© Copyright 2009 by Alina Wieja. All rights reserved. © Copyright der deutschen Ausgabe 2015 by Asaph-Verlag 1. Auflage 2015 Titel der polnischen Originalausgabe: Powrót kobiety do harmonii ze Stwórcą Aus dem Polnischen übersetzt von Ina Bonk Umschlaggestaltung: joussenkarliczek, D-Schorndorf Satz/DTP: Jens Wirth Druck: cpi books Printed in the EU ISBN 978-3-940188-92-2 Bestellnummer 147492 Dieser Titel ist auch als E-Book erhältlich (Best.-Nr. 148552).
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Inhalt Vorwort ................................................................................................ 5 Kapitel 1 Mein Einfluss und meine Erwartungen.............................. 9 Kapitel 2 Was weiß ich über die Frau, die ich bin?.......................... 19 Kapitel 3 Der Tempel Gottes: Geht es nur um meinen Körper?...... 33 Kapitel 4 Freude über den heutigen Tag ......................................... 49 Kapitel 5 Zeit sinnvoll nutzen.......................................................... 59 Kapitel 6 Meine Prioritäten.............................................................. 67 Kapitel 7 Ein offenes Haus für Gott und die Menschen................... 81 Kapitel 8 Von Liebe inspiriert.......................................................... 93 Kapitel 9 Gegenseitige Hilfe unter Frauen..................................... 105 Kapitel 10 Gestärkt für ein erfülltes Leben...................................... 117 Bibliografie....................................................................................... 128
Vorwort Im Laufe der gesamten Menschheitsgeschichte hat sich die Frau noch nie in einer so schwierigen und konfliktreichen Situation befunden wie heute. Sie hat eine Position erreicht, die aus den verschiedenen Rollen resultiert, die sie während der zurückliegenden Epochen eingenommen hat. Jedes Jahrhundert hat einen anderen Frauentyp gefördert, vor allem verbunden mit ihren Aufgaben im Haushalt und in der Kindererziehung. In der Vergangenheit war es gesellschaftlich vorgegeben, dass eine Frau nur in der Familie Erfüllung finden kann. Diese in gewissem Sinne aufgezwungene Rolle rief bei vielen Frauen bereits im 19. Jahrhundert Reaktionen der Unzufriedenheit und Verbitterung hervor. Der Kampf um Rechte und neue Einflussmöglichkeiten erreichte in den Sechziger- und Siebzigerjahren des 20. Jahrhunderts seinen Höhepunkt. In dieser Zeit wurde das Bild einer Frau in den Mittelpunkt gestellt, die um jeden Preis Karriere macht. Im Ergebnis dieses Kampfes wurden viele gesellschaftliche und wirtschaftliche Privilegien erzielt. Vor der Frau tat sich ein breites Spektrum an Möglichkeiten auf – sowohl im Blick auf ihre Ausbildung und berufliche Stellung als auch hinsichtlich der Partnerschaft mit einem Mann. Der Ausgangspunkt für diese Veränderungen war allerdings der Widerstand nicht nur gegen die Männer, sondern auch gegenüber Gott als dem Schöpfer des Menschen. Überzeugungen, die Gottes Vorstellung von Mann und Frau betreffen, wurden als „religiöse Tradition“ zurückgewiesen. Viele Frauen verleugneten die Autorität der Bibel und betrachteten sie vielmehr als Quelle ihrer Diskriminierung. Die negative Behandlung der Frauen war tatsächlich oft mit aus dem Zusammenhang 5
