Armin Beck (Hrsg.)
Alpha fĂźr Protestanten Der Alpha-Kurs in evangelischen Kirchengemeinden
Inhalt Geleitwort . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Einführung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Kapitel 1: Wie funktioniert der Alpha-Kurs? oder: Theologie der Evangelisation bei Alpha . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1.1 Die missionarischen Prinzipien von Alpha . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1.1.1 Erstes Prinzip: Alpha ist Verkündigung von Gottes Wort durch die Ortsgemeinde . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1.1.2 Zweites Prinzip: Glaube unterliegt einem Wachstumsprozess . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
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Exkurs I: Das Bibelverständnis von Alpha (Hermeneutik) . . . . . . . . . . . . . . 31 1.1.3 Drittes Prinzip: Alpha ist ganzheitliche Verkündigung . . . . . . . . . 45 1.1.4 Viertes Prinzip: Evangelisation bei Alpha ist mehrdimensional . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 54 Exkurs II: Alpha und der dritte Glaubensartikel (Pneumatologie) . . . . . . 63 Kapitel 2: Praxis des Alpha-Kurses . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2.1 Das Wichtigste zuerst: A-L-P-H-A . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2.2 Der typische Alpha-Abend . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2.3 Zeitlicher und thematischer Aufbau des Kurses . . . . . . . . . . . . . . . . 2.4 Das Alpha-Wochenende . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
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Kapitel 3: Alpha – mehr als ein Baustein zur missionarischen Gemeindeentwicklung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 98 3.1 Die Alpha-DNA . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 98 3.2 Einbettung des Alpha-Kurses in das kirchengemeindliche Umfeld . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 100 5
3.3 3.4
Was kommt nach Alpha? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 112 Kurse für besondere Zielgruppen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 115
Exkurs III: Alpha-Kurs und Gemeindeaufbau oder: „Wer A sagt, muss auch B sagen“ (Ekklesiologie) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 118 Kapitel 4: Erfahrungen mit Alpha in evangelischen Kirchengemeinden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 132 4.1 Evangelische Kirchengemeinde Niederkaufungen, Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 133 4.2 Evangelische Kirchengemeinde Cleebronn, Evangelische Landeskirche in Württemberg . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 137 4.3 Lutherkirchgemeinde Chemnitz, Evangelisch-lutherische Landeskirche Sachsens . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 142 4.4 Kirchengemeinde Mertensdorf, Landgemeinde in der Prignitz, Evangelisch-lutherische Landeskirche Mecklenburgs . . . . . . . . . . . 145 Ein Schlusswort . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 150 Checkliste: Wie geht es weiter? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 152 Die Autoren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 153 Weiterführende Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 155 Adressen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 157 Anmerkungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 158
