Rick Joyner
RASSISMUS ÜBERWINDEN
Rick Joyner
Rassismus überwinden
Schleife Verlag · CH-Winterthur
Titel der Originalausgabe Overcoming Racism © 1996 Rick Joyner Published by MorningStar Publications, Inc. Fellowship Church 375 Star Light Drive Fort Mill, SC 29715 USA 1. Auflage November 2007 © Schleife Verlag Pflanzschulstrasse 17 Postfach 85, 8411 Winterthur, Switzerland Tel. +41 (0) 52 2322424, Fax +41 (0) 52 2336082 E-Mail: publications@schleife.ch • www.schleife.ch ISBN 978-3-907827-67-3 Alle Bibelstellen werden, soweit nicht anders angegeben, nach der Einheitsübersetzung zitiert. Der Text des Buches folgt den Regeln der neuen deutschen Rechtschreibung. Die Bibelzitate sind der neuen Rechtschreibung angepasst. Übersetzung: Jens Uhder Lektorat: Michael Herwig und Judith Petri Umschlaggestaltung: Pia Maurer Satz und Druck: Schönbach-Druck GmbH, D-Erzhausen Alle Rechte vorbehalten, auch für auszugsweise Wiedergabe und Fotokopie.
INHALTSVERZEICHNIS Kapitel I
Rassismus und der Geist des Todes . . . . . . . . . . . . 7
Kapitel II
Heilende Kraft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 21
Kapitel III
Die beiden Dienste. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 43
Kapitel IV
Das Fundament echten Dienstes . . . . . . . . . . . . . . 63
Kapitel I
Rassismus und der Geist des Todes
R
assismus ist eine der zentralen Festungen, mit denen der Feind die Menschheit gebunden hält, und die wichtigste Bastion, aus der der Geist des Todes seine Kraft bezieht. Er ist der Dreh- und Angelpunkt eines diabolischen Dreigestirns, das ich als die «dreifache Schnur des Teufels» bezeichne; damit meine ich Rassismus, Hexerei und den religiösen Geist. Jede Gemeinde und jede geistliche Bewegung, die sich vorwärts bewegt, wird unweigerlich ins Fadenkreuz des Feindes geraten und mit dieser zentralen Festung des Rassismus konfrontiert werden. Die Geschichte lehrt uns, dass die Menschen aller Generationen mehrheitlich auf die eine oder andere Weise von diesem Kernübel befallen gewesen sind. Weil die Vernebelung geradezu perfekt ist, neigen gerade jene, die dem Rassismus verfallen sind, zu der Annahme, sie seien über alle Vorurteile erhaben. Vielleicht denken Sie, dass ich damit ein wenig zu weit gehe, doch sowohl die Botschaft der Bibel als auch die Lektionen, die wir aus der Geschichte ziehen können, bestätigen diese Einschätzung. Zunächst müssen wir uns vor Augen halten, dass Rassismus keineswegs nur etwas mit unserer Einstellung gegenüber anderen Rassen zu tun hat. Darüber hinaus müssen wir uns im Klaren sein, dass der Rassismus in zwei der elementarsten Kraftzentren des Bösen verwurzelt ist, die die Menschheit seit dem Sündenfall beherrschen: Angst und Stolz. Rassistische Einstellungen entstehen entweder aus fleischlichem Stolz heraus oder aus der Angst vor allem Andersartigen. Beide liegen wie ein dicker Schleier über der menschlichen Seele. Aus diesem Grunde ist der Rassismus eine der mächtigsten bösen Gewalten, die die Welt beherrschen.
