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Peter Rollins DER ORTHODOXE HÄRETIKER


Peter Rollins

DER ORTHODOXE HÄRETIKER und andere unglaubliche Geschichten


Edition Emergent im Verlag der Francke-Buchhandlung GmbH Herausgegeben von Tobias Faix, Thomas Weißenborn & Peter Aschoff Die Edition Emergent beschäftigt sich mit den Herausforderungen, die durch das Zusammenkommen von Kultur und Evangelium im Kontext von Kirchen und Gemeinden entstehen. Im Zentrum steht dabei die Frage, wie die christliche Botschaft in der aktuellen Wirklichkeit unserer Gesellschaft verkündigt und gelebt werden kann. Bibliografische Information Der Deutschen Bibliothek Die Deutsche Bibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.ddb.de abrufbar. ISBN 978-3-86827-442-4 Alle Rechte vorbehalten Originaltitel: The Orthodox Heretic Original edition published by Paraclete Press, Brewster, Massachusetts, USA © 2009 by Peter Rollins © der deutschsprachigen Ausgabe 2014 by Verlag der Francke-Buchhandlung GmbH 35037 Marburg an der Lahn Deutsch von Andreas Bruns Umschlagbild: iStockphoto.com / inakiantonana Umschlaggestaltung: Verlag der Francke-Buchhandlung GmbH / Sven Gerhardt Satz: Verlag der Francke-Buchhandlung GmbH Druck und Bindung: CPI Moravia Books Pohorelice www.francke-buch.de


Inhalt Vorwort: Gewollte Irritationen............................... 7 Einleitung........................................................... 11 Teil 1 – Unglaublich.............................................. 19 1. Die Verurteilung................................................ 21 2. Jesus und die Fünftausend ................................ 28 3. Das Wort übersetzen......................................... 31 4. Die andere Wange hinhalten.............................. 37 5. Erlösung für einen Dämon................................. 42 6. Die kostbare Perle............................................. 48 7. Großes Unglück............................................... 54 8. Die dritte Meile................................................. 61 9. Die unsichtbare Prophetin................................. 67 10. Die Abfindung................................................ 71 11. Die Bekehrung................................................ 76 Teil 2 – G-O-D-I-S-N-O-W-H-E-R-E......................... 85 12. Die Auferstehung sein..................................... 87 13. Der verlorene Vater ......................................... 95 14. In Erwartung des Messias .............................. 100 15. Die letzte Verhandlung.................................... 107 16. Die Sünden des Vaters..................................... 110 17. Der Orthodoxe Häretiker..................................114 18. Die Mission des Judas..................................... 120 19. Der Agnostiker, der zum Atheisten wurde......... 124 20. Gott in der Armee.......................................... 131


21. Der Verrat...................................................... 137 22. Der Gläubige................................................. 140 Teil 3 – Verwandlungen....................................... 145 23. Blindheit....................................................... 147 24. Die Anerkennung des Vaters........................... 151 25. Der Sturz des Kaisers...................................... 157 26. Der reuelose Sohn.......................................... 164 27. Himmlische Schätze....................................... 171 28. Das abgelehnte Geschenk............................... 175 29. Das letzte Abendmahl.................................... 179 30. Das Buch der Liebe......................................... 183 31. Ein Wunder ohne Wunder............................... 187 32. Der Lohn eines guten Lebens.......................... 193 33. Der Häretiker................................................ 197


Vorwort: Gewollte Irritationen „Ich stutze, lese den Satz noch einmal, er stimmt, ich überlege, lächle, ach so, jetzt verstehe ich ...“ So in etwa ging es uns beim Lesen dieses herausfordernden Buches von Peter Rollins. Der irische Philosoph, Autor und Redner ist ein Provokateur und Querdenker, der seine Mitchristen und sich selbst immer wieder durch gewollte Irritationen zum Nachdenken zwingt. Nicht immer endete es mit einem Lächeln, manchmal ärgerten wir uns auch über seine Geschichten und Parabeln, aber sie brachten uns immer ins Nachdenken über unseren eigenen Glauben. Schon in der ersten Geschichte dieses Buches wird klar, dass es Rollins nicht um das Christentum als Religion geht, sondern um einen Blick hinter die Kulissen. Der Glaube ist für ihn ein Geheimnis. Aber kein Geheimnis, das man auf Wiki-Leaks oder irgendeiner anderen Enthüllungsplattform lüften kann. Beim Begriff ,Geheimnis‘ denken wir meist an verborgene Informationen, die jemand besitzt, aber verschleiern möchte. An den 28 Stellen im Neuen Testament, in denen vom ,Geheimnis des Glaubens‘ die Rede ist, steht das griechische Wort „mysterion“, dessen Wortstamm sich in Worten wie mystisch, mysteriös oder in der Genrebezeichnung „mystery“ befindet. Entgegen unseren 7


