Skip to main content

182498

Page 1

John21_Inhalt-4.qxp

13.08.2010

15:01

Seite 3

Inhaltsverzeichnis John21 – das Buch . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5 John21 – das Johannesevangelium . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7

John1 – Wer ist Jesus? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9 Johannes 1,35-51 John2 – Was möchte Jesus? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 15 Johannes 2,13-25 John3 – Jesus und der fromme Insider . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20 Johannes 3,1-16 John4 – Jesus und die geheimnisvolle Außenseiterin . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 26 Johannes 4,5-42 John5 – Jesus im Lazarett des Todes . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 33 Johannes 5,1-9 John6 – Jesus und die Kannibalen? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 38 Johannes 6,49-71 John7 – Jesus und die leeren Lehren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 43 Johannes 7,14-39 John8 – Jesus und die Arena des Lebens . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 48 Johannes 8,1-12 John9 – Jesus und die verschuldete Blindheit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 54 Johannes 9,1-41 John10 – Jesus, das Gate zum Leben . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 60 Johannes 10,9-21 John11 – Jesus und der Gestank des Todes . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 64 Johannes 11,1-44 John12 – Jesus und der Wohlgeruch neuen Lebens . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 70 Johannes 12,1-8 John13 – Jesus und der Sklavendienst des Königs . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 74 Johannes 13,1-17

3


John21_Inhalt-4.qxp

13.08.2010

15:01

Seite 4

John14 – Jesus und der Geist der Wahrheit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 78 Johannes 14,15-27 John15 – Jesus und das Leben der Reben . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 84 Johannes 15,1-8 John16 – Jesus und der Beistand . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 89 Johannes 16,5-15 John17 – Jesus und das Gebet um Einheit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 94 Johannes 17,1-26 John18 – Jesus und das wahre Königreich . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 99 Johannes 18,28-40 John19 – Jesus und der durchkreuzte Tod . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 104 Johannes 19,23-37 John20 – Jesus und die Power der Auferstehung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 111 Johannes 20,11-18 John21 – Jesus und die entscheidende Frage . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 117 Johannes 21,15-24

4


John21_Inhalt-4.qxp

13.08.2010

15:01

Seite 5

John21 – das Buch Bewegt verfolgen Karstens Augen das langsame Gleiten seiner neuen Freundin, Andrea, einer Guppyfrau. Er hat sie nach seiner letzten menschlichen Freundin benannt. „Wie gut“, flüstert Karsten seiner Eroberung zu, „du fällst mir nicht ins Wort und hörst mir wirklich zu.“ Karsten sitzt gern vor seinem Aquarium. Es ist herrlich beruhigend. Alles ist ruhig. Nur der Filter summt ein kleines Lied. Keiner redet. Wortlos gleiten seine Guppys durch das liebevoll eingerichtete Aquarium. Wasserlilien schmücken es ebenso wie Steine und Muscheln, die Karsten bei seinem letzten Ausflug zum Meer gesammelt hat. Eine kleine Playmobil-Schatzkiste im Aquariumsand verleiht dem Ambiente ein abenteuerliches Flair. „Früher wollte ich mal Schatztaucher werden und die sieben Weltmeere bereisen“, denkt Karsten und erinnert sich an alte Piratenabenteuer mit seinem besten Freund Conrad. „Aber jetzt, jetzt habe ich mir ja das Meer nach Hause geholt“, beschließt Karsten seine träumerischen Gedanken. Ehrlich: Mich können Aquarien tatsächlich begeistern. Ich habe manche gesehen, die einfach prachtvoll waren mit wunderschönen Fischen in einer genialen Unterwasserwelt. Aber ein Aquarium macht noch kein Meer, ein Stein im Aquarium ersetzt kein Korallenriff und eine Playmobil-Schatzkiste kein Tauchabenteuer, das zu alten Wracks und Schätzen führt. Da ist so viel Meer und Mehr zu entdecken, so viel Wunderbares zu empfinden und so viel Tiefe auszuloten! Manchmal habe ich Angst, dass der Glaube zu einem „beruhigenden Aquarium“ verkommt, das zum Glück nicht reinredet und eine kleine, nette Welt abbildet, in die man selbst nicht wirklich eintauchen kann oder möchte. Man betrachtet sie nur und beruhigt sich daran. Man meint, man hätte das Wort Gottes eingefangen auf kleinstem Raum, und das allein ist es und nicht mehr. Doch das Wort Gottes will nicht beruhigen, es

