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Einführung Seit vielen Jahren beschäftigt mich die Thematik Gedanken und Gefühle, Wissen und Tun, Wollen und Vollbringen. Manches darüber habe ich in anderen Büchern bereits publiziert, anderes ist durch Kassetten und CDs in Umlauf gekommen. Für mich ist es eine Thematik, die nicht ausgeschöpft wird. Froh machend und ermutigend dabei ist die – durch persönliche Erfahrungen, eigene Betroffenheit und viele Gespräche mit Menschen – immer neu gewonnene Erkenntnis: Du musst nicht bleiben, wie du bist! Gerade auch als Christ bin ich nicht nur ein Gewordener, sondern auch ein Werdender. An diesem Prozess des Werdens bin ich beteiligt. Denn das Grundprinzip unseres Lebens ist Saat und Ernte. Jemand hat es einmal so formuliert: »Achte auf deine Gedanken und Gefühle, denn sie werden Worte; achte auf deine Worte, denn sie werden Handlungen; achte auf deine Handlungen, denn sie werden Gewohnheiten; achte auf deine Gewohnheiten, denn sie werden dein Charakter; achte auf deinen Charakter, denn er wird dein Schicksal.« Der Apostel Paulus bringt diese Weisheit auf den kurzen Nenner: 9
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»Was der Mensch sät, das wird er ernten« (Galater 6,7). Jedoch: »Die Probleme im Leben entstehen daraus, dass man etwas sät und etwas ganz anderes ernten möchte« (Stephan R. Covey). Viele Probleme, die unsere Lebensqualität schmälern, können vermieden werden, wenn wir bewusster darauf achten, wem wir Sitz und Stimmrecht in unserem Gott vertrauenden Denken geben. Darauf macht uns Jesus Christus aufmerksam, wenn er seine Verkündigung und Seelsorge mit der Ermutigung beginnt: »Ändert eure Gesinnung!« (Matthäus 4,17). Luther übersetzt: »Tut Buße!«, und erklärt, »dass das ganze Leben der Gläubigen Buße sein soll«, also ein ständiges Umdenken, ein Prozess der positiven Veränderung. Diese Erkenntnis und gute Erfahrungen beim Umsetzen in die Praxis wünsche ich auch Ihnen, wenn Sie mit diesem Buch arbeiten. Kurt Scherer
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Die Macht der Gedanken Gedanken haben Macht, positive wie negative. Sie beeinflussen unser Denken und Wollen, Tun und Lassen, Reden und Schweigen, Agieren und Reagieren. Sie haben Einfluss auf unser Gefühls- und Glaubensleben. Offensichtlich ist, dass ein Gott vertrauendes Denken Geist und Seele wohltut, ja bis ins körperliche Befinden hinein seine heilsamen Auswirkungen hat: Wir leben zuversichtlicher, fröhlicher, dankbarer, zufriedener. Wohingegen negatives, sorgenvolles Denken das zuversichtliche Denken beeinträchtigt, das Gemüt bedrückt, die körperliche Vitalität schmälert, den Geist belastet, die Seele verdunkelt, die Tatkraft lähmt, verzagt sprechen lässt … Hiob formuliert das einmal so: »Was ich gefürchtet habe, ist über mich gekommen, und wovor mir graute, hat mich getroffen« (Hiob 3,25). Mark Aurel, der Philosoph auf dem römischen Kaiserthron im zweiten Jahrhundert nach Christus, stellt fest: »Unser Leben ist das, wozu unsere Gedanken es machen« – und ich meine, man darf ergänzen: »… und unsere Gefühle …« Der weise Prediger Salomo mahnt uns daher eindringlich: »Achte auf deine Gedanken und Gefühle, denn sie beeinflussen dein ganzes Leben« (Sprüche 4,23).
