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Markus und Antje Schäller

bibel, sex und body-bildung Klartext zum Thema Nr. 1


inhaltsverzeichnis Wozu dieses Buch? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7 Teil A Konkret und zur Sache: Fragen und Antworten aus der Praxis . . . . . . . . 11

Bibelzitate nach der revidierten Elberfelder Übersetzung, R. Brockhaus Verlag, Wuppertal und Zürich Schäller, Markus und Antje Bibel, Sex und Body-Bildung Klartext zum Thema Nr. 1 ISBN-10: 3-89436-515-3 ISBN-13: 978-3-89436-515-8 © 2006 Christliche Verlagsgesellschaft mbH, Dillenburg, www.cv-dillenburg.de Satz: CV Dillenburg Umschlaggestaltung: Markus Wäsch, Dillenburg Druck: Ebner & Spiegel, Ulm Printed in Germany

1. Sex ohne Ehe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Masturbation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Vorehelicher Geschlechtsverkehr . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Petting . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Unverheiratet schwanger . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Sex nur in der Ehe – Erklärungsnotstand . . . . . . . . . . . . . . Pornografie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

13 13 15 21 23 24 26

2. Wie finde ich den richtigen Partner? . . . . . . Fragwürdige Bibelauslegungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Das große Sieb . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Gottes Willen erkennen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Menschenverstand und die Weisheit des Allwissenden . . . . Unser eigenes Beispiel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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3. Sex in der jungen Ehe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Wachsende Qualität . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Sex bis zum Abwinken . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Das erste Mal . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Verhütung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

37 37 39 40 42 5


Teil B BibelSpecial . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 45 1. Was sagt die Bibel über Sex? . . . . . . . . . . . . . Sexualität ist ein biblisches Mega-Thema . . . . . . . . . . . . . . Zwischen Offenheit und Intimität . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Leib- und Sexfeindlichkeit ist unbiblisch, aber leider . . . . . . Biblische Antworten auf neuzeitliche Fragen? . . . . . . . . . . . Der biblische Gestaltungsrahmen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . „Schöpfungstheologie“ contra Evolutionspsychologie . . . . . Das verlorene Paradies . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . In vollen Zügen genießen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

45 45 46 47 48 49 51 53 54

2. Partykultur, Sex und Körperperspektive . . Man(n) gönnt sich ja sonst nichts . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Korinth 55 nach Christus . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Paulus kontert . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . porneía und porné . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Ihr sollt vor porneía fliehen! . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Zu wenig Body-Bildung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Was hat Auferstehung mit Sex zu tun? . . . . . . . . . . . . . . . . Zielorientiert leben . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

57 57 58 59 61 62 63 65 67

Teil C Das Lexikon: Sex von A bis Z . . . . . . . . . . . . . . . . 71 Anmerkungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 118

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wozu dieses buch? An Literatur zum Thema Sex fehlt es heutzutage nicht. Im Zeitalter der Informationsgesellschaft erfährt man mehr über »die wichtigste Nebensache der Welt«, als man wissen will. Der Bücher- und Zeitschriftenmarkt quillt über von klugen und weniger klugen Ratgebern - vom Internet ganz zu schweigen. Wozu also dann noch ein Buch? Der Grund ist eigentlich ganz einfach: Obwohl man heute mehr erfahren kann als je zuvor, sind viele junge Leute ziemlich orientierungslos. Wenn du uns nun die Frage stellst, woher ausgerechnet wir uns das Recht nehmen, dir Orientierung geben zu wollen, dann triffst du den Nagel auf den Kopf. Wir können ein paar Erfahrungen weitergeben und ein paar Daten nennen – mehr nicht. Aber was wirklich Orientierung bietet, ist Gottes Wort: die Bibel. Wenn Gott den Menschen geschaffen hat, dann kann er uns auch Orientierung in puncto Sexualität geben. Deshalb hat bei allen Themen und Fragen, die in diesem Buch zur Sprache kommen, die Bibel das letzte Wort. Natürlich ist auch das nicht neu. Es gibt andere Autoren, die den gleichen Anspruch haben. Und das ist gut so. Auch das erste Buch dieser Reihe, »SEX ... um Gottes Willen!« (CV Dillenburg 2001), hatte diese Absicht. Aber inzwischen sind viele neue Fragen und Fakten dazugekommen. So manche kritische Rückfrage hat uns angeregt, präziser zu werden. Das erste Buch richtet sich an Teens und Jugendliche, die wissen wollen, wie man mit seiner Sexualität klarkommt, wenn man nicht verheiratet ist. Das zweite Buch hat dieses Spannungsfeld auch im Blick, geht aber noch 7


