Bobby Conner
Das Buch Rut Eine Geschichte über Liebe und Erlösung
Titel der Originalausgabe: The Story of Ruth – The Romance of Redemption Copyright ©2003 by Demonstration of God's Power Ministries P. O. Box 1028, Moravian Falls, NC 28654, USA 1. Auflage Juli 2016 © Schleife Verlag, Pflanzschulstr. 17, Postfach 85, CH-8411 Winterthur, Switzerland Tel. 0041 (0) 52 2322424 Email: verlag@schleife.ch, www.schleife.ch ISBN 978-3-905991-29-1 Bestellnummer: 120.120 Übersetzung aus dem Amerikanischen: Judith Petri Lektorat: Christa Alexander Umschlaggestaltung: Ilona Ingold Satz: Nils Großbach Druck: Optimal Media, DE-Röbel Die Bibelstellen sind, wenn nicht anders vermerkt, der Revidierten Elberfelder Bibel entnommen. Alle Rechte vorbehalten, auch für auszugsweise Wiedergabe und Fotokopie.
INHALT Einführung ................................................................ 7 Ein prophetischer Blick auf das Buch Rut..................... 8 Er führt uns heraus, um uns hineinzubringen........... 12 Kapitel 1 ................................................................... 15 Probleme, Plätze und Personen..................................... 15 Eine Zeit zu beten, nicht zu fliehen .............................. 18 Moabs Ursprung ............................................................. 20 Moabs Entstehung .......................................................... 24 Moabs Geburt.................................................................. 26 Die prophetische Botschaft............................................ 27 Es gibt Brot im Haus....................................................... 30 „Warum folgt ihr mir?“.................................................. 31 Orpas falsche Entscheidung .......................................... 33 Ruts weise Entscheidung................................................ 35 Eine Stadt wird erschüttert............................................ 37 Klagen Sie Gott nicht an!............................................... 39 Die Gerstenernte ............................................................. 41
Kapitel 2 ...................................................................44 Boas................................................................................... 44 Ruts Glaube...................................................................... 45 Bündel von Ähren........................................................... 53 Geteilter Segen................................................................. 55 Die Bedeutung des Lösers.............................................. 56 Wohin führt Gott die Gemeinde?................................. 58 Prüfen Sie sich ................................................................. 61 Kapitel 3 ................................................................... 65 Vorbereitung.................................................................... 65 Bade dich und geh hinab! .............................................. 67 Naaman demütigt sich .................................................. 69 Ruts Gehorsam................................................................ 70 Die doppelte Portion....................................................... 71 Das Wort Gottes.............................................................. 77 Kapitel 4 ................................................................... 81 Boas trifft „Soundso“...................................................... 81 Gott erwählt noch immer ganz normale Menschen .86 Unbesungene Helden...................................................... 87 Hananias .......................................................................... 88 „Das war nicht so abgemacht!“..................................... 90 Der Handel wird besiegelt ............................................. 91 Boas nimmt Rut zur Frau .............................................. 92 Wessen Kind ist es?......................................................... 93 Obed ................................................................................. 95
