Samenkorn 1
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Lothar Gassmann
Der Jakobusbrief
Seid Täter des Worts, nicht HÜrer allein!
Samenkorn 3
Hinweis: Diese Darstellung geht auf Vorträge zurück, die vom VerfasserfreinachStichwortengehaltenwurden.Siewurdenvom EhepaarHansundChristaWidmer,Marienheide,vomBandgetippt und vom Verfasser überarbeitet. Der Stil der freien Rede wurde beibehalten.
1. Auflage 2010 Samenkorn e.V. Christlicher Schriften- und Liederverlag Liebigstr. 8, 33803 Steinhagen, Germany Umschlag Foto: Umschlag Gestaltung: Zeichnungen: Satz: Druck und Bindung:
Lothar Gassmann Werner Fürstenberger Irina Schulz Samenkorn e.V. CPI books, Ulm
ISBN:
978-3-936894-92-9 4
Inhalt Der Christ in der Anfechtung. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7 Woher die Anfechtung kommt und wie wir sie im Namen des HERRN überwinden können. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 29 Vorbilder aus der Heiligen Schrift. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 45 Seid Täter des Wortes, nicht Hörer allein . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 57 Barmherzigkeit mit den anderen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 82 Glaube ohne Werke ist tot. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 100 Jakobusbrief – Die Macht der Zunge. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 119 So der HERR will und wir leben. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 168 Der HERR kommt bald . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 202 Was tun bei Krankheit? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 224 Die Macht des Gebets. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 246
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Der Christ in der Anfechtung Jakobusbrief 1,1–12
Jakobus, ein Knecht Gottes und des HERRN Jesus Christus, an die zwölf Stämme in der Zerstreuung, Gruß zuvor! Meine Brüder, achtet es für lauter Freude, wenn ihr in mancherlei Anfechtung fallt und wisset, dass euer Glauben, wenn er bewährt ist, Geduld wirkt. Die Geduld soll aber ein vollkommenes Werk haben, auf dass ihr vollkommen und ganz seid und keinen Mangel habt. Wenn aber jemand unter euch an Weisheit mangelt, der bitte von Gott, der jedermann gerne gibt und niemand schilt, so wird sie ihm gegeben werden. Er bitte aber im Glauben und zweifle nicht; denn wer da zweifelt, der ist gleich wie eine Meereswoge, die vom Winde getrieben und bewegt wird. Ein solcher Mensch denke nicht, dass er etwas von dem HERRN empfangen werde. Ein wankelmütiger Mann ist unbeständig in allen seinen Wegen. Ein Bruder aber, der niedrig ist, rühme sich seiner Höhe, und der da reich ist, rühme sich seiner Niedrigkeit; denn wie eine Blume des Grases wird er vergehen. Denn die Sonne geht auf mit ihrer Hitze, und das Gras verwelkt, und seine Blume fällt ab, und seine schöne Gestalt verdirbt; so wird auch der Reiche in seinen Wegen verwelken. Glückselig ist der Mann, der die Anfechtung erduldet; denn nachdem er bewährt ist, 7
wird er die Krone des Lebens empfangen, welche der HERR verheißen hat denen, die Ihn liebhaben!
Jakobus, der Halbbruder Jesu Christi
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u Beginn möchte ich etwas Allgemeines über den Jakobusbrief sagen. Es existieren verschiedene Ansichten darüber, wer Jakobus war. Es ist aber sehr wahrscheinlich, dass es der Halbbruder unseres HERRN Jesus war, genauso wie Judas, der den Judasbrief geschrieben hat, welcher sich wiederum als Bruder des Jakobus bezeichnet. Es lebte im Jüngerkreis Jesu auch ein anderer sehr bekannter Jakobus. Dieser war der Apostel Jakobus, der Bruder des Apostels Johannes. Der Apostel Jakobus wurde durch König Herodes hingerichtet. Danach wollte Herodes auch den Apostel Petrus töten lassen. Er ließ Petrus gefangen nehmen. Aber Petrus wurde wunderbar durch den Eingriff Gottes, durch einen Engel, befreit und aus dem Gefängnis herausgeführt. Petrus hat daraufhin Jerusalem verlassen (Apostelgeschichte 12). Der Herrenbruder Jakobus hat danach – so weiß man es aus dem Galaterbrief und aus anderen Stellen – die Führung über die Jerusalemer Ur-Gemeinde innegehabt. Als der Halbbruder unseres HERRN hat er eine besondere Autorität besessen. Jakobus war zunächst nicht gläubig gewesen, genauso wenig wie seine Geschwister, die Halbgeschwister unseres Heilandes waren. In den Evangelien lesen wir, dass vor der Kreuzigung und Auferstehung Jesu Halbbrüder nicht an Ihn glaubten. Auch Seine Mutter Maria hatten sie mitgenommen. Aber der HERR Jesus hat ihnen geantwortet, dass nur diejenigen Seine Mutter und Seine Geschwister sind, die Seinen Willen tun, die Gottes Willen gehorchen (Matthäus 12,46ff.). Jakobus kam – so kann man annehmen – erst durch die Auferstehung zum Glauben, indem ihm der auferstandene HERR Jesus Christus erschienen ist. Das wird in 1. Korinther 15 bezeugt, wo die ganze Kette der Auferstehungszeugen aufgezählt wird. Und da ist auch Jakobus dabei. 8
Nun hat er wohl in späteren Jahren, in denen bereits Bedrängnis und Verfolgung geherrscht haben, diesen Brief geschrieben. Es war gewissermaßen sein Vermächtnis. Es ist der einzige Brief, den wir vom Herrenbruder Jakobus in der Heiligen Schrift haben.
