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Version II vom 12.09.2007

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Manuskript zum Thema

Gottes Begrenzung von Leid Eine etwas andere Perspektive

Ăœberlegungen zum Thema Leid im Hinblick auf das eigene Gottesbild und Begegnungen mit (Nicht)Christen


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Ein Dankeschön … an meine Frau Kathrin, die im gemeinsamen Ringen um Antworten und aus persönlicher Leiderfahrung heraus viele wichtige Gedanken beigetragen und weiterführende Denkprozesse angestoßen hat. … an Werner, der seit dem Tag unseres Kennenlernens, mir als Vater in Christus begegnet, mich als Freund gesucht und als Mentor begleitet und gefördert hat. … an Agnes, die egal wann ich ihr begegnete, ein offenes Herz und Ohr für meine Anliegen hatte und mir gerade im Hinblick auf das Verfassen von verschiedenen Texten immer bereitwillig zur Seite stand.


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Vorwort

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Einleitung Geht es ihnen auch so? Wenn ich mit Menschen über Gott und den Sinn des Lebens ins Gespräch komme, dann ist die Frage „Warum lässt Gott das Leid zu?“ schon fast vorprogrammiert. Mit unterschiedlichen, teilweise extremen Beispielen bringen meine Gesprächspartner immer wieder zum Ausdruck, dass sie das ganze Leid in der Welt mit dem Glauben an einen gütigen und allmächtigen Gott nicht in Einklang bringen können. Wenn es einen Gott gibt, warum hat er erlaubt, dass Leute wie Hitler, Mao oder Osama Bin Laden Unschuldige töten? Wenn Gott existiert, wie kann er schreckliche Kriege oder Terrorattentate - wie jene auf das World Trade Center zulassen? Was ist mit den Katastrophen, den Hurrikans, Überschwemmungen, Tsunamis, die so vielen Unschuldigen das Leben kosten, warum greift Gott nicht ein? Schon der griechische Philosoph Epikur hat seiner Zeit sinngemäß skeptisch geschlussfolgert: Entweder kann Gott das Leid beseitigen, will es aber nicht. Dann ist er nicht gütig. Oder er will das Leid beseitigen, kann es aber nicht. Dann ist er nicht allmächtig. Ist Gott aber gütig und allmächtig, so würde er das Leid verhindern. Da es aber in der Welt Leid gibt, kann es diesen Gott nicht geben. Die „Warum – Frage“ bei Leiderfahrungen Die Frage nach dem Warum hat seit jeher Menschen bewegt und wird dies auch weiter tun, solange es Menschen gibt. Auch ich habe diese Frage schon oft gestellt. Wenn ich der Warum - Frage in Bezug auf Leid in Gesprächen oder auch in den Medien begegne, dann merke ich, wie dies zwiespältige Gedanken bei mir auslöst. Einerseits kann ich die Frage nicht nur verstehen, sondern ich möchte mich eins machen mit den Opfern. „Wo warst du Gott?“, ist eine ernste Anfrage, wenn jemand z.B. alles verloren hat. Und deshalb kann es hier nie darum gehen, einfach fromme Sprüche zu klopfen und vorschnelle Antworten zu liefern, sondern zu signalisieren: Da bist du nicht allein in deinem Fragen! Auch ich finde nicht auf alles eine Antwort. Auch ich bin ohnmächtig. Auch ich begreife Gott oft nicht. Hier ist etwas passiert, was nicht in Ordnung ist, was man nicht einfach so wegwischen kann. Jedes Wort, das nicht tröstet, sondern platt zu erklären sucht, ertrinkt im Meer der Tränen dieser Menschen. Anderseits spüre ich hinter dem Fragen mancher Menschen, dass sie es nicht wirklich ernst meinen. Ich spüre einen Hauch Polemik. Suchen sie wirklich eine Antwort? Oder nutzen sie nur eine Gelegenheit mehr, vermitteln zu können, dass es einen Gott ja sowieso nicht geben kann? Bedienen sie sich einer galanten Möglichkeit, einem Gott mit Seinen Ansprüchen an das eigene Leben ausweichen zu können? Noch heute warte ich auf eine Schlagzeile wie z. B.: „Warum lässt Gott es zu, dass es uns so gut geht? Warum beschenkt uns Gott immer wieder in so reicher Weise, obwohl wir uns so wenig um Ihn kümmern?“ Ich frage mich ernsthaft, in wieweit es gerechtfertigt ist, unsere Anfragen so auf das Leid in dieser Welt zu fokussieren. Denn wie viel geniales, normales, gesundes Lebens gibt es auf der anderen Seite. Natürlich kann es nicht darum gehen, beide Seiten gegeneinander auszuspielen. In


