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ch habe Neil Cole viel zu verdanken: Einen ganzheitlichen Lebensstil, ein klareres Bild, wie Jesus sich Gemeinde gedacht hat – und den Verlust eines regelmäßigen Pastorengehaltes. Neil fordert in Organisch leiten den so liebgewordenen Status Quo an vielen Stellen heraus und zeigt dabei einen Weg auf, wie wir Führung und Gemeinde weniger hierarchisch-institutionell, sondern vielmehr als gemeinsames Leben verstehen können. Ein einfacherer Weg von Führung; aber niemand sagt, dass er leicht wäre.
rganisch leiten wird Sie beunruhigen – aber was noch entscheidender ist, dieses Buch wird Sie herausfordern. Sie sollten es lesen, weil die Kirche dringend einiges an Unruhe und neuen Herausforderungen benötigt.
David Schäfer
eil Cole hat keine Angst, die Grundannahmen unter die Lupe zu nehmen, welche die Kirche lähmen können, besonders weil wir von Natur aus zu Zentralisierung, Institutionen, Modellen und verkalkten Haltungen neigen.
Gemeinde-, Firmen- und Novavox-Gründer
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s ist schon lange her, dass ich ein Buch zum Thema Führung gelesen habe, das mich derart bewegt, herausgefordert und mir neue Einblicke vermittelt hat und das weit über den typischen „Lies dieses Buch – hier erfährst du, wie es funktioniert!“-Ansatz hinausgeht. Neil Cole nimmt den Menschen, sein Lebensumfeld und das Wort Gottes und verbindet diese vollmächtig zu einem Leben der Leiterschaft. Bob Roberts Jr. Leitender Pastor der Northwood Church und Autor u. a. von Transformation und Glocalization
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ich hat Neil Cole mehr als angenehm überrascht. Neil schafft es, eng am Beispiel von Jesus Christus anzuleiten und vor allem zu ermutigen, das eigene Leitungsverständnis neu zu überdenken und ihm eine neue Richtung zu geben. Nach langer Durststrecke liegt mit Organisch leiten endlich wieder ein praktisch orientiertes und zeitgemäßes Buch über Leitung vor, das mir in meinem persönlichen Kontext Hilfe bietet und mich ermutigt. Vermutlich liegt es daran, dass sich Neil in Leitungsfragen klar am Beispiel der Leitungspersönlichkeit schlechthin orientiert: Jesus. Klaus Motoki Tonn Gründer und Leiter von SAIKU e. V. und Unternehmer
Ed Stetzer Forscher und Autor u. a. von Planting Missional Churches
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Dave Gibbons Autor von The Monkey and the Fish
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n Organisch leiten werden Sie Einblicke erhalten und Werkzeuge entdecken, die Ihnen und Ihrer Gemeinde helfen werden, Ihre Einflusssphäre im Reich Gottes zu erweitern. Bob Buford Gründer von Leadership Network und Autor u. a. von Halftime und Finishing Well
N eil C ole
Organisch leiten Wie natßrliche Leitung uns selbst, Gemeinden und die Welt verändert
NEUFELD VERLAG
Die Edition Novavox erscheint in Zusammenarbeit mit Novavox, dem Netzwerk fßr missionale Gemeindeinnovation – www.novavox.org
I nhalt
Aus dem Englischen von Florian Hoenisch, Taunusstein Die englische Originalausgabe erschien 2009 unter dem Titel Organic Leadership. Leading Naturally Right Where You Are bei Baker Books, Grand Rapids, Michigan/USA Š 2009 by Neil Cole
Verzeichnis der Abbildungen und Tabellen........................... ix Einleitung: Lebe das Abenteuer . ........................................... xi Danksagung .......................................................................... xxi EinfĂźhrung: Schlimmer als Versagen ..................................... 1 Erster Teil
Das verfälschte KÜnigreich – mehr Schein als Sein .... 15
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Die Deutsche Bibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet Ăźber www.d-nb.de abrufbar
NEUFELD VERLAG
Bibelzitate, sofern nicht anders angegeben, wurden der Ăœbersetzung Neues Leben entnommen. Neues Leben. Die BibelĂźbersetzung Š 2005 by SCM Hänssler im SCM-Verlag GmbH & Co. KG, D-71087 Holzgerlingen Umschlaggestaltung: spoon design, Olaf Johannson Umschlagbilder: Š ShutterStockÂŽ Lektorat: Tobias Giese, Wuppertal Satz: Neufeld Verlag, Schwarzenfeld Herstellung: Bercker Graphischer Betrieb GmbH & Co. KG, Kevelaer Š 2010 Neufeld Verlag Schwarzenfeld ISBN 978-3-937896-87-8, Bestell-Nummer 588 787 Nachdruck und Vervielfältigung, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Verlages www.neufeld-verlag.de
1. Institutionalisiert sein ..................................................... 19 2. Der Stoff, aus dem Sklaven sind . .................................... 37 3. Modernes Pharisäertum .................................................. 53 4. Immer noch im Mittelalter .............................................. 79 5. An die Befehlskette gebunden ......................................... 95 6. Das Leben durch defekte Linsen betrachten ................. 113 7. Parasiten im Leib Christi ............................................... 137 Zweiter Teil
Das gegensätzliche KÜnigreich ....................................... 155 8. Die geheime Quelle von Leitern .................................... 159 9. Organisch gewachsene Leiter ........................................ 175 10. Erfolg in der Leitung . .................................................... 189 Dritter Teil
Das auf den Kopf gestellte KĂśnigreich ........................... 211 11. „Oben“ ist jetzt „unten“ ................................................. 215 12. FĂźhren, folgen und zur Seite treten .............................. 225 13. Nach unten flexibel ........................................................ 237 14. Inkarnatorisch leiten ..................................................... 255
Vierter Teil
Seite an Seite im Königreich............................................. 269 15. Wissen ist nicht Macht .................................................. 271 16. Vom Geheimnis, Leiter zu leiten .................................. 289 17. Auftragen und polieren – eine Wachs(tums)strategie . .................................................. 305 18. Katalysatoren echter Veränderung ............................... 333 Fünfter Teil