einen Schritt weiter: Es will auch Hilfestellung für junge Paare geben, die gerade geheiratet haben oder kurz davor stehen. Weil das »Vorleben« Auswirkung auf eine junge Ehe hat, können wir nicht vor der »Hochzeitsschwelle« stehen bleiben. Dabei lässt es sich nicht vermeiden, über Dinge zu reden, die für die einen noch kein Thema und für die anderen kein Thema mehr sind. In jedem Fall wollen wir Klartext reden, denn in einer Gesellschaft, die uns das Thema Sex in seiner ganzen Bandbreite aufdrängt, sind Tabus oder vorsichtige Andeutungen die falschen Mittel. Deshalb orientieren wir uns an dem Motto: So viel Offenheit wie möglich und so viel Intimität wie nötig. In Teil A findest du – wie auch im ersten Buch – Antworten auf konkrete Fragen. Teil B liefert biblische Sexualethik im Kompaktformat und »Das Lexikon: Sex von A bis Z« in Teil C geht auf Themen ein, die an keiner anderen Stelle zur Sprache kommen. In allen drei Teilen setzen wir auch Akzente in Richtung »BodyBildung«: Welche Bedeutung hat der Körper vor Gott? Welche Körperfunktionen sind für die Sexualität wichtig? Und weil die drei Teile des Buches im Zusammenhang stehen, gibt es Querverweise: Begriffe, die im Lexikon erklärt werden, sind mit einem Sternchen markiert: z.B. »Erotik*«. Im Lexikon wiederum gibt es Verweise auf die Teile A und B. Damit ihr wisst, wer »wir« sind, noch ein paar technische Daten zu »uns«, den Autoren: Antje (Baujahr 1971): »Ich bin von Beruf Krankenschwester und habe 4 Kids zur Welt gebracht, die heute zwischen 5 und 14 Jahren alt sind. Zurzeit heißt mein Job ›Familienmanagerin‹ (auch Hausfrau genannt). Wir wohnen in einer sächsischen Kleinstadt namens Oberlungwitz, wo ich mich auch als Stadträtin engagiere. Manchmal begleite ich meinen Mann zu Seminaren, manchmal bin ich auch selbst als Referentin unterwegs.« 8

Markus (Baujahr 1968): »Ich habe dieselben Kinder wie meine Frau und hatte zunächst auch den gleichen Beruf. Von 1993 bis 1996 absolvierte ich ein theologisches Studium an der Bibelschule Wiedenest, um anschließend als Jugendreferent in Ostdeutschland tätig zu sein. Ab 2001 setzte ich das Studium fort und erhielt 2005 von der University of South Africa einen »MTh« für die Forschungsarbeit über die Sexualethik im 1. Korintherbrief. Mein Beruf ist derzeit eine Kombination aus Jugendreferent (InAktion Wiedenest) und Schulungsreferent (Arbeitsgemeinschaft der Brüdergemeinden im BEFG).« Markus und Antje Schäller