EINFÜHRUNG In den Schriften des Alten Testaments verbirgt sich zwischen den grossen Geschichtsbüchern des Alten Bundes das kleine Buch Rut – eine der fesselndsten und zugleich zärtlichsten Liebesgeschichten, die jemals aufgeschrieben wurden. Romantik, Drama, Intrige, schnelle Handlungsabläufe, interessante Persönlichkeiten – all das finden wir in dem Buch Rut. Die Güte Gottes wird uns dort in äusserst schwierigen Zeiten vor Augen geführt. Und wenn wir uns eingehender mit diesem Buch befassen, kommen wir nicht umhin festzustellen, dass es mehr ist als nur ein interessantes und inspirierendes Geschichtsbuch. Es ist SEINE Geschichte – die Geschichte Jesu Christi und die seiner ewigen Liebe für seine Gemeinde. Rut lebte in den Tagen der Richter, einer dunklen Zeit, in der Israel sich weit von Gott entfernt und die Sünde unter dem Volk überhandgenommen hatte. Und doch wird hier Gottes wunderbare Fürsorge offenbar: Er führt Rut aus Moab heraus und in seine Absichten hinein. Denjenigen, die sich die Zeit nehmen, diese faszinierende Geschichte von der Erlösung Ruts zu studieren, wird der Geist Gottes neue Hoffnung und Zuversicht ins Herz geben. Dieses Buch fesselt noch heute Herzen und setzt Hoffnung frei. Darüber hinaus hat diese altertümliche Liebesgeschichte, die sich auf den Erntefeldern Israels abspielt, eine tiefe prophetische Bedeutung für die 7
Gemeinde in dieser Zeit. Auf den Seiten dieses Buches entdecken wir eine beeindruckende prophetische Botschaft für die Gemeinde der Endzeit. Ich glaube, es gibt drei Gründe, warum das Buch Rut geschrieben wurde. Zunächst einmal liefert es uns einen Hinweis auf die Abstammung Jesu. Rut war die Urgrossmutter Davids. Viele sind der Auffassung, das Buch Rut wurde geschrieben, um diese historische Tatsache festzuhalten. Der zweite Grund ist, dass uns das Buch Rut ein eindrucksvolles Bild der Erlösung präsentiert. Boas erscheint hier als der Löser, der seine heidnische Braut erlöst; Rut stellt die Gemeinde dar, die Braut Christi. Drittens wurde dieses Buch geschrieben, um in uns ein Verlangen nach einer lebendigen Beziehung mit Jesus Christus zu wecken. Denn Jesus ist es, der uns erkauft und uns aus dem Land des Todes und der Dunkelheit herausgeführt und uns in sein Königreich der Liebe und des Lichts gebracht hat.
Ein prophetischer Blick auf das Buch Rut Ohne Zweifel haben viele von uns das Buch Rut mit grosser Freude gelesen. Es ist in der Tat eine wundervolle altertümliche Liebesgeschichte – doch es ist mehr als das. Wenn wir unseren Blick einmal auf die sinnbildliche Bedeutung des Ganzen richten, werden wir erstaunt sein, welche grossartigen prophetischen Wahrheiten in dieser Romanze verborgen sind. Ich möchte Sie ermutigen, während des Lesens den Herrn zu suchen und darum zu beten, Offenbarung und Inspiration zu empfangen. Bitten Sie den Geist der Wahrheit, zu Ihnen zu reden. 8
Indem der Heilige Geist uns diese verborgenen Wahrheiten aufschliesst, werden wir tiefgehende biblische Einblicke bekommen. In diesem Buch geht es nicht nur um das Werben zweier Liebender. Es spricht von dem Kommen Jesu Christi und der Wiederherstellung der Gemeinde. Es ist eine göttliche Liebesgeschichte, die erstaunliche prophetische Einsichten für Ihr Leben bereithält. Im übertragenen Sinn wird uns hier die wunderbare Beziehung der Gemeinde, der Braut Christi, mit dem Herrn Jesus Christus, unserem himmlischen Boas, vor Augen geführt. Das Buch Rut ist eine erstaunliche Offenbarung, die uns nicht nur belebt, sondern auch bereichert. Es ist eine prophetische Botschaft vom Herzen Gottes an seine Gemeinde. Zu lesen, wie durch Gottes souveräne Gnade Erlösung und Wiederherstellung sowie eine innige Beziehung geschaffen werden, wird Sie mit Freude erfüllen. Ihr Herz wird von Gottes überwältigender Liebe und Kraft durchdrungen werden, während Sie mitverfolgen, wie er Rut in eine anhaltende Beziehung mit sich selbst führt. Wenn wir sehen, wie Rut die Güte und Gnade Gottes erlebt, können wir nicht anders, als mit dem Propheten Nahum übereinstimmen, der verkündet: „Gut ist der HERR. Er ist ein Zufluchtsort am Tag der Bedrängnis; und er kennt die, die sich bei ihm bergen.“ (Nahum 1,7) Wir werden mit dem Psalmisten sagen: „Gott ist als Beistand in Nöten reichlich zu finden.“ (Psalm 46,1) In der Schrift wird uns verheissen, dass Gott sein Volk segnen und ihm Hoffnung und Zukunft geben will (vgl. Jeremia 29,11). Das Wort Gottes offenbart uns das Herz Gottes: „Geliebter, ich wünsche, dass es dir in allem wohlgeht und du gesund bist, wie es deiner Seele wohlgeht.“ (3. Johannes 1,2) Gott möchte, dass sein Volk gesegnet ist. 9
