Skip to main content

568160100

Page 1

Patrick Theillier

Beeindruckende Nahtoderfahrungen

201900005_Theillier_Nahtoderfahrungen.indd 1

24.01.2019 11:55:52


201900005_Theillier_Nahtoderfahrungen.indd 2

24.01.2019 11:55:52


Patrick Theillier

Beeindruckende Nahtoderfahrungen Zeichen des Himmels

201900005_Theillier_Nahtoderfahrungen.indd 3

24.01.2019 11:55:52


Bibliografische Information: Deutsche Nationalbibliothek. Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.ddb.de abrufbar.

Genehmigte Lizenzausgabe für MEDIA MARIA Verlag, Illertissen Die Originalausgabe erschien unter dem Titel: „Expériences de mort imminente“ © 2015, Groupe Artège, Éditions Artège, Paris et Perpignan www.editionsartege.fr

BEEINDRUCKENDE NAHTODERFAHRUNGEN Patrick Theillier © 2019 by Media Maria Verlag, Illertissen Alle Rechte vorbehalten ISBN 978-3-9479310-1-9 www.media-maria.de

201900005_Theillier_Nahtoderfahrungen.indd 4

24.01.2019 11:55:52


Inhalt Vorwort  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 17 Einleitung  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 25 Erstes Zeugnis  »Vor dem Tod braucht man keine Angst zu haben!«  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 33 Was ist eine Nahtoderfahrung?  . . . . . . . . . . . . . . . 39 Eine »klassische« Nahtoderfahrung  . . . . . . . . . . . . 39 Die verschiedenen Phasen  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 44 1. Das Verlassen des Körpers  . . . . . . . . . . . . . . . . 46 2. Die Veränderung des »Körperzustands«  . . . . 48 3. Das Passieren eines »Tunnels«  . . . . . . . . . . . . . 50 4. Die Begegnung mit anderen »Personen«  . . . . 51 5. Die Begegnung mit einem »Lichtwesen«  . . . . 52 6. Die Lebensrückschau  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 56 7. Das Gefühl des Friedens und der Ruhe  . . . . . 58 8. Die Rückkehr in den Körper  . . . . . . . . . . . . . . 59 9. Die Auswirkungen auf das Leben danach  . . . 61 Furchterregende Nahtoderfahrungen  . . . . . . . . 64 Zweites Zeugnis  »Den Himmel gibt’s echt!«  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 67

– 5 –

201900005_Theillier_Nahtoderfahrungen.indd 5

24.01.2019 11:55:52


Chronologischer Überblick und aktuelle Lage  . 73 Kurzer chronologischer Überblick  . . . . . . . . . . . . . 73 Und wie ist die Lage aktuell?  . . . . . . . . . . . . . . . . . . 79 Drittes Zeugnis  »Das Paradies existiert«  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 85 Ein wissenschaftliches Problem  . . . . . . . . . . . . . . 91 Wissenschaftliche Realität der Nahtoderfahrungen  93 Eine wissenschaftliche Herausforderung  . . . . . . . 96 Viertes Zeugnis  »Aufschub gewährt bekommen«  . . . . . . . . . . . . . . 101 Aus Sicht der Religion  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 109 Fünftes Zeugnis  »Ich bin der Hölle nur knapp entgangen!«  . . . . . 119 Aus Sicht der Anthropologie  . . . . . . . . . . . . . . . . . 149 Aus Sicht der Philosophie  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 150 1.  Unser Körper ist in einem ständigen Wandel begriffen  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 150 2. Der Leib kann nicht ohne Seele existieren  . . . 150 3. Die Seele ist lebenswichtig  . . . . . . . . . . . . . . . . 152 4. Die Seele ist der Sitz der Persönlichkeit  . . . . . 153 5. Die Seele ist geistig  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 153 6. Der Mensch ist Leibseele und Geistseele  . . . . 155 7. Der Leib ist geistig  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 156 Aus Sicht des Christentums  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 156 Die Nahtoderfahrungen  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 159