Die Demut des Jakobus
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akobusbrief 1,1 Jakobus, ein Knecht Gottes und des HERRN Jesus Christus, an die zwölf Stämme in der Zerstreuung, Gruß zuvor! Er nennt sich hier nicht Herrenbruder, sondern ganz demütig: ein Knecht Gottes und des HERRN Jesus Christus. Er nennt sich Knecht und Diener, obwohl er ja so eng mit Jesus verwandt war wie kaum jemand anderes – über die gemeinsame Mutter Maria. Der Vater Jesu ist ja Gott, aber die Mutter war Maria. Und Jakobus war auch ein Sohn der Maria. Aber das lässt er ganz weg und nennt sich einfach ein Knecht Gottes und des HERRN Jesus Christus. Es ist gewaltig, dass Jakobus seinen Halbbruder Jesus hier zugleich seinen HERRN nennt. Jakobus hat erkannt, dass Jesus eben nicht nur Mensch, sondern auch Gott ist. Jesus kam als Mensch auf diese Welt, war aber von Ewigkeit her schon Gott. „Jesus“ bedeutet „Retter“, „Erlöser“ (hebräisch „Jeschua“). „Christos“ ist das griechische Wort für das hebräische „Maschiach“ („Messias“) und bedeutet: „der gesalbte Heilskönig“. So ist mit den ersten Worten schon alles ausgesagt. Jesus ist der Messias, der Retter. Das bezeugt Jakobus als jemand, der aus dem Judentum kommt, der auch bei den Judenchristen führend war; aber er hat erkannt: Jesus ist der Messias, ist der Retter Israels, ja der Retter der ganzen Welt, aller derer, die an Ihn glauben.
Die zwölf Stämme in der Zerstreuung
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er Jakobusbrief ist an die zwölf Stämme in der Zerstreuung gerichtet. Es wurde viel gerätselt, was dies im neutesta9
mentlichen Zusammenhang bedeuten kann. Die zwölf Stämme Israels haben ja zur Zeit des Neuen Testaments nicht mehr als Volk existiert. Durch die assyrische Invasion 722 v. Chr. wurden die zehn Stämme des Nordreiches unter etliche Völkerschaften zerstreut. 587 v. Chr. geschah die Eroberung Jerusalems durch den babylonischen Herrscher Nebukadnezar. Dabei wurden auch die beiden Stämme Juda und Benjamin weggeführt. Die Angehörigen dieser Stämme wurden nach Babylon verschleppt. Darunter war auch der bekannte Prophet Daniel. Es gibt Hinweise, dass die zwölf Stämme nie ganz aufgehört haben zu existieren. Der Apostel Paulus selbst kann von sich schreiben, dass er aus dem Stamm Benjamin stammt. Es war noch bekannt, dass er Benjaminiter ist, und auch andere wissen noch bis heute, aus welchem Stamm sie kommen. Dennoch denke ich, dass der Jakobusbrief nicht an die zwölf Stämme in israelischer Formation adressiert ist, sondern dass die Bezeichnung „zwölf Stämme“ hier ein umfassender Begriff für die Gemeinde Jesu im Neuen Bund ist. Denn dieser Neue Bund ist ja die Fortsetzung des Alten Bundes, aber eben auch seine Erfüllung, indem sich alles in Jesus, als Messias, erfüllt hat. Und so sind die zwölf Stämme neu repräsentiert worden durch die zwölf Apostel. Die zwölf Apostel haben in der Pfingstpredigt des Petrus (Apostelgeschichte 2) den Grund für die Gemeinde gelegt. Dann sind sie hinausgegangen in alle Welt, und das Evangelium wurde verkündigt, von Jerusalem aus über Judäa und Samaria bis an die Enden der Erde. Als der Jakobusbrief geschrieben war, gab es sicherlich in vielen Ländern schon Christen, da das Evangelium durch diese Boten weit hinausgegangen war, in verschiedene Länder dieser Welt. „Die zwölf Stämme in der Zerstreuung“ soll heißen, dass die Gemeinde überall eine Minderheit ist. Sie lebt in der Diaspora. Und auch bei uns in Deutschland ist die Gemeinde inzwischen eine Minderheit. Es sind nur wenige, die wirklich auf dem schmalen Weg dem Lamme nachwandeln. Deshalb kann dieser Brief auch uns Ermutigung, Zuspruch und Trost bringen. 10
Freut euch, wenn ihr in Anfechtung fallt!
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akobusbrief 1,2 Meine Brüder, achtet es für lauter Freude, wenn ihr in mancherlei Anfechtung fallt … Weil die Stämme und auch die Christen in der Zerstreuung Trost und Stärkung brauchen, deshalb beginnt dieser Brief mit dem Thema Anfechtung. Was aber zuerst hier steht, ist nicht der Begriff „Anfechtung“ in Vers 2, sondern als Erstes steht „pasan charan“, das heißt „jede Freude“, „lauter Freude“. Für lauter Freude sollen wir es erachten, was wir um des HERRN willen erdulden. Im Griechischen lesen wir ein Wort für Anfechtung: „peirasmos“. Luther hat zwei verschiedene Begriffe in seiner Übersetzung verwendet. Im Jakobusbrief 1,1–12 hat er den Begriff „Anfechtung“ verwendet – und ab Vers 13 „Versuchung“. Dies tat er, da in diesem Begriff verschiedene Schwerpunkte gelegt sind: einmal die Anfechtung, die Gott zulässt, und einmal die Versuchung, die aus dem eigenen Herzen kommt. Und doch ist es im Griechischen derselbe Begriff „peirasmos“. Dies kann aber auch „Probe“, „Erprobung“, „Bewährung“, die dann daraus erwächst, heißen. Es ist also eine Probe oder Prüfung, die dazu dienen soll, dass wir uns im Glaubensleben bewähren. Diese Art von Anfechtung ist hier gemeint. Sie geschieht in der Art von Versuchungen, die auf uns zukommen. Gott lässt diese Anfechtungen zu, wie es auch im Buch Hiob geschrieben steht, dass der Teufel den Menschen versucht. „Meinst du, dass jemand dich umsonst liebt?“, fragt Satan Gott, und er meint damit Hiob. In Hiob 1 wird beschrieben, dass Gott zulässt, dass Hiob geprüft werden darf. Alles darf Satan ihm nehmen, mit Ausnahme seines Lebens.
