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C. H. SPURGEON

Die Schatzkammer Davids

Christliche Literatur-Verbreitung e. V. Ravensberger Bleiche 6  ·  33649 Bielefeld


Überarbeitete Auflage 2018 © 2018 by CLV Christliche Literatur-Verbreitung Ravensberger Bleiche 6 · 33649 Bielefeld Internet: www.clv.de Satz: EDV- und Typoservice Dörwald, Steinhagen Umschlag: Lucian Binder, Marienheide Druck und Bindung: GGP Media GmbH, Pößneck Artikel-Nr. 256372 ISBN 978-3-86699-372-3


Vorwort des herausgebenden Verlags dieser deutschen Neubearbeitung Was die Verwendung alttestamentlicher Apokryphen betrifft, so sei hier Luthers Beurteilung angeführt, die als allgemeiner Maßstab bei der Verwendung dieser Schriften gelten kann. Demzufolge sind es »Bücher, die der Heiligen Schrift nicht gleich gehalten und doch nützlich und gut zu lesen sind«. Dieses Urteil erwähnt freilich nicht die Tatsache, dass die Apo­ kryphen lehrmäßige, historische und sonstige Irrtümer enthalten und deshalb nicht zum Kanon der biblischen Bücher gehören. Darüber hinaus sollte sich der Leser durch die vereinzelte Erwähnung des sogenannten »Deuterojesaja« nicht verunsichern lassen. Bibeltreue Ausleger haben allen Grund, an der Einheit des Buches Jesaja festzuhalten. Das ergibt sich u. a. aus der Auswertung der Jesaja-Rolle vom Toten Meer, die bekanntlich erst Jahrzehnte nach dem Erscheinen der ersten deutschen Ausgabe der Schatzkammer Davids gefunden wurde. Auch ist die Tatsache, dass gelegentlich liberale Theologen wie Eichhorn, de Wette und Wellhausen erwähnt werden, nicht als Zustimmung zu deren Bibelverständnis zu werten. Vielmehr geht es an den jeweiligen Stellen um sprachliche Befunde und nicht um theologische Zusammenhänge. Vergleiche dazu jeweils die ausführlichen Fußnoten. Werden Begriffe wie »elohimisch« und »deuteronomisch« erwähnt, handelt es sich nicht um bibelkritische Ausdrücke, sondern einfach um Attribute, die das jeweilige Substantiv (also »Elohim«, »Deuteronomium« usw.) beschreiben. In diesem Zusammenhang gilt die Faustregel: »Deutero­nomisch« ist ein neutraler Begriff, während beim Wort »deuteronomistisch« bereits bibelkritische Ansätze erkennbar wären (wenn es hier gebraucht werden würde). Wenn andererseits der von Franz Delitzsch angeführte Theologe Ferdi­ nand Hitzig z. B. die Abfassung von Psalm 119 der Makkabäerzeit zu­­ ordnet, dann befindet er sich in dieser Beziehung eindeutig im Irrtum. Noch immer gilt, dass der alttestamentliche Kanon um ca. 400 v. Chr. mit dem Buch Maleachi abgeschlossen war, während die Zeit der Makkabäer ab ca. 165 v. Chr. anzusetzen ist. Wenn bei Bibelstellenangaben neben der regulären Kapitel- bzw. Versangabe gelegentlich ein Zusatz in eckigen Klammern folgt, bedeutet dies, dass hier in englischen Bibeln eine abweichende Verszählung vorliegt.

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Die Schreibweise biblischer Namen und Orte richtet sich in der Regel nach der Wiedergabe in der Lutherbibel (Ausgabe 1912). Entsprechend der Praxis in gängigen Publikationen wurden bei Zitaten älteren Datums leichte Angleichungen im Blick auf Grammatik, Orthografie und Sprachwortschatz vorgenommen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass der betreffende Wiedergabespielraum bei Zitaten, die aus dem Englischen übersetzt wurden, größer ist als bei solchen, die dem deutschsprachigen Raum entstammen (z. B. bei Luther-Zitaten).

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VORWORT »Nun ist das Riesenwerk getan! Alle Ehre sei Gott dargebracht!« So schrieb Spurgeon, als er den letzten Band des »Treasury of David« hinausgehen ließ. »Mehr als 20 Jahre sind dahingeglitten, während diese Arbeit unter meinen Händen war; aber den Reichtum an Gnade zu ermessen, der während dieser Zeit verschwenderisch über mich ausgeschüttet worden ist, dazu ist mein Herz bei aller Dankbarkeit nicht imstande. Doch so freudig ich den Herrn dafür preise, dass er es mir hat ge­­lingen lassen, das Werk zu vollenden, lagert sich ein Schatten von Traurig­keit über mein Gemüt, da ich nun die Schatzkammer Davids verlasse, um nie wieder auf Erden ein reicheres Vorratshaus zu finden, obwohl mir der ganze weite Palast der göttlichen Offenbarung offensteht. Es waren ge­­segnete Tage, als ich mit dem Psalmisten sinnend, betend, trauernd, hoffend, glaubend und frohlockend in tiefe innere Gemeinschaft treten durfte. Kann ich wohl hoffen, diesseits der Tore der goldenen Stadt noch freudenreichere Stunden zu erleben? Vielleicht nicht; denn diese Zeiten sind mir überaus köstlich gewesen, da die Harfe des großen Dichters des Heiligtums mein Ohr entzückte. Doch mag die Übung und innere Erziehung, die mir durch diese von Himmelsluft durchwehten Betrachtungen zuteil­geworden ist, glück­ licherweise von weitreichendem Einfluss sein, ein friedvolles Gemüt zu schaffen und zu erhalten, das nie ohne seinen eigenen seligen Psalmengesang sein wird und nie ohne das Streben nach noch Höherem, als es bisher kennengelernt hat. Das Psalmbuch unterweist uns ebenso sehr im Gebrauch von Flügeln, als in der Verwendung von Worten; es lehrt uns, der Lerche gleich von der Erde zu den Himmelshöhen uns singend emporzuschwingen. Oft habe ich bei der Arbeit die Feder hingelegt, um mit dem Psalm, den ich bearbeitete, in höhere Regionen aufzusteigen und Gesichte von Gott zu beschauen. Wenn ich hoffen darf, dass diese Bände anderen Herzen beim Lesen so nützlich sein werden, wie sie es meinem Herzen waren, während ich sie schrieb, dann bin ich durch diese Aussicht wohl belohnt.« Aus diesem Zeugnis geht zur Genüge hervor, wie sehr es Spurgeon ein Anliegen war, die Psalmen innerlich zu erleben, um sie dann mit lebens­ voller Frische der Gemeinde auszulegen. Es wundert uns nicht, dass er manchmal die Feder geraume Zeit ruhen lassen musste, weil er sich in dem

