Sonja Robben
Wenn der Himmel dein Herz flutet
Verlag Gottfried Bernard Solingen
Bibelzitate sind, falls nicht anders gekennzeichnet, entnommen aus: Revidierte Elberfelder Bibel, © 1985 SCM R.Brockhaus Verlag im SCM-Verlag GmbH & Co. KG © 2014 Verlag Gottfried Bernard Heidstraße 2a 42719 Solingen E-Mail: verlag.gottfriedbernard@t-online.de Internet: www.gbernard.de ISBN 978-3-941714-35-9 Best.-Nr. 175535 Coverdesign: Daniel Bernard, Kirchheim/Th Stock Photos: Godafoss Icelandic waterfall by Filip Fuxa, shutterstock Lektorat: Elisabeth Bernard Satz: Satz & Medien Wieser, Stolberg Druck: CPI Clausen u. Bosse, Leck Printed in Germany
Ich widme dieses Buch Felicia, meiner Enkelin. MĂśge mein Traum fĂźr Dich begehbarer Boden werden, worauf Du mit Deinen Kindern tanzen kannst! Hab Dich lieb!
Inhaltsverzeichnis Vorwort . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7 1. Ein Herz wie ein Sieb . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10 2. Die Ängste des Herzens . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18 3. Heilende Nähe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 26 4. Am Rand des Ozeans . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 31 5. Die Schönheit einer Blumenzwiebel . . . . . . . . . . . . . . . . . . 42 6. Der Himmel ist unwiderstehlich ansteckend . . . . . . . . . . . 52 7. Berührt werden um zu berühren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 60 8. Der himmlische Beamer . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 74 9. Zur rechten Zeit am rechten Ort . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 87 10. Durch geschlossene Türen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 96 11. Die Ängste unserer Stadt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 104 12. Mit wehenden Fahnen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 116 Über die Autorin . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 123 Bibliografie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 125
LaĂ&#x; dich mitnehmen auf eine Reise in dein Herz, in das Herz Gottes und in die Herzen deiner Mitmenschen, deiner Region.
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Vorwort Herbstsonne, Balkon, Bougainvillea, Meer, Horizont, Zeit und Ruhe – ein Lebenstraum wird wahr! Dass ich nun tatsächlich hier sitze um ein Buch zu schreiben, hätte ich mir vor zehn Jahren nicht träumen lassen! Damals hatte ich Angst vor den kleinsten Herausforderungen des Tages. Fast mechanisch schleppte ich mich von einer Aufgabe zur anderen. Pflichten, Erschöpfung, Enttäuschung, Hoffnungslosigkeit und Depression. Wie anders das Gefühl jetzt, wo eine Fülle von Hoffnungen und eine Vision mich antreiben, wie der leidenschaftliche Wind im bunten Schirm des Kitesurfers. Eine riesige Welle von Dankbarkeit und Freude durchströmt mich, wenn ich darüber nachdenke, wie mein Leben nicht nur wieder gesund geworden ist, sondern überaus reich. Damals einsam und verzweifelt, heute mit Hoffnung und einem Mann an der Seite, der mich liebt, meine Vision teilt, hundert Meter weiter vorne am Strand weilt und mir einfach den Raum lässt, um mein Herz zu Papier zu bringen. In meinen dunkelsten Tagen bekam ich oft die „ermutigenden“ Worte zu hören: „Du bist ja noch jung und hast gesunde Kinder!