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Martin Doering

Der schiefe Turm von Brooklyn Ăœber Leben und Lehre der Zeugen Jehovas


Inhalt

Vorwort  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .  9 Einleitung  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .  11 Kapitel 1: Die Lehre der Zeugen Jehovas  . . . . . . . . . . . . . .  13 1. Worin sehen Zeugen Jehovas ihre Hauptaufgabe?  . . . . . . . . . .  13 2. Der Anspruch ihres Namens  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .  14 3. Zeugen Jehovas und die »Rechtfertigung Jehovas«  . . . . . . . . .  15 4. Die Lehre vom irdischen Paradies  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .  15 5. Die Zwei-Klassen-Lehre  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .  18 6. Der Anspruch des »Mitteilungskanals«  . . . . . . . . . . . . . . . . . . .  19 7. Das »Dogma« von 1914  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .  21 8. Ablehnung »heidnischer« Lehren und Bräuche  . . . . . . . . . . . .  24

Kapitel 2: Entspricht diese Lehre der Bibel?  . . . . . . . . . . .  29 1. Müssen alle Christen predigen?  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .  29 2. Ein »Volk für seinen Namen«?  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .  30 3. Wer rechtfertigt wen?  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .  33 4. Irdische Hoffnung für Christen?  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .  35 5. Die »himmlische Klasse« – nur Zeugen Jehovas?  . . . . . . . . . . .  40 6. WTG oder Jesus Christus?  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 47 7. Die Wiederkunft von Christus  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .  50 8. Heidnische oder christliche Lehren?  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .  59

Kapitel 3: Geschichte und Organisation der WTG  . . . . .  69

1. Ein »kleiner« Rechenfehler  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .  69 2. Man rechnet weiter  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .  71 3. »Helleres Licht«?  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .  72 4. Vergewaltigungen der Bibel  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .  73 5. Prüfen verboten!  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .  75 6. Wer oder was ist die WTG wirklich?  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .  76

Kapitel 4: Ein Beispiel aus der Praxis  . . . . . . . . . . . . . . . . .  80 Typische Voraussetzungen  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .  80 Der erste Kontakt mit Zeugen Jehovas  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .  81


Interesse wird geweckt  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .  82 Das »Bibelstudium« beginnt  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .  83 Die Früchte des »Bibelstudiums«  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .  84 Erziehung durch WTG-Lehren  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .  86 Erziehung durch »Zuckerbrot und Peitsche«  . . . . . . . . . . . . . . . . . .  88 Zweifel tauchen auf  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .  90 Zweifel erzeugen Angst  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .  91 Der Weg zu christlicher Freiheit  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .  92

Kapitel 5: Anhang  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .  94 Aus der Statistik der Zeugen Jehovas  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .  94 Verwendete Abkürzungen  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .  96 Verwendete Bibelübersetzungen  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .  96 Verwendete WTG-Literatur  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .  97 Verwendete Fremdliteratur über Zeugen Jehovas  . . . . . . . . . . . . .  99 Weiterführende Literatur  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .  99 Internet-Links  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 101 Bibelstellenverzeichnis  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .  102 Stichwortverzeichnis  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .  113 Anmerkungen  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .  122


Kapitel  1

Die Lehre der Zeugen Jehovas 1. Worin sehen Zeugen Jehovas ihre Hauptaufgabe? Schon der Satzungszweck der WTG (deutscher Zweig e.V.) sagt es aus: r Gemäß Matth 24,14 die gute Botschaft von Jehovas Königreich weltweit zu predigen.8 Nach der Lehre der WTG muss jeder gläubige Christ öffentlich predigen. Zur Begründung verweisen ZJ im Allgemeinen auf folgende Bibelstellen: & Matthäus 28,19: Darum geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern (...).9 Apostelgeschichte 8,4: Die Gläubigen, die zerstreut worden waren, zogen umher und verkündeten das Wort. Apostelgeschichte 20,20: (...) wobei ich mich nicht davon zurückhielt, euch alles, was nützlich war, kundzutun noch euch öffentlich und von Haus zu Haus zu lehren. (NW) 1. Korinther 9,16: Tatsächlich, wehe mir, wenn ich die gute Botschaft nicht verkündigte! (NW) Demnach sei das öffentliche Predigen ein wichtiges Merkmal der »wahren Jünger Jesu«, meint die WTG. Außerdem sei es auch heilsnotwendig: & Lukas 12,8: Ich sage euch nun: Jeden, der vor den Menschen bekennt, mit mir in Gemeinschaft zu sein (...), wird auch der Menschensohn vor den Engeln Gottes bekennen. (NW) Römer 10,10: Denn mit dem Herzen übt man Glauben zur Gerechtigkeit, mit dem Mund aber legt man eine öffentliche Erklärung ab zur Rettung. (NW) Hier haben wir ein wichtiges Motiv für die Opferbereitschaft der ZJ und für den Aufwand, den sie mit ihrem Predigtwerk treiben, hängt doch die Rettung jedes Einzelnen davon ab. Die unter ZJ übliche Ansicht, nur sie täten weltweit dieses Predigtwerk, ist für ZJ ein Argument für ihre Schlussfolgerung: »Wir haben die wahre Religion«.10

