Klaus Fischer
Sie nannten ihn Klaus
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Klaus Fischer
Sie nannten ihn … und andere Gemeinheiten
* Gedichte und Geschichten von A wie „Aale guten Gaben“ bis Z wie „Zzzzzzt, Kinder – seid doch mal leise!“
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Copyright © 2002 by Asaph Verlag, D-Lüdenscheid 1. Auflage 2002 Umschlaggestaltung und Illustrationen: Karl Gerd Striepecke, D-Varenholz Satz: Verlagsagentur H. Otto, D-Monheim Druck: Breklumer Druckerei M. Siegel, D-Breklum Printed in Germany ISBN 3-931025-97-7 Bestellnummer 147597 Für kostenlose Informationen über unser umfangreiches Lieferprogramm an christlicher Literatur, Musik und vielem mehr wenden Sie sich bitte an: ASAPH, D-58478 Lüdenscheid eMail: asaph@asaph.net – Internet: www.asaph.net
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igentlich hatte ich nur einige Gedichte und Geschichten geschrieben, um ein paar witzige Sachen für meine Homepage „www.lowpricelighter.de“ zu verzapfen. Dann stellte ich jedoch fest, dass Tausende von Homepagebesuchern von diesen Gedichten restlos begeistert waren. Na ja, vielleicht waren es auch nicht ganz so viele, sondern nur Hunderte … oder ein paar Dutzend … oder zwei oder drei. Und vielleicht waren sie auch gar nicht restlos begeistert, sondern nur ein bisschen … Jedenfalls habe ich mir dann überlegt, dass ich eigentlich mal ein Buch mit solchen Sachen machen könnte. Deshalb schrieb ich gaaaanz viele Gedichte und Geschichten über Chöre, Kassierer, Flötengruppen, Lobpreisleiter oder Leute, die Hubert heißen. Und auch was über diese komischen Dinger, die immer so rumzappeln und schwarz sind und bei denen man sich ständig fragt, ob sie noch alle Nadeln an der Tanne haben, diese … wie hießen die noch gleich? Ach ja! Pantomimen.
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Sie nannten ihn Klaus … (Eine Autobiografie)
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eine Eltern nannten mich „Klaus“, obwohl ich ihnen damals noch gar nichts getan hatte! Mir persönlich wäre ein biblischer Name wie „Herodes“ oder „Tarzan“ eigentlich lieber gewesen. Aber leider wurde ich damals nicht gefragt. Allerdings habe ich mich mittlerweile fast an diesen Namen gewöhnt, auch wenn in jedem zweiten Fernsehkrimi entweder der psychopathische Mörder, der psychopathische Sohn des Ermordeten oder der psychopathische Kommissar „Klaus“ heißt. Immerhin hatte mein Teddy einen besseren Namen. Der hieß nämlich „Jochen“ und war ein echt toller Kumpel, weil er mir nie widersprochen hat. Papa und Mama waren echt glücklich, dass sie ausgerechnet mich als Sohn bekommen haben. Ich war nämlich nicht nur ihr erstes, sondern – wie sich im Nachhinein herausstellte – auch ihr bestes, schönstes und intelligentestes Kind, während meine später geborenen Geschwister dann … ach, das schreibe ich lieber nicht, sonst verkloppen sie mich wieder. Wir waren sehr arm, und weil wir uns keine vernünftige Kirche leisten konnten, gingen wir zu den Baptisten. Dort lernten wir im Kindergottesdienst jede Menge tolle Sachen. Allerdings habe ich bis heute nicht so ganz verstanden, wieso David als toller Held gefeiert wurde, nachdem er Goliath mit einem Stein erledigt hatte, während ich jede Menge Ärger mit Onkel Horst bekam, nur weil ich beim Fußball einem „Feind“ aus der gegnerischen Mannschaft den Ball gezielt an die Birne geschossen habe. 7
