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C. PETER WAGNER

DIE GEMEINDE IN DER ARBEITSWELT


Die Gemeinde in der Arbeitswelt C. Peter Wagner © Christus für Europa / William Carey Verlag ISBN 978-3-944108-51-3 1. Auflage Juli 2014 © 2006, C. Peter Wagner Originaltitel “The Church in the Workplace” Veröffentlicht durch Regal Books from Gospel Light Bibelstellen der deutschen Version wurden in aller Regel der Elberfelder Übersetzung entnommen. Übersetzung: Markus Rapp Cover: Albrecht Fietz, Image Design Satz & Layout: Riccardo Meusel, www.buchlayout.net Titelabbildung: © Monkey Business, Fotolia Druck: CPI books GmbH Christus für Europa e.V. Berliner Straße 1 16356 Werneuchen 033398-918771 Kontakt: info@christusfuereuropa.de www.christusfuereuropa.de www.wcvshop.de


Inhaltsverzeichnis Teil 1 Eine Gemeinde, aber zwei verschiedene Formen Kapitel 1 Die Gemeinde in der Arbeitswelt

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Kapitel 2 Apostel in der Arbeitswelt

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Kapitel 3 Ăœbernehmen wir jetzt Einfluss!

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Kapitel 4 Von Armut zu Wohlstand

81

Kapitel 5 Dienste in der Arbeitswelt

115

Kapitel 6 Zwei Kulturen, zwei Regelwerke

133

Teil 2 Die zwei verschiedenen Regelwerke Einleitung: Die beiden Regelwerke

153

Regel 1

Pastoren in der Arbeitswelt

161

Regel 2

Apostel in der Arbeitswelt

171

Regel 3

Einfluss und Autorität

183

Regel 4

Zeit-Management

195

Regel 5

Verwalterschaft

207

Regel 6

Neue Formen von Gemeinde

215

Regel 7

Die Mittel und der Zweck

227

Regel 8

Schwierige Entscheidungen

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Schlussgedanken 249


Vorwort

I

ch freue mich sehr über die Herausgabe dieses wichtigen Buches von C. Peter Wagner über die weltweit stark wachsende „Glaube-in-der-Arbeitswelt“-Bewegung (Faith@WorkMovement). Die Thesen in diesem Buch sind kraftvoll und haben das Potenzial, einen Paradigmenwechsel einzuleiten und unser Denken und unser Leben radikal zu verändern. Eine der Grundthesen dieses Buches ist, dass es die Gemeinde Christi in zwei Formen gibt – als traditionelle Gemeinde, was Wagner die Nukleus-Gemeinde nennt, und als erweiterte Gemeinde in der Arbeitswelt, was die zweite Form der Gemeinde ist, die alleine die Kraft hat, soziale Transformation in unseren Städten zu bewirken. Christen sind die Ekklesia Gottes, was im Griechischen einfach das Volk Gottes meint. Dies bedeutet, dass Christen nicht nur am Sonntag im Gottesdienst oder in der Woche im Hauskreis die Gemeinde und das Volk Gottes sind, sondern auch die anderen fünf bis sechs Tage in der Woche, wenn sie in der Arbeitswelt verstreut sind. Das Volk Gottes hört nicht auf, Volk Gottes zu sein, wenn es sich in den Gesellschaftsbereichen der Wirtschaft, der Politik, des Bildungswesens, der Medien, der Kultur, der Wissenschaft bewegt, wo Gott sie hingestellt hat, um Ihn durch ihre Arbeit (= vollzeitiger Dienst) zu verherrlichen. Die Unterscheidung von Wagner für die zwei Gemeindeformen folgt dem weltweit anerkannten soziologischen Konzept der Nukleus-Familie, die aus den engsten Mitgliedern der Familie besteht, wie Vater, Mutter, Brüder und Schwestern, und der erweiterten Familie, die aus den Onkeln, Tanten, Cousins und Cousinen, Nichten und Neffen besteht. Wenn Christen sich in der Ortsgemeinde versammeln, dann sind sie die NukleusGemeinde; wenn sie sich in der Arbeitswelt versammeln, dann 5


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sind sie als das Volk Gottes die erweiterte Gemeinde, wo konfessionelle Herkunft viel weiter in den Hintergrund tritt und wo andere kulturelle Regeln gelten. Heute haben wir weltweit Erweckungs-Bewegungen (in China, in Süd-Korea, in den U.S.A., in Lateinamerika), die sich in Firmen, Fabriken, Regierungen und anderen Gesellschaftsbereichen ausbreiten. Eine der am schnellsten wachsenden Gemeindegründungs-Bewegungen weltweit, die T4T-Bewegung (T4T Jüngerschafts-ReRevolution, Buch von Ying Kai und Steve Smith, erschienen im William Carey Verlag), hat über 2 Millionen Taufen von Neubekehrten in nur 10 Jahren erlebt, und zwar in der Arbeitswelt, hauptsächlich in Fabriken und Firmen. Es gibt Anlass zu großer Hoffnung, dass sich diese Bewegung nun auch im deutschsprachigen Raum ausbreitet. Transformation von Städten und Nationen kann laut Wagner nur erfolgen, wenn wir die Mauern der Nukleus-Gemeinde überwinden, und wenn Christen überall dort anfangen, ihre Geistesgaben und Talente zum Dienst an ihren Mitmenschen zu nutzen, wo sie 90 Prozent ihrer Zeit verbringen, fünf bis sechs Tage in der Woche – in der erweiterten Gemeinde der Arbeitswelt. Ein Schlüssel für gesundes Gemeindewachstum ist „Gabenorientierter Gemeindebau“, sowohl in der Nukleus-Gemeinde als auch in der Gemeinde in der Arbeitswelt. Damit das geschehen kann, braucht es laut Wagner die Aufrichtung der göttlichen Regierung in der Nukleus-Gemeinde und in der Gemeinde in der Arbeitswelt, durch die fünf Ämter, welche viele Leiter weltweit die Regierungsgaben von Epheser 4,11 nennen, die Gott der Gemeinde gegeben hat: „Apostel, Propheten, Evangelisten, Pastoren und Lehrer.“ Wir dürfen uns nicht vor dem Wort „Regierung“ scheuen, denn es ist ein Begriff, der weltweit dort gebraucht wird, wo das Christentum explosiv und am schnellsten wächst. Wenn Städte und Nationen Regierungen haben, wie kann das Reich Gottes keine 6


Die Gemeinde in der Arbeitswelt

Regierung haben? Gott regiert! Die Frage ist nur: Durch welche Leiter und Diener übt Er Seine Regierung (Organisation) aus? Wir müssen uns ganz neu die Schlüsselfrage der Propheten aller Generationen stellen: „Was sagt der Geist den Gemeinden weltweit?“ Eine dieser Dinge ist, dass wir dazu zurückkehren müssen, den Dienst von Aposteln und Propheten anzuerkennen und freizusetzen, weil sie laut Paulus in Epheser 2,20 „die Grundlage der Gemeinde“ bilden. Die Grundlage aber kommt chronologisch zuerst. Dies bestätigt Paulus auch in 1. Korinther 12,2831, wo er die Gabenliste mit den Worten eröffnet: „Die einen hat Gott in der Gemeinde eingesetzt, erstens als Apostel, zweitens als Propheten, drittens als Lehrer, sodann (danach) Wunderkräfte, sodann Gnadengaben der Heilungen …“ Dies ist jedoch nicht als Hierarchie zu sehen, wohl aber als eine chronologische Reihenfolge, wie Gott Sein Reich baut und ausbreitet. Kann es sein, dass ein Hauptgrund, warum viele Gemeinden hierzulande nicht wachsen, darin besteht, dass sie rein pastoral aufgebaut wurden, und dass der grundlegende Dienst der Apostel und Propheten nicht zuerst für diese Generation von Gemeinden erfolgt ist? (Weltweit gibt es starke Anzeichen dafür, dass dies der Fall ist.) Der Dienst der Apostel besteht darin, die Strukturen und den göttlichen Bauplan für die Gemeinde in beiden Gemeindeformen zu legen, so dass Christen ihre Gaben entdecken und sie für den Dienst trainiert und freigesetzt werden, damit der Leib Christi harmonisch aufgebaut wird und gesund wachsen kann, wie unser physischer Leib auch. Dies muss auch für die erweiterte Gemeinde in der Arbeitswelt geschehen! Sehr wichtig ist auch Wagners Impuls als Missionswissenschaftler und langjähriger Missionar in Bolivien (bevor er Professor für Gemeindewachstum am Fuller Theologischen Seminar wurde), dass beide Formen von Gemeinde eine eigene Kultur und ein eigenes Regelwerk haben. Zwischen den beiden Kulturen der Nukleus-Gemeinde und der Gemeinde in der Arbeitswelt besteht 7


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eine große Kluft. Viele Pastoren fühlen sich daher von Geschäftsleuten oder der Arbeitswelt kulturell entfremdet und wissen nicht, wie sie damit umgehen sollen, während Christen in der Arbeitswelt sich jede Woche zwischen beiden Kulturen hin und her bewegen müssen. Ein wichtiger Beitrag dieses Buches ist daher, Christen in der Kultur und im Regelwerk beider Gemeindeformen fit zu machen und die Kluft erfolgreich zu überbrücken. Ich wünsche Ihnen nun ganz viel Freude und viele Impulse beim Lesen dieses Buches, wie Sie als Christ in der Arbeitswelt Gemeinde mit vielen anderen sein und bauen können. Schreiben Sie mir gerne Ihre Erfahrungen mit den Inhalten dieses Buches, und wie es Ihr Denken und Ihr Handeln verändert hat – info@ christusfuereuropa.de Ich freue mich, von Ihnen zu hören! Verlinken sie sich auch gerne mit mir über Facebook. Ich freue mich über den Austausch mit Ihnen! Markus Rapp Werneuchen, 13. Juli 2014

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Kapitel 1

Die Gemeinde in der Arbeitswelt

D

ies ist ein Buch über die Gemeinde in der Arbeitswelt. Ich hoffe, dass es Ihnen helfen wird zu verstehen, dass die wahre Kirche Christi, die gewöhnlich bei dem Wort Kirche nur als eine Gemeinde von Gläubigen verstanden wird, die sich an Sonntagen versammelt (sowie für andere gemeindliche Aktivitäten), sich als wahre Kirche auch in Form von verstreuten Gläubigen in der Arbeitswelt an den anderen sechs Tagen der Woche versammelt.

Die Kirche: Eine Braut und eine Armee Diese zwei Formen der einen Gemeinde zu verstehen, ist ein nötiger Startpunkt, aber es ist nicht das endgültige Ziel dieses Buches. Das Ziel ist viel breiter. Ich hoffe, dass uns diese neue Sichtweise dabei hilft, dass wir unseren Teil tun, Gott durch die Transformation der Gesellschaft zu verherrlichen. Gewiss gibt es legitime Wege, die Gemeinde als ein Ziel in sich selbst zu sehen, wie zum Beispiel die Gemeinde als die Braut Christi zu sehen. Aber es gibt auch andere ebenso legitime Sichtweisen der Gemeinde. Eine dieser Sichtweisen ist zum Beispiel, die Gemeinde als die Armee Gottes zu sehen. In diesem Szenario wird die Gemeinde zu einem Mittel für einen Zweck; sie ist kein Selbstzweck. Die Gemeinde bewegt sich hinaus auf das Schlachtfeld, und tritt gegen die Mächte des Feindes an, mit der 9


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göttlichen Aufgabe, die Herrschaft über die Gesellschaft zurückzunehmen, die Satan von Adam unrechtmäßig gestohlen hat. Dieses Buch handelt von der Sichtweise der Gemeinde auf dem Schlachtfeld. Indem ich dies sage, will ich nicht falsch verstanden werden, als würde ich die Tatsache verringern, dass die Gemeinde auch die Braut ist. Das ist sie ganz gewiss, und diese Beziehung der Gemeinde findet, bildlich gesprochen, im Schlafzimmer mit Gott statt. Intimität ist hier der Schlüssel. Dennoch hat die Gemeinde auch eine andere Funktion als Armee, und die Beziehung zu Gott findet hier nicht im Schlafzimmer, sondern im Thronraum statt. Dort gibt der göttliche Oberbefehlshaber die Aufgaben für den Kampf an die Gemeinde weiter. Der Untertitel des Buches Worship Warrior (Lobpreis-Krieger) von Chuck Pierce und Jack Dickson, verbindet die beiden Konzepte auf sehr gute Weise: „Hinaufsteigen im Lobpreis, Herabkommen im Krieg.“ Jeder Feldherr erwartet, dass seine Armee nicht nur im Krieg kämpft, sondern dass sie ihn auch gewinnt. Wenn Gott uns die Anweisung gibt, die Städte und Regionen zu transformieren, in denen wir leben, dann können wir auch erwarten, dass Er uns die nötigen Werkzeuge gibt, um Seine Pläne und Absichten auszuführen. Ich glaube, dass eines dieser Werkzeuge ein klares Verständnis der Gemeinde in der Arbeitswelt ist, und das ist der Punkt, wo dieses erste Kapitel beginnt.

Das Gesamtbild Im Buch der Offenbarung sagt Jesus mehrere Male: „Wer ein Ohr zu hören hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt“ (Offenbarung 2,7.11.17.29; 3,6; 13,22). Obwohl Christus diese Worte in Seiner Offenbarung zu dem Apostel Johannes sprach, glaube ich, dass diese Wahrheit auch heute noch anwendbar ist. Um die Bedeutsamkeit dieser Bibelstelle zu verstehen, gibt es einige Dinge, die wir beachten müssen. Erstens, ist die Zeit10


Die Gemeinde in der Arbeitswelt

form des Wortes „sagt“ in der Gegenwartsform, nicht in der Vergangenheitsform. Es gibt viele wichtige Dinge, die der Geist den Gemeinden sagte (Vergangenheit), was viele Teile der Bibel umfasst. Gleichzeitig glaube ich, dass der Heilige Geist nicht aufhörte zu reden, nachdem die Bibel geschrieben und der Kanon der Schrift festgelegt worden war. Der Geist spricht weiter, und Gottes Volk muss aufmerksam zuhören. Eltern müssen wissen, was der Geist zu ihren Familien sagt; Lehrer müssen wissen, was der Geist zu ihren Schülern sagt; Leiter von Firmen müssen wissen, was der Geist zu ihren Firmen sagt; Pastoren müssen wissen, was der Geist zu ihrer Gemeinde sagt; Christen in der Regierung der Stadt müssen wissen, was der Geist zu ihrer Stadt sagt; und so weiter. Entgegen dem, was einige Leute denken, ist es jedoch nicht die Verantwortung aller Gläubigen, nicht einmal der Pastoren, direkt von Gott zu hören, was der Geist zu den Gemeinden (Plural) sagt. Apostel sind diejenigen, denen Gott die Verantwortung gegeben hat, zu hören, was der Geist den Gemeinden sagt. Diejenigen, die apostolische Leiterschaft für eine Reihe von Gemeinden haben, müssen hören, was der Geist zu diesen Gemeinden unter ihrer apostolischen Aufsicht sagt. Ebenso müssen die Leiter, die einen breiteren horizontalen Einfluss haben, darauf hören, was der Geist auf dieser breiteren Basis sagt. Durch meine persönliche, apostolische Berufung habe ich in den letzten Jahren die Kühnheit entwickelt (ich hoffe, es ist nicht Arroganz), zu sagen, dass ich mir sehr sicher bin, dass ich ein wichtiges Wort vom Geist Gottes für den weltweiten Leib Christi gehört habe. Ich denke, dass ich nicht so kühn wäre, wenn ich der Einzige wäre, der dies hören würde, aber glücklicherweise bin ich nicht der Einzige. Eine Vielzahl anderer Leiter, die auch von Gott hört, sagt ganz ähnliche Dinge, was zusätzliche Bestätigung gibt. 11


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Was ist dieses Wort vom Geist Gottes? Soziale Transformation! In einem späteren Kapitel werde ich erklären, dass die biblische Aufgabe für die Gemeinde, in all ihren Formen, darin besteht, offensiv danach zu streben, die Herrschaft in der Gesellschaft zu übernehmen, in der wir leben. Schauen wir uns vorab einmal das Gesamtbild an, indem wir die folgende Grafik bedenken.

Soziale Transformation Die Gemeinde in der Arbeitswelt

Die Regierung der Gemeinde

Apostel der Arbeitswelt

Transfer von Wohlstand

Den Geist der Armut brechen

Soziale Transformation steht auf zwei Säulen: Die Gemeinde in der Arbeitswelt und der Transfer von Wohlstand. Ohne diese beiden Säulen werden wir niemals unsere Städte transformiert sehen. Die Säule der Gemeinde in der Arbeitswelt entfaltet sich auf der Grundlage der biblischen Regierung der Gemeinde, und die Säule des Transfers von Wohlstand entfaltet sich auf der Grundlage, den Geist der Armut zu brechen. Die beständige, dynamische Verbindung zwischen diesen beiden Säulen geschieht durch die Apostel in der Arbeitswelt. Ich bin mir dessen bewusst, dass die letzten Sätze einige Begriffe enthalten, die vielen Lesern noch unbekannt sind. Darum will ich jedes dieser Elemente der Grafik im Verlauf dieses Buches detailliert erklären, so dass es am Ende sehr klar wird. Wenn ich diese Absicht erfüllen kann, dann glaube ich, dass wir 12


Die Gemeinde in der Arbeitswelt

gemeinsam etwas sehr Wichtiges hören werden, was der Geist den Gemeinden in dieser Stunde sagt.

Ein wichtiger Paradigmenwechsel Was ich vorschlage, ist nicht eine kleine Änderung dessen, was wir traditionell bereits gedacht haben. Es ist eine grundlegende Veränderung, die seit einiger Zeit am Entstehen ist. Ich kann sagen, dass es eine radikale Veränderung in meinem eigenen Denken erfordert hat. Schon einige Jahre war ich mir der Lehre über den Dienst in der Arbeitswelt bewusst, und ich hatte eine positive Haltung dazu. Aber ich hatte entschieden, mich damit nicht näher zu befassen, sondern andere diesen Ball aufgreifen zu lassen, während ich mich weiterhin mit den Dingen beschäftigte, die ich als wichtigere Dinge ansah. Die Veränderung begann, als meine Freunde Dennis und Megan Doyle aus Minneapolis mich im Juni 2001 einluden, bei einer Versammlung von Nehemiah-Partner zu sprechen, einem Dienst in der Arbeitswelt. Meine erste Reaktion war, diese Einladung höflich abzusagen, aber Gott überraschte mich mit einem klaren Wort, indem Er sagte: „Mein Sohn, ich will, dass du deine Aufmerksamkeit der Gemeinde in der Arbeitswelt widmest.“ Von dem Moment an war es nicht länger eine Frage meiner eigenen Wahl, sondern es war eine Frage des Gehorsams. So bereitete ich eine Rede für Jeremiah-Partner vor. Der Inhalt der Rede war nicht besonders bemerkenswert, aber das Ereignis war es. Es war der Beginn meines Paradigmenwechsels (Veränderung in der Sicht- und Denkweise). Zu dem Zeitpunkt begann ich Dinge über die Gläubigen in der Arbeitswelt zu sehen, die ich nie zuvor gesehen hatte. Da ich nicht viel über dieses neue Aufgabengebiet wusste, das Gott mir anvertraut hatte, fing ich wie ein professioneller Gelehrter damit an, was Gelehrte gewöhnlich tun. Ich begann, 13


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alle Bücher zu kaufen und zu lesen, die ich über das Thema finden konnte. Zum Zeitpunkt, wo ich dieses Buch schreibe, habe ich bereits über 100 Bücher der Glaube-in-der-Arbeit-Bewegung (Faith-at-Work Movement) gekauft und gelesen. Ich bin erstaunt darüber, wie viel der Heilige Geist so vielen verschiedenen Leuten über die enorme Kraft der sozialen Transformation offenbart hat, die in der Gemeinde in der Arbeitswelt vorhanden ist. Was ist ein Paradigmenwechsel? Ein Paradigma ist einfach ein gedankliches Muster, durch das wir bestimmte Aspekte der Realität interpretieren, auf die wir aufmerksam werden. Wir alle wissen, dass zwei Menschen ganz unterschiedliche Schlussfolgerungen ziehen können, nachdem sie dieselben Fakten betrachtet haben. Der Grund dafür ist, weil sie verschiedene Paradigmen haben. Darum umfasst ein Paradigmenwechsel Veränderungen in unseren gedanklichen Mustern. Dies wird für die meisten von uns notwendig sein, wenn wir beginnen wollen, darauf zu hören, was der Geist über verschiedene Elemente der sozialen Transformations-Grafik sagen will. Beachten Sie, weil ein Paradigma ein gedanklicher Filter ist, ist die zentrale Frage, wie wir denken. Das ist es, was Paulus im Sinn hatte, als er in Römer 12,2 schrieb: „Seid nicht gleichförmig dieser Welt, sondern werdet verwandelt durch die Erneuerung eures Sinnes (Denkens).“ Einige wichtige Dinge im Leben erfordern eine Veränderung des Herzens. Aber ein Paradigmenwechsel erfordert eine Veränderung des Denkens. Wir können transformiert werden, wenn wir anfangen auf die richtige Weise zu denken.

Was geschieht in einem Paradigmenwechsel? Was geschieht in einem Paradigmenwechsel? Wir werden unvermeidlich aus unserer Komfortzone gezogen. Wir beginnen zu erkennen, dass wir einige Veränderungen vornehmen müssen, 14


Die Gemeinde in der Arbeitswelt

wie wir seit langer Zeit gedacht haben. Das fällt einigen leichter als anderen. Die Sozialwissenschaften haben dies studiert, und sind zu folgendem Ergebnis gelangt: Wann immer eine neue Innovation eingeführt wird, dann akzeptieren einige Individuen die Innovation früh, einige akzeptieren sie in der mittleren Phase, andere in der späten Phase, und andere sind die ewigen Zauderer, die die Innovation niemals annehmen werden. Um es mit anderen Worten zu sagen: Einige Leute befinden sich am Anfang der Innovations-Kurve, während andere sich hinter der Kurve platzieren und alles an sich vorbeigehen lassen. Die Vorstellung, dass das Volk Gottes in der Arbeitswelt tatsächlich eine legitime Form der Gemeinde darstellt, ist für die meisten Leute eine bedeutsame Innovation. Aus diesem Grund sollten wir nicht überrascht sein, wenn wir in eine Phase des Dialogs, des Austausches und sogar hitziger Diskussionen über dieses Thema kommen. Wir erleben hierbei einige Konflikte, weil viele Leiter an die Grenzen ihrer Komfortzone geraten. Obwohl dies wahr ist, wird schließlich eine große Veränderung im Denken über die Kirche in der Arbeitswelt stattfinden. Warum sage ich dies? Weil dies, wie ich bereits erwähnt habe, eines der Dinge ist, die Gott gegenwärtig den Gemeinden sagt. Wie lange wird diese Veränderung dauern? Wer kann das wissen? Die Sonntags-Schulbewegung (ein ebenso radikaler Paradigmenwechsel vor etwa 200 Jahren) brauchte mindestens eine ganze Generation um in der Kirche auf breiter Basis anerkannt zu werden. Ich glaube nicht, dass es genauso lange für die Kirche in der Arbeitswelt dauern wird, um anerkannt zu werden, aber es wird auch nicht über Nacht geschehen.

Das Reich Gottes Um eine Denkweise zu entwickeln, die positiv für die Tatsache ausgeschlossen ist, dass die Gemeinde in der Arbeitswelt existiert, genauso wie sie in Form von Ortsgemeinden existiert, 15


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die sich Sonntags oder während der Woche trifft, ist es wesentlich, die praktische Bedeutung des Begriffes „das Reich Gottes“ zu verstehen. Gewiss kennt jeder Bibelleser diese Formulierung, aber viele haben noch nicht die bereitere Bedeutung und praktische Dimension dieser Realität erkannt. Myles Monroe berichtet aus seiner Erfahrung: „Ich habe einen Abschluss in Theologie, aber es gab nicht eine Klasse über das Reich Gottes. Ich las die vier Evangelien, und es war das einzige, was Jesus gepredigt hat. Das war für mich ein seltsamer Widerspruch. Der Geist Gottes spricht seit vielen Jahren über das Reich Gottes, aber jetzt hören wir Ihm endlich zu. Das finde ich aufregend. Wir werden die wahre Auswirkung des Reiches Gottes in unserer Mitte erleben, wenn wir weiter darüber predigen.“ Ein Grund, warum viele nicht zugehört haben, wie Myles Monroe beklagt, ist, weil sie meinen, dass die Gemeinde und das Reich Gottes ein und dieselbe Sache sind. Andere glauben, dass die Gemeinde jetzt hier ist, während das Reich Gottes erst kommt, nachdem der Herr wiederkommt. Beide dieser Vorstellungen sind oft unter Gläubigen anzutreffen, aber beide sind falsch. Wenn wir an einer dieser Sichtweisen festhalten, dann werden wir nicht in der Lage sein, unser Paradigma zu verändern und mit der gegenwärtigen Bewegung des Heiligen Geistes zu kooperieren. Das Reich Gottes ist nicht auf die vier Mauern der Ortsgemeinde begrenzt. Das war es nie. Es ist viel breiter als das. Wo ist also das Reich Gottes? Wie könnten wir es identifizieren? Erst einmal, müssen wir beachten, dass das Reich Gottes nicht ein Reich dieser Welt ist. Es hat keine geographischen Grenzen. Er stellt keine Pässe aus. Es kann nicht den Vereinten Nationen beitreten. 16


Die Gemeinde in der Arbeitswelt

Dennoch ist das Reich Gottes nicht einfach eine Metapher oder ein Bild oder eine Redewendung. Es ist greifbar. Es ist nicht etwas, worauf wir warten. Es existiert hier und jetzt auf der Erde. Das Reich Gottes ist überall dort zu finden, wo Individuen Jesus Christus als ihren König erheben. Sie erkennen an, dass Jesus der König der Könige und der Herr der Herren ist, dem alle Loyalität und Gehorsam gebühren. Das ist es, was Jesus meinte, als Er sagte: „Das Reich Gottes ist unter euch“ (Lukas 17,21).

Dein Reich komme Es ist Gottes Verlangen, dass die Werte, die Segnungen und der Wohlstand des Reiches Gottes alle Gesellschaftsbereiche durchdringen. Dies war ein Hauptgedanke von Jesus, als Er auf der Erde war. Denken wir zum Beispiel daran, was Jesus zu Seinen Jüngern sagte, als sie Ihn baten, sie über Gebet zu lehren. Er antwortete auf Ihre Frage mit dem, was wir heute das Vaterunser nennen. Es ist interessant, dass Jesus Seinen Jüngern dieses Gebet nicht nur einmal gab, sondern zweimal. Die zwei Stellen sind in Matthäus und Lukas, und liegen etwa eineinhalb Jahre auseinander. Beide Male lehrte Jesus sie zu beten: „Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auch auf Erden“ (Matthäus 6,10; Lukas 11,2). Die einzige Weise, wie unsere Gesellschaft und die Städte, in denen wir leben, von den Werten des Reiches Gottes beeinflusst werden, ist durch Gläubige wie Sie und mich. Das Reich Gottes ist in uns, und wir sind dafür verantwortlich, es dort auszubreiten, wo wir leben und dienen. Wie ich bereits gesagt habe, ist der göttliche Auftrag für die Gemeinde nichts weniger, als die Gesellschaft zu transformieren. Wir können dies natürlich nicht alleine tun. Wir brauchen einander, genau wie jedes Mitglied des Leibes die anderen Glieder braucht, um auf optimale Weise zu funktionieren. Das ist der Grund, warum wir der Leib Christi genannt werden. 17


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Im Großen und Ganzen, sind wir als der Leib Christi recht gut miteinander in unseren Ortsgemeinden verknüpft. Wir haben auch gute Fortschritte gemacht, um die Einheit unter Pastoren und Gemeinden in unseren Städten zu fördern. Aber wir sind bisher schwach darin gewesen, uns mit der Gemeinde in der Arbeitswelt zu verknüpfen, wo der Großteil der Gläubigen die Woche über aktiv ist.

Die Kirche und die Welt Einer der Gründe für diese Schwäche besteht darin, dass eine verbreitete Denkweise des alten Paradigmas darin besteht, dass die Welt unser Feind ist. Gewiss nutzt Satan die Welt und das Fleisch, um uns auf jede erdenkliche Weise zu bekämpfen. Dennoch sollten wir dies nicht als eine Entschuldigung ansehen, uns aus der Welt zurückzuziehen. Jesus sagte, dass wir in der Welt sein sollten, aber nicht von der Welt (siehe Johannes 17,13-14). Das ist der Grund, warum wir unsere Gedanken erneuern müssen, und die Ortsgemeinden nicht länger als etwas Gegensätzliches zur Arbeitswelt ansehen sollten. Glücklicher Weise verändert sich diese Sichtweise. Viel Literatur, die in letzten Jahren geschrieben wurde, lehrt Christen, wie wir uns auf positive Weise der Welt gegenüber verhalten sollen, und eine zunehmende Zahl von Gläubigen stimmt damit überein, dass es ihre Verantwortung ist, in der Arbeitswelt zu dienen. Mir gefällt die Weise, wie Jack Graham, Pastor der Prestonwood Baptisten Gemeinde in Dallas, Texas es ausdrückt: „Erweckung wird kommen, wenn wir die Mauern zwischen der Kirche und der Gesellschaft fallen lassen.“ In den 90-er Jahren wandten viele Kirchenleiter diese Denkweise mit großem Erfolg auf die weltweite Gebetsbewegung an. Heute sehe ich jedoch, dass wir dies genauso auf den apostoli18


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schen Dienst in unserem neuen Jahrtausend anwenden müssen. Der offensichtliche Grund dafür ist, weil Gottes Volk die meiste Zeit ihres Lebens draußen in der Welt ist. Stellen Sie sich dies wie folgt vor: Gläubige leben in der Arbeitswelt; aber sie besuchen ihre Ortsgemeinden nur ein- oder zweimal die Woche. Mir ist klar, dass einige Leute Probleme mit solch einem Gedanken haben. Und ich glaube, dass ich mir den Hauptgrund dafür vorstellen kann. Der Grund ist, weil wir besonders in der westlichen Welt mit einer Denkweise erzogen wurden, die durch das griechische (oder griechisch-römische) Denken geprägt wurde. Dies ist sehr wichtig zu verstehen, und darum will ich hier kurz erklären, was ich damit meine.

Die griechische Denkweise des Dualismus Die meisten von uns, die in Amerika oder in Westeuropa oder in der westlichen Welt aufgewachsen sind, haben ihre Denkweise zu einem Großteil durch die griechische Philosophie geprägt bekommen. Wir haben vielleicht nicht viel Philosophie in der Schule studiert, dennoch ist der Name Platon und die Tatsache, dass er viel Einfluss auf die Weise hatte, wie wir denken, allgemein bekannt. Natürlich war Platon nicht der einzige griechische Philosoph, der die westliche Zivilisation beeinflusst hat, aber er ist der berühmteste. Platon ist in der Geschichte als der Hauptvertreter des Dualismus anerkannt. Gemäß seiner Philosophie ist die Welt in zwei Ebenen unterteilt. John Beckett, ein Geschäftsmann und einer der Hauptleiter der heutigen Bewegung der Gemeinde in der Arbeitswelt, beschreibt diese Ebenen in seinem Buch Loving Monday: „Platon versuchte unveränderliche universale Wahrheiten zu identifizieren, die er in zwei unterscheidbare Bereiche einordnete. Die obere Ebene nannte er Formen, was die 19


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ewigen Ideen sind. Die niedrigere Ebene nannte er Materie. Die niedrigere Ebene war das Zeitliche und Physische. Das Hauptinteresse von Platon lag in den höheren Formen. Er sah diese Formen dem Zeitlichen und der unvollkommenen Welt der Materie als überlegen an.“ Beckett, dessen Zweck mit seinem Buch ist, uns erkennen zu helfen, dass die Arbeit, die die meisten Gläubigen zwischen den beiden Sonntagen tun, eine wertvolle Form des christlichen Dienstes ist. Er schreibt weiter: „Das Problem wird klar, wenn wir sehen, wo Platon Arbeit und Beruf einordnete. Wo ordnete er sie ein? In dem niedrigeren Bereich!“ Warum war dies ein großes Hindernis dafür, den Wert der Gemeinde in der Arbeitswelt auf rechte Weise zu schätzen? Hier folgt ein Zitat von Dennis Peacock, einem sehr anerkannten christlichen Leiter der Arbeitswelt: „Dualismus hat die evangelikale Christenheit auf schmerzliche Weise verunreinigt. Die Arbeitswelt wurde als fleischlich angesehen, weil sie sich mit irdischen Dingen, wie Wirtschaft und Geld beschäftigt. Der weltliche Bereich der Wirtschaft wurde, wie die Politik, als eine Art neutrale Zone angesehen, wo das Christentum nicht wirklich einen Platz hat, um das System der Wirtschaft, der Produktion, des Managements oder der Vermarktung zu beeinflussen. Daher war kein christlicher Dienst in diesem Bereich denkbar und möglich.“ Woher nahmen die griechischen Philosophen ihre Information? Von menschlichen Ideen. Sie glaubten, dass die Menschheit das Höchste ist. Darum nennt sich ihre Philosophie auch Humanismus oder säkularer Humanismus.

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Die Gemeinde in der Arbeitswelt

Die hebräische Denkweise von Einheit Die biblische Denkweise, die hebräische Denkweise, das Leben zu verstehen, ist völlig anders, als die Denkweise Platos. Menschen sind nicht das Höchste oder das Zentrum der hebräischen Weltsicht, sondern Gott. Die Wahrheit kommt nicht durch die menschliche Vernunft; sie kommt durch göttliche Offenbarung. Für die Hebräer ist die obere Ebene der Welt Gott; der ganze Rest, dass Sichtbare und das Unsichtbare, ist unter Gott. James Thwaites erklärt es auf diese Weise: „Die platonische Philosophie glaubt, dass es einen geistlichen Bereich gibt, der getrennt und verschieden ist vom natürlichen und geschaffenen Bereich. Die Hebräer auf der anderen Seite, sahen die göttliche Gegenwart und das Wort, in allen Dingen der ganzen Schöpfung gegenwärtig. Die Hebräer sahen den Himmel Gottes und Seinen Thron über ihr ganzes Leben und ihre Arbeit in diesem Zeitalter erhöht.“ Mit anderen Worten, während Platon die Arbeit als etwas Getrenntes und Minderwertiges von der Reinheit des geistlichen Bereiches ansah, sahen die Hebräer sowohl das Geistliche und das Natürliche (einschließlich der Arbeit) als einen einheitlichen Bereich unter der Hand Gottes. Aus der hebräischen Perspektive können wir daher die Schlussfolgerung ableiten, dass unsere Arbeit eine Form des Dienstes ist. Sie ist genauso heilig, wie das Singen im Kirchenchor. Mir ist bewusst, dass manche damit Probleme haben, diese Sicht sofort zu akzeptieren, weil wir mit der griechischen Denkweise programmiert wurden. Aber je mehr wir unser Paradigma zur hebräischen Denkweise wechseln, umso besser werden wir die Gemeinde in der Arbeitswelt verstehen können. 21


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Die Nukleus-Gemeinde und die erweiterte Gemeinde Bis hierhin habe ich mehrfach bestätigt, dass es eine Gemeinde in der Arbeitswelt gibt, aber ich habe diese Frage noch nicht von biblischer Perspektive beleuchtet. Das biblische Wort, das wir mit dem Begriff Gemeinde übersetzen, ist das griechische Wort ekklesia. Die Bedeutung der Wurzel von ekklesia ist im Griechischen einfach „das Volk Gottes“. Das Neue Testament gebraucht dieses Wort auf zweierlei Weise. Manchmal bezieht es sich auf das Volk Gottes, das in Gemeinden versammelt ist. Dies ist unsere traditionelle Sicht der Ortsgemeinde. Andere Male beschreibt es die Gläubigen im Allgemeinen, wo immer sie sich gerade befinden. Beide sind die wahre Gemeinde. David Oliver und James Thwaites geben uns eine hilfreiche Beschreibung dieser beiden Formen der Gemeinde in ihrem Buch Church that Works. Sie schreiben: „Unsere Theologie der Gemeinde hat dazu geführt, dass wir den Versammlungs-Aspekt betonen, aber andere Bedeutungen des Wortes ekklesia vernachlässigen. Zum Beispiel wird das Wort ekklesia im Epheserbrief nicht in Beziehung zur Versammlung gebraucht. Gewiss sind die Versammlungen der Gläubigen in den Häusern auch die Versammlung der Gemeinde, aber wir müssen verstehen, dass es nicht das Versammeln ist, was sie zur Gemeinde macht. Die Gläubigen sind die Gemeinde, und daher versammeln sie sich als Gemeinde, wann und wo immer sie sich versammeln.“ Wir müssen somit zustimmen, dass die Gemeinde zwei Formen hat. Eine Form ist die Versammlung der Gläubigen in Ortsgemeinden an Sonntagen. Die andere Form der Gemeinde ist der verstreute Leib von Gläubigen an ihren Arbeitsplätzen 22


Die Gemeinde in der Arbeitswelt

während der anderen sechs Tage der Woche. Es sind dieselben Leute, nämlich das Volk Gottes. Aus hebräischer Perspektive sind sie die eine Gemeinde, die in Harmonie lebt, und die in keinem Wettbewerb miteinander stehen. Allerdings funktioniert die versammelte Ortsgemeinde auf eine ganz andere Weise, als die verstreute Gemeinde in der Arbeitswelt. Es ist wie bei einem Fußball-Team, das sich auf eine Weise auf dem Spielfeld verhält, und auf eine ganz andere Weise in den Mannschaftsräumen. Aber ich werde die funktionalen Unterschiede dieser beiden Gemeindeformen noch in späteren Kapiteln erklären. Was sind die besten Begriffe, um diese beiden Formen von Gemeinde zu beschreiben? Meiner Ansicht nach reflektieren die Begriffspaare „Kirche und Welt“, „Kirche und Arbeitswelt“, „Priester und Könige“, „Gemeinde und Reich Gottes“, sowie „Kanzel und Arbeitswelt“, alle auf die eine oder andere Weise die griechische Denkweise. Sie halten an der Unterscheidung des Säkularen und des Weltlichen fest, obwohl beide Formen in Wirklichkeit die eine Gemeinde sind. Mir gefällt die Formulierung „versammelte Gemeinde und verstreute Gemeinde“ besser, weil diese Begriffe klar aufzeigen, dass beide Formen die Gemeinde sind. Aber ich bin zu dem Schluss gekommen, dass die beste Terminologie von allen ist, von der Nukleus-Gemeinde und der erweiterten Gemeinde zu sprechen, was von dem weithin akzeptierten soziologischen Konzept der Nukleus-Familie und der erweiterten Familie abgeleitet ist. Soziologisch betrachtet, besteht die Nukleus-Familie aus Vater, Mutter und Kindern, und denjenigen, die unter demselben Dach leben. Die erweiterte Familie besteht aus den Großeltern, Enkelkindern, den Schwiegereltern, den Tanten und Onkeln, den Cousins und Cousinen, und so weiter. Beide sind die Familie, aber sie sind verschiedene Formen derselben Familie. Um dieser Analogie zu folgen, habe ich den Begriff der erweiterten Gemeinde gewählt, um mich auf die Gemeinde in der Arbeitswelt zu beziehen. 23


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Dienst in der erweiterten Gemeinde Bis vor kurzem hatte ich noch eine so traditionelle Sichtweise, dass ich in einigen meiner Bücher schrieb, dass aller wahre Dienst in der Ortsgemeinde oder aus ihr heraus geschehen muss. Ich hatte die Vorstellung, dass die ganze Gemeinde nur aus der Nukleus-Gemeinde besteht. Mir war nie in den Sinn gekommen, dass es noch eine andere Form der wahren Gemeinde geben könnte, nämlich die erweiterte Gemeinde in der Arbeitswelt. Ich ging sogar soweit, zu lehren, dass Geistesgaben uns nur für die Ortsgemeinde (die Nukleus-Gemeinde) gegeben wurden. Ich erwähne dies, um mein Verständnis denen gegenüber zum Ausdruck zu bringen, die noch nicht durch diesen Paradigmenwechsel gegangen sind, den ich in diesem Buch vorschlage. Wenn Sie zu diesen Personen gehören, dann seien Sie vergewissert, dass ich verstehe, woher Sie kommen. Aber ich will Sie auch ermutigen, damit zu beginnen, Ihre Vorstellung von Gemeinde und von Dienst zu erweitern. Lassen Sie uns in der Gegenwart leben, nicht in der Vergangenheit. Was Gottes Volk (die Ekklesia) in der erweiterten Gemeinde tut, kann genauso als Dienst angesehen werden, wie das Leiten einer Kleingruppe, das Lehren der Sonntagschule, das Begrüßen von Leuten in der Gemeinde am Sonntag, das Beten für die Kranken nach dem Gottesdienst, oder der pastorale Dienst in der Gemeinde. Ich werde darauf noch detaillierter in diesem Buch eingehen, aber ich will diesen Teil mit einem Gedanken beschließen, der für viele neu ist, der aber für den Übergang in die neue Sichtweise von Gemeinde wichtig ist, nämlich das Arbeit heilig ist.

Arbeit ist heilig Ich habe bereits dargelegt, dass wir mehr wie die Hebräer denken sollten. Arbeit ist ein Teil von Gottes ursprünglichem Plan für die Menschheit. Als Gott Adam und Eva gemäß 1. Moses 24


Die Gemeinde in der Arbeitswelt

2,15 in den Garten Eden setzte, da beauftragte er sie, den Garten zu bewirtschaften. Das ist eine völlig andere Denkweise, als die Lehre von Platon, dass Arbeit ein Teil des physischen Bereiches sei, der gegenüber dem geistlichen Bereich minderwertig ist. Arbeit ist von Gott; sie ist genauso geistlich oder heilig wie jeder andere Teil von Gottes ursprünglicher Schöpfung. Mir gefällt die Weise, wie Robert Tamasy dies erklärt: „Arbeit ist heilig. Sie wurde von Gott schon am Anfang geschaffen, noch vor dem Sündenfall des Menschen. Nach dem Fall wurde sie schwieriger, frustrierender, erschöpfender, manchmal sogar langweilig. Aber Arbeit, die mit Exzellenz und Integrität getan wird, gefällt immer noch Gott, und ist eine Weise Ihn zu ehren, indem wir auf die einmalige Weise dienen, wie Er uns gemacht hat.“ Wir wollen dies noch ein wenig stärker formulieren. Arbeit kann auch als eine Form von Anbetung angesehen werden. Ich weiß, dass einige Leser jetzt denken, dass ich ein wenig zu weit gehe, aber bedenken Sie einmal, was Mark Greene dazu sagt: „Arbeit wurde von Gott geschaffen. Und sie sollte Gott geweiht werden. … Das hebräische Wort für Arbeit ist avodah, was dasselbe Wort für Anbetung ist. Das Wort Dienst bringt dies am besten zum Ausdruck. Arbeit ist eine Form von Dienst für Gott und Menschen. Und obwohl ich vielleicht meinen Job verlieren würde, wenn ich eine Theologie allein auf der Grundlage dieser Beobachtung aufbauen würde, können wir auch an anderen Stellen der Bibel sehen, dass Arbeit ein Teil von allem ist, was wir tun, um Gott zu verherrlichen. Für Gott ist Arbeit ein Teil unserer Anbetung. Es ist ein Teil unseres Dienstes für Ihn.“

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C. Peter Wagner

Kürzlich sang ich ein Lied von Matt Redman in der Gemeinde, mit dem Titel, Let everything that has breath praise the Lord (Alles was Atem hat, preise den Herrn). Als ich zu der Zeile kam, Ich werde dich mit jedem Atem preisen, da dachte ich über die Schlussfolgerung hinter dieser Strophe nach. Ein Teil unserer Anbetung ist zweifelsohne, solche Lieder am Sonntag in der Gemeinde zu singen. Aber dies ist nicht alles, was Lobpreis ist. Wenn wir wirklich glauben, dass wir Gott mit jedem Atemzug loben können, bedeutet das dann nicht auch, dass wir Gott mit jedem Atemzug während unserer Arbeit preisen? Ich erinnere, wie erleichtert ich war, als der Heilige Geist mir diesen Gedanken gab. Warum? Ganz einfach, weil ich, um ehrlich zu sein, viel mehr Freude daran habe zu arbeiten, als zu singen. Und es gibt mir auch Grund zur Hoffnung, dass es Arbeit im Himmel geben wird, neben den Zeiten, wo wir neue Lieder singen werden, während wir um den Thron des Lammes versammelt sind. Der Gedanke, dass wir die ganze Ewigkeit damit verbringen, herumzusitzen und eine Harfe zu spielen, hat mich noch nie wirklich begeistern können. Mir gefällt die Weise, wie Gregory Pierce dies in seinem Buch Spirituality@Work zusammenfasst: „Die Spiritualität bei der Arbeit ist der disziplinierte Versuch, uns selbst und unsere Umgebung mit Gott in Einklang zu bringen, und Gottes Geist durch alle unsere Handlungen (bezahlt und unbezahlt) in der Welt einzuladen, damit die Welt zu einem besseren Ort wird, ein wenig mehr, wie Gott die Dinge haben will.“ Ja, da ist eine Gemeinde in der Arbeitswelt – wir sind diese Gemeinde – und das, was wir in der Arbeitswelt tun, ist genauso sehr Dienst, Dienst für Gott und sogar Lobpreis, wie das, was wir an Sonntagen in unserer Ortsgemeinde tun. 26


Die Gemeinde in der Arbeitswelt

Fragen zur Vertiefung 1. Stimmen Sie zu, dass es zwei Formen von Gemeinde gibt, die Nukleus-Gemeinde und die erweiterte Gemeinde in der Arbeitswelt? Warum oder warum nicht?

2. Was sagen Sie zu Peter Wagners These, dass die Gemeinde in der Arbeitswelt unentbehrlich ist, wenn wir soziale Transformation erleben wollen?

3. Inwieweit ist aus Ihrer Sicht das Reich Gottes viel weiter und breiter als die traditionelle Gemeinde?

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C. Peter Wagner

4. Stimmen Sie zu, dass wir als Christen die Herrschaft in der Gesellschaft anstreben sollen? Warum oder warum nicht?

5. Inwieweit hindert die griechische Denkweise des Dualismus, zwischen „Geistlichem“ und „Weltlichem“ zu unterscheiden, die Transformation der Gesellschaft?

6. Wie kann das Verständnis des Begriffes „Ekklesia“ (Volk Gottes) Ihre Denk- und Lebensweise verändern?

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Die Gemeinde in der Arbeitswelt

7. Welche Auswirkung hat der Wechsel von der griechischen zur hebräischen Denkweise, dass alle Bereiche des Lebens „heilig“ und eins unter Gott sein sollen?

8. Welche Auswirkung hat es, dass Arbeit gemäß dem hebräischen Wort „avodah“, auch Anbetung von Gott sein soll?

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Kapitel 2

Apostel in der Arbeitswelt

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ie Gemeinde ist, wie wir sicher alle zustimmen, keine menschliche Institution. Die Gemeinde wurde durch den ewigen Gott geschaffen, und von Jesus Christus gegründet, als Er auf die Erde kam. Dies ist ein sehr wichtiger Ausgangspunkt, weil während der ganzen Geschichte, kirchliche Leiter Schritt für Schritt sehr radikal von Gottes Plan abgewichen sind. In diesem Kapitel will ich Gottes Plan für die Gemeinde darlegen.

Der Plan für den Bau der Gemeinde In Matthäus 16 erwähnt Jesus zum ersten Mal die Gemeinde gegenüber Seinen Jüngern. Zu diesem Zeitpunkt war Er bereits eineinhalb Jahren mit ihnen zusammen gewesen. Es brauchte diese Zeit für die Jünger, völlig davon überzeugt zu werden, dass Jesus tatsächlich der Messias des jüdischen Volkes war, auf den sie gewartet hatten. Petrus drückte dies stellvertretend für die Gruppe aus, als er zu Jesus sagte: „Du bist der Christus (in Hebräisch, der Messias), der Sohn des lebendigen Gottes“ (Matthäus 16,16). Als Antwort darauf sagte Jesus: „Auf diesen Felsen werde Ich meine Gemeinde bauen“ (Vers 18). Dies war das erste Mal, dass Jesus das Wort „Gemeinde“ erwähnte. Endlich konnte Er ihnen mitteilen, warum Er auf die Erde gekommen war, weil sie jetzt mit Gewissheit erkannt hatten, wer Er war. Jesus erklärte ihnen nicht nur, dass Er gekommen war, um Seine Gemeinde hier auf der Erde zu bauen, sondern auch, wie 31


C. Peter Wagner

sie gebaut werden würde. Als Er zum ersten Mal Seine künftige Rolle offenbarte, da brachte es die Jünger ganz schön aus der Fassung. Sie hatten angenommen, dass Jesus für immer bei ihnen bleiben würde, und dass Er sie als ein Team leiten würde, um die Gemeinde zu bauen. Aber das würde nicht so sein. An demselben Tag, als Jesus Seinen Jüngern sagte, dass Er gekommen sei, um Seine Gemeinde zu bauen, offenbarte Er ihnen auch, dass Er sie bald verlassen würde. Dies deutete sofort darauf hin, dass sie selbst die Gemeinde bauen würden. Petrus gefiel diese Vorstellung überhaupt nicht, und darum beging er den schweren Fehler, in ein Streitgespräch mit dem Meister zu geraten. Der Grund, warum wir annehmen können, dass es ein ganz schöner Ausraster war, ist, weil Jesus die stärkste Form von Sprache benutzte, um Petrus zu korrigieren: „Weiche hinter mich, Satan!“ (Matthäus 16,23). Später, als Dinge sich beruhigt hatten, erklärte Jesus Seinen Jüngern, warum Er sie verlassen würde, und warum dies zu ihrem Vorteil sein würde: „Es ist euch nützlich, dass Ich weggehe, denn wenn Ich nicht weggehe, wird der Beistand (oder Helfer) nicht zu euch kommen; wenn Ich aber hingehe, dann werde ich Ihn zu euch senden“ (Johannes 16,7). Der Helfer ist natürlich der Heilige Geist. Dies ist eine der wichtigsten theologischen Aussagen, die viele nicht so klar gesehen haben, wie es sich gebührt: Für den Zweck des Baus der Gemeinde ist die direkte Gegenwart der dritten Person der Trinität wichtiger als die direkte Gegenwart der zweiten Person der Trinität.

Kraft aus der Höhe Das ist der Grund, warum Jesus Seinen Jüngern sagte, als Er sie verließ, dass sie nicht sofort hinausgehen und anfangen sollten zu evangelisieren. Obwohl sie drei Jahre des besten Trainings vom Meister selbst empfangen hatten, waren sie noch nicht bereit 32


Die Gemeinde in der Arbeitswelt

dafür, die Gemeinde zu bauen. Das Erste, was sie tun sollten, war „in der Stadt Jerusalem zu bleiben, bis sie angetan wurden mit der Kraft aus der Höhe“ (Lukas 24,49). Ohne die Kraft des Heiligen Geistes würde selbst ihr bester Einsatz, trotz ihres hervorragenden Trainings, fruchtlos sein. Jesus wiederholte diese Tatsache sogar noch einmal in Seinen letzten Worten, die Er auf der Erde sprach. Nachdem Er gekreuzigt und von den Toten auferstanden war, verbrachte Er weitere 40 Tage mit Seinen Jüngern. Die letzte Sache, die Er zu ihnen sagte, war: „Ihr werdet Kraft empfangen, wenn der Heilige Geist auf euch gekommen ist; und ihr werdet meine Zeugen sein, sowohl in Jerusalem, als auch in ganz Judäa und Samaria und bis an das Ende der Erde“ (Apostelgeschichte 1,8). Sofort danach wurde Er in den Wolken aufgenommen und war verschwunden. Jetzt befindet Er sich zur rechten Hand des Vaters, und leistet Fürbitte für diejenigen von uns, die Er auf der Erde zurückgelassen hat, um Seine Gemeinde zu bauen. Glücklicherweise gehorchten die Jünger dem Befehl von Jesus und gingen nach Jerusalem, wo sie den Heiligen Geist am Pfingsttag empfinden. Jesu Jünger, bevollmächtigt durch den Heiligen Geist, haben seither in jeder Generation Seine Gemeinde gebaut.