“ Wer könnte sich nicht vorstellen, dass dies zu einer Zeit – wo ich mir selber nicht sicher war, ob es einen nächsten Schritt gibt – nicht wirklich hilfreich war? Heute sind mir meine Söhne wie ein überaus kostbarer Schmuck, den ich mit viel Freude trage! Jungs, ihr seid großartig! In den letzten paar Jahren durfte ich noch weitere Schätze heben. Eine Schwiegertochter, die durch ihre Kreativität und ihr offenes Herz viel Leben frei setzen wird, einen Sohn, mit dem Herzen adoptiert und eine Enkelin, die immer wieder ein Strahlen in mein Herz zaubert! Die Liste wird wohl noch wachsen, je älter meine Söhne werden. Wenn man eine Linie, von „äußerster Verzweiflung“ bis „Fülle des Lebens“ ziehen würde, so gäbe es sicherlich eine ganze Menge Stationen dazwischen. Wahrscheinlich ginge es nicht einmal, ei-
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ne einzelne Gerade zu zeichnen, weil verschiedenes Erleben parallel läuft. So können Trauer und Hoffnung beisammen sein, Erfolg und Einsamkeit, Überfluss und Mangel, Gemeinschaft und Überforderung, Gefangenschaft und Vision. Wo würdest du dich positionieren auf einer Linie zwischen Dunkel und strahlendem Licht? Mit welchen Worten würdest du beschreiben, was dich gefangen hält und welche Höhen dir fast den Atem rauben? Jesus hat gesagt: „Ich bin gekommen, um ihnen das Leben in ganzer Fülle zu schenken!“ (Joh. 10,10 Neues Leben. Die Bibel) Das ist ein Riesenpaket! Wie viel davon hast du bereits ausgepackt? In diesem Buch erzähle ich davon, wie Jesus sein Versprechen in meinem Leben wahr gemacht hat. Mein Leben ist ein Beispiel dafür, dass Gott aus jedem Chaos und jeder Dunkelheit vielfältiges und farbenfrohes Leben schaffen kann! Wenn er Licht in dein Leben hineinspricht, dann wird sein Schöpfungsgedanke über dir sichtbar. Die noch zarte Pflanze der Bestimmung für dein Leben wird zu einem starken Baum heranwachsen. Unser Herz ist wie ein großes Haus mit vielen Räumen. Je nachdem in welchem Zustand die Zimmer sind, reden wir mit Gästen lieber kurz vor der Haustür, anstatt sie in die Wohnung zu lassen. Vielleicht dürfen sie sogar im Flur warten oder im schön hergerichteten Wohnzimmer eine Tasse Kaffee genießen. Doch was ist mit den restlichen Räumen? Einige sind zu privat, andere verschlossen. Es mag sogar eine Tür geben, die mit einer Gipswand für immer zugemauert wurde. Nie wieder soll jemand dieses Zimmer betreten und erfahren, welche furchtbaren Geheimnisse darin versteckt sind. Stell dir vor, Jesus klingelt an deiner Herzenstür und sagt, dass er gekommen ist um dir Leben in Fülle zu bringen … – wie weit lässt du ihn hereinkommen? Fülle heißt voll! Wie viele Zimmer sollen von seinem Leben gefüllt sein? Wenn du wirklich Sehnsucht danach hast in Fülle und in strahlendem Licht zu leben, dann öffne ihm alle Türen! Auch Gipswände sind kein Problem! Heb doch die Türen gleich aus den Angeln, um sie nie wieder zu schließen. Dann kann sein Licht dein ganzes Haus durchfluten! Ein hell erleuchtetes Haus wird nicht unbemerkt bleiben! Die Klingel wird nicht mehr zur Ruhe kommen. Andere Menschen