Verbunden mit der Kraft des Königreiches ................ 355 19. Den Tod umarmen, als würde das Leben davon abhängen . ........................................................... 357 20. Jesus und Geld . ............................................................. 373 Schlussbemerkungen: Außergewöhnliche Helden ................. 391 Literaturverzeichnis ............................................................... 409 Stichwortverzeichnis ................................................................ 411 Bibelstellenverzeichnis ........................................................... 420 Zur Edition Novavox ............................................................... 424
V erzeichnis der A bbildungen und T abellen
Abb. 1: Die Befehlskette – die Pyramide der Macht ................ 98 Abb. 2: Flache Autoritätsverteilung im Reich Gottes .............. 99 Abb. 3: Die Rollen und entsprechender Einfluss christlicher Leiterschaft ............................................ 206 Abb. 4: Die Menschwerdung und Erhöhung Christi (Philipper 2,5–11) ....................................................... 252 Abb. 5: Natürliche Phasen organischer Leiterschafts-Reproduktion ...................................... 330 Abb. 6: Zeitintensives Training – zeitliche Balance bei mehreren Auszubildenden ................................... 331
Tab. 1: Die Strategie Satans ..................................................... 48 Tab. 2: Sieben Vergleiche des ersten und letzten Adams ........ 49 Tab. 3: Acht Gegensätze zwischen dem ersten und dem letzten Adam ................................................. 50 Tab. 4: Mentoring-Leitfaden ................................................. 303
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E inleitung
Lebe das Abenteuer Der Schlüssel zur Veränderung … besteht darin, die Angst loszulassen. Rosanne Cash
Veränderung ist die Grundlage allen Lebens. Sei bereit, aufzugeben, was du bist, um zu werden, was du sein kannst. Anonym
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as Königreich Rohan wird angegriffen. Eine Armee dunkler Gestalten ist eingefallen und tötet jeden, der sich ihr in den Weg stellt. Sie sind unterwegs nach Edoras, der Hauptstadt Rohans. Dort, in der goldenen Halle, sitzt König Theoden auf seinem Thron. Sein Befehl lautet: „Alle sollen sich zur Verteidigung von Helms Klamm (einer alten Stein-Festung, tief verborgen in einer hochgelegenen Schlucht) zurückziehen.“ Während die Dunkelheit heranrückt und jeder eilig umherläuft, können wir eine bemerkenswerte und sehr persönliche Szene im zweiten Teil der Herr-der-Ringe-Trilogie beobachten. Es ist ein ruhiger Moment, eine Atempause, während sich die Menschen auf den unausweichlichen Kampf mit den dunklen Mächten vorbereiten, die gerade heranziehen. xi
Eowyn, eine königliche Prinzessin, übt in dieser Szene den Kampf mit ihrem Schwert. Sie glaubt, alleine zu sein. Nur einige Diener sind im Raum, die für eine lange Reise packen. Anfangs hält sie das Schwert mit einem Gefühl von Ehrfurcht – eine Kriegerin mit Respekt vor ihrer Waffe. Beinahe liebkost sie es. Ein zartes Lächeln huscht über ihr Gesicht, als wenn sie gerade mit einem alten und sehr vertrauten Freund zu tanzen beginnt – dies tut sie dann auch. Sie tritt zurück, dann wieder nach vorne. Sie führt ihr Schwert mit Bedacht und Präzision. Jeder Stoß ist ein Schlag gegen unsichtbare Feinde, die sie umzingelt haben. Zuerst nach vorne – zwei Hiebe. Dann dreht sie sich und schwingt das Schwert machtvoll herum. Zu ihrer Überraschung trifft ihre Klinge auf eine andere. Plötzlich stoppt alles. Spannung erfüllt den Raum. Es ist Aragorns schmale Klinge, die Eowyns Tanz unterbricht. Überrascht darüber, dass sie beobachtet wurde und in ihrer Privatsphäre verletzt, mischt sich Eowyns Verlegenheit mit Zorn. „Ihr seid geschickt mit dem Schwert“, bemerkt Aragorn und versucht auf diese Weise ihre Verlegenheit zu zerstreuen. Stattdessen jedoch wächst ihre Wut. Sie fühlt sich verspottet, ja schlimmer noch – bevormundet. Eowyn ist keine Frau, die zurückweicht. Mit feurigen Augen schwingt sie das Schwert, in einer Geschwindigkeit und Kraft, die man ihr aufgrund ihrer schmalen Gestalt nicht zutrauen würde. Druckvoll schiebt sie Aragorns Klinge zur Seite. Plötzlich findet sich die Spitze ihrer Klinge direkt an seinem Gesicht, so als wolle sie damit „Schachmatt“ sagen. Ohne zu zögern, wird sie ihr Werk vollenden. Aragorn senkt seinen Dolch und ergibt sich der mächtigeren Waffe. Als Kampf kann man das nicht bezeichnen. „Die Frauen Rohans haben gelernt, dass jene ohne Schwerter trotzdem durch ein Schwert sterben können“, erklärt sie. Die Heldin in ihr ist jedoch nicht bereit, irgend etwas zu entschuldigen. Sie legt ihr Schwert wieder zurück an seinen Platz xii
und fügt fast schon nüchtern hinzu: „Ich fürchte weder Tod noch Schmerz.“ Fasziniert von dieser starken und wunderschönen Frau, sieht sich Aragorn gezwungen zu fragen: „Was fürchtet ihr dann, Herrin?“ So mutig sie auch ist, in ihr lebt eine Furcht, die sie nicht verleugnen und der sie auch nicht entrinnen kann. Sie kennt sie ganz genau. Immer noch fällt es ihr schwer zu antworten, denn allein schon darüber zu sprechen, macht sie verwundbar. Dennoch steht die Frage im Raum und sie zieht sich vor nichts und niemandem zurück. Auch wenn sie sich fürchtet, so ist sie doch mutig und antwortet: „Einen Käfig. Hinter Gittern zu bleiben, bis Gewohnheit und hohes Alter sich damit abfinden. Und alle Aussichten, große Taten zu vollbringen, unwiderruflich dahin sind.“ Die wahre Eowyn war ihr bisheriges Leben lang übersehen worden, schwach und schutzbedürftig zur Seite geschoben. In ihr lebt jedoch eine Kriegerin, auch wenn sie im gesamten Königreich die einzige zu sein scheint, die sich dessen bewusst ist. Es wird von ihr erwartet, Seidenkleider zu tragen, hübsch auszusehen und bei Hofe zu sitzen. In Wahrheit jedoch ist diese Prinzessin eine edle Kriegerin, die sehr bald einen der gefürchtetsten und mächtigsten Feinde der gesamten Welt besiegen wird. Ihr Mut wird deutlich zeigen, dass sie nicht nur ein hübsches Mädchen ist. Ebenso wenig ist sie ein verletzlicher kleiner Vogel, der auf einem Thron hockt. Hinter ihrer Schönheit verbirgt sich eine entschlossene Kriegerin, die so voller Eifer für die Sache ihres Königreiches kämpft, dass sie für dessen Schutz sogar den Tod riskieren würde. Im Laufe der Geschehnisse in dieser epischen Sage werden alle erkennen, dass man sie nicht ignorieren kann. Aragorn hört ihr zu und antwortet dann anders, als sie erwartet hätte. Während er zuhört, legt sich seine Stirn langsam in Falten. Er ist voller Mitgefühl für diese Kriegerin, die gefangen ist im Körper einer Adligen. Er kennt selbst das Gefühl, verurteilt und geächtet zu sein. Zwischen ihnen entsteht eine seltsame unsichtbare Verbindung. Er ist ein Adliger, verborgen hinter xiii