Verfolgung, Zweifel, Stolz
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s gibt verschiedene Anfechtungen. Ich möchte nur einige Beispiele aufzählen. 11
In der urchristlichen Zeit war natürlich die Verfolgung der Gemeinde eine große Anfechtung. Viele Tausende Christen sind bedrängt und verfolgt worden. Jeder, der nicht den Kaiserkult mitgemacht hat, jeder, der nicht den heidnischen Göttern geopfert hat, wurde um seines Glaubens willen bedrängt bis hin zum Martyrium. „Christianos ad leones“ hieß es damals. Viele Christen wurden den Löwen vorgeworfen. Die Verfolgung ist mit Sicherheit die massivste Art der Anfechtung. Aber es gibt auch andere Arten, wie zum Beispiel Zweifel. Wir kommen später in Jakobus 1 noch darauf zurück. Es sind zum Beispiel Zweifel an der Heilsgewissheit, die Frage: Bin ich wirklich ein Kind Gottes? Ich kenne manche Christen, die diese Anfechtungen immer wieder haben. Dann gibt es auch noch andere Dinge, die uns gar nicht so als Anfechtung bewusst sind. Da ist zum Beispiel der menschliche Stolz. Gerade durch den Stolz verdrängt man ja die Wirklichkeit Gottes und hält sich selbst für Gott. Der Mensch will selbst auf dem Thron sitzen. Und der Stolz, die „superbia“, der Hochmut ist die Wurzel aller weiteren Sünde, gewissermaßen die Wurzelsünde, wie es Augustinus und Luther formuliert haben. Es ist aber auch eine Anfechtung, wenn man merkt, dass das nicht funktioniert, dass man sehr schnell vom hohen Ross des Stolzes herunterfällt – und sei es durch andere Arten von Anfechtungen wie Krankheit. Da ist es mit dem Stolz sehr schnell zu Ende. Dabei kommt die Schwachheit und Vergänglichkeit des Menschen zum Ausdruck.
Augenlust, Fleischeslust und Versagen
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ann gibt es Anfechtungen, die heute an vielen Ecken auf uns einströmen, etwa in Form von unzüchtigen Bildern und Darstellungen, sei es in Illustrierten, in Filmen und im Internet. Das kann einen sehr belasten. Man bekommt diese Bilder nur sehr schwer wieder los. Man kann darum beten und ringen. Aber es ist gut, wenn man die Quelle der Versuchung verstopft. Das meint der HERR Jesus damit, wenn Er davon spricht, das Auge herauszureißen, das einen zu Fall bringen 12
will (Matthäus 5,29; 18,9). Man sollte die Kanäle verstopfen, die einem zur Anfechtung werden. Man sollte sich z.B. solche Illustrierten und Sendungen nicht ins Haus holen. Man kann sich im Internet, wenn man es schon benutzen muss, ein Filterprogramm einrichten. Wenn man fernsieht, kann man sich auf wenige ausgesuchte Sendungen beschränken oder noch besser erst gar keinen Fernseher anschaffen, um solchen Anfechtungen möglichst schon im Vorhinein das Wasser abzugraben. Weitere Anfechtungen sind, wenn wir merken, wie unbeherrscht wir oft sind. Unser eigenes Wesen wird uns zur Anfechtung: Gedanken des Neides, Gedanken der Missgunst, der Eifersucht, des Hasses, des Streitgeistes. Viele Dinge, die in Galater 5 aufgezählt sind, sind letztendlich Anfechtungen. Wenn unser Gewissen noch nicht verroht ist, wird uns das deutlich, wenn wir merken und empfinden – durch den Heiligen Geist geleitet –, dass wir in unserer Art schwach sind und dadurch sündigen.
Leiden, Krankheit, Arbeitslosigkeit, Todesangst
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ann gibt es natürlich auch die vielen Arten von Leiden, von Krankheit, von Schwerem in unserem Leben. Zurzeit erleben viele Menschen Arbeitslosigkeit. Ich wurde auch mehrmals in meinem Leben arbeitslos. Man fühlt sich dabei abgeschoben, auch oft gemobbt, nutzlos und hat den Eindruck: „Keiner will mehr mit mir etwas anfangen oder zu tun haben.“ Und doch hat Gott für jeden seinen Platz. Der HERR ruft dem Verzweifelten zu: „Du bist wertvoll in Meinen Augen. Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, und du bist Mein“ (vgl. Jes.43,4a + 1b). ER kennt jeden einzelnen Namen. Und gerade wenn unsere Namen im Buch des Lebens stehen, wissen wir, wie wertgeachtet wir beim HERRN sind. Aber viele Menschen haben heute Gedanken der Resignation und sind entmutigt und verzagt, ganz besonders wenn man älter und schwächer wird, wenn die Schmerzen zunehmen und die Leistungsfähigkeit sinkt. Dies kann dann auch eine massive Anfechtung sein. 13
Eine weitere Anfechtung ist die Angst vor dem Tod. Was kommt nach dem Tod? Wer nicht im Glauben steht, bekommt bei dieser Frage hoffentlich heilsame Anfechtungen, so dass er umkehrt von seinem oberflächlichen Weg.
Die Verlockung der verbotenen Frucht
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ch möchte jetzt einige weitere Beispiele aus der Heiligen Schrift für Anfechtungen nennen. Da gibt es zum Beispiel die Verlockung der verbotenen Frucht. Das ist die Wurzel aller anderen Versuchungen: der Sündenfall, wie er uns im 1. Mosebuch beschrieben ist. 1. Mose 3,6 Die Frau sah, dass von dem Baume gut zu essen wäre und dass er eine Lust für die Augen wäre und verlockend, weil er klug machte. Und sie nahm von der Frucht und aß und gab ihrem Mann, der bei ihr war, auch davon, und er aß. Augenlust, Sinneslust und Wissenslust – alles kam zusammen. Eva nahm von dieser Frucht und gab ihrem Mann davon. Der Mann wäre vielleicht nicht durch die Frucht und die Schlange allein verführt worden, aber es kam ja auch noch die Frau dazu. Und wir wissen, dass der Mann besonders auf sexuellem Gebiet – durch die Frau – anfechtbar ist. Die Frau ist eher auf medialem Gebiet anfechtbar – in Form des Okkultismus. Die Schlange, Satan, hat ihr diese Dinge suggeriert.
