...............................................
...............................................
Hanna Roth
Wunder der Weihnacht Erzählungen, die das Herz berühren
...............................................
...............................................
: Inhalt Heimkehr........................................ 5 Wann ist Weihnachten?................. 13 Der rettende Engel........................ 14 Mutter‘s Geburtstag...................... 19 Das Wunder der Weihnacht.......... 28 Im Weihnachtsstress..................... 31 Frieden auf Erden......................... 39 IMPRESSUM © 2014 bei der Autorin Gestaltung: Olaf Johannson, spoon design Fotos: Shutterstock.com Druck: Print24 GmbH 1. Auflage 2014 V E RT R I E B KDW-Musik Postfach, 37575 Bad Gandersheim info@kdw-musik.de
Ein Schritt zum Frieden............... 42 Der Retter ist da............................ 49 Blaue Trauben............................... 50
6 Heimkehr 3 „Sind wir bald da, Mama?“ „Gleich, mein Schatz!“ Meine kleine Tochter hatte sich auf meinen Schoß gekuschelt und schaute mit großen Augen zum Zugfenster hinaus auf die hügelige Landschaft des Schwarzwaldes. Wie ein freundlicher Gruß aus der Heimat, der mich willkommen hieß, erstrahlte sie im späten Licht der Nachmittagssonne, die langsam am fernen Horizont unterging. Die hohen Tannen, die Hügel und Berge präsentierten sich festlich überzuckert mit einer leichten Schneedecke. Mein Herz wurde weit bei all dieser Schönheit, und ein großes Staunen und Glücksgefühl überkam mich. Aber sogleich war da auch wieder die bange Frage: Wie werde ich wohl empfangen – nach fünf Jahren?
Soeben wurde im Zug unser Zielbahnhof ausgerufen. Noch wenige Minuten. Schnell zog ich meiner Tochter ihr Mäntelchen an und setzte ihr die Kapuze auf ihre braunen Locken, knöpfte meine Jacke zu und nahm mein Gepäck. Dann standen wir auch schon draußen. Die frische Luft tat gut nach der Bahnfahrt im warmen Abteil. Und da war mein Dorf, mein Heimatdorf, hingeschmiegt an die Hügel des Schwarzwaldes und eingerahmt von unzähligen Tannen – so vertraut, so heimatlich, so sehr vermisst. Ich nahm die Hand meiner Tochter und in die andere Hand meinen Rollkoffer. Nur noch eine kleine Strecke den Berg hinauf. Mein Herz klopfte ängstlich in meiner Brust. So viele Jahre waren vergangen, seit ich diesen Weg zum letz-
5
ten Mal ging. Was würde mich erwarten? Ich schickte ein Stoßgebet zum Himmel. Da war es auch schon, unser altes Haus, das Forsthaus mit seinem Dach, das aussah wie ein zu großer Hut. Das Fachwerk und die Haustür ein wenig verwittert, aber der Vorgarten noch recht gepflegt. Ich hob meine Hand, um zu klopfen, da ging schon die Tür auf und Vater stand auf der Schwelle. Er musste uns schon von weitem gesehen haben, als wir den Berg heraufstapften. Alt war er geworden, in all den Jahren. Müde, traurige Augen schauten mich aus einem von vielen Falten durchfurchten Gesicht an, das von einem weißen Haarkranz umgeben war. Wie erstarrt schauten wir einander an, unfähig, ein Wort zu sagen. „Bist du mein Opa?“, hörte ich da auf einmal ein kleines Stimmchen neben mir. „Ich bin die Annika.“ Ganz plötzlich kam wieder Leben in den alten Mann, und seine Augen be-
gannen zu leuchten. Er nahm die Hände seiner Enkeltochter in seine großen, schwieligen Hände und sagte mit rauer Stimme: „Ja, meine kleine Annika, ich bin dein Opa.“ Nun zerbrachen auch bei Vater und heimgekehrter Tochter die Schranken, und mit tränenersticktem „Willkommen daheim!“ umarmten wir uns. Das Innere meines Elternhauses sah noch genau so aus, wie ich es in Erinnerung hatte: In der Diele die alte Truhe, der Ofen in der Stube, in dem ein Feuer brannte, der gemütliche Ohrensessel davor, in den ich mich als Kind so gern hineingekuschelt hatte, besonders in Mama‘s Schoß, wenn sie mir vorlas. Da war auch die eichene Anrichte, auf der die vielen Fotos meiner Familie und meiner Kindheit standen. In Gedanken versunken nahm ich das Bild meiner Mutter in die Hand. Ich sah in ihre gütigen Augen – und wie in einem