lässt sich nicht begrenzen und auch nicht zum Schweigen bringen. Es sprengt alle Bilderrahmen und alle Aquarienscheiben gehen zu Bruch, denn sie können die Kraft des lebendigen Wassers nicht halten. Das Evangelium ist kein Aquarium, sondern ein kraftvolles, geheimnisvolles, abenteuerliches und gefährliches Meer, das gewaltige Schätze in sich birgt und uns Wunderbares sehen lässt, wenn wir uns auf das Tauchabenteuer einlassen. Jesus ruft dich nicht auf die Malediven oder Seychellen zum netten Tauchgang (schade, oder?), sondern fordert dich heraus, mitten in den Gewässern des Alltags ihm zu folgen und Abenteuer des Glaubens zu erleben. Christsein (dieses Wort allein hat schon eine lähmende Statik) ist kein Aggregatzustand, den man mal erreicht, und das war es dann. Nein! Es geht um das pulsierende Leben in der Nachfolge Jesu, denn nachfolgen bedeutet nicht stehenbleiben, um Standpunkte zu bilden, sondern wach zu sein, auf das eine Wort Gottes, Jesus Christus, zu hören, die Welt in seiner Liebe und seinem Auftrag zu verändern und im Glauben zu wachsen. Kein Evangelium ist so persönlich, so voller Dialoge, in denen Jesus Einzelnen begegnet, wie das von Johannes. Er schenkt Vergebung, Gnade, Neuanfänge – er fordert heraus und ermutigt zu Schritten des Glaubens. Das Johannesevangelium gebraucht über hundert Mal das Wort „sehen“ in verschiedenen Varianten. Immer wieder wird spürbar, wie Jesus den Einzelnen sieht und ihm Ansehen verleiht, ganz gleich, welche Geschichte ihn bisher geprägt hat. Nicht ohne Grund hat der Apostel Johannes den Adler als Symbol erhalten, weil Jesus als König und Souverän erscheint und zugleich mit „Adleraugen“ den Einzelnen und seine Not erkennt. Er sieht dich. Deine Wunden, deine Schuld, deine Stärken, dein Potenzial – und er sehnt sich danach, mit dir das Leben zu entdecken und zu entfalten.

5


John21_Inhalt-4.qxp

13.08.2010

15:01

Seite 6

Weil es bei Johannes so oft um das „Sehen“ geht, habe ich auch die Elemente in diesem Buch mit solchen Begriffen versehen: Prospekt Ein Prospekt gibt uns eine „Vorschau“ auf das, was ein Laden zu verkaufen plant. Hier gibt er eine Vorschau auf das, was dich in diesem Abschnitt erwartet. Aspekt Aspekt bedeutet „Ansicht“ und ich lade dich ein, den jeweiligen Text anzusehen und dich von ihm „ansehen“ zu lassen. Inspekt Was ein „Inspektor“ macht oder eine „Inspektion“ meint, weißt du wohl schon. Beide schauen tiefer. Wir wollen gemeinsam tiefer sehen und forschen, was in dem Text steht. Perspekt Perspektiven zu haben bedeutet „durchzusehen“, Wege im Nebel zu entdecken und zu gehen. Welche Perspektiven zeigt dir der Abschnitt für dein Leben und deinen Glauben auf? Wo fordert er dich heraus? Respekt Respekt bedeutet „Rücksicht“ oder „Rückschau“. Hier möchte ich im Rückblick auf das Erforschte ein paar Kernsätze festhalten. Spektrum (im Internet) Das Spektrum entfaltet die Bandbreite des Sichtbaren. Hier findest du methodische Hilfen, um das Thema auch in einer Gruppe umzusetzen. Die Inhalte des Spektrums findest du im Internet auf der Internetseite www.ec-echt.de unter „John21“ und auf download.bornverlag.de. Der Kauf dieses Buches berechtigt, das dort hinterlegte Material zu John21 zum Zwecke der Vorbereitung und Durchführung der Einheiten dieses Buches kostenfrei zu downloaden und auszudrucken. Eine Verwendung, Vervielfältigung oder Weitergabe in jeglicher Form darüber hinaus ist nicht gestattet.