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wollen die Quelle des Lichts in deinem Haus kennen lernen. Jeder kann haben, was du hast, ohne dass dein Haus leer wird. Fülle bleibt voll, immer! Und sie werden ihre eigenen Türen aus den Angeln heben und dem Licht Raum geben und ihre ganze Umgebung wird licht sein! In den letzten Jahren hat Gott an viele Zimmertüren in mir geklopft. Was ich in diesem Buch zusammen trage, beschreibt so einiges von meinen dunklen Räumen, die er beleuchtet und aufgeräumt hat. Sicherlich ist es nicht vollständig. Während ich aber hier zusammenfasse, was Gott mir gezeigt hat in den Zeiten wo ich seine Gegenwart suchte, bin ich neu berührt, wie liebevoll und zugleich entschieden Gott meine Freiheit will! Ich habe gelernt, seiner feinen Stimme ganz zu vertrauen. Sein Vaterherz ist unerschöpflich wohlwollend für mich! Der Grundgedanke des Buches kommt aus 1. Johannes 4,18 Neue Genfer Übersetzung: Wo die Liebe regiert, hat die Angst keinen Platz. Gottes vollkommene Liebe vertreibt jede Angst. Im ersten Teil dieses Buches geht es um unser Herz. Wenn unser Herz ein Ort der Liebe wird, hat Angst keinen Platz mehr darin. Als Folge davon geht es im zweiten Teil darum, wie mein Herz erfasst wird von dem Wunsch, dass mein Umfeld und meine Umgebung zu einem Ort der Liebe werden, in welcher Angst keinen Platz mehr hat! Fülle ist immer voll. Und je größer der Behälter, umso mehr hat Platz. Es ist mein Gebet, dass das Fassungsvermögen unserer Herzen ständig erweitert wird! Lass dich mitnehmen auf eine Reise in dein Herz, ins Herz Gottes und in die Herzen deiner Mitmenschen, deiner Region!
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1. Ein Herz wie ein Sieb Kennst du Leute, die ein Hirn wie ein Sieb haben? Gehörst du gar selber zu dieser Gruppe? Ob es nun um dich geht oder um jemand in deinem Umfeld, das kann ganz schön anstrengend sein. Interessant ist, dass dieses Sieb ungleich große Löcher hat. Warum ich das weiß? Nun, ich gehöre eher zur Gruppe der Betroffenen! Termine, Zitate und den Wortschatz von Fremdsprachen kann ich mir sehr gut merken. Die Löcher sind da nur ganz klein. Geht es jedoch um’s Einkaufen, kann ich es sogar mit Hilfe einer Liste kaum schaffen, dass alles zuhause ankommt. Bittet mich jemand um ein Buch, braucht es meist mehrere Erinnerungen, bis das Buch tatsächlich am Ziel ist. Fragt meine Familie! Wenn’s um Material geht, tun sich bei meinem Sieb ganze Krater auf. Die auffälligsten Löcher, wo ständig etwas durchsackt, hab ich schon mal etwas abgekittet. Man nennt dieses Hilfsprogramm auch „Notizzettel“ oder „den Sohn bitten, mir eine Erinnerung aufs Handy zu speichern“. Natürlich ist mir auch die andere Seite nicht ganz fremd, mit Leuten zusammen zu sein, die größere und kleinere Löcher haben. Mir ist es ein Rätsel, wie jemand gute Witze „durchfließen“ lässt, regelmäßig das Abgabedatum für Anmeldeformulare und Zahlungstermine vergisst oder jede Woche meint, der Gottesdienst beginne zehn Minuten später als in den letzten zwanzig Jahren. Auch in diesem Fall neige ich dazu ein Hilfsprogramm zu starten, was in etwa bedeutet: „den anderen nochmal darauf aufmerksam machen“ oder „ungeduldig die Augen verdrehen“. Dies löst jedoch eher einen vorwurfsvollen Blick aus, als die erwartete Dankbarkeit. Vor nicht allzu langer Zeit hat Gott mir das Bild eines durchlöcherten Herzens vor Augen geführt. Wie ein Sieb hat es ausgesehen. Er zeigte mir, wie wir uns immer wieder ausstrecken nach seinem Wort und seiner Berührung, indem wir Gottesdienste und Konferenzen besuchen, Lobpreismusik hören und Bücher lesen. Einige wollen mehr. Sie machen Kurse, suchen neue Wege,
