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227000027/1 – 12742 – Gotter_So wie im Himmerl auf jeden Fall typoscript [AK] – 01.04.2022 – Seite 1 – 2. Korrektur

Lukas Gotter

M I E I W AUF O S L E L L M A F M HI DEN JE es

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227000027/1 – 12742 – Gotter_So wie im Himmerl auf jeden Fall typoscript [AK] – 01.04.2022 – Seite 2 – 2. Korrektur

SCM R.Brockhaus ist ein Imprint der SCM Verlagsgruppe, die zur Stiftung Christliche Medien gehört, einer gemeinnützigen Stiftung, die sich für die Förderung und Verbreitung christlicher Bücher, Zeitschriften, Filme und Musik einsetzt.

© 2022 SCM R.Brockhaus in der SCM Verlagsgruppe GmbH Max-Eyth-Str. 41 · 71088 Holzgerlingen Internet: www.scm-brockhaus.de · E-Mail: info@scm-brockhaus.de Die Bibelzitate sind folgenden Ausgaben entnommen: Bibeltext der Neuen Genfer Übersetzung - Neues Testament und Psalmen, Copyright © 2011 Genfer Bibelgesellschaft, wiedergegeben mit freundlicher Genehmigung. Alle Rechte vorbehalten. (ngü) Lutherbibel, revidierter Text 1984, durchgesehene Ausgabe in neuer Rechtschreibung, © 1999 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart. (lut 84) Lutherbibel, revidiert 2017, © 2016 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart. (lut) Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, vollständig durchgesehene und überarbeitete Ausgabe, © 2016 Katholische Bibelanstalt, Stuttgart. Alle Rechte vorbehalten. (eü – nur ein einziges Zitat: Jer 29,7) Und eigene Übersetzungen Umschlaggestaltung: Kathrin Spiegelberg, www.spika-design.de Titelbild: stocksy Autorenfoto: © Helge Eisenberg Satz: typoscript GmbH, Walddorfhäslach Druck und Bindung: GGP Media GmbH, Pößneck Gedruckt in Deutschland ISBN 978-3-417-00027-6 Bestell-Nr. 227.000.027


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Inhalt Vorwort

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Der Einleiter – Oder: Was ist eigentlich mein Problem?

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1. R eicht’s?! – Oder: Was ist das Reich Gottes?

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2. T or für Deutschland! – Was ist das Evangelium, das Jesus verkündigt hat?

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3. Könisch! – Wer hat das Sagen im Königreich Gottes?

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4. Do they know it’s Christmas? – Oder: Warum Weihnachten so wichtig für uns ist

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5. Hoch hinaus! – Die Bergpredigt als »Regierungs­ erklärung« des Königreiches Gottes

71

6. Nur nicht schlappmachen! – Zweite Etappe unserer Wandertour durch die Bergpredigt

93

7. I st mir gleich! – Prinzipien des Königreiches Gottes aus und in Gleichnissen

113

8. Ankreuzen – Warum wird mit dem Kreuz und dem Tod Jesu alles anders?

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9. Z wölf Freunde müsst ihr sein – Wie wir Jünger werden, sind und bleiben. Und warum das so wichtig ist!

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10. G ottes geliebte Zone – Oder: Wie wir Gottes Königreich in der Welt repräsentieren können

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11. U nd was machst du eigentlich beruflich? – Wenn aus Beruf Berufung wird und das Königreich Gottes in meinem Leben sichtbar wird

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12. Vorstandssitzung – Die Kirche und das Königreich

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13. Die »Offen-Bar« – Wie aus dem »Noch nicht« das »Für alle Ewigkeit« wird

205

14. Paradebeispiel – Oder: August Hermann Francke und die »Stadt Gottes«

213

Epilog: Gemeinsam für Halle! – Wie aus einer Schnapsidee Großes erwuchs

220

Danke! – Für alles!