Aufgrund meines guten Aussehens und meiner Intelligenz (… hatte ich schon erwähnt …?) musste ich immer die Hauptrollen bei den weihnachtlichen Krippenspielen übernehmen. Nicht gerade angenehm, wenn man als Josef mit einer „schwangeren“ Zehnjährigen durch die Gemeinde marschiert und nach einer Herberge suchen muss. In der Schule lief es auch ganz gut. Meine erste Grundschule wurde zwar nach einem Jahr geschlossen, aber das hatte wohl nichts mit mir zu tun. Heute muss ich sagen, dass offenbar nicht alle Lehrer meine zahlreichen außergewöhnlichen Fähigkeiten erkannten. Insbesondere meine Französisch-Lehrerin quälte mich vier lange Jahre mit einer Sprache, die sich anhört, als hätte man permanent Schnupfen. Aber wie heißt es so schön: Je ne baguette rien! Als Teenager hatte ich Akne und dachte deshalb, die Mädels mögen mich wegen meiner Pickel nicht. Heute weiß ich, dass sie mich auch noch aus ganz anderen Gründen nicht mögen. Aber schon damals lernte ich eine der Grundweisheiten des Lebens: „Leute mit Pickeln können sich besser ausdrücken.“ Meine erste große Liebe (nach einigen kurzen „Affären“ in der Grundschule) war eine Querflötenspielerin aus einer Nachbargemeinde. Sie spielte klassische Musik und war ziemlich begabt. Aber sie wollte von mir nichts wissen. Ich hasse klassische Musik. Etwas später war ich dann mit der Tochter unseres damaligen Pastors befreundet. Sie gab mir aber nach kurzer Zeit den Laufpass und ist jetzt mit einem Missionar verheiratet. In Indonesien! Das hat sie nun davon! Als ich fünfzehn Jahre alt war, starb meine Mutter. (Ich habe lange überlegt, ob ich das in dieser ansonsten eher witzig gemeinten „Biographie“ erwähnen soll, aber dieses für mich sehr einschneidende Ereignis gehört eindeutig zu meinem Leben dazu.) Bis heute habe ich nicht so ganz verstanden, warum Gott das zugelassen hat, und die meisten 8
Erklärungsversuche von anderen Leuten waren mir zu billig. Aber ich habe in dieser Zeit auch erfahren dürfen, dass einige Christen sich sehr intensiv um uns gekümmert haben und dass ihre Hilfe weit über „Herzliches Beileid!“ hinausging. Und ich habe gelernt, dass Gott gnädig ist, denn er hat in dieser schweren Zeit für den „Rest“ der Familie gesorgt. Etwa ein Jahr später schöpften mein Bruder und ich Verdacht, als unser Vater auffallend oft zur Gemeinde ging, sich vorher auffallend lange die Zähne putzte und auffallend viel Rasierwasser nahm. Irgendwie muss dieses Zeug seine Wirkung nicht verfehlt haben, denn kurze Zeit später heiratete er erneut. Und wir hatten nicht nur eine neue Mutter, sondern auch noch gleich eine Schwester – und einige Zeit später sogar noch einen Bruder. Auch in dieser Situation habe ich wieder die Gnade Gottes erlebt, denn er hat aus zwei Familien eine gemacht. Im zarten Alter von 16 Jahren entdeckte ich meine musische Ader. Mit meiner Gitarre konnte ich plötzlich meine Gefühle ausdrücken – zumindest, wenn ich damit auf meinen Bruder Dirk eindrosch. Leider war er schon damals stärker als ich. Eigentlich wollte ich gerne Rockstar werden. Aber diese Ignoranten bei „Status Quo“ wollten einfach nicht einsehen, dass sie unbedingt noch einen dritten Gitarristen brauchten. Meine christlichen Vorbilder im musikalischen Bereich waren damals „Arno & Andreas“. Ich wollte gerne so gut Gitarre spielen können, so gut singen und so gut aussehen wie Andreas Malessa. Leider habe ich es in allen drei Kategorien nur so weit gebracht wie Arno Backhaus. Hatte ich eigentlich schon erwähnt, dass ich nicht nur schon immer sehr hübsch, sondern auch ausgesprochen intelligent war? Insofern verwundert es sicher nicht, dass ich mein Abitur auf dem Gümnasium ohne Probleme schaffte. Nach der Schule ging ich zur Bundeswehr und habe da zusammen mit meinem Oberleutnant unser Vaterland be9
