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Anja Lerz (Hrsg.) Das Leben ist ein Ponyhof

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ANJA LERZ

(Hrsg.)

Das Leben ist ein

Ponyhof Tierisch turbulente Geschichten

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Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar. ISBN 978-3-86506-734-0 © 2015 by Joh. Brendow & Sohn Verlag GmbH, Moers Einbandgestaltung: Brendow Verlag, Moers Titelfoto: fotolia Rita Kochmarjora Satz: Brendow Web & Print, Moers Druck und Verarbeitung: CPI – Clausen & Bosse, Leck Printed in Germany www.brendow-verlag.de

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Inhalt 7 Annekatrin Warnke „Wir wollen keine Haustiere“ 19 Christiane Müller „ICH ... chrrrrrr ... BIN ... chhhrrrrrrr ... DEINE ... chhhrrrrrrrrr ... KATZE!“ 31 Heike Wendler Eine Hundehütte für Bello 45 Rainer Buck Verkatert 59 Julia Pfläging Philippus 69 Karin Ackermann-Stoletzky Schopenhauers Hund 73 Elizabeta Karlstetter Leonessa Gingko 83 Karla Schniering Happy End für Kurz vor Sieben und Co. 92 Albrecht Gralle Alma

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101 Karin Ackermann-Stoletzky Veni vidi vici 107 Marlis Büsching Wenn schon kein Küken, dann doch ein Pferd! 117 Nicole Vogel Die Mausefalle 128 Inken Weiand Ein unverhofftes Glück 136 Claudia Althaus Monty 148 Albrecht Gralle Die Nacht der Tiere 157 Die Autorinnen und Autoren

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„Wir wollen keine Haustiere!“ Annekatrin Warnke Da waren der Gatte und ich uns ganz einig, als wir vor 30 Jahren sehr jung ins Eheleben starteten. Wir wussten damals noch nicht, dass manche hehren Grundsätze unterwegs versanden. Vor allem, weil Vieles ganz anders läuft, wenn man gemeinsam drei Kinder in die Welt gesetzt hat. Also nicht, dass ich Tiere nicht mag! Wenn wir zum Beispiel auf dem Land spazieren gehen, müssen wir an jeder Pferdekoppel anhalten, damit ich die Pferdeflüsterin versuchen kann. Aber meine Kindheit hatte mir die Lust an eigenen Haustieren, für die man ständig verantwortlich ist, gründlich vermiest. Schuld daran war Flaps – ein weißer Zwergpudel, der in unsere Familie kam, als ich neun war. Alleine schon die Idee, sich ausgerechnet einen Zwergpudel anzuschaffen – in Weiß! Keine Ahnung, was meinen Paps damals geritten hat! Er hatte nämlich so ziemlich das Gegenteil dieses Minipudels mit in seine Ehe gebracht: Einen reinrassigen Schäferhund namens Rex. Der war gar nicht so begeistert, dass ich plötzlich als neues Mitglied in seinem „Rudel“ auftauchte. Solange ich in der Wiege lag, war meine Existenz für Rex ganz in Ordnung. Aber sobald ich laufen konnte, betrachtete er mich wohl als Konkurrenz. Anders ist es nicht zu erklären, dass er mich, wann immer er konnte, umgeworfen hat. Ich