6
Film liefen Erinnerungen vor mir ab. Mit so viel Liebe hatte sie mich umgeben. Immer konnte ich zu ihr kommen, mit all meinen kleinen und großen Kindersorgen und Wünschen. Stets hatte sie ein offenes Ohr und Herz für mich. Sie war der Mittelpunkt, der Sonnenschein meines jungen Lebens. Ja, bis wir dann eines Tages, ich war gerade 16 Jahre alt, auf dem Friedhof standen und uns von ihr verabschieden mussten. Der Schmerz und die Trauer zerriss uns das Herz. Und wieder einmal schwammen jetzt meine Augen in Tränen und ich sagte leise im Gedenken an sie: „Danke, Mutter!“ Die Gegenwart jedoch nahm mich wieder gefangen, als meine Tochter zur Tür hereinstürmte: „Mama, Mama, der Opa hat mir gerade drei kleine Kätzchen gezeigt, hinten im Schuppen! Sie sind so süß. Ich durfte sie auf den Arm nehmen und streicheln!“ Mein Vater stand in der Tür, und seine Freude über seine kleine Enkelin strahlte aus all seinen Knopflöchern. 7
Später am Abend, müde von der langen Reise und von all dem Erlebten, schlief meine Kleine tief und fest in meinem früheren Kinderzimmer. Sie hielt den Teddybären im Arm, der auch mich schon in unzähligen Nächten durch meine Träume begleitet hatte. Voll mütterlichen Stolzes und Dankbarkeit deckte ich sie warm zu und machte mich auf den Weg nach unten, um die dringend notwendige Aussprache mit meinem Vater nicht länger hinauszuschieben. Schnell goss ich noch zwei Tassen von einem würzigen Wintertee auf, legte einige Weihnachtsplätzchen auf einen Teller und zündete die vier Kerzen auf dem Adventsgesteck an. Ich hatte das alles vorsorglich mitgebracht, um ein wenig heimelige Weihnachtsstimmung zu erzeugen. Vater sah es auch mit Wohlwollen, das war nicht zu übersehen. „Ich habe mich gefreut, dass du deine Tochter nach deiner Mutter genannt hast, wenn auch in einer abgewandelten
Version“, begann mein Vater, nachdem wir einander gegenüber saßen. „Ja Vater, das war mir ein ganz großes Bedürfnis, im Gedenken an Mutter. Und trotz allem, was zwischen uns vorgefallen war, eine Brücke zu meinem Elternhaus zu schlagen.“ Wie um ein wenig Halt zu suchen, legte ich meine Hände um die heiße Teetasse und fuhr fort: „Du wirst dich sicher noch erinnern, wie es damals war: Ich lernte mit 18 diesen jungen Mann kennen und war restlos verliebt in ihn. Nichts und niemand hätte mich zu dieser Zeit von ihm trennen können. Doch du warst von Anfang an nicht einverstanden mit dieser Beziehung. Du hattest sicher mehr Menschenkenntnis und Erfahrung als ich. Die Liebe machte mich halt blind.“ Ich nahm einen Schluck von meinem Tee. „Vater, irgendwann sagtest du dann zu mir: ‚Komm mir ja nie mit einem unehelichen Kind nach Hause!’ Damals
8
lachte ich nur und dachte, dass das mir doch nie und nimmer passieren würde. Doch kurze Zeit später wusste ich, dass genau dies eingetroffen war. Als ich es frohen Herzens meinem Freund erzählte, geriet er dermaßen in Panik, dass er sofort mit mir Schluss machte und das Weite suchte.“ Schnell wischte ich mir einige Tränen von den Wangen, als mich die Erinnerung an diese bittere, schwere Zeit übermannte, bevor ich fortfuhr: „Da mir immer noch deine Worte, nicht mit einem unehelichen Kind heimzukommen, in den Ohren klangen, packte ich, als ich im vierten Monat schwanger war, in einer Nacht- und Nebelaktion meine Sachen und fuhr auf ‚gut Glück’ in die Stadt. Von einer Freundin hatte ich die Adresse einer Gärtnerei. Es waren liebe Leute, die mich aufnahmen und mich gegen ein kleines Gehalt mitarbeiten ließen. Ich war eher ein Familienmitglied als eine Angestellte. Dies war auch
