Skip to main content

185121

Page 1

Reinhold Ruthe

Sehen, was Gott tut Wie man mit Gott Erfahrungen macht

Ruthe - Sehen, was Gott tut.indd 1

14.08.19 14:57


Reinhold Ruthe, Jahrgang 1927, studierte evangelische Theologie und war jahrelang CVJM-Generalsekretär in Hamburg, ehe er sich als Psychotherapeut sowie Ehe- und Familienberater weiterbildete. Als Autor hat er über 160 Bücher zu Lebens- und Glaubensfragen geschrieben und ist einer der renommiertesten Lebensberater Deutschlands. Er ist ein wesentlicher Impulsgeber der Seelsorgebewegung im deutschsprachigen Raum. Ruthe ist verwitwet, hat eine erwachsene Tochter und lebt in Wuppertal.

Ruthe - Sehen, was Gott tut.indd 2

14.08.19 14:57


Reinhold Ruthe

Sehen, was Gott tut Wie man mit Gott Erfahrungen macht

Ruthe - Sehen, was Gott tut.indd 3

14.08.19 14:57


Ruthe - Sehen, was Gott tut.indd 4

14.08.19 14:57


INHALT

Kapitel 1 Jeder Mensch macht Erfahrungen 13 Ein Papagei macht Erfahrungen 13 Der Mensch entwickelt seinen eigenen Lebensstil 15 Was bedeutet das Wort Erfahrung? 19 Kapitel 2 Gotteserfahrungen, die unser Leben umkrempeln 21 Erfahrungen spiegeln eine persönliche Betroffenheit 21 Hinter Stacheldraht verändert sich mein Gottesbild 23 Erfahrungen mit Gott an den Grenzen des Lebens 27 Christ werden 31 Von Harvard in die ,,Arche“ 32 Ein Erfahrener ist ein Eingeweihter 36 Kapitel 3 Erfahrungen – Spiegel unseres subjektiven Erlebens 39 Der Zusammenbruch des mittelalterlichen Denkens 39 Jeder Mensch ist ein Original 41 Wenn uns unsere Seele einen Streich spielt 42 Glaubenserfahrungen sind nicht das Fundament unseres Glaubens 45

Ruthe - Sehen, was Gott tut.indd 5

14.08.19 14:57


Kapitel 4 Persönlichkeitsstruktur und Gotteserfahrung 49 Die vier Temperamente 49 Ist Paulus verrückt? 52 Das vierfache Ackerfeld und die vierfache Gotteserfahrung 54 Kapitel 5 Glaube und Erfahrung im Widerspruch 63 Abraham vertraute Gott, nicht seinen Erfahrungen 64 Josef wurde gerettet – gegen seine Erfahrungen 65 Gottes Wort vertrauen 67 Glaubenserfahrungen und zu hohe Erwartungen 68 Wir vertrauen Christus, nicht unseren Erfahrungen 69 Kapitel 6 Die Wiederkehr der Religiosität 75 Östliche und westliche Religionsformen vermischen sich 76 Der Verlust der Gottesgegenwart 77 Theologie nach dem Tod Gottes 80 Spiritualität und Erfahrung 82 Kapitel 7 Wortglaube und Erfahrung gehören zusammen 85 Wort und Geist sind verbunden 85 Verwunderung über einen Wunderbericht 86 Über Hiob ist das Chaos hereingebrochen 88 Gott erfahren heißt Gott begegnen 89 Gott im Traum erfahren 90

Ruthe - Sehen, was Gott tut.indd 6

14.08.19 14:57


Die vielfältigen Erfahrungen spiegeln den Reichtum der Kirche Thesen zum Thema: Wort – Gefühl – Erfahrung

92 94

Kapitel 8 Geistliches Training 97 Erfahrungen muss man machen 97 Klug werden durch Erfahrungen 99 Gotteserfahrungen brauchen Praxis 101 Wie erfahren wir die Gegenwart Gottes? 102 Befreit von Ängsten und Sorgen 103 Alles, was Gott uns antwortet: Christus 104 Wie sieht unser Christsein morgen aus? 106 Glaube, der uns ganz erfasst 107