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2. Der Anspruch ihres Namens Seit dem Jahr 1931 nennen sich die vormals »Ernsten Bibelforscher« »Zeugen Jehovas«. Dieser Name ist für sie sowohl Bekenntnis zum »allein wahren Gott Jehova« als auch Anspruch, nämlich das heutige »Volk für seinen Namen« zu sein: & Jesaja 43,10: »Ihr seid meine Zeugen«, ist der Ausspruch Jehovas, »ja, mein Knecht, den ich erwählt habe (...)« (NW) Apostelgeschichte 15,14: (...) wie Gott zuerst darauf gesehen hat, aus den Nationen ein Volk zu nehmen für seinen Namen. (ELÜ) Außerdem sei mit dem Gebrauch des Namens »Jehova« (und nicht nur einem allgemeinen »Gott« oder »Herr«) das spätere Heil verbunden: & Joel 2,32: Und es soll geschehen, dass jeder, der den Namen Jehovas anruft, sicher davonkommen wird (...) (NW)11 Was der Name »Jehova« für ZJ bedeutet, zeigen folgende Zitate aus der WTG-Literatur: r Der biblische Name »Jehovas Zeugen« kennzeichnet diese Christen als ein »Volk für Gottes Namen«. Sie sind stolz darauf, diesen Namen zu tragen, denn Jehova Gott hat diesen Namen seinen wahren Anbetern selbst gegeben.12 Im Jahre 1931 nahm der »Sklave« freudig den Namen an, der ihn deutlich von allen falschen Religionen unterschied – den Namen »Jehovas Zeugen« (...)13 Auch zeigt sich wieder, dass ZJ meinen, sie müssten schon deshalb die »wahre Religion« besitzen, da sie als einzige Gemeinschaft den Namen Gottes gebrauchten. Übrigens komme »Jehova« (der hebräische Urtext lautet »JHWH«) im Alten Testament fast 7000 mal vor, aber in vielen Bibelübersetzungen stehe dort nur »Herr« oder Ähnliches.14 Ferner gebrauchten die großen Kirchen den Namen »Jehova« kaum oder gar nicht. ZJ sehen darin eine antigöttliche Einstellung im religiösen Gewand. Daher suche sich Jehova Gott heute ein Volk, nämlich die ZJ, zusammen, die seinen Namen bezeugen und bekannt machen sollten, wie es Jesus tat: & Johannes 17,6: Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast.

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3. Zeugen Jehovas und die »Rechtfertigung Jehovas« Die WTG lehrt, durch den Teufel sei eine »große Streitfrage« aufgeworfen worden, indem er Gottes Souveränität in Frage stellte: • Gott erschuf die ersten Menschen in einem irdischen Paradies und gab ihnen ein Gebot: Sie durften von allen Bäumen des Gartens essen, nur nicht vom »Baum der Erkenntnis«, sonst würden sie sterben (1. Mose 2,7-17). • Der Teufel, der Adam und Eva verführte, behauptete, sie würden nicht sterben; vielmehr würde Gott ihnen etwas Gutes vorenthalten (1. Mose 3,1-5). Damit, so die WTG, habe der Teufel die »Rechtmäßigkeit der Herrschaft Jehovas« in Frage gestellt. • Der Teufel behauptete, dass Hiob nur deshalb »rechtschaffen« war, weil Gott ihn besonders gesegnet hatte (Hiob 1,8-12; 2,4.5), also aus Selbstsucht, nicht aus Liebe zu Gott. Dies gelte nicht nur für Hiob, sondern für jeden Menschen: r Satan leitete davon ab, dass sich niemand als ein loyaler Unterstützer der Souveränität Jehovas erweisen werde, wenn er unter Druck gesetzt würde. (...) Die Streitfrage geht somit auch uns an. (...) Der ewige Friede und die Sicherheit des Universums erforderten, dass diese Fragen ein für allemal vollständig entschieden wurden.15 Hiob blieb – trotz Anfechtungen des Teufels – Gott treu und Gott konnte dadurch auf Satans höhnische Behauptung (...) eine Antwort geben.16 Hierzu verweist man auf den Bibelvers: & Sprüche 27,11: Sei weise, mein Sohn, und erfreue mein Herz, damit ich dem, der mich höhnt, eine Antwort geben kann. (NW) Dies gelte auch für uns heute: Man sollte Gottes Gesetzen gehorchen, um seine Seite in der »Streitfrage« zu unterstützen (vgl. PAR, S. 110). So steckt in dem Namen »Zeugen Jehovas« nicht nur der Anspruch, Gottes Namen bekannt zu machen und zu bezeugen, sondern auch die »Souveränität Jehovas zu rechtfertigen«.

