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Steffi Baltes / Katja Hogh

Du bringst mein Herz zum Klingen! Bekannte Kirchenlieder neu entdeckt


Meinen Großeltern Erna und Helmut, Luise und August, in Dankbarkeit.

E inleitung

Steffi Baltes

Für meine Oma Rosa Riesch – Expertin in Sachen Kirchenliedern. Katja Hogh

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doxen und orientalischen Gottesdiensten miterleben dürfen (zum Mitsingen reichten dann meine Sprachkenntnisse leider nicht aus ...). In diesem Geschenkbuch widmen Katja Hogh und ich uns den wichtigsten und beliebtesten Kirchenliedern, die im evangelischen und katholischen Bereich bekannt sind. Ein Lied, das Lieblingslied von Katjas Opa, nimmt eine besondere Stellung ein – „Auf Adlers Flügeln getragen“ ist ein Glaubenslied aus dem Pietismus und wird katholischen Geschwistern eher weniger bekannt sein. Dennoch haben wir es mit in unser Buch genommen, weil es eine wunderschö-

it den Jahren habe ich Kirchenlieder wieder neu entdeckt und lieben gelernt. Ich selbst bin in der evangelischen Kirche mit Gesangbuchliedern aufgewachsen, singe aber auch gerne modernere geistliche Lieder, deutsche und englischsprachige Lobpreislieder oder Lieder aus der pietistischen Erweckungsbewegung. Während meiner vielen Begegnungen mit katholischen Geschwistern habe ich auch deren Gottesdienstliturgie und Liedgut wertschätzen gelernt. Und nicht zuletzt habe ich auch schon des Öfteren im Ausland die Liturgie und Lieder in ortho5


ne Bildsprache und einen ausdrucksstarken Text in sich vereint. Kirchenlieder, ja geistliche Lieder im Allgemeinen, gründen meist auf Bibeltexten, sprechen von Glaubenserfahrungen und machen ermutigende oder zum Nachdenken bringende Glaubensaussagen. Deshalb sind sie ein wichtiger Bestandteil unseres Lebens als Christen. Männer und Frauen des Glaubens liebten es zu allen Zeiten, Gott in Liedern zu loben und in Text und Melodie vom Leben mit Gott zu erzählen. König David zum Beispiel – Komponist, Musiker, Sänger und Liedtexter in einer Person – wusste um die heilsame und stärkende Kraft der Musik. Er konnte nicht nur König Saul mit seinem Harfenspiel besänftigen, sondern schrieb sich mit seinen Psalmen, die ja auch gesungen wurden, seine Glaubenserfahrungen mit Gott von der Seele – schöne, aber auch herausfordernde oder schwierige. Noch heute lesen wir die Psalmen (die wir nicht mit der Originalmelodie singen können, weil uns nur schriftliche Hinweise wie „nach der Weise ,Schöne Jugend‘“ oder „nach der Weise ,Die Hirschkuh, die früh gejagt wird‘“ überliefert sind) und werden dadurch in unserem Glauben und Leben ermutigt. Auch im Neuen Testament sind uns frühe geistliche Lieder überliefert wie zum Beispiel der Lobgesang des Zacharias, der Lobgesang Marias oder der Lobgesang des Simeon, die zur eigenen Freude, aber auch zur Erbauung der anderen gesungen und überliefert wurden.

Persönlich erlebe ich es immer wieder, dass mir in wichtigen Situationen meines Lebens der Text und die Melodie eines geistlichen Liedes in den Sinn kommen, mich froh machen, mich stärken, mich etwas über den Charakter Gottes und das Wesen des christlichen Glaubens lehren. Besondere Kraft aber entfalten geistliche Lieder erst so richtig, wenn sie gemeinsam, mit anderen Christen zusammen, gesungen werden – sei es bei einem christlichen Fest zu Hause im Familienkreis, in einem Hausoder Bibelkreis, im Gottesdienst oder auf einer Gemeindefreizeit. Das praktizierten schon die frühen Christen in ihren Versammlungen. So ermutigte Paulus die Gemeinde in Ephesus ganz ausdrücklich: „Ermuntert einander mit Psalmen und Lobgesängen und geistlichen Liedern, singt und spielt dem Herrn in eurem Herzen.“ (Epheser 5,19) Und den Christen in Kolossä schrieb er: „Lasst das Wort Christi reichlich unter euch wohnen: Lehrt und ermahnt einander in aller Weisheit; mit Psalmen, Lobgesängen und geistlichen Liedern singt Gott dankbar in euren Herzen.“ (Kolosser 3,16) In diesem Sinne hoffe ich, dass die Bilder und Texte dieses Buches Sie neu für die Schönheit und den Wert geistlicher Lieder begeistern können. 6