6

facebook Es gibt die facebook-Gruppe „John21“, zu der ich dich einladen möchte. Hier hast du die Möglichkeit, dich mit anderen Lesern und Jungen Erwachsenen auszutauschen und Rückfragen zu stellen. Hier führen wir den Kurs auch exemplarisch immer vom 1. bis zum 21. eines Monats durch.

Thorsten Riewesell


John21_Inhalt-4.qxp

13.08.2010

15:01

Seite 9

John1 – Wer ist Jesus? PROSPEKT Johannes beginnt seinen Bericht mit mächtigen Worten vom mächtigsten Wort: Jesus. Vom ersten bis zum letzten Kapitel geht es Johannes nur um ihn und er schreibt das Evangelium, damit Menschen zum Glauben und zum echten Leben kommen (Joh 20,31). Schon die ersten Verse bei Johannes sind einzigartig. Es ist geradezu ein Schöpfungslied, in dem Johannes das Wort und das Licht „besingt“, das am Anfang der Zeit steht und in unsere Welt kommt. Während die anderen Evangelisten darauf Wert legen, von Jesu Geburt zu berichten, geht es Johannes um Jesu göttliche Herkunft und die Bedeutung seines Kommens. Wie Gott am Anfang aller Zeit über dem Tohuwabohu (wörtlich „wüst und leer“; 1. Mose 1,2) der Welt seine ersten Schöpfungsworte spricht und das Licht die Finsternis erhellt, so ist Jesus das neue, gesprochene, fleischgewordene Schöpfungswort des Vaters, das in die Finsternis der Welt gesandt wird. Viele dürfen die Herrlichkeit Jesu erleben (Joh 1,14), seine Wahrheit und seine Gnade (Joh 1,17), die sie zu Kindern Gottes macht. Während das Gesetz des Mose lediglich die Schuld aufdecken und strafen konnte, finden Menschen in Jesus den, der wahrhaftig ist und zugleich voller Gnade.

ASPEKT Johannes 1,35-51: Wer ist Jesus? In Johannes 1 geht es vor allem um die Frage, wer Johannes der Täufer und wer Jesus ist. Johannes der Täufer macht sehr deutlich, dass er nicht der Eigentliche ist, sondern (nur) sein Wegbereiter. Aber wer ist Jesus? Wen suchen wir, was wollen wir, wenn wir nach Jesus fragen? Ist er das „Wort

Gottes“, das „Lamm Gottes“, „Messias“, „Rabbi“ oder „König“? Jesus selbst stellt diese Frage sehr offen (V.38) und lässt auch dem größten Zweifler wie Natanael alle Freiheit ihm zu begegnen. Denn das ist Jesu große Einladung an alle, egal was sie zuvor über ihn gedacht haben: „Kommt und seht selbst“ (V.39)! Egal, welches Bild du zurzeit noch von Jesus hast, du bist willkommen und eingeladen, ihn kennenzulernen.

Die ersten Jünger 35 Am nächsten Tag stand Johannes wieder da. Zwei von seinen Jüngern waren bei ihm. 36 Da kam Jesus vorbei. Als Johannes ihn erblickte, sagte er: „Seht doch! Das ist das Lamm Gottes!“ 37 Die beiden Jünger hörten diese Worte und folgten Jesus. 38 Jesus drehte sich um. Er sah, dass sie ihm folgten, und fragte sie: „Was wollt ihr?“ Sie antworteten ihm: „Rabbi“ – das heißt übersetzt ,Lehrer’ –, „wo wohnst du?“ 39 Er forderte sie auf: „Kommt und seht selbst!“ Da gingen sie mit und sahen, wo er wohnte. Sie blieben den ganzen Tag bei ihm. Das geschah etwa um die zehnte Stunde. 40 Andreas war einer von den beiden Jüngern, die Johannes gehört hatten und Jesus gefolgt waren. Andreas war der Bruder von Simon Petrus. 41 Er traf zuerst seinen Bruder Simon und sagte zu ihm: „Wir haben den Messias gefunden“ – das heißt übersetzt ,den Christus’.