so, nachdem Annika geboren war. Es ergab sich dann sogar die Möglichkeit, eine Lehre als Landschaftsgärtnerin zu machen. Meine Tochter wusste ich dabei immer in guten Händen. Nun habe ich also diesen schönen Beruf und eine wunderbare Tochter. Ich bin sehr glücklich.“ Lange saßen wir schweigend da, ein jeder in seine Gedanken und Erinnerungen vertieft, und schauten in die Flammen der Adventskerzen. Eine wohltuende Stille breitete sich zwischen uns aus, und man hörte nur das Rauschen des Windes in den alten Tannen am Haus und das Knacken der Scheite im Ofen. „Und warum bist du gerade jetzt heimgekommen?“, fragte Vater nach einer Weile, nachdem er sich mit seinem großen Taschentuch über die Wangen gewischt hatte. „Ja, diese Geschichte ist schnell erzählt: Annika ging seit einiger Zeit mit einer Kindergartenfreundin, die in der
9
Nachbarschaft wohnt, sonntags immer in den Kindergottesdienst. Vor einigen Wochen kam sie nach Hause und erzählte mir, mit roten Backen vor Begeisterung, eine Geschichte, die sie dort gehört hatte. Sie handelte von einem Vater und seinem Sohn. Und sie erzählte so kindlich-anschaulich und lebhaft, dass mir das Herz dabei aufging: Wie dreckig und stinkend der Sohn nach Hause kam, weil er doch im Schweinetrog geschlafen habe und Schweinefutter essen musste, und der Vater ihn trotzdem in seine Arme nahm und ein großes Fest für ihn veranstaltet hat. Ich konnte mich gut erinnern, dass ich diese Geschichte in jungen Jahren auch einmal gehört hatte. Und ich wusste, dass sie in der Bibel steht. Sie ließ mich in der nächsten Zeit auch nicht mehr los, so dass ich mir eine Bibel kaufte. Und, Vater, ich las darin, wie ich noch nie in einem Buch gelesen hatte. Ich wurde im wahrsten Sinne überwältigt von der
Liebe Gottes zu uns Menschen und von dem Geschehen am Kreuz, wo Jesus uns erlöst und errettet hat. Und dort, vor dem Kreuz, habe ich ‚Ja’ gesagt zu Christus, zu einem Leben mit ihm. Ich bin heimgekehrt ins himmlische Vaterhaus und bin mit offenen Armen empfangen worden.“ Ich schaute auf in die tränenumflorten Augen meines Vaters und sagte: „Und deshalb bin ich auch zu dir heimgekommen, um mit dir Frieden zu machen, um mich mit dir zu versöhnen, Vater“, ich legte meine Hände auf die seinen, „kannst du mir vergeben?“ „Ach Tochter,“ flüsterte er mit erstickter Stimme, „wieviel mehr musst du mir vergeben, dass ich so hart gegen dich war und mein Stolz und meine Ehrsucht, meine Furcht, was die Leute sagen würden, dich aus deinem Elternhaus vertrieben hat. Vergib du auch mir.“ Unser Versöhnungsfest mit Umarmungen und vielen Tränen dauerte noch bis spät in die Nacht. Und als Vater dann
10
sagte, auch er empfinde sich als ein verlorener Sohn und wolle zum Vater heimkehren, da kannte meine Freude keine Grenzen. Am anderen Morgen beim Frühstück erzählte mir meine Tochter mit leuchtenden Augen, dass sie später mit Opa in den Wald gehen und ein kleines Tannenbäumchen holen dürfe, um es mit ihm dann weihnachtlich zu schmücken. „Schön, Annika, das macht sicher viel Spaß. Jetzt wird es ein richtig schönes Weihnachtsfest, wie es sein sollte. Und weil ich Urlaub habe, bleiben wir noch ganz lange bei Opa. Er hat bestimmt auch noch einen Schlitten, damit können wir hinter dem Haus den Berg hinuntersausen. Und in all deinen Ferien und oft auch an Wochenenden werden wir den Opa besuchen.“ „Au ja, und vielleicht hat der Opa dann auch wieder junge Kätzchen!“
11
F Wann ist Weihnachten? F
12
Weihnacht ist’s, wenn wir der Engel Botschaft staunend hören in Heiliger Nacht: Freude für alle Menschen und Frieden den Völkern.
Weihnacht ist’s, wenn wie Maria wir vor dem Wunder der Heiligen Nacht anbetend stehen, still und leise in Ehrfurcht preisend.
Weihnacht ist’s, wenn wie die Hirten wir eilend geh’n, das Kind im Stall zu seh’n und freudig anzubeten.
Weihnacht ist’s, wenn wir erkennen glaubend, dankend und staunend, dass der Retter Jesus Christ für uns – für mich – gekommen ist.
Weihnacht ist’s, wenn wir wie weise Leute aus Ferne und Fremde dem Stern, dem Licht folgen, den König zu finden – heute.
Weihnacht ist’s, wenn es in uns erschallt wie der Engel Jubelgesang in Heiliger Nacht: Ehre sei Dir, o Gott, für das Wunder, das Du vollbracht.
13