Die Regierung der Gemeinde Aber das war nicht alles, was an dem Tag geschah, als Jesus in den Himmel auffuhr. Jesus offenbarte auch die Regierung der Gemeinde, die Er eingesetzt hatte. Da die Gemeinde keine menschliche Institution ist, sondern eine göttlich gegründete Institution, ist es wichtig, dass wir das verstehen und im Glauben annehmen, was Jesus über sie gesagt hat. Wir erhalten diese wichtigen Details nicht aus der Apostelgeschichte, sondern durch das, was Gott dem Apostel Paulus in Seinen Briefen offenbart hat, zum Beispiel an die Gemeinde in Ephesus. 33


C. Peter Wagner

Paulus nimmt uns zurück zur Auferstehung Christi am Himmelfahrtstag, indem er schreibt: „Darum heißt es: Hinaufgestiegen in die Höhe, hat Er Gefangene gefangen geführt und den Menschen Gaben gegeben“ (Epheser 4,8). An dem Tag, als Jesus in den Himmel auffuhr, da hinterließ Er Männer und Frauen, die Seine Jünger geworden waren, und denen Er Geistesgaben verliehen hatte. Sie waren diejenigen, die Ihn von da an in der Welt repräsentieren würden, als der Leib Christi, und durch die Jesus Seine Gemeinde bauen würde, wie Er es gesagt hat. Paulus sagt uns weiter, dass Jesus diese begabten Männer und Frauen der Gemeinde gegeben hat, um auf zwei Ebenen zu arbeiten. Wir wollen diese Ebenen die Regierungs-Ebene und die DienstEbene nennen, mangels besserer Begriffe. Paulus beschreibt, wie Christus die Regierungs-Ebene aufrichtet und einsetzt: „Er hat die einen als Apostel gegeben und andere als Propheten und andere als Evangelisten und andere als Hirten und Lehrer“ (Epheser 4,11). Die erste Verantwortung dieser Leiter der Gemeinde ist es, „die Heiligen auszurüsten für das Werk des Dienstes, zur Erbauung des Leibes Christi“ (Vers 12). Dies bringt uns zur zweiten Ebene, der Dienst-Ebene, die von den Heiligen (allen gläubigen Christen) unter der Anleitung der Trainingsdienste dieser ersten fünf Arten von Leitern ausgeübt werden soll. Ich möchte hier bemerken, wie überrascht ich war, als ich erkannte, dass die Gemeinde Christi erst seit recht kurzer Zeit begonnen hat, die fünffache Leiterschaft der Gemeinde zu verstehen. Als ich das theologische Seminar besuchte, wurde ich noch gelehrt, dass wir Evangelisten, Pastoren und Lehrer in der heutigen Gemeinde brauchen, dass aber der Dienst der Apostel und Propheten, nach dem ersten Jahrhundert, aufgehört hatte zu existieren. Als ich jedoch vor einigen Jahren anfing, diesen Text von Epheser 4 wörtlich zu nehmen, da erkannte ich, wie fehlerhaft diese Lehre wirklich ist. In demselben Kapitel wird uns mitgeteilt, wie lange wir alle fünf Gaben (oder Ämter) brau34


Die Gemeinde in der Arbeitswelt

chen: „Bis wir alle hingelangen zur Einheit des Glaubens und der Erkenntnis des Sohnes Gottes, zur vollen Mannesreife, zum Vollmaß des Wuchses der Fülle Christi“ (Epheser 4,13). Niemand den ich kenne, würde behaupten, dass wir bereits an diesem Punkt angekommen sind. Daher schlussfolgere ich, dass wir immer noch Apostel und Propheten brauchen, ebenso wie wir Evangelisten, Pastoren und Lehrer brauchen.

Die Grundlage der Gemeinde Christen für den Dienst zu trainieren ist eine Sache, aber manche werden sagen, dass das nicht unbedingt etwas mit Regierung zu tun hat. Das stimmt, darum lassen Sie uns einige Kapitel zu Epheser 2,20 zurückgehen, wo Paulus die Gemeinde als den Haushalt Gottes beschreibt. Er erklärt, dass die Gemeinde aufgebaut ist auf der Grundlage der Apostel und Propheten, wobei Christus Jesus selbst der Eckstein ist (Vers 20). In einem weiteren theologischen Sinne ist Jesus natürlich auch die Grundlage der Gemeinde, weil Er, wie ich bereits sagte, auf die Erde gekommen ist, um sie zu gründen. Nachdem Er jedoch gemäß dieser Schriftstelle in den Himmel aufgefahren ist, und den Heiligen Geist gesandt hat, überließ Er die Aufgabe des Baus der Gemeinde Seiner Leiterschaft, den Aposteln und Propheten. Jesus ist immer noch da, aber Er ist der Eckstein, nicht die Grundlage selbst. Der Eckstein hält das Fundament zusammen, aber das Fundament sind eindeutig, laut dem Neuen Testament, die Apostel und Propheten. Wenn noch irgendwelche Zweifel bestehen sollten, was die göttliche Ordnung der Leiterschaft in der Gemeinde betrifft, dann müssen wir nur zu dem detailreichsten Kapitel über Geistesgaben der Bibel gehen, nämlich zu 1. Korinther 12. Dort wird die Gabe des Apostels neben vielen anderen Gaben aufgeführt. Die Ordnung der gemeindlichen Regierung wird in Vers 28 beschrie35


C. Peter Wagner

ben: „Und die einen hat Gott in der Gemeinde gesetzt erstens zu Aposteln, zweitens andere zu Propheten, drittens zu Lehrern, sodann Wunder-Kräfte, Gnadengaben der Heilungen, Hilfeleistungen, Leitungen, Arten von Sprachen.“ Kirchen und Gemeinden, die nicht die von Gott vorgesehene Position von Aposteln und Propheten in der Gemeinde anerkennen, nicht auf hierarchische Weise, sondern als eine göttliche Ordnung, können nicht erwarten, all das zu werden, was Gott für sie geplant hat. Die Überschrift dieses Kapitels ist „Apostel in der Arbeitswelt“. Ich habe versucht, so gut wie möglich die Position zu erklären, die Apostel in der Gemeinde haben. Wenn wir nicht davon überzeugt sind, dass es heute Apostel gibt, und dass sie heute im Leib Christi aktiv sind, dann können wir nicht zu dem Verständnis gelangen, wie sie in der Arbeitswelt funktionieren sollen. Glücklicherweise haben viele im weltweiten Leib Christi begonnen, die Leiterschaft von Aposteln und Propheten anzuerkennen, obwohl es einige Zeit gebraucht hat, um diese Dinge wieder in die richtige Ordnung zu bringen. Ich persönlich glaube, dass Gott anfing nach dem zweiten Weltkrieg eine neue Sache zu tun, zumindest in unseren Gemeinden hier in Nordamerika, also in der Mitte des letzten Jahrhunderts. Die biblische Regierung der Gemeinde war so lange nicht mehr intakt, so dass die Wiederherstellung der göttlichen Regierung der Gemeinde viele Jahre brauchte; und am Anfang lief einiges in diesem Prozess recht chaotisch.

Das zweite apostolische Zeitalter Kurze Zeit nach dem 2. Weltkrieg kam es zu einer Wiederherstellung, die Latter Rain (Spätregen) Bewegung genannt wurde, zusammen mit der Jüngerschafts-Bewegung oder HirtenBewegung (Shepherding Movement). Die Spätregen-Bewegung erkannte die Ämter von Aposteln und Propheten an, aber einige 36


Die Gemeinde in der Arbeitswelt

der Leiter spalteten sich voneinander und kamen vom Kurs ab, so dass die Bewegung an Stärke verlor. Die Jüngerschafts-Bewegung fiel später in sich zusammen, aufgrund eines falschen Verständnisses von Autorität und Unterordnung, die einige der Gründer hatten, die sich aber später öffentlich für die Fehler der Bewegung entschuldigten. Viele dieser Leiter machten ihren Teil der Fehler, aber Gott gebrauchte sie dennoch als wichtige Vorreiter. Während der 80-er Jahre fing der Geist Gottes erneut an zu den Gemeinden über die Gabe der Prophetie und das Amt des Propheten zu sprechen. Während der 90-er Jahre wurden die Gabe und das Amt des Apostels immer besser verstanden und wertgeschätzt. Was ich die Neue Apostolische Reformation nenne, fing an klarer definiert und verstanden zu werden, und gegen Ende des letzten Jahrhunderts war es das größte Segment der weltweiten Kirche Christi außerhalb der katholischen Kirche, und die am schnellsten wachsende Bewegung von allen. Das erste apostolische Zeitalter, welches das erste bis zum zweiten Jahrhundert der Christenheit charakterisierte, erkannte die Gaben und Ämter des Apostels und der Propheten als Grundlage der Gemeinde an. Diese biblische Regierung der Gemeinde wurde in den folgenden Jahrhunderten ganz vernachlässigt und hörte schließlich völlig auf zu existieren, bis zum Anfang des 21. Jahrhunderts, was ich als das zweite apostolische Zeitalter bezeichne. Die Folge ist, dass wir gegenwärtig in der Zeit der radikalsten Veränderungen leben, was die Form von gemeindlicher Leiterschaft betrifft, seit der protestantischen Reformation. Die Auswirkungen werden gewaltig sein, wenn wir anfangen darauf zu hören, was der Geist Gottes den Gemeinden über das Reich Gottes und die Transformation der Gesellschaft sagt.

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C. Peter Wagner

Geistliche Autorität Von allen Veränderungen, die mit der Entstehung der Neuen Apostolischen Reformation im Zusammenhang stehen, ist die radikalste von allen folgende: Die Anerkennung des ungewöhnlichen Maßes von geistlicher Autorität, die vom Heiligen Geist an Individuen delegiert wird. In den letzten Jahrhunderten wurde gemeindliche Autorität, ob in Ortsgemeinden oder in kirchlichen Strukturen, immer an Gruppen delegiert, nicht an Individuen. Diese Gruppen werden Gemeinderäte genannt, Synoden, Kirchenvorstände, jährliche Konvente, Distrikttreffen, oder vieles andere mehr. Mit der Ausnahme von Leitern, die ihre traditionelle Kirche verließen, um neue Bewegungen zu gründen, wurden Individuen keine endgültigen und großen Entscheidungen anvertraut. Dies gilt jedoch nicht mehr für Gemeinden, die ein Teil der Neuen Apostolischen Reformation sind. Die Akzeptanz von Individuen, denen ein großes Maß an geistlicher Autorität anvertraut wird, sehen wir auf zwei Ebenen in der heutigen apostolischen Bewegung: 1. Auf der Ortsebene, wo der Pastor der Leiter der Gemeinde ist; nicht ein Angestellter. 2. Auf der überregionalen Ebene, wo die Leiterschaft eines Apostels anerkannt und wertgeschätzt wird von Gemeinden und Diensten, die sich freiwillig unter die geistliche Abdeckung des Apostels begeben. Was ist also ein Apostel? Ein Apostel ist ein christlicher Leiter, der begabt und von Gott gelehrt, beauftragt und gesandt ist, mit der Autorität, die grundlegende Regierung der Gemeinde in einem bestimmten Einflussbereich aufzurichten, indem er darauf hört, was der Geist zu den Gemeinden sagt, und indem er Dinge in die richtige, biblische Ordnung bringt, für das Wachs38


Die Gemeinde in der Arbeitswelt

tum und die Reifung der Gemeinde. Ich werde diese Definition später noch detaillierter erklären.

Apostel in der erweiterten Gemeinde? Wenn Gott der heutigen Gemeinde Apostel gegeben hat, dann folgt daraus, dass Er sie auch beiden Formen der Gemeinde gegeben hat, nämlich der Nukleus-Gemeinde und der erweiterten Gemeinde. Wenn die Gemeinde in der Arbeitswelt ein Teil der legitimen Gemeinde ist (wie ich im letzten Kapitel dargelegt habe, dass dies der Fall ist), dann hat sie ganz gewiss auch eine biblische Grundlage. Diese Grundlage besteht aus Aposteln und Propheten (siehe Epheser 2,20). Am Anfang dieses Kapitels erwähnte ich, dass es in den 90-er Jahren begann, dass die Gabe und das Amt des Apostels anfingen, besser verstanden zu werden. Seither wurde eine Vielzahl sehr guter Bücher von den Leitern der Neuen Apostolischen Reformation geschrieben. Während ich dieses Buch schreibe, habe ich 71 Bücher über den apostolischen Dienst in meiner persönlichen Bibliothek, und ich bin mir sicher dass es noch viel mehr gibt. Aber fast alle dieser Bücher handeln von Aposteln und apostolischem Dienst in der Nukleus-Gemeinde, nicht in der erweiterten Gemeinde. Eine Ausnahme ist das Buch von Bill Hamon, The Day of the Saints (Die Zeit für die Heiligen). Darin widmet Hamon nicht weniger als 82 Seiten dem Dienst der Apostel, Propheten, Evangelisten, Pastoren und Lehrer in der Arbeitswelt. Zwei andere Bücher sind von Rick Marshall God@Work (Gott bei der Arbeit) und von Os Hillman The 9 to 5 Window (Das 9 bis 5 Fenster). Selbst nachdem ich vor einigen Jahren anfing, über Apostel zu schreiben, brauchte ich selbst noch eine ganze Weile, um überzeugt zu werden, dass Gott wirklich bestimmte Individuen als Apostel für den Dienst in der Arbeitswelt eingesetzt hat. Eine 39


C. Peter Wagner

der Dinge, die mich daran hinderten war, dass ich kein überzeugendes, biblisches Modell dafür fand. Paulus war mein Vorbild als ein Apostel in der Nukleus-Gemeinde, aber ich hatte keinen Apostel für die erweiterte Gemeinde gefunden. Es war im Jahr 2001, nachdem ich Gottes Reden zu mir gehört hatte, dass ich meine Aufmerksamkeit auf die Gemeinde in der Arbeitswelt richten sollte, und ich zustimmte zu gehorchen, dass plötzlich meine Augen für das Offensichtliche geöffnet wurden. Lukas war ein Apostel der Arbeitswelt. Warum hatte ich das vorher nie gesehen? Und dann kam auch Lydia in mein Blickfeld.

Lukas und Lydia als Apostel der Arbeitswelt Als ich im Jahr 1994 für meinen Kommentar über die Apostelgeschichte forschte, Acts of the Holy Spirit, da kam in mir damals die Vermutung auf, dass es sehr wohl sein kann, dass Lukas die Lydia geheiratet hatte. Ich möchte allerdings schnell hinzufügen, dass keiner der klassischen Kommentare über die Apostelgeschichte einen Hinweis darauf gibt, so dass ich zugebe, dass meine Hypothese rein spekulativer Art ist. Dennoch will ich kurz meine Gedanken dazu weitergeben. Lukas war ein Christ in der Arbeitswelt, ein Arzt (siehe Kolosser 4,14). Nutzen wir einmal unsere Vorstellung. Wie viele Ärzte, war er wahrscheinlich sehr gebildet, viel gereist, wohlhabend, gutaussehend und alleinstehend. Lukas war ein heidnischer Gottesfürchtiger, der Christ geworden war, und der Autor des Buches der Apostelgeschichte. Zu einem Zeitpunkt in der Apostelgeschichte, reisen Paulus, Silas und Timotheus zusammen auf eine Missionsreise, und enden in Troas. Dort empfing Paulus die „mazedonische Vision“, durch die Gott ihn nach Philippi leitet, einer der Hauptstädte von Mazedonien (siehe Apostelgeschichte 16,9-10). Als sie von Troas nach Mazedonien abreisen, ändert sich plötzlich die Erzählform der Apostelgeschichte von der dritten Person (sie) zur ersten Per40


Die Gemeinde in der Arbeitswelt

son (wir), was darauf hinweist, dass Lukas, der Autor, sich dem Missionsteam in Troas angeschlossen hatte (siehe Vers 11). Was war geschehen? Als die vier Missionare in Philippi ankommen, treffen sie auf eine Gruppe von Frauen, die dort regelmäßig eine Gebetsversammlung am Fluss abhält. Eine von ihnen ist Lydia, eine Händlerin mit Purpur. Die Beschreibung, dass sie eine Purpur-Händlerin war, deutet darauf hin, dass sie eine internationale Geschäftsfrau war. Sie hatte sehr wahrscheinlich ein Import-Exportgeschäft, wodurch sie viel mit der Arbeitswelt zu tun hatte. Nutzen wir wieder unsere Vorstellung. Als eine Geschäftsfrau ist sie sicherlich gebildet, von guter Kultur, viel gereist, wohlhabend, schön und ist alleinstehend. Lydia und Lukas waren beide gottesfürchtige Heiden, die Christen geworden waren. Außergewöhnliche Dinge geschehen in Philippi. Die Missionare predigen das Evangelium, Menschen werden gerettet und geheilt und Dämonen werden ausgetrieben, so dass die ganze Stadt in Aufruhr gerät. Paulus und Silas werden ins Gefängnis geworfen, es geschieht ein Erdbeben, worauf sie übernatürlich befreit werden, der Gefängniswärter gerettet wird und eine wunderbare Gemeinde von Gläubigen entsteht. Nachdem alle diese Dinge geschehen sind, ist der letzte Ort, wo wir die vier Missionare sehen, in Lydias Haus (siehe Apostelgeschichte 16,40). Dann, als sie schließlich Philippi verlassen, um nach Thessalonich zu reisen, da verändert sich die Erzählung in der Apostelgeschichte zurück von „wir“ zu „sie“, was darauf hinweist, dass Lukas im Haus der Lydia zurückgeblieben ist (siehe Apostelgeschichte 17,1). Ich muss zugeben, dass ich nicht beweisen kann, dass Lukas und Lydia wirklich geheiratet haben, aber ich kann mit einer sicher entschuldbaren, romantischen Begeisterung sagen, dass dies nicht unwahrscheinlich ist. Diese zwei Christen aus der Arbeitswelt, wurden sehr wahrscheinlich ein wichtiger Teil des Kerns dieser starken Gemeinde in Philippi.

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C. Peter Wagner

Die apostolischen Eigenschaften von Lukas Wenn es so ist, wie ich es hier vorschlage, dass Lukas wirklich ein Prototyp für einen Apostel in der Arbeitswelt ist, was sind dann einige seiner apostolischen Eigenschaften? Eine von Lukas‘ herausragenden Qualifikationen ist gewiss seine göttliche Salbung, zwei Bücher des Neuen Testaments zu schreiben, das Evangelium von Lukas und die Apostelgeschichte. Ich habe bereits erwähnt, dass eine der Verantwortungen eines Apostels ist, darauf zu hören, was der Geist zu den Gemeinden sagt. Lukas hörte auf außergewöhnliche Weise von Gott, indem er unter einer so starken Inspiration des Geistes schrieb, dass seine Schriften zum biblischen Kanon gerechnet und als ein Teil von Gottes Wort von der Kirche anerkannt wurden. Während spätere Apostel, zum Beispiel die heute als Apostel anerkannt werden, niemals Heilige Schrift schreiben werden, sollte dennoch das, was sie von Gott hören, von den Gemeinden sehr ernst genommen werden. Beachten wir hier die Tatsache, dass Lukas ein Apostel der erweiterten Gemeinde in der Arbeitswelt war, und der inspirierte Schriften des Neuen Testaments schrieb, die auf genau derselben Ebene der anderen Autoren des Neuen Testaments anerkannt wurden, die jedoch alle als Apostel der Nukleus- Gemeinde anerkannt waren. Ich weise daraufhin, weil ich jeglichen Gedanken entkräften will, dass Apostel der erweiterten Gemeinde, die in der Arbeitswelt zu Hause sind, irgendwie nur zweitrangige Apostel sind, die sich nicht auf derselben Ebene wie Apostel der Nukleus-Gemeinde befinden. Eine zweite apostolische Qualifikation war für Lukas die Tatsache, dass er ein Missionar und ein Gemeindegründer war. Ich habe bereits erwähnt, dass Lukas im Missionsteam von Paulus war, das die Gemeinde in Philippi gegründet hatte. Aber das war nicht das einzige Mal, dass er missionarische Arbeit tat, wie wir 42


Die Gemeinde in der Arbeitswelt

von anderen Stellen der Apostelgeschichte wissen, die auch in der ersten Person, mit „wir“ geschrieben wurden. Zum Beispiel war Lukas auf einer anderen Reise mit Paulus von Philippi über Troas nach Milet gereist (siehe Apostelgeschichte 20,5-21,17); er begleitete Paulus auch auf der Reise von Jerusalem nach Rom (siehe Apostelgeschichte 27,1-28,16); und sehr wahrscheinlich tat er auch andere Missionsarbeit, die er nicht in die Apostelgeschichte aufnahm. Eine dritte Qualifikation war auch die enge persönliche Beziehung von Lukas mit dem Apostel Paulus. Ich nehme stark an, dass sie beste Freunde waren, weil Lukas zweimal Paulus in Rom besuchte, als er dort im Gefängnis war. Während seines ersten Aufenthalts im Gefängnis schrieb Paulus den Brief an die Kolosser, denen er sagt: „Lukas, der geliebte Arzt und Demas grüßen euch“ (Kolosser 4,14). Es ist sicher auch nicht abwegig anzunehmen, dass ein Teil ihrer Beziehung darin bestand, dass Lukas für Paulus medizinische Fürsorge leistete. Während des zweiten Aufenthalts von Paulus im Gefängnis, schrieb er seinen zweiten Brief an Timotheus. In Kapitel 4 schreibt er: „Nur Lukas ist bei mir (2. Timotheus 4,11), nachdem er darüber geklagt hat, das andere wie Demas, Kreszenz und Titus ihn verlassen haben (siehe Verse 9-10). Ein vierter Hinweis, dass Lukas ein aktiver Apostel in der Arbeitswelt war, ist sein Zugang zu finanziellem Wohlstand. Wenn er und Lydia tatsächlich verheiratet waren, dann hatte sie gewiss beträchtlichem Wohlstand in die Familie gebracht, wenn man bedenkt, dass ihr privates Haus groß genug war, um die vier Missionare während ihres Aufenthalts in Philippi aufzunehmen. Und da Gleiches auch Gleiches anzieht – wenn Lukas und Lydia beide Leiter der Gemeinde von Philippi waren, dann kann man annehmen, dass viele aus der Oberschicht von Philippi unter den Gläubigen der neuen Gemeinde vertreten waren. Der Brief des Paulus an die Philipper ist im Wesentlichen ein längerer Dankbrief für ihre finanzielle Unterstützung. Paulus 43


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war im Gefängnis, als er an sie schrieb, und Lukas war in Philippi. In diesem Brief wendet sich Paulus an Lukas als seinen „wahren Gefährten“ (Philipper 4,3). Er erinnert sich an die Zeit, „als keine Gemeinde mir beistand, was gegenseitiges Geben und Empfangen betrifft, als nur ihr allein“ (Vers 15). Nachdem Paulus seinen Gefährten Lukas im Haus der Lydia zurückgelassen hatte, und nachdem er nach Thessalonich weitergezogen war, äußert er seine Freude darüber, dass die Gemeinde ihm erneut Geld ins Gefängnis geschickt hat; und dass er „durch ihre Gaben wieder aufgeblüht“ sei (Vers 10). Offensichtlich hatte Paulus eine größere Summe Geldes von den Philippern erhalten, weil er schrieb, „ich habe aber alles erhalten und habe Überfluss“ (Vers 18).

Mehr als nur Finanzen Ich muss an dieser Stelle jedoch einen wichtigen Hinweis geben. Obwohl Lukas, als ein Apostel der Arbeitswelt, finanzielle Unterstützung für den Dienst seines Freundes Paulus leistete, endete seine Unterstützung durch die Gemeinde hier nicht. Für zu lange Zeit haben Leiter der Nukleus-Gemeinde erwartet, dass die hauptsächliche Rolle ihrer Mitglieder in der Arbeitswelt, besonders der Geschäftsleute, einfach darin besteht, die benötigen Finanzen für ihre Gemeindeprogramme zu beschaffen. Megan Doyle, eine bekannte Leiterin in der Arbeitswelt, die diese Dinge auf sehr praxisnahe Weise durchdacht hat, schreibt darüber: „Eine weitere Kluft zwischen der Gemeinde und den Geschäftsleuten entsteht häufig im finanziellen Bereich, wenn es um Auftreiben von Finanzen geht. In diesem Bereich haben Pastoren und Leiter von Diensten viele Geschäftsleute verletzt. Finanzen für die Gemeinde oder einen Dienst zu beschaffen, braucht viel Taktgefühl und 44


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Sensibilität. Das Problem für Geschäftsleute ist, wenn sie alleine wegen ihres Geldes und für nichts anderes, was sie anzubieten haben, als Zielscheibe benutzt werden – sogar ohne eine Beziehung mit ihnen aufzubauen. Es gibt viele Geschäftsleute, die glauben, dass ihr einziger Zweck für das Reich Gottes darin besteht, für Finanzen zu sorgen. Das frustriert und enttäuscht sie. Der christliche Geschäftsmann oder Geschäftsfrau kann viel mehr tun, als lediglich Finanzen für diejenigen mit Vision zu beschaffen.“ Die Beziehung von Lukas mit Paulus gibt uns ein hervorragendes Beispiel einer Beziehung zwischen einem Apostel der Arbeitswelt und einem Apostel der Nukleus-Gemeinde. Lukas sorgte auch für Finanzen für Dienste der Nukleus-Gemeinde, aber er war gleichzeitig auch ein wahrer Gefährte, ein Missionar und apostolischer Kollege.

Die wichtige Rolle von Aposteln in der Arbeitswelt Wenn ich sage, dass Lukas ein apostolischer Gefährte von Paulus war, dann werden nur diejenigen, die den Paradigmenwechsel vollzogen haben, von dem ich hier rede, die Auswirkungen verstehen können. Zum Beispiel werden viele Pastoren, die ein theologisches Seminar absolviert haben, die ordiniert wurden und eine Berufung als Pastor für eine Gemeinde empfangen haben, Probleme damit haben, ein Laienmitglied ihrer Gemeinde, das Arzt oder Geschäftsmann ist, als einen Gefährten im Dienst anzusehen. Die tiefere Ursache hinter dieser Haltung ist die Annahme, dass die wahre Gemeinde nur die Nukleus-Gemeinde ist. Wenn wir jedoch erst einmal erkennen, dass die erweiterte Gemeinde in der Arbeitswelt genauso Gemeinde ist, wie die Nukleus-Gemeinde, dann wird unsere Einstellung anfangen sich zu verändern. 45


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Wir werden dann anfangen zu erkennen, dass für viele Absichten Gottes, wie die Transformation der Gesellschaft, die apostolische Rolle der Leiter in der Arbeitswelt viel größeren Einfluss hat, als die der Apostel der Nukleus-Gemeinde. Was meine ich damit? Wenn das Volk Gottes sich an Sonntagen in ihren Ortsgemeinden versammelt, dann sind die Werte und die Kultur einer bestimmten Gemeinde, Kirche oder eines apostolischen Netzwerkes sehr wichtig. Die Gemeinde ist vielleicht ein Teil der lutherischen Kirche, oder der Baptisten, oder der Glaubensbewegung, oder der Pfingstbewegung, oder der Methodisten oder einer anderen Kirche. Wenn sich jedoch das Volk Gottes an den anderen sechs Tagen in der Arbeitswelt befindet, dann sind diese Unterscheidungen überhaupt nicht mehr wichtig. Die wichtigste Sache da draußen ist, dass sie Gläubige sind, und dass sie Geschwister anderer in Christus sind. Die meisten Brüder und Schwestern draußen in der Arbeitswelt erkennen, dass sie Licht und Salz sein sollen. Sie sollen ihren Arbeitsplatz und ihre Umgebung beeinflussen. Sie haben dies immer wieder in Predigten gehört. Aber sie sind frustriert. Sie fragen sich, ob sie geistlich impotent sind. Sie haben es vielleicht versucht, die letzten 15 Jahre Salz und Licht an ihrem Arbeitsplatz zu sein, aber nichts hat sich wirklich verändert. In manchen Fällen ist die Atmosphäre an ihrem Arbeitsplatz vielleicht sogar schlimmer als je zuvor. Was geschieht hier? Warum wurde ihr kleines Segment der Gesellschaft nicht verändert oder transformiert? Es ist schließlich ganz klar der Wille Gottes, dass Sein Reich in die Arbeitswelt kommt, aber irgendetwas verhindert es. Was könnte das sein? Es hat alles mit der Regierungsform zu tun. Satan hat eine ausgeklügelte Regierung, durch die er versucht die Gesellschaft zu kontrollieren, was ich detaillierter im nächsten Kapitel erklären werde. Währenddessen, obwohl Gottes Volk in der Arbeitswelt vertreten ist, haben sie keine Regierung. In den meisten Fir46


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men und Arbeitsstätten haben Apostel noch nicht die Dinge in die richtige Ordnung gebracht, wie es sein sollte. Nicht viele Apostel der Nukleus-Gemeinde könnten dies tun, weil die meisten von ihnen nur eine Denomination, ein apostolisches Netzwerk oder eine Mega-Gemeinde repräsentieren, so dass die Gläubigen von anderen Strömungen ihnen gar nicht folgen würden. Aber Apostel der erweiterten Gemeinde, wenn sie identifiziert und anerkannt werden, sind diejenigen, die die Regierung der Gemeinde in der Arbeitswelt aufrichten können. Wenn dies geschieht, wird Satan echte Probleme bekommen! Je früher wir verstehen, dass es Apostel in der erweiterten Gemeinde gibt, und je früher wir ihnen gestatten, ihren von Gott gegebenen Platz einzunehmen, und sie dafür zu ehren, was sie tun, umso früher werden wir bedeutsame Fortschritte machen können, die Gesellschaft zu transformieren.

Eigenschaften von Aposteln der Arbeitswelt Es sollte sich von selbst verstehen, dass nicht jeder Gläubige in der Gemeinde ein Apostel ist, und dass auch nicht jeder Gläubige in der Arbeitswelt ein Apostel ist. Die Eigenschaften von Aposteln der Nukleus-Gemeinde sind recht klar, aber die Eigenschaften der Apostel in der Arbeitswelt noch nicht. Ganz gewiss gibt es viele Übereinstimmungen zwischen den beiden, aber einige Eigenschaften sind auch anders. Aber die Charaktereigenschaften sind für alle Apostel dieselben. Integrität, Demut, Heiligkeit, Gott-gefälliges Leben und tadelloses Verhalten sind für Apostel in beiden Gemeindewelten wichtig. Beide werden die Qualifikationen von Leitern erfüllen, die im 1. Timotheus 3,1-7 aufgeführt werden. Beide werden die Gabe des Apostels haben (siehe 1. Korinther 12,28), und werden darum auch wissen, wie man Dinge in die göttliche Ordnung bringt (siehe Titus 1,5). 47


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Apostel unterscheiden sich von anderen Leitern, mehr als alles andere, durch ihre von Gott gegebene Autorität. Wie ich bereits erwähnt habe, haben Apostel die Autorität, die grundlegende Regierung der Gemeinde in einem bestimmten Einflussbereich aufzurichten. Der Einflussbereich des Dienstes innerhalb der Arbeitswelt umfasst die Bereiche Familie, Religion, Wirtschaft, Regierung und Politik, Ausbildung, Künste und Medien. Jeder dieser Einflussbereiche kann noch weiter unterteilt werden, aber wir müssen nach Aposteln in jeder dieser sieben Einflussbereiche Ausschau halten. Vielleicht können einige Apostel der Arbeitswelt in mehreren dieser Einflussbereiche wirken, aber das werden nur wenige sein. Stephanie Klinzing ist zum Beispiel die Bürgermeisterin von Elk River in Minnesota. Sie ist Teil einer breit angelegten Bewegung, Gebet für Elk River, die das Ziel hat, soziale Transformation in der Stadt zu bewirken. Obwohl der Begriff Apostel dort noch nicht gebraucht wird, übt Klinzing die Autorität eines Apostels aus. Hier ist, was sie sagt: „Wir haben entdeckt, dass ich sowohl geistliche Autorität in der Stadt habe, als auch die Autorität der Regierung. Ich bin im Geist gegen Dinge aufgestanden, von denen ich glaube, dass Gott sie nicht in meiner Stadt haben will, und ich habe geistlich die Stadt für Dinge geöffnet, von denen ich glaube, dass Gott sie in der Stadt haben will. Dies hat zu starken Ergebnissen geführt.“ Da das Verständnis noch recht neu ist, dass es Apostel in der Arbeitswelt gibt, muss offensichtlich noch viel mehr getan werden, um zu helfen, sie zu identifizieren. Eine Person, die sehr stark in dieser Richtung gearbeitet hat, ist Rich Marshall, der Autor des grundlegenden Buches God@ Work. Marshall hat mittlerweile God@Work Teil 2 herausge48


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bracht, worin er die Eigenschaften von Aposteln der Arbeitswelt auflistet. Er gebraucht den Begriff Apostel der Arbeitswelt kaum; meistens nennt er sie „Pastoren in der Arbeitswelt“, um seine Leser nicht zu entfremden, die noch nicht die Auffassung vertreten, dass es heutzutage Apostel gibt. Marshalls Kennzeichen von Aposteln der Arbeitswelt sind folgende: • Sie vollbringen Zeichen und Wunder • Sie üben Autorität aus • Sie brechen Bindungen • Sie transferieren Wohlstand • Sie hören die Stimme Gottes • Sie wirken als biblische Unternehmer • Sie erreichen Nationen Die Rolle von Aposteln in der Arbeitswelt ist so wichtig, dass ich glaube, dass sie den Schlüssel für zwei sehr wichtige Tore liefern, die geöffnet werden müssen, wenn wir das Reich Gottes so manifestiert sehen wollen, wie es sein sollte. Keine dieser Tore wird geöffnet werden, ohne die aktive Einflussnahme von Aposteln in der Arbeitswelt. Eines dieser Tore ist soziale Transformation, und das andere Tor ist der große Transfer von Wohlstand. Dies sind die Themen der beiden nächsten Kapitel.

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Fragen zur Vertiefung 1. Was ist die Verantwortung der Regierungs-Ebene (die f체nf Regierungs-Gaben) des Leibes Christi, die Paulus in Epheser 4,11-16 beschreibt?

2. Welche Bedeutung hat es f체r die Gemeinde, dass Apostel und Propheten laut Epheser 2,20 die Grundlage der Gemeinde sind?

3. Welche St채rken hatten Lukas und Lydia als Apostel in der Arbeitswelt f체r den Bau der Gemeinde und des Reiches Gottes?

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Die Gemeinde in der Arbeitswelt

4. Kennen Sie Apostel in der Arbeitswelt? Schreiben Sie hier einen oder mehrere Namen auf. Welchen Dienst tun sie?

5. Warum können Apostel der Arbeitswelt einen viel größeren Einfluss auf die Arbeitswelt haben, als Pastoren der Nukleus-Gemeinde?

6. Was ist laut Peter Wagner die Autorität von Aposteln in der Arbeitswelt, und warum sind sie wichtig für den Bau und das Wachstum der Gemeinde?

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Kapitel 3

Übernehmen wir jetzt Herrschaft!

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ie ich bereits gesagt habe, ist soziale Transformation eines der stärksten Worte, die der Heilige Geist heute zu den Gemeinden spricht. Aber bevor viele Christen bereit sind, solch eine Aussage zu akzeptieren, müssen sie gewiss sein, dass das, was wir meinen vom Heiligen Geist zu hören, auch wirklich biblisch ist. Wir sind uns zum Beispiel sicher, dass das Erretten von Seelen biblisch ist, aber wie steht es mit der Transformation der Gesellschaft? Ich weiß, dass dies eine entscheidende Frage ist, weil ich selbst viele Jahre lang gesagt habe, dass soziale Veränderung kein Teil unserer christlichen Pflicht ist. Ich wurde viele Jahre gelehrt, dass die Welt schlechter und schlechter werden wird, und dass, je mehr dies geschieht, das zweite Kommen Christi umso näher rückt. Ich glaubte, dass zum Zeitpunkt des schlimmsten Zustandes der Geschichte, plötzlich alle wahren Gläubigen von der Erde entrückt werden, und dass die Zurückgelassenen durch die schlimmsten sieben Jahre gehen würden, kurz vor dem herrlichen Erscheinen des Herrn. Ich glaubte, dass es bis dahin unser Job sei, das Evangelium zu verbreiten, und so viele Seelen wie möglich zu retten, damit sie mit uns durch die Entrückung aus der Trübsal gerettet werden, wann immer das sein mag, und je früher umso besser. Heute bin ich mir jedoch gewiss, dass es eine viel bessere und biblischere Sichtweise gibt, Gottes Mission für uns zu verstehen, die ich in diesem Kapitel so klar und überzeugend wie möglich darlegen will. 53


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Mit diesen einleitenden Worten, hoffe ich, dass nicht zu viele Leser, die die berühmte Left Behind Serie (Tim LaHaye) von Büchern lieben, sich entscheiden, das Buch an diesem Punkt zu schließen und nicht mehr weiter zu lesen. Ich muss sagen, dass ich jedes einzelne der Bücher aus der Serie gelesen habe, und wenn wir mehr Bücher davon rauskämen, dann würde ich sie auch lesen. Ich habe sie gerne gelesen, jedoch mit dem Bewusstsein, dass sie reine Erfindung und ein Roman sind.

Zurück zum Anfang Ein sehr guter Startpunkt, um die Mission zu erklären, die Gott uns gegeben hat, ist zur Geschichte der Schöpfung an den Anfang zurückzukehren. Uns wird in 1. Mose, Kapitel 1 gesagt, dass Gott die Erde und alles darin in fünf Tagen geschaffen hat, und dass Er am sechsten Tag Adam und Eva schuf. Er schuf sie, als Mann und Frau, in Seinem Ebenbild. Als Er sie schuf, segnete Er sie und sagte: „Seid fruchtbar und vermehrt euch“ (1. Mose 1,28). Ihnen ist bestimmt aufgefallen, dass ich das Wort Herrschaft in der Überschrift dieses Kapitels gebraucht habe: Übernehmen wir jetzt Herrschaft! Warum? Weil wir in der Bibel lesen, dass die ersten Worte, die Gott zum Menschen sprach, dieses Mandat beinhaltet, Herrschaft auszuüben. Dies gilt nicht nur für Adam und Eva, die Herrschaft ausüben sollten, sondern für die gesamte Menschheit, die die Erde füllen sollte, nachdem Adam und Eva damit begonnen hatten, furchtbar zu sein und sich zu vermehren. Scheinbar hat Gott das Prinzip, dass wir Menschen die Herrschaft über den Rest der Schöpfung ausüben sollen, in unser ursprüngliches Design eingebaut. Dies war kein nachträglicher Gedanke Gottes. In dem Maße, wie Menschen nicht diese göttliche Herrschaft ausüben, versagen sie darin, in die ganze Fülle ihrer göttlichen Bestimmung zu gelangen. 54


Die Gemeinde in der Arbeitswelt

„Dein Reich komme“ Kommen wir jetzt vom Alten Testament zum Neuen Testament, und schauen wir uns das Gebet des Herrn, das Vaterunser an, was ein sehr guter Ausgangspunkt ist, um unsere Mission in der Welt zu verstehen. Als die Jünger Jesus baten, dass Er sie über Gebet lehrt, da antwortete Er: „Betet ihr nun so: Unser Vater, der du bist in den Himmeln, geheiligt werde dein Name, dein Reich komme, dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auch auf der Erde!“ (Matthäus 6,9-10). Gottes Ideal für die menschliche Gesellschaft ist offensichtlich, dass sie der Gesellschaft ähnelt, über die Er im Himmel regiert. Daraus folgt daher, dass dies die Weise sein sollte, wie wir hier auf der Erde leben, und dass wir dafür beten sollten, dass dies geschieht. Der Himmel ist ein Ort des Friedens, des Wohlergehens, der Gesundheit, der Glückseligkeit, der Harmonie, der Selbstlosigkeit, der Güte und des Lobpreises. In dem Maße, wo die Gesellschaft, in der wir leben, nicht durch diese Qualitäten des Lebens charakterisiert ist, bleiben wir hinter dem zurück, was Gottes Wille ist und was Er geplant hat. Da wir Gottes Volk sind, sind wir verantwortlich, alles zu tun, um dazu beizutragen, dass unsere Städte und Nachbarschaften die Erwartungen Gottes erfüllen. Mir gefällt die Weise, wie Bill Hamon dies beschreibt: „Der Herr hat uns berufen, kulturelle Architekten zu sein, nicht nur kulturelle Kritiker.“ Wie Sie sehen können, wird dies sehr gut durch den Ausdruck zusammengefasst, den wir mehr und mehr in dieser Zeit gebrauchen, nämlich den Begriff der sozialen Transformation.

Ein langer Weg Leider muss ich sagen, dass wir als evangelikale Christen eine lange Zeit gebraucht haben, um zu der Erkenntnis zu gelan55


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gen, die wir heute haben. Es war ein zu langer Weg. Aber die gute Nachricht ist, dass wir endlich an diesem Punkt angelangt sind. Wenn wir zurückblicken, an den Anhang die ersten Jahrhunderte des Christentums, gab es dort sehr schlimme Zeiten der Verfolgung. Größtenteils hatten die Gläubigen nicht die Kraft, die Gesellschaft des römischen Reiches zu transformieren, in denen die meisten Christen lebten. Die Lage änderte sich erst im 4. Jahrhundert für die Christen, als der römische Kaiser Konstantin sich zum Christentum bekehrte, und die Verfolgung stoppte und sein Römisches Reich als christlich bezeichnete. Aber diese unheilige Fusion der Kirche mit dem Staat führte bald zur Korruption, und sowohl die Kirche als auch die Gesellschaft begaben sich auf eine Abwärtsspirale während des Mittelalters. Leider wurde Gottes Wille nicht so auf der Erde getan, wie es im Himmel ist! Dann kam die protestantische Reformation im 16. Jahrhundert, geleitet von Martin Luther und John Calvin. Luthers Sicht der Bibel, und die Lehre von der Rechtfertigung durch Glauben, bewirkten einige der positivsten Veränderungen in der Kirchengeschichte. Aber leider hatte er eine dualistische Sicht von Kirche im Kontrast zur Welt, und daher verspürte er nie die Neigung, die Kirche dahin zu führen, die Gesellschaft zu transformieren. Calvin hingegen lehrte, dass Gläubige für soziale Transformation verantwortlich sind, so dass seine Nachfolger glaubten, dass wir auch ein kulturelles Mandat haben (die Gesellschaft zu transformieren), neben einem evangelistischen Mandat (Seelen zu retten). Ein berühmter Calvinist, der Pastor und Theologe Abraham Kuyper (1837-1920), lebte dies aus, indem er in die Politik ging, Premierminister der Niederlande wurde und großartige, positive Veränderungen in vielen Bereichen der Gesellschaft bewirkte. Außerdem begann die moderne Missionsbewegung um 1800, nachdem William Carey nach Indien gegangen war. Obwohl humanitärer Dienst, wie die Gründung von Schulen, Kranken56


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häusern und Waisenhäusern bereits ein standardmäßiger Teil des missionarischen Dienstes war, waren direkte Bemühungen, die Strukturen der Gesellschaft zu transformieren, noch sehr selten. Die evangelikale Missionsbewegung konzentrierte sich hauptsächlich auf das evangelistische Mandat, nicht aber auf das kulturelle Mandat. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts kam zunehmend ein liberales Element in die Kirche, indem das sogenannte soziale Evangelium verbreitet wurde. Viele Theologen verfielen schließlich in das Extrem, zu glauben, dass die Transformation der Gesellschaft das einzig Notwendige sei, und dass die Errettung von Seelen eine Vorstellung der Vergangenheit ist. Selbstverständlich reagierten bibelgläubige Christen sehr stark gegen diese Idee, und wandten sich dem gegenteiligen Extrem zu, den sozialen Dienst vollständig abzulehnen. Herrschaft übernehmen? Das war für sie fortan etwas, was die Liberalen erstrebten, die nicht an die Bibel glaubten! Diese geschichtliche Entwicklung bringt uns zu der Zeit, an die sich viele der heute Lebenden noch erinnern können. Ich bin einer von ihnen. Als evangelikaler Missionar in Bolivien, war ich in den 50-er und 60-er Jahren der Überzeugung, dass es unsere einzige Aufgabe sei, Seelen zu retten, Jünger Jesu zu trainieren und Gemeinden zu gründen. Das war alles.

Der Lausanner Kongress Eine bedeutsame Veränderung geschah im Jahr 1974, als die evangelikale Bewegung, geleitet von Billy Graham, den internationalen Kongress für Weltevangelisation in der Schweiz, in Lausanne, durchführte. Zu diesem Zeitpunkt begannen die Evangelikalen über den Stellenwert des kulturellen Mandates neben dem evangelistischen Mandat nachzudenken, im Kontext der ganzen Mission der Gemeinde. Dies war ein sehr wichtiger Übergang 57


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und Wandel für diejenigen unter uns, die heute an soziale Transformation glauben. Es stellte sich heraus, dass dies jedoch nur ein teilweiser Wandel war, da die Lausanner Erklärung immer noch darauf bestand, dass das kulturelle Mandat in der Priorität dem evangelistischen Mandat untergeordnet ist. Dennoch hatten wir Evangelikalen seit diesem Zeitpunkt die soziale Verantwortung auf unserem Radar, obwohl es immer noch keine große Priorität hatte. Ein Ereignis, das half, die sozialen Themen zur Priorität zu machen und ins Zentrum unseres Blickfelds zu führen, insbesondere unter Evangelikalen, die auch mit der charismatischen Bewegung verbunden waren, war die Veröffentlichung des Buches von John Dawson im Jahre 1990 mit dem Titel, Taking our Cities for God (Unsere Städte für Gott einnehmen). Das Konzept, eine ganze Stadt für den Herrn einzunehmen, war eine gewaltige Innovation. Nachdem Dawson sein Buch geschrieben hatte, kamen zunehmend Bücher zu diesem Thema heraus. Andere Autoren folgten seinem Beispiel, wie Ed Silvoso, George Otis Junior, Ted Haggard, Jack Hayford, Frank Damazio, Alistair Petri und andere. Die Bewegung wird sehr detailliert in dem Buch von Jack Dennison mit dem Titel City Reaching beschrieben. Diejenigen, die ein Teil dieser Bewegung wurden, gebrauchten verschiedene Begriffe, wie Städte einnehmen, Städte erreichen, Gebets-Evangelisation, eine Nation erreichen, Reformation, Community Transformation, Erweckung und Wiederherstellung. Im Jahr 2000 war jedoch der am weitesten akzeptierte Begriff, der Begriff der sozialen Transformation geworden. Im Jahr 2005 half Luis Bush, dieser Bewegung weiter Form zu verleihen, indem er eine Reihe von Konferenzen organisierte, die er Transform World nannte, von denen das erste internationale Treffen in Indonesien stattfand.

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Zeit zum Handeln! Jetzt, wo wir soziale Transformation auf unserer evangelikalen Agenda haben, ist die Zeit zum Handeln gekommen. Ich sehe soziale Transformation als den konzeptionellen Begriff. Aber der Begriff, der am besten den Weg zum Ziel beschreibt, ist der Begriff Herrschaft ergreifen. Leider hat eine ganze Reihe von kirchlichen Leitern eine negative Haltung gegenüber dem Begriff Herrschafts-Theologie entwickelt. Die Wurzel dieser Skepsis geht zurück zur Phase nach dem 2. Weltkrieg, die ich im letzten Kapitel erwähnte, als mehrere Pionier-Bewegungen versuchten, die Ämter von Aposteln und Propheten wieder neu zu beleben. Einige Leiter dieser Bewegungen fingen an, für eine Herrschafts-Theologie einzutreten, indem sie diesen Begriff verwandten. Eine Bewegung, die damit in Beziehung stand, nannte diese Sichtweise die Reich Gottes Jetzt Theologie. Einige starke Kritiker taten ihr Bestes, die innovativen Leiter dieser Bewegungen in Misskredit zu bringen, wobei ein Teil ihrer Vorgehensweise ein Angriff auf die Herrschafts-Theologie und die Reich Gottes Jetzt Theologie war. Die Kritiker hatten gewiss recht, einige der Fehler anzusprechen, den diese Pioniere sowohl in der Theorie und in der Praxis machten, aber meiner Meinung nach öffneten diese Kritiker selbst die Türen für ihre eigenen Arten von schädlichen Extremen. Die Ablehnung der Herrschafts-Theologie und der Reich Gottes Jetzt Theologie war eines dieser Extreme. Ich möchte dies mit einer persönlichen Erfahrung illustrieren. An einem Sonntag lehrte ich in einer Gemeinde über die Grundlagen dessen, worüber ich in diesem Buch schreibe. Als ich an diesem Tag sprach, erwähnte ich das Wort Herrschaft gar nicht. Als ich meinen Vortrag beendet hatte verbrachte ich einige Zeit mit den Mitgliedern der Gemeinde, die mit mir reden wollten. Einige von ihnen, nachdem sie mich begrüßt hatten, sagten Worte 59


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wie diese: „Peter, besteht nicht die Gefahr, dass das, worüber du heute geredet hast, als Herrschafts-Theologie ausgelegt werden könnte?“ Die unterschwellige Warnung war, dass ich Gefahr laufe, eine Grenzlinie zu überschreiten, indem ich etwas lehre, was bei vielen Christen heute als eine Standard-Irrlehre angesehen wird. Ich konnte das überraschte Aussehen auf ihren Gesichtern sehen, als ich ganz klar darauf antwortete: „Was ich hier lehre ist tatsächlich Herrschafts-Theologie.“ Die Person respektierte mich genügend, um zu antworten, dass sie sich ab jetzt etwas tiefer mit Herrschafts-Theologie beschäftigen werde. Während wir bei diesem Thema sind, möchte ich noch etwas genauer darauf eingehen, was ich am Anfang dieses Kapitels über die Left Behind Endzeit-Serie gesagt habe. Für den größten Teil des 20. Jahrhunderts war die vorherrschende Eschatologie (Lehre von der Endzeit) bei den meisten Evangelikalen die Lehre des Prämillenarismus – die Erwartung, dass das Reich Gottes kommen würde, nachdem Jesus auf die Erde zurückgekehrt ist. Darum waren wir nicht dazu berufen, das Reich Gottes auszubreiten und auf der Erde zu etablieren. Gott würde das selbst zu Seiner eigenen Zeit tun. Ganze Denominationen haben diese Sichtweise zu einer absoluten Lehre erhoben, auf derselben Ebene wie beispielsweise die Lehre von der Göttlichkeit Christi oder der Rechtfertigung durch den Glauben. Dies erklärt, warum viele immer noch vehement die Herrschafts-Theologie und die Reich Gottes Jetzt Theologie ablehnen. Ein Paradigmenwechsel hin zu sozialer Transformation würde sie zwingen, ihre eschatologische Komfortzone zu verlassen.

Die Gefahr der Transformations-Müdigkeit Die Frage stellt sich: Wie effektiv war unser Einsatz als Christen, seitdem das kulturelle Mandat zusammen mit dem evangelistischen Mandat auf unserer Agenda akzeptiert wurde? 60


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Wir können von wundervollen Ergebnissen berichten, was die Umsetzung des evangelistischen Mandats betrifft. Zum Beispiel begannen wir das Jahrzehnt der 90-er Jahre mit 1.735 großen, unerreichten Volksgruppen, und im Jahr 2000 waren es bereits weniger als 500 Volksgruppen, die noch keine Gemeindegründungs-Bewegung in sich hatten. Nie dagewesene evangelistische Ernten werden heute weltweit in Erweckungsländern wie China, Nigeria, Indonesien, Indien und Brasilien eingebracht. Einige Nationen, wie Uganda und Guatemala, haben mittlerweile mehr als 50 % neugeborener, evangelikaler Christen. Aber wie steht es mit dem kulturellen Mandat? Seit 1990, wie ich bereits erklärt habe, ist die Transformation von Städten hoch auf unserer Prioritätenliste gewesen. Das war, während ich dies schreibe, vor 15 Jahren. Unsere besten, hochkarätigsten christlichen Leiter haben Strategien zur Erreichung ganzer Städte in einer Stadt nach der anderen, in ganz Amerika, umgesetzt. Gott hat wundervolle neue Werkzeuge geschenkt, um diese Aufgabe zu erfüllen – Werkzeuge, wie die identifizierende Buße; das Erstellen geistlicher Landkarten; strategische prophetisches Gebet; stadtweite Gebetsnächte, Gebetstreffen in Stadien; strategische geistliche Kampfführung; Gebetsmärsche; Förderung pastoraler Einheit; sowie das Konzept der Gemeinde der Stadt. Darüber hinaus machten Bill Bright, Elmar Towns und andere das Fasten populär, und ich würde schätzen, dass mittlerweile die Hälfte der amerikanischen, evangelikalen Pastoren in unterschiedlicher Form 40-Tage Fasten erlebt haben. Dennoch können wir nicht auf eine einzige größere Stadt in Amerika hinweisen, die in diesen letzten fünfzehn Jahren transformiert wurde! Ich sehe daher eine weitere Gefahr – die Gefahr der Transformations-Müdigkeit! Aber wir dürfen nicht müde werden, Gutes zu tun. Satan würde es lieben, wenn diese Bewegung des Heiligen Geistes niedergedrückt würde, indem eine Wolke der 61


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Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit über sie kommen würde. Lassen Sie uns daher diesen bösen Geist der Müdigkeit binden, und uns mit Glauben vorwärts bewegen, „denn ohne Glauben ist es unmöglich, Gott wohl zu gefallen“ (Hebräer 11,6).

