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Missbrauch von Vollmacht Gravierende Auswirkungen manipulativen Verhaltens von Menschen mit Fßhrungsaufgaben auf das häusliche Umfeld, auf Kirchengemeinden und auf Beziehungen GEORGE G. BLOOMER

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G.G. Bloomer

MISSBRAUCH

VON VOLLMACHT

Gravierende Auswirkungen manipulativen Verhaltens von Menschen mit Führungsaufgaben auf das häusliche Umfeld, auf Kirchengemeinden und auf Beziehungen

Gilgal Publishing Ajoke Harewood


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Missbrauch von Vollmacht

Englischer Originaltitel: Authority Abusers Published by Whitaker House, New Kensington, PA 15068 www.whitakerhouse.com © 2002, 2008 by George G. Bloomer ISBN: 978-1-60374-046-3

Deutsche Ausgabe: © 2010 Gilgal Publishing, Ajoke Harewood CH-5728 Gontenschwil/AG www.gilgalpublishing.ch ISBN: 978-3-905963-01-4

Die Bibelzitate wurden der Schlachter Übersetzung entnommen – Version 2000 © Genfer Bibelgesellschaft, CH-1211 Genf 3

Übersetzung: Rosi Heidler Korrektur: Ajoke Harewood Satz und Cover: Nicole Wiederkehr

Printed in Germany

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INHALT

1. Eine Atmosphäre des Missbrauchs ................................................... 7 2. Autorität nach Gottes Plan ............................................................... 17 3. Wie man zu jemandem wird, der seine Autorität missbraucht ........ 33 4. Wie man zum Opfer von Autoritätsmissbrauch wird ........................ 47 5. Wie man Autoritätsmissbrauch erkennen kann ............................... 53 6. Parasiten im pastoralen Bereich ..................................................... 79 7. Wenn religiöse Führer Familien zerrütten ........................................ 93 8. Diktatur in Familien ....................................................................... 103 9. Rebellen und Aufwiegler ................................................................ 117 10. Wie man den Python-Geist überwinden kann ................................ 125 11. Wiederherstellung richtiger Autorität ............................................ 141

Über den Autor .................................................................................... 159

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1 Eine Atmosphäre des Missbrauchs «Wer aber einem der Kleinen, die an mich glauben, Anstoß (zur Sünde) gibt, für den wäre es besser, dass ein Mühlstein um seinen Hals gelegt und er ins Meer geworfen würde.» Markus 9,42

Es geschieht subtil und diejenigen, die davon betroffen sind, merken es oft nicht einmal; es ist aber für ihren Geist genauso tödlich wie Kohlenmonoxid für ihren Körper. Polizisten kommen für so etwas ins Gefängnis, Eltern verlieren das Sorgerecht für ihre Kinder – aber es kommt tagtäglich in Tausenden von Kirchengemeinden und Familien auf der ganzen Welt vor. Die Rede ist von Autoritätsmissbrauch. Die meisten Menschen können sich nicht vorstellen, welche schmerzhaften und zerstörerischen Auswirkungen Missbrauch von Vollmacht haben kann. Das ist eine heikle Sache, und darüber zu reden ist nicht immer einfach. Wie bei anderen Formen des Missbrauchs müssen wir aber auch hier das Problem zuerst einmal erkennen, bevor wir etwas daran ändern können. Worin besteht denn nun eigentlich das Problem? Ist Autorität an sich schon schlecht – etwas, das man um jeden Preis vermeiden muss? Natürlich nicht! Das Problem ist nicht die Autorität an sich oder etwa ihre Ausübung. Das Problem sind vielmehr die Menschen, die ihre Schutzbefohlenen schamlos ausnutzen und diesen Missbrauch mit ihrer autoritären Machtposition begründen. Wenn dies geschieht, können manche Menschen geistlich ersticken und am Leben zerbrechen. Autoritätsmissbrauch ist Sünde – eine Pervertierung von etwas an sich sehr Gutem. Kein Lebensbereich ist grundsätzlich davor

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sicher. Beispielsweise kann das sexuelle Verlangen zwischen Mann und Frau im Rahmen der Ehe etwas sehr Schönes sein – und genau so hat Gott es auch konzipiert. Sex zwischen einem Mann und einer Prostituierten ist jedoch etwas sehr Unschönes, was beiden Betroffenen, sowohl dem Mann als auch der Frau, etwas von ihrer Würde nimmt, weil dadurch die reine und heilige Intimität, die nach Gottes Plan die Besonderheit des ehelichen Zusammenseins ausmachen sollte, leichtfertig abgetan wird. Autorität gemäß Gottes Plan hingegen bedeutet Schutz, liebevolle Fürsorge, Ehrlichkeit und Freiheit, während Missbrauch von Vollmacht gewöhnlich mit Enttäuschung einhergeht. Oftmals erliegen beide, sowohl derjenige, der seine Autorität ausnutzt, als auch derjenige, der Opfer eines Missbrauchs wurde, einer Täuschung, und eine solche Täuschung beraubt die Menschen der Liebe Gottes und seiner frei machenden Wahrheit. Autoritätsmissbrauch ist etwas, was sich zwischen Gott und Mensch schiebt, und ist somit Sünde gegen den Leib Christi selbst. Wer seine Autorität missbraucht, indem er unschuldige wehrlose Glieder von Christus als ihrem Haupt trennt (Kolosser 1,18), macht diese Glieder geistlich gesehen zu Krüppeln – und das in vielen Fällen für immer. Nur wenn wir uns einem Autoritätsmissbrauch widersetzen, können wir die Autorität erlangen, die Gott zu unserem Segen und für unser Wohlergehen vorgesehen hat. Aber damit greifen wir schon vor.