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um ihrem christlichen Er-Leben mehr Schwung zu geben. Gott gibt gern und reichlich vom Lebenswasser, das aus ihm quillt. Er hält nicht zurück. Dennoch erleben wir so wenig von der erfrischenden Fülle, die erneuert. Unsere löchrigen Herzen lassen das lebensspendende Wasser einfach durchrinnen. Kennst du das Phänomen: Du sitzt in einem Gottesdienst, die Lieder berühren dich tief und die Worte des Pastors rinnen wie Balsam über deine Seele. Wie recht er hat! Gut gesprochen! Erbaut und wolkig gehst du nach Hause, hängst den Mantel an den Haken und rufst ins Wohnzimmer, wie wohltuend der Gottesdienst war. Auf die Frage, was denn so erfrischt hat, kannst du kaum antworten. Mit Mühe erinnerst du dich noch an den Grundgedanken oder den Bibelvers. Andere Szene: Der gesalbte Redner von weit her setzt neuen Glauben in dir frei. Er versteht es, die Dinge so zu beleuchten, wie sie gemeint sind – das erkennst du sofort. Ganz anders als es in deiner Gemeinde zu und her geht. Eine neue Sicht wird freigesetzt und du spürst, dass dies die Stunde ist, entschlossen aufzustehen und dein Leben fokussiert anzugehen. Die Konferenzteilnehmer jubeln und vereinen sich in der Vision, das Land in seine Bestimmung zu führen. Das Wir–Gefühl wird unbezwingbar. Siegessicher singen alle gemeinsam, dass niemand uns stoppen kann, wenn Gott auf unserer Seite ist! Was für ein Aufbruch! Brust raus und Schultern nach hinten. Du freust dich regelrecht darauf, Licht an deinem Arbeitsplatz zu sein. Du nimmst wahr, dass deine Arbeitskollegin unter der Trennung von ihrem Freund leidet. Ein Taschentuch und die Bemerkung: „Wird schon wieder!“, muss reichen. Was bleibt dir denn anderes übrig? Als Buddhistin, will sie sicher nichts vom Tröster hören. Der Chef schaut kurz vorbei und schwärmt vom Wochenende auf der Yacht: „Und was haben Sie am Wochenende angestellt, Frau Sekretärin / Herr Buchhalter?“ Nun muss ganz schnell eine Antwort her, die nicht gelogen ist und doch nicht darauf hindeutet, dass man zu den Schwärmern gehört, die in geistlichen Kampfstiefeln die Nation erobern wollen. Irgendetwas Versöhnliches findest du grad noch und – Gott sei Dank! – er stellt keine weiteren Fragen. Huch! Jetzt einen Kaffee! Die Putzfrau hat einmal mehr den Kaffeesatz nicht geleert und das Wasser steht schon seit Freitag-
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abend. Muss denn ausgerechnet diese unfähige Person den Job machen? Nun fehlt nur noch, dass der Junior am Abend das ewig leidige Thema von Ausgangszeiten ausreizt. Tja, und dann bist du fällig! Lobpreismusik? Vielleicht später. Erst mal ins Sofa sinken und schauen, was in der Welt so passiert ist … Nein, ich hab nicht bei anderen Leuten durchs Schlüsselloch geguckt. Ähnliche Szenen kann ich aus erster Hand erzählen. Wie kommt es denn, dass wir trotz reichlich geistlicher Nahrung das nagende Gefühl nicht loswerden, dass sie nicht wirklich satt macht. Aus lauter Frust stopfen wir das Loch nicht mit Vollkornhaferflocken, sondern viel eher mit einem Big Mac – und wenn schon, grad zwei davon! Im Bild mit dem löchrigen Herzen sah ich eine Öffnung, die ganz oben angebracht war. Sie führte in eine Leitung, die bis nach außen