Gerhard Küttner
CHRISTUS FÜR UNS CHRISTUS IN UNS CHRISTUS DURCH UNS Die vielfältigen Segensströme des Opfers Jesu und das königliche Priestertum nach 3. Mose 8
Verlag Dr. R.-F. Edel – Lüdenscheid
© Verlag Dr. R.-F. Edel, Lüdenscheid ISBN 978-3-87598-517-6 2. Auflage der Bräunsdorfer Vorträge Umschlagbild: Rudolf Schäfer Herstellung: Schönbach-Druck GmbH, Erzhausen Printed in Germany 2009
Vorwort Alle im Alten Testament aufgeführten und erklärten Opfer münden in dem einen Opfer Jesu Christi am Kreuz von Golgatha. Ihre praktische Bedeutung wird in der Kirchengeschichte erst nach und nach enthüllt: das Sündopfer (draußen vor dem Lager) – das Brandopfer, Mitkreuzigung (im Vorhof) – das Füllopfer der Herrlichkeit und Einheit (alles ist euer). Erst als Martin Luther das am Kreuz von Golgatha dahingegebene Gotteslamm im Glauben erkannte, fand er Vergebung und Frieden mit Gott. Das Sündopfer Jesu draußen vor dem Lager ist der allererste Anfang, die Grundlage, das Fundament, ohne welches uns sonst das Heil in Ewigkeit verschlossen bliebe. Ein nie endender Segensstrom vom Kreuz fließt nun zu uns als Medizin der Errettung. Allein nur das wäre schon unendlich viel, ist aber erst der Anfang, der Zugang zu unendlichen ewigen Gnaden (Röm 5,1f): „Da wir nun gerecht geworden sind durch den Glauben, haben wir... Zugang im Glauben zu dieser Gnade, in der wir stehen.” Nun dürfen wir eintreten in den Vorhof. Auch hier steht das Opfer Jesu im Mittelpunkt, aber nun aus einem anderen Blickwinkel: Jesus, der immer heilig, eins mit Gott und zur Freude Gottes lebt, hat dieses Sein heiliges Leben zum Opfer gegeben, damit wir es bekommen und Stück um Stück zu Heiligen werden. Einsgemacht mit dem „letzten Adam” Jesus am Kreuz stirbt zusammen mit Ihm unser alter Adam wirklich, und uns wird zusammen mit Ihm heiliges Auferstehungsleben zuteil, der neue Mensch. Das Brandopfer Jesu im Vorhof ist die Medizin gegen unser sündiges Wesen. Jesus – uns von Gott gemacht zur Rechtfertigung und Heiligung! Was wollen wir mehr? Paulus aber folgert daraus (Röm 8,32): „Wie sollte Er uns mit Ihm nicht alles schenken?” Genau das hat der Hohepriester Jesus in der Nacht Seines Opfers getan, das ist die Aussage (des Füllopfers) Jesu in Joh 17,22: „Ich habe ihnen die Herrlichkeit gegeben, die Du Mir gegeben hast, damit sie eins seien, wie Wir eins sind.” Uns ist alle Herrlichkeit Jesu gegeben als Medizin der Einheit gegen alle Trennung. Die Korinther waren uneins geworden. Ihnen schreibt Paulus (1Kor 3,21ff): „Darum rühme
sich niemand eines Menschen; denn alles ist euer...” Unsere Rechtfertigung, Heiligung, Erlösung, Vollendung mit Einsetzung in alle Herrlichkeit, alles ist in dem einen umfassenden Opfer Jesu vollbracht (Hebr 10,14): „Denn mit einem Opfer hat Er für immer die vollendet, die geheiligt werden.” Das bezeugt uns aber auch der heilige Geist. Dass wir das auch im Glauben für die anderen nehmen und Gott im Gebet bringen, ist der Sinn des Webopfers und zugleich Voraussetzung für den Zugang zum Gnadenthron Gottes im Allerheiligsten. Auch im Hebräerbrief kann das alles nur mit Vergleichen aus dem Opferdienst im Alten Bund gesagt werden. Das ist feste Speise. Diesen Dienst tut uns Gerhard Küttner mit der Auslegung der Priesterweihe Aarons in 3Mose 8. Wer diese prophetischen Auslegungen in Bräunsdorf oder in Lüdenscheid mithören konnte, wurde in den Segensstrom des Opfers Christi mit hineingenommen. Auch die Nachschriften der einen Reihe dieser Vorträge, die hier das zweite Mal veröffentlicht werden, sollen ihren Segensdienst tun. Lüdenscheid, September 2009 Der Verlag
Unsere Berufung und Bereitung zum Priesterdienst Die Priesterweihe Aarons als Vorbild für das Opfer Jesu Christi
