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Leseprobe Hansjörg Kägi Auf den Spuren des Schöpfers Eine messianische Auslegung der Schöpfungsgeschichte 1.Mose 1-2 Schleife Verlag, CH-Winterthur

© Schleife Verlag CH-Winterthur


Leseprobe © 2005 Hansjörg Kägi 1. Auflage Februar 2005 Schleife Verlag, Pflanzschulstrassc 7. Postfach 85, CH-8411 Winterthur, Switzerland. Tel. +41 (0)52 2322424, Fax. +41 (0)52 23360X2 Email: publications@schleife.ch www.schleife.ch ISBN 3-907827-43-0 Der Text des Buches folgt den Regeln der neuen deutschen Rechtschreibung. Die Bibelzitate sind der neuen Rechtschreibung angepasst. Lektorat: Michael Herwig und Judith Petri Umschlaggestaltung und Foto: Pia Maurer Satz und Druck: Schönbach-Druck GmbH, D-Erzhausen Alle Rechte vorbehalten, auch für auszugsweise Wiedergabe und Fotokopie.

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Leseprobe INHALTSVERZEICHNIS Einführung: Auf den Spuren unseres Schöpfers TEIL 1 Elohim — der allmächtige Gott schafft das ganze Universum (1. Mose 1,1-2.3) Am Anfang — eine Offenbarung von Allmacht und unergründlicher Liebe Chaos, Finsternis und das Brüten des Geistes Licht und Finsternis Ein zweiter Tag Land und Wasser Die Galaxien — Massarbeit eines Meisters Fische, Vögel und Landtiere — von Gott gesegnet Der Mensch — Gottes Bild und Gestalt Der Ernährungsplan Gottes Nur alles zusammen ist sehr gut Die Vollendung in der Sabbatruhe TEIL II Adonai — der gnädig gegenwärtige Gott schafft in Liebe den Menschen (1. Mose 2,4-2,25) 79 12. Adonai und die Nachkommen von Himmel und Erde 80 13. Eden und die zwei Bäume für das Wachstum des Menschen 86 14. Mann und Frau — eine ideale Ergänzung 98 Bibliographie 117

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Leseprobe EINFÜHRUNG Auf den Spuren unseres Schöpfers „Es bringt mir viel mehr, im Wald spazieren zu gehen und Gott in der Schöpfung zu begegnen, als in einem Gottesdienst zu sitzen.“ So höre ich Leute immer wieder sagen, und ich muss zugeben, da ist etwas dran. Oft sind kirchliche Veranstaltungen nicht besonders bereichernd, so dass uns eine Zeit in der freien Natur mehr geben kann. Was ist es denn, das wir so erfüllend erfahren, wenn wir dem Schöpfer draussen begegnen? Wir wollen versuchen, es miteinander herauszufinden. So gehen wir nun miteinander spazieren in der Natur, in die Gegenwart unseres Schöpfers hinein. Es wird sich zeigen, dass die stärkste Wirklichkeit seine Nähe bei uns ist. Das Wahrste, was es überhaupt gibt, das Eigentliche unseres Lebens besteht darin, dass wir alle einen Schöpfer-Gott haben, der uns unendlich liebt und der sich nichts anderes so sehnlich wünscht, als uns dies zu zeigen — klar und unmissverständlich, einem jeden von uns. Es ist allerdings ebenso wahr, und das wollen wir von Anfang an nicht verschweigen, dass wir in einer christlichen Veranstaltung diesen wunderbaren Gott auch erleben können. Wenn unser Schöpfer Raum bekommt, seine Nähe und Gegenwart in einen Gottesdienst hineinzulegen, dann geschieht noch einmal etwas ganz Neues. Dann wird christliche Gemeinschaft wieder kraftvoll. Dann bleibt nicht alles beim Alten, sondern Neues wird sich Bahn brechen und in unser Land und diese Welt hinausfliessen — als ein Strom zur Veränderung der Menschen und der Gesellschaft. Wir legen hier eine „messianische Auslegung“ vor. Gott ist heute dabei, wieder zusammenzuführen, was getrennt war. Die eine Gemeinde Gottes aus Juden, Arabern und den Völkern, die an Jesus Christus glauben, entsteht vor unseren Augen. Dies ist ein Zeichen des Reiches Gottes auf der Erde, das wir vor allem in Israel beobachten. Was vor langer Zeit auseinander gegangen war, wird wieder eins. Wir lesen die Bibel wieder miteinander und merken als westliche Christen, dass wir die Juden dabei brauchen und viel von ihnen lernen können. Ihnen ist die Schrift von Gott anvertraut worden, weshalb sie einen besonderen Zugang haben. Mit Hilfe der jüdischen Ausleger (Talmud, Midrasch, Rabbiner und neueren Quellen wie S. R. Hirsch, Art Scroll Series) werden wir in grössere Tiefen vordringen. Dazu nehmen wir die christlichen Überlieferungen und hören auf das, was der Heilige Geist heute immer neu zu der Gemeinde sagt. Wir werden dadurch zu einer noch klareren Erkenntnis Jesu Christi, des Messias, gelangen und die ganze Fülle in ihm erfahren. Deshalb sprechen wir von einer „messianischen Auslegung“. „Gottes unsichtbares Wesen, das ist seine ewige Kraft und Gottheit, wird seit der Schöpfung der Welt ersehen aus seinen Werken, wenn man sie wahrnimmt.“ (Röm. 1,20)