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betreffenden Psalm noch nicht heimisch genug fühlte oder ihm die Aufgabe, die Psalmen würdig auszulegen, bei dem einen oder anderen Psalm allzu groß erschien. Mit gleicher Liebe und Sorgfalt widmete er sich jedem Psalm und strengte seine Kräfte bis zur äußersten Grenze seiner Fähigkeiten an, um die letzten Bände mit den früheren mindestens auf gleicher Höhe zu halten. Wusste er doch aus eigener Erfahrung reichlich, welche Enttäuschung es dem Leser bereitet, wenn er bei einer Auslegung nach einem vielverheißenden Anfang zum Ende hin eine bedenkliche Abnahme wahrnehmen muss. In den »Erläuterungen und Kernworten« ist ein Teil des reichen Er­­trages einer jahrzehntelangen literarischen Schatzgräberarbeit geborgen. Spurgeon wurde dabei von seinem Sekretär sowie von Lehrern seiner Predigerschule und anderen Freunden aufs Tatkräftigste unterstützt. Die Bibliothek des Britischen Museums und andere öffentliche sowie private Schatzkammern des theologischen Wissens wurden ständig benutzt. Neben den Pu­ritanern und vielen anderen englischen Autoren werden hier Stimmen sozusagen aus allen Jahrhunderten, allen Ländern und allen Kirchen (im Ganzen etwa 1500 verschiedene Verfasser) laut. (Anmerkung der deutschen Neu­ bearbeitung: Die zahlreichen Fußnoten versuchen dabei dem heutigen Leser zur kirchengeschichtlichen und theologischen Einordnung dieser Au­­toren zu helfen.) Bei manchen Psalmen bot sich eine solche Fülle dar, dass nur ein verschwindend kleiner Teil der gesammelten und übersetzten Auszüge aufgenommen werden konnte. Bei anderen Psalmen hingegen, darunter auch manchen der ausgezeichnetsten, machte Spurgeon die Ent­deckung, dass sie, soweit es um eine wirklich gründliche Auslegung geht, ein fast un­­ betretenes Land sind. Das trieb ihn umso mehr zu den lateinischen Au­­ toren, oft zu ganz seltenen Werken. Mächtige Folianten voll entsetzlich lang vor­getragener Reden ergaben freilich auch da nur gelegentlich einige wenige gute Körnlein. Diese allerdings erschienen wertvoll genug, um die unsäg­ liche Mühe und bedeutenden Kosten mit geistigem Gewinn zu lohnen. Die »Homiletischen Hinweise« suchte Spurgeon immer reicher zu ge­­ stalten; Prof. Rogers, der Direktor des von Spurgeon gegründeten Pre­diger­­ seminars, und manche aus dieser Einrichtung hervorgegangene Prediger lieferten Beiträge. Die deutsche Bearbeitung zielte, soweit es sich dabei um ein in unsere Muttersprache übertragenes Werk handelt, darauf ab, es den Leser mög-

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lichst wenig empfinden zu lassen, dass er eine Übersetzung vor sich hat. Dabei ging es um eine wirklich treue Wiedergabe des Originals und um die Wahrung desjenigen Gepräges, das Spurgeon und den von ihm an­geführten anderen Verfassern eigentümlich ist. Es musste sich jedoch bei einem solchen Werk um mehr als eine bloße Übersetzung handeln. Könnte es doch auf den deutschen Leser nur störend wirken, wenn er sich immer wieder auf die englische Bibelübersetzung (die Authorized Version des Jahres 1611) verwiesen sähe. Wenn sie unter den älteren Übersetzungen auch einen ehrenvollen Platz einnimmt, kann sie doch bei dem deutschen Leser kein so hervorragendes Interesse beanspruchen. Den im Auftrag der deutschen Kirchenkonferenz durchgesehenen Luthertext haben wir zwar der Einfachheit halber für die Leser den Abschnitten vorangestellt. Selbst­verständlich konnten wir ihn aber der Bearbeitung nicht durchweg zugrunde legen, obwohl wir die bei aller Verbesserungsbedürftigkeit doch unvergleichlich schöne Übersetzung gern nach Möglichkeit berücksichtigten. Es musste vielmehr auf den Grundtext zurückgegangen und aufgrund eingehender Studien der Psalmen und ihrer bedeutendsten Auslegungen sowie Übersetzungen versucht werden, das von Spurgeon (und anderen) Dargebotene mit allen irgend zu Gebote stehenden Mitteln dem Grundtext möglichst anzuschließen. Unter Umständen musste es auch ganz frei bearbeitet werden, und zwar alles mit dem Ziel, dass das Werk dem deutschen Leser zum Verständnis und zur praktischen Anwendung des Schriftwortes möglichst gute Dienste leisten möge. Der Kundige wird es Seite für Seite – sei es an der Wahl einzelner Ausdrücke, sei es an der ganzen Bandbreite der Auslegung – wahrnehmen können, dass die besten Auslegungen und Über­ setzungen fortwährend in den Dienst der Bearbeitung des Werkes, namentlich auch der Auslegung Spurgeons, gestellt worden sind. Es wäre jedoch irrig, zu meinen, dass wir die von uns in der Auslegung gegebene Über­ setzung des Bibeltextes stets für die genaueste Wiedergabe des Grund­textes ansähen. Dafür ist sie schon zu wörtlich gehalten. Ferner mussten wir in deren Form ja möglichst dem von Spurgeon Dargebotenen Rechnung tragen. Auch stehen sich namentlich bei schwierigen Stellen oft verschiedene Auffassungen, denen hier und da auch eine andere Lesart des Grundtextes zugrunde liegt, gegenüber, die jeweils ihre bedeutenden Vertreter haben. Natürlich war es Einzelnen vergönnt, über gewisse Stellen besonderes Licht zu bringen. Doch abgesehen davon haben sich im Verständnis vieler Stel-

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len verschiedene Traditionen gebildet, die sich von den alten Übersetzern und Auslegern her bis in unsere Tage verfolgen lassen. Da sind Spurgeon oder die sonst angeführten Verfasser oft einer anderen Auffassung gefolgt als derjenigen, der z. B. Luther sich angeschlossen hat oder aber der wir uns anschließen würden. Gewiss war der Herausgeber an manchen Stellen der Überzeugung, dem Grundtext und den Abnehmern zuliebe von seiner Freiheit als Be­­ arbeiter Gebrauch machen zu müssen. Dennoch hat er sich redlich bemüht, die Pietät gegenüber Spurgeon dahin gehend zu wahren, dass er in den als Aus­legung bezeichneten Teil nichts einbezogen hat, wovon er annehmen musste, dass es gegen Spurgeons Grundsätze verstoßen hätte. In den Fußnoten hat der deutsche Bearbeiter versucht, denjenigen Mitbrüdern im Dienst am Wort, denen weder die Zeit zu eingehenden ei­genen Studien noch das umfangreiche Kommentarmaterial zur Verfügung steht, einige bescheidene Hinweise zur selbstständigen Beurteilung der in der Auslegung gegebenen Übersetzung sowie auch jeweils zum besseren Verständnis sowohl der Lutherübersetzung als auch des Grundtextes zu geben. (An­ merkung der deutschen Neubearbeitung: In der deutschen Neu­bearbeitung wurden zahlreiche Fußnoten hinzugefügt, die neben Erklärungen von – dem heutigen Leser nicht ohne Weiteres zugänglichen – Begriffen und Sach­ verhalten vor allem in Form von biografischen und wirkungs­­geschichtlichen Anmerkungen bei der historischen, kirchengeschichtlichen und theologischen Ein­ordnung der ca. 1500 verschiedenen zitierten Autoren helfen sollen.) Die durchgreifendste Änderung hat das Werk bei der deutschen Be­­ arbeitung in den »Erläuterungen und Kernworten« erfahren. Dies geschah einerseits durch abermalige scharfe Sichtung und oft sehr stark zusammen­ ziehende, das Beste herausnehmende Kürzung und andererseits durch Bereicherung aus zahlreichen Werken, namentlich aus der deutschen exegetischen und erbaulichen Psalmenliteratur. Diese wurde von Spurgeon zwar teilweise schon benutzt, spielte bei ihm aber eine untergeordnete Rolle. In diesem Teil war der Herausgeber der Überzeugung, in den entsprechend gekennzeichneten Absätzen auch noch manches aus dem Ertrag seiner eigenen Psalmenstudien darbieten zu dürfen, die mit der Über­ setzungsarbeit einhergingen. Die von einigen Mitarbeitern (besonders am Anfang, dann wieder zum 119. Psalm) gelieferten Übersetzungen konnte der Herausgeber um der Ein-