Leben, lieben, Einfluss nehmen gerissenen Bibelzitaten gerechtfertigt worden. Dies führte zu einer Ablehnung von Gott und seinen Grundsätzen. Demzufolge wurden auch die neuen Theorien nicht vor dem biblischen Kontext überprüft. Die Frau stand in der Verantwortungshierarchie plötzlich auf derselben Ebene oder sogar höher als der Mann. Dabei wurde jedoch die Tatsache außer Acht gelassen, dass sich die Frau sowohl biologisch als auch emotional vom Mann unterscheidet … Anstatt nach Gottes Antwort zu suchen, schufen sich die Frauen ein eigenes Wertesystem und nahmen viele neue Herausforderungen an. Nach kurzer Zeit der Freude über die erlangte Freiheit und die „männlichen“ Arbeitsplätze trat allerdings eine Krise ein. Das Erfüllen zahlreicher neuer Pflichten führte bei den Frauen zu einer zunehmenden Ermüdung und Frustration. Moderne Gesellschaften, insbesondere in den Ländern Europas und Nordamerikas, stellten erschrocken fest, dass die Frauen in eine Falle geraten waren. Ihre berufliche Aktivität schwächte vor allem die familiären Bindungen und geriet mit ihrer Mutterrolle in Konflikt. Bei vielen Frauen rief sie zudem ein Gefühl von Einsamkeit und innerer Leere hervor. Dies wiederum hatte eine Vernachlässigung der Kinder und Jugendlichen zur Folge, die auch heute spürbar ist. Die Kinder bekommen weder vonseiten der Mutter noch des Vaters genügend Aufmerksamkeit, da beide ihre Zeit in erster Linie der beruflichen Weiterentwicklung und dem Ausbau ihrer Qualifikationen widmen. Der Einfluss des Elternhauses beginnt zurückzugehen, ein Einfluss, den niemand ersetzen kann. Man kann nicht von einer positiven Wirkung der Eltern auf ihre Kinder sprechen, wenn sich die gemeinsame Zeit auf wenige Augenblicke am Nachmittag beschränkt – in der Mutter und Vater müde sind von der Arbeit. Die Schule bietet mit ihrem Überfluss an theoretischen Programmen auch keine Gelegenheit für einen näheren Kontakt zwischen Lehrer und Schüler. Ein Kind, das zu Hause keinen Ausgleich für den Stress von außen findet, das nicht von Liebe und Akzeptanz umgeben ist, hat zwei Möglichkeiten. Entweder wählt es den Weg der Ablehnung und zieht sich zurück, oder es passt sich an die Erwachsenenwelt an, in der oft Gerissenheit, Unehrlichkeit und das Recht des Stärkeren die einzige Überlebenschance zu bieten scheinen. Der Einfluss der Kirche hat ebenso an Bedeutung verloren und wurde im besten Fall auf den Sonntagvormittag reduziert, der jedoch nichts 6
Vorwort mit dem Rest der Woche zu tun hat. Es wurde ein Wertesystem ohne Gott geschaffen, in dem es keine Vorbilder für die Würde des Menschen mehr gibt. Es gelingt auch nicht, eine echte Quelle des Glücks und der Zufriedenheit darin zu finden. Der Mensch wurde in den Mittelpunkt gestellt, indem man eine Ethik ohne innere Schlüssigkeit entwickelte. Wenn das gut ist, was dem Menschen im jeweiligen Moment von Nutzen ist, lassen sich positive Erklärungen für das Töten ungeborener Kinder, die Euthanasie und viele andere Verhaltensweisen finden, die im Allgemeinen als unmoralisch bewertet werden. In unserer Zeit wurden Versuche unternommen, zur früheren Rolle der Frau zurückzukehren, das heißt zur Rolle der Ehefrau und Mutter, jedoch in Verbindung mit allen neuen Pflichten außerhalb der Familie. Auf diese Weise entstand das Bild der Superfrau – der hübschen, gepflegten, fröhlichen, liebevollen und fürsorglichen Ehefrau und Mutter, die sich um ihr Heim kümmert und gleichzeitig auf der Karriereleiter immer höher klettert. Diese Herausforderung haben viele Frauen angenommen. Es fehlte allerdings ein praktisches Muster, mit Hilfe dessen diese Superfrau in allen Bereichen richtig funktionieren konnte. Wie soll eine Ehe aussehen, in der beide Partner eine berufliche Karriere verfolgen? Was bedeutet es, weise mit seiner Zeit umzugehen und körperliche Grenzen zu akzeptieren? Wie sollten