efiehl du deine Wege Der Pfarrer und Liederdichter Paul Gerhardt lebte im 17. Jahrhundert, einer Zeit, die vom Grauen des Dreißigjährigen Krieges, von Pest, Armut und Hunger geprägt war. Schon früh verlor Paul seine beiden Eltern. Aber auch im Erwachsenenalter war er vom Leid verfolgt: Nach nur dreizehnjähriger Ehe starb seine Frau Anna Maria, von den fünf gemeinsamen Kindern überlebte ein einziges. Dennoch dichtete er über 130 Kirchenlieder, die von seiner Liebe und seinem Vertrauen zu einem Gott zeugen, der sich jedem Einzelnen persönlich zuwendet und in der Schönheit seiner Schöpfung erkennbar ist.

Das Lied „Befiehl du deine Wege“, so erzählt man sich, soll Paul Gerhardt geschrieben haben, als es ihm und seiner Frau am Nötigsten fehlte. Anna Maria war mit der Bitte zu ihm gekommen: „Gib mir nur einen Groschen, damit ich das Allernötigste kaufen kann. Sonst kann ich dir heute nicht einmal den Tisch zu Mittag decken!” Paul, der kein Geld mehr besaß, tröstete sie mit den Worten: „Ich will dir eine Speise besorgen, die nicht vergeht”, setzte sich in das Gartenhaus und schrieb dieses wundervolle Lied. Es erzählt davon, wie wir alles, was uns bewegt, uns ängstigt und sorgt, unserem gro7


ßen Gott anvertrauen können. Er, der den Winden und Wolken gebietet, der die Ordnungen der Erde und des Alls geschaffen hat – wird er nicht auch uns einen guten Weg führen können? Unser Verstand mag uns da zustimmen, doch unser Herz ist oft nicht so leicht zu überzeugen. Deshalb ermutigte Paul Gerhardt mit diesem Lied die Gläubigen und zugleich sich selbst: Dem Herren musst du trauen. Trau nicht deiner eigenen Einschätzung deiner Situation, wie hoffnungslos oder verfahren sie aus deiner Sicht auch sein mag – trau auf den Herren und seine unendlichen Möglichkeiten. Lass dich nicht von deinen Sorgen gefangen nehmen und lähmen, sondern hebe deine Augen auf zu Gott und dem, was er in deinem Leben bewirken kann. Jesus hat einmal zu seinen Jüngern gesagt:

1 . Befiehl du deine Wege und was dein Herze kränkt der allertreusten Pflege des, der den Himmel lenkt. Der Wolken, Luft und Winden gibt Wege, Lauf und Bahn, der wird auch Wege finden, da dein Fuß gehen kann. 2 . Dem Herren musst du trauen, wenn dir’s soll wohlergehn; auf sein Werk musst du schauen, wenn dein Werk soll bestehn. Mit Sorgen und mit Grämen und mit selbsteigner Pein lässt Gott sich gar nichts nehmen, es muss erbeten sein. 4 . Weg hast du allerwegen, an Mitteln fehlt dir’s nicht; dein Tun ist lauter Segen, dein Gang ist lauter Licht; dein Werk kann niemand hindern, dein Arbeit darf nicht ruhn, wenn du, was deinen Kindern ersprießlich ist, willst tun.