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heitlichkeit des Ganzen willen nur als zum Teil sehr schätzenswerte Vor­ arbeiten benutzen; somit ruht die ganze Verantwortung für das Werk in der vorliegenden Fassung auf ihm allein. Das englische Werk ist wie wohl keine ähnliche Psalmenausgabe in Hunderttausenden von Bänden verbreitet worden. Obwohl die sich natürlich in viel engeren Grenzen haltende Verbreitung des deutschen Werkes durch das langsame Voranschreiten der Bearbeitung ungünstig be­­einflusst wurde, war doch die erste auflagenstarke Ausgabe wenigstens der beiden ersten Bände schon bei der Vollendung des Werkes fast vergriffen. Den dadurch not­wendig gewordenen Neudruck hat der Herausgeber gern benutzt, um diese beiden Bände in der während ihres ersten Erscheinens veränderten amtlichen Rechtschreibung den beiden späteren an­­­zupassen und ihnen auch sonst die während der langen Arbeit gewonnenen Er­­fahrungen zu­ gutekommen zu lassen, sodass sie nun, von unwesentlichen Kleinig­keiten abgesehen, den späteren gleichen. Das Werk ist getan; möge die Frucht reifen! Möge das unter viel Gebet geschriebene Werk des gott­begnadeten Mannes ebenso in der deutschen Fassung dazu dienen, dass viele aus dem auch von einem Spurgeon nicht ausgeschöpften Gottes­brünnlein der Psalmen noch weiter schöpfen und auch andere nach Lebenswasser schmach­ tende Seelen mit einem frischen Trunk aus diesem Quell laben! James Millard

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Psalm

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INHALT: Wir können diesem Psalm die Überschrift das Vorwort geben, da gewissermaßen der Inhalt des ganzen Psalters darin angezeigt ist. Es liegt dem Psalmisten am Herzen, uns den Weg zu der wahren Glück­ seligkeit zu lehren und vor dem sicheren Untergang der Sünder zu warnen. Ebendies ist das Thema des ersten Psalms, der so gleichsam als der Text gelten kann, wozu der ganze Psalter die göttliche Predigt bildet. EINTEILUNG: Der Psalm besteht aus zwei Teilen. In dem ersten (V. 1-3) führt der Dichter aus, worin die Glückseligkeit des Frommen besteht, womit er sich beschäftigt und welche Segnungen er vom Herrn empfängt. In der zweiten Hälfte (V. 4-6) stellt er demgegenüber den Zustand und die Beschaffenheit des Gottlosen dar und enthüllt dessen Zukunft, indem er mit prägnanten Zügen sein letztendliches Schicksal beschreibt.

AUSLEGUNG 1. 2.

Wohl dem, der nicht wandelt im Rat der Gottlosen, noch tritt auf den Weg der Sünder, noch sitzt, da die Spötter sitzen, sondern hat Lust zum Gesetz des HERRN und redet von seinem Gesetz Tag und Nacht!

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Psalm 1 1. Wohl dem, oder: Glückselig ist der Mann, der usw. Siehe, wie der Psalter mit einer Seligpreisung beginnt und gerade der gewaltigen Bergpredigt unseres Heilands gleicht! Wie viel liegt in diesem freudigen Ausruf über das Glück dessen, der von Gott begnadigt worden ist! Wörtlich lässt sich dies etwa folgendermaßen übersetzen: »O der Glückseligkeiten des Mannes, der usw.« Dass das hebräische Wort hier (wie immer) in der Mehrzahl steht, können wir wohl darauf deuten, wie mannigfaltig die Segnungen sind, die auf dem Mann ruhen, der sich Gottes Huld erfreut, und wie erhaben und vollkommen das Glück ist, das er genießt. Möge diese Seligpreisung auch auf uns ruhen! Der Gerechte wird hier erst (V. 1) beschrieben nach dem, was er nicht tut, und sodann (V. 2) nach dem, was er tut. Er ist ein Mensch, der nicht wandelt im Rat der Gottlosen. Er folgt weiserem Rat, er wandelt in den Geboten des Herrn, seines Gottes. In seinen Augen sind die Wege der Gottseligkeit friedliche und liebliche Pfade. Seine Schritte richten sich nach dem Wort Gottes und nicht nach den teuflisch klugen und doch so törichten, ruchlosen Lebensregeln fleischlich gesinnter Leute. Die im Innern wirkende Gnade erweist sich dann in besonderem Maße, wenn im äußeren Wandel eine Veränderung eingetreten und unser Handeln nicht mehr vom ungöttlichen Wesen geprägt ist. Beachte ferner: Er steht nicht (Grundtext, lö´ `ämäd) auf dem Weg der Sünder. Sein Um­­­gang folgt vornehmeren Grundsätzen als früher. Wohl ist auch er von Natur ein Sünder; aber er ist ein mit dem Blut der Versöhnung gewaschener Sünder, lebendig gemacht durch den Heiligen Geist und im Herzen erneuert. Durch Gottes große Gnade steht er in der Gemeinschaft der Gerechten, und darum darf er sich nicht zu der Menge derer, die das Böse tun, gesellen. Wiederum heißt es: Er sitzt nicht, da die Spötter sitzen. Er findet keine Ruhe bei den Spötte­ reien der Gottesleugner. Mögen andere mit Sünde, Ewigkeit, Himmel und Hölle und dem ewigen Gott ihren Spott treiben, er hat eine bessere Weisheit kennengelernt als die Philosophie des Unglaubens und ist von Gottes Gegenwart zu sehr durchdrungen, als dass er es ertragen könnte, Lästerworte gegen seinen Namen zu hören. Der Sitz des Verächters mag hoch­ erhaben sein, dennoch ist er der Höllenpforte sehr nahe. Lasst uns von ihm fliehen, denn bald wird er leer sein, und Verderben wird den Mann ver-