222

Anmerkungen

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1. R eicht’s?! – Oder: Was ist das Reich Gottes? Viele Menschen in meiner Stadt wissen eigentlich gar nichts über Gott, die Kirche oder die Bibel. Gleichzeitig meinen sie aber, recht genau zu wissen, wer diese Christen sind und was sie glauben. Es herrschen einige Vorurteile über uns, die gar nicht ohne Weiteres stimmen. So was wie: Christinnen und Christen haben nie Spaß, sind sexuell eher verklemmt, und Alkohol ist verboten. Pastor, Pfarrer, Priester – alles ein und derselbe Job, und alle leben unverheiratet. Gut, durch die Kirche haben wir viele Feiertage. Immerhin. Christinnen und Christen gelten als die größten – weil einzigen – Fans von Orgelmusik, Blasmusik und deutschsprachigen Gospelchören. Sie lesen die Bibel. Gehen zum Gottesdienst. Haben ihren Nächsten lieb. Zumindest sagen sie das gerne. Das ist nämlich en vogue. Manche Leute kommen in diesem Zusammenhang auch sehr schnell zu eher kritischen Themen wie Kindes- oder Machtmissbrauch, Inquisition oder Kreuzzüge. Das ist besonders bitter, wenn einem dann so ein Etikett anhaftet. Ach ja, und Christinnen und Christen beten. Das machen sie auch. Begegne ich Menschen im Alltag, höre ich dann gerne den Satz: »So sieht also ein Pastor aus!?« Jemand sagte letztens ironischerweise über mich, ich sei ein »phänotypischer Pastor«. Wir mussten beide schmunzeln.

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Mein Problem mit der Schublade »Christ« ist: All diese Vorurteile malen ein Bild von einem der Gegenwart abgewandten Christsein, das wenig(er) mit der »Welt« zu tun hat. Und hat man erst einmal diesen Stempel, ist es sehr schwer, ihn wieder loszuwerden.

VON VORURTEILEN UND DEFINITIONEN Da ich aus dem oft unterschätzten und wunderschönen Osten Deutschlands komme, wo »naturbelassene Heiden« die Regel sind, ist es hier völlig normal, nicht Christ zu sein. Und wenn ich Leuten begegne, die Gott nicht kennen, darf ich immer wieder erleben, dass einige feststellen: »Diese Christen sind ja eigentlich ganz nett und völlig in Ordnung. Das mit dem Gottesdienst probiere ich demnächst mal aus.« Es herrscht also eine Vorstellung von uns Christen, die nicht die Realität widerspiegelt. Ein Bild, das unscharf ist. So geht es mir auch oft, wenn Leute über das Reich Gottes sprechen. Sie meinen, etwas darüber sagen zu können, was vielleicht klug wirkt, aber letztendlich mit Halbwahrheiten gefüllt ist. Am Ende wird nicht deutlich, was genau sie damit meinen. Es wird nicht lebenspraktisch. Umso wichtiger ist es deshalb, eine gute Definition abzugeben, und ich möchte dich und mich ermutigen, mal wirklich zu fragen: Was ist das Reich Gottes? Das zu beantworten, ist gar nicht so einfach. Wo fange ich an? Wo höre ich auf?

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Denn schon liegt das erste Problem auf der Hand: Definiert man, was das Reich Gottes ist, dann definiert man im Kern auch, wer Gott ist. An diesem Punkt hakt es schon. Gott zu definieren, ist schwierig, ja eigentlich unmöglich. Wer sind wir Menschen schon, dass wir wissen könnten, wer Gott ist? Das sogenannte Bilderverbot in den Zehn Geboten warnt uns sogar ausdrücklich davor: Du sollst dir kein Bild machen – damit du Gott nicht auf dein menschliches Bild reduzierst. Ich persönlich neige in diesem Zusammenhang zu der Ergänzung: auch nicht auf ein Bild! Gott bleibt Geheimnis; er ist kein Rätsel, das du lösen kannst und am Ende den Jackpot gewinnst. Nein, Gott bleibt geheimnisvoll, manchmal unscharf und unverständlich, aber auch nahe, intim, intensiv und noch ganz viel mehr. Ich hoffe, du verstehst, was ich meine, und siehst auch mein konkretes Problem: Wie soll ich das beschreiben, was eigentlich nicht zu beschreiben ist? Antwort: Gar nicht. Und trotzdem will ich einen Versuch starten: Ich möchte starke Bilder für das finden, was wir wissen, glauben, lieben und hoffen dürfen. Ohne Gott einzuschränken. Auch Jesus selbst hat ja Gleichnisse verwendet, um wichtige Wahrheiten deutlich zu machen. Es ist also durchaus legitim, dass wir Vergleiche benutzen, die ein biblisches Prinzip veranschaulichen sollen. Auch auf solche Weise kann Gott reden! Denn eins ist mir ganz wichtig zu sagen, nämlich dass ich felsenfest daran glaube, dass Gott sich offenbart!