„Schaut genau hin: Die Vögel, die in der Luft umherfliegen, machen sich doch auch keine Sorgen! Sie säen nicht selbst, sie bauen sich keine Rücklagen auf und sammeln die Nahrung auch nicht in Vorratskammern. Und doch schenkt euer Vater, der über allen wacht, ihnen ihre Nahrung. Seid ihr nicht noch viel bedeutsamer als sie? Kein Einziger von euch kann durch seine ständigen Sorgen und sein Grübeln auch nur eine einzige Sekunde zu seiner Lebenszeit hinzufügen (...) Ihr habt doch einen Vater, der über allem thront! Er weiß genau, dass ihr das alles braucht.“

6 . Hoff, o du arme Seele, hoff und sei unverzagt! Gott wird dich aus der Höhle, da dich der Kummer plagt, mit großen Gnaden rücken; erwarte nur die Zeit, so wirst du schon erblicken die Sonn der schönsten Freud.

(Matthäus 6,26-27.32)

Wir dürfen, ja wir sollen Gott um unser „täglich Brot“ bitten, ihm unsere Bedürf8


dich der Kummer plagt, mit großen Gnaden rücken. Gott neigt sich uns zu in unserer Not und kommt uns nahe. In Jesus hat er ja selbst die Tiefen menschlicher Existenz und ihrer Nöte durchschritten. Er leidet mit uns, er fühlt mit uns. Und auch, wenn wir oft ungeduldig werden – Gottes Erbarmen strahlt in unsere dunkelsten Stunden hinein und führt uns Schritt für Schritt wieder ans Licht.

nisse und Wünsche anbefehlen. Und es dann ihm überlassen, wie er auf unsere Gebete antworten will. Gott ist gut. Er vermag alles. Für ihn ist nichts unmöglich. Er wird nicht müde, für seine Kinder das zu wirken und zu vollbringen, was gut für sie ist – davon war Paul Gerhardt überzeugt, trotz der Dunkelheiten und Nöte, die er selbst erleben musste. Aber er durfte eben auch erfahren: Gott wird dich aus der Höhle, da

uf Adlers Flügeln getragen

Dieses erstaunliche Lied mit seinen kraftvollen Bildern wurde von Anni von Viebahn gedichtet. Sie kannte sich aus mit „wechselnder Pilgerschaft“ und „glücklicher Fahrt“, mit Tälern und Höhen. Immerhin reiste sie mit ihrem Mann, Dr. Eberhard Freiherr v. Werthern, ins über zehntausend Kilometer entfernte Tsinanfu in China. Eberhard arbeitete dort im Auftrag der Baptist Missionary Society zwischen 1908 und 1912 als Arzt. In Tsinanfu brachte Anni auch zwei ihrer Kinder zur Welt.

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Bei der Wahl ihrer ausdrucksvollen Bildersprache, die die Kraft, Verlässlichkeit und Fürsorge Gottes beschreibt, ließ sich die Dichterin durch die Bibel inspirieren. Dort heißt es von Gott: „Wie der Adler sein Nest aufstört, über seinen Jungen schwebt, seine Flügel ausbreitet, sie aufnimmt, sie trägt auf seinen Schwingen, so leitete ihn der HERR allein.“ (5. Mose 32,11f.)

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Auch an anderer Stelle wird Gott noch einmal mit dem Bild des Adlers beschrieben: „Ihr habt gesehen, was ich mit den Ägyptern getan habe und wie ich euch getragen habe auf Adlerflügeln und euch zu mir gebracht.“ (2. Mose 19,4)

1. Auf Adlers Flügeln getragen übers brausende Meer der Zeit, getragen auf Adlers Flügeln bis hinein in die Ewigkeit. Über Berge und Täler und Gründe, immer höher zur himmlischen Höh. Die Flügel sind stark, die mich tragen, die Flügel, auf denen ich steh.