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dem Moment, in dem es jemandem sehr schlecht geht, nutzt es nichts, dass es anderen gut geht. Und dennoch wäre es mehr als fair, beide Seiten zu benennen. Doch nicht alle Warum – Fragen werden aus der Skepsis geboren. Warum - Fragen sind auch zutiefst biblisch und bewegen gläubige Christen. Es sind legitime Fragen des Geschöpfes an seinen Schöpfer, Fragen des Kindes an seinen Vater. In der Regel beinhalten sie zwei Grundanliegen. Zum einen machen sie unseren innewohnenden Anspruch auf Gerechtigkeit geltend, vor allem auf uns selbst. Zum anderen sind sie der Ausdruck eines elementaren Bedürfnisses, den Sinn von Leid zu verstehen, sowohl für das eigene Leben als auch in Bezug auf die Ereignisse um uns herum. Warum dieses Buch? Als sie dieses Buch erblickten, haben sie vielleicht gedacht: „Nicht noch ein Buch über Leid!“ Ehrlich gesagt, wäre ich nicht der Autor, so würde es mir wahrscheinlich ähnlich ergehen. Unzählig sind die Bücher, welche zu diesem Thema verfasst wurden. Und regelmäßig wird bezweifelt, ob solch theoretische Auseinandersetzung mit der Leidfrage überhaupt einen Sinn hat. Treffen all die möglichen Erkenntnisse wirklich auf etwas Wesentliches, das in der Lage wäre, die lähmende Wucht leidvoller Erfahrungen abzufangen? Viele fragen wie Armin Kreiner: „Was nützt das Bemühen um argumentative Schlüssigkeit und rationale Rechtfertigung am Bett todkranker Menschen, in der seelsorgerlichen Begleitung Trauender oder in der sprachlosen Verzweiflung angesichts der natürlichen und sittlichen Katastrophen der Menschheitsgeschichte?“ (Kreiner, 1998, S. 395) Solche Anfragen sind gerechtfertigt. Grob gesagt gibt es in der Leidfrage drei Ebenen, die es zu beleuchten gälte: erstens die Metaebene (Theorie), zweitens die Erfahrung von eigenem Leid und drittens das Leid in der Welt, an dem wir unterschiedlich Anteil nehmen. Dieses Buch beschäftigt sich mit der eher theoretischen Ebene, weshalb die eben erwähnte kritische Anfrage umso gewichtiger erscheint. Warum also dieses Buch? Das Hauptanliegen des Buches ist der Versuch, die Fragen nach dem Ursprung und Sinn von Leid einmal aus einer anderen Perspektive, einem anderen Blickwinkel zu betrachten: die Leidfrage aus der Sicht Gottes. Die meisten Bücher, die ich kenne, beschäftigen sich im Kern damit, aus der Sicht des Menschen zu fragen, warum Gott Leid zulässt. Es wird darüber nachgedacht, warum Gott bei Leid nicht eingreift, und es entsteht das Bild eines untätigen Gottes. Doch: Wie kommen wir darauf, dass Gott untätig ist, nur weil er in einer Situation vermeintlich nicht eingreift? Und nicht wenig höre ich aus Anklagen gegenüber Gott folgende Meinung heraus: „Normalerweise könnten wir hier auf der Welt ein schönes, friedliches Leben führen, wenn nur Gott all das Leid auf der Welt wegnehmen würde.“ Man ist also der Ansicht, die Normalität auf Erden sei ein Leben ohne Leid. Doch wiederum: Wie kommen wir darauf, dass die Normalität eine leidfreie Welt ist? Außerdem habe ich festgestellt, dass der Begriff „Leid“ recht willkürlich, teils oberflächlich, mitunter sehr schwammig gefüllt wird, so dass wir, bevor wir über die Leidfrage sprechen, uns über die einfache Frage Gedanken machen sollten: Was ist eigentlich Leid? Für den Ansatz dieses Buches dürfte vor allem die Frage wichtig sein: Was ist Leid aus der Sicht Gottes?