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Geleitwort „Eine Erfolgsgeschichte“ Alpha entwickelte sich nicht nur weltweit zum „Branchenführer“ von Glaubenskursen, sondern ist auch in Deutschland der bekannteste und am weitesten verbreitete Kurs – und das keineswegs nur im freikirchlichen Raum, sondern ebenso deutlich in zahlreichen Gliedkirchen der EKD. Dem Kurs gelingt es, unsere Zeitgenossen in ihrer Lebenswelt und ihren Fragen abzuholen und diese mit Glaubensinformation zu verbinden. Durch Begegnung, Kommunikation, Glaubensinformation und spirituelle Erfahrung werden die Teilnehmenden in einen Lernprozess des Glaubens hineingenommen. Die Rückmeldungen von Teilnehmenden als auch die Wirkungsgeschichte in Kirchengemeinden sind durchweg positiv – selbst da, wo der Kurs mit einer kritischen Vorsicht begonnen wurde. „In der Kritik“ Gleichwohl sieht sich Alpha immer wieder mit kritischen Anfragen konfrontiert. Der weltweit einheitliche Kurs sei bei der Übersetzung nicht hinreichend kontextualisiert. Der ekklesiologische Hintergrund sei eher freikirchlich als volkskirchlich gedacht. Theologische Grundlinien des Kurses seien nicht mit den theologischen Entwicklungen im Protestantismus kompatibel. Insbesondere die zentrale Rolle der Kurseinheiten zum Heiligen Geist, seiner Erfahrbarkeit auch in den Zeichen des Sprachengebets, stellt die Kursanwender im landeskirchlichen Kontext vor große Herausforderungen. „Für die Praxis“ Mit dem vorliegenden Buch stellt sich Alpha Deutschland diesen kritischen Herausforderungen. Die Autoren, selber für Alpha im volkskirchlichen Protestantismus aktiv, legen Rechenschaft ab über Theologie und Praxis des Alpha-Glaubenskurses, und das ausdrücklich in Bezug auf 7
Grundlinien reformatorischer Theologie und in Bezug auf die volkskirch liche Situation. Damit wird – sozusagen nachträglich – ein wichtiges Stück an Kontextualisierung des Alpha-Kurses für die missionarische Arbeit im volkskirchlichen Rahmen geleistet. Der Glaube ist unser größter Schatz, und es gibt nichts Schöneres, als ihn mit möglichst vielen Menschen ins Gespräch zu bringen. Kurse zum Glauben bieten eine hervorragende Gelegenheit, dass Erwachsene den Glauben entdecken. Wenn die Evangelische Kirche in Deutschland missionarische Bildungsangebote verstärken will, wird Alpha dabei eine wichtige Rolle spielen, eben „Alpha für Protestanten“. Dr. Erhard Berneburg, Generalsekretär der Arbeitsgemeinschaft Missionarische Dienste
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Einführung Glaubenskurse erfreuen sich in den letzten Jahren zunehmender Beliebtheit. Sie bedienen das Bedürfnis nach elementarer religiöser Bildung in einer von Traditionsabbruch geprägten Zeit und stillen eine tiefe Sehnsucht nach geistlichen Erfahrungen und Orientierung in einer säkularisierten Multioptionsgesellschaft. Sie vermitteln grundlegende Informationen über den Glauben und bieten eine Erfahrung christlicher Gemeinschaft „auf Zeit“. Menschen können in diesem zeitlich begrenzten Erfahrungsraum „ausprobieren“, ob das Christentum und die konkrete christliche Gemeinde zu ihnen „passen“. Glaubenskurse helfen getauften Christen, sich ihres eigenen Glaubens zu vergewissern, und geben anderen, die entweder der Kirche und dem Glauben fernstehen oder aber gar nicht religiös sozialisiert wurden, die Möglichkeit, einen Einstieg in die Welt des Glaubens, der Kirche und des Christseins zu finden. Der Alpha-Kurs ist der am meisten genutzte Glaubenskurs, sowohl weltweit als auch in Deutschland.1 Alpha stammt aus der anglikanischen Kirche Englands, sein Ursprung ist die Londoner Kirchengemeinde Holy Trinity Brompton. Autor der Materialien ist der Theologe und Jurist Nicky Gumbel, der leitende Geistliche von Holy Trinity. Seit dem Start Anfang der 1990er-Jahre sind es derzeit weltweit über 40 000 Alpha-Kurse in 152 Ländern. Schätzungen zufolge haben bisher über 16 Millionen Menschen weltweit an einem Alpha-Kurs teilgenommen. In Deutschland sind es zurzeit etwa 1 400 Gemeinden, die Alpha anbieten. Alpha wird in evangelischen, katholischen und freikirchlichen Gemeinden durchgeführt und ist insofern ökumenisch. In Deutschland startete der Alpha-Kurs zu Beginn der 1990er-Jahre zunächst im evangelischen Raum. Der erste Alpha-Kurs fand 1993 unter 9