– 6 –

201900005_Theillier_Nahtoderfahrungen.indd 6

24.01.2019 11:55:52


Sechstes Zeugnis  »Erschossen!«  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 163 Andere außergewöhnliche Phänomene  . . . . . . . . 169 Außergewöhnliche übernatürliche Phänomene  . . 169 Das Außergewöhnliche im Christentum  . . . . . . . . 172 1. Erscheinungen  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 172 2. Mystische Erfahrungen  . . . . . . . . . . . . . . . . . . 174 3. Wunder  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 178 Siebtes Zeugnis  »Ein Priester, der die Hölle, das Fegefeuer und den Himmel sah«  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 185 Schluss  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 199 Epilog  Die durchschnittene Kehle  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 207 Ein Gebet  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 213 Anmerkungen  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 215

– 7 –

201900005_Theillier_Nahtoderfahrungen.indd 7

24.01.2019 11:55:52


– 8 –

201900005_Theillier_Nahtoderfahrungen.indd 8

24.01.2019 11:55:52


Verbunden mit Mirjam, der »kleinen Araberin«, habe ich dieses Buch geschrieben. Sie wurde von Papst Franziskus am 15. Mai 2015 heiliggesprochen, an dem Tag, als ich das Buch zum Abschluss brachte. Ich widme es ihr. Für meine Eltern, Marc und Lili, meine Schwiegereltern Paul und Colette, die sich bereits im Jenseits befinden, meine Enkelkinder, die alle am Leben sind, Gott sei gepriesen!, Jean-Baptiste, Elisabeth, Marie-Liesse, François, Félicité, Pierre, Edmée, Albert, Rémi, Philomène, Basile, Grégoire, Madeleine, Bernadette, Armand, Joséphine, Louis, Henri, Gabrielle, Geneviève, Aminthe, Joseph, Marthe, Marie, Augustin, Etienne, Jacques, für die beiden, die sich noch im Bauch ihrer Mütter befinden, und diejenigen, die noch zur Welt kommen werden.

– 9 –

201900005_Theillier_Nahtoderfahrungen.indd 9

24.01.2019 11:55:52


– 10 –

201900005_Theillier_Nahtoderfahrungen.indd 10

24.01.2019 11:55:52


Ich litt. Ich litt, ohne dass ich einen Grund für mein Leiden angeben konnte. Manche besitzen die Gabe zu leben, ohne zu hinterfragen, wer sie sind oder wie ihre Umgebung ist. Mich quälten viele Fragen und meine Frustration spiegelte sich in meinem Wunsch zu verstehen wider. In Wahrheit träumte ich von dem Tag, an dem ich überzeugt sein würde – welch schwierige Aufgabe! –, dass es weder Geburt ohne Tod noch Tod ohne Wiedergeburt gäbe. Unter dieser zweifachen Bedingung würde das Leben einen Sinn ergeben.

Gilbert Sinoué, La nuit de Maritzburg

– 11 –

201900005_Theillier_Nahtoderfahrungen.indd 11

24.01.2019 11:55:52


– 12 –

201900005_Theillier_Nahtoderfahrungen.indd 12

24.01.2019 11:55:52


Ich bin jahrelang dem Tod begegnet und doch habe ich ihn nicht kennengelernt, außer dass er mich derjenigen beraubt hat, die ich am meisten geliebt habe. Warten sie irgendwo auf mich? Ich will daran glauben und ich fürchte mich nicht. Denn wenn uns niemand jenseits der Zeit erwartet, wenn uns niemand empfängt, weil es nichts gibt, wird es uns nicht bewusst werden und wir werden nicht darunter leiden. Aber wenn das Gegenteil der Fall sein wird und wir empfangen werden, wird das ohne Zweifel das schönste Fest sein, das wir feiern werden. In der Hoffnung auf dieses Wiedersehen werde ich mich wie auf eine ewige Hochzeit vorbereiten. Christian Signol, Tout l’amour de nos pères

– 13 –

201900005_Theillier_Nahtoderfahrungen.indd 13

24.01.2019 11:55:52


– 14 –

201900005_Theillier_Nahtoderfahrungen.indd 14

24.01.2019 11:55:52


Ich werde nicht sterben, sondern leben, um die Taten des Herrn zu verkünden. Ps 118,17 Jesus antwortete ihm: Amen, ich sage dir: Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein. Lk 23,43 Das ist das ewige Leben: dich, den einzigen wahren Gott, zu erkennen … Joh 17,3 Amen, amen, ich sage euch: Ihr werdet den Himmel geöffnet und die Engel Gottes auf- und niedersteigen sehen über dem Menschensohn. Joh 1,51 Ich sterbe nicht, ich gehe ins Leben ein! Therese von Lisieux