Ein Gleichnis Es waren einmal zwei Brüder, die gleich nach ihrem CollegeAbschluss ein agrarwirtschaftliches Unternehmen im Mittelwesten gründeten. Einer der Brüder spezialisierte sich auf Futteranbau und wandte zur Produktion der verschiedenen Sorten von Viehfutter vorrangig Strategien an, die auf dem neuesten Stand der Technik beruhten. Der andere hingegen verlegte sich auf Viehzucht und baute auf hochmoderne Methoden, wenn es darum ging, Erkrankungen der Herde rechtzeitig zu erkennen und zu behandeln oder gewisse Entscheidungen hinsichtlich der Zucht zu treffen. Er kaufte das Futter ausschließlich von seinem Bruder, und

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die beiden entwickelten eine komplexe, auf sich selbst zugeschnittene, äußerst profitable Strategie, die ihnen beiden finanzielle Vorteile einbrachte. Als die Brüder in den besten Jahren waren, hatten sie es zu beträchtlichem Wohlstand gebracht; die Organisation ihres landwirtschaftlichen Großbetriebs managten die klügsten Köpfe und die fittesten Führungskräfte der jüngeren Generation für sie. In jenem Sommer, in dem ihr gemeinsames Vermögen über die viereinhalb Millionen-Dollar-Marke kletterte, schalteten sie ihr Handy aus und machten mit ihren Ehefrauen in den Rocky Mountains Jagdurlaub. Sie teilten ihren leitenden Angestellten nicht mit, wann sie wieder zurückkommen würden – sie sagten lediglich: «Wir kommen wieder, wenn wir beide einen Elch geschossen haben.» Ein Monat war vergangen, und sie waren immer noch weg. Ein Monat und zwei Wochen. Zwei Monate. Endlich, nach zweieinhalb Monaten, kehrten die Brüder, braungebrannt von der Höhensonne, mit Kühlboxen voll herzhafter Steaks und jeweils einem imposant zur Schau gestellten Elchkopf zurück. Der Bruder mit der Rinderzucht fand sein Büro leer vor – einer seiner Mitarbeiter war gerade auf einem kleinen, lang verdienten Familienurlaub; deshalb war der Betriebsleiter mit dem Firmenhubschrauber aufs Weideland hinaus geflogen, um die Geburt zweier Kälber zu überwachen. Die Buchführung war auf dem aktuellsten Stand; alle Rechnungen waren beglichen. Der Gewinn war leicht rückläufig, aber alles lief ordnungsgemäß, und der Betriebsleiter hatte mehr Stunden gearbeitet als jede andere Kraft. Der Bruder mit dem landwirtschaftlichen Produktionsbetrieb platzte in eine Party, die ihm zu Ehren veranstaltet wurde – oder besser gesagt: eine Party zu Ehren des langen «Sommerurlaubs», den der Chef nach Meinung des Betriebsleiters gerade genoss. Das war allerdings nur eines in der Reihe vieler anderer Saufgelage, die dieser Betriebsleiter auf die Beine gestellt hatte; die Arbeiter des Betriebs brauchte er, damit sie ihm bei der Bewirtung seiner Freunde zur Hand gingen, und dabei wurden sie für diese zusätzliche Arbeit nicht einmal entlöhnt. Das ganze Büro war übersät mit leeren Kaffeetassen und Donut-Schachteln – den armseligen Überresten all der Tage, die der Betriebsleiter dort verbrachte, während alle anderen draußen auf dem Feld arbeiteten.

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Die Gewinne waren höher als je zuvor – zumindest hätten sie es sein können, hätten nicht diese kostspieligen Partys stattgefunden. Niemand hatte Urlaub bekommen, und zweieinhalb Monate lang war keinem einzigen der Angestellten auch nur irgendeine Vergünstigung gewährt worden. Es versteht sich von selbst, dass der Betriebsleiter des ersten Bruders einen ansehnlichen Bonus und einige Tage bezahlten ExtraUrlaub für seine aufopferungsvolle Arbeit als Manager mit Leitungsfunktion erhalten hatte. Dem Betriebsleiter des zweiten Bruders wurde fristlos gekündigt; ihm wurde nicht einmal mehr die Chance gelassen, Lastwagen mit Heuballen zu be- und entladen. Dass der zweite Typ gefeuert wurde, ist sicher nicht verwunderlich. Niemand wird wohl empört einwenden: «Aber er hat doch für das Unternehmen ganz schön viel Geld erwirtschaftet!» Eher hat man das Gefühl, dass er im Grunde recht ungeschoren davongekommen ist, weil jemand in seiner Position normalerweise für das Wohlergehen der anderen Angestellten verantwortlich sein und firmeneigenes Vermögen nicht veruntreuen sollte. Das Verhalten dieses Mannes verletzte nicht nur die Menschen, die er eigentlich hätte aufbauen und motivieren und für die er hätte sorgen sollen; es war auch kontraproduktiv im Hinblick auf die Ziele, die er damit verfolgte (siehe Matthäus 24,44–51). Hier haben wir ein Paradebeispiel dessen, was bei Autoritätsmissbrauch geschehen kann.

Weide meine Schafe In Johannes 21 sagt Jesus Petrus, wie die Kirche Seine Liebe Seinem Volk zeigen solle: «Als sie nun gefrühstückt hatten, spricht Jesus zu Simon Petrus: Simon, Sohn des Jonas, liebst du mich mehr als diese? Er spricht zu ihm: Ja, Herr, du weißt, daß ich dich lieb habe! Er spricht zu ihm: Weide meine Lämmer! Wiederum spricht er, zum zweiten Mal: Simon, Sohn des Jonas, liebst du mich? Er antwortete ihm: Ja, Herr, du weißt, daß ich dich lieb habe. Er spricht zu ihm: Hüte meine Schafe! Und das dritte Mal fragt er ihn: Simon, Sohn des Jonas, hast du mich lieb? Da wurde Petrus traurig, daß er ihn das dritte

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Mal fragte: Hast du mich lieb?, und er sprach zu ihm: Herr, du weißt alle Dinge; du weißt, daß ich dich lieb habe. Jesus spricht zu ihm: Weide meine Schafe!» Johannes 21,15–17