geläufigen Assoziationen beim Begriff „Geheimnis“ meint Mysterion jedoch nicht etwas, was einer besitzen und ein anderer enthüllen kann, sondern es geht dabei um das Geheimnis, das uns alle umhüllt. Das Geheimnis, das viel größer ist als wir. Wie der Autor Dennis Covington auf den Punkt bringt: „Mysterion meint nicht die Abwesenheit von Bedeutung und Sinn, sondern die Anwesenheit von mehr Sinn und Bedeutung, als wir erfassen können.“ Das Geheimnis des Glaubens ist keine verschlüsselte Information, die wir ergreifen, entschlüsseln und so schließlich begreifen können, sondern eine Wirklichkeit, in der wir schon immer stehen, die wir auszublenden gewohnt sind, von der wir aber ergriffen werden können. Und am Grunde dieser Wirklichkeit steht eine Person: Jesus Christus. In diesem Buch geht es genau darum. Peter Rollins erzählt Geschichten und Parabeln, die wir nicht im klassischen Sinne begreifen können, sondern die uns im wahrsten Sinne des Wortes herausfordern. Heraus aus uns selbst, aus den gewohnten Wegen unseres Denkens, Wahrnehmens und Handelns. Heraus aus unserem Bereich des Gewohnten, damit wir ergriffen werden können vom Geheimnis des Glaubens. Das Buch ist also eine Einladung, nein eine Herausforderung zur Nachfolge. Die folgenden Geschichten und Parabeln wer-

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den irritieren, in dem sie Gewohntes infrage stellen, Wohlbekanntes verfremden und vorhandene Widersprüche aufdecken. Doch transformative Lernprozesse, aus denen wir verändert hervorgehen und ohne die Nachfolge nicht möglich ist, sind nicht möglich ohne Irritation oder gar das Empfinden der Krise. Lernen, so die Lerntheoretikerin Frigga Haug, „bedeutet das Verlassen einer als sicher aufgefassten Position […] und damit eine Verunsicherung.“ Lernen im Sinne eines Umlernens geht notwendig mit einem Verlernen, d.h. mit einem Verlust einher. Solche Lernprozesse werden erfahren, so Haug, „als Unsicherheit, als Unruhe, als Zweifel, als Bruch, eben als Umsturz, als Veränderung von Gewohnheit, Gültigem, für sicher und richtig Gehaltenem, als etwas Neues, das einen auch zwingt, anders zu leben.“ In diesem Sinne wünschen wir den Leserinnen und Lesern dieses Buches, dass sie sich auf die Parabeln einlassen können, dass sie sich von ihnen irritieren und herausfordern lassen. Und wir vertrauen und hoffen darauf, dass sie auf diese Weise ergriffen und verändert werden vom Geheimnis des Glaubens. Weihnachten 2013 Tobias Künkler & Tobias Faix

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Einleitung Dis-Kurse Die heilige Kunst der (Fehl-)Kommunikation

Wie kann man von etwas sprechen, das nur unzureichend mit Worten ausgedrückt werden kann? Ist dieses Dilemma nicht zugleich auch der Ausgangspunkt – und nicht nur das Hindernis – derer, die über das Heilige schreiben und mit ihm ringen? Ist diese Auseinandersetzung mit dem Unbeschreiblichen nicht das, was die Arbeit eines Schriftstellers, der seine Leser ermutigen möchte, einen Schritt über das Gewohnte hinauszumachen, zugleich erst möglich aber auch unmöglich macht? Genau diese Sinnlosigkeit des Strebens ist es auch gewesen, die den Wüstenpilgern als Manna bei ihrer unendlichen Suche diente, Wahrheit zu finden, zu beherzigen und zu verkörpern. Indem wir uns diesen Wanderern zuwenden und dem trockenen Knistern ihres verschlüsselten, kaum fassbaren Flüsterns lauschen, können wir diese

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Wahrheit kurz aufflackern sehen. Sie kann nur von denen ausgesprochen werden, die sie auch leben, und nur von denen gehört werden, die sie auch beherzigen. Über die Jahrtausende hinweg hatten solche zeitlosen Formeln viele Namen. Einer davon ist „Parabel“. In Parabeln wird Wahrheit nicht in Form einer abstrakten, rationalen Abhandlung zum Ausdruck gebracht, die lediglich darauf abzielt, uns zu bilden. Vielmehr entspringt die Parabel der Erschaffung eines poetischen Kunstwerkes, das uns inspiriert und verändert. Sie ist ein Diskurs – eine Art der (Fehl)Kommunikation – in der Hinsicht, dass sie uns von unserem Kurs abkommen lässt und auf einen neuen Kurs führt. Der Künstler kennt den unendlichen Abgrund, aus dem sich die Parabel erhebt, nur allzu gut, wie auch der Revolutionär und der Dichter in ihrem Bemühen, von etwas zu sprechen, das den Worten entspringt, aber doch über bloße Worte hinausgeht. Sie kennen diesen Abgrund, denn er spiegelt sich in ihrem Bemühen wider, den Weg für die Ankunft des Unmöglichen zu ebnen. Unsere religiöse Welt ist überschwemmt von einem Meer an Büchern und Vorträgen, entworfen, um uns die Wahrheit des Glaubens eindeutig und prägnant zu vermitteln und schmackhaft zu machen. Beispielsweise könnte man auf einen Vortrag stoßen, der aus drei Punkten besteht, die alle mit demselben Buchstaben beginnen, und der so eindeutig

