelne Sterne entwickeln sich zum rötlichen Bereich des Spektrums hin. Ein Stern verschiebt sich nur dann in die entgegengesetzte Richtung, wenn seine äußeren Schichten entfernt werden – etwas, das bei wechselwirkenden Doppelsternen häufig und bei massereichen

Foto:Tom Holoien/Maria Drout

spielen. Dennoch wurden solche Sterne bisher nicht beobachtet“, sagt Götberg. Tatsächlich gibt es eine große Masselücke zwischen den bekannten Klassen von Heliumsternen: die massereicheren Wolf-Rayet-Sterne (WR) haben mehr als das Zehnfache der Sonnenmasse, und die massearmen Unterzwergsterne könnten etwa die Hälfte der Sonnenmasse haben. Laut Modellen liegen jedoch die Vorläufer wasserstoffarmer Supernovae nach dem Massentransfer zwischen zwei und acht Sonnenmassen.

Die Co-Erstautorin der Studie, Maria Drout, am Magellan-Teleskop des Las Campanas Observatoriums.

Einzelsternen selten vorkommt“, erklärt Götberg. Anschließend überprüften die Forscherinnen ihre Sternkandidaten mit Hilfe der optischen Spektroskopie: Sie zeigten, dass die Sterne starke spektrale Signaturen von ionisiertem Helium aufweisen. „Starke ionisierte Heliumlinien geben uns zwei wichtige Hinweise: Erstens bestätigen sie, dass die äußersten Schichten der Sterne von Helium dominiert werden und zweitens, dass ihre Oberfläche sehr heiß ist. Das ist das, was bei Sternen passiert, die nach dem Massentransfer einen freiliegenden, kompakten, heliumreichen Kern haben“, sagt Götberg. In einem Doppelsternsystem tragen jedoch beide Sterne zu den beobachteten Spektren bei. So konnten die Forscherinnen mit dieser Technik ihre Kandidatenpopulation danach klassifizieren, welcher Stern den größten Beitrag zum Spektrum leistet. „Diese Arbeit ermöglichte es uns, die fehlende Population von Heliumsternen mittlerer Masse zu finden, die als Vorläufer von wasserstoffarmen Supernovae vorhergesagt werden. Diese Sterne hat es schon immer gegeben, und es gibt wahrscheinlich noch viel mehr von ihnen da draußen. Wir müssen nur Wege finden, um sie zu finden“, sagt Götberg. „Unsere Arbeit ist vielleicht einer der ersten Versuche, aber es sollte noch weitere Möglichkeiten geben.“

Von Doktorandinnen auf einer Konferenz zu Gruppenleiterinnen Die Idee zu diesem Projekt entstand in einer Diskussion nach einem Vortrag von Götberg auf einer Konferenz, die sie und Drout während ihres Studiums besuchten. Beide Forscherinnen, die damals als Nachwuchswissenschaftlerinnen nach den Sternen griffen, sind heute Forschungsgruppenleiterinnen. Götberg kam im September zum ISTA, nachdem sie als NASA-Hubble-Postdoktorandin an den Carnegie Observatories in Pasadena, Kalifornien, geforscht hatte. Am ISTA reiht sich Götberg in die wachsende Zahl junger Professorinnen in der Astrophysik ein und leitet ihre eigene Gruppe, die sich mit der Untersuchung der Wechselwirkungen von Doppelsternen beschäftigt. Diese Arbeit, die von Maria R. Drout (Dunlap Institute for Astronomy & Astrophysics, University of Toronto, Kanada) und Ylva Götberg (Institute of Science and Technology Austria, ISTA) geleitet wird, wurde unter anderem in Zusammenarbeit mit den Observatorien der Carnegie Institution for Science (Pasadena, USA) und dem Max-PlanckInstitut für Astrophysik (Garching, Deutschland) durchgeführt.

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HARTE FAKTEN

DER SCHWEIGENDE KLIMAKILLER Die Bundesregierung will durch höhere Einnahmen ihr Finanzloch schließen: Der CO2-Preis soll 2024 auf 45 Euro steigen. Diese Kosten kommen auf uns alle zu. Es ist also nicht verwunderlich, dass die Industrie, Warenproduzenten und die Bevölkerung CO2-Emissionen sparen wollen. Aber es sind nicht nur die Kosten, sondern die übergroße Mehrzahl der Menschen hat begriffen, dass wir die Pariser Klimaziele erfüllen müssen, wenn wir noch eine Chance haben wollen, den Klimawandel wenigstens zu mildern. Ihn aufzuhalten scheint inzwischen hoffnungslos. Vor diesem Hintergrund scheint es ein zynischer Witz zu sein, dass ausgerechnet einer der massivsten Umweltschädiger aus dem Pariser Klimaabkommen ausgeklammert ist und sich auch nicht in die Karten schauen lässt – das Militär. Ein paar aktuelle Fakten: •

Der Krieg in der Ukraine verursacht so viele Treibhausgase wie Belgien in der gleichen Zeit.

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Der Ukraine-Krieg hat allein im ersten Jahr 120 Millionen Tonnen CO2Emissionen-Äquivalente ausgestoßen, darin sind andere klimaschädlicher Treibhausgase, wie etwa Methan einbezogen.

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Die Folgen: verbrannte Wälder, kontaminierte Böden und vergiftetes Grundwasser.

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Experten schätzen den Anteil der Emissionen, der durch das direkte Kampfgeschehen verursacht wird, auf 19 Prozent des Gesamtausstoßes der Großteil kommt demnach durch den Spritverbrauch vor allem russischer, aber auch ukrainischer Truppen zustande.

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Den größten Teil der Emissionen – nämlich rund 50 Millionen Tonnen – veranschlagt die Berechnung für den Wiederaufbau nach dem Krieg, wenn Kraftwerke, Industrie und Gebäude neu errichtet werden müssen.

Der britische Mathematiker Stuart Parkinson, der die Organisation Scientists for Global Responsibility leitet, versucht schon seit Jahren, der Rolle des Militärs für die Klimakrise auf den Grund zu gehen - und stößt dabei immer wieder auf sehr mächtige Hürden. Die EU, Großbritannien und die USA wollen bis 2050 klimaneutral werden. Doch: Aus dem Pariser Klimaschutzabkommen ist das Militär ausgeklammert.

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ENERGIE

Wasserstoffgemisch ist kein Problem Ein Gemeinschaftsprojekt des Energiedienstleisters Avacon und dem Deutschen Verein des Gasund Wasserfaches e. V. DVGW zur Beimischung von Wasserstoff in ein existierendes Gasverteilnetz in Sachsen-Anhalt ist erfolgreich abgeschlossen worden. Über einen Zeitraum von zwei Heizperioden wurden dem Erdgas stufenweise bis zu 20 Prozent Wasserstoff zugefügt. An den etwa 350 angeschlossenen Haushaltsgeräten wurde die Geräteeinstellung nicht verändert.

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Eine herkömmliche Gasheiz-Therme, wie sie häufig im Jerichower Land in Sachsen-Anhalt beim Testlauf mit Wasserstoff-Anteil vorkam.

Foto: Wikimedia

Das Projekt hat grundlegende physikalische Erkenntnisse zur Ähnlichkeit von Erdgas und Wasserstoff erbracht. Sie fließen in das DVGW-Regelwerk ein und erhöhen die Rechtssicherheit für Netzbetreiber. Eine Regelwerksanpassung betrifft die Gasqualität, eine weitere den Prüfumfang: Bei entsprechender sicherheitstechnischer Begleitung kann auf die Prüfung aller einzelner Gasgeräte bei einer Wasserstoffeinspeisung verzichtet werden. Zukünftig sind stichprobenhafte Prüfungen von Gasgeräten ausreichend, deren Art und Umfang der DVGW spezifizieren wird. Der Verein plant, Angaben zur Wasserstoffverträglichkeit von allen namhaften Geräteherstellern abzufragen und in einer Revision der DVGW-Anpassungsdatenbank im Laufe des Jahres 2024 zu implementieren. Für das Projekt wurde ein Netzabschnitt im Gasverteilnetz von Avacon im Jerichower Land in Sachsen-Anhalt

ausgewählt. Dieser eignete sich vor allem deshalb, weil die dort verbaute Netzinfrastruktur repräsentativ für das gesamte Avacon-Gasverteilnetz ist und die Ergebnisse somit übertragbar sind. Bei dem Netzabschnitt handelt es sich um ein Mitteldruck-Verteilnetz aus den neunziger Jahren mit rund 35 Kilometern Leitungslänge, von dem

etwa 350 Netzkunden mit Erdgas versorgt werden. Mit der entsprechenden Menge an Gasgeräten, die vor allem zur Wärmeversorgung dienen, deckt das ausgewählte Netzgebiet eine breite Gerätetechnik ab: Im Projektgebiet waren 352 Geräte von 30 Herstellern verbaut. Lediglich fünf Geräte wurden vor dem Start der Beimischung auf Wunsch der Hersteller getauscht. Bei der Laboruntersuchung der ausgebauten Geräte wurden jedoch keine sicherheitsrelevanten Mängel festgestellt, so dass auch diese im Netz hätten verbleiben können. Zwischen allen Beimischphasen erfolgten Stichproben, die durchweg positiv waren. Zudem wiesen alle Geräte während der Beimischphasen weniger Kohlendioxid-Emissionen und auch weniger Kohlenstoff und Stickstoffoxide auf. So werden bei einem Gasgemisch von 20 Prozent Wasserstoff sieben Prozent CO2 eingespart. Durch die Modernisierung eines Heizgerätes mit Brennwerttechnik ist eine Reduktion von etwa 17 Prozent CO2 möglich. Berücksichtigt man beide Faktoren, sind mit 23 Prozent fast ein Viertel an CO2Einsparungen möglich. Nach Abschluss des Projektes befürworten mehr als 90 Prozent der Teilnehmer den Einsatz von Wasserstoff im Gasnetz.