Jesu Botschaft an Petrus ist klar und deutlich: Ihn zu lieben bedeutet, für Seine Kleinen, die noch jung im Glauben sind («Lämmer»), zu sorgen («[sie zu] weiden»). Oberflächlich betrachtet, scheint die Gemeinde das nicht vergessen zu haben. Der gut gepflegte Rasen, lächelnde Gesichter und die offenen Arme, mit denen der Begrüßungsdienst die Gäste an der Eingangstür zur Gemeinde willkommen heißt – all das könnte an und für sich eine einladende Alternative zum rauen Lebensstil einer Gesellschaft sein, in der ganze Konzerne zusammenbrechen und nur das Überleben des Stärkeren gilt. Die Menschen sehnen sich nach Annahme, Halt und sogar nach Führung – letzten Endes suchen sie Gott –, und die Kirche sollte ihre Suche zu einem glücklichen Ende bringen. Das protzige und publikumswirksame Auftreten und die manipulative Art des Lehrens von Männern, die nur sich selbst statt Gott verherrlichen wollen, verhindern leider sehr oft, dass die Menschen die Annahme, den Halt, die Führung und die Liebe erfahren können, nach der sie sich sehnen. Tausende von Menschen gehen den Christen aus dem Weg und weigern sich, zur Kirche zu kommen, nur weil die Botschaft, die sie immer zu hören bekommen haben, eine des Gerichts, der Kritik und der von eigener Leistung abhängigen Liebe ist. Verantwortungslose Leiter haben die Sache Gottes mit ihrem heilbringenden Missionsauftrag und der Botschaft Seiner überströmenden Gnade in Verruf gebracht. Sie haben die Kirche zu einem Ort starrer Regeln und steifer Voraussetzungen für eine Mitgliedschaft gemacht und bringen somit diejenigen, die auf der Suche sind, von Gott ab, der allein ihre Sehnsüchte erfüllen kann. In all den 23 Jahren meines Dienstes als Prediger habe ich folgendes Geschehen Hunderte von Malen immer wieder mit ansehen müssen: Ein Mädchen lehnt sich gegen seine Eltern auf, und eine Zeitlang helfen alle Anstrengungen, die sie unternehmen, um sie

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wieder für sich zu gewinnen, gar nichts: Das Ganze endet damit, dass sie schwanger wird. Natürlich rüttelt sie das so sehr auf, dass sie zur Besinnung kommt; sie fügt sich wieder den Regeln ihrer Eltern, bereut und will erneut ihr Leben Gott übergeben. Es ist eine sehr schmerzhafte Lektion, aber schließlich hat sie sie gelernt. Sie steht gerade am Beginn ihres Heilungsprozesses, ein Gesinnungswandel ist eingetreten. In diesem Augenblick treten die vollmächtigen Leiter ihrer Heimatgemeinde auf den Plan. Sie stellen sie als Beispiel für die «Sünde im Lager» hin und verlangen, dass sie ihre Familie und die Kirche verlässt. Ihre Mutter wird aus dem Chor geworfen, ihr Vater gezwungen, sein Amt als Diakon niederzulegen – und das alles, weil ihre Familie «mit Sünde befleckt» ist. Da frage ich mich: «Wo, bitte schön, ist da die Gnade und Vergebung Jesu Christi geblieben?» Die Antwort lautet: «Nirgends.» Hier haben wir es ganz einfach mit geistlichem Missbrauch und Richtgeist zu tun, und das Ganze wird dann noch als göttliche Autorität verkauft. Das alles sind von Menschen aufgestellte und aufgezwungene Regeln, die Christus nie in den Sinn gekommen sind. Immer wieder habe ich mit ansehen müssen, wie Menschenleben durch derartigen Missbrauch kaputtgemacht wurden, sodass ich am liebsten nur geschrien hätte: «Es reicht!» Vor einigen Jahren gab es in der Führungsriege der US-Marine Skandale, die für großes Aufsehen sorgten. Mehrere hochrangige Offiziere missbrauchten das Vertrauen, das man in sie gesetzt hatte: Sie verwalteten das ihnen anvertraute Vermögen gesetzeswidrig und gingen mit den Menschen, für die sie Verantwortung trugen, unwürdig um. Diese strafbaren Handlungen waren zwar nur von ein paar einzelnen Offizieren begangen worden, wohingegen Hunderte loyaler, ehrlicher Männer und Frauen ihr Bestes gaben, um eine starke und ehrenhafte Truppengattung der Armee zu führen. Zwangsläufig aber assoziierte man daraufhin mit der US-Marine auch Korruption. Autoritätsmissbrauch ist eine sehr ernste und gefährliche Sache, wie im vorliegenden Fall, wo der Vertrauensbruch jahrzehntelange Integrität und ungebrochene Tapferkeit zunichtemachte. 12

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Genau dasselbe geschah in amerikanischen Kirchen – doch können wir die Schuld daran nicht einem oder zwei ganz speziellen, recht berühmten Fernseh-Evangelisten geben, wie dies bei der Marine der Fall war, wo definitiv nur ein paar bestimmte Offiziere dafür verantwortlich gemacht werden konnten. Angefangen von kleinen Kirchengemeinden auf dem Land bis hin zu Megakirchen in den Metropolen – überall stößt man auf Pastoren, die ihre Machtposition ausnutzen. Die kontrollsüchtige, gnadenlose Diktatur einer Religion, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt, macht nicht vor Rasse oder Konfession, Geschlecht oder Landesgrenzen Halt. Und die Folge davon? Viele solide christliche Institutionen, die fest im Wort Gottes gegründet sind und es treu befolgen, werden mit einer kleinen Gruppe von Heuchlern, die das Leben anderer zerstören, in einen Topf geworfen. Die Verkündigung der guten Botschaft Jesu Christi wird unablässig von selbst ernannten Diktatoren beeinträchtigt, die sich als geistliche Schafhirten ausgeben, in Wirklichkeit aber die Schafe in die Irre führen. Ein vornehmer Herr erzählte mir einmal, dass seine Kirchengemeinde – alle Dienste zusammengenommen, einschließlich die des Abendmahls, der Taufe und der Kindersegnung – aus genau 147 Mitgliedern bestand. Jahrelang zählte seine Gemeinde nie mehr, aber auch nie weniger als 147 Mitglieder. Immer ganz genau 147. Ich fragte ihn, was für eine Art von Kirche das denn sei, denn der Dienst, den er beschrieb, klang eigentlich ganz passabel. Daraufhin erklärte er mir, dass der Pastor und seine Frau jeden, der in diese Kirche ging, vollkommen einschüchterten. Offensichtlich hatten der Pastor und seine werte Gattin im Leben jedes Gemeindeglieds ein Wörtchen mitzureden: Angefangen bei kleinen Alltagsproblemen über die Organisation des Familienlebens bis hin zum Haushaltsgeld – einfach überall. Diese Geschichte kam mir recht bekannt vor: Ich dachte an die Erfahrungen, die ich selbst in der Kirche machen musste, in der ich aufwuchs. Als Jugendlicher betete ich oft wegen meiner Sünden, aber es war mir im Grunde ganz egal, wie Gott darüber dachte und was Er von mir hielt! Ich betete immer dasselbe: «Lieber Gott, lass den Pastor bitte nicht herausfinden, dass ich gesündigt habe.» Da der Pastor in seiner Kirche ein sehr dogmatisches und gesetzliches Regiment

