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John Piper

Große Freude


GROSSE FREUDE John Piper


Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über dnb.de abrufbar. Das Werk ist in allen seinen Teilen urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlags unzulässig. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung in und Verarbeitung durch elektronische Systeme. Titel des englischen Originals: Good News of Great Joy: 25 Devotional Readings for Advent © 2021 Desiring God Foundation / Published by Crossway Wenn nicht anders angegeben, wurde folgende Bibelübersetzung verwendet: Lutherbibel, revidiert 2017, © 2016 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart © 2021 Verbum Medien gGmbH, Bad Oeynhausen www.verbum-medien.de info@verbum-medien.de Übersetzung: Wendla Mathes Buchgestaltung und Satz: Samuel Hinterholzer Druck und Bindung: Gutenberg Beuys Feindruckerei GmbH Gedruckt auf säurefreiem und alterungsbeständigem Papier Printed in Germany

1. Auflage 2021 Best.-Nr. 8652 000 ISBN 978-3-98665-000-1 Elektronisch sind folgende Ausgaben erhältlich: eBook (mobi): 978-3-98665-002-5 eBook (epub): 978-3-98665-003-2


Inhalt

Vorwort Einleitung – Was wünscht sich Jesus zu Weihnachten? Tag 1 Tag 2 Tag 3 Tag 4 Tag 5 Tag 6 Tag 7 Tag 8 Tag 9 Tag 10 Tag 11 Tag 12 Tag 13 Tag 14 Tag 15 Tag 16 Tag 17 Tag 18 Tag 19 Tag 20 Tag 21 Tag 22 Tag 23 Tag 24 Tag 25

Bereite ihm den Weg Marias hocherhobener Gott Lang erwarteter Besuch Für Gottes kleine Leute Kein Abweichen vom Weg nach Golgatha Friede bei den Menschen seines Wohlgefallens Der Messias für die Weisen aus dem Morgenland Der übernatürliche Stern von Bethlehem Zwei Arten von Widerstand gegen Jesus Gold, Weihrauch und Myrrhe Warum Jesus gekommen ist Die Schatten werden abgelöst Die endgültige Wirklichkeit ist angebrochen Was zu Weihnachten Wirklichkeit wird Leben und Sterben zu Weihnachten Gottes erfolgreichster Rückschlag Die denkbar größte Errettung Weihnachten als Vorbild für unsere Missionstätigkeit Weihnachten bringt Freiheit Der Weihnachtsstreik Die Geburt dessen, der von Ewigkeit her ist Damit ihr glaubt Gottes unbeschreibliches Geschenk Zwei Ziele von Weihnachten Drei Weihnachtsgeschenke

Fazit — Mein Lieblingstext zu Weihnachten Anhang: Alttestamentliche Schatten des Kommen Christi


Vorwort

Der Advent dient dazu, Jesus zu verherrlichen. Zumindest ist das unsere Sicht bei Desiring God. Der Advent ist eine jährlich wiederkehrende Zeit des geduldigen Wartens, der hoffnungsvollen Erwartung, der Besinnung und der ge­ spannten Blicke auf den Kalender. Viele Gemeinden, christliche Fami­ lien und Nachfolger Jesu feiern diese Zeit. Es gibt keinen biblischen Auftrag dazu. Es ist eher eine Tradition, die sich im Laufe der Kirchen­ geschichte als Vorbereitung auf den Weihnachtstag entwickelt hat. Viele von uns empfinden die Adventszeit als Anregung für das geistliche ­Leben, die voller Freude und Segen steckt. Das Wort Advent stammt vom lateinischen adventus ab, was » An­ kunft « bedeutet. Der Advent, der im Dezember im Vordergrund steht, bezeichnet das erste Kommen Jesu vor zweitausend Jahren. Aber auch das zweite Kommen Jesu wird mit einbezogen, wie das beliebte Weihnachts­ lied » Freue dich Welt « in der englischen Textfassung deutlich macht: Sünde und Sorgen sind vorbei, die Dornen sind nicht mehr; Er kommt mit seinem Segen und löscht den Fluch ganz aus. 1