Studenten in Marburg statt. Nicky Gumbel war zu Gast im „Christus-Treff“ Marburg und hatte den Kurs noch unübersetzt dagelassen. Ich war damals als studentischer Mitarbeiter in diesem ersten deutschen AlphaTeam selbst dabei. Im folgenden Jahr fand ein weiterer Besuch Nicky Gumbels auf einem Gemeindeaufbau-Kongress der GGE (Geistliche Gemeindeerneuerung in der Evangelischen Kirche) und der AGGA (Arbeitsgemeinschaft für Gemeindeaufbau) statt, der den offiziellen Start von Alpha in Deutschland einläutete. Schon bald wurde der Kurs auch von der katholischen und freikirchlichen Szene entdeckt. Er hat schnell einen Ruf als hervorragendes missionarisches Instrument gewonnen. Meine eigene theologische Existenz haben Alpha und das Thema Glaubenskurse seit diesen Tagen begleitet. Ich habe im Vikariat und im Gemeindepfarramt auch andere Kurssysteme kennengelernt und ausprobiert, aber der Alpha-Kurs blieb für mich immer etwas Besonderes: Entscheidend Die Kirche Holy Trinity Brompton für mich waren der schon erwähnte Besuch Nicky Gumbels in Marburg und ein privater Besuch in England, bei dem ich auch zu Gast in Holy Trinity war. Mir wurde deutlich, dass der Kurs nicht für sich allein steht, sondern in sich ein ganzes Programm, ein Bild von Gemeindeaufbau transportiert, das ich faszinierend fand: Ehrlich gemeinte Gastfreundschaft ohne Aufdringlichkeit, lebensnahe Theologie und eine fröhliche, aber nicht übertriebene Spiritualität bildeten einen Rahmen, in dem auch junge Menschen und vor allem dem Glauben fernstehende Menschen ein Zuhause finden konnten. Es war für mich in den vielen Alpha-Kursen, die ich seitdem selbst geleitet habe, erstaunlich zu beobachten, wie aus skeptischen Zeitgenossen Menschen wurden, für die der Glaube eine wesentliche Rolle in ihrem Leben zu spielen begann. 10
Entwicklung in Deutschland
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Im September 2010 waren mehr als 1500 Alpha-Kurse in ganz Deutschland registriert!
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Wachstumsentwicklung von Alpha-Kursen in Deutschland
Als spätestens 1999 mit der EKD-Synode in Leipzig der Ruf nach einer Verstärkung verantwortlicher missionarischer Praxis in der evangelischen Kirche laut wurde, stieg das Interesse an der Arbeit mit Glau benskursen in breiteren Segmenten der evangelischen Kirche. Fast alle missionarischen Ämter der Gliedkirchen nahmen sich des Themas an und führten vermehrt Veranstaltungen zur Multiplikation von Glaubenskursen durch. Auf Studienreisen nach England, die dem gelungenen missionarischen Aufbruch der anglikanischen Kirche galten, stießen Leitungsverantwort liche immer wieder auf den Namen „Alpha-Kurs“. Auch gab es einige deutsche evangelische Kirchengemeinden, die ein starkes Gemeindewachstum aufwiesen, das nicht zuletzt mit dem Einsatz von Alpha-Kursen zusammenhing.2 Dennoch stieß der Kurs hierzulande auf Skepsis in Teilen der evangelischen Kirche: Skepsis erregte wohl die angelsächsische Herkunft, die ungewohnte Begeisterung mancher Berichte aus der Arbeit mit Alpha, die starke Verbreitung im freikirchlichen Raum und der ohnehin bestehende 11