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Er ist mir gegenüber ganz persönlich. Er teilt sich mit. Redet mal laut und mal leise. Begegnet mir im Gebet, in der Bibel oder im Gespräch mit anderen. Gott ist der sich offenbarende Gott. Ich glaube, dass sein Sohn Jesus gestorben und auferstanden ist, dass der Heilige Geist begabt, begeistert und inspiriert und dass wir in der Bibel das beste, wichtigste und überzeugendste Zeugnis dieses wundervollen Gottes haben. Das ist immer meine Grundannahme. Deswegen werde ich meinen Blick im Folgenden auf die Bibel richten. Ich liebe es, diese alten Geschichten neu zur Sprache zu bringen! Dafür brauche ich jedoch Bilder, die wir heute verstehen; ich brauche diese »Bilder« von Gott, um überhaupt sprachfähig zu werden. Aber natürlich lässt sich Gott nicht in ein Bild pressen. Keine Angst, Gott steht immer über den Bildern, über mir und über dir. Doch kommen wir wieder zurück zum Reich Gottes. Dieses Thema muss so gut in die Zeit Jesu reingepasst haben, dass er nicht aufhören konnte, davon zu reden. Wenn man die Evangelien liest, springt einem dauernd dieser Begriff ins Gesicht. Im Neuen Testament kommt der Begriff »Reich Gottes« und Abwandlungen davon etwa zweihundertmal vor. Das ist richtig oft! Jetzt mal die Frage: Wann hast du das letzte Mal etwas dazu gehört oder gelesen? Meiner Beobachtung nach tun sich bei diesem Thema verschiedene Lager auf: Bei dem einen geht’s nur um die Ewigkeit, bei dem anderen darum, politische Verantwortung zu übernehmen. Wieder beim Nächsten um die Liebe zu den Mitmenschen, wieder beim anderen merkt man die Ahnungslosigkeit, nicht greifen zu können, was das eigentlich ist. 18


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Ich habe auch etwas gebraucht, bis meine Vorstellung klarer wurde. Und ich bin weder fertig mit dem Thema, noch kann ich dir auf alles eine Antwort geben. Manches muss noch in meinem Herzen und meinem Kopf schärfer werden. Ich will noch mehr Geschichten dazu hören und mehr Erlebnisse machen. Doch ich habe mich intensiver mit dieser Sache auseinandergesetzt und merke: Gute Lehre ist pure Seelsorge. Sie gibt Orientierung. Beim Thema Reich Gottes fehlt das oft. Oder das, was gut ist, wird nicht wahrgenommen, oder es ist zu intellektuell. Ich bin überzeugt: Wenn wir verstehen oder zumindest annähernd begreifen könnten, was das Reich Gottes ist, würde sich unser Blick auf Gott, auf die Kirche, ja auf die ganze Welt grundlegend ändern. Wir würden merken: Das ist eigentlich ganz schön genial, dieses Reich! Und wenn wir danach streben würden, dieses Reich zu bauen, würde sich auch das Bild ändern, das viele von uns Christen haben. Also: Lasst uns neu und frisch darauf schauen!

DER 500-EURO-SCHEIN Ich möchte dir eine Frage stellen: Wann hattest du das letzte Mal einen 500-Euro-Schein in der Hand? Überleg mal. Vielleicht noch nie? Vielleicht vor langer Zeit? Vielleicht ist es dein großer Traum, mal einen in der Hand zu halten? Ich kann es selbst nicht mehr genau sagen, wann es bei mir so war. Ich meine, dass wir mal in einer Sammlung beziehungsweise Kollekte im Gottesdienst einen hatten. Aber das ist alles andere als die Regel bei uns – nicht, dass wir uns falsch verstehen! 19