9


John21_Inhalt-4.qxp

13.08.2010

15:01

Seite 10

1 42 Er brachte Simon zu Jesus. Jesus schaute ihn an und sagte: „Du bist Simon, der Sohn des Johannes. Dich wird man Kephas nennen“ – das bedeutet Petrus. Philippus und Natanaël 43 Am nächsten Tag wollte Jesus nach Galiläa aufbrechen. Da traf er Philippus. Jesus sagt zu ihm: „Folge mir!“ 44 Philippus kam aus Betsaida, das ist die Stadt, aus der auch Andreas und Petrus stammten. 45 Philippus sucht Natanaël auf und sagt zu ihm: „Wir haben den gefunden, von dem Mose im Gesetz geschrieben hat und den die Propheten angekündigt haben. Es ist Jesus, der Sohn von Josef. Er kommt aus Nazaret.“ 46 Da fragte ihn Natanaël: „Kann aus Nazaret etwas Gutes kommen?“ Philippus antwortete ihm: „Komm und sieh selbst!“ 47 Als Jesus Natanaël zu sich kommen sah, sagte er über ihn: „Seht doch! Das ist ein wahrer Israelit; ein durch und durch aufrichtiger Mann!“ 48 Da fragte ihn Natanaël: „Woher kennst du mich?“ Jesus antwortete ihm: „Bevor Philippus dich rief, sah ich dich unter dem Feigenbaum.“ 49 Natanaël erwiderte: „Rabbi, du bist der Sohn Gottes. Du bist der König Israels!“ 50 Jesus antwortete ihm: „Nur weil ich dir gesagt habe, dass ich dich unter dem Feigenbaum sah, glaubst du schon? Du wirst noch viel größere Dinge zu sehen bekommen!“ 10

51 Und er sagte zu ihm: „Amen, amen, das sage ich euch: Ihr werdet den Himmel offen sehen. Und die Engel Gottes werden vom Menschensohn zum Himmel hinaufund von dort wieder zu ihm herabsteigen!“

INSPEKT Das Lamm Gottes Da steht dieser seltsame, verschrobene Johannes, der so viele Menschen zur Umkehr bewegte, dass man ihm den Beinamen „der Täufer“ gab. Ein „erfolgreicher“ Verkündiger und ein radikaler zugleich, der kein Blatt vor den Mund nimmt und Missstände beim Namen nennt. Aber auch einer, der wie ein riesiger Zeigefinger mit seinem ganzen Leben auf Jesus weist. Kein Wunder, dass der berühmte Isenheimer Altar genau dieses Bild wiedergibt: Johannes der Täufer und der überlange Zeigefinger auf Jesus. Er sieht sich nicht als Elia und nicht als der Prophet, er ist schlicht und ergreifend der Wegbereiter Jesu (Joh 1,21-23). Viele folgten Johannes nach. Er aber sieht den Einen. Jesus ist der Eigentliche, der Entscheidende (Joh 1,27). Er ist das Lamm Gottes (Joh 1,29.36). „Lamm Gottes“ ist ein messianischer Hoheitstitel, der die Worte Jesajas (Jes 53,7) aufnimmt und mit Jesus verbindet. Jesus ist das Lamm, Jesus ist der, der die Last der Welt, ihre Schuld und Sünde ans Kreuz trägt. Johannes der Täufer bindet seine Jünger nicht an sich. Er schickt sie fort, um den zu treffen, der sie noch weiter führen kann. Solch ein Jugendoder Gemeindeleiter imponiert, der sich nicht überhöht und Menschen nicht an sich bindet, sondern zu Jesus führt.

Die Adresse Jesu Stell dir vor, du folgst Jesus nach und der dreht sich plötzlich um und fragt dich: „Wen suchst du?“ oder: „Was hast du hier zu suchen?“ Ich würde erst einmal perplex und verdattert stehen bleiben und vielleicht keinen Ton herausbringen. Äh, wie war die Frage nochmal? Ja, wen