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t e i l A konkret und zur sache Fragen und Antworten aus der Praxis Von 1999 bis 2004 waren wir beide mit der hotLINE der Jugendzeitschrift komm! beschäftigt: Teens, Twens und junge Ehepaare schickten uns persönliche Fragen. Anfangs waren es noch wenige Briefe oder E-Mails, die wir beantworteten. Dann nahm die Arbeit an Umfang zu. Was in den Heften auftauchte (und 2001 in das Buch »SEX ... um Gottes Willen!« kam), war aber nur ein Teil dessen, was hinter den Kulissen geschah. Zunehmend wurden (und werden) wir auch zu Jugendabenden, Seminaren und Spezialthemen eingeladen. So entstand im Laufe der Zeit ein ganzer Pool von Fragen junger Leute zum Thema Nr. 1. Dabei wurde bald auch klar, welche die »Favoriten« junger Christen sind. Auf den nächsten Seiten findest du also die »Dauerbrenner« aus acht Jahren. Alle Fragen, die du in diesem Buch findest, wurden live von Teens oder Jugendlichen gestellt. Die meisten davon anonym. Wir sammelten sie zum Beispiel in Form von kleinen Zetteln, die wir vor einer Jugendstunde austeilten. Durch diese Strategie waren wir uns sicher, ganz nah am Puls der Leute zu sein, aber gleichzeitig auch sehr ehrliche Fragen zu bekommen. Und wie das bei anonymen Fragen so ist: Man kann niemanden mit Namen anspre11


chen. Aber die Betreffenden wissen: »Das ist meine Frage.« Wir sind uns ziemlich sicher, dass eine breite Mehrheit die gleichen Fragen stellen würde.

1. Sex ohne Ehe Masturbation*: »Was sagt die Bibel zum Thema Selbstbefriedigung?« Die Antwort ist kurz und bündig: Nix! Es steht wirklich absolut nichts über Selbstbefriedigung in der Bibel! Wer Gegenteiliges behauptet, ist den Beweis schuldig. Und dass die Geschichte mit Onan (siehe im Lexikon unter Onanie und Coitus interruptus) nichts mit Masturbation zu tun hat, ist hinreichend bekannt. Dass Masturbation einfach »kein Thema« für die Menschen im Alten und Neuen Testament war, glauben wir aber nicht. Denn in der griechisch-römischen Umwelt des Urchristentums war sie durchaus bekannt: Von den Kynikern (einer griechischen Philosophenschule; der Name leitet sich von griech. kyon, »Hund«, ab) weiß man, dass sie manchmal öffentlich am Straßenrand onanierten, wenn sie ihr sexuelles Verlangen nicht anders stillen konnten. Das haben wir heute in noch keiner Großstadt gesehen. Und mancher frühchristliche Einsiedlermönch in der ägyptischen Wüste hatte große Probleme damit, dass er zwar theoretisch der sexuellen Begierde »Adieu« gesagt hatte, aber dummerweise in der Einsamkeit den eigenen Körper entdeckte. Deshalb war Masturbation auch dort ein Thema.1 Manche fangen nun an zu spekulieren, warum die Bibel über Masturbation schweigt: War diese Praktik vielleicht in Ordnung? 13