Der Advent beginnt am vierten Sonntag vor Weihnachten und endet an Heiligabend. Er beginnt demnach frühestens am 27. November oder spätestens am 3. Dezember, je nachdem wie der Sonntag im Kalender fällt. Während die Fastenzeit (die Vorbereitungszeit auf Ostern) 40 Tage dauert (plus die sechs Sonntage), kann der Advent 22 bis 29 Tage ­dauern. Christen auf der ganzen Welt begehen den Advent unterschiedlich und mit verschiedenen Bräuchen. Manche zünden Kerzen an. Einige singen Lieder. Andere essen Süßigkeiten. Einige machen Geschenke. Manche hängen Kränze auf. Viele von uns machen gleich alles davon. 1 “ No more let sins and sorrows grow, Nor thorns infest the ground; He comes to make His blessings flow Far as the curse is found. ” Isaac Watts, “ Joy to the World ”, 1719.


Im Laufe der Jahrhunderte haben wir viele gute Ideen entwickelt, die Weihnachtsfeier über die kurzen 24 Stunden am 25. Dezember auszu­ dehnen. Die Menschwerdung des Sohnes Gottes, » für uns und um ­unseres Heiles willen «, wie es im Bekenntnis von Chalcedon heißt, ist zu bedeutend, um sie an nur einem Tag zu feiern. Wir werden seine Geburt für alle Ewigkeit feiern. Unser Gebet ist, dass dieses kleine Andachtsbuch dir hilft, Jesus im Zentrum und als größten Schatz der Adventszeit zu bewahren. Die Ker­ zen und Süßigkeiten haben ihren Platz, aber wir wollen sicherstellen, dass wir in all der Hektik und dem Trubel Jesus über alles verherrlichen. So ließe sich als Thema vielleicht » O lasset uns anbeten « 2 über diese Adventsandachten stellen. Es geht darum, Christus, » den König «, anzu­ beten. An manchen Stellen werden Passagen aus » O komm, o komm, Immanuel « 3 und » Hört, die Engelsboten singen « 4 anklingen. Und selbstverständlich gibt es einen Auftritt der Heiligen Drei Könige. Aber im Zentrum steht Jesus – das Baby, das in Bethlehem geboren wurde, der Gottmensch in Windeln, in einer Krippe liegend, bestimmt zum Tod auf Golgatha, gesandt von seinem Vater, um zu sterben und für sein Volk aufzuerstehen. Die Einleitung kann vor oder während der Adventszeit, der Schluss als Zusatz an Weihnachten gelesen werden (natürlich auch vorher, vor allem wenn du neugierig auf John Pipers Lieblingstext zu Weihnachten bist). Der Anhang über die Schatten des Kommens Christi im Alten ­Testament passt zu der Andacht für den 12. Tag (du findest dort auch einen kurzen Hinweis darauf). Möge Gott deine Freude an Jesus in diesem Advent vertiefen und sich dadurch verherrlichen.

David Mathis Chefredakteur von Desiring God

2

John Francis Wade, “ O Come, All Ye Faithful ”, 1751, dt. Text: Friedrich Heinrich Ranke (1798 – 1876), 1826. 3 „Veni, veni, Emmanuel “, dt. Text aus dem Gotteslob, 1975. 4 Charles Wesley, “ Hark! The Herald Angels Sing ” 1739, dt. Text: Matthias Degott, 2012.


» Vater, ich will, dass, wo ich bin, auch die bei mir seien, die du mir gegeben hast, damit sie meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast; denn du hast mich geliebt, ehe die Welt gegründet war. « Johannes 17, 24


Einleitung

Was wünscht sich Jesus zu Weihnachten?