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sehe mich heute noch auf meinen kurzen Beinchen die Außentreppe zum Balkon hoch rasen, um Rex das Balkontörchen vor der Nase zuzuschlagen. Diese Erinnerungen sprechen nicht gerade für die Fähigkeiten meines Papas in der Hundeerziehung. Obwohl Rex mir nie ernsthaft etwas getan hat, sollte er doch gelernt haben, dass man das Kind vom Rudelchef nicht einfach umwirft. Als ich vier war, kam mein kleiner Bruder zur Welt und das war meine Rettung. Mutter setzte sich durch und der Hund kam weg. Knapp fünf Jahre später hatte ich dann diesen Pudel an der Backe. Natürlich hatte Papa den für uns gekauft und nicht, weil er unbedingt wieder einen Hund haben wollte … Und mein Bruder war zu klein, um Verantwortung zu übernehmen. Also blieb Vieles an mir hängen. Nach „Pudel“ sah Flaps übrigens nur aus, wenn er frisch vom Trimmen kam. Dann entsprach er mit seinem schicken weißen Krönchen ganz der Vorstellung, die man sich von seinem adeligen Stammbaum machte. Sein eingetragener Name lautete „Ferdinand Ludwig Anton“ und irgendetwas von und zu mit „P“ und „S“. Deswegen nannten wir ihn „Flaps“. Die weiße Pracht nach dem Trimmen hielt aber nicht mal einen Tag. In seinem Inneren war der Hund eben kein Pudel, sondern ein abenteuerlustiger Mischlingshund mit ADHS. Oder vielleicht lag es auch wieder daran, dass mein Papa keine Hunde erziehen konnte. Jedenfalls liebte dieses adelige Vieh nichts mehr, als im Dreck zu wühlen. Meistens sah er nicht weiß aus, sondern grau. Und er schlug Kapriolen vor Begeisterung, wenn wir Besuch bekamen. Sprang die Leute an, schleckte

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sie ab, kläffte quietschend vor Freude. Er war einfach nur peinlich! Am Schlimmsten war aber seine Abenteuerlust. Flaps hatte Spaß daran, abzuhauen. Keine Ahnung, wie er das immer wieder schaffte, aber er büxte ständig aus. Ich war zehn – und während andere Kinder fröhlich spielten, rannte ich durch unser Dorf am Rande des Sauerlandes und versuchte, den Hund wieder einzufangen. Ich war elf – und rannte über die „Rauhe Hardt“ (ein hügeliges Waldgebiet in der Umgebung des Dorfes) und versuchte, den Hund wieder einzufangen. Ich war zwölf und … na ja. Und dann wurde Flaps plötzlich sehr krank. Die Diagnose lautete: Gehirnstaupe. Offensichtlich hat man adelige Pudel Anfang der Siebziger nicht dagegen geimpft. Eines Tages war Flaps dann nicht mehr da. Papa hat gesagt, eine wohlhabende Witwe, die sich gerne um kranke Tiere kümmert, habe ihn aufgenommen, und dort habe er es jetzt gut. Die Geschichte habe ich damals nur zu gerne geglaubt. Sehr viel später wurde mir klar, dass unser Hund eingeschläfert worden war. Mein Papa war schon immer gut darin, sich schöne Geschichten auszudenken. Mit zwölf habe ich Papas Fabulierkunst aber nicht weiter hinterfragt, sondern war einfach nur froh, die Verantwortung für Flaps los zu sein, ohne trauern zu müssen. Viele Jahre später war ich selbst erwachsen und musste so einen schmerzhaften Abschied durch Einschläfern ganz bewusst ertragen. Aber das ist erst das Ende einer Geschichte mit eigenen Haustieren, zu denen ich immer kam wie die Jungfrau zum Kind – ungewollt und unerwartet.

