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E. H. Broadbent

2000 Jahre GEMEINDE JESU Schmach und Segen christlicher Pilgerschaft

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Edmund Hamer Broadbent 2000 Jahre Gemeinde Jesu Schmach und Segen christlicher Pilgerschaft Best.-Nr. 271 362 ISBN 978-3-86353-362-5 Titel des englischen Originals: „The Pilgrim Church“ © Copyright by Pickering & Inglis Ltd. Glasgow First published in 1931. © Copyright 1965 der deutschen Ausgabe: Christliche Verlagsgesellschaft mbH, Dillenburg (9. Auflage 2018) Übersetzung: Kurt Karrenberg Satz: Christliche Verlagsgesellschaft mbH, Dillenburg Umschlagmotive: The emperor Nero, „History of the Church“: © Shutterstock/Sergey Kohl Wooden statue of Jesus with tied hands: © Shutterstock/Elena Dijour Basilica di Sant’Ambrogio, Milan, Italy: © Shutterstock/pcruciatti Hand holding on chain link fence: © Shutterstock/Freedom_Studio Christliches Fischzeichen: © Shutterstock/James Steidl Portrait of young girl: © Shutterstock/Alina Reviakina Druck: GGP Media GmbH, Pößneck Printed in Germany

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Inhaltsübersicht

Inhaltsübersicht Aus dem Vorwort zur englischen Ausgabe . . . . . . . . . . . . . . .X Vorwort zur deutschen Ausgabe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . XII Kapitel 1 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1 Die Anfänge (29–313) Altes und Neues Testament – Wesen und Aufgabe der Gemeinde – Die ersten ­Gemeinden – Die Synagoge – Synagoge gegen Gemeinde – Heidnische Philosophie gegen Gemeinde – Rom gegen Gemeinde – Die Apostolischen Väter – Clemens von Rom – Ignatius – Polykarp und Irenäus – Tertullian; Beginn des Klerikalismus – Origenes – Cyprian – Verweltlichung – Montanisten – Marcioniten – Katharer, Novatianer, Donatisten – Manichäer – Brief an Diognet – Christenverfolgungen – Konstantin

Kapitel 2 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 21 Christenheit und Christentum (313–476 / 300–850 / 350–385) Verbindung von Kirche und Staat – Konzil zu Nizäa – Athanasius – Konzilien, Glaubensbekenntnisse und Tradition nicht entscheidend – Kirche und Welt – ­ ­Untergang des Römischen Reiches – Augustinus – Pelagius – Änderung in der Stellung der Kirche – Falsche Lehren – Das Mönchtum – Die Schrift bleibt – Mission – Britische Missionen – Priszillian

Kapitel 3 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 43 Paulizianer und Bogomilen (50–1473) Anwachsen der Priesterherrschaft – Fortbestand der ursprünglichen Gemeinden, ­Fälschung ihrer Geschichte durch ihre Gegner – Apostolische Kirchen in Kleinasien und Armenien – Constantinus Silvanus – Simeon Titus – Leo der Isaurier – Johannes von Damaskus – Claudius von Turin – Mohammed – Sembat und Sergius – „Der Schlüssel der Wahrheit“ – Carbeas und Chrysocheir – Paulizianer nach Europa verpflanzt – Basilius – Ansichten über die Brüder – Ausbreitung der Bogomilen nach Bosnien – Kulin Ban und Rom – Eroberung Bosniens – Bosnien nimmt türkische Hilfe an – „Gottesfreude“ in Bosnien, ein Bindeglied zwischen Taurus und Alpen – ­Bogomilische Gräber

Kapitel 4 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 69 Der Osten (4 v. Chr.–1400 n. Chr.) Das Evangelium im Osten – Die Gemeinden in Persien – Verfolgung persischer Christen – Die Homilien von Afrahat – Synode zu Seleuzia – Organisation der ­

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2000 Jahre Gemeinde Jesu Ostkirchen – Gleichförmigkeit in Ost und West – Nestorius – Der Name Nestorianer – „Der Basar des Heraklides“ – Duldung der Nestorianer – Gemeinden in ganz Asien – Moslemische und mongolische Invasion – Nestorianische Grabstätten – Missionen in China – Chinesische Schriften – Verfall der syrischen Kirchen

Kapitel 5 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 87 Waldenser und Albigenser (1100–1230 / 70–1700 / 1160–1318 / 1100–1500) Peter de Bruys – Heinrich der Diakon – Namen – Der Name Albigenser – Verwüstung der Provence – Die Waldenser – Leonisten – Vorgeschichte der Waldenser – Petrus Waldus – „Die Armen von Lyon“ – Franz von Assisi – Die Orden – Ausbreitung der Gemeinden – Lehre und Praxis der Brüder – Lehre der Waldenser – Gemeindeordnung – „Apostel“ – Verwüstung der waldensischen Täler – Begarden und Beginen

Kapitel 6 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 105 Gemeinden am Ende des Mittelalters (1300–1500) Einfluss der Brüder in andern Kreisen – Marsiglio von Padua – Die Gilden – Walther von Köln – Thomas von Aquin – Vernichtung des Schrifttums der Brüder – Meister Eckardt – Johannes Tauler – „Neun Felsen“ – Der „Freund Gottes aus dem Oberland“ – Wachsende Verfolgung – Fortbestand des Zeugnisses – Sieben Glaubenssätze – Fanatiker – Einnahme Konstantinopels – Erfindung des Buchdrucks, Entdeckungen – Bibeldruck Colet und Reuchlin – Erasmus und das Griechische Neue Testament – Hoffnung auf eine friedliche Reformation – Staupitz entdeckt Luther

Kapitel 7 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 121 Lollarden, Hussiten, Brüderunität (1350–1670) Wycliff – Wycliffs Englische Bibel – Autorität der Schrift – Der Bauernaufstand – Verfolgung in England – Johannes Hus – Konzil zu Konstanz – Johannes Ziska – Hussitenkriege – Jakoubek – „Das Netz des Glaubens“ – Cheltschizkis Lehre – Kunwald – Brüderunität – Lukas von Prag – Die Böhmischen Brüder und Luther – Schmalkaldischer Krieg – Auswanderung – Rückkehr und Neubeginn – Bemühungen um volle Freiheit – Fenstersturz in Prag – Schlacht am Weißen Berg – Comenius – Comenius erteilt Rat – Comenius tröstet die Ausgewanderten – „Eins ist nötig“

Kapitel 8 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .145 Die Reformation (1500–1550) Ein Katechismus – Brüder vom gemeinsamen Leben – Luther – Luthers Thesenanschlag – Luthers Bibelübersetzung – Erasmus sucht zu vermitteln – Die lutherische Kirche – Staupitz warnt – Das Staatskirchensystem – Luther und die Gemeinden nach der Schrift – Loyola – Die „Gesellschaft Jesu“

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Inhaltsübersicht Kapitel 9 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 157 Die Wiedertäufer (1516–1566) Der Name Wiedertäufer – Balthasar Hubmayr – Hubmayr und Zwingli – Hubmayrs und seiner Frau Märtyrertod – Hans Denck – Dencks „Bekenntnis“ – Dencks Taufe in Augsburg – Denck in Straßburg – Lehrstreitigkeiten – Unabhängige christliche Gemeinden – Landgraf Philipp von Hessen – Johann Odenbach – Zwingli und die Brüder – Grebel, Manz, Blaurock – Verfolgung in Tirol – Gemeindegrundsätze – Gemeindegründungen in Österreich – Zeugnis der Märtyrer – Jakob Huter – Hans Mändl – Gericht in Innsbruck – Mährische Gemeinschaften – Münster – Flüchtlinge strömen nach Münster – Jan Matthys – Jan Bockelson – Das Königreich des neuen Zion – Menno Simon – Menno liest die Schrift – Menno tritt gegen die münsterische Sekte auf – Innere Kämpfe – Menno folgt dem Ruf – Menno übernimmt einen schweren Dienst – Mennos Reisen – Ein Buch über das Evangelium – Sektierertum – Verfolgung in Köln – Reformversuch des Erzbischofs – Schwenckfeld – Über den Dienst – Über die Taufe und die Täufer – Einstellung der Mahlfeier – Schwenckfelds Freiheit – Keine Kirchengründung durch Schwenckfeld

Kapitel 10 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 213 Frankreich und die Schweiz (1500–1800) Le Fèvre und Farel – Gläubige in Paris – Meaux – Verfolgung in Meaux – Reformation in Metz – Versuch zur Unterdrückung der Reformation – Farel in Basel und Neuchâtel – Treffen zwischen Reformatoren und Waldensern – Konferenz in den waldensischen Tälern – Fortschritte in Neuchâtel – Das Herrnmahl in Frankreich – Evangelisten in Frankreich – Das Evangelium in Genf – Calvin in Genf – Calvins Herrschaft in Genf – Plakatanschläge in Frankreich und ihre Folgen – Einführung des Presbyterialsystems – Die Hugenotten – Die Bartholomäusnacht – Edikt von Nantes – Aufhebung des Edikts von Nantes – Die Propheten der ­Cevennen – Kamisardenkriege – Die Gemeinden der Wüste – Jakob Roger und Anton Court

Kapitel 11 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 241 Englische Dissidenten (1525–1689) Tyndale und seine Bibelübersetzung – Gründung der Kirche von England – Die Brownisten – Barrowe, Greenwood und Penry – Hockers „Kirchenpolitik“ – ­Jakob Arminius – Gläubige wandern nach Holland aus – Die Flüchtlinge in Holland – Nach Neuengland – Verschiedene Religionsformen – Veröffentlichung der Autorisierten Übersetzung – Der Bürgerkrieg – Freiheit in der Republik – George Fox – Seine Erleuchtung – Fox und die „Freunde“ – Das Uniformitätsgesetz – John Bunyan

