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Merlin Carothers

Neu entdeckte Freude

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Merlin Carothers

NEU ENTDECKTE F REUDE

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Impressum

Originaltitel: Let Me Entertain You Copyright © 1992 by Merlin Carothers Copyright © 1995 der deutschen Ausgabe: PrismaPoint, Postfach 61, CH-8574 Lengwil Alle Rechte vorbehalten 1. Auflage 1996 ISBN 3-907567-08-0 Best.-Nr. 652708 Übersetzung aus dem Amerikanischen: Dorothea Appel Satz: Verlagsagentur H.Otto, D-Monheim Umschlaggestaltung: bix-Grafik, CH-8872 Weesen Druck: EBNER, D-Ulm Printed in Germany

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Inhaltsverzeichnis

Vorwort . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Seite 126 11. 12. 13. 14. 15. 16. 17. 18. 19. 10. 11. 12. 13. 14. 15. 16. 17. 18. 19. 20.

Bitte Unterhaltung! . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Der Weckruf . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . So viel zu lernen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Was tust du? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Der Kampf . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Tag der Entscheidung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Freigesetzt zum freudigen Dienst . . . . . . . . . . . . . Mit einer Botschaft ausgesandt . . . . . . . . . . . . . . . Unerwarteter Lohn . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Disziplinierte Jünger . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Die Zeit auskaufen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Ausgewogener Lebensstil . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Wie man „nein“ und „ja“ sagt . . . . . . . . . . . . . . . . Wieder ins Rennen kommen . . . . . . . . . . . . . . . . . Die Verlockungen elektronischer Unterhaltung . . Gefangen in Sport und Fitness . . . . . . . . . . . . . . . . Geld verdienen und Geld ausgeben . . . . . . . . . . . . Wenn Essen und Genuss uns niederdrücken . . . . . Abgelenkt durch den Ruhestand . . . . . . . . . . . . . . Herausgefordert, den guten Kampf zu kämpfen . .

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Epilog . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Seite 115

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Vorwort Als ich anfing, über „lauwarme Christen“ zu sprechen, erwartete ich nicht viel Enthusiasmus bei meinen Zuhörern. Es ist kein leichtes Thema. Zu meiner großen Freude stellte ich fest, dass Christen herausgefordert werden wollen. Der Heilige Geist inspiriert Männer und Frauen, Gottes Willen zu suchen. Tatsächlich wurde ich oft um schriftliche Unterlagen mit spezifischen Schriftstellen gebeten, als sich Menschen Gottes Ruf öffneten, aus der Fülle zu leben und seinem Ziel hingegeben zu sein. Ich will mein Bestes tun, um das Thema so schmackhaft wie möglich machen, und ich bitte Sie ernsthaft, bis zum Ende durchzuhalten. Wenn Ihnen die Botschaft an der einen oder anderen Stelle zu streng erscheint, versuchen Sie, sich mein glückliches Gesicht vorzustellen, und vergessen Sie nicht, dass jedes Wort in diesem Buch Sie jetzt und in Ewigkeit segnen soll. Setzen Sie in die Praxis um, was Sie aus den folgenden Seiten lernen, und im Himmel werden Sie dann sagen: „Merlin, danke, dass Sie mir verstehen geholfen haben, dass ich an Gottes vertrauten Ort kommen und viele Menschen mit mir in den Himmel bringen konnte.“

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Kapitel 1

Bitte Unterhaltung! Für wen mühe ich mich also und lasse meine Seele Gutes entbehren? PREDIGER 4,8

Eines Tages wachte ich auf und spürte das Gewicht jedes einzelnen grauen Haares auf meinem Haupte. Ich war müde. Todmüde. Also ließ ich mich in einem gemütlichen Sessel nieder und zählte die Gründe auf, warum ich verdiente, darin sitzen zu bleiben. Ein Taschenrechner hätte mir dabei gute Dienste leisten können. Mein Leben war lang und erfüllt und keineswegs einfach gewesen. Allein für die Zeit, die ich im Dienst für mein Vaterland zugebracht hatte, hätte ich bestimmt bis zum Ende meines Lebens den Ruhestand verdient! Zuerst im Zweiten Weltkrieg, den ich als Infanterist erlebte. Die meisten meiner Freunde in der 82. Airborne Division hatten diese furchtbaren Kriegsjahre nicht einmal überlebt. Dann, als Kaplan, war ich in Korea, der Dominikanischen Republik und in Vietnam. Anstrengende Jahre in bitterer Kälte und brütender Hitze. Jahre voller Angst im Kampf, voller Moskitos, Insekten und aller möglichen Krankheiten. Jahre, in denen ich Tod und Zerstörung mitansehen musste. Jahre, in denen ich ohne Unterbrechung unterwegs war, von Land zu Land, von Küste zu Küste. Dann fügte ich in Gedanken all die langen Jahre hinzu, in denen ich gepredigt, die Bibel studiert, mich vorbereitet und gedient hatte. Dann waren da die zehn Bücher, die ich veröffentlicht hatte. Die meiste Zeit meines Lebens hatte ich von früh bis spät gearbeitet, sieben Tage in der Woche! Jawohl, ich verdiente bestimmt eine Auszeit für gutes Betragen. So begann ich um die Versetzung in den Ruhestand zu bitten. Zunächst entdeckte ich, wie es ist, nur sechs Tage in der Woche zu arbeiten. Ein freier Tag! Das war großartig. Warum hatte ich das nicht schon früher ausprobiert? Vielleicht wäre ich nicht ganz so erschöpft gewesen, wenn ich Gottes Gebot, an einem Tag der Wo-