Generalverdacht gegenüber missionarischer Arbeit, einnehmend und manipulativ zu sein. Viele positive Beispiele aus evangelischen Landeskirchen und die weiterhin steigende Nachfrage nach dem Kurs in der evangelischen Kirche sowie die Aufnahme von Alpha-Deutschland e. V. in die Arbeitsgemeinschaft Missionarischer Dienste (AMD) ließen das Vertrauen in Alpha weiter wachsen. Als im Jahre 2008 das EKD-Reformprojekt „Erwachsen glauben“ (www. kurse-zum-glauben.de), eine missionarische Bildungsinitiative mit dem Ziel eines flächendeckenden Angebots von Glaubenskursen, auf den Weg gebracht wurde, lag es auch nahe, den Alpha-Kurs in die Reihe der zu empfehlenden Glaubenskurse aufzunehmen. In den Vorgesprächen wurde deutlich, dass es hilfreich wäre, zusätzliches Material bereitzustellen, das Alpha in die Sprache und die besonderen Gegebenheiten des evangelischen Raumes „übersetzt“. So entstand die Idee für „Alpha für Protestanten“. Besonders wichtig erschienen uns folgende Aufgaben: • Einführung in den Alpha-Kurs: Eine kurze Information über den AlphaKurs. Welche missionarischen Prinzipien sind es, die diesen Kurs so erfolgreich machen? • Kontextualisierung: Wie fügt sich Alpha bereichernd in den volkskirchlichen Gemeindeaufbau der evangelischen Kirche ein? • Theologie: Welche Theologie prägt den Alpha-Kurs und inwiefern trägt Alpha auch protestantische Grundzüge? Kann man bei den ersten Fragen auf eine breite Erfahrung, gutes Textmaterial und eine umfassende Reflexion zurückgreifen, steht die dritte Frage zwar stets virulent im Raum, ist aber kaum schriftlich fixiert worden. So kommen wir in theologischen Exkursen den häufigsten Anfragen auf die Spur, die gegenüber dem Alpha-Kurs geäußert werden:
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• „Ist Alpha nicht einem zu einfachen Verständnis der Heiligen Schrift verfallen und ignoriert damit die Erkenntnisse der historisch-kritischen Exegese?“ – Exkurs I: Die Frage nach dem Schriftverständnis (Hermeneutik). • „Stellt Alpha nicht zu sehr die Heilig-Geist-Thematik in den Mittelpunkt? Ist Alpha nicht zu charismatisch?“ – Das ist die Frage nach der Lehre vom Heiligen Geist (Pneumatologie) und wird in Exkurs II behandelt. • Und schließlich die grundsätzliche Frage: „Passt das Bild von Gemeinde, das hinter Alpha steht, eigentlich in die evangelische Volkskirche?“ – Die Frage nach der Lehre von der Kirche (Ekklesiologie) von Alpha erläutert Exkurs III. Ziel bei der Darstellung ist weniger eine Apologie des Alpha-Kurses. Es ist hinlänglich erwiesen, dass der Alpha-Kurs in evangelischen Kirchengemeinden eine Bereicherung ist. Wie das konkret in evangelischen Gemeinden aussieht, sollen die in diesem Buch ausgesuchten Beispiele in Kapitel 4 verdeutlichen. Es geht eher um Übersetzung, Erklärung, Verstehen des Phänomens „Alpha“. Besonders faszinierend finde ich dabei die Beobachtung, dass auch in Gemeinden, die den Kurs trotz zunächst bestehender Skepsis durchführen, bald eine Art Begeisterung für den Kurs entsteht. Das führt manchmal zu einer Nachjustierung der theologischen Brille: Auch dazu soll dieses Buch hilfreich sein. Wir reden in diesem Zusammenhang gern von der Alpha-„DNA“. Damit sind die Dinge gemeint, die mit dem Alpha-Kurs transportiert und in eine Gemeinde implementiert werden. Es sind genau die Dinge, die mich selbst von Alpha überzeugten: Es ist die einladende Gastfreundlichkeit, die Praxis des Glaubensgesprächs auf der Basis grundlegender Informationen, die gelebte fröhliche Spiritualität. Diese Dinge lassen Alpha weltweit so erfolgreich sein.
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Dieses Buch möchte dazu beitragen, das Phänomen „Alpha“ zu verstehen. Es bietet eine Einführung in den Kurs, ohne die vorhandenen Materialien zu ersetzen. Dazu werden verschiedene Stimmen auf unterschiedliche Weise zu Wort kommen: erklärende Passagen, vertiefende theologische Exkurse und Berichte aus der Praxis. „Alpha für Protestanten“ möchte ein Reiseführer sein, der Ihnen hilft, eine vielleicht ganz neue Welt zu entdecken und ihren Zauber auch in Ihrer Arbeit und Gemeinde fruchtbar werden zu lassen.