– 15 –

201900005_Theillier_Nahtoderfahrungen.indd 15

24.01.2019 11:55:52


– 16 –

201900005_Theillier_Nahtoderfahrungen.indd 16

24.01.2019 11:55:52


Vorwort Der Arzt Patrick Theillier kennt die übernatürlichen Phänomene gut. Als langjähriger Leiter des Medizinischen Büros von Lourdes hat dieser überzeugte und engagierte Katholik zehn Jahre lang mit der Unterstützung eines Ärzteteams, das nicht zwangsläufig gläubig war, den aus menschlicher Sicht unerklärlichen Charakter von Heilungen wissenschaftlich untersucht, die auf die Fürsprache Unserer Lieben Frau von Lourdes geschehen waren. Aufgrund der Ergebnisse dieser Untersuchungen hat die Kirche eine Anzahl von Wundern als echt anerkannt. Eine nicht erklärbare Heilung wird als Wunder bestätigt, wenn die zuständige kirchliche Autorität darin ein Zeichen der Allmacht Gottes und seiner Liebe erkennt, die im Leben der Menschen konkret offenkundig werden. Dadurch wird der Glaube der Menschen gestärkt. Im vorliegenden Werk befasst sich Dr. Theillier mit dem, was man im Englischen üblicherweise »NDE«, ­Near Death Experience, und im Französischen »EMI« Expériences de Mort Imminente (im Deutschen »Nahtoderfahrungen«, Anm. d. Verl.) nennt. Seit Jahrzehnten gibt es zahlreiche Zeugnisse, ebenfalls reichlich Literatur zu diesem Thema. Die unterschiedlichsten Menschen aus den verschiedenen Kulturen, die darüber Zeugnis ablegten und die nicht unbedingt von vornherein von einem Weiterleben nach dem – 17 –

201900005_Theillier_Nahtoderfahrungen.indd 17

24.01.2019 11:55:52


Tod überzeugt waren, berichten sehr genau über diese eigenartigen Phänomene, die sie beim Herannahen des Todes erlebt hatten, sodass man heute eine sachgerechte Typologie vorlegen kann, die ohne gründliche Prüfung nicht verworfen werden kann. Als anerkannter Wissenschaftler überprüfte Dr. Theillier zunächst die Glaubwürdigkeit der ihm vorgelegten Zeugnisse. Danach nahm er auf der Basis der modernen wissenschaftlichen Erkenntnisse eine Untersuchung vor, um deren wissenschaftliche Objektivität zu bestimmen. Auf der Basis der christlich-jüdischen Anthropologie konnte er diese Erfahrungen besser einordnen und ihre Vereinbarkeit mit dem Glauben feststellen. Wenn in der Heiligen Schrift steht, dass keiner vom Tod zurückkehren kann, außer durch ein Wunder wie bei der Auferweckung des Lazarus (vgl. Joh 11), bei dem die Seele vom Körper getrennt war – »Er riecht schon, denn es ist bereits der vierte Tag« (Joh 11,39) –, kann man auf Erfahrungen schließen, die nicht vom metaphysischen Tod herrühren, sondern von Annäherungen an ein Jenseits des Todes. Wer würde in diesem Werk nicht die Möglichkeit einer Apologetik für unsere Zeit erkennen? In einer säkularisierten Gesellschaft, in der man lebt, als ob Gott nicht existierte, und in der man sich lieber auf die Wissenschaft und Technik beruft, die vorgeben, für alles eine Erklärung zu haben, um alles im Leben der Menschen zu organisieren – der Totalitarismus der Techno-Wissenschaft –, stößt das Übernatürliche paradoxerweise mehr und mehr auf Ablehnung. Und der theoretische und praktische Atheismus, der vom Laizismus umgeben ist und offen bekannt wird, bildet im Namen des – 18 –