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che zu ruhen, Folge geleistet hätte. Ja, wahrscheinlich musste ich verlorene Zeit wieder aufholen! Da der eine keine größere Katastrophe ausgelöst hatte, versuchte ich es mit zwei freien Tagen. Das war noch besser. Nach und nach arbeitete ich mich soweit hoch (oder runter), dass ich am Schluss bei sechs arbeitsfreien Tagen pro Woche gelandet war. Nun, nicht wirklich sechs freie Tage. Mindestens vier Stunden arbeitete ich immer, aber in einem gemächlichen Tempo. Und ich fand es prima. Zum ersten Mal im Leben stand ich morgens auf, wann mir danach zumute war. Vollendeter Luxus. Viele Leute können davon nur träumen. Ich ging zur Arbeit, wann mir danach zumute war. So muss man das Arbeiten angehen! Und ich ging wieder nach Hause, wann mir danach zumute war. Trotz meines vergleichsweise leichten Lebens war mir doch bewusst, dass ich immer noch großen Einfluss auf die Welt ausübte. Meine Bücher wurden in 36 Sprachen übersetzt und veröffentlicht. Es war wirklich nicht nötig, ständig zu arbeiten! Durch die Stiftung ‘Foundation of Praise’ war es mir möglich, Tausenden Gefangenen, Militärangehörigen und Krankenhauspatienten jeden Monat kostenlos Bücher zuzusenden. Trotzdem arbeitete ich nur mit halber Kraft. Schließlich war ich alt, grauhaarig und müde. Ich verdiente es auszuruhen! Und ausruhen kann man bedeutend besser, das fand ich bald heraus, wenn man dafür richtig ausgestattet ist. Also kauften meine Frau Mary und ich zwei wunderschöne Schaukelstühle – von der Sorte, die einen per sanfter Massage einschlummern lassen. Wenn ich – früh – im Büro aufhörte, ging ich nach Hause, um meine geistlichen Übungen zu verrichten. Ein Schaukelstuhl eignet wunderbar für entspanntes Bibellesen. Als frommer Mann verzichtete ich nie auf mindestens ein Kapitel Bibellese täglich. Dann kam die Gebetszeit. „Herr, ich danke dir für das wunderbare Leben, dass du mir gegeben hast. Danke, dass du mich so lange leben ließest, dass ich diesen Ruhestand genießen kann. Danke für ein gemütliches Heim, eine schöne und liebevolle Frau, gesunde Kinder und Enkel. Vor allem aber danke ich dir, dass ich in den Himmel kommen werde.“ Mittlerweile, Sie ahnen es bereits, war ich recht schläfrig geworden und entglitt in mein Nachmittagsnickerchen.

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Und im Hinüberdämmern dämmerte mir nicht im Mindesten, dass ich wie der Mann geworden war, über den Jesus in Lukas 12,19 spricht: Ich will zu meiner Seele sagen: Seele, du hast viele Güter liegen auf viele Jahre. Ruhe aus, iss, trink, sei fröhlich! Wenn ich wach war, gratulierte ich mir selbst, weil ich so viele Möglichkeiten gefunden hatte, das gute Leben zu genießen. Denn, wissen Sie, nicht nur Schaukelstühle eignen sich zum Entspannen! Über die Jahre war mir viel Spaß abgegangen. Ich kaufte also das Flugzeug, von dem ich immer geträumt hatte – eine vollständig instrumentierte Mooney, die 200 Meilen pro Stunde flog. Welch eine Schönheit! Welch ein Luxus! Man gibt ein paar Zahlen in den Computer ein, und schon fliegt sie einen zu jedem beliebigen Ort in den Vereinigten Staaten, Kanada oder Mexiko. Mein ganzes Leben lang hatte ich mir Zeit und Gelegenheit zum Fliegen gewünscht. Jetzt hatte ich sie! Auch Motorradfahren hatte immer schon zu meinen LieblingsEntspannungstechniken gehört. Also kaufte ich eine Yamaha Virago 750. Wow! Welch eine Art, den Alltag hinter sich zu lassen! Um körperlich fit zu bleiben, entdeckte ich das Golfen von neuem und wollte in den Altherren-Golfclub eintreten. Sie spielen sieben Tage die Woche, bei Regen und bei Sonnenschein, und das hörte sich in meinen Ohren gut an. Schließlich hatte ich auch immer sieben Tage die Woche für meinen Lebensunterhalt gearbeitet. Ich hatte fast jeden Tag meines Lebens gearbeitet, seit ich vierzehn war. Ganz gewiss verdiente dieser alte Mann seinen Ruhestand und das Recht auf Freizeit! Ich erspare Ihnen einen ausführlichen Bericht über meine Bemühungen, Bridge zu lernen. Das ist so anspruchsvoll, dass ich es ständig spielen könnte, ohne je Langeweile zu verspüren. Was ich damit sagen will: Es lief gut. Voller Leidenschaft warf ich mich auf Freizeit und Erholung. Ich hatte mich selbst davon überzeugt, dass ich es verdient hätte, unterhalten zu werden. In meiner Arbeit war ich nicht ausgeglichen gewesen, und also würde ich – zum Ausgleich – in der Ruhe ebensowenig ausgeglichen sein.

