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Mit der Bibel durch das Jahr 2017


Mit der Bibel durch das Jahr

2017

Ă–kumenische Bibelauslegungen

Herausgegeben von Franz-Josef Bode Jochen Cornelius-Bundschuh Maria Jepsen Paul-Werner Scheele Joachim Wanke Rosemarie Wenner

KREUZ


Redaktion Dr. Ulrich Fischer, Landesbischof i.R.

®

MIX Papier aus verantwortungsvollen Quellen

www.fsc.org

FSC® C083411

© Kreuz Verlag in der Verlag Herder GmbH, Freiburg im Breisgau 2016 Alle Rechte vorbehalten www.herder.de/verlag-kreuz/ Umschlagkonzeption: wunderlichundweigand Umschlaggestaltung: Verlag Herder Umschlagmotiv: © Qweek/iStock Satz: de·te·pe, Aalen Herstellung: CPI Books GmbH, Leck Printed in Germany ISBN 978-3-451-61400-2 (Kreuz Verlag) ISBN 978-3-460-20175-0 (Verlag Katholisches Bibelwerk)


Inhalt Geleitwort

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Hinweise zum Gebrauch dieses Buches

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Jahreslosung und Monatssprüche

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Mit der Bibel durch das Jahr 2017

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Einführung in die biblischen Bücher Levitikus/3 Mose Numeri/4 Mose Ezechiel Joël Sacharja Maleachi Lukasevangelium Apostelgeschichte Philipperbrief Kolosserbrief Erster Thessalonicherbrief Zweiter Thessalonicherbrief

381 383 386 389 394 397 402 404 407 411 415 418 421

Gebete

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Anhang

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Bibelleseplan 2017 Bibelstellenregister Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Abkürzungen biblischer Bücher Quellenverzeichnis

443 449 453 457 459

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Liebe Leserinnen und Leser! Mit 20 Jahren hat Martin Luther zum ersten Mal in der Erfurter Universitätsbibliothek eine Bibel in Händen gehalten und in ihr gelesen. Danach hat ihn die Heilige Schrift nicht wieder los gelassen. Sie ist zum Buch seines Lebens geworden. Mit seiner Bibelübersetzung hat er ein Werk geschaffen, das es damals vielen Menschen ermöglicht hat, Gottes Wort selbst zu lesen. Schnell breitete sich die »Lutherbibel« aus; sie wurde zu einem Volksbuch, das bis heute den deutschen Sprachraum prägt. Im Gefolge von Luthers Übersetzung erschienen überall in Europa Übersetzungen in der Sprache des jeweiligen Landes; auch andere Kirchen nahmen nun die Bewegung, die von Wittenberg ausging, auf und förderten die Verbreitung der Bibel. Vielleicht ist deshalb dieser Bibel-Impuls der Reformation tatsächlich derjenige, den wir 2017 am ehesten ökumenisch gemeinsam feiern können: dass die Reformation eine Bibelbewegung ausgelöst hat und die Bibel in den meisten Kirchen seitdem kontinuierlich an Bedeutung gewonnen hat. Viele Gläubige in allen Kirchen haben seitdem – wie Luther – ein inniges Verhältnis zur Bibel gefunden; viele lassen sich vom Wort Gottes durch ihren Alltag begleiten und finden darin Antworten auf ihre Lebensfragen. Wir hoffen im ökumenischen Herausgeberkreis von »Mit der Bibel durch das Jahr«, dazu beitragen zu können. In dessen Namen danke ich allen Autorinnen und Autoren, die sich in diesem Jahr von den biblischen Texten haben herausfordern lassen und lebensnahe Auslegungen vorlegen. Ein besonderer Dank gilt Landesbischof i.R. Dr. Ulrich Fischer, der mit gewohnter Sorgfalt und Geduld, vor allem aber mit Liebe zum Wort die Redaktionsarbeit geleistet hat. Jede Zeit versucht neu, die Worte der Bibel zu verstehen und ihre Bedeutung für das persönliche, aber auch für das öffentliche Leben zu entdecken. Da gewinnen bestimmte Verse auf einmal ungeahnte Aktualität und werden sogar in politischen Debatten und in der Presse zitiert. Luther allerdings hat stets gewarnt: Die Bibel lässt sich nicht vereinnahmen, das Wort Gottes wehrt sich, wenn es unseren Interessen dienstbar gemacht werden soll: »Wenn man meint, man habe sie ausgelernt, so muss man erst anfangen.« Deshalb war sein Motto: mit dem Lesen beginnen, lesen und wieder lesen! Egal welche Übersetzung der Bibel Sie durch das Jahr beglei-