Ofenführerschein für richtiges Heizen Die Landesenergieagentur SachsenAnhalt (LENA) bietet in Zusammenarbeit mit der Ofen-akademie ab sofort den „Ofenführerschein“ in SachsenAnhalt an. Ziel ist es, die lokale Luftverschmutzung durch eine optimierte Bedienung möglichst vieler privater, handbeschickter Holzöfen und Kamine schnell und deutlich zu verringern. Ulrike Nestmann vom Fachbereich Verbraucher der LENA erklärt, was das Projekt „Ofenführerschein“ erreichen möchte: „Nach aktueller Forschungslage ist es möglich, die Feinstaubbelastung um 45 Prozent, den CO2-Ausstoß um bis zu 30 Prozent und die Menge organischer Schadstoffe um bis zu 67 Prozent zu reduzieren. Vorrausetzung ist die richtige Bedienung der Holzöfen“. Schließlich gibt es in mehr als jedem vierten Haushalt Deutschlands eine sogenannte „Kleinfeuerungsanlage“, zu denen auch die Holzöfen gehören. Laut Umweltbundesamt sind diese für zehn bis 20 Prozent der Feinstaubbelastung im Winter verantwortlich. Um möglichst viele Besitzerinnen und Besitzer von Holzöfen gleichzeitig aufzuklären, hat sich die Landesenergieagentur zu einer Zusammenarbeit mit der deutschen Ofenakademie entschlossen. Die Ofenakademie ist eine Schulungsplattform im Internet, die darauf zugeschnitten ist, die rund elf Millionen Privathaushalte in Deutschland schnellstmöglich für einen energieeffizienten, holz- und kostensparenden sowie umweltschonenden Betrieb ihrer Öfen fit zu machen. Kernstück ist ein knapp zweistündiger Onlinekurs, in dem Experten erläutern, worauf beim Heizen mit Holz besonders zu achten ist.

Neue Ratgeber für Unternehmen verfügbar! In ihren virtuellen Beratungsräumen hält die Landesenergieagentur Sachsen-Anhalt für kleine und mittlere Unternehmen zahlreiche Informationen bereit. Seit kurzem ist dort der Leitfaden „Photovoltaikanlagen zur Eigenversorgung“ zu finden. Zudem wird Anfang 2024 auch der Ratgeber „Energiebeschaffung – Überblick und Optionen“ sowie ein Flyer zum THG-Check SachsenAnhalt, dem Werkzeugkasten für Treibhausgasbilanzierung der LENA, abrufbar sein. Neben diesen neuen Dokumenten erhalten Sie in unseren virtuellen Räumen viele weitere gut strukturierte Fachinformationen zu den Themen „Energieeffiziente Querschnittstechnologien“, „Erneuerbare Energien und Speichertechnologien“ sowie „Verfahrensund Prozessoptimierung“. Besuchen Sie uns – von überall und zu jeder Zeit! lsaurl.de/QePjOp

Das Seminar kann jederzeit begonnen oder unterbrochen und später fortgesetzt werden. Am Ende gibt es einen kurzen Test. Wer den besteht, bekommt den „Ofenführerschein“ - ein personalisiertes Umweltzertifikat. Doch das ist noch nicht alles: die Absolventen werden zukünftig dauerhaft Kosten sparen, weil sie durch die korrekte Bedienung ihrer Öfen weniger Holz für die gleiche Wärmeausbeute benötigen und sich außerdem der Wartungsaufwand reduzieren wird.

Kostenlose Gutscheine jetzt anfordern Die LENA möchte im ersten Schritt die Akzeptanz testen und bietet allen Privatpersonen, die in Sachsen-Anhalt eine holzbetriebene Kleinfeuerungsanlage nutzen, einen kostenlosen Gutschein für den Besuch der Online-Akademie.

Weitere Infos: Tel.: +49 391 5067-4039 www.lena.sachsen-anhalt.de

Zunächst stehen 75 Gutscheine zur Verfügung. Die Vergabe erfolgt im Windhundverfahren. Wer den Ofenführerschein kostenlos absolvieren möchte, geht auf folgende Internetseite: www.ofenakademie.de/ lena-lsa. Dort kann ein Zugangscode abgefragt werden. Wer eigenverantwortlich etwas für den Klimaschutz tun möchte, kann den Ofenführerschein auch direkt erwerben. Dieser ist auf der Schulungsplattform www.ofenakademie. de erhältlich.

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WISSENSCHAFT

Von der Vermessung unseres Körpers Kulturwissenschaftler der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg erforschen anhand der medizintechnischen Sammlung der Universität die Technikgeschichte von Biofeedbacksystemen und entwickeln daraus ein Präsentations- und Nutzungskonzept für wissenschaftliche Universitätssammlungen in Deutschland. Schmerz-Stress: Kulturen und Techniken von Biofeedback-Systemen 1960-1990: Material Culture-Forschung in der Medizintechnischen Sammlung der Universität Magdeburg“ konzentrieren sich die mehr als zehn beteiligten Wissenschaftler auf Schlaf, Schmerz und Stress sowie auf die dafür eingesetzten Aufzeichnungsmedien. Das Team um Professorin Susanne Peters arbeitet dabei eng mit den Kollegen anderer Disziplinen zusammen. „Vertreter der Fachbereiche Technikgeschichte, Anglistik, Philosophie, Sportwissenschaft und Medizingeschichte kooperieren mit Kollegen aus der Medizintechnik sowie Wissenschaftlern aus Museen und der Sammlungsforschung anderer Universitäten“, so die Kulturwissenschaftlerin. Forschungs- und Praxispartner sind das Deutsche Museum München, das Hermann-von- Helmholtz-Zentrum für Kulturtechnik der Humboldt-Universität zu Foto: Marlene Adam/Uni Magdeburg

Biomonitorsysteme sind in der Lage, Körpersignale zu messen und zu überwachen, zum Beispiel die Herz- oder Atemfrequenz, Hirnwellen, Muskelaktivitäten oder die Temperatur der Haut. „Einfach ausgedrückt, werden Körperfunktionen durch technisches Gerät sichtbar gemacht, um im Anschluss bestimmte Maßnahmen daraus abzuleiten, zum Beispiel in der medizinischen Therapie, im Sport für ein gezieltes Training oder bei einer Verhaltenstherapie. Entscheidend ist die Kopplung von Technik und Mensch — und damit rücken technisch induzierte Körperverhältnisse in unseren forschenden Blick“, erklärt Projektleiterin Professorin Susanne Peters vom Lehrstuhl für Anglistische Kultur- und Literaturwissenschaft der Universität Magdeburg. In dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit 740 000 Euro geförderten Forschungsprojekt „Schlaf-

Das Objekt BMT 501 vom RFT Messgerätewerk Zwönitz ist Teil der medizintechnischen Sammlung der Uni Magdeburg.

