Karin Lorenz
Wagnis Gottvertrauen Unternehmer erzählen aus ihrem Leben
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Inhaltsverzeichnis Vorwort
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Freier Fall Jan Wieland Unternehmensberater und ehemals Geschäftsführer der ExNorm Haus GmbH
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„Gott gibt ’s mir, wenn ich ’s brauche“ Frieder und Simone Braun Fenster Braun GmbH
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Nichts zu verlieren Margret und Thomas Kaiser Zerko GmbH
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Vertrag mit Gott Kirstin und Winfried Gloge Galerie Hohe Wart
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Sturz vom selbstgebauten Thron Bernd Elsenhans EOS Sicherheitsdienst GmbH & Co. KG
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Inhalt und Ziel meines Lebens Ulrike Jooß Coach und Beraterin
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Treu bis in die Insolvenz Sebastian Handwerker
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„Willst du Jesus nachfolgen?“ Ruth Gröner Gröner Baustoffe GmbH
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Sehnsucht nach Leben 98 Siggi Feil und Inge Grein-Feil ehemalige Marktkaufleute Gründer der Aktion „Freunde schaffen Freude“ Nachwort – Warum Jesus?
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Christliche Verbände für Unternehmer, Selbstständige und Berufstätige
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Vorwort Für dieses Buch haben Unternehmer mit erstaunlicher Offenheit von ihrem Weg zu und mit Gott erzählt. Sie sind dabei in guter Tradition: Abraham hatte ein Familienunternehmen zu leiten, Hiob war Geschäftsmann, Petrus lebte vom Fischverkauf und Lydia, die Paulus bei der Gründung der Gemeinde in Mazedonien unterstützte, war eine angesehene Tuchhändlerin. Sie haben gezeigt, dass es möglich ist, Unternehmertum und Glaube miteinander zu verbinden. Aber wie geht das heute? Diese Frage hat meine journalistische Neugier geweckt – zumal ich selbst seit vielen Jahren freiberuflich tätig bin. Wie kann man als bekennender Christ und Arbeitgeber christliche Werte im Alltag leben? Welche besonderen Spannungsfelder tun sich auf, welche Erfahrungen gibt es? Und wie kommt man als erfolgsorientierter Unternehmer in der heutigen Zeit überhaupt dazu, sich für Jesus zu begeistern – für einen Glauben, der doch irgendwie im Widerspruch zu so mancher betriebswirtschaftlichen Lehre steht? Um Antworten auf diese Fragen zu sammeln, war es mir wichtig, sowohl mit einem international 7
agierenden Firmenchef zu sprechen, als auch mit dem „kleinen Handwerker“ von nebenan. So kam ein spannender Querschnitt von Glaubenszeugnissen aus den unterschiedlichsten Branchen zusammen, auch Galeristen, ehemalige Marktkaufleute, eine Unternehmensberaterin und ein Security-Dienstleister kamen zu Wort. Doch so individuell und verschieden die Glaubenswege dieser Unternehmer sind, haben sie doch eine große Gemeinsamkeit. Die Lebensgeschichten zeigen: In der Beziehung zu Gott geht es nicht um eigene Anstrengungen, nicht um Leistung, Erfolg und Einkommen, auch nicht um Kirchenzugehörigkeit. Was letztlich zählt und auch durch dunkle Zeiten trägt, ist allein der Glaube, das Vertrauen auf Gottes Liebe. Die Geschichten der Menschen in diesem Buch zeigen auch: Man kann viele Spuren dieser Liebe im eigenen Leben entdecken, wenn man sich darauf einlässt. Und man kann diese Liebe erwidern – oder sie ablehnen. Karin Lorenz
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Freier Fall Jan Wieland Unternehmensberater in Leipzig ehemals Geschäftsführer der ExNorm Haus GmbH, Steinheim Jan Wieland hatte ExNorm zu einem der größten und bekanntesten Fertighausproduzenten in Europa gemacht. Doch dann verlor der erfolgsverwöhnte Manager in kurzer Zeit alles, was er aufgebaut hatte. Mittellos, ohne berufliche Perspektive und psychisch am Boden lernte Jan Wieland Gott neu kennen. Jan Wieland ist 16 Jahre alt, als er auf einer evangelischen Jugendfreizeit die Entscheidung trifft, sein Leben Jesus anzuvertrauen. Gott soll künftig den ersten Platz in seinem Leben einnehmen, im Mittelpunkt seines Denkens und Handelns stehen. Was auch kommen mag. Man mag gewillt sein, im Moment eines solchen Versprechens an böse Versuchungen zu denken, an Krankheit, Anfeindung und trotzige Glaubenskämpfe. Doch was im Leben des jungen Mannes zuerst kommt, ist Erfolg. Nicht nur ein bisschen, sondern Erfolg im Übermaß.