War das ein Tabu* ? Oder ist das Thema am Ende für Gott völlig unwichtig? – Es macht nicht viel Sinn, diese spekulativen Fragen weiterzuverfolgen und Dinge in die Bibel hinein zu legen, die dort nicht stehen! (Nebenbei: In der Bibelauslegung gilt die Regel, dass das schwächste Argument das so genannte argumentum e silentio ist, das »Argument aus dem Schweigen«. Denn die Tatsache, dass eine Sache nicht erwähnt wird, bedeutet noch überhaupt nichts.) Trotzdem versuchen wir, eine Antwort auf diese Frage zu geben. Und wir glauben, dass wir sie zumindest biblisch ableiten können: Grundsätzlich ist Sexualität im Sinne der Bibel auf Gegenseitigkeit angelegt. Genauer: auf die Gegenseitigkeit eines Mannes und einer Frau. In vielen biblischen Texten wird das einfach vorausgesetzt. Aber manche Texte machen das auch definitiv klar: z.B. die Schöpfungsordnung in 1. Mose 2,24, vor allem aber 1. Korinther 7,4. Es geht dort um praktizierten Sexualkontakt innerhalb der Ehe: »Die Frau verfügt nicht über ihren eigenen Leib, sondern der Mann; ebenso aber verfügt nicht der Mann über seinen eigenen Leib, sondern die Frau.« Dieser Text sagt zwar nichts darüber aus, wie voreheliche Selbstbefriedigung zu bewerten ist. Er macht aber klar, dass innerhalb der Ehe der Grundsatz gilt: Beide sollen sich sexuell ihrem Ehepartner zur Verfügung stellen. Und Masturbation ist eben Sex als Einbahnstraße. Sie ist selbstbezogen und kann, wenn sie suchtartig ausgelebt wird, in einer Ehe dazu führen, dass die Sexualgemeinschaft mit dem eigenen Partner leidet. Man sollte nicht meinen, dass sich mit der Hochzeitsnacht der Schalter von Selbstbefriedigung automatisch auf Partnerbefriedigung umlegt. Manche Ehemänner kämpfen in der Ehe gegen Gewohnheiten, die sie sich vor der Ehe antrainiert haben! Die Dimension Sünde kommt dazu, sobald die Gedanken dabei unrein werden: Wenn 14

man sich durch Pornografie erregt, wenn Mann dabei FantasieSex mit einer Frau hat, die nicht seine ist, wenn Masturbation zum Selbstzweck wird oder suchtartige Züge annimmt. Das große Problem vieler junger Leute ist, dass sie in Bezug auf Selbstbefriedigung einen Schuldkomplex aufbauen. Nachdem sie es getan haben, fühlen sie sich schuldig, dreckig, unwürdig ... Aber leider führen diese unschönen Schuldgefühle meist schon dazu, gedanklich die nächste Runde einzuleiten. Grund: Man ist zu stark mit sich selbst beschäftigt – in jeder Hinsicht: Drehung um die eigene Achse. Und wir können dir hier nur empfehlen: Nimm den Druck raus! Was heißt das? Es heißt zum Beispiel, dass du nicht im Dreck liegen bleiben darfst, wenn du masturbiert hast. »Siebenmal fällt der Gerechte und steht doch wieder auf...«, heißt es in Sprüche 24,16. »... Aber die Gottlosen stürzen nieder im Unglück.« – Was unterscheidet einen Gerechten vom Gottlosen? Nicht Sündlosigkeit, sondern nach diesem Text vor allem eines: Der Gerechte steht wieder auf. Also, steh auf! Versuche, Schritt für Schritt eine beziehungsfähige Sexualität zu erlernen: Lass es nicht zu, dass die Sexualhormone dir dein Leben diktieren! Du hast sie in dir. Sie sind von Gott und du brauchst sie auch. Aber die Entscheidung, wie du deine Sexualität auslebst, liegt immer noch bei dir. Also pack’s an! Gott segne dich!

Vorehelicher Geschlechtsverkehr: »Steht in der Bibel eindeutig, dass Sex vor der Ehe nicht sein soll? Ein Mädchen meinte, dass sich das vielleicht irgendwelche Priester ausgedacht haben. Kann man Stellen wie 1. Mose 2,24, Kolosser 3,5 und Galater 5,19 als Antwort sehen? Was ist, wenn das nicht akzeptiert wird?« 15


