Der erfahrene Psychotherapeut und Seelsorger Reinhold Ruthe bietet 18 befreiende Strategien zur Überwindung seelischer Überbelastungen an. Biblisch fundiert und mit zahlreichen Fragebögen zur Selbstbeurteilung sowie erläuternden Berichten aus seiner therapeutischen Praxis zeigt Ruthe, dass jeder von uns zu aktivem Krisenmanagement fähig ist. Überarbeitete Neuauflage.
Reinhold Ruthe ist Psychotherapeut, Ehe- und Familienberater und einer der renommiertesten Lebensberater Deutschlands. Er ist Autor von über 100 Büchern, von denen etliche übersetzt wurden und ihn auch in vielen Ländern Europas populär machten. Reinhold Ruthe ist verheiratet und hat eine erwachsene Tochter.
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ISBN 978-3-86506-409-7
www.brendow-verlag.de
Reinhold Ruthe
„Sorgen sind wie ein Krebsgeschwür im menschlichen Organismus“, so Reinhold Ruthe. Wie kann man diesem leidigen und weit verbreiteten Problem entgehen? Wie wird man mit psychischen Belastungen fertig, die einem den Schlaf rauben? Was hilft bei Verbitterung und Depression?
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Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über „http://dnb.ddb.de“ abrufbar. ISBN 978-3-86506-409-7 © 2012 by Joh. Brendow & Sohn Verlag GmbH, Moers Einbandgestaltung: Brendow Verlag, Moers Satz: BrendowPrintMedien, Moers Druck und Bindung: CPI - Clausen & Bosse, Leck Printed in Germany www.brendow-verlag.de
Inhalt Vorwort 7 Kapitel 1 Die vielen Gesichter der Sorge
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Kapitel 2 Was bedeutet der Begriff „Sorge“?
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Kapitel 3 Wann werden Sorgen zur Persönlichkeitsstörung?
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Kapitel 4 Sorgen und Stress
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Kapitel 5 Spiegeln Sorgenmenschen einen bestimmten Typ wider?
58
Kapitel 6 71 Selbsterforschungsfragebögen Kapitel 7 18 Strategien, Sorgen zu bewältigen
82
Literaturverzeichnis 155
Vorwort
Sorglos leben – wie macht man das? Sorglosigkeit ist eine Lebenskunst. Sie wird Menschen geschenkt, die eine ungesunde und destruktive Lebenseinstellung hinter sich lassen können. Sorglosigkeit erfordert Glaubensmut. Sorgen und die damit verbundenen Ängste sind heute wie eine Epidemie verbreitet. Sie sind wie ein Krebsgeschwür im menschlichen Organismus. Sie sind belastend, gesundheitsschädlich und dem Glaubensleben abträglich. Sorgen machen unglücklich, rauben dem Menschen die Zufriedenheit und untergraben die Beziehungen. Sorgen können krank machen. Sie machen verbittert und unzufrieden. Sie ziehen uns von der Gegenwart und vom Heute weg. Sie verdunkeln unser augenblickliches Wohlbefinden. Wir werden nicht mit einer destruktiven Geisteshaltung geboren. Wir können sie uns aber im Laufe der Jahre aneignen. Und was wir uns angeeignet haben, das können wir auch wieder ablegen. Gott sei Dank! Wir können Angst und Sorge aus unserem Geistesleben verbannen. Jesus geht im Neuen Testament rigoros mit dem SichSorgen-Machen ins Gericht. Wer Sorgen kultiviert, ist ein Heide, also ein Gottloser. Wer als Christ eine Sorgenfabrik unterhält, sollte sie schleunigst schließen. Wir leben in der Postmoderne. Keine Epoche hat es gegeben, wo Menschen so viele materielle Möglichkeiten haben, wellness- und erlebnisorientiert zu leben. Wir sprechen nicht ohne Grund von der Spaßgesellschaft. Die konkreten Lebensmotive haben sich verändert.