201900005_Theillier_Nahtoderfahrungen.indd 18

24.01.2019 11:55:52


Fortschritts der Wissenschaft und Technik den Nährboden für das Irrationale in unseren sogenannten entwickelten Gesellschaften: Ausbrüche blinder Gewalt, Zunahme des radikalen Islam, Wuchern der Esoterik. Selbst bei der Feier der christlichen Begräbnisse fehlt es nicht an Zeichen, die darauf hinweisen, dass man den Tod, das letzte Bollwerk gegen die Macht des Verstandes und der Wissenschaft, ausblenden möchte. Wer hat nicht schon hier und da den berühmten Text, der fälschlicherweise dem heiligen Augustinus oder Charles Péguy zugeschrieben wird, gehört: »Der Tod ist nichts«? Es ist, als ob man mit wenig Aufwand die Angst austreiben wollte, die der Tod in zunehmendem Maße heute auslöst. Wenn es sehr wohl etwas gibt, was man nicht bestreiten kann, so sind es der Tod und diese Nahtoderfahrungen, die wissenschaftlich und auf der Basis des Glaubens untersucht und geprüft worden sind. Diese können in der Tat den Verstand und das Herz unserer Zeitgenossen für die Existenz eines Lebens nach dem Tod öffnen und zugleich für die Verkündigung des Todes Jesu und seiner Auferstehung zugänglich machen. Zweifelsohne ist der Glaube an die Auferstehung ein Geschenk Gottes, eine Erleuchtung des Geistes, die uns an das offenbarte Mysterium glauben lässt, nicht aufgrund der Sinneserfahrung oder des Denkvermögens, sondern gerade weil Gott sich selbst offenbart hat: »Nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart, sondern mein Vater im Himmel« (Mt 16,17). Die Kirche hat jedoch immer erkannt, dass wir eine Offensichtlichkeit für die Glaubwürdigkeit brauchen, um das Geschenk des Glaubens zu empfangen. Petrus öffnete allmählich sein Herz und seinen Verstand der – 19 –

201900005_Theillier_Nahtoderfahrungen.indd 19

24.01.2019 11:55:52


Gnade des Glaubens durch Jesu Verkündigung, die mit Vollmacht erfolgte und durch Wunder begleitet wurde, die an den Menschen geschahen, und durch das vertraute Gebet des Menschensohnes, der Gott mit dem ­Namen »Abba«, das heißt Papa, anredete, sodass Petrus bekennen konnte: »Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes« (Mt 16,16). Wenn, wie der heilige Thomas schreibt, der Glaube ein Geschenk ist, das keinen anderen eigentlichen Grund hat als Gott, der sich im Herzensinneren des Menschen offenbart, so muss man indessen »erkennen, dass man glauben muss«: Das habe ich weiter oben eine »Offensichtlichkeit der Glaubwürdigkeit« genannt. Die rationalistische und atheistische Welt, in der wir uns heutzutage weiterentwickeln, braucht Gewissheiten der Glaubwürdigkeit, um die Menschen in die Lage zu versetzen, den Glaubensakt, der rettet, anzunehmen und zu vollziehen! Zweifelsohne weiß Gott, der sehr wohl die Natur des Menschen, den er geschaffen hat, kennt, wie er heute neue Nachweise für die Glaubwürdigkeit des Glaubens schaffen kann. Das heilige Grabtuch von Turin, das Gegenstand noch nie da gewesener multidisziplinärer Studien gewesen ist, gehört in diese Kategorie: Die Wissenschaft wird immer Vorbehalte gegenüber Mysterien vorbringen, die nicht erklärbar sind, die jedoch einer vom wissenschaftlichen Denken beeinflussten Bevölkerung helfen können, sich für den Glauben zu entscheiden. Weil Johannes das am Boden liegende zusammengelegte Leinentuch und die aufgerollten Binden neben der Stelle, wo der Kopf Jesu gelegen hatte, gesehen hat, war er bereit zu glauben: »Er sah und glaubte« (Joh 20,8). Er – 20 –