Beispiele über Bauen von Glauben Zu wissen, dass es getan werden kann, ist eine machtvolle Glaubensstärkung. Eine Stadt kann transformiert werden. Schauen wir uns daher zwei Beispiele an, wo dies geschehen ist – eine aus der Geschichte und eine von heute. Florenz, Italien Gehen wir einmal zurück nach Florenz in Italien, und zwar vor der protestantischen Reformation. Girolamo Savanarola war ein Reformator vor dieser Zeit. Er war ein Vorläufer der Dinge, die kommen würden. Er betete. Er prophezeite. Er predigte. Er hatte eine apostolische Salbung, um große Mengen von Menschen zu beeinflussen. Hier ist ein Bericht darüber, was mit seiner Stadt geschah: „Die gottlose Regierung der Stadt (von Florenz) wurde abgesetzt, und Savonarola lehrte das Volk, eine demokratische Form von Regierung aufzubauen. Die Erweckung brachte enorme moralische Veränderung. Die Leute hörten auf, schlechte und weltliche Bücher zu lesen. Geschäftsleute und Händler zahlten den Leuten Wiedergutmachung für ungerechte Gewinne, die sie gemacht hatten. Künstler und Straßensänger hörten auf sündige Lieder zu singen, und fingen an Hymnen in den Straßen zu singen. Karneval wurde verboten und aufgegeben. Große Feuer wurden mit weltlichen Büchern, lustvollen Bildern, Masken und Teppichen angezündet. 62


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Ein großer achteckiger Pyramiden-Berg mit weltlichen Objekten wurde auf dem öffentlichen Platz in Florenz errichtet. Er war sieben Etagen (ca. 20 Meter) hoch und hatte einen Umfang von 120 Metern. Während die Glocken läuteten, sangen die Menschen Hymnen, und das Feuer brannte.“ In Florenz wurde Gottes Wille getan, wie im Himmel, so auf der Erde! Almolonga, Guatemala Zweimal habe ich Almolonga, in Guatemala besucht, eine Stadt von ungefähr 20.000 einheimischen Menschen, tief im Hochland der Berge von Guatemala. Was ich dort sah, baute meinen Glauben für die Transformation von Städten auf. Der Prozess begann Mitte der 70-er Jahre, als Mariano Riscajche, ein frustrierter Pastor, anfing Dämonen auszutreiben, insbesondere den Dämon des Alkoholismus. Seither ist Transformation in mehreren Bereichen geschehen: * Geistliche Erweckung. Der Prozentsatz der neugeborenen Christen in Almolonga ist dramatisch angestiegen, von weniger als 5 % auf 90 %. Vorher war die Stadt unter einer dunklen Wolke von satanischer Bedrückung, die durch den herrschenden territorialen Geist, Maximon, verursacht wurde. Heute jedoch, da die Mächte des Bösen zurückgedrängt wurden, erfreut sich Almolonga eines offenen Himmels, wodurch die Segnungen Gottes ausgegossen werden können. Große, attraktive Kirchengebäude gehören zu den schönsten, architektonischen Merkmalen der hügeligen Landschaft der Stadt. * Soziale Harmonie. Almolonga war früher voller kaputter Familien, die durch Trunkenheit, Ehebruch, Missbrauch von Frauen und Vernachlässigung von Kindern stark belastet war; 63


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aber heute ist die Stadt voller glücklicher Ehen, sauberen Häusern, wunderbaren Schulen und freundlichen Menschen. * Materieller Wohlstand. Almolonga leidet nicht länger unter Armut, die durch chronische Trockenheit und Hungersnot verursacht wurde, sondern erfreut sich heute landwirtschaftlicher Vielfalt, indem Gemüse und Früchte produziert werden, die alle Rekorde brechen, was die Größe der Früchte betrifft. Zum Beispiel haben die Karotten die Länge des Vorderarms eines Mannes. Die Felder werden durch natürliche Wasserversorgung bewässert, die aus dem Boden aufsteigt, anstatt vom Regenfall abhängig zu sein. Die Farmer liefern ihre Produkte in ganz Mittelamerika auf Mercedes-Lastern aus, die sie mit Bargeld kaufen, wobei sie jeden ihrer Lastwagen mit einem christlichen Namen taufen. * Gesetz und Ordnung. Bevor Almolonga transformiert wurde, gab es nicht weniger als sechs überfüllte Gefängnisse, um dem Diebstahl, der Gesetzlosigkeit und Gewalt in den Straßen Herr zu werden. Vor mehreren Jahren wurde das letzte Gefängnis geschlossen, weil es keine Verbrechen mehr gibt. Das letzte Gefängnis wurde zu einer Festhalle umgebaut, die heute für Hochzeiten und andere Feste genutzt wird. * Physische und ökologische Transformation. Almolonga wurde ständig von Plagen, Krankheiten und schlimmen Stürmen heimgesucht. Alle diese Probleme sind heute verschwunden, während die Nachbarstadt Zunil, die nur 3 Kilometer entfernt ist, immer noch den Götzen Maximon ehrt, und darum immer noch von denselben alten Plagen heimgesucht wird. Almolonga ist dafür bekannt, einen der höchsten Lebensstandards in ganz Mittelamerika zu haben. Viele Leute reisen international nach Almolonga, um persönlich zu sehen, wie es aussieht, wenn Gottes Hand eine Städte-Transformation bewirkt.

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Was ist unser Ziel? Christliche Leiter wenden sich heute auf allen Kontinenten bewusst dem zu, was der Geist Gottes den Gemeinden über soziale Transformation sagt. Darum ist es wichtig, dass wir so weit wie möglich, alle auf denselben Stand gelangen, was die wesentlichen Elemente in der Gleichung für eine soziale Transformation betrifft. Eines dieser wesentlichen Elemente ist offensichtlich das Ziel. Eddie Long, Pastor der 25.000 Mitglieder starken New Birth Baptistengemeinde in Atlanta, Georgia, hat eine Leidenschaft für soziale Transformation. Sein Ziel ist klar. Es wird in dem Titel seines kraftvollen Buches über das Thema reflektiert: Taking Over (Übernahme). Bischof Long schreibt: „Jesus nahm Satans Schlüssel und seine Macht auf Golgatha weg, und es liegt heute an uns, dass wir aufstehen und seinen Herrschaftsbereich unterwerfen, und selbst Herrschaft über jedes böse Werk und jeden Diener des Bösen ausüben.“ Der Maßstab für Erfolg Wenn wir dem zustimmen, dass wir uns in Partnerschaft mit Gott vorwärts bewegen müssen, um eine bestimmte Stadt einzunehmen, woran werden wir erkennen, ob und wann wir dies erfolgreich getan haben? Ich glaube, dass ein biblischer Maßstab für Erfolg die Geburt einer neuen Schöpfung ist: „Darum, wenn jemand in Christus ist, so ist er eine neue Schöpfung; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden“ (2. Korinther 5,17). Wenn das der Maßstab ist, was die Bibel von Individuen erwartet, die transformiert sind, warum sollten wir von einer Stadt weniger erwarten? Wenn Individuen von neuem geboren werden können, warum können dann nicht auch ganze Städte neu geboren werden, die aus vielen Individuen bestehen?

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Verwässerte Transformation Ich habe eine Mappe mit Berichten und Geschichten über Transformationen, die wirklich aufregend sind, die Glauben bauen und die Gott verherrlichen. Hier sind einige Beispiele aus verschiedenen Städten Amerikas: • Die Kriminalitätsrate ist gesunken. • Sexgeschäfte wurden nach Gebetsmärschen geschlossen. • Bezahlbare Wohnhäuser wurden in Slums gebaut. • Zwei Wahrsager haben die Stadt verlassen. • Der Prozentsatz der Arbeitslosigkeit ist sehr gesunken. • Angestellte von Banken beten regelmäßig mit ihren Kunden und spielen Lobpreismusik während der Geschäftszeit. • Eine Schwulenbar ist bankrott gegangen. • Der Bürgermeister und der Polizeichef sind Christen geworden. • Die größte Drogen-Razzia in der Geschichte der Stadt war erfolgreich. • Eine christliche Handelskammer wurde organisiert. • Die Zeitungen schreiben positive Berichte über Gemeinden und ihre Aktivitäten. • Abtreibung-Kliniken wurden geschlossen. • Das Schulsystem hat sich wesentlich verbessert.

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Gewiss können wir jedem dieser wunderbaren Berichte applaudieren. Aber keiner dieser Berichte für sich, oder eine Kombination all dieser Berichte, wäre bereits ein ausreichender Indikator, dass eine Stadt transformiert worden ist (Vergangenheitsform). Ich glaube, dass diese Berichte für sich alleine, eine verwässerte Version von Transformation reflektieren. In den weltweiten Kreisen von Leitern, in denen ich mich bewege, liegt der Schwerpunkt einiger meiner Freunde mehr auf dem Prozess der Transformation. Ich glaube, dass wir uns nicht damit zufrieden geben sollten, über einzelne Schritte des Prozesses zu berichten, als wären sie schon das letztliche Ziel. Nein, wir sollten uns auf die vollständige Transformation konzentrieren. Ich will nicht infrage stellen, dass die Berichte über den Prozess auch wichtig sind, aber ich will betonen, dass der Prozess nur ein Mittel für die größeren Ziele ist, und nicht das Ziel selbst. Wahre Transformation Was sollte unser Ziel sein? Ich glaube, dass es soziologisch überprüfbare Transformation sein sollte. Mit anderen Worten, sollte ein unabhängiger, professioneller Soziologe, der standardmäßige, soziale, wissenschaftliche Bewertungsinstrumente gebraucht, zu der Schlussfolgerung kommen, dass eine Stadt transformiert wurde. Ein Grund, warum ich Almolonga in Guatemala, als ein Beispiel für solch eine Transformation gebrauche, ist, weil genau dies dort geschehen ist. Die führende Wochenzeitung von Guatemala, Cronica Semanal, sandte seine Journalisten nach Almalonga, und sie schrieben eine Titelgeschichte über die erstaunliche Transformation der Stadt. Der Titel dieses Berichtes lautete: „Die Niederlage von Maximon!“ Neben anderen Dingen hieß es in dem Artikel: „Der Kult von Maximon und seine Nachfolger wurden zu einer Handvoll Individuen reduziert; und als Folge seines Niedergangs, trinken die Männer der Stadt nicht länger Likör, wegen ihres evangelikalen Glaubens. Darum wird das jährliche Festival für diesen Götzen 67


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nur noch mit Geldern finanziert, die durch Touren von Japanern, Deutschen und Amerikanern eingenommen werden. Indem wir den Begriff gebrauchen, „soziologisch nachweisbare Transformation“, versuche ich nicht, darauf zu bestehen, dass immer professionelle Akademiker herangezogen werden, obwohl dies keine schlechte Idee ist. Nein, die Titelgeschichte des Cronica Semanal wurde durch einen kompetenten, Enthüllungs-Journalisten geschrieben. Ein weiteres Beispiel einer Veränderung an der Basis der Gesellschaft, wo ein großer Fortschritt der Transformation geschah, kommt von Eddie Long aus Atlanta, den ich bereits zuvor zitiert habe. Hier ist sein Bericht: „Heute kann ich ehrlich sagen, dass der Innenstadt von Atlanta etwas sehr Bedeutsames fehlen würde (die New Birth Missionary Baptist Church), wenn wir wegziehen oder schließen würden. Die New Birth Gemeinde finanziert und organisiert wichtige Sozialprogramme in der Stadt, und gibt große Summen Geldes und investiert tausende von Freiwilligen-Stunden in Schlüsselbereiche wie Interventionsprogramme für Jugendkriminalität, öffentliche Schulprogramme, und Unterstützungs- und Missionsprogramme für obdachlose Frauen und Kinder. Wir haben Anteil an jedem Aspekt des Lebens, und wir haben einen großen Einfluss auf die Innenstadtbereiche von Atlanta. Dadurch gewinnen wir wiederum großen Einfluss auf die Infrastruktur der Stadt, … auf die Gerichte, die öffentlichen Schulen, den Senat des Bundesstaates Georgia, den US Senat, und sogar auf das Weiße Haus selbst. Wenn man ein Politiker in einer der führenden Großstädte ist, dann ist es nicht weise eine sehr geeinte, hingegebene und motivierte Gruppe von Wählern zu ignorieren, die über 22.000 Mitglieder hat und die einen großen Wählerstamm in der Stadt ausmacht.“ 68


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Ob Atlanta so vollständig wie Almolonga transformiert werden wird, muss noch abgewartet werden. Dennoch ist fair zu sagen, dass die Stadt einen beachtlichen Fortschritt gemacht hat, gemäß unserer Definition, was soziologisch nachweisbare Transformation betrifft. Wenn wir zustimmen können, diese Definition zu nutzen, dann können wir auch unseren Glauben bekräftigen, dass unsere Stadt eine neue Schöpfung in Jesus Christus werden kann, und wir können uns dann gemeinschaftlich auf dieses Ziel zubewegen.

Unser biblischer Auftrag Zu Beginn dieses Kapitels zitierte ich 1. Mose 1,28, wo Gott ganz klar sagt, dass sein ursprünglicher Plan für die Menschen war, Herrschaft über die ganze Schöpfung auszuüben. Dennoch stellten Adam und Eva, versucht durch Satan, diese Geschichte auf den Kopf. Indem sie Gott nicht gehorchten und ihre Beziehung mit dem Schöpfer brachen, verlor Adam seine Integrität, seine Herrschaft und seine persönliche Bestimmung. Er wurde ein Sünder und reflektierte nicht länger das reine Ebenbild Gottes. Und was noch schlimmer ist, er übertrug seine gefallene Natur genetisch auf alle folgenden menschlichen Generationen. Dadurch konnte Satan seine Absichten im Garten Eden erfüllen. Um dies in der Tiefe zu verstehen, bedenken Sie einmal den Unterschied zwischen Macht und Autorität. Wenn ich zum Beispiel eine .338 Winchester Magnum besitze, habe ich Macht. Dennoch kann ich dieses Gewehr nicht in der Stadt Colorado Springs abfeuern, weil ich nicht die Autorität habe, dies zu tun. Auf der anderen Seite, wenn ich ein Polizist von Colorado Springs wäre, und dasselbe Gewehr in der Hand halte, dann hätte ich nicht nur die Macht, sondern auch die Autorität, diese Macht zu benutzen. Als Luzifer im Himmel war hatte er sowohl Macht und Autorität. Als Satan jedoch aus dem Himmel ausgestoßen wurde, 69


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da behielt er seine Macht, aber er verlor seine Autorität. Adam wurde diese Autorität gegeben, Herrschaft über die ganze Schöpfung auszuüben. Als Adam jedoch in Sünde fiel, da schuf er ein Vakuum von Autorität über Gottes Schöpfung. Dann kam Satan, und eignete sich Adams Autorität an, wodurch er „der Gott dieses Zeitalters“ wurde (2. Korinther 4,4) und „der Fürst der Mächte der Luft“ (Epheser 2,2), und „der Herrscher dieser Welt“ (Johannes 14,30). Johannes ging sogar soweit, zu bestätigen, dass die ganze Welt unter dem Einfluss des Bösen ist (1. Johannes 5,19). Wie viel Autorität oder Herrschaft erlangte Satan? Schauen wir uns dafür die dritte Versuchung von Jesus an, um dies herauszufinden. Wenn wir davon ausgehen, dass diese Versuchungen real waren, und nicht nur irgendein Traum oder irgendein Fantasiegebilde der Vorstellung, dann sehen wir, dass Satan Jesus buchstäblich auf einen hohen Berg führte. Daraufhin zeigte Satan Jesus alle (nicht nur einige) Königreiche der Welt. Dann sagte Satan: „Dies alles will ich dir geben, wenn du niederfällst und mich anbetest“ (Matthäus 4,9). Mein Punkt ist, dass diese Versuchung nur dann eine echte Versuchung sein konnte, wenn Satan tatsächlich die Macht und die Autorität hatte, um diese Bereiche Jesus zu übergeben. Es ist bedeutsam zu sehen, dass Jesus den Machtanspruch Satans über die Reiche der Welt nicht infrage stellte.

Jesus, der zweite Adam Obwohl Jesus niemals Satans Herrschaft infrage stellte, so kam Er dennoch ausdrücklich, um diese Herrschaft von ihm wegzunehmen. Jesus kam als der zweite und letzte Adam (siehe 1. Korinther 15,45-47). Der erste Adam verlor seine Herrschaft; der zweite Adam gewann sie wieder zurück. Dies war ein Neubeginn in der Geschichte. Es ist Teil des neuen Bundes, nicht des alten Bundes. Jesus brachte ein neues Königreich, nämlich das Königreich Gottes. 70


Die Gemeinde in der Arbeitswelt

Der Erste, der dieses Königreich ankündigte, war Johannes der Täufer. Er predigte in der Wüste und sagte: „Tut Buße, denn das Reich Gottes ist nahe gekommen“ (Matthäus 3,2). Dies war der D-Day der Invasion in das Reich von Satan. Als die Alliierten während des Zweiten Weltkrieges ein Bollwerk in Frankreich am D-Day errichteten, da wusste jeder, dass der Krieg im europäischen Theater vorüber war. Dennoch mussten viele weitere Kämpfe stattfinden, bevor Hitler endgültig besiegt war. Auf ähnliche Weise war das Kommen von Jesus, als der zweite Adam, der Beginn des Endes von Satans Niederlage. Jetzt liegt es an uns, bevollmächtigt durch den Heiligen Geist, die Kämpfe zu Ende zu führen, die noch nötig sind. Jesus predigte das Evangelium vom Reich Gottes; die Apostel predigten das Evangelium vom Reich Gottes; und Er erwartet von uns, dass wir das Evangelium vom Reich Gottes predigen (siehe Matthäus 24,14). Was ist das Evangelium vom Reich Gottes? Nach der Versuchung ging Jesus in die Synagoge seiner Heimatstadt Nazareth und verkündete seinen Plan. Wir können annehmen, dass dies der grundlegende Inhalt des Evangeliums vom Reich Gottes ist. Es umfasst das Predigen der guten Nachricht für die Armen, die Heilung der zerbrochenen Herzen, die Befreiung der Gefangenen, die Weitergabe von Augenlicht für die Blinden, die Befreiung der Bedrückten und die Verkündigung des Gnadenjahres des Herrn (siehe Lukas 4,18-19).

Eine neue Sicht der Bibel Wenn wir diesem Muster folgen, dann umfasst unser neues Paradigma für das Übernehmen von Herrschaft für das Reich Gottes eine zweifache Aufgabe: Das evangelistische Mandat (Errettung von Seelen) und das kulturelle Mandat (Transformation der Gesellschaft). Wenn wir uns dies bewusst vor Augen 71


C. Peter Wagner

halten, dann haben wir die geistigen Werkzeuge, um auf eine neue Weise zwei biblische Texte anzuschauen, die seit langem Lieblingsstellen von uns Evangelikalen sind. Die erste Stelle ist in Lukas 19,10, wo wir lesen: „Denn der Sohn des Menschen ist gekommen, um das Verlorene zu suchen und zu retten.“ Unser altes Paradigma interpretiert diesen Text wie folgt: „Um diejenigen zu retten, die verloren sind.“ Aber das sagt Jesus hier nicht. Er sagt: „Um das Verlorene zu suchen und zu retten.“ Was ist dieses „das“? Es ist die Herrschaft über die Schöpfung, die im Garten Eden durch den ersten Adam verloren wurde. Jesus, der zweite Adam, will uns mobilisieren, um das zurückzuholen, was der Feind gestohlen hat. Der zweite Text ist der Missionsbefehl, den wir in Matthäus 28,19-20 finden, wo Jesus sagt: „Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf Erden. Geht nun hin und macht alle Nationen zu Jüngern.“ Jesus sagt uns hier nicht, dass wir Individuen in allen Nation zu Jüngern machen sollen, was unsere gewohnte Auslegung gemäß dem alten Paradigma war. Stattdessen sollen wir alle Nationen (im Griechischen steht hier panta ta ethne) zu Jüngern machen, was im Griechischen alle Volksgruppen oder sozialen Einheiten oder Volksstämme meint. Dies ist ein Begriff, der soziologische Gruppen von Individuen bezeichnet. Die ganze Einheit, oder eine Nation (einschließlich natürlich der Individuen, die dazu gehören), sollen gemeinschaftlich Jünger von Jesus werden, und in ihrer Gesellschaft das bewahren und tun, was Jesus befohlen hat. Wir können hieran erkennen, dass das biblische Ziel des Missionsbefehls nichts weniger als soziale Transformation ist.

Love L. A. – Liebe Los Angeles Ich habe den Großteil dieses Kapitels darauf verwandt, um die verschiedenen Aspekte dieses neuen Paradigmas zu erklären, 72


Die Gemeinde in der Arbeitswelt

und was wir für soziale Transformation brauchen, nämlich das Ergreifen von Herrschaft für Gottes Reich. Jetzt will ich zeigen, wie die Gemeinde in der Arbeitswelt wesentlich ist für die praktische Umsetzung dieses Prozesses. Wie ich schon erwähnte, arbeiten wir christliche Leiter in Amerika seit 1990 daran, diese Herrschaft auszuüben, insbesondere was die Transformation von Städten betrifft. Ich habe die Tatsache beklagt, dass wir trotz der besten Einflussnahme unserer hervorragendsten Leiter und dem Einsatz sehr guter und neuer geistlicher Werkzeuge, die Gott uns in den letzten Jahrzehnten offenbart hat, größtenteils nur durchschnittliche Ergebnisse erzielt haben. Zum Beispiel habe ich selbst mehrere Jahrzehnte in der Region Los Angeles gelebt, während ich auch einer der Leiter der weltweiten Gebetsbewegung war. Städte in ganz Amerika haben in den 90-er Jahren auf begeisternde Weise Gebetsbewegungen organisiert, auf nie dagewesene Weise. Eine der bekanntesten GebetsBewegungen für Städte wurde in dem Jahrzehnt in Los Angeles durchgeführt. Sie wurde unter dem Namen Love L. A. von zwei unserer prominentesten, nationalen christlichen Leitern angeführt, von Lloyd Ogilvie und von Jack Hayford. Ogilvie, der Pastor der Hollywood Presbyterian Kirche, beeinflusste die Leiter der traditionellen Denominationen ins Boot zu kommen. Jack Hayford, der Pastor der Foursquare Church on the Way, beeinflusste Pfingstler, Charismatiker und Evangelikale teilzunehmen. Die Versammlungen fanden einmal im Monat in der berühmten Hollywood Presbyterian Kirche statt, geleitet von Ogilvie. Nur diejenigen, die als Leiter anerkannt waren, konnten zu den Versammlungen kommen. Hayford diente als Moderator. Niemals zuvor in der Geschichte hatten sich Leiter von Kirchen, Gemeinden und Diensten in der Los Angeles Region auf so regelmäßige Weise versammelt, sowohl in Quantität und Qualität, wie es bei Love L. A. der Fall war. Die Versammlungen waren von erheben73


C. Peter Wagner

dem Lobpreis charakterisiert, von kraftvollem Gebet, stellvertretender Fürbitte, Versöhnung unter den Volksgruppen, Demut und Zerbrochenheit, einer Last für die Armen und Bedrückten, Ruf um Gottes Erbarmen, Bitten um ein neues Pfingsten, Offenheit für frische Offenbarung, Bekenntnis von Sünden, Heilung, aufrichtige Trauer wegen der Ungerechtigkeiten in der Stadt, Gebet für Leiter in Autorität, und Leidenschaft für die Verlorenen. Wir trafen uns nicht nur einmal, sondern Monat für Monat, Jahr für Jahr. Wenige Städte haben Love L. A. an Eifer, Intensität, Breite und geistlicher Kraft übertroffen. Es wurde berichtet, dass sowohl die Kriminalitätsrate und der Krieg zwischen Banden auf dramatische Weise reduziert worden sei. Eine ganze Reihe von Pornoläden ging bankrott. Christliche Leiter konnten ein neues, durchdringendes Bewusstsein von Moral in der Los Angeles Region wahrnehmen. Der Bürgermeister von Los Angeles lobte Jack Hayford und andere für die positive Rolle, die die Kirche in der Stadt spielt. Trotzdem wollen wir einmal schnell in die Zukunft schauen, in das Jahr 2004, mehrere Jahre nachdem Love L. A. abgeschlossen war. Ist Los Angeles durch Love L.A. transformiert worden? Um diese Frage zu beantworten, hören wir uns kurz an, was Jack Hayford im Jahr 2004 über Los Angeles schrieb: „Allein die einfache Tatsache, dass meine Stadt im Inneren durch Gang-Gewalt und Morde zerrissen wird, durch Homosexualität und Pornographie auf der dunklen Seite verunreinigt wird, und erstickt wird durch Stolz, Selbstzentriertheit, Snobismus, Lust und Begierde auf der Show-Seite, reicht aus, um uns selbst zu zerstören.“ War Love L.A. effektiv, um Transformation in Los Angeles zu bewirken? Es war ein wohl gemeinter Aufbruch, der durch harte Arbeit charakterisiert war, persönliches Wachstum, neue Bezie74


Die Gemeinde in der Arbeitswelt

hungen zwischen Leitern, ein höheres Maß an christlicher Einheit in der Stadt, positive Presseberichte, aber trotz alledem, nur sehr wenig nachhaltige, tiefergehende soziale Transformation!

Was fehlt? Wie erklären wir uns die Tatsache, dass trotz der besten Leiterschaft, hervorragenden geistlichen Methoden, einer großen Hingabe von Zeit, Geld und Energie für die Transformation der Stadt, die Ergebnisse auf der Breite trotzdem ausblieben? Ich habe Los Angeles als Beispiel beschrieben, weil das die Gebetsbewegung ist, in der ich persönlich mitgewirkt habe. Aber ich habe ähnliche Berichte aus zahlreichen anderen Städten erhalten. Es gibt mindestens vier Weisen, wie man dies erklären könnte: 1. Wir haben das falsche Ziel. Wir haben kein biblisches Mandat für die Transformation von Städten, und darum befinden wir uns außerhalb des Willens Gottes. Es braucht kaum erwähnt zu werden, dass ich diese Erklärung nicht teilen kann. 2. Wir haben das richtige Ziel, aber wir gebrauchen die falschen Methoden. Wenn dies der Fall ist, dann sind wir Opfer von massiver Täuschung, weil christliche Leiter auf ganz breiter Basis unsere Methoden als vom Heiligen Geist geschenkt ansehen, und sie wurden von einigen der begabtesten und geistlichsten Diener des Herrn entwickelt. 3. Wir haben das richtige Ziel und die richtige Methoden, aber wir müssen dies mehr umsetzen. Mit anderen Worten, wenn wir die letzten 15 Jahre in Amerika für soziale Transformation gearbeitet haben, dann müssen wir dieselben Dinge weitere 15 Jahre tun, und auf das Beste 75


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hoffen. Diese Erklärung gefällt mir auch nicht besonders, weil ich in 15 Jahren bereits 90 Jahre als sein werde! 4. Unser Ziel und unsere Methoden sind gut, aber irgendetwas fehlt. Mir gefällt diese Erklärung am besten. Schauen wir uns das einmal genauer an. Wir können immer noch dieselben Methoden nutzen, die in den 90-er Jahren entwickelt wurden, und die wir seither verfeinert haben, aber wir müssen einige Elemente in der Gleichung hinzufügen. Was ist es dann, das fehlt? Ich glaube, dass es der Sache sehr helfen wird, wenn wir oberflächliche Antworten auf diese Frage vermeiden. Zum Beispiel erhielt ich vor kurzem einen recht ausführlichen Bericht über das Gewinnen des Kampfes der sozialen Transformation. Darin schlug der Autor vor, dass wir drei Dinge brauchen, damit wir zum Durchbruch kommen und Ergebnisse erzielen: Intimität mit Gott, die Einheit des Leibes Christi in einer Region, sowie Heiligkeit und Gerechtigkeit. Ich las dies mit einigem Erstaunen, weil wir 15 Jahre lang diese drei Dinge eifrig gepredigt und mit unserem besten Vermögen umgesetzt hatten. Alle drei Elemente waren definitiv in Love L. A. vorhanden. Ich stimme natürlich zu, dass wir ohne diese Dinge kein großes Ziel erreichen können, aber analytisch betrachtet, kann ich auch nicht sehen, wie diese Dinge alleine für sich genommen den Unterschied ausmachen sollen.

Apostolische Leiterschaft Während der 90-er Jahre wussten wir nur sehr wenig über apostolische Leiterschaft. Ebenso wussten wir nur sehr wenig über die Gemeinde in der Arbeitswelt. Heute wissen wir viel mehr darüber. In Kapitel 1 habe ich versucht, die Wichtigkeit der Gemeinde in der Arbeitswelt darzustellen, und in Kapitel 2 habe 76


Die Gemeinde in der Arbeitswelt

ich dargelegt, dass es Apostel in der Arbeitswelt gibt. Wir jedoch müssen über das Verständnis der 90-er Jahre hinausgehen, und diese Konzepte in unsere Bemühungen für soziale Transformation integrieren. Schauen wir uns noch einmal die Grafik der sozialen Transformation an.

Soziale Transformation Die Gemeinde in der Arbeitswelt

Die Regierung der Gemeinde

Apostel der Arbeitswelt

Transfer von Wohlstand

Den Geist der Armut brechen

Eine der zwei Hauptsäulen, die soziale Transformation unterstützen und tragen, ist auf der einen Seite die Gemeinde in der Arbeitswelt, wobei die Apostel in der Arbeitswelt helfen, die gesamte Struktur miteinander zu verbinden. Eine sehr wichtige Rolle in sozialer Transformation ist die der regionalen Apostel. Dies sind Apostel, denen Gott wichtige apostolische Autorität über eine bestimmte geographische Region gegeben hat. Ich habe keinen Zweifel daran, dass Apostel der Nukleus-Gemeinde auch von Gott eingesetzte und beauftragte regionale Apostel sind. Aber dieses neue Paradigma der Gemeinde in der Arbeitswelt hat mich zu der starken Überzeugung geführt, dass die Mehrheit der regionalen Apostel mit großer Wahrscheinlichkeit Apostel aus der erweiterten Gemeinde sein werden, und nicht Apostel aus der Nukleus-Gemeinde. 77


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Das bedeutet, dass wir uns mit der Aufgabe beschäftigen müssen, die Apostel in der Arbeitswelt zu identifizieren, ihre Jobbeschreibungen zu erstellen, sie offiziell zu beauftragen, und sie auf jede nur erdenkliche Weise zu unterstützen und zu ermutigen. Bis wir das ernsthaft tun, werden wir weiterhin Berichte über Transformations-Müdigkeit hören und sie werden zunehmen. Wir werden uns weiterhin fragen, warum es so schwierig zu sein scheint, den Befehl umzusetzen, den Jesus, der zweite Adam, uns gegeben hat – den Befehl, die Herrschaft zu übernehmen. Entscheiden wir uns, vorwärts zu gehen. Übernehmen wir die Herrschaft jetzt!

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Die Gemeinde in der Arbeitswelt

Fragen zur Vertiefung 1. Laut Wagner ist eine Balance der Gemeinde zwischen dem evangelistischen und dem kulturellen Mandat biblisch und notwendig. Stimmen Sie dem zu? Warum oder warum nicht?

2. Peter Wagner vertritt eine „Herrschafts-Theologie“ des Reiches Gottes, aufgrund des Befehls, den Gott dem Menschen in 1. Mose 1,28 gegeben hat, sowie des Missionsbefehls Christi. Stimmen Sie dem zu? Warum oder warum nicht?

3. Glauben Sie, dass Städte genauso wie Individuen transformiert und erlöst werden können? (Siehe zum Beispiel Almolonga)

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4. Welche Anzeichen von Transformation einer Stadt oder eines Bereichs der Gesellschaft haben Sie schon erlebt? Was war/ist die Ursache dafür?

5. Stimmen Sie zu, dass die Apostel in der Arbeitswelt das fehlende Element für Transformation von Städten sein können? Warum oder warum nicht?

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Kapitel 4

Von Armut zu Wohlstand

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ine der Haupt-Hypothesen dieses Buches lautet, dass das Reich Gottes im 21. Jahrhundert keine großen Fortschritte machen wird, bevor nicht zwei Dinge umgesetzt sind: Die Aktivität des Leibes Christi in der Arbeitswelt und der Transfer von Wohlstand. Damit dies geschehen kann, müssen anerkannte, produktive Apostel der Arbeitswelt in der Arbeitswelt auf effektive Weise positioniert sein und wirken. Mein Arbeits-Diagramm, wie diese verschiedenen Teile des neuen Paradigmas zusammenpassen, zeigt, dass eine der Säulen, die das übergeordnete Ziel der sozialen Transformation trägt, die Säule des Transfers von Wohlstand ist. Hier ist die Weise, wie dies aussieht:

Soziale Transformation Die Gemeinde in der Arbeitswelt

Die Regierung der Gemeinde

Apostel der Arbeitswelt

Transfer von Wohlstand

Den Geist der Armut brechen

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Mir gefällt es, wie Joe Johnson, der Herausgeber des Magazins Business Reform, die Notwendigkeit von Wohlstand für soziale Transformation beschreibt. Er vergleicht eine Kultur mit einer Autobahn, auf der viele Fahrzeuge in entgegengesetzte Richtungen fahren. Einige fahren in eine Gott-gefällige Richtung, während andere in eine ungöttliche Richtung unterwegs sind. Alle brauchen Benzin. Er schreibt: „Gemäß der Vorausschau Gottes, kontrolliert die Wirtschaft die Versorgung mit Benzin.“ Wenn die Fahrzeuge mit einer ungöttlichen Weltanschauung genügend Benzin haben, während diejenigen mit einer biblischen Weltanschauung auf dem Trockenen sitzen, dann werden wir nicht weit kommen, unsere Gesellschaft transformiert zu sehen. Was muss geschehen? Johnson antwortet: „Die Gemeinde muss sich der Geschäftswelt zuwenden, und das Wort Gottes auf klare Weise in der Wirtschaft predigen, und sie muss den Christen in der Arbeitswelt helfen, Firmen mit einer biblischen Weltanschauung zu bauen. Meiner Überzeugung nach, obwohl Johnson dies nicht so formuliert, wird dies eine der Hauptrollen von Aposteln in der Arbeitswelt sein. Johnson erklärt weiter, dass wenn die christliche Wirtschaftsgemeinschaft die Benzinversorgung kontrolliert, dann wird das Problem, dass wir heute so häufig antreffen, das christliche Organisationen nicht genug Geld haben, um einen bedeutsamen Einfluss auf die Gesellschaft auszuüben, sehr bald der Geschichte angehören.

Die Geschichte verändern Lassen Sie mich eine radikale Aussage über Geschichte machen: Wenn Sie darüber nachdenken, dann hat es drei Faktoren in der gesamten Geschichte der Menschheit gegeben, die Gesellschaft mehr als alle anderen Faktoren verändert haben, nämlich Gewalt, Wissen und Wohlstand. Und der stärkste dieser 82


Die Gemeinde in der Arbeitswelt

Faktoren ist Wohlstand. Nein, ich will keinen neuen Bibelvers prägen, aber ich versuche so eindringlich wie möglich zu betonen, dass Wohlstand der unentbehrliche Treibstoff für unsere Fahrzeuge der sozialen Transformation ist. Beachten Sie, dass die Grundlage, auf der die Säule des Transfers von Wohlstand in der Grafik der sozialen Transformation steht, mit den Worten beschrieben ist, „den Geist der Armut brechen.“ Ich glaube, um diesen Geist brechen zu können, müssen wir anfangen, ihn zuerst genau zu verstehen. Darum nenne ich dieses Kapitel „Von Armut zu Wohlstand“. Wenn wir uns realistisch mit dem bösen Geist der Armut befassen, der die Gemeinde für sehr lange Zeit geplagt hat, dann werden wir damit beginnen, Türen für den gegensätzlichen Geist zu öffnen, nämlich den Geist des Wohlstandes. Seit einiger Zeit hat Gott uns durch die Propheten immer wieder gesagt, dass er große Mengen von Wohlstand für die Ausdehnung des Reiches Gottes freisetzen will. Einige studierte Individuen, wie Chuck Pierce, verfolgen viele dieser Prophetien auf das Jahr 1992 zurück. Sie gehen vielleicht noch weiter zurück. Es ist wichtig zu erinnern, dass die Propheten, auf die ich mich hier beziehe, zu den anerkanntesten und genausten Propheten in der heutigen Kirche gehören. Es sollte kein Zweifel daran bestehen, dass sie auf akkurate Weise Worte von Gott kommunizieren.

Gottes Timing Da Gott gesagt hat, dass er Wohlstand freisetzen will, wir dies aber noch nicht auf breiter Basis erlebt haben, muss auch ein Faktor des rechten Timings vorhanden sein. Während es einige Anzeichen gibt, während ich dieses Buch schreibe, dass diese Freisetzung bereits beginnt, ist es dennoch gut, wenn wir fragen, worauf Gott wartet. Ich glaube, dass die Einsetzung von Aposteln in der Arbeitswelt in ihre richtige Position eines der 83


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Dinge ist, auf die Er erwartet. Barbara Wentroble glaubt, dass es einen weiteren Faktor gibt, „die Haltung der Armut-Mentalität loszuwerden“. Sie schreibt: „Viele Prophetien werden über den Transfer von Wohlstand gegeben. Gott will uns jedoch dafür positionieren, diesen Wohlstand für die Absichten des Reiches Gottes zu empfangen. Wir müssen uns mit allen alten religiösen oder traditionellen Denkweisen befassen, die unseren Glauben hindern. Wir müssen dem Herrn glauben, dass Er die Finanzen freisetzt, die uns helfen unsere Bestimmung zu erfüllen.“ Wenn diese Freisetzung kommt, was geschehen wird, dann werden wir in eine Zeit des Überflusses kommen. Einige werden es empfangen, andere nicht. Diejenigen, die weiterhin durch einen Geist der Armut gebunden bleiben, werden es verpassen. Eine Denkweise der Armut ist kein psychologisches Problem. Wir haben es hier vielmehr mit hochrangigen Dämonen zu tun, die vom Feind beauftragt wurden, das Volk Gottes daran zu hindern, auf höhere Ebenen zu gelangen, und ihre rechtmäßige Herrschaft über Gottes Schöpfung einzunehmen.

Der Segen von Wohlstand Wir müssen verstehen, dass es Gottes Wille für Sein Volk ist, Wohlstand zu erleben, und nicht arm zu sein. Die Bibel bestätigt, dass diejenigen, die Gott gehorchen, Sein Bestes empfangen. Was ist Gottes Bestes? Wir finden es detailliert in 5. Mose 28,1-14 beschrieben. Hier ist nur ein Aspekt: „Und der Herr wird dir Überfluss geben an Gutem, an der Frucht deines Leibes und an der Frucht deines Viehes und an der Frucht deines Ackerlandes, zur Wohlfahrt in dem Land, das dir zu geben der Herr deinen Vätern geschworen hat“ (5. Mose 28,11). Dieses Thema wurde durch alle Zeitalter und Generationen weitergegeben, bis zu dem letzten Buch, das in der Bibel geschrieben wurde, dem 3. Johannesbrief. Dort schreibt Johan84


Die Gemeinde in der Arbeitswelt

nes: „Geliebter, ich wünsche, dass es dir in allem wohl geht und du gesund bist, wie es deiner Seele wohl geht. (3. Johannes 2). Diese Schriftstelle hilft uns zu erkennen, dass Wohlstand viele Dimensionen hat, und nicht auf materielle Dinge begrenzt ist. Meiner Ansicht nach hat Wohlstand vier Ausdrucksweisen: Materieller Wohlstand, geistlicher Wohlstand, physischer Wohlstand und sozialer Wohlstand.

Der Fluch der Armut Das Gegenteil von Wohlstand ist Armut. Wenn Wohlstand der Wille Gottes ist, dann muss Armut der Wille des Teufels sein. Daher ist es eine vernünftige Annahme, dass es einen dämonischen Geist der Armut geben muss, der heute in der Welt aktiv ist. Dies ist ein Agent von Satan, der Menschen daran hindern soll, zu Wohlstand zu gelangen, indem er sie in einem Stadium der Armut festhält. Armut ist nichts weniger als ein Fluch. Der erste Teil von 5. Moses 28 führt, wie wir gesehen haben, Wohlstand als einen Segen auf, den der Herr denen verheißen hat, die Ihm gehorchen. Der zweite Teil desselben Kapitels verheißt jedoch in den Versen 15-68 denjenigen Armut, die sich weigern, Gott zu gehorchen. In Vers 15 lesen wir: „Dann werden alle diese Flüche über dich kommen und werden dich erreichen.“ Einer dieser Flüche ist: „Du wirst deinen Feinden, die der Herr gegen dich senden wird, dienen in Hunger und Durst, in Blöße und in Mangel an allem. Und Er wird ein eisernes Joch auf deinen Hals legen, bis Er dich vernichtet hat“ (5. Mose 28,48). Ich bin mir dessen bewusst, sobald ich Wohlstand als etwas Gottgefälliges bestätige, werde ich bestimmte Gläubige vor den Kopf stoßen. Warum ist das so? Es ist so, weil der Geist der Armut, der eng mit dem Geist der Religion verknüpft ist, in den letzten Jahrhunderten viel mehr Erfolg hatte, als dies hätte sein 85


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dürfen. Einer der größten Siege hierfür war die Verbreitung der Lehre durch die meisten christlichen Kirchen, dass Frömmigkeit in einem direkten Verhältnis zu Armut steht.

Das Klostertum des Mittelalters Diese unbiblische Denkweise erlangte ungefähr im 4. Jahrhundert an Einfluss, als die Kirche sich mit dem Kaiser Konstantin verband, und anfing die Tür für eine griechische Weltanschauung zu öffnen, anstatt für eine biblische, hebräische Weltanschauung. Die griechische Denkweise, wie wir im ersten Kapitel sahen, vertritt die Sicht, dass der geistliche Aspekt des Lebens den materiellen Aspekten des Lebens überlegen sei. Die Schlussfolgerung war: Je geistlicher du bist, umso weniger materiell wirst du sein. Die Klöster und ihre Mönche nahmen diese Philosophie an, und verbreiteten sie während des Mittelalters. Im Laufe der Zeit wurden alle Kleriker aufgefordert, ihre überlegene Geistlichkeit dadurch zu beweisen, dass sie Schwüre der Armut, sexueller Enthaltsamkeit und des Gehorsams leisten mussten. Die meisten Gläubigen haben mittlerweile die Vorstellung verworfen, dass sexuelle Enthaltsamkeit eine göttliche Tugend ist. Wir stimmen heute zu, dass Sexualität eine Gabe von Gott ist. Gleichzeitig denke ich, dass wir ein wenig überreagiert haben, gegen das klösterliche Ideal des Gehorsams zu eifern. Die meisten von uns können wahrscheinlich eine positivere Haltung hinsichtlich Unterordnung gebrauchen. Aber leider hat sich diese Festlegung für Armut auf unsere Gemeinden übertragen. Es ist zu einem institutionellen Fluch für den Leib Christi geworden, der dringend gebrochen werden muss. Das Joch der mittelalterlichen Kloster-Mentalität hat zu lange auf unseren Schultern gelastet. Es ist eine Last, vielleicht sogar ein Fluch, den wir nicht länger hinnehmen sollten. Nachdem ich dies gesagt habe, möchte ich betonen, dass ich glaube, dass wir uns mittlerweile in die richtige Richtung 86


Die Gemeinde in der Arbeitswelt

bewegen. Es wird nicht mehr lange dauern, bevor viele von uns zustimmen, dass wir uns von Armut zu Wohlstand bewegen müssen. Seit ungefähr 35 Jahren hat Gott Sein Volk für diese neue Denkweise vorbereitet. Wenn ich heute zurückblicke, sehe ich vier wichtige Schritte, die der Leib Christi getan hat, um die Bedrückung durch den Geist der Armut abzulehnen.

Ablehnung des Geistes der Armut Schritt 1: Die Wort des Glaubens Bewegung Der erste Schritt war das Entstehen der Wort des Glaubens Bewegung in den frühen 70-er Jahren. Einige der sichtbaren Leiter dieser Bewegung waren Kenneth Hagin, Kenneth Copeland, Frederick K. C. Price, neben vielen anderen. Sie unterschieden sich unter anderem dadurch, dass sie Gottes Verheißung für Wohlstand wörtlich nahmen. Sie hatten den Glauben, Gott bei Seinem Wort zu nehmen, und als Folge davon, erlangten sie Wohlstand. Sie wurden selber wohlhabend, ihre Dienste wurden wohlhabend, und unzählige ihrer Nachfolger wurden wohlhabend. Sie prosperierten in vier Dimensionen: Materiell, geistlich, körperlich und sozial. Das Rhema Bibel-Institut in Tulsa, Oklahoma, wurde ihr erstes Trainingszentrum. Anders als andere Bibelschulen und theologischen Seminare, war es ein Schwerpunkt von Rhema, seinen Studenten zu helfen, von dem Geist der Armut frei zu werden, neben der Lehre aller anderen Bibelthemen. Die Studenten von Rhema sind in die ganze Welt gegangen und haben das Reich Gottes ausgebreitet. Fred Price Für viele Jahre, als ich in Los Angeles lebte, war Fred Price mein Nachbar und mein Freund. Ich beobachtete das beeindruckende Wachstum des Crenshaw Christian Center, der Gemeinde, 87


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dessen Pastor er war (und immer noch ist). Ich war erstaunt, dass seine Gemeinde in der Lage war, das ehemalige Gelände der Pepperdine Universität in Los Angeles zu kaufen, nachdem Pepperdine an einen anderen Ort umgezogen war. Ich beobachtete die Erbauung des Faith Domes, der mit 10.400 Sitzplätzen das größte Gemeindegebäude westlich des Mississippi wurde. Tatsächlich hatte ich die Ehre, einer der Sprecher bei seiner Einweihung zu sein. Was ist so bemerkenswert an Fred Price und dem Crenshaw Christian Center? Es ist eine Gemeinde, die im Ghetto von Los Angeles gegründet wurde. Die Bekehrten sind hauptsächlich AfroAmerikaner, die zu den Ärmsten der Armen gehörten. Sozialhilfe, Drogenmissbrauch, Arbeitslosigkeit, Gewalt, kaputte Familien und Verzweiflung gehörten zum normalen Lebensstil der Menschen. Sie waren buchstäbliche Sklaven der Armut. Als diese Menschen jedoch mit dem Crenshaw Christian Center in Beziehung kamen, empfingen sie den Glauben für ein besseres Leben. Sie erlangten übernatürliche Kraft, um den Geist der Armut zu brechen. Sie fingen an, in göttlichen Wohlstand zu gelangen. Ich wäre nicht überrascht, wenn Statistiken beweisen würden, dass Pastor Fred Price, mehr als irgendein Bürgermeister von Los Angeles, den größte Einfluss hatte, um die meisten AfroAmerikaner in Los Angeles von Sozialhilfe zu befreien. Begrenzte Reichweite Nachdem ich diese guten Dinge über die Wort-des-Glaubens-Bewegung gesagt habe, warum wurde nicht der ganze Leib Christi hierdurch beeinflusst? Warum wollte nicht jeder wie Kenneth Hagin oder Fred Price sein? Ich glaube, dass es dafür drei Gründe gibt. Erstens, war Wort des Glaubens eine charismatische Bewegung. Diejenigen, die damit verbunden waren, beteten Gott überschwänglich an, hoben ihre Hände in den Gottesdiensten, sprachen 88


Die Gemeinde in der Arbeitswelt

in neuen Zungen, empfingen prophetische Worte von Gott und heilten die Kranken. Weite Teile des Leibes Christi waren jedoch immer noch überzeugt, dass diese Geistesgaben nicht mehr existierten, und konnten darum diese Dinge nicht in ihren Gemeinden akzeptieren. Alles Charismatische, auch das Brechen des Geistes der Armut, wurde als eine abweichende Form von Christentum angesehen, etwas, das vermieden werden musste. Für die meisten Denominationen in den USA, war die Wort-des-Glaubens-Bewegung nicht einmal auf ihren Radarschirmen. Zweitens, waren viele Gläubige, die zwar offen für charismatische Dinge waren, nicht bereit, einige der äußeren Zeichen des Wohlstandes von einigen Leitern der Wort des Glaubens Bewegung zu billigen. Sie reagierten gegen scheinbare Extreme von persönlich sichtbarem Wohlstand. Fred Price beschloss zum Beispiel, einen Rolls Royce zu fahren. Dies wurde von einigen als eine unchristliche Entscheidung angesehen, ungeachtet der Tatsache, dass dankbare Gemeindemitglieder ihm das Auto geschenkt haben, und dass sie sich freuen, wenn sie ihn den Wagen fahren sehen. Drittens, waren viele kirchliche Leiter durch die allgegenwärtige Kraft des Geistes der Armut beeinflusst und gefangen. Sie waren überzeugt, genauso wie die mittelalterlichen Mönche, dass Armut auch Frömmigkeit reflektiert. Ihre einfache Schlussfolgerung bestand darin, dass Menschen, die in großen Häusern leben, oder Flugzeuge haben, oder einen Rolls Royce fahren, nicht sehr fromm sein können. Glücklicherweise ist das Pendel am zurückschwingen. Die zweite Generation der Leiter der Wort des Glaubens Bewegung vermeiden mittlerweile einige dieser Extravaganzen. Die Trennlinien zwischen Wort des Glaubens und dem übrigen Leib Christi, sind nicht annähernd so scharf, wie sie es einmal waren. Die Wort-des-Glaubens-Bewegung war ein bedeutsamer Schritt, um den Geist der Armut vom gesamten Leib Christi zu entfernen. 89


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Schritt 2: Die soziale Transformations-Bewegung Die soziale Transformation-Bewegung ist ein zweiter bedeutsamer Schritt, um dem Geist der Armut den Todesstoß zu verleihen. Dies wurde zu einem häufigen Thema der Diskussion in den frühen 90-er Jahren, was bis heute angehalten hat. Da ich im vorherigen Kapitel über die soziale Transformations-Bewegung berichtet habe, muss ich hier nicht viel mehr hinzufügen. Dennoch spüre ich, dass ich betonen sollte, dass wir ein umfassenderes Verständnis des Reiches Gottes brauchen, sowie unseres Auftrags, die Herrschaft über Gottes Schöpfung zu übernehmen, wenn wir die Absicht Gottes erfüllen wollen, dass Sein Wille auf der Erde getan wird, wie es im Himmel geschieht. Ich möchte die Wichtigkeit von Jesu Dienst in Seiner Heimatstadt Nazareth nach Seiner Taufe und Versuchung wiederholen. Dort hielt Jesus Seine erste öffentliche Rede in einer Synagoge. Daher ist es nicht weit hergeholt, wenn wir annehmen, dass Jesus hier die Agenda für Seinen irdischen Dienst bekannt gab. Er begann mit den Worten: „Der Geist des Herrn ist auf mir, weil Er mich gesalbt hat, das Evangelium den Armen zu predigen“ (Lukas 4,18). Das Wort Evangelium bedeutet gute Nachricht. Stellen Sie sich vor, Sie wären arm, wirklich arm. Ihr jährliches Einkommen wäre unterhalb der Armutsgrenze. Was wäre eine gute Nachricht für Sie? Die bestmögliche Nachricht wäre, dass Sie nicht länger arm sein müssen. Und das war die erste Sache auf der Agenda von Jesus. Die soziale Transformations-Bewegung glaubt, dass die Werte und der Lebensstil des Reiches Gottes unsere Gesellschaft, unsere Städte, unsere Volksgruppen und unsere Nationen durchdringen sollten. In Matthäus 6,10 lesen wir: „Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf der Erde.“ Ich kann Ihnen versichern, dass es im Himmel keine Gettos, keine Sozialhilfe, keine Essensmarken, keine von Ratten verseuchten Häuser, keine Unterernährung oder Gewalt auf den Straßen gibt. Der Geist der Armut hat dort 90


Die Gemeinde in der Arbeitswelt

keinen Platz, und daher sollte er auch keinen Platz in unserer heutigen Gesellschaft haben. Schritt 3: Die Bewegung der Gemeinde in der Arbeitswelt Ich erklärte das Konzept von der Gemeinde in der Arbeitswelt recht detailliert in Kapitel 1. Jetzt möchte ich zeigen, inwiefern dies der dritte Schritt war, um den Geist der Armut zu brechen, der unsere Gemeinden so lange geplagt hat. Ich führe dies als den dritten Schritt an, weil die Bewegung in die 50-er Jahre zurückverfolgt werden kann, wobei sie sich erst Ende der 90-er Jahre richtig auszubreiten begann. Die Idee dahinter ist, dass das Volk Gottes die Gemeinde ist (die Ekklesia). Sie sind die Gemeinde an Sonntagen, aber sie bleiben auch die Gemeinde an den anderen sechs Tagen der Woche, wenn sie in der Arbeitswelt sind. Die Begrifflichkeit, die ich vorschlage, ist Nukleus-Gemeinde, für die Gemeinden, die sich an den Wochenenden treffen, und erweiterte Gemeinde, für das Volk Gottes, das während der Woche in der Arbeitswelt ist. Die Kluft zwischen Gemeinde und Arbeitswelt Wir müssen dieses Konzept so klar wie möglich verstehen, weil es unglücklicherweise eine große Kluft zwischen den beiden Formen der einen Gemeinde gibt. Laura Nash, Professorin für Wirtschafts-Ethik an der Harward Business School, und Scotty McLennan, Dekan für religiöses Leben an der Stanford Universität, führten eine bemerkenswerte soziologische Studie durch, die diese Kluft aufdeckte. Sie berichteten über ihre Entdeckungen in ihrem wichtigen Buch Church on Sunday, Work on Monday (Gemeinde am Sonntag, Arbeit am Montag), was sich auf die beiden Formen von Gemeinde bezieht, die ich die Nukleus-Gemeinde und die erweiterte Gemeinde nenne. In ihrem Bericht weisen Nash und McLennan auf den starken Einfluss hin, den der Geist der Armut in unseren Gemeinden 91