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2000 Jahre Gemeinde Jesu Kapitel 12 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 263 Labadie, die Pietisten, Zinzendorf, Philadelphia (1635–1750) Johann Labadie – Labadie gründet eine Bruderschaft – Eintritt in die reformierte Kirche – Nach Orange und Genf – Teelinck – Labadies Übersiedlung nach Holland – Presbyterianer und Independenten – Labadies Reformversuch – Auseinandersetzung über den Rationalismus – Labadie und die Synoden – Labadies Ausschluss durch die Synode, Gründung einer unabhängigen Gemeinde – Übersiedlung nach Amsterdam – Anna Maria von Schürman – Die Labadisten in Herford – In Altona und Vinwarden – Labadies Erfahrungen – Philipp Jakob Spener – August Hermann Francke – Christian David und Zinzendorf – Herrnhut – Herrnhut und die lutherische Kirche – Mährische Missionen – Die Arbeit in England – Philadelphia-Gemeinschaften – Die Mystiker – Bücher von Gottfried Arnold und Madame Guyon – Philadelphia-Erweckung – Die Philadelphia-Einladung – Hochmann von Hochenau – Ursprüngliche Gemeinden und Reformbewegungen

Kapitel 13 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 295 Methodistische und missionarische Bewegungen (1638–1820) Zustände in England im 18. Jahrhundert – Erweckungen in Wales – Die „Methodisten“ – Susanne Wesley – John und Charles Wesley – George Whitefield – Verkündigung unter freiem Himmel – Erweckung – Lehrmäßige Unterschiede – Die „Konferenz“ – William Carey – Careys Missionsaufruf – Gründung einer Missionsgesellschaft – Die Brüder Haldane – Ihre Predigten in Schottland – Eine Gemeinde in Edinburgh – DieTauffrage – Robert Haldane – In Genf – Eine Gemeinde in Genf

Kapitel 14 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 316 Der Westen (1790–1890) Thomas Campbell – Christlicher Verein von Washington – Alexander Campbell – Gemeinde in Brush Run – Taufe in Buffalo Creek – Der Name „Christen“ – Barton Warren Stone – Erweckungen – Die „Christliche Vereinigung“ – Walter Scott, Isaac Errett

Kapitel 15 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 329 Russland (1788–1914 / 850–1650 / 1812–1930 / 1823–1930 / 1828–1930) Mennonitische und lutherische Auswanderung nach Russland – Wandlung der mennonitischen Gemeinden – Erweckung in Südrussland – Mennonitische Brüder – Erweckung in der Mennonitenkirche – Russen hören das Evangelium – Altslawische Bibelübersetzungen – Kyrill Lucas – Die Stundisten – Gemeindebildung auf verschiedenen Wegen – Verfolgungen – Beispiele – Familienbande zerrissen – Politische Unruhen – Anarchie – Neue Verhältnisse – Gerhard Oncken – Baptisten in Hamburg – Deutsche

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Inhaltsübersicht Baptisten in Russland – Die Nazarener – Samuel Heinrich Fröhlich – Nazarener und Militärdienst – Fröhlichs Lehre

Kapitel 16 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .359 Groves, Müller, Chapman (1825–1902) Gemeinden in Dublin – Anthony Norris Groves – Freiheit zum Dienst – Ausreise nach Bagdad – Pest und Flut – Schmerzlicher Verlust – Groves’ Haushalt in Bagdad – Groves in Indien – Aufgabe in Indien – Hoffnung auf echte Gemeindebildung in Indien – Groves’ Methode zur Ausbreitung des Evangeliums – Georg Müller – Müller und die Missionsgesellschaften – Abhängigkeit von Gott – Müller und Craik in Bristol – Taufe und Aufnahme – Georg Müller besucht Deutschland – Scriptural Knowledge Institution – Müllers Waisenhaus – Robert Chapman – Chapmans Bekehrung – Chapmans Dienst in Barnstaple – Chapmans Einfluss

Kapitel 17 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 386 Darby, Fragen um Gemeinschaft und Inspiration (1830–1930) Versammlung in Plymouth – Zustände in der französischen Schweiz – Darbys Lehre – August Rochat – Das Besondere in Darbys Lehre – Brief von Groves an Darby – Darby und Newton – Ausschluss der Bethesda-Gemeinde in Bristol durch Darby – Freistehende Versammlungen – Rationalismus – Die „Höhere Kritik“ – Der Einfluss des Rationalismus auf die Theologie – Charles Haddon Spurgeon – Zunehmende Verbreitung der Bibel – Gemeinden nach dem Neuen Testament

Kapitel 18 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 408 Schlussbetrachtung Versammlungen nach dem Neuen Testament heute noch möglich – Ausbreitung des Evangeliums – Die ganze Schrift für alle – Alle Gläubigen Zeugen für Christus

Namen und Begriffe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .415 Quellenverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 425

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Aus dem Vorwort zur englischen Ausgabe Es gibt eine Geschichte, die, obwohl sie die dunkelste Tragödie enthält, doch allgemein „Die gute Botschaft“, „Die frohe Botschaft“ oder – mit ihrem ureigenen Namen – „Das Evangelium“ genannt wird. Ihre vier Schreiber sind als „Die vier Evangelisten“ oder Berichterstatter der frohen Botschaft bekannt. Diese Geschichte erzählt, wie Gott durch eine wundersame Geburt in eine Beziehung zum Menschen trat, die nicht einmal die Schöpfung zuwege gebracht hatte, wie er durch Opfertod und machtvolle Auferstehung den Tod besiegte, die Sünde als seine Ursache beseitigte und seinem Ruhm als Schöpfer den als Erlöser hinzufügte. Die Grundlagen dieser Geschichte, die Vorbereitung darauf, ja, die aus­gesprochene Voraussage und Beweise für ihre Wahrheit erscheinen in den Schriften des Alten Testaments. Damit verwoben und untrennbar davon ist die Geschichte Israels, die deshalb selbst von universalem Wert ist. Die Geschichte der Gemeinde Jesu oder Gemeinschaft derer, die Christus im Glauben angenommen haben und seine Nachfolger geworden sind, läuft noch, sie ist noch nicht abgeschlossen. Aus diesem Grund und wegen ihres gewaltigen Umfangs können, obwohl sie äußerst wichtig ist, immer nur von Zeit zu Zeit Teile von ihr niedergeschrieben werden. Erst muss einer, dann der nächste wiedergeben, was er erlebt oder an vertrauenswürdigen Berichten kennengelernt hat, und dies muss Schritt um Schritt die lange Pilgerreise hindurch fortgeführt werden. Die folgenden Seiten stellen einen Beitrag zu dieser Geschichte dar. Vieles, was andre erforscht und berichtet haben, wurde verwandt, wiederholt, einbezogen, sodass dieses Buch eine Zusammenstellung bildet, welcher der Verfasser seinen eigenen Anteil an der wachsenden Geschichte zugefügt hat. … In diesem Buch wurde der Versuch gemacht, diejenigen, welche wenig Zeit zum Lesen und Forschen haben, mit einigen Erfahrungen bestimmter Gemeinden Gottes vertraut zu machen, die zu verschiedenen Zeiten und an unterschiedlichen Orten bestrebt waren, in ihren Zusammenkünften, ihrer Ordnung und ihrem Zeugnis die Schrift zu ihrem Führer zu machen und nach ihr als dem Wort Gottes zu handeln; für sie bot sie volle Genüge für alle ihre Bedürfnisse in allen Umständen. X

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Vorwort Solche Gemeinden hat es immer gegeben; die Berichte über die meisten sind verschwunden, doch was übriggeblieben ist, hat einen derartigen Umfang, dass nur eine Auswahl wiedergegeben werden kann. Die allgemeine Geschichte ist unberücksichtigt geblieben, es sei denn, dass der Weg einiger dieser Gemeinden die Bezugnahme auf geschichtliche Ereignisse erfordert. Es wird hier auch nicht über das berichtet, was man allgemein unter „Kirchengeschichte“ versteht, ausgenommen ihre Beziehung zu den Gemeinden oder Gemeinschaften von Gläubigen, welche die Lehren der Schrift befolgten und das Thema dieses Buches sind. Einige geistliche Bewegungen wurden behandelt, die nur zu einem Teil den Grundsatz befolgten, die Schrift als ausreichenden Führer gelten zu lassen, weil auch sie für ihr Teil wertvolles Licht auf die Möglichkeit eines solchen Weges werfen. … Schmach und Ruhm der „pilgernden Gemeinde“ können jetzt nur schwach angedeutet werden, sie sind nicht voll zu erfassen bis zu dem Augenblick, da das Wort des Herrn in Erfüllung geht: „Es ist nichts verdeckt, was nicht aufgedeckt, und verborgen, was nicht kundwerden wird“ (Mt 10,26). In der Gegenwart sehen wir, wenn auch durch den Nebel unsrer Unwissenheit und Missverständnisse hindurch, ihr Kämpfen gegen die Mächte der Finsternis, ihr Zeugen für den Herrn in der Welt, ihr Leiden in seiner Nachfolge. Ihre Leute sind immer Pilger, die keine irdische Einrichtung aufstellen, weil sie die himmlische Stadt im Auge haben. Gleich ihrem Meister kann man sie „Steine, welche die Bauleute verworfen haben“ (Lk 20,17), nennen. Sie werden aufrechterhalten in der festen Hoffnung, dass, wenn seine Königsherrschaft geoffenbart wird, sie mit ihm daran teilhaben werden.