Die Verlockung fruchtbarer Felder
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erner gibt es die Verlockung fruchtbarer Felder. Das lesen wir bei Lot und Abraham. Sie trennen sich wegen der großen Herden: 1. Mose 13,10ff. Da hob Lot seine Augen auf und besah die ganze Gegend am Jordan; denn ehe der HERR Sodom und Gomorra vernichtete, war sie wasserreich, bis man nach Zoar kam, wie der Garten 14
des HERRN, gleich wie Ägyptenland. Da erwählte sich Lot die ganze Gegend am Jordan und zog nach Osten. Also trennte sich ein Bruder von dem anderen … Die Leute von Sodom waren böse und sündigten sehr gegen den HERRN. Das ist also die Verlockung fruchtbarer Felder. Lot hat sich das ausgesucht, was ihm besser erschien. Aber in Wirklichkeit war die Sünde dort schon eingepflanzt, und das ganze Gebiet ging unter. Nachher war von diesem guten, fruchtbaren Land gar nichts mehr übrig. Es befindet sich heute dort eine Salzwüste.
Die Verlockung des Appetits
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erner kennen wir die Verlockung des Appetits. Das ist ein einfaches und sehr primitives Beispiel, könnte man meinen. Aber diese Verlockung hat für Esau schwere Folgen gehabt. 1.Mose 25,29–31 Jakob kochte ein Gericht. Da kam Esau vom Feld und war müde und sprach zu Jakob: „Lass mich essen das rote Gericht, denn ich bin müde!“ Daher heißt er Edom. Jakob sprach: „So schwöre mir zuvor!“ Und er schwor ihm und verkaufte Jakob so seine Erstgeburt! Das Essen war Esau wichtig. Es hat ihn angefochten, da er hungrig war. Er wollte essen und hat für ein Linsengericht seine Erstgeburt verkauft.
Die Verlockung durch Silber und Gold Sehr verhängnisvoll ist auch die Verlockung von Silber und Gold. Das ist für viele Menschen, vielleicht sogar für die meisten, eine riesige Anfechtung: Goldsucht, Geldsucht, Habsucht. „Die Habgier ist die Wurzel alles Bösen“, lesen wir in 1. Tim. 6,10 So geschah es auch Achan zur Zeit von Josua, als Jericho eingenommen war. Josua 7,21 15
Achan sprach: Ich sah unter der Beute einen kostbaren babylonischen Mantel und zweihundert Lot Silber und eine Stange von Gold, fünfzig Lot schwer; danach gelüstete mich, und ich nahm es; und siehe, es ist verscharrt in der Erde in meinem Zelt, und das Silber darunter. Wie viele Menschen sind heute geldsüchtig, abhängig von dem, was der Mammon ihnen verspricht. Der Mammon ist ein Götze! Ist unser Denken und Handeln, auch als Christen, vielleicht vom Mammon bestimmt? Das sollte nicht sein. Deshalb führen wir christliche Freizeiten auch dann durch, wenn nur wenige Menschen kommen. Wenn es bei Gott um die großen Zahlen ginge, dann bräuchten wir schon längst nichts mehr machen. Aber es geht um die einzelne Seele. Dies ist wichtiger als äußerlicher Erfolg und Mammon. Es geht um die Seele des Einzelnen, um sein Seelenheil.
Die Verlockung durch Sexualität
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tark ist auch die Verlockung durch das andere Geschlecht. Das Paradebeispiel dafür ist der König Salomo. Er hatte nicht nur eine Frau, sondern tausend. 1.Könige 11,1 Aber der König Salomo liebte viele ausländische Frauen: Die Tochter des Pharao und moabitische, ammonitische, edomitische, zidonische und hetitische. 1.Könige 11,4 Denn als Salomo alt war, neigten seine Frauen sein Herz fremden Göttern zu, sodass sein Herz nicht ungeteilt bei dem HERRN, seinem Gott, war wie das Herz seines Vaters David. Die Verlockung der Frau – natürlich auch anders herum, die Verlockung des Mannes für die Frau – kann zu einem tödlichen Fallstrick werden.
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Verlockung durch Ehrgeiz
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uch der Ehrgeiz kann eine Anfechtung sein. Dies steht in engem Zusammenhang mit Stolz und Hochmut. Wir finden bei den Aposteln ein klassisches Beispiel. Markus 10,35–37 Da gingen zu Ihm Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, und sprachen: „Meister, wir wollen, dass Du für uns tust, um was wir Dich bitten werden!“ ER sprach zu ihnen: „Was wollt ihr, dass Ich für euch tue?“ Sie sprachen zu Ihm: „Gib uns, dass wir sitzen einer zu Deiner Rechten und einer zu Deiner Linken in Deiner Herrlichkeit!“ Aber das zu bestimmen, steht ihnen nicht zu. Das wird allein der Vater im Himmel entscheiden.
Wie gehen wir mit Anfechtungen um?
