Einheit 3
Ein unerwarteter Empfang Icebreaker Beschreibe einen Ort, an dem du dich zu Hause fühlst. Warum fühlst du dich dort so wohl?
Storys von Jesus (nach Lukas 15) Die folgende, abgeänderte Geschichte beruht auf dem bekanntesten Gleichnis, das Jesus je erzählt hat (übertragen ins 21. Jahrhundert). In dieser Geschichte sprach er zur religiösen Elite der damaligen Zeit, die sich darüber beschwert hatte, dass Jesus eine enge Beziehung zu „Sündern“ hatte und sogar mit ihnen zusammen aß.
1. Szene Erzähler:
Petra stieg in den Zug, der von München nach Bamberg fuhr. Da der Zug ziemlich voll war, zwängte sie sich in den Sitz neben Silvia, einer jungen Frau gleichen Alters, die ihren Gedanken nachhing. Nach einer Weile stellte sie sich etwas unbeholfen vor und sagte, wie sehr sie sich darauf freue, wieder nach Hause zu kommen. Dann erkundigte sie sich, wo ihre Nachbarin hinfahren würde. Silvia begann zögernd zu erzählen, wohin sie fuhr, fügte aber hinzu, dass sie nicht sicher sei, ob sie nach Hause gehen würde oder nicht, wenn sie in ihrem Heimatort angekommen wäre.
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Ein unerwarteter Empfang
Einheit 3
Silvia:
Petra: Silvia:
Petra: Silvia:
Petra: Silvia:
Petra: Silvia:
Petra: Silvia:
Ich wuchs auf einem riesigen Bauernhof in Forchheim auf, etwa 20 Minuten von hier entfernt. Mein Vater war ein guter Mann, ein harter Arbeiter, der sich für mich und meine ältere Schwester Elisabeth nur eines wünschte: Wir sollten die ersten in der Familie Hofmann sein, die einen Universitätsabschluss hätten. Bei meiner Schwester war das auch der Fall. Aber ich wollte lieber Schauspielerin werden. Mein Vater hatte sein ganzes Leben lang für mein Studium gespart, aber ich habe mich jedes Mal aufgeregt, wenn wir über meine Zukunft gesprochen haben. Sollte ich nicht selbst entscheiden können? Eines Tages hatten wir einen Riesenkrach. Ich sagte zu meinem Vater: „Du bist nur ein dummer Bauer“ und lief raus. Ich nahm das Geld, das er für mein Studium gespart hatte, und ging von zu Hause weg. Ich habe jetzt schon seit zwei Jahren nicht mehr mit ihm gesprochen. Habt ihr gar keinen Kontakt mehr? Ich habe meiner Mutter ein oder zwei Briefe geschrieben, um ihr zu sagen, dass es mir gut geht. Aber ich hatte keinerlei Kontakt zu meinem Vater. Wie war das Leben in München? Zuerst war es toll. Ich hatte Geld und Zeit. Ich ging zu vielen Castings und Partys – wollte Kontakt zu den Leuten vom Showbusiness kriegen. Es waren aber leider bei jedem Casting Hunderte von Frauen und ich bekam nie den ersehnten Anruf. Schließlich stand ich ohne Geld da. Das tut mir Leid … Es wird noch schlimmer. Mit meinem Teilzeitjob als Kellnerin konnte ich nie alle Rechnungen zahlen. Da ließ ich mich auf etwas „zweifelhafte“ Dinge ein, um meine Miete zu bezahlen – falls du verstehst, was ich meine. Nach einiger Zeit erkannte ich, dass ich auf dem Holzweg war, und beschloss auszuprobieren, ob ich zu Hause nochmals anfangen könnte – vielleicht sogar als einer der Feldarbeiter meines Vaters. Toll! Wissen deine Eltern, dass du kommst? Vor etwa einer Woche habe ich meiner Mutter einen Brief geschickt. Ich bat sie, meinen Vater zu fragen, ob ich heimkommen könnte. Wenn ich zu Hause willkommen wäre, sollte sie als Zeichen ein Handtuch aus dem Fenster meines alten Zimmers hängen. Ich kann es vom Zug aus sehen. Falls da ein Handtuch hängt, gehe ich heim. Und was, wenn nicht? Dann bleibe ich vermutlich im Zug sitzen, bis sie mich rauswerfen … Gleich hinter der nächsten Kurve kommt unser Haus … Ich kann gar nicht hinsehen.