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Vorwort zur deutschen Ausgabe Dies ist keine „offizielle“ Kirchengeschichte. Deren gibt es viele. Sie alle haben – unabhängig von Zeit und Ort ihrer Entstehung, von Verfasserschaft und Tendenz – eines gemeinsam: dass sie die Geschichte der „eigentlichen“ Kirche, der „Gemeinschaft der Heiligen“, der „Gemeinde Jesu in Knechtsgestalt“, weitgehend außer Acht lassen. Gewiss, sie erwähnen sie, wenn auch oft nur am Rande; aber für sie bleibt sie die Geschichte von Sekten, von Abtrünnigen, von Ketzern. Freilich hat es im Lauf der Jahrhunderte auch solche gegeben, und das in nicht geringer Zahl; es gibt sie auch heute noch, und ihre Zahl steigt. Aber die Geschichte der Gemeinde Jesu ist etwas andres. Die Kirchengeschichte ist eingebettet in die Weltgeschichte, ja sie bildet geradezu einen Teil derselben. Die Geschichte der Gemeinde Jesu läuft daneben her, neben Weltgeschichte und Kirchengeschichte, zwar nicht unberührt von beiden, aber eben doch anders. Weil die Gemeinde Jesu wohl in der Welt, aber nicht von der Welt ist, hat sie zwar irdische Aspekte, nie aber irdischen Charakter. Sie ist „auserwählt in Christus vor Grundlegung der Welt“ (Eph 1,4) – vor den Gegebenheiten von Zeit und Raum, in denen Welt- und Kirchengeschichte sich abspielen –; von ihren Gliedern kann gesagt werden, dass „unser Bürgertum in den Himmeln ist“ (Phil 3,20) – in jenem Bereich, der außerhalb von Welt und Zeit liegt und in der Gegenwart nur dem Glauben zugänglich ist –; und über ihr leuchtet das Verheißungswort, dessen Erfüllung der Seher Johannes schon im Voraus schauen durfte: „Sie hatte die Herrlichkeit Gottes“ (Offb 21,11). Wie ihr Meister und Herr, Jesus Christus, in seiner irdischen Knechtsgestalt seine „Geschichte“ hatte – sie wurde in den vier Evangelien festgehalten – so hat auch die „Gemeinde Jesu in Knechtsgestalt“ die ihre. Diese beginnt mit der Apostelgeschichte. Sie setzt sich fort in den Berichten über die einzelnen zeit- und raumgebundenen Ausprägungen oder Darstellungen dieser Gemeinde. Und diese Geschichte ist noch nicht abgeschlossen, sie läuft noch. Die offizielle Kirchengeschichte war immer eine Gegnerin der Gemeindegeschichte, wie die „Kirche“ im Grunde stets Gegnerin der „Gemeinde“ war. Konnte sie sie nicht ganz außer Acht, nicht gänzlich unberücksichtigt lassen, totschweigen, so versuchte sie zumindest, sie umzufälschen. Und das ist ihr in sehr vielen Fällen nur zu XII

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Vorwort gut gelungen. Ungezählte Urkunden und Dokumente, welche die Geschichte der Gemeinde, oder besser ihrer Ausprägungen, belegten, wurden vernichtet. Trotzdem blieb noch eine große Zahl erhalten, die uns ein ausreichendes und anschauliches Bild ihrer Grundlage, ihrer Ordnung und ihres Zeugnisses die Jahrhunderte hindurch vermitteln. Dieses „Gemeindebild“ besitzen wir nicht durch die Kirche, sondern trotz der Kirche. Es bestätigt die Wahrheit des Wortes: „Des Hades Pforten werden sie nicht überwältigen“ (Mt 16,18). Der Verfasser des vorliegenden Buches hat mit vorbildlichem Fleiß einen Teil der vorhandenen Unterlagen für seine Darstellung durchgearbeitet; sie sind im anschließenden Quellenverzeichnis aufgeführt und als authentisch anzusehen. Das Buch findet seinen Abschluss mit einer kurzgefassten Darstellung der Geschichte der „Brüderbewegung“. Es ist verständlich, dass der Verfasser als Engländer fast ausschließlich den englischen Zweig dieser Bewegung im Auge hatte. Der deutsche Leser wird demzufolge die Geschichte der „Brüderbewegung“ in Deutschland oder zumindest eine kurze Zusammenfassung derselben vermissen. Sie kann in Verbindung mit diesem Buch leider nicht geboten werden. So viel aber ist darüber zu sagen, dass sie in Deutschland eine etwas andre Entwicklung genommen hat als in England. Vor allem ist festzustellen, dass sie, abgesehen von kleinen örtlichen Ansätzen in Süd- und Westdeutschland, hier erst nach 1848, also nach der sogenannten Bethesda-Trennung in England, in Erscheinung trat. Aus diesem Grunde war sie in den ersten Jahrzehnten ihres Bestehens in keiner Weise durch die Trennung zwischen „exklusiven“ und „offenen“ Versammlungen belastet. Diese machte sich in gewissem Maß erst gegen Ende des vergangenen Jahrhunderts bemerkbar, als sich im Rahmen einer Erweckungsbewegung, zu der zu einem großen Teil die Dienste englischer „offener“ Brüder beigetragen hatten, auch hier „offene“ Brüderversammlungen bildeten. Der weitaus größte Teil der „Brüderbewegung“ in Deutschland trug das Gepräge, das Carl Brockhaus ihr gegeben hatte. Sein Name ist mit dem John Nelson Darbys – dieser wird vom deutschen Betrachter wohl milder beurteilt als vom englischen – untrennbar verbunden; von ihm erhielt er wesentliche Impulse, ohne ihm jedoch hörig zu werden. So teilte Carl Brockhaus zum Beispiel nie Darbys Auffassung von der Taufe. Immerhin bekam die deutsche „Brüderbewegung“ XIII

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2000 Jahre Gemeinde Jesu durch die enge Verbindung der beiden begabten Männer ein „exklusives“ Gesicht. Erst Gottes starkes Eingreifen im Jahre 1937 hat hierin eine entscheidende Wandlung geschaffen. Die „Gemeinde Jesu in Knechtsgestalt“ wandelt noch auf Erdenpfaden. Vielleicht hat sie bald ihre Vollzahl erreicht, und ihr Weg hienieden findet seinen Abschluss. Dann wird das Wort der Schrift in Erfüllung gehen: „Wenn der Christus, unser Leben, geoffenbart werden wird, dann werdet auch ihr mit ihm geoffenbart werden in Herrlichkeit“ (Kol 3,4).

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Die Anfänge (29–313 n. Chr.) Kapitel 1

Die Anfänge (29–313) Altes und Neues Testament Das Neue Testament ist die würdige Ergänzung des Alten. Es ist das einzig passende Ziel, zu dem Gesetz und Propheten führen konnten. Es tut diese nicht hinweg, sondern bereichert sie, indem es sie zugleich erfüllt und ersetzt. In sich selbst trägt es den Charakter der Vollkommenheit und zeigt nicht etwa den bruchstückhaften Anfang einer neuen Zeitepoche, der ständiger Berichtigung und Ergänzung bedürfte, um den Bedürfnissen der stets sich ändernden Zeit zu begegnen, sondern eine Offenbarung, die für alle Menschen aller Zeiten passend ist. Wir können Jesus Christus nicht besser kennenlernen als in den vier Evangelien, noch können die Folgerungen oder Lehren, die sich aus den Tatsachen seines Todes und seiner Auferstehung ergeben, klarer dargelegt werden, als dies in den Briefen geschieht. Das Alte Testament berichtet von der Entstehung und Geschichte Israels, des Volkes, durch das Gott sich in der Welt offenbarte, bis Christus kommen würde. Das Neue Testament zeigt die Gemeinde Christi, die sich aus all denen zusammensetzt, die wiedergeboren wurden durch den Glauben an den Sohn Gottes, und so Teilhaber des göttlichen und ewigen Lebens sind (Joh 3,16). Wesen und Aufgabe der Gemeinde Da diese Körperschaft – die ganze Gemeinde Christi – nicht an einem einzigen Platz gesehen werden und handeln kann, da viele ihrer Glieder bereits bei Christus und die andern über die ganze Welt verbreitet sind, soll sie ge- und erkannt werden und ihr Zeugnis ablegen in der Gestalt von Gemeinden Gottes an allen Orten und zu allen Zeiten. Jede von ihnen besteht aus den Jüngern des Herrn Jesus, die da, wo sie wohnen, sich in seinem Namen zusammenfinden. Ihnen ist die Gegenwart des Herrn in ihrer Mitte verheißen, und die Wirksamkeit des Heiligen Geistes tut sich auf verschiedene Weise durch alle ihre Glieder kund (Mt 18,20; 1Kor 12,7). Jede dieser Gemeinden steht in direkter Beziehung zum Herrn, erhält von ihm ihre Autorität und ist ihm verantwortlich (Offb 2; 3). Es gibt keine Andeutung dafür, dass eine Gemeinde eine andere beaufsichtigen oder dass es eine Kirchenorganisation geben sollte, 1

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2000 Jahre Gemeinde Jesu vielmehr ist es die innige persönliche Gemeinschaft, die sie verbindet (Apg 15,36). Die Hauptaufgabe der Gemeinden ist es, in der ganzen Welt das Evangelium oder die Frohe Botschaft des Heils bekanntzumachen. Diesen Befehl hat der Herr vor seiner Himmelfahrt gegeben, und er hat verheißen, den Heiligen Geist als die Kraft zu senden, in der der Befehl ausgeführt werden kann (Apg 1,8). Geschehnisse in der Geschichte der Gemeinden zur Zeit der Apostel wurden ausgewählt und sind in der Apostelgeschichte in einer Weise wiedergegeben, dass sie ein ständiges Muster für alle künftigen Gemeinden bieten. Das Abweichen von diesem Muster hatte verheerende Folgen, und Erweckung und Wiederherstellung gab es nur, wenn man zu dem Muster und zu den Grundsätzen zurückkehrte, welche die Schrift enthält. Der folgende Bericht über eine Reihe späterer Ereignisse – er wurde von verschiedenen Schreibern zusammengestellt – zeigt, dass es eine stete Aufeinanderfolge von Gemeinden gegeben hat, die sich aus Gläubigen zusammensetzten, welche nach den Belehrungen des Neuen Testaments handeln wollten. Eine solche Aufeinanderfolge muss es nicht notwendig an jedem Ort geben – oft wurden die Gemeinden zerstreut oder entarteten –, ähnliche jedoch entstanden anderwärts. Das Muster ist in den Schriften so klar aufgezeichnet, dass die Entstehung von Gemeinden dieses Charakters an neuen Orten und unter Gläubigen möglich ist, die nicht wussten, dass Jünger Jesu schon vor ihnen diesen Weg beschritten hatten, oder dass es solche gleichzeitig in anderen Teilen der Welt gebe. Berührungspunkte mit der allgemeinen Geschichte sind da angegeben, wo die Bezugnahme zum Verständnis der beschriebenen Gemeinden beiträgt. Einige geistliche Bewegungen werden erwähnt, die, obwohl sie nicht die Bildung von Gemeinden nach neutestamentlichem Muster zur Folge hatten, doch ein Licht auf diejenigen werfen, die zur Gründung solcher Gemeinden führten. *** Die ersten Gemeinden Von Pfingsten an breitete sich das Evangelium ungemein schnell aus. Die vielen Juden, die es auf dem Fest zu Jerusalem hörten, wo es zuerst gepredigt wurde, brachten diese Neuigkeit in die verschiedenen 2