Lebensprioritäten gesetzt werden? Und wie können unsere Kinder eine wirklich schöne Kindheit haben? Bei der Beantwortung dieser Fragen sehen wir uns einer Generation frustrierter Frauen gegenüber, die unterschiedlicher Meinung sind. Ein Teil spricht sich für die Befreiungsbewegung der Frauen aus und lehnt das traditionelle Rollenverständnis ab. Der andere Teil sieht sich mit der Tatsache konfrontiert, nicht alle Pflichten erfüllen zu können, und fällt in tiefe Unzufriedenheit, die in vielen Fällen in eine Depression mündet. Keine dieser Lösungen führt zu wirklicher Harmonie: zu einer erfüllten Ehe, glücklichen Kindern und echter Lebensfreude. Die Rettung für die moderne Frau liegt in der Rückkehr zu Gott. Nicht zu Gott als einer mystischen Gestalt, sondern zum lebendigen Gott, der Mann und Frau als Menschen von gleichem Wert geschaffen hat. Unabhängig davon hat er sie mit unterschiedlichen Gaben ausgestattet, damit sie verschiedene Rollen erfüllen können, die dieselbe Bedeutung für die Familie und Gesellschaft haben. Sowohl die Frau als auch der Mann sind für Gott ausgesprochen kostbar. Gott selbst wünscht sich eine 7
Leben, lieben, Einfluss nehmen Freundschaft mit uns. Er hat seinen Sohn, Jesus Christus, auf die Erde geschickt, um uns aus der Macht der Sünde zu befreien und uns ewiges Leben zu schenken. Eine Frau hat nur dann die Chance auf echtes Glück und tiefe Befriedigung, wenn sie auf der Grundlage der Bibel entdeckt, wie Gottes Idealbild der Frau aussieht und welche Rolle sie im Leben ausfüllen kann und möchte. Lasst uns als Frauen alle falschen und demütigenden Ansichten ablegen und Gottes Maßstäbe annehmen, die uns Wert, Zufriedenheit und Menschlichkeit vermitteln. Der Schlüssel dazu ist das Entdecken der persönlichen Berufung und die Annahme dessen, was Gott von uns erwartet und wozu er selbst uns befähigt hat. Jede Frau ist in Gottes Augen außergewöhnlich. Sie hat bestimmte Gaben von ihm erhalten und kann sie im Alltag einsetzen. Ich bin zutiefst überzeugt, dass eine Erneuerung unserer Heime, eine Erneuerung der Kirche und Gesellschaft stark von uns Frauen abhängt – von unserer Einstellung. Davon, ob wir uns selbst annehmen. Ob wir unsere Rolle als Ehefrau und Mutter erfüllen. Ob wir ein Zuhause schaffen, das eine Oase der Ruhe und Freude für alle ist, die es betreten. Und auch ob wir zuverlässig unseren Pflichten außer Haus nachkommen. Das ist nur mithilfe einer individuellen Veränderung möglich, die Gottes Kraft in uns bewirkt. An dieser Stelle beginnt für uns Frauen eine echte Herausforderung und eine reale Chance, etwas Neues und Spannendes zu erleben, das gleichzeitig Erfüllung schenkt.
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Kapitel 1
Mein Einfluss und meine Erwartungen In Gottes Plan mit der Menschheit nimmt die Frau einen besonderen Platz ein. Ein Beweis dafür sind die Frauen, die uns in der Bibel vorgestellt werden. Wenn wir ihren Charakter, ihr Handeln und die Rollen betrachten, die sie in verschiedenen Situationen innehatten, erkennen wir deutlich, wie Gott die Frau sieht. Ein Beispiel dafür ist das Idealbild der Frau aus dem 31. Kapitel der Sprüche Salomos. Aber auch Jesu Umgang mit Frauen ebenso wie die Briefe des Neuen Testaments zerstören jahrhundertealte Klischees – falsche und ungerechte Meinungen von Gottes Bild der Frau. Er hat jede von uns als außergewöhnliches Wesen geschaffen und mit verschiedenen Fähigkeiten begabt. Dadurch haben wir Einfluss auf das Leben derer, mit denen wir verbunden sind. Dieser Einfluss, den Gott uns Frauen geschenkt hat, ist