einem Krieger. Sie ist eine Kriegerin, verborgen hinter einer Adligen. „Ihr seid eine Tochter von Königen“, erinnert er sie, „eine Schildmaid Rohans“. Ihr Gesicht hellt sich auf, denn sie erahnt, dass er den Mut in ihr erkennt, den andere übersehen haben. In weiser Entschlossenheit fährt er fort und sagt: „Ich denke nicht, dass dies euer Schicksal sein wird.“ Vielleicht spürt sie zum ersten Mal in ihrem Leben so etwas wie Annahme. In ihren Augen schimmert Hoffnung, als wollte sie sagen: Kann es sein, dass es jemanden außer mir gibt, der erkennt, wer ich wirklich bin? Aragorn verbeugt sich leicht, dreht sich um, geht und lässt sie leicht errötet, jedoch voller Hoffnung und innerer Stärke, alleine zurück. Soeben hat Eowyn erfahren, was jeder Mensch erlebt, dessen wahres Ich offengelegt und dann akzeptiert, ja sogar bewundert wird. Man spürt ein tiefes Gefühl der Erleichterung und Befreiung. Wenn ein anderer Mensch unsere wahre Würde erkennt, fühlen wir uns bevollmächtigt. Wenn wir nur ein solches Herz wie Eowyn hätten, ein mutiges Herz, das sich mit nichts weniger zufrieden gibt als der Königswürde, die uns in Christus verliehen wurde! Wir sollten die gleiche Furcht haben wie sie: dass wir unser Leben leben und dabei keinen Unterschied in dieser Welt machen, dass wir als Gefangene auf Lebenszeit ein sicheres, aber bedeutungsloses Leben leben. Viele Menschen im Reich Gottes fühlen sich wie Kämpfer, die hinter einer Fassade von Normalität, Erwartungen und Gewohnheiten gefangen sind. Ihre innere Würde und ihr Mut liegen tief verborgen und warten darauf, im richtigen Augenblick entfesselt zu werden. Beides ist unter dem Mantel des Alltags verborgen. Vielleicht sind Sie solch ein Mensch und brauchen die gleiche Erinnerung wie Eowyn: Sie sind ein Sohn oder eine Tochter des xiv
Königs! Ihre Bestimmung, Ihr Schicksal bedeutet so viel mehr als nur das Normale. Vielleicht leben Sie Ihr Leben im Anzug oder in Arbeitsmontur oder in einer Schürze mit zwei Säuglingen auf Ihrem Schoß. Dennoch sind Sie adlig – ein Miterbe in Christus. Vergessen Sie niemals, wer Sie wirklich sind und wozu Sie bestimmt sind. Egal wie Sie Ihr alltägliches Leben bestreiten, vergessen Sie niemals die Identität, die Christus in Sie hineingelegt hat und für die er einen hohen Preis bezahlt hat. Furcht und Mut
Eowyn war mutig. Aber sie war nicht furchtlos. Wir gehen vielleicht davon aus, Mut und Furcht seien zwei Gegensätze, die man niemals gemeinsam antrifft, aber das ist falsch. Beide Eigenschaften können ohne weiteres nebeneinander existieren. Es ist zwar möglich, Furcht ohne Mut zu empfinden, Mut findet man jedoch immer gemeinsam mit der Furcht. Mut ohne Furcht bedeutet Unwissenheit oder Dummheit oder auch beides. Der Kern von Mut besteht darin, sich das Risiko bewusst zu machen, aber dennoch mutig voranzugehen und sich der Angst nicht zu beugen. Mut bedeutet nicht die Abwesenheit von Furcht; er bedeutet, die Furcht zu beherrschen. Glaube erfordert, dass wir Risiken eingehen. Also erfordert der Glaube Mut im Angesicht von Furcht. Je größer das Risiko ist, das wir eingehen, desto größer wird auch unsere Furcht sein. Wenn wir aber unsere Furcht beherrschen, gewinnen wir auch großen Glauben. Sie brauchen sich nicht für Ihre Angst zu schämen, sonst werden Sie immer wieder versucht sein, Ihre Existenz zu verleugnen. Sich etwas vorzumachen, bedeutet nicht mutig zu sein. Den wahren Pfad des Glaubens zu gehen, bedeutet die Furcht wie einen Frosch im Hals herunter zu schlucken, voller Mut voran zu gehen und sich an Gott zu klammern, der mit Ihnen geht. Wir leben in einer Zeit, in der es für das Volk Gottes von entscheidender Bedeutung ist, mutig zu sein. Dies ist ein Tag der Entscheidung, an dem wir aufgerufen sind, unseren größten xv
Ängsten gegenüber zu treten und im Glauben Schritte nach vorne zu gehen. Über dieses Buch
Dieses Buch ist eine Weiterführung meines Buches Organische Gemeinde. Nach der Veröffentlichung meldeten sich einige Leser zu Wort und sagten, es hätte viele Fragen aufgewühlt, aber nicht ausreichende Antworten geliefert. Daher möchte ich an dieser Stelle damit anfangen, einige dieser Fragen zu beantworten. Auch dieses Buch wird nicht reichen, was allerdings nicht daran liegt, dass ich die Themen nicht ausreichend durchdacht hätte. In ein einzelnes Buch passt einfach nur eine bestimmte Menge an Gedanken. Ich hoffe, dass das vorliegende Buch sowohl Fragen beantwortet, andererseits aber auch wieder Appetit auf künftige Werke weckt. Diesem Buch werden zwei weitere folgen, in denen ich den Konzepten von Leitung und deren Bedeutung für organische Gemeinde-Bewegungen Form und Farbe verleihen möchte. Dieses Buch ist also der Beginn eines Gespräches und nicht dessen Abschluss. Organische Gemeinde umreißt die Vision eines neuen Ausdrucks von Gottes Volk in dieser Welt – gesunde, ganzheitliche und geistliche Familien, die sich auf natürliche Art und Weise multiplizieren. Eine organische Gemeinde ist eine dynamische geistliche Familie, die einen gemeinsamen Auftrag lebt. Solche Gemeinden entstehen, wenn veränderte Menschen sich an Orten treffen, wo der Same ursprünglich ausgestreut wurde. Sie multiplizieren sich ganz natürlich und wesentlich einfacher als traditionelle Gemeinden – aufgrund ihrer schlichten Struktur. Die hingegebenen Nachfolger in organischen Gemeinden, die in der Lage sind, sich zu multiplizieren, bilden sowohl für organische Gemeinden als auch für organische Leitung die eigentliche Grundlage. Ich habe aus diesem Grund Search & Rescue geschrieben, bevor ich dieses Buch über organische Leitung in Angriff genommen habe. Im erwähnten Buch versuche ich die Vorstellungskraft von gewöhnlichen Christus-Nachfolgern anzuxvi