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führte, fürchtete ich ihn noch mehr als Gott selbst. Ich hatte panische Angst, dass Gott diesem Mann vielleicht erlauben könne, meine Gedanken und Gefühle zu kennen, ohne dass ich sie ihm überhaupt mitgeteilt hätte. So etwas wie das, was ich erlebt habe, gibt es immer noch. Auch heute noch vergiftet Machtmissbrauch die Atmosphäre in Gemeinden und nimmt den einzelnen Gemeindegliedern gewissermaßen die Luft zum Atmen. Viele Menschen haben Erfahrungen mit einem Leiter machen müssen, der sie unter seiner Kontrolle halten wollte, indem er ihnen immer wieder mit dem sogenannten «biblischen Gehorsam» drohte. Allzu oft (auch nur ein einziges Mal ist zu viel!) unterwirft sich jemand aus freien Stücken einem Pastor oder geistlichen Leitern eines Gemeindedienstes, die ihre Autorität schamlos ausnutzen – und merkt erst am Ende, dass er zum Sklaven persönlicher Launen und irriger Überzeugungen dieser autoritären Machtmenschen gemacht wurde. Diese Kontrolle geht oft sogar so weit, dass von oben angeordnet wird, wann Familien in Urlaub fahren oder wie lange Paare warten sollten, bis sie die Ehe vollziehen, in welche Schule man seine Kinder schicken sollte ... bedauernswerterweise ließe sich diese Liste noch beliebig fortsetzen. Zahllose Menschen wurden von eben der Institution verletzt, die eigentlich dazu bestimmt war, ihnen Heilung zu bringen. Deshalb gibt es viele Menschen, die zwar Gott aufrichtig und von ganzem Herzen lieben, aber für die Kirche als Organisation rein gar nichts übrig haben. Von der Erfahrung, dass geistliche Leiter auf bestimmten Konfessionen und Traditionen beharren und ihre Autorität ausnutzen, ist bei vielen Gemeindegliedern, die früher einmal ihren Leitern arglos vertrauten und in gewisser Weise von ihnen abhängig waren, ein fader Nachgeschmack geblieben. Viele Pastoren und Leiter sind mittlerweile eher Manager, die das Leben der Gläubigen organisieren, aber keine Gemeindeleiter, auf die man sich verlassen könnte und die sich um einen sorgen würden!

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Autoritätsmissbrauch ist eine Machenschaft Satans Satan war schon immer darauf aus, eine höhere Position einzunehmen als Gott auf Seinem Thron. Er versucht mit aller Gewalt, die Welt gegen die Kirche und den Gott, der sie in Seiner Hand hält, aufzuwiegeln, und um dieses Ziel zu erreichen, wird er jeden benutzen, der sich bereitwillig als Werkzeug für so etwas hergibt. Es gibt zwar viel mehr gute Pastoren und gute Kirchen als Furcht und Schrecken verbreitende Diktatoren, die sich als geistliche Führer aufspielen, in Wirklichkeit aber über die Gemeinde nur Kontrolle ausüben wollen; und dennoch würde der Feind – wie wir ja alle wissen – gern die paar wenigen schlechten Samen groß herauskommen lassen, um die Kirche als Institution ins Verderben zu stürzen. Wie viele Menschen gibt es doch, die der Kirche völlig den Rücken gekehrt und geschworen haben, niemals wieder einen Fuß in eine andere kirchliche Einrichtung zu setzen, weil sie von ihr so verletzt worden sind? Obwohl viele Menschen dieses Argument vorschützen, um nicht zur Kirche gehen zu müssen, dürfen wir diejenigen nicht außer Acht lassen, die tatsächlich von Leitern in einem kirchlichen Dienst bedrängt, in geistlicher Hinsicht misshandelt und verletzt worden sind. Es ist höchste Zeit, dass wir, die wir dem Leib Christi angehören, endlich mit Traditionen, die von Menschen gemacht wurden, und mit Manipulation und Kontrolle – den Ursachen solcher Verletzungen – brechen. Aber wie können wir denjenigen, die verletzt worden sind, helfen, wieder heil zu werden, gleichzeitig aber auch den andern die Augen öffnen, damit sie nicht in dieselbe Falle geraten? Nach dem Tod des Pastors aus meiner Kindheit und Jugend, als ich schon längst erwachsen war und selbst im geistlichen Dienst stand, offenbarte mir Gott Schritt für Schritt, in welch tiefe Finsternis die Gemeinde meines früheren Pastors geraten war. Gott ließ mich eine Zeit geistiger und geistlicher Läuterung durchlaufen, in der Er mir die Augen öffnete, damit ich nicht genau dieselben ungöttlichen Taktiken in meinem eigenen geistlichen Dienst anwandte, ohne es überhaupt zu merken. Kurz gesagt: Gott fing an, meine innerlichen Barrieren abzubauen – Barrieren, die ich als Reaktion auf diesen falschen Umgang

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mit Autorität aufgebaut hatte und die mich daran hinderten, Gott so kennen zu lernen, wie Er wirklich ist. Je mehr ich verstand, wie wahre geistliche Autorität aussehen sollte und wie dieser Pastor von der eigentlichen Wahrheit abgekommen war, umso mehr erkannte ich auch von Gottes Wesen. Mittlerweile weiß ich, dass wir nur dann die Autorität erlangen können, die Gott uns zugedacht hat und durch die Er uns segnen und Wohlergehen schenken möchte, wenn wir uns gegen Machtmissbrauch zur Wehr setzen.