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Psalm 1 schlingen, der jetzt darauf sitzt. – Man beachte die Steigerung im ersten Vers: Er wandelt nicht in dem Rat der Gottlosen, er steht nicht auf dem Weg der Sünder, er sitzt nicht auf dem Sitz der Spötter (Elb 2003). Menschen, die in der Sünde leben, sinken von einer Stufe des Bösen zur anderen. Erst wandelt man nach dem Rat der Gottlosen, die in ihrem Leichtsinn Gott vergessen (das Böse wird tatsächlich ausgeübt, aber es ist noch nicht zur Natur geworden). Doch danach wird einem das Schlechte zur Gewohnheit, und man steht nun auf dem Weg der offensichtlichen Sünder, die in unverhohlenen Tatsünden dahinleben und bewusst Gottes Gebote übertreten. Greift keine höhere Hand ein, so geht die natürliche Entwicklung noch einen Schritt weiter, und man wird zum Lästerer und Verführer, der andere mit ruchloser Lehre pestartig ansteckt, und nun sitzt man dort, wo die Spötter sitzen. Diese sind im Laster zu Würden gekommen, sie sind als echte Doktoren der Verdammnis in ihr Amt eingesetzt worden und stehen als Meister der Verruchtheit bei den Bösen in hohem Ansehen. Aber der Mann, der die Glückseligkeit der Gemeinschaft mit dem Herrn und seinem Wort kennt und der Erbe der Segnungen Gottes ist, kann mit Leuten dieser Art keine Gemeinschaft pflegen. Er hält sich rein von solchen Aussätzigen. Alles Böse tut er weit von sich, denn er hasst den vom Fleisch befleckten Rock (Jud 23). Er sondert sich von den Gottlosen ab und geht hinaus aus dem Lager, die Schmach Christi tragend (Hebr 13,13). O dass auch uns die Gnade zuteilwerde, auf diese Weise von den Sündern abgesondert zu sein. 2. Und nun lasst uns sehen, wie das Wesen des Frommen beschrieben wird. Er hat Lust zum Gesetz des HERRN. Er lebt nicht unter dem Gesetz als einem Fluch und Verdammungsurteil, sondern in demselben (vgl. 1Kor 9,21), und es ist seine Lust, sein Element und die Regel seines Lebens. Eine Lust ist es ihm auch, über das Gesetz des HERRN nachzusinnen (Grundtext1, yeh•Gè, von häGâ: [von Tieren] knurren, gurren, usw.; [von Menschen] seufzen, murmeln, denken, nachdenken, reflektieren, sprechen;

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Psalm 1 vgl. Ps 2,1), bei Tage darin zu lesen und bei Nacht darüber nachzudenken. Er nimmt sich ein Schriftwort heraus und trägt es den ganzen Tag mit sich umher; und wenn des Nachts der Schlaf von seinen Augenlidern weicht, sinnt er über seines Gottes Gesetz. Am Tage des Glücks singt er Psalmen aus dem Wort Gottes, und in der Nacht des Leidens tröstet er sich mit den Verheißungen aus demselben teuren Bibelbuch. »Das Gesetz des HERRN« ist das tägliche Brot des wahren Gläubigen. Und wie klein war doch wohl zu den Zeiten des Psalmisten der Umfang der heiligen Schriften! Wie viel mehr denn sollten wir das ganze geschriebene Wort Gottes schätzen, umso mehr noch, als wir so bevorzugt sind, es überall in unseren Häusern zu haben. Aber welch schlechte Behandlung wird diesem Boten des Himmels zuteil! Wir gleichen bei Weitem nicht alle den Leuten zu Beröa, die täglich in der Schrift forschten (Apg 17,11). Wie wenige unter uns können auf die Seligpreisung unseres Psalmwortes vollen Anspruch erheben. Vielleicht könnten einige von euch, liebe Leser, eine Art negativer Reinheit be­­­­anspruchen, indem ihr nicht in den Wegen der Gottlosen wandelt; aber lasst mich euch fragen: Habt ihr Lust am Gesetz des Herrn? Forscht ihr in Gottes Wort? Macht ihr es zu eurem Geleitsmann, eurem besten Gesellschafter, eurem Führer zu allen Stunden? Wenn nicht, so dürft ihr euch diese Seligpreisung nicht zueignen. 3.

Der ist wie ein Baum, gepflanzt an den Wasserbächen, der seine Frucht bringt zu seiner Zeit, und seine Blätter verwelken nicht; und was er macht, das gerät wohl.

3. Also nicht ein wilder Baum ist er, sondern er ist gepflanzt (wörtl.: verpflanzt, šätûl), ein auserwählter, als Eigentum wertgeschätzter und gepflegter Baum, der darum auch vor dem schrecklichen Ausreißen gesichert ist, das allen Pflanzen, die der himmlische Vater nicht gepflanzt hat, als Endschicksal bevorsteht (Mt 15,13). An den Wasserbächen steht er, sodass, wenn ein Bach versiegen sollte, ein anderer ihn tränkt. Die Wasserbäche der Vergebung und der Gnade, der Verheißung und der Gemeinschaft mit Christus sind nie versiegende Quellen.

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Psalm 1 Er ist gleich einem Baum, gepflanzt an Wasserbächen, der seine Frucht bringt zu seiner Zeit. Es sind nicht unzeitige Früchte, wie die frühreifen Feigen, die nie den vollen Wohlgeschmack haben, sondern der Mann, der seine Lust an dem Wort Gottes hat, welches ihn unterweist, bringt in der Zeit des Leidens Geduld als köstliche Frucht, Glauben in der Zeit der Prüfung und geheiligte Freude in der Zeit des Glückes hervor. Fruchtbarkeit ist eine wesentliche Eigenschaft des begnadigten Menschen, und diese Fruchtbarkeit muss sich zur rechten Zeit erweisen. Und seine Blätter verwelken nicht; sein schwächstes Wort hat eine dauernde Wirkung, seine kleinen Liebestaten bleiben im Andenken. Nicht allein seine Früchte, sondern auch sein Laub bleibt erhalten. Er verliert weder Schönheit noch Fruchtbarkeit. Und was er macht, das gerät wohl, oder: Und alles, was er tut, führt er glücklich hinaus. Wohl dem Mann, der solche Verheißung hat. Aber wir dürfen die Erfüllung einer Verheißung nicht immer nach dem Augenschein beurteilen. Wie oft würden wir, meine Brüder, wenn wir nach unserem schwachen Verstand urteilten, zu der trüben Schlussfolgerung kommen: Alles ist wider mich! Denn obwohl wir wissen, dass wir an der Verheißung unseres Verses Anteil haben, sieht unser Auge, wenn wir in Prüfungen und Trübsalen sind, doch oft das genaue Gegenteil von dem, was die Verheißung uns zusagt. Aber für das Glaubensauge ist dieses Wort zuverlässig, und mit seiner Hilfe nehmen wir wahr, dass unser Wirken gedeiht, auch wenn alles gegen uns zu gehen scheint. Nicht äußeres Wohlergehen ist es, was der Christ am meisten begehrt und schätzt; ihn verlangt nach dem Wohlergehen des inneren Menschen. Wir machen etwa gleich Josaphat (1Kö 22,49) Schiffe aufs Meer, die nach Ophir gehen sollen, Gold zu holen; aber sie werden zerbrochen zu Ezjon-Geber. Doch auch dies dient unserem wahren Wohl­ergehen, denn um der Gesundheit der Seele willen müssen wir oft arm, verlassen und bedrängt sein. Das Schlimmste ist manchmal für uns das Beste. Wie in den Wohltaten, die einem Gottlosen widerfahren, ein Fluch verborgen ist, so ein Segen in des Gerechten Kreuz, in seinen Verlusten und Kümmernissen. Die Prüfungen der Gläubigen sind ein kräftiger Mutterboden, in dem Gottes Pflänzlein gedeihen und reiche Frucht bringen.