Was wünscht sich Jesus zu Weihnachten? Wir finden die Antwort in ­seinen Gebeten. Worum bittet er Gott? Das längste Gebet Jesu finden wir in Johannes 17. Der Höhepunkt, der seinen größten Wunsch aus­ drückt, findet sich in Vers 24. Unter all den unwürdigen Sündern dieser Welt gibt es solche, die Gott Jesus » gegeben « hat – diejenigen, die Gott zum Sohn gezogen hat (Joh 6, 44 . 65). Es sind Christen – Menschen, die Jesus als den gekreuzig­ ten und auferstandenen Retter und Herrn, als Schatz ihres Lebens ­aufgenommen haben (Joh 1, 12; 3, 17; 6, 35; 10, 11 . 17 – 18; 20, 28). Jesus wünscht sich, dass sie bei ihm seien. Manche meinen, dass Gott den Menschen erschuf, weil er einsam war. » Gott schuf uns, damit wir bei ihm seien «, sagen sie. Würde Jesus dem zustimmen? Er sagt ja tatsächlich, dass er uns bei sich haben möchte! Ja, aber die Frage ist, warum er das sagt. Wir müssen den Rest des Verses beachten. Warum wünscht sich Jesus, dass wir bei ihm sind? » ... damit sie meine Herrlichkeit sehen, die du [Vater] mir gegeben hast; denn du hast mich geliebt, ehe die Welt gegründet war. « Das wäre eine seltsame Art, seine Einsamkeit auszudrücken. » Ich will, dass sie bei mir sind, damit sie meine Herrlichkeit sehen. « Das drückt tatsächlich nicht seine Einsamkeit aus. Er sorgt sich vielmehr ­darum, dass unsere Sehnsucht gestillt wird und nicht seine Einsamkeit. Jesus ist nicht einsam. Er, der Vater und der Heilige Geist sind in der dreieinigen Gemeinschaft zutiefst zufrieden. Wir, nicht er, hungern nach etwas. Jesus wünscht sich also zu Weihnachten, dass wir das er­ leben, wozu wir geschaffen wurden – seine Herrlichkeit zu sehen und uns an ihr zu erfreuen. Oh, dass Gott dies in unsere Herzen schreibt! Jesus hat uns geschaf­ fen (Joh 1, 3), damit wir seine Herrlichkeit sehen. Kurz bevor Jesus ans Kreuz geht, fleht er zu seinem Vater und drückt seinen tiefsten Wunsch aus: » Vater, ich will [ich will!] dass, wo ich bin, auch die bei mir seien, die du mir gegeben hast, damit sie meine Herr­ lichkeit sehen. «


Doch das ist nicht alles, was Jesus in diesen letzten Versen, dem Höhe­ punkt seines Gebetes, zum Ausdruck bringt. Ich erwähnte gerade, dass wir dafür geschaffen wurden, seine Herrlichkeit zu sehen und uns an ihr zu erfreuen. Ist das sein Wunsch? Dass wir nicht nur seine Herrlichkeit sehen, sondern dass wir uns an ihr erfreuen, sie genießen, sie schätzen und lieben? Beachte Vers 26, den allerletzten Vers des Gebetes: » Und ich habe ihnen deinen Namen kundgetan und werde ihn kund­ tun, damit die Liebe, mit der du mich liebst, in ihnen sei und ich in ihnen. « Hier endet das Gebet. Was ist Jesu abschließendes Ziel für uns? Es geht nicht einfach darum, dass wir seine Herrlichkeit sehen, sondern dass wir ihn mit der gleichen Liebe lieben, die der Vater für ihn empfin­ det: » damit die Liebe, mit der du [Vater] mich liebst, in ihnen sei «. Jesu Sehnsucht und Ziel ist, dass wir seine Herrlichkeit sehen und sie mit derselben Liebe lieben, die der Vater für den Sohn hat. Er meint da­ mit aber nicht, dass wir die Liebe des Vaters für den Sohn nur imitieren. Die Liebe des Vaters selbst soll zu unserer Liebe für den Sohn werden – dass wir den Sohn mit der Liebe des Vaters für den Sohn lieben. ­Genau das bewirkt und schenkt uns der Heilige Geist in unserem Leben: Die Liebe des Vaters für den Sohn durch den Heiligen Geist. Jesus wünscht sich zu Weihnachten am meisten, dass seine Aus­ erwählten sich versammeln und dann erhalten, was sie sich am meisten wünschen – seine Herrlichkeit zu sehen und sich an ihr mit derselben Liebe zu erfreuen, die der Vater für den Sohn hat. Ich wünsche mir dieses Jahr zu Weihnachten am meisten, gemein­ sam mit euch (und vielen anderen) Christus in all seiner Fülle zu sehen und ihn mit einer Liebe zu lieben, die all unsere eigenen halbherzigen menschlichen Fähigkeiten übersteigt. Das ist das Ziel dieser Andachten. Wir wollen gemeinsam diesen Jesus, dessen ersten Advent wir feiern und dessen zweiten Advent wir erwarten, sehen und uns an ihm er­ freuen. Das ist Jesu Gebet für uns diese Weihnachten: » Vater, zeige ihnen meine Herrlichkeit und gib ihnen dieselbe Freude an mir, die du ver­ spürst. « Oh, dass wir Christus mit den Augen Gottes sehen und uns mit dem Herzen Gottes an ihm erfreuen können! Das ist ein Hauch von Himmel. Das ist das Geschenk, das Christus für uns Sünder erwarb, ­indem er für uns starb.