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Die Anfänge (29–313 n. Chr.) Länder, wohin sie zerstreut waren. Obwohl das Neue Testament nur über die Missionsreisen des Apostels Paulus Genaueres mitteilt, machten auch die anderen Apostel ausgedehnte Reisen, predigten und gründeten Gemeinden in weiten Gebieten. Alle Gläubigen waren Zeugen für Christus, „die Zerstreuten gingen umher und verkündigten das Wort“ (Apg 8,4). Die Gewohnheit, Gemeinden zu gründen, wo einige, wenn vielleicht auch nur wenige, zum Glauben kamen, gab dem Werk Bestand; und da jede Gemeinde von Anfang an belehrt wurde, dass sie direkt vom Heiligen Geist abhängig und Christus verantwortlich sei, wurde sie jeweils Mittelpunkt für die Ausbreitung des Wortes des Lebens. Der neugegründeten Gemeinde zu Thessalonich wird gesagt: „Von euch aus ist das Wort des Herrn erschollen“ (1Thes 1,8). Obwohl jede Gemeinde von jeglicher Organisation oder Kirchenvereinigung frei war, wurde doch innige Gemeinschaft mit anderen Gemeinden gepflegt, eine Gemeinschaft, die ständig aufgefrischt wurde durch häufige Besuche von Brüdern, die am Wort dienten (Apg 15,36). Da die Zusammenkünfte in Privathäusern, in Räumen, die man bekommen konnte, oder auch unter freiem Himmel gehalten wurden, waren besondere Gebäude nicht erforderlich1. Der Drang aller Glieder zum Dienst, die Beweglichkeit und organisationslose Einheit, welche eine Verschiedenheit zuließ, die das Band gemeinsamen Lebens in Christus und die Innewohnung desselben Heiligen Geistes nur nachdrücklich betonte, machte die Gemeinden fähig, Verfolgungen zu überstehen und ihren Auftrag, der ganzen Welt die Heilsbotschaft zu bringen, zu erfüllen. Die Synagoge Die erste Verkündigung des Evangeliums geschah durch Juden und an Juden, und es wurden dazu häufig die Synagogen benutzt. Das Synagogen-System ist die einfache und wirkungsvolle Weise, auf die das Nationalgefühl und die religiöse Einheit des jüdischen Volkes durch die Jahrhunderte ihres Zerstreutseins unter die Nationen erhalten wurden. Im Mittelpunkt des Synagogenwesens stehen die Schriften des Alten Testaments, und der kraftvolle Einfluss von Schrift und Synagoge zeigt sich in der Tatsache, dass die jüdische Diaspora von den Nationen weder vernichtet noch aufgesogen wurde. Die Hauptpunkte des Synagogendienstes waren Schriftverlesung, Belehrung über ihre 1  A. v. Harnack, „Mission und Ausbreitung des Christentums“.

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2000 Jahre Gemeinde Jesu Gebote und Gebet; die Anfänge reichen in alte Zeiten zurück. Im 74. Psalm ertönt die Klage: „Es brüllen deine Widersacher inmitten deiner Versammlungsstätte; ... verbrannt sind alle Versammlungsstätten Gottes im Lande“ (Verse 4.8). Bei der Rückkehr aus der Gefangenschaft heißt es, dass Esra die Synagogen reorganisierte, und die spätere Zerstreuung der Juden erhöhte ihre Bedeutung. Als der Tempel, das jüdische Zentralheiligtum, von den Römern zerstört worden war, erwiesen sich die Synagogen in ihrer weltweiten Verteilung als unzerstörbares Band, das alle späteren Verfolgungen überdauerte. Im Mittelpunkt jeder Synagoge steht der Schrein, in dem die Schriften aufbewahrt werden, daneben der Tisch, von dem aus man sie verliest. Ein Versuch unter Bar Kochba (135 n. Chr.) – einer von vielen zur Befreiung vom römischen Joch –, der kurze Zeit zum Erfolg zu führen schien, schlug fehl wie alle anderen und brachte nur furchtbare Vergeltung über die Juden. Doch obwohl die Kraft zur Befreiung fehlte, bewahrte das Sich-Versammeln des Volkes um die Schriften als ihren Mittelpunkt es vor der Auslöschung. Die Ähnlichkeit und Verwandtschaft zwischen Synagogen und Gemeinden ist augenscheinlich. Jesus machte sich selbst zum Mittelpunkt der Gemeinden, die über die Welt verbreitet sind, indem er sagte: „Wo zwei oder drei versammelt sind zu meinem Namen hin, da bin ich in ihrer Mitte“ (Mt 18,20), und er setzte ihnen die Schrift zum unwandelbaren Leitstern. Deshalb hat es sich als unmöglich erwiesen, die Gemeinden zu vernichten; wurden sie irgendwo zerstört, erstanden sie anderwärts wieder auf. Die Juden in der Diaspora entwickelten großen Eifer, den wahren Gott unter den Heiden bekannt zu machen, und Scharen wurden durch ihr Zeugnis zu Gott bekehrt. Im dritten Jahrhundert v. Chr. lag die griechische Übersetzung der hebräischen Schriften in der Septuaginta abgeschlossen vor. Und da zu jener Zeit und lange danach Griechisch das Hauptverständigungsmittel zwischen Völkern verschiedener Sprachen war, gab es nun eine Möglichkeit von unschätzbarem Wert, durch welche die heidnischen Völker mit den Schriften des Alten Testaments vertraut gemacht werden konnten. So ausgerüstet, benutzten die Juden beides, Synagoge und geschäftliche Möglichkeiten, zum guten Werk. Jakobus, der Bruder des Herrn, sagte: „Mose hat von alten Zeiten her in jeder Stadt solche, die ihn predigen, indem er an jedem Sabbat in den Synagogen gelesen wird“ (Apg 15,21). Dorthin wurden Griechen und andere gebracht, belastet mit den Sünden 4

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Die Anfänge (29–313 n. Chr.) und Nöten des Heidentums, verwirrt und unbefriedigt von seinen Philosophien, sie hörten das Gesetz und die Propheten und gelangten so zur Kenntnis des einen wahren Gottes. Der Handel brachte die Juden mit allen Volksschichten in Berührung, und sie nutzten dies sorgfältig, um die Gotterkenntnis zu verbreiten. Ein heidnischer Wahrheitssucher schreibt, er habe sich entschlossen, die herrschenden philosophischen Systeme zu meiden, seit ihn durch einen glücklichen Umstand ein jüdischer Leinenhändler, der nach Rom kam, in der schlichtesten Weise mit dem einen Gott bekannt gemacht habe2. In den Synagogen herrschte Freiheit des Dienstes. Jesus lehrte dort gewohnheitsgemäß: „Er ging nach seiner Gewohnheit am Sabbattag in die Synagoge und stand auf, um vorzulesen“ (Lk 4,16). Als Barnabas und Paulus auf ihrer Reise nach Antiochien in Pisidien kamen, gingen sie in die Synagoge und setzten sich nieder. „Nach dem Vorlesen des Gesetzes und der Propheten sandten die Vorsteher der Synagoge zu ihnen und sagten: Brüder, wenn in euch ein Wort der Ermahnung an das Volk ist, so redet“ (Apg 13,15). Als Christus, der Messias, erschien, Erfüllung der Hoffnung und Sehnsucht von ganz Israel, glaubten Scharen von Juden und Proselyten an ihn; aber die Führer des Volkes, neidisch auf ihn, den verheißenen Samen Abrahams, den größten Sohn Davids, und eifersüchtig im Blick auf die Sammlung und Segnung der Heiden, wie das Evangelium sie verkündigte, verwarfen ihren König und Retter, verfolgten seine Jünger und gingen ihren Elendsweg weiter ohne den Heiland, der, zuerst ihnen gegenüber, der vollkommene Ausdruck der Liebe und Rettermacht Gottes im Blick auf die Menschen war. Synagoge gegen Gemeinde Als die erste Gemeinde im jüdischen Lebensbereich gegründet wurde, waren die Juden ihre ersten Gegner. Bald aber breitete sie sich weiter und weiter aus, und als Heiden zu Christus bekehrt wurden, geriet sie in Widerstreit mit griechischen Ideen und römischer Macht. Über Jesu Kreuz stand seine Anklageschrift: auf Hebräisch, Griechisch und Lateinisch (Joh 19,20), und in der geistigen und politischen Machtsphäre, die durch diese Sprachen umrissen wird, sollte die Gemeinde zu leiden beginnen, aber auch ihre ersten Siege erringen.