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Berlin, das TECHNOSEUM Mannheim, die Kustodie der Technischen Universität Dresden, die Medizinhistorische Sammlung und Abteilung für medizinische Ethik und Geschichte der Medizin der Ruhr-Universität Bochum, die Bereiche Geschichte der Medizin und Technikgeschichte der TU Braunschweig. In einem ersten Schritt wollen die Magdeburger gemeinsam mit Kollegen vom Deutschen Museum München und dem Technikmuseum Magdeburg die über 300 Geräte aus der medizintechnischen Sammlung der Universität Magdeburg erschließen und katalogisieren. Es folgt anschließend eine dreijährige Forschungskooperation mit der TU Braunschweig, in deren Rahmen kultur- und geschichtswissenschaftlichen Fragestellungen nachgegangen werden soll. „Das heißt konkret, wir untersuchen, ob und was mit den Geräten gemessen wurde, unter welchen Bedingungen sich die Materialien und die Eigenheiten der technischen Objekte im Laufe der Jahre von 1960 bis 1990 entwickelten und nicht zuletzt, welche kulturgeschichtlichen Aussagen wir zu den Mensch-MaschineInteraktionen und Selbstoptimierungsszenarien treffen können“, so Susanne Peters. „Alle Einzelstudien und Erkenntnisse sollen sich dann in drei mehrmonatigen sogenannten Temporären Objektlaboren im Technikmuseum Magdeburg zusammenfinden. Die historische medizintechnische Sammlung der Universität wird dann auf dem Universitätscampus präsentiert und auch in die Lehre, beispielsweise in den Studiengängen Medizintechnik und Cultural Engineering, öffentlichkeitswirksam integriert.“


Neuer Studiengang für Künstliche Intelligenz Der erste gemeinsame Studiengang von fünf Hochschulen des Landes Sachsen-Anhalt „AI Engineering – Künstliche Intelligenz in den Ingenieurwissenschaften“ ist seit Ende vorigen Jahres mit den ersten 22 Studenten auf dem Magdeburger Unicampus gestartet.

In diesem bundesweit einzigartigen Studienmodell absolvieren sie zunächst ein viersemestriges Grundlagenstudium an der Otto-vonGuericke-Universität Magdeburg. Anschließend haben sie die Möglichkeit, ein Vertiefungsstudium an einer weiteren der insgesamt fünf beteiligten Hochschulen zu beginnen: Fertigung, Produktion und Logistik an der Universität Magdeburg, Agrarwirtschaft und -technik an der Hochschule Anhalt, Mobile Systeme und Telematik an der Hochschule Harz, Green Engineering an der Hochschule Merseburg oder Biomechanik und Smart Health Technologies an der Hochschule Magdeburg-Stendal. „Durch die Kooperation der Hochschulen steht den Studierenden ein ungewöhnlich breites Ausbildungsangebot zur Verfügung“, so Professorin Dr. Susanne Schmidt, Prorektorin für Studium und Lehre der Universität Magdeburg. „Die Absolventinnen und Absolventen werden künftig als dringend benötigte Fachkräfte in der Lage sein, innovative KI-Lösungen an der Schnittstelle zu den Ingenieurwissenschaften in den verschiedenen Anwen-

dungsdomänen und darüber hinaus zu entwickeln.“ Die Entwicklung und Implementierung dieses kooperativen Studiengangs an der Schnittstelle von KI und Ingenieurwissenschaften habe in der gesamten Hochschullandschaft großes Interesse geweckt, so Schmidt weiter. „Das Modell kann ein Leuchtturm sein für die Gestaltung weiterer gemeinsamer Studiengänge im Land SachsenAnhalt und Raum für Kooperation und Synergien auch über den Studiengang hinaus schaffen.“ Der gemeinsame Studiengang werde auf die Herausforderungen der digitalen Zukunft vorbereiten, erklärt Professor Dr. Sebastian Stober, Inhaber des Lehrstuhls für Künstliche Intelligenz an der Universität Magdeburg. „Wir waren uns bewusst, dass die dafür notwendige Breite und Tiefe eines Studienangebotes nicht allein von unserer Universität abgedeckt werden kann. Durch die Zusammenarbeit mit anderen Hochschulen haben wir eine starke Partnerschaft in Sachsen-Anhalt geschaffen, von der die Studierenden profitieren.“ Dabei sei die Entwicklung des Studiengangs herausfordernd

gewesen, so Stober weiter. „Es gibt zu dem Studiengang kein Referenzmodell, das heißt, man entwickelt nicht den nächsten Maschinenbau-Studiengang, sondern etwas grundständig Neues, das die Interdisziplinarität zwischen Künstlicher Intelligenz und Ingenieurwissenschaften in den Vordergrund stellt.“ Nicht zuletzt fördere die Zusammenarbeit über Hochschulgrenzen hinweg aber auch den Austausch unterschiedlicher didaktischer Ansätze in der Lehre sowie die Zusammenarbeit in Forschungsprojekten. Dabei stoße der Studiengang auch bei Unternehmen auf großes Interesse, so der Studienfachberater und Koordinator des Verbundprojekts, Johannes Schleiß, von der Universität Magdeburg. „Die Nachfrage aus unserem Unternehmensnetzwerk zeigt Bedarfe, die wir mit der aktuellen Kohorte nicht annähernd decken können.” Den Studenten werde durch die Zusammenarbeit mit regionalen Unternehmen bereits im Studium die Möglichkeit gegeben, sich in realen Anwendungskontexten auszuprobieren.

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WISSENSCHAFT

E-Nasen erkennen Bakterien lange vor Menschennasen Macht man eine Milchpackung auf, die schon eine Weile im Kühlschrank gelagert war, dann schnuppert man erst einmal, ob die Milch noch gut ist. Auch bei anderen Lebensmitteln hilft der Geruch, um festzustellen, ob sich bereits Bakterien ausgebreitet haben, denn die verbreiten einen typischen Geruch, wenn sie sich vermehren. Das Problem: Das menschliche Riechorgan ist nicht empfindlich genug, um alles rechtzeitig zu bemerken. Hier kommt die künstliche Intelligenz ins Spiel. Laut einem Bericht der Weltgesundheitsorganisation erkrankten allein im Jahr 2022 schätzungsweise 600 Millionen Menschen durch kontaminierte Lebensmittel – eine besorgniserregende Realität, die einen proaktiveren und fortschrittlicheren Ansatz zur Lebensmittelsicherheit erfordert. Die gute Nachricht? Mit der zusätzlichen Unterstützung von KI schreiten Biotechnologieunternehmen voran, um eine Reihe von technologiebasierten Sicherheitswundern zu entwickeln. Die Entwicklung fortschrittlicher elektronischer Nasen, oder E-Nasen, die Stämme von Lebensmittelbakterien aufspüren, ist ein klassisches Beispiel für diese technologische Revolution. Stellen Sie sich ein Gerät vor, das so fortschrittlich ist, dass es den menschlichen Geruchssinn nachbildet. Ein solches revolutionäres Gerät ist die E-Nase namens Sensifi, ein verfeinertes Werkzeug zur Lebensmittelsicherheit, das für Vor-Ort-Inspektionen von Lebensmittelproduzenten optimiert ist. Ein faszinierender Abschied von herkömmlichen Methoden. Diese KIgesteuerten Biosensoren verfügen über eine hohe Sensibilität. Sie imitieren die Funktion einer menschlichen Nase, da sie Gerüche erkennen und unterscheiden können. Bakterien in Lebensmitteln wandeln allgemein vorhandene Chemikalien in einzigartige VOCs (Flüchtige organi-

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sche Verbindungen) um. Diese VOCs sind die „Geruchsspuren“ der Bakterien, die ihre Anwesenheit verraten. Die sensorische Datenstruktur der E-Nase erfasst diesen spezifischen VOC-Fingerabdruck und alarmiert das System vor dem Vorhandensein des Bakteriums. Dadurch werden nicht nur die Bakterien identifiziert, sondern es werden auch entscheidende Einblicke in den Zustand der Lebensmittel gewonnen.

KI spielt eine wesentliche Rolle dabei, E-Nasen effektiver und genauer zu machen. Wenn eine solche Struktur gleichartiger Daten von VOC-Sensoren in einer E-Nase ein Muster identifiziert hat, tritt die Künstliche Intelligenz in Aktion. Bei der Umwandlung von Rohdaten

in wertvolle Informationen beweist die KI ihre Stärke. Die erkannten Muster werden in Algorithmen umgewandelt, um sicherzustellen, dass die gesammelten Daten sinnvoll genutzt werden können. Die E-Nase nimmt einen kurzen Riecher des Lebensmittels, analysiert blitzschnell, ob schädliche Bakterienstämme vorhanden sind und warnt, wenn das der Fall ist. Elektronische Nasen, oder E-Nasen, können verschiedene Vorteile für den Alltag der Menschen bieten, sogar für diejenigen, die keine Experten auf dem Gebiet sind. Neben der Prüfung der Qualität von Lebensmitteln und Getränken können E-Nasen sogar helfen, Speisen anhand von Duftprofilen so zusammenzustellen, dass es ein wirklicher Genuss wird und nicht zuletzt helfen sie bei der Verhütung von Krankheiten durch rechtzeitiges Erkennen des Verfalls. Die E-Nasen dürften vor allem in der fleischverarbeitenden Industrie ein wertvoller Helfer sein, um rechtzeitig beispielsweise das Fleisch verschiedener Anlieferer zu prüfen. Die Integration von KI und E-Nasen eröffnet ein neues Kapitel bei der Verhütung von durch Lebensmittel übertragene Krankheiten. Durch das frühzeitige Vorhersagen von möglichen Risiken stellt diese Kombination eine spannende Aussicht dar – letztendlich die Rettung von Leben.