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erlangt hat. Sie berichten, auf welche Weise Geschäftsleute und Geistliche in zwei verschiedenen Welten leben. Zwischen den beiden Gruppen gibt es Minenfelder, die sich durch verschiedene Denkweisen und Haltungen über Geld, Armut und Wirtschaft ausdrücken. Ihre Haltung kann man entweder als Jasager oder Neinsager gegenüber dem Kapitalismus zusammenfassen. Sie schreiben dazu: „Pastoren oder Geistliche haben die Tendenz, die Wirtschaft und Firmen als ein Konzept zu sehen, das allein auf Geld oder Profit konzentriert ist – was für sie Stichwörter für übertriebenen Wohlstand und Ausbeutung sind. Sie sehen Geschäftsleute als gierig und selbstsüchtig an; sie bezeichnen Geld immer wieder als das Hauptanliegen von Firmen (übertrieben hohe Gehälter, verschwenderischer Lebensstil, materialistischer Ehrgeiz, große Kluft der Löhne). Die Anhäufung von Wohlstand löst für sie insbesondere negative Assoziationen aus, wie Götzendienst, Materialismus, Sünde, falsche Werte, falsche Prioritäten, Egoismus und vor allen Dingen Ungerechtigkeit gegen die Armen.“ Viele scheinen an der Vorstellung festzuhalten, dass Armut gleich Frömmigkeit ist. John Osteen Dass Armut gleichbedeutend mit Frömmigkeit ist, steht auch in Verbindung mit der Vorstellung, dass es für Prediger normal ist, arm zu sein. Mir gefällt die Weise, wie Joel Osteen, Autor des Bestsellers Your Best Life Now (Auf Deutsch erschienen als: Lebe jetzt! Beginnen Sie heute Ihr bestes Leben), berichtet, wie dies im Leben seines Vaters John Osteen Ausdruck fand. „Papa wuchs mit einer Armuts-Mentalität auf“, schreibt Joel. 92


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„Das war alles, was er je gekannt hatte. Als er seine erste Stelle als Pastor begann, konnte die Gemeinde ihm nur 115 Dollar pro Woche zahlen. Papa und Mama konnten kaum mit dem wenigen Geld überleben, insbesondere, als meine Geschwister und ich geboren worden. Der gefährlichste Aspekt ihres Lebens jedoch war, dass mein Vater sich daran gewöhnt hatte, Armut zu erwarten. Für viele Jahre konnte er einen Segen nicht annehmen, selbst wenn er zu ihm kam.“ Joel berichtet, wie seine Eltern einmal ihr Familien-Budget aufbesserten, indem sie den Gastsprecher der Gemeinde für eine Woche bei sich zu Hause aufnahmen. Nachdem der Sprecher abgefahren war, sagte ein Geschäftsmann der Gemeinde, dass er die Extraausgaben und ein wenig mehr bezahlen wollte, worauf er John Osteen einen Scheck für ihn persönlich über 1.000 Dollar reichte (was heute vielleicht 10.000 Dollar wären). Osteen nahm den Scheck an, bestand aber darauf, ihn in das Gemeindeopfer zu legen. Joel kommentiert: „Papa gab später zu, dass er im tiefsten Inneren gerne das Geld behalten hätte. Er wusste, dass er und Mutter das Geld dringend brauchten, aber er hatte eine falsche Form von Demut. Er konnte den Segen nicht empfangen. Er dachte, er würde Gott einen Gefallen tun, indem er arm bleiben würde.“ Wegen der Gemeinde in der Arbeitswelt-Bewegung schließt sich diese Kluft. Mehr und mehr Menschen sind mit der Vorstellung vertraut, dass Gott viele Seiner Leute zu einem Dienst (ich habe das Wort sorgfältig ausgewählt) des Geldverdienens berufen hat. Der Geist der Armut hasst diese Vorstellung! Schritt 4: Die Transfer-des-Wohlstands-Bewegung Der letzte dieser vier Schritte, weg vom Geist der Armut, ist die Transfer des Wohlstands-Bewegung. Dies ist eine der Säulen, 93


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die direkt soziale Transformation unterstützt, wie das Diagramm am Anfang dieses Kapitels zeigt. Wie ich gesagt habe, gehen die Prophetien über den Transfer des Wohlstands zurück zu den frühen 90-er Jahren, aber das Phänomen selbst begann erst richtig im 21. Jahrhundert. Meiner Einschätzung nach, besteht ein Teil des Grundes, warum diese gewaltigen finanziellen Mittel noch nicht früher freigesetzt wurden, darin, dass Gott auf eine klarere Anerkennung der Apostel in der Arbeitswelt gewartet hat. Apostel in der Arbeitswelt sind schon seit langer Zeit von dem Geist der Armut befreit. Wenn der Wohlstand freigesetzt wird, dann wird er durch übernatürlichen Transfer zu Gottes Volk gelangen, oder durch die Kraft, Wohlstand zu erwirtschaften, oder durch eine Kombination von beiden Faktoren. Übernatürlicher Transfer Manchmal entscheidet sich Gott, Wohlstand übernatürlich auf Sein Volk zu übertragen. In diesem Fall wurde der Wohlstand nicht durch die Hände derer produziert, die ihn empfangen. Ein biblisches Beispiel von übernatürlichem Transfer ist die Geschichte, wie die Israeliten Ägypten verlassen, wo sie über 400 Jahre Sklaven gewesen waren. Als die Israeliten das Rote Meer durchschritten, und sich in die Wüste begaben, waren sie reich; aber sie hatten ihren Wohlstand nicht dadurch verdient, dass sie Ziegel ohne Stroh machten, also durch die Arbeit, die sie gezwungen waren zu tun. Gott beschloss, den Wohlstand der Ägypter übernatürlich zu ihnen zu transferieren, bevor sie Ägypten verließen. Das ist ein Grund, warum der Pharao versuchte, sie wieder zurückzuholen, als sie Ägypten verlassen hatten. Die Heilsarmee ist ein Beispiel aus der jüngeren Geschichte, die die größte gemeinnützige Spende in der Geschichte unseres Landes empfing. Im Jahr 2004, starb Joan Kroc, die Witwe von Ray Kroc, dem Gründer von McDonald’s, und hinterließ der 94


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Heilsarmee 1,5 Milliarden Dollar. Die Heilsarmee erlangte dieses Geld nicht dadurch, dass sie mit Glocken in Einkaufszentren klingelte, während der Weihnachtszeit, oder indem sie kreative Fundraising-Ideen umsetzte. Die Heilsarmee empfing es durch einen übernatürlichen Transfer von Wohlstand. Die Kraft, Wohlstand zu erwirtschaften Gott überträgt Wohlstand auch, indem er Seinem Volk die Kraft gibt, Wohlstand zu erwirtschaften. Dies erfahren wir in 5. Mose 8,18, wo Gott zu Seinem Volk sagt: „Du sollst an den Herrn, deinen Gott, denken, dass Er es ist, der dir Kraft gibt, Vermögen zu schaffen; damit Er Seinen Bund aufrecht erhält, den Er deinen Vätern geschworen hat, so wie es heute ist.“ Ein Beispiel dafür ereignete sich vor kurzem in Indonesien, durch meinen Freund, Apostel Alex Tanuseputra. Alex ist Pastor einer Gemeinde von 80.000 Mitgliedern und Leiter eines apostolischen Netzwerkes von 800 Gemeinden, die nichts vom Geist der Armut wissen. Er wurde nicht durch mittelalterliche Klosterlehre beeinflusst. Er hat den Jakarta Gebetsturm erbaut, der als eines der höchsten Gebäude der Welt konstruiert wurde und der über 250 Millionen Dollar kostet. Allein das Fundament des Turmes kostete 25 Millionen Dollar, die von den Gemeinden in dem Netzwerk von Alex in Indonesien stammen. Eines seiner Gemeindemitglieder besitzt seit fünf Jahren eine Kohlenmine, die mit Hilfe von Satellitenaufnahmen auf 300 Millionen Tonnen Kohle geschätzt wurde. Während dieser fünf Jahre konnte er seine Kohle nicht abbauen, weil der Weltmarkt nur 20 Dollar pro Tonne zahlte, so dass es nicht profitabel gewesen wäre. Der Mann sagte Pastor Alex, dass er ihm gerne helfen wolle, den Gebetsturm zu bauen, und darauf fing Alex an für ihn zu beten. Also er dies tat, fingen Dinge an sich zu verändern. China beschloss plötzlich, eine große Anzahl von Kohleminen zu schließen, und den Bedarf auf dem Weltmarkt für 40 Dollar 95


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pro Tonne zu decken. Auch die südkoreanische Regierung kontaktierte ihn, weil sie Kohle für elektrische Produktion brauchten, so dass er einen weiteren Käufer hatte. Als der Mann begann, seine Kohle abzubauen, da bewertete er die Mine neu und entdeckte, dass er statt 300 Millionen Tonnen eine Mine mit 1 Milliarde Tonnen Kohle besaß! Aber nicht nur das, kurz nachdem sie mit dem Abbau begannen, entdeckten sie auch Ölvorkommen auf seinem Besitz! Nachdem der Besitzer der Kohlenmine mir seine Geschichte erzählt hatte, wie der Herr ihm die Kraft gegeben hatte, Wohlstand zu erwirtschaften, da sagte er: „Peter, mein erster Scheck über meinen Zehnten für den Jakarta Gebetsturm wird ungefähr 45 Millionen Dollar betragen!“ Eine Kombination Ein dritter Weg, wie dieser Transfer von Wohlstand aktiviert wird, ist eine Kombination von übernatürlichem Transfer plus der Kraft Gottes im Leben des Empfängers. Dies ist wahrscheinlich die häufigste Form. Auch die Israeliten, die Ägypten verließen, mussten handeln, damit etwas geschehen konnte. Sie produzierten den Wohlstand nicht selbst, den Gott für sie vorbereitet hatte, aber sie wären nicht in der Lage gewesen, ihn zu empfangen, hätten sie nicht aktiv das eingenommen, was Gott übernatürlich bereitgestellt hatte. Der Herr sagte: „Jede Frau soll von ihrer Nachbarin und von ihrer Hausgenossin silberne Schmuckstücke und goldene Schmuckstücke und Kleidung fordern. Dies sollt ihr euren Söhnen und Töchtern anlegen und so die Ägypter ausplündern!“ (2. Mose 3,22) Die Bibel sagt uns, wenn wir die richtigen Dinge mit Geld tun, einschließlich den Armen, Witwen und Waisen zu geben, 96


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„dann wird Gott dich segnen bei allem Werk deiner Hand“ (5. Mose 14,29). Mit anderen Worten, während wir unserer täglichen Arbeit nachgehen, kommt eine übernatürliche Dimension in unser Leben, um das, was wir tun, profitabler zu machen, als jemals zuvor. Richard Flemming zum Beispiel, der Autor von The Glory returns to the Workplace (Die Herrlichkeit kehrt in die Arbeitswelt zurück), hatte eine Flotte von Autos in England, die er verkaufen wollte, um sie dann wieder anzumieten und einen Gewinn dadurch zu erzielen. Seine Firma hatte vier Pläne entwickelt und drei Schätzungen erhalten, wobei jede etwa 145.000 Dollar Gewinn versprach. Dann sprach eines Tages Gott zu ihm und sagte: „Ich will dir zeigen, wie ich einen Gewinn für dich machen kann. Gehe wie gewöhnlich zur Arbeit, aber tue nichts anderes, als deine Bibel zu lesen.” Es brauchte einigen Glauben, und nicht wenig Überzeugungskraft seinen Mitarbeitern gegenüber, aber Richard gehorchte und hielt dieses ungewöhnliche Verhalten etwa eine Woche durch. Am Ende der Woche, nachdem er nichts anderes getan hatte, als die Bibel zu lesen, empfing Richard einen neuen Plan; und dieser Plan versprach nicht 145.000 Dollar Gewinn, sondern 325.000 Dollar! Alle anderen Bedingungen entsprachen den anderen Plänen. Richard und sein Direktor für Finanzen nahmen sich zwei Wochen Zeit, um den Vertrag zu überprüfen, weil sie nicht sicher waren, ob hier nicht ein Fehler unterlaufen war. Richard schreibt: „Am Ende mussten wir zu der Schlussfolgerung gelangen, dass Gott ein Wunder gewirkt hatte. Die Firma hatte 250 Mitarbeiter und machte jährliche Gewinne von 900.000 Dollar. In einer Woche hatte Gott ein Drittel unseres jährlichen Gewinns zusätzlich geschenkt, als Antwort darauf, dass ich dem gehorcht hatte, was Er gesagt hatte.“

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Jesus, unser Vorbild Um Christen zu überzeugen, die Lüge zu glauben, dass Frömmigkeit gleichbedeutend mit Armut ist, muss der Geist der Armut uns davon überzeugen, dass Jesus, unser Vorbild, selbst arm war. Erstaunlicherweise hatte dieser Dämon großen Erfolg, genau dies zu tun. Wir denken gewöhnlich daran, wie Jesus in einer Krippe geboren wurde, oder wie Er sagte, dass Er keinen Platz hat, wo Er Sein Haupt hinlegen kann, als ein Beweis dafür, dass Jesus arm war. Larry Hutch bringt diese falsche Denkweise auf den Punkt: „Wir wurden auf religiöse und traditionelle Weise gelehrt, dass Jesus arm war, weshalb auch Christen arm sein sollten.” Hutch weist daraufhin, dass Maria und Josef zuerst zu einem Gasthaus gehen, um ein Zimmer zu mieten. Das bedeutet, dass sie Geld hatten, um für ein Zimmer zu bezahlen. Über die weisen Männer und die Geschenke, die sie Jesus brachten, schreibt Hutch: „Gold war nicht das einzige kostbare Geschenk, das sie Christus überbrachten. Weihrauch und Myrre sind auch kostbare Substanzen. Laut Matthäus 2,1 können es viele weise Männer gewesen sein, die Jesus besuchten. Diese Geschenke alleine hätten dafür gereicht, dass Jesus und seine Familie komfortabel leben konnten. Warum sollten wir dies nicht als einen übernatürlichen Transfer von Wohlstand ansehen? Bedenken wir auch die Tatsache, dass Josef später seine Familie auf eine unerwartete, zweijährige Reise nach Ägypten mitnahm. Dies verursachte erhebliche Kosten, für die sie kein Budget im Voraus eingeplant hatten. Und als Jesus später diente, da hatte er eine Schatzkiste, aus der Sein Dienstteam finanziert wurde. Nein, die Vorstellung, dass Jesus arm war, ist ein Mythos. Er war wohlhabend und dennoch heilig! Das ist keine gute Nachricht für den Geist der Armut.

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Der Rest der Bibel bestätigt dieselbe Sache, worauf Chuck Pierce und Robert Heidler hinweisen: „Die Bibel lehrt auf sehr klare Weise, dass Armut ein Fluch ist, und dass der Vater nicht will, dass Seine Kinder unter einem Fluch leben. Es gibt sehr viel verrücktes Denken in der Gemeinde hierüber! Ich möchte diesen Punkt klarstellen. Armut macht uns nicht heilig. Die meisten heiligen Männer in der Bibel waren nicht arm. Abraham war reich. Außer einer kurzen Phase in seinem Leben, lebte er in unglaublichem Überfluss. David war ein König, der unglaublichen Reichtum hatte. Paulus hatte großen Erfolg als Gemeindegründer. Er gründete viele Gemeinden und sah sie auf tausende von Mitgliedern wachsen. Während dieser ganzen Zeit rühmte er sich, dass alle seine Nöte versorgt waren.“

Die Fallgruben auf dem Weg Wenn wir uns entschieden haben, von einer Armuts-Mentalität zu einer Wohlstands-Mentalität zu wechseln (ich kann Ihnen versichern, dass dies eine gute Entscheidung wäre), dann müssen wir uns bewusst sein, dass es auf diesem Weg einige Fallgruben gibt. Wir sollten jedoch nicht aus der Enge der Armut ins Feuer springen. Was könnte dieses Feuer sein? Vom Geist des Mammon gefangen zu werden! Einige Leute denken fälschlicherweise, dass Mammon sich auf Wohlstand oder Geld bezieht. Leider bestätigen einige Übersetzungen der Bibel diese falsche Denkweise, indem sie das griechische Wort Mammon mit Geld übersetzen. Beachten Sie, dass ich das Wort Mammon mit einem großen M schreibe. Der Grund dafür ist, weil Mammon der Name eines bösen Geistes ist, 99


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ebenso wie es Wormwood, Leviathan, Baal oder Beelzebub sind. Jesus sagte, dass wir nicht zwei Herren dienen können. Er sagte: „Ihr könnt nicht Gott dienen und Mammon“ (Matthäus 6,24). Der Geist des Mammons hat wenigstens vier andere Geister, die mit ihm zusammenarbeiten, um die Fallgruben auf dem Weg zu göttlichem Wohlstand zu erzeugen: 1. Der Geist der Gier. Gier ist ein übermäßiges Verlangen nach materiellem Besitz. Der Geist der Gier bewirkt, dass Menschen sich vorstellen, dass ihr persönliches Wohlergehen und Glück direkt damit zusammenhängt, wieviel sie besitzen. Die Bibel sagt, dass die Liebe des Geldes die Wurzel alles Bösen ist, wodurch viele vom Glauben abgeirrt sind und sich selbst mit vielen Schmerzen durchbohrt haben (1. Timotheus 6,10). In Lukas 12,16-20 erzählt Jesus die Geschichte des reichen Mannes, der immer größere Scheunen baute, um alle seine Güter unterzubringen. Er war so reich, dass er offensichtlich nicht mehr brauchte, aber der Geist der Gier trieb ihn dazu, diese Scheunen zu bauen. Er konnte nie genug kriegen. Wie sieht die Bibel ihn? Gott nannte ihn einen Tor! 2. Der Geist der Habsucht oder des Begehrens. Während Gier danach strebt, unbegrenztem Reichtum anzusammeln, bewirkt Habsucht, dass jemand bestimmte Dinge haben will, die er nicht haben sollte, wie zum Beispiel das Haus seines Nachbarn, oder die Frau seines Nachbarn, oder der Ochse seines Nachbarn, wie wir in den Zehn Geboten sehen (siehe 2. Mose 20,17). Diese Art des Begehrens ist so schlecht, dass sie mit Götzendienst gleichgesetzt wird (siehe Kolosser 3,5). Die Verbindung zwischen Götzendienst und Armut sehen wir auch in der Prophetie von Sacharja an das Volk von Juda, die 100


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Götzen anbeteten. Sacharja sagte: „So spricht Gott: Warum übertretet ihr die Gebote des Herrn? So werdet ihr keinen Erfolg haben!“ (2. Chronik 24,20). 3. Ein modernes Werkzeug des Geistes der Begierde ist die Kreditkarte. Kreditkarten können zu einer langfristigen Gebundenheit durch Schulden führen, wenn sie nicht jeden Monat voll bezahlt werden. Sie können die Tür öffnen für Impulskäufe. Wenn jemand nur die minimalen Monatsraten bezahlt, kann dies zu einer Sklaverei der Armut führen. Mit Zinssätzen von bis zu 18 Prozent oder mehr wirkt der Geist des Mammons sehr stark durch Kreditkartengeschäfte. 4. Der Geist des Geizes. Dieser Geist kann reiche Leute dazu bringen, überaus sparsam zu sein und in Armut zu leben, obwohl sie Wohlstand haben. Es kann Menschen davon abhalten, den Zehnten und großzügige Opfergaben zu geben. Es hält Menschen in einem Denken gefangen, dass sie sich etwas nicht leisten können, was sie brauchen oder haben möchten, obwohl sie es sich in Wirklichkeit leisten können. Diejenigen, die von einem Geist des Geizes versklavt sind, beeinflussen oft andere, einschließlich ihrer Familienmitglieder, in einer merkwürdigen Form von Armut zu leben. 5. Selbst unter Menschen mit einem vernünftigen Einkommen, kann der Geist des Geizes zur schlechten Gewohnheit des Hordens unnötiger Dinge führen. Dies ist besonders unter denjenigen ausgeprägt, die die Weltwirtschaftskrise der 30-er Jahre erlebt haben, und die Mangel in den Jahren des Krieges durchlitten haben. Der Geist der Armut erzeugt bei Menschen die Vorstellung, dass sie niemals genug haben werden. Eine 101


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gute Weise, diesen Geist zu brechen, ist allen unnötigen Besitz in Ihrem Haus, Ihrer Garage, Ihren Räumen und Ihrem Keller auszuräumen und zu entfernen. Entfernen Sie das Alte, damit das Neue wieder hineinfließen kann. 6. Nichts von dem, was ich hier gesagt habe, widerspricht dem gesunden Menschenverstand. Das Gegenteil von Geiz ist Verschwendung, was oft eine Eigenschaft von denen ist, die in relativen Wohlstand hineingeboren wurden. Brauchbare Materialien zu recyceln widersetzt sich auch dem Geist der Armut. Sparsamkeit ehrt Gott. Wir können guter Verwalter unserer anvertrauten Güter sein, ohne in die Falle des Geizes zu tappen. 7. Der Geist der Selbstgenügsamkeit. Eine weitere Falle auf dem Weg zum Wohlstand ist für manche Leute, zu denken, jetzt wo sie Wohlstand angesammelt haben, brauchen sie Gott nicht mehr. Wohlstand bringt Einfluss mit sich, und wir fangen an, zu denken, dass wir jetzt alles aus eigener Kraft tun können. Die Bibel warnt in 5. Mose 8 vor dieser Haltung. Bevor Moses sagt, dass Gott derjenige ist, der uns die Kraft gibt, Wohlstand zu erwirtschaften (siehe Vers 18), warnt er vor dieser Gefahr: „Hüte dich, dass du nicht in deinem Herzen sagst: Meine Kraft und die Stärke meiner Hand hat mir dieses Vermögen verschafft!“ (Vers 17). Mammon kann Menschen dazu bringen, weniger zu beten und weniger auf Gott zu vertrauen. In Vers 19 ist darum die ernste Warnung, dass solche Menschen zugrunde gehen werden. Selbstgenügsamkeit ist Stolz, und Stolz kommt vor dem Fall (siehe Sprüche 16,18).

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Übergang von Armut zu Wohlstand Wenn Sie die Fallgruben des Mammons vermeiden können, dann können Sie sich auf sicherem Weg zum Wohlstand begeben. Die folgenden Prinzipien werden Ihnen helfen, diese Fallen zu vermeiden. Handeln Sie im gegensätzlichen Geist Das Prinzip des Handelns im gegensätzlichen Geist wurde in den frühen 90-er Jahren von John Dawson eingeführt, der mehrere Jahre auch der Präsident von Jugend mit einer Mission war. Dawson sagt dazu: „Wenn wir die Aktivität eines Geistes der Finsternis mit einer bestimmten Eigenschaft (zum Beispiel: Hass, Zorn, Gewalt, Stolz, usw.) erkannt haben, dann müssen wir die gegensätzliche Eigenschaft kultivieren (zum Beispiel: Liebe, Freundlichkeit, Sanftmut, Demut, usw.), damit wir nicht nur dieser Versuchung widerstehen, sondern die Kraft und Weisheit haben, die positive gegenteilige Sache tun.“ Das Beispiel, dass er für den gegensätzlichen Geist nennt, bezieht sich auf einen Dienst in der Stadt Cordoba, in Argentinien, die einen Ruf hat, eine sehr stolze, intellektuelle Stadt zu sein. Dawson schreibt: „Wir erkannten, dass ein führender dämonischer Geist versuchte die Stadt durch den Geist des Stolzes zu regieren, so dass wir dies im gegensätzlichen Geist von Demut konfrontieren mussten.“ Die positive Handlung, die sie unternahmen, bestand darin, dass sich 200 Mitarbeiter von Jugend mit einer Mission auf den Straßen von Cordoba niederknieten und mit ihren Köpfen den Bürgersteig berührten. Dawson berichtet, dass als Folge davon Menschen, die ursprünglich dem Evangelium widerstanden, plötzlich offen wurden, so dass eine Ernte von Seelen begann! Wenn wir dieses Prinzip zum Beispiel auf einen Geist der Armut in einer Region übertragen wollen, was wäre dann der 103


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gegensätzliche Geist? Wohlstand! Wir müssen dies mit einer positiven Handlung verbinden, wie Dawson es beschreibt. Wir können zum Beispiel physischen Wohlstand praktizieren, indem wir vitaminreich und auf gesunde Weise essen, Zusatznähr-Stoffe nehmen, jährliche Körper Check-ups machen, Sport treiben und überflüssiges Gewicht verlieren. Wir können geistlichen Wohlstand kultivieren, indem wir beten, Gottes Wort studieren, in die Gemeinde gehen, wo nötig Befreiung empfangen und mit dem Heiligen Geist gefüllt bleiben. Wir können materiellen Wohlstand kultivieren, indem wir lernen, wie wir Geld empfangen und positiv investieren, und wie wir unseren Wohlstand durch Geben vermehren. Wenn wir uns im gegensätzlichen Geist bewegen, dann werden wir dankbar für alles sein, was wir haben, aber wir werden darüber hinausgehen und Überfluss erwarten. Es ist eine gute Sache, wenn wir genug für uns selbst haben. Wenn Sie jedoch wohlhabend sind, dann können Sie mehr tun, als nur Ihre eigenen Bedürfnisse zu erfüllen, und Sie können anfangen anderen zu dienen, und ihnen zu helfen, selbst auch Wohlstand zu erlangen. Hören Sie auf die Propheten Die Bibel sagt: „Glaubt an den Herrn, euren Gott, dann werdet ihr bestehen! Glaubt Seinen Propheten, dann wird es euch gelingen!“ (2. Chronik 20,20). Ich bin schockiert über die vielen christlichen Leiter, die an den Herrn glauben, und darum auch einen gewissen Erfolg haben, die sich aber aus irgendeinem Grund weigern, das Amt des Propheten anzuerkennen oder den Propheten zu glauben. Gemäß dieser Schriftstelle in 2. Chronik 20, hindern sie sich selbst daran, in den vollen Erfolg und den vollen Wohlstand zu gelangen, den Gott für sie beabsichtigt hat, wenn sie die Worte von echten Propheten verachten. Ich lebte für viele Jahre (die meisten Jahre meines Dienstes) unter dem Geist der Armut. Heute bin ich beschämt zuzugeben, dass ich selbst gelehrt habe, dass Gott uns nur das Genügende ver104


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heißt, nicht aber Wohlstand! Ich brauchte den Dienst eines Propheten, um den Geist der Armut über meinem Leben zu brechen. Bill Hamon von Christian International ist einer der anerkanntesten und am meisten beachteten Propheten heute. Im Jahr 1996, kurze Zeit nachdem ich ihn zum ersten Mal kennengelernt hatte, waren wir zusammen bei einer Fachtagung in Kalifornien. Er erkannte sehr schnell, dass ich zum Teil aufgrund meines sparsamen Lebensstils, während der 16 Jahre als Missionar in Bolivien, in einer Bindung durch den Geist der Armut geblieben war. Er wusste es nicht, aber ich hatte einen Großteil meiner Kleidung in dem Secondhand-Laden der Heilsarmee gekauft, obwohl ich mir neue Kleidung leisten konnte. Hamon versammelte eine kleine Gruppe von Propheten, führte mich in einen Nebenraum und proklamierte, dass der Geist der Armut keinen Einfluss mehr auf mein Leben haben würde. Daraufhin nahm er Geld aus seiner Tasche und sagte den anderen, dass sie dasselbe tun sollten. Er gab mir 170 Dollar Bargeld und sagte, dass dies eine prophetische Handlung für mich persönlich sei. Ich sollte es nicht verschenken, nach sollte ich es spenden, sondern ich sollte es für meine Frau und mich verwenden. Darauf gingen Doris und ich zu einem fantastischen Abendessen und zahlten die Rechnung mit dem Bargeld, das wir empfangen hatten, und hatten noch viel übrig. Das war ein Wendepunkt für uns. Ich war sofort von diesem dämonischen Geist der Armut befreit! Neun Jahre später leitete ich die abschließende Einheit des Jahrestreffens der Internationalen Koalition der Apostolischen Leiter (ICAL). Es war eine Zeit der Anbetung, des Gebets und der Prophetie. Bill Hamon bat um meine Erlaubnis, eine prophetische Handlung von der Bühne aus zu tun, und ich stimmte ihm zu. Zu meiner großen Überraschung kündigte er an, da ich nie ein Gehalt von ICAL empfangen hatte, wäre es an der Zeit, dass die 400 anwesenden Mitglieder mich als ihren Leiter mit Finanzen segnen sollten. Dies war noch nie zuvor geschehen. Er brachte meine Frau Doris und mich nach vorne, und forderte 105


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die Apostel auf, nach vorne zu kommen, und Geld zu den Füßen ihrer apostolischen Leiter zu legen. Das Ergebnis? Wir verließen die Versammlung mit mehreren tausend unerwarteten Dollar in unseren Taschen. Als unser Flugzeug in Colorado Springs landete, da sagte ich: „Doris, dein Wagen ist über zehn Jahre alt, und hat über 100.000 Meilen gefahren. Wir sind nicht länger vom Geist der Armut gefangen. Lass uns heute zum Toyota-Händler gehen, bevor wir nach Hause fahren.“ Wir taten es, und das Geld durch Bill Hamons prophetische Handlung reichte für mehr als die Hälfte des Kaufpreises von Doris neuem Auto. Glaube den Propheten und es wird dir wohl ergehen! Habe deine Freude am Gesetz des Herrn Hier ist eine klare Lehre der Bibel über den Weg, der zu Wohlstand führt: „Glücklich der Mann, der nicht folgt dem Rat der Gottlosen, den Weg der Sünder nicht betritt und nicht im Kreis der Spötter sitzt, sondern seine Lust hat am Gesetz des Herrn und über sein Gesetz sinnt Tag und Nacht! Er ist wie ein Baum, gepflanzt an Wasserbächen, der seine Frucht bringt zu seiner Zeit, und dessen Laub nicht verwelkt; alles was er tut, gelingt ihm.“ (Psalm 1,1-3) Wir müssen erkennen, dass Gott unser Schöpfer ist, und einfach Seinen Anweisungen folgen. Lesen Sie Sein Buch und erfreuen Sie sich an Seinem Gesetz. Brechen Sie nicht Seine Regeln, und die Tür für Wohlergehen und Wohlstand wird geöffnet. Meinen Sie nicht, dass Sie Ihre eigenen Regeln des Lebens erfinden können und trotzdem Wohlergehen ernten werden. Dem Rat von John Wesley folgen Eine der Aussagen von John Wesley, die am häufigsten zitiert wird, ist: „Verdiene was du kannst, spare was du kannst, und gibt 106


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alles, was du kannst.“ Das bedeutet, dass Sie für das bestmögliche Gehalt arbeiten sollten, das Ihre Umstände und Berufung ermöglicht. Wenn Sie sparen, dann sollten Sie einen Teil Ihres Geldes für die höchstmögliche Zinsrate auf dem Aktienmarkt oder in profitable Anlagen investieren. Jesus lobte die Diener, die ihre zwei und fünf Talente verdoppelt hatten, aber Er tadelte die Person, die das eine Talent nicht investiert hatte. Warum sollten Sie die Gelder vermehren, die Sie verdienen? Damit Sie größere Summen Geldes weggeben können, um die Ausbreitung des Reiches Gottes fördern zu können. Den Zehnten zu geben ist das Minimum, was Sie geben sollten, weil Sie durch den Zehnten Gott einfach nur die 10 Prozent geben, die Ihm sowieso gehören. Wenn Sie dies nicht tun, dann werden Sie nicht gesegnet sein, sondern Sie riskieren sogar, unter einen Fluch zu kommen (siehe Maleachi 3,8-10). Ihre Opfergaben, die über den Zehnten hinausgeben, werden anfangen, den Geist der Armut in Ihrem Leben zu brechen und göttlichen Wohlstand zu bringen. In Lukas 6,38 sagt Jesus: „Gebt, und es wird euch gegeben werden: ein gutes, gedrücktes und gerütteltes und überlaufendes Maß wird man in euren Schoß geben; denn mit demselben Maß, mit dem ihr messt, wird euch wieder gemessen werden. Warum sollten wir das nicht wörtlich nehmen?“ Manche Leute sagen, dass man nie geben sollte, um etwas zu empfangen. Das wäre vielleicht ein guter Rat, wenn die Bibel nicht etwas völlig anderes lehren würde. Aber Lukas 6,38 lehrt ganz klar, dass wir das Gegebene in größerer Menge wieder zurück empfangen. Und warum wollen wir, dass dies in unserem Leben geschieht? Weil wir dann mehr geben können! Nichts wird Sie von Armut schneller zu Wohlstand bringen, als extravagantes Geben.

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Freiheit von Armut Als Global Harvest Ministries in Middletown, Ohio eine Schule für Prophetie Konferenz organisierte, hatte das Pastorenehepaar J.C. und Lynn Collins den Eindruck, dass der Herr wollte, dass sie an der Konferenz teilnehmen, obwohl sie nicht wussten, wie sie dies bezahlen sollten. Lynn Collins war so überzeugt, dass Gott großartige Dinge in ihrem Leben während der Konferenz tun würde, dass sie 21 Tage davor fastete. In der Woche, bevor sie losfuhren, hatte ihre Gemeinde keinerlei Geld mehr. Sie hatten den letzten Scheck geschrieben und das Gemeindekonto war leer. Sie hatten gerade ihr Haus verloren. Sie hatten gerade noch genug Finanzen, um ihr Auto zu betanken, sich für die Konferenz zu registrieren und ihr Hotel zu bezahlen. Wovon sollten sie Essen bezahlen? Das Frühstück im Hotel war inklusive, aber sie wussten nicht, wie sie die anderen Mahlzeiten bezahlen sollten. Am ersten Abend der Konferenz nahm Cindy Jakobs eine Opfersammlung ein, die für das neue Gebäude von Global Harvest Ministries war, das wir gerade kauften. Sie sagte, dass einige unter den Anwesenden wären, die alles geben sollten, was sie hatten, um dann zu erleben, wie Gott den Geist der Armut auf ihrem Leben brechen wird. Als die Leiter anfingen nach vorne zu gehen, um Geld zu geben, da sagte Lynn zu ihrem Mann: „Spürst du auch, was ich spüre?“ „Ich glaube nicht“, antwortete er. „Was ist es?“ Sie sagte: „Ich glaube, wir gehören zu denen, die alles geben sollen!“ Ihr Mann stimmte zu. Sie leerten ihr Portmonee und ihre Taschen und gingen mit ihrem Geld nach vorne, insgesamt 112 Dollar. Sie gingen an diesem Abend mit nichts in ihr Hotelzimmer zurück. Am nächsten Morgen entdeckte J.C. einen Zehn-DollarSchein in seiner Tasche, von dem er nichts gewusst hatte. Es war genau das Benzingeld, das sie brauchten, um die 35 Meilen von 108


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ihrem Hotel zur Gemeinde zu fahren. Während sie fuhren, teilte J. C. einen Traum der letzten Nacht mit, indem seine Frau Lynn auf der Bühne zu der ganzen Konferenz gesprochen hatte. Als die Mittagszeit gekommen war, kam eine fremde Person zu ihnen, die früher nach Hause fuhr, und fragte sie, ob sie einen Geschenkgutschein für ein Restaurant gebrauchen könnten. Sie nahmen das Geschenk dankbar an. Als sie von dem Mittagessen zurückkamen, da sahen sie einen 20 Dollar Schein auf dem Parkplatz liegen! Barbara Yoder war die nächste Sprecherin. Während ihrer Botschaft kamen einige Leute nach vorne, um Geld auf die Bühne zu werfen. J.C. sagte zu seiner Frau: „Spürst du, was ich spüre?“ Daraufhin standen beide auf, und warfen den 20 Dollar Schein auf die Bühne. Unglaublicher Weise, bevor Barbara ihre Botschaft abschloss, kamen zwei verschiedene Männer, die sie beide nicht kannten direkt auf J.C. zu und übergaben ihm je einen 20 Dollar Schein! Später an dem Nachmittag, stellte sich Lynn mir vor und erzählte mir ihre Geschichte. Ich fragte sie, ob sie ihr Zeugnis den 2.000 Menschen an dem Abend geben würde. Ich rief sie nach vorne, gerade bevor ich eine weitere Opfersammlung für Global Harvest einsammeln wollte, wie wir es vorhatten. Während Lynn jedoch redete, sagte der Herr zu mir: „Gebt ihr das Geld.“ Als sie ausgeredet hatte, da sagte ich einige Worte darüber, wie wir den Geist der Armut brechen, und zog einen 100 Dollar Schein heraus, den ich in meinem Portmonee für Notfälle hatte. Ich sagte: „Wir werden sie mit etwas Geld nachhause zurücksenden. Ich gebe ihnen 100 Dollar von meinem persönlichen Geld, und ich möchte, dass vier von euch nach vorne kommen und jetzt dasselbe tun! Lasst uns sie mit 500 Dollar segnen!“ Dann geschah es! Der Heilige Geist arbeitete so stark gegen den Geist der Armut, dass die ganze Menge aufstand und anfing zur Bühne zu laufen, um Geld zu den Füßen von Lynn zu werfen. 109


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Ich gab an dem Abend den Plan auf, ein Opfer für Global Harvest zu sammeln, und ermutigte sie stattdessen, weiter nach vorne zu kommen. Lynn weinte. Wir riefen J. C., zu ihr auf die Bühne zu kommen. Sie konnten beide nicht glauben, was sie da sahen. Sie hatten alles gegeben, und hier kam es zu ihnen überfließend zurück. Mehrere Propheten fingen an zu verkünden, dass der Geist der Armut über jedem gebrochen sei, der anwesend ist! Am nächsten Morgen rief ich J. C. und Lynn auf die Bühne und konnte ihnen einen Umschlag überreichen. Es waren jedoch nicht 500 Dollar, die ich zuerst geplant hatte ihnen zu geben, sondern 12.500 Dollar! Später kamen andere Leute auf sie zu und gaben ihnen weitere 1.400 Dollar! Einige Wochen später empfing ich einen Brief von J. C. und Lynn. Sie schrieben: „Hier ist der Zehnte von dem unvergesslichen Abend, als wir erlebten, wie der Geist des Mangels und der Armut nicht nur auf uns gebrochen wurde, sondern auf der ganzen Versammlung. Seit diesem Tag haben wir viele Zeugnisse von anderen Individuen und Gemeinden erhalten, die dieselbe Sache erfahren haben. Am nächsten Sonntag, in unserer eigenen Gemeinde, noch bevor wir unser Zeugnis mitteilten, empfingen wir das größte Opfer in unserer vierjährigen Geschichte. Die nächsten drei Sonntage war die Summe unserer Opfer größer als alles, was wir im Jahr davor empfangen hatten. Wir empfangen jetzt von überall her Einladungen, darüber zu lehren. Wir waren auch im christlichen Radio und haben dieses Zeugnis mitgeteilt. Wir haben eine Webseite entwickelt, wo andere ihre Zeugnisse mitteilen können. Wir haben ein zehntägiges 24 Stunden Fasten und Gebet organisiert. Andere Pastoren verbinden sich mit uns dafür. Wir erwarten echte Erweckung und Transformation in unserer Region!“ 110


Die Gemeinde in der Arbeitswelt

Die Lektion ist einfach. Wie gelangen wir von Armut zu Wohlstand? Wir gehorchen dem Herrn („Gehe zu der nationalen Schule der Propheten!“). Wir gehen im Glauben („Wir haben nicht genug Finanzen, aber wir gehen trotzdem!“). Wir geben überschwänglich („Spürst du auch, was ich spüre?“). Wir demütigen uns selbst (Wir weinen, während Fremde Geld zu unseren Füßen werfen). Wir freuen uns über Gottes Güte („Diese unvergessliche Nacht“), und wir behalten das Ziel im Auge („Wir erwarten Erweckung und soziale Transformation“).

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Fragen zur Vertiefung 1. Welche Beziehung hat der Transfer von Wohlstand (Versorgung mit Benzin) für die Ausbreitung des Reiches Gottes und für soziale Transformation?

2. Welchen Einfluss hat die Freisetzung von Aposteln in der Arbeitswelt für den nötigen Transfer von Wohlstand?

3. Auf welche Weise kann ein Geist der Armut den Transfer von Wohlstand behindern?

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Die Gemeinde in der Arbeitswelt

4. Inwieweit haben Sie mit einem Geist der Armut zu kämpfen? Wie ist Ihre persönliche Haltung Wohlstand gegenüber?

5. Können Sie eine klösterliche Mentalität der Armut in Ihrer Gemeinde/Kirche erkennen? Wenn ja, woran? Wie könnte dies geändert werden?

6. Wie haben Sie schon die Kluft zwischen der Nukleus-Gemeinde und der Arbeitswelt erlebt?

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7. Wie kann der Geist des Mammons den Transfer von Wohlstand verhindern?

8. Wie kann der Geist des Mammons und der Geist der Armut durch Handeln im gegensätzlichen Geist ßberwunden werden?

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Kapitel 5

Dienste in der Arbeitswelt

V

iele Leiter der erweiterten Gemeinde in der Arbeitswelt, sehen die Ausgabe des Fortune Magazins vom 9. Juli 2001 als einen Wendepunkt an. Dieses Magazin gab die kulturelle Beglaubigung für eine Bewegung, die etwa 70 Jahre zuvor begonnen hatte, und die durch die verschiedenen Phasen der Entwicklung gegangen und in den 90-er Jahren sehr gewachsen war, der aber immer noch die Gewissheit fehlte, dass sie wirklich etwas für die Transformation unserer Gesellschaft beiträgt. Die Titelgeschichte dieser Ausgabe war überschrieben mit „Gott und Wirtschaft“, und der Untertitel war „Die überraschende Suche für geistliche Erneuerung in der amerikanischen Arbeitswelt.“ Selbst Fortune schien ein wenig unsicher wegen einer solch ungewöhnlichen Ausgabe. Der Herausgeber, Rik Kirkland schrieb damals: „Gott und Wirtschaft? Haben Sie jemals erwartet, diese zwei Worte auf der Titelseite dieses Magazins zu lesen? Ich auch nicht. Beim Fortune Magazin sind unsere Artikel in der Regel auf den Glauben an freien Handel und freien Wettbewerb beschränkt, und auf die Annahme, dass Kapitalismus am besten funktioniert, wenn Firmen Werte für ihre Aktionäre schaffen. Unser normales Thema ist: Mammon.“

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Kirkland sagt weiter, dass der Artikel zeigt, „dass Glauben in der Arbeitswelt viel mehr ist, als nur ein weiterer kurzfristiger Trend.“ Der Autor dieser bemerkenswerten Reportage, Marc Gunther, ist in gewisser Weise eine religiöse Person, der sich selbst beschrieb als „ein minimal praktizierender Jude, der seinen Glauben in den letzten Jahren wiederentdeckt hat.“ Er schrieb gewöhnlich über den Bereich Medien, nicht über geistliche Dinge. Er sagte, nachdem er sich damit eine Weile beschäftigt hatte, war er „ganz erstaunt über die große Zahl von Geschäftsleuten, insbesondere unter den geburtenstarken Jahrgängen, die nach einem höheren Zweck für ihr Leben suchen, und die bereit sind, öffentlich über ihren Glauben zu reden, und die versuchen ihn mit ihrer Arbeit zu integrieren.“ Hier sind einige Zitate aus dem Artikel des Fortune-Magazin: „Dies ist eine vielschichtige, größtenteils unorganisierte Gruppe von Gläubigen – eine Gegenkultur, die in der ganzen Geschäftswelt Amerikas auftaucht – die die traditionelle Kluft zwischen Arbeit und Geistlichkeit überbrücken wollen. Geschichtlich betrachtet praktizierten diese Leute bislang ihren Glauben unterhalb des Radars, indem sie in ihren eigenen kleinen Gruppen am Arbeitsplatz beteten oder die Bibel studieren. Jetzt aber werden sie organisiert und treten öffentlich für Veränderung ein. Als die Amerikaner in einer Gallup-Umfrage im Jahr 1999 gefragt wurden, ob sie ein Bedürfnis nach geistlichem Wachstum verspüren, antworteten 78 % mit Ja, 20 % mehr als im Jahr 1994. Fast die Hälfte von ihnen sagte, dass sie eine Gelegenheit hatten, in den letzten 24 Stunden am Arbeitsplatz über ihren Glauben zu sprechen. Leute, die Gott und Geschäftswelt miteinander verbinden wollen, sind an mehreren Fronten Rebellen. Sie 116


Die Gemeinde in der Arbeitswelt

lehnen die Jahrhunderte alte Überzeugung ab, dass Geistlichkeit eine Privatsache sei. Sie fordern religiöse Denker heraus, die die Geschäftswelt als eine unheilige Sache ansehen. Sie stimmen nicht mit Geschäftsleuten überein, die sagen, dass Religion unvermeidbar zu Konflikten führt.“

Die Pioniere Wenn ich sagte, dass die Glauben-und-Arbeit Bewegung (die häufig Glaube-bei-der-Arbeit Bewegung genannt wird) seit etwa 70 Jahren existiert, dann ist mein historischer Startpunkt das Jahr 1930, als das Christian Business Mens Committee (CBMC, Das Komitee Christlicher Geschäftsleute) gegründet wurde. CBMC ist eine der zwei wichtigen Pioniere der Glaube-und-Arbeit Bewegung . Die andere Bewegung ist die Full Gospel Business Mens Fellowship International (Geschäftsleute des vollen Evangeliums, GdvE), die im Jahr 1951 gegründet wurde. Komitee Christlicher Geschäftsleute (CBMC) Diese Vereinigung wurde von einigen christlichen Geschäftsleuten in Chicago mit dem Verlangen gegründet, ihren Glauben den nicht-christlichen Kollegen mitzuteilen. Die große Weltwirtschaftskrise hatte Geschäftsleute in Amerika in tiefe Verzweiflung gebracht, und viele von ihnen suchten neue Hoffnung. Das gewählte Format waren evangelistische Versammlungen in der Mittagszeit, wozu keine traditionellen Leiter von Gemeinden eingeladen wurden, sondern christliche Geschäftsleute, die ihre Zeugnisse mitteilten, auf welche Weise Jesus Christus einen Unterschied in ihrem Leben bewirkt hatte. Ted DeMoss, der viele Jahre als Präsident diente, erzählt die Geschichte der Vereinigung in seinem Buch The Gospel and the Briefcase. CBMC expandierte national und international. Die 117


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Aktivitäten der Vereinigung umfassten evangelistische Straßenversammlungen, stadtweite Evangelisation, Dienste für Soldaten, Radioprogramme, Treffen für Männer, Gottesdienste in Gefängnissen, Konferenzen, und viele andere Dienste, die Menschen halfen, ihren Weg zu Christus zu finden. Im Jahr 1993 formulierte CBMC seine bis heute aktuelle Visionsaussage: „Getrieben von der Liebe Christi und bevollmächtigt durch Gottes Geist, beeinflussen wir die Welt, indem wir die Geschäftswelt und die professionelle Berufswelt mit dem Evangelium von Jesus Christus durchdringen, indem wir Teams gründen, trainieren und mobilisieren, dort wo wir arbeiten und leben, um geistliche Frucht zu produzieren.“ Um näher die gegenwärtige Kultur zu reflektieren, hat CBMC seine Abkürzung beibehalten, aber seinen Namen verändert zu Connecting Business and Marketplace to Christ (Verbinden der Firmen- und Geschäftswelt mit Christus). Sie erreichen weiterhin sehr effektiv die Arbeitswelt durch Ereignisse wie Mittagsversammlungen und Bibelstudien in Kleingruppen. Geschäftsleute des vollen Evangeliums Full Gospel Business Mens Fellowship International (FGBMFI, auf Deutsch: Geschäftsleute des vollen Evangeliums) wurde 1951 von Demos Shakarian gegründet, einem kalifornischen Rinder-Farmer. Die Vision von Shakarian war es, Geschäftsleute aus allen Kirchen miteinander zu vernetzen, damit sie ihren Glauben an Christus anderen mitteilen. Im Unterschied zu CBMC, die im nichtcharismatischen, evangelikalen Strom zu Hause ist, luden die Geschäftsleute des vollen Evangeliums bekannte Sprecher aus der damaligen charismatischen Heilungs-Erweckung ein, wie Oral Roberts, Gordon Lindsay, Tommy Hicks und andere, die göttliche Heilung, Zungenrede und Befreiung von Dämonen betonten. Die Organisationen der Geschäftsleute des vollen Evangeliums verbreiteten sich schnell in den USA, und schließlich in 134 118


Die Gemeinde in der Arbeitswelt

Nationen der Welt. Die Mitgliederzahlen wuchsen auf Hundertausende an. Obwohl die meisten Mitglieder hauptsächlich aus dem pfingstlich-charismatischen Lager kamen, fanden die Versammlungen meistens in dem Saal eines Hotels oder Restaurants statt, was eine Abweichung von den traditionellen Pfingsttreffen der Vergangenheit war.

Spannungen in der Gemeinde Sowohl CBMC & GdvE haben eine hohe Wertschätzung für die Ortsgemeinde. Die meisten ihrer Leiter sind selbst Mitglieder in einer Gemeinde. Demnach leben beide Organisationen in einer ständigen Spannung zwischen dem Dienst in der erweiterten Gemeinde, wie ich es nenne, die sich als Geschäftsleute bezeichnen, und der Nukleus-Gemeinde. Die Tatsache ist, dass diese Pioniere von Diensten in der Arbeitswelt einige Schwächen in den Ortsgemeinden erkannten, zu denen sie bisher gegangen waren. Sie hatten den Eindruck, dass in den evangelistischen Programmen ihrer Gemeinden etwas Wichtiges fehlte, was die Arbeitswelt und die Wirtschaft betrifft. Den meisten Gemeinden fehlten die nötigen Fähigkeiten, um das Evangelium für den Kontext der Geschäftsleute anzupassen. Darum kamen beide Organisationen zu dem Schluss, dass die effektivsten Mitarbeiter für die Evangelisation in der Arbeitswelt nicht Pastoren sind, sondern Geschäftsleute. Sie erkannten auch, dass nachdem Geschäftsleute zu Christus geführt worden waren, die meisten Gemeinden kaum Kenntnisse hatten, wie sie diese neuen Bekehrten in ihrem Glauben fördern können. Ted DeMoss von CBMC erklärt: „Wir ermutigen immer Neubekehrte, dass sie zu starken evangelikalen Gemeinden gehen, die die Bibel als Gottes Wort und Christus als einzigen Weg zu Gott lehren. Ich 119


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habe allerdings auch bemerkt, dass es häufig aufgrund des Hintergrunds einer Person vorkommt, dass sie mehrere Wochen oder sogar Monate braucht, bevor sie bereit ist zu einer Gemeinde zu gehen, insbesondere wenn die Person nie zuvor in eine Gemeinde gegangen ist.“ Die Schlussfolgerung von DeMoss ist daher, dass Geschäftsleute (CBMC Mitglieder), einen potentiell größeren Erfolg nicht nur bei der Evangelisation haben, sondern auch, was die spätere Begleitung und Jüngerschaft neuer Gläubiger betrifft, als ein Pastor dies haben könnte. Es ist daher vorauszusehen, dass viele Leute, aufgrund dieser unvermeidbaren Entwicklung von Organisationen wie CBMC und GdvE, diese als Wettbewerber für Ortsgemeinden ansehen. Dieser Zustand war in keiner Weise beabsichtigt, und obwohl es hier und da Ausnahmen zu der Regel gibt, konnte dies meistens nicht vermieden werden. J. R. Zeigler beobachtet über GdvE: „Viele der traditionellen Pastoren von pfingstlichen Denominationen konnten sich mit diesen neuen Diensten nicht anfreunden; und obwohl immer wieder betont wurde, dass die GdvE kein Ersatz für die Ortsgemeinde sind, fühlten sich viele Pastoren durch diese offene ökumenische Gemeinschaft bedroht.“ Im nächsten Kapitel werde ich mehr auf die große Kluft zwischen der erweiterten Gemeinde und der Nukleus-Gemeinde eingehen. Hier möchte ich jedoch einige Gründe nennen, warum diese Spannung historisch gesehen begonnen hat.