reichte. Nur wenn das Herz ganz voll ist, übervoll, kann der Inhalt des Herzens nach draußen fließen. Unser Alltag ist vollgepackt mit Informationen, Herausforderungen, Angeboten, Anklagen, Möglichkeiten, Geschwätz und Bildern. Alles drängt sich an dich heran. Augen und Ohren öffnen sich für das eine oder das andere. Es braucht viel Weisheit und Wille, zu wählen, welche Luken ich offen halte und welche ich gelegentlich oder gar nie öffne. Die Leere unseres Herzens ist wie ein Vakuum, das diese aufdringliche Fülle ansaugt. Ausgerechnet die negativen, klebrigen Inhalte fließen nicht einfach weg durch die Löcher im Herzen. Sie scheinen die Fähigkeit zu haben, sich schnell aufzubauschen und können somit kaum durchsickern. Die Bibel sagt uns, dass aus unserem Mund fließt, was unser Herz füllt. Hast du dir schon mal zugehört? Das würde dir möglicherweise Aufschluss geben über eine undichte Luke, die langsam aber sicher Gift in dein Leben tropfen lässt. Die Bibel gibt uns einen Hinweis, welche Luken wir öffnen sollen: Übrigens, Brüder, alles, was wahr, alles, was ehrbar, alles, was gerecht, alles, was rein, alles, was liebenswert, alles was wohllautend ist, wenn es irgendeine Tugend (Tüchtigkeit, Vollkommenheit) und wenn es irgendein Lob gibt, das erwägt! Phil. 4,8 Wenn deine Gespräche immer wieder voll sind mit Sorge, Anklage, Mangel, Zweifel, Unzufriedenheit, Minderwertigkeit und Angst, dann liegt dies nicht an den besonders schwierigen Um-
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ständen, sondern du hältst Luken offen, die diesen zerstörerischen Müll anspülen. Gar nicht daran zu denken, dass du dieses trübe Gebräu deinem Gegenüber anbietest! Ups! Gehen wir zurück zur Anfangsgeschichte. In unserem ehrlichen Suchen nach Gottes Reden und seiner Berührung sind unsere Luken weit offen für frisches Wasser, sodass es klar und sprudelnd hinein fließen kann. Wenn aber der Pegel schnell sinkt und durch allerlei verschieden große Löcher durchsickert, wird das Herz selten ausreichend voll, um den eigenen Durst zu stillen, oder gar um anderen einzuschenken. Vielmehr sammelt sich das frische Wasser in unserem Bauch. Mit der Zeit zeigt sich deutlich ein „geistlicher Wasserbauch“. Anders als der Bierbauch kann ein geistlicher Wasserbauch ganz schön Eindruck machen. Kommt jemand auf uns zu und braucht dringend ein Wort der Ermutigung, reicht es zwar nicht, um aus dem Überfluss des Herzens auszuschenken – zumindest nicht von der Sorte Drink, nach dem sich der andere sehnt – aber man hat schließlich ein großes Reservoir. Mit etwas Geschick findet man schnell die passenden Worte. Idealerweise gehört gleich die exakte Bibelstelle dazu. Ganz perfekt ist es, wenn man erklären kann, welche Übersetzung diesen Vers am Genausten ausformuliert. Nur leider riecht dieses Wasser schon etwas abgestanden oder leicht bitter; vermengt mit eigenen Enttäuschungen und verdünnt mit Zweifeln, weil man die Wirkung dieses Wortes nie selber erfahren hat. Allzu oft enden Zusammenkünfte, die gedacht sind, einander zu stärken, im Bauchmessen. Herzfehler Woher kommen denn all die Löcher, die es uns unmöglich machen, aus der Fülle zu leben? Sie entstehen im Verlauf des Lebens. Bei den meisten Menschen zeigen sich schon früh die ersten Herzfehler, weil sie Verhaltensweisen und Ängste ihrer engsten Umgebung sozusagen mit der Muttermilch aufnehmen. Aussagen wie: „Wir werden’s nie zu etwas bringen.“, „Wir sind eben anders und passen nicht in die Gemeinschaft.“, „Papa hat keine Zeit für dich, er muss etwas Wichtigeres tun.“, „Niemand darf wissen was in unseren vier Wänden geschieht.“, „Vor allem wol-