Vorwort
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Nicht mehr Kampf, Leistung und Wettbewerb stehen ganz oben auf der Werteskala, sondern „sinnvolles Sein“, ein „sinnvolles Leben“. Menschen in der Leistungsgesellschaft wollen zunehmend stressfrei und sorglos leben. Aber sind die Menschen glücklich? Leben sie sorglos und zufrieden? Haben die Freizeit- und Wellnesssucht den negativen Stress und den Frust merklich verringert? Hat die Angst vor Langeweile und Wochenendfrust nicht viele Menschen erfasst? Sorgen gehören immer noch zu den gefährlichsten Störfaktoren im menschlichen Leben. Unzählige leiden an Krankheiten, die ihren Ursprung in tausend Ängsten und Sorgen haben. Gibt es Menschen, die von Hause aus mehr zum Sorgenmachen neigen? Ich bin fest davon überzeugt. Die Forscher gehen beispielsweise davon aus, dass die Depression, die als „Mutter aller Zivilisationskrankheiten“ bezeichnet wird, im Jahre 2020 die zweithäufigste Erkrankung weltweit sein wird, nur übertroffen von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Depressive Menschen, in Deutschland sollen es ca. vier Millionen sein, ziehen sich von einer überfordernden Umgebung zurück. Sie empfinden: – Sorgen um Jobverlust, – Sorgen um Arbeitsüberlastung, – Sorgen um Trennung vom Partner, – Sorgen um Krankheiten, – Sorgen um Hilflosigkeit und Inkompetenz. Es sind Belastungen, die Sorgenmenschen thematisieren. Viele Sorgenmenschen sind charakterisiert durch depressive Lebenseinstellungen, die auch anlagebedingt sind. Neben depressiven Verstimmungen spielen andere belastende Faktoren eine große Rolle: Überforderungen, Stress,
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Vorwort
Existenzsorgen, Zwänge zur Selbstdarstellung, Erschöpfungssyndrome und vieles andere mehr. Viele Christen möchten gern ihre Sorgen auf Jesus werfen. Aber sie schaffen es nicht. Viele bleiben an ihre Sorgen gefesselt. Was haben sie nicht bedacht? Was machen sie falsch? Das Buch will auf diese Fragen Antwort geben. Bei Sorgenmenschen ist es wichtig, die Motive, die Beweggründe und die oft unverstandenen Ziele hinter diesen übertriebenen Sorgen zu erkennen und zu bekennen. Erst dann können wir sie mit Gottes Hilfe verkleinern und bewältigen. Das Buch bietet viele erprobte Hilfen und Mut machende Strategien, unnötige Sorgen zu stoppen.
KAPITEL 1
Die vielen Gesichter der Sorge
Der amerikanische Bestsellerautor Dale Carnegie schrieb vor etwa 50 Jahren ein ausgezeichnetes Buch über die Sorge. Millionen von Exemplaren wurden verkauft und von Menschen gelesen, die mit Sorgen nicht fertig werden. Im Vorwort schreibt der Autor: „Mit wurde klar: Was hier nottat, war ein Lehrbuch zur Überwindung von Sorge und Selbstquälerei. Auch diesmal machte ich mich zunächst auf die Suche und ging in die große New Yorker Volksbibliothek in der Fifth Avenue. Dort stellte ich zu meinem Erstaunen fest, dass der Katalog nur 22 Eintragungen unter dem Stichwort ,worry‘ (Sorge) enthält. Dafür waren unter dem Schlagwort ,worms‘(,Würmer‘) nicht weniger als 189 Bücher verzeichnet. Beinahe neunmal so viel Bücher über Würmer wie über die Sorge der Menschen ! Erstaunlich, nicht wahr? Da das sich sorgen nun einmal zu den schwersten Belastungen des Menschen gehört, sollte man doch annehmen, dass jede höhere Schule und Universität im Lande Vorlesungen über das Thema ‚Hört auf, euch zu sorgen!‘ voranstellen müsste.“1 Bis heute hat sich da nicht viel geändert. Christen und Nichtchristen schlagen sich mit tausend Sorgen herum, belasten ihr Gemüt und ihre Gesundheit und werden ihres Lebens nicht froh.