Enorme Ausbreitung Obwohl andere bedeutsame Dienste für die Arbeitswelt gegründet wurden, wie die Fellowship of Companies for Christ und die Internationale Christliche Handelskammer, die in den 80-er Jahren gegründet wurden, kam es vor allem in den 90-er 120


Die Gemeinde in der Arbeitswelt

Jahren zu einer enormen Ausbreitung der Glaube-und-Arbeit Bewegung. Viele Leiter, mit denen ich gesprochen habe, sagen, dass der Umschwung in den Jahren 1997 oder 1998 geschah. Dies führt zu einer wichtigen Frage: Warum fing Gott im Jahr 1990 an, mehr zu Gemeinden als je zuvor, über die Gemeinde in der Arbeitswelt zu sprechen? Ich habe den starken Verdacht, dass das Timing in direkter Beziehung zur Aufrichtung der biblischen Regierung der Gemeinde steht. Obwohl ich es bereits gesagt habe, will ich es noch einmal wiederholen, dass das Jahrzehnt der 80-er Jahre die weitverbreitete Anerkennung der Gabe und des Amtes des Propheten erlebte, und dass das Jahrzehnt der 90-er Jahre die weitverbreitete Anerkennung der Gabe und des Amtes des Apostels sah. Die Gemeinde fing an zu verstehen, dass sie aufgebaut ist auf der Grundlage der Apostel und Propheten, und dass Jesus Christus selbst ihr Eckstein ist (Epheser 2,20). Nach meiner Einschätzung begann das zweite apostolische Zeitalter im Jahr 2001. Mit der Wiederherstellung der Regierung der Gemeinde, kann man erwarten, dass Gott anfangen würde, Seinem Volk bestimmte Offenbarungen wieder neu zu schenken, für die davor die Zeit noch nicht reif gewesen war. Os Hillmann, der Direktor der International Coalition of Workplace Ministries, bringt in seinem Buch Faith@Work eine der besten Beschreibungen dieser Bewegung, die wir haben. Hier sind einige Auszüge, die den Verlauf dieser gewaltigen Ausbreitung zeigen: • Im Jahre 1990 konnten wir nur 25 bis 50 Dienste für die Arbeitswelt identifizieren. Im Jahr 2002 hatten wir bereits 1.200 Organisationen, die Glaube und Arbeit integrieren wollen. Im Jahr 2005 waren es bereits 1.400 Organisationen. • Mitte der 90-er Jahre konnte man nur eine Konferenz über Geistlichkeit in der Arbeitswelt finden, und heute sind es bereits hunderte. 121


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• Es gibt heute mehr als 10.000 Bibel- und Gebetsgruppen an Arbeitsplätzen, die sich regelmäßig treffen. • Pete Hammond, der Autor von Marketplace Annotated Bibliography, schreibt, dass im Jahr 2000 schätzungsweise 350 Bücher über die Verbindung zwischen Glaube und Arbeitswelt veröffentlicht worden waren, wobei die ersten Bücher bereits in den 30-er Jahren erschienen. Im Jahr 2005 gab es bereits über 2.000 Bücher von Christen, über die Verbindung von Glauben und Arbeitswelt, wovon einige sich mit Leiterschaft und Management beschäftigen, und andere über Themen sprechen, die alle christlichen Arbeitnehmer betreffen. Seit dieser Zeit ist der Trend nur noch beschleunigt worden, so dass immer mehr Autoren über diese Themen schreiben. Ich selbst habe über 100 Bücher über dieses Thema gekauft und gelesen, was tatsächlich nur eine relativ kleine Anzahl verglichen mit den 288 Büchern ist, die jedes Jahr zu diesem Thema geschrieben und veröffentlicht werden. Über die Hälfte der Bücher auf meiner Liste wurden nach dem Jahr 2000 geschrieben. Selbst wenn ich ein Risiko eingehe, einige meiner Freunde vor den Kopf zu stoßen, indem ich ihr Buch auslasse, habe ich dennoch den Eindruck, dass es ein nützlicher Dienst für viele ist, die dieses Buch lesen, wenn ich meine Top 10 Liste der Bücher über Glauben in der Arbeitswelt hier veröffentliche. Ich tue dies in alphabetischer Reihenfolge der Namen der Autoren. • Linda Rios Brook, Frontline Christians in a bottom-line world • Richard Fleming, The Glory Returns to the Workplace • Os Hillman, The 9 to 5 Window

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Die Gemeinde in der Arbeitswelt

• Kent Humphreys, Lasting Investments • Rich Marshall, God@Work, Band 2 • Laura Nash und Scotty McLennan, Church on Sunday, Work on Monday • David Oliver und William Hendricks, Church that Works • Dennis Peacocke, Doing Business God’s Way • Dough Sherman und William Hendricks, Your Work Matters to God • Ed Silvoso, Annointed for Business (Auf Deutsch erschienen bei Down2Earth)

Das Denken wird klarer Gewiss laufe ich Gefahr, die Dinge ein wenig zu verallgemeinern, aber ich glaube, dass es interessant ist, wenn ich die ungefähre chronologische Entwicklung von Ideen über den Dienst in der Arbeitswelt wiedergebe. Viele Bücher, die bis zu den 60-er Jahren geschrieben wurden, haben die Sichtweise, dass die Arbeitswelt „die Welt“ ist. Die gläubigen Christen waren ein Teil der Gemeinde, und darum müssen sie lernen, wie man in der Welt lebt, aber nicht von der Welt ist. Wenn unbedingt notwendig, dann würden Christen einen kurzen Abstecher in die Welt machen, insbesondere um Finanzen für die Gemeindearbeit zu beschaffen, aber danach sollten sie so schnell wie möglich in den sicheren Schutz der Gemeinde zurückkehren. Das Motto war: „Komme aus der Welt heraus und sei heilig.“ Diese Vorstellung glich einer Festungsmentalität. In den 70-er Jahren drückte sich der Einfluss von CBMC und GdvE allmählich in Büchern aus, in denen Christen ermahnt 123


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wurden, ihre Arbeitswelt als evangelistische Herausforderung zu sehen. Christen fingen an zu erkennen, dass Gott sie in die Arbeitswelt gestellt hatte, um ihnen die Gelegenheit zu geben, Ungläubige zu Christus zu führen. Die Autoren zahlreicher Bücher, die in den 80-er Jahren geschrieben wurden, fingen an zu analysieren, wie christliche Prinzipien die Gläubigen in der Arbeitswelt beeinflussen sollten. Einige drängten christliche Firmenbesitzer dazu, die nötigen Veränderungen in ihren Firmen vorzunehmen, damit sie auf die beste Weise biblische Moral und Ethik reflektieren. Es war in den 90-er Jahren, dass viele der Autoren, die über das Thema schrieben, ein Verständnis erlangten, dass die Tätigkeiten des Gläubigen in der Arbeitswelt, eine legitime Form von christlichem Dienst sind. Diese Vorstellung ist eine grundlegende These dieses Buches. Eine interessante Einsicht, die ich in Kapitel 1 erwähnt habe, ist, dass Arbeit und Anbetung eng miteinander im hebräischen Denken verknüpft sind. Das hebräische Wort avodah hat eine zweifache Bedeutung: Es bedeutet sowohl Anbetung und Arbeit. Abgeleitet von diesem Gedanken, gründete David Miller im Jahr 1999 das Avodah Institut, um Leitern zu helfen, die Ansprüche ihres Glaubens mit den Erfordernissen ihrer Arbeit zu integrieren. Diese Organisation macht eine bewundernswerte Arbeit (siehe www.avodahinstitute.com). Ich werde später noch mehr über Arbeit als Dienst sagen, aber hier will ich schon einmal auf das hinweisen, wovon ich glaube, dass es ein Thema an der Frontlinie der Literatur der Glaubebei-der-Arbeit Bewegung im neuen Jahrtausend sein wird. Ich habe versucht, dieses Thema im Untertitel dieses Buches einzubinden: „Wie Gottes Volk die Gesellschaft transformieren kann“. Ein Hauptzweck hinter dem Verständnis, die Arbeit als Dienst zu sehen, besteht darin, ein Mitarbeiter Gottes zu sein, der Gottes Herrschaft aufrichtet, wie ich in Kapitel 3 betont habe.

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Die Gemeinde in der Arbeitswelt

Der „vollzeitige Dienst“ Ballon Eines der hauptsächlichen Hindernisse für das Verständnis, dass unsere Arbeit unser Dienst sein kann ist der „vollzeitige Dienst“ Ballon, den die Gemeinde ständig hat aufsteigen lassen – der zum Platzen gebracht werden muss. Diese weitverbreitete Vorstellung geht von der Annahme aus, dass das Ziel eines jeden Gläubigen, der Gott gefallen will, der vollzeitige Dienst als Pastor, Missionar, Evangelist, Bibellehrer oder Lobpreisleiter sein sollte, oder irgendeine andere anerkannte Position des Dienstes. Vierzig Stunden der Woche mit dem Verdienen des Lebensunterhalts zu verbringen, wird von den meisten als Gottes Plan B für unser Leben angesehen. Die Überproduktion von Theologischen Seminaren Eine der Ursachen für diese unbiblische Denkweise ist die ständige Überproduktion von Absolventen der traditionellen theologischen Seminare und Bibelschulen für einseitige Dienste. Die theologischen Seminare und Bibelschulen, die Christen für den Dienst trainieren, konzentrieren sich hauptsächlich darauf, Männer und Frauen für den vollzeitigen Dienst in der NukleusGemeinde auszubilden. Das ist die Botschaft, die sie in der Regel ihren potentiellen Spendern senden. Sie existieren, um Christen zu helfen, Gottes Plan A für ihr Leben zu erfüllen, was der vollzeitige oder ordinierte Dienst ist. Eine große Anzahl der Absolventen dieser Seminare und Bibelschulen gehen jedoch nicht in den vollzeitigen Dienst der Nukleus-Gemeinde, sondern irgendwo in die Arbeitswelt. Vor einigen Jahren entschied sich das Fuller Seminar, einen Preis des Jahres als Anerkennung für ehemalige Studenten zu verleihen. Ich lehrte zu der damaligen Zeit noch am Fuller Seminar, und war auch ein ehemaliger Student. Ich muss einen Freund in dem Auswahlkomitee gehabt haben, denn ich wurde als Student des 125


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Jahres ausgewählt. Dennoch war sich das Komitee schmerzhaft der Tatsache bewusst, dass es andere sehr gute ehemalige Studenten gab, die leider nicht qualifiziert waren, weil sie sich nicht im sogenannten vollzeitigen Dienst befanden. Um dieser Realität gerecht zu werden, entschieden sie sich, zwei Preise zu vergeben, einen für die Absolventen des Jahres, die in der Gemeinde arbeiten, und den anderen für den Absolventen des Jahres, die heute in der Arbeitswelt arbeiten. Der ehemalige Student aus der Arbeitswelt, der gewählt wurde, war mein Freund Mel Schlueter, ein Rechtsanwalt und auch Trustee (Treuhänder) des Fuller Seminars. Mir wurde bewusst, dass Mel wahrscheinlich nicht einmal 10 Prozent von dem in seiner Praxis als Rechtsanwalt gebrauchen konnte, was er im Seminar gelernt hatte. Die Rechtfertigung für seine drei Jahre Studium war sicher, dass dies zum Bau seines christlichen Charakters beigetragen hatte. Ich sage bewusst Rechtfertigung, da die Spender gewiss nicht erwarteten, dass ihre Zuwendungen dafür benutzt werden, künftige Rechtsanwälte zu trainieren, da sie das ja als Gottes Plan B ansehen würden. Desweiteren, wer würde schlussfolgern, dass christliche Rechtsanwälte, die nicht drei Jahre in einem Theologischen Seminar verbracht haben, einen minderwertigeren Charakter als diejenigen haben, die kein solches Theologiestudium absolviert hatten? Emotionaler Aspekt des Altarrufs Ein weiterer Grund hinter dem Denken, dass vollzeitlicher Dienst Gottes Plan A ist, sind die vielen emotionalen Aufrufe, nach vorne zum Altar zu kommen, um sich für „den Dienst“ des Herrn zu verpflichten. Viele Pastoren von Gemeinden haben ihre persönliche Berufung zum vollzeitigen Dienst durch eine besondere Erfahrung mit Gott empfangen. Wenn sie daher Menschen in ihrer Gemeinde oder während einer Konferenz dienen, dann versuchen sie ein vergleichbares emotionales Klima zu schaffen, 126


Die Gemeinde in der Arbeitswelt

damit so viele andere wie möglich dieselbe Berufung empfangen können. Sie predigen eine Botschaft, die den vollzeitigen Dienst als Missionar, Pastor oder eines geistlichen Leiters beschreibt. Dann laden sie diejenigen ein, die in dem Moment das Gefühl haben, dass sie Gottes Ruf für den vollzeitigen Dienst verspüren, zum Gebet nach vorne zu kommen. Die Realität in den meisten dieser Situationen ist jedoch, dass ein großer Prozentsatz derjenigen, die auf den Altarruf reagieren, später nie in den vollzeitigen geistlichen Dienst geht. Diese Erfahrung, führt in vielen Fällen zu einer emotionalen Wunde bei denjenigen, die in der Arbeitswelt zuhause sind, weil sie das traurige Gefühl haben, dass sie Gott nicht gehorcht haben, und dass sie nun dazu verurteilt sind, Gottes Plan B für ihr Leben umzusetzen. All diese Faktoren können eine ungesunde Denkweise hervorbringen. Diejenigen, die theologische Seminare abgeschlossen haben, oder die ihr Leben für den vollzeitigen Dienst hingegeben haben, und die dann nicht in den vollzeitigen Dienst gelangen, erleben negative Stimmen von Kritik und Anklage. Wie oft haben wir Worte wie diese gehört, dass Leute ihre Berufung aufgegeben haben, oder die Welt lieben und nicht Jesus, oder geistlich lau geworden sind? Eine der schlimmsten Anklagen ist, dass „sie entschieden haben, nicht in den Dienst zu gehen“, was die Unterstellung beinhaltet, dass Dienst nur in der Ortsgemeinde stattfindet. Unterscheidung zwischen Geistlichen und Laien Die Vorstellung, dass Dienst nur in der traditionellen Gemeinde geschieht, reflektiert die hinderliche Unterscheidung zwischen Geistlichen und Laien. Selbst bevor ich anfing, Dienste in der Arbeitswelt zu verstehen, vermutete ich bereits, dass etwas grundlegend falsch daran ist, zwischen Geistlichen und Laien zu unterscheiden. Da ich jedoch gründlich mit der griechischen Denkweise programmiert war, tolerierte ich viele Jahre diese 127


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Vorstellung. Heute jedoch sehe ich sie als sehr unproduktiv an. Rich Marshall stimmt dem zu. Er schreibt: „Zwei kleine Worte, die Gott und Seinen Plan völlig falsch repräsentieren, sind vom Feind gebraucht worden, um die Entwicklung eines Kastensystems im Leib Christi zu fördern – diejenigen, die zum professionellen oder vollzeitigen Dienst berufen sind, die Geistlichen, und diejenigen, die nicht dazu berufen sind, die Laien. Heute ist es meine Überzeugung, dass wir alle im Leib Christi zum vollzeitigen Dienst berufen sind.“ Wenn wir jedoch diesem Kastensystem erlauben, unser Denken zu beeinflussen, dann schaffen wir ein Problem für viele, die eine starke Berufung Gottes auf ihrem Leben spüren. Wir brauchen eine Begrifflichkeit und eine Denkweise, die dieses Konzept der Bürger zweiter Klasse im Reich Gottes beseitigt.“ Glücklicherweise, wie ich versucht habe zu zeigen, sind wir jetzt dabei, uns stark in die positive Richtung zu bewegen, die Rich Marschall vorschlägt. Die Ausbreitung von Diensten in der Arbeitswelt, hilft unsere veralteten Paradigmen zu verändern, so dass viele von uns, wenn nicht die meisten, verstehen, dass Gottes Plan A genauso während der sechs Tage der Woche inmitten der Arbeitswelt stattfindet.

Die New York Times Wer würde auf die Idee kommen, zu behaupten, dass zum Beispiel Chuck Ripka, in Gottes Plan B für sein Leben festgefahren ist? Ich habe dieses Kapitel mit einem erstaunlichen Artikel aus dem Fortune Magazin begonnen. Ich möchte dieses Kapitel mit einem ebenso erstaunlichen Artikel aus dem New York Times 128


Die Gemeinde in der Arbeitswelt

Magazin abschließen. Wieder ist es eine Titelgeschichte, dieses Mal von Russell Shorto; mit dem Titel „Mit Gott an unserem Arbeitsplatz: Der Aufstieg von Religion und Evangelisation in der amerikanischen Arbeitswelt.“ (With God at our Desks: The Rise of Religion and Evangelism in the American Workplace) Obwohl in dem Artikel über viel mehr berichtet wird, ist die zentrale Person ein Mann namens Chuck Ripka. In dem Artikel erinnert Shorto die Leser daran, dass Jesus seine Botschaft auf dem Marktplatz predigte, wo man die Geldverleiher fand. Dann schreibt er weiter: „Und so ist es heute noch. Chuck Ripka ist ein Geldverleiher – ein Hypotheken-Banker – und seine Institution, die Riverview Community Bank in Otsego, Minnesota, ist eine Plattform für Christus. Wenn er gerade nicht Hypotheken verkauft, oder besonders wenn er dies tut, dann legt Ripka seinen Kunden und Kollegen die Hände auf, beugt sein Haupt und betet: ‚Herr, ich bete, dass du Matt und Jamie den besten Käufer für ihr Haus bringst, damit sie das Geld haben, um sich das neue Haus zu kaufen, zudem du sie führst. Und ich bete Herr, dass du mir die Weisheit gibst, ihnen den besten Rat zu geben, für ihre finanziellen Bedürfnisse‘.“ Russell Shorto hat seine Sporen als ein Ermittlungs-Reporter verdient. Hier ist, was er entdeckte, nachdem er die Dienste in der Arbeitswelt ausführlich untersucht hatte: „Chuck Ripka ist kein Mann mit pastoraler Kleidung, aber in den Augen der Eingeweihten ist er ein Pastor für die Arbeitswelt, innerhalb der lebendigen Glaube-beider-Arbeit Bewegung. Ein Hersteller für Autoteile in der Innenstadt von Philadelphia. Eine Werbefirma in Fort Lauterdale. Ein Gefängnis in Ohio. Eine Zahnarztpraxis 129


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in Colorado Springs. Eine Firma für Karriereberatung in Portland Oregon. Eine Kette von Fitnessstudios. American Express International. Das Zentrum für Krankheitskontrolle und Prävention. Die Steuerbehörde. Das Pentagon. Das Weiße Haus. Tausende von Firmen und anderen Organisationen, von Einmannfirmen bis zu globalen Firmen und Abteilungen der Regierung, schaffen Raum für christlichen Glauben am Arbeitsplatz, und haben sich in vielen Fällen sogar vollständig an christlichen Werten und Grundlagen orientiert.“ Ripka zum Beispiel ist weit davon entfernt, vorsichtig zu sein, seine Firma auch als Werkzeug für die Evangelisation zu nutzen. Shorto zitiert einen der Zwecke von Ripkas Bank, wie sie im Jahresbericht stehen; dieser Zweck ist: „Die christlichen Prinzipien der Bank für die Ausbreitung des Christentums zu nutzen.“ Shorto schreibt weiter: „Wenn dies noch nicht klar genug sein sollte, formuliert Ripka es noch in klareren Worten: ‚Wir nutzen die Bank als eine Front, um vollzeitigen Dienst zu tun.‘“ Soviel zum Gegensatz zwischen Geistlichen und Laien! Dies widerlegt, dass Bankgeschäfte Gottes Plan B seien! Inwiefern stehen nun Ripka und die Riverview Community Bank in Beziehung zur Transformation der Gesellschaft? Dies ist schließlich das Thema dieses Buches. Das New York Time Magazin berichtet: „Ken Beaudry, ein Pastor in der Arbeitswelt, dessen Heizölfirma direkt an der Straße des Riverview Ufers ist, hat dieselbe Sichtweise: ‚Es geht darum, dass wir erkennen, dass eine Firma nicht nur dafür existiert, Gewinne zu erwirtschaften, sondern auch dafür, die Gesellschaft zu verändern. Und unsere Angestellten stehen voll hinter diesem Zweck.‘“

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Die Gemeinde in der Arbeitswelt

Fragen zur Vertiefung 1. Inwieweit lassen sich Ihrer Ansicht nach Glauben und Arbeitswelt miteinander vereinen? Nennen Sie einige Beispiele und Gründe dafür?

2. Das hebräische Wort avodah ist sowohl das Wort für Arbeit und als auch für Anbetung. Welche Auswirkung sollte das auf unser Leben an sieben Tagen der Woche haben?

3. Beschreiben Sie Ihre Sicht von vollzeitigem Dienst. Braucht es dafür eine Ordination?

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4. Inwieweit kann die Unterscheidung zwischen ordinierten Pastoren und Laien die soziale Transformation hindern?

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Kapitel 6

Zwei Kulturen, zwei Regelwerke

M

ittlerweile kann ich mir vorstellen, dass die meisten Leser zu der Schlussfolgerung kommen, dass es einen beträchtlichen Unterschied zwischen den beiden Formen der Gemeinde gibt, nämlich der Nukleus-Gemeinde und der erweiterten Gemeinde in der Arbeitswelt. Leider muss ich bestätigen, dass dies die richtige Schlussfolgerung ist – es gibt einen erheblichen Unterschied – und dieser Unterschied erfordert einige Analyse, wenn wir verstehen wollen, was der Geist zu den Gemeinden in unserer Generation sagt. Bedenken wir zum Beispiel, was das Faith Today Magazin berichtet: „Wenn Sie eine Umfrage unter christlichen Geschäftsleuten machen würden, dann würden Ihnen sehr viele sagen, dass sie ihre Gemeinden lieben. Sie lieben die Anbetung und die Menschen der Gemeinde. Die Gemeinde ist für sie wichtig, und ebenso ihr Glaube. Wenn sie jedoch dieselben Leute fragen, in welcher Beziehung ihr Glaube und das Gemeindeleben zu der Fülle von Entscheidungen, Stress und Anforderungen steht, denen sie während ihrer Arbeitswoche von Montag bis Freitag begegnen, würden viele Antworten: Das ist nicht leicht zu sagen.“

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Nein, das ist nicht leicht zu sagen, weil nur sehr wenige Pastoren von Gemeinden trainiert wurden, die Grundlagen des Glaubens auf die Arbeitswelt zu beziehen. Es ist anzunehmen, dass 99 Prozent der Theologie Studenten, nie einen Kurs über Dienst in der Arbeitswelt gehabt haben, und in der Regel das Thema nicht in einer einzigen Stunde in ihrem Studium diskutiert haben. Die Lehrer an theologischen Seminaren oder Bibelschulen sind in der Regel keine Leiter aus der Arbeitswelt; sie sind Lehrer der Nukleus-Gemeinde. In theologischen Seminaren werden künftige Pastoren trainiert, den persönlichen Nöten der Menschen ihrer Gemeinden zu dienen, geistlichen Rat zu geben, die Inhalte der Bibel zu erklären, ihren Mitgliedern zu helfen, ein heiliges und gerechtes Leben zu führen, sie in die Anbetung zu führen, Beziehungen zu bauen, Gemeinschaft zu pflegen, dass Gebetsleben zu vertiefen, und Menschen zu befähigen, ihre Geistesgaben in gemeindlichen Diensten zu nutzen. Die meisten von ihnen sind ganz gut darin. Aber, von wenigen Ausnahmen abgesehen, haben Pastoren nur selten ihren Lebensunterhalt vorher in der Arbeitswelt verdient, und darum haben sie keinen Hintergrund an Erfahrung, von der sie predigen, lehren oder persönlichen Rat für Christen in der Arbeitswelt geben können. Ganz im Gegenteil. Das Faith Today Magazin schreibt weiter: „In vielen Gemeinden gibt es Ängste und Verdacht gegenüber der Arbeitswelt. Sie wird als ein gefährlicher Ort angesehen, wo Gier und Mammon regieren, und wo Kompromisse, Materialismus und Arbeitssucht herrschen, was alles gegen das geistliche Leben der Gemeindemitglieder gerichtet ist.“

Die vier Fakten Wenn wir einmal verstanden haben, dass es einen Unterschied zwischen der Nukleus-Gemeinde und der erweiterten Gemeinde in der Arbeitswelt gibt, müssen wir vier Fakten verstehen, die 134


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eine große Auswirkung haben. Ich gebrauche bewusst das Wort Fakten, um den Eindruck zu vermeiden, dass dies nur Ideen oder meine eigenen Vorstellungen seien. Nein, diese Fakten sind von professionellen, sozialwissenschaftlichen Forschern entdeckt worden. Ich erwähnte bereits Laura Nash und Scotty McLennan, die das Buch schrieben Church on Sunday, Work on Monday. Sie lehren beide in sehr respektablen Universitäten (Harvard und Stanford), und sie haben Forschungsgelder erhalten, womit sie umfangreiche Forschungsprojekte über die Unterschiede zwischen der Nukleus-Gemeinde und die erweiterte Gemeinde in der Arbeitswelt durchgeführt haben. Sie gebrauchen nicht diese Begriffe, aber ihre Worte Gemeinde am Sonntag und Arbeit am Montag drücken dieselben Gedanken aus. Die folgenden vier Fakten habe ich hauptsächlich von den Forschungsergebnissen von Nash und McLennan abgeleitet: 1. Jede dieser zwei Formen von Gemeinde, die NukleusGemeinde und die erweiterte Gemeinde, hat eine eigene Kultur. Einige Leute bevorzugen die Formulierung, da beide Gemeindeformen ein Teil der einen Gemeinde Jesu Christi sind, und beide zum Reich Gottes gehören, dass sie zwei verschiedene Subkulturen des Reiches Gottes repräsentieren. Jede der beiden Beschreibungen ist gut. 2. Die kulturelle Kluft zwischen den beiden Gemeindeformen ist enorm. Kurze Zeit, nachdem ich anfing die Literatur über die Glaube-bei-der-Arbeit Bewegung im Jahr 2001 zu lesen, erkannte ich, dass es eine Kluft zwischen den beiden Gemeindeformen gibt. Aber ich hatte keine Vorstellung, wie groß diese Kluft wirklich ist, bis ich das Buch Church on Sunday, Work on Monday gelesen hatte. Es stellte sich heraus, dass es eine größere Kluft ist, als die meisten Leute meinen. Tatsächlich hat sie die Ausmaße eines Grand Canyon! 135


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3. Jede dieser beiden Kulturen (oder Subkulturen) hat ihr eigenes Regelwerk. Dies ist einfach gesagt Anthropologie 101 (Anthropologie ist die Lehre vom Menschen und seiner Kultur). Jede menschliche Kultur hat ihr eigenes Regelwerk. Ich werde darauf später noch näher eingehen. 4. Die meisten Leiter der erweiterten Gemeinde in der Arbeitswelt kennen beide Regelwerke. Sie gehören zu Ortsgemeinden und gehen am Sonntag in den Gottesdienst. Sie sind geachtet als gute Gemeindemitglieder, weil sie sich in der Nukleus-Gemeinde der Kultur anpassen, indem sie dem Regelwerk der Nukleus-Gemeinde folgen. Und an den anderen sechs Tagen der Woche leben sie effektiv gemäß dem Regelwerk der erweiterten Gemeinde. Auf der anderen Seite, kennen die meisten Leiter der Nukleus-Gemeinde nur ein Regelwerk, nämlich das Regelwerk der Nukleus-Gemeinde. Sie haben fast keine Vorstellung davon, wie die Regeln aussehen, nach denen ihre Gemeindemitglieder die meiste Zeit ihres Lebens verbringen. Desweiteren, und das ist wo die Probleme häufig beginnen, haben sie die Neigung, das Leben und das Verhalten ihrer Mitglieder gemäß den Standards des Regelwerkes der Nukleus-Gemeinde für alle sieben Tage der Woche zu bewerten. Aus dem Gesagten wird sehr schnell deutlich, dass das von mir eben beschriebene Szenario das Potenzial für eine Reihe von Missverständnissen (oder Konflikten) schafft.

Die Natur von Kultur Bevor ich auf diese Bereiche von möglichen Konflikten eingehe, möchte ich etwas über die Natur von Kultur selbst sagen. 136


Die Gemeinde in der Arbeitswelt

Ich bin dazu qualifiziert, weil ich 16 Jahre lang als ein Missionar in einer für mich fremden Kultur in Bolivien gedient habe, und danach 35 Jahre Weltmission als ein Mitglied des Lehrstabs am Fuller Theologischen Seminar gelehrt habe. Eine einfache Weise, um zu verstehen, wie sich verschiedene Kulturen voneinander unterscheiden, ist zum Beispiel an Baseball und Kricket zu denken. Obwohl beide Sportarten auf einem offenen Feld ausgetragen werden, und dabei ein Ball mit einem Stock geschlagen wird, und man dabei viel läuft, haben sie verschiedene Kulturen. Jede Kultur hat ihr eigenes Regelwerk. Ich kenne die Kultur von Baseball und das Regelwerk recht gut. Ich wurde dreimal in die Baseball Mannschaft während meiner Schulzeit aufgenommen. Ich kenne die technischen Regeln, wie zum Beispiel die Flugregel im Feld. Ich weiß, wann ein BaseLäufer wahrscheinlich eine Base stehlen wird. Ich weiß, wann der Werfer einen angetäuschten Ball werfen sollte, und vieles mehr. Wenn ich jedoch Kricket im Fernsehen schaue (ich war nie live bei einem Kricketspiel), dann habe ich festgestellt, dass ich nicht lange zusehen kann. Ich sehe Leute den Ball werfen, schlagen, laufen und fangen, aber es langweilt mich. Warum? Einfach weil ich die Regeln von Kricket nicht kenne. Ich bin nicht mit der Kultur von Kricket vertraut. Ich weiß, dass ich die Regeln von Kricket lernen könnte, wenn ich das wollte, aber aus irgendeinem Grund will ich das gar nicht. Selbst wenn ich es tun würde, ist mir bewusst, dass ich wohl ständig die Regeln von Kricket mit den Regeln von Baseball vergleichen würde.

Kricket ist blöd! Ich erinnere mich, als ich vor einiger Zeit mit einem Freund über Kricket sprach, dass er ausrief: „Kricket ist ein blödes Spiel!“ Als er das sagte, da dachte ich bei mir selbst (nicht laut), dass seine Aussage das ist, was blöd ist! Warum? Weil weder Baseball 137


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noch Kricket richtig oder falsch sind; sie sind weder dumm oder intelligent. Es sind einfach verschiedene Sportarten, weil sie verschiedene Kulturen haben. Mein Freund verstand offensichtlich nicht das Wesen von Kultur. Wenn ich mich mit dem Thema der Glaube-bei-der-Arbeit Bewegung auseinandersetze, dann tue ich dies als ein Apostel der Nukleus-Gemeinde. Alle Bücher, die ich vor diesem geschrieben habe, waren hauptsächlich aus der Sichtweise der NukleusGemeinde geschrieben. Tatsächlich beschäftigt sich der Großteil der Literatur der gegenwärtigen apostolischen Bewegung fast ausschließlich mit den Aposteln der Nukleus-Gemeinde, von wenigen Ausnahmen abgesehen, wie Bill Hamons Buch The Day of the Saints (Die Stunde der Heiligen, das 82 Seiten über den Dienst von Aposteln, Propheten, Evangelisten, Pastoren und Lehrern in der Arbeitswelt enthält), Rich Marshalls Buch God@ Work – Band 2, und Os Hillmans Buch The 9 to 5 Window (Das 9 bis 5 Fenster). Ich kenne die Kultur der Nukleus-Gemeinde, wie ich die Kultur von Baseball kenne. Und ich will so viel über die Kultur der erweiterten Gemeinde lernen, wie ich kann, was ich jedoch nicht von Kricket behaupten kann. Tatsächlich glaube ich, dass ich bereits genug über die erweiterte Gemeinde gelernt habe, um dieses Buch zu schreiben, und die Regeln von beiden Kulturen zu beschreiben, um dadurch auf die wichtigen Unterschiede hinzuweisen.

Kulturelle Ähnlichkeiten und Unterschiede Alle Menschen haben eine große Anzahl von gemeinsamen Eigenschaften. Wir gehen alle auf zwei Beinen, kauen unser Essen bevor wir schlucken, trinken Wasser, pflanzen uns durch Sex fort und kommunizieren mit einer gesprochenen Sprache. Dasselbe gilt für die Nukleus-Gemeinde und für die erweiterte 138


Die Gemeinde in der Arbeitswelt

Gemeinde. Die Kirche Jesu Christi erfordert eine neue Geburt, damit Menschen ein Teil von ihr werden, sie ordnet sich der Autorität der Bibel unter, betet Gott an, lebt in den Früchten des Geistes und glaubt an die Auferstehung. Es werden jedoch einige Unterschiede deutlich, wenn wir uns die Kultur der NukleusGemeinde und der erweiterten Gemeinde ansehen. Kulturelle Unterschiede sind in ihrer ursprünglichen Form weder gut noch schlecht. Leider wurde jede uns bekannte Kultur in der einen oder anderen Weise durch Sünden der Menschheit und durch dämonische Mächte verunreinigt, die Zutritt erlangt haben. Dennoch sind Verhaltensmuster in der Regel einfach wertneutrale Regeln, die dazu dienen, Ordnung in eine Gesellschaft zu bringen. Die Japaner essen zum Beispiel mit Stäbchen, und ziehen ihre Schuhe aus, bevor sie ins Haus gehen, kaufen und verkaufen mit Jen, und fahren mit ihren Autos auf der linken Straßenseite. Amerikaner auf der anderen Seite, essen mit Messer und Gabel, lassen ihre Schuhe im Haus an, kaufen und verkaufen mit Dollar und fahren auf der rechten Straßenseite. Was davon ist richtig? Die japanische Kultur ist für die Japaner richtig, und die amerikanische Kultur ist für die Amerikaner richtig. Wenn Amerikaner jedoch nach Japan reisen, dann sollten sie dem japanischen Regelwerk gehorchen. Gewiss wird ihnen vergeben, wenn sie mit einer Gabel essen, aber nicht, wenn sie auf der rechten Straßenseite mit dem Auto fahren. So weit so gut. Denken wir jetzt einmal an internationale Beziehungen, wo jede Partei mit ihrem eigenen Regelwerk an den Tisch kommt. Japaner haben zum Beispiel eine Kultur, wo Geschenke überreicht werden. Für sie ist ganz normal, dass sie denjenigen Geschenke überreichen, mit denen sie hoffen, international Geschäfte zu machen. Viele Amerikaner interpretieren solche Geschenke jedoch als Bestechung oder eine Form von Korruption, insbesondere wenn Regierungsparteien miteinander verhandeln. Daraus ist leicht zu ersehen, wie kulturelle Konflikte sich entwickeln können. 139


C. Peter Wagner

Wann sollten wir nachsichtig sein? Ich weise darauf hin, weil es wichtig ist, wenn wir uns die Regelwerke ansehen, die die Kultur der Nukleus-Gemeinde von der Kultur der erweiterten Gemeinde unterscheiden, dann sollten wir vermeiden, zu kritisch und zu voreingenommen zu sein. Mir ist bewusst, dass es nicht leicht ist, diesem Prinzip immer zu folgen, wenn es um die Interpretation von kulturellen Normen geht. Es ist nicht immer klar, wann wir streng sein sollten und wann wir nachsichtig sein sollten. Jede Kultur hat zum Beispiel sowohl geschriebene Regeln, wie Gesetze und Ordnungen, als auch ungeschriebene Regeln. Sie sind genauso wichtig. Ich schlage hier keine Situations-Ethik vor oder irgendeine Form von moralischem Relativismus, sondern ich will darauf hinweisen, dass es legitime, ehrliche Unterschiede von Meinungen über richtiges oder passendes kulturelles Verhalten geben kann. Um ein bekanntes apostolisches Beispiel zu nennen, erinnern wir uns an die unterschiedlichen Meinungen und den Streit zwischen Paulus und Petrus über das gemeinsame Essen mit den Heiden. Beide kannten das alttestamentliche Gesetz, und beide wollten Gott gefallen. Die Auslegung des Gesetzes von Paulus gab ihm gute Gründe mit Heiden zu essen. Die Auslegung von Petrus gab ihm genauso gute Gründe, nicht mit den Heiden zu essen. Und wir wissen, dass sie dadurch in einige Missverständnisse und in Konflikt miteinander gerieten (siehe Galater 2,7-8,11-14). Wir können dies auf etwas so Alltägliches wie Gesetze über den Verkehr anwenden. In den letzten Jahrzehnten bin ich in jedem unserer 50 US-Bundesstaaten Auto gefahren, und habe festgestellt, dass die Kultur verschiedener Staaten das geschriebene Gesetz auf unterschiedliche Weisen auslegt. Zum Beispiel sagt das geschriebene Gesetz in jedem Bundesstaat, dass Fußgängern der Vorrang zu überlassen ist. In Kalifornien wird diese 140


Die Gemeinde in der Arbeitswelt

Regel buchstäblich befolgt, so dass, wenn ein Fußgänger die Straße betritt, auch wenn da kein Übergang ist, die Autos anhalten werden. Aber nicht in Chicago! Ich erinnere mich wie ein Freund von mir, der aus Kalifornien stammt, fast bei dem Versuch überfahren wurde, als er zum ersten Mal eine kleine Straße in Chicago betrat. Dasselbe gilt für Ampeln. Das geschriebene Gesetz besagt in allen Bundesstaaten, dass Autofahrer keine rote Ampel überfahren dürfen. Auch hier gehorchen die Kalifornier diesem Gesetz. Aber nicht in Colorado, wo es alltäglich ist, auch bei dunklem gelb und gelegentlich auch einmal bei rot über die Ampel zu fahren. In Colorado ist es weise, wenn die Ampel auf Grün umschaltet, zuerst einmal in beide Richtungen zu schauen, ob die anderen Autos wirklich an den Ampeln angehalten haben, bevor man losfährt.

Gefühle haben tiefe Wurzeln Peter Tsukahira, der einen japanisch-amerikanischen Hintergrund hat, ist Pastor und Geschäftsmann in Israel, und erlebt ähnliche kulturelle Konflikte in der Gemeinde in der Arbeitswelt. Er erklärt dazu: „Unsere Kultur enthält Werte und Erwartungen, die unter der Oberfläche unserer bewussten Gedanken liegen. Es gibt eine Gemeinde-Kultur und eine Wirtschafts-Kultur. Obwohl die beiden nebeneinander in der christlichen Gemeinschaft existieren, scheint es so, dass sie verschiedene Werte und Ziele haben, verschiedene Sprachen sprechen, und völlig unterschiedliche Gebräuche haben. Gefühle können tiefer verwurzelt sein, als wir meinen. Der christliche Geschäftsmann Paul Gazelka, den viele als einen Apostel in der Arbeitswelt ansehen, drückt es so aus: „In vielen christlichen Kreisen gibt es ein klares zweigleisiges System der Wichtigkeit von Diensten, die manch141


C. Peter Wagner

mal mit den Begriffen Geistliche und Laien unterschieden werden. Die Geistlichen sind die Pastoren, und die Laien sollen ihnen lediglich beim Dienst helfen. Die Laien sind vergleichbar mit Lehrlingen in einem Handwerk, in dem sie jedoch nie die nächste Ebene erreichen können. Als ein Diener in der Arbeitswelt, habe ich gelegentlich diese verächtliche Haltung von wohlmeinenden, professionellen Dienern des Evangeliums gespürt, die diese Sichtweise vertreten. Manches Mal habe ich gespürt, wie sich wohl Minderheiten aus einer Kultur fühlen müssen, die in einer fremden Kultur viele Vorurteile überwinden müssen, um ihre Rollen erfüllen zu können.“ Vielleicht ist es, weil ich ein professioneller Missionswissenschaftler bin, dass ich den besonderen Auftrag vom Herrn verspürt habe, diese beiden kulturellen Regelwerke so klar wie möglich darzustellen. Im zweiten Teil dieses Buches beschreibe ich diese verschiedenen Regeln im Einzelnen. Aber ich habe den Eindruck, dass es gut ist, wenn wir zuerst noch mehr verstehen, wie weit dieser Grand Canyon zwischen der Kultur der Nukleus-Gemeinde und der Kultur der erweiterten Gemeinde wirklich ist. Um dies zu tun, werde ich mich noch einmal auf die Forschungsergebnisse von Laura Nash und Scotty McLennan zurückkommen.

Haltungen von Gläubigen in der Arbeitswelt Zuerst wollen wir uns einmal näher die Haltungen von Gläubigen in der Arbeitswelt ansehen, wie sie von Nash und McLennan beschrieben werden: „Christen in der Wirtschaft, die gesagt haben, dass sie sich mit ihren Pastoren in Themen wie Familie, persön142


Die Gemeinde in der Arbeitswelt

lichem Wachstum, oder Diensten in der Nachbarschaft verbunden fühlen, berichteten uns von einer völlig anderen Erfahrung, wenn es um ihre Rolle als Geschäftsleute geht. Hier fühlen sie sich häufig ignoriert, verachtet, oder einfach außerhalb des Verständnisses und der Erfahrung der meisten Geistlichen. Die Kommentare eines gläubigen Mannes sind dafür sehr repräsentativ: „Man muss von den Geistlichen erwarten, dass sie einem ab und zu den Marsch blasen und einen zurechtweisen. Warum sollte man sonst in die Gemeinde gehen? Damit einem gesagt wird, dass man alles richtig macht? Aber wenn man dann ihre Kritik hört, ist es oft soweit am Ziel vorbei. Sie verstehen einfach nicht, was in der Wirtschaft vor sich geht. Es kann einen ganz schön vor den Kopf stoßen!“ Nash und McLennan geben diese Aussage von einem anderen Christen in der Arbeitswelt wider: „Ich liebe die Gemeinde, aber manchmal schaue ich mir an, was wir in der Firma tun, und vergleiche es mit gemeinnützigen Organisationen, und welche Fürsorge es in Firmen für Familien gibt, und dann glaube ich, dass wir in vielen Fällen in der Firmenwelt effektivere Werkzeuge entwickelt haben, um diese menschlichen Bedürfnisse außerhalb der Gemeinde zu befriedigen. Oft frage ich mich, woran das liegt.“ Nash und McLennan schlussfolgern, dass die Haltung dieser Gläubigen in den folgenden Aussagen zusammengefasst werden kann:

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• Die Geistlichen sind die Letzten, zu denen man für Rat in der Wirtschaft gehen sollte. • Sie verstehen die Probleme nicht. • Sie können sich nicht einmal selbst managen; wie sollten sie da anderen raten? • Sie hassen die Wirtschaft. • Sie sind neidisch auf Menschen mit Geld. • Sie wollen Firmen kritisieren, haben aber keine Probleme damit, Geld von Firmen anzunehmen. • Es ist nicht ihre Aufgabe, die Wirtschaft zu beurteilen. • Wir sprechen nicht dieselbe Sprache.

Haltungen von Geistlichen Die Pastoren stehen selbstbewusst auf der anderen Seite dieses Grand Canyon. Da sie nur eines dieser beiden Regelwerke verstehen, wissen die meisten Pastoren noch nicht einmal, dass dieser Grand Canyon überhaupt existiert. Hier ist etwas von dem, was Laura Nash und Scotty McLennan über dieses Thema zu sagen haben: „Viele Pastoren haben berichtet, dass sie sich ignoriert oder einfach machtlos fühlen, um einen bedeutsamen Einfluss auf Geschäftsleute zu haben, dass sie aber nicht wissen, warum das der Fall ist. Viele von ihnen nehmen zum Beispiel an, dass Geschäftsleute einfach zu geizig oder desinteressiert sind, um sich für wirkliche geistliche Fragen zu interessieren, und dass die komplexe Denkweise der Wirtschaft die Gemeinde überfordert.“ 144


Die Gemeinde in der Arbeitswelt

„Kommentare über Geld führten in der Regel zu Kommentaren über die Kultur, die sehr stark die Werte von Menschen beeinflusst. Pastoren gebrauchen den Begriff Kultur, als Andeutung dafür, was sie als die Wurzel des Problems ansehen: Ein Wertesystem, das sich hauptsächlich um Geld dreht. Die Kultur der Wirtschaft, so sagten sie uns, ist ein materialistischer und wirtschaftlicher Ort, wo Geld vor allem anderen angebetet wird.“

Unausgesprochene Gedanken Die meisten Pastoren wollen gerne den Geschäftsleuten ihrer Gemeinden dienen. Ihre Berufung ist es, der ganzen Herde zu dienen. Die vorherigen Zitate von Pastoren zeigen, dass es eine starke unterschwellige Frustration über die Kluft des mangelnden Verständnisses mit vielen Leitern in der Arbeitswelt gibt. Sie behalten diese Frustration meistens für sich, bis Forscher wie Nash und McLennan anfangen Fragen zu stellen, um sie aus der Tiefe der versuchten Verleugnung ans Tageslicht zu bringen. Wenn ich nicht falsch liege, gibt es einige unausgesprochene Gedanken, sicher auch Ängste, aus der Sicht vieler Pastoren. Selbst bei ihren Antworten auf objektive Forschungsfragen, zögern sie oftmals, diese Gefühle in Worte zu fassen. Aber wenigstens drei Gedanken kommen besonders häufig vor und deuten auf echte Herausforderungen: 1. Die Frage der Leitung. Pastoren sind sich sehr der cholerischen Temperamente, der Leitergaben, der Selbstsicherheit, dem Verlangen nach Exzellenz und dem Erfolgsstreben bewusst, das viele Geschäftsleute in ihren Gemeinden charakterisiert. Sie sind sich auch einiger ihrer Schwächen in anderen Bereichen bewusst. Die Frage, die sie sich dabei stellen ist: Wollen sie meine Gemeinde übernehmen? Als Reaktion darauf entwickeln 145


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Pastoren oft unbewusst Schutzmechanismen, damit solch eine Sache nicht passiert. 2. Die Frage der Kontrolle. Dies bezieht sich darauf, dass es vielleicht eine legitime Form der Gemeinde draußen in der Arbeitswelt geben kann. Es ist für einige Pastoren der NukleusGemeinde schwierig, diese Vorstellung zu akzeptieren, denn wenn sie das tun, dann fangen vielleicht einige ihrer Gemeindeglieder an, in Leitungsrollen als Apostel, Propheten, Evangelisten, Pastoren und Lehrer in der erweiterten Gemeinde zu dienen, wo traditionelle Leiter der Nukleus-Gemeinde nur sehr wenig geistliche Autorität besitzen. Wenn die einzige Gemeinde die Nukleus-Gemeinde ist, dann können die ordinierten Pastoren die primäre Kontrolle behalten. Wenn dies jedoch nicht der Fall ist, dann fangen sie an sich zu fragen: Werde ich die Kontrolle verlieren? Kann es sein, dass sich einige meiner Gemeindemitglieder unter eine zusätzliche geistliche Autorität begeben? 3. Eine Frage des Geldes. Die folgende Frage kann sich Pastoren stellen: Wenn ich anfange, Leiter der Arbeitswelt zu trainieren und zu ermutigen, in der erweiterten Gemeinde zu dienen, dann denken sie vielleicht, dass sie einen Großteil ihrer Finanzen für Dienste in der Arbeitswelt verwenden müssen. Für einige Leiter der Arbeitswelt erscheinen diese außergemeindlichen Dienste und Gelegenheiten dann vielleicht viel wichtiger als die Aktivitäten und die Budgets ihrer Ortsgemeinden. Die Frage, die sich dann Pastoren anfangen zu stellen ist diese: Werde ich ihren Zehnten verlieren?

Eine von Pastoren dominierte Gemeinde Bedenken wir einmal, wie Paul Anderson dieses Bild sieht. Anderson ist der Leiter der lutherischen Erneuerungsbewegung. Er ist ein Erneuerung-Leiter in der zweiten Generation, und steht in der Nachfolge des bekannten Autors Larry Christensen. Kurze Zeit, nachdem er die Leitung übernahm, kam er zu der 146


Die Gemeinde in der Arbeitswelt

Schlussfolgerung, dass die Anstrengungen, die gesamte evangelikale, lutherische Kirche in Amerika (ELCA) zu erneuern, trotz aller guten Bemühungen und Absichten, zwecklos sei. Darum begann er, hauptsächlich mit erneuerten ELCA Gemeinden zu arbeiten, die ihre Loyalität zu einem neuen Netzwerk mit dem Namen ARS (Association of Renewed Churches) unter der apostolischen Leiterschaft von Anderson wechseln wollten. Erinnern wir, dass zur Zeit der Reformation, die Lutheraner sich dadurch von der katholischen Kirche unterschieden, dass sie die Lehre von der Priesterschaft aller Gläubigen wieder entdeckt hatten. Das bedeutete mit anderen Worten, dass jeder gläubige Christ einen direkten persönlichen Zugang zu Gott hat, ohne einen professionellen Priester zu befragen. Die Lutheraner schienen jedoch nicht in der Lage zu sein, sich von der Priesterschaft aller Gläubigen auch zu dem Dienst aller Gläubigen hin zu bewegen. Anderson weist darauf hin, dass die offizielle lutherische Lehre folgende Definition für die Gemeinde hat: „Die Kirche ist der Ort, wo das Wort Gottes gepredigt wird, und wo die Sakramente auf rechte Weise ausgeteilt werden.“ Dann sagt er weiter, was er als den Schwachpunkt dieser Definition ansieht. Anderson schreibt: „Diese Definition hat die größte Schwäche an der Stelle, wo sie die Rolle der Pastoren als die zentrale Rolle beschreibt, unter Ausschluss der sogenannten Laien.“ Diese Auswertung entspricht der Tatsache, dass in der lutherischen Kirche die einzig autorisierten Leiter, die die Sakramente auf die rechte Weise ausüben können, die ordinierten Geistlichen sind, was zum Ausschluss der Leiter in der Arbeitswelt führt. Anderson sagt weiter: „In der heutigen, von Geistlichen dominierten Kirche, haben wir Probleme damit, Laien zu vertrauen. Sie mögen in der Woche große Passagierjets fliegen, multinationale Firmen leiten, in Klassenzimmern unterrich147


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ten, aber wir weigern uns häufig, ihnen bedeutungsvolle Aufgaben in der Gemeinde anzuvertrauen… Selbst die Sprache in der institutionellen Kirche ist sehr eindeutig: ‚Pastoren leiten das Abendmahl und sie führen Taufen durch. Man sollte dies nicht überhören; dies sind Worte der Macht, die die Vorstellung transportieren, dass bestimmte priesterliche Pflichten ausschließlich durch die geistliche Elite und dafür Ordinierte ausgeführt werden dürfen.“

Zwei Regelwerke Anderson nennt einige sehr wichtige Fragen, die auf dieses Problem hinweisen: „Warum zweifeln häufig nicht-ordinierte Christen an ihrer eigenen Berufung und Effektivität im Dienst? Warum überlassen sie meistens den Dienst den Experten? Warum haben sie so viel Furcht, unqualifiziert und unwissend zu sein und Fehler zu machen?“ Im Licht des bislang Gesagten, weisen diese Fragen auf die Tatsache hin, dass es tatsächlich zwei Regelwerke gibt. Die lutherische Kirche ist natürlich nicht die einzige, die den Dienst gemäß den Regeln der Nukleus-Gemeinde definiert. Die meisten anderen Denominationen und Kirchen tun dasselbe. Aber viele Gläubige in der Arbeitswelt sind sich sehr bewusst, dass das Gesamtbild viel größer ist. Sie kennen beide Regelwerke, und sie haben ein großes Verlangen, dass ihre Pastoren genauso das Regelwerk der erweiterten Gemeinde wertschätzen, wie das Regelwerk der Nukleus-Gemeinde. Ich glaube, dass dieser Prozess der Verständigung sehr gefördert werden kann, wenn einige dieser Regeln klar genug definiert werden, so dass die Unterschiede zwischen beiden Welten verstanden werden können, nicht als richtig oder falsch, sondern einfach als verschiedene kulturelle Verhaltensmuster. Dieses Buch will dabei helfen, diesen Prozess zu fördern. 148


Die Gemeinde in der Arbeitswelt

Fragen zur Vertiefung 1. Inwieweit haben Sie die kulturelle Kluft zwischen der Gemeinde in der Arbeitswelt und Ihrer Ortsgemeinde erlebt?

2. Wie kann diese Kluft zwischen beiden Formen von Gemeinde überbrückt werden?

3. Welche Nachteile kann es haben, dass Pastoren nur ein Regelwerk kennen, nämlich dass der Nukleus-Gemeinde?

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4. Nennen Sie hier einige Regeln der Nukleus-Gemeinde.

5. Nennen Sie einige Regeln der erweiterten Gemeinde in der Arbeitswelt?

6. Nennen Sie ein oder zwei Beispiele eines Konflikts zwischen den beiden Kulturen, die Sie erlebt haben, und wie Sie damit umgegangen sind?