Erzähler:
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Wahnsinn! Ich weiß nicht, ob das euer Haus ist oder nicht, aber das muss es sein! Da hängen aus jedem Fenster Handtücher. Bettlaken hängen auf den Bäumen und auf dem Dach! Dein Vater muss sich riesig darauf freuen, dass du heimkommst! Silvia sprang beim nächsten Bahnhof ganz aufgeregt aus dem Zug. Als sie sich ihrem Elternhaus näherte, sah sie, dass ihr Vater ihr schon entgegenlief. Mit Tränen in den Augen schloss er sie in seine Arme und hielt sie weinend fest. „Meine verlorene Tochter ist zu Hause! Meine tote Tochter lebt wieder!“
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Petra:
Ein unerwarteter Empfang
2. Szene Erzähler:
Zwei Stunden später wurde im Haus ein Fest gefeiert. Nachbarn und Feldarbeiter kamen; es gab Essen im Überfluss, und die Musik spielte laut. Elisabeth kam von einem langen Arbeitstag auf dem Feld zurück. Sie war müde und verschwitzt. Sie weigerte sich, zum Fest zu gehen. Ihr Vater kam nach draußen, um mit ihr zu reden. Vater: Schatz, warum kommst du nicht zum Feiern? Elisabeth: Ich kann nicht verstehen, dass du für diese Verräterin und Geldverschwenderin sogar noch ein Fest feierst. Mein ganzes Leben lang habe ich getan, was du wolltest – und ich konnte noch nicht einmal eine kleine Party mit meinen Freunden feiern. Nun kommt dieses elende Miststück heim und du lädst das ganze Dorf ein! Vater: Oh, meine liebe Elisabeth. In unserem Haus bin ich immer bei dir. Wir sind doch immer füreinander da, und alles, was ich habe, gehört auch dir. Aber das hier muss gefeiert werden, denn deine Schwester war tot und nun lebt sie wieder. Sie war verloren und wurde wieder gefunden!
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Ein unerwarteter Empfang
Einheit 3
Was denkst du? 1. Wie würde es dir gehen, wenn du der Vater wärst und Silvia würde dich um die Auszahlung ihres Erbes bitten?
2. Warum kam Silvia wohl zur Vernunft?
3. Wie hätte dein eigener Vater reagiert, wenn du dasselbe getan hättest wie Silvia und wieder nach Hause gekommen wärst, um ihn um Entschuldigung zu bitten?
4. Überrascht die Reaktion des Vaters, wenn du bedenkst, was Silvia ihm angetan hat – warum oder warum nicht?
5. Wie würdest du dich fühlen, wenn du Silvia wärst und man dir einen solchen Empfang bereiten würde?
6. Versetz dich in die Lage der älteren Schwester. Wie würdest du reagieren, wenn deine Schwester, die viel Geld zum Fenster hinausgeworfen hat, nach Hause kommt?
7. In dieser bekannten Geschichte geht es um die Art und Weise, in der Gott mit den Menschen umgeht – sowohl mit denjenigen, die weit von ihm entfernt sind, als auch mit solchen, die moralisch einwandfrei sind. Was sagt das darüber aus, was Gott wirklich wichtig ist?
8. Jesus erzählt diese Geschichte der moralisch-religiösen Elite jener Zeit. Was ist vor diesem Hintergrund so schockierend am Ausgang der Geschichte?
9. Inwiefern ist das Verhalten des Vaters (sowohl desjenigen in der Geschichte als auch des himmlischen Vaters) bei beiden Töchtern ähnlich? Wo unterscheidet es sich?
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Einheit 3
Standortbestimmung Mit welcher Person in der Geschichte identifizierst du dich am meisten? Warum?
Um ein „erfolgreiches Leben“ zu führen, musst du eine enge Beziehung zu Gott, dem himmlischen Vater, haben. Beiden Töchtern steht die Tür zu ihrem Vater immer offen, aber beide werden durch unterschiedliche Dinge davon abgehalten, zu ihm zu kommen. Was ist nötig, damit du zum himmlischen Vater, der in dieser Geschichte vom irdischen Vater dargestellt wird, „heimkommen“ kannst?