201900005_Theillier_Nahtoderfahrungen.indd 20

24.01.2019 11:55:52


sah das Leinentuch im Grab und glaubte an das Geheimnis der Auferstehung, weil er noch nicht aus der Schrift wusste, »dass er [Jesus] von den Toten auferstehen musste« (Joh 20,9). Gott offenbart sich in seinem Wort und das ist die Basis für den Glauben des Lieblingsjüngers. Aber durch die Betrachtung der zusammengebundenen Leinenbinden war es leichter für ihn, an diese Offenbarung zu glauben. Genauso verhält es sich mit den Nahtoderfahrungen. Im Geheimnis des auferstandenen Christus findet der Mensch – auf der Suche nach dem Licht, das die ganze Existenz erhellen kann – die letzte Antwort auf den Tod, die so gut zu den Erfahrungen passt, die fast übereinstimmend von einem Licht am Ende eines Tunnels berichten! Das Vorgehen von Dr. Patrick Theillier beinhaltet, dass er Wissenschaft und Religion miteinander in Einklang bringt, indem er diese seltsamen Phänomene nutzt, um sie unseren Zeitgenossen als »Offenkundigkeit der Glaubwürdigkeit« vorzulegen, ja dadurch bei ihnen eine Bereitschaft zu ermöglichen, an das Geheimnis des gestorbenen und auferstandenen Christus, der uns das ewige Leben versprochen hat, zu glauben. Als eifriger Leser der Heiligen Schrift, die er als gläubiger Mensch liest, kann er sein Vorgehen Schritt für Schritt anhand des Wortes Gottes erläutern. Wieder einmal bestätigt sich hier das Wort von Pascal: »Unterwerfung und Gebrauch der Vernunft«! Vor dem Unerklärlichen besteht der Gebrauch der Vernunft darin, sich dem Glauben zu unterwerfen. Zu glauben bedeutet nicht, vor dem Unerklärlichen zu kapitulieren, sondern es ist die Haltung des Glaubenden, der eine höhere Offenbarung akzeptiert, die er mit seiner Vernunft und seiner – 21 –

201900005_Theillier_Nahtoderfahrungen.indd 21

24.01.2019 11:55:52


unermüdlichen Suche nach der Wahrheit nicht finden könnte! Wie der heilige Johannes Paul II. als Prolog zu seiner Enzyklika Fides et ratio schreibt: »Glaube und Vernunft (Fides et ratio) sind wie die beiden Flügel, mit denen sich der menschliche Geist zur Betrachtung der Wahrheit erhebt. Das Streben, die Wahrheit zu erkennen und letztlich ihn selbst zu erkennen, hat Gott dem Menschen ins Herz gesenkt, damit er dadurch, dass er ihn erkennt und liebt, auch zur vollen Wahrheit über sich selbst gelangen kann (vgl. Ex 33,18; Ps 27(26),8–9; 63(62),​ 2–3; Joh 14,8; 1 Joh 3,2).« Ganz sicher ist das Buch von Dr. Theillier wie eine Bresche der Hoffnung in einer Welt, die gegenüber der Transzendenz verschlossen ist und deren Kultur durch einen Humanismus geprägt ist, der ein Wirklichkeitsverständnis verwendet, das einen Transzendenzbezug leugnet. Wie Papst Franziskus in seiner Enzyklika Lumen fidei – »Das Licht des Glaubens« schreibt: »Denn sie [die Gesellschaft] weiß, dass unsere Gesellschaft allein von Gott her, von der Zukunft, die vom auferstandenen Jesus kommt, eine feste und dauerhafte Basis finden kann. In diesem Sinn ist der Glaube mit der Hoffnung verbunden, da wir, auch wenn unsere irdische Wohnung zerfällt, eine ewige Wohnung haben, die Gott bereits in Christus, in seinem Leib errichtet hat (Nr. 57). Möge dieses Werk viele unserer Zeitgenossen, die mit dem Rätsel des Todes und der Angst vor dem Tod ringen, erreichen, damit der auferstandene Jesus auch zu ihnen die einst an Thomas, den ungläubigen Apostel, gerichteten Worte spricht: »Streck deinen Finger aus – hier sind meine Hände! Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite und sei nicht ungläubig, sondern – 22 –

201900005_Theillier_Nahtoderfahrungen.indd 22

24.01.2019 11:55:52


gläubig! Weil du mich gesehen hast, glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben« (Joh 20,27.29). + Marc Aillet Bischof von Bayonne, Lescar und Oloron 29. Juni 2015, am Fest der heiligen Apostel Petrus und Paulus

– 23 –

201900005_Theillier_Nahtoderfahrungen.indd 23

24.01.2019 11:55:52


– 24 –

201900005_Theillier_Nahtoderfahrungen.indd 24

24.01.2019 11:55:52


Einleitung Wer hat nicht schon davon geträumt, einen Blick ins Jenseits zu werfen und zurückzukommen, um in der Hoffnung bestärkt und im irdischen Dasein erleuchtet zu sein?

