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Jahreslosungen Jahr
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Bibeltext
1939 1940 1941 1942
Jesaja 43,1
10
1970
Hosea 12,7
72
1. Korinther 4,20
12
1971
Römer 15,7
74
Amos 5,6
14
1972
2. Korinther 4,5
76
Johannes 3,16
16
1973
Haggai 2,5b
78
1943
Jesaja 33,22
18
1974
Johannes 8,32
80
1944
2. Thessalonicher 3,3
20
1975
Römer 2,4
82
1945
Hebräer 12,2
22
1976
Psalm 86,11
84
1946
Johannes 14,6
24
1977
Kolosser 2,3
86
1947
Matthäus 6,13
26
1978
Amos 5,4
88
1948
Markus 1,3
28
1979
1. Mose 1,27
90
1949
2. Timotheus 1,7
30
1980
1. Timotheus 2,4
92
1950
1. Petrus 2,5
32
1981
Hebräer 13,16
94
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Matthäus 28,20
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1982
Jesaja 26,4
96
1952
Jeremia 15,16
36
1983
Matthäus 5,9
98
1953
Hebräer 10,35
38
1984
2. Timotheus 1,7
1954
Johannes 6,35
40
1985
Kolosser 3,16
102
1955
Matthäus 9,37.38
42
1986
5. Mose 5,6.7
104
1956
2. Korinther 5,20
44
1987
Römer 6,23
106
1957
Lukas 6,46
46
1988
Markus 1,15
108
1958
Galater 5,1
48
1989
Apostelgeschichte 17,27
110
1959
Jesaja 7,9
50
1990
Johannes 8,12
112
1960
Offenbarung 1,17
52
1991
Jesaja 40,31
114
1961
Lukas 11,1
54
1992
Johannes 16,33
116
1962
Nehemia 8,10
56
1993
Apostelgeschichte 5,29
118
1963
Psalm 8,10
58
1994
Epheser 2,14
120
1964
1. Korinther 8,6
60
1995
Jesaja 45,22
122
1965
Apostelgeschichte 1,8
62
1996
Klagelieder 3,22
124
1966
Epheser 4,15
64
1997
Lukas 9,25
126
1967
Jesaja 26,12
66
1998
Epheser 5,2
128
1968
1. Petrus 4,10
68
1999
Matthäus 28,20
130
1969
Psalm 33,4
70
2000
Jeremia 29,13.14
132
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1. Mose 1,27
1979
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Johannes 6,35
1954
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5. Mose 5,6.7
1986
104
Johannes 8,12
1990
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Nehemia 8,10
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Johannes 8,32
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1969
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1992
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Apostelgeschichte 1,8
1965
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Apostelgeschichte 5,29 1993
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1967
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Apostelgeschichte 17,27 1989
110
Jesaja 26,4
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Römer 2,4
1975
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Jesaja 33,22
1943
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Römer 6,23
1987
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Jesaja 40,31
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Römer 15,7
1971
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Jesaja 43,1
1939
10
1. Korinther 4,20
1940
12
Jesaja 45,22
1995
122
1. Korinther 8,6
1964
60
Jeremia 15,16
1952
36
2. Korinther 4,5
1972
76
Jeremia 29,13.14
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2. Korinther 5,20
1956
44
Klagelieder 3,22
1996
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Galater 5,1
1958
48
Hosea 12,7
1970
72
Epheser 2,14
1994
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Amos 5,4
1978
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Epheser 4,15
1966
64 128
Amos 5,6
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Epheser 5,2
1998
Haggai 2,5b
1973
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Kolosser 2,3
1977
86
Matthäus 5,9
1983
98
Kolosser 3,16
1985
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Matthäus 6,13
1947
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2. Thessalonicher 3,3
1944
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Matthäus 9,37.38
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1. Timotheus 2,4
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1946 Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich. Johannes 14,6