Schönheitswettbewerb der Elektronen

Stellen sie sich ein Material vor, das nur aus einer Schicht Atome besteht – weniger als ein Millionstel eines Millimeters dick. Das mag zwar fantastisch klingen, aber ein solches Material existiert: Es heißt Graphen und besteht aus Kohlenstoffatomen in einem wabenförmigen Gitter. Es wurde erstmals im Jahr 2004 hergestellt und schon bald für seine wundersamen Eigenschaften gepriesen. Jedoch arbeiten Wissenschaftler immer noch daran, es vollkommen zu verstehen. Postdoc Areg Ghazaryan und Professor Maksym Serbyn vom Institute of Science and Technology Austria (ISTA) haben sich gemeinsam mit Dr. Tobias Holder und Professor Erez Berg vom Weizmann Institute of Science in Israel seit Jahren mit Graphen beschäftigt. „Mehrschichtiges Graphen hat viele vielversprechende Eigenschaften, die von einer veränderbaren Bandstruktur über besondere optische Eigenschaften bis hin zu neuen Formen der Supraleitung reichen – das heißt, es kann elektrischen Strom ohne Widerstand leiten“, erklärt Ghazaryan. „In unserem theoretischen Modell setzen wir unsere Arbeit an gestapeltem Graphen fort und untersuchen, wie sich die verschiedenen Graphen-Schichten am besten übereinander anordnen lassen. Dabei fanden wir neue Möglichkeiten, um sogenannte topologische Supraleitung zu erzeugen.“ In ihrer Studie simulierten die Forscher am Computer, was passiert, wenn man mehrere Lagen von Graphen in bestimmten Anordnungen übereinanderstapelt. „Es ist wie ein großer Schönheitswettbewerb zwischen den verschiedenen Konfigurationen von gestapelten Graphenschichten, um die beste zu finden“, fügt Serbyn hinzu. „Dabei untersuchen wir, wie sich die Elektronen verhalten, die sich in den Graphenschichten bewegen.“ Je nachdem, wie viele Graphenschichten es sind und wie sie gegeneinander verschoben sind, erschaffen die positiv geladenen Kerne der Kohlenstoffatome im Wabengitter unterschiedliche Umgebungen für die Elektronen um sie herum. Die negativ geladenen Elektronen werden von den Kernen angezogen und von den anderen

Foto: ISTA

Graphen ist ein seltsames Material. Seine Eigenschaften zu verstehen, ist sowohl für die Grundlagenwissenschaften interessant als auch für vielversprechende neue Technologien. Ein Team von Forschern des Institute of Science and Technology Austria (ISTA) und des Weizmann Institute of Science hat Systeme aus mehreren übereinander gestapelten Graphenschichten untersucht und herausgefunden, wie diese zu neuen Formen exotischer Supraleitung führen können.

Elektronen um sie herum abgestoßen. Dabei haben die Forscher bestätigt, dass die exotische Form der topologischen Supraleitung auftritt. Diese Art der theoretischen Forschung legt den Grundstein für künftige Experimente, bei denen die simulierten GraphenSysteme in einem Labor hergestellt werden, um zu sehen, ob sie sich wirklich so verhalten, wie vorhergesagt. „Unsere Arbeit hilft, neue Experimente zu entwerfen, ohne jede Konfiguration von Graphenschichten ausprobieren zu müssen“, ergänzt Ghazaryan. „Jetzt wird die theoretische Forschung weitergehen, während uns die Experimente Feedback aus der Natur geben werden.“ Während Graphen langsam Anwendungen in der Forschung und Technik gefunden hat – zum Beispiel als Kohlenstoff-Nanoröhren – beginnt man gerade erst, sein Potenzial als topologischer Supraleiter für Elektrizität zu verstehen.

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GESUNDHEIT

Foto: Jana Dünnhaupt/Uni Magdeburg

Professorin Monika Brunner-Weinzierl.

Neuen Helden frühkindlicher Immunabwehr entdeckt Ein Team von Wissenschaftlern der Universitätsmedizin Magdeburg entschlüsselt einen neuen Mechanismus innerhalb der altersspezifischen Infektionsabwehr gegen bakterielle Erreger. Eine entscheidende Rolle spielt dabei eine Gruppe Bakterien, die im Darm von Kleinkindern dominant sind. Das menschliche Immunsystem ist ständig aktiv und reagiert dabei ununterbrochen auf fremde Erreger (Antigene). Allerdings fallen die Reaktionen bei Säuglingen, Kindern und Erwachsenen ganz unterschiedlich aus. Das zeigten die Immunantworten auf das CoronaVirus bereits sehr eindrücklich, aber auch bei bakteriellen Infektionen konnte das Team um Immunologin Professorin Dr. Monika Brunner-Weinzierl, Leiterin der Experimentellen Pädiatrie und Neonatologie der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, bei einer aktuellen Studie ebenfalls erhebliche altersabhängige Unterschiede feststellen. Gleichzeitig konnte die Gruppe neue Erkenntnisse über die Rolle der T-Zellen – die maßgeblich darüber entscheiden, ob und in welcher Form eine Immunreaktion stattfindet – gewinnen. In der Studie wurden dazu die antibakteriellen T-Zell-Reaktionen gegen drei

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verschiedene Bakterienstämme in frühen Lebensphasen sowie im Erwachsenenalter untersucht. Die Ergebnisse wurden in dem Fachjournal „Nature Communications“ veröffentlicht und könnten in Zukunft dazu beitragen, gezieltere und effektivere Ansätze zur Behandlung und Prävention von Infektionen zu entwickeln, die auf die jeweilige Altersgruppe zugeschnitten sind.

Der Fokus der Wissenschaftler richtete sich insbesondere auf die Fragen, wie sich T-Helferzellen im frühen Lebensalter differenzieren und auf krankheitserregende und harmlose Antigene reagieren, und wie der Organismus das im Wachsen befindliche Gewebe schützt, um lebenslange Schäden zu vermeiden. „Diese Fragestellung ist bislang noch wenig verstanden und stellt eine grund-


legende wissenschaftliche Herausforderung dar. Die immunologischen Anforderungen in den ersten Lebensjahren, wenn das immunologische Gedächtnis noch nicht ausreichend entwickelt ist, sind hoch. Sofortige Abwehrmechanismen sind notwendig, um den Organismus zu schützen, während die gleichzeitige Entzündung geringgehalten werden muss, um Schäden am sich entwickelnden Gewebe zu vermeiden“, erklärt Brunner-Weinzierl. In der Studie wurden die T-Zell-Reaktionen gegen die Bakterienstämme Staphylococcus aureus ssp. aureus (S. aureus), Staphylococcus epidermidis (S. epidermidis) und Bifidobacterium longum ssp. infantis (B. infantis) in frühen Lebensphasen und bei Erwachsenen, darunter auch solche mit Covid-19-Infektionen, untersucht. Laut der Immunologin zeigten die Ergebnisse deutliche Unterschiede in den alters- und erregerabhängigen Strategien der Immunabwehr. Im Fall von B. infantis entschlüsselte die Gruppe zudem überraschend einen Mechanismus, der Immunantworten unterdrückt. Brunner-Weinzierl erklärt: „Wir konnten zeigen, dass das Immunsystem tatsächlich aktiv auf die Darmbakterien B. infantis reagiert. Es wurden regulatorische T-Zellen generiert, die hervorragend überschießende Immunantworten abschalten können. Bisher dachte man, dass B. infantis im Darm lediglich als eine Art Barriere fungiert, damit sich potentiell krankheitserregende Bakterien nicht ansiedeln können.“ Dieser Mechanismus sei bereits von Neugeborenen mit einem noch heranreifenden Immunsystem bekannt. „Wir konnten ähnliche Phänomene bei Erwachsenen im Reagenzglas nachstellen. Bemerkenswerterweise konnten die generierten regulatorischen T-Zellen sowohl

Wie viel Deutsche leiden unter Atemwegserkrankungen? Seit dem Beginn der laufenden Grippesaison in der 40. Kalenderwoche des Vorjahres lag die geschätzte Anzahl der akuten respiratorischen Erkrankungen (ARE) in fünf von acht Wochen über den Fallzahlen des Vorjahres. Im Vergleich mit dem Jahr 2021 litten im Vorjahr sogar durchgehend deutlich mehr Menschen unter Atemwegserkrankungen. In absoluten Zahlen ausgedrückt schätzt das Robert Koch-Institut (RKI), dass aktuell 7,4 Millionen Menschen 2023 von ARE betroffen waren. überschießende Entzündungsreaktionen von COVID-19-Patienten, als auch andere Arten, beispielsweise allergische Antworten gegen Birkenpollen und S.aureus unterdrücken.“ Mit Blick auf neue Therapiestrategien betont Professorin Brunner-Weinzierl: „Unsere Forschungsergebnisse zeigen, dass das Immunsystem im Laufe des Lebens erhebliche Veränderungen durchläuft, die unsere Fähigkeit zur Abwehr von bakteriellen Infektionen beeinflussen. Diese Erkenntnisse könnten in der