Das Buch Rut nimmt uns mit auf eine faszinierende Reise. Unser Glaube wird wachsen, wenn uns bewusst wird, dass Gott einen Weg hat, wo es scheinbar keine Hoffnung gibt. Wie bei Rut ist vielleicht auch Ihr Lebensweg bisher steinig und hart gewesen; nichtsdestotrotz ist Gott in der Lage, ihre Situation zum Guten zu wenden. Das sehen wir ganz deutlich bei Rut, die, obwohl sie eine Moabiterin war und in einem heidnischen Land geboren wurde, Erlösung erfuhr und sogar einen Platz in der Abstammungslinie von Christus, dem König, bekam. Diese Geschichte lehrt uns, dass Gott einen wunderbaren Plan für sein Volk hat und alles in Bewegung setzen wird, damit seine Absichten zustande kommen. Der Anfang von Ruts Geschichte ist alles andere als schön. Rut ist eine junge Witwe, die in einem heidnischen Land lebt und von niemandem unterstützt wird; doch durch Gottes Gnade und Gunst verändert sich ihre Lebenssituation auf dramatische Art und Weise. Die Verheissungen, die Gott uns in seinem Wort gibt, sind wahrhaftig und ewig gültig. So wird uns darin zugesagt, dass eine Person, die ihr Vertrauen auf Gott setzt, zu einer neuen Schöpfung wird, „… das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden“ (2. Korinther 5,17). Wenn Gott für uns ist, wer kann dann gegen uns sein? Wir dürfen wissen: in Christus sind wir mehr als Überwinder. Beim Studieren dieses Buch wird Ihnen bald aufgehen, dass es Hoffnung gibt, was Sie sehr ermutigen wird. Sie werden anfangen zu verstehen, dass Gott wunderbare Absichten mit Ihnen hat – egal, wie schwierig die Situation, in der Sie sich befinden, auch sein mag. Wenn Sie sich ihm zuwenden, wird er Ihre Hoffnungslosigkeit in Freude verwandeln und Ihre Dunkelheit mit seiner Gnade durchdringen. 10
Öffnen Sie Ihr Herz und Ihre Seele weit und lassen Sie sich ergreifen von diesem überaus interessanten wie auch ermutigenden Buch der Schrift. Es ist eine wichtige Botschaft für alle von uns. Nehmen Sie sich Zeit beim Lesen und fangen Sie an, in Ihrem Herzen über die erlösende Gnade Gottes und seine kostbaren Pläne für uns Menschen nachzusinnen. In dieser Geschichte wird uns der Plan Gottes offenbart, uns aus Moab herauszuführen, dem Land des Todes und der Zerstörung, dem „Land des Mangels“, wo wir nur von den Überresten – ein Bild für die Salbungen von gestern – gelebt haben, und uns in ein „Land der Gnade und Gunst“ zu bringen. Ich möchte an dieser Stelle besonders Pastoren und geistliche Leiter ansprechen und sie ermutigen: Gott ist dabei, die Gemeinde aus Moab herauszuführen und uns von einer Gesinnung des Mangels zu befreien. Zu lange hat die Gemeinde nur von Überresten gelebt. Wir haben uns daran gewöhnt, uns mit den Salbungen von gestern zufriedenzugeben und von dem zu leben, was andere übrig gelassen haben. Natürlich sollen wir diejenigen, die vor uns hergegangen sind und all das, was sie erreicht haben, wertschätzen. Doch die Zeit ist gekommen, uns vom Rand des Feldes in das Zentrum der Fruchtbarkeit zu bewegen. Dort wird die ganze Fülle der Berufungen, die Gott für uns hat, sichtbar werden. Er bringt uns in das Land seiner Gnade und Gunst und dort werden wir erleben, wie seine Erntearbeiter unsere Hände mit allem füllen, was wir brauchen, um seine Absichten zu erfüllen. In gewisser Hinsicht ist diese Geschichte paradox: Je weniger Raum Rut in ihrem Leben hat, umso stärker erfährt sie Gottes Gunst. Es ist sehr wichtig, dass wir den Prozess der Beschneidung verstehen. Gott lässt Beschneidung in unserem Leben zu, damit wir mehr und bessere Frucht hervorbringen. Und so sehen wir es auch bei Rut. Zunächst kommt sie 11