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2 Autorität nach Gottes Plan «Und Gott segnete sie; und Gott sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch und füllt die Erde und macht sie euch untertan und herrscht über die Fische im Meer und über die Vögel des Himmels und über alles Lebendige, das sich regt auf der Erde!» 1.Mose 1,28

Das erste Haus, das meine Frau Jeannie und ich bauten, lag in einem nahezu unerschlossenen Gebiet, in dem es neben unserem nur noch ein paar wenige andere Häuser gab. Nachdem das Terrain eingeebnet und alle Geländeprüfungen abgeschlossen waren, ließen wir – in der festen Überzeugung, wir seien jetzt auf dem besten Weg, ein anständiges Haus bauen zu können – einen Bauplan entwerfen. Zu unserem Erstaunen jedoch bekamen wir bald eine Rechnung über 50‘000 $ für das Legen des Fundaments, den Anschluss an die Kanalisation und die Wasserversorgung durch die Stadt Durham! Dies bedeutete, dass 50'000 $ unseres Geldes in den Grund flossen, bevor auch nur das kleinste Bisschen vom Haus zu sehen war. Schließlich war der Hausbau abgeschlossen; wir richteten das Haus ein und bezogen es. Mit den Jahren aber gab das Fundament mitsamt dem Haus allmählich nach, und es traten Probleme mit der Statik auf. Wir mussten 1,20m tief in die Erde graben, um das fehlerhafte Fundament wieder in Ordnung zu bringen – erst dann war es geschafft. Matthäus 7,24 erinnert uns daran, dass jeder, der Christi Worte hört und sie tut, einem weisen Mann gleicht, der sein Haus auf Fels oder ein festes Fundament baut. Wer auf Gottes Wort baut, ist gut gerüstet, sodass er den Stürmen des Lebens trotzen kann.

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Ein törichter Mensch aber nimmt sich keine Zeit, die Kosten zu überschlagen; stattdessen baut er auf einen x-beliebigen Grund. Sein Fundament ist instabil – eine Mischung aus Hirngespinsten und Sand. Wenn ein Sturm aufkommt, stürzt sein Haus krachend in sich zusammen und verschwindet unter sintflutartigen Wasserströmen. Ohne festes Fundament ist es unmöglich, standzuhalten. Das gilt auch im übertragenen Sinne für Autoritätsmissbrauch: Wenn wir dem standhalten wollen, wenn wir den festen Vorsatz haben, es in unserem eigenen Leben gar nicht erst dazu kommen zu lassen, müssen wir all unser Tun auf ein solides, fundiertes Verständnis göttlicher Vollmacht bauen. Wir werden nur dann wissen, was krumm ist, wenn wir wissen, was gerade ist. Und unseren geraden Weg, unser festes Fundament finden wir dann, wenn wir die Antwort auf folgende Frage gefunden haben: «Woher kommt göttliche Vollmacht?» Weißt du noch, warum Jesus die Juden so in Erstaunen versetzte? «Die Volksmenge erstaunte über seine Lehre, denn er lehrte sie wie einer, der Vollmacht hat, und nicht wie die Schriftgelehrten.» (Matthäus 7,28–29). Die Juden waren derart erstaunt, weil sie nicht wussten, woher Jesus Seine Autorität hatte. Er sprach und lehrte mit so offensichtlicher Vollmacht – aber wie kam Er dazu? Was war die Quelle Seiner Gewissheit, Seiner Sicherheit, Seines Anspruchs, dass Ihm das zustand? Diese Frage war für sie so rätselhaft, dass sogar die jüdischen religiösen Führer zugaben, dies nicht zu verstehen. «Und als er in den Tempel kam, traten die obersten Priester und die Ältesten des Volkes zu ihm, während er lehrte, und sprachen: In welcher Vollmacht tust du dies, und wer hat dir diese Vollmacht gegeben?» Matthäus 21,23

Pastor McCollum gab einmal folgende Erklärung: Die Antwort auf diese Frage findet man in einem Gespräch zwischen Jesus und einem römischen Hauptmann, der, obwohl Heide, dennoch ein frommer und gottesfürchtiger Mann war. «Als Jesus aber nach Kapernaum kam, trat ein Hauptmann zu ihm, bat ihn und sprach: Herr, mein Knecht liegt daheim gelähmt danieder und ist furchtbar geplagt! Und Jesus spricht zu ihm: Ich will

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kommen und ihn heilen! Der Hauptmann antwortete und sprach: Herr, ich bin nicht wert, dass du unter mein Dach kommst, sondern sprich nur ein Wort, so wird mein Knecht gesund werden! Denn auch ich bin ein Mensch, der unter Vorgesetzten steht, und habe Kriegsknechte unter mir, und wenn ich zu diesem sage: Geh hin!, so geht er, und zu einem anderen: Komm her!, so kommt er; und zu meinem Knecht: Tu das!, so tut er’s.» Matthäus 8, 5–9

Beachte, dass der Hauptmann nicht sagte: «Auch ich bin ein Mann, der Vollmacht hat.» Er sagte zu Jesus: «Auch ich bin ein Mensch, der unter Vorgesetzten steht.» (V. 9: Hervorhebung hinzugefügt). Er erkannte, dass Jesu Macht und Autorität vom Vater kam und dass Jesus vom Vater gesandt und somit auch Stellvertreter des Vaters war. Römer 13,1 besagt, dass wahre Autorität von Gott verliehen wird: «Jedermann ordne sich den Obrigkeiten unter, die über ihn gesetzt sind; denn es gibt keine Obrigkeit, die nicht von Gott wäre, die bestehenden Obrigkeiten aber sind von Gott eingesetzt.»