John21_Inhalt-4.qxp

13.08.2010

15:01

Seite 11

1 oder was suche ich denn eigentlich? Suche ich mich selbst, bin ich auf Selbstfindungskurs via Jesus? Suche ich die spirituelle Sensation, den bombastischen Wundermacher, den Alles-Veränderer? Was hätte ich wohl geantwortet? Und was würdest du antworten? Respekt vor den beiden, die den Mund aufbekommen und fragen: „Wo wohnst du?“ (Joh 1,38)! Diese Frage ist tiefgründiger, als sie scheint. Es ist nicht die Frage nach einer Absteige, sondern nach geistlicher Heimat, nach einem Ort, wo Fragen und Sehnsüchte gestillt werden und das Leben zu Hause ist. Welche Adresse hat Jesus? Hilton Jerusalem oder Campingplatz Genezaret? Jesus verrät seine Anschrift nicht. Das hat keine Datenschutzgründe. Er hat keine Bleibe. Er hat noch nicht mal einen Bau oder ein Nest, er hat nichts und dennoch lädt er ein. Wohin denn? Nicht an einen festen Ort, eine feste Adresse, eine bestimmte Kirchenbank. Er lädt ein ins Leben, ins Unterwegssein, in die Gemeinschaft, ins Abenteuer, in die Gefahr und in die Chance. „Kommt und seht selbst!“ Jesu Einladung hat mit Bewegen und Erleben zu tun. Da frage ich mich doch wieder einmal: Wohin lade ich eigentlich Menschen ein, die nach Jesu Adresse fragen? Ins Unterwegssein oder in ein Gebäude? Verstehe ich Gemeinde als „Haus“, in das man geht („Ich gehe in die Gemeinde“), oder als Gemeinschaft von Nachfolgern, die wach und neugierig mit Jesus an ihrem Ort, in ihrem Stadtteil unterwegs sind? Und sie fanden zu Jesus, fanden das Leben. Wahrscheinlich war Johannes, der Schreiber des Evangeliums höchstpersönlich einer dieser suchenden Jünger, denn er weiß das umwälzende verändernde Ereignis auf die (10.) Stunde genau (also vier Uhr nachmittags) zu datieren. Was Jesus an diesem Punkt seiner Biografie in sein Leben schrieb, hat ihn für alle Zeiten verändert und gerettet. Von nun an ist alles anders. Ab Punkt 16 Uhr. Genial!

Wer war nochmal der Ausgangspunkt dieser Veränderung? Der demütige Leiter Johannes, der seine Leute nicht an sich band wie eine eifersüchtige Glucke, die über ihren Küken wacht, sondern den Eigentlichen erkannte und seinen Jüngern das Beste, Jesus selbst, gönnte. Ich wünsche mir als Leiter und Begleiter von Jugendlichen ein dickes, fettes Stück dieser Leiterqualität, diese Erkenntnis und Weisheit: Es kommt nicht auf mich an, sondern der Eigentliche ist und bleibt Jesus. Ich darf niemanden an mich binden, sondern sie sollen Jesus finden! Das ist echte Leiterdemut. Wer hätte nicht gern eigene Nachfolger – Johannes schickt sie weg, damit sie das Bessere finden. Chapeau Johannes – davon will ich lernen!

Die Kettenreaktion des Glaubens Mit Johannes dem Täufer beginnt eine Kettenreaktion. Er stößt seine Leute auf Jesus und die wiederum führen andere zu ihm. Bewegte bewegen andere. Ein Bettler sagt dem anderen weiter, wo es Brot gibt. Das ist doch auch logisch, oder? Wie könnte ich einem die Medizin verschweigen, die mich selbst gerettet hat? Es ist gewaltig. Wer einen anderen zu Jesus führt, löst damit vielleicht ein Schneeballsystem der Rettung aus, eine Kettenreaktion der Liebe. „Eine Fackel dient dazu, eine andere anzuzünden“ (Godet). Vielleicht. Wenn die Kette nicht reißt, die Botschaft nicht versandet und nicht im christlichen Sackbahnhof versauert, weil sie weitergetragen wird.

Die Begeisterung eines Pferdefreundes Philippus ist ein genialer Typ. Er erlebt Jesus und fängt Feuer. Seine Begeisterung treibt ihn zu Natanael. Ein ganz anderer Typ. Einer, der sich auskennt. Einer, der weiß, dass die naive Begeisterung von Philippus keinen wissenschaftlichen Grund hat, denn aus Nazaret kann kein Messias kommen. Und da hat er Recht. Wie kann er auch wissen, dass der Nazarener in Betlehem geboren wurde?