Michel Aupetit, Erzbischof von Paris

Zu Beginn dieses Jahrhunderts lehnt es die westliche Gesellschaft ab, über den Tod zu reden, und vermeidet alles, was ihn betrifft, und das geht bis zum Sprachgebrauch: Das Wort selbst ist ein Tabu geworden, man spricht vom »Hinscheiden« oder vom »Lebensende«. Trotz des Fortschritts der Medizin und der längeren Lebenserwartung der Menschen wissen wir dennoch – was immer wir diesbezüglich auch unternehmen –, dass wir sterblich bleiben und dass wir nicht umhinkönnen, uns die in das Herz jedes Menschen eingeschriebene Frage zu stellen: Gibt es etwas nach dem Tod? Ist der Tod wirklich das Ende des Lebens, endet das Leben endgültig mit dem Tod? Wie können wir das wissen? Wer könnte uns darüber Klarheit verschaffen? Die philosophischen Richtungen geben uns über den Tod keine überzeugende Antwort und sie lehren uns nicht, wie wir sterben werden … Es sind die Religionen, beginnend mit dem Christentum, die ernst zu nehmende Argumente dafür vorbringen, dass die irdische Existenz – 25 –

201900005_Theillier_Nahtoderfahrungen.indd 25

24.01.2019 11:55:52


nicht mit dem Tod endet, sondern dass das Leben weitergeht und wir diejenigen, die wir in diesem Leben geliebt haben, wiedertreffen werden. Dazu muss man jedoch gläubig sein … es sei denn, man zieht es vor, eine Zeit lang die Idee zu vertreten, dass aus dem Tod noch niemand zurückgekommen ist. Dessen ungeachtet, ob wir an den Himmel glauben oder nicht, quält uns die Frage: Gibt es nicht in unserem Innersten den Keim einer Hoffnung, dass mit dem Tod unser Leben nicht zu Ende ist? Und wenn wir trotz allem einen Hinweis hätten und wäre es nur ein Zeichen, dass das Leben stärker als der Tod ist, wäre das nicht für jeden von uns eine sehr gute Nachricht? In jedem geschichtlichen Abschnitt gibt es Zeichen, die man nicht übersehen sollte. Seit nun vierzig Jahren gibt es ein wichtiges Zeichen, das ist das Zeugnis derjenigen, die, so scheint es, einen Fuß ins Jenseits gesetzt haben und in extremis zurückgekehrt sind. Kann man ihnen Glauben schenken? Man weiß, dass ein Zeichen vor allem von der Erkenntnis des Herzens abhängt und dies zum Ausdruck bringt. Deshalb muss eine seriöse Prüfung erfolgen, was wir hiermit vorschlagen. Dieses Zeichen stammt also von Personen – so normal wie Sie und ich –, die für klinisch tot erklärt wurden und berichten, dass sie sich in einer anderen Welt aufgehalten haben, in einer wunderbaren Welt, die sie wieder verlassen mussten, um auf die Erde zurückzukehren … Von da an haben sie nach ihren Aussagen ein Leben geführt, als ob sie zum zweiten Mal geboren worden ­wären: Sie betrachten das Leben nicht mehr auf dieselbe Weise wie vorher, ihre Spiritualität ist intensiver – 26 –