In 1.Mose erfahren wir, dass Gott von Anbeginn einige Wesen seiner Schöpfung über andere gesetzt hat: «Und Gott sprach: Lasst uns Menschen machen nach unserm Bild, uns ähnlich; die sollen herrschen über die Fische im Meer und über die Vögel des Himmels und über das Vieh und über die ganze Erde, auch über alles Gewürm, das auf der Erde kriecht!» 1.Mose 1,26

Die Schrift belegt, dass Gott diese Tradition, einigen Wesen Autorität über andere zu geben, fortsetzte. So wurde beispielsweise dem Mann Autorität über die Frau gegeben: «Ihr Männer, liebt eure Frauen, gleichwie auch Christus die Gemeinde geliebt hat und sich selbst für sie hingegeben hat.» (Epheser 5,22–23), Königen und Präsidenten Autorität über ihre Landsleute (2.Chronik 9,8) und Pastoren Autorität über Gemeinden (2.Korinther 13,10). Da Gott diese Autoritäts-Beziehungen eingesetzt hat, sollten sie ein Abbild Seines Wesens sein. Deshalb forderte Paulus zuerst die Frauen auf, sich ihren Männern unterzuordnen, anschließend

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aber auch die Männer, Christus nachzuahmen: «Ihr Männer, liebt eure Frauen, gleichwie auch Christus die Gemeinde geliebt hat und sich selbst für sie hingegeben hat.» (Epheser 5,25). Jede Autorität muss das Wesen ihres Schöpfers widerspiegeln.

Wozu das Ganze? In 1. Mose 2,15 steht: «Und Gott der HERR nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, damit er ihn bebaue und bewahre.» Hier hat Gott dem Menschen zum ersten Mal Autorität über etwas anderes verliehen. Man beachte, dass dies eines der ersten Dinge war, die Er mit Seinem Universum tat; während noch das Flair der «neuen Schöpfung» in der Luft hing, stellte Gott bereits ein Schild mit der Aufschrift «Mensch-am-Werk» auf – und trat selbst in den Hintergrund. In dieser vollkommenen, heilen Zeit und an diesem vollkommenen heilen Ort wurde Autorität so ausgeübt, wie Gott dies geplant hatte: Von Gott gegebene Autorität hegt und pflegt ohne Ausnahme alles, was ihr anvertraut worden ist. Dies gilt für alle Arten von Autorität in jeder Art von Beziehung: in Ehen, in Kirchen, zuhause und am Arbeitsplatz. Es verhält sich so, wie meine Frau und ich in «Crazy House, Sane House» (Verrücktes Haus, heiles Haus) geschrieben haben: Ein Mann hat nicht nur die Verantwortung, für seine Frau zu sorgen; er sollte sie auch ermutigen, in ihren Stärken und Gaben zu wachsen. Warum? Weil ein Mann Autorität über seine Frau hat. Und so wie Gott wollte, dass Adam sich um den Garten, den Er ihm anvertraut hatte, kümmern und ihn hegen und pflegen sollte, ebenso erwartet Er, dass ein Mann seine Frau ermutigt und ihr den Rücken stärkt. Eine Frau sollte sich also ihrem Mann bereitwillig unterordnen; Gott hat einen Plan für ihr Leben: Damit es gute Frucht trägt, sollte sie von ihrem Mann geführt, ernährt und versorgt werden. Dieses Prinzip der Ermutigung gilt für den kirchlichen Bereich ebenso wie für den beruflichen. Wenn jemand, der in einem bestimmten Bereich Verantwortung für dich trägt, dir Entfaltungsfreiraum lässt und doch immer für dich da ist, dann gibt es

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nichts, was du nicht schaffen könntest. Wie ein liebevoller Vater sollte er sich freuen – ja, er sollte sogar überglücklich sein – dich bei allem, wozu Gott dich berufen hat, zu unterstützen. Warum? Weil göttliche Autorität völlig selbstlos und nur darauf bedacht ist, dass diejenigen, für die sie verantwortlich ist, wachsen und gedeihen. Wer Autorität so ausübt, wie Gott sie geplant hat, wird sich also niemals von seinen «Kindern» in seiner Position bedroht fühlen; vielmehr wird er sich über ihre Erfolge freuen. Wir bringen unseren Kindern bei, dass die Polizei ihr Freund und Helfer ist (auch wenn uns selbst etwas mulmig ist, wenn wir einen Streifenwagen irgendwo am Straßenrand stehen sehen); wir schärfen ihnen auch ein, dass sie sich an die Polizei wenden sollen, wenn sie sich je irgendwo verirren sollten. Warum? Weil der Polizist, diese Autoritätsperson, in deren Zuständigkeitsbereich so etwas fällt, für jeden gesetzestreuen Bürger der Garant dafür ist, dass ihm im Notfall das Beste, was die Regierung zu bieten hat, zur Verfügung steht. Autorität nach Gottes Plan will immer nur das Beste für diejenigen, die unter ihrer Leitung und ihrem Schutz stehen. Wenn eine Autorität auf das Wohl derer bedacht ist, über die sie gesetzt ist, dann sind diejenigen, für die die Regeln aufgestellt worden sind, viel eher motiviert, sie schön brav einzuhalten, da sie ja nur zu ihrem Besten da sind. Wenn ich auf der Autobahn fahre, versuche ich, das vorgeschriebene Tempolimit einzuhalten. Dann bekomme ich auch kein schlechtes Gewissen und keinen Adrenalinstoß, wenn ich um eine Kurve biege und plötzlich einen Streifenwagen vor mir sehe. Ich brauche auch nicht aufs Bremspedal zu treten, in der Hoffnung, die Geschwindigkeit noch drosseln zu können, bevor der Polizist auf mich aufmerksam wird; stattdessen fahre ich in aller Seelenruhe weiter. Ehrlich gesagt, wirkt ein Polizeiauto sogar ganz beruhigend auf mich, weil ich mir keine Gedanken wegen so eines Verrückten machen muss, der sich einbildet, mit 150 km/h hinter mir her rasen zu müssen, und mir dann gefährlich auf die Pelle rücken würde. Dazu müsste er ja schließlich auch an dem Polizisten vorbei, der gleich von seiner Autorität Gebrauch machen würde, um

