Leseprobe Hansjörg Kägi GOTT WILL BEI UNS WOHNEN Das Geheimnis der Stiftshütte
Schleife Verlag, CH-Winterthur
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Leseprobe © 2002 Hansjörg Kägi 2. Auflage Januar 2004 © Schleife Verlag, Pflanzschulstrasse 17, Postfach 85, CH-8411 Winterthur, Switzerland Tel +41 (0)52 2322424 Fax +41 (0)52 2336082 Email: publications@schleife.ch www.schleife.ch ISBN 3-907827-19-8 Die Bibelstellen sind nach der Luther-Bibel (revidierte Fassung) oder vom Autor selber übersetzt. Lektorat: Michael Herwig Umschlaggestaltung: Hanna Koller Photo: Pia Maurer Satz und Druck: Schönbach-Druck GmbH, D-Erzhausen Alle Rechte vorbehalten, auch für auszugsweise Wiedergabe und Fotokopie
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Leseprobe INHALTSVERZEICHNIS Einführung Die Stiftshütte — Gottes Wohnung in der Welt
Gottes Wohnung in Jesus Christus und in seinen Jüngern Bibliographie
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Leseprobe EINFÜHRUNG Eines ist sicher: Seitdem Gott die Welt schuf, wollte er schon immer unter seinen Geschöpfen wohnen. Seit Urzeiten zog es ihn zu seinen Menschenkindern hin, das ist sein Herz aus vollkommener Liebe zu dem Werk seiner Hände. Nichts beglückt den himmlischen Vater mehr, als Gemeinschaft mit uns allen zu haben. Heute sieht alles in der Welt anders aus. Da ist Krieg, Hass, Streit zwischen den Menschen, sogar innerhalb der Gemeinde des Herrn. Genau dieser Zustand möchte uns glauben machen, dass Gott nicht da sei. Viele Menschen denken heute, der Schöpfer habe allem seinen Lauf gelassen, und wir seien allein, ohne ihn. Auch gläubige Menschen werden nicht von diesen Gedanken des Herzens verschont, auch wenn sie im Kopf an einen wirklich liebenden Herrn glauben. Diese Zeilen möchten uns allen helfen, hinter das Vordergründige zu sehen, das uns den Glauben rauben will. Die Wirklichkeit ist anders! Sie wird uns helfen, damit wir die Wahrheit in Liebe festhalten und in jeder Hinsicht hinwachsen zu dem, der das Haupt ist, Christus (Eph 4,15). Die wirkliche Wahrheit wird uns frei machen und den Glauben in uns wirken, der die Welt überwinden wird (1. Joh 5,4). Die Welt braucht heute mehr denn je Menschen, die sich ihrer Sache sicher sind, denn sie ist äusserst verunsichert. In diesem Zustand ist sie offen für viele Wege, die ihr angeboten werden und die nicht zum Ziel führen. In der Bibel hat uns Gott den Weg gezeigt, der zu seinem liebenden Vaterherzen führt. Diesen Weg sucht jeder Mensch in seinem Innersten, und wir sind es den Menschen schuldig, ihnen diesen Weg aufzuzeigen. An der Stiftshütte sehen wir, was auf dem Herzen Gottes war, wie wichtig es ihm war, unter den Menschen zu wohnen. «Zeig mir deine Wohnung, und ich sag dir, wer du bist.» Wenn wir die Wohnung eines uns unbekannten Menschen sehen, dann bekommen wir unwillkürlich einen Einblick in dessen Herzen. Wir können mit der Wahl der Farben und Materialien, mit der wir unsere Wohnung einrichten, nicht unsere Seelen verbergen. Sie stehen hinter dem, was dann sichtbar wird im Haus. Die Kunstbauten aller Zeiten haben den Geist der jeweiligen Epochen offenbart. Seit über einem Jahrhundert sind die Zeiten der verschiedenen Stile vorbei. Es gibt sie nicht mehr, da der Individualismus das Hervortreten eines einheitlichen Kunststiles verhindert. Der neue «Stil» heisst darum Design. Jeder, der baut, die ganze Gesellschaft, ja die Kirche baut nach eigenem Gutdünken, einmal so und dann wieder ganz anders. Das trägt zur endlosen Vielfalt unserer Kultur bei, was Vorteile hat, was aber auch die heutige totale Verunsicherung des Menschen bewirkt. Gott hat uns einen grossen Teil seiner eigenen Schöpfungskraft und Kreativität gegeben und in uns gelegt. Jedes Haus drückt etwas davon aus. Es ist daher begeisternd, schöne, gelungene, überzeugende Bauten zu