Pfr. Gerhard Küttner zu Beginn einer ‘Dritte-Mose-Acht-Rüste’ Es ist uns immer wieder eine beglückende Erfahrung geworden, dass am Ende einer Rüste der Herr alle Fragen beantwortet hat durch das, was gesagt ist. Wir sind heute sehr auf Dialog und Diskussion angelegt, was durchaus nicht immer ein Segen ist – am rechten Platz gewiss. Aber wir haben’s so häufig erlebt und darüber bin ich besonders froh, dass am Ende alles klar war. Wir beten ja auch darum, dass Gott jedem ganz persönlich das Wort sagt, dass das Wort ganz individuell ergeht an jeden, und das macht Gott. Ich denke an eine Bibelrüste mit Theologiestudenten vor einigen Jahren – und solche sind ja besonders aufs Fragen und Diskutieren angelegt – und ich hatte noch nicht viele Sätze gesagt, da meldete sich schon der erste mit einer Frage. Ich habe sie ihm beantwortet so, wie ich sie ihm beantworten konnte. Gar nicht lange danach meldete er sich schon wieder; und ich habe sie ihm auch beantwortet und ein drittes Mal auch. Ich war noch ganz stolz, dass ich da so ein Lämmlein sein konnte. Als er dann das vierte Mal sich meldete, habe ich ihm gesagt: „Wir rechnen damit, dass Gott alle Fragen beantwortet. Wir haben ja gerade erst angefangen, aber es geht über drei Tage weiter. Sagt’s nur Gott. Und wenn eine Frage ist, dann notiert euch das auf einem Zettel. Ich werde den letzten Nachmittag freihalten, um alles, was Frage geblieben ist – Theologiestudenten haben ja Fragen – zu beantworten, darauf einzugehen.” Er hat dann sehr viel geschrieben auf seinem Zettel; und als ich am letzten Nachmittag dann Raum gab, war er wieder der erste, der sich meldete: „Ich will’s zur Ehre Gottes sagen: Mir sind alle Fragen beantwortet.” Da konnte man nur sagen: „Halleluja.” Es gab wirklich nichts zu sagen an diesem Nachmittag. Ich nenne das immer die Seelsorge Jesu. Unter dem Wort, unter der Verkündigung geschieht die Seelsorge des Herrn an den einzelnen durch Seine himmlischen Glieder und Organe. Der Leib Christi ist ja nicht nur eine irdische Sache, sondern wie wichtig ist
5
die himmlische Gemeinde, derer Er Sich bedient! Er handelt immer durch Seinen Leib, die Heiligen Gottes, die mit dienend in alles eingeschaltet sind. Jederzeit ist der ganze Leib in Aktion und Funktion. Es ist etwas Wunderbares um den Leib Christi. Mir ist das so ein Anliegen, dass Er es dann jedem einzelnen durch Seine Boten besonders ins Herz hinein sagt und segnet. Darum kann es passieren, dass man Antwort bekommt in einer Form, wie es gar nicht gesagt worden ist. Aber der Himmel schaltet sich ein. Die Verkündigung wird auf diese Weise immer ganz individuell. Dafür sorgt der Herr. Rechnen wir damit, freuen uns drüber, danken dafür, und es wird alles offen sein zu Ihm und nicht verbaut durch Unnützes. Das schalten wir ruhig mal ein Stück ab, was nicht heißt, dass man nicht zur rechten Zeit eine Stunde fröhlich miteinander sein kann. Das ergibt sich dann als eine rechte Fröhlichkeit. Ein Gebet Vater, diese Sonne hast Du aufgehen lassen, die Sonne der Gerechtigkeit, Jesus Christus. Das ist’s, was unsere Herzen froh macht. Von daher sehen wir auch die Schöpfung in einem ganz anderen Licht – nun doch auch eine erlöste Kreatur. Und wir gehen entgegen dem Tag des Herrn. Wir danken Dir, dass wir alle nun unsere Herzen erheben dürfen, Gott, zu Dir, dass Du uns in diesen Tagen so besonders Jesus herrlich machst, Jesus als das Lamm Gottes, das der Welt Sünde hinweggetragen hat, Jesus, der die Quelle aller Freude ist. Lass alles andere verblassen in diesem Licht. Lass alles andere zur Ruhe kommen. Danke, dass wir das, was unsere Gedanken weg lenkt, Dir übergeben dürfen, vertrauend: Du bist hier und Du bist dort und Du ordnest alles wohl. Lass das Wunder geschehen, dass wir über der Hinwendung zu Dir und Deinem Worte ganz schnell völlig eins werden, eine innerste Einheit werden, weil es das eine Wort ist und der eine Geist, der uns gefangen nimmt. Dein Friede breite sich aus in diesem Raum, um das Haus, über dem Ort. Durch Deine Gegenwart muss alle Finsternis vergehen. Ehre sei Dir, unserem Gott! Dir, unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus in der Kraft des Geistes bringen wir dar unser Lob. Amen.