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ist, dass man genau weiß, was man zu glauben hat, wenn man den Raum verlässt. Parabeln hingegen unterwandern den Wunsch danach, Glaube einfach und verständlich zu machen. Sie bieten dem Leser keine Eindeutigkeit, denn sie verweigern sich der Gefahr einer einzig und allein gültigen Interpretation. Stattdessen erfordern sie unsere geduldige und beständige Rückkehr zu ihren Worten – unser Ringen mit ihnen und unser Rätseln über sie. Das bedeutet nicht, dass die Wörter keine Botschaft enthalten oder dass sie uns in einer Art unlösbarem Rätsel verspotten. Eine Parabel ersetzt nicht Sinn durch Unsinn oder Ordnung durch Unordnung. Vielmehr weist sie über diese Gegensätze hinaus und lädt uns ein zu einem Reflexionsprozess, bei dem es weniger darum geht, Sinn eindeutig festzulegen, sondern vielmehr darum, Sinn als etwas Veränderbares und Affektives zu verstehen. Eine Parabel liefert uns in erster Linie nicht Informationen über unsere Welt. Eher verändert sie unsere Welt und eröffnet uns immer neue Möglichkeiten, falls wir ihr gestatten, auf uns zu wirken. Sie geht nämlich über die Kategorien hinaus, die derzeit in unserer Welt existieren. Auf diese Weise verändert die Parabel unsere Wahrnehmung von Realität und hat somit auch Auswirkungen auf die Realität an sich.

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Das Problem der gesamten religiösen Kommunikation besteht darin, dass sie darauf abzielt, unseren Intellekt zu verändern. Das hat zur Folge, dass wir die Botschaft des Predigers hören, ohne sie notwendigerweise zu beherzigen; wir können der „Wahrheit“ zuhören und mit ihr übereinstimmen, ohne uns jedoch in Reaktion auf sie zu verändern. Um ein Beispiel zu gebrauchen: Viele von uns hatten bestimmt schon einmal eine Unterhaltung darüber, dass die Anhäufung von Reichtum nicht glücklich macht, darüber, dass es nicht gesund ist, ständig nur zu arbeiten, und dass der Besitz von immer größeren und besseren Autos schädlich ist – nicht nur für die Seele, sondern auch für unsere (Um)Welt. Doch dann, nach der Unterhaltung, drehen sich die Gesprächspartner um und tun so, als ob sie diese Dinge jedoch tatsächlich glauben. Im Gegensatz dazu sind Parabeln eine Art der Kommunikation, die nicht verstanden werden kann, ohne dass sie auch beherzigt wird. Der einzige Beweis dafür, dass man die Botschaft „gehört“ hat, ist die leibhaftige Verkörperung dieser Botschaft. Die Parabel wird nur dann von uns verstanden, wenn sie unsere gesellschaftliche Stellung zur Realität verändert und nicht nur die Art und Weise, wie wir diese betrachten. Die Parabel erschafft nicht noch mehr Garanten, die sich ihrer ironischen Haltung bewusst sind und die ihr

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eigenes Verhalten verspotten, indem sie ihr Handeln gleichzeitig genießen und verleugnen. (Ein konkretes Beispiel für Ironie wäre es, an einer 80er-Jahre-Party teilzunehmen, sich dabei lustig zu machen, wie lächerlich doch die Kleidung und die Musik sind, und dabei gleichzeitig die Kleidung zu tragen und zur Musik zu tanzen.) Vielmehr ermöglicht die Parabel echte Veränderung auf der Ebene des Handelns. Die Botschaft verbirgt sich in genau den Worten, die zum Ausdruck gebracht werden, und offenbart sich nur demjenigen ganz, der von ihr völlig verändert wird. Mit den Worten eines großen Geschichtenerzählers gesagt: Die Parabel kann nur von denen gehört werden, die Ohren haben zu hören. Daher zögere ich, das, was ich auf diesen Seiten geschrieben habe, überhaupt als Parabeln zu bezeichnen. Stattdessen habe ich mich für das unbedenklichere Wort Geschichten entschieden. Es ist nicht meine Aufgabe, diese Kurzgeschichten Parabeln zu nennen. Denn wer bin ich denn, dass ich sagen könnte, dass meine Kurzgeschichten den Zweck erfüllen werden, für den ich sie geschaffen habe? Für einige werden sie Parabeln sein, für andere nichts weiter als eine Reihe unbedeutender Geschichten. Denn was für den einen ein Vorbild ist, das kann für den anderen ein Götze sein. Was für den einen die Parabel ist, ist für den anderen eine gewöhnliche Geschichte.