Kapitel 1
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Die Verwandten der Sorge Die Sorge hat viele nahe Verwandte. Die „Blutsverwandtschaft“ ist am Verhalten ablesbar. Prüfen Sie selbst, wo Sie sich am stärksten angesprochen fühlen: – Grübeln, – sich Gedanken machen, – Befürchtungen hegen, – phobisch reagieren, – Katastrophen erwarten, – Selbstmitleid pflegen, – depressiv reagieren, – Kummer produzieren, – Selbstquälerei, – Problem sehen, – den Teufel an die Wand malen, – sich den Kopf zerbrechen, – die Zukunft nicht im Griff haben, – sich auseinanderreißen, – Ungewissheit nicht ertragen können. Das sind die wesentlichsten Einstellungs- und Verhaltensmuster, mit denen Menschen sich herumschlagen. Sorgen können die Menschen überfallen – wie aus heiterem Himmel. Sie können aber auch den Menschen quälen, weil er von Hause aus die Verantwortung mitbringt, sich, die Welt und das Leben mit Befürchtungen zu belasten. Viele belasten ihre Seele und ihre Gesundheit und werden ihres Lebens nicht froh. Das Traurigste daran: Wir verschwenden unsere Energien und unsere Lebensfreude an unsinnige Befürchtungen und nähren in unseren Gedanken Horrorszenen, von denen erfahrungsgemäß 80-90% niemals eintreten.
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Die vielen Gesichter der Sorge
Wenn Sie die Verwandten der Sorge genau anschauen, welche Eigenschaften treffen auf Sie zu? Welche Einstellungsmuster belasten Sie und Ihre Umgebung? Welche Gesichtspunkte beeinflussen Ihren christlichen Glauben negativ? Was wollen Sie ins Gebet und in Arbeit nehmen?
Spruchweisheiten über Sorgenmenschen Viele Volksweisheiten der Sprüche kennzeichnen die Sorgenmenschen. Seit Jahrtausenden werden Sorgenmenschen gut beobachtet und treffend charakterisiert. Was sagt man von ihnen? Welche Sprüche oder Aussagen kennzeichnen sie? – Sorgenmenschen sehen Probleme, wo keine sind; – Sorgenmenschen machen aus Mücken Elefanten; – Sorgenmenschen werten alles ab; – Sorgenmenschen sitzen im Dunkeln und entwickeln Negative; – Sorgenmenschen sind unheilbare Pessimisten; – Sorgenmenschen brüten Eier aus, bevor sie gelegt sind; – sie reißen Bäume aus, wo keine sind; – sie malen den Teufel an die Wand; – sie sehen hinter jedem Busch einen Räuber; – sie glauben, dass das Glas halb leer ist. Deutlich wird: Sorgenmenschen sind Befürchtertypen. Sie denken nicht leicht, sondern kompliziert. Sie können auch das Leben nicht leicht nehmen. Sie haben einen Blick für den negativen Pol. – Sie sehen die Dornen statt die Rosen.
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– Sie sehen den Schatten statt die Sonne. – Sie sehen das Unkraut und nicht die Blumen. Sorgenmenschen finden das Haar in der Suppe. Böse Zungen behaupten, dass der Sorgenmensch so lange seinen Kopf schüttelt, bis tatsächlich ein Haar in die Suppe fällt. Sorgenmenschen sind unglücklich. Ihnen gelingt es nicht, sich richtig zu freuen, weil sie hinter Glück, Freude und Lachen das Unglück sehen, das boshaft auf der Lauer liegt. In der Tat, Sorgenmenschen scheinen geprägt zu sein, die Welt negativ wahrzunehmen, um nicht enttäuscht zu werden. Sie rechnen von vorne herein mit dem Schlimmsten, damit wehren sie erfolgreich Enttäuschungen und bittere Erfahrungen ab. Allerdings zahlen sie für diese Vorsorge einen hohen Preis.