2  M. Friedländer, „Das Judentum in der vorchristlichen griechischen Welt“.

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2000 Jahre Gemeinde Jesu Die jüdische Religion wirkte auf die Gemeinde ein, nicht nur durch äußere Angriffe, sondern auch – und das anhaltender – dadurch, dass sie die Christen unter das Gesetz zu bringen trachtete, und wir hören Paulus im Brief an die Galater gegen solch einen Rückschritt ausrufen: „Der Mensch wird nicht aus Gesetzeswerken gerechtfertigt, sondern nur durch den Glauben an Jesus Christus“ (2,16). Aus der Apostelgeschichte und dem Galaterbrief ist zu erkennen, dass die erste ernsthafte Gefahr, welche die christliche Gemeinde bedrohte, darin bestand, dass sie in die engen Grenzen einer jüdischen Sekte eingeschlossen würde und so die Kraft und die Freiheit verlöre, die Erkenntnis von Gottes Heil in Christus der ganzen Welt zu bringen. Heidnische Philosophie gegen Gemeinde Die griechische Philosophie, die nach irgendeiner Theorie über Gott suchte, nach Erklärung der Natur und nach Lebensführung, beherrschte alle Religionen und Lehren – in Griechenland wie in Rom, in Afrika wie in Asien –, und eine „Gnosis“ oder Erkenntnis um die andre, ein philosophisches System nach dem andern entstand und wurde zum Gegenstand heißer Erörterungen. Die meisten gnostischen Systeme setzten sich aus den verschiedensten Quellen zusammen, verbanden heidnische und jüdische und später auch christliche Lehren und Praktiken. Sie erforschten die „Mysterien“, die für die Eingeweihten jenseits der äußeren Formen heidnischer Religionen lagen. Häufig lehrten sie die Existenz zweier Gottheiten oder Prinzipien: die eine Licht, die andre Finsternis, die eine Gutes, die andre Böses. Das Stoffliche galt ihnen als Erzeugnis der Finsternismacht und stand für sie unter deren Einfluss; das Geistliche schrieben sie der höheren Gottheit zu. Diese Spekulationen und Philosophien waren die Ursache vieler Ketzereien, die gleich von Anfang an in die Gemeinde eindrangen und schon in den späteren Schriften des Neuen Testaments bekämpft werden, besonders in denen des Paulus und Johannes. Die Meinungen, wie man diesen Angriffen begegnen und die Einheit der Lehre bewahren könne, beschäftigten die Gemeinde fast mehr als die Ketzereien selbst, und an ihnen in der Hauptsache lag es, dass die bischöfliche Macht und Befugnis zusammen mit dem klerikalen System heranwuchs, welches so bald schon und so entscheidend den Charakter der Gemeinden umzuwandeln begann. 6

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Die Anfänge (29–313 n. Chr.) Rom gegen Gemeinde Das Römische Reich wurde allmählich in einen Angriff auf die Gemeinden hineingezogen, einen Angriff, bei dem unter Umständen seine ganze Macht und alle seine Möglichkeiten eingesetzt wurden, jene zu biegen oder zu zerbrechen. Um das Jahr 65 wurde der Apostel Petrus hingerichtet, einige Jahre später auch der Apostel Paulus3. Die Zerstörung Jerusalems durch die Römer (70 n. Chr.) unterstrich die Tatsache, dass den Gemeinden kein sichtbares Haupt oder Zentrum auf Erden gegeben ist. Späterhin brachte der Apostel Johannes die Schriften des Alten und Neuen Testaments durch sein Evangelium, seine Briefe und die Offenbarung zum Abschluss, einem Abschluss, der allem Vorangegangenen würdig entspricht. Die Apostolischen Väter Es besteht ein deutlicher Unterschied zwischen den neutestamentlichen Schriften und denen, die gleichzeitig oder später entstanden sind, aber nicht in die Liste oder den Kanon der inspirierten Schriften aufgenommen wurden. Der geringere Wert der letzteren ist nicht zu übersehen, auch wenn das Gute, das sie enthalten, bereitwillig anerkannt wird. Während sie die Schriften auslegen, die Wahrheit verteidigen, Irrtümer widerlegen, die Jünger ermahnen, machen sie gleichzeitig das wachsende Abweichen von den göttlichen Prinzipien des Neuen Testaments deutlich, das schon in den Tagen der Apostel begonnen hatte und danach so überaus schnell fortschritt. Clemens von Rom Die erste Epistel des Clemens an die Korinther, die noch zu Lebzeiten des Apostels Johannes geschrieben wurde, lässt einen Blick in die Gemeinden gegen Ende der apostolischen Zeit tun4. Clemens war Ältester in der Gemeinde zu Rom. Er hatte die Apostel Petrus und Paulus gesehen, auf deren Martyrium er sich in seinem Brief bezieht. Dieser beginnt: „Die Kirche Gottes, welche zu Rom pilgert, an die Kirche Gottes, welche zu Korinth in der Fremde lebt.“ über die Verfolgungen, durch die sie gingen, redet er mit stiller Siegeszuversicht. „Frauen“, so schreibt er, „wurden verfolgt ..., und obwohl sie schreckliche und grauenhafte Pein leiden mussten, durchliefen sie doch vollständig die feste 3  G. Edmundson, „Die Kirche in Rom im ersten Jahrhundert“. 4  G. Edmundson, „Die Kirche in Rom im ersten Jahrhundert“.

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2000 Jahre Gemeinde Jesu Laufbahn des Glaubens und erlangten einen ruhmvollen Ehrenkranz bei aller Schwäche des Leibes.“ Der Ton ist der der Demut; der Schreiber sagt: „Dieses, Geliebte, schreiben wir nicht allein zu eurer Belehrung, sondern auch zu unsrer eigenen Ermahnung.“ Es kommen häufig Anspielungen auf das Alte Testament und seinen besonderen Wert vor, und viele Zitate aus dem Neuen werden angeführt. Der Schreiber stellt seinen Lesern die Hoffnung auf die Wiederkunft des Herrn vor; er erinnert sie an den Weg des Heils, der es nicht mit Weisheit oder eigenen Werken zu tun hat, sondern allein mit dem Glauben; und er fügt hinzu, dass die Rechtfertigung aus Glauben uns niemals träge im Blick auf gute Werke machen sollte. Aber schon in diesem Brief zeigt sich der Anfang der Unterscheidung zwischen Geistlichen und Laien, übernommen aus den Ordnungen des Alten Testaments. Ignatius In dem Bericht über die letzten Worte des Apostels Paulus an die Ältesten der Gemeinde Ephesus heißt es, dass Paulus zu ihnen sandte und zu ihnen redete als zu solchen, die der Heilige Geist als Aufseher gesetzt hatte (Apg 20). Das Wort „Ältester“ ist gleich „Presbyter“ und das Wort „Aufseher“ gleich „Bischof“, und der Textzusammenhang zeigt, dass beide Bezeichnungen denselben Männern galten, von denen es mehrere in der einen Gemeinde gab. Ignatius jedoch5, der einige Jahre später als Clemens schrieb, gab, obwohl er selbst noch etliche von den Aposteln gekannt hatte, den Bischöfen einen Vorrang und eine Autorität, die nicht nur dem Neuen Testament unbekannt waren, sondern auch über das hinausgingen, was Clemens für sie beanspruchte. Er kommentierte Apostelgeschichte 20 in der Weise, als habe Paulus von Milet nach Ephesus gesandt und die Bischöfe und Presbyter rufen lassen, machte also aus Bezeichnungen gleicher Bedeutung zwei unterschiedliche Titel; weiter erklärte er, sie seien aus Ephesus und seinen Nachbarstädten gewesen, und verdunkelte so die Tatsache, dass es in der einen Gemeinde, in Ephesus, mehrere Älteste bzw. Aufseher gab6. Polykarp und Irenäus Einer der letzten aus der Reihe derer, die noch persönlich einen Apostel gekannt hatten, war Polykarp, Bischof von Smyrna, der in dieser 5  „Die Schriften der Apostolischen Väter“. 6  H. Alford D. D., „Bemerkungen zu Apg 20,17“.

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Die Anfänge (29–313 n. Chr.) Stadt im Jahre 156 hingerichtet wurde. Lange Zeit war er von dem Apostel Johannes unterwiesen worden, und er war befreundet mit anderen, die den Herrn noch gekannt hatten. Irenäus stellt ein weiteres Glied in der Kette persönlicher Verbindungen mit den Zeiten Jesu dar. Er war ein Schüler Polykarps und wurde 177 Bischof von Lyon. Tertullian – beginnender Klerikalismus Die Praxis der Taufe von Gläubigen auf das Bekenntnis ihres Glaubens an den Herrn Jesus Christus, wie das Neue Testament sie lehrt und an Beispielen deutlich macht, wurde späterhin fortgesetzt7. Die erste klare Bezugnahme auf die Kindertaufe findet sich in einem Schreiben Tertullians aus dem Jahre 197, in dem er die Einführung der Taufe von Toten und von Kindern verurteilt. Dieser Wandel war jedoch schon vorbereitet durch eine Lehre über die Taufe, welche von der des Neuen Testaments abwich; denn schon im frühen zweiten Jahrhundert wurde die Taufwiedergeburt gelehrt. Der damit gleichzeitig einsetzende Wandel beim Gedächtnismahl des Todes des Herrn – gegenüber dem ursprünglichen schlichten Brechen des Brotes und Trinken des Weins im Kreis der Jünger – machte aus diesem einen wundersam-geheimnisvollen Akt, wurde einem Priester vorbehalten und verstärkte so die zunehmende Unterscheidung zwischen Geistlichen und Laien. Das Heranwachsen eines klerikalen Systems unter der Leitung der Bischöfe, die ihrerseits „Metropoliten“ als Vorgesetzte hatten, welche größere Gebiete beaufsichtigten, setzte eine menschliche Organisation und religiöse Formen an die Stelle der Kraft und Wirksamkeit des Heiligen Geistes und der Wegweisung durch die Schrift in den einzelnen Gemeinden. Diese Entwicklung geschah schrittweise, und viele wurden von ihr nicht mitgerissen8. Anfangs wurde kein Anspruch dahingehend erhoben, dass eine Gemeinde die andre beaufsichtigen solle, obwohl eine sehr kleine Gemeinde eine größere bitten konnte, „angesehene Brüder“ zu schicken, um ihr in wichtigen Fragen zu helfen. Zuzeiten wurden Zusammenkünfte von Aufsehern gehalten, doch bis zum Ende des zweiten Jahrhunderts scheint man sie nur zusammengerufen zu haben, wenn besondere Umstände es zweckdienlich erscheinen ließen, dass die, welche es betraf, sich austauschten. Tertullian schrieb: 7  J. Warns, „Die Taufe“. 8  J. Venn Bartlett, „Geschichte der frühen Kirche“.