201900005_Theillier_Nahtoderfahrungen.indd 26

24.01.2019 11:55:52


geworden, indem die Nächstenliebe an erster Stelle steht, sie sind sich der Unantastbarkeit und Heiligkeit des menschlichen Lebens bewusst und betrachten den Tod als etwas, das zum Leben gehört und vor dem sie keine Angst mehr haben! Diese Erfahrung nennt man seit dem Erscheinen des Buches von Dr. Raymond A. Moody, das 1975 erstmals veröffentlicht und in 26 Sprachen übersetzt wurde und das den wunderbaren Titel trägt: Life after life (»Leben nach dem Tod«), auf Englisch »NDE« oder Near Death Experience (auf Deutsch »NTE« oder Nahtoderfahrung, Anm. d. Verl.). Dadurch wurde das Phänomen bekannt und die Menschen wurden darauf aufmerksam. Wir, die wir nichts von all dem erlebt haben, neigen wir nicht unwillkürlich zur Vorstellung, dass diese Phänomene der Fantasie der Betroffenen entstammten, ausgedacht von Verrückten mit labiler Psyche, die auffallen wollten? Die ganze Problematik besteht darin, ob wir davon überzeugt sein können, dass wir diesen erstaunlichen Erfahrungen wirklich trauen können, welche diese Gewissheit, dass man vom Tod nicht zurückkehrt, infrage stellt. Man muss jedoch wissen, dass diese eigenartigen Phänomene – an der Grenze zum Tod – offenbar schon immer vorgekommen sind und dass in der gesamten Geschichte und in allen Kulturen darüber berichtet wurde. Außerdem scheinen sie seit etwa vierzig Jahren dank des Fortschritts der Medizin durch die Wiederbelebung und dank der modernen Kommunikationsmittel immer häufiger aufzutreten und bekannter zu werden. Man kann sogar sagen, dass die Vielzahl der unbestrittenen Nahtoderfahrungen, die irgendwo auf der Welt – 27 –

201900005_Theillier_Nahtoderfahrungen.indd 27

24.01.2019 11:55:52


erfasst und analysiert worden sind, sowie die zahlreichen wissenschaftlichen Werke, Studien, Veröffentlichungen, Kolloquien, die dem Thema gewidmet wurden, dazu führen, dass im 21. Jahrhundert kein Zweifel mehr an ihrem Vorkommen besteht.1 Allerdings muss man noch analysieren, was sie darstellen. So außergewöhnlich sie auch erscheinen mögen, so verdienen es diese Erfahrungen in der Tat, dass sie beachtet werden, indem man sie so objektiv beurteilt, wie man es hinsichtlich anderer auf den ersten Blick eigenartiger Phänomene tun würde. Das ist der Zweck dieses Buches. Ganz sicher sollte man auch nicht naiv sein: Wenn man im Netz danach sucht, findet man alle Arten von oft haarsträubenden Geschichten, die von der Rückkehr aus dem Tod berichten, welche die Frage aufwerfen, ob es sich hier nicht um eine neue Art der Geldbeschaffung handelt, die einigen nützt, besonders im Bereich des nebulösen New Age. Die Bücher über das Jenseits füllen die Auslagen der Buchhandlungen und werden unter der Rubrik »Esoterik und Übersinnliches« platziert … In dieser irrationalen Welt ist man schnell dabei, sich damit zu beschäftigen und im Internet nach diesen überraschenden Dingen zu surfen, um dem, was man glauben will, Auftrieb zu geben. Muss man jedoch diese Erfahrungen der Welt der Esoterik überlassen, indem man sich auf die Tradition allein beruft, ohne weiterzuforschen? Man muss eingestehen, dass es nicht leicht ist, sich mit der Realität so komplexer, a priori einzelner subjektiver, noch zu oft ignorierter oder schlecht wahrgenommener Phänomene zu befassen, sei es im Namen eines – 28 –

201900005_Theillier_Nahtoderfahrungen.indd 28

24.01.2019 11:55:52


etwas zu radikalen Rationalismus, sei es im klassisch wissenschaftlichen, immer noch so wissenschaftsgläubigen Milieu, sei es im religiösen sehr konservativen Milieu (wo man von den eigenen Schemata nicht abkommen will …), sei es im zu progressiven Milieu (das versucht, sich auf die naturwissenschaftlichen Weltanschauungen zu beschränken …). Tatsächlich verwirft die Mehrheit der Wissenschaftler diese Phänomene, die sie auf die eine oder andere Weise als von einem Prozess im Gehirn herrührend betrachtet. Nun, so überraschend das erscheinen mag, so müssen wir feststellen, dass diese Ereignisse den ernsthaftesten kritischen Untersuchungen widerstehen, weil sie den Lehrsatz, dass das Bewusstsein ein reines Produkt des Gehirns sei, infrage stellen. Was die Katholiken betrifft, die den Glauben an das ewige Leben im Credo (»Ich glaube an die Auferstehung der Toten und das Leben der zukünftigen Welt«) offen bekennen, so geht paradoxerweise die allgemeine Tendenz auch dahin, diese Phänomene anzuzweifeln, die zumeist als überflüssig betrachtet werden und vom Einzelnen nur schwer in den Glauben integriert werden können. Tatsächlich sind sie für den Glauben nicht notwendig, aber können sie in unserer säkularisierten Welt nicht eine große Hilfe sein, wo die Realität der unsichtbaren Dinge ein Problem darstellt? Dies umso mehr, als viele Christen kaum mehr mit Sicherheit davon überzeugt sind, dass es ein Leben nach dem Tod gibt, und dies nur als eine vage Möglichkeit in Betracht ziehen.2 Dieses Werk hat kein anderes Ziel, als die Nahtoderfahrungen so objektiv wie möglich darzustellen und – 29 –