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Worauf ich mich konzentriere, das gewinnt Macht über mich Ärzte, Psychologen und Psychotherapeuten wissen heute, dass viele Erkrankungen eine seelische Mitursache haben, also mit unseren Gedanken und Gefühlen zu tun haben. Die verschiedensten Lebensumstände können krank machen: Ängste, Sorgen, gestörter Lebensrhythmus, ungesunde Ernährung, mangelnde Bewegung, lärmende Umwelt, falsche Lebenswerte, Umwelt- und Innenwelt-Verschmutzung, auch religiöse Gesetzlichkeit und ein falsches Gottesbild gehören dazu. Man begreift zunehmend, dass der Mensch eine Einheit von Geist, Seele und Körper ist. Angst, Einsamkeit, Enttäuschung, Schuld, Ehrgeiz, Misstrauen, Unzufriedenheit, Stress, Frust, Mobbing – all das ist öfter, als man gemeinhin wahrhaben will, die Ursache für Leid und Leiden. Oft üben sie einen solchen Druck aus, dass der Körper mit Störungen reagiert: Die Seele schreit auf diese Weise SOS. So können Krankheiten auch zur Mitteilung von Kummer, Krisen und Konflikten werden. Fast die Hälfte aller Patienten mit Rückenschmerzen – so das Ergebnis wissenschaftlicher Studien – weisen zum Beispiel keine organischen Schäden auf. Dagegen erleiden diese Patienten sehr häufig emotionale Konflikte, die tatsächlich zu einer Last für die Wirbelsäule 12
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werden – »das Kreuz mit dem Kreuz«! Wer sich »hängen lässt«, »den Kopf einzieht« oder »die Angst im Nacken« spürt, nimmt unbewusst eine Fehlhaltung ein. Die Folgen sind nicht selten Muskelverspannungen und Schmerzen. Es fehlt bei den psychosomatischen Krankheiten, den körperlichen Leiden mit seelischer Ursache, oft die Widerstandskraft gegen den Druck, dem man ausgesetzt ist. Deshalb bleibt – bewusst oder unbewusst – nur der Ausweg in die Krankheit. Ein besonderer Auslöser ist oft Stress. Zu viele Faktoren kommen zusammen: Zeit- und Leistungsdruck, Lärm, eine Flut von Informationen durch die Massenmedien, die Freizeitindustrie anstelle des Feierabends … Die Herausforderungen werden zu Überforderungen. Die Kraft ist schneller verbraucht als wieder aufgetankt. Auch unser Immunsystem ist abhängig von unseren Gedanken und Gefühlen. Offensichtlich ist, dass eine negative Lebenseinstellung die Abwehrkräfte schwächt, eine positive sie stärkt. Erst wenn diese Zusammenhänge erkannt werden, kann man an einer positiven Veränderung arbeiten. Gerade das Gott vertrauende Denken tut Geist und Seele wohl und wirkt sich heilsam auf das körperliche Wohlbefinden aus. Die Verbindung von Spiritualität und Medizin ist heute wieder ein Thema. Man besinnt sich darauf zurück, dass der Glaube die eigentliche Wiege der 13
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Medizin ist. Auch Jesus schickte Menschen zu den Priestern, damit sie sich ihr Gesundwerden bestätigen ließen (Matthäus 8,4; Lukas 17,4). Diese waren für die Heilung zuständig. Dabei gilt es allerdings zu beachten, dass der Glaube keine Wunderdroge ist und Jesus auch nicht der »Wunderheiler«, den man vereinnahmen kann. Er will uns beeinflussen. Sich von ihm geliebt zu wissen ist die beste Voraussetzung für eine zuversichtliche Lebensgestaltung. Unser Herz ist gemäß der Bibel die »Schaltzentrale« unserer Persönlichkeit. Da fallen unsere Entscheidungen. Hier beschließen wir unsere Lebenswerte, -ordnungen und -ziele. Da entscheidet sich, was bzw. wie ich denke, fühle, spreche und handle (Matthäus 15,19), unter wessen Einfluss ich mich begebe, wem ich Sitz und Stimmrecht in meinem Gott vertrauenden Denken gebe. Hier ist unsere Verantwortung gefragt. Wir können unseren Lebensstil verändern, unser Verhalten korrigieren, neu denken, sprechen, handeln, reagieren und agieren lernen. Wir können die Werte und Ziele unseres Lebens neu festsetzen. Aber ändert sich dadurch grundlegend etwas in unserem Leben? Beginnt da wirklich ein Neues bis in den Kern unserer Persönlichkeit hinein? Wer hier aufrichtig mit sich selbst ist, merkt: Das Problem unseres Lebens ist, dass eine wirkliche Veränderung unserers Herzens nicht in unserer Macht liegt. 14
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Den Stil unseres Lebens können wir verändern, unser Herz nicht! Wir ahnen, ja oftmals wissen wir es sogar: Nicht veränderte Verhältnisse verändern den Menschen, sonder veränderte Menschen verändern die Verhältnisse. Unser Herz muss eine Erneuerung erfahren, und zwar von außen, nämlich durch Gottes Heiligen Geist, damit wir unter einen neuen, heilsamen Einfluss kommen. Der Apostel Paulus bekennt daher: »Alles menschliche Denken nehmen wir gefangen und unterstellen es Christus« (2. Korinther 10,5). Solange wir das nicht wollen, sind wir unfähig, es auch zu tun. Doch das muss nicht so bleiben!