schützt. Kurz nachdem ich dort meinen Wehrdienst geleistet habe, brach dann auch das sowjetische Weltreich zusammen. Und ich hatte in der Kaserne gelernt, wie man den ganzen Tag irgendwo rumsitzen kann, ohne sich zu bewegen. Das war für meine spätere Berufswahl wichtig, denn seit 1984 arbeite ich im Finanzamt. Ich möchte aber an dieser Stelle mal allen Vorurteilen gegen Beamte entgegentreten. Viele Leute behaupten nämlich, wir Beamten würden den ganzen Tag nur rumsitzen und Kaffee trinken. Das stimmt aber nicht – nicht wenige trinken auch Tee! Apropos Tee! Ich wechselte dann von den Baptisten in die „Christliche Teestube Icthus“. Ich war zwar dort wohl der einzige, der vor seiner Bekehrung keine Drogen genommen hatte, aber die anderen hatten mich trotzdem lieb. Einige Jahre später nannten wir uns „Jesusgemeinde“ und wurden das, was man in christlichen Kreisen „charismatisch“ nennt. Wir hatten eine echt gute und ziemlich verrückte Zeit. Ich durfte den Lobpreis leiten und sammelte auf diesem Weg nicht nur wichtige Erfahrungen mit Gott, sondern auch reichlich Stoff für meine „LowPriceLighter“Bücher. Im Jahr 1985 lernte ich Kerstin kennen. Genau genommen kannten wir uns eigentlich schon vorher, da wir zusammen in der Jungschar und in der Jugendgruppe waren. Aber da hatte ich immer nur Augen und Ohren für die jeweilige Bibelarbeit (ähäm!). Unsere leidenschaftliche Beziehung schreckte nicht einmal davor zurück, in einer Ehe zu gipfeln. Kerstin hat mit ihrem hervorragenden Humor jede Menge Ideen zu meinen Büchern beigetragen. Aber dafür teile ich ja auch mit ihr den Luxus, der mich aufgrund der mindestens dreistelligen Einnahmen aus den Autorenhonoraren umgibt. Nachdem wir verheiratet waren, machte Gott uns die drei schönsten Geschenke, die ein Mann und eine Frau bekommen können: unsere beiden Autos und den Computer. 10
Nein, war nur Spaß. In Wirklichkeit sind natürlich unsere Kinder gemeint. Die drei sind nicht nur die besten Kinder der Welt, sondern sie machen uns auch unheimlich stolz. Wir haben sie zur Belohnung auch nicht „Klaus“ genannt, sondern ihnen ganz tolle Namen gegeben: Jan Simon, Marianna und Jonathan. Vor einigen Jahren erfüllten wir uns dann einen Traum. Wir kauften eine wunderschöne Villa in einer idyllischen Landschaft. Na ja, eigentlich ist es keine Villa, sondern nur eine ziemlich alte Doppelhaushälfte. Und außerdem ist die Landschaft auch nicht so idyllisch, sondern es handelt sich eher um ein ziemlich langweiliges Kuhdorf. Aber dafür wohnen wir praktisch gleich neben der Autobahn. (Nein, keine bleibenden Schäden …) Mit den Jahren nahm ich nicht nur an Weisheit, sondern auch an Gewicht zu und entschied mich deshalb und aufgrund eines dezenten Hinweises meiner Frau zum gelegentlichen Joggen. Kerstin hatte damals gesagt: „Du wirst zu fett!“ Und sie hatte Recht. (Was ich ihr gegenüber natürlich nicht zugegeben habe.) Daraus entwickelte sich dann jenes merkwürdige Hobby namens „Marathon“, das mich seit einigen Jahren zwei- oder dreimal jährlich in wechselnden Städten jeweils 42,195 Kilometer laufen lässt. Leider sind diese „Marathonne“ fast alle am Sonntag, und deshalb muss ich ab und zu den Gottesdienst in meiner Gemeinde schwänzen. Mittlerweile bin ich nämlich wieder in einer Baptistengemeinde und mein Pastor, also derjenige, der bei uns jeden Sonntag aus diesem dicken, schwarzen Buch vorliest, erklärt uns immer, was wir tun und lassen sollen. Da habe ich zum Beispiel gelernt, dass wir Christen uns untereinander ganz doll lieb haben sollen und uns gegenseitig helfen und nicht schlecht übereinander reden. Aber davon, dass man keine Bücher mit fiesen Gedichten und Geschichten schreiben darf, hat er nichts gesagt … 11
Unser Kassierer Unser Kassierer, der entdeckte ’nen schwarzen Knopf in der Kollekte. Er wusste nicht: Wie soll ich buchen? Drum fing er an, schnell nachzusuchen, wer ihm den üblen Streich wohl spielte von den Geschwistern, und er schielte auf jeden Anzug, doch die Brüder erkannten diesen Knopf nicht wieder. Dann schaut er an die eigne Jacke und ruft voll Ärger: So ’ne Freude!