sehen. Sie spiegeln unseren Schöpfergott wider. Monotone Fabrikbauten oder Reihenhäuser können einen bedrücken, sie halten etwas zurück von der Schönheit und Kreativität des Herrn, die durch uns sichtbar werden möchte. Ob schöpferisch oder weniger schöpferisch, jeder Bau, jede Wohnung spiegelt das Herz seines «Designers» wider. Das ist bei Gott nicht anders. Darum wird uns eine vertiefte Schau der Stiftshütte, des Leibes Jesu und der Kirche helfen, das Herz unseres himmlischen Vaters besser zu erkennen. Wahre Erkenntnis führt uns nach dem alttestamentlichen Verständnis zu mehr Gemeinschaft mit unserem Schöpfer. Und genau dies brauchen wir. Diese Art von Herzenserkenntnis (Eph 1,18) ist nur zu finden, indem wir uns aufmachen, um die Wurzeln der biblischen Botschaft zu suchen. Sie liegen bei den Juden. Es ist meine eigene Erfahrung und diejenige einer wachsenden Anzahl von Christen, dass in dem jüdischen «Wurzelsaft» (Röm 11,17) eine vertiefte Schau des © Schleife Verlag CH-Winterthur
Leseprobe gnädigen Herrn der Welt liegt und darauf wartet, neu ausgegraben zu werden. Sofern ich die Texte über die Stiftshütte einfach lese, werde ich reich gesegnet sein und einiges verstehen. Vieles aber wird sich mir nicht auftun. Indem ich die Juden anhöre, wie sie diese Texte verstehen, gehen mir Türen auf zu Erkenntnissen, die ich nie für möglich gehalten hätte. Und genau diese erleuchteten Augen des Herzens (Eph 1,18) möchte Gott seiner Gemeinde heute geben. Wir brauchen sie dringend, denn sie werden uns Gottes Herz schauen lassen und das Herz seines lieben Sohnes. Wir sind überzeugt, dass die Zeit gekommen ist, da Gott uns Christen sein lebendiges Wort noch einmal zurückschenkt. Dieses Mal wollen wir aber den ganzen Weg gehen, den Gott von Anfang an geplant hatte. Wir wollen mit seiner Kraft in die ganze Einheit mit dem älteren Bruder Juda hineinwachsen. Das bedeutet einerseits umfassende Einheit mit den messianischen Juden in Jeschua (Jesus) dem Messias (Christus) und andererseits das Wahrnehmen und weitgehende Aufnehmen der jüdischen Schriftlehre. Vermutlich werden wir deutschsprachigen Christen dabei wiederum eine zentrale Rolle spielen. Gott hat uns offenbar eine Aufgabe gegeben, sein Wort vertieft in Form von kraftvoller Lehre anderen weiterzugeben. Zum dritten Mal, nach den Anfängen und nach der Reformation, führt uns der Herr an sein Herz durchs Wort. Werden wir jetzt in die ganze Fülle hineingehen? Israel gehört alles Wesentliche, auch nachdem seine religiösen Führer Jeschua als Messias abgelehnt haben, schreibt Paulus: meine Brüder die meine Stammverwandten sind nach dem Fleisch, die Israeliten sind, denen die Kindschaft gehört und die Herrlichkeit und der Bund und die Toragebung und der Gottesdienst und die Verheissungen, denen auch die Väter gehören, und aus denen der Messias herkommt nach dem Fleisch, der da ist Gott über alles, gelobt in Ewigkeit, Amen. (Röm 9,3—5) Dazu zählt das biblische Wort des Alten Testaments, das mit «Tora» stellvertretend für das ganze AT von Paulus ausgedrückt wird. Die ersten «Christen» waren ja ausschliesslich Juden, wie Paulus selber einer war. Nachdem immer mehr Heiden Jesus als Messias anzunehmen begannen, ging es nicht lange, bis sie sich vom Judentum abzulösen begannen. Damit verschwand das den Juden eigene tiefe Verständnis der Schrift immer mehr aus der Kirche. Das Alte Testament wurde immer weniger verstanden, womit die Sicht für das, was Jesus Christus getan hatte, auch immer undeutlicher wurde. Dafür nahmen Sichtweisen zu, welche die Schrift mit philosophischen Brillen lasen und bald kamen Theorien über Gott, den Menschen und die Welt auf, welche sich vom jüdischen Grund losgelöst hatten und immer mehr in Gegensatz dazu standen. Ein Beispiel gibt uns das Mittelalter. In dieser in mancher Hinsicht so dunklen Zeit der Kirche, da