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mich zu schützen. Und das ist göttliche Autorität mit der Waffe in der Hand! (Siehe Römer 13,3–4). Aus meiner eigenen Erfahrung weiß ich, dass ich als Pastor ganz ähnliche Pflichten habe. Wie ein Mann die Verantwortung hat, für seine Frau zu sorgen und sie zu unterstützen, so hat ein Pastor die Verantwortung, seine Gemeinde zu leiten und sie aufzubauen. Und wie ein Polizist für das Wohl seiner Mitbürger zu sorgen hat, so hat ein Pastor für das geistliche Wohl seiner Gemeinde zu sorgen. Es gibt viele verschiedene Arten von Verantwortung in meinem Amt. Wie alle Pastoren verfehle auch ich manchmal das Ziel; mir ist mittlerweile klar geworden, dass unsere größten Niederlagen oft zu unseren größten Erfolgen führen können. Wenn wir aber einmal versagen, müssen wir auch dazu bereit sein, unsere Fehler zuzugeben, aus ihnen zu lernen und noch stärker bestrebt sein, zu der Reife zu gelangen, bei der Gott im Mittelpunkt steht. Sobald wir uns für unser eigenes Tun rechtfertigen, gerät unser christliches Leben ins Stocken – und schon sind wir dabei, unsere Autorität zu missbrauchen. In Epheser 4,11–13 spricht Paulus von den verschiedenen Diensten in der Gemeinde: «Und Er hat etliche als Apostel gegeben, etliche als Propheten, etliche als Evangelisten, etliche als Hirten und Lehrer, zur Zurüstung der Heiligen für das Werk des Dienstes, für die Erbauung des Leibes des Christus, bis wir alle zur Einheit des Glaubens und der Erkenntnis des Sohnes Gottes gelangen, zur vollkommenen Mannesreife, zum Maß der vollen Größe des Christus.»

Wir haben diese Schriftstelle so oft gehört, dass wir sie schon fast gar nicht mehr hören; sie plätschert einfach dahin – wie Musik, die im Kaufhaus als Dauerberieselung läuft. Aber was bedeutet sie eigentlich? Gottes Wort ist es wert, dass wir mehr als nur einen flüchtigen Blick darauf werfen. Wir wollen diese Verse also einmal genauer betrachten und uns dabei auf das Amt des Pastors konzentrieren. Wie ein Schäfer die Aufgabe hat, seine Schafe zu hüten, so hat ein Pastor – dieses Wort bedeutet ja wörtlich übersetzt «Hirte» – die Aufgabe, seine Herde zu hüten und für sie zu sorgen – eine Herde, 22

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die ihm vom HERRN anvertraut worden ist. Nur zur Erinnerung: Als Petrus sagte, er liebe Jesus, erwiderte Jesus: «Weide meine Schafe». Als geistlicher Aufseher hat ein Pastor den Auftrag, sich um die Menschen in seiner Gemeinde zu kümmern, sie zu lehren und zu bevollmächtigen. Laut Epheser 4 hat das Amt des Pastors drei ganz konkrete Funktionen:

1. Die Zurüstung der Heiligen Ich glaube, das Wort «Zurüstung», das hier gebraucht wird, bezieht sich auf die Heiligung. Heiligung ist eine Folge des Wirkens vom Heiligen Geist. Durch sie wird unsere menschliche Natur so umgestaltet, dass wir Christus immer ähnlicher werden; dies geschieht in einem Prozess, der unser ganzes Leben lang andauert und unser gesamtes Menschsein umfasst. Als Pastor habe ich die Autorität und gleichzeitig auch die Verantwortung, den Menschen in meiner Gemeinde das Wort Gottes nahe zu bringen, und das ist ein ganz wesentlicher Faktor, um auf dem Weg der Heiligung voranzukommen. Ich sollte ihnen zu einem ausgewogenen Verständnis dessen, was die Schrift lehrt, verhelfen – Gnade und Gericht, Gnade und Überführung von Sünden – und wenn ich meine Arbeit gut gemacht habe, werden sie für jede Situation gerüstet sein und sie mit der Wahrheit der Schrift meistern können. Und wenn sie einmal nicht wissen, was Gottes Wort zu einer bestimmten Sache sagt, werden sie es schon noch selbst herausfinden. Die Heiligung ist Sache des Heiligen Geistes, aber gelegentlich will Er sie durch menschliche Gefäße bewirken. Ich muss den Heiligen Geist Sein Werk verrichten lassen, und ich werde das meine tun; Gott wird nicht meine Aufgabe übernehmen, und ich kann nicht die Seine erfüllen.

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2. Das Werk des Dienstes Trotz ihrer Schwächen sind gute Pastoren Leiter, die mit gutem Beispiel vorangehen: Ihr Ziel sollte es sein, Mitarbeiter in der Gemeinde dazu anzuleiten, dass sie effektiv in den verschieden Diensten der Gemeinde wirken können – das heißt, dass sie auf die Bedürfnisse der Menschen eingehen, Gemeindeglieder korrigieren und andere zu Christus führen können. Ich kann nicht erwarten, dass meine Gemeinde weiß, wie die christlichen Dienste in der Gemeinde auszuüben sind, wenn ich ihnen nicht mit gutem Beispiel vorangehe. Deshalb musst du damit rechnen, dass – ganz gleich, wie du dich gerade für die Gemeinde engagierst oder welchen Dienst du im Augenblick versiehst – Bischof Bloomer auf einmal vor dir steht, aufgestylt oder auch mit hochgekrempelten Hemdsärmeln, je nach Situation.