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len wir uns nicht blamieren.“, „Mama hat schon genug um die Ohren, musst sie nicht mit deinen Wehwehchen belasten.“, „Bildung ist alles.“, „Trau keinem Fremden.“, „Mama und Papa streiten, weil du nicht brav bist.“, „Du musst mehr erreichen als deine Eltern.“, „Strafe muss sein.“, „Schau selber, dass du nicht zu kurz kommst.“, „Wenn du brav bist hat Papa dich lieb.“, „Glaub ja nicht, dass du etwas Besonderes bist.“, sind so bestimmend, dass man sie später kaum als Lebenslügen entlarven kann. Das Kind orientiert sich an den Vorstellungen und Erfahrungen der Eltern und bildet damit die eigenen Grundwerte und Leitplanken für’s Leben. Es kann dabei leider nicht unterscheiden zwischen realen Gefahren, wie einem drohenden Verlust, und den Ängsten der Eltern. Ist dir der eine oder andere Ausspruch vertraut oder verwendest du ihn auch in deiner Familie? Vielleicht fragst du dich, ob wirklich alles Lebenslügen sind. Die meisten klingen doch recht vernünftig. Das könnte bedeuten, dass du ein paar Löcher mitbekommen hast, ohne es zu bemerken. Eltern wollen das Beste für ihre Kinder. Das trifft oft sogar zu, wenn ein Elternteil zuschlägt. In dem Fall haben sie nicht gelernt, mit ihren Ohnmachtsgefühlen umzugehen und werden überwältigt von den eigenen Ängsten. Unsere Eltern haben selber im Laufe ihres Lebens so einiges an Verletzungen mitbekommen. Je mehr Schwieriges zusammen kommt, desto verzerrter oder dysfunktionaler wird der Alltag mit den eigenen Kindern. Wer bestimmt denn, ob’s eine Lebenslüge ist oder welche Grundsätze sich bewähren um Recht und Ordnung zu schaffen? Wir müssen uns am Vater aller Vaterschaft orientieren, um das rechte Bild zu bekommen. Vergleichen wir doch einige der obigen Aussagen mit den Worten unseres himmlischen Vaters: „Wir werden’s nie zu etwas bringen.“ Wir alle aber stehen mit unverhülltem Gesicht vor Gott und spiegeln seine Herrlichkeit wider. Der Herr verändert uns durch seinen Geist, damit wir ihm immer ähnlicher werden und immer mehr Anteil an seiner Herrlichkeit bekommen. 2. Kor. 3,18 Hoffnung für alle
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„Papa hat keine Zeit für dich, er muss etwas Wichtigeres machen.“ Seid gewiss, ich bin bei euch alle Tage, bis zum Ende der Welt. Mt. 28,20 Gute Nachricht Bibel Weil er an mir hängt, will ich ihn retten. Ich will ihn schützen, weil er meinen Namen kennt. Er ruft mich an, und ich antworte ihm. Ich bin bei ihm in der Not. Ich befreie ihn und bringe ihn zu Ehren. Ich sättige ihn mit langem Leben und lasse ihn mein Heil schauen. Ps. 91,14-16 „Schau selber, dass du nicht zu kurz kommst.“ Seid um nichts besorgt, sondern in allem sollen durch Gebet und Flehen mit Danksagung eure Anliegen vor Gott kundwerden! Phil. 4,6 Alle eure Sorge werfet auf ihn; denn er sorgt für euch! 1. Petr. 5,7 Schlachter 2000 „Wir sind eben anders und passen nicht in die Gemeinschaft.“ Wenn der Fuß behaupten würde: „Weil ich nicht Hand bin, gehöre ich nicht zum Körper!