Danke für deine guten Fragen. Zunächst zur Sicht des Mädchens, das du zitierst: Wenn ihr Argument schlagkräftig sein soll, dann müsste sie nachweisen, dass die Autoren der Bibel »irgendwelche Priester« waren. Aber das dürfte für sie eine ziemlich komplizierte Angelegenheit werden. Auch wenn Priester an der Bibel mitgeschrieben haben (Esra zum Beispiel), ist noch lange nicht gesagt, dass sie mal eben die Vorschrift erlassen haben, man möge doch bitte keinen vorehelichen Sex haben. Uns scheint aber eher, dass das Mädchen eine unscharfe Karikatur von katholischen Priestern im Kopf hat. Weil es ihr offenbar an Geschichtswissen fehlt, vermengt sie dieses Bild mit der Entstehungsphase der Bibel. Im Blick auf die Bibelstellen, die du zitierst, könntest du ihr knallharte Fakten bringen, die zeigen, dass sie sich irrt: Der Kolosserbrief und der Galaterbrief nennen den Verfasser (war Paulus ein Priester?). Und 1. Mose 2,24 bietet sich wunderbar an, um dem Mädchen klar zu machen, wer hinter diesen Texten steht. Jesus zitiert diesen Vers in Matthäus 19,4-5 mit den Worten: »Habt ihr nicht gelesen, das der, welcher sie schuf, sie von Anfang an als Mann und Frau schuf und sprach: Darum wird ein Mensch Vater und Mutter verlassen und seiner Frau anhängen, und es werden die zwei ein Fleisch sein.« Gott selbst, der Schöpfer, hat das also gesagt und nicht »irgendwelche Priester«. Wer etwas anderes behauptet, der unterstellt der Bibel die Vortäuschung falscher Tatsachen. Die drei Bibelverse sind schon ziemlich präzise gewählt. Jedenfalls im Blick auf Personen, die die Bibel akzeptieren. Aber sie müssen erklärt werden: Die Reihenfolge von »Eltern verlassen«, »anhängen« (= Heiraten) und »ein Fleisch werden« (= sexuelle Gemeinschaft leben) kommt in der Schöpfungsordnung von 1. Mose 2,24 klar zum Ausdruck. Aber für Kritiker wird die Argu16

mentation erst wasserdicht, wenn du von Matthäus 19 her erklären kannst, dass mit »anhängen« heiraten gemeint sein muss, dem das »Eltern verlassen« vorangeht. Erst dann ist klar, dass der Sexualkontakt gezielt an dritter Stelle steht. (Mehr dazu in »SEX ... um Gottes Willen!«, Seite 14-20). Die anderen beiden Stellen, jeweils so genannte »Lasterkataloge«, lehnen »Unzucht« scharf ab. Aber auf vorehelichen Sex wird das nur beziehen, wer kapiert hat, was sich hinter dem rätselhaften Wort »Unzucht« (oder in manchen Übersetzungen: »sexuelle Unmoral«) verbirgt. Um das anderen erklären zu können, solltest du den zweiten Teil des Buches, das du gerade in den Händen hältst, gründlich studieren. So viel zu den biblischen Fakten. Im Blick auf das Gespräch mit diesem Mädchen wirst du aber nicht daran vorbeikommen, dass sie erst einmal die Bibel als Gottes Norm für unser Leben akzeptieren müsste. Wenn sie das nicht kann oder will, dann ist sie aber trotzdem kein »hoffnungsloser Fall«. Vielleicht zählen für sie andere Argumente stärker. Postmodern geprägte Menschen interessieren sich mehr dafür, ob und wie etwas funktioniert als dass sie einen Gedanken gut begründen können. Wenn das Mädchen also bei dir sieht, dass du dich in Sachen Sex an die Bibel hältst und dabei keinen unglücklichen Eindruck machst, dann wird sie das interessiert zur Kenntnis nehmen. Oder wenn sie selbst merkt, dass die große sexuelle »Freiheit« nicht unbedingt die große sexuelle Erfüllung bedeutet ... Oder bei ihr eine Beziehung nach der anderen auseinander geht und du zielorientiert auf eine stabile Ehe zugehst. Kurz: Wenn sie den Sinn von Gottes Normen in deinem Leben sieht, dann bietest du ihr die besten Argumente.