Drei biblisch-seelsorgerische Hilfen Der Apostel Paulus gibt uns in seinem Brief an die Philipper, Kapitel 4, Verse 6, 8 und 9, konkrete Anstöße, wie wir lernen können, durch Gott vertrauendes Denken mit unserem Kummer, unseren Krisen und Konflikten konstruktiv umzugehen. Seine Anweisungen sind eine kognitive Verhaltenstherapie und gründen auf den Erkenntnissen, die er durch das Studium der Heiligen Schrift, seine Begegnung mit Jesus Christus und die Inspiration durch den Heiligen Geist gewonnen hat.
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Die erste seelsorgerliche Hilfe gibt uns Vers 6: »Macht euch keine Sorgen! Ihr dürft Gott um alles bitten. Sagt ihm, was euch fehlt, und dankt ihm!« Eine interessante Reihenfolge: sich keine Sorgen machen – Gott um alles Fehlende bitten – ihm danken. Eine neue Lebensmitte kommt in unser Leben, wenn wir uns mit unserem Denken auf Gott und die Worte der Bibel konzentrieren, wenn wir Gott, der sich in Jesus Christus offenbart hat, bitten, durch seinen Geist in uns Wohnung zu nehmen. Dann sind wir »eine neue Schöpfung« (2. Korinther 5,17). Ein Neues beginnt in unserem Leben. Jesus wird die Mitte unseres Denkens. Dadurch bekommt unser Leben einen neuen Inhalt und ein neues Ziel. Neue Werte bestimmen es. »Die ihn (Jesus) aber aufnahmen und an ihn glaubten, denen gab er das Recht, Kinder Gottes zu werden« (Johannes 1,12). Das ist die Voraussetzung, um mit sorgenvollem Denken konstruktiv umgehen zu lernen. Um Jesus und sein Programm drehen sich dann unsere Gedanken; seine Gesinnung und sein Geist inspirieren uns. Paulus ist gegen eine Denkweise, die sich Sorgen »macht«. Wer kennt das nicht – die Sorge am Abend wegen des nächsten Tages, die Angst, die innere Unruhe, wenn man an das denkt, was morgen ansteht und was einen wieder innerlich beschäftigen wird: der Arztbesuch, die Aussprache, die Sorgen um die Kinder und 16
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Enkel, die Finanzen, die abnehmenden Kräfte, die Begegnung mit schwierigen Menschen, die täglichen Verpflichtungen, der unsichere Arbeitsplatz … Jeder weiß ja selbst am besten, worüber er oder sie sich Sorgen macht. Statt zur Ruhe zu kommen, kreisen die Gedanken um die Befürchtungen, was kommen, was geschehen könnte, greift die »Heidenangst« nach einem. Man kann den Abend gar nicht mehr in Ruhe beschließen. Nicht selten raubt einem diese Unruhe den so notwendigen erquickenden Schlaf. Jesus sagt: »Macht euch keine Sorgen um euren Lebensunterhalt, um Essen, Trinken und Kleidung. Leben bedeutet mehr als Essen und Trinken, und der Mensch ist wichtiger als seine Kleidung … Und wenn ihr euch noch so viel sorgt, könnt ihr doch euer Leben um keinen Augenblick verlängern. Weshalb macht ihr euch so viele Sorgen …? … Vertraut ihr Gott so wenig? Zerbrecht euch also nicht mehr den Kopf …« (Matthäus 6,25–34). Jesus sagt nicht: »Macht euch um überhaupt nichts Sorgen!« Nein, er meint die alltäglichen Sorgen: »Deshalb sorgt euch nicht um morgen – der nächste Tag wird für sich selber sorgen! Es ist doch genug, wenn jeder Tag seine eigenen Lasten hat!« Es geht darum, dass wir im Heute leben – und das dankbar, zuversichtlich, gelassen, hoffnungsvoll, erwartungsvoll. Wer sich vom Sorgen ums Morgen faszinieren – also bannen – lässt, verpasst 17