Sorgenmenschen tragen eine dunkle Brille Jeder von uns trägt eine Brille, auch wenn er keine wirkliche Brille trägt, durch die er das Leben, die Menschen, die Welt, Gott und den christlichen Glauben betrachtet. Der eine trägt eine rosa Brille, er sieht alles rosig und problemlos. Er sieht vieles als schön und leuchtend an. Der Mensch mit der rosa Brille verschönt sein Leben in seiner Betrachtung und Deutung. – Sorgenmenschen haben eine dunkle Brille auf, – sie sehen alles negativ, – sie sehen alles schwarz, – sie sehen alles pessimistisch, – sie sehen alles ängstlich, – sie sehen alles mit Befürchtungen.
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Die vielen Gesichter der Sorge
Im Grunde geht es uns allen so: – Wir sehen, was wir sehen wollen, – wir hören, was wir hören wollen, – wir nehmen wahr, was wir wahrnehmen wollen. Ein kleines Beispiel aus meiner seelsorgerlichen und beratenden Tätigkeit: Ich habe jahrelang nicht gehört, dass mir Menschen über sexuellen Missbrauch etwas mitgeteilt haben. Sie haben kleine, aber klare Andeutungen gemacht. Ich habe das Thema nicht aufgegriffen. Warum? – Ich habe es nicht geglaubt, – ich habe es nicht ernst genommen, – ich konnte es mir nicht vorstellen, – ich bin einer Selbsttäuschung aufgesessen, – ich habe meinen Selbstbetrug erst Jahre später gemerkt. Solche Vorurteile führen zur verzerrten Wahrnehmung. Auch Sorgenmenschen sind Zeitgenossen mit verzerrter Wahrnehmung. Vermutlich sind sie nicht mit Sorgen, mit Befürchtungen und Selbstquälerei geboren worden. Aber Erziehung, Sozialisation und die Einsicht, wie ich die Welt sehen will, haben die „dunkle Brille“ zum Beurteilungsmaßstab gemacht.
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Sorgen und Entscheidungsschwäche Sorgen haben auch mit Entscheidungsschwäche zu tun. Wer ständig seine eigenen Entscheidungen anzweifelt, wer seine eigenen Urteile immer wieder infrage stellt, gefährdet seine Gesundheit. Sehr viele Menschen reagieren mit starken Selbstzweifeln. Sie grübeln und zergrübeln ihre Planungen und Entscheidungen. Sie produzieren ein starkes Unsicherheitsgefühl. Ein Motiv kann sein: Sie sind abhängig von anderen Menschen. Sie haben nicht gelernt, selbstständig und selbstvertrauend eigene Entschlüsse zu fassen. Diese Menschen brauchen einen Bestätiger. Diese Abhängigkeit von anderen Menschen hat vielfach auch mit einem niedrigen Selbstwertgefühl und mit Angst und Depressionen zu tun. Der Selbstzweifel gibt ihnen das Gefühl der Hilflosigkeit und des Kontrollverlustes. Wer stark von anderen abhängig ist, hat Angst, sich falsch zu entscheiden. Er fürchtet auch, dass andere seine Wahl nicht gutheißen könnten, und macht sich unnötig das Leben schwer. Wer sich mit Minderwertigkeitsgefühlen, Selbstzweifeln und Entscheidungsschwäche herumschlägt, ist ein Mensch, der sich mit vielen Sorgen belastet und sich das Leben schwer macht. Menschen, die entscheidungsschwach sind, haben große Schwierigkeiten, bei moralischen Fragen einen klaren Standpunkt zu vertreten. – Sie wollen nicht anecken, – sie wollen nicht auffallen, – sie wollen nicht gegen den Strom schwimmen. Oft werden sie als Mitläufer, als konturlos und profillos eingestuft. Sie leiden auch darunter, dass sie anderen Menschen ein schwammiges Selbstwertgefühl vermitteln.