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Liebe Leserinnen und Leser!

tet (vielleicht haben Sie ja Lust, 2017 nicht nur in Ihre gewohnte Ausgabe, sondern ab und zu mal in die neue revidierte Luther체bersetzung oder auch in die neue Fassung der Einheits체bersetzung zu schauen, die beide 2016 vollendet worden sind), egal in welcher Situation Sie dieses Buch in die Hand nehmen: ob Sie nur mal sporadisch hineinschnuppern, ob das Bibellesen bei Ihnen einen festen Platz im Alltag hat oder ob Sie vielleicht zum ersten Mal zur Bibel greifen: Ich w체nsche Ihnen, dass Sie viele interessante, st채rkende, aber auch herausfordernde Entdeckungen mit der Bibel durch das Jahr 2017 hindurch machen, vor allem aber, dass Sie den Segen erfahren, den dieses Buch in unser Leben und unsere Welt bringt. Jochen Cornelius-Bundschuh

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Hinweise zum Gebrauch dieses Buches Die Lesungen des Tages folgen dem Bibelleseplan der »Ökumenischen Arbeitsgemeinschaft für Bibellesen«, den wir in diesem Band abdrucken (ab Seite 443) und worin auch die Zeiten des Kirchenjahres berücksichtigt werden. Ziel des Bibelleseplans ist es, im Laufe der Jahre die wichtigsten Texte der Bibel kennenzulernen. Am besten beginnen Sie mit Lektüre des Bibeltextes selber und legen dazu die Lutherbibel oder die Einheitsübersetzung an einen festen Platz in Ihrer Wohnung. So vorbereitet, greifen Sie zu den Auslegungen im vorliegenden Band, denen ein Gebetstext beigegeben ist. Wir haben die Jahreslosung an den Beginn des Bandes gestellt, dort finden Sie auch die Monatssprüche (Seite 10/11). Die Gebete (Morgen- und Abendgebet) für jeden Tag der Woche wurden für den vorliegenden Band von Geschwistern der Benediktinerabtei Münsterschwarzach zur Verfügung gestellt (ab Seite 425). Im Anhang haben wir zusammengestellt: ein Bibelstellenregister (ab Seite 449), das das Auffinden der Auslegungen erleichtert, das Verzeichnis der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (ab Seite 453) das Abkürzungsverzeichnis der biblischen Bücher (Seite 457); die Schreibweise der biblischen Namen folgt dem »Ökumenischen Verzeichnis der biblischen Eigennamen« nach den Loccumer Richtlinien; schließlich erfahren Sie im Quellenverzeichnis (Seite 460/461), woher jene Gebetstexte am Ende einer jeden Auslegung stammen, die nicht von den Autorinnen und Autoren selbst verfasst wurden. Als Beitrag zum Reformationsjubiläumsjahr 2017 sind auf beigelegten Lesezeichen Luthers Morgen- und Abendsegen abgedruckt. Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre! Ihr Ulrich Fischer

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Jahreslosung und Monatssprüche Jahreslosung 2017 Gott spricht: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch.

Ez 36,26 (E)

Monatssprüche 2017 Januar Auf dein Wort will ich die Netze auswerfen.