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das dankbare Annehmen und Genießen dessen, was Gott ihm im Heute gibt. Alles wird vom Sorgen ums Morgen verdrängt. Ein paar Gedankenanstöße zum Nach- und Weiterdenken: ➤ Wenn wir heute morgen aufgewacht sind – geht es uns besser als der einen Million Menschen, die diese Woche nicht überleben wird. ➤ Wenn wir nie einen Krieg erlebt, nie Gefangenschaft, Folter oder Hunger erlitten haben – geht es uns besser als 500 Millionen Menschen auf der Welt. ➤ Wenn wir Nahrung im Kühlschrank, Kleidung auf dem Leib, ein Dach über dem Kopf und ein Bett zum Schlafen haben – sind wir reicher als 75 Prozent der Menschheit. ➤ Wenn wir an einem Gottesdienst teilnehmen können ohne die Angst, verfolgt, bedroht, verhaftet, gefoltert oder gar getötet zu werden – geht es uns besser als drei Milliarden anderen Menschen auf dieser Welt. ➤ Wenn wir Geld auf der Bank, in unserem Portmonnaie oder sonstwo haben – gehören wir zu den acht Prozent wohlhabenden Menschen. Wer auf seine Gedanken achtet, stellt bald fest, dass er mit seiner Vergangenheit oder Zukunft beschäftigt ist. Ganz selten denkt er an die Gegenwart, und wenn schon, 18
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dann meist nur, um Zukunftspläne zu schmieden oder sich zu quälen mit dem Gedanken »Hätt ich doch!«. Doch wie heißt es so treffend in einem holländischen Sprichwort: »Wenn ›Hätt ich‹ kommt, ist ›Hab ich‹ vorbei.« Wer mit seinen Gedanken in der Vergangenheit und Zukunft ist, lebt also nie wirklich, sondern hofft nur, zu leben, und dabei bleibt es meistens dann auch. Dagegen gilt: Im Heute bewusst dankbar leben vermehrt unsere Lebensqualität! Ich mache mir bewusst: Heute ist Jesus Christus gegenwärtig. »Ich bin bei euch alle Tage«, hat er uns zugesagt. Da sind die weniger schönen Tage nicht ausgenommen, an denen es uns immer noch besser geht als vielen, vielen anderen. Und morgen ist wieder ein Heute. Auch da ist Jesus Christus wieder als der Herr gegenwärtig. Jesus sagt damit nicht, dass wir uns über unsere Zukunft keine Gedanken machen, nicht planen sollen. Aber er fragt uns, wie wir in unseren Gedanken mit unseren Sorgen umgehen; ob sich unsere Gedanken primär um unsere Sorgen drehen oder um ihn. Das gilt besonders für unser Gebetsleben. Worum kreisen da unsere Gedanken? Um die Sorgen oder um Jesus? Das ist doch das eigentliche Problem, dass wir im Verlauf eines Tages – und auch in den schlaflosen Nächten – viel zu wenig konkret an Jesus und seine Gegenwart denken, an seine Zusage, uns nicht im Stich zu lassen und für uns zu sorgen. Sich zersorgen ist Mangel 19
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an Vertrauen Gott und seinen Zusagen gegenüber. Sorgen, Grämen, Grübeln – wie oft ist mit ihnen Selbstmitleid verbunden – sind Saboteure unseres Jesus vertrauenden Denkens. Sie machen das Leben unnötig schwer. Daher wollen wir ➤ nicht sorgenvoll, sondern zuversichtlich ➤ nicht angstvoll, sondern vertrauensvoll ➤ nicht deprimiert, sondern erwartungsvoll denken! Außerdem wollen wir über all das, was uns Sorgen bereitet, ins Gespräch mit Gott kommen. Das Gebet ist Ausdruck einer lebendigen Beziehung, wie Jesus es uns im Vaterunser lehrt. Paulus ermutigt uns: »Ihr dürft Gott um alles bitten.« Paul Gerhardt unterstreicht dies mit einem seiner bekanntesten Liedverse: »Mit Sorgen und mit Grämen und mit selbsteigner Pein lässt Gott sich gar nichts nehmen, es muss erbeten sein.« Jesus um alles bitten heißt: die Sorgen konkret formulieren, sie im Gebet aussprechen, loslassen und damit an Jesus abgeben! Nicht nur das eigene Gebet, sondern auch die Fürbitte anderer hat heilsame Wirkung auf Geist, Seele und Körper. Immer mehr Ärzte aus verschiedenen Fachgebieten bestätigen das aufgrund von entsprechenden Studien. »Divine Action« (»göttliches Handeln«) wird dieses Phänomen genannt. Man erklärt es sich damit, dass Beten und der Glaube daran die Gedanken und Gefühle 20