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Das Zeichen Zum Ende dieses Zeitalters wird es eine Ernte geben. Es wird alles geerntet werden, was an Gutem und Bösem über der Menschheit ausgesät wurde. Zum Ende hin werden Angst und Stolz im Menschen zur vollen Entfaltung gelangen. Als Jesus einmal gefragt wurde, woran man das nahende Ende erkennen könne, antwortete er: «Denn ein Volk wird sich gegen das andere erheben und ein Reich gegen das andere, und es werden Hungersnöte sein und Erdbeben hier und dort. Das alles aber ist der Anfang der Wehen.» (Matthäus 24,7-8) Das griechische Wort, das hier mit «Volk» wiedergegeben wird, lautet ethnos (Mehrzahl: ethnä). Es liegt auch unserem deutschen Begriff «ethnisch» zugrunde. Mit dieser Voraussage beantwortete der Herr die Frage nach den Zeichen für das kommende Ende des Zeitalters. Er erklärte, dass ein herausragendes Zeichen für das Ende dieses Zeitalters und seine Wiederkunft ethnische Konflikte seien. In der Tat sind ethnische Konflikte eines der schwerwiegendsten Probleme, denen die Welt und die Gemeinde heute gegenüberstehen. Rassenkonflikte geraten auf der Welt zunehmend ausser Kontrolle. Ursache dafür ist eine geistliche Macht, die kein Gesetz und keine menschliche Institution einzudämmen vermag. Nur was im Himmel gebunden ist, wird auch auf der Erde gebunden sein. Wenn die Gemeinde Jesu sich dieses Problems nicht annimmt, nämlich den Rassismus in den eigenen Reihen zu überwinden, damit wir geistliche Autorität über diese Macht erlangen, wird die Welt in nicht allzu ferner Zukunft in einem Abgrund von Chaos, 9
Zerstörung und Leid nie da gewesenen Ausmasses versinken; dies alles wird eine Folge von Rassenkonflikten sein. In der Endzeitrede Jesu in Lukas 21,25-26 heisst es: «Es werden Zeichen sichtbar werden an Sonne, Mond und Sternen, und auf der Erde werden die Völker [ethnä] bestürzt und ratlos sein über das Toben und Donnern des Meeres. Die Menschen werden vor Angst vergehen in der Erwartung der Dinge, die über die Erde kommen; denn die Kräfte des Himmels werden erschüttert werden.» In Offenbarung 17,15 lesen wir: «Du hast die Gewässer gesehen, … sie bedeuten Völker und Menschenmassen, Nationen und Sprachen.» Dem Abschnitt aus dem Lukasevangelium können wir somit entnehmen, dass die Ursache für «das Toben und Donnern des Meeres» Unruhen unter den «ethnä» oder ethnische Konflikte sind. Diese werden derart zunehmen, dass die Menschen vor Angst vergehen werden. Dieses Problem wird sich nicht mit der Zeit geben – im Gegenteil, es wird sogar noch zunehmen. Je länger wir zögern, gegen diese Festung anzugehen, desto mächtiger wird sie werden. In nahezu jeder Weltmetropole nimmt der Druck immer weiter zu. Wenn er sich erst einmal Luft macht, werden die Auswirkungen keineswegs mehr nur in den Städten zu spüren sein. Doch der Herr hat schon bewiesen, dass er die Macht hat, Sturm und Wellen zu stillen. König David schrieb über ihn: «Du vollbringst erstaunliche Taten, erhörst uns in Treue, du Gott unsres Heiles, … du stillst das Brausen der Meere, das Brausen ihrer Wogen, das Tosen der Völker.» (Psalm 65,6+8) Der Herr wird sich noch einmal erheben und das tosende Meer durch sein Wort stillen. Jesus ist gekommen, um die Werke des 10