6
Einführung in das Thema Berufen zum königlichen Priestertum – Priester sind Segensmittler.
Es geht in diesem Kapitel (3Mose 8) um die Priesterweihe. Aaron samt seinen Söhnen soll die Priesterweihe empfangen, die Weihe als Hoherpriester. Wenn wir da von der Priesterweihe lesen, betrifft das unsere eigene Berufung. Es ist unsere Sache, um die es geht. Ich erinnere an Worte wie Offenbarung 1,5-6, da heißt es: ‘Dem, der uns liebt und erlöst hat von unseren Sünden mit Seinem Blut und hat uns zu Königen und Priestern gemacht vor Gott, Seinem Vater, Ihm sei Ehre und Gewalt von Ewigkeit zu Ewigkeit.’ Also Jesus, der am Kreuz Sich geopfert hat, hat uns zu Priestern und Königen gemacht. Das ist unsere himmlische, göttliche Berufung. Es ist ja wichtig, dass jeder, was seinen Beruf betrifft, Bescheid weiß. So müsste man annehmen, alle wüssten bestens Bescheid, was das ist: Priestertum, priesterliches Leben und dazu gar noch Könige. Jawohl, Jesus hat uns zu Königen und Priestern vor Gott gemacht. Eine ungeheuerliche Sache! In 1Petr 2,9 heißt es: ‘Ihr aber seid das auserwählte Geschlecht, das königliche Priestertum.’ Petrus nennt sie dann noch ‘das heilige Volk, Volk des Eigentums, dass ihr verkündigen sollt die Wohltaten – Tugenden – des, der euch berufen hat von der Finsternis zu Seinem wunderbaren Licht.’ Vor allem steht aber: ‘Ihr seid das königliche Priestertum.’ Hier wird unterstrichen, dass es eigentlich um das Priestertum geht, und dieses Priestertum, wo es gelebt wird, macht uns zugleich königlich. Das Priestertum ist königlich. Das erste ist immer, dass Er uns zu Priestern macht. Und Priester, Priester Gottes, empfangen königliche Vollmachten. Immer die Priester empfangen königliche Vollmachten. Von daher die ganz dringende Frage: Was sind denn das für Leute, die Priester? Denn ihr wisst doch, dass das euer Beruf ist. Das möchte ich mir gern sagen lassen: Wie übt ihr diesen Beruf, Priester? Ich will es ganz schlicht so sagen: Priester sind Segensmittler. Die herrlichen Auswirkungen des Priesterdienstes In 3Mose 9 lesen wir dann, wie Aaron zum ersten Mal als der Hohepriester an der Seite des Mose ins Heiligtum hineingeht. Bis
7
dahin war ihm das noch nie möglich. Aber nun hat er die Weihe empfangen, und an der Seite des Mose schreitet er ins Heiligtum und dann auch ins Allerheiligste. Was da drin geschehen ist, wissen wir nicht. Das Heiligtum hat keine Fenster, wo man hineinschaut, auch kein Fenster, wo man hinausschaut. Da drinnen in der Abgeschlossenheit sind sie in der Gegenwart des lebendigen Gottes miteinander. Heiligtum, Stiftshütte, Tempel, das ist der Ort der Gegenwart Gottes. Wenn Gott dem Volk Seine Gegenwart schenkte, dann stand über diesem Heiligtum die Schechina, die Herrlichkeitswolke Gottes, Gegenwart Gottes; und dann verneigte sich alles zu Gott hin. Und hier tritt nun Aaron zum ersten Mal als ein geweihter Priester in die Gegenwart des lebendigen Gottes. Wir lesen (3Mose 9,22-24), wie er hineingeht, und wir lesen, wie er wieder herauskommt. Ehe Aaron hineingeht, geschieht es: ‘Er hob seine Hände auf zum Volk und segnete sie.’ Er tut das von dem erhöhten Brandopferaltar aus, der im Vorhof steht. Bevor er da hineingeht, segnet er das Volk ‘und stieg herab von diesem Brandopferaltar, nachdem er das Sündopfer, Brandopfer und Dankopfer dargebracht hatte. Und Mose und Aaron gingen in die Stiftshütte. Und als sie wieder herauskamen, segneten sie das Volk. Da erschien die Herrlichkeit des HERRN allem Volk, und ein Feuer ging aus von dem HERRN und verzehrte das Brandopfer und das Fett auf dem Altar. Da alles Volk das sah, frohlockten sie und fielen auf ihr Angesicht.’ Eine ungeheure Sache! Zweimal segnet Aaron. Er segnet, ehe er hineingeht, und er segnet, da er wieder herauskommt, also, da er von Gott herkommt. Er hat vor Gott gestanden und segnet nun zum zweiten Mal. Beim ersten Segnen tut sich gar nichts. Aber da er vor Gott gestanden hat und herauskommt aus dem Heiligtum, vor das Volk hintritt und nun abermals segnet, geschieht Ungeheures: Es fällt Feuer vom Himmel! Es offenbart sich Herrlichkeit Gottes draußen im Vorhof so mächtig und stark, dass das Volk niederfällt aufs Angesicht. Feuer fällt vom Himmel und entzündet das Brandopfer auf dem Altar.
8
So wird die Gegenwart Gottes in Seiner Gemeinde offenbar. Da der Hohepriester vor Gott gestanden hat und dann das Volk segnet, offenbart sich die Gegenwart und die Herrlichkeit des lebendigen Gottes in der Gemeinde. Das ist Vollmacht zu segnen! Priester haben Vollmacht zu segnen. Vollmacht zu segnen heißt, wenn sie segnen, wird Herrlichkeit Gottes mitten in der Gemeinde offenbar, mitten in dieser Welt offenbar. Vollmacht zu segnen, das heißt, Feuer Gottes kommt auf die Gemeinde. Das ist Vollmacht zu segnen. Wie das Feuer der Liebe Gottes in unsere Welt kommt Wir denken dabei an solch ein Wort, wie es der Herr Jesus gesagt hat (Lk 12,49): „Ich bin gekommen, ein Feuer anzuzünden auf Erden. Was wollte Ich lieber, als dass es schon brennte.” Wenn wir vom Feuer reden, dann verbindet sich damit immer und ganz wesentlich und besonders der Gedanke an die Liebe Gottes. Das Feuer der Liebe Gottes – von oben her entzündet! Das geht ja gar nicht durch menschliche Machenschaften. Aber über dem Segnen geschieht es, dass Gottes Liebe in die Gemeinde hinein bricht, ein heiliges Feuer – „was wollte ich lieber, als dass es schon brennte” – und es verbrennt menschlich, fleischlich Wesen. Und die sich dem Herrn geopfert haben, Geopferte, die sich Ihm hingegeben haben, Gott Geweihte, werden entzündet von der Liebe Gottes. Priester haben Vollmacht, zu segnen. Priester sind Segensmittler. Wesen und Wirkungen des Segens Segen – ein Wort, das auch wir oft gebrauchen. Wie viel wird gesegnet! In jedem Gottesdienst geschieht es am Ende, dass die Gemeinde noch den Segen empfängt, ehe sie nach Hause geht. Oder in unserer Zeit ist das Segnen fast schon zu einer Mode geworden. Viele sind immer unterwegs nach einem neuen Segen. Das ist krankhaft. Segnungen wirken auf weite Zeit, auf Jahre und Jahrzehnte. Und immer Neues, das ist nicht gut. Lasst das Alte wirken. Aber auf der anderen Seite ist es auch wiederum erfreulich, dass das uns neu lebendig geworden ist: Wir bedürfen der Segnungen Gottes! – und dass wir wissen: Segnen ist ein
9
Mitteilen. Was ist denn nun Segen? Vielleicht gehen wir getrost einmal aus vom Gegenteil, das ist der Fluch. Das Gegenteil des Segens ist Fluch – Einfluss von unten. Was ist denn Fluch? Davon brauchen wir nicht lange zu reden. Welt unter dem Fluch, davon erleben wir viel. Fluch heißt immer: Einfluss von unten her. Die Kräfte von unten sind immer zerstörende Kräfte. Die Kräfte von unten werden wirksam im Leben eines Menschen. Die Kräfte von unten werden wirksam in einer Familie, sie werden wirksam in einem Volk, werden wirksam in der Welt, und alle Kreatur muss seufzen. Welt unter Fluch! Es ist, als wenn alles dämonisiert sei. Das gewaltige Bild in der Offenbarung (9,1): Die Mächte des Verderbens, der Abgrund – abussojV – das ist die Finsterniswelt