(Mit diesem Gedicht grüße ich alle Gemeindekassierer, die Sonntag für Sonntag schweißgebadet die Predigt verfolgen und darauf hoffen, dass der Pastor nicht wieder „Amen!“ sagt, ohne das Opfer einzusammeln. Sie, die dann während des Segensgebets den Kollektenkorb mit wilden Bewegungen über ihrem Kopf schwenken, um den Prediger auf dieses Versäumnis hinzuweisen, verdienen unseren besonderen Dank. Jawohl, unseren Dank! Denn wer haut sich schließlich immer den halben Sonntag um die Ohren, um den Eimer voller Kleingeld zu zählen, das wir beim Einkaufen nicht losgeworden sind. Äh, ich meine, ich tue natürlich immer nur Scheine in den Korb. Und mein Kassierer hat immer Tränen der Rührung in den Augen, wenn er mich sieht. Aber schließlich sind ja nicht alle so. Und deswegen, liebe Kassierer, verspreche ich euch: Am Ende dieses Buches lassen wir den Korb rumgehen.)
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Ein Missionar
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in Missionar aus Tralien, der wäre so gern in Donesien bei Ruth. Aber Deen, der Leiter der Missionsgesellschaft, sagte: „We have no other place for you but Gandersheim!“ „No chance“, sagte der Missionar. „Or we could send you to Nesien.“ Aber das gefiel dem Missionar auch nicht. Er wandte sich deshalb an Dorra, seine Chefin, um wenigstens Urlaub zu bekommen. Sie sagte: „Dieses Land ist an Heiden reich. Wer soll sie bekehren, wenn Sie nicht da sind?“ „Kann Berra mich hier nicht vertreten?“, fragte der Missionar. „Nee, Pal!“, sagte Dorra. „Der hat ein Schulprojekt in Ternat. Und das kana da nicht alleine lassen.“ Da regte sich der Missionar auf und schimpfte: „Mann, Oman, was soll denn jetzt verdun?“ Dorra versuchte ihn zu beruhigen: „Nun seien Sie doch mal laisia. Vielleicht is Rahel ja bayreuth, Sie zu vertreten.“ „Das wird ja immer albaner hier!“, rief der Missionar ärgerlich. „Ich glaub, ich chile.“ „Wieso?“, fragte Dorra. „Hat Philipp Ihnen nicht erzählt, dass Rahel gegen alles Mögliche algerisch ist. Die bagd datt doch nie. Da bleib ich dann schon libyer selber hier.“ „Jetzt sind Sie eindeutig kuwait gegangen,“ sagte die Chefin ärgerlich. „Wenn Sie glauben, Sie können hier so über Kollegen reden, dann iren Sie sich gewaltig.“ Sie sagte ihm dann noch, dass sein Verhalten Konferenzen haben würde und dass er damit rechnen müsse, sich demnächst am 13
Mazonas wiederzufinden. Da ging der Missionar traurig fort und schloss sich in seinem Zimmer ein. Als er eine Weile geweint hatte, da hörte er plötzlich ein Klopfen. „Wer esten da?“, fragte er. „Hier ist Nick“, sagte eine Stimme. „Etwa Nick Aragua?“, fragte der Missionar. „Ja, genau.“ „Mensch, komm rhein inn main Zimmer!“ Die beiden freuten sich so sehr über ihr Wiedersehen, dass sie erstmal Sambia tanzten. Dann fragte der Missionar: „Wie kommst duden hier her?“ „Du kennst mich doch. Ich bin mal hier, malta“, sagte Nick. „Und wie geht es dir?“ „Ach“, seufzte der Missionar. „Meine Chefin izmir böse.“ Dann erzählte er, was passiert war. „Das ist Tschad!“, sagte Nick. „Aber vielleicht kannst du sie ja noch überreden.“ „Ich glaube nicht, dass sie das noch mal koreagiert.“ „Aber du solltest es versuchen. Du kannst dich doch nicht nur im Bett vergriechen.“ Die beiden überlegten, was zu tunis. Dann hatte Nick die Idee: „Wir zeigen’s dänen! Ich nehme dich mit und ihr heiratet bei Ruth in Donesien. Dann müssen sie dich in Irland versetzen.“ „Äh …, gypten das dann keinen Ärger?“ „Nee, Pal“, sagte Nick. „Genua mit und du wirst sehn.“ Die beiden verabredeten sich am Ster-Damm, davos Schiffe gab. Sie stachen in See und segelten drei Tage und drei Nächte. Dann ging das Trinkwasser zur Neige und der Missionar verlor die Nerven: „Da warst doch dubai!“, schrie er Nick an. Aber der blieb ruhig: „Ich tu das äußerst ungarn, aber ich muss dich hier vom Heck des Schiffes wegschicken, damit du nicht völlig durchdrehst. Du hast Bug-Arrest.“ Zwei Tage später kamen sie endlich in Donesien an. „Ich ankara hier“, sagte Nick. 14