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Die Ursachen dieser Entscheidungsschwäche liegen vermutlich in der Kindheit. Die Kinder wurden in ihren Wertungen, in ihrem Beurteilen und in ihren Entscheidungen nicht ernst genommen. Sie gewannen kein Selbstvertrauen und keine Selbstsicherheit. Ihre Meinungen wurden belächelt, als unvernünftig angesehen oder infrage gestellt. Wie sollen Kinder und spätere Erwachsene zu starken, selbstbewussten und entscheidungsstarken Menschen heranwachsen?
Sorge und Zweifel Sorgenmenschen sind häufig Zweifler. Sie glauben nicht an sich und ihre Fähigkeiten. Mit ihren Zweifeln torpedieren sie allen Wagemut und jede Risikobereitschaft. Ihre Sorgen sehen umschrieben so aus: – Sie trauen sich nichts zu, – sie quälen sich mit Befürchtungen und Misstrauen, – sie bringen sich durch Zweifel in eine erhöhte innere Spannung, – sie packen nichts an, weil sie von Befürchtungen über flutet werden, – sie erwarten Pleiten und Niederlagen, – sie misstrauen sich, den anderen und Gott. Ein Musterbeispiel im Jüngerkreis Jesu ist Thomas. Ich erlaube mir nur zwei Beispiele aus dem Neuen Testament zu berichten. Als Jesus seinen Jüngern mitteilt, dass Lazarus, ein guter Freund, gestorben sei, wollten sie sich gemeinsam auf den Weg nach Bethlehem machen. Jesus gab zu bekennen: „Lazarus ist tot, doch euretwegen bin ich froh, dass ich noch nicht bei ihm war. Auf diese Weise
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werdet ihr lernen, mir zu vertrauen. Und jetzt wollen wir zu ihm gehen.“ Wörtlich fährt Johannes fort: „Thomas, der auch Zwilling genannt wird, sagte zu den anderen Jüngern: ,Lasst uns mitgehen und mit ihm sterben. ‘“(Johannes 11, 14-16) Der ganze Pessimismus und der komprimierte Zweifel des Thomas kommen hier zur Sprache. – Wie muss es in ihm ausgesehen haben? – Wie wenig scheint er dem verheißenen Messias zu ver trauen? – Wie sind seine Todesgedanken zu erklären? Ein zweites Beispiel charakterisiert den Thomas nach der Auferstehung. Wieder ist es Johannes, der in seinem Evangelium den Thomas beschreibt: „Als Jesus kam, war Thomas, genannt der Zwilling, einer der zwölf Jünger, nicht dabei gewesen. Später erzählten ihm die anderen: ‚Wir haben den Herrn gesehen!‘ Thomas sagte zu ihnen: ,Ich werde es so lange nicht glauben, bis ich die Spuren von den Nägeln an seinen Händen gesehen habe. Ich will erst mit meinem Finger die Spuren von den Nägeln fühlen und meine Hand in seine Seitenwunde legen.‘“ (Johannes 20, 24ff.) Eine Woche später erscheint der auferstandene Jesus wieder seinen Jüngern, und Thomas ist dabei. Die Türen sind abgeschlossen. Jesus kommt, tritt in ihre Mitte und sagt: „Ich bringe euch Frieden!“ Dann wandte er sich an Thomas: „Leg deine Finger hierher, und sieh dir meine Hände an! Streck deine Hand aus, und lege sie in meine Seitenwunde. Hör auf zu zweifeln, und glaube, dass ich es bin!“ (Johannes 20, 26ff) Jesus geht auf den Zweifler ein. Er kennt seine Pappenheimer. Er weiß, dass wir alle mit Schwächen, Unsicherheiten und Eigenarten der Persönlichkeit zu tun haben. Er weiß, dass mit Sorgen Zweifel, Ängste und Pessimismus
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verbunden sind. Die Sorgen des Zweiflers: Er will das Hundertprozentige. Er sucht die vollkommene Gewissheit. Er will das Utopische, das Nonplusultra. Wer solchen Extremen nachläuft, wird sich mit Sorgen vollpacken.