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heilsam beeinflussen und auf die Weise auch körperliche Auswirkungen haben. Das berichet etwa Dr. Harald Koenig, Leiter der Gebets- und Gesundheitsforschung an der Duke University in North Carolina, USA. Das Gebet will uns im wahrsten Sinne des Wortes zu einem »Gedankenaustausch« führen. Wenn wir dabei die Worte des Petrus beherzigen und umsetzen: »Ladet alle eure Sorgen bei Gott ab, denn er sorgt für euch« (1. Petrus 5,7), können wir diese Erfahrung machen. Unser Gott vertrauendes Denken führt uns heraus aus dem Drehen um unsere Sorgen hinein in den Einflussbereich des Heiligen Geistes, der Gegenwart Jesu Christi heute. Dadurch kommt neues Gedankengut in unser Herz: Ermutigung, Zuversicht, Hoffnung, Erwartung! Unser Gott vertrauendes Denken rechnet mit seiner Vor-, Für- und Nachsorge. Sein Für-uns-Sorgen – um einem Missverständnis vorzubeugen – ist keine Garantie für ein problemloses Leben. Aber es ist die erfahrbare Zusage »Ich bin bei euch!«. Deshalb schreibt Paulus als Abschluss von Philipper 4,6: »… und dankt ihm!« Wenn wir das tun und unser Bitten mit unserem Dank im Voraus verbinden, bringen wir zum Ausdruck, dass wir glauben und erwarten, dass Jesus uns helfen wird; wie immer auch seine Hilfe aussehen mag; damit zeigen wir, dass wir ihn von ganzem Herzen, mit allen Kräften unseres Gemütes, mit unserer 21
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uneingeschränkten Hingabe, mit unserem Verstand und Willen wirklich lieben (Matthäus 22,37). Und zwar ihn als Person lieben. Es geht nicht um ein theologisches Gedankengebäude, ein religiöses System oder eine bestimmte Ethik, auch nicht um einen vorbildlichen Menschen. »Dankt ihm!« – da geht es um die persönliche Beziehung zu Jesus Christus, Gottes Sohn, der auf die Erde gekommen ist, um uns mit Gott zu versöhnen durch sein Sterben am Kreuz. Dort hat er unsere Schuld auf sich genommen, damit wir Frieden mit Gott haben (Jesaja 53). Wer das Sterben Jesu für sich im Glauben persönlich in Anspruch nimmt (Johannes 3,16; Apostelgeschichte 10,37–43; 1. Korinther 15,1–11; Philipper 2,5–11), der lebt durch ihn in einer neuen, heilen Beziehung mit Gott, seinem Schöpfer. Diese personale, vertraute Beziehung vermittelt uns die Fähigkeit, neu zu denken, zu sprechen, zu handeln. So können wir das sorgenvolle Denken aus unserem Herzen ausquartieren, es entsorgen – denn Müll im Kopf ist auch InnenweltVerschmutzung. Wir schaffen dadurch Raum für neues Gedankengut, neues Denkvermögen, neue Gedankengänge. Darum: »Dankt ihm!« »Im Dank bewahrt der Mensch die Hilfe, die er gestern erfahren hat, vertrauensvoll auf für die Anfechtungen, die ihn bereits morgen wieder bedrängen können« (Klaus Lubkoll). 22
