Anke Hillebrenner | Birgit Bauer (Illustr.)
Das Mädchen mit dem schwarzen Koffer
Anke Hillebrenner | Birgit Bauer (Illustr.) Das Mädchen mit dem schwarzen Koffer Best.-Nr. 271 531 ISBN 978-3-86353-531-5 Christliche Verlagsgesellschaft Dillenburg Best.-Nr. 180109 ISBN 978-3-85810-440-3 Verlag Mitternachtsruf, www.mnr.ch Es wurde folgende Bibelübersetzung verwendet: bibel.heute, © 2010 Karl-Heinz Vanheiden und Christliche Verlagsgesellschaft Dillenburg (NeÜ). 2. Auflage © 2018 Christliche Verlagsgesellschaft Dillenburg www.cv-dillenburg.de Umschlaggestaltung und Satz: Christliche Verlagsgesellschaft Dillenburg Druck: Gutenberg Beuys Feindruckerei GmbH Printed in Germany
Anke Hillebrenner | Birgit Bauer (Illustr.)
Das Mädchen mit dem schwarzen Koffer
Was ist denn da bloß los? „Schau mal, da draußen!“ Josefine stand am Fenster. Sie hatte sich zu Paul umgedreht und winkte ihn zu sich. „Was soll da schon sein?“, brummte Paul und setzte den letzten Legostein auf das Dach der Polizeistation. Josefine starrte wieder durchs Fenster. „Alle sind auf der Wiese. Alle Kinder aus der Nachbarschaft. Auch Finn und Florian.“
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„Finn und Florian?“ Paul horchte auf und hob den Kopf. „Na, dann gibt es ja wieder Ärger.“ „Hmmm, sieht ganz so aus“, gab Josefine zurück. Paul war plötzlich neben ihr. „Das will ich jetzt aber auch mal sehen.“ Er drückte seine Nase gegen die Fensterscheibe. „Was machen die denn da?“ Josefine zog die Stirn kraus. „Die drängeln sich um irgendwen herum.“ „Stimmt!“ Paul klang jetzt aufgeregt. „Da sitzt jemand in der Mitte. Und Finn und Florian schleichen umher wie zwei Tiger.“ 6
„Schnell!“, rief Josefine und packte Paul am Arm. „Lass uns rausgehen und sehen, was die vorhaben.“ Schon war sie in den Flur gelaufen und zog ihre Schuhe an. Paul stürzte hinterher und griff nach seinen Gummistiefeln. Ein lautes Bellen kam aus der Küche. Schwanzwedelnd erschien ihr großer Hund in der Tür. Die Aufregung hatte ihn angelockt. „Leo!“, rief Josefine aus, und ihre Augen strahlten. „Super Idee! Du kommst am besten gleich mit raus!“ – „Genau“, lachte Paul. „Dann kommen Finn und Florian gar nicht erst auf dumme Gedanken!“ 7
Es gibt Ärger Als Josefine die Tür öffnete, stürmte Leo über die Straße auf die anderen Kinder zu. Weil kein Auto kam, liefen Josefine und Paul schnell hinterher. Schon sahen sie, wie einige der Kinder erschrocken auseinander sprangen. „Leo, komm hierher!“, rief Josefine streng. Leo gehorchte und trottete zurück. Jetzt sahen sie, dass Finn und Florian spöttisch grinsten und langsam auf sie zukamen. 8
„Ach neeee. Die dumme Fine und ihr blöder Bruder Paul. Paul, der Kleine, hat so kurze Beine, hat ’ne dicke Nase, die aussieht wie ’ne Blase.“ Josefine spürte Wut in sich hochsteigen. Aber sie sagte nichts und griff nach Pauls Arm. Sie hoffte, dass auch er sich von diesen gemeinen Jungen nicht reizen ließ. Josefine war sich sicher, dass sie ihnen nichts tun würden. Denn selbst Finn und Florian hatten ein bisschen Angst vor Leo, auch wenn sie es nie zugaben. Leo saß zwischen Josefine und Paul und knurrte leise, aber bedrohlich. Jetzt fiel Josefines Blick auf 9
ein kleines Mädchen, das weinend im Gras saß. „Was habt ihr mit ihr gemacht?“ Josefines Stimme klang so streng, dass Finn und Florian kurz aufhörten zu grinsen. Doch dann kehrte der gemeine Ausdruck in ihre Gesichter zurück. „Gar nichts, du dumme Nuss. Wir haben nur ein bisschen mit ihr gequatscht. Soll sie doch dahin zurückgehen, wo sie hergekommen ist.“ Florian stieß Finn in die Seite. „Komm, wir hau’n ab. Ich hab keine Lust mehr auf diese Babybande“, sagte er verächtlich. Schon drehten sich die beiden Jungen um und rannten davon. Auch die 10
anderen Kinder waren nach und nach verschwunden. Leo bellte hinter Finn und Florian her. „Feiglinge, Feiglinge!“, rief Paul wütend.
Sara Josefine kniete sich neben das wimmernde Mädchen ins Gras. Die Kleine hatte die Arme um die Knie geschlungen. Darin verbarg sie ihr Gesicht. Josefine strich ihr über das wuschelige, dunkle Haar. „Hey, du“, sagte sie sanft. „Du brauchst keine Angst mehr zu haben. Die Jungs sind weg.“ Sie machte eine Pause und hörte wieder ein Wimmern aus dem Bündel aus dunklem Haar und 12
bunter Kleidung. Vorsichtig umfasste sie die Schultern des Mädchens und sagte leise: „Die sind echt gemein. Die ärgern jeden. Hab keine Angst.“ Jetzt hob das Mädchen langsam den Kopf. Josefine sah in zwei dunkle Augen, in denen Tränen glänzten. Dankbar und traurig zugleich blickte das Mädchen sie an und schwieg. Einen Moment lang fühlte sich Josefine hilflos. Was sollte sie jetzt sagen? Verstand das Mädchen sie überhaupt? Ja, sie war ihr schon häufiger auf dem Schulhof aufgefallen. Da war sie meistens alleine. Josefine überlegte kurz und tat dann das einzig Richtige. Vorsichtig zog sie 13