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Kapitel 2

Der Weckruf Wache auf, der du schläfst, und stehe auf von den Toten! und der Christus wird dir aufleuchten. EPHESER 5,14

Eines Nachmittags räkelte ich mich gerade in meinem Schaukelstuhl, hin und wieder an einem Eistee nippend, als ich hörte: „MERLIN, WAS TUST DU?“ Überrascht, aber nicht alarmiert, antwortete ich: „Herr, ich sitze gerade hier und denke über all die guten Dinge nach, die du für mich getan hast.“ „DU BIST EIN LAUWARMER CHRIST.“ Ich fühlte mich, als würden mir die Ohren langgezogen. Plötzlich hatte Gott meine volle Aufmerksamkeit! Angst ergriff mich. In meinem Kopf wirbelten die Fragen umher. Lauwarm? Ich? Wie war das möglich? Ich hatte mein ganzes Leben lang gearbeitet, und zwar schwerer als die meisten anderen. Aber jetzt war es nicht angesagt zu argumentieren. Irgendetwas stimmte nicht mit mir, und zwar ganz und gar nicht, aber ich wusste nicht, was. „Gott, was meinst du damit?“ „ICH KENNE DEINE WERKE. SIE SIND WEDER KALT NOCH HEIß.“ Darauf konnte ich nichts erwidern. Die meisten Werke in meinem Leben waren das gewesen, was ich „heiß“ nennen würde. Arbeit war meine zweite Natur gewesen. Jetzt war ich ein alter Mann. Ich war über den Berggipfel hinweg, und gewiss war es an der Zeit auszuruhen. „Was soll ich denn tun, Herr?“ Keine Antwort. Er hatte gesagt, was er sagen wollte. Es folgten lange und qualvolle Tage. Schuldgefühle erfüllten mich von morgens bis abends, aber seltsamerweise konnte ich nicht genau benennen, was ich nun falsch gemacht hatte! Ich war lauwarm, ohne Zweifel, denn der Herr hatte mir das gesagt. Aber was sollte ich jetzt damit anfangen? Vielleicht sollte ich wieder predigen. Aber das kam ja wohl nicht in Frage. Meine schwere Erschöpfung hatte sich zum Teil darin ge-

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äußert, dass ich fast die Stimme verloren hätte. Wenn ich länger als zehn Minuten redete, bekam ich Halsschmerzen. Die Ärzte sagten, wenn ich mein Leben zurückspulen und mehr als vierzig Jahre mit zwei bis drei Predigten pro Tag auslöschen könnte, wäre meine Stimme gesund. Sollte ich eine neue Gemeinde gründen? Das war das Letzte, was ich wollte, aber was immer Gott von mir erwartete, würde oberste Priorität haben. Mit dieser Sündenerkenntnis zu leben war viel zu schmerzhaft. Ich überprüfte mein Herz und bat den Herrn, mir zu zeigen, wo ich etwas falsch gemacht hätte. Erinnerungen – Muster – meines geistlichen Lebens kamen zum Vorschein. Auf Zeiten intensiven geistlichen Strebens waren ausnahmslos zurückgezogene Zeiten gefolgt. Wenn ich weniger leidenschaftlich war, hatte sich immer meine Freude vermindert. Was war der Grund für diese geistlich minderwertigen Zeiten gewesen? Ich hatte es einfach immer für Ausruhen gehalten. Hatte ich auch meinen festen Griff irgendeiner stabilisierenden Wahrheit oder Lehre gelockert gehabt? Soweit mir bewusst war, war ich nicht in Sünde gefallen, jedenfalls fiel mir nichts dergleichen ein. Nach vielen Tränen, viel Fasten und Buße antwortete der Herr auf mein Schreien und sprach zu mir. „GEH ZURÜCK UND LERNE WIEDER BETEN.“ „Herr, ich habe doch nie aufgehört zu beten!“ „DAS STIMMT. ICH HABE DICH IN DEINEM SCHAUKELSTUHL BETEN SEHEN. BETE, WIE MEIN SOHN ES GETAN HAT.“ Was meinte er damit? Wie hat Jesus denn gebetet? Meine Suche begann. Und was ich entdeckte, gefiel mir gar nicht besonders! „Frühmorgens, als es noch sehr dunkel war, stand er auf und ging hinaus und ging fort an einen einsamen Ort und betete dort“ (Markus 1,35). Nachdem ich in fünfzig Jahren mein Recht auf Ruhe erarbeitet hatte, wollte ich der Vorstellung, im Dunkeln aufzustehen, einfach keine Beachtung schenken. Zwanzig Dienstjahre als Militärgeist-