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Dazu muss man wissen, dass es 500-Euro-Scheine bald nicht mehr geben wird, denn sie werden abgeschafft. Bargeld ist so oder so ein Konzept, das mehr und mehr zurückgeht. Aber darauf will ich gar nicht hinaus. Ein 500-Euro-Schein steht für Reichtum. Digitales Geld kann das niemals in der Form – im wahrsten Sinne des Wortes! – greifbar machen wie ein Geldschein. Wenn ich einen 500-Euro-Schein in der Hand habe, gibt er mir das Gefühl, dass ich damit etwas bewirken und erreichen kann. Ich kann meinen Reichtum zu meinem eigenen Vorteil nutzen, für mich und andere Menschen Dinge kaufen, die gut sind, oder das Geld sparen. Oder meine Rechnungen bezahlen. Ich könnte sofort ins beste Restaurant der Stadt gehen und das Geld für ein XXL-Menü rauspulvern. Oder mich neu einkleiden. Ich könnte damit auch jemanden beschenken oder das Geld einfach weggeben. In die Kollekte zum Beispiel. Oder den Geldschein verbrennen, was echt dämlich wäre. Aber: Auch das wäre machbar! Das Tolle an einem Geldschein ist: Es funktioniert alles sofort. Ich bestelle nicht etwas online und warte, bis es »endlich« da ist. Sondern ich kann direkt etwas bewirken, und wer einen (oder mehrere) 500-Euro-Scheine hat, dem ist klar: »Ich bin reich! Ich habe Geld, das ich ausgeben kann!«, und das finden wir in der Regel ganz dufte. Wie wäre also folgendes Bild für das Reich Gottes, das ein Bekannter letztens benutzt hat: Das Reich Gottes ist wie ein 500-Euro-Schein. Es symbolisiert Reichtum und Besitz. Allerdings nicht mein persönliches, sondern Gottes Eigentum. Überall dort, wo der Reichtum oder, besser gesagt, die Reichtümer Gottes sicht- und erlebbar sind, ist das Reich Gottes. Dort, 20


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wo ich Gottes Liebe spüren und sehen kann, wird Gottes Reichtum real. Greifbar. Jeder ist eingeladen, ein Teil davon zu sein: Arme bekommen göttliche 500-Euro-Scheine und sind reich. Kranke bekommen eine 500-Euro-Gesundheit, die es in sich hat. Menschen, die vaterlos groß geworden sind, dürfen endlich ihren 500-Euro-Papa umarmen. Und nein: Er kauft damit kein Spielzeug, sondern Zeit und Gemeinschaft. Gut, das ist ein recht einfacher Gedanke. Aber stell dir mal vor, das wäre das Evangelium Jesu gewesen! Ich sehe ihn schon ProloRapper-mäßig mit Geldscheinen in der Hand herumlaufen. Dann wischt er die einzelnen Scheine, die er in der Hand hat, heraus, und jeder, der will, muss nur zugreifen. Natürlich verteilt Gott keine irdischen 500-Euro-Scheine. Sondern was du von ihm bekommst, ist Glaube, Liebe, Hoffnung. Gott verteilt Gerechtigkeit, Barmherzigkeit, Schönheit! Aber auch Heilung, Trost und Wiederherstellung. Gott gibt dir, mir, uns – im übertragenen Sinne – seine 500-Euro-Scheine. Nur sind diese nicht irdisch und materiell, sondern übernatürlich und geistlich. Überall, wo ich das auf dieser Erde erleben kann, wird Reich Gottes für mich greifbar. Das ist doch mal ein genialer Gedanke, oder? Reich Gottes heißt: reich an Gott sein. Gott kann so handeln, weil er ganz anders ist als wir. So ganz anders als unsere verkappte, elende, zerrüttete Welt, in der diese Dinge manchmal so fern scheinen. Gott schenkt uns etwas von seinem Reichtum. Besser noch: Er schenkt es dieser ganzen Welt und verändert sie komplett. Sie wird neu und schön und der Wunder ganz voll. 21


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WAS IST EIGENTLICH EIN »REICH«? Kommt man wie ich aus Deutschland, zuckt man bei diesem Wort automatisch erst mal zusammen. Das Dritte Reich Adolf Hitlers hat sich tief in unsere Geschichte eingebrannt. Zu Recht. Dort herrschte ideologischer, menschenverachtender »Reichtum«: Reichtum an Machtgehabe, Paraden, Hass auf Juden, Schwule, Behinderte. Geilheit auf Krieg, Waffen und willkürliche Autoritäten. Kurzum: Reichtümer so fern von Gott wie der Hallesche FC vom Champions-League-Titel. Deswegen verstehe ich auch jeden, der beim Thema »Reich« nicht voll miteinstimmt beziehungsweise nicht sofort eine positive Verbindung dazu hat. Der Begriff ist vorbelastet. Das finde ich nachvollziehbar und bitter zugleich. In anderen Sprachen heißt es allerdings nicht einfach nur »Reich«. Basileía toũ theoũ (altgriechisch), Malcut Jahwe (althebräisch) oder auf Englisch Kingdom of God haben eine kleine, entscheidende Nuance mit drin, die mir im Deutschen oft fehlt. Richtig übersetzt heißen diese Worte nämlich KÖNIGreich Gottes. Damit wird deutlich: Gott ist König. Das finde ich viel stärker. Ein Königreich ist ja erst mal ein Gebiet, ein Ort oder ein Bereich, in dem einer das Sagen hat. Ein Reich hat einen Herrscher. Jemand, der weiß, wo es langgeht, und der die Verantwortung trägt. Jemand, der die Autorität hat. Eine ganz andere Frage ist, ob dieser Jemand dann auch autoritär regiert. Aber jedenfalls »gehört« ihm die Macht, oder er darf sie stellvertretend eine Zeit lang ausüben. Er ist reich an Macht