aus einem Land in eine Stadt, dann von einer Stadt auf ein Feld und schliesslich von einem Feld zu einer Tenne. Am Ende wird sie von der Tenne zum Stadttor und vom Stadttor zum Ehebett geführt. Diesen immer schmaler werdenden Weg, diese Form der Beschneidung, gebraucht Gott, um diese Frau aus einem Land des Götzendienstes an einen Ort der Beziehung und Erlösung zu bringen. Die Tatsache, dass sie die Urgrossmutter von König David wurde und damit einen Platz in der Abstammungslinie Jesu Christi einnimmt, ist ein sichtbarer Beweis für die Frucht, die sich aus all dem entwickelte. Jedes Mal, wenn es für Rut enger wird, erlebt sie anschliessend, wie die Gnade und die Gunst des Herrn in ihrem Leben zunehmen. In gleicher Weise wirkt Gott auch in unseren Leben. Je mehr wir uns ihm willentlich hingeben, umso mehr Freiheit (Gnade und Gunst) wird Gott uns schenken. Denken wir daran: „… wo aber der Geist des Herrn ist, ist Freiheit.“ (2. Korinther 3,17) Gottes Wahrheit führt immer in die Freiheit (s. Johannes 8,32). Das Buch Rut ist eine Geschichte der Wiederherstellung und der Erlösung – und die Grundlage all dessen ist Beziehung. Seien Sie ermutigt, denn Gott ist in der Lage, Ihre Situation zu wenden, egal, wie Ihre Ausgangsposition ist. Das wird in der Geschichte von Rut deutlich sichtbar.
Er führt uns heraus, um uns hineinzubringen Ein Gedanke, der sich wie ein roter Faden durch das Buch Rut zieht, ist: „Er führt uns heraus, um uns hineinzubringen.“ Diese Aussage stammt aus dem 5. Buch Mose 6,23. Dort heisst es: „Uns aber führte er von dort 12
heraus, um uns herzubringen, uns das Land zu geben, das er unsern Vätern zugeschworen hat.“ Genau das veranschaulicht uns das achte Buch der Bibel, das Buch Rut. Die Zahl Acht spricht von einem Neuanfang. Das Buch Rut ist ein aktuelles prophetisches Wort für die Gemeinde Jesu, um uns auf die Veränderungen vorzubereiten, die die Zahl Acht symbolisiert. Die Gemeinde Jesu steht in der Tat an der Schwelle eines Neubeginns. Jesaja 48,6-7 spricht davon, dass Gott dabei ist, etwas ganz Neues zu tun. Es heisst dort: „Uns aber führte er von dort heraus …“ Ich bin sehr dankbar, dass Gott uns aus der Welt der Sünde, der Gebundenheit und dem Leben, das der Feind für uns geplant hatte, herausgeführt hat. Doch nun möchte Gott uns hineinführen in das Leben, das er für uns vorgesehen hat. Damit wir die ganze Geschichte besser verstehen, wollen wir am Ende des Buches beginnen. Lesen Sie einmal Rut 4,13. Viele sagen, man sollte eine Geschichte gezielt aufbauen, bis man zum Höhepunkt kommt. Doch in diesem Fall wird es uns helfen, wenn wir am Ende der Geschichte beginnen. „So nahm Boas die Rut, und sie wurde seine Frau, und er ging zu ihr ein. Und der HERR schenkte ihr Schwangerschaft, und sie gebar einen Sohn.“ (Rut 4,13) Das ist es, wonach Gott sich sehnt – eine innige Beziehung zwischen Rut (der Gemeinde) und Boas (dem Herrn Jesus Christus). Und dabei soll es zu einer Befruchtung und zu einer Geburt kommen. Was ist das Ergebnis dieser Vereinigung zwischen Boas und Rut? „Und die Nachbarinnen gaben ihm einen Namen, indem sie sagten: Ein Sohn ist der Noomi geboren! Und sie gaben ihm den Namen Obed.“ (Rut 4,17) 13
Obed, den selbstverständlich Rut geboren hatte, bedeutet „der mit dem Herz eines Dieners“. Wenn Sie das erste Kapitel dieses Buches lesen, ist es wichtig, sich dabei vor Augen zu halten, dass „er uns herausgeführt hat, um uns hineinzubringen“. Das, woran Gott zuallererst interessiert ist, ist Beziehung, aus der gute Frucht entsteht. Gott möchte aus der Gemeinde Diener hervorbringen. Dazu muss in der Gemeinde ein Paradigmenwechsel stattfinden, der bewirken wird, dass wir das Herz eines Dieners bekommen und uns nicht mehr von anderen bedienen lassen werden. Wir werden von einer dienenden Haltung bestimmt sein – und das ist der Weg nach oben. Man könnte auch sagen: Wir „dienen“ uns nach oben! Das Studium dieses Buches beginnen wir nun, indem wir uns zunächst mit den Problemen, den Plätzen und den Personen vertraut machen.