Gerne gebraucht die Bibel Bilder aus der Natur und dem Alltagsleben der Menschen, um eine geistliche Wahrheit deutlich zu machen. Dass Adler ihre Jungen ermutigen, den Sprung aus dem Nest und das Erproben der Flügel zu wagen (indem sie ihr „Nest aufstören“), ist schon mehrfach in der Natur beobachtet worden. Noch nie allerdings, dass Adler ihre Jungen bei deren ersten Flugversuchen auf den eigenen Schwingen Halt geben. Da die Jungtiere in dem Alter, in dem sie ihre ersten Flugversuche unternehmen, schon fast die Größe ihrer Eltern erreicht haben, würde die Stärke der Adler dazu nicht ausreichen.

2. Und unter den selbigen Flügeln, wie wunderbar ruhe ich aus, da ist meine Zufluchtsstätte, mein festes, sicheres Haus. Der Feind mag über mir kreisen und zielen und spähn wie er will, die Flügel sind stark, die mich decken, und unter den Flügeln bleibts still.

Anders ist es dagegen mit Gott. Er ist kraftvoll und stark. Er trägt uns verlässlich im Hier und Jetzt, wenn wir stürmische Zeiten erleben, wenn es durch Täler geht, wenn wir ins Trudeln geraten, wenn wir abzustürzen drohen. Er ist nicht zu schwach, uns „durchzutragen“, bis wir einen sicheren Landeplatz gefunden haben und ausruhen können. Er stützt uns „auf Lebenszeit“, im Leben und im Sterben und im Auferstehen. Er trägt uns hinein bis in seine unverhüllte Gegenwart, wo wir ihn von Angesicht zu Angesicht sehen dür-

3. Ja, unter den Flügeln geborgen und auf den Flügeln bewahrt, das gibt ein seliges Ruhen, das gibt eine glückliche Fahrt; das gibt ein sicheres Wissen bei wechselnder Pilgerschaft, denn unter den Flügeln ist Friede, und auf den Flügeln ist Kraft.

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fen und die Stürme und Täler des Lebens hinter uns lassen können.

men, unter seinen „Schwingen“ sind wir in Sicherheit. Das bedeutet nicht, dass wir von allem Leid verschont bleiben. Aber mitten in der Krise, in den Schmerzen, in Angst und Gefahr bereitet uns Gott einen Zufluchtsort. Wir können erleben: „Unter den Flügeln bleibts still“. Denn „Zuflucht ist bei dem alten Gott und unter den ewigen Armen.“ (5. Mose 33,27)

Gott ist aber nicht nur mächtig genug, uns zu tragen, er ist auch fürsorglich und beschützt uns – so wie eine Adlermutter ihre Jungen wärmt und sie unter ihren breiten Schwingen vor dem Unwetter verbirgt. Wir dürfen uns bei Gott bergen und uns seinem Schutz anvertrauen. In seinen Ar-

eh aus, mein Herz, und suche Freud Kriegsfolgen ausgemergelt. Ländereien lagen brach und verwilderten. Doch all das merkt man den Zeilen Paul Gerhardts nicht an. Inmitten dieser Zerstörung gelang es ihm, mit den Augen des Glaubens zu schauen und die Schönheit von Gottes Schöpfung zu entdecken. Trotz vieler dunkler Erfahrungen auch in seinem eigenen Leben öffnete er sein Herz, ließ es von Gottes Geist weit machen und mit Licht durchfluten. Er glaubte fest daran: Gott ist treu. Er wird das Land und die Natur heilen und sich seiner geschundenen Menschen annehmen.

Dieser wundervolle „Sommerpsalm“ oder „Sommergesang“ von Paul Gerhardt wurde in den vergangenen Jahren mehrfach zum beliebtesten deutschen Kirchenlied gewählt. Eigentlich ein geistliches Sommerlied, verbreitete es sich im 19. Jahrhundert aber auch als gern gesungenes Wanderlied. Der Theologe und Kirchenlieddichter schrieb es im Jahr 1653 – wenige Jahre nach Ende des verheerenden Dreißigjährigen Krieges. Weite Landstriche waren durch Gewalt, Hunger und Pest nahezu entvölkert. Nicht nur die Menschen, auch die Natur war von den 14