Zukunft dazu beitragen, maßgeschneiderte Immuntherapien zu entwickeln, die auf die individuellen Bedürfnisse von Säuglingen, Kindern und Erwachsenen zugeschnitten sind. Weiterhin gibt es insbesondere in den ersten Lebensmonaten raffinierte Strategien, den Organismus gegen überschießende oder sogar unerwünschte Entzündungsreaktionen zu schützen. Diese könnten dann bei Erwachsenen wieder wachgerufen werden, wenn sie nicht mehr funktionieren.“

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GESUNDHEIT

Schlauer Laser statt Knochensäge Laser anstelle von Skalpell und Säge zu verwenden, hätte in der Chirurgie viele Vorteile. Dennoch kommen sie nur punktuell zum Einsatz. Das könnte sich ändern, denn Lasersysteme werden immer schlauer und besser, wie ein Forschungsteam der Universität Basel zeigt. Schon als Gordon Gould 1957 die Abkürzung Laser für „Light Amplification by Stimulated Emission of Radiation“ schuf, stellte er sich die Einsatzmöglichkeiten in der Medizin vor. Berührungslos und präzise könnten Chirurgen damit Schnitte setzen. Bis dahin waren und sind noch viele Hürden zu überwinden: Manuell bediente Lichtquellen wurden durch mechanische und computergesteuerte Systeme abgelöst, um Verletzungen durch ungenaue Handhabung zu reduzieren. Kontinuierliche Strahlen ersetzte man durch sich schnell an- und abschaltende, sogenannte gepulste Laser und konnte so die entstehende Hitze reduzieren. Dank technischer Fortschritte hielten Laser Anfang der 1990er-Jahre Einzug in die Augenheilkunde. Inzwischen kommt die Technologie auch in anderen medizinischen Bereichen vor, sie hat Skalpelle und Knochensägen aber nur für relativ wenige Anwendungen abgelöst. Vor allem Sicherheitsfragen stellen eine Hürde dar: Wie lässt sich verhindern, dass umliegendes Gewebe verletzt wird? Wie exakt lässt sich die Schnitttiefe kontrollieren, damit nicht ungewollt tiefer liegende Schichten beeinträchtigt werden? Einen wichtigen Beitrag für den sicheren und präzisen Einsatz von Lasern haben nun Forscher der Universität Basel im Fachjournal „Lasers in Sur-

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gery and Medicine“ veröffentlicht. Das Forschungsteam um Dr. Ferda Canbaz am Departement Biomedical Engineering in Basel und Professor Dr. Azhar Zam, ehemals Universität Basel, heute an der New York University, hat ein System entwickelt, das drei Funktionen kombiniert: Es schneidet Knochen, kontrolliert die Schnitttiefe und unterscheidet verschiedene Gewebe.

Drei Laser auf einen Punkt Alle drei Funktionen beruhen auf Lasern, die parallel auf den gleichen Punkt gerichtet werden. Der erste Laser dient als Gewebesensor, indem er die Umgebung des geplanten Knochenschnitts scannt. In regelmäßigen Abständen bestrahlt dieser Laser die Oberfläche und vaporisiert dabei eine winzige Gewebeprobe. Deren Zusammensetzung misst ein Spektrometer: Jedes Gewebe hat ein individuelles Spektrum, also eine eigene Signatur. Ein Algorithmus verarbeitet diese Daten und erstellt eine Art Karte, wo sich der Knochen befindet und wo weiches Gewebe ist. Erst anschließend wird der Laser aktiv, der Knochen schneidet. Und zwar nur dort, wo die zuvor erstellte Karte Knochen und kein weiches Gewebe verzeichnet. Gleichzeitig misst der dritte Laser – ein optisches System – die Schnitttiefe und kontrolliert, dass der Schnitt-Laser nicht tiefer schneidet als


Herzambulanz eröffnet geplant. Auch der Gewebesensor überprüft während des Schneidens immer wieder, dass das korrekte Gewebe geschnitten wird.

Autonome Kontrolle „Das Besondere an unserem System ist, dass es sich ohne menschliches Zutun selbst kontrolliert“, fasst Laserphysikerin Ferda Canbaz zusammen. Getestet haben die Forscher ihr System bisher an Oberschenkelknochen und -gewebe von Schweinen, die von lokalen Metzgern stammen. So konnten sie nachweisen, dass ihr System bis auf Bruchteile von Millimetern genau arbeitet. Auch die Geschwindigkeit des Kombi-Lasers nähert sich der eines konventionellen chirurgischen Eingriffs. Das Forschungsteam arbeitet derzeit daran, das System zu verkleinern. Etwa die Größe einer Streichholzschachtel haben sie bei der Kombination des optischen Systems und des Schnittlasers bereits erreicht. Die Integration des Gewebesensors und weitere Miniaturisierung soll letztlich dahinführen, dass das System in einer Endoskopspitze Platz hat, um minimalinvasive Operationen zu ermöglichen.

Schonendere Chirurgie

Arsham Hamidi, Erstautor der Studie. Berührungsloses Schneiden reduziere etwa das Risiko für Infektionen. „Kleinere und präzisere Schnitte lassen zudem das Gewebe schneller heilen und reduzieren die Narbenbildung.“ Knochen kontrolliert mit Lasern zu schneiden ermöglicht außerdem, neue Schnittformen einzusetzen, durch die sich beispielsweise ein Knochenimplantat physisch mit dem bestehenden Knochen verzahnen ließe. „Vielleicht könnte man sich Knochenzement damit eines Tages komplett sparen“, fügt Ferda Canbaz hinzu. Aber auch in anderen Bereichen der Chirurgie wäre ein solches Kombi-System sinnvoll: Womöglich ließen sich damit Tumore exakter vom umliegenden gesunden Gewebe unterscheiden und herausschneiden, ohne unnötig viel benachbartes Gewebe zu entfernen. Eines steht fest: Die Verwirklichung von Gordon Goulds Vision vom Laser als vielseitig einsetzbarem Werkzeug in der Medizin rückt immer näher.

Das Klinikum Magdeburg baut als erstes Krankenhaus in der Region eine neuartige Ambulanz, in der künftig kleinere Eingriffe am Herzen oder an den Gefäßen durchgeführt werden. Betroffene können am gleichen Tag wieder nach Hause in die vertraute Umgebung und profitieren dennoch von der modernen Technik und hohen Fachlichkeit eines Krankenhauses. Die Ambulanz, die Ende vergangenen Jahres eröffnet wurde, wird gemeinschaftlich vom Chefarzt der Klinik für Kardiologie und Diabetologie, Professor Hendrik Schmidt, und dem Chefarzt der Klinik für Gefäßchirurgie, Dr. Jörg Tautenhahn, geführt. Herzschrittmacher Gerade einmal so groß wie eine Medikamenten-Kapsel ist der kleinste Schrittmacher der Welt. Er wird am Klinikum Magdeburg Patienten, bei denen das Herz droht, zu langsam zu schlagen, direkt in eine der Herzkammern eingeführt und verbleibt dort ein Leben lang. Wie Professor Dr. Hendrik Schmidt erläutert, helfen Widerhaken dabei, dass das winzige Gerät im Herzmuskel nahe an der Herzspitze verankert wird.

„Laser vermehrt in der Chirurgie einzusetzen wäre aus verschiedenen Gründen erstrebenswert“, betont Dr.

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KULTUR

„…innen sind wir arme Teufel“

Foto: Victoria Kühne

Fast wäre „Die unendliche Geschichte“ von Michael Ende am Magdeburger Puppentheater zu Ende gewesen, bevor sie begonnen hatte. Kurz vor der Premiere erkrankte Hauptdarsteller Richard Baborka. Puppenspieler Daniil Shchapov hörte den verzweifelten Ruf und rettete mit nicht mal drei Tagen Vorbereitung die Premiere.