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Psalm 1 4. Aber so sind die Gottlosen nicht, sondern wie Spreu, die der Wind verstreut.

4. Wir stehen nun an dem zweiten Teil unseres Psalms. In dem vierten Vers wird der schlimme Zustand der Gottlosen als Gegensatz benutzt, um dadurch die Farbe des vorhergehenden lieblichen Bildes noch zu heben. Aber so sind die Gottlosen nicht! Das gibt uns zu verstehen: Was auch immer Gutes vom Gerechten ausgesagt ist, das ist nicht wahr vom Gott­ losen. Die Septuaginta und Vulgata wiederholen nachdrücklich das »nicht so« (lö´-kën bzw. ouch hoútōs bzw. non sic). Wie schrecklich ist es, wenn einem die Verheißungen so mit einer doppelten Verneinung belegt sind, und doch ist das gerade die Lage der Gottlosen. Beachten wir, dass hier wieder das Wort »Gottlose« gebraucht ist, das zu Beginn des Psalms zur Bezeichnung der Anfänger im Bösen, der noch am wenigsten anstößigen Sünder angewandt worden war. Wenn das der traurige Zustand derer ist, die noch verhältnismäßig ehrbar leben und nur gegen Gott gleichgültig sind, was muss es sein mit den offenbaren Sündern und schamlosen Ungläubigen! Der erste Satz ist eine negative Beschreibung der Gottlosen, der zweite stellt ihr wirkliches Bild dar. Ihr Wesen wird so geschildert: Sie sind wie Spreu, ohne inneren Wert, ohne Leben, ohne Nutzen, ohne Kern; daher ihr Schicksal: Der Wind verstreut sie. Der Tod wird sie mit seinem schrecklichen Hauch in das Feuer treiben, das sie verzehren wird. 5. Darum bleiben die Gottlosen nicht im Gericht, noch die Sünder in der Gemeinde der Gerechten.

5. Sie werden dort stehen, um gerichtet, und nicht, um freigesprochen zu werden. Furcht wird sie da packen. Sie werden nicht standhalten können und doch vergeblich zu entfliehen versuchen. Sie werden sich nicht ver­ teidigen können, denn ewige Schmach und Schande (Dan 12,2) wird sie ergreifen. Mit Recht sehnen sich die Heiligen Gottes nach dem Himmel, denn kein Böser wird dort wohnen, noch die Sünder in der Gemeinde der Gerech­ ten. Alle unsere Versammlungen auf Erden sind gemischt. Jede Gemeinde

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Psalm 1 hat einen Teufel in ihrer Mitte (Joh 6,70). Das Unkraut, der dem Weizen ähnelnde Lolch (Mt 13,24ff.), wächst in denselben Furchen wie der Weizen. Es gibt jetzt noch keine Tenne, die ganz von der Spreu gereinigt ist. Sünder sind noch vermischt mit den Heiligen, wie Schlacken mit dem Gold. Gottes köstliche Diamanten liegen noch auf einem Feld zusammen mit Kieselsteinen. Gerechte Seelen wie Lot werden diesseits des Himmels beständig gequält von den schändlichen Leuten Sodoms (2Petr 2,7f.). So wollen wir uns denn freuen, dass zu der großen Versammlung droben, der Gemeinde der Erstgeborenen (Hebr 12,23), auch nicht einer nichtwiedergeborenen Seele der Zutritt gestattet sein wird. Sünder können im Himmel nicht leben. Sie wären außer ihrem Element. Eher könnte ein Fisch auf einem Baum leben, als ein Gottloser im Paradies. Der Himmel würde für den Unbußfertigen eine unerträgliche Hölle sein, auch wenn ihm der Eintritt erlaubt würde; aber solches Vorrecht wird dem, der in seinen Missetaten verharrt, niemals zuteilwerden. Gott gebe, dass unsere Namen im Himmel an­­ geschrieben sind und ein Platz in den Vorhöfen droben auf uns wartet. 6. Denn der HERR kennt den Weg der Gerechten; aber der Gottlosen Weg vergeht.

6. Fortwährend achtet der HERR auf den Weg der Gerechten: Mag derselbe oft in Nebel und Finsternis gehüllt sein, durch dunkle Wolken und Unwetter der Trübsal hindurchführen, der Herr kennt ihn. Er zählt die Haare auf unserem Haupt und wird nicht dulden, dass irgendein Unglück uns überfalle. »Er … kennt meinen Weg wohl. Er versuche mich, so will ich erfunden werden wie das Gold« (Hi 23,10). Aber der Gottlosen Weg vergeht. Nicht nur sie selbst werden vergehen, sondern ihr Weg wird auch vergehen. Der Gerechte gräbt seinen Namen auf den Felsen ein, der Gottlose schreibt sein Gedächtnis in den Sand. Der Gerechte pflügt Furchen in die Erde und sät hier eine Saat aus, deren Ernte erst völlig gesammelt wird, wenn er zu den Freuden der Ewigkeit eingeht; der Gottlose aber zieht Furchen durchs Wasser, und obwohl ein glänzender Schweif hinter seinem Kiel sein mag, werden doch die Wogen darüber­ gehen, und seine Stätte, die ihn kannte, kennt ihn nicht mehr. Wenn der Gottlose im Andenken bleibt, dann nur in der Erinnerung an das Böse, das

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Psalm 1 er getan hat; denn der Herr wird den Namen des Gottlosen vermodern lassen, dass er den Guten zum Gestank werden und nur noch dem Gottlosen selbst durch seine Fäulnis bekannt sein wird. Möge der Herr unsere Herzen und unsere Wege reinigen, auf dass wir dem Los der Ungöttlichen entrinnen und das Glück der Gerechten genießen!