» Und er wird viele der Israeliten zu dem Herrn, ihrem Gott, bekehren. Und er wird vor ihm hergehen im Geist und in der Kraft des Elia, zu bekehren die Herzen der Väter zu den Kindern und die Ungehorsamen zu der Klugheit der Gerechten, zuzurichten dem Herrn ein Volk, das wohl vorbereitet ist. « Lukas 1, 16 – 17


1. Tag

Bereite ihm den Weg

Was Johannes der Täufer für Israel getan hat, kann der Advent für uns tun – nicht, dass das Weihnachtsfest dich unvorbereitet trifft. Ich meine geistlich unvorbereitet. Die Freude und die Wirkung von Weihnachten wird umso größer sein, wenn du bereit bist! Wie kannst du dich also vorbereiten? Erstens: Denke darüber nach, warum wir einen Retter brauchen. Weihnachten bedeutet zuerst eine Anklage, bevor es zur Freude wird. » Denn euch ist heute in der Stadt Davids der Retter geboren, welcher ist Christus, der Herr « (Lk 2, 11; SLT). Wenn du keinen Retter brauchst, dann brauchst du Weihnachten nicht. Das Weihnachtsfest wird die be­ absichtigte Wirkung verfehlen, solange wir uns nicht bewusst sind, dass wir einen Retter brauchen. Nutze diese kurzen Adventsandachten und lass sie in dir das bittersüße Gefühl wecken, dass du tatsächlich einen Retter brauchst. Zweitens: Geh in dich und prüfe dich ernsthaft. Der Advent verhält sich zu Weihnachten wie die Fastenzeit zu Ostern. » Erforsche mich, o Gott, und erkenne mein Herz; prüfe mich und erkenne, wie ich es meine; und sieh, ob ich auf bösem Weg bin, und leite mich auf dem ewigen Weg « (Ps 139, 23 – 24)! » Und jedes Herz empfange ihn, mach für ihn Raum « – du solltest mit Aufräumen beginnen. Drittens: Schaffe in deiner Familie eine Vorfreude, Gespanntheit und Begeisterung, die sich vollständig um Gott dreht – besonders bei den Kindern. Wenn du von Christus begeistert bist, werden sie es auch sein. Wie sollen die Kinder einen Hunger nach Gott entwickeln, wenn du sie nur durch materielle Dinge für Weihnachten begeistern kannst? Nutze all deine Fantasie, damit deine Kinder das Wunder der Ankunft des ­Königs sehen können. Viertens: Verbringe viel Zeit in der Schrift und lerne die wichtigen Texte auswendig! » Ist mein Wort nicht wie ein Feuer, spricht der HERR … « (Jer 23, 29)! Setze dich dieses Jahr im Advent an dieses Feuer. Es wärmt. Es sprüht Funken in allen Farben der Gnade. Es bringt Hei­ lung für alle Schmerzen. Es ist ein Licht in dunkler Nacht.


» Meine Seele erhebt den Herrn, und mein Geist freuet sich Gottes, meines Heilandes; denn er hat die Niedrigkeit seiner Magd angesehen. Siehe, von nun an werden mich selig preisen alle Kindeskinder. Denn er hat große Dinge an mir getan, der da mächtig ist und dessen Name heilig ist. Und seine Barmherzigkeit währet für und für bei denen, die ihn fürchten. Er übt Gewalt mit seinem Arm und zerstreut, die hoffärtig sind in ihres Herzens Sinn. Er stößt die Gewaltigen vom Thron und erhebt die Niedrigen. Die Hungrigen füllt er mit Gütern und lässt die Reichen leer ausgehen. Er gedenkt der Barmherzigkeit und hilft seinem Diener Israel auf, wie er geredet hat zu unsern Vätern, Abraham und seinen Nachkommen in Ewigkeit. « Lukas 1, 46 – 55