an und für sich weder gut noch schlecht – er ist neutral. Es lohnt sich allerdings, darüber nachzudenken, auf welche Weise wir ihn nutzen und zum Erreichen welcher Ziele wir ihn einsetzen. Eigene Wertvorstellungen, Überzeugungen, Erfahrungen aus der Vergangenheit sowie das Bewusstsein, unter wessen Leitung wir stehen, sind dabei von enormer Bedeutung. Wir befinden uns entweder unter der vollkommenen Führung des Heiligen Geistes oder unter dem Einfluss unserer Umgebung, der Medien und der Lügen Satans. Die Entscheidung, wem wir erlauben, uns zu beeinflussen, liegt ausschließlich bei uns selbst. 9
Leben, lieben, Einfluss nehmen
Positiver oder negativer Einfluss In fast allen Beziehungen kann die Frau Einfluss auf die sie umgebenden Menschen nehmen. Dafür nutzt sie verschiedene Methoden. Sie weiß im jeweiligen Fall, ob sie mithilfe von Tränen, vielsagendem Schweigen oder einer starken Argumentation das beabsichtigte Ergebnis erreicht. Überlegen wir doch einmal, wie wir von bestimmten Ereignissen berichten oder über dritte Personen sprechen. Ton und Lautstärke der Stimme sowie kleine Hervorhebungen dieser und jener Fakten führen dazu, dass wir unserem Zuhörer die eigene Sichtweise aufdrängen. Man könnte viele Beispiele dafür anbringen, wie eine Frau durch ihre emotionale Herangehensweise in der Lage ist, ihren Mann in ganz bestimmten Punkten zu manipulieren. Ein Mann ist weniger kleinlich und genau. Er legt keinen besonderen Wert auf Details, oft bemerkt er sie nicht einmal. Erst eine (positive oder negative) Bemerkung seiner Frau „öffnet ihm die Augen“ und führt zu einer – manchmal radikalen – Richtungsänderung bei bestimmten Entscheidungen. Problematisch ist, dass sich so wenige Frauen darüber im Klaren sind, wie sehr sie das Leben ihrer Nächsten beeinflussen: ihres Mannes, ihrer Kinder, Eltern, Geschwister, Freunde und Arbeitskollegen. In den Vereinigten Staaten wurde zu diesem Thema eine Umfrage durchgeführt. Eine der Fragen betraf die Person, die das Leben des Befragten am stärksten geprägt hatte. In 95% der Fälle war diese Person eine Frau: die Mutter, Ehefrau oder eine Lehrerin. Dies ist eine weitere Bestätigung dafür, was für eine enorme Bedeutung das weibliche Geschlecht für sein Umfeld hat. Wir können als Ehefrauen, Mütter, Töchter, Omas, Schwestern, Tanten, Lehrerinnen oder Mitarbeiterinnen einen entscheidenden Einfluss auf andere ausüben. Leider ist ein großer Teil dieses Einflusses negativ. Dabei geht es gar nicht so sehr um Frauen mit starkem Charakter, die andere dominieren. Oftmals können schwache, von Selbstmitleid und Komplexen erfüllte Frauen bleibende Narben im Leben ihrer Nächsten hinterlassen. Bekannt sind Beispiele junger Frauen, die von ihren sich selbst bemitleidenden Müttern weder auf das Erwachsensein noch auf die Ehe vorbereitet wurden. Sie manipulierten die Gefühle von Mann und Kindern nach ihren eigenen egoistischen Vorstellungen und verzerrten auf diese Weise deren Haltung gegenüber anderen Menschen. Wir brauchen die Sensi10
Mein Einfluss und meine Erwartungen bilität von Gott selbst, um ein Leben zu führen, das unserem Schöpfer Ehre macht und von einer positiven Wirkung auf das Leben unserer Nächsten gekennzeichnet ist. Unsere eigene Sensibilität oder religiöse Überzeugung wird uns dabei allerdings keine Hilfe sein, sondern einzig und allein die Tatsache, ob wir uns vollständig der Führung und Kontrolle von Jesus Christus unterstellen. Darüber hinaus ist es von Bedeutung, sich mit Gottes Wort zu beschäftigen und von den darin vorgestellten Frauen zu lernen.