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KAPITEL 1 Die biblischen Namen der Orte und Charaktere in dem Buch Rut haben eine tiefe prophetische Bedeutung. Wenn wir diese Namen nicht verstehen, wird uns vieles von dem, was aus Gottes Sicht an dieser Geschichte bedeutsam ist, verborgen bleiben. Wenn wir das Buch Rut aus einem menschlichen Blickwinkel heraus lesen, eignen wir uns Fakten und Geschichtswissen an. Wenn wir es jedoch aus Gottes Blickwinkel heraus lesen, werden wir die himmlischen Wahrheiten, die Gott uns hier vermitteln möchte, besser verstehen. Der Schauplatz, an dem das Buch Rut beginnt, ist die Stadt Bethlehem-Juda. Dieser Name beschreibt das Leben als einen Ort des Überflusses und der Freude. Wie wir der Erzählung entnehmen können, werden die Menschen in Bethlehem-Juda gegenwärtig jedoch von einer Hungersnot bedroht.
Probleme, Plätze und Personen „Und es geschah in den Tagen, als die Richter richteten, da entstand eine Hungersnot im Land. Und ein Mann von Bethlehem-Juda ging hin, um sich im Gebiet von Moab als Fremder aufzuhalten, er und seine Frau und seine beiden Söhne. 15
Und der Name des Mannes war Elimelech und der Name seiner Frau Noomi und die Namen seiner beiden Söhne Machlon und Kiljon, Efratiter aus Bethlehem-Juda. Und sie kamen im Gebiet von Moab an und blieben dort.“ (Rut 1,1-2) Elimelech ist ein Hebräer, dessen Name eine aussergewöhnliche Bedeutung hat: „Der allmächtige Gott ist mein König.“ Wir werden bald sehen, dass er diesem Namen nicht gerecht wird. Elimelech hat eine wunderbare und treue Ehefrau, die Noomi heisst, was bedeutet „die Liebliche“, und die beiden haben zwei Söhne. Auch Noomis Name hat eine sinnbildliche Bedeutung, denn in der Schrift wird uns gesagt, dass die Erkenntnis Gottes lieblich ist. Der Autor der Sprüche erklärt: „Denn Weisheit wird in dein Herz eingehen, und Erkenntnis wird deiner Seele lieblich sein, Besonnenheit wird dich bewahren und Einsicht dich behüten …“ (Sprüche 2,10-11; Lutherbibel) Und an einer anderen Stelle sagt er: „Ihre Wege sind liebliche Wege, und alle ihre Steige sind Frieden.“ (Sprüche 3,17; Lutherbibel) Wir werden Zeuge, wie Elimelech mit traurigem Blick in die Weite schaut, während es unaufhörlich in seinem Kopf pocht und sein Herz schwer und bekümmert ist. Seine Lippen sind aufgesprungen, seine Augen gerötet und voller Schmutz. Der heisse und staubige Wind, der unaufhörlich über das unfruchtbare, ausgedörrte Land weht, zwingt ihn, sie beinahe ganz geschlossen zu halten. Denn die einzige Ernte, die der ausgetrocknete Boden hervorbringt, ist der beissende Staub, der einen fast blind macht. Es ist kein Regen in Sicht und das bedeutet, es gibt auch keine Nahrung; das Land Bethlehem-Juda wird von einer Hungersnot heimgesucht. Und Elimelech fragt sich: „Was kann ich tun, um dieser Zeit der Dürre zu entkommen?“ 16