Lk 5,5 (L)

Februar Wenn ihr in ein Haus kommt, so sagt als erstes: Friede diesem Haus! Lk 10,5 (E) März Vor einem grauen Haupt sollst du aufstehen und die Alten ehren und sollst dich fürchten vor deinem Gott; ich bin der HERR. 3 Mose/Lev 19,32 (L) April Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, er ist auferstanden. Lk 24,5–6 (L) Mai Eure Rede sei allezeit freundlich und mit Salz gewürzt. Kol 4,6 (L) Juni Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen. Apg 5,29 (E) Juli Ich bete darum, dass eure Liebe immer noch reicher werde an Erkenntnis und aller Erfahrung. Phil 1,9 (L) August Gottes Hilfe habe ich erfahren bis zum heutigen Tag und stehe nun hier und bin sein Zeuge bei Groß und Klein. Apg 26,22 (L) September Und siehe, es sind Letzte, die werden die Ersten sein, und sind Erste, die werden die Letzten sein. Lk 13,30 (L)

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Monatssprüche

Oktober Es wird Freude sein vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut. Lk 15,10 (L) November Gott spricht: Ich will unter ihnen wohnen und will ihr Gott sein und sie sollen mein Volk sein. Ez 37,27 (L) Dezember Durch die herzliche Barmherzigkeit unseres Gottes wird uns besuchen das aufgehende Licht aus der Höhe, damit es erscheine denen, die sitzen in Finsternis und Schatten des Todes, und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens. Lk 1,78–79 (L)

E = Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, Ausgabe in neuer Rechtschreibung, © 2016 Verlag Katholisches Bibelwerk, Stuttgart L = Lutherbibel, revidierter Text 2016, © 2016 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

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Mit der Bibel durch das Jahr

2017


Psalm 104

Sonntag, 1. Januar (Neujahr)

Einen kleineren Gang einlegen Den Auftakt zum Jahr des Herrn 2017 bildet mit Psalm 104 ein Lobpreis auf die Schöpfung und den Schöpfer. Der Psalmist hängt in diesem Lobhymnus der wunderbaren Idee vom solidarischen Zusammenleben aller Menschen nach. Somit lässt der Psalm den engen Konnex der ökologischen mit der sozialen Frage erkennen. Wer Frieden auf Erden wünscht, sehe zu, dass alle Menschen genügend Brot zu essen und sauberes Wasser zu trinken haben. Wer Entwicklung der Völker wünscht, sorge, dass alle in Gerechtigkeit und unter menschenwürdigen Verhältnissen leben können. Und wer in sozial geordneten, ja wohlhabenden Verhältnissen leben darf, erkenne seine Verantwortung für die Enkelkinder, besonders aber für die underdogs und für all jene von zu Hause geflohenen Menschen, die wie wir ein Anrecht darauf haben, in Würde auf diesem Planeten leben zu dürfen. Wir wohnen doch nun mal alle im selben Haus und sitzen in einem Boot! Genau diese Balance von sozialem und ökologischem Gleichgewicht aber hat der Mensch in den beiden letzten Jahrhunderten durch sein sowohl gegen die Schöpfung als auch gegen sich selbst, besonders gegen die Schwachen gerichtetes Verhalten nachhaltig gestört, wie Papst Franziskus in seiner Enzyklika Laudato si’ aufzeigen konnte. Das verlorene Gleichgewicht wieder zu finden, heißt, sowohl zugunsten der Schöpfung wie des Menschen zu agieren. Dazu müssen die Menschen der nördlichen Erdhalbkugel zu einem Lebensstil und Konsumverhalten finden, der alle Menschen im Heute dieses Tages und im Morgen der kommenden Jahre (über-)leben lässt. Auf dem Weg zu diesem Ziel empfiehlt uns Europäern und Nordamerikanern Papst Franziskus, in einen kleineren Gang zurückzuschalten. Wäre das nicht ein sinnvoller Neujahrsvorsatz für uns, einen kleineren Gang in Lebensstil und Konsumverhalten einzulegen, damit die Mehrheit der Erdbewohner, die verdammt untertourig daherkommt, einen höheren Gang einlegen und im Fahrzeug des Lebens besser vorankommen könnte? BERNHARD KIRCHGESSNER

Lass mich kleinere Brötchen backen, Herr, damit der Teig für möglichst viele reicht.