die Bibel so wenig Bedeutung hatte unter den Christen, schrieben jüdische Gelehrte Schriftauslegungen, die grössten Teils weder gesetzlich noch antichristlich sind. Im Gegenteil: sie vermitteln eine Tiefe des Verständnisses für Gottes Wort, das uns heute in Staunen versetzt. Leider fanden viele dieser Schriften ihren Weg nicht in die Kirche. Heute ist einiges anders geworden. Schon vor gut 100 Jahren wurde der Midrasch Rabba, eine predigthafte Auslegung grosser Teile des AT, ins Deutsche übersetzt. Zu Beginn des 20. Jh. folgte der ganze Talmud, das umfassende Werk jüdischen Lebens. Ende des 19. Jh. schrieb der deutsche Rabbiner Samson Raphael Hirsch in Frankfurt am Main neben vielen anderen Schriften eine tiefgründige Auslegung aller Bücher Mose auf deutsch. Leider fand dies alles auch noch keine Aufnahme bei den christlichen Theologen. Seit zwei Jahrzehnten werden in New York laufend neue Bände zu den biblischen Büchern verfasst, welche die ganze jüdische Auslegung © Schleife Verlag CH-Winterthur
Leseprobe biblischer Bücher aus Talmud, Midrasch und den rabbinischen Quellen zusammenfassen. Derselbe Verlag gibt auch eine gut verständliche Ausgabe des Chumasch heraus, der Rabbinerbibel, in der eine wertvolle Zusammenfassung der wichtigsten rabbinischen Kommentare zur ganzen Tora in englischer Übersetzung vorliegt. Wer hier liest und aufnimmt, erlebt oft eine echte Offenbarung von Dingen, die wir Heidenchristen bisher einfach nicht kannten. Sie helfen uns aber, den himmlischen Vater und das Werk seines Sohnes Jesus Christus viel klarer und tiefer zu erfassen. Auf diesen Quellen beruht die vorliegende Schrift. In ihnen haben wir gegraben und die kostbaren Schätze auf Jesus Christus hin und von ihm her zu verstehen versucht. Wir werden darauf verzichten, einzelne Verweise und Fussnoten anzugeben. Wer selber darin lesen will, benutze die Bibliographie auf der letzten Seite. Immer noch sind diese Dinge den allermeisten Christen unbekannt. Da ich seit einigen Jahren an diesen Quellen, um mit Paulus zu sagen, an den fetten Wurzeln des Ölbaums (Röm 11,17) trinke und davon nehme, ist meine Erkenntnis Gottes viel weiter geworden, sodass ich dies gerne anderen weitergeben möchte. Diejenigen Menschen, welche diese Dinge in den Bibelstunden unserer Gemeinde bereits gehört haben, erlebten fast jedes Mal dasselbe: «Ist es möglich, dass da noch so viel verborgen liegt, das uns Gottes Geist jetzt durch unsere jüdischen Brüder zeigt?!» Die Qualität der Kraft der froh machenden Botschaft Alten und Neuen Testaments steigt bei dieser Arbeit ständig. Die Einheit des Vaters mit dem Sohn wird immer klarer und fester in unseren Herzen. Der geschichtliche Heilsplan Gottes in Schöpfung und Erlösung wird so überwältigend sichtbar, dass unser Glaube in dieser vergangenen Zeit um vieles fester geworden ist. Wir haben es immer wieder erlebt, dass gerade in Zeiten, in denen unser Glaube angefochten wird, die Begegnung mit Gottes Wort uns herausreisst und in sein klares Licht hineinstellt, in dem wir wieder froh und sicher werden. Ja, Gott ist gut! Ein Wort noch an die westliche Christenheit, und darin speziell an die mitteleuropäische, vor allem deutschsprachige Kirche: Nach dem weitgehenden Verlust der Schrift im Mittelalter wurde ihr das lebendige Wort zur Zeit der Reformation zurückgeschenkt, und zwar so, wie das Gott in seiner gewaltigen Liebe oft tut. noch mehr und breiter als beim ersten Mal. Die Reformatoren gingen denn auch wieder zurück auf die jüdischen Quellen und erlangten eine grosse Schau für Gottes Pläne und sein Zeugnis- Wort. Mischna (um 200 n. Chr. abgeschlossen), Talmud (um 500 n. Chr. abgeschlossen) und Midrasch (zwischen 400 und 1400 n. Chr. entstandene Sammlungen), die grossen, für alle Juden verbindlichen Werke kamen aber nicht in ihren Gesichtskreis wie auch die