Teufels zu zerstören, und uns hat er denselben Auftrag gegeben. Wir sind nicht als Zuschauer in diese Welt gesandt, sondern als Kämpfer, die der Macht des Feindes entgegentreten und sie zurückdrängen. Rassismus ist nicht nur einfach ein Dämon oder eine geistliche Gewalt, er ist ein «Weltherrscher». Er ist eine der mächtigsten Bastionen des Feindes auf dieser Erde und hat mehr Tod und Zerstörung gebracht als jede andere Festung. Die grausamsten Kriege der Weltgeschichte, unter anderem ja auch der Zweite Weltkrieg, wurden durch die Macht des Rassismus entfacht. Diese geistliche Macht ist einer der Hauptwegbereiter für den Geist des Todes. Der Apostel Paulus wusste darum, dass die Überwindung der grössten rassistischen Barriere – der zwischen Juden und Heidenvölkern, indem beide in Christus eingepfropft werden – nichts weniger bedeutet als «Leben aus dem Tod» (Römer 11,15) oder die Überwindung des Todes. Die Wurzeln des Rassismus Wie bereits angedeutet, ruht die Festung des Rassismus auf zwei Fundamenten. Eines von ihnen ist Stolz in seiner niedersten Form, nämlich der fleischlich motivierte Stolz. Er äussert sich darin, dass wir andere allein nach ihren äusseren Merkmalen beurteilen – der Inbegriff des Hochmuts überhaupt. Seinem Wesen nach ist Stolz schlicht und einfach eine Haltung vollkommener Selbstgenügsamkeit, die meint, weder Gott noch irgendjemanden sonst zu brauchen. Auf diese Weise errichten wir ganz offenkundig eine Barriere zwischen uns und anderen. Das zweite Fundament des Rassismus ist die Angst. Dieses elementare Gefühl der Verunsicherung, das wir als Menschen in 11
uns tragen, ist eine Folge des Sündenfalls und der daraus resultierenden Trennung zwischen Gott und Mensch. Unsicherheit führt dazu, dass wir alles Andersartige fürchten ebenso wie alles, das sich unserer Kontrolle entzieht. Der Rassismus ist eine überaus wirksame Kombination von Stolz und Angst. Angst zerstört Beziehungen, während Vertrauen die Brücke ist, die es möglich macht, Beziehungen zu bauen. Wir können noch so voller Liebe und sogar zu aufrichtiger Vergebung bereit sein, doch ohne Vertrauen kann keine wirkliche Beziehung zustande kommen. Angst und Stolz zersetzen das Vertrauen, ohne das es keine Beziehung geben kann, und führen somit zu Spaltung und Isolation. Das Kreuz Christi steht sowohl dem Stolz als auch der Unsicherheit des Menschen entgegen und überwindet sie. Der Heilige Geist wurde ausgesandt, um die Welt von ihrer Sünde zu überführen. Die Offenlegung unserer Sünde treibt uns zum Kreuz, um Gnade und Vergebung zu finden. Dabei wird unser Stolz zerbrochen, und wir kommen in eine neue Abhängigkeit zu Jesus als unserem Erlöser hinein, durch die unser Vertrauen zu ihm wiederhergestellt wird. Je tiefer das Werk des Kreuzes in uns Fuss fasst, desto demütiger werden wir und desto sicherer in der Liebe Jesu. Die Tatsache, dass wir, die wir Gott so entfremdet gewesen sind, durch seine Gnade wieder Zugang zu ihm erlangen, schafft in uns eine Bereitschaft zur Toleranz gegenüber jenen, die anders sind als wir selbst. Als Folge dieses geistlichen Wachstumsprozesses beginnen wir, andere nicht mehr nach dem Fleisch zu beurteilen, sondern von einer geistlichen Warte aus. «Also schätzen wir von jetzt an niemand mehr nur nach menschlichen Massstäben ein; auch wenn wir früher Christus nach menschlichen Massstäben eingeschätzt haben, jetzt schätzen wir ihn nicht mehr so ein. Wenn also jemand in 12
Christus ist, dann ist er eine neue Schöpfung: Das Alte ist vergangen, Neues ist geworden.» (2. Korinther 5,16-17) Vor allem die Gemeinde Jesu sollte es sich verbieten, andere nach ihrer Hautfarbe oder ihrem kulturellen Hintergrund zu beurteilen. Wir müssen es lernen, die Dinge aus dem Geist heraus zu sehen und nur vom Geist her zu beurteilen, so wie es auch von Jesus heisst: «Der Geist des Herrn lässt sich nieder auf ihm: der Geist der Weisheit und der Einsicht, der Geist des Rates und der Stärke, der Geist der Erkenntnis und der Gottesfurcht. Er erfüllt ihn mit dem Geist der Gottesfurcht. Er richtet nicht nach dem Augenschein, und nicht nur nach dem Hörensagen entscheidet er.» (Jesaja 11,2-3) Wenn wir in seinen Fussstapfen gehen wollen, dann müssen wir es lernen, mit seinen Augen zu sehen und mit seinen Ohren zu hören. Dies ist die Lektion, die die beiden Jünger auf dem Wege nach Emmaus lernten, als ihnen der auferstandene