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Der Aufbau dieses Buches ist ganz einfach. Ich habe eine Reihe von Kurzgeschichten zusammengestellt und diese jeweils einem der drei Teile zugeordnet. Die Überschriften lauten: „Unglaublich“, „Wo ist Gott?“ und „Verwandlungen“. Auf jede Geschichte folgt ein kurzer Kommentar, der als Leitfaden für den Leser gedacht ist. Diese kurzen Kommentare offenbaren allerdings weder die „Wahrheit“ der Geschichte, noch sind sie das letzte Wort oder besser als andere, wohlüberlegte Deutungen. Die Kurzgeschichten bieten zahlreiche Möglichkeiten und besitzen – wie Kinder – das Potenzial, über das, was ich mir erhofft habe, für möglich hielt oder mir sogar wünschte, hinauszuwachsen. Dabei ist es hilfreich, sich den Kommentaren so zu nähern, wie man sich den Bildbeschreibungen in einem Kunstmuseum nähert. Die Beschreibungen sind nicht gedacht als Erklärung der Kunst – so als wäre das Kunstwerk für sich irgendwie unvollständig und unzulänglich –, sondern dienen als Hilfe, um dem „Uneingeweihten“ einen Zugang zu verschaffen. Die Geschichten profitieren von langsamem und sorgfältigem Lesen; das ist zweifellos etwas, das uns in der heutigen Zeit sichtlich schwerfällt. Denn wir haben uns angewöhnt, schnell zu lesen, um möglichst viele Informationen in möglichst kurzer Zeit aufzunehmen, einzuordnen und schließlich mit einem anderen Buch weiterma-

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chen zu können. Bücher, die nicht schnell gelesen werden können und die sich uns verschließen, werden oft frustriert zur Seite gelegt, anstatt sie wie tiefe Höhlen zu erforschen, die Schätze für die bereithalten, die nicht aufgeben. Gute Bücher lassen sich selten einfach so überfliegen und erschöpfen sich nie nach nur einmaligem Lesen. So schwer verständlich das auch für uns sein mag: Ein tiefgründiger Absatz eines guten Buches, den wir uns gründlich aneignen, birgt mehr Reichtum in sich als ein Bücherregal voller mittelmäßiger Bücher. Daher ist es von großem Vorteil, sich vor dem Lesen dieser Geschichten ein wenig Stille zu gönnen und nach der Lektüre ein wenig über sie nachzudenken, anstatt sie mechanisch in ein oder zwei Anläufen durchzuarbeiten. Am Ende dieser kurzen Einleitung würde ich gerne noch darauf hinweisen, dass jede einzelne Erzählung in diesem Buch mein ganz persönlicher Versuch ist, das unmögliche Ereignis des Glaubens zu erkunden und zu bezeugen. In dieser Hinsicht sind diese Erzählungen sehr persönlich und haben einen unmittelbaren Bezug zu meinem eigenen Leben. Ich bin mir dessen sicher: Je offener man von seiner eigenen Reise spricht, desto universeller kann die Botschaft werden. Daher sehe ich mich gezwungen, mit so etwas wie einem Gebet zu enden – einem Gebet, in dem ich meine Hoffnung ausdrücke, dass diese winzigen Er-

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zählungen für dich mehr werden als bloße Worte auf einer Buchseite, dass sie vielleicht sogar wert sind, Parabeln genannt zu werden. Doch das ist und bleibt letztlich deine Entscheidung.

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ERSTER TEIL

UNGLAUBLICH

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1. Die Verurteilung In einer Welt, in der die Nachfolge Christi als staatsgefährdend und illegal gilt, wirst du als Gläubiger angeklagt, festgenommen und vor ein Gericht gezerrt. Du wurdest bereits seit einiger Zeit heimlich observiert. So gelang es der Staatsanwaltschaft, ein umfassendes Verfahren gegen dich einzuleiten. Die Staatsanwaltschaft eröffnet den Prozess mit der Vorlage Dutzender Fotos, die dich bei Kirchenveranstaltungen zeigen, dabei, wie du Vorträge bei religiösen Veranstaltungen hältst und an Gebetsund Anbetungsgottesdiensten teilgenommen hast. Anschließend präsentiert die Staatsanwaltschaft eine Auswahl an Dingen, die in deiner Wohnung konfisziert wurden: religiöse Bücher, die du besitzt, Worship-CDs und andere christliche Gegenstände. Dann legt die Staatsanwaltschaft einen Zahn zu, indem sie viele deiner Gedichte, Prosatexte und Tagebucheinträge präsentiert, die du liebevoll über deinen Glauben geschrieben hast. Schließlich überreicht die Staatsanwaltschaft