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Wie bereits erwähnt, kann ich die o. g. kritischen Anfragen an eine theoretische Auseinandersetzung mit dem Thema „Leid“ nachvollziehen. Erfahrungsgemäß bestehen Unterschiede zwischen einer vorrangig theoretischen Auseinandersetzung und den Anforderungen einer pastoral orientierten Auseinandersetzung. Dennoch möchte ich dafür einstehen, dass diese Unterschiede gerade nicht in ein radikales voneinander Abgrenzen oder gar gegenseitiges Ausspielen münden. Vielmehr sollten sie sich gegenseitig befruchten. Wenn wir nämlich leidvolle Erfahrungen, die wir in Verbindung mit Gott bringen, durchdenken, dann wird unsere Beurteilung einer Situation sehr viel damit zu tun haben, welches Gottesbild wir haben. Aus vielen Gesprächen über Leid – ob mit Christen oder Nichtchristen – kamen mir recht unterschiedliche Ansichten entgegen. Manche dachten, dass Gott die Erde zwar geschaffen, sie aber dann sich selbst überlassen hat. Einige dachten, dass Gott Leid verursacht, um Menschen zu strafen. Vielfach wurde Gott als Despot oder Tyrann gesehen, der offensichtlich Spaß daran hat, wenn Menschen leiden. Andere dachten wiederum, Gott schickt dem Menschen Leid, um ihm etwas zu verstehen zu geben, mit der Absicht, ihn zu erziehen oder ihm schlicht und einfach seine Willen aufzuzwingen. Wie im weiteren Verlauf dieses Buches dem einen oder anderen vielleicht noch deutlich werden wird, hat unser Gottesbild - also unser grundsätzliches Denken über Gott – letztlich Einfluss auf unser Verhalten und auf den Umgang mit leidvollen Situationen. Wir reagieren nicht spontan und allein auf das Leid, das uns in einer Situation begegnet. Vielmehr handeln wir, antworten oder begleiten wir Menschen im Leid aus unseren Überzeugungen heraus. Gerade in Gesprächen mit Christen habe ich in Bezug auf das Thema „Leid“ immer wieder festgestellt, dass es ihnen ähnlich ergeht, wie es auch mir lange Zeit ergangen ist: Sie reden über Leid, ohne sich mit dem Thema auseinandergesetzt zu haben. Sie haben nicht wirklich eine Ahnung, welches Gottesbild in der Leidfrage nun annehmbar wäre oder nicht. Teilweise beinhalten ihre Aussagen eine undifferenzierte Theorie – um nicht zu sagen Theologie - welche allein auf unreflektierter persönlicher Erfahrung beruht. Oder sie stehen wie vor den Kopf gestoßen da, wenn sie in einem Gespräch über den Glauben gefragt werden: „Warum lässt Gott Leid zu?“ Schnell fühlen sie sich überfordert, geben vielleicht gerade noch ein evangelistisches Büchlein weiter. Deshalb will das Buch dazu herausfordern, sich gründlicher mit der Thematik auseinanderzusetzen, den eigenen Blick zu schärfen, unser Gottesbild zu hinterfragen und eine differenzierte Sicht zum Thema „Leid“ zu entwickeln. Es will helfen, Leiddeutungen von Betroffenen, Ratsuchenden, aber auch Anklagen an Gott besser einordnen, evtl. falsche Ansichten entlarven und einen anderen Blickwinkel aufzeigen zu können. Inhaltlicher Aufbau des Themas Dieses Buch wird weitgehend von zwei Grundfragen bewegt: • Woher kommt Leid bzw. wer oder was bewirkt Leid? • Hat Leid einen höheren Sinn? Im ersten Teil des Buches möchte ich uns an das Thema heranführen. Zum einen werden wir versuchen dem Begriff „Leid“ eine inhaltliche Definition zu geben, vor