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»Was ist an Sex vor der Ehe so schlimm? Reicht 1. Mose 2,24 als Begründung aus? Welche schlimmen Folgen soll es haben, wenn sich beide einig sind und sich keiner vergewaltigt fühlt?« Aus deinen Worten spricht die typische »Konsens- oder Verhandlungsmoral«2, die heute unter jungen Leuten üblich ist: Es herrscht also »Sexualdemokratie«3. Alles geht nach dem Motto: »Hauptsache, wir versteh’n uns, wir wollen es beide und es tut keinem weh.« Nun könnte man sagen: besser Konsensmoral als gar keine Moral. Und das stimmt auch. Aber das ist noch nicht der Weisheit letzter Schluss. Denn es ist durchaus zu fragen, ob es so gut ist, wenn zwei sich einig sind, etwas Verkehrtes zu tun! Oder anders formuliert: Es macht eine falsche Handlung nicht besser, wenn sich zwei Menschen dabei nicht wehtun. Zum Zweiten wollen wir zu bedenken geben, dass wir Gottes Vorgaben auch dann akzeptieren müssen, wenn uns nicht ganz klar ist, was die negativen Folgen für den Fall sind, dass wir sie ignorieren. Wir trauen unserem Schöpfer zu, dass seine Perspektive weiter reicht als unsere. Im Fall des vorehelichen Sexualverkehrs gibt es aber durchaus etliche nachvollziehbare Folgeprobleme, von denen auf den nächsten Seiten die Rede ist. Bleibt also noch die Frage, ob 1. Mose 2,24 als Erklärung ausreicht. Unserer Meinung nach schon, denn diese Schöpfungsordnung gibt eine Reihenfolge vor, an der man nicht vorbeikommt. Aber vielleicht suchst du nach einer Bibelstelle, die ungefähr so klingt wie: »Du sollst keinen vorehelichen Sex haben!« Gibt es eine solche Aussage? Ja, es gibt sie. Und zwar sogar mehrfach. Auch wenn die Formulierungen jeweils andere sind, steht genau das in der Bibel! Ein Beispiel ist 1. Korinther 6,18. Bitte lies dir dazu bitte Teil B durch! 18

»Geht es bei der Ehe nicht nur darum, dass man verbindlich zusammenbleibt? Und: Wenn ich mit dem schlafe, den ich heiraten will – wo liegt das Problem? Wenn Gott Sex zwischen zwei Menschen akzeptiert, dann doch nicht erst ab einem bestimmten Zeitpunkt!« Du hast scharf nachgedacht. Das ist auf jeden Fall gut. Aber dein Nachdenken beruht auf einem gravierenden Fehlurteil über die Ehe. Nein, es geht nicht »nur darum, dass man verbindlich zusammen bleibt.« Das ist zwar wichtig, aber längst nicht alles. Würde man deinem Argument folgen, dann wäre es auch kein Problem (vor Gott), ganz auf Ehe zu verzichten. Ehe ist mehr als nur dauerhaftes Zusammenleben. Sie ist ein Bund vor Gott und anderen Menschen. Vor Gott: Ob Mann oder Frau etwas davon ahnen oder nicht – wenn zwei Menschen heiraten, dann ist Gott irgendwie daran beteiligt: »Was nun Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht scheiden« (Matthäus 19,6). Vor anderen Menschen: Ein Mann und eine Frau bekennen gegenüber der Gesellschaft (in Deutschland durch den Standesbeamten und die Trauzeugen vertreten), dass sie von nun an zusammengehören wollen. Und jeder kann das am gemeinsamen Namensschild und an den Ringen ablesen: Diese beiden gehören zusammen. Und das schützt nach außen vor Einbruch anderer in die Beziehung und nach innen vor Ausbruch aus der Beziehung. Ein Paar, das einfach so zusammenlebt und miteinander schläft, erfüllt zwar zwei andere Dimensionen einer Ehe, nämlich Lebensgemeinschaft und Intimgemeinschaft. Aber als Ehe im Sinne der Bibel kann man das nicht bezeichnen. Von daher geht es sehr wohl um einen bestimmten Zeitpunkt! Wenn Gott will, dass Sex nur innerhalb der Ehe stattfindet (was biblisch außer Frage 19