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licher haben mich all die Sonnenaufgänge sehen lassen, die ich je zu sehen gehofft hatte. Jetzt musste ich von neuem lernen, wie und offensichtlich auch wann man betet. Dummerweise klang es langsam ganz so, als sei Gott auch bei der Armee! Gehorsam antwortete ich: „Herr, bitte wecke mich morgen zur rechten Zeit auf, damit ich beten kann.“ (Vielleicht tut er’s nicht, und ich kann ausschlafen.) Am nächsten Morgen wachte ich im Dunkeln auf. Okay also, Zeit aufzustehen. Mary schlief noch, ich bemühte mich also, aus dem Bett zu schlüpfen, ohne sie zu stören. Und in dem Moment wurde mir der Unterschied klar zwischen einem jungen Mann, der um vier Uhr in der Frühe zum Beten aufsteht (wie ich das Jahre zuvor getan hatte), und einem alten Mann, der das gleiche versucht. Alte Gelenke „schlüpfen“ nicht, sie knacken, knarren und ächzen! Nach der Frühmorgens-Braille-Methode gelang es mir irgendwie, in meine Kleider und zur Tür hinaus zu gelangen. Jesus war aufgestanden und zum Beten nach draußen gegangen, deshalb musste ich das auch tun. Er war manchmal zum Beten in die Berge gegangen, deshalb wählte ich einen Hügel hinter unserem Haus. Oben auf dem Hügel machte ich eine Pause und bereitete mich auf das Gebet vor. „Herr, hier bin ich, aber ich fühle mich nicht nach Beten. Wenn ich so müde bin, wie kann ich dann in einer Weise mit dir sprechen, die dir gefällt?“ Nach einem schmerzlichen Kampf gab ich auf und ging zurück nach Hause. „Herr, das funktioniert nicht. Ich bin zu alt, um zu beten wie früher. Ich habe nicht mehr den jugendlichen Eifer wie früher einmal. Was soll ich tun?“ Keine Antwort ... Am nächsten Morgen ging es wieder auf den Hügel – kalt, müde, durcheinander –, aber ich wusste, ich musste so lange weitermachen, bis der Herr mir zeigen würde, was ich tun sollte. Morgen für Morgen stand ich in der Dunkelheit auf und wanderte wieder auf den Hügel. Oft war ich versucht aufzugeben. Und Gott hatte sicher Recht, mich lauwarm zu nennen, denn meine Gebete waren lauwarm, egal wie sehr ich mich bemühte, mit dem Heiligen Geist und seiner Kraft gefüllt zu werden. In Matthäus 26,40-41 fand ich etwas, was Jesus seinen Jüngern gesagt hatte, als er sie schlafend gefunden hatte:

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Also nicht eine Stunde konntet ihr mit mir wachen? Wacht und betet, damit ihr nicht in Versuchung kommt! Der Geist zwar ist willig, das Fleisch aber schwach. Darüber dachte ich lange nach. Eine Stunde Gebet, nur um in Versuchungen den Sieg zu behalten! Jesus erkannte diese Notwendigkeit, die Jünger aber offensichtlich nicht. Jesus betete. Sie schliefen. Gott hatte offenbar gemacht, dass seine Jünger „Gebetskraft“ speichern mussten, weil sie bald schwer versucht werden würden. Ich lebe in derselben schwierigen Welt. Könnte es möglich sein, dass selbst ein alter Rentner neu lernen musste, eine Stunde lang zu beten, nur um sich siegreich dem Tag zu stellen? Als Jesus seinen Jüngern sagte, dass ihr Geist willig sei, dachte ich immer, er mache ihnen ein Kompliment. Jetzt erkannte ich, dass dem nicht so war. Ein williger Geist ist nicht genug. Viele Christen sind willig, aber wir müssen lernen, wie unser Geist stark sein kann – stark genug, um mit dem Fleisch zu kämpfen. Das Fleisch will den Geist immer beherrschen. Nie war mir das bewusster als in jenen Aufwach-Kämpfen vor der Morgendämmerung. Die natürlichen Wünsche unseres Körpers wollen uns sagen, wann und wie wir beten müssen. Aber das Fleisch führt uns nie in die richtige Richtung. Ferner fiel mir auf, dass Jesu Gebete immer beantwortet wurden; ich musste also lernen, wie er gebetet hatte. Hebräer 5,7 erinnerte mich daran: Als Jesus unter uns Menschen lebte, hat er Gott ... unter Tränen und voller Verzweiflung angefleht. Und Gott erhörte sein Gebet und befreite ihn aus seiner Angst, weil Jesus den Vater ehrte und ihm gehorsam war. (Hoffnung für alle) Jesus betete also ernsthaft und mit dem festen Willen zu gehorchen. Diese Art Gebet musste ich von neuem lernen. Dazu musste mein Herz für die Realität Gottes und seiner Stärke wach sein. David lernte Gott durch anhaltendes Gebet kennen und erfuhr so seine rettende Kraft. Gott erlaubte, dass er in Situationen geriet, die nur zwei Möglichkeiten zuließen: lernen oder vergehen. Deshalb sagte David:

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Der Morgendämmerung bin ich zuvorgekommen und habe um Hilfe gerufen (Psalm 119,147). Ja, entschied ich, früh morgens zum Beten aufzustehen scheint in irgendeiner Hinsicht wichtig zu sein. Das Fleisch mag das nicht und es wird sich immer dagegen wehren und jammern. Tut mir leid, Fleisch, lange genug ging es nach deiner Nase. Dann kam der Morgen des Erwachens. Als ich ganz oben auf dem Hügel stand und meinen Blick nach oben richtete, öffnete sich der Himmel. Es war, als hätte ein Blitz mein Herz getroffen. In meiner Brust entflammte ein heißes Feuer. Ich war wieder lebendig – wirklich lebendig, verstehen Sie? Ich fühlte mich wie in den Himmel aufgenommen. Der Hügel wurde zur Abschussrampe! Jetzt hatte ich Flügel, um mich wie ein Adler aufzuschwingen: Aber die auf den Herrn hoffen, gewinnen neue Kraft: sie heben die Schwingen empor wie die Adler, sie laufen und ermatten nicht, sie gehen und ermüden nicht (Jesaja 40,31). Dieser Vers wurde in mir lebendig und real. Es gab nichts, was ich nicht hätte tun können. Den müden, erschöpften Merlin Carothers gab es nicht mehr. Gott hatte mich in seine Arme zurückgezogen. Die Schuldgefühle verschwanden, und eine doppelte Portion Freude erfüllte mein Herz. Wie wach ich jetzt war!