Die Geschichte des Buches der „Unendlichen Geschichte“ ist ein Spiel mit der Fantasie, eine Geschichte in der Geschichte mit Analogien zur Realität, die sich in der irrealen Welt verlieren, mit Figuren, die wie aus dem Nichts erscheinen und wieder verschwinden. Es ist ein Spiel mit doppeltem, mitunter dreifachem Boden. Der Autor Michael Ende selbst sah sich als Teil dieses Spiels, teilte seinem Verleger mit, dass er das Buch nicht beenden könne, weil die wichtigste Figur sich weigere, aus der Geschichte auszutreten. Wo kann man solchen Gedankenflügen besser entsprechen als im Puppentheater. Hier ergeben sich die Möglichkeiten, die fantastischen Figuren in all ihrer Skurrilität gestalterisch auszuleben. Regisseur Tim Heilmann schafft den inszenatorischen Raum dafür, entwirft die Kostüme und kreiert selbst eine höchst flexible Bühne, die in ihrem scheinbaren Minimalismus

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unglaubliche viele Gestaltungsmöglichkeiten bietet. Diesen Freiraum nutzen die Puppenbauer Frank Soehnle und Merle Smalla weidlich, geben buchstäblich ihrem Affen Zucker und leben die Fantasie bei der Gestaltung der Figuren aus. Vermutlich ganz im Sinne von Michael Ende schaffen sie keine Puppen im herkömmlichen Sinn. Sie verleihen den Phantasiegestalten charakteristische Merkmale. Das können beispielsweise ellenlange Spinnenbeine

sein, eine Schnecke wird zu einer unglaublich flinken Rennschnecke, der Drache Fuchur zu einem wolkigen Luftwesen oder der Stellvertreter der Kindlichen Kaiserin, Atréju, zu einem metallischen Wesen mit Gefühlen. Übergroße Monster gehören ebenso dazu, wie die böse Hexe, die Bastian auf seinem Irrweg durch das Land „Phantásia“ als Maske begleitet und bestärkt. Lediglich Bastian, hier von Daniil Shchapov gespielt, hat eine Rolle als Mensch.


Einen zwingenden Handlungsstrang hat die „Unendliche Geschichte“ nicht, aber eine Botschaft. Die Kindliche Kaiserin ist krank. Ihre Krankheit weitet sich auf das Reich „Phantásia“ aus, in dem immer größere „Nichts“ auftauchen, die alles in „Nichts“ auflösen. Bastian ist in der realen Ebene ein Schüler, der sich kaum verstanden fühlt und in einer Buchhandlung die „Unendliche Geschichte“ in die Hand bekommt. Damit beginnt die Geschichte in der Geschichte. Er taucht

ein in die Fantasiewelt und versucht die Kindliche Königin und damit das Reich „Phantásia“ zu retten. Dabei trifft er auf zahlreiche Figuren – es dürften so um die 20 verschiedenen Puppen gewesen sein – die ihn ganz unterschiedlich beeinflussen, ihm sogar die Erfüllung aller Wünsche ermöglichen. Doch genau das tut ihm nicht gut. Macht korrumpiert, früher vermisste Stärke verändert sein Wesen. Aber es gibt auch einen Ausweg, der ihn zurück in die Buchhandlung führt.

Für Michael Ende ist Phantasie alles. Er wendet sich gegen Materialismus und dem Drang, alles zu ergründen und zu beweisen. In einem Gespräch sagt er: „Äußerlich haben wir alles, innen sind wir arme Teufel. Wir können keine Zukunft sehen, wir können keine Utopie finden“. Die „Unendliche Geschichte“ ist höchst aufwendig und vor allem phantasievoll inszeniert. Sie widerlegt die Selbstzweifel des Autors, dass der Welt von heute das Träumen verloren gegangen sei. Im Gegenteil, denn das Spiel mit den Puppen von Luisa Grüning, Lennart Morgenstern und Freda Winter an der Seite von Daniil Shchapov war so intensiv, dass man mitunter nicht genau sagen konnte, ob die Figuren mit den Spielern agierten, oder ob es eventuell umgekehrt sei. Dieses Spiel ist in seiner Intensität und Ambivalenz der Botschaften so stark, dass es vielleicht doch eher für Erwachsene geeignet ist. Andrerseits ist die „Unendliche Geschichte“ inzwischen ein Klassiker der Kinder- und Jugendliteratur. Das ist vielleicht Grund genug, die Vorstellung mit der gesamten Familie zu besuchen.

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KULTUR

Der Irrtum von der Überlebenschance Was bedeutet Respekt vor dem Leben? Das ist eine der zentralen Fragen in dem Zwei-Personen-Stück „Tod eines talentierten Schweins“, einem Schauspiel des tschechischen Autors Roman Sikora, das als deutschsprachige Erstaufführung im Magdeburger Schauspielhaus vom Publikum begeistert aufgenommen wurde.

Foto: Kerstin Schomburg

Marie-Joelle Blazejewski in der Rolle des talentierten Schweins.

Manchmal muss man nur die Perspektive wechseln, um plötzlich klar zu erkennen, was im täglichen Umgang mit den Dingen aus dem Blick geraten ist. Roman Sikora ist ein Meister der Zuspitzung humaner und gesellschaftlicher Entgleisungen. Mit seinem Stück „Tod eines talentierten Schweins“ macht er genau das. Das Schwein heißt Miroslava. MarieJoelle Blazejewski schlüpft dazu auf der Bühne in eine hautenge blassrosa Hülle, grunzt, bewegt sich wie ein Schwein, und kann singen. Das macht sie zu etwas Besonderem auf dem Schlachthof, weshalb sie so lange leben darf, wie ein Schwein natürlicherweise im Durchschnitt lebt, also 15 Jahre. Doch auch dann wird ihr „Glück“ brutal beendet, wie bei

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mehr als 50 Millionen ihrer Artgenossen jährlich in Deutschland. Doch Schwein Miroslava darf seine Geschichte erzählen und dazu singen. Marie-Joelle Blazejewski, am Klavier von Thomas Leboeg begleitet, versteht es exzellent, Naivität des Schweins mit dem Glauben an das Gute zu verknüpfen. Jedem im Publikum ist klar, welches Schicksal Jaroslava blüht. Das macht betroffen und schmerzt. Diese außerordentlich starken Emotionen werden von der großartigen schauspielerischen Leistung von Marie-Joelle Blazejewski noch verstärkt. Wenn sie beinahe beiläufig von ihrem Leben als Ferkel erzählt, von der Mutterliebe, von der Angst vor der „großen, weiten Welt“, die

so gefährlich ist, dass man besser im Koben, der kaum Bewegung ermöglicht, die Sicherheit bei der Mutter genießt. Doch dann entdeckt Miroslava, dass sie über eine einzigartige Fähigkeit verfügt. Ihr Grunzen wird zum Singen, und sie bemerkt, dass sie zu mehr geboren ist, als elektrisch betäubt zerlegt zu werden. Im Schlachthof angekommen, bietet sie alle Energie auf, um sich durch Singen bemerkbar zu machen. Und in der Tat werden die rauen Männer auf sie aufmerksam, sondern sie aus und schenken ihr ein paar Jahre. Wann hat man schließlich schon mal ein singendes Schwein erlebt? Und Marie-Joelle Blazejewski singt als Schwein „I Will survive“


(Ich werde überleben) von Gloria Gaynor, die „Killer Queen“ von Freddie Mercury oder „I´m Still Standing“ von Elton John (frei: Ich bin immer noch da) sowie weitere weltbekannte Titel, die alle die Hoffnungsbotschaft enthalten: Ich überlebe. Welch tragischer Irrtum! Der Schauspielerin gelingt dabei, die Gefühle von Angst, von Stolz, von Sehnsucht und Hoffnung so in der Musik zu verpacken, dass die Tragik des Geschehens zu keinem Zeitpunkt zu kurz kommt. Hier geht es nicht um erheiternde Musikeinlagen, sondern um eine zweite Erzählweise, der die Inhalte angepasst sind. Dabei vergisst Miroslava nie das Schicksal ihrer Artgenossen. Sie versucht, ihnen auf dem Weg zum Ab-

schlachten das Schicksal zu erleichtern, gibt Tipps, wie man mit dem Rüssel nach dem Fall von der Rutsche aufschlagen muss, damit ein Schalter die elektrische Betäubung auslöst, sonst würde mit der Axt nachgeholfen, was noch schmerzhafter sei. Und immer begleitet sie mit Gesang. Das Schwein bewundert die Menschen, die einen der ihren am Kreuz geopfert haben, um die anderen zu retten. Es wünscht sich, dass es einen Schweinegott gäbe, der so mit ihnen umgehen würde. Aber da ist keiner, weshalb das Schwein den Menschengott anruft und sich nichts sehnlicher wünscht, als auch ein Mensch zu sein. Doch es folgt nur, was folgen muss. Clara Weyde führt in dem ZweiPersonen-Stück Regie und zeichnet

auch für die Bühne verantwortlich. Beides ergänzt sich nahtlos. Die Minimalistik in der Dekoration, die aus einem übergroßen Schwein aus Metallstäben und vielen Plastikfolien besteht und damit eine überzeugende Schlachthofatmosphäre schafft, und die Mischung aus Erzählung und Gesang, die beständig die Spannung des nahenden Endes von Jaroslava erhält, verschmelzen zu einer inszenatorischen Einheit. „Der Tod eines talentierten Schweins“ ist ein Stück, das durch die veränderte Perspektive die brutale Massentierhaltung wirksamer ins Scheinwerferlicht rückt, als die meisten politischen Kampagnen. Ein unbedingt sehenswertes Stück.