3. Die Erbauung des Leibes des Christus Jemanden zu erbauen bedeutet, ihn zu ermutigen: dazu ist erforderlich, dass Gottes positive Gedanken über Menschen in verlässlicher Weise an sie weitergegeben werden. Ein Pastor kann nur dann seine Gemeinde richtig auferbauen, wenn er sich für sie engagiert. Wenn man eine Stellung einnimmt, bei der man Autorität hat, dann bedeutet das unter anderem auch, in Kontakt mit Menschen zu bleiben, die Gott einem anvertraut hat. Dies kostet Zeit, Energie, Geduld und Opfer. Vor Jahren erzählte mir einmal ein Pastor folgende Geschichte: Vor einigen Monaten beraumte ich ein Treffen der Ältesten an. Wir hatten ein eigenes Radioprogramm, und am Ende jeder Sendung nannten wir eine Telefonnummer, unter der die Leute anrufen konnten, wenn sie Gebet wünschten. Kurze Zeit vorher hatten wir beschlossen, einen Anrufbeantworter mit eigener Nummer auf diese Linie zu schalten, damit unser Team seine Kräfte schonen und seine Energien sparen konnte. Als ich, wie gesagt, die Ältesten zu

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einem Treffen einlud und ihnen erzählte, dass ich eine Aufnahme von unserer Gebetshotline vorspielen wollte, waren sie alle ziemlich gespannt. Aber statt einen guten Bericht zu hören, wie sie das eigentlich erwartet hatten, saßen sie schweigend und fassungslos da und hörten einer jungen Frau zu, die mit monotoner Stimme sprach: «Ich bringe mich um. Ich habe zwar gedacht, dass es vielleicht irgendeinen Grund gibt, das nicht zu tun, aber gerade habe ich beschlossen, es heute Nacht zu tun. Ich habe angerufen, weil ich dachte, dass ihr mir vielleicht einen guten Grund sagen könnt, warum ich es nicht tun sollte. Aber jetzt weiß ich sicher, dass es keinen Gott gibt, und deshalb werde ich also Schluss machen. Lebt wohl.» Nicht in jedem Dienst kann man eine Gebetshotline einrichten oder jemanden finden, der Anrufe rund um die Uhr beantworten könnte; zudem kann auch nicht jeder Pastor im Vollzeit-Dienst tätig sein – einige arbeiten nebenher, um ihre Familie zu ernähren, so wie ich es anfangs ja auch tat. Der Titel eines Buches von Mac Anderson und Lance Wubbels ist in dieser Hinsicht sehr bezeichnend: «Liebe buchstabiert ein Kind so: Z-E-I-T». Wenn man von Gott eine autoritative Stellung erhalten hat, sollte man sich zumindest immer Zeit für die Menschen nehmen, die man führen und leiten soll. Ich setze alles daran, dass mein Büro und die Mitarbeiter in meinem Team zu jeder Zeit für die Mitglieder meiner Gemeinde erreichbar sind. Ich bin der Meinung, dass jeder, der ein Problem hat oder irgendwie verletzt ist, und jeder, der wegen irgendeiner Sache mit mir reden möchte, auch wirklich die Gelegenheit dazu bekommen sollte, gehört zu werden. Ich kann gar nicht genug betonen, wie wichtig ehrliche Kommunikation zwischen Personen, die geistliche Autorität besitzen, und den Menschen, für die sie Verantwortung haben, ist. Ich sage den Menschen in meiner Gemeinde immer, dass sie mit mir reden können, wenn ihnen danach ist; ich sage ihnen aber auch: «Wenn ihr am Rande des Wahnsinns seid, und wenn euch nach Schreien zumute ist, dann tut’s doch einfach! Ich muss es mitkriegen; ich muss wissen, dass ihr mies drauf seid.»

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Wie soll ich ihnen denn helfen, und wie kann ich ihnen mit Liebe begegnen, wenn sie Angst haben, sich so zu geben, wie sie eigentlich sind, sobald ich in ihrer Nähe bin?

Aber warum? Wir sind im Grunde wieder da, wo wir angefangen haben: Das Wesen von Gott gegebener Autorität ist es, alles zu hegen und zu pflegen, worüber sie gesetzt ist. Aber Autorität umfasst noch mehr als das – oder etwa nicht? Wenn Autorität nur bedeuten würde, dass man sich um Menschen kümmert, dann könnten wir sehr wohl das Fehlen von Autorität zu beklagen haben, nicht aber einen Autoritätsmissbrauch im eigentlichen Sinne. Unsere Probleme rühren daher, dass Autorität letzten Endes immer Folgendes bedeutet: Jemand tritt seine Befugnis, Entscheidungen zu treffen, aus freien Stücken an einen anderen ab. In gewisser Hinsicht bedeutet, eine Autorität über sich zu haben, tatsächlich, einige seiner persönlichen Rechte aufzugeben. Ja, warum sollte Gott denn so etwas von uns wollen? Stelle dir einmal vor, wir würden in einer Welt leben, in der es keine Autorität gäbe und in der niemand Regeln befolgen müsste, die ein anderer aufgestellt hätte. Könntest du seelenruhig auf der Straße herumkutschieren, wenn es keine Geschwindigkeitsbegrenzung gäbe, um andere Autofahrer im Zaum zu halten? Was wäre, wenn du dich nicht darauf verlassen könntest, dass irgendjemand an der roten Ampel oder an Stoppschildern stehen bleibt? Wärst du nicht beunruhigt, wenn der Waffenladen deiner Stadt berüchtigten Mördern Schnellfeuerwaffen verkaufen würde? (Und dabei dürfte man die Mörder nicht einmal als Schwerverbrecher bezeichnen, weil ja niemand dazu befugt wäre, das beim Namen zu nennen, was sie falsch gemacht haben!) Am Ende würden wir doch wieder Regeln gehorchen müssen, die von anderen Menschen gemacht werden, aber nicht, weil jemand von Rechts wegen dazu befugt wäre; es verhielte sich ganz einfach so, dass der Stärkere den Schwächeren zwingen würde, sich zu unterwerfen.

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