11


John21_Inhalt-4.qxp

13.08.2010

15:01

Seite 12

1 Doch Philippus bleibt dran. Er ist vielleicht nicht der Forscher und Wissenschaftler – aber er hat Jesus einfach erlebt. Darum lädt er Natanael auch nicht zum wissenschaftlichen Schlagabtausch ein, sondern in das Sehen und Erleben: „Komm und sieh selbst!“ Natanael, dessen Name „Gottesgabe“ bedeutet, mag über Philippus (sein Name bedeutet „Pferdefreund“) lächeln. Theologisch kann Philippus ihm nicht das Wasser reichen, aber menschlich führt er ihn zum lebendigen Wasser, zur Quelle selbst. Danke, Philippus, dass du dich nicht von scheinbar fundierten wissenschaftlichen Erkenntnissen abblocken lässt, sondern ins Sehen und Erleben einlädst. Da kann ich mir echt eine dicke Scheibe von abschneiden. Durch dich kommt der Zweifler Natanael zu Jesus, weil er den Messias erlebt. Ein Messias, der zweifelnde Menschen mit offenen Armen empfängt.

Dieses eine Wort ist Jesus selbst – fleischgewordenes Schöpferwort Gottes – Ausdruck seiner Macht und Liebe: „Jesus Christus, wie er uns in der Heiligen Schrift bezeugt wird, ist das eine Wort Gottes, das wir zu hören, dem wir im Leben und im Sterben zu vertrauen und zu gehorchen haben. Wir verwerfen die falsche Lehre, als könne und müsse die Kirche als Quelle ihrer Verkündigung außer und neben diesem einen Worte Gottes auch noch andere Ereignisse und Mächte, Gestalten und Wahrheiten als Gottes Offenbarung anerkennen“ (Barmer Erklärung, Mai 1935). In Jesus wird das Wort Gottes „Fleisch“, man kann ihn anfassen, begreifen und angreifen. Man kann ihn aufnehmen und erkennen: Christus allein hat Worte, die wirklich Bestand haben (Joh 6,68). Was bedeutet diese Erstrangigkeit Jesu als das eine bestimmende und vorrangige Wort Gottes für dein Hören, deine Prioritäten?

Eine Beschreibung für Jesus

PERSPEKT Das Wort Gottes Wie viele Worte prasseln täglich auf dich ein? Die Informationsflut ist gewaltig und täglich musst du herausfiltern, was wirklich wichtig ist. Das ist heftig. Wie geht man vor? Wie vergibt man Prioritäten? Johannes erhebt Jesus über alle anderen Worte dieser Welt. Er ist das entscheidende Wort. Es klingen die Worte Gottes an, die Johannes auf dem Berg der Verklärung gehört hat: „Dies ist mein geliebter Sohn, auf den sollt ihr hören“ (Mt 17,5). Dieses Wort ist das eine Wort Gottes, das über allen anderen Worten dieser Welt steht. In einer harten Zeit voller Druck und Herausforderung, in denen Worte demagogisch gegen Gott und Gemeinde trommelten und Gottes Wort für eigene Zwecke missbrauchten, formulierten mutige Menschen und bekennende Christen 1935 ein klares Statement für das eine Wort Gottes, das absolute und unantastbare Autorität und Priorität für Leben und Sterben haben soll.

12

Johannes der Täufer sieht in Jesus das Lamm Gottes, das nach Jesaja 53,5-6 unsere Strafe trägt, damit wir Frieden haben, verwundet ist, damit wir Heilung erfahren, und uns neue Orientierung für unseren Weg schenkt. Wen suchst du? Wem läufst du hinterher? Wo findest du echten, tiefen Frieden in aller Unruhe der Zeit? Wer schenkt dir Heilung deiner Wunden, die das Leben dir schlug? Wer hilft dir, tragfähige Wege zu finden, die gut für dich sind?

Wir finden in Johannes 1 viele Beschreibungen und Titel für Jesus. Welchen würdest du verwenden? Das Wort Gottes (Joh 1,14), das Fleisch geworden ist Das Lamm Gottes, das deine Schuld für dich trägt (Joh 1,29) Der Sohn Gottes (Joh 1,34) Der Rabbi und Lehrer, von dem man lernen kann (Joh 1,38)


John21_Inhalt-4.qxp

13.08.2010

15:01

Seite 13

1 Der Messias, der Gesalbte, der alles in seinen Händen hält (Joh 1,41) Der Angekündigte, von dem Mose und die Propheten geschrieben haben (Joh 1,45) Der Sohn Gottes und König von Israel (Joh 1,49)