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Ein Spaziergang durch die Natur öffnet auch mir oft die Augen für tiefere Wahrheiten: Ich sehe die kleinen und großen Wunder Gottes, seine Vorsorge, Voraussicht und Fürsorge selbst in den winzigsten Dingen der Schöpfung. Sollte er da nicht auch mir Mensch beistehen, der ich nach seinem Ebenbild geschaffen bin? Unabhängig davon, welche Stürme sich gerade in unserem persönlichen Leben oder auf weit größerer Ebene zusammenbrauen – Gottes Schöpfung erinnert uns daran, dass Gott alles in der Hand hält, nichts ihm entgleitet, nichts vor ihm verborgen bleibt:

1. Geh aus, mein Herz, und suche Freud, in dieser lieben Sommerzeit an deines Gottes Gaben; schau an der schönen Gärten Zier und siehe, wie sie mir und dir sich ausgeschmücket haben, sich ausgeschmücket haben. 2. Die Bäume stehen voller Laub, das Erdreich decket seinen Staub mit einem grünen Kleide; Narzissus und die Tulipan, die ziehen sich viel schöner an als Salomonis Seide, als Salomonis Seide.

„HERR, wie sind deine Werke so groß und viel! Du hast sie alle weise geordnet, und die Erde ist voll deiner Güter.“ (Psalm 104,24) „Verkauft man nicht fünf Sperlinge für zwei Groschen? Dennoch ist vor Gott nicht einer von ihnen vergessen.“ (Lukas 12,6)

13. Hilf mir und segne meinen Geist mit Segen, der vom Himmel fleußt, daß ich dir stetig blühe; gib, daß der Sommer deiner Gnad in meiner Seele früh und spat viel Glaubensfrüchte ziehe, viel Glaubensfrüchte ziehe.

Diese Liebe Gottes von den größten bis hin zu den kleinsten Dingen seiner Schöpfung hat Paul Gerhardt beim Spaziergang durch die Natur wahrgenommen. Jene Beobachtung ermutigte ihn, Gott auch in den Belangen seines eigenen Lebens zu vertrauen, so wie es im Matthäusevangelium heißt:

14. Mach in mir deinem Geiste Raum, daß ich dir werd ein guter Baum, und laß mich Wurzel treiben. Verleihe, daß zu deinem Ruhm ich deines Gartens schöne Blum und Pflanze möge bleiben, und Pflanze möge bleiben.

„Und warum sorgt ihr euch um die Kleidung? Schaut die Lilien auf dem Feld an, wie sie wachsen: sie arbeiten nicht, auch spinnen sie nicht. Ich sage euch, dass auch Salomo in aller 16

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seiner Herrlichkeit nicht gekleidet gewesen ist wie eine von ihnen.“ (Matthäus 6,28f.)

Gott mich zum Blühen bringt, um andere zu erfreuen, und dass er meinem Leben und Arbeiten Frucht schenkt, die bleibt. Frucht mit Ewigkeitswert. Jeder von uns hat Blüten und Früchte, die wir in Gottes Dienst stellen können. Vielleicht sollten wir Gott darum bitten, uns das neu bewusst zu machen: Was steckt in mir an guten Charaktereigenschaften, Fähigkeiten, Talenten, Gaben? Wie kann ich Gott damit Freude machen und andere Menschen segnen?

Diese Bibelstelle hat Paul Gerhardt mit seinen Versen „Narzissus und die Tulipan, die ziehen sich viel schöner an als Salomonis Seide“ aufgenommen und damit zum Ausdruck gebracht, dass Gott in guten wie in schweren Zeiten für uns Sorge trägt. Die Betrachtung von Gottes Schöpfung regte Paul Gerhardt auch dazu an, über seine Beziehung zum Schöpfer nachzudenken und mit ihm ins Gespräch zu kommen: So, wie im Frühjahr die Blüten aufbrechen und neues Leben für Tier und Mensch ermöglichen, so will auch er für Gott „blühen“. Das ist ein Gebet, das ich auch des Öfteren bete – dass

Wenn wir uns in Gott verwurzeln, uns nach ihm ausstrecken, seinem Geist in unserem Leben Raum geben, dann werden wir erleben, wie wir als ein „guter Baum“ wachsen und Frucht bringen; wie wir als „schöne Blum“ in Gottes Garten gedeihen – im irdischen und im ewigen Garten.

röhlich soll mein Herze springen denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids.“ (Lukas 2,10f.)