fachen und sie herauszufordern, ihr Leben als Helden zu leben und bereit zu sein, für das Reich Gottes Opfer zu bringen. Im vorliegenden Buch möchte ich auf der Grundlage aufbauen, die ich in den vorangegangenen Büchern gelegt habe. Es geht darum, wie gesund wachsende Jünger auf natürliche Art und Weise in ihrem persönlichen Umfeld zu Leitern werden können. Einfach ausgedrückt, ist dies die Grundlage, worum es bei organischer Führung geht. In Organische Gemeinde und Organisch leiten kommt meine Überzeugung zum Ausdruck, dass das Reich Gottes beziehungsorientiert, geistlich und natürlich ist – ohne all den künstlichen Kram, den wir heutzutage einsetzen, um unsere Dienste aufzuwerten. Damit so etwas umgesetzt werden kann, müssen Menschen nicht notwendigerweise vollzeitlich in der Gemeinde arbeiten. Wenn Gemeinde und ihre Leitung natürlich und organisch sind, wird sich beides, sowohl die Gemeinde als auch die Leiter, spontan vervielfältigen. Das Ergebnis werden multiplikative Bewegungen sein. In diesem Buch hinterfrage ich viele der Vorstellungen über Führung und Gemeindeleben, die wir bisher als selbstverständlich betrachtet haben. Vieles davon sind falsche Vorstellungen, die wir weiterhin am Leben erhalten, aber niemals im Licht der Bibel bewertet haben. Es werden Vorstellungen angesprochen, die unser Denken über das Reich Gottes verderben. Beispielsweise geht es um unsere Tendenz, Gemeinde als religiöse Institution mit einer hierarchischen Organisationsstruktur zu begreifen. Auch wird es um die Versuchungen gehen, Leiterschaft ihrer gesunden Fruchtbarkeit zu berauben. Dies kann dazu führen, dass Leiter letztlich dem Reich Gottes sogar schaden. Außerdem wird es auch um einige der Methoden gehen, wie wir Menschen mit Hilfe manipulativer Techniken verpflichten, nach einem religiösen Verhaltenskodex zu leben. In all diesen Beispielen wird deutlich werden, dass geistlich zu sein oft eher als etwas gesehen wird, das uns von außen auferlegt wird, als dass es aus dem Herzen heraus wachsen und sich entfalten darf. In jedem Fall ist die Leiterschaft der Kern, welcher alle falschen Anschauunxvii
gen von geistlichem Leben und Entwicklung aufrecht erhält. Im ersten Teil dieses Buches werden deshalb viele dieser Faktoren, die einer organischen und wachsenden Entwicklung echter und natürlicher Leitung im Wege stehen, ehrlich und direkt angesprochen. Im zweiten Teil geht es darum, wie gesunde Leitung natürlich von innen nach außen wachsen kann. Wir werden entdecken, wie ein wahrer Leiter geformt wird und sein bzw. ihr Erfolg messbar wird. Im dritten Teil des Buches werden wir einige gesunde biblische Prinzipien über Leiter genauer unter die Lupe nehmen, um zu lernen, wie Leiter organisch wachsen, demütig dienen und dennoch vollmächtig in ihrer Rolle als Leiter handeln können. Wir werden zu der Erkenntnis gelangen, dass das Reich Gottes eine Kontrastkultur ist. Es ist im Grunde genau das Gegenteil dessen, was wir erwarten. Vor diesem Hintergrund werden wir sehen, wie Leiter aus persönlicher Zerbrochenheit heraus viel Frucht bringen können und zukünftige Generationen beeinflussen werden. In diesem Sinne unterscheiden sich Leiter nicht von anderen Christen. Ein Leben mit Christus im Mittelpunkt ist der Schlüssel, um mit seinem Leben einen Unterschied zu machen. Der vierte Teil des Buches zeigt praktische Schritte in einer Leiterschaftsentwicklung auf der Grundlage der vorherigen Teile. Diese Rezepte für hausgemachte Leiter sind sowohl praktisch als auch einfach. Im fünften Teil des Buches geht es um Ressourcen für das Leben, das Wachstum und die Gesundheit von Leitern und Gemeinden. Ich werde das Buch mit einigen Beispielen von Leitern beenden, die exemplarisch für die vorgestellten Konzepte in diesem Buch stehen. Dies sind wahre Geschichten realer Menschen, die mitten in der schweren Dunkelheit unseres Landes leuchtende geistliche Gemeinschaften gestalten. Dieses Buch wird uns in mancher Hinsicht bis an die Schmerzgrenze führen. Es geht um Leitung, und Leiter gehen xviii
voran – oft in noch unbekanntes Land, und dort ist es vielleicht ungemütlich. Wir werden immer herausgefordert sein, über das Gewohnte hinauszugehen. Dies ist möglicherweise unbequem und wird Ängste hervorrufen. Das Entscheidende ist dabei nicht, ob wir diese Furcht spüren, sondern ob wir der Furcht erlauben, uns zu dominieren. Ich möchte Sie ermutigen, aus dem Käfig der Angst auszubrechen, die Gitterstäbe nicht mehr länger zu akzeptieren, die uns darauf begrenzen, was bisher war. Beginnen wir neu mit einem Leben der Tapferkeit. Es ist nicht zu spät, als der Krieger zu leben, zu dem wir berufen wurden. Lasst uns gemäß der Würde leben, die in jedem von uns steckt.
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D ANKSAGUNG
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ie ehrwürdigste Beschreibung, was es für einen Menschen bedeutet, Leiter im Reich Gottes zu sein, ist die Rolle des Vaters. Heutzutage kann jeder ohne viel Aufwand für sich diesen Titel beanspruchen, ob im wörtlichen oder im symbolischen Sinn. Nicht viele werden aber der Typ Vater, den die Bibel als göttlichen Vater beschreibt – den Vater, von dem wir alle tief in uns spüren, das wir ihn dringend brauchen. Diesen Titel hat Gott für sich selbst gewählt und er sollte deshalb in Ehren gehalten werden. Ich möchte also an erster Stelle meinem himmlischen Vater danken, dass er mich in dieser Welt nicht alleine lässt. Zweitens möchte ich den großartigen Mentoren in meinem Leben danken, die mich lehrten, ein Mann Gottes und Vater für andere zu sein – im wörtlichen wie auch geistlichen Sinne. Von ihnen habe ich Leitung gelernt. Auch wenn sich im Laufe der Jahre unsere Wege getrennt haben, soll jeder von ihnen wissen, dass sie nicht vergessen sind und dass ihre Investition in mich nicht umsonst war. Mein tief empfundener Dank geht an: • Lance Stowe, der Potenzial in mir erkannte, als dies noch kein anderer tat. Er nahm sich als erster Zeit, mir zuzuhören, und forderte mich heraus, meine Träume zu verwirklichen. • Randy Creswell, der für mich ein großartiges Vorbild eines Mannes war, der Gott mit absoluter Unbekümmertheit bis an die Enden der Erde nachfolgte. • Jay Bell, der mir ein Herz für die Nationen der Erde vermittelte. • Dr. David Allen Black, der mir eine Liebe für und den Glauben an das Wort Gottes weitergab. xxi
• Dr. Robert Logan, der mir Türen öffnete und mich darin unterstützte, viele der Konzepte, die ich gelernt habe, zu verfeinern und zu veröffentlichen. • Tom Julien, der mir zeigte, wie man ein geduldiger und gnädiger Berater sein kann. • Ralph Moore, der mir immer wieder das Gefühl gab, selbst aus der Entfernung einer seiner Männer zu sein. Er zeigte mir, wie man leitet, indem man gibt.
E INFÜHRUNG
Schlimmer als Versagen
• George Patterson, der mich die Weisheit von Gemeindemultiplikation lehrte, die er auf anderen Kontinenten gelernt hatte. Er half mir dabei, diese auf die westliche Welt zu übertragen.
Kein Mensch wird ein großer Leiter, wenn er alles alleine machen möchte ... oder sämtliches Lob für sein Tun für sich in Anspruch nimmt.