Inspirierende Beispiele Die Geschichten der biblischen Frauen können uns dabei helfen, unsere Rolle unter den Menschen einzunehmen, die mit uns verbunden sind. Ich empfehle es sehr, sich eingehend mit den angeführten Bibelstellen zu beschäftigen. Sowohl Isebel (1. Kön. 21) als auch Herodias (Mk. 6,17–28) verursachten eine Tragödie im Leben ihrer Männer und richteten sich gleichzeitig selbst zugrunde. Dagegen bewahrten die Weisheit und Besonnenheit von Abigajil (1. Sam. 25,2–42) König David, der von Gott zu einem besonderen Dienst auserkoren worden war, vor einem Zwischenfall, der sein ganzes weiteres Lebenswerk zerstört hätte. Aquila wäre ohne die Hilfe seiner Frau Priscilla nicht in der Lage gewesen, seine Aufgabe so effektiv zu erfüllen. Sie wechselten häufig ihren Wohnort, aber ihr Haus stand immer für andere offen. In Korinth wohnte der Apostel Paulus bei ihnen, womit sie einem Menschen Gastfreundschaft erwiesen, der Gott diente (Apg. 18,2–4). In Ephesus führten sie Apollos in die Geheimnisse des Glaubens ein, um ihn für Gottes Werk vorzubereiten (Apg. 18,24–26). In Rom wiederum entstand in ihrem Haus die örtliche Gemeinde (Röm. 16,3–5). Je mehr Jesus Christus unser Denken erfüllt, umso besser werden wir darauf vorbereitet sein, verschiedene Probleme zu lösen sowie die Aufgaben und Pflichten in unserem Leben richtig anzugehen. Man sieht einen deutlichen Unterschied, wenn die Persönlichkeit einer Frau von Jesus Christus bestimmt wird. Er ist es, der unsere Gefühle und Reaktionen verändern kann, wenn wir das wollen. In Anbetracht des Einflussvermögens, das jede von uns besitzt, sollten wir in uns als Frauen investieren. Das bedeutet in erster Linie, Gottes Wort und seine Vorstellung von Weiblichkeit kennenzulernen. Dann kann der negative 11
Leben, lieben, Einfluss nehmen Einfluss, den beispielsweise Königin Isebel auf Ahab und Herodias auf Herodes hatten, in einen positiven verwandelt werden, wofür Abigajil und Priscilla ein Beispiel sind. Es hängt von uns ab, ob wir uns völlig Gott unterstellen – dem Einfluss seines Wortes und Geistes, damit er an uns arbeiten und uns verändern kann. Lasst uns unsere Machtlosigkeit, Enttäuschung und Verbitterung an ihn abgeben, alles, womit es uns schlecht geht. Er gibt uns dafür etwas Wunderschönes, was für uns eine große Überraschung sein wird: Das Alte ist vergangen; siehe, es ist alles neu geworden (2. Kor. 5,17). Als Frauen, die sich Jesus Christus unterordnen, werden wir fähig, uns selbst mit Gottes Augen zu sehen, zu verstehen und anzunehmen sowie unsere eigenen Erwartungen zu erkennen, die einen enormen Einfluss auf unsere Lebensqualität haben.
Die unsichtbare Messlatte Unsere Erwartungen können eine Quelle des Glücks und der Zufriedenheit sein, wenn sie erfüllt werden. Enttäuschte Erwartungen dagegen führen zu Frustration, insbesondere in zwischenmenschlichen Beziehungen wie der Ehe und Familie. Sie haben auch Auswirkungen auf die Arbeitsatmosphäre und die Beurteilung verschiedener Ereignisse. In einer Ehe können viele gegensätzliche Erwartungen aufeinander stoßen. Bei der Planung des gemeinsamen Urlaubs beispielsweise wünscht sich der eine vielleicht eine aktive und abwechslungsreiche Tagesgestaltung, während der andere nur von einer ruhigen und entspannten Zeit träumt. Erwartungen sind wie eine unsichtbare Messlatte, die ein bestimmtes Niveau festlegt, auf das wir uns körperlich und geistlich einstellen. Wenn sie zu niedrig angebracht ist, ist das Leben langweilig und farblos. Wenn die Messlatte allerdings zu hoch angelegt ist, nehmen wir das vor uns Liegende gar nicht erst in Angriff. Ich las einmal: „Wenn man nicht viel erwartet, hält man Durchschnittlichkeit für normal, und was normal ist, wird relativ.“ Wir sind dazu berufen, ein Leben über dem Durchschnitt zu führen, aber falsche Erwartungen können uns einschränken und einen negativen Einfluss auf die Menschen um uns herum ausüben. Es stellt sich heraus, 12
Mein Einfluss und meine Erwartungen dass gerade unsere Erwartungen – sowohl die bewussten als auch die unbewussten – unsere Beziehungen, Leistungen und Lebensqualität bestimmen. Wenn Erwartungen also einen so wichtigen Bestandteil unseres Lebens ausmachen, lohnt es sich, einen genaueren Blick darauf zu werfen und sich persönlich einige grundsätzliche Fragen zu stellen. Vor allem gilt es, das allgemeine Schema zu überprüfen: Sollten Erwartungen unser Leben kontrollieren? Oder sollten nicht vielmehr wir in kluger Weise Einfluss darauf nehmen, was wir von uns und anderen erwarten und wie hoch wir die Messlatte anlegen?