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Wer nicht mehr Danke sagt und all das Gute einfach so hinnimmt, der bleibt nicht nur dem Geber der Gaben etwas schuldig, sondern dem fehlt selber etwas ganz Wesentliches: Wer keine Dankbarkeit mehr empfindet, dem fehlt die Freude. Denn wozu sollte man sich freuen über das, was ja scheinbar selbstverständlich ist? Wer aber bewusst lebt und nichts einfach als selbstverständlich ansieht, gewinnt an Lebensfreude und damit an Lebensqualität. Für eine Studie an der Kent State University in Ohio, USA, schrieben Studenten über einen Zeitraum von sechs Wochen alle 14 Tage einen Dankesbrief an eine Person, die ihr Leben positiv beeinflusste. Darin sollten sie ihre Wertschätzung ausführlich begründen. Befragungen nach dem Verfassen der Briefe ergaben, dass sich Stimmung und Zufriedenheit der Schreiber verbessert hatten. Wenn das schon im zwischenmenschlichen Bereich geschieht, wie viel mehr, wenn wir unseren Dank unserem Herrn Jesus Christus gegenüber im Gebet zum Ausdruck bringen! Denn das Gute, das uns täglich begegnet, ist ein Geschenk. Mir hat der kleine Satz schon oft geholfen: »Alles, was du hast und bist, deiner Hände Arbeit ist. Denk auch zwischendurch mal dran, dass sie Gott, der Herr, gesund erhalten kann!« Es bleibt also festzuhalten: Es gibt viel weniger Grund 23
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zum Sorgen, wenn mehr gedankt wird! Darum: »Werft das stolze Sorgen fort, bittet Gott mit Danken« (Kurt Müller-Osten). Das zeigt auch folgendes Gebet eines indischen Christen: »Ich klage nicht darüber, dass hier keine elektrischen Lampen leuchten. Aber ich danke dir, mein Herr, für die glänzenden Sterne und den Mond. Ich klage nicht darüber, dass wir hier keine Wasserleitungen haben. Aber ich danke dir, mein Herr, für den sprudelnden Wasserquell und den Monsunregen. Ich klage nicht darüber, dass ich nicht in einem Bungalow wohne. Aber ich danke dir, mein Herr, für die Bambuspflanzen, aus denen ich meine Hütte bauen kann. Ich klage nicht darüber, mein Herr, dass ich keine großen Pläne für die Zukunft habe. Aber ich danke dir, dass ich auf dich hoffen darf. Ich klage nicht darüber, mein Herr, dass ich arm bin. Aber ich danke dir, dass du mich reich machst, andere zu lieben. Amen.« »Willst du Gottvertrauen gewinnen, so übe die Dankbarkeit« (Friedrich Rittelmayer). »Dankbarkeit gehört zu den Schulden, die jeder Mensch hat, aber nur wenige tragen sie ab« (arabisches Sprichwort). Warum tun es neun von zehn nicht? Denn so ungefähr wird das Verhältnis immer noch sein: ein 24
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Dankbarer auf neun Undankbare. Überprüfen Sie ihr Gebetsleben, dann werden Sie feststellen, ob auch bei Ihnen das Verhältnis zwischen Beten und Danken neun zu eins ist (Lukas 17, 11–19). Anstöße zum Nachdenken, Weiterdenken, Umdenken, Neudenken: ➤ Neige ich dazu, nicht im Heute zu leben, weil ich mir ständig Sorgen um das Morgen mache? ➤ Komme ich nicht dazu, im Heute dankbar zu leben, weil ich noch im Gestern gefangen bin, im »Hätte ich doch …!«? ➤ Drehen sich meine Gedanken im Gebet mehr um meine Sorgen als um Jesus Christus? ➤ Will ich Jesus Christus im Voraus danken, dass er gute Gedanken über meinem Leben hat? ➤ Wo will ich umdenken und neues Denken einüben?` Praktische Tipps: ➤ Wir schieben anstehende Entscheidungen, Gespräche nicht auf »die lange Bank«. Dadurch vermeiden wir das Verdrängen der Probleme. Das bewahrt uns vor unnötiger nervlicher Belastung und oftmals auch vor Bluthochdruck. Wir sprechen darüber mit Jesus und mit Menschen unseres Vertrauens und dann planen und handeln wir. 25