• Dr. Thom Wolf, der mir die Wahrheiten der Bibel aufschloss, die meinen Dienst geformt haben und nun überall auf der Welt vervielfältigt werden.
Andrew Carnegie
Hör auf, dich zu verändern, und du bist am Ende.
• Ray Walker, der mir vorlebte, ein wahrer Mann, Ehemann und Vater zu sein. Ray, ich vermisse dich. Drittens möchte ich einige Brüder nennen, mit denen ich im Laufe der Jahre unterwegs war. Gemeinsam haben wir die Prinzipien, die man auf diesen Seiten findet, gelernt und gelebt. Ich stehe tief in eurer Schuld: • Phil Helfer, Chris Suitt, Ed Waken, Paul Kaak und Dezi Baker. Ihr seid mir wie Brüder und jeder von euch hat mir in schwierigen Zeiten den Rücken gestärkt. • Alan Hirsch, Wolf Simson und Tony und Felicity Dale, die aus allen Ecken der Welt hervorkamen, damit wir in diesen besonderen Zeiten miteinander lernen. Viertens habe ich mein Bestes gegeben, selbst ein guter Vater zu sein, denn Gott hat mir großartige Kinder geschenkt: Heather, Erin und Zachary. Und zum Schluss möchte ich meinen Dank an Dana richten, meine Partnerin, Geliebte und Begleiterin.
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Benjamin Franklin
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en Namen William Winder haben die meisten Amerikaner niemals gehört. Es wird kein Lied über ihn gesungen und seine Statue findet man auch in keinem Park. Keine öffentliche Schule oder Straße wurde nach ihm benannt. Er wurde einfach vergessen. Wir sollten uns jedoch an ihn erinnern. Winder war amerikanischer Brigadegeneral während des Krieges von 1812. Er hatte während eines Angriffs einen 4:1-Vorteil und schaffte es dennoch, die Schlacht zu verlieren und gefangen genommen zu werden. Die Briten entschieden damals in einem Geniestreich, dass ihnen dieser unfähige Leiter als freier Mann mehr von Nutzen sein würde denn als Gefangener. Sie ließen ihn frei. Dreizehn Monate später schlossen die Briten bei brütender Hitze die Amerikaner vor Washington D. C. ein und eroberten 1
die Hauptstadt. Sogar das Kapitol war von Feinden besetzt und statt der amerikanischen Flagge wehte dort der britische Union Jack. Eine unscheinbare Fußnote in unseren Geschichtsbüchern besagt, dass General William Winder damals für die Verteidigung der Hauptstadt verantwortlich war. Nach Kriegsende versuchten manche, Winder vor ein Kriegsgericht zu bringen. Sein einziges wirkliches Verbrechen jedoch war seine schwache Leitung, was vor Gericht schwierig zu beweisen gewesen wäre. Also entkam er wieder einmal der Gefangenschaft aufgrund seiner törichten Unfähigkeit. Winder hatte alle richtigen Motive. Er wollte in Zeiten der Not seinem Land dienen. Er war ein ausgebildeter Mann mit hohen Auszeichnungen der Universität von Pennsylvania. Sein Onkel, der während des Revolutionskrieges vorbildlich gedient hatte, war Gouverneur von Maryland. Alle glaubten, Winder würde ihm als erfolgreicher militärischer Führer folgen, was er jedoch nicht tat. Ich bin versucht, dies als Versagen zu bezeichnen. Doch trifft es dies nicht richtig. Was er getan hatte, war wesentlich schlimmer, als nur zu versagen. Er wurde vielmehr zu einem Glücksgriff für den Feind, als dass er der eigenen Sache gedient hätte. Ich vermute, manche Schicksale sind schlimmer als Versagen. Wir können heute unglücklicherweise genau das gleiche Phänomen im Leben christlicher Leiter erkennen. Viele von ihnen meinen es gut. Ich befürchte aber, sie schaden der Sache Christi weit mehr, als sie ihr nutzen. Sie denken natürlich nicht so. Sie sind sogar fest davon überzeugt, die gute Sache zu verteidigen. In Wahrheit jedoch helfen sie dem Feind, der sie deshalb auch niemals aus dem Spiel herausnehmen wird. Für seine Zwecke sind sie ihm viel zu dienlich. Sollen wir den negativen Einfluss von Leitern ignorieren, einfach weil sie nette Typen mit guten Motiven sind? Dies wäre nicht sehr liebevoll. Schlechte Leiter mit guten Absichten sind immer noch schlechte Leiter. Wenn diese Leiter wirklich hilfreich sein wollen, müssen wir ihnen in Liebe die Wahrheit sagen. 2
Wenn der Kaiser keine Kleider trägt, dann lasst uns diese Farce nicht fortsetzen. Ich möchte an dieser Stelle nicht gemein oder boshaft klingen. Um jeglichem Missverständnis vorzubeugen: Es geht hier um die Liebe. Leiter, die heute Schaden verursachen, können in Zukunft hilfreiche Leiter werden. Dies ist aber nur dann möglich, wenn ihnen die Wahrheit in Liebe gesagt wird. Ich bin überzeugt, die Helden von morgen sind heute in Lügen gebunden. Ich möchte alles, was in meiner Macht steht, tun, diese Gefangenen befreit zu sehen. Der Flaschenhals im Werk Gottes
Vor einigen Jahren nahmen mein Kollege und ich an einer Konsultation mit einem Workshop über Führung von Bob Logan teil. Bob ist ein guter Freund von mir und Co-Autor von zwei Büchern: Raising Leaders for the Harvest und Beyond Church Planting. Bob ging in diesem Workshop unser neuestes Material zur Entwicklung von Leitern für die Ernte durch, wobei diese Leiter aus der Ernte selbst erwachsen. Das Treffen fand nicht weit entfernt von der Zentrale meiner Denomination statt. Deshalb luden wir einige andere Leiter ein, mitzufahren, um Bob zuzuhören. Einer dieser Leiter, die uns begleiteten, war Roger, den ich bisher noch nicht persönlich kennengelernt hatte. Roger ist ein großer Mann, hager und sehr intelligent. Er kam aufgrund des starken Verkehrs auf einer der Landstraßen Indianas ein wenig zu spät, setzte sich dann neben mich und öffnete seine Bibel – ein griechisches Neues Testament. Bob erläuterte anfangs, dass Pastoren häufig der Flaschenhals im Dienst unserer Gemeinden seien. Er brachte einige Beispiele dafür, wie Pastoren gewöhnliche Christen davon abhalten, im Reich Gottes gebraucht zu werden. Anschließend zeigte er Wege auf, dieses Problem zu lösen. Roger bekam diesen Teil jedoch nie zu hören. Er hörte nur diesen einen Satz: „Pastoren sind der Flaschenhals im Dienst der Gemeinde.“ 3