In seinem verwirrten Zustand ist er dabei, eine Entscheidung zu treffen, die das Leben seiner Familie für immer verändern wird. Verzweifelt trifft er den verhängnisvollen Entschluss, mit seiner Familie in das Land Moab zu fliehen und der Hungersnot damit zu entgehen. Es ist ein grosser Fehler, der zur Folge hat, dass er und seine Söhne, Mahlon und Chilion, frühzeitig sterben werden. Wir sollten uns davor hüten, Entscheidungen aufgrund unserer natürlichen Wahrnehmung zu treffen und nicht aus dem Glauben heraus, weil es dazu führen kann, dass wir getäuscht werden und uns in Gefahr bringen. Als Haupt der Familie müssen wir auch darauf achten, die uns Anvertrauten nicht einer ungewissen Zukunft auszusetzen. Wir müssen uns im Gebet vom Geist Gottes leiten lassen und dürfen nicht allein unserem Verstand folgen. Es gibt noch einige andere Dinge, die wir aus diesem Abschnitt lernen können. Wie wir wissen, lebte die Familie in Bethlehem-Juda. Bethlehem bedeutet „Haus des Brotes“ und Juda bedeutet „Ort des Lobpreises“. Sie zogen also von einem Ort der Versorgung und des Lobpreises in eine Stadt mit dem Namen Moab. Nach Moab zu ziehen war keine gute Idee. Niemand, der recht bei Sinnen war, würde seine Kinder an einem Ort wie Moab grossziehen wollen. In Vers 1 heisst es: „Sie gingen hin“, und in Vers 2: „… und blieben dort.“ Oftmals behaupten Menschen, dass sie das, was sie gerade tun, nur für eine Weile und nicht für immer tun wollen. Das war auch hier der Fall. Die Familie wollte eigentlich nur für eine kurze Zeit dorthin gehen, doch dann blieben sie viel länger als geplant. Später werden wir noch sehen, dass sie mindestens zehn Jahre in Moab verbrachten. 17
Viele von uns haben sich schon einmal in Zeiten, in denen sie sehr verzweifelt waren, die Frage gestellt: „Wie in aller Welt bin ich nur hier gelandet?“ Es ist durchaus angebracht, auch in dieser Situation zu fragen: „Wie in aller Welt sind Elimelech und Noomi nur in Moab gelandet?“ Viele Christen verlassen die Gemeinde und meinen, es wäre nur vorübergehend. Meist argumentieren sie wie folgt: „Ich bin erwachsen und kann meine eigenen Entscheidungen treffen. Ich werde schon nicht vom Glauben abfallen.“ Sie sind wie Elimelech, der sich vorgenommen hatte, nur einen Kurztrip nach Moab zu machen, und schliesslich dort hängen blieb.