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Kapitel 3

So viel zu lernen Lass mich doch deine Wege erkennen, so dass ich dich erkenne, damit ich Gunst finde in deinen Augen. 2. MOSE 33,13

„Jetzt bin ich bereit, Gott! Was soll ich tun?“ Ich konnte nur den einen Gedanken fassen: Herr, ich will dir dienen. Ich will nichts anderes. Obwohl mir damit ganz ernst war, gab es noch eine Menge zu lernen! Der Herr sagte mir, ich solle mich wieder an sein Wort zurückbegeben. Er hatte meine faulen Nachmittags-Lesungen beobachtet, und er hatte etwas anderes mit mir vor. Ich musste zurück zur Einstellung jener frühen Tage, in denen ich die Bibel bei jeder Gelegenheit studiert hatte. Der Geist wies mich darauf hin, dass es mir in meinem lauwarmen Zustand genügt hatte, jeden Morgen als erstes die Tageszeitung zu lesen. Schluss damit! Er machte mich auf Verse wie Matthäus 6,33 aufmerksam, denen ich folgen sollte: Trachtet aber zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit! Ich musste von neuem lernen, wie wichtig es ist, jeden Tag nicht nur mit Gebet, sondern auch mit Bibellesen zu beginnen. Und am allerwichtigsten war, dass mein Wunsch nach Gemeinschaft mit Gott alle anderen Wünsche überragte. Nachdem ich viele Jahre lang die Bibel gelesen und daraus gepredigt hatte, war ich in das Denken abgerutscht: Also, ich weiß, was da steht, ich werde Gottes Wort jetzt mal einfach so zum Genießen lesen, ganz entspannt, ganz gemütlich. Das ist Herumblättern – etwas, was sich gut in Schaukelstühlen machen lässt, als Hinführung zum Mittagsschlaf! Jetzt ging ich wieder an die Heilige Schrift heran, als hinge mein Leben davon ab, alles herauszufinden, was sie für mich bereithielt. Ich entdeckte Folgendes:

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Denn des Herrn Augen durchlaufen die ganze Erde, um denen treu beizustehen, deren Herz ungeteilt auf ihn gerichtet ist (2. Chronik 16,9). Das erklärte, warum ich so schwach geworden war. Mein Herz war nicht ungeteilt auf den Dienst für Gott gerichtet gewesen. Ja, ich hatte ihm gedient, aber ich musste Gottes Definition eines ungeteilten Herzens im Leben umsetzen. Vielleicht würden sich noch viele Dinge finden, die ich nie gelernt hatte. Und so war es. Da gab es zum Beispiel den Vers Psalm 119,2: Glücklich sind, die seine Zeugnisse bewahren, die ihn von ganzem Herzen suchen. Genau das musste ich tun: Ihn von ganzem Herzen suchen. Man stelle sich vor, was dann passieren könnte! „Herr, bring mir bei, wie ich das tun kann! Ich versage, wenn du mir nicht hilfst.“ Der Herr in seiner Zuverlässigkeit führte mich zu dem wahrscheinlich ältesten Buch der Bibel und zeigte mir Hiobs gesunden Appetit auf die ewigen Dinge. Hiob sagte: Mehr als es meine Pflicht gewesen wäre, wahrte ich die Worte seines Mundes. (Hiob 23,12. In der englischen Bibelübersetzung steht: „... more than my daily bread“ – „... mehr als mein tägliches Brot“, Anm. d. Ü.) Also, das bedeutete, dass ich meine Prioritäten neu setzen musste. Erst Bibellese, dann Essen. Hiob tat mehr als über Gottes Worte nachdenken, er nahm sie in sich auf. Wie ein Verhungernder verschlang er sie! Geld und die vielen schönen und unterhaltsamen Dinge, die man damit kaufen kann, erweckt in den meisten von uns Leidenschaft. Gott zeigte mir aber, dass er möchte, dass sein Wort dergleichen Gefühle freisetzt. In Psalm 119,72 heißt es: Lieber ist mir das Gesetz deines Mundes als Tausende von Goldund Silberstücken.