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Teil 2 Die zwei Regelwerke


Einführung in die beiden Regelwerke

A

n diesem Punkt hoffe ich, dass meine Leser dem zustimmen, dass es tatsächlich zwei legitime Formen der Gemeinde gibt, die Nukleus-Gemeinde und die erweiterte Gemeinde, und dass jede dieser beiden Formen von Gemeinde ihre eigene Kultur und ihr eigenes Regelwerk hat. Laura Nash und Scotty McLennan haben beobachtet, dass Geschäftsleute und Pastoren in zwei verschiedenen Welten leben. Zwischen diesen beiden Gruppen befinden sich Minenfelder, die unter anderem aus Sichtweisen über Geld, Armut und den Geist der Wirtschaft bestehen. Nicht nur leben sie in zwei verschiedenen Welten, sie haben auch nicht immer in friedlicher Koexistenz miteinander gelebt. Worte wie Minenfelder beschwören das Schreckgespenst von Missverständnissen, Feindseligkeit und Konflikten herauf. Dies ist jedoch ein Szenario, dass wir um jeden Preis vermeiden müssen. Ich interpretiere dies als eine defensive Taktik des Feindes. Wie ich bereits vorgeschlagen habe, ist es Gottes Wille, dass wir uns als Sein Volk, als eine Armee vorwärts bewegen, um die Gesellschaftsbereiche zu transformieren, in denen wir leben. Wir haben den Befehl von Gott erhalten, die Herrschaft auszuüben. Der Titel von Eddie Longs Buch zu diesem Thema ist Taking Over (Herrschaft übernehmen). Worüber sollen wir Herrschaft übernehmen? Wir sollen das Territorium und den Einflussbereich von Satan übernehmen, den er beherrscht hat, seit Adam und Eva ihre Gott-gegebene Herrschaft aufgegeben haben. Satan ist alarmiert darüber, dass Gottes Volk auf so eifrige Weise für einen GroßAngriff gegen sein Reich der Finsternis aufrüstet. Kein Wunder, dass er einen groß angelegten Versuch unternimmt, um Gottes Volk zu spalten, damit er nicht besiegt werden kann.

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Das Land und kosmische Kräfte Um unser Gedächtnis aufzufrischen, will ich hier noch einmal auf unsere Grafik der sozialen Transformation zurückkommen, diesmal jedoch mit zwei Ergänzungen, nämlich dem Land und den kosmischen Kräften. Dies sind zwei Bereiche, wo wir intensiven geistlichen Kampf ausüben müssen. Wir dürfen weder die Kraft unseres Feindes unterschätzen, noch durch seine Taktiken geblendet werden.

Kosmische Kräfte

Soziale Transformation Die Gemeinde in der Arbeitswelt

Apostel der Arbeitswelt

Die Regierung der Gemeinde

Transfer von Wohlstand

Den Geist der Armut brechen

Das Land Die ganzen Bereiche und die Säulen ruhen auf dem Land. Die Gesellschaft kann nicht transformiert werden, ohne dass wir uns intensiv mit der Verunreinigung des Landes befassen, die Satan in den Epochen der menschlichen Geschichte bewirken konnte. Heute haben wir einen sehr guten Ausgangspunkt, weil Gott für mehr als ein Jahrzehnt Strategien zur Erlösung des Landes offenbart hat, deren sich der Leib Christi größtenteils vorher nicht bewusst war. 154


Die Gemeinde in der Arbeitswelt

Es übersteigt den Umfang dieses Buches, auf detaillierte Weise die Wege und Mittel zu beschreiben, wie Flüche durch unschuldig vergossenes Blut, durch Korruption oder durch gebrochene Bündnisse behandelt und gebrochen werden können. Diese Sünden haben so viele Bereiche des Planeten Erde befleckt, was Satan die legale Möglichkeit geschaffen hat, viele seiner schrecklichen und boshaften Ziele durchzusetzen. Ich glaube daher, dass es notwendig ist, dass wir das Thema des Landes als einen Teil unserer Agenda sehen, wenn es um die Wiederherstellung von göttlicher Herrschaft geht. An diesem Punkt sollte es genügen, wenn ich auf zwei hervorragende Bücher hinweise, die wir aufgrund von 15 Jahren Forschung, Experimenten, Beratung und Hören auf Gott haben. Diese Bücher sind Informed Intercession (Informierte Fürbitte) von George Otis Junior, und Releasing Heaven on Earth (Den Himmel auf der Erde freisetzen) von Alistair Petrie. Die ganze Grafik überspannend haben wir die kosmischen Kräfte. In Epheser 6,12 lesen wir: „Unser Kampf ist nicht gegen Fleisch und Blut, sondern gegen die Gewalten, gegen die Mächte, gegen die Weltbeherrscher dieser Finsternis, gegen die geistigen Mächte der Bosheit in der Himmelwelt.“ Für soziale Transformation ist geistlicher Kampf auf den höchsten Ebenen notwendig. Wir werden keine großen Fortschritte machen, außer wir nehmen den Auftrag von Gott ernst, diese schrecklichen Kräfte des Bösen wirkungsvoll zu konfrontieren. Der Apostel Paulus erklärt, dass der Zweck seines Dienstes darin besteht, die mannigfaltige Weisheit Gottes den Gewalten und Mächtigen in der Himmelswelt durch die Gemeinde bekannt zu machen (Epheser 3,10). Dies ist auch der Zweck unserer Dienste. Wenn wir dies nicht durch die Kraft des Heiligen Geistes tun, dann wird der Feind die verschiedenen Bereiche in der Grafik angreifen, um sie gegeneinander auszuspielen, damit Gottes Volk in seinem Vorhaben neutralisiert wird, den göttlichen Auftrag der Ausübung Seiner Herrschaft, zu erfüllen. 155


C. Peter Wagner

An diesem Punkt will ich wieder, anstatt darauf tiefer einzugehen, einfach meine Leser auf drei der besten Bücher hinweisen, was Gott dem Leib Christi über strategische geistliche Kampfführung in den letzten Jahren offenbart hat: Possessing the Gates of the Enemy (Die Tore des Feindes in Besitz nehmen) von Cindy Jacobs, Authority to Tread (Autorität zum Ausüben) von Rebekka Greenwood, sowie mein eigenes Buch Spiritual Warfare Strategies (Strategien der geistlichen Kriegsführung).

Die Minenfelder Kommen wir zurück zum Bild mit den Minenfeldern. Wenn die Gemeinde in der Arbeitswelt blühen und gedeihen soll, und wenn Gottes Volk die Gesellschaft transformieren soll, dann müssen die Minenfelder aufgeräumt werden. Die Leiter der Nukleus-Gemeinde und der erweiterten Gemeinde müssen Schulter an Schulter zusammen vorwärtsgehen. Die Leiter von beiden Gemeindeformen müssen einen offenen, lernbereiten Verstand haben, die andere Gruppe zu verstehen und ihre Gesichtspunkte wertzuschätzen. Kent Humphreys hat eine hervorragende Arbeit geleistet, dieses notwendige Verständnis in seinem Buch Lasting Investments zu beleuchten. Es ist ein Leitfaden für Pastoren und andere Leiter der Nukleus-Gemeinde, die konkrete Schritte unternehmen wollen, die Kluft zwischen diesen beiden Welten zu überbrücken. Der Untertitel seines Buches sagt alles: Ein Leitfaden für Pastoren, die Leiter der Arbeitswelt zu trainieren, ein geistliches Erbe zu hinterlassen. Ein zweites hervorragendes Buch, das sich mit der Verantwortung von Gläubigen in der erweiterten Gemeinde der Arbeitswelt befasst, ist Os Hillmans Buch mit dem Titel The Faith@Work Movement. Viele Leute erachten Os Hillman als Person mit dem umfangreichsten Wissen über die verschiedenen Aspekte dieses Themas. Meiner Ansicht nach ist die beste Weise, sich mit den Minenfeldern zu befassen, zu wissen welche Minen es gibt, und wo sie 156


Die Gemeinde in der Arbeitswelt

sich befinden. Diese Minen haben mit Kulturen und den verschiedenen Regelwerken der Nukleus-Gemeinde und der erweiterten Gemeinde zu tun. Wenn die Regeln der einen Kultur von Leitern der anderen Kultur missverstanden oder ignoriert werden, dann explodieren diese Minen. Wenn jedoch auf der anderen Seite diese Regeln von beiden Seiten verstanden und anerkannt werden, dann können diese Minen entschärft werden. Im verbleibenden Teil dieses Buches werde ich kurze Beschreibungen dieser acht Regeln geben (und vier weitere Regeln erwähnen), indem ich zeige, wie sie im Vergleich miteinander ähnlich sind oder sich unterscheiden. Das ist gewiss ein Risiko. Meines Wissens hat dies niemand bis heute getan. Die Befürchtung, die ich habe, ist von Leitern der Nukleus-Gemeinden falsch verstanden zu werden. Die meisten von ihnen, wie ich bereits erwähnt habe, haben seit vielen Jahren unter der Annahme gedient, dass ihr Regelwerk das einzige ist, und dass Abweichungen davon korrigiert werden müssen. Meine Überzeugung ist, dass die meisten dieser sogenannten Abweichungen tatsächlich legitime Verhaltensmuster für die erweiterte Gemeinde in der Arbeitswelt sind. Insbesondere diejenigen, die eine Neigung haben, Dinge schwarz oder weiß zu sehen, ohne Bereiche von grau dazwischen, werden sich wahrscheinlich fragen, ob ich eine sogenannte Situations-Ethik lehre.

Göttliche Ethik Nein, ich lehre keine Situations-Ethik. Ich glaube an biblische Heiligkeit. Ich stimme mit Peter Tsukahira überein, der sagt: „Geschäftsleute sind mit Versuchungen konfrontiert, ihre ethischen Standards zu brechen, die der durchschnittliche Pastor nicht erlebt. Korruption ist in der Geschäftswelt eine Tatsache des Lebens … Der durchschnittliche 157


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Geschäftsmann oder Frau braucht höhere ethische Standards und göttliche Weisheit, um in der Geschäftswelt mit Integrität wirken zu können. Gott hat so wenige Diener in der Wirtschaft, denen er mit großen Geldsummen vertrauen kann, und mit der Freiheit großen Einfluss in einer Firmenwelt auszuüben.“ Durch meinen Hintergrund als Missiologe, sehe ich meine Aufgabe darin, diese Regeln so gut wie ich es kann zu definieren. Mein Forschungsansatz ist phänomenologisch (Phänomenologie ist die Gewinnung von Erkenntnissen durch reale, beobachtbare Erfahrungen und Ereignisse). Sie ist nicht philosophisch, theologisch, exegetisch oder auf Offenbarung gegründet, was alles legitime, alternative Vorgehensweisen sind, die viele meiner guten Freunde nutzen. Ich versuche mich daher auf das zu konzentrieren, was ist, und was man beobachten kann, nicht auf das, was sein sollte. Wenn ich Erfolg damit habe, dann werden die Minenfelder ein sicherer Ort für uns alle sein, weil wir sie umgehen, und wir können als Gottes Armee in größerer Harmonie zusammen vorwärtsgehen, um gemeinsam die Gesellschaft zu transformieren, in der wir leben.

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Die Gemeinde in der Arbeitswelt

Fragen zur Vertiefung 1. Was kĂśnnte man tun, um die Spannungen zwischen den beiden Regelwerken der Nukleus-Gemeinde und der erweiterten Gemeinde abzubauen?

2. Listen Sie einige Minenfelder auf, die zwischen den beiden Kulturen bestehen?

3. Welchen Einfluss haben die kosmischen Kräfte auf die soziale Transformation, und was ist hier unsere Verantwortung?

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4. Welchen Einfluss hat der Faktor des Landes auf die soziale Transformation, und was ist hier unsere Verantwortung?

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Regel 1

Pastoren in der Arbeitswelt

K

ent Humphreys nahm Jesus als seinen persönlichen Retter an als er neun Jahre alt war. Von dem Zeitpunkt an, hatte er ein Verlangen danach, beständig seine Beziehung mit Christus zu vertiefen und Gott mit seinem ganzen Leben zu dienen. Sein persönliches geistliches Wachstum erlebte er in der NukleusGemeinde und gemäß dem Regelwerk der Nukleus-Gemeinde.

Die geistliche Leiter Welches Verständnis des Dienstes der Gemeinde empfing Kent? Wenn er wirklich Gott dienen wollte, was sollte er planen, mit dem Rest seines Lebens zu tun? Welche Regeln lernte er in der Gemeinde? Mittlerweile ist Kent ein Geschäftsmann und schreibt folgendes: „Ich fing an mir ein Bild davon zu formen, wie das Leben eines Menschen aussehen sollte, der wirklich ein hingegebenes Leben für Gott führt. Ich sah das christliche Leben wie eine Leiter. Die Spitze, die oberste Sprosse dieser Leiter, war für die Christen mit der größten Hingabe reserviert, zum Beispiel für Missionare, die Gott in fremde Länder sandte. Auf der nächsten Sprosse darunter waren die Prediger und Pastoren dieser Welt, gefolgt auf der Sprosse darunter von den vollzeitigen Mitarbei161


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tern der Gemeinde. Etwas weiter unten auf der Leiter kamen die Mitarbeiter in christlichen Organisationen, und ganz unten, nahe dem Boden, befanden sich Christen in der Arbeitswelt.“ Robert Fraser, ein erfolgreicher Geschäftsmann und gegenwärtig Finanzmanager für einen großen christlichen Dienst, drückt ähnliche Gefühle in seinem Buch Marketplace Christianity aus: „Es sollte eine symbiotische Beziehung zwischen Leitern von Firmen und Leitern der Gemeinde geben. Geschäftsleute sollten die Gemeinde mit ihren Gaben ergänzen und stärken. Die Gemeinden sollten den Leitern in der Arbeitswelt helfen, ihren Zweck im Leben zu verstehen und mit ganzem Herzen danach zu streben. Es sollte eine gesunde Überlappung zwischen der Wirtschaft und der Gemeinde geben, indem sie einander ergänzen und Leben spenden. Aber die Gemeinde weiß oft überhaupt nicht, was sie mit ihren Leitern aus der Wirtschaft anfangen soll. Sie sitzen in den Bänken wie kostbare, ungenutzte Schätze. Wenn Gemeinden verstehen würden, wie man aus diesem Schatz schöpft, dann würden sie entdecken, dass starke Leiterschaft Vision produziert und ermöglicht, sowie Einheit von Zweck und Selbstlosigkeit.“

Pastoren wissen es nicht besser Das Wurzelproblem, das Kent Humphreys und Robert Fraser beschreiben, ist natürlich, dass Leiter der Nukleus-Gemeinde nicht trainiert wurden, das Regelwerk der erweiterten Gemeinde in der Arbeitswelt zu verstehen. Ihr Regelwerk der NukleusGemeinde geht davon aus, dass alle christlichen Dienste im Kon162


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text der Ortsgemeinde getan werden, und dass das, was draußen in der Arbeitswelt geschieht, einfach nur Arbeit ist, und kein Dienst. Dies sollte nicht als ein Charakterfehler des Pastors angesehen werden. Sie wissen es einfach nicht besser. Geschäftsleute jedoch, die beide Regelwerke kennen, sind verständlicherweise frustriert. Ein Geschäftsmann sagte zum Beispiel: „Die Gemeindeleiter bitten mich immer, dass ich den Ausschuss für Finanzen leite und natürlich immer große Spenden gebe. Aber das ist auch schon alles, was sie über meine Rolle als Geschäftsmann verstehen: Ich kann die Buchhaltung machen. In ihren Augen scheint das, was ich die Woche über bei meiner Arbeit tue, nicht das Werk einer realen Person mit einer realen Seele zu sein.“ Meine persönliche Ausbildung in den Bereichen Theologie und Dienst indoktrinierten mich in dem Regelwerk der NukleusGemeinde. Wo tun Gläubige gemäß diesem Regelwerk ihren Dienst? In der Gemeinde. Nirgendwo sonst! Ich bin beschämt zugeben zu müssen, jetzt wo ich beide Regelwerke kenne, dass ich für die längste Zeit meines Dienstes gelehrt habe, dass die Geistesgaben eines Gläubigen nur in ihrer Gemeinde gebraucht werden sollten, und dass sie nicht auf das anwendbar sind, was eine Person in der Arbeitswelt tut.

Geistesgaben in der Arbeitswelt Wenn mich jemand fragen würde, was mein persönlicher Eindruck ist, was meine bedeutsamste Leistung für den Leib Christi in über 50 Jahren des Dienstes gewesen ist, dann würde ich sagen, dass es meine Lehre über Geistesgaben ist. Mein Textbuch, Your Spiritual Gifts Can Help Your Church Grow (Deine Geistesgaben können deiner Gemeinde zu Wachstum verhelfen), ist seit über 30 Jahren in neuen Auflagen auf dem Markt. Ich definiere eine Geistesgabe wie folgt: „Eine Geistesgabe ist eine 163


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besondere Gabe, die jedem Mitglied des Leibes Christi durch den Heiligen Geist gegeben wird, gemäß der Gnade Gottes, zum Gebrauch im Kontext des Leibes.“ Die offensichtliche Frage, die sich stellt ist: Was meinst du damit, „im Kontext des Leibes“? Mein traditionelles Denken (was ich natürlich mittlerweile in der neuesten Ausgabe des Buches verändert habe), war bis dahin immer, dass der Leib Christi die Ortsgemeinde, die evangelistischen Dienste der Ortsgemeinde, christliche Organisationen oder Ähnliches umfasst. Wenn Leute mich früher fragten, ob ich glaube, dass ihre Geistesgaben ebenso für den Gebrauch in der Arbeitswelt wie in der Gemeinde gegeben wurden, dann muss ich leider gestehen, dass ich darauf mit Nein antwortete. In den früheren Ausgaben des Buches, zitierte ich den baptistischen Professor Jack MacGorman, um meine damalige Lehrmeinung zu unterstreichen: „Nicht nur sind die Geistesgaben funktional, sie sind auch congregational (also gemeindlich).“ Dann schrieb ich weiter: „Die meisten Dinge, die Gott heute in der Welt tut, werden durch Gläubige getan, die zusammen in einer Gemeinschaft arbeiten, indem sie einander mit ihren Gaben in ihren Ortsgemeinden ergänzen.“ Wie falsch ich lag! Niemand hat mir mehr geholfen, den Dienst in der Arbeitswelt zu verstehen, als mein Freund Ed Silvoso. In seinem Buch Annointed for Business (Auf Deutsch erschienen als: Business²: Freundliche Übernahme – Gottes Potential im Beruf) tritt Silvoso dafür ein, dass die Geistesgaben, die Gott uns gibt, hauptsächlich für die Arbeitswelt gegeben sind. Es ist für mich heute amüsant, zugeben zu müssen, obwohl die Meinung von Silvoso 180 Grad verschieden ist von dem, was ich ursprünglich geglaubt habe, dass ich ihm heute vollkommen zustimme. Er hat uns sehr dabei geholfen, einige Auswirkungen des Regelwerkes der erweiterten Gemeinde in der Arbeitswelt zu verstehen.

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Die Gemeinde in der Arbeitswelt

Zum Beispiel erwähnt Silvoso die Worte von Jesus in Markus 16, dass Gläubige die Kranken heilen, Dämonen austreiben und Schlangen überwinden werden. Dann weist er darauf hin: „Diese Worte von Jesus stehen im Zusammenhang mit dem Befehl: ‚Geht hin in die ganze Welt und predigt das Evangelium der ganzen Schöpfung‘ (Markus 16,15). Den Prozess, den Jesus hier beschreibt, ist definitiv zentrifugal und expansiv. Die ganze Welt, die Gesamtheit der Schöpfung, muss der Fokus der Mission sein, die uns anvertraut wurde, nicht nur ein Gemeindegebäude oder eine Versammlung von Gläubigen.“

Zurüstung der Heiligen Ich habe bereits viel über Apostel in diesem Buch gesagt. Es ist wichtig zu erinnern, dass gemäß Epheser 4,11-12, die erste Aufgabe von Aposteln (auch von Propheten, Evangelisten, Pastoren und Lehrern) das Training der Gläubigen für das Werk des Dienstes ist. Diese Gläubigen sind nicht nur diejenigen, die einen Job in der Gemeinde oder in einer christlichen Organisation haben, wie Pastoren, Musikleiter, Zellgruppenleiter, Konferenzsprecher, Sonntags-Schullehrer, Chormitglieder oder Diakone. Das wären dann nur circa 20 % der Gläubigen. Stattdessen soll das Werk des Dienstes durch 100 % der Gläubigen getan werden. Was bedeutet das? Es bedeutet, dass wir das Werk des Dienstes nicht nur an einem Tag der Woche tun, wenn wir in der Gemeinde sind, sondern während sieben Tagen der Woche. Was wir während der Woche von Montag bis Samstag in der Arbeitswelt tun, ist echter Dienst. Gläubige Christen, die Busfahrer, Landwirte, Firmenleiter, Elektriker, Fernsehproduzenten, gewählte Regierungsbeamte, Schullehrer, vollzeitige Eltern, Zeitungsreporter oder vieles mehr sind, tun alle einen Dienst. Das ist 165


C. Peter Wagner

es, was das Regelwerk der erweiterten Gemeinde in der Arbeitswelt lehrt. Ist das, was ich die Regel 1 nenne, biblisch? Ja, das ist es. Das griechische Wort im Neuen Testament, das mit Dienst übersetzt wird, ist diakonia. Aber es wird nur bei der Hälfte der Bibelstellen mit Dienst übersetzt, bei der anderen Hälfte mit dienen. Die erstaunliche Schlussfolgerung, die wir daraus ableiten können, ist, wann immer wir jemand dienen, tun wir biblischen Dienst! Bedenken Sie dies einmal. Wenn Sie jemanden die Zähne reparieren, dann dienen sie ihrem Patienten. Wenn Sie in einem Sinfonie-Orchester spielen, dann dienen Sie Ihren Zuhörern. Wenn Sie ein Flugzeug fliegen, dann dienen Sie Ihren Passagieren. Wenn Sie an Tischen bedienen, dann dienen Sie Ihren Gästen. Wenn Sie Autoversicherungen verkaufen, oder Teppiche auslegen, in einem Steuerbüro arbeiten, ein Sportteam mit Kindern trainieren, dann dienen Sie diesen Menschen. Dies alles passt eindeutig unter den biblischen Begriff von diakonia (wovon sich unser Wort Diakonie ableitet).

Ein Job oder ein Dienst Was ist dann der Unterschied zwischen einem Job und einem Dienst? Ein Job wird zu einem Dienst, wenn Gott Sie in Ihren Bereich von Arbeit hineinführt, und Sie die Stimme Gottes, die Salbung Gottes und biblische Prinzipien in den Bereich hineinbringen, wo Sie arbeiten und dienen. Das Buch von Laura Nash, Believers in Business (Gläubige in der Wirtschaft), ist ein hervorragendes Buch, das sich mit Dienst gemäß dem Regelwerk der erweiterten Gemeinde befasst. Für ihre Forschungsarbeit zu diesem Buch interviewte sie 85 christliche Firmenleiter. Hier ist ihr Fazit:

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Die Gemeinde in der Arbeitswelt

„Sie sehen eine tiefe persönliche Bedeutung in ihrer Arbeit. Fred Smith hat eine schöne Formulierung dafür: ‚Meine Arbeit ist mein Lobpreis‘. Sein Anspruch ist nicht, einfach nur auf mechanische Weise seine christliche Ethik auszuleben; sondern es geht viel tiefer, nämlich zu der Schaffung einer ungebrochenen Verbindung zwischen dem Prozess des Arbeitens in der Welt und dem Erfüllen seiner persönlichen Identität als Christ.“ Die geistlichen Gaben, die Gott jedem gläubigen Christen gegeben hat, sind Teil seiner Identität als Christ (siehe 1. Korinther 12,18). Das Regelwerk der erweiterten Gemeinde eröffnet den gläubigen Christen den Weg, ihre Gaben zu gebrauchen, und ihre Gott-gegebene Bestimmung durch einen fruchtbaren Dienst zu erfüllen, wo immer sie ihre meiste Zeit verbringen.

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Fragen zur Vertiefung 1. Welche Erfahrung haben Sie mit der „geistlichen Leiter“, die Kent Humphreys beschrieben hat? Stimmen Sie zu, dass diese Leiter in den Köpfen vieler existiert?

2. Stimmen Sie zu, dass jeder Christ Geistesgaben sowohl für den Bau der Nukleus-Gemeinde und für den Dienst in der erweiterten Gemeinde von Gott empfangen hat?

3. Inwieweit sind Apostel für die Zurüstung und Freisetzung der Christen für einen effektiven Dienst in der Arbeitswelt notwendig?

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Die Gemeinde in der Arbeitswelt

4. Wie kรถnnen Sie aus den Konzepten von Dienst (diakonia) auf der einen Seite, und Arbeit und Anbetung (avodah) auf der anderen Seite, eine Einheit machen?

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Regel 2

Apostel in der Arbeitswelt

D

ie Grundlage für Apostel in der Arbeitswelt habe ich in Kapitel 2 gelegt. Ich will hier nicht alles wiederholen, aber ich kann nicht die Regeln für die Nukleus-Gemeinde im Vergleich zu den Regeln der erweiterten Gemeinde beschreiben, ohne nochmals zu dem Thema der Apostel zurückzukehren.

Zwei Formen der Gemeinde Für diejenigen, die noch nicht ganz die Inhalte von Kapitel 2 verarbeitet haben, will ich dieses Kapitel noch einmal zusammenfassen. Die wahre Gemeinde existiert in zwei Formen – die der Nukleus-Gemeinde (Ortsgemeinden) und der erweiterten Gemeinde (in der Arbeitswelt). Da sie beide die wahre Gemeinde sind, kann erwartet werden, dass sie beide auf derselben Grundlage von Regierung aufgebaut werden, nämlich der Apostel und Propheten (siehe Epheser 2,20). Es wurde in den letzten Jahren viel Gutes über die Natur und den Dienst der Apostel in der Nukleus-Gemeinde gelehrt und geschrieben, aber nur sehr wenig über die Apostel in der erweiterten Gemeinde. Mit anderen Worten ist das Regelwerk der NukleusGemeinde recht klar, was die Gabe und das Amt des Apostels betrifft, während das Regelwerk der erweiterten Gemeinde über Apostel immer noch in der Anfangsphase der Entstehung ist.

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Erinnern wir, dass mein übergeordneter Zweck, was ich für ein grundlegendes Wort vom Herrn an die Gemeinden weltweit halte, das Ziel der sozialen Transformation ist. Die Grafik, die unser Paradigma bzw. Sichtweise darstellt, hat als übergeordnetes Ziel die soziale Transformation, die gestützt wird von zwei Säulen: Die Gemeinde in der Arbeitswelt und den Transfer von Wohlstand. Die dynamische Verbindung zwischen den beiden Säulen sind die Apostel in der Arbeitswelt, nicht die Apostel der Nukleus-Gemeinde. Meine persönliche Schlussfolgerung ist, dass wir ohne den Dienst der Apostel in der Arbeitswelt, weder das Tor zum Transfer von Wohlstand noch das Tor für bedeutsame soziale Transformation sehr weit öffnen können, wie Gott beabsichtigt hat, dass es geschehen soll.

Eine wachsende Übereinstimmung Wir können durch die zunehmende Übereinstimmung unter christlichen Leitern ermutigt sein, dass es wirklich Apostel in der Arbeitswelt gibt. Im Jahr 2000 schrieb Bill Hamon darüber: „Es ist sehr wahrscheinlich, dass Gott bereits wahre Apostel in der Arbeitswelt platziert hat. Sie waren bisher noch nicht überall in ihren Diensten effektiv, weil sie noch nicht offiziell dafür anerkannt worden sind, was sie sind.“ Im Jahr 2005 beschrieb Rich Marshall einige ihrer Eigenschaften. Dass ich mich bei dieser Regel 2 auf Apostel konzentriere, bedeutet nicht, dass ich damit die anderen Regierungs-Ämter der Gemeinde in der Arbeitswelt auslassen will. Bill Hamon erklärt zum Beispiel, dass wir auch in der Geschäftswelt von Gott gesetzte Leiter der fünf Ämter, aus Epheser 4,11, haben: „Apostel sind die Gründer oder Unternehmer, die Gottes neue Dienste und Pionierarbeiten auf der Erde in Existenz bringen. Propheten sind die Strategen, die planen 172


Die Gemeinde in der Arbeitswelt

und auswerten, wie die Ziele des Reiches Gottes erreicht werden können. Evangelisten sind die Verkaufs-Manager, die ihr Team inspirieren, das Unternehmen auszuweiten. Lehrer können mit Trainern verglichen werden, die die Arbeiter in den Prinzipien, Produkten und Diensten der Organisation unterweisen. Pastoren sind vergleichbar mit den Managern von Firmen vor Ort, die das Tagesgeschäft ihrer Mitarbeiter managen und sie ermutigen, ihr volles Potenzial zu entfalten, und die ihnen helfen, als ein Team zusammen zu arbeiten.“ Es wird für viele Leiter der Nukleus-Gemeinde nicht leicht sein zuzugeben, dass Gott diese Gaben und Ämter auch in die erweiterte Gemeinde hingelegt hat. Sobald sie jedoch bereit sind dies anzuerkennen, stellt sich die Frage, ob diese Leiter in der Arbeitswelt auch ordiniert und offiziell in ihre Ämter eingesetzt werden sollten. Sie haben nie ein theologisches Seminar besucht, um Griechisch zu lernen, oder um biblische Exegese, Hermeneutik, systematische Theologie oder Kirchengeschichte zu studieren, wie normale ordinierte Pastoren. Sie wurden nicht zu „vollzeitiger christlicher Arbeit“ berufen, wie es das Regelwerk der Nukleus-Gemeinde beschreiben würde. „Welches Recht haben sie, auf derselben Ebene wie wir, als christliche Leiter anerkannt zu werden?“, werden gewiss einige Leiter der NukleusGemeinde fragen. Daher wundert es nicht, warum die meisten Pastoren und Leiter von Denominationen und christlichen Werken, zögerlich sind, diese Reise anzutreten, die zu ganz neuen Ufern führen wird.

Apostel und ihre Einflussbereiche Obwohl alle Ämter, die in Epheser 4,11 erwähnt werden, in der erweiterten Gemeinde aktiviert werden müssen, wenn wir 173


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wirklich die Gesellschaft transformiert sehen wollen, sind die Apostel dennoch der Schlüssel. Sie sind die Vorläufer. Die Herrschaft in der Gesellschaft im Namen Gottes auszuüben, ist vor allen Dingen ein geistlicher Kampf, und Apostel sind die Generäle der Armee Gottes. John Kelly schreibt dazu folgendes: „Kriegsführung ist die erste Rolle des Apostels. Propheten geben uns das Wort des Herrn weiter; Lehrer unterrichten uns; Pastoren helfen uns, Probleme und Verletzungen zu überwinden; Evangelisten helfen Menschen zu retten; aber es ist der Apostel, der dem Feind den Krieg erklärt und der die Gemeinde in den Kampf führt.“ Wenn Apostel in der erweiterten Gemeinde den Kampf um die Transformation der Gesellschaft leiten, was sind dann die Schlachtfelder auf denen sie kämpfen? Diese Frage wurde von Zeit zu Zeit immer wieder in der Literatur der Glaube-bei-derArbeit Bewegung gestellt. Ed Silvoso weist auf drei Schlachtfelder hin, nämlich Wirtschaft, Regierung und Bildungswesen. Ich hatte früher eine Liste von 16 Schlachtfeldern. Bill Hamon schreibt auch über die Schlachtfelder: „Ich glaube, dass es Apostel der Finanzen, Technologie, Medizin, Industrie, Bildungswesen, Militär, Regierung, Gesetzgebung, Kommunikation, Wirtschaft, Transportwesen, Nuklearwissenschaft, Landwirtschaft, und 100 anderen Segmenten der Gesellschaft gibt.“ Hamon führt also eine Liste von 13 + 100 Bereichen auf! Die meisten dieser Listen sind zufällige Gedanken, die den Autoren in den Sinn gekommen, während sie einen Punkt erklären. Wir stimmen sicher alle zu, dass die Gesellschaft, nicht als ein großes Ganzes transformiert werden kann, sondern dass sie ein geeintes Ganzes ist, das aus vielen lebendigen Teilen zusammengesetzt ist, wovon jedes einzelne Segment einen eigenen Weg zur Transformation beschreiten muss. Diese Segmente der Gesell174


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schaft sollten als apostolische Einflussbereiche gesehen werden. Apostel haben Autorität, aber begrenzte Autorität. Sie haben nur Autorität in ihrem Gott-gegebenen Einflussbereich. Paulus bezieht sich darauf, als er sich seiner Autorität rühmt (siehe 2. Korinther 10,8), aber dann schränkt er dies ein, indem er sagt: „Wir wollen uns aber nicht ins Maßlose rühmen, sondern nach dem Maße des Wirkungskreises, den Gott uns als Maß zugeteilt hat, nämlich bis zu euch zu gelangen“ (Vers 13).

Die Schlachtfelder Wenn wir eine Strategie für einen Krieg planen, dann ist es vorteilhaft, wenn wir in Bezug auf die Schlachtfelder übereinstimmen. Mein Vorschlag ist, dass wir unsere Begrifflichkeit standardisieren, indem wir eine Liste gebrauchen, die auf Loren Cunningham, den Gründer von Jugend mit einer Mission, und auf Bill Bright, den Gründer von Campus für Christus, zurückgeht. Im Jahr 1975 schrieb Cunningham sieben Hauptkategorien der Gesellschaft auf, und tat die Liste in seine Jackentasche. Er sagt: „Am nächsten Tag traf ich einen lieben Bruder, den Leiter von Campus für Christus, Dr. Bill Bright. Er teilte mir mit, was Gott ihm gezeigt hatte – mehrere Bereiche, auf die wir uns konzentrieren müssen, um ganze Nationen zu Gott zurückzubringen! Es waren dieselben Bereiche, nur mit etwas anderen Worten hier und da, die ich auf meinem Zettel geschrieben hatte, der sich in meiner Tasche befand. Ich nahm den Zettel raus und zeigte ihn. Erstaunliche Ereignisse wie diese geschehen ständig, wenn Christen auf die stille, sanfte Stimme des Heiligen Geistes hören … Das Verständnis dieser sieben Einflussbereiche wird uns helfen, unsere Gesellschaften für Christus zu reformieren.“

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Ich lernte dieses Konzept zum ersten Mal durch den Wirtschaftsberater Lance Wallnau kennen. Er nennt diese Bereiche die sieben Berge. Die Strategie des Kampfes besteht darin, dass „wenn die Welt gewonnen werden soll, dann sind es diese „Berge“, die die Kultur und das Denken der Menschen formen. Wer immer diese Berge kontrolliert, der bestimmt die Richtung der Welt und der Ernte darin. Dies umfasst auch die Konfrontation der Mächte und Gewalten, welche die Einflussbereiche auf den Gipfeln jeder der sieben Berge kontrollieren. Der wahre geistliche Kampf findet oben an der Spitze statt. Wallnau sagt sehr weise: „Satan ist sich bewusst, dass ein einziger Mao, Stalin oder Hitler ein viel größerer Handlanger für seine Ziele der globalen Herrschaft und Zerstörung sein kann, als 1.000 Anton LaVeys (Gründer der Kirche Satans).“ Lance Wallnau nennt diese bestimmenden sozialen Komponenten nicht nur Berge, sondern er nennt sie auch Mind Molders (Einflussbereiche auf den Verstand). Cunningham nennt sie Einflussbereiche. Bill Bright sieht sie als Bereiche für Konzentration. Bill Hamon nennt sie Segmente der Gesellschaft. Ich möchte vorschlagen, dass wir einheitliche Begriffe verwenden und sie die sieben Einflussbereiche der Kultur nennen. Die sieben Einflussbereiche der Kultur sind: 1. Familie 2. Religion 3. Regierung 4. Medien 5. Bildungswesen 6. Wirtschaft 7. Künste 176


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Jeder der sieben Einflussbereiche der Kultur hat offensichtlich eine Vielzahl wichtiger Unterbereiche. Dies ist, wo die 100 anderen Segmente von Bill Hamon hineinpassen. Jedes einzelne Segment sollte als ein apostolischer Einflussbereich gesehen werden, der apostolische Leiterschaft braucht, damit dieser in einen Gesellschaftsbereich transformiert werden kann, der die Werte und den Lebensstil des Reiches Gottes reflektiert. Nicht nur das, sondern bedenken Sie einmal die Tatsache, dass jeder dieser Einflussbereiche der Kultur und jeder bedeutungsvolle Unterbereich, sein eigenes Regelwerk besitzt. Nur diejenigen, die in der Kultur dieser sozialen Einheit zuhause sind, werden das Regelwerk verstehen, und werden wissen, wie man sich gemäß dieser Regeln verhält. Diese apostolischen Leiter werden die einzigen sein, die die Machtstrukturen an der Spitze jedes Berges verändern können. Apostel der Nukleus-Gemeinde können die Religion beeinflussen, und in einem gewissen Maße auch die Familie. Aber sie haben fast überhaupt keinen Einfluss auf die anderen fünf Einflussbereiche der Kultur. Nur die Apostel der erweiterten Gemeinde werden in der Lage sein, die Armee Gottes in diese strategischen Schlachtfelder zu führen. Lance Wallnau fragt: „Wie können wir die Einflussbereiche von Nationen zurückgewinnen, und was hat das mit Ihnen und Ihrer Berufung in der Arbeitswelt zu tun? Alles! Sie werden in eine Eliteeinheit für die Arbeitswelt berufen.“ Dann schlägt Wallnau einen Schlachtplan vor: „Schauen Sie sich Ihren beruflichen Bereich an und sehen Sie ihn als einen Berg. Welche Firmen und Menschen sind dort an der Spitze des Berges? Warum sind sie dort oben an der Spitze? Welche Fähigkeiten, Wissen und persönlichen Eigenschaften sind nötig, um diese Positionen zu besetzen? Welche Voraussetzungen müssen geschaffen werden, damit Sie an die Spitze dieses Berges gelangen können?“ 177


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CBS verliert einen Kampf Schauen wir uns zum Beispiel den Bereich der Medien an, um zu sehen, was nötig ist, um Veränderungen in diesem Bereich zu bewirken. Linda Rios Brook hat einen bemerkenswerten Ruf als Managerin von kommerziellen Fernsehsendern. Sie ist eine derjenigen, die auf die relative Impotenz der Nukleus-Gemeinde hinweist, Versuche zu unternehmen, Fernsehprogramme zu verändern. Brook erzählt diese Geschichte: „In den vielen Jahren meiner Arbeit in der Fernsehwelt habe ich viele Streiks erlebt, Unterschrifts-Kampagnen, und versuchte Boykotte von christlichen Organisationen, um gegen den moralischen Niedergang des Fernsehens zu protestieren. Trotz all der vielen Energie und kraftvollen Rhetorik habe ich nur einmal einen Erfolg erlebt, wo eine grundsätzliche Entscheidung als Folge davon getroffen wurde, ein Programm zu ändern. Dieser eine Erfolg kam jedoch nicht durch christliches Engagement, sondern durch politischen Druck und die Furcht vor finanziellen Konsequenzen.“ Linda Brook erklärt weiter: „Meine Schlussfolgerung ist, nachdem ich hunderte gescheiterter Kampagnen erlebt habe, dass viele christliche Organisationen sich weigern, in den Waffen des Kampfes für die Arbeitswelt, unterrichtet zu werden.“ Eine andere Weise dies auszudrücken ist, dass Leiter der Nukleus-Gemeinde aus einem Regelwerk heraus handeln, das in der Arbeitswelt keine Bedeutung hat. Was ist die Antwort darauf? Brook schreibt: „Bevor sich nicht christliche Dienste in der Arbeitswelt entfalten, und wir erfolgreich die Zentren der Macht und Entscheidungsfindung mit Christen besetzt haben, werden wir nie erfolgreich Veränderun178


Die Gemeinde in der Arbeitswelt

gen gemäß unserer moralischen oder religiösen Überzeugungen bewirken können. Das bedeutet, dass wir eine biblische Regierung in der Arbeitswelt brauchen. Es braucht eine Regierung, um eine Regierung abzulösen. Was war der eine Erfolg, den Linda Rios Brook, die auch ein Mitglied der internationalen Koalition der Apostel ist, erlebt hat? Es hat mit CBS zu tun und einem Programm, das sehr viel Schaden für Ronald Reagan und seine Familie verursacht hätte. Die Veränderung des Programms kam jedoch nicht durch den Druck der Nukleus-Gemeinde zustande. Die Machtzentren der amerikanischen Geschäftswelt kümmern sich nicht darum, was Christen denken. Brook erklärt: „Aber ihnen ist das Gesetz und die finanzielle Kraft ihres Senders sehr wichtig. Das ist der Grund, warum im November 2003 eine politisch motivierte und sehr gut organisierte Kampagne des Protestes das Management von CBS erfolgreich davon überzeugte, ein sehr kontroverses Programm über die Reagan Familie aus dem Sendeplan zurückzuziehen. Warum konnte die Nukleus-Gemeinde solch eine Veränderung nicht bewirken? Der Grund ist, weil sie einem anderen kulturellen Regelwerk folgen. Hier ist der Unterschied: „Die Währung der Unterhaltungsindustrie ist nicht moralische Überzeugung oder religiöse Leidenschaft, sondern Produktionskosten, Verdienste durch Sendungen und gesetzliche Hebelwirkung. Traditionelle Gemeindeleiter haben in der Regel keine Ahnung, wie man sich in diesen Gewässern bewegt, aber christliche Geschäftsleute schon. Dies führt uns zu Regel 3.

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Fragen zur Vertiefung 1. Stimmen Sie zu, dass die fünf Regierungs-Gaben aus Epheser 4,11 in der Nukleus-Gemeinde und in der erweiterten Gemeinde vorhanden sind? Begründen Sie Ihre Antwort.

2. Für welchen Einflussbereich sehen Sie sich berufen? Welche Gaben können Sie hierfür nutzen und welchen Dienst können Sie darin ausüben?

3. Welche Voraussetzungen (Wissen, Gaben, Kompetenz) sind nötig, um an die Spitze in dem von Ihnen gewählten Einflussbereich (Berg) zu gelangen?

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Die Gemeinde in der Arbeitswelt

4. Warum braucht es Apostel in jedem Segment der Gesellschaft, um darin nachhaltige Veränderung zu bewirken?

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Regel 3

Einfluss und Autorität

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as unterscheidet einen Apostel, mehr als alles andere, von anderen Mitgliedern des Leibes Christi, denen andere Gaben gegeben wurden? Dies ist eine wichtige Frage. Es ist so, als ob man fragt, was eine Nase von anderen Teilen des menschlichen Körpers unterscheidet, weil die Bibel die Verteilung von Geistesgaben, wie zum Beispiel die Gabe des Apostels, mit verschiedenen Körperteilen vergleicht (siehe 1. Korinther 12,14-18). Die Antwort auf diese zweite Frage ist natürlich, dass die Nase riecht. Ebenso kann man antworten, dass sich ein Apostel von anderen Gliedern des Leibes Christi durch außerordentliche Autorität unterscheidet. Woher kommt diese Autorität? Sowohl das Regelwerk der Nukleus-Gemeinde und das Regelwerk der erweiterten Gemeinde in der Arbeitswelt stimmen damit überein, dass diese Autorität von Gott kommt. Der Apostel Paulus schreibt zum Beispiel an die Korinther, dass er sich nicht schämt, sich seiner Autorität rühmen; dann fügt er sogleich hinzu: „... die der Herr uns gegeben hat“ (2. Korinther 10,8). Gott ist derjenige, der entscheidet, welcher Gläubige welche Geistesgaben empfängt (siehe 1. Korinther 12,11), einschließlich der Gabe des Apostels. Bedenken wir jetzt einmal, wie diese Gott-gegebene Autorität erkannt und bestätigt wird, in der Nukleus-Gemeinde und in der erweiterten Gemeinde. Obwohl beide Regelwerke Autorität als maßgeblichen Unterschied von Aposteln anführen, weichen sie dennoch auf bedeutsame Weise voneinander ab, was die Praxis betrifft. 183


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Beziehungen gegenüber Respekt Das Schlüsselwort, das den Weg zum Einfluss in der Nukleus-Gemeinde beschreibt, ist das Wort Beziehungen. Das Schlüsselwort, das den Weg zum Einfluss in der erweiterten Gemeinde beschreibt, ist das Wort Respekt. Die Leiter der NukleusGemeinde sind durch ihr Regelwerk trainiert, das Spielfeld hierarchisch so flach wie möglich zu gestalten. Ihre Sichtweise von Demut bewirkt, dass sie sich schnell beschämt fühlen, wenn sie in ihrer Stellung über ihren Kollegen gesehen werden. Sie würden vielleicht sagen: „Schließlich sind wir alle die Familie Gottes. Wir sind alle Sünder, die durch Gnade gerettet sind; wir müssen nicht höher von uns denken, als zu denken sich gebührt; und Stolz kommt vor dem Fall.“ Diese Sichtweise ist in vielen Kirchen institutionalisiert, was in Australien zum Beispiel das hohe PoppySyndrom genannt wird. Wenn eine Person anfängt, sich über die Ebene der anderen hinaus zu entwickeln, dann sollte diese Person wieder auf die allgemeine Höhe der anderen zurückgeschnitten werden. Für Australier sind Beziehungen viel wichtiger als selbstbewusste oder zuversichtliche Leiterschaft. Aber die Realität draußen in der Arbeitswelt ist völlig anders. Im Regelwerk der Arbeitswelt ist Respekt der Startpunkt, selbst für potentielle Beziehungen. Leiter der Arbeitswelt zögern, mit anderen in Beziehung zu treten, bevor sie nicht den Test des Respekts bestanden haben. Nehmen wir zum Beispiel das Business Reform Magazin, eine der bekanntesten Zeitungen für die Leiter der erweiterten Gemeinde. Die Herausgeber gestalten ihre Titelseiten auf solch eine Weise, dass die Leser sich für die Artikel in dem Magazin interessieren. Sie wissen auch, dass in ihrer Kultur, je mehr die Autoren von den Artikeln respektiert werden, umso mehr Leser das Magazin lesen werden. Darum ist es nicht überraschend, eine Titelseite mit einem Bild von David Green von Hobby Lobby mit der Schlagzeile zu sehen, „Hobby Lobby ist 184


Die Gemeinde in der Arbeitswelt

eine 1 Milliarde Dollar Imperium“. Eine andere Ausgabe hat auf der Titelseite ein Bild von John D. Beckett mit der Schlagzeile: „Besitzer der 100 Millionen Dollar Becket Firmen“. Es lässt sich nur sehr schwer vorstellen, solch ein Titelbild auf dem Cover einer christlichen Zeitung der Nukleus-Gemeinde zu finden! Es ist kein Zufall, dass beide dieser Respekt vermittelnden journalistischen Schlagzeilen in Business Reform, Dollarzeichen enthalten. Ein Hauptziel derjenigen in der Wirtschaft ist es, Geld zu verdienen. Diejenigen, die viel Geld verdienen, erlangen in der Regel mehr Respekt, als diejenigen die dies nicht schaffen. Peter Tsukahira bestätigt: „In einer sehr realen Weise, sind die Geschäftsleute von heute, die Haushalter der modernen Zivilisation. Diejenigen, die kein Geld besitzen, dienen denjenigen, die es kontrollieren.“

Die Gabe, Wohlstand zu produzieren Paulus schreibt Timotheus über Geistesgaben: „Vernachlässige nicht die Gabe, die in dir ist“ (1. Timotheus 4,14). Im Fall von Timotheus war es sehr wahrscheinlich die Gabe des Evangelisten, auf die Paulus sich hier bezog (siehe 2. Timotheus 4,5). In der Geschäftswelt ist jedoch eine Gabe, die im Leben vieler Gläubiger freigesetzt und gefördert werden muss, die Gabe, Wohlstand zu produzieren. In 5. Mose 8,18 lesen wir: „Du sollst dich an den Herrn, deinen Gott erinnern, dass Er es ist, der dir die Kraft gibt, Wohlstand zu schaffen.“ Genauso, wie Billy Graham gerne berichtet, wie viele Menschen sich an einem Abend aufgrund seiner evangelistischen Einladung bekehrt haben, berichtet David Green gerne, dass Hobby Lobby eine Milliarde Dollar wert ist. Leider würden viele, die dem Regelwerk der NukleusGemeinde folgen, Billy Grahams Bericht so beurteilen, dass er geistliche Kraft reflektiert, während sie David Greens Bericht als sündigen Stolz beurteilen würden. 185


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Die Forschung von Laura Nash und Scotty McLennan hat einen wichtigen Unterschied in den Sichtweisen von Autorität zwischen den beiden Regelwerken ans Licht gebracht. Sie stellen fest, dass beide Gruppen sich auf Autorität von Gott berufen, aber dann stellen sie folgendes fest: „Die Quellen der Autorität beider Gruppen sind offensichtlich unterschiedlich. Der Geschäftsmann bezieht seine Autorität größtenteils durch vergangene Erfolge und gegenwärtigen Besitz von Macht. Der Pastor wiederum erhält seine Autorität von verschiedenen Quellen: Auf der einen Seite von der Gemeinde; aber auch von den hierarchischen, bürokratischen Systemen des theologischen Seminars und den Autoritäten seiner Denomination.“

Wohlstand verändert Geschichte Wenn wir uns auf soziale Transformation oder Ausübung von Herrschaft als unser Ziel konzentrieren, um Gottes Absichten hier auf der Erde zu erfüllen, dann ist es gut, dass wir uns daran erinnern, dass in der menschlichen Geschichte vor allem drei Dinge den Verlauf der Gesellschaft verändert haben: Gewalt, Wissen und Wohlstand. Und der stärkste dieser Einflüsse ist Wohlstand. Warum? Weil Wohlstand einen proportionalen Einfluss und Autorität mit sich bringt. Die Geschäftsfrau Megan Doyle sagt, dass die Wirtschaft die heutige Gesellschaft kontrolliert. Sie kontrolliert politische Wahlen und Auslandspolitik. Sie sagt: „Darum sind die führenden Geschäftsleute in unserer Kultur diejenigen, die die größte Autorität in unserer Gesellschaft ausüben.“ Ich erinnere mich an ein Gespräch, dass ich mit Megan vor einigen Jahren über dieses Thema in Minneapolis hatte. Wir sprachen über Einfluss und Autorität, wobei ich zu der Zeit nur sehr wenig über das Regelwerk der erweiterten Gemeinde ver186


Die Gemeinde in der Arbeitswelt

stand. Sie sagte damals zu mir: „Peter, ich kenne viele Pastoren in unserem Land. Wenn ich mich nicht täusche, glaube ich nicht, dass viele von ihnen am Morgen ihren Senator anrufen könnten, und am Nachmittag einen Rückruf von ihm erhalten würden. Aber ich kann das. Der Grund ist nicht, weil ich geistlicher bin als sie; der Grund ist, weil ich reich bin!“ Meine spontane Reaktion aus meinem Regelwerk der Nukleus-Gemeinde war: „Warte mal. Was denkt sie eigentlich, wer sie ist? Dient sie etwa Mammon anstatt Gott?“ Aber glücklicherweise stoppte mich der Heilige Geist sofort wieder und brachte eine sensiblere Reaktion in meinen Sinn: „Moment mal. Ich habe noch nie so etwas gehört. Diese Frau weiß etwas, was ich nicht weiß, und ich will dies so schnell wie möglich lernen.“ Die Folge war, dass Megan eine sehr gute Mentorin wurde, die mir half, die Dinge zu verstehen, über die ich in diesem Buch schreibe. Demnach würden viele Leiter der Nukleus-Gemeinde eine starke negative Reaktion auf Bemerkungen wie die von Megan Doyle haben, weil sie noch nicht vertraut sind mit der Denkweise des Wohlstands der erweiterten Gemeinde. Ed Silvoso schreibt dazu: „Die weitverbreitete Lehre der Gemeinde ist immer noch, vielleicht auch unabsichtlich, dass Gott irgendwie reiche Leute verachtet, und dass Erfolg und Wohlstand etwas ist, womit Christen nicht gut umgehen können. Leider hat die Kirche oftmals eine negative Einstellung, wenn es um die soziale Kluft zwischen den Reichen und den Armen geht, weil sie der Armut eine innere Tugend beimisst, während sie mit dem Wohlstand Untugenden verknüpft.“

Einstellungen Geld gegenüber Woher kommt die Haltung im Regelwerk der NukleusGemeinde, mit Armut Tugenden zu verbinden, fragt Silvoso. 187


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In Kapitel 4 führte ich den Geist der Armut in unseren Kirchen auf das Klostertum des Mittelalters zurück. Ich glaube, dass es eine zutreffende Beschreibung ist, wenn wir sagen, dass das Regelwerk der Nukleus-Gemeinde überwiegend eine klösterliche Denkweise vertritt, während das Regelwerk der erweiterten Gemeinde eine Denkweise des Wohlstandes vertritt. Kein Wunder, dass es hier regelmäßig zu Missverständnissen zwischen den beiden Formen von Gemeinde kommt. Zwei der Individuen, die es zweifelsohne auf eine imaginäre Liste der 100 einflussreichsten christlichen Leiter der 2000 Jahre Kirchengeschichte schaffen würden, sind der heilige Franz von Assisi und John Wesley – der eine ist ein katholischer Held und der andere ist ein protestantischer Held. Ich stimme dem zu, dass sie auf solch einer Liste sein sollten. Ich bewundere sehr das Leben und den Charakter der beiden. Ich empfehle, dass wir alle den Rat von John Wesley über das Geben befolgen, den ich in Kapitel 4 zitiert habe. Dennoch waren diese beiden geistlichen Riesen, wie viele andere, ein Haupteinfluss für das klösterliche Denken im Regelwerk der Nukleus-Gemeinde. Die klösterliche Denkweise Franz von Assisi wurde in einer wohlhabenden Familie geboren. Sein Vater führte ein erfolgreiches Import-Exportgeschäft. Als Franz jedoch 24 Jahre alt war, entsagte er seinem Erbe. Eines Tages zog Franz in einer öffentlichen Zeremonie auf dem Marktplatz alle seine Kleider aus und gab sie seinem Vater zurück. Als der Bischof von Assisi diese dramatische Tat von Franz sah, da warf er ihm seinen Mantel über. Von dem Zeitpunkt an trug Franz nur noch ein einfaches Gewand aus Leinen, mit einer Kordel um seine Hüfte. Gemäß dem Nationalmuseum über den heiligen Franz von Assisi, war dies seine Hochzeitszeremonie mit seiner geliebten Partnerin, der Frau Armut, unter deren Namen er alle weltlichen Güter, Ehren und Privilegien aufgab. Die Legende 188


Die Gemeinde in der Arbeitswelt

überliefert, als Franz starb, dass er selbst einen einfachen Mantel auszog und nur noch mit einem geborgten Kleidungsstück bekleidet war, um seinen Schwur mit der Frau Armut bis zum Ende zu erfüllen. Auch John Wesley hielt die Armut in großen Ehren. Obwohl sein Einkommen zu seinen Lebzeiten immer mehr anstieg, lebte er nur mit den notwendigsten Dingen und gab den Rest den Armen, unter denen er lebte und aß. Im Jahr 1744 schrieb er: „Wenn ich einst sterbe, dann hinterlasse ich zehn Pfund … damit die ganze Menschheit mir bezeugen kann, dass ich nicht wie ein Dieb und ein Räuber gelebt habe.“ Als er im Jahr 1791 starb, war das einzige Geld, das in seinem Testament aufgeführt war, nur wenige Münzen in seinen Taschen und in seiner Schublade. Versetzen Geschichten wie diese uns nicht in Erstaunen und Bewunderung für die gewaltige Hingabe, die diese beiden Männer Gott gegenüber hatten? Dennoch, vermittelt dies nicht auch das Gefühl, dass, wenn Sie nicht von jetzt an auf diese Weise leben, Sie Gott enttäuschen werden? Diese Helden des Glaubens sind legendäre Beispiele für künftige Generationen, und die unterschwellige Schlussfolgerung ist, dass jeder Gläubige ihnen ähnlich sein sollte, wenigstens so weit wie möglich. Es ist leicht zu sehen, woher die klösterliche Denkweise kam, und warum viele Leiter der Nukleus-Gemeinde bis heute Armut mit Frömmigkeit gleichsetzen und verwechseln. Die Wohlstands Denkweise Weder Franz von Assisi noch John Wesley waren für die meisten Leiter der erweiterten Gemeinde Vorbilder. Ihr Regelwerk macht in der Tat eine Denkweise des Wohlstandes notwendig. Ein Leiter der Arbeitswelt, den ich kenne, sagte zu mir folgendes: „Es ist wahr, dass Geld nicht alles ist, aber es ist an Wichtigkeit fast neben Sauerstoff!“ Rich Marshall bestätigt die Wichtigkeit von Geld, um Einfluss zu gewinnen: 189


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„Wir müssen anfangen, über Autorität außerhalb von Traditionen nachzudenken – nicht nur, wer Autorität ausüben kann, sondern welche Mittel dafür verwandt werden. Denken wir zum Beispiel einmal an Geld. Für viele Jahre, besonders in der Gemeindewelt, verbindet sich damit das Bild vom schnöden Mammon. Aber Geld ist ein Werkzeug, das Gott Geschäftsleuten gibt, um Autorität in ihrer Stadt zu gewinnen.“ Apostel der erweiterten Gemeinde lieben die Geschichte von Jesus über die zehn Pfunde in Lukas 19. In dieser Geschichte gibt ein reicher Mann zehn Dienern je ein Pfund (z.B. 5.000 Euro), damit sie Handel treiben, bis er wieder zurückkehrt. Als er zurückkehrt, berichtet einer der Diener, dass er aus einem Pfund insgesamt zehn Pfund gemacht hat. Der Meister antwortet: „Recht getan, du guter Knecht! Weil du im Geringsten treu warst, sollst du Vollmacht über zehn Städte haben“ (Lukas 19,17). Wie erlangt man Einfluss über eine Stadt? Ein Weg ist hier laut Jesus, indem man ein guter Verwalter ist und Reichtum erwirtschaftet. Ich weiß, dass in meiner Stadt die wohlhabendsten Leute auch die einflussreichsten sind. Die armen Leute regieren nicht meine Stadt, dessen sollten wir uns bewusst sein. Dasselbe gilt wahrscheinlich auch für Ihre Stadt. Rich Marshall fast diese Regel gut zusammen: „Christliche Leiter in der Wirtschaft (oder Apostel der erweiterten Gemeinde) müssen außerhalb des normalen Gemeindemodells der Nukleus-Gemeinde wirken. Für viele Jahre haben wir versucht, Städte durch Gemeindeprogramme, Evangelisationen, Gemeindegründung, vereinte Aktionen, Gebetsbewegungen, und jede anderen Form von Aktivitäten der Nukleus-Gemeinde zu erreichen. Wenn Jesus jedoch von Autorität in der Stadt 190


Die Gemeinde in der Arbeitswelt

spricht, dann bezieht Er sich auf die Auswirkungen, die durch Geschäftsleute geschehen, die Geschäfte und Firmen führen. Ich bin zuversichtlich, wenn wir Apostel der Arbeitswelt dafür anerkennen, wer sie sind, dann werden wir neue Strategien und Aktivitäten erleben, die in grundsätzlichen Veränderungen von Städten und Nationen der Welt resultieren.“

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Fragen zur Vertiefung 1. Was können Sie tun, um mehr Einfluss in der NukleusGemeinde zu erlangen? Stimmen Sie Wagner zu, dass es in erster Linie Beziehungen braucht?