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Jan Wieland stammt aus einer urschwäbischen Handwerker- und Unternehmer-Familie. Schon sein Urgroßvater Adam Wieland war 1899 im Holzbau tätig und legte damit den Grundstein für das spätere Familienimperium. Sein Vater Hans Wieland baute den Holzbetrieb aus und hatte den Mut, unter dem Namen ExNorm als einer der ersten in der Branche etwas bis dahin in Deutschland ganz Neues und Unerhörtes anzubieten: Vorgefertigte Häuser, eine Revolution im Bauwesen. Das Angebot des Fertighaus-Pioniers kommt bei Bauherren gut an. Zwar drängen zugleich auch andere Fertighaus-Anbieter auf den Markt, doch ExNorm steht wirtschaftlich auf soliden Füßen. Man arbeitet weiterhin sehr traditionell und handwerklich. Der Betrieb gehört zur Familie, da gibt es keine Trennung zwischen Privatleben und Beruf. Und so wächst Jan Wieland praktisch zwischen den Werkbänken auf, zwischen Holz und Hobel. Nach der Schulzeit macht er eine Lehre als Zimmerer, studiert dann noch Bauingenieurwesen und Betriebswirtschaft und übernimmt die Geschäftsführung im Familienbetrieb. Der Generationenwechsel im Unternehmen trifft auf die Zeit der Wende – plötzlich steht Ostdeutschland 10
als neuer Markt offen. Jan Wieland sieht die Chance, die sich hier bietet, und nutzt sie: Am 2. Juli 1990, gerade mal einen Tag nach der Währungsunion und noch drei Monate vor der offiziellen Wiedervereinigung, entsteht das erste Fertighaus in Ostdeutschland, ein ExNorm-Haus. Es ist eine unternehmerische Glanzleistung, ein Husarenstück. Zahlreiche weitere Aufträge folgen. Auch in den alten Bundesländern. Goldgräberstimmung bricht aus. In kurzer Zeit verdoppeln sich die Umsatzzahlen. Das bleibt nicht ohne Folgen für die Produktion. Der Betrieb steht vor der Entscheidung: die Fertigung ausbauen oder Aufträge ablehnen? Eine rhetorische Frage. Der Markt steht offen, soll man da das Geschäft allein der Konkurrenz überlassen? Um in den neuen Bundesländern nicht nur zu verkaufen, sondern auch Arbeitsplätze zu schaffen und die betriebswirtschaftlichen Anreize zu nutzen, entsteht ein neues ExNorm-Werk in der Nähe von Chemnitz. Zur feierlichen Eröffnung lässt Jan Wieland sich PR-trächtig mit dem Fallschirm einfliegen. „Schwäbischer Unternehmer fällt in Sachsen ein“ und „Ein Unternehmer fällt vom Himmel“, lauten daraufhin die Schlagzeilen in der ostdeutschen Presse am nächsten Tag. Aber der Empfang ist sehr 11
herzlich, denn produzierende Arbeitsplätze sind rar in der Gegend. 750 Mitarbeiter beschäftigt ExNorm schließlich in den Spitzenjahren, dazu 250 exklusive Außendienstler. Rund 1000 Häuser baut das Familienunternehmen jetzt pro Jahr. ExNorm ist überall präsent. Das offensive Marketingkonzept von Jan Wieland zahlt sich aus, ExNorm ist in dieser Zeit wohl der bekannteste Fertighaushersteller in Deutschland. Sogar eine Fernsehshow namens „Hausfieber“ gibt es, geleitet von Schauspielerin Linda de Mol, bei der bauwillige Paare um ein kostenloses ExNorm-Haus kämpfen. Es ist Zeit, die Produktion zu modernisieren und den neusten Anforderungen anzupassen, will man ExNorm weiter als Vorreiter in Liefergeschwindigkeit und Qualitätsstandard auf dem Markt platzieren. Dafür investiert man in modernste Technik. Die Fertigung wird auf Automatisierung umgestellt. Rund 60 Millionen Euro fließen in diese neue Produktion, eine unter damaligen Gesichtspunkten betriebswirtschaftlich sinnvolle Entscheidung, zu der Jan Wieland deshalb heute noch steht. Viel Prominenz aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft kommt zur Einweihung, um Jan 12