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Kapitel 1 Wie funktioniert der Alpha-Kurs? oder: Theologie der Evangelisation bei Alpha „Jesus Christus spricht: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich (Joh 14,6). Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer nicht zur Tür hineingeht in den Schafstall, sondern steigt anderswo hinein, der ist ein Dieb und Räuber. Ich bin die Tür; wenn jemand durch mich hineingeht, wird er selig werden (Joh 10,1.9). Jesus Christus, wie er uns in der Heiligen Schrift bezeugt wird, ist das eine Wort Gottes, das wir zu hören, dem wir im Leben und im Sterben zu vertrauen und zu gehorchen haben“ (1. These der Barmer theologischen Erklärung von 1934). Wenn man es in einem Satz sagen möchte, worum es eigentlich im AlphaKurs geht, dann lässt sich das in diesen Worten zusammenfassen: um die Verkündigung des einen Wortes Gottes, um Jesus Christus, seinen Tod am Kreuz und um seine Auferstehung. Diese Gute Nachricht, das Evangelium von Jesus Christus sowohl den getauften Menschen als auch den noch nicht getauften, den kirchlichen und den noch weit von Kirche und Glauben Entfernten zu verkünden, ist das Ziel des Alpha-Kurses. Insofern ist der Alpha-Kurs „evangelisierendes Handeln“ der Kirche in zeitgemäßer Form. Wenn ich von „Evangelisation“ rede, meine ich genau dieses „evangelisierende Handeln“, wie es die Gemeinschaft der evangelischen Kirchen von Europa formuliert hat: „… und verstehen darunter einen Lebensprozess der ganzen Kirche in Wort und Tat, die Menschen den Freiheitsraum des Evangeliums aufschließt, in 15
dem ihnen die Begegnung mit dem in Jesus Christus Mensch gewordenen Gott ermöglicht wird. Evangelisierung ist ein multidimensionales Geschehen, das explizit das Ziel verfolgt, Glauben zu wecken und zu vergewissern. In unseren Kirchen der Reformation liegt dabei ein besonderer Akzent auf der Glauben weckenden Wortverkündigung.“3 Die Erfahrungen bei dieser Zentralaufgabe, das Evangelium von Jesus Christus zu verkündigen, sind jedoch zwiespältig. Wenn wir ehrlich sind, dann wird deutlich, dass es im evangelischen Raum unterschiedliche Erfahrungen mit dieser Verkündigungsaufgabe gibt. Oft erscheint uns der Verkündigungsauftrag mühsam, obwohl es in der volkskirchlichen Praxis eine Menge von Gelegenheiten gibt, diesen wahrzunehmen: im Gottesdienst, in der Konfirmanden- und Jugendarbeit, der Arbeit mit Kindern, Senioren und bei Kasualien (z. B. Taufe, Konfirmation, Trauung, Bestattung). Die Erfahrung ist jedoch oft, dass man sich durchaus mehr Gemeindeglieder in den zentralen Angeboten des Gemeindelebens beispielsweise im Gottesdienst wünscht. Und die Erfahrung, dass sich Menschen neu für das kerngemeindliche Leben interessieren, ist relativ selten. Auf der anderen Seite gibt es bei vielen negative Erfahrungen mit einer theologisch einseitig orientierten Missionspraxis, die relativ unsensibel und manchmal grenzüberschreitend Menschen durch eine streng moralisch ausgelegte Sündenerkenntnis zur Konversion bewegen will. Eine solche theologische Verengung korreliert sehr oft mit einer gesetzlichen Form des Christentums, dem ehemalige Insider und auch nach Glaubensantworten suchende Zeitgenossen misstrauisch oder sogar ablehnend gegenüberstehen. Der Alpha-Kurs ist eine Chance, zum Glauben einzuladen, ohne Druck aufzubauen oder Menschen zu verletzen. Der Kurs bietet eine gastfreundlich-lockere Atmosphäre, die es ermöglicht, Menschen ohne Druck zu einem Leben mit und aus dem Glauben einzuladen. Das wird aller Erfahrung nach als Gewinn für Gäste und Gastgeber empfunden. Eine Definition von Alpha lautet: „Alpha heißt, die Gute Nachricht weitersagen durch ganz normale Leute!“ 16
Mit anderen Worten: Im Alpha-Kurs geht es um das Anliegen, das alle Christen miteinander teilen, nämlich der Kirche fernstehende Menschen auf eine zeitgemäße Art mit dem dreieinigen Gott bekannt zu machen und ihnen zu helfen, ein tragendes und befreiendes Vertrauensverhältnis zu ihm zu finden.