in der Tiefe, die Welt der Dämonen, eine verschlossene Welt. In der Endzeit wird dieser Schlund mit dem Schlüssel des Abgrundes geöffnet auf den Befehl Gottes hin und nun quellen die Mächte des Verderbens heraus in Gestalt der Heuschrecken, wie sie da geschildert werden. – Es sind ja alles Bilder in der Offenbarung. Die Offenbarung ist ein Bilderbuch. – Und sie überfluten die Welt – in der letzten Zeit eine dämonisierte Welt, Welt unter dem Machteinfluss von unten, unter der Herrschaft der Finsternis, die sich ausweitet, ausbreitet und nach allem greift und alles nach unten zieht. Wo Fluch ist, sind Kräfte am Werk, und die ziehen nach unten! Das Gegenteil von Fluch ist der Segen – Einfluss von oben. Segen ist Einfluss von oben her – aber jetzt ganz wörtlich: Es fließt – von Gott her. Menschen stehen unter dem Segenseinfluss Gottes. Im Leben der Menschen werden wirksam die Kräfte Gottes, die Kräfte des Lichtes sind, die Kräfte des Lebens aus Gott sind. Es sind die Kräfte der Wahrheit Gottes und der Reinheit Gottes. Es sind die wunderbar verwandelnden Kräfte der Liebe Gottes. Segen ist Einfluss von oben her, und die Kräfte des Segens verwandeln im Sinne Gottes zum Guten: Gesegnete Menschen, gesegnete Häuser, gesegnete Gemeinden, gesegnete Völker, am Ende eine gesegnete Welt. Gott will, dass die ganze Welt eine gesegnete Welt sei, alle Welt unter diesem Einfluss der Güte Gottes, des Lebens Gottes. 10
Gott Selber hat gesegnet. Er hat die Tiere, die Menschen gesegnet (1Mose 1,22.28). Gott der Schöpfer teilt mit aus Seiner Lebensfülle – Fruchtbarkeit sich zu mehren. Er sagt dem Menschen zusätzlich: „Herrschet!” – teilt also etwas mit von Seiner königlichen Macht, zu ordnen, alle die Dinge göttlich zu ordnen, Herrschaft im Sinne der Liebe zu üben, die alles heil macht und zurecht bringt. Jesus hat gesegnet. Jesus hat gesegnet – die Unmündigen, die Kleinen. Die Mütter brachten sie herzu. Die Jünger sagten: Was sollen die? „Wehrt ihnen nicht!” Und dann sehen wir ein liebliches Bild: Jesus – Er nimmt nun die Kleinen auf Seinen Schoß. Er nimmt sie den Müttern ab, die sie herzutragen. Dann heißt es: Er herzt sie. Er drückt sie ans Herz. Jesus hat ein Herz für die Kinder, und Er legt Seine Hand auf das Kinderköpfchen und segnet. Wie schön! Kinder – und durch die Hand Jesu fließen die Ströme des Lebens Gottes in das Leben dieses Kindes hinein. Und solche Segnung wirkt sich aus im Leben des Kindes. Jesus segnet. Das Segnen Jesu ist etwas ganz Wesentliches. Er segnet noch in dem Augenblick, da Er vor den Augen der Jünger auffährt gen Himmel. Das ist überhaupt das Letzte, was sie wahrnehmen (Lk 24,50-53). ‘Jesus führte Seine Jünger hinaus nach Betanien. Er hob die Hände auf.’ – Seht ihr’s jetzt: Jesus steht mit erhobenen Händen. – ‘Und Er segnete sie, die Jünger, und es geschah, indem Er sie segnete, schied Er von ihnen und fuhr auf gen Himmel.’ Wieder etwas ganz Wichtiges: Das Letzte, was die Jünger mit Jesus erleben, ist: Er hat uns gesegnet. Segnen mit erhobenen Händen und Handauflegung Übrigens, dass es uns einmal deutlich wird: Segnen mit erhobenen Händen, das haben wir uns doch nicht ausgedacht. Das tun wir, weil es der Herr Jesus getan hat. Und der Herr Jesus hat es getan, weil das schon immer geschehen ist, wo Gottesdienst geschah und die Priester segneten: Sie erhoben ihre Hände – auch wieder ein Zeichen des Mitteilens: Ihr empfangt jetzt. Wir teilen euch aus der Fülle Gottes eine Segnung mit. Darüber wäre viel zu sagen, ist aber nicht das Thema jetzt.