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Leitsatz: Erst denken und beten, dann planen und handeln! ➤ Wir drücken unsere Gefühle aus; haben den Mut zum Lachen und Weinen; auch dazu, unsere Verstimmung, unseren Ärger kontrolliert zu äußern. Wer alles in sich hineinfrisst, muss sich nicht wundern, wenn er Magengeschwüre bekommt. Leitsatz: »Ein Herz, das nicht spricht, zerbricht!« (frei nach Shakespeares Macbeth) ➤ Wir lassen auch einmal »fünf gerade sein«. Wer ständig alles perfekt machen will und allzu ehrgeizig ist, zerbricht sich regelrecht den Kopf. Der Ärger darüber, das eigene Ideal nicht erreicht zu haben, schlägt sich nicht selten in Kopfschmerzen nieder. Wir machen uns klar: Der Wert unserer Persönlichkeit ist nicht abhängig von unserer »Verwertbarkeit«, von dem, was ich leiste. Diese Gewissheit, in unser Gott vertrauendes Denken aufgenommen, kann für uns zu einem Schlüsselerlebnis werden für eine neue, sinnvolle und damit reiche Lebensgestaltung. Leitsatz: »Gott liebt uns nicht, weil wir so wertvoll sind, sondern wir sind so wertvoll, weil Gott uns liebt« (Helmut Thielicke). ➤ Wir gönnen uns bewusst Parkplätze an der Landstraße unseres Lebens zum Ausspannen und Aufatmen. Wir tun, was uns Freude macht: gehen spazie26
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ren oder wandern, schwimmen oder joggen, hören Musik, lesen ein Buch, haben Gemeinschaft mit fröhlichen Menschen; wir tun uns etwas Gutes – und das ohne schlechtes Gewissen. Das können wir unter dem Einfluss des Geistes Gottes lernen, dass alte Denk- und Verhaltensmuster sich ändern und damit auch die negativen, destruktiven Gefühle. Diese innere Freiheit gibt dem Leben eine neue Qualität. Das dankt uns auch unser Körper, denn Glückshormone stärken unser Immunsystem. Leitsatz: Wenn wir leben, was wir glauben, erleben wir, was wir glauben! Neue Gedanken – neues Leben! Die zweite seelsorgerliche Hilfe gibt uns Paulus mit Philipper 4,8: »… orientiert euch an dem, was wahrhaftig und gut und gerecht, was redlich und liebenswert ist und einen guten Ruf hat, an dem, was auch bei euren Mitmenschen als Tugend gilt und Lob verdient.« Hier nennt und empfiehlt Paulus Werte, die wir anstreben sollen. Zwei Fakten sind wichtig für den konstruktiven Umgang mit unserem sorgenvollen Denken. Fakt eins: »… orientiert euch …« Es geht um unser Gedankengut, um die Fragen: Womit speise ich mein Denken? Was lese ich? Welche Freundschaften pflege ich? Was sehe ich mir an? Lasse ich durch das Fernsehen Menschen in mein Wohnzimmer, die ich nie einladen 27
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würde? Mit wem habe ich Gemeinschaft? Wem höre ich zu? Welche Gefühle nähre ich in mir? Wem gebe ich Sitz und Stimmrecht in meinem Herzen? Wer bzw. was beeinflusst mich? Hier müssen wir prüfen, sondieren, entscheiden, ausschließen. Wir tun dies am besten dadurch, dass wir uns einmal Zeit nehmen, diese Fragen schriftlich zu beantworten. Paulus sagt ausdrücklich, dass wir auf das Gute bedacht sein sollen. Gut ist, was Gott ehrt, dem Nächsten nicht schadet und für uns hilfreich ist. Wer sich etwa an den Zehn Geboten orientiert, ist auf dem richtigen Weg. Wer das erste Gebot akzeptiert, für den heißt es nicht mehr: »Du sollst keine anderen Götter neben mir haben«, sondern: »Du wirst keine anderen Götter neben mir haben.