steht), dann ist Sex vor der Ehe gegen Gottes Willen gerichtet. Egal, ob es um ein Jahr oder einen Tag geht. Treffend bringt Theo Lehmann das auf den Punkt: »Was sich außerhalb des von Gott dafür vorgesehenen Platzes für den Sex, also außerhalb der Ehe, abspielt, ist Gebolze, kein volles Spiel und lässt keine volle Entfaltung der Liebe und Ehe ist die lebenslange, der Sexualität zu.«4 verbindliche und Und noch eine Kleinigkeit in öffentlich dargestellte deiner Formulierung gilt es zu Gemeinschaft eines korrigieren: Gott »akzeptiert Mannes und einer Frau. Sex« nicht nur, sondern er hat sich Sex ausgedacht!

»Gehen wir mal davon aus: Sex vor der Ehe ist Sünde beziehungsweise nicht gut für uns. Verurteilt Gott ein Paar, das guten Gewissens 1-2 Tage vor der Hochzeit Geschlechtsverkehr hat?« Schön, dass du schon »mal davon ausgehst« ... Aber ansonsten wirkt deine Frage etwas künstlich. Denn, mal ehrlich: Glaubst du nicht auch, dass ein Paar, das Monate oder Jahre aufeinander gewartet hat, auch die letzten zwei Tage noch schafft? Und warum machst du dir so viel Mühe, Gottes Normen mit Hilfe von Zeitfaktoren aushebeln zu wollen? Es gibt nur zwei Möglichkeiten: Entweder man ist verheiratet oder man ist es nicht. Von daher kannst du die »1-2 Tage« getrost gegen »1-2 Jahre« austauschen: Das ändert an den Fakten überhaupt nichts. Ob oder wie Gott ein solches Paar verurteilt, entzieht sich unserer Kenntnis. Aus der Bibel wissen wir nur eins: Vorehelicher Sex ist Sünde (was in Teil B genauer erklärt wird). 20

Einen Aspekt deiner Frage wollen wir näher beleuchten: Du gehst offenbar davon aus, dass es einen Unterschied macht, ob verlobte bzw. fest versprochene Partner miteinander schlafen oder zwei wildfremde Personen, die sich mal eben auf einen One-NightStand treffen. Beides lehnen wir kategorisch ab, weil es die Bibel ablehnt. Der Sexualkontakt lässt eine tief gehende Verbindung zwischen zwei Menschen entstehen. So tief, dass Paulus sagen kann, dass keine andere Sünde so stark gegen den eigenen Körper gerichtet ist wie Geschlechtsverkehr, der außerhalb der Ehe stattfindet (1. Korinther 6,18). Doch Sex mit einem Partner, den man sofort oder bald wieder verlässt, hinterlässt mit Sicherheit die tieferen Kratzer in der Persönlichkeit. Vielleicht in Form von wachsender Beziehungsunfähigkeit oder in Form von Schuldgefühlen. Oder – wie das oft bei Frauen ist – in Form eines belichteten Films auf der Seele. Leider ist auf dem Foto nicht der eigene Mann abgebildet, sondern irgendeine zweifelhafte Jugendliebe. Damit ist aber nicht gesagt, dass Gott im Blick auf Sex zwei Tage vor der Hochzeit »nochmal ein Auge zudrückt«.

Petting*: »Wie weit sollte/kann/darf man vor der Ehe gehen? Ist Petting erlaubt? Wir leben doch nicht mehr im Mittelalter, oder?« Deine letzte Frage findet schnell unser zustimmendes Nicken. Nein, wir leben nicht im Mittelalter. Und das ist in vielerlei Hinsicht auch gut so (Nachteile hat es sicher auch). Aber woher weißt du denn eigentlich, wie die Leute im Mittelalter über Petting dachten? Den Begriff gab es vermutlich noch nicht, aber die Praxis – wieso nicht? Aber darum geht dir’s ja im Grunde gar nicht. Du stellst die Frage nach den Grenzen. Und die ist 21


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