Nach der Hälfte des Vortrages beugte er sich zu mir herüber. In der Annahme, wir wären alle genauso empört wie er, flüsterte er mir mit Verachtung in der Stimme zu: „Verstehst du eigentlich, wovon dieser Typ da redet?“ Ich hatte das meiste Material, das Bob benutzte, mit ihm gemeinsam entwickelt und antwortete Roger deshalb: „Ja, das tue ich.“ Und beließ es dabei. Diese kurze Antwort machte Roger richtig wütend. Erst einige Jahre später erfuhr ich die ganze Geschichte. Roger hatte nach der Nachmittagsveranstaltung genug gehört. Er verließ den Workshop und kehrte zurück in sein Quartier, seine Gedanken rotierten allerdings weiter. Dieser Typ hat Nerven! Wie kann er nur so etwas behaupten? Wie kann ich, ein ausgebildeter Pastor, ein Problem und nicht die Lösung für die Gemeinde sein? Während er mit diesen Vorstellungen rang, stellte er sich folgende Frage: Bin ich vielleicht tatsächlich ein Flaschenhals gewesen, der das Volk Gottes zurückgehalten hat? Auch wenn Roger durch Bobs Anmerkungen und deren Folgen zuerst empört war, so wollte er doch mehr als alles andere das Herz Gottes in seinem Dienst widerspiegeln. In dieser Nacht schlief er nur sehr wenig und rang mit Gott. Seine Leidenschaft für die Wahrheit ließ sich nicht mit einfachen Antworten oder Klischees abspeisen. Schließlich gab er auf. Für Roger war dies eine Nacht der Abrechnung, aber auch eine Nacht der Buße, Versöhnung und Wiederherstellung. Er musste am Ende zugeben, dass er der Sache des Feindes manchmal mehr gedient hatte, als der des Herrn. So bekannte er seine Schuld. Er wollte nicht mehr länger der Flaschenhals für das Wirken Gottes sein. Am nächsten Tag erschien er wieder zum Workshop und erzählte uns von seiner Nacht. Er fuhr als veränderter Mann nach Hause. Im Grunde war er diesen weiten Weg nur gefahren, um diesen einen Satz zu hören: Pastoren sind der Flaschenhals im Dienst der Gemeinde. Für Roger war der Workshop wesentlich mehr wert als die Anmeldegebühr. 4
Ich kenne Roger jetzt nun schon mehr als ein Jahrzehnt, aber den Mann, den ich in diesem Workshop getroffen hatte, habe ich seitdem nie mehr wiedergesehen. Der Mann, den ich kenne, liebe und wertschätze, ist der neue Roger. Roger ist nun ein demütiger Mann, der andere so weit bevollmächtigt, dass er sogar sein Pastorenamt viel früher als nötig einem jüngeren Mann übergab, weil er nie mehr ein Flaschenhals für den Dienst anderer sein wollte. Geistlich stagnierende Leiterschaft
Manche Leiter stecken weit mehr, als wir bereit sind zuzugeben, in geistlicher Stagnation und wachsen nicht weiter. Sie wurden ausgebildet und darauf vorbereitet, für das Wachstum anderer Menschen verantwortlich zu sein, und haben ihr Leben lang den Nöten anderer Menschen gedient, statt selbst weiter zu wachsen. J. Robert Clinton untersuchte das Leben von über 1 000 christlichen Leitern. Er entdeckte, was Gott im Leben von Leitern tut, die ihren Dienst zu einem guten Ende geführt haben. Ich werde in einem späteren Kapitel einige seiner Beobachtungen näher erläutern. Clinton zufolge erleben Leiter in ihrer Entwicklung entweder Wachstum oder Stagnation. Ein stagnierender Leiter lebt in geistlichem Stillstand. Er meint, er müsse nichts mehr lernen. Dieser Leiter gibt alles, um seinen Dienst aufrechtzuerhalten, den er oder sie begonnen hat, wächst aber persönlich in seiner Leitung nicht mehr weiter. Terry Walling, ein enger Vertrauter Robert Clintons, entwickelte eine Liste von Charaktereigenschaften eines geistlich stagnierenden Leiters. Die folgenden zehn Merkmale stammen aus dieser Liste und ich habe meine eigenen Gedanken hinzugefügt. 1. Ein geistlich stagnierender Leiter vermeidet persönliche Rechenschaftsbeziehungen. Diese Leiter haben sich von tiefen persönlichen Beziehungen zurückgezogen und sind niemandem gegenüber verantwortlich. Das Christentum hat häufig eine solche Form der Abgren5
zung unterstützt und sogar versucht, diese als biblisch zu rechtfertigen. Für die Gemeinde, die Welt und insbesondere den Leiter selbst war dies ein enormer Nachteil. Wenn ich sage, dass es notwendig ist, ehrlich und transparent zu sein und einander Sünden zu bekennen, bestreiten manche Menschen, dass dies auch für Leiter gilt. Die Bibel ist an dieser Stelle jedoch eindeutig. Leiter sollen als Vorbilder ehrlicher Transparenz leben, damit andere ihnen folgen können (siehe 1. Petrus 5,2–4; 2. Timotheus 2,20–26; Jakobus 5,16; 1. Johannes 1,5–10). Geistliche Leiter sollen nicht nur transparent und ehrlich leben, sondern auch zugänglich und verantwortlich sein, damit sie andere in ein gesundes und geistliches Leben führen können. Stattdessen leben viele Leiter unter dem Druck, perfekt sein zu müssen, und verstecken ihr Versagen hinter verschlossenen Türen und lächelnden Masken. Folglich glaubt die Welt nicht mehr, dass unsere Botschaft wahr ist, denn sie riecht versteckte Geheimnisse und deckt diese Scheinheiligkeit mit Vorliebe auf. Wenn Leiter diese Masken abnehmen und zu zugänglicheren Menschen werden, wird die Welt den Elan verlieren, Gemeindeleitungen anzugreifen. Dadurch würde ein großes Hindernis beseitigt, das Menschen davon abhält, unsere Botschaft zu respektieren. 2. Ein geistlich stagnierender Leiter wendet die Wahrheiten der Bibel selten auf sich persönlich an. Viele christliche Leiter haben eine Ausbildung genossen, wurden Bibelexperten und sind überzeugt, nichts mehr lernen zu müssen. Diese Leiter lesen die Bibel nicht mehr als Spiegel für ihr persönliches Leben, sondern wenden sie nur noch auf die Probleme anderer an. Sie lesen die Bibel, um Antworten auf Themen anderer zu finden, statt ihre eigenen Nöte vor Augen zu haben. 3. Ein geistlich stagnierender Leiter hat Freude, Frieden und Liebe durch Neid und Missgunst ersetzt. Gottesfurcht kann man nicht einfach machen, indem man sein Verhalten an die 6