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Montag, 2. Januar

Lukas 3,1–6

Erst der Zuspruch, dann der Anspruch Wir müssen Gott den Weg in diese Welt bereiten; wir müssen die Voraussetzungen schaffen, dass er kommen kann – diesen Gedanken kann man in vielen Adventspredigten hören. Und wenn eine Gruppe miteinander die Bibel liest und darüber spricht, was ihnen der gehörte Schrifttext sagt, ist oft der Grundton: Wir müssen noch viel mehr tun. Gott fordert von uns, dass wir nicht nur dieses und jenes fertig bringen, sondern dass wir uns noch um vieles andere bemühen. Kein Wunder, dass viele den Glauben als Druck empfinden und den Eindruck haben: Christ sein ist etwas ganz Schweres. »Bereitet dem Herrn den Weg! Ebnet ihm die Straßen!« Es scheint, als ob das Buch Jesaja, das Lukas zitiert, auch vor allem Forderungen erheben will. Doch an wen richtet sich der Aufruf jener geheimnisvollen Stimme, die da zu hören ist? Bei Jesaja gilt er nicht den Menschen. Er richtet sich vielmehr an die himmlischen Heerscharen. Ein göttliches Straßenbaukommando soll Gott den Weg in diese Welt bereiten! Nicht eine Forderung kommt an erster Stelle. Im Mittelpunkt steht eine Frohbotschaft: Gott lässt sich den Weg zu uns bereiten! Er will jetzt bei uns ankommen! Am Anfang steht ein Zuspruch, nicht ein Anspruch. Das gilt für unser christliches Leben überhaupt: Nicht wir tun das Entscheidende. Das Wichtige tut Gott. Das Erste ist, zu entdecken, was er tut und schon längst getan hat – in der Geschichte der Menschen, im Volk Israel, in Jesus von Nazaret, aber auch in meiner persönlichen Lebensgeschichte. Wie viel ist mir unverdient geschenkt worden! Wie oft habe ich unverhofft und unerwartet einen wichtigen Impuls bekommen! Mein Tun ist dann die Antwort darauf. Weil Gott mich liebt, kann ich seine Liebe erwidern und weiterschenken. Weil er mich befähigt, kann ich Gutes tun. Weil er auf mich zugeht, kann ich auf andere zugehen. HELMUT GABEL

Herr, unser Gott, komm unserem Beten und Arbeiten mit deiner Gnade zuvor und begleite es, damit alles, was wir beginnen, bei dir seinen Anfang nehme und durch dich vollendet werde.

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Lukas 3,7–14

Dienstag, 3. Januar

Was sollen wir tun? Johannes der Täufer hätte auch ganz anders antworten können. Dem Zollpächter hätte er sagen können: Hör auf, für eine gottlose Besatzungsmacht Steuern einzutreiben. Gib deinen sündhaften Beruf auf! – Wahrscheinlich wäre der Zollpächter ratlos davongegangen: Wovon soll ich denn dann meine Familie ernähren? Vermutlich hätte er so weitergemacht wie bisher. Nichts hätte sich geändert. Dem Soldaten hätte er antworten können: Auch du bist Sünder von Berufs wegen. Quittiere schleunigst deinen Heeresdienst! – Wahrscheinlich hätte der andere das als unrealistisch betrachtet und wäre beim Bisherigen geblieben. Bei Lukas ist Johannes der Täufer hingegen ein Mann der kleinen Schritte. »Verlangt nicht mehr, als festgesetzt ist!«, erklärt er den Zollpächtern. Das ist zu machen, die Tätigkeit verantwortlich auszuüben und sie nicht zur persönlichen Bereicherung zu missbrauchen. »Misshandelt niemand, erpresst niemand, begnügt euch mit eurem Sold!« Das ist leistbar, die eigene Macht nicht rücksichtslos und schrankenlos einzusetzen. Der Täufer ist weit entfernt von einer grundsätzlichen Verurteilung ganzer Gruppen. Er sieht den Einzelnen und seine begrenzten Möglichkeiten zur Umkehr. Bei aller Entschiedenheit ist er maßvoll und realistisch. Meister des geistlichen Lebens haben immer wieder darauf hingewiesen: Hohe Ideale haben ihre Tücken. Sie können den Menschen überfordern, ihm sein Zutrauen zu sich selbst rauben (»Das bringe ich ja nie fertig!«) und ihn dazu verleiten, gar nicht erst anzufangen und alles beim Alten zu belassen. Sinnvoller ist es, das zu suchen, was realistisch ist, und es auch wirklich zu tun. »Lebe das, was du vom Evangelium begriffen hast, und sei es auch noch so wenig, aber lebe es!«, rät Roger Schutz, der frühere Prior von Taizé. HELMUT GABEL

Bewahre mich davor, mir zu viel vorzunehmen und dann enttäuscht zu sein, dass ich es nicht schaffe. Gib mir den Mut zum kleinen Schritt. Lass mich nicht denken, es sei zu wenig. Schenke mir Augenmaß und Entschiedenheit zugleich, damit ich deinen Weg in Zuversicht und Freude gehe.

