Skip to main content

447632

Page 1

Fragen & Antworten

Was hat es mit der

Hรถlle auf sich?

22


Gibt es eine ewige Verdammnis? Über die Hölle ist schon viel spekuliert worden. Für die meisten Menschen ist sie nur noch ein Mythos aus der Vergangenheit. Oft hält man sie für eine Erfindung der Kirche des Mittelalters, die man glücklicherweise überwunden habe. Einige nutzen sie noch als Gruselstoff für Filme und Computerspiele oder humoristisch für Cartoons. Als „Höllenspaß“ gilt sogar manche ausgelassene Party. Aber ernsthaft die Existenz der Hölle in Betracht ziehen? Das tun die wenigsten. Die Hölle gibt es nicht – das glauben hierzulande die meisten Menschen.1 Bei vielen Kirchenmitgliedern scheinen die Kenntnisse über die Hölle ebenfalls gering zu sein. Kaum jemand predigt darüber, christliche Medien verkündigen einen liebenden Gott – da passt die Verdammnis nicht mehr recht ins Bild. Kann ein liebender Gott Menschen in die Hölle schicken? Diese Vorstellung scheint vielen Leuten, auch innerhalb von Kirchen und Gemeinden, kaum noch nachvollziehbar zu sein. Etliche möchten sich daher nicht mehr mit der Hölle auseinandersetzen. Wenn man jedoch aufmerksam die Bibel liest und daran glaubt, dass sie die Wahrheit sagt, kommt man leider zu einem anderen Ergebnis. Die Hölle ist keine Erfindung der mittelalterlichen Kirche. Es ist gerade Jesus, der ganz klar von der Verdammnis spricht und eindrückliche Bilder für sie verwendet. Er hielt es für notwendig, über die Hölle zu informieren. Er gab uns darin ein Vorbild, dem wir folgen sollten. Wer über seine ewige Zukunft Bescheid weiß, kann die richtigen Weichen stellen, um mit guter Hoffnung leben und sterben zu können. Denn: „Der Kluge sieht das Unheil und verbirgt sich; die Unerfahrenen aber tappen hinein und müssen es büßen“ (Sprüche 27,12). Das richtige Wissen schützt vor großen Fehlern und rettet ins ewige Leben – schon hier und heute, wie auch in der Zukunft. Jesus spricht: „Geht ein durch die enge Pforte! Denn die Pforte ist weit und der Weg ist breit, der ins Verderben führt; und viele sind es, die da hineingehen. Denn die Pforte ist eng und der Weg ist schmal, der zum Leben führt; und wenige sind es, die ihn finden“ (Matthäus 7,13-14). Welches „Verderben“ ist gemeint? Was ist der „breite Weg“? Wo ist die „enge Pforte“ und wie kann man den „schmalen Weg“ finden, der ins „ewige Leben“ führt? Darum wird es in dieser Studienfaltkarte gehen.

1 So das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage von der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) von 2009. http://www.kamp-erfurt.de/level9_cms/download_user/Gesellschaft/Studie%20Vorstellungen%20vom%20Leben%20nach%20dem%20Tod.pdf


Wo gehen die Verstorbenen hin? Das Wort „Hölle“ kommt im hebräischen und griechischen Grundtext der Bibel nicht vor. Es stammt möglicherweise vom germanischen Wort „Hel“ ab. Hel war sowohl die Bezeichnung des Totenreiches als auch der Name ihrer Herrscherin in der germanischen Mythologie. Im allgemeinen Sprachgebrauch bezeichnet „Hölle“ den Aufenthaltsort der Verdammten. Der Einfachheit halber soll dieser Begriff auch im Folgenden weiterhin verwendet werden, die Bibel jedoch gebraucht andere Bezeichnungen, die darauf hinweisen, dass der Ort der Verdammnis biblisch gesehen komplexer ist. Ein Überblick über die verschiedenen Aufenthaltsorte der Verstorbenen und der gefallenen Engel 2 bis zur Himmelfahrt Christi: Bezeichnung

Bedeutung

Vorkommen in der Bibel

Sheol

Insgesamt 64 Bezüge zum Tod, Totenreich, Hebräische Bezeichnung für das Totenreich im Alten Sheol im AT 3, wörtlich in Grube, Schlund, Testament. Psalm 30,4; Sprüche 1,12; Erdboden Jesaja 5,14; 14,15; 38,18; Hesekiel 31,16; Habakuk 2,5.

Hades

Griechische Bezeichnung für das Totenreich im Neuen Testament. „Hades“ stammt aus der griechischen Mythologie und bezeichnet den Totengott und die Unterwelt.