Es gab keine Wege mehr. Keine Straßen. Alles zerstört. Zerbombt. Auch Lebenswege. Kurze und lange. Gerade und krumme. Abgerissen. Jäh in den Abgrund gestürzt. In den Untergang. Es gab keine Wahrheit mehr. Der Führer hatte sich endgültig als erbarmungsloser Verführer enttarnt. Die lauten Propagandasender waren verstummt. Und die Postmoderne tat ihren ersten zaghaften Schrei. Wenn „die“ Wahrheit in eine solch grausame Katastrophe geführt hatte, durfte es eben überhaupt keine Wahrheit mehr geben. Wenigstens nicht im Singular. Nur im Plural. Jedem die seine. Es gab kein Leben mehr. Millionen jüdische Mitbürger erbarmungslos verjagt und vergast. Eine ganze Generation junger Menschen gefallen oder traumatisiert. Zerschossene Lebensentwürfe. Verbrannte Hoffnungen. Träume hatten sich als Illusionen entpuppt. Es war 1946. Jahr eins nach dem großen Krieg. Das Jahr der Orientierungslosigkeit. Und dann diese Losung. Als himmlischer Gegenentwurf für die verwundete Erde. Als Wort Gottes für die ziellos und planlos umherirrende Menschheit. Ein Wort beinahe so alt wie die Zeitrechnung. Und doch aktuell wie ein Extrablatt. Es gibt einen Weg! Jesus! Es gibt eine Wahrheit! Jesus! Es gibt Leben! Jesus! Ja, mehr noch: Es gibt den Weg, die Wahrheit, das Leben: Jesus! Ohne ihn und an ihm vorbei gibt es das alles nicht! Nirgends! Mancher mag sich damals an die Barmer Theologische Erklärung von 1934 erinnert haben, die mit just diesem Bibelwort eingeleitet worden war und deren erste These lautete: „Jesus Christus, wie er uns in der Heiligen Schrift bezeugt wird, ist das eine Wort Gottes, das wir 24
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zu hören, dem wir im Leben und im Sterben zu vertrauen und zu gehorchen haben.“ Und was folgt daraus? „Wie Jesus Christus Gottes Zuspruch der Vergebung aller unserer Sünden ist, so und mit gleichem Ernst ist er auch Gottes kräftiger Anspruch auf unser ganzes Leben; durch ihn widerfährt uns frohe Befreiung aus den gottlosen Bindungen dieser Welt zu freiem, dankbarem Dienst an seinen Geschöpfen.“ So geht es weiter in der Barmer Theologischen Erklärung. Ein prophetischer Text. Der christliche Glaube in einer Nussschale. Theologie auf den Punkt gebracht. Glauben. Und Leben. Privat. Und öffentlich. Für damals. Für heute. Vor einigen Jahren habe ich einen kleinen Liedtext geschrieben, der die Losung des Jahres 1946 in unsere Lebenswirklichkeit zu übersetzen versucht: Zehnmal tausend Ziele in einem Wald voller Wegweiser sind wir verirrt. Einfach viel zu viele! Da hör ich Jesus, er sagt: Ich bin der Weg. Laute, leise Lügen laden zum Maskenball, laden zum Totentanz ein: „Kommt euch selbst betrügen!“ Da hör ich Jesus, er sagt: Wahrheit bin ich. Leergebranntes Leben, genarrt von Träumen und Tröstern, die welken im Wind. Hoffnungslos daneben! Da hör ich Jesus, er sagt: Leben bin ich. Jürgen Werth Jahrgang 1951, Vorstandsvorsitzender ERF Medien, Wetzlar
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1947 Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Matthäus 6,13
Als ich 1947 im Wonnemonat Mai geboren wurde, konnte ich als kleines Baby nicht erahnen, welch schreckliche Erfahrungen meine Eltern in jungen Jahren mit „dem Reich“ gemacht hatten. Dazu gehörten sechs harte Kriegsjahre und die Vernichtung von sechs Millionen jüdischer Menschen. Das Vertrauen in menschliche Macht und Führungskraft war gebrochen. Wie sehr sehnen wir Menschen uns danach, dass unser Leben geschützt ist und sich im Frieden entfalten kann. Das fängt in der Familie an, wo Liebe, Geborgenheit und Vertrauen eingeübt werden können. Es setzt sich fort im Kindergarten und in der Schule. In Ausbildung und Beruf wächst das Interesse, einen Platz in der Gesellschaft zu finden. Und schließlich ist es die Liebe, die ermutigt, eine Beziehung einzugehen und Familien zu gründen. Paradiesische Zustände!? Der Traum vom Paradies