Bewusstsein der eigenen Bedürfnisse Was erwarten wir und wie äußern wir unsere Erwartungen? Ich habe diese Frage verschiedenen Frauen gestellt, doch nur selten eine Antwort bekommen. Viele Frauen wissen gar nicht, was sie von ihrem Leben erwarten und was sie glücklich machen könnte. In Ehen, in denen Mann und Frau ihre eigenen Bedürfnisse nicht kennen, gehen beide gewöhnlich davon aus, dass der andere sich denken kann, was sein Gegenüber braucht, und diese unbewussten und unausgesprochenen Erwartungen erfüllt. Das klingt paradox? Leider ist es in vielen Fällen genau so, denn dieses Problem stellt eine der Hauptursachen für Ehekrisen dar. Zahlreiche Beziehungen zerbrechen daran, dass der eine die Bedürfnisse des anderen nicht stillt. In der Regel ist der Beginn einer Krise wiederum damit verbunden, dass gegenseitige Erwartungen nie klar und deutlich geäußert wurden. Unbefriedigte Bedürfnisse ziehen sich oft wie ein roter Faden durch die unterschiedlichsten Konflikte. Deshalb empfiehlt es sich, nicht erst im Moment des Problems, der Enttäuschung oder Unzufriedenheit über folgende Fragen nachzudenken: Was müsste passieren oder sich ändern, damit es mir gut geht? Was erwarte ich wirklich von meinem Leben? Die Fähigkeit, sich seine Bedürfnisse bewusst zu machen und sie verbal zu formulieren, ist sehr wichtig für den Bau von positiven Beziehungen. Eine verständliche Vermittlung von Erwartungen bildet die Grundlage jedes guten Miteinanders: in der Ehe und Familie, zwischen Eltern und Kindern sowie Chef und Arbeitnehmer. Dafür ist Zeit erforderlich, um sich zunächst die eigenen Bedürfnisse klarzumachen und 13
Leben, lieben, Einfluss nehmen sie dann mit Liebe und Wertschätzung demjenigen mitzuteilen, den sie betreffen. Am Arbeitsplatz herrschen eine bedeutend bessere Atmosphäre und erhöhte Produktivität, wenn gegenseitige Erwartungen von Chef und Angestellten nicht nur präzise formuliert, sondern auch miteinander abgesprochen sowie respektiert werden. Erwartungen können jedoch ein großes Hindernis darstellen, wenn sie so hoch sind, dass sie nicht mehr der Realität entsprechen und keinen Raum lassen, auch die Bedürfnisse anderer zu akzeptieren, die sich von unseren unterscheiden.