mittelalterlichen Rabbiner nicht. Geschah hier das ganze Andocken an den fetten Wurzelsaft des edlen Ölbaums nicht, das der Kirche den Vorrat für schwierigere Zeiten gegeben hätte? Die angefochtenen Zeiten kamen auch dieses Mal, mit ganzer Wucht im 18. Jahrhundert, dem Zeitalter der Aufklärung. Auch da ging es um das Herzstück der Offenbarung Gottes, sein lebendiges, kraftvolles Wort. Die Schriftlehre der Kirche kam unter Beschuss. Die Theologen kämpften mit historisch kritischen Modellen, die Bibel zu verstehen, durch welche die Schrift zu einem Buch mit grossen Spannungen und zweifelhafter historischer Glaubwürdigkeit herabsank. Es scheint, als ob die Kirche dem humanistischen Geschichtsbegriff kein anderes Geschichtsverständnis entgegenzusetzen hatte, welches der Bibel angemessener gewesen wäre. Sie stand nicht genügend auf der jüdischen Geschichtsauffassung, welche mindestens genauso historisch ist wie die neuzeitliche. Wir werden anhand von Textpassagen der Bibel noch oft sehen und belegen, dass wir die kritischen Auffassungen gar nicht benötigen. Aufgrund vertiefter Einsicht in das jüdische © Schleife Verlag CH-Winterthur
Leseprobe Verständnis der Schrift ergeben sich erstaunliche Lösungen, die historisch und theologisch stimmen. Noch etwas: Gott führt heute Juden und Heiden, die an Jesus den Messias glauben, in seiner Gemeinde wieder zusammen. Vor allem in Israel ist dies in den messianischen Gemeinden sichtbar. In dieser Einheit des Geistes bricht die Fülle Gottes immer stärker durch. Wir haben den Eindruck, dass der Heilige Geist heute den Leib des Messias aus Juden und Heiden in die Fülle der Erkenntnis Gottes und der Liebe zum Herrn und zueinander hineinführt. So wird die Brautgemeinde in ihrem täglichen Leben in Anbetung, Mahl, Dienst und Lehre zugerüstet auf das Kommen des Messias in Macht und Herrlichkeit. Das erfüllt uns mit Freude, Zuversicht und grosser Hoffnung, mitten in allen Leiden und Kämpfen.
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Leseprobe Die Stiftshütte — Gottes Wohnung in der Welt Der allmächtige Gott Gott hatte sich zuerst als der allmächtige Schöpfer des ganzen Universums gezeigt (1. Mose 1—2). Wie ein Zelt hatte er das riesige Weltall aufgestellt. So gross ist er gegenüber den Weiten, die uns fast unendlich vorkommen, und so klein sind diese weiten Räume für ihn. Wir können uns dies oft gar nicht vorstellen. Mit dem Kopf sprechen wir von dem Allmächtigen und bekennen uns zu ihm auch in unserer Bundesverfassung. Aber unsere Herzen sehen ihn oft nicht als diesen gewaltigen Gott, denn wir sind über Jahre und Jahrzehnte hinweg mit Ideen wie dem Urknall und der Evolutionstheorie gelehrt worden. Sie haben ihre Spuren in uns und unseren Kindern hinterlassen, welche die Sicht auf den wahren Ursprung der Welt und der Menschen verbauen. Eine kleine Begebenheit, welche die Juden erzählen, kann uns hier helfen. Ein römischer Kaiser zweifelte auch an dem biblischen Gott und konnte es sich einfach nicht vorstellen, dass der Herr wirklich dieses ganze Universum erschaffen hat. Da führte ihn ein Rabbi hinaus in den Wald, stellte ihn in ein kleines Waldhäuschen und liess ihn seine Arme von einer Wand der Hütte zur andern ausstrecken. Der Kaiser konnte dies problemlos, so klein war das Haus. Da sagte der Rabbi zu ihm: Du bist römischer Kaiser und kannst mit deinen Armen beide Wände dieses Hauses berühren. Wie viel mehr kann der König des Weltalls beide Wände des Universums berühren, denn für ihn ist es wie ein kleines Haus. — Den Herrn als diesen wirklich Grossen zu sehen macht uns frei von allen irreführenden Ideen, frei von Kleinglauben und hilft uns, damit wir uns wieder wirklich geborgen wissen in diesen gewaltigen, liebenden Händen. Wir können wieder werden wie die kleinen Kinder, die in das Himmelreich hineinkommen (Mt 18,3. 19,14).