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Es begann mit zwei Zwergkaninchen, einem tragischen Unfall und einem Ehekrach. Unsere Kinder waren knapp drei, fünf und sieben und wir waren nach sechs Jahren in Bayern frisch in die Nähe von Hamburg gezogen. Meinen Mann, der recht spontan ist, hatte irgendwie das schlechte Gewissen gepackt. Er war beruflich sehr eingespannt, dazu kam die Verpflanzung der Kinder. Eines Tages stand er nach Feierabend mit einem großen Indoor-Käfig auf der Matte. Darin saßen zwei entzückende junge Zwergkaninchen, eines war schwarz und das andere schneeweiß. Leider hatte er völlig vergessen, dieses Geschenk mit mir abzusprechen. Ja – selbst die besten Ehemänner der Welt schaffen es, hin und wieder handfeste Gründe für einen Ehekrach zu liefern, der sich gewaschen hat! Aber was sollte ich tun? Die Kaninchen waren da und ich konnte sie den Kindern nicht einfach wieder wegnehmen. Leider hat das weiße Kaninchen unsere Familie nur einen Tag überlebt. Wir waren alle in einem Kinderzimmer versammelt, und ich tat zumindest so, als ob ich mich über den Familienzuwachs freute, der munter durch den Raum flitzte. Unser Dreijähriger freute sich wirklich und hüpfte vor Begeisterung auf seinem Kinderbett auf und ab. Das krachte dann im ungünstigsten Augenblick zusammen und erschlug das weiße Kaninchen. Da gab es viel Geschrei und Tränen. Die Beerdigungszeremonie im Garten stellte ich ganz in die Verantwortung des Gatten. Er hatte uns das schließlich eingebrockt! So kurz das Leben des einen Tieres war, so lang war

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das des anderen. Maxi wurde eine Art Methusalem unter den Zwergkaninchen. Für mich bedeutete das, viele Jahre Käfig ausmisten und Streu aus dem Supermarkt schleppen. Es bedeutete Angst und Sorge. Maxi war ja ein „Drinnenkaninchen“. Für schöne Tage hatte der Gatte ihm einen großen Auslaufkäfig für draußen gebastelt. Leider ist mein Mann kein Heimwerker und der Käfig war entsprechend wackelig und schief. Ich hatte ständig Angst, eine der Nachbarskatzen würde den Kleinen töten, wenn er draußen ist. Und dann immer die Frage: Wohin mit dem Tierchen, wenn wir in Urlaub fahren? Maxi wurde so alt, dass unsere Kinder das Interesse an ihm verloren. Also blieb es an mir hängen, ihm ein schönes Leben zu machen. Beim Fernsehen hatte ich ihn jeden Abend auf dem Schoß. Zum Glück war er ein Kaninchen, das Streicheleinheiten wirklich genossen hat! Gestorben ist er dann, als meine Nachbarin ihn hütete. Er ist einfach kurz und schmerzlos vor Altersschwäche umgefallen. Das Grab musste die Nachbarin dann in unserem Garten schaufeln. Wir waren ja im Urlaub. Aber nicht, dass wir dann endlich wieder ohne Haustiere gewesen wären! Da waren ja noch die zwei Wellensittiche, die auch ohne meinen Entschluss zur Familie gehörten. Und das war so gekommen: Als unsere Älteste in der achten Klasse war, hatte ein rühriger Lehrer Kontakte zu einer Schule in der Ukrai­ne geknüpft. Nun suchte er Schüler an seinem Gymnasium, die an einem Schüleraustausch interessiert waren. Unsere abenteuerlustige Große hatte natürlich Interesse daran und flog mit 14 Jahren nach

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Einfach tierisch turbulent Wer Tiere hat, hat immer etwas zu erzählen – und genau das tun die Autorinnen und Autoren dieses Buches: Von einem russischen Wellensittich, der als blinder Passagier am Schüleraustausch teilnimmt, von einer Katze, die nicht schnurrt, dafür aber faucht wie Darth Vader, oder von einem launischen Kater, der einen schüchternen Mann mit seiner Nachbarin verkuppelt. Manchmal ist das Leben eben doch ein Ponyhof. Anja Lerz (Hrsg.) ist Lektorin und Übersetzerin. Sie lebt mit ihrem Mann, zwei Kindern, einem Hund und einer unbekannten Anzahl an Wollmäusen in Duisburg.

Egal, ob tierische Liebesgeschichte oder verrücktes Alltagserlebnis: Tiere bereichern das Leben – und häufig auch den Glauben – ihrer Menschen. Mit Geschichten von: Inken Weiand, Annekatrin Warnke, Albrecht Gralle, Karin Ackermann-Stoletzky u.a. Ein Muss für alle Tierliebhaber.

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ISBN 978-3-86506-734-0

www.brendow-verlag.de


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