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Dollar-Herrschaft soll gebrochen werden Fortsetzung BRICS-Staaten (Folge 4)

Die Landeswährungen aller fünf BRICS-Staaten, darauf spielt die Abkürzung an, beginnen mit dem Buchstaben R: Brasilien hat den Real, Russland den Rubel, Indien die Rupie, China den Renminbi und Südafrika den Rand. Doch das Projekt BRICSGemeinschaftswährung kommt nur langsam voran. Grundsätzlich ist man sich einig, dass die Vormachtstellung des Dollars gebrochen werden soll. Und betrachtet man sich die Gold- und Rohstoffreserven der beteiligten Länder und vor allem den riesigen Markt, den sie repräsentieren, dann sind die Chancen dafür recht gut. Trotzdem gib es eine Reihe von Hemmnissen und im US-amerikanischen Finanzministerium hat man nur ein müdes Lächeln für die Bemühungen. Aber das könnte unter Umständen auch ein Pfeifen im dunklen Wald sein. Immerhin liegt die Gründung einer BRICS-eigenen Weltbank bereits fast zehn Jahre zurück. Trotzdem ist man bei einer gemeinsamen Währung noch nicht richtig vorangekommen. Die New Development Bank, ehemals BRICS Development Bank, ist eine multilaterale Entwicklungsbank, die am 15.

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Foto: Wikimedia

Die BRICS-Staaten handeln in großem Umfang mit Dollar - doch sie wollen unabhängiger werden. Angesichts des riesigen Marktes, den sie darstellen, und des erheblichen Anteils an der Weltwirtschaft, liegt der Gedanke an eine gemeinsame Währung nahe. Sie könnte die Bezeichnung R5 oder R5+ erhalten.

Juli 2014 von den BRICS-Staaten Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika gegründet wurde. Sie wurde bei ihrer Gründung mit einem Stammkapital in Höhe von umgerechnet 73 Milliarden Euro ausgestattet und hat ihren Sitz in Shanghai. Der Standort der Bank war lange umstritten. Das Gezerre sei Teil von Bemühungen, China daran zu hindern, die neue Bank in gleicher Weise zu dominieren, wie es die USA bei der

Weltbank mache, hieß es im Vorfeld. Die Bank soll vorrangig der Finanzierung von Entwicklungsprojekten und Infrastruktur innerhalb der fünf BRICSStaaten dienen, die 2021 auf mehr als drei Milliarden Einwohner und damit auf rund 41 Prozent der gesamten Weltbevölkerung sowie 31,5 Prozent des weltweiten Bruttoinlandsproduktes verweisen konnten. Daneben halten die BRICS-Staaten 2800 Milliarden Dollar,


was 42 Prozent der weltweiten Devisenreserven entspricht. Als ein Signal werteten Beobachter, dass die Errichtung der New Development Bank genau am 70. Jahrestag des Bretton-Woods-Abkommens verkündet wurde, das sowohl den Internationalen Währungsfonds als auch die Weltbank ins Leben rief. Der Hauptsitz der Bank ist im chinesischen Shanghai. Daneben wurde eine Zweigstelle für den afrikanischen Kontinent im südafrikanischen Sandton errichtet. Zusätzlich zum Stammkapital wurde eine Sonderrücklage von 100 Milliarden Dollar gebildet, von der China rund 41 Milliarden, Brasilien, Indien und Russland je 18 Milliarden sowie Südafrika fünf Milliarden Dollar tragen. Die Sonderrücklage kann bei wirtschaftlichen Turbulenzen von den Mitgliedsstaaten in Anspruch genommen werden. Im Gegensatz zur Weltbank, die sich nach den gehaltenen Anteilen orientiert, besitzt jeder Mitgliedsstaat der NDB eine einzige Stimme. Nach allen Ratifizierungen nahm die Bank ihren Betrieb am 27. Februar 2016 auf. Erste Schritte waren bilaterale Vereinbarungen über Zahlungsabwicklungen, beispielsweise zwischen China und Indien. Zwischen Russland und China gibt es solche Verträge schon lange, allerdings in den jeweiligen Landeswährungen. Doch der Gedanke einer einheitlichen

Währung nach dem Beispiel des Euro war vor allem mit Blick auf die Schwächung des Dollar bereits allgegenwärtig. Doch wie realistisch ist eine eigene BRICS-Währung mit Blick auf die unterschiedlichen Voraussetzungen der Wirtschaftssysteme in den einzelnen Ländern. Brasilien mit seiner privatwirtschaftlich organisierten Wirtschaft, mit Inflation und mit recht eng an den Dollar vorhandenen Wechselkursen hat andere Interessen als China, mit einer stark staatlich gelenkten Wirtschaft und einer strikten politisch gesteuerten Währung. Russland hingegen schwebt das Modell des Euro vor, auch weil die Handelsbeziehungen in diese Richtung zeigen. Vor diesem Hintergrund ist der Weg hin zu einer eigenen Währung weit. Ökonomen betonen: Selbst, wenn sich die BRICS-Staaten tatsächlich darauf ver-

ständigen, dürfte es sehr lange dauern, diese Währung auch einzuführen. Die Implementierung des Euro hat gezeigt, wie komplex es ist, unterschiedliche Währungsräume zusammenzufassen. Alle Länder bringen ihre eigenen, individuellen Erwartungen und Probleme mit. Nicht nur die Entfernungen, auch die Unterschiede zwischen den BRICS-Staaten scheinen noch größer als in der Eurozone. Die Idee einer eigenen Währung ist bislang noch vage. So ist etwa unklar, was mit den bisherigen Landeswährungen geschehen soll. Beobachter erwarteten demzufolge nicht, dass auf dem Gipfeltreffen in Johannesburg im Vorjahr konkrete Pläne vorgelegt würden. Obwohl man bereits die eigene Entwicklungsbank – die New Development Bank – schon vorweisen konnte. Sie könnte sich theoretisch um die Ausarbeitung und Einführung einer eigenen Währung kümmern. Die Einführung allein würde wohl nicht ausreichen, um den Dollar nachhaltig zu schwächen. Entscheidend wäre nach Ansicht von Analysten, ob die neue Währung tatsächlich in einem großen Umfang genutzt wird, und ob sie sich als stabil erweist. Wirtschaftskraft bringen die BRICSStaaten in hohem Maße mit: die fünf Staaten machen derzeit etwa ein Viertel der weltweiten Wirtschaftsleistung aus.

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Auch die Erweiterung der Allianz, etwa im Format „BRICS plus“, lässt einiges erwarten. Wächst die Allianz, kann auch die wirtschaftliche Kraft nochmal zulegen möglicherweise wird es dann aber noch komplexer, die Pläne einer neuen Währung tatsächlich umzusetzen. Eine Bedrohung für den Dollar als Weltleitwährung sieht US-Finanzministerin Janet Yellen derzeit allerdings nicht. In absehbarer Zukunft gebe es keine Alternative zur US-Währung, so Yellen. Wenn sie sich da man nicht irrt. Eine gewichtige goldgedeckte Währung könnte die Nachfrage nach Gold tatsächlich erhöhen, schließlich müssten sich Zentralbanken mit Gold eindecken. Das könnte auch den Goldpreis nach oben treiben. Das Edelmetall würde in einem ersten Schritt wieder stärker in den Fokus als Absicherung rücken. Das erinnert an die Zeiten des Goldstandards, in denen es stabile Wechselkurse von nationalen Währungen in Gold gab. Dieses System ist vor vielen Jahrzehnten ausgelaufen. Seither schwankt der Goldpreis je nach Währung und ist von vielen unterschiedlichen Faktoren abhängig – ein Prinzip, das sich auch durch eine goldgedeckte BRICS-Währung wohl nicht ändern würde.

Welche Rolle spielt Russland bei den Überlegungen? Die Zugehörigkeit Russlands ist für die anderen Mitglieder der BRICS-Allianz eine heikle Angelegenheit. Eine gemeinsame Währung wäre ein Zeichen an den Westen, das den Schulterschluss mit dem Land signalisiert, das in der Ukraine einen Krieg begonnen hat. Für Russland wäre dieser Schritt ein Erfolg: Vor allem Moskau hat ein Interesse daran, die Abhängigkeit zum Dollar zu reduzieren. Auf der anderen Seite sind die BRICSStaaten auch weiter am Handel mit westlichen Staaten interessiert – einem 44

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Handel, der bislang in großen Teilen in Dollar abgewickelt wird. Wächst die BRICS-Allianz, könnte das langfristig dazu beitragen, diese wirtschaftliche Abhängigkeit zu reduzieren und sich tatsächlich mehr und mehr vom Dollar zu emanzipieren.