11
Oder im anderen Fall – die Hand, die sich auf das Kinderköpfchen legt – wieder ein äußeres Zeichen des Mitteilens. Ich weiß, dass man nicht unbedingt, wenn man segnet, die Hände erheben muss und dass nicht unbedingt die Hand sich auf den anderen legen muss. Ich kann auch mit der Hand in der Hosentasche segnen. Wenn ich durch die kalte Winterzeit gehe und friere und habe die Hände in den Hosentaschen und es kommen Leute vorbei, kann ich, indem ich vorübergehe, sie segnen. Da werde ich nicht die Hände erheben oder hingehen und sie ihnen auf den Kopf legen. Aber dass es uns nur immer bewusst gemacht wird, darum auch solche Symbole: die erhobene Hand – du empfängst. Empfang im Glauben! Die aufgelegte Hand: Ich teile dir mit, nimm es im Glauben! Segnen heißt immer, Kräfte Gottes im Leben anderer oder in dieser Welt wirksam machen. Wir teilen mit. Aus der Fülle Gottes teilen wir mit – eine unerhörte Sache! Gott hat gesegnet, Jesus hat gesegnet. Jetzt sind wir dran – mitten im Alltag. Wir haben eine priesterliche Berufung, das heißt, wir sind berufen zu segnen. Priester sind Segensmittler, also jetzt du! Ich habe nicht gesagt: der Pfarrer. Der auch! Sondern wer nur zu Jesus gehört, ist berufen zu segnen. (1Petr 3,9) ‘Vergeltet nicht Böses mit Bösem oder Scheltwort mit Scheltwort’ – wie du mir, so ich dir, wenn du laut bist, ich kann noch lauter –, ‘sondern dagegen segnet.’ Das ist also die Situation im Alltag, wie sie sich immer neu begibt: Dem, was dir vom Nächsten her an Ungutem begegnet, auch an Herausforderung, an Beleidigung, Kränkung, Demütigung, Verletzung, dem setze entgegen das Segnen im Namen Jesu Christi. ‘Dagegen segnet, weil ihr dazu berufen seid, dass ihr den Segen ererbt.’ Das heißt, euch sind die Quellen Gottes erschlossen. Ihr seid Kinder und Erben. Jetzt nimm und gib weiter und setz dem, was an Finsternis da ist und dir entgegen kommt, entgegenschlägt manche Tage, entgegen die Lichtkräfte Gottes. Du segnest. Du segnest gegen all das, was gegen dich brandet, mit den Lichtkräften Gottes. Vollmacht zu segnen mitten im Alltag heißt das. Das ist nicht nur eine Sache am Schluss des
12
Gottesdienstes, sondern was nun fort und fort geschieht, was sich fortsetzt in der Familie. Hausfrauen, Mütter, Ehefrauen Sie sind Priesterinnen Gottes, die Vollmacht haben zu segnen – was das ist! – die Vollmacht haben, Kräfte Gottes wirksam werden zu lassen hier in dieser Welt, in dieser Familie, in der Küche, unter den Kindern, an der Seite des Mannes über Seinem Dienst. Das sind Priester! Männer im Betrieb, die Vollmacht haben zu segnen – dort, wo ihr Arbeitsplatz ist und wo die Welt des Hasses ist oder des Zornes ist, der Unreinheit ist und der Lüste ist und der Begierden ist und der Habgier und des Geizes und der Selbstsucht, die Welt, wie sie ist! Und da hinein sendet Er Seine Priester: ‘Segnet! Ihr seid ja dazu berufen, den Segen zu erben.’ Es steht euch alles zur Verfügung und nun segnet hinein in diese Welt. Priester sind Menschen, die Vollmacht haben zu segnen mitten in dieser Welt des Zankes, des Streites, der Rechthaberei, der Unduldsamkeit, des Egoismus – dieser kalte Egoismus! Und da hinein segnen sie die Lichtkräfte Gottes, die Lebenskräfte Gottes, die Liebesmacht Gottes. Sie segnen in die Welt des Unfriedens hinein die Friedenskräfte Gottes. Sie empfangen und geben weiter, das heißt segnen. Frage so nur am Rande: Übst du deinen priesterlichen Beruf? Bist du Priester? Entweder dem Scheltwort setze ich Scheltwort entgegen, dem Egoismus das Festhalten; wo das Fleisch mir begegnet, der fleischliche Mensch, reagiere ich fleischlich. Oder bist du Priester? Dann wirken sich aus diese Friedenskräfte Gottes. Dann wirkt sich aus der Segen der Reinheit Gottes in einer unreinen Welt. Dann wirken sich aus die Segnungen Gottes, wo die Wellen hochgehen, dass sie sich glätten. Wo Sturm gleichsam wieder mal alles aufwühlt, dass der Sturm sich legt, ‘und es ward eine große Stille.’ (Mk 4,39) Wenn die Christen als Priester leben würden, was könnte geschehen! Ich frage mich nur: Wenn jeder Bruder – ich will jetzt gar nicht bloß so allgemein ‘Christ’ sagen, mal bisschen konkreter und enger gefasst – wenn jeder Bruder, wenn jede Schwester die 13
ihr von Gott verliehene Segensvollmacht, die priesterliche Vollmacht, üben wollte in der Welt, in der wir stehen, was würde geschehen! Was könnte da geschehen! Nicht mit schimpfen, wenn sie schimpfen, nicht drohen, wenn wir zu leiden haben, nein, wie Jesus (1Petr 2,20-23): ‘kein Betrug in Seinem Mund, keine Sünde getan, der nicht widerschalt, als Er gescholten wurde, der nicht drohte, als Er litt.’ Er gab das ab an Gott, der die richtige Entscheidung fällt, der das richtige Urteilsvermögen hat. Und segnen und segnen und segnen! Es ist etwas Wunderbares um diesen Segensauftrag. Vielleicht muss es uns erst einmal schmackhaft werden: Wir sind zu Priestern berufen, und über dem Segnen geschieht’s. Gott fängt an zu wirken und zu handeln. Das Segnen bricht Bahn den heilenden Kräften Gottes. Segnen! Wir haben freien Zugang zu Gott durch das Opfer Jesu Christi.
Einen Schritt weiter: Voraussetzung um in Vollmacht segnen zu können ist, dass wir einen freien Zugang zu Gott haben. Warum zu Gott? Weil Gott die Quelle aller Segnungen ist. Wenn der Herr Jesus gesegnet hat, so hat Ihn die eine Quelle gespeist: Gott. Das hat Er immer wieder bezeugt: „Das bin gar nicht Ich, das ist der Vater, von dem Ich es empfange, der durch Mich wirkt, der durch Mich handelt.” Die Quelle aller Segnungen ist Er, der hochheilige Gott, der Allmächtige und doch so Barmherzige. Gott ist die Quelle aller Segnungen. Du kannst also nur segnen als einer, der Zugang zu dieser Quelle hat, und das heißt auch, der Liebesumgang mit Gott hat. Ich habe jetzt nicht gesagt: Zugang zu Jesus. Es tut gut, dass wir anfangen, von Gott zu reden, der den Herrn Jesus gesandt hat und zu dem der Herr Jesus uns bringen will. Es geht um Gott! Dem Herrn Jesus geht es um Gott! Es geht um die Ehre Gottes! Dass ich es vorwegnehme: Der Herr Jesus hat uns mit Gott versöhnt, ausgesöhnt, und das heißt: Wie wartet Gott auf uns! Und dort in Gott ist die Quelle aller Segnungen, die den Herrn Jesus ein Leben lang gespeist hat. So sieht das aus, wenn einer aus Gott lebt: Jesus! Und jetzt du! In Vollmacht segnen ist nur möglich, wenn wir Zugang zu Gott haben. 14