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dem Richter deine Bibel, ein ziemlich abgenutztes Buch mit Kritzeleien, Anmerkungen, Skizzen und unzähligen Unterstreichungen. Beweismaterial, falls nötig, das dokumentiert, dass du diesen heiligen Text wieder und wieder gelesen hast. Während des Prozesses hast du still und leise dagesessen, zitternd vor lauter Furcht. Tief in deinem Herzen ist dir angesichts der Masse an Beweismaterial bewusst, dass dir womöglich eine lange Gefängnisstrafe oder sogar die Hinrichtung droht. Während des Verfahrens hast du alle Hoffnung verloren und warst kurz davor, aufzustehen und Christus zu verleugnen. Doch obwohl dich dieser Gedanke im Laufe des Verfahrens immer wieder quälte, widerstehst du der Versuchung und bleibst wachsam. Nachdem die Staatsanwaltschaft ihre Beweise vorgebracht hat, fragt dich der Richter, ob du dem noch etwas hinzuzufügen hast. Doch du schweigst und bleibst entschlossen, hast Angst davor, dass du, sobald du auch nur für einen kleinen Augenblick deinen Mund öffnen würdest, die Anklagepunkte, die gegen dich vorgebracht wurden, leugnen könntest. Wie Christus selbst schweigst du vor deinen Anklägern. Daraufhin wirst du nach draußen geführt, um zu warten, während der Richter über deinen Fall berät. Die Stunden vergehen schleppend, während du unter Bewachung im Foyer sitzt und darauf wartest, zurückgerufen zu

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werden. Schließlich erscheint ein junger Mann in Uniform und führt dich zur Verkündigung des Urteils – und deiner Strafe – zurück in den Gerichtssaal. Nachdem du auf der Anklagebank Platz genommen hast, betritt der Richter – ein harter und kompromissloser Mann – den Raum, bleibt vor dir stehen, schaut dir tief in die Augen und fängt an zu sprechen. „Ich befinde den Angeklagten in allen Anklagepunkten für nicht schuldig.“ „Nicht schuldig?“ Dein Herz steht still. Dann, im Bruchteil einer Sekunde, werden die Angst und der Schrecken, die wenige Augenblicke zuvor gedroht hatten, dich deiner Standhaftigkeit zu berauben, verschlungen von Verwirrung und Zorn. Der Umgebung zum Trotz stehst du herausfordernd vor dem Richter und verlangst eine Erklärung dafür, warum du im Licht der Beweise in allen Anklagepunkten für unschuldig befunden wurdest. „Welche Beweise?“, erwidert er schockiert. „Was ist mit den Gedichten und Prosatexten, die ich geschrieben habe?“, entgegnest du. „Sie belegen ganz einfach, dass Sie sich für einen Dichter halten, nichts weiter.“ „Aber was ist mit den Gottesdiensten, bei denen ich predigte, den Augenblicken, in denen ich in der Kirche weinte, und mit den langen, schlaflosen Nächten des Gebets?“

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„Beweise, dass Sie ein guter Redner und Schauspieler sind, nichts mehr“, erwidert der Richter. „Es ist offensichtlich, dass Sie die Menschen in ihrer Umgebung getäuscht haben. Es ist gut möglich, dass Sie manches Mal auch sich selbst getäuscht haben. Doch sind diese Torheiten nicht ausreichend, um Sie vor einem ordentlichen Gericht schuldig zu sprechen.“ „Aber das ist Wahnsinn!“, schreist du. „Es scheint, als gäbe es keine Beweise, die Sie überzeugen könnten!“ „Dem ist nicht so“, erwidert der Richter, als würde er dir ein großes, lange vergessenes Geheimnis offenbaren. „Das Gericht steht Ihrem Bibellesen und Kirchenbesuch gleichgültig gegenüber; es interessiert sich nicht für Anbetung mit Stift und Worten. Entwickeln Sie Ihre Theologie ruhig weiter und benutzen Sie sie, um Bilder der Liebe zu zeichnen. Uns interessieren solche Sesselkünstler nicht, die ihre Zeit dafür aufwenden, lediglich Bilder einer besseren Welt zu malen. Wir kümmern uns nur um diejenigen, die ihren Pinsel aus der Hand legen, ihr Leben geben und es Christus gleich tun in ihrem Streben nach einer besseren Welt. Daher sind Sie, mein Freund, bis Sie nicht leben wie Christus und seine Jünger es taten, bis Sie nicht dieses System herausfordern und ein Dorn in unserem Auge sind, bis Sie nicht selbst sterben und