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s hängt alles davon ab, wie wir mit Anfechtungen umgehen. Wenn wir der Anfechtung nachgeben, nützt sie uns gar nichts. Dann bringt sie uns zu Fall. Und das ist genau das, was Satan will. Wenn wir aber widerstehen, wie es der HERR Jesus getan hat und wie es auch andere Männer (und Frauen) Gottes aus der Bibel getan haben, dann kann sie zum Segen werden. Jakobusbrief 1,3 Und wisset, dass euer Glauben, wenn er bewährt ist, Geduld wirkt. Der Glaube führt uns immer wieder durch Flammenprüfungen hindurch. Es ist wie beim Edelmetall: Es muss durch die Hitze, durch die Schmelze geläutert werden. Es müssen alle Schlacken herausgebrannt werden. Dies geschieht beim Edelmetall durch die Hitze, bei uns durch die Bedrängnis, durch die Hitze der Anfechtung. Das griechische Wort „hypomone“ für Geduld heißt wörtlich „darunter bleiben“. Das bedeutet, dass wir uns nicht über Gott stellen sollen, sondern unter Seiner gnädigen Hand bleiben. Denn wenn Gott Anfechtungen zulässt, sollen sie immer zum Heil dienen. Wir dürfen dann sagen: „HERR Jesus, 17
Du bist der Sieger über den Satan. Ich gebe ihm nicht nach. Ich widerstehe der Verlockung des Appetits. Ich widerstehe der Verlockung der verbotenen Frucht. Ich widerstehe der Verlockung fruchtbarer Länder. Ich widerstehe der Verlockung der Sünde durch Silber und Gold. Ich widerstehe der Verlockung der Frau bzw. des anderen Geschlechts. Ich widerstehe der Verlockung des Ehrgeizes. Und dies alles nicht aus eigener Kraft, aber in der Kraft Deines Leidens und Deiner Auferstehung, HERR Jesus Christus.“ Das ist entscheidend: dass wir uns auf Sein Opfer am Kreuz stützen und berufen dürfen und beten: „HERR, hilf mir zu fliehen vor diesen Dingen! Und verschließ du mir meine Augen vor dem Bösen!“ So hatte Hiob einen Bund mit seinen Augen geschlossen, damit er keine Jungfrau anschaute (Hiob 31,1). Und wenn es doch geschehen ist, wenn wir versagt haben, dann sollten wir nicht liegen bleiben, sondern den HERRN um Kraft und Vergebung bitten, wieder aufzustehen und in Seiner Macht weiterzugehen.
Absolute und relative Vollkommenheit
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akobusbrief 1,4 Die Geduld aber soll ein vollkommenes Werk haben, damit ihr vollkommen und ganz seid und keinen Mangel habt. Dieser Vers zeigt uns auf, dass dies ein lebenslanger Prozess ist. Denn vollkommen werden wir nur in der relativen Vollkommenheit als Menschen, als Christen, nie in der Vollkommenheit Gottes. Es wäre ein Trugschluss, wenn wir die absolute Vollkommenheit Gottes auf dieselbe Stufe stellen würden mit der relativen Vollkommenheit, die ein Mensch erreichen kann. Der HERR Jesus ruft uns auf: „Werdet vollkommen, wie der Vater im Himmel vollkommen ist“ (Matthäus 5,48). Aber Er sagt nirgendwo, dass wir der Vater werden, sondern wie der Vater (ein Vergleich). Gott ist unser Vorbild. Und insbesondere ist Gottes Sohn Jesus Christus unser Vorbild, der vollkommen ohne Sünde blieb. Dies soll unsere Richtschnur sein, nach der wir uns ausrichten. 18
Aber das, was wir bekommen, ist eine geschenkte, keine selbst erworbene Vollkommenheit. Es ist das weiße Kleid, welches Jesus uns anzieht. ER schenkt uns Sein weißes Kleid, wenn wir Buße tun und Ihn um Vergebung und Reinigung bitten. Wir dürfen Ihn um Kraft bitten, der Sünde zu widerstehen. Doch wenn wir gefallen sind, bitten wir Ihn um Vergebung. In der Heiligung soll aber auch ein Wachstum zu sehen sein. Wir wollen nicht immer auf derselben Stufe bleiben, fallen und aufstehen. Das wird zwar immer bleiben, aber dieses Fallen soll seltener werden. Wir sollen immer mehr in Sein Bild verwandelt werden. Die Sünde soll uns anwidern, anekeln, so dass sie uns keine Freude macht und dass wir zur Anfechtung „Nein“ sagen in der Kraft des HERRN. Die relative Vollkommenheit des Menschen erweist sich als das Wachsen in der Heiligung. Und natürlich bleibt unser Leben in einem Kampf von Fleisch und Geist bestehen. Das Fleisch wohnt in uns von unserer Adamnatur her, aber der Geist Gottes wohnt auch in uns, wenn wir wiedergeboren sind. Der HERR ist größer als der, der in der Welt ist, heißt es in der Heiligen Schrift (1. Johannes 4,4). Das ist unser Trost.
Göttliche und menschliche Weisheit
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akobusbrief 1,5 Wenn aber jemand unter euch an Weisheit mangelt, der bitte von Gott, der jedermann gerne gibt und niemand schilt, so wird sie ihm gegeben werden. Das erstaunt uns. Jetzt war gerade noch von Anfechtung die Rede. Warum geht es nun plötzlich um Weisheit? Hier ist nicht eine Weisheit gemeint, die sich mit Gottes Weisheit vergleichen lässt. Aber es ist eine vom HERRN geschenkte Weisheit, eine Weisheit im Staube der Vergänglichkeit. Wir sind nämlich Staub. Und wenn Gott uns an Seiner Weisheit Anteil gibt, dann ist es eine geschenkte Weisheit. Deshalb kann die Welt die Weisheit Gottes nicht erkennen. Nur derjenige Mensch kann sie erkennen, dem die Geistesaugen geöffnet sind, gemäß 1. Korinther 2. Der natürliche Mensch vernimmt nichts vom Geist Gottes, aber der 19
Geist Gottes in uns schenkt uns geöffnete Herzensaugen, um Seine Weisheit zu verstehen. Für die Welt ist das Kreuz Jesu Torheit; aber für die wirklich Gläubigen ist es die alles überragende Weisheit, weil Gott diesen Weg der stellvertretenden Hingabe Seines Sohnes gewählt hat, um uns von Sünde, Tod und Teufel zu erlösen. Dies ist göttliche Weisheit. Für die Juden ist das Wort vom Kreuz ein „Skandalon“, ein Stein des Anstoßes, ein Fallstrick, und für die Griechen ist es eine Torheit, aber für uns ist das Wort vom Kreuz Jesu Christi eine Gotteskraft (1. Korinther 1,18ff). Um diese Weisheit dürfen wir bitten. Dann erkennen wir in dieser göttlichen Weisheit, dass auch die Anfechtungen, auch die Leiden und Bedrängnisse zu unserem Heil dienen. Unser natürlicher Verstand sagt uns das nicht. Der fragt: „Warum lässt Gott das zu? Warum so viel Leid?“ Aber der Christ kann erkennen, dass Leid zur Seligkeit dient, damit wir vom oberflächlichen Wege umkehren, auch vom oberflächlichen Christsein. Wie viele leben oberflächlich dahin. „Einmal bekehrt, nie mehr verloren“ heißt es dann, und sie meinen: „Ich habe einmal bei einer Evangelisation die Hand hochgehalten. Mir kann nichts mehr passieren.“ Aber sie handeln gar nicht wie Christen. Das ist gerade das Thema des Jakobusbriefes. Wo bleibt die Frucht? Glaube ohne Werke ist tot. Hier klingt es schon im ersten Kapitel an. Das zeigt auch, dass wir Gott bitten sollen. Wir haben diese Weisheit von Natur aus nicht in uns. Sie ist ein Geschenk des HERRN. Wir dürfen Gott bitten: „HERR, schenke mir Weisheit; nicht so, dass ich mich überhebe und denke: ‚Jetzt bin ich der Weise’, sondern dass ich weiß, dass es eine geschenkte Gnade Gottes ist, dass ich Dinge erkennen darf, die mir vorher verschlossen waren.“ Meine Frau und ich beten vor jedem Bibellesen, dass der HERR uns den Verstand und das Herz öffnet, das Wort zu verstehen, zu verinnerlichen und auch danach zu leben. Denn wenn wir es nur mit unserem geschaffenen Verstand lesen, können wir nicht viel verstehen und auch nicht das Wesentliche erkennen. Der Geschichtsforscher sieht die Bibel als historische Schrift an, 20
aber der Christ, der durch den Geist Gottes wiedergeboren ist, dem wird das lebendige Wort zum Leben, zum Lebensinhalt.