Falsche Erwartungen Ein ideales Beispiel unerfüllter Erwartungen sehen wir bei den Jüngern Jesu. Sie verbrachten fast drei Jahre mit ihm, und er lehrte sie, wer er ist, wozu er auf die Erde gekommen war und wer der Vater im Himmel ist. Nach der Kreuzigung Jesu wurde sein Leib in ein Grab gelegt. Zwei seiner Jünger waren zu dieser Zeit auf dem Weg von Jerusalem nach Emmaus und unterhielten sich darüber, was passiert war. Es war möglicherweise das erste Mal, dass sie ihre eigenen Erwartungen im Blick auf Jesus offen aussprachen – Erwartungen, die vollkommen vom wirklichen Auftrag Jesu abwichen: Wir aber hofften, dass er der sei, der Israel erlösen werde (Lk. 24,21). Die Jünger, die Jesus gefolgt waren, hatten ganz konkrete Vorstellungen vom Messias und seiner Mission auf dieser Erde. So wie viele andere rechneten sie mit einer politischen Befreiung des jüdischen Volkes von der römischen Herrschaft. Sie hatten ihren eigenen Plan dafür, wie Jesus vorzugehen hatte. Deshalb fühlten sie sich nach seinem Tod verlassen, enttäuscht und traurig. Ihre Erwartungen hatten ihnen wie ein Vorhang den Blick für die Wahrheit verdeckt, selbst dann noch, als der auferstandene Christus ihnen die Schriften auslegte. Während er neben ihnen lief, erkannten sie weder ihn noch den, über den er sprach. Ihre Augen und Herzen waren verschlossen, bis zum Moment des gemeinsamen Abendessens. Als Jesus das Brot in Stücke teilte, wurden ihre geistlichen Augen aufgetan und sie spürten seine Nähe und Liebe (Lk. 24,13–32). Heute ist es nicht anders. Unsere Erwartungen können uns so stark beeinflussen und unseren Verstand so verblenden, dass wir nicht in der 14
Mein Einfluss und meine Erwartungen Lage sind, die Wirklichkeit zu sehen. Es kann passieren, dass wir für neuen Segen und wunderbare Erlebnisse nur deshalb verschlossen sind, weil wir mit etwas völlig anderem rechnen. In erster Linie können falsche Erwartungen für uns selbst eine Gefahr darstellen. Sie können eine Täuschung sein, um uns von Gottes Plan und Berufung abzubringen, die wir eigentlich verwirklichen sollten. Oft stehen falsche Erwartungen im Blick auf Gott wie ein Hindernis zwischen uns und einer persönlichen Beziehung mit ihm. Dann wenden wir uns wie die Jünger enttäuscht und ratlos von Gott ab. Viele Menschen sind wütend, dass er nicht ihre Erwartungen erfüllt und ihnen nicht das gibt, was sie wollen. Dabei vergessen sie völlig, sich für das zu öffnen, was Gott ihnen geben will. Eine zweite große Gefahr sind Erwartungen, die aus Ängsten, Befürchtungen und negativen Vorstellungen resultieren. Man kann Gutes für das eigene Leben erwarten, aber auch Schlechtes, wie Krankheiten, Gefahren oder schlimme Ereignisse, sogar ohne sich dessen bewusst zu sein. In der Bibel lesen wir von Hiob, der das sehr präzise formuliert hat: Denn das Schreckliche, das ich befürchtet habe, ist über mich gekommen, und das, wovor mir graute, hat mich getroffen (Hi. 3,25). Worauf beruht dieser Mechanismus? Unruhe führt dazu, dass wir ständig über das nachdenken, was wir befürchten, und es uns in den schillerndsten Farben ausmalen. Im weiteren Verlauf wird die Angst davor immer größer, wir sprechen darüber und beginnen es in eigenartiger Weise zu erwarten. Das Aussprechen negativer Vorstellungen erzeugt häufig eine negative Wirklichkeit. Beispielsweise sind Sätze wie „Das gelingt mir niemals …“, „Die Prüfung bestehe ich nicht …“, oder „Ich werde mit Sicherheit krank …“ ein Verbalisieren negativer Erwartungen. Viele Menschen, die tatsächlich an Krebs erkrankt sind, erinnern sich an eine Zeit vor der Krankheitsdiagnose, in der in ihrer Seele immer wieder Ängste aufgetaucht waren, dass sie Krebs bekommen könnten. Nach einiger Zeit waren diese Befürchtungen, die sie ständig vor sich und anderen wiederholt hatten, zur Realität geworden. Wir müssen uns des Einflusses unserer Erwartungen bewusst sein. Erwartungen, die mit der Macht von ausgesprochenen Worten verbunden werden, führen zu einer Erfüllung sowohl positiver als auch negativer Vorstellungen. Von Zukunftsängsten gebunden, verhalten sich heute viele Menschen so, wie es der Prophet Jesaja vor Tausenden Jah15
Leben, lieben, Einfluss nehmen ren beschrieben hat. Er warnte davor, Schlechtes auszusprechen und von irgendjemand anderem als dem alleinigen Gott Hilfe zu erwarten. Wir sollen im Gebet zu Gott kommen und mit seinem Eingreifen rechnen. Leider sieht es heute mehr denn je so aus, dass Menschen dem Glücksgott den Tisch decken und der Schicksalsgöttin den Kelch mit Wein füllen (Jes. 65,11). Es hat sich zum modernen Lebensstil entwickelt, das Glück überall zu suchen, nur nicht in der Beziehung zu Gott, dem Vater. Dies lässt sich nur auf eine einzige Weise durchbrechen: indem wir uns im Glauben und Vertrauen an Gott wenden, der uns helfen will. Er hat gute Gedanken über uns Menschen sowie einen vollkommenen Plan für unser Leben.