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ihren Körper den Flammen aussetzen, bis dahin nicht unser Feind.“

Kommentar Diese Betrachtung entstand, nachdem ich ein Auto mit einem Aufkleber an mir vorbeirauschen sah, auf dem „Falls das Christentum illegal wäre, gäbe es dann genug Beweise, um dich zu verurteilen?“ stand. In diesem Augenblick widmete ich dem kleinen Spruch nicht allzu große Aufmerksamkeit. Doch im Laufe des Tages begann er sich in meinem Bewusstsein einzunisten und ging mir einfach nicht mehr aus dem Kopf. Daher nahm ich mir am Abend ein wenig Zeit, um mir eine derartige Welt und die Rolle, die ich in ihr spielen würde, vorzustellen. Dabei hatte ich kein Interesse daran, eine Welt zu erdenken, in der das Christentum als bloße Tradition oder als Glaubenssystem illegal ist. Vielmehr wollte ich mir eine Welt vorstellen, in der ein Leben, das die Taten und Lehren Jesu widerspiegelt, verboten ist. Doch als ich so nachdachte, fing ich an mich zu fragen, ob wir nicht eigentlich schon in einer solchen Welt leben. Ich fragte mich, ob der Aufkleber, den ich an jenem Tag sah, statt der Aufschrift „Falls das Christentum illegal wäre, gäbe es dann genug Beweise, um dich zu verurteilen?“ nicht

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eher die Aufschrift „Das Christentum ist illegal: Gibt es genug Beweise, um dich zu verurteilen?“ hätte tragen sollen. Denn wenn ich die Lehren Jesu wirklich ernst nähme, würde ich dann nicht früher oder später vor die Obrigkeit gezerrt werden? Wenn ich wirklich ein Leben führen würde, dass die umstürzlerische und radikale Botschaft der Liebe widerspiegelte, die denen ohne Mitspracherecht eine Stimme gäbe und den Vertriebenen eine Heimat; wenn ich mich wirklich gegen die systembedingte Unterdrückung auflehnte, die von denjenigen, die an der Macht sind, begangen wird, würde ich mich dann aus Sicht des Gesetzgebers nicht auf der falschen Seite befinden? Die vorausgegangene Geschichte offenbart einfach nur die Realität der umstürzlerischen Lehren Christi, indem sie imaginiert, dass jene, die heute an den Schalthebeln der Macht sitzen, sich darüber bewusst sind, dass sie den Weg Christi ablehnen und gleichzeitig auch bereit sind, dies in aller Öffentlichkeit zuzugeben. Daher hat die Geschichte zwei zentrale Anliegen: Zum einen soll sie verdeutlichen, dass authentischer Glaube nicht durch die bloße Annahme eines Glaubenssystems ausgedrückt wird, sondern durch aufopferungsvolle, liebende Taten. Hier verwerfe ich die Unterscheidung zwischen dem Inneren und dem Äußeren, bei der man sich einredet, dass private Überzeugungen irgendwie wichtiger sind oder

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das eigene Wesen eher widerspiegeln als öffentliche Taten. Zum anderen wollte ich den Leser in die Überlegung einbeziehen, dass dieses außergewöhnliche Szenario mit seiner erdachten Beschreibung einer Parallelwelt eigentlich bloß die Welt widerspiegelt, die wir schon bewohnen. Durch die Erschaffung einer fiktionalen Welt werden wir daher direkt mit unserer eigenen Welt konfrontiert.

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2. Jesus und die Fünftausend (Eine Übersetzung für die erste Welt)

Heimlich zog Jesus sich auf einem Boot zurück an einen einsamen Ort, aber die Menschenmenge folgte ihm. Schon wurde es Abend und die Menschen, von denen viele weit gereist waren, wurden hungrig. Das bemerkte Jesus und sandte seine Jünger aus, um Nahrung zu besorgen. Doch alles, was sie finden konnten, waren fünf Brote und zwei Fische. Daraufhin bat Jesus sie erneut hinauszugehen und den Proviant, den die Menge zur eigenen Versorgung mitgebracht hatte, zu sammeln. Sobald sie das erledigt hatten, türmte sich ein gewaltiger Berg an Fischen und Broten vor Jesus auf. Diesen Anblick vor Augen befahl er den Leuten, auf dem Gras Platz zu nehmen. Er wandte seinen Blick gen Himmel, dankte Gott und brach das Brot. Dann teilte er das Essen unter seinen zwölf Jüngern aus. Jesus und seine Freunde aßen fürstlich vor den Augen der hungernden Menschen. Aber was wahrlich unglaublich, was wunderbar war an

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diesem Mahl: Dass noch nicht einmal genug Krümel übrig blieben, um die Hand wenigstens eines Hungernden zu füllen, als sie ihr üppiges Festessen beendet hatten.