“, würde er trotzdem nicht aufhören, ein Teil des Körpers zu sein. Und wenn das Ohr behaupten würde: „Weil ich nicht Auge bin, gehöre ich nicht zum Körper!“, würde es trotzdem nicht aufhören, ein Teil des Körpers zu sein. 1. Kor. 12,15+16 Neue Genfer Übersetzung „Glaub ja nicht, dass du etwas Besonderes bist.“ Ich preise dich darüber, dass ich auf eine erstaunliche, ausgezeichnete Weise gemacht bin. Wunderbar sind deine Werke, und meine Seele erkennt es sehr wohl. Ps. 139,14 „Wenn du brav bist hat Papa dich lieb.“ Gott aber erweist Seine Liebe zu uns darin, dass Christus, als wir noch Sünder waren, für uns gestorben ist. Röm. 5,8 Die Liebe bedeckt eine Menge von Sünden. 1. Petr. 4,8 Kannst du diese großartigen Zusagen feiern, oder versickern sie in deinen Herzenslöchern? Die Bibel beschreibt Gottes bedingungslose Liebe unzählige Male. Ist diese Wahrheit für dich so
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real, dass sie dein Herz erfüllt, oder bleibt es beim Wissen? Vielleicht erkennst du gerade in den Bibelaussagen, welche du zwar glaubst, die du aber nicht erlebst, wo deine Lebenslügen versteckt sind. Es ist die Aufgabe des Vaters, dich zu versorgen, dir Schutz und Identität zu geben. Das ist der Ideal-Vater nach Gottes Vorbild. Die Mutter nach Gottes Plan gibt dir Trost, ernährt und lehrt dich. Da kaum ein Mensch so gesund ist, dass er jederzeit ideal handeln kann, ist es anzunehmen, dass du Verletzungen aus dem Erleben mit deinem Vater oder deiner Mutter erlitten hast. Autoritätspersonen wie Lehrer, Pastoren, Leiter und Geschwister oder Freunde können ebenfalls, schon durch kleine Bemerkungen, verunsichern. Diese Erfahrungen reißen große Löcher in das kleine Kinderherz. Gewisse Umstände erschüttern das Grundvertrauen auch wenn niemand daran Schuld trägt. Muss zum Beispiel eine Mutter ins Krankenhaus und überlässt das Kleinkind der Obhut einer Freundin oder Großmutter, kann dies bei einem Kind Verlassenheitsgefühle auslösen. Daraus entstehen Festlegungen wie: „Wenn’s drauf ankommt, ist doch niemand da für mich!“, oder: „Es ist nie jemand da, der mich wirklich versteht.“ Ist ein Vater eher distanziert, freut sich aber mächtig über eine gute Schulnote, kann das Kind den Schluss ziehen: „Wenn ich genug leiste, bekomme ich Anerkennung und Zuwendung.“ Bleibt dann auch die Zuwendung aus, schleicht sich womöglich die Überzeugung ein, ungenügend zu sein oder keinen Anspruch auf Zuwendung zu haben. Gott ist nicht interessiert am Umfang von Wasserbäuchen. Er sieht das Herz an. Halte ihm einfach dein Herz hin! Seine Namen und seine Wesenszüge geben dir die Sicherheit, dass es bei ihm in besten Händen liegt: Heiler, Erlöser, Friedefürst, Ewig Vater, Barmherziger, Tröster, Licht, der mich heiligt, Gerechtigkeit, Liebe, Zuflucht. Jesus sagt: „Ich bin gekommen, damit sie Leben haben und es im Überfluss haben!“ Joh. 10,10 Es ist so viel Hoffnung in Griffnähe! Im nächsten Kapitel geht es um die Verletzungen, die dir entlang des Lebensweges zugefügt wurden. Aber: Lass dich nicht entmutigen! Es geht nicht darum, in der Vergangenheit zu bohren; halte ganz einfach dem Heiler
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deine Löcher hin. Er wird sich liebevoll darum kümmern. Nur so kannst du das volle Maß seiner Verheißung für dein Leben abholen!