2. Tag

Marias hocherhobener Gott

Maria erkennt eine absolut bemerkenswerte Sache über Gott: Er ist im Begriff, in den Verlauf der gesamten Menschheitsgeschichte einzu­ greifen. Die wichtigsten drei Jahrzehnte aller Zeiten werden in Kürze ­beginnen. Und was tut Gott? Er kümmert sich um zwei unbedeutende, demü­ tige Frauen: die eine alt und unfruchtbar (Elisabeth), die andere jung und eine Jungfrau (Maria). Und Maria ist so bewegt von dieser Erschei­ nung Gottes, der die Niedrigen liebt, dass sie zu singen anfängt – ihr Lob­ gesang ist als » Magnificat « bekannt geworden. Maria und Elisabeth sind wundervolle Heldinnen im Lukasevange­ lium. Lukas liebt den Glauben dieser Frauen. Was ihn an meisten be­ eindruckt und womit er Theophilus, den vortrefflichen Leser seines Evangeliums, beeindrucken möchte, scheint die Niedrigkeit und freu­ dige Demut von Elisabeth und Maria zu sein, mit der sie sich ihrem hocherhobenen (engl. magnificent) Gott unterordnen. Elisabeth fragt: » Und wie geschieht mir, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt « (Lk 1, 43) ? Maria erklärt: » Er hat die Niedrigkeit seiner Magd angesehen « (Lk 1, 48). Die einzigen Menschen, deren Seele ehrlich den Herrn erheben kann, sind Menschen wie Elisabeth und Maria – Menschen, die ihre Niedrig­ keit anerkennen und davon überwältigt sind, wie sich der hocherhobene Gott zu ihnen herab neigt.


» Gelobt sei der Herr, der Gott Israels! Denn er hat besucht und erlöst sein Volk und hat uns aufgerichtet ein Horn des Heils im Hause seines Dieners David – wie er vorzeiten geredet hat durch den Mund seiner heiligen Propheten –, dass er uns errettete von unsern Feinden und aus der Hand aller, die uns hassen. « Lukas 1, 68 – 71


3. Tag

Lang erwarteter Besuch

An den Worten von Zacharias, dem Mann von Elisabeth, im ersten ­Kapitel des Lukasevangeliums zeigen sich zwei bemerkenswerte Dinge: Erstens: Neun Monate zuvor hatte Zacharias nicht glauben können, dass seine Frau ein Kind bekommen würde. Jetzt, erfüllt vom Heiligen Geist, ist er sich Gottes Erlösungswerkes durch den kommenden M ­ essias so sicher, dass er sogar in der Vergangenheitsform davon spricht: » Denn er hat besucht und erlöst sein Volk «. Aus Sicht des Glaubens ist eine Verheißung Gottes bereits so gut wie erfüllt. Zacharias hat gelernt, Gott beim Wort zu nehmen, und hat daher die bemerkenswerte Gewissheit: Gott » hat besucht und erlöst sein Volk « (Lk 1, 68). Zweitens: Das Kommen Jesu, des Messias, ist der Besuch Gottes in unserer Welt. Der Gott Israels hat sein Volk besucht und erlöst. Jahr­ hunderte lang hatte das jüdische Volk geschmachtet, überzeugt davon, dass sich Gott von ihnen abgewandt hatte: Der Geist der Prophetie war versiegt und Israel war in die Hände Roms gefallen. Und alle in Israel, die Gott fürchteten, warteten auf den Besuch Gottes. Lukas berichtet uns von einem weiteren alten Mann, dem frommen Simeon, der » auf den Trost Israels [wartete] « (Lk 2, 25). Auch die treue Beterin Hanna gehörte zu denen, » die auf die Erlösung Jerusalems warteten « (Lk 2, 38). Es waren erwartungsvolle Tage. Und nun stand der lang erwartete Besuch Gottes unmittelbar bevor – und sein Kommen sollte ganz anders werden, als es irgendjemand erwartet hatte.


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