Rettender Glaube ist Herzensglaube
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akobusbrief 1,6 Er bitte aber im Glauben und zweifle nicht; denn wer da zweifelt, der ist gleich wie eine Meereswoge, die vom Winde getrieben und bewegt wird. Bittest du im Glauben? Glaubst du, dass Gott existiert? Glaubst du, dass Gott dein Gebet erhört? Glaubst du, dass das Gebet auch Berge versetzen kann?
Der HERR Jesus erwartet keinen großen Glauben. ER spricht von einem Glauben, der so groß ist wie ein Senfkorn (Matthäus 17,20). Aber dieser ist der rettende Glaube. Es muss der richtige Glaube sein. Was ist der richtige Glaube? Es ist der Glaube an den lebendigen dreieinigen Gott: Vater, Sohn und Heiliger Geist – und nicht der Glaube an irgendwelche Götter fremder oder heidnischer Religionen. Es ist der Glaube an Jesus Christus, den Sohn Gottes, der für uns am Kreuz auf Golgatha Erlösung erwirkt hat. Es geht hier nicht um den Glauben an irgendwelche Erlösergestalten aus Buddhismus, Hinduismus, Shintoismus, Islam, Zoroastrismus, Animismus, Schamanismus usw., sondern allein um den Glauben an Jesus Christus als den Sohn Gottes. Retten kann allein der Glaube, der von Herzen kommt. Es gehört natürlich auch der Verstandesglaube dazu (dass ich die Wahrheit erkenne), aber entscheidend ist, dass ich mit dem Herzen glaube. Dies haben gerade die Väter des Pietismus wieder ganz neu betont. Sie sprachen von der Pektoraltheologie, der Herzenstheologie. Es zählen dabei nicht nur der Verstand, die Orthodoxie oder Rechtgläubigkeit, sondern es zählt die Herzensfrömmigkeit, die „praxis pietatis“ (Frömmigkeitspraxis). Alles dies gehört zusammen. 21
Erfüllte Prophetie als Glaubensstärkung
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atürlich gibt es im Glaubensleben auch Anfechtungen. Der Zweifel gehört dazu. Aber ich denke, dass der Zweifel nur solange vorhanden ist, bis wir Gottes Wort kennen und Erhörung im Gebet erfahren haben. Je weiter ich ins Wort Gottes eindringe, umso weniger Zweifel habe ich bekommen. Ich merke, dass alles wunderbar zusammenpasst, dass sich Gott wirklich geoffenbart hat, dass es Tausende Verse mit Prophezeiungen gibt, von denen sich schon über die Hälfte erfüllt haben, wie in keinem anderen Buch der Weltgeschichte. Es gibt über 6.000 Verse mit zukünftigen Voraussagen, und über 3.000 haben sich erfüllt. Das ist eine Glaubensstärkung, wenn wir wissen dürfen, dass erfüllte Prophetie ein Beweis Gottes und Seines Wortes ist. Warum sollten wir da noch zweifeln, wenn sich schon so vieles erfüllt hat, das vorausgesagt war? Die eine Hälfte hat sich erfüllt. Dann wird sich die andere Hälfte auch noch erfüllen: die Prophetie von der Wiederkunft des HERRN, vom Tausendjährigen Reich und von der Ewigkeit. Es gibt in der Bibel viele Zukunftsaussagen bis hin zur Vollendung.
Zweifel sind wie Meereswogen
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ir befanden uns vor einiger Zeit am Meer. Das Meer war einerseits sehr schön und faszinierend, aber andererseits auch sehr bedrohlich. Ich habe dort einmal nachmittags allein eine längere Wanderung am menschenleeren Strand hin zu einem mehrere Kilometer entfernten Leuchtturm unternommen. Am Ende habe ich gedacht, ich komme nicht mehr zurück. Es war so anstrengend. Beim Hinweg hatte ich Rückenwind, da ging alles gut. Aber beim Rückweg peitschte mir der Gegenwind ins Gesicht. Stechende Sonne brannte auf meinen Kopf und stürmisch brausten die Wellen gegen mich an. Dann merkte ich erst, wie bedrohlich das Meer ist. Die Wellen wirbeln durcheinander, und zwar umso mehr, je stärker der Wind ist. Da ist nichts 22
Festes. Wenn man sich auf einem Schiff befindet, kann man die Bedrohlichkeit erst so richtig empfinden. Unter Gebet und mit Gottes Kraft kam ich dann doch noch zurück. Aber ich hatte die Gefahr der Elemente unterschätzt. Ich habe mir jeden Schritt gegen den Wind und die Wellen erkämpfen müssen. Ich möchte damit sagen, dass diese Wellen etwas Bedrohliches und Chaotisches sind, da es nichts Festes ist. Nicht ohne Grund wird das Meer in der Bibel als etwas Bedrohliches, als eine Chaosmachtbehausung beschrieben. Auffallend ist, dass auch das antichristliche Tier der Offenbarung (Kapitel 13) aus dem Meer aufsteigt. Damit ist zwar wohl das Völkermeer gemeint, aber das Meer steht hier zugleich als Bild für das Unheimliche, Grauenerregende, auch für das Chaotische, das mit dem Zweifel in eins geht. Der Zweifel ist mal da und mal dort.