Die politischen Unterschiede Die BRICS-Länder (Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika) haben unterschiedliche politische Systeme und Regierungsstrukturen, von autoritären Regimen bis hin zu demokratischen Staaten. Diese Unterschiede beeinflussen die Stabilität und den Fortschritt einer gemeinsamen Währungsunion. Eine gemeinsame Währung erfordert eine enge Zusammenarbeit und Vertrauen zwischen den beteiligten Ländern, und die politischen Unterschiede in den BRICS-Ländern könnten solche Zusammenarbeit erschweren.

Die wirtschaftlichen Unterschiede Die Wirtschaftssysteme und Entwicklungsstadien der BRICS-Länder sind ebenfalls sehr unterschiedlich. Während einige Länder, wie China und Indien, rasch wachsende Volkswirtschaften sind, stehen andere Länder, wie Brasilien und Südafrika, vor Herausforderungen in Bezug auf Wachstum und Inflation. Die unterschiedlichen Wirtschaftslagen er-

schweren die Implementierung einer gemeinsamen Währungspolitik, die allen Mitgliedsländern gerecht wird. Darüber hinaus sind die Handelsbedingungen und das Wirtschaftsumfeld in jedem Land unterschiedlich, sodass eine einheitliche Währung möglicherweise nicht die Stabilität gewährleisten kann, die für den Erfolg einer Währungsunion erforderlich ist.

Fehlen einer Einheitlichen Währungspolitik Für eine erfolgreiche Währungsunion ist es entscheidend, dass alle Teilnehmer eine gemeinsame und gut koordinierte Währungspolitik verfolgen. Da die BRICS-Länder unterschiedliche wirtschaftliche Situationen und Ziele haben, ist es schwierig, eine gemeinsame Währungspolitik festzulegen, die für alle Mitglieder geeignet ist. Das Fehlen einer einheitlichen Währungspolitik und der gemeinsamen Institutionen, die für die Umsetzung dieser Politik erforderlich sind, stellt daher ein erhebliches Hindernis für die Schaffung einer gemeinsamen BRICS-Währung dar. Insgesamt zeigen diese Hindernisse, dass eine gemeinsame BRICS-Währung als Ersatz für den US-Dollar aufgrund von politischen, wirtschaftlichen und politikbezogenen Unterschieden zwischen den beteiligten Ländern schwierig ist. Die Eurozone dient als wichtiger Ver-


gleich, um die Verwirklichung einer gemeinsamen Währung der BRICSStaaten zu organisieren. Der Euro hat in der Europäischen Union zu mehr Handel und wirtschaftlicher Zusammenarbeit geführt. Allerdings schützte er auch nicht vor Ungleichgewichten und Finanzkrisen, insbesondere in den schwächeren Mitgliedsstaaten. Hinzu kommt, dass die BRICS-Staaten geografisch viel weiter voneinander entfernt sind, was Integration und Zusammenarbeit erschwert. Darüber hinaus gibt es, wie bereits erwähnt, erhebliche kulturelle, politische und wirtschaftliche Unterschiede, die eine gemeinsame Währung und politische Zusammenarbeit komplizieren. Deutlich besser stehen die Chancen, den Einfluss des Dollars zu verringern, wenn nach einem alternativen Zahlungsmittel gesucht würde. Noch immer werden weit über 80 Prozent des bilateralen Handels der BRICS-Staaten in US-Dollar abgewickelt. Um daran etwas zu ändern, bedarf es keiner neuen Währung. Beispielsweise haben Brasilien und China vor wenigen Monaten vereinbart, im Handel untereinander möglichst auf den Dollar zu verzichten und weitgehend in ihren Lokalwährungen zu zahlen. Sogar am Rohstoffmarkt, wo in der Vergangenheit absolut kein Weg um den US-Dollar herumführte, gibt es inzwischen Kontrakte in anderen Währungen. Auf dem jüngsten Gipfel der BRICSStaaten wurde deshalb auch über Möglichkeiten diskutiert, Geschäfte ohne die Nutzung von Dollar abzuwickeln. Man habe über die Verwendung lokaler Währungen gesprochen, um gegenseitigen Handel und Investitionen zu erleichtern, sagte der südafrikanische Präsident Cyril Ramaphosa. Russlands Präsident Wladimir Putin erklärte in einer Video-Botschaft, dass Russland den nächsten Gipfel ausrichten wolle. Das hat durchaus einen triftigen Grund.

Dazu muss man sich die Goldförderung in der Welt ansehen. Im Jahr 2020 betrug die weltweite Goldförderung 3030 Tonnen. Die bedeutendsten Goldfördernationen waren die Volksrepublik China (365 Tonnen), Australien (328 Tonnen), Russland (305 Tonnen), die USA (193 Tonnen) und Kanada (170 Tonnen), deren Anteil an der Weltförderung rund 45 Prozent betrug. Allein China und Russland könnten gemeinsam für eine Golddeckung sorgen, für die man in der Welt nur schwer ein Gegengewicht bieten könnte. Zwar dürfte eine neue BRICS-Staaten Währung eher durch die Währungen des Fünf-Nationen-Blocks abgesichert sein, dennoch hatte sich Russlands Präsident Wladimir Putin für eine Absicherung durch Sachwerte wie etwa Gold oder Öl ausgesprochen. Diese Interessenlage ist natürlich auch den übrigen Mitgliedsstaaten von BRICS nicht verborgen geblieben, weshalb die Einführung der gemeinsamen Währung mit Hindernissen beladen ist. Spezialisten für den Goldhandel machen sich bereits jetzt Gedanken darüber, wie eine goldgedeckte Währung den Markt durcheinander wirbeln könnte. Jim Rickards ist einer von ihnen. Er gab auf dem jährlichen Rule-Symposium in Boca Raton, Florida, dem weltwichtigsten Treffen für Ressourcenhandel, eine umfassende Darstellung darüber, wie eine goldgedeckte BRICS-StaatenWährung funktionieren könnte. Seiner Meinung nach soll sich der Wert der BRICS-Währungseinheiten nach dem jeweiligen Gewicht in Gold richten. Er

sieht dies jedoch nicht als neuen Referenzwert und auch nicht als Nachfolger des US-Dollars oder des Euros. Sein Beispiel: Wenn eine BRICS-Währungseinheit eine Unze Gold wert sei und der Goldpreis auf 3000 Dollar stünde, dann wäre die BRICS-Währungseinheit demnach 3000 Dollar wert. Ein ähnliches System gab es bereits zu Zeiten der Sowjetunion, den Goldrubel, der als Devisentauschäquivalent in Zeiten des Kalten Krieges üblich war. Die neue BRICS-Staaten-Währung könnte also auch durch einen wertvollen Rohstoff, wie Gold oder Metalle wie Kupfer gedeckt sein. Es wäre schließlich bei weitem nicht die erste goldgedeckte Währung in der Geschichte. Bedenkt man, dass angesichts der explodierenden Nachfrage nach Seltenen Erden oder Metallen für die Batterieproduktion auch andere Rohstoffe, über die wiederum insbesondere China und Russland verfügen, eine Rolle spielen könnten, dann rückt die BRICS-Staaten-Währung im Ranking ganz weit nach vorn. Es bleibt abzuwarten, wie sich die BRICS-Staaten konkret in dieser Frage entscheiden. Eine eigene goldgedeckte Währung der BRICS-Staaten wäre ein großer Schritt, der zu einer Schwächung des Dollars und damit auch gleichzeitig der USA als noch vorherrschende Großmacht führen könnte. Die BRICS-Staaten werden mit hoher Wahrscheinlichkeit in Zukunft wachsen und eine bedeutende Konkurrenz zu etablierten Gruppen wie der G7 werden.

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VORSCHAU 02/2024

Das Geheimnis der Moleküle

Reaktionen und Bindungen

Chemie durchdringt alle Lebensprozesse, ist Grundlage jeder Veränderung. Industrielle Chemie ist unverzichtbar, zählt zu den wichtigsten Branchen einer modernen Industriegesellschaft und ist trotzdem mit dem Ansehen von Umweltverschmutzung, von Giftstoffen und Gefahr verbunden. Ein Erbe der Vergangenheit, denn moderne Chemie ist sauber, sicher und nutzbringend.

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„Chemie schafft Schönheit“ hieß einmal in der DDR ein Slogan, doch genau das Gegenteil war die Realität. Doch seither hat sich das Bild gewandelt.

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