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und, ja, er kann sie missbrauchen, wie manche Diktatoren und Tyrannen es tun, die viel Unheil anrichteten. Vielleicht hast du auch andere Machthaber vor Augen. Solche, die das eigentlich ganz gut gemacht haben. An die erinnert man sich vielleicht nicht so intensiv, aber es gibt sie. Ganz bestimmt. Das Königreich Gottes ist also das Gebiet oder der Staat Gottes. Er ist dort König, und dort können wir seine Reichtümer sehen. Die Bibel spricht von Gottes Gegenwart, die wir genau da erleben können. Veränderung findet statt. Ich merke, Gott widmet sich mir und meinem Nächsten. Aber ist das nicht komisch? Vor allem, wenn wir davon ausgehen, dass Gott doch überall ist? Wie kann er dann irgendwo »mehr« sein? Oder stärker spürbar werden? Auch das gehört für mich zum Reich Gottes: Es ist etwas Übernatürliches, Unerklärliches, Unfassbares. Ist Gott wirklich Gott, dann muss er übernatürlich sein. Es geht gar nicht anders. Aber genau das ist oft ein schwieriger Gedanke für uns Menschen. Weil wir das so überhaupt nicht sind, nicht kennen und nicht einordnen können. So oder so, Königreich Gottes heißt: Gott ist mit seinen Reichtümern gegenwärtig. Er ist da!

IST GOTT WIRKLICH DA? Schaut man in diese Welt, kommen sehr schnell Fragen auf: Gehört Gott nicht die ganze Welt? Wenn ja, warum wirkt es dann so, als würde er sie gar nicht regieren?

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Betrachtet man die Corona-Krise und ihre Auswirkungen oder diverse andere schlimme Krankheiten, die Naturkatastrophen und Kriege, Gewalt, Hunger, Terror und Hass, dann überkommt einen das Gefühl, dass Gott seinen Job nicht macht. Die vielen Einzelschicksale will ich dabei nicht ausklammern, denn die kommen ja immer noch dazu. Wer kennt keine tragischen Geschichten? Unfassbar schlimme Tode, Menschen, die unsägliches Leid erfahren, Krankheiten, die unheilbar sind? Da kann man schnell auf die Idee kommen: Gott regiert nicht. Dieser anscheinend so liebevolle Gott zeigt nichts von seinem Reichtum. Wir fragen: Wenn es einen Gott gibt, wieso greift er nicht ein? Warum ändert er das alles nicht? Ohne um den heißen Brei herumzureden: Ich kenne die Antwort auf diese Fragen nicht. Vielleicht werde ich sie eines Tages erfahren. Aber bisher habe ich selbst große Fragen und keine klaren Antworten darauf. Ich habe nur eine leise Ahnung, wie das alles gedacht sein könnte, beziehungsweise einen Weg für mich entdeckt, der mir hilft. Ein Teil dieses Weges besteht in der Erkenntnis, dass das Warum nicht die beste und hilfreichste Frage ist. Das reißt mich manchmal aus dem Strudel der quälenden Überlegungen heraus. Was mich an dieser Stelle trösten kann, ist Folgendes: Stellen wir uns mal kurz vor, es würde ein Ort existieren, an dem es kein Leid gibt. Eine Welt ohne Corona, ohne Krebs, ohne Tsunamis, Erdbeben oder Hurrikans. Oder um es noch weiter zu denken: eine Welt, in der niemand mehr sterben muss. In der es keinen Tod mehr gibt. Okay, die Welt wäre schnell voll, wenn gleichzeitig immer noch Kinder geboren würden, das ist mir schon klar. Aber ich 24