ist längst geplatzt! Wie viele Verletzungen erfahren Kinder und Jugendliche im Elternhaus. Wie aktuell wird in unserer Zeit sexueller und emotionaler Missbrauch unter die Lupe genommen. Wie stark werden wir in unserer Gesellschaft leistungsmäßig gefordert und unter Druck gesetzt. Wir müssen funktionieren und werden gelebt. Mobbing ist an der Tagesordnung. Wie viele Kinder werden bereits im Mutterleib getötet, weil sie „behindert“ zu sein scheinen bzw. nicht ins momentane Lebensprogramm passen. Wie viele Beziehungen, die einmal so gut begonnen haben, stehen plötzlich auf der Kippe. Und Kinder tragen die Folgen. Sie werden Opfer von Scheidung und Gewalt. Sie werden in ihrer Persönlichkeitsentwicklung verunsichert und leiden manchmal ein Leben lang. Die Angebote in einer hoch technisierten Welt sind 26
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groß. Computerspiele und virtuelle Internetkontakte bestimmen ein beträchtliches Maß der Freizeit unserer Kinder. Welche Macht haben Spiele, die verborgene Aggressionen wecken? In was für einem Reich leben wir!? Ja, wir stoßen an unsere Grenzen. Je länger je mehr müssen wir einsehen, dass wir unseren Lebensraum nicht mehr im Griff haben. Wir schaffen unser Leben nicht allein. Wir brauchen Hilfe. Wir brauchen einen Vater im Himmel. Er ist Herr über allem, doch er missbraucht seine Macht nicht. Er kennt uns. Er sieht, woran wir leiden. Er kennt auch unsere Sehnsüchte. Mit ihm dürfen wir reden. Vor ihm dürfen wir unser Herz ausschütten. Deshalb hat uns Jesus zu den Bitten im „Vaterunser“ ermutigt. Wenn uns das Wasser bis zum Hals steht, gilt felsenfest, dass er mit seiner Kraft uns nahe sein will. Er kann uns reinigen, erneuern und kräftigen. Denn „dein ist das Reich ...“, so heißt es im Vaterunser, und es schließt ab mit den Worten der Jahreslosung von 1947. Vater im Himmel, du kennst und siehst mich. Du weißt um meine Gedanken, Gefühle und Sehnsüchte. Du weißt um mein Versagen und um meine Schuld. Vater, du bist mächtig und du hast Kraft. Ich sehne mich nach deiner Nähe. Auch wenn sich nicht alles in meinem Leben löst, weiß ich, dass du mir nahe bist. Ich möchte meinen Lebenshunger stillen mit deiner Liebe und Fürsorge. Ich brauche deine Kraft, um würdig zu leben. Vater, ich vertraue dir. Amen. Gerdi Stoll Jahrgang 1947, Lehrerin und Autorin, Sulz/Neckar
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1976 Weise mir, Herr, deinen Weg. Psalm 86,11
Wege gibt es viele: kurze und längere, bequeme und steinigere, Umwege und Abwege. Wege können in die Irre führen oder zum Ziel. Wegkreuzungen stellen vor die Entscheidung, wohin es gehen soll. Wegweiser sind dann wichtig. Jede und jeder mag es schon erfahren haben: Ein Wegweiser, der zeigt, wie es weitergeht, ist unersetzbar. Suchen und Fragen, Unsicherheit und Sorge finden ein Ende, wenn klar wird, welcher Weg der richtige ist. Im Leben kommen Menschen immer wieder in besondere Entscheidungssituationen: Wie soll ich hier handeln? Welchem Rat folge ich? Was ist wichtig? Welches ist jetzt der richtige Weg? „Weise mir, Herr, deinen Weg.“ So betet jemand, der in den großen Entscheidungen des Lebens ebenso wie in den tagtäglichen kleinen Entscheidungen auf Gottes Führung hofft, sich ausrichten möchte nach Gottes gutem Plan und Willen. „Weise mir, Herr, deinen Weg.“ So betet jemand, der bereit ist, sich mit auf den Weg nehmen zu lassen von seinem Gott, auf einen Weg, der einsam und schmal sein mag, der aber getragen ist von Gottes Güte. Gottes Weg für und mit Menschen kann ein spannender und abenteuerlicher sein, ein ungewöhnlicher und zuweilen auch ein aus menschlicher Sicht - unattraktiver und schwerer. Aber Gottes Weg für und mit Menschen führt zum Ziel! „Weise mir, Herr, deinen Weg.“ So sind wir eingeladen zu beten, Tag für Tag, in Zeiten des Erfolges und der Freude ebenso wie in Situationen der Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit.