Zweifel oder festes Fundament?
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n unsere Gemeinde kommt seit einiger Zeit ein junger Mann. Er hat erzählt, dass er überall in den Religionen gesucht hat und Zweifel hatte. Aber die Bibel hat er nicht angefasst. Und dann hat er doch einmal in der Bibel die Bergpredigt gelesen. Daraufhin sagte er: „Das ist es. Das ist etwas Festes. Das ist keine Hassreligion oder etwas anderes. Hier wird die Feindesliebe erwähnt und Jesus, als der Sohn Gottes, genannt.“ Das hat ihn wirklich überwältigt. Dieses Zeugnis hat mich sehr beeindruckt. Es war bei mir übrigens auch so, dass ich durch das Bibellesen zum Glauben gefunden habe. Jetzt hat dieser junge Mann an Beständigkeit und Festigkeit gewonnen. Nun hat er in seinem jungen Glaubensleben schon mehr Durchblick als so mancher, der schon viele Jahre dabei ist. Er hat gewisse Fehlentwicklungen im evangelikalen Bereich schon durchschaut und grenzt sich davon ab. Ein Zweifel ist also wie eine Meereswoge, die vom Winde getrieben und bewegt wird. Zweifel sind nicht verboten, aber es sollte nicht der normale Zustand im Glaubensleben sein. Es muss nicht so sein, dass wir immer zweifeln. Luther hat zwar behauptet, dass der Zweifel zum Christsein dazugehört. Es ist 23
auch richtig, dass es so sein kann. Aber wir dürfen ihn nicht als Dauerzustand stehen lassen, sondern im Wort Gottes forschen, beten und Gott um Klarheit und Leitung bitten, damit wir im Glauben wieder fest werden und auch andere Menschen zur Nachfolge Jesu einladen können. Eine Großevangelisation hatte sich vor einigen Jahren das Motto gegeben: „Zweifeln und staunen“. Ich finde dies verfehlt. Früher hat man noch mit dem Satz eingeladen: „Komm zu Jesus!“ Das war eine klare Aussage. Heute evangelisiert man mit Begriffen wie „Zweifeln und staunen“. Ich muss ehrlich sagen, dass ich damit nichts anfangen kann. Ich denke, dass so ein Motto vom Wort Gottes her sogar verboten ist, wenn man liest: „Zweifle nicht!“. Wir sollen fest sein im Glauben und den Zweifel nicht noch auf die Einladungszettel schreiben, sondern den Glauben stärken. Wer wirklich vom HERRN berufen ist, der wird dann auch kommen, auch wenn man deutlich sagt, dass es um Jesus geht. Das muss man gar nicht verstecken.
Wer zweifelt, bleibt ohne Lohn
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akobusbrief 1,7 Ein solcher Mensch denke nicht, dass er etwas von dem HERRN empfangen werde. Ein Zweifler wird nichts vom HERRN empfangen. Wir sollen keinen Zweifel hegen. Wenn wir Fragen haben, dürfen wir gerne Brüder und Schwestern fragen, die selbst fest im Glauben stehen und entsprechende Antworten geben können. Warum sollen wir nicht im Zweifel bleiben? Jakobusbrief 1,8 Ein wankelmütiger Mann ist unbeständig in allen seinen Wegen. Ein Zweifler ist unbeständig auf allen seinen Wegen. Er bleibt dann auch nicht auf dem schmalen Weg. Er geht mal auf den breiten Weg, dann wieder auf dem schmalen und immer hin und her. Das geht auf Dauer nicht gut. Er muss sich entscheiden. 24
Anfechtungen von Armut und Reichtum
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akobusbrief 1,9–11 Ein Bruder aber, der niedrig ist, rühme sich seiner Höhe, und der da reich ist, rühme sich seiner Niedrigkeit; denn wie eine Blume des Grases wird er vergehen. Denn die Sonne geht auf mit ihrer Hitze, und das Gras verwelkt, und seine Blume fällt ab, und seine schöne Gestalt verdirbt; so wird auch der Reiche in seinen Wegen verwelken. Wir fragen uns jetzt, was das mit Anfechtung zu tun hat. Aber dies ist tatsächlich das Thema, auch hier in Vers 9 und Vers 10. Anfechtung kann durch Armut entstehen, aber auch durch Reichtum. Wer arm ist, hat mancherlei Anfechtungen, z. B. er möchte gern reich sein. „Wenn ich einmal reich wär“, so heißt ein bekannter Schlager. Aber wer arm und dabei gläubig ist, ist viel reicher als jemand, der reich und dabei ungläubig ist. Das möchte ich hier vorausschicken. Denn der Arme besitzt alle Schätze dieser Welt in Jesus Christus. „In Ihm sind verborgen alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis“, so heißt es im Neuen Testament (Kolosser 2,3). Das ist viel wichtiger als aller irdische Reichtum. Natürlich sollen wir nicht so arm sein, dass wir stehlen müssen, aber auch nicht so reich, dass wir Gott vergessen, so heißt es in den Sprüchen in einem Gebet (Sprüche 30,7f.). Die Gefahren sind groß. Der Arme wird nicht automatisch selig, sondern nur, wenn er ein gläubiger Armer ist. Und der Reiche? Er wird durch seinen irdischen Reichtum nicht selig. Er geht aber auch nicht wegen seines irdischen Reichtums allein verloren, sondern er geht verloren, wenn er über seinem Reichtum Gott vergisst und nicht bereit ist, mit den Armen zu teilen, ihm abzugeben von dem, was er zuviel hat. Jemand darf durchaus reich werden. Das ist auch eine Frucht des Fleißes, so sagt es die Bibel. Es heißt nicht, dass wir faul sein sollen, damit wir arm bleiben. Das wäre völlig falsch. „Geh hin zur Ameise, du Fauler!“, heißt es in Sprüche 6,6. Aber wir sollen so haushalten, dass wir das haben, was wir zum Leben brauchen und dann den Überfluss und auch wirkliche Opfer an Arme weitergeben. Gott nennt im 25