Ruthe - Sehen, was Gott tut.indd 7

14.08.19 14:57


Ruthe - Sehen, was Gott tut.indd 8

14.08.19 14:57


VORWORT

Glaube will erfahren werden. Allerdings klagen etliche Christen darüber, ihr Glaube sei stumpf, er komme ihnen irgendwie hölzern vor, ja sogar trocken. Ihnen scheinen die Gewissheit und die unumstößliche Erfahrung zu fehlen, die manch einer als das „Leben“ aus dem Glauben schlechthin bezeichnet: Ich bin mit Gott unterwegs. Ich spüre seine Gegenwart. Ich höre Gottes Stimme. Ich fühle mich geborgen. Nicht selten gerät dann das eigene Glaubensleben in die Krise. Kennen Sie das? – Die Begegnung mit dem lebendigen Gott löst keinerlei Emotionen mehr aus, sie ist zur Routine geworden. Gottes Ferne und Gottes Nähe, die unüberwindliche Distanz und die geradezu zärtliche Berührung, scheinen sich wie zwei unterschiedliche Welten vor einem aufzutun. Zwar liest man in der Bibel, aber im Herzen herrscht Windstille. Nichts scheint sich zu bewegen. Tiefe Glaubenserfahrungen lassen sich in der Regel nicht durch theologische Fragestellungen herbeiführen. Doch auch hier kann ich als interessierter Christ Erfahrungen machen, wenn – und darauf kommt es bei allen Glaubenserfahrungen an – der Heilige Geist in der Begegnung mit Christus wirkt. Denn letztlich ist unser Glaube nicht nur ein Für-wahr-Halten von Glaubenssätzen, sondern beinhaltet die Erfahrung, dass Gott ... ... gegenwärtig ist, ... Menschenleben verändert, ... Ruhe und wirklichen Frieden schenkt,

9

Ruthe - Sehen, was Gott tut.indd 9

14.08.19 14:57


... mir meine Sünden und meine Schuld vergeben hat, ... mir die Gewissheit gibt, zu ihm zu gehören, ... mich von allen Seiten umgibt, ... selbst der Weg, die Wahrheit und das Leben ist. Wie aber kommt es dazu, dass manche Christen ihren Glauben wie einen Trott leben, während andere bewegt und begeistert von Gottes Führung sprechen? Kann das eventuell damit zusammenhängen, dass dies eng mit unserem persönlichen Glaubensleben verwoben ist? Das Buch geht diesen und folgenden Fragen nach: ❱❱ Welche Rolle spielt unser Temperament? ❱❱ Welche Rollen spielen Charakter- und Persönlichkeitsstrukturen? ❱❱ Wie verhält es sich mit anlagebedingten und erworbenen seelischen Störungen? ❱❱ Und welchen Einfluss haben Schicksalsschläge und Lebenskrisen? Die Antworten auf all diese Fragen bedingen unser persönliches Glaubensleben. Insofern geht es in dem vorliegenden kompakten Ratgeber um die Auseinandersetzung zwischen Wort- und Erfahrungsglaube, wissenschaftlicher ausgedrückt um die Objektivität des Wortes Gottes und die Subjektivität meines Erlebens. In der Regel wird das objektive Wort über unser subjektives Empfinden gestellt. Die geistliche Erfahrung wird geringer bewertet als die menschliche Betroffenheit. Zweifellos sind Gefühle und Empfindungen unsichere Maßstäbe. Sie können von vielen Faktoren beeinflusst werden, denn

10

Ruthe - Sehen, was Gott tut.indd 10

14.08.19 14:57


Glaubenserfahrungen haben mit Gefühlen, mit Stimmungen und Empfindungen zu tun. Sie sind niemals hundertprozentig nachprüfbar. Mit einem Wort: Sie sind subjektiv. Doch da der lebendige Gott jeden Menschen einmalig geschaffen hat, es keine Einheitstypen gibt, erleben und erfahren wir auch als die von ihm geschaffenen Originale sein Wort und sein Wirken ganz individuell in uns. Daher sollten wir uns ganz natürlich die Fragen stellen: ❱❱ Was macht das Wort Gottes mit uns? ❱❱ Was passiert, wenn wir uns dem lebendigen Gott nähern? ❱❱ Was erfahren wir, wenn wir beten, ihn loben und preisen? Machen Sie sich gemeinsam mit mir auf den Weg, um zu sehen, was Gott tut – und was wir, so wie ein jeder von uns gestrickt ist, dabei ganz persönlich empfinden und erfahren. Ihr Reinhold Ruthe