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allem aus der Sicht Gottes. Zum anderen möchte ich verschiedene Erklärungsversuche des Leids vortragen. Im zweiten Teil setzen wir uns mit der Ursache bzw. Urheberschaft von Leid auseinander. Im dritten Teil fragen wir, in wieweit Leid einen Sinn hat oder nicht. Bei allen Fragestellungen werden wir vorab jeweils biblische Aussagen und diverse Aussagen von Kirchenvätern zu Rate ziehen. Einzelne Textboxen geben dem Leser bei Interesse Gelegenheit, den einen oder anderen Gedanken zu vertiefen oder weitere Informationen zu erhalten. Wichtige Rahmenbedingungen Dieses Buch mag an manchen Stellen herausfordernd sein und bisher festgelegtes Denken auf den Kopf stellen. Um jedoch überzogenen Erwartungen entgegenzutreten, scheint es mir sinnvoll, an dieser Stelle auf ein paar Rahmenbedingungen und Einschränkungen hinzuweisen. Der Fokus des Buches liegt auf der Betrachtung von Ursache und Sinn von individuellem Leid in der westlichen Kultur. Das Buch hat nicht zum Ziel, die sehr umstrittene Leidfrage (Leidenstheologie vers. Siegestheologie) innerhalb des Christentums zu klären! Auf die Frage nach der Überwindung von Leid wird hier ebenso nicht explizit eingegangen. Bei jeder Beschäftigung mit der Leidfrage wäre es mehr als überheblich zu denken, dass mit einem Buch „die Antwort auf die Leidfrage“ gegeben werden würde. Es versteht sich von selbst, dass es die Antwort nicht gibt. Wenn wir mit Menschen in Gesprächen über Gott und die Leidfrage sind, dann werden meistens – wie oben bereits erwähnt – die extremsten Leidbeispiele vorgetragen. Und dort, wo wir meinen, bei Hiob Ansätze von Antworten gefunden zu haben, bringt uns Auschwitz zum Schweigen. Nein, es geht nicht um platte Antworten, und manchmal ist Schweigen ehrlicher und aufrichtiger. Zur Auseinandersetzung mit der Leidfrage in Verbindung mit Gott liegt eine Vielzahl an Literatur vor, der teilweise sehr komplexe, hochphilosophische Gedankengänge und Formulierungen zur Lösung der Leidfrage zugrunde liegen. Dort wo ich darauf eingehe, habe ich versucht, diese Gedankengänge sinngemäß so wiederzugeben, dass sie gerade von Nichttheologen verstanden werden können. Allerdings erhebe ich hier nicht den Anspruch, diesen Gedankengängen umfassend gerecht geworden zu sein. Des Weiteren ist es mir ein Anliegen, von vornherein deutlich zu machen, dass sich spekulative Aussagen in der Leid-Problematik nicht immer vermeiden lassen. Vielleicht haben Sie sich schon gedacht, wie man den Anspruch erheben kann, das Leid aus der Sicht Gottes darzulegen. Natürlich bleibt dies eine subjektive Deutung, nämlich meine. Doch worin unterscheidet sie sich in Bezug auf eine Darlegung zur Leidfrage aus der Sicht des Menschen? Im Prinzip gar nicht! Jegliche diesbezügliche Herangehensweise ist letztlich subjektiv, um nicht zu sagen hypothetisch. Auch diesbezügliche Aussagen in der Bibel werden hier unterschiedlich interpretiert. Deshalb wird mitunter das Herausfordernde dieses Buches das Bemühen sein, den Spannungsbogen zwischen der Aussage einer einzelnen Bibelstelle und der gesamtbiblischen Sicht aufrecht zu erhalten. Ich setze hier nicht voraus, dass mir dies immer gelingt. Letztlich verstehe ich meinen Beitrag nicht als Gegendarstellung


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zu anderen Büchern zum Thema, schon gar nicht als Postulat, sondern als eine überlegungswerte Ergänzung, dem Mysterium Leid ein Stück näher zu kommen.


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