2. Was können Sie tun, um mehr Einfluss in der erweiterten Gemeinde zu erlangen? Stimmen Sie Wagner zu, dass es in erster Linie Respekt braucht?

3. Wie unterscheidet sich die Quelle von Autorität in der NukleusGemeinde und in der erweiterten Gemeinde in der Arbeitswelt?

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Die Gemeinde in der Arbeitswelt

4. Welche Denkweise über Wohlstand und Erfolg haben Sie persönlich? Welche Denkweise ist förderlich für soziale Transformation? Warum?

5. Finden Sie heraus: Wer sind in Ihrer Stadt die einflussreichsten Männer oder Frauen? Warum?

6. Wie kann eine Brücke und eine Partnerschaft mit diesen einflussreichen Menschen für soziale Transformation gebaut werden?

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Regel 4

Zeitmanagement Im Jahr 2001, als ich anfing mit den Diensten in der Arbeitswelt vertraut zu werden, begab sich unser Pastor auf eine Reise. Er bat einen Geschäftsmann, der Mitglied der Gemeinde war, am Sonntag zu predigen, während er unterwegs war. Als ich hörte, wer predigen sollte, da versuchte ich mich zu erinnern, wann dies das letzte Mal geschehen war. Ich konnte mich an einen Geschäftsmann erinnern, der für Gideon International, die Gesellschaft für Bibelverteilung, eine Ansprache hielt, und an Laien, die Zeugnis gegeben hatten, wie Gott in ihrem Leben gewirkt hat, und an Geschäftsleute, die für Finanznöte ihrer Gemeinde warben. Aber dieses Mal war ein Repräsentant der erweiterten Gemeinde für die gesamte Predigt verantwortlich! Seine Aufgabe vom Pastor war einfach, der Gemeinde mitzuteilen, was er in der Geschäftswelt tut, um dem Herrn zu dienen. Mir gefiel sehr seine bodenständige Weise, wie er redete. Es war ein Genuss, einmal jemanden von der Kanzel zu hören, der keine religiöse Sprache nutzte. Er predigte nicht zu uns, aber er war ein exzellenter Kommunikator. Er war es gewohnt, große Gruppen von Verkäufern zu trainieren und Mitarbeiter zu motivieren. Er war äußerst positiv und lebendig, weil er sehr erfolgreich in seinen Geschäften war. Wir erkannten, dass wir einen Gewinner auf der Kanzel haben! Ich genoss seine Rede so sehr wie irgendetwas, was ich je in einem Gottesdienst gehört habe.

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C. Peter Wagner

Kirche ausfallen lassen, um Geld zu verdienen Ich erinnere mich nicht an zu viele Details des Inhalts seiner Rede, aber eine Sache habe ich nie vergessen, die er sagte. Während seiner Rede hatte er viele gute Dinge über unseren Pastor zu sagen. Irgendwo in seiner Rede sagte er folgende Dinge: „Der Pastor und ich verstehen uns sehr gut. Zum einen tadelt er mich nicht, wenn ich einmal nicht in die Gemeinde komme. Der Grund ist, weil er und ich beide wissen, dass, wenn ich nicht hier bin, dann bin ich da draußen in der Welt und tue, wozu Gott mich berufen hat – ich verdiene Geld!“ Dies war eine sehr ungewohnte Sache, von einer christlichen Kanzel zu hören. Glücklicherweise war es nicht im Widerspruch mit der Gemeinde, zu der ich damals gehörte, denn der damalige Pastor, Ted Haggard, gehörte zu den vielleicht 5 Prozent von Pastoren, die beide Regelwerke verstehen, das Regelwerk der Nukleus-Gemeinde und das Regelwerk der erweiterten Gemeinde. Die anderen 95 Prozent der Pastoren sind jedoch in mehr oder weniger starkem Maße durch die klösterliche Denkweise indoktriniert, die ich in Regel 3 beschrieben habe. Gemäß dieser Denkweise, wenn jemand Geld verdient, anstatt Gott am Sonntag anzubeten, dann sollte er dies lieber in einem Buß-Bekenntnis sagen, als von der Kanzel. Mein Verdacht ist, dass zahlreiche Gläubige, die Geschäftsleute sind, und die gleichzeitig Mitglieder in einer der 95 Prozent Gemeinden sind, die ich gerade geschrieben habe, dieselben Gedanken und Gefühle haben, aber sie am Sonntag an der Tür abgeben. Sie sind es gewohnt, von einem Regelwerk zum anderen zu wechseln. Sie achten ihre Pastoren und sie wissen, dass ihre Pastoren niemals damit übereinstimmen werden, materielle Dinge vor geistliche Dinge zu setzen, und darum reden sie erst gar nicht darüber. Aus diesem Grund sind sie besorgt, was der Pastor denkt, wenn sie nicht in die Gemeinde kommen. Wenn sie 196


Die Gemeinde in der Arbeitswelt

einmal predigen dürften, dann würden sie nie erwähnen, dass sie von Zeit zu Zeit die Gemeinde ausfallen lassen.

Griechische Prioritäten Irgendwie hat sich die berüchtigte griechische Denkweise, die ich im ersten Kapitel beschrieben habe, nicht nur in das Denken der Gemeindeleiter eingeschlichen, sondern auch in das Denken vieler christlicher Leiter in der Arbeitswelt. Erinnern wir uns an den griechischen Dualismus, der Form von Materie trennt, oder bezogen auf die Gemeindewelt, „geistliche“ Dinge von „weltlichen“ Dingen unterscheidet. Arbeit gehört natürlich sowohl für griechische Philosophen und für viele christliche Pastoren in die weltliche Kategorie. Die hebräische Denkweise auf der anderen Seite sieht alles, einschließlich der Arbeit und des Besuches von Gottesdiensten, als gleichberechtigte Teile des Lebens für und unter Gott. Vergessen wir nicht, dass das hebräische Wort avodah sowohl Arbeit als auch Anbetung bedeutet. Viele der geachteten christlichen Leiter der Arbeitswelt, deren Bücher ich gelesen habe, sehen es als selbstverständlich an, dass das Leben um drei Prioritäten herum geordnet sein sollte: Zuerst Gott, zweitens Familie und drittens Arbeit. Ironischer Weise warnen einige von ihnen im selben Buch vor der griechischen Denkweise, und empfehlen die hebräische Denkweise. Seltsamerweise ist ihnen nie bewusst geworden, dass ihre Prioritäten jedoch von nichts anderem, als der griechischen Denkweise abstammen. Dies erklärt, warum viele Pastoren nicht zögern, einen Geschäftsmann zu kritisieren, der sich dafür entscheidet, dass an einem Sonntag, das Geldverdienen (Arbeit), für ihn wichtiger ist, als die Teilnahme an dem Gottesdienst. Sie müssen falsche Prioritäten haben.

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C. Peter Wagner

Der Kalender der Nukleus-Gemeinde Das Regelwerk der Nukleus-Gemeinde enthält einen wöchentlichen Kalender. Er ist von Kirche zu Kirche unterschiedlich, aber mit Ausnahme der Sieben-Tags-Adventisten und weniger anderer, ist der Gottesdienst am Sonntagmorgen die nicht verhandelbare Versammlung für diejenigen, die als treue und gehorsame Gläubige angesehen werden wollen. Neben dem Gottesdienst werden daher hingegebene Christen auch an Versammlungen wie der Sonntagschule, dem Abendgottesdienst, einem Gebetstreffen am Mittwochabend, einer Kleingruppe oder anderen gemeindlichen Treffen teilnehmen. Und diejenigen, die noch hingegebener sind, werden auch in Komitees der Gemeinde und in Vorständen dienen, oder zu ähnlichen Treffen kommen. Was ich hiermit sagen will, ist vor allem, dass so gut diese Aktivitäten auch alle sein mögen, sie erfordern Zeit. David High lernte zum Beispiel das Regelwerk der Nukleus-Gemeinde auf ganz normale Weise kennen, indem er eine Bibelschule besuchte, als Mitarbeiter einer Gemeinde diente, Missionsarbeit machte, in der Bibelschule lehrte und Hauskreise leitete. Er gründete eine Gemeinde und war viele Jahre Pastor. Dann berief Gott ihn plötzlich in die Arbeitswelt, wo er gemäß dem Regelwerk der erweiterten Gemeinde anfing zu arbeiten. Er schreibt: „Das war ein Kulturschock für mich. Plötzlich wurden alle Regeln und Aussagen des Glaubens, die ich die Männer meiner Gemeinde gelehrt und von ihnen erwartet hatte, in der Realität getestet.“ David fand sehr bald heraus, wie schwierig es für einen Geschäftsmann ist, gemäß den Erwartungen zu leben, die er früher als Pastor an sie gehabt hatte. Er erklärt: „Während der Zeit, als ich ein Pastor war, hatte ich nur sehr wenig Verständnis und Mitgefühl für die Schwie198


Die Gemeinde in der Arbeitswelt

rigkeiten der Männer, die Firmen leiteten, ihre Familien versorgten, während sie gleichzeitig versuchten die Dienste und Programme der Gemeinde zu unterstützen. Als ich Pastor war, fragte ich mich immer, warum Männer nicht am Dienstagabend zur Chorprobe kommen, am Mittwochabend zum Bibelstudium, am Donnerstagabend zur Evangelisation, und am Samstagmorgen zum Gebet. Jetzt, wo ich selbst einer dieser Geschäftsleute war, schien ich nie in der Lage zu sein, dies in meinem Zeitplan unterzubringen.“ Viele Christen in der Arbeitswelt, die 9 bis 5 Uhr Jobs haben, und die keine Verantwortung von der Arbeit mit nach Hause bringen, können sehr leicht dem Regelwerk der Nukleus-Gemeinde folgen, und sie tun dies auch hingebungsvoll. Diejenigen jedoch, die Leiter in der erweiterten Gemeinde sind, oder große Verantwortung in ihren Firmen tragen, was auch die meisten Apostel in der Arbeitswelt betrifft, nehmen gewöhnlich ihre Verantwortung für ihre Arbeit mit sich nach Hause, und haben darum viel mehr Probleme mit Zeitmanagement.

Gefühle von Schuld und Verdammnis Die Zwangslage, in der sich Leiter der Arbeitswelt ständig befinden, beschreibt Peter Lyne sehr gut in seinem Buch First Apostels, Last Apostles (Zuerst Apostel, zuletzt Apostel): „Ich denke besonders an Leute, deren erste Berufung im Bereich der Wirtschaft ist, oder in einer besonderen Karriere. Oft sind sie apostolische Leiter, die jede Ermutigung und Unterstützung brauchen, die wir ihnen geben können. Was sie nicht brauchen, ist am Rande des Gemeindelebens gelassen zu werden, mit einem Gefühl 199


C. Peter Wagner

von Schuld und Verdammnis, weil sie nicht bei vielen der Treffen sein können oder nicht an allen Projekten teilnehmen können. Die Anforderungen ihrer Rolle und Aufgaben, macht es für sie sehr schwierig, im Alltagsleben der Gemeinde mitzuwirken.“ Der Geschäftsmann und Verleger Gregory Pierce bringt seine Gefühle aus der Sichtweise der erweiterten Gemeinde auf den Punkt: „Es erstaunt mich immer wieder, wie unsensibel viele Gemeindeleiter gegenüber diesem Problem sind. Während sie ihre Leute ermutigen, mehr Zeit mit ihren Familien zu verbringen und die gute Nachricht in der Arbeitswelt zu verbreiten, scheuen sie sich nicht, im gleichen Atemzug ihre Leute aufzufordern, freiwillig zusätzliche 5, 10 oder sogar 20 Stunden pro Woche der Gemeinde zu widmen. Auf eine ähnliche Weise, wie Firmen Arbeitssüchtige belohnt, scheinen viele religiöse Institutionen Gemeindesüchtige zu loben und zu belohnen, für ihre übermäßige Aktivität in der Gemeinde.“ Weil diese Gemeindemitglieder Fähigkeiten haben, die viele andere nicht besitzen, wollen die meisten Pastoren sie gerne in ihrem Gemeindevorstand und in ihren Finanztreffen haben. Gemäß dem traditionellen Regelwerk der Nukleus-Gemeinde haben Geschäftsleute die Gelegenheit Dienst zu tun, indem sie ihrer Gemeinde dienen. Die Nukleus-Gemeinde hat vielerorts noch nicht die Wahrheit erkannt, dass die Arbeit einer Person ein Dienst ist, auf derselben Ebene, wie ein Mitglied im Gemeindevorstand zu sein. Einige Geschäftsleute sind tatsächlich von Gott berufen, einen Teil ihrer Zeit als Mitglied des Gemeindevorstands zu investieren, aber andere sind genauso von Gott berufen, andere 200


Die Gemeinde in der Arbeitswelt

Dinge zu tun, wie zum Beispiel Geld zu verdienen. Keine dieser Aktivitäten ist in sich selbst geistlicher als die andere.

Geschäftliche Treffen der Gemeinde Peter Lyne erkennt, dass der Konflikt, den christliche Geschäftsleute erleben, sich auch auf die geschäftlichen Treffen von Gemeinden bezieht: „Das durchschnittliche geschäftliche Treffen einer Gemeinde lässt jeden mit einem Funken Intelligenz wünschen, dass er irgendwo anders wäre. Geschäftsleute, die es gewöhnt sind, Entscheidungen zu treffen und Strategien zu entwickeln, werden völlig durch die kleinkarierten Details frustriert, die wohlmeinende Leute als Veto gegen alles einbringen! Die Gemeinde vertritt größtenteils immer noch einen Dualismus, der zwischen dem Heiligen und dem Säkularen unterscheidet, und der vielen talentierten Leuten suggeriert, dass sie zweitklassig sind und keinen großen Einfluss haben.“ Auch David Oliver berichtet über seine sehr persönliche Erfahrung. David, der aus dem Bereich des professionellen Marketings kommt, hat als seine hauptsächliche Orientierung das Regelwerk der erweiterten Gemeinde. Derzeit arbeitet er mit einer ganzen Reihe von Gemeinden, und hilft vielen als ein Gemeindeberater. Über die Treffen in der Geschäftswelt schreibt er: „In der realen Welt, wo Zeit kostbar ist und als sehr wichtig erachtet wird, sind Treffen meistens sehr interessant. Ich komme gerade von einem meiner Klienten, wo ich heute Morgen war. Wir hatten ein Treffen mit sieben hoch bezahlten Männern und Frauen. Wir began201


C. Peter Wagner

nen das Treffen um 9:30 Uhr und um 11:00 Uhr hatten wir die Tagesordnung abgearbeitet. Wir hatten 25 Aktionspunkte – die meisten davon werden bis zu unserem nächsten Treffen umgesetzt worden sein, was in einem Monat sein wird.“ Dies ist die normale Weise, wie es in der Kultur der erweiterten Gemeinde Tag für Tag abläuft. Verglichen damit, geht es gemäß der Kultur der NukleusGemeinde in der Regel sehr gemütlich zu. Oliver beschreibt ein Treffen einer Nukleus-Gemeinde wie folgt: „Das durchschnittliche Treffen von Ältesten dauert 4-6 Stunden pro Woche, und das bei einem Budget, das nur einen kleinen Bruchteil des Budgets meiner Klienten umfasst. Und nach meiner Erfahrung werden Woche für Woche, Monat für Monat und sogar Jahr für Jahr, dieselben Themen besprochen!“

Bank-Hocker Lieber Leiter in der Arbeitswelt, wie würde es Ihnen gefallen, ein „Bank-Hocker“ genannt zu werden? Genau das geschah in einer Gemeinde, zu der Gregory Pierce gehörte. Eines Sonntags wurde ein Aufruf an die Mitglieder der Gemeinde gegeben, sich für Gemeindedienste einzuschreiben, und 61 Leute trugen ihre Namen ein. Die Schlagzeile in der nächsten Gemeindezeitung lautete: „61 Bank-Hocker an Gemeinde-Dienste verloren.“ Dies kam nicht gut bei Geschäftsmann Pierce an. Er schreibt: „Was mich aufregte war die Annahme, dass jeder der nicht freiwillig für die Gemeinde arbeitet, faul ist und eine falsche Haltung haben muss, indem er mit einer Couch Potato verglichen wird, der nichts tut, außer rum zu sitzen und Fernsehen zu schauen. Aber was ist, 202


Die Gemeinde in der Arbeitswelt

wenn unter diesen Nicht-Freiwilligen, der Besitzer einer Firma ist, der viele Überstunden macht, um seine Firma und seine 50 Jobs zu retten, oder jemand, der eine wichtige politische Kampagne leitet, oder jemand der einfach ausgebrannt ist? Und wenn diese Personen dann nicht freiwillig Dienste übernehmen, verdienen sie es wirklich als Bank-Hocker abgestempelt zu werden?“ Zeitmanagement mag nicht die größte Kluft zwischen der Kultur der Nukleus-Gemeinde und der Kultur der erweiterten Gemeinde sein, aber es ist ganz gewiss ein wichtiger Faktor, dessen wir uns bewusst sein müssen.

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C. Peter Wagner

Fragen zur Vertiefung 1. Halten Sie es für gerechtfertigt, Kirche ausfallen zu lassen, um „Geld zu verdienen“? Warum oder warum nicht?

2. Was ist Ihre Sichtweise hinsichtlich Kategorien wie „geistlich“, „weltlich“, „Arbeit“, „Dienst“, „heilig“ und „unheilig“ nach dem Lesen dieses Buches?

3. Welche zeitliche Priorität haben für Sie Ihr Einsatz in der Nukleus-Gemeinde und Ihr Einsatz in der Arbeitswelt? Wofür wollen Sie mehr Zeit investieren?

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Die Gemeinde in der Arbeitswelt

4. Wie sehen Sie die Prioritäten und das Zeitmanagement der Mitglieder Ihrer Nukleus-Gemeinde? Sind hier Korrekturen nötig? Wenn ja, welche?

5. Wo würden Sie gerne mehr Zeit in den Dienst investieren – in Ihrer Nukleus-Gemeinde oder in der Gemeinde in der Arbeitswelt oder in beiden? Nennen Sie einige Beispiele.

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Regel 5

Verwalterschaft

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ährend ich dieses Buch schrieb, wurde mir bewusst, dass ich mehr über Geld geschrieben habe, als in irgendeinem anderen meiner Bücher. Wie ich in Kapitel 4 erwähnt habe, habe ich den größten Teil meines Lebens unter der Bedrückung durch den Geist der Armut gelebt. Aus diesem Grund traf mich die Einstellung der Geschäftsleute über Geld wie aus heiterem Himmel, als ich anfing mich auf die Gemeinde in der Arbeitswelt zu konzentrieren. Glücklicherweise brach Bill Hamon den Einfluss dieses dämonischem Geistes über mir, was mich befreite, die neuen Dinge in einem positiven Licht zu sehen, die ich aus dem Regelwerk der erweiterten Gemeinde lernte. Früher hätte mich meine Einstellung dazu gebracht, die Dinge, die ich dort über Geld lernte, als reine Ausbeutung, Gier, Zerstörung, Egoismus, Materialismus, Weltlichkeit, Fleischlichkeit und Stolz zu sehen. Offensichtlich war ich sehr gut in dem Regelwerk der Nukleus-Gemeinde trainiert worden. Die kulturelle Kluft Die Regel über Verwalterschaft hat direkt mit Geld zu tun. Aus diesem Grund kann dies potentiell eine der unbequemsten Regeln sein. Die Kluft zwischen der Kultur der NukleusGemeinde und der erweiterten Gemeinde ist an diesem Punkt sehr weit. Einer, der diese Kluft sehr klar und deutlich sieht, ist Mark Greene. Greene kennt beide Regelwerke, weil er zuerst eine 207


C. Peter Wagner

Karriere in der Werbebranche in der Geschäftswelt gemacht hat, bevor er im theologischen Seminar studierte und dann Studenten unterrichtete. Heute leitet er das London-Institut für Modernes Christentum. Greene hat den Eindruck, dass ein Großteil der Theologie hinter dem Regelwerk der Nukleus-Gemeinde Fehler aufweist, wenn es um die Haltung hinsichtlich der Schaffung von Wohlstand geht. Greene schreibt in seinem Buch Supporting Christians at Work: „Viele Leute, die Wohlstand schaffen, haben häufig den Eindruck, dass die Kirche negativ hinsichtlich der Schaffung von Wohlstand eingestellt ist, und diejenigen richtet, die damit zu tun haben.“ Er zitierte einen Ethik-Lehrer der Wirtschaft, der sagt: „Ich frage mich manchmal, ob Christen (die dem Regelwerk der Nukleus-Gemeinde folgen) wirklich glauben, dass materielle Dinge gut sind, oder ob es da einen ewigen Manichäismus (Gnostischer Gedanke der Askese) in vielen von uns gibt, der die Welt und seine Inhalte als schlecht ansieht; ein ewiger Dualismus, der materielle Dinge und deren Produktion, Marketing und das Verbrauchen von Gütern, nicht nur als minderwertig ansieht, sondern als fremdartig für Christen.“ Greene schreibt weiter: „Eine Folge dieses unbiblischen Anti-Materialismus ist, dass in Laien sehr schnell Schuldgefühle erzeugt werden können, Geld zu haben und es für Dinge auszugeben, die Freude bereiten.“ Das Regelwerk der erweiterten Gemeinde hingegen sieht Geldverdienen als eine legitime Form des christlichen Dienstes an. Jesus ist unser bestes Beispiel. Als Zimmermann fabrizierte er Möbel, Jochs für Ochsen oder Türen für Geld. Als Er ein Wunder tat und ein Brot mit Fischen füllte, da verkauften die pro208


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fessionellen Fischer die Fische für Geld. Beide Aktivitäten sind darauf gerichtet, einen Gewinn zu erwirtschaften. Ich unterhielt mich einmal mit einem christlichen Geschäftsfreund von mir, mit Dan Meylan. Er sagte: „Peter, ich will dir ein wirtschaftliches Prinzip nennen. Wenn du keinen Gewinn erwirtschaftest, dann hast du keinen Dienst.“ Als ich ihn fragte, was er damit meinte, da antwortete er: „Ein Teil der Verwalterschaft einer Firma ist es, für das Wohlergehen der Leute zu sorgen, die für den Eigentümer arbeiten. Ohne einen Gewinn kann er das nicht tun.“ Dan sprach über die Regel der Verwalterschaft der erweiterten Gemeinde, indem er darauf hinwies, dass gute Verwalterschaft das Verdienen von Geld umfasst.

Das Vorratshaus In Maleachi 3,10 heißt es: „Bringt den ganzen Zehnten in das Vorratshaus, damit Nahrung in meinem Hause ist!“ Einer der offensichtlichsten und schwierigsten Unterschiede zwischen dem Regelwerk der Nukleus-Gemeinde und dem Regelwerk der erweiterten Gemeinde hat mit dem Verständnis zu tun, was „Vorratshaus“ bedeutet. Es herrscht wenig Meinungsverschiedenheit darüber, ob Gläubige dem Herrn den Zehnten geben sollten, was die ersten 10 Prozent ihres Einkommens sind. Und die meisten stimmen auch zu, dass wir zusätzliche Opfer über den Zehnten hinaus geben sollten. Beide Regelwerke stimmen in diesem Punkt überein. Aber die Umsetzung ist eine ganz andere Frage. Die Forschung von George Barna hat gezeigt, dass weniger als einer von zehn Christen in Amerika wirklich den Zehnten bezahlt. Aber das ist eine andere Frage. Die Sicht geht auseinander, wenn es um die Entscheidung geht, wo diese Zehnten und Opfergaben hingegeben werden sollten. Die meisten Pastoren werden dafür eintreten, dass das heutige Vorratshaus die Ortsgemeinde sein sollte. Bill Hybles sagt zum Beispiel: 209


C. Peter Wagner

„Es kann hilfreich sein, diese Fragen zu stellen, wenn es darum geht, wohin man geben sollte. Wo empfange ich meine geistliche Nahrung? Wo empfangen meine Kinder Fürsorge und Lehre? Wo gebrauche ich meine Geistesgaben? Wohin wende ich mich, wenn ich Hilfe in einer Krise brauche? Die Antwort auf diese Fragen sollte sein, und ist in der Regel, die Ortsgemeinde.“ Ralph Mohr und Alan Tang stimmen dem zu: „Das Haus Gottes ist der Ort, wo wir unsere Seelen nähren. Es ist das geistliche Vorratshaus, das regelmäßig unsere Nahrung liefert. Eine Ortsgemeinde ist dieses Vorratshaus, und darum fordert Gott uns auf, es mit dem Zehnten zu unterstützen.“ Einige Pastoren gehen sogar soweit und lehren ihre Mitglieder, dass die Gelder, die sie der Gemeinde geben, nicht für bestimmte Dienste gegeben werden sollten, wie Missionswerke, Dienst an Armen, Evangelisation, denn wenn man sein Geld Gott gibt, dann sollte man es loslassen. Die Andeutung ist natürlich, dass die Pastoren entscheiden, auf welche Weise Gelder verwandt werden, und nicht die Gemeindemitglieder. Viele Pastoren werden sehr ärgerlich, wenn Gemeindemitglieder viel Geld verdienen, aber damit ihre eigene gemeinnützige Stiftung gründen, damit sie entscheiden können, wie ihre Gelder verwandt werden. Dies verletzt gemäß der Denkweise vieler Pastoren die Regel des Vorratshauses. Es ist wahr, dass viele, wenn nicht die meisten Christen der erweiterten Gemeinde auch glauben, dass die Ortsgemeinde das Vorratshaus ist, wo sie seit vielen Jahren ihren Zehnten hingeben. Aber es gibt auch andere, die das nicht so sehen. Eine erweitere Sichtweise des Vorratshauses kann eine beunruhigende Nachricht für Pastoren sein, insbesondere für diejenigen, die nichts von der großen Kluft zwischen der Arbeitswelt und der Gemeinde wissen, und die diese Realität nicht verstehen. 210


Die Gemeinde in der Arbeitswelt

Ich erinnere mich an einen Geschäftsmann, der ein großes Herz für Evangelisation hatte. Ich fragte ihn, ob er auch Geld an die Gemeinde gibt. Er antwortete: „Der Ortsgemeinde geben? Für jede 1.000 Dollar, die ich der Ortsgemeinde gebe, werden wenige oder gar keine Seelen gerettet. Aber wenn ich dieselben 1.000 Dollar nach Indien oder China gebe, dann werden hunderte von Seelen gerettet!“ Als ich ihn über das Vorratshaus befragte, da sagte er: „Der Himmel ist mein Vorratshaus. Und das ist der Ort, wo Jesus sagte, dass wir unsere Schätze sammeln sollen.“

Grenzen für den Zehnten Wenn wir dies einmal anders betrachten, wobei dies nur eine kleine Gruppe von Gläubigen betrifft, würde es der Gemeinde tatsächlich schaden, wenn extrem reiche Individuen ihrer Gemeinde den Zehnten geben würden. Ein reicher Freund von mir sagte: „Peter, wenn ich meiner Gemeinde von meinem Einkommen den Zehnten geben würde, dann würde es die Gemeinde ruinieren.“ Er und seine Familie gehörten einer kleinen Gemeinde an, die ein kleines Budget hatte und von einem guten Mann geleitet wurde, der jedoch eine kleine Vision hat. Es war eine gute geistliche Verbindung, aber nicht finanziell. Wann immer die Gemeinde eine besondere Not hatte, wie ein neues Gebäude, dann gab mein Freund die ersten 10 Prozent der Kosten, aber nicht mehr. Ich teilte diese Geschichte vor kurzem einem Pastor mit einer Gemeinde mit über 10.000 Mitgliedern mit, und fand heraus, dass er dem Regelwerk der erweiterten Gemeinde an diesem Punkt völlig zustimmte. Er sagte mir, dass es eine Grundregel für ihn sei, dass kein Gemeindemitglied mehr als 10 Prozent des Gemeindebudgets geben sollte, oder mehr als 10 Prozent für ein besonderes Projekt, wie zum Beispiel ein Gebäude. Ich erwähne dies, um Pastoren zu ermutigen, in dieser Richtung zu denken, die hieran vielleicht überhaupt noch nicht gedacht haben. 211


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Wenn Geschäftsleute den Eindruck haben, dass sie ihrer Ortsgemeinde die richtige Summe geben, aber noch zusätzliche Gelder in Form von Zehnten und Opfergaben übrig haben, wohin sollten sie diese geben? Viele Geschäftsleute geben sie an Dienste oder Organisationen ihrer Wahl. Einige Leiter der Nukleus-Gemeinde unterstützen dies, während andere dagegen sind. Einige Pastoren sehen die Ortsgemeinde als die zentrale Organisationsstruktur des Reiches Gottes. Sie sehen parakirchliche bzw. außergemeindliche Dienste als Gottes Plan B. Gemäß ihrer Sicht ist der Plan A, dass Nukleus-Gemeinden die Funktionen von außergemeindlichen Diensten auch tun sollten, aber weil Nukleus-Gemeinden dies nicht immer schaffen, erfüllen außergemeindliche Werke diese Funktionen als eine Art Notlösung. Ich habe eine andere Sichtweise. Ich glaube, dass parakirchliche Dienste ebenso ein Teil der Gemeinde von Jesus Christus sind, wie es die Ortsgemeinden sind. Daher sind Spenden an einen parakirchlichen Dienst genauso eine Opfergabe an die Gemeinde Christi. Aber welchem Regelwerk folgen parakirchliche Dienste, dem Regelwerk der Nukleus-Gemeinde oder dem Regelwerk der erweiterten Gemeinde? Sie sind irgendwo dazwischen. Sie arbeiten meistens als gemeinnützige Organisationen, aber in vieler Hinsicht ähnlich, wie es gewinnbringende Unternehmen tun, außer dass einige leider die klösterliche Denkweise der Nukleus-Gemeinde beibehalten haben, die ich dem Geist der Armut zurechne. Ich erwarte nicht, dass wir in kurzer Zeit eine völlige Übereinstimmung zwischen den Leitern der Nukleus-Gemeinde und den Leitern der erweiterten Gemeinde über die Regeln der Verwalterschaft haben werden. Aber ich glaube, je mehr wir einander verstehen können, umso weniger Spannungen werden wir durch unsere Unterschiede erleben.

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Die Gemeinde in der Arbeitswelt

Fragen zur Vertiefung 1. Beschreiben Sie Ihre Sichtweise von materiellen Dingen?

2. Was sagen Sie zu der Aussage: „Wenn du keinen Gewinn erwirtschaftest, dann hast du keinen Dienst“?

3. Wie definieren Sie das „Vorratshaus Gottes“, worein Sie Ihren Zehnten und Opfergaben geben?

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C. Peter Wagner

4. Stimmen Sie zu, dass kein Gemeindemitglied mehr als 10 % des Gemeindebudgets oder für wichtige Projekte geben sollte? Begründen Sie Ihre Antwort.

5. Wie sehen Sie die Wichtigkeit von Nukleus-Gemeinden und parakirchlichen christlichen Werken für den Bau von Gottes Reich?

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Regel 6

Neue Formen von Gemeinde Fast 100 Prozent der Mitglieder einer typischen Ortsgemeinde sind Christen in der Arbeitswelt. Mir ist bewusst, dass dies eine selbstverständliche Wahrheit ist, aber ich will sie hervorheben, wenn wir uns jetzt diese Regel ansehen. Das Regelwerk der Nukleus-Gemeinde geht über diese Beobachtung hinaus und lehrt, dass jeder neu geborene und hingegebene Christ seine Hingabe als verantwortliches Mitglied in einer Ortsgemeinde erweisen sollte. Angesichts dieser Sichtweise, hat der bekannte Forscher George Barna, der seit vielen Jahren die sich ändernden Haltungen gegenüber Gemeinde-Mitgliedschaft untersucht, Statistiken veröffentlicht, die zeigen, dass diese Regel der Nukleus-Gemeinde zunehmend von neu geborenen christlichen Erwachsenen ignoriert und verletzt wird. Er nennt dies eine Revolution, was auch der Titel eines seiner Bücher ist.

Die Regel der Nukleus-Gemeinde Um diese Ergebnisse zu überprüfen, teilte Barna seine Forschungsergebnisse Harry mit, einem älteren Pastor einer mittelgroßen Gemeinde, der selbst ein tiefer Denker und ein hingegebener Diener der Kirche ist. Harry war sichtbar erregt, als Barna ihm mitteilte, dass es auch andere legitime Formen von Gemeinde geben könne. Er sagte:

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„Weißt du George, Gott hat keinen Plan B. Die Ortsgemeinde ist Gottes Plan A, sein auserwähltes Werkzeug, und Er braucht keinen anderen Plan. Jede andere Form außerhalb der Ortsgemeinde ist vom biblischen Standpunkt her nicht haltbar. Bezweifle niemals Gottes Wege, mein Freund. Folge Ihm und akzeptiere Seine Wege. Keine Gemeinde war je vollkommen, aber das ist kein Grund, sie aufzugeben. Die Gemeinde in die Form zu gestalten, die du wünschst, anstatt der Form, wie Gott sie gedacht hat, ist einfach nicht möglich. Lass Gott Gott sein. Helfe der Ortsgemeinde effektiver zu werden, aber unternimm niemals Schritte, sie zu ersetzen.“ Eine sehr große und wachsende Zahl von amerikanischen Christen stimmt mit Pastor Harry darin nicht überein. Kürzlich erschien im US Charisma Magazin ein sehr interessanter Artikel darüber, mit dem Titel, „Wenn Christen nicht mehr zur Gemeinde gehen“. Der Artikel weist auf dieses Phänomen hin, dass es einen wachsenden Trend gibt, der Gemeindeleiter gleichzeitig besorgt und begeistert, je nachdem, ob sie dies als eine ernsthafte Bedrohung für die Ausbreitung des Evangeliums ansehen oder als die Schwelle zu einer Revolution, die eine gewaltige Erweckung auslösen kann, für die viele seit vielen Jahren gebetet und davon geträumt haben.

Gemeinde-Aussteiger Der Artikel war sehr mutig geschrieben, aber ich bin nicht sicher, dass die Charisma-Herausgeber auf die große Flut von Briefen vorbereitet waren, die sie als Antwort darauf empfingen. Es ist wichtig, sich bewusst zu machen, dass die Verfasser dieser Briefe keine Ex-Christen sind, sondern gläubige Christen, die regelmäßige Leser dieses charismatisch christlichen Magazins 216


Die Gemeinde in der Arbeitswelt

sind. Fünf der Briefe waren von Christen der Nukleus-Gemeinde, die Dinge schrieben wie: „Lasst euch nicht täuschen! Gott will euch in Seiner Gemeinde haben, Satan will euch außerhalb der Gemeinde.“ Dreizehn Briefe wurden von Gemeinde-Aussteigern zitiert, die nicht länger demselben Regelwerk folgen. Die meisten von ihnen waren erfreut, dass ein so bekanntes Magazin ihnen das Vorrecht gibt, ihre Gedanken zu äußern. Hier sind einige der Zitate: „Ich habe mich gefragt, ob ich der Einzige bin! Ich habe mich entschieden, die traditionelle Gemeinde zu verlassen, weil ich die Traditionen der Menschen und die ‚Segne-mich-Mentalität‘ nicht mehr ertragen kann.“ „Jede Woche werden der Menge Predigten zugerufen, und das Hauptthema ist die Mitgliedschaft der Gemeinde zu bauen, und Leute an zwei bis drei Abenden in der Woche mit Diensten in der Gemeinde zu beschäftigen. Ich habe den Eindruck, dass Gott will, dass ich Ihm durch meine Arbeit diene.“ „Meine Frau und ich sind zwei der Christen, die an Sonntagen in der Gemeinde fehlen. Leute verlassen die Gemeinde nicht aus Rebellion oder Sünde. Sie verlassen die Gemeinde, weil sie mehr geistlichen Input brauchen, und diese Gemeinden ihn nicht geben.“ „Ich liebe Gott und studiere Sein Wort, aber ich empfange nicht viel, wenn ich in die Gemeinde gehe.“ „Ich werde weiterhin Gott, meiner Familie und dem Leib Christi mit ganzem Herzen dienen. Werde ich in die Gemeinde zurückkehren? Das muss sich erst noch herausstellen.“ 217


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Die Charisma-Leser, die diese Briefe schrieben, sind wie viele andere, Gläubige der Arbeitswelt. Sie haben sich entschieden, zu diesem Zeitpunkt dem Regelwerk der erweiterten Gemeinde zu folgen. Ein Mann schrieb: „Ich habe den Eindruck, dass Gott will, dass ich Ihm durch meine Arbeit diene. Er wendet das hebräische Konzept von avodah an, Arbeit mit Anbetung zu verknüpfen. Von wie vielen Christen reden wir statistisch gesehen? George Barna hat eine sehr umfangreiche Forschung über Erwachsene gemacht, die nicht regelmäßig in die Gemeinde gehen, was diejenigen umfasst, die in den vergangenen sechs Monaten nicht in der Kirche waren, außer für besondere Gelegenheiten. Viele dieser Erwachsenen waren neugeborene Christen. Barna schreibt: „Wenn nur diese Gruppe (neugeborene Aussteiger) wieder in die Sonntag-Gottesdienste gehen würde, dann würden 15 Millionen mehr Menschen in den Gemeinden sein. Dies wäre die größte Rückkehr von Menschen in die Gemeinde aller Zeiten, und würde jede protestantische Gemeinde um fast die Hälfte vergrößern!

Mangel an Zeit und Interesse Warum haben diese 15 Millionen Gläubigen beschlossen, ihre Gemeinden zu verlassen? Barna fasst es wie folgt zusammen: „Wir haben entdeckt, dass die Hauptgründe für ihre Vermeidung der Gemeinde Mangel an Zeit und Mangel an Interesse sind: Diese beiden motivierenden Faktoren sind bereits die Gründe für drei von fünf der Gläubigen, die in keine Gemeinde gehen. Sehr wenige von diesen Leuten bleiben weg, weil sie schlechte Erfahrungen gemacht haben (weniger als 5 %). Meistens vermeiden sie die Gemeinde, weil sie keine bedeutungsvollen Erfahrungen für ihr Leben gemacht haben.“ 218


Die Gemeinde in der Arbeitswelt

Die nächste Frage ist: Wird sich dieser Trend wahrscheinlich fortsetzen? Gemäß dem, was wir wissen, ist ein Ende nicht in Sicht. Im Jahr 2003 fand Barna heraus, dass der niedrigste Gemeindebesuch in Amerika unter den 20-29 jährigen ist (31 %). Mehr als 50 % der christlichen Teenager gehen in die Gemeinde. Aber es gibt eine erstaunlich Abnahme von 58 % des Gemeindebesuchs unter den 18 bis 29-jährigen. Diese Zahlen zeigen, dass es etwa 8 Millionen 20 bis 29-jährige gibt, die als Teenager regelmäßig die Gemeinde besuchten, die aber zu dem Zeitpunkt, wo sie 30 Jahre alt sind, nicht mehr in die Gemeinde gehen. Es ist nur fair, wenn wir annehmen, dass nicht alle diese Gemeinde-Aussteiger ihren christlichen Glauben verloren haben, oder ihr Verlangen Gott mit ihrem Leben zu dienen. Die Mehrheit von ihnen sucht etwas, was sie bis dahin nicht gefunden haben. Hier ist eine interessante Vorhersage, die auf den gegenwärtigen Trends passiert. Im Jahr 2000 sahen noch 70 % der Amerikaner die Ortsgemeinde als ihren hauptsächlichen Ort für geistliche Erfahrungen und Ausdruck geistlichen Lebens an, und nur 5 % suchten dies in einer alternativen Glaubensgemeinschaft. Bis zum Jahr 2025 ist zu erwarten, dass nur 30-35 % ihre geistliche Erfüllung in einer Ortsgemeinde finden, während dieselbe Zahl, 30 bis 35 % dies in alternativen Gemeinschaften des Glaubens suchen werden.

Kreative Alternativen Ein anderer Begriff für Glaubens-Gemeinschaften ist „neue Formen von Gemeinde“, was der Name von Regel 6 ist. Viele Gläubige in der Arbeitswelt haben die traditionellen Strukturen von Gemeinde aufgegeben, und suchen kreative Alternativen, um ihr geistliches Leben zu nähren, und besser für den Dienst zugerüstet zu werden. Linda Rios Brook sagt:

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„Diener in der Arbeitswelt bauen neue Dinge und reparieren gebrochene Dinge. Sie verstehen nicht die Bürokratie der Gemeinde, und sie wollen keine endlosen Sitzungen. Sie sind bereit mit der Organisation der Gemeinde zu arbeiten, solange es sie nicht daran hindert, ihren Dienst zu tun. Im letzteren Falle werden sie um die Gemeindestruktur herum arbeiten, um das zu tun, was Gott ihnen aufs Herz gelegt hat zu tun. Sie respektieren die Pastoren, erachten jedoch viele von ihnen als naiv und uneffektiv, Dinge in der realen Welt umzusetzen.“ Kommentare wie diese reflektieren die Regel der erweiterten Gemeinde, kreative Alternativen für eine neue Form von Gemeinde zu entwickeln, wenn dies nötig ist. Dies ist für die meisten Leiter der Nukleus-Gemeinden beunruhigend. Dennoch ist es eine Tatsache und ein Trend des heutigen Lebens. Wenn Leiter der Nukleus-Gemeinde dies verleugnen, wird es ihre Effektivität weiterhin mindern. Ein faszinierendes Beispiel, wie dies geschieht, kommt aus China, wo das moderne Christentum gerade mal 35 Jahre alt ist. Das chinesische Magazin Phoenix berichtet: „Eine dritte Form von Gemeinde, die weder zu der offiziellen Drei-Selbst-Kirche oder zu den Bewegungen der Haus-Gemeinden gehört, entwickelt sich sehr schnell in den Großstädten. Ihre Mitglieder sind größtenteils gebildete, professionelle Angestellte, einschließlich Ärzte, Ingenieure und Wissenschaftler. Viele Künstler und Autoren sind ein Teil der dritten Gemeindeform. Selbst Beamte und Politiker sind in vielen Städten aktive Mitglieder der dritten Gemeinde.“

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Die Gemeinde in der Arbeitswelt

Dies ist Gemeinde in der Arbeitswelt, die von Pastoren und Leitern der Arbeitswelt geleitet wird, mit einem Regelwerk, das anders als das der Nukleus-Gemeinde ist. Solche Alternativen öffnen die Tür für unbegrenzte Kreativität, nicht nur in China, sondern in der ganzen Welt.

Haus-Gemeinden Hier in Amerika ist die am weitesten verbreitete kreative Alternative zu der traditionellen Gemeinde die Haus-Gemeinde. Larry Kreider, der ein Apostel der Nukleus-Gemeinde ist, und der aktiv diese neue Gemeindeform fördert und entwickelt, sagt dazu: „Es geschieht wieder. Eine neue Spezies von Gemeinde entwickelt sich in ganz Nordamerika. In vielen Großstädten und in ländlichen Gegenden, entwickelt sich eine einmalige Form von Gemeindeleben, die durch frisches Wachstum einer neuen Ernte durch die Oberfläche des Bodens bricht.“ Die Organisation von Kreider, DOVE Christian Fellowship International, ist ein weltweites Netzwerk von Zellen-Gemeinden und Haus-Gemeinden. Der Untertitel seines Buches House Church Networks ist Eine Gemeinde für eine neue Generation. Kreider glaubt, dass die über 20-jährigen, die bewusst traditionelle Gemeinden verlassen haben, zunehmend zu dieser neuen Gemeindeform wandern werden. Er erklärt: „Hungrig nach Gemeinschaft und Beziehung, lernen Christen die Werte des Reiches Gottes durch direkte Teilnahme. Sie treffen sich in kleinen Gruppen in Häusern, Büros, Vorstandszimmern oder Restaurants. Für sie ist die Gemeinde eine Lebensweise geworden, wo Jüngerschaft und Wachstum auf natürliche Weise geschehen, während sie ihre Gaben entwickeln und durch praktisches Tun lernen, begleitet durch das Mentoring von geistlichen Vätern und Müttern.“ 221


C. Peter Wagner

Woher kommt die Hauskirchen-Bewegung in Amerika? Die Geschäftsfrau Linda Rios Brook hat diese einsichtsreiche Erklärung: „Es mag ein Zufall sein, oder auch nicht, dass das Entstehen der Haus-Kirchen-Bewegung ungefähr zur selben Zeit begann, als die Hausschul-Bewegung begann. Beide begannen aus demselben Grund: Eine generelle Unzufriedenheit mit dem, was die etablierten Institutionen zu bieten hatten, und ein Glaube, dass ihre Kinder geschädigt und nicht genügend versorgt werden. Beide Bewegungen begannen auf ähnliche Weise. Keine Bewegung hatte einen Hauptvertreter. Sie entstanden an der Basis in Amerika. Keine der Bewegungen bat um Erlaubnis oder kündigte ihre Pläne den anerkannten und herrschenden Autoritäten an.“ Einige der anderen kreativen Alternativen, die entstehen, sind die folgenden: • I-Gemeinde. I steht für Internet. Einige traditionelle Gemeinden strahlen ihre Gottesdienste bereits über das Internet aus, so dass ihre Mitglieder an den Bildschirmen ihrer Computer teilnehmen können. Selbst T.D. Jakes vom Potters House in Dallas strahlt seine Gottesdienste jeden Monat für tausende Zuschauer über das Internet aus. Eine fortgeschrittene Form der I-Gemeinde ist die Durchführung von vollständig interaktiven Gottesdiensten, wie es der Argentinier Sergio Scataglini macht. Seine Gemeinde, CommunioNet, dient auf diese Weise aus dem Bundesstaat Indiana, Mitgliedern aus Argentinien, Spanien, Peru, Uruguay und Mexiko. Scataglini sagt: „Das ist reale Gemeinde. Jeder Schritt der Gemeinde 222


Die Gemeinde in der Arbeitswelt

kann durch das Internet getan werden. Wir taufen Gläubige und wir nehmen das Abendmahl zusammen.“ • Freie verstreute Zellgruppen. Obwohl sie zu einer traditionellen Gemeinde gehören, erlauben freie verstreute Zellgruppen den Mitgliedern in der Arbeitswelt sich mit Ungläubigen zu treffen, um über wichtige Themen auszutauschen. Ein Pastor einer Gemeinde in Colorado Springs fügte diese kreative Alternative seinen normalen Haus-Zellgruppen hinzu, und viele andere Gemeinden haben auch damit begonnen dies zu tun. Den Zellgruppen in der Arbeitswelt wird gestattet, gemäß dem Regelwerk der erweiterten Gemeinde zu dienen und zu wachsen. • Firmen-Gemeinden. Dies sind Gruppen von Gläubigen, die in derselben Organisation oder Firma arbeiten, und die eine Gemeinde an ihrem Arbeitsort gegründet haben. Sie erhalten zum Beispiel die Erlaubnis, einen Raum in ihrer Firma am Dienstagabend zu nutzen. Die Angestellten treffen sich dort mit ihren Familien, haben Anbetung, teilen Gottes Wort mit, haben Gemeinschaft, Seelsorge, zahlen ihren Zehnten, nehmen das Abendmahl und tun was immer von einer Gemeinde erwartet wird. Für die meisten ist das die einzige Gemeinde, mit der sie verbunden sind. Ein Gemeinde-Mitglied einer Firmen-Gemeinde sagte zu mir: „Ein großer Vorteil unserer Gemeinde ist, dass wir 90 Prozent des Einkommens unserer Gemeinde in die Mission geben können.“ Er bezog sich auf die Tatsache, dass sie keine Ausgaben für Gemeinderäume oder vollzeitige Mitarbeiter haben, wie das bei den meisten institutionellen Gemeinden der Fall ist. Ich habe keinen Zweifel, dass weitere neue Formen von Gemeinde dieser Liste hinzugefügt werden können, und dass 223


C. Peter Wagner

sich auch in der Zukunft noch weitere Formen entwickeln werden. Ich glaube nicht, dass sie jemals die typischen, traditionellen Gemeindeformen, die wir kennen, ersetzen werden. Ich erinnere mich an die Zeit, als Leute gegen die Fernsehübertragung von Football-Spielen waren, weil sie dachten, dass dies die Stadien leeren würde. Das ist nie geschehen, und wird niemals geschehen. Da ist etwas Besonderes dran, eine große Gemeinde mit Gläubigen zu haben, unter der Leiterschaft eines Pastors, mit Programmen für Kinder und Jugendliche, mit lautem gemeinsamen Lobpreis, die sichtbare Präsenz in der Stadt, und die Gemeinschaft der Heiligen, die den meisten Christen gefällt, wie mir selbst auch. Nachdem ich dies gesagt habe, will ich jedoch hinzufügen, dass ich großen Respekt für diejenigen habe, die eine alternative Form von Gemeinde ansprechend finden. Ich liebe das Regelwerk der Nukleus-Gemeinde am Sonntagmorgen. Da jedoch viele meiner Brüder und Schwestern im Herrn einen anderen Geschmack und andere Bedürfnisse haben als ich, will ich auch offen sein, sie zu bestätigen, und ihnen die Freiheit zu geben, so viele kreative Alternativen von neuen Formen von Gemeinde zu entwickeln, wie Gott sie inspiriert.