ERLÄUTERUNGEN UND KERNWORTE Zum ganzen Psalm. Basilius2 bezeichnet den Psalm als pro-oímion brachý (»kurzes Vorwort«) zum Psalter; als solches scheint bereits der Sammler ihn an die Spitze der Sammlung gestellt zu haben. Gegenüber den zahlreichen, in den Psalmen vorkommenden Klagen über die Bedrückung der Gerechten durch gottlose Feinde sollte gleich am Anfang des Buches die Wahrheit betont werden, dass der Fromme zuletzt doch den Sieg behält. Prof. Dr. Friedrich Baethgen, Die Psalmen, 1904.3 Der Psalter ist Ja und Amen in Liedern zu dem Gotteswort der Thora (des Gesetzes). Darum beginnt er mit einem Psalm, welcher das Geschick des Thorajüngers dem Geschick der Gottlosen entgegenhält, einem Echo jener Ermahnung in Jos 1,8, in welcher Jahwe nach Moses Tode seinem Nachfolger Josua das Buch der Thora ans Herz legt. Wie die neutestamentliche Bergpredigt als Predigt des verinnerlichten Gesetzes mit makários (»glück­­ selig«) anfängt, so beginnt der ganz und gar auf Verinnerlichung des Ge­­ setzes gerichtete alttestamentliche Psalter mit ´ašürê (»glück­­selig«). – Kommentar von Prof. Dr. Franz Delitzsch.4 Dieser erste Psalm ist zwar klein dem Umfang nach, aber sehr groß und voller Kraft, was den Inhalt betrifft; er fasst die Quintessenz der Glück­ seligkeit in sich. Der Psalm trägt Glückseligkeit an der Stirn. Er beginnt mit dem, womit wir alle zu enden hoffen. Er mag des Christen Führer genannt werden: denn er zeigt den Flugsand, auf dem die Gottlosen ins Verderben sinken, und den festen Grund, auf dem die Frommen in die Herrlichkeit schreiten. Thomas Watson 1660.5

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Psalm 1 V. 1. Nicht ohne Grund ist das Wort der Seligkeit an die Spitze des Buches der tiefsten Leiden und Gebete gestellt; dieses Wort, wie sehr es auch zurückgedrängt und zu Boden gehalten wird, dringt doch durch alle Töne der Klage und des Schmerzes hindurch und behauptet sich endlich in dem Halleluja des hundertfünfzigsten Psalms. Prof. Johannes Wichelhaus.6 Der Dichter sagt in diesem kurzen Psalm mehr Stichhaltiges über wahre Glückseligkeit als irgendeiner der Philosophen oder alle Weltweisen zusammen. Sie klopfen nur auf den Busch, Gott aber gibt uns hier den Vogel in die Hand. John Trapp.7 Wo echte Glückseligkeit als Schild außen hängt, können wir sicher sein, drinnen einen gottseligen Menschen zu finden. Richard Baker 1640.8 Glücklich der Mann usw. Es ist, wie V. 3 zeigt, nicht Wunsch (»Glücklich sei«), sondern Aussage in Form des Ausrufs. Die Übersetzung der LXX makários (Hieronymus: beatus) ist nicht ganz zutreffend, richtiger wäre felix oder fortunatus; denn der Dichter will im Gegensatz zu dem unglücklichen Schicksal des Gottlosen den nicht gestörten und zu seiner vollen Entwicklung kommenden äußeren Lebenslauf des Frommen glücklich preisen. Jeremia, der Bärûk statt ´ašürê sagt (Jer 17,7), reflektiert darauf, dass der Segen von oben kommt (faustus). Prof. Dr. Friedrich Baethgen 1904.3 Wohl dem Mann (Grundtext, hä´îš), dem einen aus tausend, dessen Leben zur Erfüllung des Zweckes dient, zu welchem Gott ihn geschaffen hat. Adam Clarke.9 Er wandelt nicht, noch steht er, noch sitzt er. Vorschriften in der Form der Verneinung sind manchmal noch bestimmter und unbedingter als bejahende. Unter allen Umständen und zu allen Zeiten soll sich der Fromme von dem gottlosen Wesen rein halten. Richard Baker 1640. Des Gottlosen Rat oder Sinnesart ist Gleichgültigkeit in Glaubensdingen. Er bemüht sich weder um seine eigene Seligkeit noch um die anderer Leute, und er gibt denen, mit welchen er umgeht, den Rat, seine Denkweise zu der ihrigen zu machen und sich um Beten, Bibellesen, Buße und dergleichen nicht zu kümmern. »Das alles ist nicht nötig. Tue recht und scheue niemand. Führe ein ehrbares Leben, mache kein Aufhebens um die Religion, du wirst gut dabei fahren.« Nun, wohl dem, der nicht in solches Mannes Sinnesart eingeht und seine Ratschläge nicht befolgt.

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Psalm 1 Jeder Sünder hat seinen eigentümlichen Weg, auf dem er ins Verderben wandelt. Der eine ist ein Trinker, ein anderer ist unehrlich, wieder ein anderer unkeusch. Nur wenige sind allen Lastern ergeben. Es gibt viele geizige Menschen, denen alle Völlerei ein Gräuel ist, viele Unmäßige, die den Geiz verabscheuen, und so hat jeder seine Lieblingssünde, die ihn besonders leicht umgarnt und seiner Lebensweise das Gepräge gibt. Darum sagt der Prophet (Jes 55,7): »Der Gottlose lasse von seinem10 Wege.« Heil dem, der sich von des Sünders Weg fernhält. Der Spötter hat in seinem Herzen aller Frömmigkeit und allem sitt­ lichen Gefühl den Garaus gemacht. Er hat sich niedergesetzt, sich vollständig befestigt in der Gottvergessenheit. Er macht aus der Sünde einen Scherz. Sein Gewissen ist verhärtet. Während er gegen alle geoffenbarte Wahrheit ungläubig ist, glaubt er dagegen alles, was der Unglaube erdichtet. Wohl dem Mann, der nicht mit solchen Leuten zusammensitzt. Adam Clarke. Da sitzen die Spötter. Die einen übersetzen auf dem Sitze der Spöt­ ter (vgl. das Wort môšab in 1Sam 20,25); die anderen im Kreise der Spöt­ ter (moschab = das Zusammensitzen, Ps 107,32; vgl. Ps 26,4f.; Jer 15,17). Der Sinn ist im Grunde wenig verschieden. – J. M.11 Der Ort, wo die Trinker sitzen, ist der Ort der Spötter. Vgl. z. B. Jes 28,715. Matthew Henry.12 Die Spötter. Peccator cum in profundum venerit contemnet13: Wenn der Gottlose in die Tiefen der Sünde hineinkommt, wird er ein Verächter. So zankt Ahab dem Propheten Micha (1Kö 22,18), weil er ihm nichts Gutes weissagt. Sogar die kleinen Knaben in Bethel verspotten den Elisa und erdreisten sich, ihn Kahlkopf zu schmähen. Das Tröpflein Gift schwillt bald zu einem Meer des Verderbens an; wie ein Tropfen Otterngift, das in die Hand gerät, in die Adern geht und so sich durch den ganzen Körper verbreitet, bis es die Lebensgeister auslöscht. Gott wird dich verlachen (Ps 2,4), der du ihn verlachst, und wer ihn verachtet, der soll wieder verachtet werden (1Sam 2,30). Wer gegen den Himmel ausspuckt, dem wird sein Speichel aufs eigene Antlitz zurückfallen. Die Schändlichkeiten, welche du gegen diejenigen begehst, die sich um dein Seelenheil mühen, werden mit deiner Asche im Staub ruhen, aber einst werden sie auferstehen, um im Gericht wider dich zu zeugen. Thomas Adams 1614.14