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2000 Jahre Gemeinde Jesu „Aufgabe der Religion ist es nicht, Religion aufzunötigen, die freiwillig, nicht gezwungen angenommen werden sollte.“ Origenes Origenes, einer der größten Kirchenlehrer und zugleich einer, der geistlichsten Kirchenväter, gab ein klares Zeugnis über den geistlichen Charakter der Gemeinde. Im Jahre 185 in Alexandrien als Sohn christlicher Eltern geboren, gehörte er zu denen, die schon in früher Kindheit das Wirken des Heiligen Geistes erfuhren. Sein gutes Verhältnis zu seinem weisen und frommen Vater Leonidas, seinem ersten Lehrer in den Schriften, zeigte sich deutlich, als er, damals siebzehn Jahre alt, bei der Gefangensetzung seines Vaters um des Glaubens willen versuchte, mit ihm ins Gefängnis zu kommen; nur die List seiner Mutter, die seine Kleider versteckte, hinderte ihn daran. Er schrieb seinem Vater ins Gefängnis und ermutigte ihn zur Standhaftigkeit. Als Leonidas hingerichtet und sein Vermögen eingezogen wurde, blieb Origenes die Hauptstütze seiner Mutter und seiner sechs Brüder. Seine ungewöhnliche Befähigung als Lehrer brachte ihn schnell zu Ansehen. Gegen sich selbst war er äußerst streng, erwies sich aber seinen verfolgten Brüdern gegenüber so hilfreich, dass er in ihre Leiden mit hineingezogen wurde. Eine Zeitlang suchte er Zuflucht in Palästina, wo sein Reden und Schreiben Bischöfe veranlasste, als Schüler seinen Schriftauslegungen zu lauschen. Der Bischof von Alexandrien, Demetrius, ungehalten darüber, dass Origenes sich anmaßte, als Laie Bischöfe zu unterweisen, tadelte ihn und rief ihn nach Alexandrien zurück, und obwohl Origenes sich unterwarf, sprach er über ihn schließlich den Bann (231). Die Gediegenheit seines Charakters und die Tiefe und Einsicht seiner Belehrungen brachten Origenes in innige Verbindung mit Männern, die nach seinem Tod seine Unterweisungen fortsetzten. Als Folge der Folterungen, denen er fünf Jahre zuvor in Tyrus während der Verfolgung unter Decius unterworfen worden war, erlitt er im Jahre 254 den Tod. Origenes betrachtete die Gemeinde als aus all denen bestehend, die in ihrem Leben die Kraft des ewigen Evangeliums erfahren haben. Diese bilden die wahre geistliche Gemeinde, die nicht immer mit der übereinstimmt, die von Menschen Gemeinde – Kirche – genannt wird. Sein eifriger grüblerischer Geist erhob ihn über das hinaus, was die meisten fassen können, sodass viele ihn in seiner Lehre als ketzerisch ansahen; aber er unterschied zwischen dem, was klar und lehrhaft festgelegt, und dem, was mit Vorsicht zur 10

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Die Anfänge (29–313 n. Chr.) Erwägung vorgebracht werden muss. Im Blick auf letzteres sagte er: „Doch wie es wirklich ist, weiß mit Sicherheit nur Gott allein und die, welche durch Christus und den Heiligen Geist seine Freunde sind.“ Sein arbeitserfülltes Leben war der Erläuterung der Schriften gewidmet. Eines seiner großen Hauptwerke, die „Hexapla“, ermöglichte den guten Vergleich verschiedener Lesarten biblischer Texte. Cyprian Sehr verschieden von Origenes war Cyprian, Bischof von Karthago, geboren um 200. Er bedient sich freimütig des Ausdrucks „die katholische Kirche“. Er sieht außerhalb von ihr keine Heilsmöglichkeit, sodass sich schon zu seiner Zeit die „alte katholische Kirche“ bildete, das ist die Kirche, die bereits vor Konstantin die Bezeichnung „katholisch“ für sich beanspruchte und alle die ausschloss, die nicht mit ihr überein­stimmten. In seinem Schreiben über Novatian und die, welche sich mit diesem bemühten, wieder größere Reinheit in die Kirche zu bringen, prangerte Cyprian „das Verderbliche einer ungesetzlichen Ordination, die im Gegensatz zur katholischen Kirche erfolgte“, an; er sagte, dass diejenigen, die Novatian anerkannten, keine Gemeinschaft mit der Kirche haben könnten, weil sie bestrebt seien, „den einen Leib der Kirche zu zerschneiden und zu zerreißen“, indem sie die Gottlosigkeit begingen, ihre Mutter zu verlassen; und dass sie in den Schoß der Kirche zurückkehren und einsehen müssten, dass sie sich „gegen die katholische Einheit“ vergangen hätten. Es gebe, so sagte er, „Unkraut zwischen dem Weizen, doch sollten wir uns nicht von der Kirche absondern, sondern uns mühen, selbst Weizen in ihr zu sein, goldene oder silberne Gefäße in dem großen Haus“. Er empfahl, seine Schriften zu lesen, die geeignet seien, dem zu helfen, der in Zweifel gerate, und im Blick auf Novatian erklärte er: „Dieser, der nicht in der Kirche ist, ist kein Christ ... es gibt nur eine Kirche ... und auch nur einen Bischof.“ *** Verweltlichung Als die Kirche größer wurde, ermattete der erste Eifer, und die Gleich­förmigkeit mit der Welt und ihrem Wesen nahm ebenso zu. Diese Entwicklung erfolgte nicht ohne Widerstand. Die Organisation der katholischen Gruppe von Kirchen schritt fort, aber in ihr bildeten sich Kreise, die eine Reform anstrebten. Einige Gemeinden trennten 11

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2000 Jahre Gemeinde Jesu sich auch von ihr, und andere, die sich mehr oder weniger an die ursprünglichen neutestamentlichen Lehren und Praktiken hielten, sahen sich selbst von den Kirchen getrennt, die jene Grundsätze weitgehend aufgegeben hatten. Die Tatsache, dass das katholische Kirchensystem später das herrschende wurde, brachte es mit sich, dass wir über dieses eine umfangreiche Literatur besitzen; dagegen wurde das Schrifttum derer, die sich von ihm unterschieden, unterdrückt, und wir kennen es im Wesentlichen nur aus den Schriften, die gegen sie geschrieben wurden. Man kann daher leicht zu der irrigen Meinung gelangen, es habe in den ersten drei Jahrhunderten eine geschlossene katholische Kirche gegeben und daneben eine Anzahl vergleichsweise unbedeutender ketzerischer Gemeinschaften. Im Gegenteil gab es jedoch damals wie heute eine Reihe unterschiedlicher Zeugnisse, von denen jedes durch ein besonderes Charakteristikum gekennzeichnet war, und verschiedene Gruppen sich gegenseitig ausschließender Kirchen. Montanisten Die zahlreichen Kreise, die auf eine Reform innerhalb der katholischen Kirche hinarbeiteten, wobei sie in Gemeinschaft mit ihr blieben, werden häufig Montanisten genannt. Die Gewohnheit, den Namen irgendeines hervorragenden Mannes zur Bezeichnung einer größeren geistlichen Bewegung zu benutzen, ist irreführend. Obwohl es bisweilen nicht zu umgehen ist, sollte es doch stets mit dem Vorbehalt geschehen, dass, wie bedeutend auch ein Mann als Führer und Exponent sein mag, eine geistliche Bewegung, die viele Menschen ergreift, doch mehr und wichtiger ist. Im Blick auf die zunehmende Verweltlichung innerhalb der Kirche und die Art, in der bei den Führern das Studium an die Stelle der geistlichen Vollmacht trat, wurden viele Gläubige von heißem Verlangen nach tieferer Erfahrung der Innewohnung und Kraft des Heiligen Geistes erfasst; sie sehnten sich nach einer geistlichen Erweckung und nach der Rückkehr zu apostolischer Lehre und Praxis. In Phrygien begann Montanus zu lehren (156); er und die, welche sich zu ihm hielten, wandten sich gegen die herrschende Lauheit in den Beziehungen der Kirche zur Welt. Einige von ihnen behaupteten, besondere Geistesoffenbarungen erhalten zu haben, besonders zwei Frauen, Priska und Maximilia. Die von Kaiser Markus Aurelius angeordnete Verfolgung (177) belebte die Erwartung der Wiederkunft des Herrn 12

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Die Anfänge (29–313 n. Chr.) und das geistliche Trachten der Gläubigen. Die Montanisten hofften, dass sich Gemeinschaften bildeten, die zur ursprünglichen Frömmigkeit zurückkehrten, als solche lebten, die des Herrn Wiederkunft erwarteten und vor allem dem Heiligen Geist seinen rechtmäßigen Platz in der Kirche zuerkannten. Obwohl es unter ihnen Überspitzungen gab, indem einige nach geistlichen Offenbarungen verlangten, lehrten und praktizierten sie doch die notwendige Reform. Im großen Ganzen anerkannten sie die Organisation, die sich in der katholischen Kirche entwickelt hatte, und versuchten, in Gemeinschaft mit ihr zu bleiben; während jedoch die katholischen Bischöfe wünschten, in der Kirche möglichst viele Mitglieder zu bekommen, drängten die Montanisten beharrlich auf Beweise echten Christseins im Leben derer, die sich um Aufnahme bewarben. Das katholische System nötigte die Bischöfe, eine immer stärkere Aufsicht über die Kirche auszuüben; die Montanisten jedoch waren dagegen, sie hielten daran fest, dass die Leitung der Gemeinden das Vorrecht des Heiligen Geistes ist und dass seinem Wirken Raum gegeben werden sollte. Diese Meinungsunterschiede führten im Osten bald zur Bildung selbständiger Kirchen, im Westen hingegen blieben die Montanisten lange als Gemeinschaften innerhalb der katholischen Kirche, und erst im Laufe vieler Jahre wurden sie von ihr aus­geschlossen oder trennten sich von ihr. In Karthago waren Perpetua und Felicitas – der ergreifende Bericht ihres Zeugentodes ist zu ihrem Gedächtnis erhalten geblieben – zur Zeit ihres Märtyrertums (207), obwohl Montanisten, doch Glieder der katholischen Kirche. Aber schon im frühen dritten Jahrhundert schloss sich der große Führer in den afrikanischen Kirchen, der hervorragende Schriftsteller Tertullian, den Montanisten an und trennte sich von der katholischen Körperschaft. Er schrieb: „Selbst wo nur drei sind, und seien es auch Laien, so ist da doch Gemeinde.“ *** Marcioniten Eine davon sehr verschiedene Bewegung, die sich weithin und ernsthaft als Nebenbuhlerin des katholischen Systems ausbreitete, war die der Marcioniten9, über die ihr Gegner Tertullian schrieb: „Marcions Ketzerei hat den ganzen Erdkreis erfüllt.“ Im Jahre 85 zu Sinope am 9  A. v. Harnack, „Marcion, das Evangelium vom fremden Gott“.