201900005_Theillier_Nahtoderfahrungen.indd 29

24.01.2019 11:55:53


begreif­lich zu machen unter Berücksichtigung der Wissenschaft und des Glaubens (des katholischen Glaubens, den einzigen, den ich wirklich kenne).3 Damit möchte ich diejenigen, die glauben, sowie diejenigen, die nicht glauben, in der Hoffnung – die wir alle brauchen – bestärken, dass der Tod gewiss nicht das letzte Wort hat. Ich werde zuerst die Fakten darlegen, ausgehend von einer gewissen Anzahl von Aufzeichnungen und Berichten derer, die sie erlebt haben. Dann werden wir sie im Licht der Wissenschaft und der christlichen Religion untersuchen und überlegen, was sie sowohl für die Vernunft wie auch für die Religion in sich bergen in der Überzeugung, dass es keinen Gegensatz zwischen beiden gibt, wofür dieses Thema einmal mehr ein schönes Beispiel darstellt. Ich betone, dass ich selbst dieses Phänomen nicht erlebt habe … Nun kann man mich allerdings fragen, was mich berechtigt, über ein solches Thema zu schreiben. Als Arzt und zugleich als Katholik wollte ich eine gründliche Prüfung dieses Themas vornehmen, das mit Recht zum immer notwendiger werdenden Dialog zwischen Vernunft und Glauben beiträgt. Diesen Versuch habe ich in meinen anderen Büchern ebenfalls schon unternommen. Es ist richtig, dass ich als junger Arzt von dem Buch von Dr. Moody sehr beeindruckt war, weil ich endlich einen Kollegen entdeckt hatte, der von dem Konsens in der Medizin abwich, dass es über die »Psychosomatik« hinaus nichts gebe. Dies hat meine Tätigkeit auf eine, auf die einzelne Person konzentrierte Medizin gelenkt – im vollsten Sinne des Wortes – und hat mich am Ende – 30 –

201900005_Theillier_Nahtoderfahrungen.indd 30

24.01.2019 11:55:53


meiner Laufbahn dazu geführt, als ständiger Arzt im Medizinischen Büro in Lourdes tätig zu sein und dort die Feststellungen von Heilungen zu beglaubigen, die aufgrund eines Wunders geschehen sein konnten. Ich habe zahlreiche Ähnlichkeiten festgestellt zwischen diesen Nahtoderfahrungen und den außergewöhnlichen Phänomenen wie den Heilungswundern, den Marienerscheinungen oder den bei manchen Mystikern festgestellten Phänomenen (die in gewissen Fällen infolge langer seriöser Prüfungen von der katholischen Kirche anerkannt worden sind). Ein Kapitel werde ich diesem Thema widmen. Ebenfalls habe ich zu diesem Zweck die Kapitel mit Textstellen der Heiligen Schrift versehen, die manchmal auf erstaunliche Weise den Fakten entsprechen, und Überlegungen oder sehr unterschiedliche Erlebnisse, die das Thema veranschaulichen, hinzugefügt. Jeder möge sich selbst ein Urteil bilden. Brüder, wir wollen euch über die Verstorbenen nicht in Unkenntnis lassen, damit ihr nicht trauert wie die anderen, die keine Hoffnung haben. 1 Thess 4,13

– 31 –

201900005_Theillier_Nahtoderfahrungen.indd 31

24.01.2019 11:55:53


Turn static files into dynamic content formats.

Create a flipbook
568160100 by Fontis-Shop - Issuu