Der Missionar lief sofort zu Ruth, heiratete sie und ließ seine Steuerkarte in Klasse III ändern. Nick aber zog es wieder hinaus in die weite Welt: „Ich habe noch nie Geria gesehen. Deshalb muss ich fort, Fiesta!“ Und während er in den Sonnenuntergang segelte, riefen die beiden ihm hinterher: „Danke, Nick. Frieda sei mit dir. Slalom!“
Bruder Müller Die Trauerfeier ist ein Knüller denn heut’ spielt nicht der Bruder Müller, der sonst die Orgeltasten quälte und dabei manchen Ton verfehlte. Heut spielt sehr schön sein Schüler Werner und alle hörten ihn viel gerner, nur Schwester Müller, die vermisste den Mann, er lag ja in der Kiste. (Zugegeben: Das Gedicht ist etwas makaber. Aber manche Geschichten aus der Bibel sind noch viel makkabäer …)
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Der Chor Der Chor steht auf! Jetzt kommt ein Lied. Ein jeder ahnt schon, was geschieht. Vorn steht der Chef, der Dirigent, der Einzige, der Noten kennt. Er gibt den Ton zum Singen vor für Männer, Frauen (… und Tenor). Die Noten hat der Notenwart bis kurz vorm Start im Schrank verwahrt. Er hegt und pflegt ein jedes Blatt, das er in seiner Obhut hat. Weshalb er äußerst wachsam schaut, dass keiner eine Note klaut. Der Chor besteht, ganz allgemein, aus Menschen! Sie soll’n Sänger sein, damit das Lied, das man dann hört nicht allzusehr die Ohren stört. Vier Stimmen singen meist im Chor. Ich stell sie nacheinander vor. Soprane singen hoch und schrill, sie schreien laut, sind selten still und sind – von Atemnot bedroht, beim hohen Fis schon dunkelrot. Und manche fragt die ganze Zeit: „Passt dieser Ton zu meinem Kleid?“
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Dann kommt der Alt, das sind die Fraun, die nicht mehr ganz so frisch ausschaun. Sie singen tiefer mit dem Duft von „Oil of Olaz“ in der Luft. Und geht’s mal hoch von a nach cis verliert so manche ihr Gebiss. Tenöre singen meistens schief und sind noch nichtmal attraktiv. Durchzuckt ein Schmerz das arme Ohr, dann war’s wahrscheinlich der Tenor, der leider öfter dazu neigt, dass er das hohe C vergeigt. Für tiefe Töne nimmt man gern betagte, korpulente Herrn. Sie sind, so ist’s im Bass meist Brauch, mit einem „stolzgeschwellten“ Bauch und viel Getöse und Gebrumm beim Singen leider auch nicht stumm. So hängt sich jeder mächtig rein und will als Erster fertig sein. Der Dirigent ist meist schon froh, wenn keiner von den Hörern floh. Der Pastor seufzt: „Herr, neig’ dein Ohr. Erlöse uns von diesem Chor.“ Dieses Gedicht widme ich meinem Vater Lothar Fischer, der seit nunmehr fast zweihundert Jahren im Chor der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Rinteln den Bass singt.
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Der Chor 2 Ein Bass verprügelt ’nen Tenor, denn dieser haute ihn aufs Ohr. Doch der Tenor den Kürzren zog und prompt von der Empore flog. So wurden beide zwar getrennt, doch fehlte jetzt der Dirigent.
Der Chor 3 Der Dirigent verzweifelt winkt, weil der Sopran sich grade schminkt. Im Alt wird lebhaft diskutiert, wieso man an den Füßen friert. Beim Bass passt auch kein Sänger auf, man redet über Autokauf. Und der Tenor ist eingepennt, und deshalb flennt der Dirigent.