Matthäus 11,23; 16,18; Lukas 10,15; 16,23; Apostelgeschichte 2,27; 2,31; Offenbarung 1,18; 6,8; 20,13-14.

Hölle, Hades, Totenreich, Totenwelt

Shachath

Hebräisch: „die Grube“.

Insgesamt 22 mal im AT: in Hiob, Psalmen, Sprüche, Jesaja, Hesekiel, Jona.

Grab, Verderben, Grube, Verwesung

Abbadon

Hebräisch: „Zerstörung“, Name der Unterwelt.

Hiob 26,6; 28,22; 31,12; Abgrund Psalm 88,12; Sprüche 15,11; 27,20; Offenbarung 9,11

Abussos/ Abyss

Griechisch: „Unterwelt“, „bodenlos“.

Lukas 8,31; Römer 10,7; Offenbarung 9,1-2.11; 11,7; 17,8; 20,1.3

Tartaros

Griechisch, von „tartaroo“ 2. Petrus 2,4 = hinabstürzend. In der griechischen Mythologie ein Ort, der sogar noch unter dem Hades liegen soll.

Abrahams Schoß

Bezeichnung, die in der rabbinischen Literatur verbreitet ist.

Lukas 16,22-23

Abrahams Schoß, Ehrenplatz an der Seite Abrahams

Paradeisos

Griechisch: Paradies = „königlicher Park“ oder „Garten“

Lukas 23,43. Nach der Himmelfahrt: 2. Korinther 12,4; Offenbarung 2,7

Paradies

2 Gefallene Engel sind Satan und die Dämonen. 3 Fruchtenbaum, Dr. Arnold G.: „The place of the dead.” MBS 107, S. 5; www.ariel.org

u.a. übersetzt mit:

Hölle, Abgrund

Abgrund, Hölle


Ein Modell der Unterwelt Es gibt biblische Hinweise dafür, dass sich der Aufenthaltsort der Verstorbenen seit der Himmelfahrt Christi verändert haben könnte. Dr. Arnold G. Fruchtenbaum begründet diese Sichtweise ausführlich.4 Nach seiner Analyse ergibt sich folgendes Bild für die Unterwelt vor der Himmelfahrt Christi:

! Alle Verstorbenen kamen an denselben Ort, das Totenreich, im Alten Testament Sheol genannt, im Neuen Testament Hades. Dort befanden sie sich in einem immateriellen Leib (Geist/Seele).

" Die Richtung des Totenreiches ist immer „unten“, möglicherweise befindet es sich im Mittelpunkt der Erde (Matthäus 12,40).

# Das Totenreich war zweigeteilt, die Bereiche waren durch eine große Kluft getrennt. Die Verstorbenen, die zu Gott gehören, weilten in „Abrahams Schoß“ bzw. dem Paradies, die Verstorbenen, die ohne Gott gelebt hatten, befanden sich in „der Grube“.

$ Der Bereich für die gläubigen Verstorbenen war ein Ort des Trostes und der Wonne, der Bereich für die ungläubig Verstorbenen ein Ort der Qual. Flammen stellten eine Quelle der Pein dar. Fruchtenbaum plädiert dafür, dass „die Grube“ auch der „Abbadon“ ist. Die ausführlichste biblische Schilderung des Hades findet sich in Lukas 16,19-32.

% „Abyssos“ (Abgrund) und „Tartaros“ gehören zum Bereich der Ungerechten, sie sind also eine Abteilung innerhalb oder unterhalb „der Grube“. Allerdings sollen der „Abyssos“ und der „Tartaros“ nur für gefallene Engel und zukünftig Satan reserviert sein (Offenbarung 20,2-3). Es ist umstritten, ob ungläubig Verstorbene, Dämonen und Satan Zugang zueinander haben.

Sheol/Hades: Unterwelt der Toten

Abyss (Abgrund): Ort für Dämonen und zeitweilig für Satan (Offenbarung 20, 2-3).

„die Grube“/ Abbadon: Ort für die ungläubig Verstorbenen.

„Abrahams Schoß“ / Paradies: Ort für die gläubigen Verstorbenen.

Tartaros: Gefängnis für Engel, die zur Zeit Noahs gesündigt hatten.

4 Fruchtenbaum, Dr. Arnold G.: „Geheimnisse Gottes. Israel, Satan und das Neue Testament.“ Christlicher Mediendienst, Hünfeld 2012.


Turn static files into dynamic content formats.

Create a flipbook
447632 by Fontis-Shop - Issuu