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Psalm 1 V. 2. Es ist in aller Welt unter den Leuten eine gemeine Frage von der Seligkeit, und ist kein Mensch auf Erden, der nicht wünschte, dass es ihm wohl­ ginge, und nicht wiederum unmutig darüber würde, wenn es ihm übel geht. Doch, so viel ihrer sind, haben sie alle geirrt, dass sie nicht gewusst noch verstanden haben, was rechte Seligkeit ist. Dieser aber, der hier im Psalm redet, der vom Himmel herunterschallt, schlägt zu Boden und verdammt alles, was menschliche Gedanken hierin erfinden und ausdenken können, und bringt eine einige Beschreibung der Seligkeit, davon alle Welt nichts weiß, und sagt, dass der selig sei und dass es dem wohlgehe, der Lust und Liebe am Gesetz des HERRN habe. Als wollte er sagen: Was ratschlagt ihr lange? Was beschließt ihr Weltweisen ohne Aufhören so vergeblich unnütze Dinge? Dies ist die einige köstliche Perle (Mt 13,46), wer sie erhält (nämlich, dass er Lust und Liebe zum Gesetz Gottes habe und von den Gottlosen sich absondere), dem gedeiht alles zum Besten. Wer aber diese Perle nicht findet, der mag wohl mit vieler Mühe und Arbeit den Weg zur Seligkeit suchen, er wird ihn aber nicht finden. Wiederum ist denen, die an Gottes Wort ihre Lust und Freude haben, alles lieblich, gut, heilsam und selig, nach dem Wort des 18. Psalms, Vers 27: Dem Reinen ist alles rein. Und um kurz davon zu reden: Wie du bist, so ist dir Gott, geschweige denn die Kreatur. Gott ist bei den Heiligen heilig, bei den Verkehrten aber ist er verkehrt. Daher kommt es, dass dem nichts gut ist, der böse ist, und der von keiner rechten Lust und Freude weiß, der am Gesetz Gottes nicht Lust hat. Lust zum Gesetz des HERRN haben, ist aber menschlicher Natur nicht eingepflanzt noch angeboren, sondern es muss vom Himmel herunterkommen. Denn weil die menschliche Natur zum Bösen geneigt ist und sich dessen befleißigt, wie Gott selber spricht (1Mo 8,21), und Gottes Gesetz gut ist, heilig und gerecht (Röm 7,12), so folgt notwendig hieraus, dass der menschliche Wille Gottes Gesetz entgegen und zuwider ist. Er hasst das Gesetz und flieht davor; ob er sich gleich zuzeiten aus Furcht vor der Strafe oder aus Lust zur Verheißung stellt, als liebe er das Gesetz, so bleibt gleichwohl allewege ein Hass und Unwille im Herzen wider das Gesetz, und er kann es mitnichten umsonst lieb haben. Diese Lust und Liebe nun müssen wir uns, die wir an unseren Kräften und Vermögen verzweifeln sollen, vom Himmel herabbitten und empfangen durch einen demütigen Glauben an Christus. Martin Luther.15

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Psalm 1 Die Lust, von welcher der Prophet hier redet, ist die einzige, um derentwillen man weder schamrot werden noch erbleichen muss; das einzige Vergnügen, bei dem man zu Gaste geht, ohne dass man nachher dafür zahlen muss; das einzige Ergötzen, das nicht nur viel verspricht, sondern wirklich gibt, und nicht nur, wie andere Lust, den Augenblick befriedigt, da man sie genießt, sondern auch in der Erinnerung ungetrübte Freude zurücklässt. Richard Baker 1640.8 Er sinnt über sein Gesetz Tag und Nacht (Grundtext, ûbütôrätô yeh•Gè yômäm wälä ºylâ). Im einfachsten Bibelwort ist eine wunderbare Fülle von heiliger Geistesmacht. Erforschen wir es im Geist des Gebets und im Bewusstsein unserer Abhängigkeit von Gott, so entdecken wir weit mehr, als wir zuerst vermuten. Beim oberflächlichen Lesen einer Schriftstelle geht es uns vielleicht wie dem Knaben des Elia, der, als er zum ersten Mal auf des Karmels Spitze ging, nichts sah. Da erhielt er den Befehl, siebenmal auszuschauen. Und beim siebten Mal, siehe, da ging eine Wolke auf aus dem Meer, wie eines Mannes Hand. Bald aber wurde der ganze Himmel schwarz von Wolken (1Kö 18,43-45). Sinne oft über ein Bibelwort nach. Du wirst darin ein Licht schauen, hell leuchtend wie die Sonne. Joseph Caryl 1647.16 In seinem Wort tritt Gott dem Menschen seinem persönlichen Wesen gemäß denkend und wollend entgegen, und dementsprechend soll sich auch der Mensch diesem Wort persönlich zukehren, seine Denk- und Willenskraft darauf richtend. Sowohl die praktische als auch die theoretische Seite ist hier durch Lust haben und nachdenken bezeichnet. Bloß äußerliches Denken und augenblickliche, schnell vorübergehende Lust genügen aber hier nicht, sondern es erfordert den ganzen Fleiß und Ernst unseres inneren Menschen. Wir müssen durch fleißiges Nachdenken (»Tag und Nacht«) die göttlichen Gedanken und Gebote ins Herz aufnehmen und unsere ganze Denkweise und Willensrichtung dadurch bestimmen lassen. Das heißt, das Gesetz dem Zweck des Gesetzes gemäß zu gebrauchen (1Tim 1,8; Grundtext, nomímōs chrêsthai). Und der fromme Israelit, dem das Gesetz auf diesem Weg zur inneren, den Wandel bestimmenden Lebensordnung geworden war (Ps 40,9), ermüdete nicht, dasselbe als heilsam zu rühmen; siehe Ps 119; 19,8-15 u. a. – G. T. 1882. Die Priester halten das einfache Volk vom Wort Gottes ab – von diesem köstlichen Gemeingut aller Christen, indem sie vorgeben, die Bibel sei schwer

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Psalm 1 zu verstehen. »Quält euch nicht damit ab, wir wollen euch schon sagen, was der Sinn der Bibel ist.« Sie könnten geradeso gut sagen: »Der Himmel ist ein herrlicher Ort, aber der Weg zum Himmel ist schwierig: bemüht euch nicht, wir wollen für euch dahin gehen.« So kommt es, dass die Armen in den Zeiten der Not, wo das teure Bibelbuch sich ihnen in seiner rettenden Kraft erweisen sollte, kein Wort Gottes haben. Anstatt der Schrift können sie Bilder vorzeigen, das seien die Bücher der Laien; als ob der Gerichtshof, vor dem sie einst erscheinen müssen, aus Bildschnitzern und Malern bestände und nicht aus den zwölf Aposteln! Lasst euch nicht betrügen, sondern forschet in der Schrift, wenn ihr einst von ihr Trost erwarten wollt. Wer auf ein Erbe hofft, wird auf die Erbschaftsurkunde großen Wert legen. Thomas Adams 1614.14 Nirgends finde ich süßere Ruhe, als an einem stillen Plätzchen mit dem teuren Bibelbuch. Nach Thomas von Kempen.17 Das, worüber ein Mensch nachsinnt, ist bezeichnend für sein Wesen: daran mag man erkennen, ob das eigene Herz gut oder böse ist. Das Nachsinnen ist der Prüfstein des Christen; es zeigt, ob er von edlem Metall ist. Thomas Watson 1660.5 Durch das Nachdenken verarbeiten wir innerlich die geistige Speise, sodass die Lieblichkeit und Nährkraft des Wortes in Herz und Leben übergeht. Dadurch kommt es bei den Gottseligen zum reichen Fruchttragen. Bartholomeus Ashwood 1688.18 Zu der Erhaltung des Leibeslebens wirken verschiedene Kräfte zusammen: unter anderem 1) eine Kraft der Aneignung, zur Aufnahme der Nahrung, 2) eine Kraft zum Behalten der aufgenommenen Nahrung, 3) eine Kraft der Assimilation, um die Nährstoffe in Fleisch und Blut zu verwandeln, 4) eine Kraft des Wachstums, zur Vervollkommnung des Organismus. Das Nachsinnen begreift das alles in sich. Es schärft das Urteilsvermögen und fördert uns in der Weisheit und im Glauben zum Abwägen, Unterscheiden und Annehmen dessen, was uns durch das Lesen und Hören dargeboten wird. Es unterstützt das Gedächtnis in der Aufgabe, die Juwelen der göttlichen Wahrheit in seiner sicheren Schatzkammer zu verschließen. Es verwandelt die dargebotene Wahrheit in geistliche Nahrung. Und endlich hilft es dem erneuerten Herzen dazu, der Vollkommenheit entgegenzureifen und mehr und mehr den Reichtum der freien Gnadengaben Gottes zu erkennen. Nathanael Ranew 1670.19