Vorstellungen Jesu anpasst. Die Frucht des Geistes Gottes sollte in jedem Lebensbereich erkennbar sein. Im Alltagsleben wird unser erlöster Charakter sichtbar und nicht aufgrund der Werke, die wir uns zwingen zu vollbringen, um damit unser religiöses Verhalten zur Schau zu stellen. Wo der Geist Gottes nicht die Herrschaft hat, wird keine Frucht erkennbar sein. Auch noch so harte Arbeit wird dies nicht ausgleichen können. Leiter, die in ihrem eigenen Streben nach Gott nicht länger wachsen, können keine Frucht des Geistes ausstrahlen und zeigen stattdessen häufig nur eine säuerliche religiöse Haltung. Es ist erstaunlich, wie schnell diese hässlichen Gedankengänge zur Norm werden, wenn nur genügend Leiter sie übernehmen. Statt Träger der Liebe und Vergebung Jesu in der Welt zu sein, meinen viele Leiter, sie hätten das Recht (wenn nicht sogar die Pflicht), andere zu beurteilen und zu kritisieren. 4. Ein geistlich stagnierender Leiter schaut sich öfters an anderen Orten nach grüneren Weiden um. Häufig geben christliche Leiter ihrer Gemeinde oder Organisation die Schuld für den Mangel an Frucht in ihrem Dienst. Den Erfolg der anderen schieben sie auf deren Glück, am richtigen Ort zur richtigen Zeit gelandet zu sein. Leiter, die so denken, versuchen immer wieder an einen Ort zu ziehen, an dem ihr Dienst wirklich geschätzt wird und sich am Ende auch der verdiente Erfolg einstellt. Folglich wechseln viele Pastoren auf ihrer Suche nach Erfolg von einer Gemeinde zur nächsten. 5. Ein geistlich stagnierender Leiter sieht die Fehler immer mehr bei anderen als bei sich selbst. Sich selbst zu beobachten, fällt solchen Leitern ganz schwer, sie bewerten sich selbst äußerst selten. Stattdessen sind sie aber häufig fleißig dabei, alle anderen zu bewerten. Dies ist mit Sicherheit kein neues Phänomen. Jesus bezeichnet diese Leiter humorvoll als solche, die den Splitter im Auge ihres Bruders finden, jedoch 7
nicht auf den Balken achten, der aus ihrem eigenen Auge herausragt (Matthäus 7,3). 6. Ein geistlich stagnierender Leiter ist durch ständige Beschäftigung ausgebrannt, welche an die Stelle einfacher Intimität mit Christus getreten ist. Geistlich stagnierende Leiter sind erschöpft, weil sie fälschlicherweise davon ausgehen, dass ein Mehr an Anstrengung und Aktivität eine Möglichkeit ist, Gott näher zu kommen und von ihm gesegnet zu werden. Dies ist eine vernichtende teuflische Lüge. Es gibt keinen Ersatz für die Intimität mit Christus. Unsere tief verborgene Sehnsucht, mit Gott verbunden zu sein, wird niemals durch ein Mehr an Aktivität gestillt werden können. Unser Aktionismus wird uns stattdessen häufig davon abhalten, eben diese Intimität zu erleben, die wir so dringend brauchen. Deshalb ist diese Täuschung auch so düster. Religiöse Geschäftigkeit garantiert uns vielleicht ein Gefühl von Wichtigkeit. Unsere Herzen werden dadurch aber nicht mit Freude und Bestimmung erfüllt. Stattdessen wird uns genau die Stärke geraubt, die wir brauchen. Nur die Intimität mit Christus kann unsere Herzen erneuern und uns mit Kraft und Stärke versorgen, damit wir fähig sind, die großen Dinge zu tun, die Gott durch uns bewirken möchte. 7. Ein geistlich stagnierender Leiter geht Kompromisse bei ethischen Prinzipien ein, die für ihn einmal einen hohen Stellenwert hatten. Es ist nicht ungewöhnlich, dass solche Leiter sich tief in Muster verborgener Sünde verstricken. Sie benutzen Gnade und Freiheit als Entschuldigung und funktionieren weiterhin in der Öffentlichkeit ohne Bedauern oder schlechtes Gewissen, während sie hinter verschlossenen Türen ihre sündigen Verhaltensmuster ausleben. Es ist jedoch schwierig, Sünde auf Dauer geheim zu halten. Sie hat die Tendenz, auf beschämende Weise nach außen durchzusickern. Geistlich stagnierende Leiter wachen häufig eines Morgens auf und müssen entdecken, dass ihre geheime Sünde aufgedeckt 8
wurde. Manch anderen wird ihre Sünde in das Gericht Gottes folgen, wo sie schließlich offenbar werden wird (1. Timotheus 5,24). 8. Ein geistlich stagnierender Leiter bleibt im sicheren Rahmen seiner Fachkenntnis, anstatt sich auf neue Lernfelder hinaus zu wagen. Ein solcher Leiter möchte gerne als Experte, statt als Lernender gesehen werden und hat deshalb auch nicht die Absicht, neue Bereiche zu erforschen oder Neues zu verstehen. Dieser Leiter erzählt immer wieder die gleichen Geschichten und bringt die gleichen Predigten, wenn er bei einer Gemeinde neu anfängt. Die Vorstellung, Neues zu lernen, ist für ihn beängstigend, denn dies würde bedeuten, er müsste seine Fachkompetenz hinterfragen lassen, die doch Bestandteil seiner Persönlichkeit geworden ist. 9. Ein geistlich stagnierender Leiter ist nicht in der Lage, die Weisheit anderer anzuerkennen. Dieser Leiter redet mehr, als er zuhört. Es interessiert ihn nicht, was andere zu sagen haben, und er fühlt sich schnell persönlich angegriffen, wenn jemand seinen Vorstellungen widerspricht. Einem solchen Menschen kann man fast nie etwas Neues erzählen. Wenn man eine neue Idee mitteilt, hört man von dem stagnierenden Leiter häufig die Worte: „Kenn’ ich schon!“ 10. Ein geistlich stagnierender Leiter hat das christliche Leben für sich zur Routine erklärt. Der stagnierende Leiter lebt in einer Art innerer Warteschleife und bewegt sich auf seinem Weg mit Jesus nicht weiter vorwärts. Für diese Person ist das Leben eine Routine, in der man einfach nur versucht, das christliche Leben richtig zu leben. Es ist statisch und man versucht, aufrechtzuerhalten, was ist, statt Neues zu entwickeln. Es ist ein Leben mit einigen wenigen „Du darfst“ und vielen „Du darfst nicht“. Kommen Ihnen manche Beschreibungen eines stagnierenden Leiters bekannt vor, wenn Sie diese Liste lesen? Vielleicht sollten 9
Sie jetzt einmal das Buch zur Seite legen und Zeit mit dem Herrn verbringen. Bekennen Sie ihm die Punkte dieser Liste, die zu Ihrer eigenen Identität geworden sind, und bitten Sie ihn, Ihnen zu helfen, sich zu verändern. Dies ist ein lebenswichtiger Schritt, den Sie mit Sicherheit nicht bereuen werden. Die Auswirkungen geistlich stagnierender Leitung