Alten Testament den Zehnten als Richtmaß (Maleachi 3,10). ER sagt nicht, dass wir 90 % abgeben sollen. Das kann vielleicht auch jemand tun, vielleicht sogar 100 %. Der HERR kann es wieder erstatten. Aber Gott ist so gnädig und nennt den Zehnten als Richtmaß. Ich denke, dies kann auch für die neutestamentliche Gemeinde eine angemessene Richtschnur sein. Man kann natürlich auch mehr geben. Wenn man aber wesentlich weniger oder vielleicht sogar gar nichts für das Reich Gottes oder Not leidende Geschwister gibt, muss man sich schon fragen: „Bin ich an den Götzen Mammon (Geld) gebunden?“
Höhe und Niedrigkeit
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in Bruder, der niedrig ist, rühme sich seiner Höhe.“ In Christus ist er ein Königskind. Das ist die wirkliche Höhe auch derer, die materiell arm sind. Denn wir sind Söhne und Töchter des Höchsten, wenn wir Seine Kinder sind, wiedergeboren durch den Geist Gottes. „Und wer reich ist, rühme sich seiner Niedrigkeit“: Er soll erkennen, dass er nichts ist vor Gott durch seinen Reichtum. Er kann auch im Buch des Lebens stehen, aber nur wenn er Jesus als seinen Heiland und als seinen HERRN angenommen hat. Das vergessen manche. Rettung möchten sie gern bekommen, aber Herren wollen sie selbst sein. Aber wird Jesus da wirklich von uns ernst genommen? Jesus will nicht nur der Erlöser unseres Lebens, sondern auch der HERR unseres Lebens sein. Nur dann nehmen wir Ihn ernst und wissen, was Gottes Heiligkeit ist. Heute wird Gott von vielen wie eine Art Kumpel behandelt. Wir haben bereits die gotteslästerlichen Bibelverfälschungen angesprochen. So etwas können nur Menschen schreiben, die keine Ehrfurcht vor Gott und Seinem Wort haben, „Volxbibel“, „Bibel in gerechter Sprache“ und wie sie alle heißen. Das sind schreckliche Gotteslästerungen. Aber wer Ehrfurcht vor Gott hat, der wird Sein Wort nicht antasten, sondern sich darunter beugen. Ja, wer reich ist, rühme sich seiner eigenen Niedrigkeit und erkenne: „Ich bin nichts vor Gott! Ich bin auf Seine Gnade angewiesen.“ 26
Beim Vergleich mit der Blume des Grases merken wir, dass Jakobus sehr stark die Bergpredigt unseres HERRN Jesus aufgreift und weiterführt, auslegt und an manchen Stellen noch einmal vertieft. Das Bild vom Gras wird ja auch in der Bergpredigt verwendet. „Sieh die Lilien auf dem Felde! Selbst Salomo war nicht so herrlich gekleidet wie eine von ihnen“ (vgl. Matthäus 6,28ff.). Jesus hat immer wieder die Vergänglichkeit betont und Bilder aus der Schöpfung genommen, um dies zu beleuchten. Und hier erblicken wir den Reichen, der vergehen wird, wie eine Blume des Grases. Wenn die Sonne kommt, dann wissen wir, dass das Gras verwelkt. Die Blume fällt ab. Und gerade in trockenen Ländern, in denen es nur selten regnet, kann das sehr schnell gehen. Ihre schöne Gestalt verdirbt. So kann auch der Reiche dahinwelken in dem, was er unternimmt.
Zusammenfassung
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akobusbrief 1,12 Glückselig ist der Mann, der die Anfechtung erduldet; denn nachdem er bewährt ist, wird er die Krone des Lebens empfangen, welche der HERR verheißen hat denen, die Ihn liebhaben! Hier wird noch einmal zusammengefasst, was wir schon in Vers 2 gelesen haben: „Meine Brüder, erachtet es für lauter Freude, wenn ihr in mancherlei Anfechtung fallt“. Aber hier geht es noch eine Stufe höher. Hier geht es um Seligkeit, um Seligpreisungen. Jakobus, der Halbbruder unseres HERRN Jesus, knüpft hier an die Seligpreisungen der Bergpredigt an: „Selig sind die geistlich Armen! Selig sind die Barmherzigen! …“ Wir kennen dies aus Matthäus 5. Selig ist der Mann, der die Anfechtung erduldet. Der HERR Jesus hat dort ja auch gesagt: Selig sind die, die verfolgt werden um der Gerechtigkeit und um Seines Namens willen. Wenn Menschen lügen, die Gläubigen zu Unrecht verfolgen und verleumden, dann werden diese Gläubigen reich belohnt werden. Sie erwartet die Seligkeit um der Bedrängnis, 27
der Verfolgung und des Leidens um unseres HERRN Jesus und hier auch um der Anfechtung willen. Selig heißt nicht erlöst, sondern die Seligkeit ist schon die Folge der Erlösung. Erlöste werden besonders selig, von Gott begnadigt sein, wenn sie sich bewährt haben. Dann werden sie die Krone des Lebens empfangen. Es muss sich dabei um Anfechtung um unseres HERRN Jesus willen handeln, aber auch wenn wir aus Liebe zu Ihm den Anfechtungen dieser Welt widerstehen, indem wir zur Sünde und Versuchung „Nein“ sagen. Dann werden wir die Krone des Lebens empfangen, die Gott denen verheißen hat, die Ihn liebhaben. Amen.
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