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2000 Jahre Gemeinde Jesu Schwarzen Meer geboren, aufgewachsen in den Gemeinden der Provinz Pontus, wo der Apostel Petrus gewirkt hatte (1Petr 1,1) und woher Aquila gebürtig war (Apg 18,2), entwickelte Marcion nach und nach seine Lehre, aber erst als er fast sechzig Jahre alt war, wurde sie in Rom bekannt und eingehend erörtert. Er geriet in Seelenübungen, als er sich den großen Problemen des Bösen in der Welt, des Unterschieds der Gottesoffenbarung im Alten gegenüber der im Neuen Testament, des Gegensatzes zwischen Zorn und Gericht auf der einen, Liebe und Gnade auf der andern Seite, und von Gesetz und Evangelium gegenübergestellt sah. Unfähig, diese Verschiedenheiten von der Schrift her, wie sie allgemein in den Kirchen verstanden wurde, miteinander in Einklang zu bringen, nahm er eine Art dualistische Lehre an, wie sie zu jener Zeit weit verbreitet waren. Er behauptete, die Welt sei nicht von dem höchsten Gott, sondern von einem niedrigeren Wesen, dem Gott der Juden, erschaffen, und dass der Erlöser-Gott in Christus geoffenbart sei, der, ohne vorlaufende Beziehung zur Welt zu haben, doch aus Liebe, zur Rettung einer gefallenen Welt und zur Befreiung des Menschen von seinem Elend, in diese Welt kam. Er kam als Fremder und Unbekannter, wurde folglich von dem – vermeintlichen – Schöpfer und Weltbeherrscher wie auch von den Juden und allen Dienern des Gottes dieser Welt beseitigt. Marcion lehrte, es sei Pflicht des wahren Christen, das Judentum und die übliche Form des Christentums zu bekämpfen, das er lediglich als Ableger des Judentums betrachtete. Er hatte nichts gemein mit den gnostischen Sekten, denn er lehrte nicht die Erlösung durch die „Mysterien“ oder durch Erlangung von Erkenntnis, sondern durch den Glauben an Christus, und er hatte in erster Linie die Erneuerung der christlichen Kirche im Auge, obwohl diese und seine Anhänger sich später gegenseitig ausschlossen. Da seine Ansichten von der Schrift her nicht aufrechterhalten werden konnten, wurde Marcion ein Bibelkritiker schärfster Art. Er zwang die Schrift in sein Lehrsystem hinein, verwarf alles in ihr, was in offenbarem Gegensatz zu diesem stand und ließ nur das gelten, was es zu unterstützen schien. Er legte sie mehr entsprechend seinen eigenen Ansichten als nach dem Schriftzusammenhang aus und machte sogar Zusätze, wo ihm dies nützlich erschien. Obwohl er es zuvor anerkannt hatte, lehnte er später das gesamte Alte Testament ab – es sei die Offenbarung des Gottes der Juden, nicht die des höchsten und Erlöser-Gottes, es verheiße einen jüdischen Messias, nicht 14

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Die Anfänge (29–313 n. Chr.) den Christus. Er meinte, die Jünger hätten fälschlicherweise Christus für den jüdischen Messias gehalten. Er vertrat die Ansicht, das wahre Evangelium sei allein Paulus geoffenbart worden, deshalb verwarf er auch das Neue Testament, bis auf einzelne Briefe des Paulus und das Lukasevangelium, das er aber ohne Bedenken unter Auslassung alles dessen herausgab, was seiner Theorie zuwiderlief. Er lehrte, der Rest des Neuen Testaments sei das Werk von Judaisten, die erpicht darauf gewesen seien, das wahre Evangelium zu vernichten, und dass sie zum gleichen Zweck auch die Stellen eingefügt hätten, die er in den Büchern, welche er sonst anerkannte, nicht gelten ließ. Diesem gekürzten Neuen Testament fügte Marcion sein eigenes Buch „Antitheses“ an, das an die Stelle der Apostelgeschichte trat. Marcion war von seinem Evangelium besessen, er erklärte es als ein Wunder über alle Wunder, als entzückend, kraftvoll und erstaunlich, dass ihm nichts, was man sagen oder denken könnte, gleiche. Als seine Lehrsätze als ketzerisch verdammt wurden, begann er, gesonderte Gemeinden zu gründen, die sich sehr schnell ausbreiteten. Taufe und Abendmahl wurden gehalten, es gab eine größere Schlichtheit des Gottesdienstes als in den katholischen Kirchen, die Entwicklung des Klerikalismus und der Verweltlichung wurde eingedämmt. Entsprechend ihrer Schau von der materiellen Welt waren sie strenge Asketen, untersagten die Ehe und tauften nur solche, die ein Keuschheitsgelübde ablegten. Sie sahen den Leib Jesu nicht als stofflich, sondern als Scheinkörper an, der jedoch zu Empfindungen fähig gewesen sei wie unsere Leiber. Jeder Irrtum gründet sich auf Schriftteile; die Wahrheit ruht allein auf dem Schriftganzen. Marcions Irrtümer waren die unausbleibliche Folge davon, dass er nur das annahm, was ihm zusagte, und das übrige verwarf. *** Katharer, Novatianer Das Abweichen von dem originalen Muster, das im Neuen Testament für die Gemeinden gegeben ist, stieß schon sehr früh auf heftigen Widerstand; dieser führte in den entartenden Kirchen in einigen Fällen zur Bildung von Kreisen, die sich von dem Bösen frei hielten und hofften, das Mittel für die Wiederherstellung des Ganzen werden zu können. Mehrere von ihnen wurden hinausgetan und kamen als 15

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2000 Jahre Gemeinde Jesu getrennte Gemeinschaften zusammen. Andere, denen das Mitgehen mit den herrschenden Zuständen unmöglich wurde, verließen sie von sich aus und bildeten neue Gruppen. Diese kamen oft als Verstärkung derjenigen, die von Anfang an die schlichte Übung beibehalten hatten. In späteren Jahrhunderten werden häufig Gemeinden erwähnt, die an der apostolischen Lehre festgehalten hatten und sich auf eine ununterbrochene Folge des Zeugnisses von den Zeiten der Apostel an beriefen. Oft wurden sie, und zwar vor wie nach Konstantin, Katharer oder Reine genannt, doch ist nicht ersichtlich, dass sie selbst diesen Namen annahmen. Auch die Bezeichnung Novatianer wurde ihnen beigelegt, obwohl Novatian nicht ihr Gründer, sondern zu seiner Zeit einer ihrer Führer war. In der Frage, die die Gemeinden in Zeiten der Verfolgung so stark bewegte – ob nämlich jemand, der, nachdem er getauft worden, „gefallen“ war, das heißt den Götzen geopfert hatte, wieder aufgenommen werden dürfe –, nahm Novatian den strengeren Standpunkt ein. Auf den römischen Bischof Fabian, der den Martertod erlitt und der zu Lebzeiten Novatian ordiniert hatte, folgte Cornelius; dieser war gewillt, die „Gefallenen“ wieder aufzunehmen. Eine Minderheit, die dagegen war, wählte Novatian zum Bischof. Der nahm die Wahl an, wurde aber mit seinen Freunden von einer Synode in Rom exkommuniziert (251). Novatian starb später den Märtyrertod, doch die ihm Gleichgesinnten, ob sie nun Katharer, Novatianer oder anders genannt wurden, breiteten sich weiterhin aus. Sie hörten auf, die katholische Kirche anzuerkennen oder ihren Bräuchen irgendwelchen Wert beizumessen. Donatisten Die Donatisten10 in Nordafrika waren von der Lehre der Novatianer beeinflusst. Sie trennten sich von der katholischen Kirche wegen Zuchtfragen, weil sie besonderen Nachdruck auf den Charakter derjenigen legten, die die Sakramente verwalteten, während die katholische Kirche die Sakramente selbst als wichtiger ansah. In der ersten Zeit unterschieden sich die Donatisten – sie hatten diesen Namen nach zwei ihrer führenden Männer, die beide Donatus hießen – von den Katholiken in der Hauptsache durch ihren vorzüglicheren Charakter und Wandel. In Teilen Nordafrikas wurden sie der stärkste der verschiedenen Zweige der Kirche. 10  Prof. J. B. Bury, „Das spätere Römische Weltreich“.

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Die Anfänge (29–313 n. Chr.) Manichäer Während die christlichen Kirchen sich in verschiedenen Formen entwickelten, entstand auch eine neue gnostische Religion, der Manichäismus; sie breitete sich sehr weit aus und wurde ein furchtbarer Gegner des Christentums. Ihr Gründer Mani war in Babylon geboren (um 216). Sein dualistisches System sog aus persischen, christlichen und buddhistischen Quellen, und er gab sich als berufen aus, das Werk, das von Noah, Abraham, Zoroaster, Buddha und Jesus begonnen und fortgesetzt worden war, weiterzuführen und zu vollenden. Er reiste und lehrte in weiten Gebieten, kam sogar bis nach China und Indien, übte einen großen Einfluss auf einige persische Herrscher aus, wurde aber schließlich gekreuzigt. Seine Schriften wurden auch fernerhin hochgehalten, und seine Anhänger, besonders zahlreich in Babylon und Samarkand, breiteten sich trotz heftiger Verfolgung auch nach Westen hin aus. *** Brief an Diognet In der Verwirrung streitender Parteien gab es treue Lehrer, die fähig und beredt waren, um Seelen auf den Weg des Heils zu weisen. Einer, dessen Name nicht bekannt ist, schrieb im zweiten Jahrhundert an einen Fragesteller namens Diognet11. Er gab Antwort auf die Fragen über die Art des Gottesdienstes bei den Christen, über die Grundlagen ihres Glaubens und ihrer Gottesverehrung sowie ihrer Liebe zueinander, warum sie weder die griechischen Götter verehrten noch der jüdischen Religion anhingen, und warum diese neue Art der Frömmigkeit erst so spät in Erscheinung getreten sei. Er schreibt: „Die Christen sind weder durch Heimat noch durch Sprache ... unterschieden“, sie leben an den einzelnen Orten, „wie es das Los einem jeden beschieden hat, fügen sich der Landessitte in Bezug auf Kleidung, Wohnung und sonstige Lebensart, zeigen dabei aber doch eine wunderbare und anerkannt eigentümliche Weise zu leben. Sie wohnen in der eigenen Heimat, aber nur wie Beisassen. Sie beteiligen sich an allem als Bürger und lassen sich doch alles gefallen wie Fremde. Jede Fremde ist ihnen Vaterland und jedes Vaterland eine Fremde. ... Sie weilen auf Erden, wandeln aber im Himmel. Sie gehorchen den bestehenden Gesetzen, überbieten aber durch ihr 11  „Die Schriften der Apostolischen Väter“.