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Psalm 1 V. 3. Gepflanzt an den Wasserbächen. Das spielt wohl auf das orientalische Verfahren beim Anpflanzen an. Man lässt kleine Wasserbächlein zwischen die Baumreihen fließen, sodass die Bäume künstlich einen beständigen Zufluss von Feuchtigkeit bekommen. Charles Haddon Spurgeon 1869.20 Frucht zu seiner Zeit. Da gibt es keine getäuschten Erwartungen. Frucht wird erwartet und wird auch hervorgebracht, und zwar zu der rechten Zeit, wo sie kommen sollte. Die Erziehung durch den göttlichen Geist, der dem ernstlich um denselben Bittenden nie vorenthalten wird, bringt sicher Früchte der Gerechtigkeit hervor. Und wer das Wort Gottes unter Gebet liest und betrachtet, wird stets erkennen, was für eine Arbeit Gott ihm zu tun gegeben hat, in welcher Kraft er sie vollbringen kann, und welches die rechten Zeiten, Orte und Gelegenheiten sind zum Tun der Dinge, die am meisten zu Gottes Verherrlichung, der eigenen Seele Heil und der Mitmenschen Erbauung dienen. Adam Clarke.9 Frucht zu seiner Zeit. Es gilt also zu erkennen, was Gott in den verschiedenen Zeiten von uns erwartet, und diese auszunutzen im Blick auf die kommende Abrechnung. Wird meine Gemeinde heimgesucht, wohlan, dann ist es Zeit, betend auf die Gedanken zu merken, die Gott über uns hat; steht die Gemeinde in fröhlichem Wachstum, so ist es an der Zeit, Gott zu preisen. Bin ich mit der Vorbereitung einer Predigt beschäftigt, so will ich hören, was Gott mir und der Gemeinde in seinem Wort sagt. Stehe ich in einer Versuchung – jetzt ist es Zeit, auf den Namen des Herrn zu trauen. Habe ich eine einflussreiche Stellung, so will ich recht erwägen, was Gott unter diesen Umständen von mir verlangt. Und so gleicht der weise Christ dem Baum des Lebens, der seine Früchte bringt alle Monate (Offb 22,2). Gleich einem verständigen Landwirt hat er seine bestimmte Beschäftigung für jeden Monat, damit die Frucht zur rechten Zeit sich zeige. John Spencer 1658.21 Frucht zu seiner Zeit: O wie ein gülden, lieblich Wort ist das, damit bestätigt wird die Freiheit der christlichen Gerechtigkeit! Die Gottlosen haben ihre gewissen Tage, ihre gesetzten Zeiten, ihre geordneten Werke und ihre erlesenen gewissen Stätten, an welche sie so hart gebunden sind, dass, wenn ihr Nächster auch sollte Hungers sterben, ließen sie sich nicht davon reißen. Aber dieser selige Mann, der hier beschrieben ist, ist frei und willig zu jeder Zeit, zu allem Werk, an aller Stätte, gegen jede Person: Wie sich’s schickt, und was sich für ein Fall begibt, dient er dir, und was ihm

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Psalm 1 vor die Hand kommt, das tut er. Er ist nichts Sonderliches und will es auch nicht sein, sondern er bringt seine Frucht zu seiner Zeit, sowohl gegen Gott, sooft es die Zeit erfordert, als auch gegen Menschen, sooft sie seines Fleißes und seiner Mühe bedürfen. Martin Luther.22 Der in Gott Lebende bringt allezeit Frucht: Doch steht die Näher­ bestimmung »zu seiner Zeit« nicht umsonst da. Wie der Baum am dürren Ort oft grün und belaubt steht wie der Baum am Bach und der Unterschied sich erst recht im Jahr der Dürre und Hitze zeigt, so verhält es sich auch mit dem Menschen. Die Weltmenschen und die Scheinfrommen können sich mit dem Laubwerk menschenfreundlicher und scheinfrommer Taten schmücken, solange die äußere Atmosphäre genügende Nahrung an sichtbarem Erfolg, Ehre und Anerkennung bietet; aber wenn es gilt, in der Hitze schwerer Anfechtung unerschütterlich fest auf Gott zu vertrauen, Unrecht zu leiden, Recht und Gerechtigkeit, Liebe und Barmherzigkeit zu üben unter Verzicht auf irdische Belohnung, auf Beifall und Ehre bei Menschen, da bleiben diese zurück. Der Mann aber, von dem der Psalm spricht, bringt Frucht – denn es ist seine Zeit. – G. T. 1882. Und seine Blätter usw. Die Bäume des Herrn sind alle immergrün. Keine Winterkälte kann sie ihres frischen Grüns berauben. Und doch sind sie, im Gegensatz zu den immergrünen Gewächsen unseres Landes, alle frucht­ tragende Bäume. Charles Haddon Spurgeon 1869.20 Unter Luthers Bild schrieben unsere Vorfahren: Seine Blätter verwelken nicht. Solches kann auch von den Büchern noch mancher anderer gott­seligen Männer, eines Arndt23, Spener24, Starcke25, Sturm26, Scriver27, oder von den Liedern eines Paul Gerhardt28 gesagt werden. Karl Heinrich Caspari.29 Diese Worte, wie sie im Geist geredet sind, musst du auch im Geist hören und verstehen, sonst wirst du eben das Widerspiel sehen. Denn die Schrift auch selbst sagt allenthalben, dass die Gottlosen blühen und es ihnen über die Maßen wohlgehe, wie solches in vielen Psalmen zu sehen ist, also dass du von den Gottlosen allein sagen möchtest: Ihre Blätter grünen stets, alles, was sie machen, das gerät ihnen wohl, und so fortan. Darum ist hier Glaubens vonnöten. Martin Luther.30 Äußerliches Wohlergehen ist lieblich, wenn es einem treuen Wandel in der Gemeinschaft mit Gott so folgt, wie die Null hinter einer Ziffer die Zahl vermehrt, obwohl sie an sich nichts ist. John Trapp.7

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