Jesus erschien und zu ihnen über den Messias sprach. Es war Jesus, der über sich selbst predigte – wie könnte es wohl je eine gesalbtere Predigt gegeben haben? Dennoch erkannten sie ihn nicht. Warum? Er erschien ihnen «in einer anderen Gestalt» (Markus 16,12). Einer der Hauptgründe, weshalb wir das Wirken Jesu in unserer Mitte häufig nicht erkennen, besteht darin, dass wir auch heute noch nach einer uns vertrauten Form Ausschau halten, anstatt nach dem Geist zu urteilen. Wenn wir charismatisch sind, halten wir Ausschau nach charismatischen Formen, wenn wir evangelikal sind, dann erwarten wir ihn im evangelikalen Gewand. Meistens jedoch wird er in einer Weise zu uns kommen, die von allem ab13
weicht, was wir gewöhnt sind. Seinen Jüngern erging es nach der Auferstehung nicht anders. Der Herr tut dies ganz bewusst so, weil er will, dass wir ihn nach dem Geist erkennen, nicht anhand von Äusserlichkeiten. Jesus selbst verkündete: «Und ich sage euch: Von jetzt an werdet ihr mich nicht mehr sehen, bis ihr ruft: Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn!» (Matthäus 23,39) Wir werden ihn so lange nicht erkennen, bis wir es lernen, all jene zu segnen, die er zu uns sendet, unabhängig davon, in welcher Form und Gestalt sie zu uns kommen. Selbst Israel erkannte den Herrn nicht, als er in einer anderen Gestalt zu ihnen kam, als sie erwartet hatten. Es ist also beileibe kein neues Problem, aber nach wie vor ein sehr ernstes. Die Herrlichkeit der Vielfalt Die Gemeinde ist berufen, Antworten auf die grundlegenden Probleme der Menschheit zu haben und dies auch durch ihr Leben zu zeigen. Rassismus ist eines jener Grundprobleme der Menschheitsgeschichte, das, wie kaum ein anderes, Tod und Verwüstung gebracht hat und das zudem in unserer Zeit immer mehr an Bedeutung gewinnt. Aber in der Gemeinde wird das anders sein. Aus diesem Grund erklärte der Herr: «Mein Haus soll ein Haus des Gebetes für alle Völker [ethnä] sein.» (Markus 11,17) Die Gemeinde Jesu wird ihrer Bestimmung so lange nicht gerecht, bis sie tatsächlich ein Haus des Gebetes für alle ethnischen Gruppen geworden ist. Paulus schreibt: «Daher sind die Sprachen ein Zeichen …» (1. Korinther 14,22) In welcher Hinsicht? Sie deuten darauf hin, dass die Gemeinde Jesu einen Gegenpol zum Turm von Babel 14
bildet, wo sich die Menschheit in unterschiedliche Sprachgruppen aufteilte und dann in der Folge in Rassen und Kulturen zerfiel. Eine erste Demonstration dieser Überwindung der Sprachgrenzen finden wir am Pfingsttag, der Geburtsstunde der Gemeinde. «In Jerusalem aber wohnten Juden, fromme Männer aus allen Völkern [ethnos] unter dem Himmel. Als sich das Getöse erhob, strömte die Menge zusammen und war ganz bestürzt; denn jeder hörte sie in seiner Sprache reden.» (Apostelgeschichte 2,5-6) Die Gemeinde Jesu ist der Ort, wo Menschen wieder zur Einheit gelangen, unabhängig von ihrer Rasse, ihrem kulturellen Hintergrund, ihrer Sprache usw. Ist es nicht aufschlussreich, dass Juden aus ganz verschiedener ethnischer Herkunft einander verstehen konnten? Jesus ist das Wort Gottes, die Art, wie Gott sich uns Menschen mitgeteilt hat. Wenn die Menschen seine Herrlichkeit erkennen, wenn er erhöht ist, dann werden sie sich zu ihm hingezogen fühlen und wieder mit vereinten Herzen verstehen können. Die Gemeinde Jesu, die ihn im Geist und in der Wahrheit anbetet, wird dies vor aller Augen illustrieren. Paulus schrieb den Galatern, dass in der Gemeinde Jesu alle Wiedergeborenen, unabhängig von ihrem Geschlecht oder ihrem kulturellen Hintergrund, vor Gott gleichgestellt sind. «Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus (als Gewand) angelegt. Es gibt nicht mehr Juden und Griechen, nicht Sklaven und Freie, nicht Mann und Frau; denn ihr alle seid ,einer‘ in Christus Jesus.» (Galater 3,27-28) 15