Eine Zeit zu beten, nicht zu fliehen Wir geraten in eine Abwärtsspirale, wenn wir das „Haus des Brotes“ und das „Haus des Lobpreises“ verlassen. Dies ist schlicht und einfach nicht der Wille Gottes. In schwierigen Situationen sollten wir nicht von Gott weglaufen, sondern zu ihm hinlaufen. Die Hungersnot war eine Gelegenheit, im Gebet zu dem lebendigen Gott zu kommen. Gott sagt uns in seinem Wort, wenn er den Himmel verschliesst und es keinen Regen gibt, dann soll sein Volk anfangen zu beten, und er wird ihr Gebet erhören und Regen senden (2. Chronik 7,14). Nur weil wir Christen sind, heisst das noch lange nicht, dass wir keine Not oder Entbehrungen erleben werden. Notsituationen stellen uns vor die Entscheidung, entweder zu glauben und zu beten oder von Gott wegzulaufen – aber dann müssen wir auch mit den Konsequenzen leben. Wenn eine Hungersnot oder eine andere prekäre Situation eintrifft, ist es nicht die Zeit zu fliehen, sondern zu 18
beten. Es ist nicht die Zeit wegzulaufen, sondern sich Gott im Gebet zuzuwenden. Liebe Freunde, Nöte und Schwierigkeiten bleiben auch uns als Christen nicht erspart. Wir müssen unbedingt lernen, in herausfordernden Zeiten zu Gott zu laufen und seine Hilfe in Anspruch zu nehmen; wir dürfen uns dann nicht von ihm entfernen. Schwierigkeiten können negative Auswirkungen haben, sie können uns aber auch dienen – die entscheidende Frage ist, wie wir in diesen Situationen agieren bzw. reagieren. Wenn wir es gelernt haben, uns ganz Gott auszuliefern, werden es Gelegenheiten sein, um geistlich zu wachsen. Wir handeln weise, wenn wir es zulassen, dass schwierige Situationen uns in die Arme Gottes treiben. Solche Zeiten sollten nicht dazu führen, dass wir uns von ihm zurückziehen. Gott ist ein treuer Helfer in der Not. Wir müssen unsere Augen auf ihn richten (Psalm 121,1-2) und uns bewusst machen, dass Gott uns Zuflucht und Stärke ist (Psalm 46,1). Wenn wir auf ihn schauen, werden wir von einem bleibenden Frieden erfüllt werden (Jesaja 26,3). Gott hat uns herausgeführt, um uns in das Land hineinzubringen, das er verheissen hat (5. Mose 6,23). Wir sollten darauf achten, uns in dieser Zeit nicht vom Weg abbringen zu lassen. Wir müssen auf Kurs bleiben, und indem wir weiter vorangehen, werden wir den Herrn immer besser kennenlernen. Verzweiflung sollte niemals dazu führen, dass wir uns über das Wort Gottes hinwegsetzen. Doch Elimelech tut genau das; er geht mit seiner Familie in ein heidnisches Land. Von Bethlehem-Juda nach Moab zu ziehen war eine absolute Tragödie für diese hebräische Familie. Ihre Situation verschlechterte sich dadurch und Trockenheit und Unfruchtbarkeit waren die Folge. 19
Bethlehem in Juda heisst „Haus des Brotes“. Klingt das nicht gut? Es ist wunderbar zu wissen, dass der Herr Jesus Christus im Haus ist und dort das Brot seiner Gegenwart austeilt. Ich bin in Veranstaltungen gewesen, in denen der Geruch von frisch gebackenem Brot den Raum erfüllte, während sich die Gegenwart des Herrn ausbreitete. Ja, er teilt das Brot seiner Gegenwart aus. Und dazu gehören auch Heilungen. Denken Sie daran: Heilung ist das Brot seiner Kinder. Wie bereits erwähnt bedeutet Elimelech „Der allmächtige Gott ist mein König“. Elimelech steht für all diejenigen, die dem Namen nach Christen sind, aber nicht dementsprechend leben. Viele Menschen würden auf die Frage, ob sie Christen sind, entschieden mit Ja antworten. Elimelechs Name steht zwar dafür, dass Gott sein König bzw. sein Versorger ist, doch in der Zeit der Hungersnot wendet er sich von ihm ab. Er vertraut nicht darauf, dass Gott seinem Namen gerecht wird, sondern kehrt ihm den Rücken zu und geht mit seiner Familie an einen heidnischen Ort, der Moab heisst.