4. Die Lehre vom irdischen Paradies ZJ sehen gedanklich einen roten Faden, der sich durch die ganze Bibel ziehen soll: Vom verloren gegangenen Paradies (1. Mose 3) zum wieder­ gewonnenen Paradies (Offenbarung 21 und 22).

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Nach einer Vorstellung des populären Glaubens kommen alle »guten« Menschen nach ihrem Tod in ein himmlisches Paradies; alle »schlechten« Menschen hingegen in einen Ort ewiger Qual, die Hölle. ZJ hingegen argumentieren im Prinzip folgendermaßen:

Gottes Vorsatz Die ersten Menschen, Adam und Eva, seien in ein irdisches Paradies gesetzt worden, folglich sei der Mensch für die Erde geschaffen, nicht für den Himmel: & 1. Mose 1,28: (...) bevölkert die Erde (...) Psalm 115,16: Der Himmel ist der Himmel des Herrn, die Erde aber gab er den Menschen. Jesaja 45,18: Er hat sie (die Erde, d. Verf.) gegründet, nicht als eine Öde hat er sie geschaffen, sondern zum Bewohnen hat er sie gebildet (...) (ELÜ) Gott habe bei der Schöpfung einen Vorsatz gehabt, nämlich die Erde mit gerechtigkeitsliebenden Menschen zu füllen (vgl. PAR, S. 73f.).

Gott führt seine Vorsätze aus Dieser Vorsatz Gottes habe auch heute noch uneingeschränkte Gültigkeit, denn die Erde sei für unabsehbare Zeiten erschaffen worden (Prediger 1,4). Außerdem werde Gott seine Pläne nicht verwerfen: & Jesaja 46,10: Mein Plan steht fest, und alles, was ich will, führe ich aus. Jesaja 55,11: Es (Gottes Wort, d. Verf.) kehrt nicht leer zu mir zurück, sondern es bewirkt, was ich will, und erreicht all das, wozu ich es ausgesandt habe.17 Auf unser Thema bezogen: Da Gott die Erde füllen wollte, werde er es auch durchsetzen, also müsse das Paradies auf der Erde sein.

Der Sündenfall erforderte Gottes Eingreifen Dieser Vorsatz Gottes sei jedoch durch das Fehlverhalten der ersten Menschen (Sündenfall, vgl. 1. Mose 3) zeitweise durchkreuzt worden. Dadurch wurde zweierlei notwendig, damit Gott seinen Vorsatz tatsächlich ausführen könne: 16


• Die Bezahlung eines entsprechenden Lösegeldes durch den Opfertod von Christus: Adam, ein vollkommener Mensch, verwirkte für sich und alle Nachkommen das ewige Leben, indem er gegen Gottes Gebot verstoßen hatte. Jesus Christus, ein nach WTG-Lehre ebenfalls vollkommener Mensch, hielt dagegen alle Gebote, gab sein Leben als »Lösegeld« und konnte somit die Beseitigung der Folgen der Sünde und die Wiedererlangung des ewigen Lebens bewirken (Matthäus 20,28).18 • Die Verheißung einer Einrichtung, unter der die Erde und alle Menschen wieder zur Vollkommenheit geführt werden könnten: Dies werde durch eine »himmlische Königreichsregierung« mit Jesus Christus als König der Fall sein (Matthäus 6,9f.).19

Verwirklichung durch eine Königreichsregierung Die erste Voraussetzung sei bereits erfüllt: Vor etwa 2.000 Jahren sei Jesus Christus gestorben und von den Toten wieder auferstanden (Matthäus 28,5). Nun hätten die Verheißungen auf das himmlische Königreich Gültigkeit, auf dessen Erscheinen wir heute warteten.20 Dabei handele es sich nicht um ein undefinierbares Reich, sondern buchstäblich um eine Regierung, wie die Bibel zeige: & Daniel 2,44: Zur Zeit jener Könige wird aber der Gott des Himmels ein Reich errichten, das in Ewigkeit nicht untergeht (...) Es wird alle jene Reiche zermalmen und endgültig vernichten; es selbst aber wird in alle Ewigkeit beste­hen. Offenbarung 5,9f.: Du (...) hast durch dein Blut für Gott erkauft aus je­dem Stamm und jeder Sprache und jedem Volk und jeder Nation und hast sie unserm Gott zu einem Königtum und zu Priestern gemacht, und sie werden über die Erde herrschen. (ELÜ) Diese Regierung werde das von Gott gewollte Paradies nicht im Himmel, sondern auf der Erde wieder herstellen: & Jesaja 25,8b: Auf der ganzen Erde nimmt er von seinem Volk die Schande hinweg. Psalm 37,29: Die Gerechten selbst werden die Erde besitzen, und sie werden immerdar darauf wohnen. (NW) Apostelgeschichte 3,21: (...) bis zu den Zeiten der Wiederherstellung von allem, die Gott von jeher durch den Mund seiner heiligen Propheten verkündet hat.21

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