1.1 Die missionarischen Prinzipien von Alpha Hinter dieser Praxis des Alpha-Kurses lassen sich drei verschiedene Prinzipien ausmachen, die sich so schon im Zeugnis des Neuen Testaments finden lassen. Diese theologischen Prinzipien des Alpha-Kurses möchte ich schon einmal kurz nennen, ehe ich sie ausführlich erläutere: • Erstes Prinzip: Alpha ist Verkündigung von Gottes Wort durch die Ortsgemeinde. • Zweites Prinzip: Glaube unterliegt einem Wachstumsprozess. • Drittes Prinzip: Alpha ist ganzheitliche Verkündigung. • Viertes Prinzip: Evangelisation bei Alpha ist mehrdimensional. 1.1.1 Erstes Prinzip: Alpha ist Verkündigung von Gottes Wort durch die Ortsgemeinde Evangelisierendes Handeln der Kirche wird oft lediglich in zwei Bereichen vermutet: erstens in der „Evangelisation“ als einer besonderen Veranstaltungsform. Entweder finden diese in den Räumen einer Gemeinde oder als Zeltevangelisation oder sogar als Großveranstaltung statt. Es tritt ein rhetorisch besonders begabter Redner auf, der am Ende seiner Predigt zu einer Entscheidung für ein Leben mit Christus aufruft. Die andere Form ist die Evangelisation von Person zu Person: Ein Mensch bezeugt einem anderen glaubhaft die Wahrheit und persönliche Relevanz des christlichen Glaubens, bis dieser sich in einem existenziell bedeutsamen Schritt entschließt, ebenfalls zu glauben. 17
Beides ist sicher nicht verkehrt und kann sich auf biblische Vorbilder berufen: So kann man mit etwas gutem Willen die in Matthäus 5 bis 7 geschilderte Szenerie der Bergpredigt oder die Pfingstpredigt des Petrus als Vorbild für eine solche Großveranstaltung sehen. Und das in Apostelgeschichte 8,26–40 geschilderte Gespräch zwischen Philippus und dem äthiopischen Kämmerer könnte als Vorbild für ein solches Glauben weckendes Gespräch unter zwei Menschen dienen. Beide Arten von Evangelisation finden auch heute statt, von beiden erzählen Menschen aus ihrer eigenen Konversionsgeschichte.4 Offensichtlich gibt es aber noch ein drittes Evangelisationsmodell im Neuen Testament. Ein sehr effektives, über die Jahrhunderte vielleicht das effektivste Modell von Evangelisation überhaupt: die Verkündigung der Frohen Botschaft an Außenstehende durch die Ortsgemeinde. Paulus schreibt an die Gemeinde in Thessaloniki: „Und ihr seid unserm Beispiel gefolgt und dem des Herrn und habt das Wort aufgenommen in großer Bedrängnis mit Freuden im Heiligen Geist, sodass ihr ein Vorbild geworden seid für alle Gläubigen in Mazedonien und Achaja“ (1 Thess 1,6–7). Der Theologe und Autor John Stott drückte es so aus: „Evangelisation durch die Ortsgemeinde ist die normalste, natürlichste und produktivste Methode, heute das Evangelium zu verbreiten.“ Es sprechen vier gute Gründe für die Weitergabe des Glaubens durch die Ortsgemeinde: a) Sie ist ehrlich: Man bekommt, was man sieht! b) Sie hängt nicht an einer Person: Viele ehrenamtliche Mitarbeiter5 sind eingebunden! c) Sie geschieht durch vorhandene Beziehungen: Freunde laden Freunde ein! d) Sie findet kontinuierlich statt: Verlässlichkeit und Kontinuität!
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