Leiter, die zu Jesus leiten Ein Jugendleiter sagte mir mit Blick auf die Jugendarbeit: „Ich möchte, dass es nach mir besser weitergeht als mit mir!“ Wow! Er investierte bewusst und gezielt in seine Co-Leiter. Zu keiner Zeit band er seine Leute an sich, sondern immer mehr, immer stärker an Jesus. Als er ging, durfte er miterleben, wie seine Co-Leiter übernahmen und die Jugendarbeit hervorragend weiterführten. Für uns sind gute Leiter manchmal die, die weggehen, und alles fällt zusammen. Scheinbar waren sie so wichtig als tragende Säulen, dass ohne sie nichts geht. Ist das aber gute Leiterschaft? Ich bin fasziniert von dem „Täufer“, der seine Jünger bewusst von sich weg zu Jesus schickt, weil er Menschen nicht an sich, sondern an den Eigentlichen binden möchte, weil es ihm nicht um seinen Ruhm geht, sondern um das Lamm Gottes, den Messias der Welt. Dazu gehört „Leiterdemut“. Ein komisches Wort, das Johannes der Täufer in Johannes 3 untermauert, indem er sagt: „Seine Bedeutung wird zunehmen, aber meine wird abnehmen“ (Joh 3,30). Ich möchte nicht, dass sich Menschen an mich binden; nicht ich bin das Wichtigste im Leben, sondern einzig und allein Jesus. Als Leiter möchte ich andere zu Jesus leiten, dem, der allein Worte ewigen Lebens hat. Ich mag – besonders am Anfang – ein wesentlicher Grund sein, warum jemand in den Jugend- oder Hauskreis kommt, aber mein Wunsch ist es, dass die Bindung zu Jesus immer stärker wird und nicht verloren geht, wenn ich gehe. Wie nimmst du bei euch „Leiter“ wahr und wie leitest du selbst? Bist du ein Leiter, der zu Jesus leitet? Oder ein „Halbleiter“, der halbherzig leitet?

Der Philippus-Weg Der „Pferdefreund“ ist überwältigt von Jesus und kann gar nicht anders als anderen davon zu erzählen: auch dem Skeptiker Nathnael, der völlig zurecht Nazaret als möglichen Herkunftsort für den Messias ausschließt. Doch Philippus geht es nicht um eine theologische Diskussion, sondern um persönliche Begegnung mit Jesus, mit dem, der Heilung und Vergebung bringt, der Evangelium begreifbar macht. Die Begegnung mit Jesus möchte eine Kettenreaktion der Liebe auslösen. Was ich selbst an Liebe, Heilung und Vergebung erfahren habe, das gebe ich weiter an andere – so wie ein Bettler dem anderen sagt, wo es Brot gibt. Wohin führt dich der „Philippus-Weg“ heute? Wem erzählst du heute von Jesus und lädst ihn ein: „Komm und sieh selbst!“? In Apostelgeschichte 8,26ff. lesen wir eine weitere Geschichte, in der Philippus eine entscheidende Rolle zum Leben und Neuanfang spielt. Philippus lässt sich von Gott leiten, lässt sich Menschen zeigen, in deren „Lebenswagen“ er einsteigt, um ihnen das Evangelium nahezubringen. Philippus ist ein genialer „Gottvertrauer“, von dem wir viel lernen können.

13


John21_Inhalt-4.qxp

13.08.2010

15:01

Seite 14

1 RESPEKT Stimmen, Einflüsse, Worte gibt es genug. Jesus ist das eine Wort Gottes. Auf wen willst du in deinem Leben hören?

Wen suchst du? Suchst du Jesus als historische Person oder als lebendiges Wort und Heiland des Lebens?

Zweifel sind erlaubt und kein Hinderungsgrund Jesus nachzufolgen. Im Gegenteil. Sie sind ein guter Ausgangspunkt, um neugierig und wach Jesus nachzufolgen. Mit welchem Zweifel kommst du heute zu Jesus – offen und ehrlich?

SPEKTRUM Auf www.ec-echt.de im Bereich John21 und auf download.bornverlag.de findest du Methodikhilfen und Materialien, um die Einheit in einer Gruppe zu bearbeiten.

14


Turn static files into dynamic content formats.

Create a flipbook
182498 by Fontis-Shop - Issuu