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versuche, mich einem Idealbild zu nähern: eine Welt ohne Tod. Ohne Schmerz. (Weder am Knie, im Herz oder im Kopf. Keine!) Ein Ort ohne Tränen. Oder wenn es welche gibt, dann sind es Freudentränen. Die Menschen, die dort leben, würden auch nicht so was wie Kriege, Unterdrückung, Ausbeutung, soziale Ungerechtigkeit etc. anzetteln. Alle wären auf Augenhöhe. Jeder hätte gesunde Beziehungen. Keiner wäre einsam, hätte aber die Erlaubnis, allein zu sein. Alle hätten einen echten Sinn im Leben, der an keine veränderlichen Bedingungen geknüpft wäre. Es wäre eine Gesellschaft ohne verzweifelte Proteste, denn es gäbe einen wunderbaren, souveränen und liebevollen Herrscher, der jeden hört, sieht und sich um jeden kümmert. Es gäbe nichts, was uns Angst machen würde. Wir wären alle mutig, würden zu uns selbst stehen, würden uns und die anderen als wunderbare Geschöpfe wahrnehmen. Kreativität, Schönheit, Vertrauen wären ungezügelt da. Fehler, wenn es sie denn gäbe, hätten keine Auswirkungen. Und die Musik! Die Musik erst. Wie himmlisch wäre die, bitte schön? Klänge, die du noch nie gehört hast, unbekannte Melodien, aber schöner als alles von Bach, Queen oder Stevie Wonder zusammen. Wie sähe dieser unbeschreiblich schöne Ort aus? Vielleicht ja so: Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergan­ gen, und das Meer ist nicht mehr. Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen, bereitet wie eine geschmückte Braut für

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ihren Mann. Und ich hörte eine große Stimme von dem Thron her, die sprach: Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie wer­ den sein Volk sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein; und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen. Offenbarung 21,1-4; lut 84

So beschreibt es Johannes in der Offenbarung, und so stelle ich mir ein Königreich vor, in dem Gott regiert. Wer würde nicht gerne Teil davon sein? Das ist so, als wäre man für Weltfrieden und Schokoladenpudding. Ich denke, es gibt durchaus einige Menschen, die sagen würden: »Das will ich auch. Auf jeden Fall!« Nun stell dir vor, Gott spricht eine Einladung an dich aus: Sei Teil davon. Doch wie? Jetzt versuche ich mich mal an ein paar Schlussfolgerungen: Es gibt das Königreich Gottes. Das ist überall dort, wo Jesus ist. Jesus ist der Sohn Gottes. Christinnen und Christen folgen ihm nach. Die Auswirkung davon ist, dass die Reichtümer Gottes sichtbar werden, und Jesus lädt dich und mich ein, Teil davon zu sein. Durch den Glauben, durch Taufe und Abendmahl sind wir Teil von Christus. Das ist seine Einladung an uns. Nehmen wir diese Einladung an, sind wir seine Multiplikatoren in der Welt. Seine Gemeinde. Bist du also ein Jesus-Nachfolger, dann bist du Teil seines Reiches. Und damit nicht genug! Als 26


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Jesus-Nachfolger ist es unsere Aufgabe, genau dieses Königreich zu bauen, zu erweitern, auszubreiten, zu predigen, zu leben. Den Himmel auf die Erde zu holen, wie man so schön sagt. Das können wir allerdings nicht selbst tun, sondern das kann nur Jesus in uns bewirken. Genau das meint Jesus, wenn er vom Königreich Gottes redet, das mitten unter uns ist. Das schon jetzt da ist. Und zwar mit ihm. Mit seinem Kommen. An Weihnachten feiern wir das. Es ist keine Vertröstung auf später, sondern ein Geschenk für unser Heute und Jetzt. Oder um es mit Günter Schabowski zu sagen, der am 9.  November 1989 erklärte, diese Regelung trete nach seinem Wissen »sofort, unverzüglich« in Kraft. Träumst du von so einer Welt, wie sie in der Offenbarung gemalt wird? Wie stellst du dir diese Welt idealerweise vor?

EINE VISION FÜR JETZT UND FÜR SPÄTER Ich finde es unfassbar tröstlich und aufbauend, zu wissen, wo es hingeht: eine Welt, die so geprägt ist, wie Gott sie sich gedacht hat, und in der Gott König ist. Das ist die Kernbotschaft Jesu. Darüber redet er. Gefühlt die ganze Zeit! Schaue ich auf mein eigenes Leben, ist da viel menschliches Stückwerk, sind Fehler, Trägheit und andere Unvollkommenheiten drin. Aber trotzdem motiviert mich dieser Gedanke an das Reich Gottes immer wieder. Denn dort, wo dieses Königreich ist, herrscht Gottes Wille, seine Macht. Er hat das Sagen. Er ist kein menschlicher Herrscher, der in unsere Kategorien passt. Er sprengt sie. 27


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