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Der Ordner
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enn die andern mal wüssten, watt ich alles für unsere Gemeinde mache, dann würden se sich gegenüber mir anders benehmen. Aber ganz anders! Nich, datt ich all die Sachen nur deswegen tu, weil ich von die andern anerkannt werden will. Nee. So watt hab ich nich nötich. Ich nich! Aber wer is denn ständig am aufpassen, datt sich alle am Sonntagmorgen gefälligst die Quanten abtreten, wenn se inne Gemeinde kommen? Wie datt aussehen würde, wenn die da alle so einfach am reinlatschen wären, datt kannste dir aber mal vorstellen. Sicher, manche kucken blöd, wenn ich sach: „Ey, aber flott zurück und dann auffa Matte die Schuhe sauber gemacht!“ – vor allem die Fremden. Aber so geht datt ja nun wirklich nich. Und dann die ständigen Zuspätkommer. Aber denen hab ichs letzten Sonntag gezeigt! Punkt zehn Uhr hab ich die Tür zugeschlossen und dann standen se alle draußen. Datt war vielleicht am regnen, kann ich dir sagen. Aber da haben die dann auch mal gemerkt, datt wir auch anders können. Besonders Lettichs, die kommen ja jeden Sonntag um viertel nach. Und dann trampeln se mit ihre vier Kinder gleich nach vorne inne zweite Reihe und sind dabei dann noch die ganze Zeit am quatschen. Andere stehen doch auch früher auf, obwohl se Kinder haben. Nee, ehrlich. Und überhaupt: Diese frommen Blagen sind heute ja auch nicht mehr datt, watt se mal waren. Wir hätten doch gleich watt anne Löffels gekricht, wennwa auch nur einen Mucks gemacht hätten. Nee, so wie heute mit Krabbelstube für Eltern und Kinder, wo die dann alle die ganze Zeit am spielen und am Kekse essen sind, so was gab es damals noch 19
nicht. Und wer macht die ganzen plattgelatschten Löffelbiskwitts dann hinterher wieder weg? Ich. Aber datt hat sich bald ausgelöffelt, datt können die aber glauben. Als wennse nich zuhause watt essen können. Fehlt nur noch, datt se da denn auch noch ne Biertheke hinstellen. Obwohl: So’n kleinet Pilsken bei de Predigt, datt wär ja vielleicht auch nich so verkehrt. Jedenfalls bin ich in unserer Gemeinde der Chef vom Ordnerdienst. Und wenn mal ’n Fremder reinkommen tut, der irgendwie merkwürdig kuckt oder so, dann nehm’ ich den in’n Arm und klopf ihn dabei unauffällig nach Waffen ab. So geht datt! Und von wegen, immer bei de Predigt auff’m Klo gehen und so. Datt gibt’s bei mir auch nich’. Datt sind doch auch immer dieselben. Neulich hab ich noch zu Lisbeth Pönsgen gesagt: „Hömma Lisbeth. Musse dir unbedingt jeden Sonntagmorgen beim Frühstück schon ’ne Kanne Kaffee reinschütten, datte dann hinterher ständig am rennen bist?“ „Ich will mich nur mal frisch machen“, hattse da gesagt. Frisch machen! Meine Güte. Ich mach jede Woche vierzig Stunden Schicht inne Firma und ich mach mich auch nur am Freitag frisch. Datt die Weiber datt auch immer übertreiben müssen. Aber datt hab ich auch schon inne letzte Gemeindestunde gesagt, datt wa auf’m Klo Eintritt nehmen müssen. Dann gehnse nämlich alle erstma zuhause und nicht bei de Predigt. Und neulich. Da hatten wa den Superintendent vonne evangelische Kirche bei uns inne Gemeinde. Pastor Woppelberg hat noch vorher gesagt, datt so was für uns ’ne ganz große Ehre is und so, weil ja die Evangelischen sons immer sagen, wir sind ’ne Sekte. Aber als der da am predigen war von Zacholaus oder Zebäus oder wie diesen Zöllner da heißt, da springt der plötzlich vorne auffn Stuhl und tut so, als wenn dieser Zöllner da auffn Baum am klettern is. „Aber 20