Sorgen und Befürchtungen Wer sich mit Sorgen herumschlägt, schlägt sich häufig auch mit Befürchtungen herum. Nicht der Sorgenmensch, der von echten einleuchtenden Sorgen heimgesucht wird, ist gemeint, sondern der Mensch, der Befürchtungen hegt und sich mit diffusen Ängsten das Leben schwer macht. Was kennzeichnet den Befürchtertyp? – Er hört das Gras wachsen. – Er sieht hinter jedem Busch einen Räuber. – Er sieht Gefahren, über die der gesunde Mensch lächelt. Der Befürchtertyp ist ein ängstlicher Mensch. Er geht allen Risiken aus dem Weg und wagt nichts. Mit seinen Befürchtungen macht er alle Projekte zunichte. Als Kind hat der Mensch mit Befürchtungen übertriebene Maßregeln gehört: – „Fahr vorsichtig!“ – „Bleibe auf dem Bürgersteig!“ – „Das ist zu gefährlich!“ – „Das wirst du bereuen.“ – „Das geht bestimmt schief.“ Solche Kinder werden verunsichert, in ihrem Selbstvertrauen erschüttert und mutlos gemacht. Sie trauen sich
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nichts zu. Sie glauben nicht an sich und gehen problembeladen und sorgenvoll durch die Welt. Viele treten auf der Stelle und warten, dass jemand für sie entscheidet. Sie wollen mitgenommen und mitgerissen werden. Von ihnen selbst kommen keine Vorschläge. Bei einem amerikanischen Arzt fand ich das schöne Wort: „Durchs gleiche Gitter schauen zwei Männer in die Ferne – der eine sieht Morast, der andere sieht die Sterne.“ So ist es: Zwei Menschen reagieren grundverschieden auf Tatsachen, auf das Gefängnis, auf Stress und Angst. Der eine schaut auf die Tiefe, in den Dreck, in das Elend, der andere schaut auf zu den Sternen, in den Himmel, vielleicht sogar auf Gott. Der Arzt kommentiert: „Den einen trieben die Gitterstäbe zur Verzweiflung, den anderen begeisterten die Sterne. Der bedrückte Gefangene entwickelte Stresssymptome und öffnete sich vielen gefährlichen, vielleicht sogar tödlichen Krankheiten. Eine Untersuchung seines Blutes hätte überdurchschnittliche Mengen schädlicher chemischer Stoffe ergeben. Diese Substanzen werden von Drüsen erzeugt, angeregt durch seelische Reaktionen, durch Bedrücktsein, durch Bitterkeit, Zorn, Hass und Furcht.“2 Krankheiten entstehen nicht immer in erster Linie durch schädliche Substanzen, sie entstehen durch falsches Denken. Wir können feststellen: – Wer Bitterkeit denkt, wird bitter; – wer Angst gedanklich fördert, wird ängstlich; – wer negative Befürchtungen hat, wird Negatives herauf beschwören.
Der erfahrene Psychotherapeut und Seelsorger Reinhold Ruthe bietet 18 befreiende Strategien zur Überwindung seelischer Überbelastungen an. Biblisch fundiert und mit zahlreichen Fragebögen zur Selbstbeurteilung sowie erläuternden Berichten aus seiner therapeutischen Praxis zeigt Ruthe, dass jeder von uns zu aktivem Krisenmanagement fähig ist. Überarbeitete Neuauflage.
Reinhold Ruthe ist Psychotherapeut, Ehe- und Familienberater und einer der renommiertesten Lebensberater Deutschlands. Er ist Autor von über 100 Büchern, von denen etliche übersetzt wurden und ihn auch in vielen Ländern Europas populär machten. Reinhold Ruthe ist verheiratet und hat eine erwachsene Tochter.
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