11

Ruthe - Sehen, was Gott tut.indd 11

14.08.19 14:57


Ruthe - Sehen, was Gott tut.indd 12

14.08.19 14:57


KAPITEL 1

Jeder Mensch macht Erfahrungen Erfahrungen mit Gott spielen im Leben eines Christen eine entscheidende Rolle. Allerdings sind Erfahrungen nicht unumstritten. Wo liegen Fehleinschätzungen vor? Wie lassen sich die Glaubenserfahrungen von subjektiven Empfindungen unterscheiden? Wann handelt es sich um Einbildungen und wann um Gottes Stimme? Wann sind es meine Wünsche, wann unbewusste Erwartungen, wann redet der Heilige Geist? Ein Papagei macht Erfahrungen In einem Buch von Nossrat Peseschkian las ich einmal ein interessantes Märchen mit dem Titel „Der Kaufmann und der Papagei“1: „Ein orientalischer Kaufmann besaß einen Papagei. Eines Tages stieß der Vogel eine Ölflasche um. Der Kaufmann geriet in Zorn und schlug den Papagei mit einem Prügel auf den Hinterkopf. Seit dieser Zeit konnte der Papagei, der sich vorher sehr intelligent gezeigt hatte, nicht mehr sprechen. Er verlor Federn auf dem Schädel und wurde ein Kahlkopf. Eines Tages, als er auf dem Regal im Geschäft seines Herrn saß, betrat ein glatzköpfiger Kunde den Laden. Sein Anblick versetzte den Papagei in höchste Erregung. Flügelschlagend sprang er umher, krächzte und fand schließlich zur Überraschung aller seine Sprache wieder. ,Hast du auch die Ölflasche heruntergeworfen und einen Schlag auf den Hinterkopf

13

Ruthe - Sehen, was Gott tut.indd 13

14.08.19 14:57


bekommen, sodass du nun keine Haare mehr hast?‘, fragte der Papagei den Besucher des Geschäftes.“ Was lehrt uns diese Geschichte? Wir lachen über die Logik des Vogels. Er hat genau beobachtet und überträgt seine Erfahrungen auf den Menschen. Machen wir das nicht oft genauso? – Wir projizieren unsere Erfahrungen und Überzeugungen, die wir gewonnen haben, auf andere. Wir alle, ohne Ausnahme, sprechen und handeln mit Vorurteilen,  mit gewonnenen Eindrücken,  mit richtigen oder falschen Überzeugungen,  mit guten oder schlechten Gefühlen,  mit positiven oder negativen Stimmungen und  mit subjektiven Erfahrungen.  Wenn es um Glaubenserlebnisse geht, die wir als Christen machen, verhält es sich genauso. Wir sind begeistert, betroffen oder im tiefsten Innern berührt und geben unsere Glaubenserfahrungen weiter. Jeder Mensch macht Erfahrungen. Und er reagiert darauf mit Leib, Seele und Geist. Alle Dimensionen des Seins werden angesprochen. Niemand reagiert nur kognitiv, mit seinem Verstand, sondern auch mit seinen Gefühlen und mit seinen Stimmungen. Diese seelischen Reaktionen können gesund, weniger gesund, gestört oder krankhaft sein. Und es entstehen auf diesem Hintergrund Fragen, einige lauten: ❱❱ Was geschieht mit uns, wenn wir zum Glauben kommen? ❱❱ Was ereignet sich, wenn wir beten und uns ganz Gott zuwenden?

14

Ruthe - Sehen, was Gott tut.indd 14

14.08.19 14:57


❱❱ Können wir subjektive Erfahrungen mit Christus vom objektiven Wort Gottes trennen? ❱❱ Wie ernst sind unterschiedliche Glaubenserfahrungen zu nehmen? ❱❱ Sind wir in der Lage, die Wirkungen des Heiligen Geistes vom Wirken des menschlichen Geistes und der menschlichen Seele sauber zu trennen? ❱❱ Was ist wichtiger: den Glauben theologisch zu begründen oder Glaubenserfahrungen zu machen? ❱❱ Gehören nicht beide Bereiche zusammen? Sind wir in der Lage, das eine systematisch vom anderen zu trennen? Der Mensch entwickelt seinen eigenen Lebensstil Glaubens- und Gotteserfahrungen haben etwas mit unserem Lebensstil zu tun. Unser Lebensstil ist die Summe all unserer Eigenschaften und Charaktereigenarten. Er verkörpert unsere Persönlichkeit, unser Denken und Fühlen, unser Handeln und unsere Überzeugungen, unsere Werte und unsere Lebensziele, unseren Pessimismus oder Optimismus, unsere Aktivität oder Passivität. Und letztlich sind es drei wesentliche Aspekte, die unseren Lebensstil maßgeblich bestimmen: die Vererbung, die Erziehung und die Erfahrung. Die Vererbung Hat der Schöpfer bereits alle Persönlichkeitsmerkmale und Charaktereigenarten, die den Menschen später ausmachen, in die Ei- und Samenzellen hineingelegt? Hat Gott Schwächen und Stärken, positive wie negative Verhaltensmuster erblich vorherbestimmt?

15

Ruthe - Sehen, was Gott tut.indd 15

14.08.19 14:57


Turn static files into dynamic content formats.

Create a flipbook
185121 by Fontis-Shop - Issuu