Moabs Ursprung Moab lag auf dem Hochplateau östlich des Toten Meeres, welches bis zur arabischen Wüste reicht. Das Land war nicht sehr gross, sondern hatte in etwa eine Länge von 56 Kilometern sowie eine Breite von 40 Kilometern und war von Gebirgszügen und tiefen Schluchten durchzogen. In der Gegend wurde vor allem Getreide angebaut und Viehzucht betrieben. Geschichtlich gesehen waren die Moabiter Feinde Israels. Sie verführten das Volk immer wieder zum Götzendienst und brachten es dadurch zu Fall. 20
Das alte Sprichwort „Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm“ trifft auf Moab zu. Sein Urvater Lot war ein Mann, der im Schauen und nicht im Glauben lebte. Lot suchte sich immer das aus, was für ihn am besten war. Sein Herz war von Gier erfüllt, und das war auch der Grund, warum er seine Familie nach Sodom und Gomorra brachte – ein Land, das von Gott verflucht war. Die Schrift warnt uns eindrücklich: „Irrt euch nicht, Gott lässt sich nicht verspotten! Denn was ein Mensch sät, das wird er auch ernten.“ (Galater 6,7) Wenn wir in den Wind säen, werden wir Sturm ernten, lesen wir in Hosea 8,7. Das Problem ist, dass wir stets mehr ernten, als wir gesät haben; das heisst, der Ertrag ist immer grösser als der Same, der gesät wurde. Wenn wir auf unser Fleisch säen, werden wir vom Fleisch Verderben und Tod ernten. Und das Fleisch bringt schlechte Früchte hervor – Habsucht, Gier und Stolz (s. Galater 5,19-21 – die Werke des Fleisches). In 1. Mose 13 lesen wir, wie das Herz Lots beschaffen war. Dort heisst es: „Und Abram zog aus Ägypten herauf, er und seine Frau und alles, was er hatte, und Lot mit ihm, nach dem Süden. Und Abram war sehr reich an Vieh, an Silber und an Gold.“ (Verse 1-2) Um jeden Preis versuchte Lot immer das zu bekommen, was für ihn selbst am besten war. Unsere Entscheidungen sollten jedoch niemals von dem Verlangen nach den Reichtümern dieser Welt bestimmt sein. Nicht nur Abraham, auch Lot war sehr reich; er besass Schafe und Rinder und hatte viele Knechte. Aber das Land reichte nicht aus, um sowohl Abraham wie auch Lot mit ihren grossen Herden zu versorgen. Immer wieder kam es zu Streitigkeiten zwischen Abrahams und Lots Hirten, weil es für die vielen Tiere nicht genügend Weidegrund gab. Dabei hatten sie schon genug damit zu tun, sich gegen die Kanaaniter und die Perisiter zu vertei21
digen, die im Land wohnten und von denen eine ständige Bedrohung ausging. Da ging Abraham zu Lot und sagte: „Diese Kämpfe zwischen unseren Männern müssen aufhören. Wir können es uns nicht leisten, dass ein Keil zwischen unsere Familien getrieben wird. Wir müssen im Gegenteil zusammenstehen! Darum wähle du aus, in welches Land du ziehen möchtest, und wir werden uns trennen. Wenn du nach Osten gehst, werde ich im Westen bleiben. Wenn du dir den Westen aussuchst, gehe ich nach Osten“ (s. 1. Mose 13,6-9). Lot schaute lange und mit begehrlichem Blick auf die fruchtbare Ebene des Jordantals, die, bevor Sodom und Gomorra zerstört wurden, gut bewässert war. Die Gegend um Zoar herum war landschaftlich wunderschön. Wenn wir etwas sehen, was sehr schön zu sein scheint, müssen wir immer vorsichtig sein und uns daran erinnern, dass Satan in der Lage ist, sich in einen Engel des Lichts zu verwandeln. Es ist eben nicht alles Gold, was glänzt! Lot suchte sich das Jordantal aus, welches östlich von ihnen lag. Er zog mit seinen Herden und seinen Knechten dorthin, er und Abraham trennten sich also. Lots Herz war voller Stolz, denn er wusste, dass er den besseren Teil abbekommen hatte. Wie traurig ist es, wenn Menschen sich über andere erheben und dann noch Freude darüber empfinden, insbesondere wenn es sich um Verwandte handelt. Abraham blieb im Land Kanaan, während Lot in den Städten der Ebene lebte und sich schliesslich in der Nähe der Stadt Sodom niederliess. Die Menschen, die in der Gegend von Sodom und Gomorra lebten, waren von Bosheit erfüllt und hatten sich über die Massen gegen Gott versündigt. Diese Sünde war vor Gott gekommen, und er stand kurz da22