Dieses Lied, das eines der beliebtesten deutschen Weihnachtslieder ist, wurde ebenfalls von Paul Gerhardt geschrieben. Eigens für „Fröhlich soll mein Herze springen“ schuf er eine neue Strophenform. Eng damit verknüpft ist die unkonventionelle Melodie von Johann Crüger, die mit ihrem fröhlich hüpfenden Rhythmus die tiefe Weihnachtsfreude transportiert. Die erste Strophe erinnert uns sofort an die Weihnachtsbotschaft der Engel aus dem Evangelium nach Lukas:

Doch Paul Gerhardt zeichnet mit seinen Versen nicht nur die biblische Botschaft nach, er ist auch selbst tief ergriffen von dem Wunder des Weihnachtsgeschehens. Echte Freude erfüllt sein Herz. Freude darüber, dass Gott die Menschen nicht in der Dunkelheit allein lässt, sondern „Gott wird Mensch dir, Mensch, zugute“. Der Liederdichter tritt hier mit denen, die seine Texte lesen und hören, in Dialog und ermutigt

„Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; 18

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sie, sich selbst dem Wunder von Weihnachten zu öffnen. „Gottes Held“ reißt die Welt „aus allem Jammer“. Paul Gerhardt spricht diese Worte hinein in eine düstere, von Unruhen geschüttelte Zeit. Viele Menschen, die dieses Lied in der Mitte des 17. Jahrhunderts zum ersten Mal sangen, waren hungrig, arm, krank, perspektivlos. Auch im 21. Jahrhundert stehen wir immer noch vor großen Herausforderungen: Ständig entflammen neue Krisenherde in unserer Welt, Millionen von Menschen sind vor Krieg, Terror und Hunger auf der Flucht, längst ausgerottet geglaubte Krankheiten kehren zurück, die Ressourcen auf unserem Erdball werden knapper. Wir wissen nicht, welche Welt wir unseren Kindern und Enkeln hinterlassen werden. Genau wie Paul Gerhardt und seine Zeitgenossen haben wir einen „Helden“, der unser Leben und die Geschicke der Welt in der Hand hält, bitter nötig. Tief im Inneren sehnen wir uns nach einem Gott, der nicht fernbleibt, sondern sich in unsere persönliche Not und das Elend der Welt herabbeugt und uns aufrichtet.

1. Fröhlich soll mein Herze springen dieser Zeit, da vor Freud alle Engel singen. Hört, hört, wie mit vollen Chören alle Luft laute ruft: Christus ist geboren! 2. Heute geht aus seiner Kammer Gottes Held, der die Welt reißt aus allem Jammer. Gott wird Mensch dir, Mensch, zugute, Gottes Kind, das verbindt sich mit unserm Blute. 5. Nun er liegt in seiner Krippen, ruft zu sich mich und dich, spricht mit süßen Lippen: „Lasset fahrn, o liebe Brüder, was euch quält, was euch fehlt; ich bring alles wieder.“ 6. Ei so kommt und lasst uns laufen, stellt euch ein, groß und klein, eilt mit großen Haufen! Liebt den, der vor Liebe brennet; schaut den Stern, der euch gern Licht und Labsal gönnet.

Fast zärtlich spricht Paul Gerhardt von diesem Helden, dem Sohn Gottes: „Nun er liegt in seiner Krippen, ruft zu sich mich und dich.“ In diesem Kind in der Krippe liegt unsere ganze Hoffnung und unser Heil verborgen. Denn aus ihm wird eines Tages der Mann am Kreuz, der es uns ermöglicht, alle unsere Lasten und Schulden auf ihn zu werfen und frei zu werden: „Lasset fahrn, o 20

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