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„Weise mir, Herr, deinen Weg.“ Freilich, ganz so einfach ist das im Leben nicht immer. Wie erkenne ich, was Gottes Weg für mich ist? Erkennen wir es oft nicht erst hinterher, was Gottes Weg gewesen wäre? Sich auf Gottes Weg weisen zu lassen, ist das eine - ihn dann wirklich einzuschlagen, gehört aber auch dazu! Erkennen, was Gottes Plan und Weg ist, und sich auf diesen Weg zu machen im Vertrauen darauf, dass Gott mit uns ist auf diesem Weg, dazu sind wir täglich neu herausgefordert. Die Bibel, Gottes Wort, ist ein guter Wegweiser, durch den Gott uns alle Tage unseres Lebens Orientierung schenken will. In seinem Wort lädt Gott dazu ein, sich auf seinen Weg zu machen, den Weg des Glaubens, der sich im Alltag bewährt und bewahrheitet. Und unterwegs auf diesem Weg sich im Gebet immer wieder neu auf- und ausrichten zu lassen von ihm, dessen Weg und Wege so anders und im Letzten so viel besser sind als alle Wege, die wir uns selbst ausdenken können! Und auch auf diesen, unseren eigenen Wegen und Umwegen dürfen wir erfahren, dass unser Gott uns nachgeht und uns weiterbringt - auf seinen Weg. Sein Weg ist der wahre Weg zum Ziel, zum Leben in Fülle! „Weise mir, Herr, deinen Weg.“ Heute, morgen und alle Tage meines Lebens! „Führe mich, o Herr, und leite meinen Gang nach deinem Wort; sei und bleibe du auch heute mein Beschützer und mein Hort. Nirgends als von dir allein kann ich recht bewahret sein.“ (Heinrich Albert)
Dr. Jutta Henner Jahrgang 1968, Direktorin der Österreichischen Bibelgesellschaft, Wien
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2000 Gott spricht: Wenn ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet, so will ich mich von euch finden lassen. Jeremia 29,13.14
Dieser Satz, den Jeremia an die Weggeführten Judäer nach Babylon im Auftrag Gottes schreibt, klingt erstaunlich neutestamentlich und steht doch mitten im Alten Testament. Man hat unwillkürlich die Assoziation: Das habe ich doch schon mal gehört, Jesus sagte doch dasselbe; zugegebenermaßen mit etwas anderen Worten, aber es war derselbe Inhalt. Hier geht es um eine zentrale Stelle im Verhältnis zwischen Gott und Mensch. Jetzt aber erst mal zurück zu den Menschen unter Nebukadnezars Herrschaft: Wie sollten ausgerechnet diese Worte die Exilanten trösten? Das Volk Israel wollte einen König, aber das hat nicht zu einem Erfolg im Sinne Gottes geführt, denn das Volk war innerlich abgedriftet. Auch dann, wenn wieder zwischendurch fromme Könige im Land aufräumten, gab es keine innere Umkehr. Vor Beginn der Einrichtung der Königsherrschaft in Israel diskutierte Samuel mit Gott, ob das vernünftig sei, eine Königsherrschaft einzuführen. Samuel war strikt dagegen. Schon damals hatte er befürchtet, dass dann die innere Beziehung jedes Menschen zu Gott Schaden nehmen oder er nicht mehr den Platz in den Herzen haben würde, der ihm eigentlich zusteht. Ein Volk, in dem eigentlich in jedem Haus zur Erinnerung eine jährliche Passahfeier stattfinden sollte und damit jede Familie herausgefordert war, zu bekennen, wer ihr Gott war, würde eh den engen Kontakt leicht schleifen lassen. Jetzt ist die Königsherrschaft in Juda noch nicht ganz zu Ende, aber fast. Denjenigen, die jetzt schon unter fremder Regierung stehen, 132
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droht die endgültige Entwurzelung. Womit werden sich die Judäer in Babylon identifizieren? Werden sie sich assimilieren oder ihre Zugehörigkeit zum Volk Gottes behalten? Wie soll das gehen, ohne den zentralen Mittelpunkt Jerusalem, als ethnische Minderheit und ohne Tempel, ohne die schönen Gottesdienste und Feste, Opfer und Riten, ohne jährliche Gedenktage und ohne die Heimat? Die Antwort Gottes ist, dass er sich an ein Versprechen bindet. Aber wieso sollte sich Gott selbst so festlegen? Kann es sein, dass gerade darin das ureigenste Anliegen Gottes zum Ausdruck kommt? Er tut es von ganzem Herzen. Nach allem, was er mit seinem Volk erlebt hat, ist das die Antwort auf das Weglaufen seines Volkes von ihm. Auch Gott sucht den Menschen von ganzem Herzen. Es kommt nicht auf den Tempel, sondern das Herz an. Deswegen kommt er den Menschen in Jesus ganz nahe, und deswegen finden wir den suchenden Gott wieder im Neuen Testament: Er lässt den Suchenden finden und öffnet dem Anklopfenden. Es gibt Menschen, von denen wir sagen, sie seien authentisch. Wir nehmen wahr und fühlen, dass sie echt sind und mit sich im Reinen, ihr Reden und Handeln passen zusammen. Gott ist authentisch in seiner Suche nach den Menschen. Nichts wäre ihm lieber, sie würden begreifen, dass seine Suche längst voll im Gange ist. Wenn wir dann mit ganzem Herzen suchen, lässt er sich finden. Er tut es längst.
Gerald Pauly Jahrgang 1959, Rechtsanwalt und Steuerberater, Vorsitzender des Deutschen Jugendverbandes „Entschieden für Christus“ (EC), Siegen
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