« Die erste Tafel der Gebote ist die Grundlage für das Erfüllen der Anweisungen Gottes für ein gelingendes Leben, die auf der zweiten Tafel der Gebote stehen. Wir werden dann bewusst und willentlich darum bemüht sein, wahrhaftig, gerecht, anständig und liebenswert zu leben. Wenn wir erkennen, dass wir uns diesbezüglich falsch verhalten, dann ist der Gedankenstopp zu praktizieren, damit wir bewusster denken und lernen, Nein zu sagen: Halt, in diese Richtung will ich nicht weiterdenken! Halt, da höre ich nicht weiter zu! Halt, das sehe ich mir nicht weiter an! Halt, diese Beeinflussung tut mir nicht gut! Halt, diese Beziehung be28
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ende ich! Halt, das lese ich nicht mehr! Halt, mit diesem Geschäftsgebaren ist Schluss! So fängt – im wahrsten Sinne des Wortes – der erwähnte Gedankenaustausch an. Ich orientiere mich um. Schaffe Platz für neues Gedankengut. Paulus ermutigt uns in einem seiner anderen seelsorgerlichen Briefe zu solcher Umorientierung: »Passt euch nicht dieser Welt an, sondern ändert euch, indem ihr euch von Gott völlig neu ausrichten lasst. Nur dann könnt ihr beurteilen, was Gottes Wille ist, was gut und vollkommen ist und was ihm gefällt« (Römer 12,2). Fakt zwei ist unsere Sicht, unser Blickwinkel, unsere Perspektive – nämlich Gutes zu entdecken, wo immer es möglich ist. Es gilt, mit offenen Augen, wachen Sinnen, aufmerksamem Verstand zu leben. Woran bzw. an wem ich mich orientiere, beeinflusst mein Denken und meine Gefühle, meinen Willen und meine Entscheidungen, mein Reden und Schweigen, mein Tun und Lassen, mein Agieren und Reagieren, die Qualität meines Lebens und damit meine Zuversicht, meine Hoffnung, mein Erwarten oder eben meine Sorgen, mein Grämen, mein Grübeln, mein Selbstmitleid, meine Angst, meine Pein. Menschen, die sich Sorgen »machen«, also das sorgenvolle Denken pflegen, neigen dazu, mit ihren Gedanken mehr um das Morgen zu kreisen, als im Heute zu leben, dazu, auf die Versäumnisse der Vergangenheit zu starren, statt eine Lösung in der Gegenwart für die Zukunft ins Auge 29
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zu fassen. Darum: Nicht problembezogen, sondern lösungsorientiert denken und mit den Sorgen umgehen! Sich nicht Ausreden einreden, um nicht umdenken und Neues einüben zu müssen. Wir wollen zur Gegenrede ansetzen: »Herr, ich habe Sorgen, aber du sorgst für mich. Herr, ich sehe den Weg nicht, aber du hast einen Weg für mich. Herr, ich weiß zwar nicht, wie es weitergehen soll, aber du hast viele Möglichkeiten, von denen ich nicht einmal zu träumen wage. Ich vertraue dir! Ich erwarte deine Hilfe! Ich rechne mit deinem Wirken! Ich bin gespannt, was du wie tust!« Oder um mit den Worten Paul Gerhardts zu beten: »Weg hast du allerwegen, an Mitteln fehlt dir’s nicht.« Mit diesem Denken werden Vitalstoffe in unserem Gott vertrauenden Denken frei. Das tut der Seele und dem Körper wohl; auch unser Geist wird erquickt. Das Gute gilt es zu entdecken, bewusst zu bejahen und zu leben und damit »auszusteigen« aus dem Jammern und Klagen, dem Selbstmitleid und der Unzufriedenheit und »einzusteigen« in das Danken und Loben. Dazu gehören auch die heilsamen Selbstgespräche, dass ich mit meiner eigenen Seele ermutigend spreche wie zum Beispiel David in Psalm 103: »Lobe den Herrn, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen! Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat …« Mehr zu dieser Thematik im Kapitel »Heilsame Selbstgespräche«. 30