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2000 Jahre Gemeinde Jesu eigenes Leben die Forderungen der Gesetze. ... Sie werden gekränkt und segnen.“ Von Gott sagt er: „Der allmächtige, allschaffende und unsichtbare Gott selbst, er hat wahrhaft vom Himmel her ihn, die Wahrheit und das heilige und unerfassbare Wort, unter die Menschen verpflanzt und in ihren Herzen befestigt. Nicht einen Diener, wie etwa jemand vermuten möchte, hat er den Menschen geschickt, einen Engel oder Himmelsfürsten ... , sondern den Künstler und Bildner des Alls selbst, durch den er die Himmel geschaffen, das Meer in die ihm zukommenden Grenzen eingeschlossen hat ... , dem die Sterne gehorchen. Wie ein König den Königssohn, so sandte er ihn, wie einen Gott sandte er ihn, wie zu Menschen sandte er ihn, wie einen Erlöser sandte er ihn. ... Er sandte ihn nicht als einen Richter“, obwohl „er ihn künftig als Richter senden wird, und wer wird seine Ankunft aushalten?“ Was den Verzug der Sendung des Erlösers angeht, so ist Gott sich immer gleich geblieben, aber in seiner Langmut hat er gewartet. Er hatte „in seinem Sinn einen großen und unaussprechlichen Plan gefasst und ihn allein seinem Sohn mitgeteilt“. Solange er nun seinen weisen Ratschluss zurückhielt, schien es, als kümmere er sich nicht um uns. Doch dies geschah, um offenbar zu machen, dass wir aus uns selbst nicht in das Reich Gottes eingehen können. Als aber die bestimmte Zeit gekommen war, „legte er selbst auf ihn die Last unserer Ungerechtigkeit, den eigenen Sohn gab er hin als Lösegeld für uns, den Heiligen für die Missetäter, den Sündlosen für die Sünder, den Gerechten für die Ungerechten, den Unverweslichen für die Verweslichen, den Unsterblichen für die Sterblichen. Denn was anders war imstande, unsere Sünden zu bedecken, als seine Gerechtigkeit? In wem konnten wir Missetäter und Gottlose gerechtfertigt werden als allein im Sohne Gottes? O welch süßer Tausch! O welch unerspürbares Walten! O unerwartete Wohltaten, dass die Missetat der vielen in einem einzigen Gerechten verborgen würde, und dass die Gerechtigkeit eines einzigen viele Übertreter gerecht machen sollte!“ Christenverfolgungen Als die Gemeinde in nähere Berührung mit dem Römischen Weltreich kam12, entstand ein Kampf, in dem alle Hilfsquellen jener gewaltigen Macht ausgeschöpft wurden in dem vergeblichen Bemühen, diejenigen zu bezwingen, die sich nie widersetzten oder Vergeltung übten, 12  „Die Schriften der Apostolischen Väter“.

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Die Anfänge (29–313 n. Chr.) sondern alles aus Liebe zum Herrn ertrugen, dessen Fußstapfen sie folgten. Wie verschieden auch die Gemeinden in Lehre und Praxis waren, sie waren eins im Leiden und im Sieg. Obwohl die Christen zugestandenermaßen gute Untertanen waren, untersagte es ihnen ihr Glaube, dem Kaiser oder den Götterbildern zu opfern oder ihnen göttliche Ehren zu erweisen. So sah man sie als solche an, die dem Reich untreu waren, und als der Götterkult ins Alltagsleben des Volkes eindrang, in seine Religion, sein Geschäft, seine Vergnügungen, wurden die Christen gehasst, weil sie sich von ihrer Umwelt absonderten. Ernste Maßnahmen wurden gegen sie ergriffen, erst vereinzelt und örtlich, doch schon gegen Ende des ersten Jahrhunderts galt es als gesetzwidrig, Christ zu sein; es kam zu systematischen Verfolgungen, die sich über das ganze Reich ausbreiteten. Es gab wohl beachtliche Ruhezeiten, doch mit jeder Wiederkehr wurde der Angriff heftiger. Alle Habe der Christusbekenner wurde eingezogen, sie wurden gefangengesetzt und nicht nur in zahllosen Fällen hingerichtet, vielmehr wurde ihre Strafe noch durch unvorstellbare Martern verstärkt. Spitzel wurden belohnt; wer die Gläubigen beschützte, teilte das Schicksal mit ihnen; und selbst der kleinste Bibelteil, der aufgetrieben werden konnte, wurde vernichtet. Zu Beginn des vierten Jahrhunderts schien dieser ungewöhnliche Kampf zwischen dem mächtigen Weltreich Rom und den verfolgten Gemeinden, die nichtsdestoweniger unbesieglich waren, weil „sie ihr Leben nicht liebten bis zum Tod“, nur mit der völligen Auslöschung der Kirche enden zu können. Konstantin Dann trat ein Ereignis ein, das den langen und furchtbaren Kampf zu einem unerwarteten Schluss führte. In den Auseinandersetzungen innerhalb des Römischen Reiches war Konstantin erfolgreich. Im Jahre 312 errang er seinen entscheidenden Sieg, zog in Rom ein und erließ unverzüglich ein Edikt, das die Christenverfolgung beendete. Ein Jahr später folgte das Edikt von Mailand, durch das jedermann Freiheit in der Wahl der Religion zugestanden wurde. So wurde das Römische Reich durch die Hingabe derer besiegt, die den Herrn Jesus kannten. Ihr geduldiges, stetes Ausharren hatte die bittere Feindschaft und den Hass der römischen Welt zunächst in Mitleid, dann in Bewunderung verwandelt. Die heidnischen Religionen wurden fürs erste nicht unterdrückt, doch da ihnen jetzt die Stütze am Staat fehlte, nahmen sie ständig 19

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2000 Jahre Gemeinde Jesu ab. Das Bekenntnis zum Christentum wurde begünstigt. Gesetze, die Missbräuche abschafften und die Schwachen schützten, führten zu einem Wohlstand, wie er früher unbekannt war. Die Gemeinden, von äußerem Druck befreit, traten in ein neues Erleben ein. Viele hatten ihre ursprüngliche Einfachheit bewahrt, noch mehr aber waren von den tiefen inneren Wandlungen erfasst, die schon genannt wurden. Sie waren ganz und gar verschieden von den neutestamentlichen Gemeinden der Apostelzeit. Ihr Eintritt in einen größeren Bereich wird die Folgen dieser Wandlungen zeigen.

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Christenheit und Christentum (313–850 n. Chr.) Kapitel 2

Christenheit und Christentum (313–476 / 300–850 / 350–385) 313–476: Verbindung von Kirche und Staat Das Ansehen der Bischöfe und besonders der Metropoliten in den katholischen Kirchen machte die Verbindung zwischen Kirche und Zivilbehörden leicht. Konstantin selbst, der die alte kaiserliche Würde des Oberpriesters der heidnischen Religion beibehielt, machte sich zum Schiedsrichter der christlichen Kirchen. Kirche und Staat wurden sehr bald eng verbunden, und es dauerte nicht lange, bis die Machtmittel des Staates den Kirchenführern zur Verfügung standen, um ihre Bestimmungen durchzusetzen. So wurden die Verfolgten bald Verfolger. In späterer Zeit verweisen die Gemeinden, die, gehorsam dem Wort Gottes, von der herrschenden Kirche als Ketzer und Sekten verfolgt wurden, in ihren Schriften häufig auf ihre unbedingte Nichtzugehörigkeit zu der Verbindung von Kirche und Staat in der Zeit Konstantins und Sylvesters, der damals Bischof von Rom war. Sie weisen ihre Herkunft von den ersten schriftgemäßen Gemeinden in ununterbrochener Folge von den Tagen der Apostel an nach – wobei sie unversehrt durch den Zeitabschnitt gelangten, in dem so viele Gemeinden sich mit der staatlichen Gewalt verbanden –, bis hin zu ihren eigenen Tagen. Für sie alle gab es bald neue Verfolgungen, doch gingen diese jetzt nicht von dem heidnischen Römischen Reich aus, sondern von der Einrichtung, die sich anmaßte, die Kirche zu sein, die die Macht des christianisierten Staates ausübte. Die Donatisten, die in Nordafrika sehr zahlreich waren und vieles von der katholischen Organisationsart beibehalten oder wieder eingeführt hatten, sahen sich genötigt, sich in ihrem Streit mit der katholischen Partei an den Kaiser zu wenden, und sehr bald taten sie es. Konstantin rief zahlreiche Bischöfe beider Parteien zusammen, entschied sich gegen die Donatisten, die daraufhin verfolgt und bestraft wurden. Doch damit war der Streit nicht beigelegt. Er setzte sich vielmehr fort, bis alle zusammen durch die moslemische Invasion im siebten Jahrhundert ausgelöscht wurden. Konzil zu Nizäa Das erste allgemeine Konzil der katholischen Kirchen wurde durch Konstantin einberufen und trat in Nizäa in Bithynien zusammen 21

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