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Die Gemeinde in der Arbeitswelt

Fragen zur Vertiefung 1. Stimmen Sie der Regel der Nukleus-Gemeinde zu, dass Christen ihre Hingabe zu Christus durch aktive Mitgliedschaft in der Gemeinde erweisen müssen? Begründen Sie Ihre Antwort.

2. Was halten Sie von den Sichtweisen der Aussteiger aus der traditionellen Nukleus-Gemeinde?

3. Welche neuen Formen von Gemeinde kennen Sie? Können Sie sich vorstellen, selbst darin zu dienen? Wenn ja, wie?

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C. Peter Wagner

4. Kรถnnen Sie sich den Start einer Gemeinde in Ihrer Firma und in Ihrer Arbeitswelt vorstellen? Wenn ja, notieren Sie hier die ersten Schritte. Schritt 1:

Schritt 2:

Schritt 3:

5. Welche der drei neuen Gemeindeformen (oder eine andere) kรถnnten Sie zusammen mit anderen starten? Notieren Sie hier die ersten Schritte. Schritt 1:

Schritt 2:

Schritt 3:

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Regel 7

Die Mittel und der Zweck

I

ch möchte an dieser Stelle eine Frage stellen, die jeder von uns schon viele Male gehört hat: „Rechtfertigt der Zweck die Mittel?“ Die spontane, politisch korrekte Antwort auf diese Frage ist: „Nein, natürlich nicht. Der Zweck kann niemals die Mittel rechtfertigen!“

Kann der Zweck die Mittel rechtfertigen? Aber bedenken wir diese Frage einmal ein wenig mehr, anstatt nur die gewohnte Antwort zu geben. Wenn Sie darüber ein wenig nachdenken, dann muss die richtige Antwort auf die Frage aber lauten: „Natürlich rechtfertigt der Zweck die Mittel. Was sonst könnte die Mittel rechtfertigen, wenn nicht der Zweck?“ Ein Beispiel wäre, dass mein Rasen gemäht werden muss. Das ist der Zweck. Um den Zweck des Rasenmähens zu erfüllen, welche Mittel nutze ich dafür? Ich nutze einen Rasenmäher. Ich nutze keine Kreissäge, keinen Schneepflug, keine Scheren, keine Leiter, oder andere Werkzeuge, die ich besitze. Warum nicht? Weil keines dieser Mittel dafür geeignet wäre, meinen Zweck effektiv zu erfüllen. Oder nehmen wir einmal an, ich muss zu einer Versammlung für einen Tag nach New York reisen. Meine Zeit ist sehr begrenzt. Ich wohne in Colorado Springs. Ich muss von Colorado Springs nach New York und zurück. Das ist der Zweck. Welches Mittel 227


C. Peter Wagner

gebrauche ich dafür? Ich entscheide mich zu fliegen. Ich fahre nicht mit dem Auto; ich nehme nicht den Greyhound Bus; ich fahre nicht per Anhalter; ich reite nicht auf dem Pferd dorthin. Diese Mittel des Transports wären nicht die besten, um meinen gewählten Zweck zu erfüllen. Ich entscheide mich außerdem, direkt nach New York zu fliegen. Ich könnte auch über Atlanta oder Chicago fliegen, aber ich nutze keines dieser Mittel, weil meine Zeit begrenzt ist. Auf welcher Grundlage treffe ich solche Entscheidungen? Allein auf der Grundlage, dass der Zweck die Mittel rechtfertigt! Hier ist ein Beispiel, das sich direkter auf die Arbeitswelt bezieht: Sie haben 150.000 Dollar zu investieren. Ihr Ziel ist es, oder ihr Zweck, dadurch 20 % Gewinn innerhalb eines Jahres zu erzielen. Was sind Ihre Möglichkeiten? Aktien, Fonds, Risikokapital, Investitionen im Ausland, Sparkonten, der Geldmarkt, Immobilien, Pfandbriefe und viele andere. Wie treffen Sie die Entscheidung unter all diesen verschiedenen Investitions-Möglichkeiten? Sie wählen die Mittel aus, die am besten Ihren Zweck erfüllen. Ich kann mir vorstellen, dass besonders beim letzten Beispiel, einige Leser anfangen dies zu hinterfragen, weil Geldverdienst nicht vergleichbar ist mit der Auswahl eines Flugzeuges oder mit Rasenmähen. Ethische Fragen sind bei finanziellen Investitionen sehr wichtig. Einige Mittel, um die 20 % Gewinn zu erzielen, wie Stehlen, Glückspiel, Pornographie, Drogenhandel, können nicht als Mittel gerechtfertigt werden, um einen Zweck zu erreichen. Aus diesem Grund gilt die Aussage der Zweck heiligt nicht die Mittel, ganz gewiss bei ethischen Fragen. Dass der Zweck nicht unmoralische Mittel rechtfertigt, ist ein gesundes ethisches Prinzip. Aber darüber hinaus ist es für die meisten Bereiche in unserem Leben in der wirklichen Welt ungeeignet, weil wir jeden Tag Mittel wählen, die unseren Zielen am besten dienen.

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Die Gemeinde in der Arbeitswelt

Ist Pragmatismus weltlich? Der Grund, warum ich auf diesen Punkt so ausführlich eingegangen bin, ist, weil dies einer der größten Unterschiede zwischen dem Regelwerk der Nukleus-Gemeinde und dem Regelwerk der erweiterten Gemeinde ist. Es ist die Frage des Pragmatismus. Ich weiß persönlich recht viel darüber, weil ich von Natur aus eine pragmatische Person bin. Ich bin ein Choleriker, ein hohes D und eine Typ-A-Persönlichkeit. Wenn ich einen Job zu tun habe, dann tue ich alles, um ihn so schnell, so effizient und so effektiv wie möglich zu erledigen. Ich bin mir bewusst, dass ich hierbei mehr dem Regelwerk der erweiterten Gemeinde folge, als dem Regelwerk der Nukleus-Gemeinde, sehr zur Bestürzung einiger Leiter der Nukleus-Gemeinde. Ich erinnere mich, als ich noch Gemeindewachstum an der Fuller Schule für Weltmission lehrte (heute Schule für interkulturelle Studien), da erntete ich bei vielen Theologen oft Missbilligung, sowohl meiner Ideen als auch meiner Aktivitäten, und zwar aufgrund meines Pragmatismus. Ich möchte Ihnen ein konkretes Beispiel geben. Der Autor und Pastor John MacArthur und ich kennen einander seit vielen Jahren. Obwohl sich unsere Wege selten kreuzen, haben wir ab und zu Kontakt, und haben einen gegenseitigen Respekt für einander, trotz einiger bekannter Unterschiede. Einer dieser Unterschiede hat direkt mit meinem Pragmatismus zu tun. MacArthur schreibt über mich (und auch über andere, wie George Barna, Elmar Towns, Dough Murren) in seinem Buch, Ashamed of the Gospel. Er vergleicht uns mit Paulus, der schrieb, „ich bin nicht des Evangeliums beschämt“ (Römer 1,16). MacArthur schreibt: „Leider scheint die Formulierung ‚beschämt für das Evangelium‘ zunehmend eine Beschreibung für einige der sichtbarsten und einflussreichsten Gemeinden unserer Zeit zu sein.“

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C. Peter Wagner

Der Untertitel von MacArthurs Buch ist sehr zutreffend für unseren Versuch, das Regelwerk der Nukleus-Gemeinde von dem Regelwerk der erweiterten Gemeinde zu unterscheiden. Der Untertitel seines Buches heißt, Wenn die Gemeinde wie die Welt wird. Gemäß unserer Begrifflichkeit reflektiert dies eine Sorge der Nukleus-Gemeinde, sich für den gefährlichen Einfluss durch die erweiterte Gemeinde in der Welt zu öffnen. Die Annahme dahinter ist, dass die Gemeinde gut ist, während die Welt böse ist. Wie ich in Kapitel 1 erklärt habe, kommt diese Weltanschauung aus der griechischen Denkweise, nicht aus der hebräischen Denkweise, die aber die biblische Grundlage für die Gemeinde in der Arbeitswelt ist. Pragmatismus wird von dem typischen Leiter der Nukleus-Gemeinde als weltlich angesehen. Ich habe sorgfältig alles gelesen, was John MacArthur über mich und über meinen Pragmatismus schreibt. Alles, was er sagt, ist wahr! Mich zu beschuldigen, dass ich pragmatisch sei, ist so, als würde man den Papst beschuldigen ein Katholik zu sein! Hier sind einige Punkte, auf die er hinweist: „Die Gemeinde hat die weltliche Philosophie des Pragmatismus angenommen, und wir erleben jetzt die Anfänge der bittereren Ergebnisse.“ „Eine starke Welle von begeistertem Pragmatismus geht durch die evangelikale Bewegung.“ „Die sichtbarsten Zeichen des Pragmatismus können wir in den erschütternden Veränderungen sehen, die Gemeinde-Gottesdienste im vergangenen Jahrzehnt revolutioniert haben. Einige der größten und einflussreichsten Gemeinden rühmen sich, dass die SonntagsGottesdienste bewusst ausgelassen und fröhlich anstatt andächtig gestaltet werden.“ 230


Die Gemeinde in der Arbeitswelt

„Der Pragmatismus hat seine größte Unterstützung als eine Philosophie des Dienstes durch die Gemeindewachstums-Bewegung erhalten, die sich in den letzten 50 Jahren entwickelt hat. Donald McGavran, der Vater der modernen Gemeindewachstums-Bewegung, war ein Pragmatiker.“ „C. Peter Wagner, ehemaliger Professor für Gemeindewachstum an der Schule für Weltmission, ist der bekannteste Schüler von Donald McGavran.“ „Wagner, wie die meisten in der GemeindewachstumsBewegung, sagt, dass der geheiligte Pragmatismus, für den er eintritt, keine Kompromisse mit der Lehre oder Ethik zulässt. Aber mit einer Einschränkung, fährt Wagner fort, dass wir erkennen, dass der Zweck die Mittel rechtfertigt. Was sonst könnte die Mittel rechtfertigen? Wenn die Methode, die ich benutze, das gewünschte Ziel erreicht, dann ist es aus diesem Grund eine gute Methode. Wenn jedoch, auf der anderen Seite, meine Methode das Ziel nicht erreicht, wie kann ich es rechtfertigen, sie weiter zu nutzen? Ist das wahr? Gewiss nicht.“

Effizienz Zugegeben, mein Pragmatismus reflektiert das Regelwerk der erweiterten Gemeinde. Laura Nash und Scotty McLennan weisen darauf hin, dass die meisten Leiter der erweiterten Gemeinde mir zustimmen. Pragmatismus war ein Schlüsselthema ihrer Forschung, die zu dem Buch Church on Sunday, Work on Monday (Gemeinde am Sonntag, Arbeit am Montag) führte. Nehmen wir zum Beispiel die Frage der Effizienz. „Geschäftsleute betonen sehr die Wichtigkeit von Effizienz (die Dinge auf die richtige 231


C. Peter Wagner

Weise tun) und seinen Bezug zum Wert des Pragmatismus. Auf dem freien Markt wird Effizienz als ein moralisches Korrektiv gesehen – um für faire Preise zu garantieren, ohne die Kontrolle der Regierung.“ Ihre Sichtweise kommt aus dem Regelwerk der erweiterten Gemeinde, und sie sehen Pragmatismus als eine moralische Lebensweise, was eine ganz andere Sicht im Vergleich zum Regelwerk der Nukleus-Gemeinde ist, wie wir gesehen haben. „Solche verschiedenen Einstellungen, die tiefe moralische Überzeugungen reflektieren, zeigen wie weit die beiden Welten voneinander entfernt sind.“ Dann zitieren sie eine faszinierende Illustration für diese „entfernte Beziehung“, zwischen der Nukleus-Gemeinde und der erweiterten Gemeinde, was Pragmatismus betrifft. Sie erzählen die Geschichte von einem Firmenchef einer Firma mit 100 Millionen Dollar Umsatz, der beschloss, sich zur Ruhe zu setzen und sich für ein theologisches Studium einzuschreiben, zum Zwecke seiner persönlichen Bereicherung. „Der Übergang war schwierig“, schreiben Sie. „Er berichtet, dass die theologische Gemeinschaft ihn für zu direkt, ungeduldig und oberflächlich pragmatisch hielt. Er erinnert sich daran, wie er sich bei der Registrierung für Klassen ärgerte: ‚Ich verstehe diese Ineffizienz nicht. Es ist eine Beleidigung für die Leute. Wir mussten drei Stunden anstehen, um uns zu registrieren. Drei Stunden! Sie wussten genau, wie viele Leute teilnehmen, aber sie hatten keine Methode, um die Studenten schneller zu registrieren.‘“ Diese Aussage, die der Sichtweise des Regelwerks der erweiterten Gemeinde entspricht, würde viele Leiter der NukleusGemeinde verärgern. Nash und McLennan haben erlebt, dass das folgende der Wahrheit entspricht: 232


Die Gemeinde in der Arbeitswelt

„Viele Pastoren und Theologiestudenten, die wir interviewt haben, meinen nicht, dass Effizienz in der Verwaltung eine Priorität ist; gemäß ihrer Sicht reflektiert dies eine mangelnde Sensibilität für die emotionalen Nöte der Menschen. Pastoren misstrauen häufig Pragmatismus. Für sie bestätigt es das Bild der Oberflächlichkeit und Hartherzigkeit von Geschäftsleuten.“

Das Regelwerk der Nukleus-Gemeinde Ich habe selbst meine Erfahrungen mit dem Regelwerk der Nukleus-Gemeinde gemacht. Vor einigen Jahren stimmte ich zum Beispiel zu, als Mitglied eines Komitees meiner Gemeinde zu dienen. Der Zweck unseres Komitees war es, die Gemeinde durch eine wichtige Entscheidung für die Zukunft zu führen. Die Monate vergingen mit Unterkomitees, Studiengruppen und zeitintensiven wöchentlichen Treffen, die endlos erschienen und uns im Kreis führten. Schließlich, nach sechs Monaten, schlug der Vorsitzende des Komitees vor, dass wir der Gemeinde einen „Plan für Planung“ vorlegen sollten! Ich bat respektvoll darum, aus dem Komitee entlassen zu werden. Ungefähr zu derselben Zeit war ich auch Teil des Komitees eines theologischen Seminars, das auch eine wichtige Entscheidung zu treffen hatte. Ich weiß nicht mehr, wie viele Treffen wir hatten und wie viele Studienberichte wir erstellten, die mit dem zu behandelnden Thema zu tun hatten. Schließlich, als jeder durch die ganze Sache am Rande der Erschöpfung war, sagte der Präsident als eine Geste der Ermutigung: „Nun, das ist ja alles nicht so schlimm, denn der Prozess ist ja viel wichtiger als das letztendliche Ergebnis!“ Ich war so erstaunt, dass ich diese Worte nie wieder vergessen habe.

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C. Peter Wagner

Wenn Dinge wie diese geschehen, dann sind Leiter der Nukleus-Gemeinde trainiert zu sagen: „Wir müssen immer dankbar sein, dass Gott uns nicht berufen hat erfolgreich zu sein; Er hat uns nur berufen treu zu sein!“ Ich, der pragmatische Peter, sinke innerlich immer zusammen, wenn ich diese Aussage höre. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Apostel der Arbeitswelt etwas so Lächerliches sagen würde.

Die Talente investieren Eine Sache, die ich mich immer frage, wenn ich Leiter der Nukleus-Gemeinde sagen höre, dass es keine Rolle spielt, ob wir erfolgreich sind, solange wir nur treu sind, ist, ob sie jemals das Gleichnis von den Talenten gelesen haben, das direkt mit der Arbeitswelt zu tun hat (siehe Matthäus 25,14-30). Jesus erzählt das Gleichnis eines Kapitalisten (ein Unternehmer, ein Geschäftsmann), der drei seiner Mitarbeiter ruft. Der Mann gibt dem einen Mitarbeiter fünf Talente, sagen wir einmal das sind 50.000 Dollar, dem zweiten 20.000 Dollar und dem dritten 10.000 Dollar. Er sendet sie aus, damit sie ihre Geschäfte damit machen, was in dem Gleichnis nicht genau definiert wird, weil für jeden klar sein sollte, dass er ihnen Geld gibt, damit sie damit mehr Geld machen. Der erste Angestellte, der 50.000 Dollar empfangen hatte, kommt mit 100.000 Dollar zurück. Der Boss sagt zu ihm: „Gut gemacht, du guter und treuer Diener“ (Matthäus 25,21). Beachten Sie, dass er den Mann treu nennt. Er sagt dieselbe Sache zu dem zweiten Angestellten, der nur 20.000 Dollar empfing, und der 40.000 Dollar zurückbringt. Warum waren diese beiden Mitarbeiter treu? Weil sie erfolgreich waren, die Mittel ihres Bosses gemäß seiner Absichten zu nutzen. Aber der Angestellte, der die 10.000 Dollar zurückbringt, die er auch empfangen hatte, den nennt der Boss „einen bösen und faulen Diener“ (Vers 26) und wirft ihn sofort raus! 234


Die Gemeinde in der Arbeitswelt

Das Gleichnis von den Talenten setzt Erfolg mit Treue in Beziehung. Es ist ein hebräisches Gleichnis, und Pragmatismus war kein Gräuel für die Hebräer. Diejenigen, die versuchen Erfolg von Treue zu trennen, sind Gefangene der griechischen Denkweise. Ein weiteres verbreitetes (griechisches) Konzept der Nukleus-Gemeinde ist: „Es spielt keine Rolle, was ich tue; es ist nur wichtig, wer ich bin.“ Der Gedanke dahinter ist: „Sein ist viel wichtiger als Tun; wer ich bin, ist viel wichtiger, als das, was ich tue. Für das Regelwerk der erweiterten Gemeinde ist solch eine Aussage reiner Unsinn. Wie kann ich je, wer ich bin, von dem trennen, was ich tue? Darum sagte Jesus: „An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen“ (Matthäus 7,20). Was die Mittel und den Zweck betrifft, sind die Unterschiede zwischen dem Regelwerk der Nukleus-Gemeinde und dem Regelwerk der erweiterten Gemeinde klar. Welches Regelwerk bevorzugen Sie?

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Fragen zur Vertiefung 1. Nennen Sie einige Beispiele, wo der Zweck die Mittel gerechtfertigt hat.

2. Was ist Ihre Sichtweise hinsichtlich Kategorien wie „geistlich“, „weltlich“, „Arbeit“, „Dienst“, „heilig“ und „unheilig“ nach dem Lesen dieses Buches?

3. Was erwartet Gott von uns gemäß dem Gleichnis von den Talenten in Matthäus 25,14-30, das Jesus Seinen Jüngern erzählt?

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Die Gemeinde in der Arbeitswelt

4. Kommentieren Sie die Haltung, die Peter Wagner erwähnt: „Es spielt keine Rolle, was ich tue, es ist nur wichtig, wer ich bin“.

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Regel 8

Schwere Entscheidungen

E

ine grundlegende Aussage dieses Buches ist, dass die zwei Formen der Gemeinde, die Nukleus-Gemeinde und die erweiterte Gemeinde ihre eigene Kultur und ihr eigenes Regelwerk haben. Für viele Gläubige in der Arbeitswelt ist es ein völlig normaler Teil ihres Lebens, sich zwischen diesen beiden Kulturen hin und her zu bewegen. Die meisten Pastoren und Leiter der Nukleus-Gemeinde bewegen sich jedoch fast ihre gesamte Zeit in nur einer Kultur. Daher kann man sagen, dass traditionelle Gemeindeleiter eine monokulturelle Perspektive haben, während Christen in der Arbeitswelt eine multikulturelle Perspektive haben.

Geschriebene und ungeschriebene Gesetze Die von uns, die als Missionare in fremden Kulturen gedient haben, mussten notwendiger Weise lernen, gemäß verschiedener kultureller Regelwerke zu arbeiten. Es war für Doris und mich nicht leicht, weil wir im Amerika der Weltwirtschaftskrise und während des Zweiten Weltkrieges aufwuchsen, wo die Werte der Ehre, Integrität, Disziplin, Treue und Andacht in hohem Kurs standen. Wir lernten eine unserer ersten Lektionen, als wir versuchten unseren geringen Besitz durch den Zoll in das lateinamerikanische Land zu kriegen. Wie Amerika hatte Bolivien Gesetze über den Import von Gütern. Aber anders als Amerika 239


C. Peter Wagner

hatte Bolivien auch ungeschriebene Gesetze, die es Zollbeamten gestattete, die geschriebenen Gesetze so auszulegen, wie sie es möchten, und zweitens zusätzliche Gebühren für ihre persönlichen Dienste zu erheben, die nicht im Gesetz stehen. Dieses Vorgehen war kein Geheimnis, sondern es war der normale Weg, in dieser Kultur Geschäfte zu machen. Nicht nur kamen Doris und ich aus Amerika, sondern wir hatten gerade christliche Ethik in unserem theologischen Seminar studiert. Wir waren gelehrt worden, dass die Bestechung von Regierungs-Beamten eine Sünde ist. Folglich hatten wir eine erste schwierige multikulturelle Entscheidung zu treffen. Was sollten wir tun? Sollten wir uns weigern, die zusätzlichen Gebühren zu zahlen (waren dies Bestechungsgelder?), und wahrscheinlich einige unserer Besitztümer nie wieder zu sehen (wozu auch unsere Hochzeits-Fotos gehörten)? Wir waren weise genug, unsere älteren Kollegen um Rat zu fragen, die schon seit längerer Zeit multikulturell geworden waren. Sie hatten keine Probleme mit beiden Regelwerken. Sie gaben uns den Rat, einen Rechtsanwalt zu beauftragen, der auf Zollrecht spezialisiert ist, und ihm seine Gebühr zu zahlen, aber ihn nicht um eine Rechnung zu bitten, die nachwies, wie er sein Geld ausgeben würde. Wir taten dies, und hatten kurze Zeit danach unseren gesamten Besitz wieder. Jeder war glücklich, einschließlich der Zollbeamten, die das ungeschriebene Gesetz der Nation anwandten.

Ein Freund in der Polizeibehörde Dann brauchten wir Führerscheine. Uns wurde gesagt, dass der beste Weg sei, um Führerscheine zu erhalten, einen Freund in der Polizeibehörde zu haben. Zu der damaligen Zeit konnte man sehr leicht jemanden bei der Polizei für nur 30 Pesos als Freund 240


Die Gemeinde in der Arbeitswelt

gewinnen. Wir schlossen so eine Freundschaft mit einem Polizisten, der uns mit allen Insider-Informationen versorgte. Obwohl wir einige der wenigen Missionare waren, die tatsächlich einige Tests machen mussten, hatten wir bald unsere Führerscheine. Andererseits erinnere ich mich einen methodistischen Missionar, der ungefähr zur selben Zeit wie wir nach Bolivien gekommen war, um die Nation von Korruption zu befreien. Er schaute in das geschriebene Gesetz und er verkündete uns, dass er seinen Führerschein auf rein gesetzmäßige Weise erhalten würde. Nach sechs Monaten des Kampfes, entschied er sich, dass er auch eine Freundschaft mit einem Polizisten schließen würde! Als wir nach Amerika zurückkamen, erzählten wir diese Geschichte nicht in den Gemeinden. Zu dem Zeitpunkt lebten wir bereits effektiv mit beiden kulturellen Regelwerken. Dennoch wussten wir, dass diejenigen, die nur mit einem Regelwerk vertraut sind, kaum die schwierigen Entscheidungen verstehen könnten, die wir ständig auf dem Missionsfeld zu treffen hatten. Diese Spannungen zwischen verschiedenen Kulturen, erleben auch Gläubige in der Arbeitswelt. Vielleicht trifft das nicht auf alle zu, aber gewiss eine große Anzahl von ihnen, trifft während der Woche schwierige Entscheidungen, die ihr Pastor nicht verstehen würde, weshalb sie einfach nicht darüber reden. Was denken viele von ihnen? „Mein Pastor hat keine Ahnung, wie das Leben draußen in der realen Welt ist!“

Ethik für die Geschäftswelt! Die Tatsache, dass diese kulturelle Kluft existiert, wurde von Soziologen wie Laura Nash und Scotty McLennan bestätigt. Sie fragten Leiter der Nukleus-Gemeinde: „Was würden Sie hinsichtlich der Wirtschaft und der Geschäftswelt gerne verändert sehen?“ Die Antwort die sie am häufigsten hörten war: „Die Weise, wie Geschäftsleute denken, sollte verändert werden.“ Später fragten 241


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sie die Pastoren: „Was würden Sie tun, um das Verhalten von Christen in der Wirtschaft mit den Werten ihres Glaubens in Übereinstimmung zu bringen?“ Eine der häufigsten Antworten war: „Wir sollten Ethik für die Geschäftswelt einführen.“ Beachten Sie, was diese Antworten andeuten: Mein Regelwerk der NukleusGemeinde ist besser als das Regelwerk der erweiterten Gemeinde, was Ethik betrifft. Ich habe Ethik, und ihr habt keine. Woher haben Pastoren solche Vorstellungen? Nash und McLennan haben diese Frage untersucht, und sie haben eine Anzahl von grundlegenden Unterschieden entdeckt, was ihre Sichtweise der Welt betrifft. Was sind diese Unterschiede? Nash und McLennan erklären dazu: „Geschäftsleute neigen zu einer additiven Vorgehensweise, während Geistliche zu einer subtrahierenden Vorgehensweise tendieren. Wenn zum Beispiel die Frage nach Lösungen für wirtschaftliche Armut und Ungerechtigkeiten gestellt wird, dann kommt von der Kirche häufig der Vorschlag, Besitz und Gelder wegzugeben und gerecht zu verteilen, während Geschäftsleute vorschlagen, dass man mehr Arbeitsplätze schaffen sollte. Vollzeitige Mitarbeiter der Kirche interpretieren die Realität mehr auf dem Pfad der Selbst-Verleugnung (Subtraktion), während Geschäftsleute mehr auf dem Pfad des Selbst-Interesses denken und handeln.“ Dies zeigt nicht nur wichtige Unterschiede zwischen den beiden Regelwerken, sondern es reflektiert auch die tiefe Verankerung des Geistes der Armut, der in den meisten Gemeinden herrscht. Ethische Entscheidungen zu treffen durchdringt die Atmosphäre der erweiterten Gemeinde. Christen in der Arbeitswelt müssen häufig schwierige Entscheidungen treffen. Leiter der 242


Die Gemeinde in der Arbeitswelt

Nukleus-Gemeinde sehen ethische Entscheidungen meistens in Begriffen von richtig oder falsch, weiß oder schwarz. Leiter der erweiterten Gemeinde sagen vielleicht: „Gewiss mag es einige Graustufen geben, doch das sind nur Ausnahmen von der Regel; und diese Graustufen sind in der Regel ein sehr schmaler Pfad.“ Pastoren lehren daher ihre Geschäftsleute dieses ethische Grundprinzip: „Triff die richtige Entscheidung, nicht die leichte.“ Sie lehren, wenn du nach der goldenen Regel lebst, dann wirst du unterscheiden können, was richtig oder falsch ist.

Wo die Grenzen zu ziehen sind Gläubige in der Arbeitswelt müssen oft schwierige Entscheidungen treffen, und zwischen schlecht und schlechter wählen, um dann wo nötig auch Kompromisse zu machen. Dennoch stimmen alle Gläubigen der Arbeitswelt überein, dass es ethische, moralische und geistliche Grenzen gibt, die nicht überschritten werden dürfen. Sowohl Daniel und Josef stiegen an die Spitze auf, weil sie in der Lage waren, sich kulturell an das babylonische und ägyptische Reich anzupassen, in dem sie lebten. Für beide verlangte ihre Karriere viele schwierige Entscheidungen. Dennoch machte Daniel keine Kompromisse mit der Grenze zum Götzendienst, und Josef machte keine Kompromisse mit der Grenze zur Unmoral. Auch Paul Gazelka fand sich in einer potentiell kompromittierenden Situation in Paris wieder, kurze Zeit nachdem er zum Manager in seiner Firma befördert worden war. Als Paul und seine Frau dort waren, wurden sie zu einem sehr wichtigen Geschäftsessen ins Moulin Rouge eingeladen, ein sehr bekanntes Restaurant, das seine Kunden mit Oben-ohne-Tanz unterhält. Paul stellt die rhetorische Frage: „Was sollte ich tun? Ich wollte die Gelegenheit nutzen, diese Gruppe von Agenten zu treffen, aber ich wollte ganz gewiss nicht diese Art von Unterhaltung fördern.“ Paul rief das Restaurant an, und dachte, dass er durch sein Gespräch mit gebrochenem Englisch verstanden hatte, dass der 243


C. Peter Wagner

Tanz nach dem Dessert beginnen würde. Er und seine Frau entschieden sich, unauffällig nach dem Dessert zu gehen, bevor der Tanz begann, ohne jemanden zu beschämen. Paul hatte es jedoch falsch verstanden, und der Tanz begann während dem Dessert. Eine weitere schwierige Entscheidung. Was sollte er tun? Paul erklärt: „Wir waren in einem sehr engen Platz eingepfercht, mit wenig Raum, unauffällig zu gehen. Wir sahen einander an, standen auf und sagten einfach, dass wir gehen müssen. Der ganzen Gruppe war klar, warum wir gingen. Wir sagten nichts deswegen, aber sie kannten den Grund. Ohne etwas zu sagen, hatten wir einen neuen Standard für unseren Stil von Leiterschaft gesetzt.“

Bewegen in der Arbeitswelt Jetzt, wo der Leib Christi anfängt zu verstehen, dass es einen Dienst in der Arbeitswelt gibt, sowie Apostel in der Arbeitswelt, und einen Auftrag göttliche Herrschaft auszuüben und die Gesellschaft zu transformieren, beginnt Gott damit, bekannte Apostel der Nukleus-Gemeinde auch in die Welt der erweiterten Gemeinde zu führen. Dies ist ein sehr riskanter Übergang, denn es umfasst viele schwierige Entscheidungen. Keith Butler, zum Beispiel, ein prominenter Apostel und Pastor des Word of Faith International Christian Center, einer Gemeinde mit 21.000 Mitgliedern in Detroit, spürte den Ruf von Gott, sich für den US Senat zur Wahl aufzustellen. Wie es vorauszusehen war, runzelten viele Leiter der Nukleus-Gemeinde ihre Stirn, bei der Vorstellung, dass ein Prediger seinen Dienst aufgibt, um Politiker zu werden. In Singapur haben die Pastoren der zwei größten Gemeinden neue Firmen gegründet und sich in der Arbeitswelt engagiert, ohne ihre Gemeinden aufzugeben. Beide sind anerkannte Apostel und Mitglieder der International Coalition of Apostolic Leaders (ICAL). 244


Die Gemeinde in der Arbeitswelt

Die Magie der Liebe Lawrence Khong ist einer dieser Pastoren. Er hatte bereits im Alter von zehn Jahren großes Interesse an der Kunst der Illusion oder Magie, so dass er sich darin einige Fertigkeiten aneignete. Dies ist jedoch keine Magie, die übernatürliche okkulte Kräfte anruft, sondern die Illusionen mithilfe der Hände, Rauch und Spiegeln erzeugt. Lawrence erinnert seine Zuschauer häufig: „Die Dinge sind nicht immer so, wie sie scheinen.“ Lawrence hat zusammen mit seiner Tochter Priscilla eine sehr professionelle Show entwickelt, die Magie nutzt, um die Zuschauer durch eine moderne Version des Gleichnisses vom verlorenen Sohn zu führen. Diese Show, mit dem Namen Magie der Liebe, ist in ganz Südost-Asien und China beliebt. Sie haben diese Show auch in Amerika aufgeführt und exzellente Kritiken erhalten. Sie wird nicht in Gemeinden aufgeführt, sondern in weltlichen Theatern, wo er in seiner abschließenden Rede Gott ehrt und nach der Show mit seinem Team den Menschen dient. Lawrence wurde viel von Leitern der Nukleus-Gemeinde kritisiert. Ein großer Prozentsatz von Mitgliedern verließ sogar seine Gemeinde, nachdem er diesen neuen Dienst in der Arbeitswelt begonnen hatte (er hat seither jedoch mehr Mitglieder zurückgewonnen). Das Verlangen von Khong ist neben anderen Dingen, in China berühmt zu werden, damit er dort eine Stimme sein kann, wo ein normaler christlicher Pastor sonst nie Einfluss haben würde, um dort mitzuhelfen, die Gesellschaft zu transformieren. Hier ist ein Leiter einer Nukleus-Gemeinde, der dem Regelwerk der erweiterten Gemeinde folgt. Ein Popmusik-Pastor Kong Hee und seine Frau Sun Ho sind die Gründer und Pastoren der City Harvest Gemeinde, der größten Gemeinde in Singapur. Die Gemeinde ist sehr schnell gewachsen und wächst weiterhin rasant. Im Jahr 2002 hatte Sun Ho, eine Musikerin und Lobpreisleiterin in der Gemeinde, den Eindruck, dass der Herr sie beruft, 245


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in die Welt der Popmusik zu gehen. Als sie damals anfing, hätte sie sich nie vorstellen können, dass sie in nur zwei bis drei Jahren ganz nach oben an die Spitze in dieser Branche gelangen könnte. Zu diesem Zeitpunkt ist sie eine der beliebtesten Sängerinnen in China, und ist eine große Berühmtheit (sie singt in Mandarin und in Englisch). Ihr Name ist in ganz Südost-Asien bekannt. Sie war bereits zweimal an der Spitze der Charts in den USA und zweimal in England, als erste Asiatin, der dies gelungen ist. Mit dem enormen Einkommen, das dieser neue Dienst in der Arbeitswelt generiert, hat Sun Ho eine humanitäre Stiftung gegründet. Ihr Hilfsteam war das erste, dass Banda Aceh in Indonesien erreichte, als im Jahr 2004 der Tsunami dorthin gekommen war. In den ersten drei Tagen führte der Chirurg ihres Teams, Doktor Francis Seow-Choen, fast 50 Operationen durch. Sun Ho plant den Bau von modernen Schulgebäuden in jeder der 13 größten Städte von China, wovon zwei bereits vollendet sind. Die chinesische Regierung bewundert Sun Ho so sehr, dass sie ihr zu Ehren eine Briefmarke herausgegeben hat. Sie ist auf der Titelseite mehrerer Magazine gewesen. Und sie ist immer noch Pastorin und leitet ehrenamtlich den Lobpreis in der City Harvest Gemeinde. Wie Lawrence Khong, haben Sun Ho und ihr Ehemann Kong Hee viel Kritik von einigen Leitern der Nukleus-Gemeinde erhalten. Eine schwere Entscheidung, die Sun Ho treffen musste, war Modell für ein Kleid zu stehen, für eine internationale Modefirma, während sie in Hollywood war. Als einige Pastoren in Singapur ihr Bild sahen, hielten sie das Kleid für zu gewagt, und organisierten eine öffentliche Versammlung, um ihrem Ärger Luft zu machen und dagegen zu reden, dass eine Pastorin als christliche Sängerin Popmusik macht. Die gute Nachricht ist jedoch, dass die City Harvest Gemeinde ihren neuen Dienst mit ganzem Herzen unterstützt. Apostolische Leiter wie Keith Butler, Lawrence Kong und Sun Ho schreiben neue Seiten in dem Regelwerk der erweiterten Gemeinde. Sie wissen, wie man schwierige Entscheidungen trifft. 246


Die Gemeinde in der Arbeitswelt

Fragen zur Vertiefung 1. Inwieweit sind Sie schon mit geschriebenen und ungeschriebenen Gesetzen in Konflikt geraten? Wie haben Sie das Problem gelöst?

2. Nennen Sie zwei Beispiele für die subtrahierende und die additive Sichtweise aus Ihrer Erfahrung. Welche bevorzugen Sie und warum?

3. Haben Sie es erlebt, dass Sie zwischen schlecht und schlechter wählen mussten? Wie haben Sie den Konflikt gelöst und sich entschieden?

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4. Wo sehen Sie die ethischen Grenzen bei schwierigen Entscheidungen in der Arbeitswelt?

5. Welche schwierigen Entscheidungen mussten Sie bereits treffen, die dem Regelwerk der Nukleus-Gemeinde widersprachen? Wie haben Sie dies gerechtfertigt?

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Schlussgedanken

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ährend ich diesen Abschnitt über die beiden Regelwerke abschließe habe ich gute und nicht so gute Gefühle deswegen. Ich fühle mich darum gut, weil meines Wissens bisher niemand versucht hat, systematisch die Unterschiede zwischen dem Regelwerk der Nukleus-Gemeinde und dem Regelwerk der erweiterten Gemeinde darzulegen. Die acht Regeln, die ich aufgeführt habe, sind ein guter Anfang eines Prozesses, der zweifelsohne noch für einige Zeit weitergehen muss. Ich fühle mich nicht so gut, weil ich weiß, dass es noch viel mehr als diese acht Regeln gibt, und ich gerne eine vollständige Liste entwickelt hätte. In diesem Schlusswort möchte ich daher vier weitere Bereiche vorschlagen, wo ich glaube, dass es bedeutsame Unterschiede zwischen den beiden Kulturen gibt. Vielleicht können andere in der nächsten Zeit diese Dinge weiter vertiefen.

Partnerschaften Gemäß den Regeln der erweiterten Gemeinde ist es ein Teil des normalen Lebens, mit anderen Partnerschaften einzugehen, die vielleicht nicht denselben Glauben oder dieselben moralischen Vorstellungen haben, mit denen man jedoch gegenseitig Werte schaffen kann. Daniel stimmte zum Beispiel zu, ein hohes Amt in der Regierung von Babylon zu übernehmen, die Magier, Astrologen und Wahrsager beschäftigte (siehe Daniel 5,11). Ebenso wird es ein Christ sicher als hilfreich erachten, wenn er in den Nahen Osten investieren will, eine geschäftliche Partnerschaft mit einem Muslim einzugehen. Das Regelwerk der Nukleus-Gemeinde empfiehlt hier jedoch einen viel vorsichtigeren und anderen Umgang. Für die meisten Pastoren ist 2. Korinther 6,14-15 hierfür die grundlegende Bibel249


C. Peter Wagner

stelle: „Geht nicht unter einem fremdartigem Joch mit Ungläubigen! Denn welche Verbindung hat Gerechtigkeit und Gesetzlosigkeit? Oder welche Gemeinschaft hat Licht mit Finsternis? Und welche Übereinstimmung hat Christus mit Belial? Oder welchen Anteil hat ein Gläubiger mit einem Ungläubigen?“ In vielen Bereichen, wie der Politik, in Schulen und Universitäten, im Militär und in den meisten Berufen, können diese Verse nicht wortwörtlich angewandt werden. Auf der anderen Seite, sehen viele Pastoren diese Verse als feste Richtlinie für Freundschaften, für Ehe und für Partnerschaften im Geschäftsleben an. Sollte ein christlicher Geschäftsmann eine Partnerschaft oder enge Verbindung mit einem Ungläubigen eingehen? Die Antwort der Nukleus-Gemeinde auf diese Frage ist nein. Die ethischen Standards, eines christlichen Geschäftsmanns, der in eine Partnerschaft mit einem Muslim geht, würden als unbiblisch angesehen werden.

Lehre Diejenigen von uns, die an traditionellen Bibelschulen und theologischen Seminaren studiert haben, wissen, dass für die Entwickler von Lehrplänen für Leiter der Nukleus-Gemeinde das Studium von theologischer Lehre wesentlich ist. Als ich die Kurse für mein Diplom in Theologie auflistete, da fand ich heraus, dass meine theologischen Kurse heutzutage über 10.000 Dollar kosten würden. Theologische Lehre hat offensichtlich einen hohen Stellenwert im Regelwerk der Nukleus-Gemeinde. Dieser hohe Stellenwert von Lehre, gilt jedoch nicht auf dieselbe Weise im Regelwerk der erweiterten Gemeinde. Die meisten Pastoren von Nukleus-Gemeinden, die irgendwo international hinreisen, werden wahrscheinlich einen großen Koffer voller Bücher über verschiedene Lehrthemen mitnehmen. Leiter der erweiterten Gemeinde würden dieselbe Reise mit einem kleinen Koffer und etwas Handgepäck antreten. 250


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Hiermit will ich nicht die Wichtigkeit von Lehre herunterspielen, insbesondere die Standards, denen alle Evangelikalen zustimmen, wie absolute Wahrheiten, wie die Souveränität Gottes, die Autorität der biblischen Schriften, die Göttlichkeit von Christus, die Rechtfertigung durch Glauben, den Dienst des Heiligen Geistes, die Priesterschaft aller Gläubigen, die zweite Wiederkunft Christi, und die Kraft des Gebets. Dies sind biblische Lehren, die für beide Regelwerke gelten. Einer der Gründe, warum Leiter der Nukleus-Gemeinde Details der Lehre für so wichtig erachten, ist, weil sie größtenteils durch professionelle Theologen und Gelehrte trainiert wurden. Die Überzeugung dahinter ist, dass Lehre notwendig ist für geistliche Reife; dass sie die Trennlinie einer Gemeinde oder Denomination zur anderen zieht; das es ein Test für genaues Bibel-Wissen ist; und ein Zeichen für Nähe zu Gott. Als ich im theologischen Seminar studierte, musste ich Tests absolvieren über Prädestination, stellvertretende Sühneopfer, Eschatologie, Christologie, Trinitätslehre, und viele andere theologische Themen. Als ich dann in die reale Welt kam, war ich sehr überrascht, dort viele Gläubige mit einem wundervollen christlichen Charakter kennenzulernen, die Dienste hatten, die meinen in vielen Bereichen in den Schatten stellten, die jedoch nie einen Test in einem der obigen Themen absolviert hatten. Die meisten Gläubigen in der erweiterten Gemeinde ist es nicht so wichtig, ob die Gemeinde vor der Drangsal entrückt wird, ob Babys getauft werden sollten, ob Zungenrede der anfängliche Beweis der Taufe mit dem Heiligen Geist ist, ob das heilige Abendmahl ein Sakrament ist, oder ob Gott bereits im Voraus jede Entscheidung kennt, die wir treffen. Sie neigen dazu, lehrmäßige Minimalisten zu sein, so dass es ihnen nicht wichtig ist, dass über all diese Lehrmeinungen heute noch energische Debatten unter den Leitern der Nukleus-Gemeinden geführt werden.

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Geistliche Autorität Bis vor kurzem waren die Leiter der meisten Gemeinden davon überzeugt, dass alle geistliche Autorität allein durch die Nukleus-Gemeinde ausgeübt werden muss. Dies bedeutet, dass alle Gläubigen der Arbeitswelt einer Ortsgemeinde angehören müssen, und dass sie sich der geistlichen Autorität des Pastors dieser Gemeinde unterstellen. Diese Regel der NukleusGemeinde wird auf so breiter Ebene anerkannt, dass ich glaube, wenn George Barna eine Umfrage dazu machen würde, dass der überwiegende Prozentsatz der Gläubigen dem auch heute noch zustimmen würde. Die Tatsache ist jedoch, dass diese Regel zu einer Zeit entwickelt wurde, vor nicht allzu langer Zeit, als kaum jemand sich dessen bewusst war, dass es überhaupt eine Gemeinde in der Arbeitswelt gibt. Wenn wir dem erst einmal zustimmen, dass es so etwas wie eine Gemeinde in der Arbeitswelt gibt, dann stellt sich eine weitere Frage: Ist die Gemeinde in der Arbeitswelt eine genauso legitime Form der Gemeinde, wie die traditionelle NukleusGemeinde, oder ist sie im Vergleich mit dieser als minderwertig anzusehen? Ich habe mit Leitern der Nukleus-Gemeinde darüber gesprochen, die den Eindruck haben, dass die erweiterte Gemeinde im Wesentlichen nur ein sekundärer Ableger der Nukleus-Gemeinde ist, die darum eine Position der letzten geistlichen Autorität beanspruchen sollte. Viele Leiter der Arbeitswelt würden heute diesem Denken nicht mehr zustimmen. Zum einen, wenn sich die Gemeinde in der Arbeitswelt entwickelt, besteht sie in der Regel aus Gläubigen, die zu einer Vielzahl von Ortsgemeinden und Kirchen gehören. Einer der Gründe, warum diese unterschiedlichen Gläubigen in bedeutungsvollen, produktiven Beziehungen zusammenkommen können, besteht darin, dass sie theologischer Lehre nur einen 252


Die Gemeinde in der Arbeitswelt

sekundären Stellenwert geben. An Sonntagen sind die Unterschiede der Lehre ihrer Gemeinde wichtig, aber von Montag bis Samstag nimmt die Lehre einen untergeordneten Stellenwert ein, im Vergleich mit anderen wichtigeren Gesichtspunkten. Gläubige der Arbeitswelt werden daher viel leichter in der Lage sein, bedeutsame Beziehungen mit Aposteln, Propheten, Evangelisten, Pastoren und Lehrern der erweiterten Gemeinde zu pflegen, die für die Arbeitswelt eingesetzt und allgemein anerkannt sind. Spannungen entstehen sehr leicht, wenn Gläubige unter der geistlichen Autorität von zwei Pastoren zusammenkommen: Ein Pastor der Nukleus-Gemeinde und ein Pastor der Arbeitswelt. Und diese Spannungen werden gewiss zunehmen, wenn Apostel der erweiterten Gemeinde sich mehr in die Fülle ihres Dienstes hinein begeben, und als geistliche Kollegen neben den Aposteln der Nukleus-Gemeinde dienen. Solche Spannungen können sehr reduziert oder neutralisiert werden, wenn Leiter aller Formen von Gemeinde die Gültigkeit und das Recht der geistlichen Autorität und des Regelwerkes der anderen Seite anerkennen, verstehen und bestätigen.

Rechenschaft Richtlinien für Rechenschaft sind im Leib Christi recht gut entwickelt. Für die meisten Gläubigen wird es keinen großen Unterschied zwischen dem geben, was das Regelwerk der Nukleus-Gemeinde und der erweiterten Gemeinde dazu sagt. Aber für einige wird es ernstzunehmende Unterschiede geben, insbesondere für diejenigen, die in höheren Positionen der Leiterschaft sind. Während ich diese Dinge untersuchte haben mir zwei international anerkannte Geschäftsleute fast dieselbe Sache gesagt:

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„Peter, ich bin meiner Gemeinde sowohl persönlich als auch finanziell hingegeben. Ich achte und respektiere meinen Pastor und habe Freude an den Sonntags-Gottesdiensten. Als Geschäftsmann brauche ich jedoch ernsthafte Fürbitte für die verschiedenen Projekte, an denen ich regelmäßig arbeite. Dennoch könnte ich nie meinem Pastor davon erzählen, noch würde ich diese Informationen irgendeiner Gebetsgruppe in meiner Gemeinde anvertrauen.“ Eine solche Aussage macht deutlich, dass diese Geschäftsleute keinerlei Notwendigkeit der Rechenschaft ihrer Ortsgemeinde gegenüber sehen, wie sie ihre Firmen leiten. Sie sehen die Rechenschaft der Ortsgemeinde gegenüber eher für den Dienst an ihren Familien, oder ihren persönlichen Lebensstil, oder ihre geistlichen Disziplinen, oder für ihr moralisches Verhalten. Gleichzeitig wissen sie, dass ihr Pastor nur wenig Einsicht über Firmen-Finanzen, Ethik in der Wirtschaft, das Managen von Personal, Risikokapital, die Komplexität von Import und Export hat, was aber genau die Bereiche sind, wofür sie Gebet und geistlichen Rat brauchen, um damit auf die richtige Weise umzugehen. Ich stelle diese sehr wichtigen Fragen, weil ich mir nicht sicher bin, ob die erweiterte Gemeinde bisher genügend klare Richtlinien hat, um sie zu beantworten. Wenn Apostel der Arbeitswelt mehr etabliert werden, dann werden sie zweifelsohne diese Dinge in die richtige Ordnung bringen. Währenddessen suchen andere nach Lösungen. John Beehner aus Jacksonville Florida hat zum Beispiel einen Dienst gegründet, mit dem Namen Wise Counsel (Weiser Rat), der Gruppen von bis zu zwölf Geschäftsleuten auf Kollegen-Ebene zusammenbringt. Eine hohe Verpflichtung an die Gruppe wird erwartet, die durch hohe Mitgliedsgebühren bestätigt wird, sowie eine regelmäßige Teilnahme an den monatlichen Versammlungen. Neben ande254


Die Gemeinde in der Arbeitswelt

ren Dingen, leisten die Mitglieder von Wise Counsel einander gegenseitig Rechenschaft. Larry Burkett, ein Berater für Finanzen, schlägt folgendes vor: „Gründen Sie eine Rechenschafts-Gruppe. Ein Geschäftsmann kann eine unabhängige Gruppe von christlichen Ratgebern gründen. Ich weiß, dass dies in einigen Teilen des Landes schwierig sein kann, Christen zu finden, die bereit sind, in dieser Rolle zu dienen. Eine Alternative kann sein, sich mit ein oder zwei anderen zu vernetzen, die ähnliche Firmen in anderen Teilen des Landes haben, und sich wegen wichtiger Entscheidungen über Telefon, Skype, Fax oder E-Mail zu beraten.“ Diese wichtige Frage der Rechenschaft in der Arbeitswelt wird weiterhin eine hohe Priorität für die unter uns haben, die weiterhin an der Klärung der Unterschiede und der Substanz der Regelwerke der Nukleus-Gemeinde und der erweiterten Gemeinde arbeiten. Es wird ein ständiger Prozess für die nächsten Jahre sein, und neue Fragen werden gewiss auftauchen. Ich halte es für unmöglich, einen abschließenden Absatz für dieses Buch zu schreiben, weil ich glaube, dass wir erst begonnen haben, und dass unsere ganze Arbeit eine Arbeit in der Entwicklung ist. Ich bete jedoch dafür, dass die mächtige Hand Gottes sich in Seinem Volk auf solche Weise bewegt, dass die NukleusGemeinde und die erweiterte Gemeinde sehr bald gemeinsam die buchstäbliche Transformation unserer Gesellschaft erleben, indem sich Gottes Reich auf der Erde manifestiert, wie es im Himmel ist!

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C. Peter Wagner

Fragen zur Vertiefung 1. Welche mรถglichen Partnerschaften sehen Sie mit anderen, um gemeinsame Werte zu schaffen?

2. Was ist Ihre Erfahrung bezgl. des Stellenwerts von Lehre und theologischer Unterschiede in der erweiterten Gemeinde?

3. Was kann man tun, um die Spannungen zwischen der NukleusGemeinde und der Gemeinde in der Arbeitswelt zu reduzieren?

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Die Gemeinde in der Arbeitswelt

4. KĂśnnen Sie eine Rechenschafts-Gruppe fĂźr Gebet und gegenseitige Beratung in der Arbeitswelt grĂźnden oder einer solchen Gruppe beitreten?

5. Was sind die 2 oder 3 wichtigsten Erkenntnisse, die Sie durch dieses Buch gewonnen haben?

5. Was wollen Sie deswegen tun? Schreiben Sie einige praktische Schritte auf.

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Meine Schritte zur Umsetzung: 1) 2) 3) 4) 5)

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