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Mittwoch, 4. Januar

Lukas 3,15–20

Auf den Größeren hinweisen Ich bin nicht der Erlöser, stellt Johannes der Täufer klar. Ich weise nur auf den Kommenden hin. Viel Unheil in unserer Welt kommt daher, dass Menschen es anders machen: Sie nehmen – bewusst oder unbewusst – eine Erlöser-Rolle ein oder lassen sich eine solche Rolle zuweisen: Immer wieder sind Herrscher mit diesem Anspruch aufgetreten: Ich bringe die Welt in Ordnung. Meist haben sie nicht das Heil, sondern unermessliches Elend gebracht – die NS-Zeit ist ein Beispiel. Auch im Alltag gibt es Erlöser-Rollen: Endlich kommt ein neuer Chef. Riesenerwartungen entstehen: Jetzt wird alles besser. Aber dann ist die Enttäuschung umso größer. Man erkennt: Er kocht auch nur mit Wasser. Verliebte haben oft das Bild: Der andere schenkt mir genau das, wonach ich mich schon so lange gesehnt habe. Mit ihm ist alles schön; ohne ihn ist alles nichts. Er ist mein Ein und Alles. Solche Projektionen sind ganz normal. Aber sie müssen im Lauf der Zeit abgebaut werden: Du kannst nicht die Erfüllung all meiner Sehnsüchte sein. In manchem kannst du mich ergänzen, in anderem nicht. Manchmal wird auch ein Kind in die Erlöser-Rolle gedrängt – etwa wenn der Partner gestorben ist oder sich getrennt hat. Der zurückgebliebene Elternteil vermittelt die Botschaft: Jetzt habe ich nur noch dich. Du bist mein Ein und Alles. Jetzt enttäusche du mich nicht. Oder es kann sein, dass ein Elternteil den Eindruck hat: In meinem Leben ist alles schief gelaufen. Aber aus meinem Kind muss etwas werden. Im Klartext heißt das: Mein Kind soll mein Lebenserfüller sein, mein Erlöser gewissermaßen. Von ihm hängt mein Heil ab. Welch ein Druck wird da aufgebaut! Wie Johannes der Täufer brauchen wir das Bewusstsein: Ich bin nicht der Erlöser. Wo mich jemand in eine Erlöser-Rolle drängen will, tue ich gut daran, mich dagegen zu wehren. Meine Aufgabe ist es nur, wie Johannes auf den Erlöser hinzuweisen – nicht mehr und nicht weniger. HELMUT GABEL

Wachse, Jesus, wachse in mir – in meinem Geist, in meinem Herzen, in meiner Vorstellung, in meinen Sinnen. Wachse in mir mit deiner Gnade, deinem Licht und deinem Frieden.