Gott beruft Nach der Schöpfung versuchte der Herr, mit der ganzen Menschheit ans Ziel seiner wunderbaren Wege zu kommen. Er wollte sich bald seinen Geschöpfen sichtbar zeigen und mutete ihnen lediglich eine kurze Zeit zu, in der sie ihn nicht sahen. In dieser Zeit durften ihn die Menschen im Glauben und in herzlicher Liebe umgeben. Sie konnten in seiner Kraft die vollkommen gut geschaffene Schöpfung ihrer Vollendung zuführen, indem sie sie bebauten und bewahrten (1. Mose 1,28; 2,15) und sich auf den grossen Tag freuten, da sie ihrem Gott seine Welt in entfalteter Segensfülle zurückgeben würden. Dann würde der Herr sichtbar unter ihnen wohnen in Ewigkeit. Leider ging schon der erste Mensch diesen eigentlich einfachen Weg nicht. Es kam zum Bruch, und die ganze Schöpfung wurde in grosse Schwierigkeiten gerissen (1. Mose 3). Nochmals wagte es Gott mit allen, aber wieder scheiterten sie, sodass der gnädige Herr die Menschheit vor der totalen Selbstzerstörung retten musste durch die Sintflut (1. Mose 4—9). Auch beim dritten Mal ging alles schief, als Gottes Geschöpfe sich selber ein Denkmal schufen im Turmbau zu Babel anstatt den Namen Gottes gross zu machen auf der Erde (1. Mose 10f.). Erst jetzt ging Gott den Schritt zur Berufung eines kleinen Volkes, das von nun an auf besondere Weise an seiner Seite stehen würde. Ihm wollte er alles anvertrauen, damit die Welt durch dieses Israel seine Liebe und Macht erkennen könnte (1. Mose 12—50). Von nun an © Schleife Verlag CH-Winterthur
Leseprobe gilt das Prinzip der Erwählung weniger, um die vielen zu erreichen, weil die Menschen sich als Ganzes einfach nicht gewinnen liessen. Gott befreit Die Welt in ihrer gefallenen Art machte es dem berufenen Gottesvolk nicht immer leicht. Da kam Eifersucht auf, der zu Hass und Mord wurde. So musste der Herr eingreifen und zeigte sich Israel als der grosse Befreier aus aller Knechtschaft (2. Mose 1—18). Er wollte sein geliebtes Volk ganz bei sich haben und führte es aus Ägypten heraus in die Wüste. Hier hatten sie Zeit füreinander, Gott und Israel, ungestört und ungeschieden. Hier stehen wir nun mit Israel, auf den Tag zwei Monate nach dem herrlichen Auszug aus der Knechtschaft (2. Mose 19,1). Hier sehen wir das riesengrosse Volk, wie es sich um den Berg Gottes lagert und Gottes Stimme zu hören beginnt. Jetzt beginnt der gnädige Herr zu reden, indem er Mose sein Herz offenbart über seinen sehnlichsten Wunsch, ganz bei und in Israel zu wohnen. Jetzt gibt er seinem Volk die ersten grundlegenden Weisungen (2. Mose 20—23), schliesst einen Bund mit ihnen (2. Mose 24) und zeigt ihnen sein Herz in der Anleitung zum Bau der Stiftshütte.
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