runter da vom Stuhl. Aber ganz plötzlich!“, hab ich dann gerufen. „Bei uns geht keiner mit Straßenschuhe auffe Polster.“ Der hat vielleicht komisch geguckt. Und unsern Pastor Woppelberg auch. Da hatten die wohl nich mit gerechnet, datt ich auch auf Pastoren aufpassen tue und nich nur auf normale Menschen. So, un’ gezz muss ich auffe Schicht …
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Bei jeder Tauf’ kommt Freude auf Der Peter Weiß hat sich bekehrt im Bibelkreis von Ruth und Gerd. Man nahm den Mann zur Kirche mit, dort sprach er dann mit Bruder Schmidt, Der ist Baptist und hat erzählt: „Die Taufe ist, was dir noch fehlt.“ Der Peter sagt: Was hindert’s mich …“ Doch Schmidt beklagt: „Hier geht es nich’, denn das würd’ bös: Das Becken stinkt und ist porös, was Flecken bringt.“ Doch Peter sprach: „Ich will das jetzt!“ Man dachte nach und fand zuletzt die Lösung raus: „Wir taufen zwar, doch außer Haus im Januar! Der Fluss ist zwar nicht grade heiß in diesem Jahr, doch frei von Eis.“ Der Peter freut sich wie ein Kind, doch dann bereut er das geschwind. Erst denkt er noch an Tauf-Genuss, dann schreckt er hoch: „In einem Fluss? Ich kann nicht schwimm’n, fällt mir grad ein. Das ist wohl schlimm und echt gemein.“
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Verständnisvoll macht man ihm klar: „Du sagst: Jawoll – mit Haut und Haar.“ Der Peter hat dann die Idee: „Es findet statt. Ich sag okay.“ Er macht – nicht dumm – zur Sicherheit ’nen Schwimmring um, ist taufbereit und nimmt den Bus, um dann um zehn bei drei Grad plus im Fluss zu stehn. Der Schwimmring war mit Luft gefüllt, das machte gar den Pastor wild. Er drückte schwer mit aller Kraft, trotzdem hat er es nicht geschafft, weil Peter nicht ins Wasser kam, weshalb er schlicht ’ne Nadel nahm. Ein kleiner Stich, es hat gepufft und dann entwich die ganze Luft. Mit ihr schwand auch der Widerstand, des Täuflings Bauch und Kopf verschwand. Der Pastor hält des Peters Hemd, doch dieser fällt, wird weggeschwemmt. Die Flut reißt jäh den Peter mit, weil er dem Prähdiger entglitt. Er treibt hinfort im Wellental, man sah ihn dort zum letzten Mal. Noch einmal drang die Hand hervor. Voll Inbrunst sang indes der Chor:
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„So wie ich bin, komm ich zu dir.“ „Der Typ ist hin! Los, gehen wir!“, sprach der Pastor, noch pudelnass. Sein Lächeln fror, die Haut war blass. „Er war aalglatt, ich konnt’ nichts tun“, sprach er, schachmatt. „Was kommt denn nun?“ Doch dann erhellt sich sein Gesicht. „Die Sache fällt nicht ins Gewicht. Wer ihn vermisst, dem sag ich gern, der Peter ist jetzt schon beim Herrn.“ Und die Moral von der Geschicht’, egal ob Schwimmer oder nicht: Bist erst zur Taufe du bereit, dann klappt’s auch mit der Ewigkeit!
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Der Pastor An unserm Pastor ist das Beste der dunkle Anzug und die Weste. Doch leider kommt, wir sind erledigt, von ihm auch meistens noch ’ne Predigt. „Hört, wie mein Thema heute lautet, weil ihr so allerhand versautet, deshalb weiß ich: Ihr braucht gerade die NEUNZIG SCHRITTE HIN ZUR GNADE!“ Die Christen denken: „Nicht schon wieder!“ Man senkt in Demut seine Lider und manches der Gemeindeschäfchen hält auf die Art ein kurzes Schläfchen. Doch nach ’ner Stunde wird es munter, dem Pastor fiel die Bibel runter. So weckte er die meisten Frommen. Ein Bruder ruft: „Die Russen kommen!“ Der Hirte spricht zu seiner Herde: „Nur Ruh’, damit ich fertig werde. Ihr wollt doch bald nach Haus’. Das weiß ich. Und ich bin erst bei Nummer dreißig.“ Ein Seufzer geht durch alle Reihen. So mancher würde gerne schreien. Doch das wird hier wohl keiner wagen, sie werden stumm ihr Schicksal tragen. 26