Ein Herz, das Gott sucht So wie früher möchte Gott uns auch heute seine Pläne durch sein Wort offenbaren. Ein ausgezeichnetes Beispiel dafür ist der Psalmist David, der sich von ganzem Herzen auf Gott ausrichtete: Ich komme vor der Morgendämmerung und rufe um Hilfe; auf dein Wort hoffe ich (Ps. 119,147). David wusste, dass er selbst in den schwierigsten Momenten Hilfe, Rettung und einen Ausweg gezeigt bekommen würde, wenn er auf Gottes Wort wartete. Er sagte: Ich freue mich über dein Wort wie einer, der große Beute macht (Ps. 119,162). Eine erfüllte Verheißung Gottes verändert das Leben in jeder Hinsicht. Vertrauen auf Gott bewährt sich in Situationen, die wir nicht verstehen und die uns aus der Fassung bringen, wenn du [Gott] Taten vollbringst, die wir nicht erwartet haben – so drückt es der Prophet Jesaja aus. Und er bittet Gott: Komm herab, dass die Berge vor dir erbeben! Denn noch nie hat man von einem Gott gehört, der mit dir zu vergleichen wäre; noch nie hat jemand einen Gott gesehen, der so gewaltige Dinge tut für alle, die auf ihn hoffen (Jes. 64,2–3). Die Voraussetzung dafür, herrliche Werke und große Wunder Gottes zu erleben, ist ein Herz, das mit ihm rechnet. Erst eine solche Haltung führt dazu, dass in und um uns herum ungewöhnliche Dinge passieren. Das Warten auf Gott ist das Eintreten in eine völlig neue Lebensdimension, die nicht mehr durch menschliche Vorgaben begrenzt ist, die entweder zu hoch oder zu niedrig angesetzt sind. Gott kann in unserem Leben übernatürliche Dinge tun: einen Ausweg aus einer scheinbar hoffnungslosen Situation zeigen, einen Kranken heilen, für den die Medizin keine Hilfe mehr sieht, oder das Leben eines Kindes erneuern, das in 16
Mein Einfluss und meine Erwartungen Drogenabhängigkeit und Alkoholismus abgerutscht ist. Gott verändert sich nicht. Er ist heute derselbe wie damals – gewaltig und allmächtig. Alles, was er beschlossen hat, wird er tun. Für diejenigen unter uns, die von ganzem Herzen auf ihn hoffen, kann er Wunder wirken.
Gebet Vater im Himmel, du hast mir großen Einfluss verliehen. Vergib mir, wo ich ihn willkürlich benutzt habe, ohne mir darüber im Klaren zu sein – wie ein Kind, das ein scharfes Werkzeug in die Hand nimmt. Vergib mir auch, wo ich meinen Einfluss bewusst dazu eingesetzt habe, andere zu verletzen, zu manipulieren und zu ruinieren. Ich möchte von heute an eine Frau sein, die einen positiven Einfluss auf andere ausübt – wie dein ausgestreckter Arm, um das zu stärken, was gut und schön ist bzw. werden kann. Alle meine Erwartungen übergebe ich dir. Ich sehne mich nach deinem mächtigen Einfluss auf mein Leben, damit ich ein Segen für alle sein kann, die du auf meinen Weg stellst!
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