Kommentar Diese Geschichte schockiert zunächst, weil sie nicht nur den Jüngern, sondern Jesus selbst egoistische und unmenschliche Taten zuschreibt, indem sie die uns allen bekannte Geschichte von Jesus und der Speisung der 5000 ins Gegenteil verkehrt. Während es vollkommen legitim ist, Regierungen, Unternehmen und Individuen dafür zu kritisieren, Güter ungleich zu verteilen und sich um die Ärmsten der Armen, die wegen unserer Gier leiden, nicht zu kümmern, so scheint es unangebracht zu sein, solche Unmenschlichkeit in die Taten von Jesus selbst hineinzuinterpretieren. Wenn überhaupt, dann war Jesus jemand, der in seinem Leben fröhliche Schlichtheit, radikale Heilung und unvorstellbare Liebe vorlebte. Jesus fordert uns heraus, über uns selbst hinauszuschauen. Daher sollten wir gerade ihn nicht verurteilen. Aber in der Bibel lesen wir, dass diejenigen, die Jesus nachfolgen, nichts weniger sind als Jesu Leib in der heutigen Welt (Kol 1,24; 1 Kor 12,27 und Eph 5,30). Man sagt, dass man Jesu Gegenwart direkt

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spüren kann in der Gegenwart derer, die sich in seinem Namen versammeln. Konkret gesagt lernen Menschen Jesus kennen durch diejenigen, die behaupten, Jesus nachzufolgen. Wenn nun jedoch Jesus durch das Leben seiner Nachfolger verkündigt wird, wenn der Leib der Gläubigen den Leib Christi in dieser Welt verkörpern soll, dann müssen wir innehalten, tief Luft holen und uns fragen, ob die oben erwähnte Geschichte nicht widerspiegelt, wie Jesus heute der Welt präsentiert wird, zumindest in der Wahrnehmung derer, die erleben, wie Christen in der westlichen Welt leben.

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3. Das Wort übersetzen (Nach einer Buddhistischen Parabel)

Es war einmal eine junge und begabte Frau namens Sophia. Eines Tages erschien ihr Gott persönlich und sprach zu ihr wie ein guter Freund. Während dieser Unterhaltung bat Gott Sophia, ihr Leben der Übersetzung und der Verbreitung der Bibel in ihrem Land zu widmen. Nun war zu jener Zeit die Druckerpresse gerade erst erfunden worden und die wenigen Bibeln, die es gab, waren in lateinischer Sprache und wurden in Kirchen unter Verschluss gehalten. Sophia stammte aus einem armen, am Rande der Stadt gelegenen Bauerndorf. Daher schien ihr die Aufgabe unmöglich. Sie würde einen enormen Geldbetrag für die nötigen Gerätschaften aufbringen müssen, brauchte ein Gebäude, um sie unterzubringen, und musste Gelehrte engagieren, die die Fähigkeit besaßen, die lateinischen Verse in die Landessprache zu übersetzen. Doch dass diese Aufgabe ein Ding der Unmöglichkeit war, brachte sie nicht im Geringsten ins

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Wanken. Nachdem Gott ihr erschienen war, verkaufte Sophia die wenigen Dinge, die sie besaß, und verließ das Dorf, um in der Stadt auf der Straße zu leben. Dort bettelte sie und widmete sich jeder verfügbaren Arbeit, um das nötige Geld aufzutreiben. Die Beschaffung des Geldes stellte sich als langwierige und mühsame Aufgabe heraus, denn während es einige gab, die großzügig spendeten, gaben die meisten nur wenig, wenn überhaupt etwas. Zudem bedeutete das Leben auf der Straße große persönliche Entbehrungen für Sophia. Doch allmählich – über einen Zeitraum von 15 Jahren – kam immer mehr Geld zusammen. Kurz bevor die Pläne für eine Druckerpresse umgesetzt werden konnten, wurde eine nahe gelegene Stadt durch eine furchtbare Flut verwüstet. Als Sophia davon erfuhr, nahm sie all ihr gesammeltes Geld und kaufte davon Nahrung für die Hungernden, Material für den Wiederaufbau zerstörter Häuser und kümmerte sich um die Grundversorgung der mittellos Gewordenen. Nach einiger Zeit erholte sich die Stadt von der Naturkatastrophe, die sie heimgesucht hatte. So machte sich Sophia zurück auf den Weg, um wieder von vorn zu beginnen. Dabei erinnerte sie sich stets an die Vision, die Gott ihr so eindrücklich aufs Herz gelegt hatte. Langsam vergingen viele weitere Jahre, die auch