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Lukas 3,21–38

Donnerstag, 5. Januar

Unnachahmliche Liebeserklärung Jeder Mensch möchte gefallen. Jeder und jede möchte wahrgenommen und wertgeschätzt werden. Das Herz tut sich auf, wenn wir spüren, dass jemand uns mag, nicht nur äußerlich, sondern weil wir auch innerlich tiefer erkannt werden. Wenn daraus sogar Liebe entsteht, sehen wir die Welt plötzlich anders, in neuem Licht, mit neuen Augen. Heute spricht Gott über Jesus in der Taufe die unnachahmliche Liebeserklärung: »Du bist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.« Ob wir es glauben oder nicht, auch über uns hat Gott in der Taufe gesprochen: »Du bist mein geliebter Sohn, meine geliebte Tochter, an dir habe ich Gefallen.« Ja, indem der Sohn Gottes Mensch geworden ist, einer, der sich in die Reihe stellt zusammen mit dem ganzen Volk, spricht Gott über jeden Menschen: Du bist von mir gewollt, du gefällst mir. Das unterstreicht der Text über das verborgene Leben Jesu bei seinen Eltern. Man hielt ihn für den Sohn Josefs. Nichts an ihm war auffällig. Ein normaler Mensch in einer Handwerkerfamilie in dem eher verrufenen Nest Nazaret. Auch seine Vorfahren waren normale Menschen bis zurück zu Adam, dem Ersten, aus Erde geformt und von Gottes Atem lebendig gemacht. Deshalb ist mit der Liebeserklärung Gottes jeder Mensch gemeint von Adam an. Das gilt bis heute, für mich selbst und für alle, die mir begegnen, ob sie im Rampenlicht der Öffentlichkeit stehen oder verborgen ihr Leben fristen. Ich bin von Gott angesehen und habe durch ihn Ansehen. Wie all die anderen, auch die Unansehnlichen, Ungeliebten, Fremden, Andersartigen und Anstößigen. Jesus zeigt es uns. Dieses Bild vom Menschen hat die Kraft, die Welt zu verändern. Wenn wir uns nur dieser unantastbaren Menschenwürde eines Jeden immer und überall bewusst wären! Das neue Jahr könnte dann wirklich neu werden. FRANZ-JOSEF BODE

Gott, du Vater aller Menschen, wir gefallen dir. Du hast uns aus Liebe nach deinem Bild geschaffen. Lass uns erkennen, dass alle Menschen unsere Schwestern und Brüder sind. Der Geist Jesu Christi, deines Sohnes, möge uns daran täglich erinnern, damit wir so die Welt mit verwandeln helfen.

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Freitag, 6. Januar (Epiphanias)

Lukas 4,1–13

… und führe uns nicht in Versuchung »… und führe uns nicht in Versuchung«. Das ist einer der spannendsten Sätze im Vaterunser. Hier geht es nicht um die zarteste Versuchung, seit es Schokolade gibt, auch nicht um irgendeine lüsterne Versuchlichkeit. Es geht um die Versuchung, etwas zu Gott zu machen, das nicht Gott ist. Das kann der Konsum sein, der sich zu sehr breit macht und uns in immer größere Zwänge treibt. Es kann die Versuchung sein, vor Dingen, die ich haben will, vor Menschen, die ich vergöttere, oder vor Sehnsüchten, die mich nicht loslassen, in die Knie zu gehen. Wo Gott nicht mehr die erste Stelle einnimmt, da nehmen Dinge oder Menschen die erste Stelle ein und machen unfrei. Die letzte Versuchung ist die, Gott zu missbrauchen. Dann will ich ihn benutzen, dann will ich seine Worte überprüfen oder seinen Willen für meinen einsetzen. Dafür zitiert der Teufel sogar die Worte Gottes selbst. Vor all diesen Versuchungen soll Gott uns bewahren. Dass Jesus sich ihnen aussetzt als Mensch, zeigt, wie tief er als Gott mit uns solidarisch ist und uns selbst in den Abgründigkeiten unseres verschlagenen Geistes noch begegnen will. Die Kirche feiert heute das Fest der Erscheinung des Herrn. Wir denken an drei aus der Fremde kommende suchende Menschen auf dem Weg zu Jesus. Sie gehen nicht mehr vor irgendwem oder irgendetwas in die Knie, sondern nur noch vor diesem menschgewordenen Gott. Sie legen ihr Gold, ihre kostbare Habe, ab. Sie bringen Weihrauch, weil sie nicht mehr Gott spielen, sondern ihm dienen wollen. Sie bringen Myrrhe als Zeichen der liebenden Hingabe. Sie haben auf ihre Weise die Grundversuchungen des Lebens überwunden, fasziniert von diesem Kind. Das ist der »andere Weg« (Mt 2,12), auf dem die Drei heimkehren in ihr Land mit immer festerem Schritt. Wer ihnen folgt, wird dem Leben mit seinen vielen Versuchungen gewachsen. FRANZ-JOSEF BODE

Gott, du hast uns deinen Sohn gesandt, damit die Suchenden in ihm dich finden. Lass uns auf dem Weg zu dir bleiben, immer neu nach dir suchen und dich mehr und mehr zu unserem Ein und Alles machen, damit niemand anderes als du Macht über uns gewinnt.

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