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Leseprobe Teil I Elohim — der allmächtige Gott schafft das ganze Universum (1. Mose 1,1-2,3)

Kapitel 1 Am Anfang — eine Offenbarung von Allmacht und unergründlicher Liebe (1. Mose 1,1) Sichtbares und Unsichtbares — die zwei Dimensionen der Welt Auf unserem Weg auf den Spuren des Schöpfers gibt es schon auf den ersten Metern erstaunliche Überraschungen. Bereits beim ersten Schritt, oder Buchstaben, tun sich uns Geheimnisse auf. Im Midrasch lesen wir über das erste Wort der Schrift: bereschit (hebräisch für: am Anfang), welches mit dem zweiten Buchstaben des hebräischen Alphabets, dem beth, beginnt. (Da die hebräische Sprache keine Zahlen kennt, verwendet man das Alphabet für Zahlenwerte. Beth bedeutet als zweiter Buchstabe folglich „zwei“.) Damit will uns der Text sagen, dass Gott zwei Welten schuf, die gegenwärtige und die zukünftige. — Im Judentum ganz allgemein ist von grosser Bedeutung, dass wir es immer mit den zwei Bereichen, der unsichtbaren und der sichtbaren Welt, zu tun haben, die miteinander korrespondieren. Damit wird jeder Einengung unserer modernen Sicht entgegengetreten, die uns das Leben heute oft so erschwert. Wir sehen nur die Probleme, ängstigen uns vor dem Leben und sind unsicher und verzagt. Wir haben ganz vergessen, dass bald einmal die zweite, neue Welt anbrechen wird, in der es keine Nöte mehr geben wird, in der Gerechtigkeit und Friede einander küssen werden in Ewigkeit. Unser alltägliches Denken und Sinnen ist nicht mehr von der stärkenden Wahrheit erfüllt, dass es nicht nur das Sichtbare gibt, sondern dass der unsichtbare Vater im Himmel um alles weiss, dass Jesus Christus uns begleitet auf allen Wegen, dass viele Engel als Beschützer uns umgeben, dass eine Schar von Zeugen um uns ist, welche Anteil hat an unserem Kampf und mit uns streitet bis zum guten Ende. Schon der allererste Buchstabe der Heiligen Schrift bringt diese befreiende Tatsache für unsere aufgescheuchten Seelen ans Licht.

Vater und Sohn Darin sehen wir aber auch den Hinweis, dass von Anfang an zwei Personen, der himmlische Vater mit seinem Sohn, zusammen- wirkten. Jesus drückt es im Johannesevangelium immer wieder klar aus: „ Wer mich sieht, der sieht den Vater“ (14,9). „ Wer mich liebt, der wird mein Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen“ 04,23). „Ich und der Vater sind eins“ 00,30). „Der Sohn kann nichts von sich aus tun, sondern nur, was er den Vater tun sieht; denn was dieser tut, das tut gleicherweise auch der Sohn“ (5,19). „Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben und kommt nicht in das Gericht, sondern er ist vom Tode zum Leben hinübergegangen“ (5,24). „Ich suche nicht meinen Willen, sondern den Willen © Schleife Verlag CH-Winterthur


Leseprobe dessen, der mich gesandt hat“ (5,30). Welch eine tiefe Gewissheit, welch ein grosser Friede strömt da zu uns, Gott war da, als das Universum geschaffen wurde. Er war da, bevor ich gezeugt und empfangen wurde. Er umgibt mich darum auch jetzt von allen Seiten und hält seine Hand über mir (Ps. 139,5). Er wird morgen da sein und mich beim Aufwachen erwartend und freudig empfangen. Er wird am Ende der Zeit da sein, und seine Hand wird mich auch dann noch halten. Er ist grösser als wir alle, und in ihm können wir Geborgenheit erleben, die uns ewig trägt. Gott ist der Erste und der Letzte, der Anfang und das Ende (Offb. 22,13), der ständig Gegenwärtige (2. Mose 3,14), der da ist und der da war und der da kommt, der Allmächtige (Offb. 1,8), ausser ihm ist kein Gott (Jes. 44,6). Für ihn ist das Universum mit all seinen Galaxien wie ein Zelt, das er liebevoll aufgestellt hat, um mit seinen Geschöpfen Gemeinschaft zu haben. Wo der moderne westliche Mensch in Unruhe, Trostlosigkeit und Mangel an Geborgenheit lebt und leidet, weil ihm diese Sicht der Dinge genommen wurde, da kommt uns von Israel her wieder die gute Nachricht von Gottes Allmacht und Allgüte entgegen. Wie gut ist es da, einen solchen Gott zu haben — einen anderen gibt es nicht! Der erste Buchstabe der Bibel deutet nach dem Midrasch auch darauf hin, dass der Mensch nicht hinter den Anfang zurückschauen soll. Er kann nichts darüber wissen, und wenn er sich trotzdem in diese Gebiete wagt, werden Irrtum und Täuschung auf ihn warten, welche ihn verwirren und von Gott entfernen werden. Das beth ist deshalb nach rechts geschlossen (man liest Hebräisch von rechts nach links), als Hinweis, nicht hinter Gottes Schöpfungsakt zurückzugehen. Es hat nur eine Öffnung: nach links. Wir sind von Gott eingeladen, auch nicht nach oben oder unten zu streben, sondern mit ihm vorwärts zu gehen durch unser Leben und durch sein Wort.

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