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an der schönen Sophia nicht spurlos vorrübergingen. Indes gab es viele Menschen, die von ihrer Liebe und Hingabe tief berührt wurden, und obwohl die Menschen arm waren, mehrte sich das Geld erneut. Nach weiteren neun Jahren kam es jedoch zu einer weiteren Katastrophe. Diesmal suchte eine Seuche die Stadt heim, nahm Tausenden das Leben und ließ viele Kinder ohne Familie, ohne Unterstützung zurück. Inzwischen war Sophia ermattet und sehr krank. Doch ohne Zögern nahm sie das gesammelte Geld, um für die Kranken Medizin, für die Waisen ein Zuhause und Land, auf dem die Toten sicher begraben werden konnten, zu kaufen. Dabei vergaß sie niemals die ihr von Gott gegebene Vision, aber die Schwere der Seuche zwang sie dazu, ihre heilige Berufung zurückzustellen, um in dieser Notlage zu helfen. Erst als sich der Schatten der Seuche von der Stadt erhob, ging sie wieder auf die Straße, angetrieben von ihrer Sehnsucht, das Wort Gottes zu übersetzen und unter den Menschen zu verbreiten. Schließlich – kurz vor ihrem Tod – konnte Sophia endlich das notwendige Geld für die Druckerpresse, das Gebäude und die Übersetzer aufbringen. Obwohl sie zu diesem Zeitpunkt am Ende ihres Lebens angekommen war, lebte Sophia noch lange genug, um mitzuerleben, wie die ersten Bibeln gedruckt und verbreitet wurden.

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Man erzählt sich bis heute, dass Sophia ihre Berufung, die Übersetzung und Verbreitung des Wortes Gottes, dreimal statt einmal während ihres Lebens erfüllte – wobei die ersten beiden Male schöner und strahlender waren als das dritte Mal.

Kommentar Hier werden wir dazu eingeladen, über die wahre Bedeutung des Ausdruckes Wort Gottes nachzudenken. Während dieser Ausdruck oft dazu gebraucht wird, eine Sammlung heiliger Schriften zu beschreiben, fragt die obige Geschichte den Leser, ob Worte in einem Buch – ganz egal wie schön sie auch sind – jemals einem solchen Titel gerecht werden können. Selbstverständlich wird für viele die Bibel einem solch heiligen Titel gerecht. Die Worte, oder zumindest die Botschaft, die in den Wörtern enthalten ist, rangiert sogar weit über den größten literarischen Leistungen. Doch müssen wir uns fragen, ob die Wertschätzung, die wir den Worten der Bibel entgegenbringen, wirklich der beste Weg ist, um unsere Liebe und unseren Respekt gegenüber diesen alten Texten zu äußern. Denn ist es nicht die Bibel selbst, die uns mitteilt, dass Gottes Wort niemals leer zurückkommt (Jes 55,11)? Anders ausgedrückt: Gottes heiliges Wort

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kann niemals auf taube Ohren stoßen, sondern bewirkt immer Veränderung bei denen, die wirklich bereit sind, es zu hören. Ist das der Fall, dann kann Gottes Wort nicht gehört werden, ohne dass es nicht auch beherzigt wird. Es kann nicht empfangen werden, ohne dass es nicht auch in die Tat umgesetzt wird. Tatsächlich können wir nur davon sprechen, dass Gottes Wort empfangen wurde, wenn es auch wirklich in die Tat umgesetzt worden ist. Beispielsweise sollten die Worte Liebe deinen Nächsten nicht als heilig oder göttlich verstanden werden. Dies sind lediglich Worte, nicht mehr. Sie nehmen nur eine offenbarende Rolle ein, wenn sie auch gelebt werden, sprich, wenn jemand sich tatsächlich seine Hände schmutzig macht und seinen Nächsten liebt – mit anderen Worten: wenn diese Worte in der Tat lebendig werden. Die Idee, seinen Nächsten zu lieben, wird nicht durch bloße Zustimmung, sondern erst durch die konkrete Umsetzung zum Wort Gottes. Daher ist es unmöglich, Gottes Wort zu bejahen, ohne nicht selbst zu diesem Wort zu werden, ohne der Ort zu sein, an dem dieses Wort zur lebendigen Tat wird. Das göttliche Wort kann dann nicht in ein Objekt umgewandelt werden, das losgelöst ist vom Subjekt, welches es hört oder liest. Denn das Wort Gottes ist ein in die Tat umgesetztes Wort, das gelebt wird. Sein Ruf wird nur von denen ver-

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nommen, die das Aroma der Worte einatmen und die Liebe, Leben und Befreiung ausatmen. Mit dem Versuch, dieses Wort zu beschreiben, werden wir letztlich immer wieder etwas beschreiben, was diesem nicht gerecht wird. Denn genau so wie die Liebe, kann man dieses Wort nicht in bloĂ&#x;en Worten entdecken, sondern in Taten. Das Wort nimmt erst Gestalt an, wenn es umgesetzt wird; es existiert nur in der Welt, wenn es von einem Subjekt, das voll und ganz in dieser Welt verankert ist, ausgelebt wird. Ist das nicht die Logik der Menschwerdung?

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