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Wahrer Reichtum ließe sich in dem Schatz des Wortes Gottes finden. Aber nur, wenn ich dem gehorchte, was ich darin fand: Dieses Buch des Gesetzes soll nicht von deinem Mund weichen, und du sollst Tag und Nacht darüber nachsinnen, damit du darauf achtest, nach alledem zu handeln, was darin geschrieben ist, denn dann wirst du auf deinen Wegen zum Ziel gelangen, und dann wirst du Erfolg haben (Josua 1,8). Ich fand heraus, dass David sehr gern die Bibel studiert hat: Wie liebe ich dein Gesetz! Es ist mein Nachdenken den ganzen Tag (Psalm 119,97). Warum sollte man denn den ganzen Tag lang über die Bibel nachdenken? In 2. Timotheus 3,16 fand ich einen guten Grund dafür: Alle Schrift ist von Gott eingegeben (in der englischen Übersetzung: „God-breathed“, „von Gott geatmet“, Anm. d. Ü.) und nützlich zur Lehre, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Unterweisung in der Gerechtigkeit. Das war auch ein weiterer deutlicher Grund für die Schwäche, in der ich mich befunden hatte. Die Bibel ist Gottes Atem, und wenn wir seinen Atem nicht einatmen, werden wir zu Weichlingen! Gottes lebensspendender Atem wird auch an einigen anderen Stellen erwähnt: Da bildete Gott, der Herr, den Menschen, aus Staub vom Erdboden und hauchte in seine Nase Atem des Lebens; so wurde der Mensch eine lebende Seele (1. Mose 2,7). Der Geist Gottes hat mich gemacht, und der Atem des Allmächtigen belebt mich (Hiob 33,4). Unsere Körper waren leblos, bis Gott seinen Atem auf uns blies. Jetzt haben wir die Gelegenheit, diesen lebensspendenden Atem täglich in uns zu empfangen, durch sein Wort – eine beständig ver-

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fügbare Quelle! Hätte ich das doch nur Jahre zuvor begriffen! Ich fragte mich, wie viele andere Christen diese überaus wichtige „geistliche Atmung“ auch nicht praktizierten. Es täte uns allen gut zu bedenken, was Jesus machte, als er seine Jünger aussandte, um der Welt die Gute Nachricht zu bringen: Und als er dies gesagt hatte, hauchte er sie an und spricht zu ihnen: Empfangt Heiligen Geist! (Johannes 20,22) Die Jünger hatten die Verantwortung, der Welt das Evangelium zu bringen, und das erforderte Jesu Atem – seinen Geist. Ich habe die gleiche Verantwortung und das gleiche Bedürfnis! Es gab noch einen weiteren wichtigen Grund, weshalb ich die Bibel studieren musste. In Hebräer 5,14 steht: Die feste Speise aber ist für Erwachsene, die infolge der Gewöhnung geübte Sinne haben zur Unterscheidung des Guten wie auch des Bösen. Gottes Wort, wenn man daran gewöhnt ist, lehrt uns, was richtig und falsch ist. Ich hatte sein Wort nicht regelmäßig eingeatmet, wie ich Sauerstoff in meine Lungen einatme, und so war ich vom Weg abgekommen. Die meisten erwachsenen Christen meinen, sie seien jetzt lange genug dabei, um zu wissen, was richtig und was falsch ist. So dachte ich, aber ich hatte Unrecht. Ohne Gottes Atem, der durch sein Wort auf mich kommt, war ich nicht in der Lage, zwischen Richtig und Falsch zu unterscheiden. Aber als ich meine Gedanken und Sinne mit der Heiligen Schrift füllte, lernte ich neue Dinge. Und ich erwartete nichts anderes, als dass es weiterhin eine herausfordernde, spannende Reise sein würde.

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Kapitel 4

Was tust du? Ob ihr nun esst oder trinkt oder sonst etwas tut, tut alles zur Ehre Gottes! 1. KORINTHER 10,31

Ich stand jetzt wieder früh auf und arbeitete ordentlich den ganzen Tag, kam müde nach Hause – zurecht müde. Ich lehnte mich in meinem Schaukelstuhl zurück und nahm ein kleines schwarzes Kästchen zur Hand, das ich immer nah bei dem Stuhl verwahrte. Auf Knopfdruck erschien eine wunderbare Szene vor meinen Augen. Richtig, Fernsehen. „MERLIN, WAS TUST DU?“ Ohne Zweifel, das war Gottes leise, durchdringende Stimme. „Oh, Herr, ich ruhe mich aus. Ich bin müde. Wenn ich jetzt ein wenig fernsehe, kann ich gleich wieder an die Arbeit gehen.“ „LIES 1. KORINTHER 10,31.“ Ob ihr nun esst oder trinkt oder sonst etwas tut, tut alles zur Ehre Gottes! Diesen Vers kannte ich gut, aber ich hatte schon lange nicht mehr über ihn nachgedacht. Was hatte er mit meinem Fernsehen zu tun? Ich guckte ja nichts Schlechtes. Herr, das ist hier kein Porno und auch kein Schrott. „SCHALTE ES AUS.“ Das war deutlich, also aus damit. An dem Abend gab es sowieso nichts Vernünftiges. Es würde mir nichts ausmachen, einmal ohne Fernsehen auszukommen, aber am kommenden Abend wollte ich etwas ganz bestimmt sehen. Dann kam meine Lieblingssendung, und die verpasste ich nie. Natürlich fand ich das eine oder andere darin schon mal nicht gut, aber im Großen und Ganzen war das eine Sendung nach meinem Geschmack. Gute und Böse gab es darin, Dramatik, Intrigen und Spannung. Am nächsten Abend setzte ich mich gerade zurecht, um diese Sendung zu genießen, als ich hörte:

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„MERLIN, WAS TUST DU?“ „Herr, ich sehe mir nur eben meine Lieblingssendung an. Wenn sie vorbei ist, bin ich ausgeruht, und dann werde ich wieder an die Arbeit gehen.“ „STUDIERE 1. KORINTHER 10,31.“ Ich stellte also das Fernsehen ab und vertiefte mich in den Vers. Was hatte er mit meinem Fernsehen zu tun? Sollte das etwa heißen, dass ich nie wieder fernsehen könnte? Da müsste der Herr allerhand Überzeugungsarbeit leisten, wenn er mich davon abbringen wollte, je wieder fernzusehen. „Ob ihr nun esst oder trinkt oder sonst etwas tut.“ Das war eindeutig. Fernsehen fiel unter „sonst etwas“. Aber hatte ich den Herrn richtig verstanden? Ich wollte kein Fanatiker werden, aber das Gefühl ließ mich nicht los, dass es um viel mehr ging, als mir bewusst war. Ich würde entscheiden müssen, was mit dem Fernsehen anzufangen wäre. Wenn ich sagte, das sei mir nicht gerade leichtgefallen, ist das gewaltig untertrieben. Manchen Leuten bedeutet das Fernsehen nichts Besonderes, aber für mich war es etwas sehr Besonderes. Ich konnte jeden Abend mehrere Stunden lang fernsehen, und wenn es etwas Gutes gab, sogar länger. Viele Jahre lang hatte ich nicht die Zeit gehabt, herumzusitzen und alles anzusehen. Aber jetzt hatte ich Zeit! Der Herr würde ja wohl von einem alten Rentner nicht verlangen, ein harmloses Vergnügen aufzugeben. „Ob ihr nun esst oder trinkt“, hieß es in dem Vers. Das deckte die meisten Vergnügen ab, die die Menschen zu der Zeit hatten, als diese Worte geschrieben wurden. Und Gott sagte der Gemeinde in Korinth: „Selbst euer gebräuchlichstes Vergnügen muss meiner Ehre gewidmet sein.“ Das hieß, dass mein Fernsehkonsum zu Gottes Ehre dienen sollte. Bevor ich meine Lieblingssendung einschalten würde, musste ich also die Bibel lesen, beten und ihm dann sagen, dass ich jetzt zu seiner Ehre fernsehen würde. Wie alles in der Welt sollte das denn vor sich gehen? „Ich verstehe, Herr, nicht mehr meine Lieblingssendung. Sie ist keine gute Wahl. Welche Sendungen kann ich also ansehen?“ „SUCHE IN MEINEM WORT.“ Es war leicht zu wissen, dass Gott zu mir sprach. Satan hätte mir nicht gesagt, dass ich Gottes Wort studieren sollte. Und ziemlich

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sicher hätte er nie vorgeschlagen, meine Auswahl an Gottes Standards zu messen. Was ich zu finden erwartete, gefiel mir ganz und gar nicht: Von aller Art des Bösen haltet euch fern! (1. Thessalonicher 5,22) Ich kann Ihnen versichern, dass ich das überhaupt nicht gerne hörte. Wäre es möglich, dass meine Lieblingssendungen tatsächlich als Böses eingestuft werden müssten? Ich hatte diese Möglichkeit nie wirklich in Betracht gezogen. Als meine Aufmerksamkeit nicht ständig auf dem Wort Gottes gewesen war, erschien mir das Böse nicht klar und eindeutig. Die Trennlinie zwischen Richtig und Falsch war verschwommen. Jetzt aber gewann ich langsam wieder ein besseres Verständnis. Böses ist böse, und Gott ist dagegen. Er hasst das Böse. Mir fiel ein, dass ich irgendwo gelesen hatte, er wolle auch, dass wir das Böse hassen. Die Stelle fand ich in Amos 5,15: Hasst das Böse und liebt das Gute ... Ich dachte: Wie kann ich etwas hassen, das ich gerne habe? Als leidenschaftlicher Fernsehkonsument durfte ich in dieser Sache keine übereilten Entscheidungen treffen! Am nächsten Abend schaltete ich das Gerät ein und sprang von Kanal zu Kanal, um zu sehen, welche Programme böse zu sein schienen, und ob es welche gäbe, die gut waren. Bevor ich es aber einschaltete, hatte ich ein paar Schriftstellen diesbezüglich gelesen und für Erkenntnis gebetet. Ich wollte Gottes Willen erfahren – jedenfalls ein Teil von mir wollte das. Die Shows auf jedem Kanal schienen völlig anders zu sein als vorher. Der Ton der Sendungen war falsch; sie stanken nach antichristlicher Haltung. Situationskomödien vermittelten anti-autoritäre Einstellungen. Die Väter wurden schwach und dumm dargestellt. Polizisten waren korrupt und verdienten keinen Respekt. Sogar die Komödien strengten sich nach besten Kräften an, Moral ins Lächerliche zu ziehen. Von aller Art des Bösen haltet euch fern!