Die Folgen des Lebens als stagnierender Leiter sind nicht nur für den Leiter äußerst kostspielig, sondern auch für jeden, der diesem Leiter folgt. Ich nenne im Folgenden sechs Punkte, an denen man erkennt, wie schwache Führung häufig zum Flaschenhals wird für die Freisetzung des mächtigen Reiches Gottes in einer Welt, die Veränderung braucht. Im weiteren Verlauf des Buches werde ich noch ausführlicher darauf eingehen. 1. Schwache Leitung muss jeden Dienst kontrollieren. Leiter, die meinen, alle Programme der Gemeinde brauchten ihre Zustimmung, haben ein sehr ungesundes Verständnis von Leitung, von Gemeinde und von Christus selbst. Solche Leiter benehmen sich, als wäre Christus gerade im Urlaub und hätte sie als Stellvertreter eingesetzt, da sie alleine besondere Leitungsfähigkeiten besitzen. Auch sind christliche Leiter nicht immer diejenigen, die wissen, was für die Gemeinde am besten ist, und sie sollten es auch nicht sein. Vielmehr sollten sie als Leiter dem Volk Gottes helfen, mit seinem Haupt verbunden zu sein und seiner Leitung zu folgen, denn unser Vater kennt den Weg am besten. 2. Schwache Leitung muss Gottes Reden immer filtern. Zu häufig gehen christliche Leiter davon aus, andere Christen wären nicht fähig, Gottes Wort in richtiger Weise zu verstehen. Folglich betrachten sie sich als Gottes Übersetzer. Sie offenbaren, was Gott sagen möchte, als könne Gott unsere Sprache nicht und würde unseren Lebenszusammenhang und die damit verbundenen Herausforderungen nicht kennen. Selbst wenn diese Leiter glauben, Gott könne sich durchaus 10
auch gut selbst erklären, meinen sie immer noch, die meisten Christen seien unfähig, sein Wort ohne die Hilfe des Fachmanns wirklich zu verstehen. 3. Schwache Leitung fördert ein Oberklassen-Christentum. Das Christentum wurde fast 2 000 Jahre lang von einer finsteren Lehre geplagt, die all das unterwanderte, was die Gemeinde sein und in dieser Welt bewirken sollte. Es geht um die Trennung zwischen Klerus und Laien. Trotz der Reformation und dem Priestertum aller Gläubigen, welchem durch den Protestantismus der Weg geebnet wurde, akzeptieren wir im Reich Gottes immer noch ein Zwei-Klassen-Christentum. Dies ist schlichtweg falsch. Vollzeitliche christliche Leiter haben ein wohl begründetes Interesse daran, ob bewusst oder unterbewusst, diese Täuschung weiter aufrecht zu erhalten. Sie haben kein Interesse, daran etwas zu ändern. Wenn jemand sich ernsthaft entscheidet, Christus nachzufolgen und etwas bewegen möchte, wird er oder sie normalerweise herausgefordert, dies vollzeitlich statt als sogenannter „Laie“ zu tun. Dies bewirkt die Bildung von Klassenunterschieden und scheint allen anderen Christen zu gestatten, weniger hingegeben zu leben. Davon abgesehen, werden Laien in der Leitung leider häufig als weniger vollmächtige Veränderer in der Welt gesehen. 4. Schwache Leitung betont Wissen auf Kosten von Gehorsam. Wenn Leiter davon überzeugt sind, sie hätten die Rolle eines Lehrers von und Wächters über Gottes Wort, entwickelt sich die Gemeinde immer mehr zu einer akademischen Einrichtung statt zu einer geistlichen Familie mit einem Auftrag. Die Betonung von Wissen alleine schafft ein falsches Wertesystem, das die Gemeinde und somit auch das Bild von Christus in der Welt verzerrt. Wenn wir Wissen mit Reife verwechseln, erlauben wir einer Gemeinde vieles an Lehre aufzunehmen, ohne Rechenschaft über den Gehorsam abgeben zu müssen. Das Resultat wird dann weniger geistliche Reife sein und 11
nicht mehr. Wir können jeden Tag lehren, Gehorsam sei etwas Wichtiges. Aber Lehre über Gehorsam ohne Gehorsam ist kein Gehorsam. Das Wissen eines Christen darf so lange in Frage gestellt werden, bis er es praktisch umsetzt. Unsere Anhäufung von Wissen ist verdächtig, wenn wir das, was wir gelernt haben, nicht in die Praxis umsetzen. 5. Schwache Leitung betrachtet Gemeinde eher als Anbetungsgottesdienst statt als Dienst zur Anbetung Gottes. Für viele Menschen bedeutet Gemeinde nicht viel mehr als ein religiöses Ereignis am Sonntagmorgen. Gemeindewachstum wird daran gemessen, ob mehr Teilnehmer im Gottesdienst gezählt werden. Diese Praxis hat sich weit von dem entfernt, was die Bibel lehrt. Im Neuen Testament haben die Begriffe Gemeinde und Pastor eine vollkommen andere Bedeutung. Dies ist uns heute aber nicht bewusst, weil wir die Bibel vor dem Hintergrund unserer Erfahrungen lesen. Dies führte zu seltsamen Praktiken, die wir nicht in Frage stellen, weil unsere grundlegenden Annahmen über Gemeinde sich so weit von der biblischen Wahrheit entfernt haben. Wir sehen beispielsweise den Gottesdienst als Hauptauftrag der Gemeinde. Wir halten so stark an diesem religiösen Gedanken fest, dass wir davon ausgehen, dies müsse in der Bibel irgendwo festgeschrieben sein. Schließlich sind wir ja alle der gleichen Überzeugung – ein Aufwärmlied, einige kurze Ansagen, gefolgt von drei weiteren Liedern, der Kollekte und vielleicht einem Anspiel. Dann folgt eine Predigt, das Abschlusslied und das Dankgebet. Was ist denn daran so falsch? Eigentlich nichts, außer dass wir es schon immer jede Woche so gemacht haben, und das seit Jahrhunderten, und dies in den Köpfen der Menschen als „Gemeinde“ definiert wird. Es ist heutzutage so normal geworden, dass wir nicht einmal die „Fremdartigkeit“ unseres Handelns erkennen. Wir hinterfragen nicht mehr, ob wir mit alldem noch richtig liegen, obwohl sich im Neuen Testament eine derartige Praxis überhaupt nicht finden lässt. 12
Offen gestanden, haben heutige Gemeindegottesdienste häufig mehr mit „Wetten dass ...?“ gemeinsam als mit dem Neuen Testament. 6. Schwache Leitung lässt sich von Ruhm und Schicksal verführen. Heute ist Leitung in Gemeinden zu einer Karrieremöglichkeit geworden. Einige sehr bekannte Leiter gelten als Vorbild, mit dem sich andere vergleichen. Leiter, die als erfolgreich angesehen werden, genießen gewisse Privilegien, die diese Art von Leitungserfolg noch verlockender erscheinen lassen. Sie haben größeren Einfluss und größere Gebäude, schreiben Bestseller, sprechen auf größeren Konferenzen und genießen ein höheres Gehalt. Menschen, die mit derartigen Privilegien leben, werden häufig verdorben. Solche Leiter werden sehr leicht durch Ruhm und Ehre geködert und sie erwarten normalerweise, dass man ihnen dient, statt dass sie anderen dienen. Auch wenn diese Aufzählung in erster Linie die Probleme von Leitung in Gemeinden deutlich macht, soll dieses Buch weitaus mehr sein als nur eine kritische Analyse von Gemeindeleitern. Wenn Sie weiter lesen, werden Sie eine ausgesprochen positive Auswahl von Möglichkeiten entdecken, wie man der Gemeinde heute wieder Gesundheit, Lebendigkeit und Fruchtbarkeit einhauchen kann. Es ist dafür allerdings unabdingbar, zu verstehen, an welchem Punkt wir stehen und in welche Richtung wir uns bewegen müssen. Deshalb müssen wir uns zunächst einige der Problemfelder näher anschauen.
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