Wieland die Hand zu schütteln, sich mit ihm von der Presse fotografieren zu lassen. Auch der damalige Baden-Württembergische Ministerpräsident Erwin Teufel persönlich erscheint zum Gratulieren. Man zeigt sich beeindruckt und begeistert. Manche der Gratulanten werden einige Jahre später nichts mehr von ihrer damaligen Begeisterung wissen wollen, statt von „Weitsicht“ und „Unternehmergeist“ dann von „Größenwahn“ und „den Mund nicht voll genug bekommen“ sprechen. Doch noch ist es nicht soweit. Denn noch schwimmt ExNorm auf einer Welle des Erfolgs. Die neue Fertigung soll auch ein Bekenntnis der Familie Wieland zu ihrem kleinen Heimatort Steinheim sein. Die Arbeitsplätze werden bewusst nicht ins Ausland verlegt. Zur Einweihungsfeier gibt es ein Scorpions-Konzert und ExNorm öffnet zwei Tage lang die Tore, um die Bevölkerung zum Mitfeiern einzuladen. Mit einer überwältigenden Resonanz, an der sich die Beliebtheit der Marke ablesen lässt: Das nur 8000 Einwohner kleine Steinheim wird förmlich überrannt. An beiden Tagen strömen 50.000 Menschen aus nah und fern in die schwäbische Gemeinde, um das neue Werk zu besichtigen.
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„ExNorm hatte jetzt die größte Fertighausproduktion in Europa“, kommentiert Jan Wieland. Alles läuft bestens. „Wir waren auf der Überholspur.“ Auf dieser Überholspur rast er mit einem Porsche Turbo durch Deutschland, um das Unternehmen noch weiter voranzubringen. Es ist ein Leben wie im Rausch. Er genießt Ansehen, wird hofiert von Bankern, Politikern und Wirtschaftsfunktionären. Er kann Menschen motivieren. Man hört auf das, was er sagt, setzt um, was er plant. „Irgendwann dachte ich, diese Welt, die dreht sich wirklich nur um mich“, meint Jan Wieland selbst-kritisch. „Ich habe nicht mehr nach rechts und nicht mehr nach links geschaut. Ich dachte nicht, dass irgendjemand mich stoppen könnte.“ Der Glaube an Gott ist Jan Wieland nach wie vor sehr wichtig. Doch ein so großes Unternehmen führt man nicht nebenher. Es steht im Mittelpunkt seines Denkens und Handelns. „Erfolg, materieller Wohlstand, Ruhm und Anerkennung haben sich immer mehr in den Vordergrund geschoben“, sieht er im Nachhinein. Aber dennoch: sein Glaube ist dabei nicht verlorengegangen. „Da war nie ein Zweifel an der Existenz Gottes“, bestätigt Jan Wieland. Der Unternehmer engagiert sich weiterhin in der Gemeinde, unterstützt die Sache Jesu finanziell mit 14
großzügigen Spenden. Viel Gutes wird mit dem Geld bewirkt. „Aber der Beruf und der Erfolg waren wichtiger geworden. Der Glaube war nur noch Beiwerk. Es war ein Glaube ohne Konsequenz – einfach schön, zu wissen, dass man gerettet ist.“ Im Geschäftsleben lautet sein nächstes Ziel nun: erst die Vertriebsstrukturen und die Produktion entsprechend der neuen Fertigungsmöglichkeiten umstrukturieren und ausbauen, dann die Konkurrenz aufkaufen. Daraus macht er keinen Hehl. Doch auch die Konkurrenz reagiert und sieht dem Erfolg des schwäbischen Fertighaus-Pioniers nicht tatenlos zu. Es folgt ein Schachzug, mit dem Jan Wieland nicht gerechnet hat. Als er eines Morgens sein Büro betritt, liegt ein Stapel Kündigungen auf seinem Schreibtisch. Es sind nicht irgendwelche Kündigungen. Es ist die komplette Führungsmannschaft, die sich hier verabschiedet. Darunter sein Produktionschef, sein Vertriebschef, sein Produktionsentwicklungschef. „An allen Schlüsselpositionen des Unternehmens standen wir plötzlich komplett führungslos da“, erzählt Jan Wieland – und man hört seiner Stimme an, wie ihn diese Situation noch heute schockiert.
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