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„Herr, nicht alles an diesen Programmen ist schlecht. Es muss doch die eine oder andere Show geben, die nur einfach sauberer Spaß ist.“ Ich wusste, dass im Fernsehen unter anderem wertvolle Bildungsprogramme und Dokumentationen angeboten wurden. Obwohl sie normalerweise Gott als Schöpfer leugnen, offenbaren diese Sendungen die Wunder, die Schönheit und Komplexität dieser Welt und des Universums. Aber die Wahrheit war, je mehr ich die normale Kost suchte, desto mehr wurden mir Herz und Augen geöffnet. Da war Böses, verkleidet jedoch in Hollywoods Glanz und Attraktivität. Längst vergessene Themen aus den Nachrichten kamen mir wieder in den Sinn ... über die Eigner, Produzenten und Direktoren im Film- und Fernsehgeschäft, die ein gemeinsames Ziel verfolgten. Und nach allem, was ich sehen konnte, ist das Ziel wahrhaftig kein gutes. Ich erinnerte mich an eine Schätzung, nach der etwa einhundert Männer und Frauen alles kontrollieren, was uns über das Werbefernsehen erreicht. Ihre Auswahl hat auf die moralischen Werte unserer Nation einen tiefen Einfluss ausgeübt. Durch ihre Programmgestaltung stellen sie ihre Überzeugung dar, dass jeder das Recht auf die eigene Anschauung darüber habe, was gut sei und was nicht. Eindeutig sehen sie in Unmoral, wie die Bibel sie definiert, nichts Schlimmes, denn das entspricht nicht ihrem Glaubenssystem. Und so haben sie ihre eigene Form einer nachgiebigen, vergnügungssüchtigen „Religion“ auf der Mattscheibe dargestellt. Während ich zu Füßen dieser cleveren, modernen Gurus gesessen hatte, riefen andere Männer die Menschen auf, diesen Trend, das Böse als Unterhaltung zu verkleiden, zu erkennen. In einem Artikel im ‘Miami Herald’ schrieb John Underwood, früherer Chefredakteur der ‘Sports Illustrated’: „Um das Böse unter ansonsten wohlgesonnenen Menschen zum Blühen zu bringen, muss es sich als etwas anderes akzeptabel machen – etwas Attraktiveres, etwas, das von der Wahrheit ablenkt. Natürlich“, schreibt er, „wenn wir es Unterhaltung nennen, können wir die Grenzen etwas weiter stecken.“ Es wurde schmerzlich offenbar, dass mein geliebter Zeitvertreib die Macht besaß, selbst einen gelegentlich Fernsehenden Verirrun-

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gen und Vulgarität, Gier und Materialismus als Norm akzeptieren zu lassen. Entsprechend der ganz unterschwelligen Verunreinigung durch diese täglich verabreichten Dosen an Verderbtheit haben sich die moralischen Standards unserer Welt verschoben. Ich musste zugeben, dass von Jahr zu Jahr mehr Ausschweifung auf der Karte gestanden hat, während wir – Gottes Volk – uns ausruhten, in Rente gingen und ... zusahen! Die Show gefiel uns. Wir haben unsere Lieblingssendungen angekreuzt und sie in unsere Videogeräte einprogrammiert, damit wir nur ja nichts verpassten, wenn wir zur Kirche gingen. Ohne Scham oder Reue haben wir Filme angesehen, in denen ein Paar an dem Abend, an dem sie sich kennenlernten, gleich miteinander ins Bett sprangen, als ob das ganz normal wäre. „Schwer zu glauben, nicht wahr?,“ schreibt David N. Rosenthal in einem Artikel in der ‘San Diego Union’ am 9. Oktober 1991, „dass man früher nicht einmal das Wort ‘schwanger’ im Fernsehen äußern konnte oder zwei verheiratete Leute miteinander in ein Bett stecken konnte, geschweige denn zwei unverheiratete.“ Und doch ist es heute so, dass Eltern mit ihren Kindern in einem Zimmer sitzen und Unmoralisches ansehen, ohne sich auch nur zu schämen. Gott, hilf uns! Wir haben unser Gewissen verloren. Ich hatte meines auf jeden Fall verloren. Wie müssen die Engel weinen! Dann fand ich einen Vers, der in Gottes ewiger Position über das, was Christen tun oder lassen sollten, anscheinend der Schlüssel ist. Er steht in 2. Timotheus 2,19: Doch der feste Grund Gottes steht und hat dieses Siegel: Der Herr kennt, die sein sind; und: Jeder, der den Namen des Herrn nennt, stehe ab von der Ungerechtigkeit! Welch ein Vers! Gottes Ausgangspunkt – auf dem er alles aufbaut – ist die grundlegende Wahrheit, dass jeder, der für und mit ihm arbeitet, sich von Ungerechtigkeit trennen muss. Wer immer irgendetwas in seinem Namen zu tun versucht, muss das gemäß dieser Grundlage tun, denn seine Regeln sind fest und unnachgiebig. Jeder der sagt, er sei Christ, hat etwas, was er tun muss. Mir wurde klarer, was ich zu tun hatte. Ich musste mich von der Ungerechtig-

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keit abwenden. Wenn ich das nicht machte, konnte ich nicht erwarten, auf Gottes Grundlage zu bauen. Wenn ich die Vorteile der Verheißungen aus seinem Wort in Anspruch nehmen wollte, musste ich lernen, was in seinen Augen ungerecht war, und mich dann davon abwenden. Beim Fernsehen war ich ständig Gewalt, Sinnlichkeit und dem Lächerlichmachen fast alles, was Gott uns zu tun und zu sein beruft, ausgesetzt. Nun, wenn Fernsehen böse war, dann sah es wohl so aus, dass ich mich in die andere Richtung wenden musste.

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